Abend- Ausgabe Nr. 536 B260 49. Jahrg. Rebaktton und Verlag, Berlin SW 68, Cinbenftr. 3 StmfpHtfitti«7 Amt Dönhoff 792 bli 797 T-Itgrammadress«! Sojidtlemottal-Sortin BERLINER VOLKS BLATT SONNABEND 12. November 1932 In Groß- Berlin 1 0 Pf. Auswärts....... 10 Pf. Bezugsbedingungen und Anzeigenpreije siehe Morgenausgabe Jentvawegan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Art. 48 Abs. 2 Die hehre eines schwarten Freitags Am gestrigen Freitag Hatte Herr von P a p e n Otio Braun zu einer Be- sprechung geladen, die angeblich der Aus- führung des Leipziger Urteils dienen sollte. Ilm selben Tage wurden aus den preußischen Zentralbehörden sämtliche Beamte hinaus- geworfen, die in dem Verdacht stehen, der Regierung Braun in aufrichtiger Ergeben- heir und nicht bloß des Gehalts willen ge- dient zu haben. Das Vorgehen der Baronsregierung stützt sich auf Art. 48 Abs. 2 der Reichsverfassung, der den Reichspräsidenten ermächtigt, zur Wiederherstellung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung die nötigen Maßnahmen zu treffen. An demselben gestrigen Freitag wurde in Altona gegen 4l> Putschisten oerbandelt, die in der Nacht zum 1. August mit Bomben um sich geworfen und geschossen hatten. In den vorbereitenden Besprechungen war, wie verschiedene Zeugen bekundeten, den SS.- Leuten versichert worden, daß der Reichs- wehrminister von Schleicher für diesen Plan gewonnen sei und das Vorhaben be- stimmt klappen würde. Daß Herr von Schleicher den idiotischen Noziputsch wirklich gewünscht habe, wird niemand annehmen. Ebenso gewiß ist aber, daß es in vergangener Zeit niemals möglich gewesen wäre, einen Putsch etwa durch die Behauptung zu entfesseln, der Reichswehr- minister G r o e n e r wünsche ihn. Ein solches Vertrauen hat eben Herr Groener bei der SA. und der SS. nicht genossen. Herr von Schleicher aber hat um den 31. Juli herum den ausbauwilligen Kräften als ihr Mann gegolten und noch lange, nachdem das Gepolter gegen die Barone begonnen hatte, hat die nationalsozialistische Presse diesem Baron in auffälliger Weise hofiert. Die Berufung der Putschisten auf Schleicher erfolgte zweifellos mißbräuchlich. Aber es ist und bleibt ein ausgesprochenes Pech für die autoritäre Staatsführung, daß derartige Bekundungen vor Gericht gerade an dem- selben Tage erfolgten, an dem sie Dutzende von pslichtgetreuen, republikanisch gesinnten Beamten hinauswarf— zwecks Wiederherstellung von Ordnung und Sicherheit. Nach Art. 48 Abs. 2 hat der Reichs- Präsident zur Wiederherstellung von Ord- nung und Sicherheit die nötigen Maßnahmen , zu treffen. Wer sagt dem Reichspräsidenten, daß die allernötig st e Maßnahme dieser Art die Entfernung der Regierung von Papen aus ihrem Amte i st? Aas GonntagsweNer Etwas kühler und trocken (Ein Saltluftkörper, der aus cilauen nach Westen vorstößt und nach den vorliegenden Anzeichen auch Mitteleuropa überfluten dürste. wird aller Voraussicht nach unserem Gebiet einen erheblichen Temperaturrückgang bringen. Bereits am morgigen Sonntag soll die Abkühlung in Erscheinung treten. Der Amtliche Wetterdienst gibt folgende Prognose: kälter, teils wolkig, teils heiter, frische nordwestliche bis nordöstliche winde, keine Niederschläge. Die Kaltlustfront reichte heute früh von-vüd- skandinavien bis Litauen. Ganz Ostpreußen war heute bereits in den Bereich des Kaltlust- einbruchs gelangt. In den deutschen Bergen, wo in den letzten Togen verhältnismäßig milde Tem- peraturen vorherrschend waren, ist seit heute überall Frost zu � verzeichnen, der sich in den nächsten Z4 Stunden verschärfen wird. Für Berlin, das heute mittag noch annähernd 7 Grad Warme hatte, sind Nachtfröste zu erwarten. Krisentagung der Landgemeinden ?apen„verlüncleit"— Scharfe Kritik an der Verwaltungsreform Am Sonnabcndvormittag veranstaltete der Verband der Preußischen Landgemeinden einen Delegierten- tag im Plenarsißungssaal des Reichstags. Der Andrang zu der Tagung war derart stark, daß bei überfüllten Tribünen eine Parallelversammlung in der Wandelhalle abgehalten werden mußte. Ter Vorstand der Sozialdcmo- kratischcn Partei und die sozialdemokra- tische Rcichstagssraktion hatten zn der Tagung Vertreter entsandt. Der Vorsitzende des Verbandes, Bürgermeister Lange- Weißwasser, teilte bei der Begrllßungs- anspräche mit, daß Reichskanzler von Papen trotz fester Zusage aus sein Erscheinen verzichtet hätte. i)r. Xudirig ltfwffinanii, der bekannte Stadtbaurat und älteste Ehren- bürger Berlins, ist gestern im Alter von 81 Jahren gestorben. Hoffmann hat das neue Stadthaus, das Märkische Museum, das Virchow-Krankenhaus, den Märchenbrunnen und das Altersheim in Buch geschaffen! sein größtes Werk war der Bau des Reichsgerichts in Leipzig. (Unruhe und Zurufe: Wir hätten ihn gut emp- fangen!) Weiter erklärte der Vorsitzende, daß sich der Gesamtvorstand noch heute hinter den Gereke- Plan stelle, obwohl Gereke auf die fast allgemein scharfe Ablehnung seines Arbeitsbeschasfungspro- gramms in der Presse sehr starke Einschränkungen in seinem Programm vorgenommen hat. Die bisherigen Mahnahmen zur Berwaltungs- r e s o r m lehnte der Redner als eine zu weit- gehende Zentralisierung ab. Die Land- gemeinden seien der Ansicht, daß das Ziel einer positiven Verwaltungsresorm nicht die Aufhebung der Selbstverwaltung, sondern die Wiederher- stellung in ihrer ursprünglichen Reinheit sein müsse. Auch der folgende Redner, Landrat v. Arnim, der für den Brandenburgischen Verband sprach, lehnte die letzten Reformmaßnahmen der Preußen- kommissare ab. Der Redner erging sich sodann in unverblümten Angriffen aus die Reichs- dank, deren ablehnende Haltung in der Frage der Finanzierung des Arboitsbeschaffungspro- gramms der Landgemeinden einfach unverständlich sei. Darauf nahm der neue Reichsminister ohne Geschäftsbereich Dr. P o p i tz, der als Kommissar mit der Führung des preußischen Finanz- Ministeriums betraut ist, das Wort, um zunächst das Nichterscheinen Dr. Bracht? zu ent- schuldigen.(Unruhe und Zurufe.) Dr. Popltz er- klärte:„Ich bin überzeugt, daß die großen Auf- gaben von Reich und Ländern nicht gelöst werden können, wenn dies nicht in engster Verbindung mit den Interessen sämtlicher Kommunen geschieht. Die Sanierung staatlicher Finanzen darf nicht im Gegensatz zu den Gemeindeinter- essen stehen, vielmehr müssen diese beiden großen öffentlichen Instanzen auf das engste zusammen- arbeiten. In der vorigen Woche hat die Reichs- rcgierung beschlossen, die Zuschüsse für die kommunale Wohlsahrts- fürsorge in den Wintermonaten wesentlich zu vermehren. Gleichzeitig ist der Beschluß gesaßt worden, den Strom der in der K r i s e n u n t e r st ü tz u n g befindlichen Erwerbslosen zu der Wohlfahrtspflege abzustoppen. Diese wichtige Maßnahme beseitigt eine Unberechenbarkeit, die bisher als ständiger Unsicherheitsfaktor den kommunalen Finanzctat in Unordnung brachte. Diese Maß- nahmen sind natürlich nicht ausreichend und können nichts anderes als einen Anfang darstellen. Eine wichtige Voraussetzung für die Gesamt- sanierung der kommunalen Finanzen mußte eine Finanz ord»ung für die Gemeinden sein. Diese Finanzordnung bringt den Gemeinden kein Geld. Sic ist aber eine psychologische Not- wcndigkeit, denn die Gemeinden haben nicht nur an geldlichem Kredit verloren, sondern auch sehr stark an Vertrauen in der Bevölkerung und stehen dauernden Angriffen der Gesamiwirtschaft gegenüber. Die Finanzordnung will hier einen Schlußstrich ziehen. Zu dem Arbeitsbeschafsungsprogramm des Land- gemeindctages erklärte Popizz im Hinblick aus die Angriffe seines Vorredners gegen die R e i ch s b a n k l e i t u n g, daß jeder, der Bedenken gegen diesen Plan äußere, doch unter keinen Umständen als böswillig hin- gestellt werden könnte. Ein solcher umfassender Plan sei natürlich init ganz großer Ver- antwortung verbunden. Cr kann nur so gestaltet sein, daß er im Einklang mit unbedingter Sicherung der deutschen Währung steht.(Sehr richtig.) Auch muß der Zusammen- hang mit der Gesamtlage der Finanzen in etats- mäßiger und kassenmäßiger Beziehung inne- gehalten werden. Mit dieser Erklärung wollte Popitz eindeutig von den inflationistischen Finan- zierungsplänen abrücken, die das Gereke- Programm enthält. Nach Popitz begann Dr. Gereke mit einer Abhandlung über das Arbeitsbeschaffungs- Programm. Dr. Lutderö Protest (legen Kontingentspolitik und �Vahnmgsgekährdung Der Protestbrief des Reichsbantpräfi- denken Dr. Hans Luther, Reichs- tanzker a. T., an die Rcichsregicrung gegen ihre.Kontingentspolitik wird jetzt durch die Korrespondenz des ,,Tat"-Kreises veröffentlicht. Luther begründet sein Vorgehen mit der Pflicht des Reichsbankdirektoriums, für die Sicher- hcit der deutschen Währung zu sorgen. Der Devisenbeslaird, so führt Luther aus, konnte in einer gewissen Stabilität mit leichter Besserung erhalten werden, wenn der durchschnittliche A u s- fuhrüberschuh der letzten Monate auch weiter bestehen blieb. Diese, auf die Dauer noch nicht genügende, sondern besserungsbedürftige Stabilität bezeichnet Luther als ernst gesährdel durch die schwebenden oder in Angriff genommenen kontingenljerungsmaßnahmen. Wörtlich heißt es da: Wir können in keiner Weife annehmen, daß k ü n st l i ch e Einfuhr- drossclvngen derart, wie sie jetzt in Er- örterung stehen, für die Devisenbilanz Nutzen bringen. Wir sind umgekehrt überzeugt, daß die unmittelbare Ersparnis an Devisen, die durch die geplanten Einfuhrbeschränkungen eintreten würde, um ein Vielfaches durch die Verluste übersteigert wird, die unsere Ausfuhr im Zusammenhang mit dieser künstlichen Einsuhrdrosselung erleiden würde. Ein etwaiger„D e o i s e n k r i e g" könnte sich mit großer Geschwindigkeit verbreiten und dann würden Devisenüberschüsse uns überhaupt nicht mehr zufliehen. Müßte daraushin der deutsche Schuldendienst eingestellt werden, so würde das im Ausland nicht als Folge höherer Gewalt ver- standen, sondern als von Deutschland gewollt angesehen werden, und die Folgen wären un- absehbar. Ohne die produktionspoliti- s ch e n Zusammenhänge und die Rückwirkungen auf das aufbauende Wirtschaftsprogramm der Reichsregierung näher zu erörtern, weist das Reichsbankdirektorium darauf hin, daß nur wenige Länder der Erde zur Zeit handelspolitisch noch aktiv sind und das Deutsch- land unter diesen Ländern eine hervor- ragende Stelle einnimmt. * Am 14. Oktober nachmittags wurde durch die agrarische„Deutsche T a g e s z e i- t u n g" die Tatsache dieses Briefes enthüllt. Wenige Stunden später bestätigte die Telegraphen- Union die Absendung dieses Schreibens und fügte ausdrücklich hinzu, daß es auf die Gefahr en hinweist, die der deutschen Währung drohten, falls die Kontingentierungspolitik nicht abgestoppt werde. Aber innerhalb einer Stunde nach dieser Bestätigung verbreitete dieselbe Telegraphen- Union ein offiziöses Dementi„von zuständiger Stelle", in dem es heißt: „Das eine aber könne festgestellt werden, daß eine Gefährdung der Währung nicht behauptet worden sei und auch nicht vorliege." Es war von vornherein klar, daß an diesem Dementi etwas nicht st i m m e n konnte, da ein Eingreifen des Reichsbank- Präsidenten nur unter dem Gesichtspunkt des Schutzes der Währung denkbar und zu- lässig war. Die jetzt erfolgte Veröffentlichung des Luther-Briefes beweist wieder ein- mal, was von den Dementis der „grundsätzlich neuen Staats- führung" zu halten i st. Braun im Reichsrat Frotest gegen den Abbau Der heutigen Sitzung des verfassungsausjchusses des Reichsrats wird der preußische Minister- Präsident Otto Braun wahrscheinlich per- s ö n l i ch beiwohnen. Er wird u. a. auch Gelegenheit zu einer Rechlsverwahrung gegen den neuen preußischen Beamten- a b b a u nehmen. Haftbefehl gegen Bombenleger. Wegen des in der Nacht auf den 9. d. M. versuchten Spreng» stafsanschkags auf das Kieler Gerichtsgefängnis ist, wie die Justizpressestelle mitteilt, gegen den am Tatort festgenommenen Täter, den Autoschlosser Siemsen, Haftbefehl erlassen worden. Was geschah 1924? Die Vernehmungen im Prozeß Bullerjahn Verleumdung untersagt! Der ,, Angriff" am Pranger Vor dem 5. Zivilsenat des Kammergerichts wurde am 11. November der bekannte Prozeß des Schriftstellers Dr. Hellmuth Klotz gegen den Verlag des„Angriff" unü feinen verantwortlichen Redakteur Dr. L i p p e r t ver- handelt. Der„Angriff" hatte im Anschluß an den . Üeberfall der nationalsozialistischen Abgeordneten im Reichstag aus Dr. Klotz letzteren in einer Reihe von Artikeln unglaubwürdig machen wollen, um die Wahrheit über die Echtheit der von Dr. Klotz veröffentlichten Röhm-Briefe zu ver- dunkeln. So verbreitete 0er„Angriff" die Behauptung. Dr. Klotz sei wegen Unterschlagungen aus der NSDAP, ausgeschlossen worden, sei im Irrenhaus interniert gewesen und habe mit einer Fälschung der Röhm-Briefe den Hauptmann a. D. Röhm verleumdet. In der sehr bewegten Verhandlung konnte Rechtsanwalt Karlheinrich Franke, der Vertreter des„nAngriff", keinerlei Material für die Richtig- keit der Veröffentlichungen des„Angriff" bei- bringen und machte zur Verteidigung nur geltend, der„Angriff" habe keine eigene Meinung über Dr. Klotz gebracht, sondern habe nur die amt- lichen Auslassungen des Parteivor- standes der NSDAP, über Dr. Klotz pflicht- gemäß publiziert. Demgegenüber führte der Vertreter des Dr. Klotz, Rechtsanwalt Pröll, aus, daß nach dem Strafgesetzbuch nicht nur das Aufstellen, sondern auchdas Verbreiten unwahrer Behauptun- gen als Beleidigung strafbar sei, so daß auch ein zioilrechtlicher Anspruch auf ein Verbot derartiger Verleumdungen gegeben sei. Rechtsanwalt Pröll bat um Erlaß einer sehr weitgehenden einstweiligen Verfügung, um endlich einmal einer solchen Verwiloerung des politischen Kampfes, wie ihn die vorsätzliche Verleumdung / des politischen Gegners darstelle, ein Ende zu machen. Aus den dem Kammergericht vorliegen- den Privatklageakten Dr. Klotz-Behrends wurde die Echtheit der Röhm-Briefe auf Gruna der eidlichen Vernehmung des Dr. H e i m s o t H, des Empfängers der Röhm-Briefe, festgestellt. Das Kammergericht schloß sich den Ausführun- gen des R.-A. Pröll an und verbot nicht nur unter Androhung von Geld- uno Haftstrafen dem „Angriff" weitere derartige Veröfsenllichunzen, sondern ordnete auch— eine recht ungewöhnlich«, aber nachahmenswerte Entscheidung— die Veröffentlichung dieses Urteils im Haupt- blatt des„Angriff" an. Am siebenten Verhandlungstage des Bullerjahn- Prozesses wird die Zeugenvernehmung fortgesetzt Zunächst wird der Kaufmann Felix Vorhang als Alibizeuge für den 23. Dezember 1924 gehört An diesem Tage soll nach den Aussagen des Herrn von Gontard Bullerjahn bei der Inter- alliierten Kontrollkommission gewesen sein. Auch die Zeugen Pagenstecher und Pittelkow hatten be> kündet, daß nach den Aussagen der unbekannten Vertrauensperson Bullerjahn an dem fraglichen Tage bei Leutnant Jost den Verratssold abgeholt hätte. Der Zeuge Vorhang war ebenso wie Bullerjahn Zögling des Militärwaisen- Hauses. Beide gehörten dem Verein der ehe- maligen Zöglinge an, der Zeuge als 1. Schrift- führer und Bullerjahn als 2. Schatzmeister. Am 23. Dezember 1924 fand eine W e i h n a ch t s- befcherung des Bereins im Wilhelmshof in der Anhaltstraße statt. Der offizielle Beginn der Feier war für S Uhr angesetzt, die Vorbereitungen, die von Bullerjahn und dem Zeugen getroffen wurden, haben aber bereits vorher begonnen. Auf Fragen des Vorsitzenden erklärte der Zeuge, daß er sich nicht genau entsinnen könne, wann Bullerjahn ge- kommen sei. Vors.: Sie haben früher gesagt, es fei etwa 19 Minuten vor 3 Uhr gewesen. Zeuge: � Wenn ich das damals gesagt habe. so wird es stimmen. Jedenfalls ist Bullerjahn später gekommen, als wir uns verabredet hatten, nämlich um 2 Uhr. Vors.: Ist Bullerjahn während der Feier einmal weggegangen? Zeuge: Das ist schwer zu sagen. Die Ver- ?reiiQSn Der Nazi:„140 Beamte abgebaut?— Da wird Platz frei für uns Herrenmenschen!" Zeit keine dringendere Aufgabe hätten. Der Reichsinnenminister habe davon gesprochen, daß er bei der Reform des Wahlrechts be- absichtige, den Kriegsteilnehmern eine Zusatz stimme zuzubilligen. Er habe stch damit zum Teil die Pläne der NSDAP, zu eigen ge- macht, einer Partei, die ja auf das schärfste den Parlamentarismus an sich bekämpfe. „wir wünschen aber keine neue Klassifizierung, wir deutschen Kriegsteilnehmer wollen nicht mehr Rechte, sondern gleiches Recht, wir lehnen es ab, und ich betone das ausdrücklich an dieser Stelle." Der Kanzler spreche sich oft gegen Parteimiß- Wirtschaft aus. Wenn aber die Parteien praktisch ausgeschaltet würden, was nütze dann ein« Zusatz- stimme? Die Staatsgewalt gehe vom Volke au«. An diesem Grundsatz müsie man festhalten. Deshalb ersehne der Reichsbund auch nicht» mehr, als«in Wiederzustandekommen der Parlamentstätigkeit. Opfer der Sonderjufti» Die Z�uchthausurteile gegen Arbeiter Auf der Rebaktion des„Vorwärts" erschien heute oormsttag eine größere Anzahl von Ange- hörigen der vom Sondergericht zu schweren Zuchthaus st rasen verurteilten oder noch in Untersuchungshast befindlichen Arbeiter. Männer, deren Frauen ins Zuchthaus kommen sollen, und Frauen, die als Auswirkung der Schreckensurtelle ihre Familie und ihre Existenz zusammenbrechen sehen, klagten ihre Not. Unter den Erschienenen befand sich die Frau des vor einigen Tagen von der Tolk-Kammer zu 2% Iahren Zuchthaus ver- ciusräume im Wllhelmshof liegen im ersten Stock, das Restaurant zu ebener Ende. Da ist es leicht möglich, daß man stch zeitweise auch im Restaurant aufhiell. Die Teilnehmerzahl an der Feier war ziemlich groß. Gesehen habe ich Buller- !ahn während des Abends bestimmt. Daß er iängere Zeit abwesend gewesen sein könnt«, halte lch nicht für möglich, well Bullerjahn die Geschenke besorgt und das Zimmer gemietet hatte. Der Berichterstatter Reichsgcrichtsrat K lim- m e r bemerkt, daß dieser Alibibeweis in bezug auf die Aussage des Herrn von Gontard keine Bedeutung mehr habe, da Herr von Gontard seine Aussage dahin geändert habe, daß der Besuch Bullerjahns bei der Interalliierten Kommission Ein blutiges Eifersuchtsdrama spielte sich am Freitagabend auf dem Reu städtischen Laubengelände in Spandau ab. Die 31 Zahre alte Angestellte Gertrud hübsch, die bei ihren Eitern in der 3 a g o w st r a h e 2 2 in Spandau wohnt, schlug ihren Freund, den 31 Zahre alten Maurer Arthur M i e l k e. der in der dortigen Kolonie wohnt, mit einer Axt hinterrücks nieder. Der schwer getrosfene Mann mußte in» Krankenhaus in Spandau gebracht werden. Die Täterin wurde von Laubenkolonisten sestgenommen und der Polizei übergeben. Das Paar kennt sich seit Juli dieses Jahres. Die Hübsch war sehr eifersüchtig und hatte Mielke verschiedentlich schon heftige Szenen gemacht. Er hatte ihr deswegen auch erklärt, daß er sich von ihr trennen wolle. Trotzdem er sie gebeten hatte, ihn nicht mehr in der Laube aufzusuchen, kam sie doch wieder. Am vergangenen Montag kam es zwischen beiden zu einer heftigen Aus- einanderfetzung. Schließlich ging M. fort und ließ das völlig verzweifelte Mädchen in der Laube zurück. Zunächst trank sie B l e n d o l, es war aber glücklicherweise nur noch wenig in der Flasche. Dann aß sie Rattengift, das aber alt und unwirksam war. Zum Schluß versuchte sie, stch die Pulsadern zu öffnen. Als Mielke am nächsten Tage zurückkam, fand er sie ohnmächtig auf. Das Mädchen hatte 2 6 Stun- den bewußtlos auf dem Bett gelegen. Der Mann brachte sie nun nach Hause, wo sie sich langsam wieder erhalle. Am Freitagabend suchte sie ihn erneut auf. Wieder kam es zwischen beiden zu heftigen Streitigkeiten. Das Mädchen ging voller Wut aus urteilten Arbeiters Bratengeier mll chrem drei Monate alten Kindchen. Diese verzweifelnden Menschen sind von der Unschuld ihrer Angehörigen Uberzeugt. Im Falle Bratengeier sind zahlreiche Zeugen vorhanden, die bekunden wollen, daß der Verurteilte die ihm zur Last gelegten Aus- schreitungen nicht begangen hat. Man fordert hier wie in anderen Fällen energisch das Wieder- aufnahmeverfahren. Von den Vertretern der Redaktion wurde den Bedauernswerten erklärt, daß der„Vorwärts" es nach wie vor als seine Pf!li!cht ansehen wird, gegen das Unrecht der Sonderjustiz zu protestieren und zu kämpfen. Es werde alles getan werden, um die öffentliche Meinung Immer wieder gegen die Verhängung solcher Schreckens- Urteils zu mobilisieren, ebenso wie die Sozial- demokratie in den Parlamenten olles tun werde, um den Opfern zu helfen. Die erste Möglichkeit dazu wird die Beratung des von der sozialdemo- kratischen Reichstagssraktion eingebrachten A m- nestieantrages im neuen Reichstag bieten. Die Hölle von Kuba Man rechnet mit 2500 Todesopfern New Bork. 12. November. Tie Meldungen über die Sturm, und Wasserkatastrophc auf der Insel Kuba lauten immer trostloser. Aus Camagueh wird jetzt berichtet, das, über 2800 Menschen das Leben eingebüßt haben. 3vv Tote sind bereits begraben worden. Ter neugewählte Bürgermeister von Santa Cruz del Sur Antonio Martine;. erschoß sich aus Verzweiflung, nachdem er festgestellt hatte, daß feine ganze Familie durch die Sturmflut umgekom. men war. Augenzeugen berichten, daß sich Schreckensszenen unbeschreib- licher Art abgespielt haben. Zahlreiche Kinder wurden vor den Augen ihrer verzweifelten Eltern weggeschwemmt. möglicherweise nicht am 23., sondern schon ein paar Tage vorher stattgefunden habe. Es wird dann festgestellt, daß laut Ausgangs- buch Bullerjahn das Werk um 2.30 Uhr verlassen hat. Bullerjahn bemerkt hierzu noch: Das Ein- treffen der Kommission wars mein Vorhaben für den Rachmittag über den Haufen. Ich rechnete darauf, hinzugezogen zu werden, und hatte auch etwas dem Zugriff der Kommission zu entziehen. So blieb ich, bis die Kommission aus dem Werk war. Sodann wird die gestern abgebrochene Vernsh- mung des Zeugen Rechtsanwalts Meyer, des Leiters der Personalabteilung bei den Berlin- Karlsruher Industrie-Wsrken. fortgesetzt. Zunächst wird ausführlich die Schrottschiebung behandelt. Im Anschluß an diese Schiebung hat bekanntlich der Angeklagte Vullerjahn ein von den Direktoren Hellwig und Schweizer unterzeichnetes V e r wa r- nungs schreiben erhalten, das sich auf die manaelnde Aufsicht Bullerjahns bezog und ihm nicht etwa selbst Verfehlungen vorwarf. der Laube heraus. Mielke nahm an, daß sie noch Haufe gegangen fei. Er saß an seinem Tisch, mit dem Rücken der� Tür zugewandt. Gertrud H. war aber in einen Schuppen gegangen und halle eine Axt geholt. Ehe er sich zur Wehr setzen konnte, schlug die Eifersüchtige mit der Art zu und brachte ihm eine stark blutende Wunde am Hinterkopf bei. Mielke taumelle. Das Mädchen oersuchte, ihm noch mehrere Schläge beizubringen, die er aber zum Teil abwehren konnte. Auf seine Hilferufe kamen Nachbarn herbei, die die Tobende festhielten und sie der Polizei übergaben. Mielke mußte ins Kranken- haus gebracht werden, wo die Aerzte eine Schädelspaltung feststellten. Scheidungstragödle Xindesmord und Doppelselbstmord Dortmund, 12. November. Hausbewohner fanden auf dem Trockenboden des Hauses Am Bruchheck 36 im Stadlleil Hörde die 22jährige Ehefrau E l l i Weber, die in diesem Hause ein Zimmer bewohnte, und den 2öjährigen Arbeiter Ludwig Lügger er- hängt auf. Die benachrichtigte Polizei fand in dem Zimmer der Frau Weber das 2 jährig? Söhnchen der Frau Weber erwürgt auf. Frau Weber und der Arbeiter Lügger unterhielten ein Liebesverhältnis. Sie waren zwar beide ver- heiratet, lebten aber von ihren Ehegatten gellennt. Frau Weber Halle bereits die Scheidung ein- geleitet. Das ermordete Kind stammte aus der Ehe der Frau Weber. Nach den» Zurückgehen der Sturmflut waren die Bäume und die höher gelegene« Häuser mit zahllosen Leichen übersät. Miami(Florida), 12. November. Die Küstenwache sing den Funkspruch eines englischen Dampfers an den Gouverneur von Jamaika auf, der besagt, daß der Wirbeksturm, der Kuba am Mittwoch heimsuchte, auch auf den Inseln nordwestlich von Jamaika großen Schaden angerichtet hat. Auf den Cayman- inseln sind 60 Personen getötet und viele hundert verletzt worden. Außer vielen anderen Häusern wurden sämlliche Regierungsgebäude zerstört. Der Genfer Proteststreik Genf. 12. November. Der Parole zum Generalstreik sind in Genf vollzählig nur die B a u a r b e l k e r und die Lelegschaslen der industriellen Betriebe gefolgt. Die Trambahner haben in einer Rachtfitzung den Streikbeschluß ihrer Delegierten wieder umgestoßen. Doch haben sie um die Miltagszeil, als die meisten der Beerdigungen stattfanden, eine halbe Stunde lang durch einen Sympalhiestreik den Verkehr in der Stadl lahmgelegt. Dadurch füllten sich die Straßen mit allen von der Arbelt heimkehrenden Angefkelllen. Die B e» e i l i g u n g an den Beerdigungen war ungeheuer: über eine halbe Stunde defilierten schweigende Massen vor den in den hänsern aufgebahrten Leichnamen. Da» Gefängnis von St. Anlolne Ist von Truppen stark beseht, die Fenster und Höfe sind mit geladenen Maschinengewehren gespick». Durch die Stadl fahren Last- aulos mit bewaffnelen Truppen mil fchuhbereilen Gewehren._ Grubenunglück in England London, 12. November. Auf der Kohlengrube Sdge Laue in der Mhe von W I g a n(Lancaster) ereiguele sich eine schwere Explosion. Bisher konnten elf Leichen geborgen werden. Buttereinfuhrverbot! Nur noch Kontingente zugelassen Mit Wirkung vom 13. November wird die Ein- fuhr von Butter neu geregell. Der Zollsatz für Butter beträgt von diesem Tage ab autonom 100 M., jedoch vertragsmäßig für alle meistbe» günstigten Länder 75 M. für einen Doppelzentner. Die Einfuhr von Butter wird von diesem Tage ab grundsätzlich ver» boten. Sie wird jedoch ohne Einfuhrbewilli- gung zugelassen für bestimmte an einzelne Er- zeugungsländer zugeteilte Kontingente, die nur über die mit den Erzeugungsländern verein- barten Zollstellen eingeführt werden dürfen. Als Einlaßstellen gelten bis auf weiteres die bisher zur Abfertigung der Butterzollkontingente be- fugten Zollstellen. Die für das Kalenderjahr 1933 festgesetzten Kontingente dürfen, wie bisher die Zollkontln- gente, nur in Monatstellen von nicht mehr als dem zehnten Teil des einzelnen Kontingents bis zu dessen Erschöpfung eingeführt werden, jedoch können in den einzelnen Monaten nicht ausge- nutzte Köntingentsteile in den folgenden Monaten bis zum Ende des Kalenderjahres eingeführt werden. Sobalö das dem einzelne� Lande zugeteilte Kontingent erschöpft fft, darf Butter, die aus dem betreffenden Lands stammt, nicht mehr zur Einfuhr zugelassen werden. Mit manchen Ländern, wie Dänemark. Estland, Finnland, Lettland, Litauen, den Niederlanden, Oesterreich, Schweden sowie Rußland ist eine Ver- einbarung getroffen, wonach Butter, di« in diesen Ländern erzeugt ist, nur dann auf das ihnen zu- stehende Kontingent anzurechnen ist, wenn die Sendung mll einer Kontingentsbescheinigung des Ursprungslandes versehen ist. Antwort an Gay! Die Kriegsteilnehmer gegen Zusatzstimmen Königsberg, 12. November. Sonnabend und Sonntag findet in Königsberg di« 21. Reichstonferenz des Reichs- bundesderKrieg, beschädigten, Kriegs- teilnehmer und Kriegerhinterbliebsnen stall. Der 1. Bundesvorsitzende. Pfändner. eröffnete die Konferenz im Sitzungssaale des Provinzial- landtages. Er kam in seiner Rede auch auf die Bersasfungsreformpläne der Reichs- rsgierung zu sprechen. Bei der Beurteilung dieser Pläne, so sagte er etwa, dränge stch unwillkürlich die Frage auf, ob wir in Deutschland denn zur Den Freund erschlagen Likersuektscirama in Lpandau / Mozarts„Idomeneo" Erstaufführung in der Lindenoper Der Gedanke, eine vergessene Oper Mozarts lebensfähig zu inachen und auf die Bühne zu bringen, ist sicherlich sehr verführerisch: und Richard Strauß, der die musikalische Bs> arbeitung übernahm, tut recht daran, wenn er sich davor hütet, etwa im alten Stil zu schreiben und Mozartsurrogate zu liesern. Mit dem Stolz des Späteren stellt er feine Klangwelt neben die Mozarts, wie man in früheren, starken und auf- richtigen Jahrhunderten gotischen Kirchen barocke Kuppeln gab. Freilich, was kommt dabei heraus? W a l l e r st e i n hat nicht nur die sprachliche Neu- sassung des Textes geliefert, er hat ganz erstaun- lichen, einer opera s-m gegenüber ein wenig überflüssigen musikdramatischen Ehrgeiz entwickelt: hat alle secco-Rezitatioe gestrichen, Arien umge- stellt, ein Ensemble eingefügt(vom Strauß in „Rosenkavalier"-Stil vertont), hat also den Orga- nismus der opera seria vollkommen zerstört. Was so entstand, ist ein Amphibium: nicht Strauß, nicht Mozart, nicht opera seria und nicht Musik- drama— uns scheint, um nichts lebendiger, wesentlich uneinheitlicher und fragwürdiger aber als Mozarts Jugendwerk. In der von Leo Blech musikalisch sauber ge- leiteten Aufführung fällt der Widerspruch zwischen Bearbeitung und Inszenierung, für die 5) ö r t h verantwortlich ist, peinlich auf. Dort dramatischer Ehrgeiz— hier verspielte Freude am Stil der seriösen Oper, die der Bearbeiter doch überwinden wollte und auch überwand. Die Arien bleiben blaß(mit einer einzigen Ausnahme: der letzten Arie der Elektra, die hier Jsdene heißt, von Anni K o n e g n i mit Kraft und Glut gesungen), die Regie bleibt konventionell: Lab and s Chorea- graphis war nicht ontikisch, nicht barock und nicht modern, sie war banal und einfallslos wie meist. Helge Roswaenge und die Damen Heiders- dach, Perras waren die übrigen nicht sonderlich markanten Hauptdarsteller. A. W. Der Kuiturabbau in Preußen Das Ende des preußischen Musikreferats „Es gibt keine Zukunst für Menschen, die weder intellektuell noch politisch gebildet genug sind, Sozialisten zu sein." Shaw. Früher hätte man es schlicht Kulturabbau ge- nannt, und e» ist auch nichts anderes: heute nennt man es vornehm: Verwaltungsreform. Mit ver- döchtigem Fanatismus wird gegen den Geist des republikanischen Deutschland und seine kulturellen Institutionen vorgegangen: wird oersucht, nieder- zureißen, was in den letzten vierzehn Jahre» schwer nud mühselig genug aufzubauen gelang: werden die Träger dieses Aufbaues mit wahrhaft nachahmenswerter Unsachlichkeit aus ihren Aem- tern entfernt. Und all dies im feierlichen Namen einer Verwaltungsreform, die sich bald genug demaskiert, als fadenscheiniger Deckmantel für zielbewußte Personalpolitik im Dienst der Reaktion. Die sogenannte Verwaltungsreform hat nun auch das preußische Kultusministerium erfaßt. Nach der zweiten Verordnung der derzeitigen Reichsregierung„zur Vereinfachung und Ver- billigung der Verwaltung" vom 29. Oktober 1932 blieben von den bisherigen acht Abteilungen nur zwei bestehen: die geistliche und die Zentral- obteilung. Für alle anderen Angelegenheiten sind sortan lediglich zwei neu zu bildende Abteilungen zuständig: die Abteilung für Unterricht und Erziehung, fowie die für Wissenschaft und Kunst. Damit ist autoritäre Staatsführung über den Protest von nicht weniger als zweiund- „Lrinss sie beim" LIfa-Ealast am Zoo „Man nehme ein paar Tiger(man bekommt sie heutzutage ja spottbillig aus diversen verpfän- beten Zirkusnachlässen), laste sie in einem Park spazieren gehen und auf Schritt und Tritt Kämpfe mit anderen Tieren bestehen und drehe einen Dschungel-Film"— nach diesem Rezept ar- beiten die smarten Amerikaner mit Vorliebe ihre Tierfilme. Auch in dem neuen Film gehen die Tiger von der ersten bis zur letzten Szene film- geebnet« Wege. Man sieht sie stets in Groß- Professor Landauer vor dem öutah. Das alle Well interessierende Thema, ob eine Arbeitsbeschaffung durch Währung s- reform möglich fei, hatte die außerordentliche Generalversammlung des Bundes der technischen Angestellten und Beamten außerordentlich anziehend gemacht. Die überaus schwierigen Pro- bleme dieses Themas wurden den zahlreichen Zu- Hörern von Professor Dr. Landauer vom Währungsinstitut der Handelshochschule Berlin so einleuchtend und klar vorgetragen, daß ihm bis zum Schluß die gespannteste Aufmerksamkeit folgte. Bei einer Millionenzahl von Arbeitslosen ist eine großzügige Arbeitsbeschaffung natürlich eine Angelegenheit, die für die Wirtschaft von der größten Wichtigkeit ist. Man hatte anfangs ver- sucht, neue Arbeitsgelegenhelten mit Steuermitteln zu finanzieren. Doch es stellte sich bald heraus, daß auf diese Weise zusätzliche Arbeit in bemer» kenswertem Umfange nicht geschaffen werden kannte. Es fand nur eine Verlagerung von den kapitalistischen Auftraggebern zum staatlichen Auftraggeber statt, da alle weggesteuerten Gelder in der Regel auch sonst in die Wirtschaft fließen (Ausnahmen: Kapitalflucht und Verstecken im Sparstrumpf). Will man also in großem Umfang- zusätz- liche Arbeit schaffen, dann müßte man neues Geld In Umlauf setzen. Die Reichsbank ist aber in der Neuausgabe von Noten�ftark beschränkt und das aus guten Gründen,«ie hat nämlich nicht nur die Aufgabe, der Wirtschaft Kredite zu- zuführen(in der Regel durch Diskontierung von Warenwechseln), sondern sie hat vor allem über die Slabilikäl des Geldwertes zu wachen. Die Stabilität der Währung bleibt aber nur so lange erhalten, als ein bestimmtes Verhältnis zwischen Geldmenge und der gesamten Warenmenge gewahrt bleibt, solange also der Notenumlauf nicht künstlich erhöht wird. Das Gold spielt dabei ein« geringe Rolle. Alle großen Arbeitsbeschaftungsprojekte laufen darauf hinaus, daß zusätzlich Geld geschaffen wird. Das berühmte Programm des Nalionol- fozialiften Feder behauptet, daß für die neu ausgegebenen Noten ja eine Deckung in den neu- geschaffenen Anlagen(etwa Elektrizitätswerken) zwanzig künstlerischen Verbänden unter Führung des Präsidenten der preußische» Akademie der Künste zur Tagesordnung übergegangen. Damit hat die Kunstabteiiung des preußischen Kultus- Ministeriums, die die einsichtigen Fachleute aller Richtungen zu erhalten wünschten, zu existieren ausgehört. Damit hat man es endlich in der Hand — und dies war ja wohl der Zweck der Uebung—, die Männer zu beseitigen, die man zu beseitigen wünscht, trotzdem— nein: weil sie diejenigen waren, denen Schmerzen und Not, Werden und Sinn der neuen Zeit wichtiger waren als die traditionelle Chimäre christlicher Kultur. Den Musiker trifft vor allem der Abbau des preußischen Musikreferats. Ein Amt, nicht zu trennen aber von dem Mann, der es schuf(um dessentwillen es schließlich auch beseitigt wird): von Leo Kestenberg. Das Ende seiner amt- lichen Tätigkeit wird für ihn freilich nichts weniger als das Ende seiner Arbeit im Dienste jener Grundidee bedeuten, der er zeitlebens diente und weiter dienen wird: der Idee, große Kunst be- dinge noch größere menschliche Verpflichtung. Der Idee, Kunst wäre für alle Menschen da, wie es kein geringerer als Beethoven in den donnernden Chören seines größten Werkes seit einem Jahr- hundert stumpfen und tauben Ohren predigt. Nun: hier war einer, der war nicht stumpf und taub, der setzte die Idee in Wirklichkeit um. der begann die Reform der Erziehung zur Musik. Hochschule für Musik, Akademie für Kirchen- und Schulmusik wurden um- und neugestaltet. Es folgten der Schulmusik-, der Privatmufiklehrer- erlaß. Der Volks- und Jugendmustkpslege wurde besondere Aufmerksamkeit zugewendet, die Formen der Musikorganisation wurden studiert und durch- dacht— all dies ergab ein in sich geschlossenes, freilich in vielem noch ausbaufähiges Reform- werk, dessen sozialistische Grundtendenz nicht zu verkennen ist. Daß Kestenberg über den einzig möglichen Weg der Erneuerung der Erziehung die Kunst in die breitesten Schichten tragen wollte, daß er das Neue förderte, wo er nur konnte— das hat ihm freilich den unauslöschlichen Haß aller künstle- rischen und pädagogischen Monopolisten, aller Stümper, aller Reaktionäre von Beruf und Besser- wisser von Profession eingetragen. Wurden seine Absichten verkannt und entstellt, wurden ihm von allen Seiten erbärmliche Nebenabsichten unter- schoben— nun, so mag er sich, wenn er jetzt an die von keinem Amt abhängige Fortsetzung seiner großen Arbeit geht, mit dem Wort Lessings trösten: „Freilich gitb es immer und überall Leute, die. weil sie sich selbst am besten kennen, bei jedem guten Unternehmen nichts als Nebenabsichten er- blicken. Man könnte ihnen diese Beruhigung ihrer selbst gern gönnen: aber wenn sie die oermeinten Nebenabsichten dann wider die Sache selbst auf- bringen, wenn ihr hämischer Neid, um jene zu vereiteln, auch diese scheitern zu lassen, bemüht ist: so müssen sie wissen, daß sie die verachtungs- würdigsten Glieder der menschlichen Gesellschaft sind.".Aniolck Walter. aufnahm« bei denkbar günstigster Beleuchtung, nie sind sie durch ein Blatt, nie durch den Schatten eines Strauches oder Baumes verdeckt. Interessant sind die Kämpfe, die der Tiger mit einem Wasserbüffel, einer Riesenschlange und einem Krokodil besteht. Ferner mögen die Tier- sang- und Tiertransportmethoden für manchen Zuschauer neu sein. Die Nachsynchronisierung ist gut, namentlich klingt Theodor Loos' Stimme vorzüglich, doch muß er einen Text sprechen, wie ihn der Tier- schriftsteller von Anno Toback schrieb, wie ihn aber nicht ein Mensch benutzen darf, der heute zoologisches Wissen verbreiten will. Der Regisseur Clyde E. E l l i o t t stellt nicht nur die Tiere sondern auch noch den Fänger an- dauernd in Großaufnahme heraus. Das wirkt auf die Dauer so amerikanisch und so gestellt, daß man den Film überhaupt nicht mit mühseligen und gefährlichen Arbeiten gleichen Genres in einem Atem nennen kann. Wenn ein unbescholtener Franzose plötzlich Unterschlagungen begeht, dann fragt man„Wer ist die Frau?" Und wenn die Amerikaner einen Dschungel-Film drehen, dann darf man fragen, „Wer ist der Raubtierdompteur?" e. b. Arbeit durch Währungsreform? vorhanden sei. Da aber nach diesem Programm nichtverkaufssertige Waren geschaffen werden, sondern Anlagen, die erst in Jahrzehnten amortisiert werden, so daß die rückfließenden Summen sehr langsam zum Einzug der aus- gegebenen Noten benutzt werden können, so läuft das Feder-Programm auf nichts weiter hinaus, als daß man auf eine Reihe vonJahren Inflation macht, um danach Deflation zu machen. Niemand aber wird die Verantwortung dafür übernehmen wollen, daß wir für das gewiß erstrebenswerte Ziel, vielleicht die Hälfte der heu- tigen Arbeitslosen in Arbeit zu bringen, die Zu- stände von 1923 wiederbekommen. Zu den Inflationsprogrammen müssen nach Landauers Meinung auch diejenigen gerechnet werden, die nur den Prozeß der wirtschaftsschädi- genden Deflation rückgängig machen wollen (Wagemann). Aber es ist für kein Land der Welt, selbst für die Vereinigten Staaten von Amerika nicht, möglich gewesen, sich dem Deflationsprozeß in der Weltwirtschaft zu entziehen. Wohl wäre es möglich gewesen, die weltwirtschaftliche Deflation zu überwinden, wenn alle Notenbanken der Welt gleichzeitig und gleichmäßig chren Noten- umlauf vermehrt hätten. Aber dafür fehlten alle politischen und wirtschaftlichen Voraussetzungen. Es ist also so. daß die kapitalistische Wirtschast durch das finstere Tal der Krise hindurch muß, bis der Weg wieder nach oben führt. Die Krise gehört eben zum W e s e»des Kapitalismus und es gibt keine Möglichkeit, auch nicht im Wege einer Währung?- und Kredit- reform, die Krisengefahren aus der kapitalistischen Wirtschaft herauszunehmen. Eine krisenlose Wirt- schaft— sie ist nur zu erreichen durch den Umbau der Wirtschaft zur sozialistischen Planwirtschaft. In der Diskussion wurden zahlreiche Fragen gestellt, die zeigten, wie vielfältige An- regungen zu eigenem Denken das Referat gegeben hat. Im Schlußwort führte Landauer aus, daß Papens Steuergutscheine an sich kein Geld seien und daß von ihnen auch keine Gefahr für die deutsche Währung zu erwarten sei. Die Möglich- keit, die Steuergutjcheine als Grundlage für neue Wechsel und damit zur Ausgabe von neuen Noten zu machen, sei zwar bedenklich, dürfte aber kein gefährliches Ausmaß annehmen. Zanero5t als PrÜFelbeW Mozartsaal Die Amerikaner lieben Bancrofts Muskeln, sie wollen ihn brutal, und darum muß er sich diesmal durch einen ganzen Film prügeln. Dazu gibt ihm eine wüste Handlung überreiche Gelegenheit. Damit er nun auch ein Quentchen Schauspieler sein kann, muß er nicht nur mit den Muskeln, sondern auch noch mit dem Gemüt protzen. Gemeinsam mit einer Frau, die einst ein drittrangiges Nachtlokal befaß, tritt er als Er- zieher eines Waisenkindes in Aktion. In großer Szene verhindern die beiden, daß der forsche Junge Boxer wird, woher man den Filmtitel „W er hat hier Recht?" ableitet. George B a n c r o f t und Wynne G i b s o n müssen ewig wetterwendisch durchs Leben gehen. Es ist ein andauerndes Sichzanken und Sichin- einanderfügen. der eine ist rechthaberisch und gibt darauf prompt nach, der andere gebärdet sich brutal und ist dabei butterweich, man schimpft sich aus und möchte einander ständig Liebeserklärungen machen. Alle Gefühlsregister werden gezogen. Und die in jeder Situation glaubhaft zu gestalten, darin besteht Stephen Roberts filmreißerisch gute Regie. e. b. Funkchor und Funkdrama „Harmonie"—„Douaumont" Die Berliner F u n k st u n d e sandte ein Funkdrama von Eberhard Wolfgang Möl- l e r„Douaumont". Die Sendung muß unter den heutigen Funkverhältnissen als ungewöhnliches Ereignis gewertet werden: aber auch zu anderer Zeit hätte sie besonder« Aufmerksamkeit verdient. Die Handlung des Dramas ist durchaus unwahr- scheinlich: ein bei Douaumont verschüttet gewesener Soldat kehrt nach langen Irrfahrten heim: seine Bekannten, sein Sohn erkennen ihn nicht, seine Frau erst nach langem Zögern. Doch diese.�Handlung" ist nur das Gerüst für Geistiges. Die Anlehnung Möllers an Ernst B a r l a ch ist unverkennbar, in der geistigen wie in der sprachlichen Form seines Dramas. Aber es gehört künstlerische Erlebniskraft dazu. Barlach so nachzuahmen, wie Möller es tut. Die Hölle von Douaumont lebt in dem Heim- kehrer: sie steigt immer neu an ihm empor, reißt ihn immer wieder zu sich herab. Der Tanz mit dem Tode, Tage und Nächte lang zwei Wochen eingeschlossen in dem Fort, nimmt für ihn kein Ende. Die Welt, die seine Heimat sein sollte, begreift er nicht mehr, wie sie ihn nicht begreift. Der Heimkehrer, fremd in der Heimat, stürzt zurück in die Nacht von Douaumont, die ihn nach Jahren endlich frei lassen wollte. Erst als seine Frau und sein Sohn begreifen, daß sie zu ihm hinabsteigen müssen, in feine Welt des Grauens. um ihn dem Leben wiederzugeben, erst als sie ihn verstehen, ist er erlöst. Das Werk, stark im Wort, aber nicht immer funkwirksam konzentriert, wird leider infolge dieser Breite manchem Hörer entglitten sein. Eine kraftvollere Regie als die von Max Bing hätte notgetan. Di« Besetzung der Hauptrollen war vortrefflich: Heinrich George als Heimkehrer: Maria Koppenhöfer als feine Frau. Der Volkschor„Harmonie" sang im Pro- gramm der Berliner Funk stunde. Leider waren ihm nur fünfundzwanzig Minuten zuge- billigt. Man hätte gern mehr von den schönen Darbietungen dieses Laienchors gehört, der künft- lerisch vollendet Volkslieder und Chorwerk« zum Vortrag brachte. Unter der Leitung feines Diri- gente-n Max Schaarschmidt sang der Männer- und Frauenchor: zum Schluß hörte man den Gemischten Chor. Die feine Herausarbeitung der musikalischen Stimmungswerte gab den Chor- sätzen der Volkslieder eine zarte Farbigkeit, die ihnen nichts von ihrer natürlichen Schlichtheit nahm. Wagners wirkungsvoller„Wach- a u f- C h o r beschloß die Sendung. Besonders hervorgehoben zu werden verdient der gemischte Chor„B e s e e l i g u n g" aus Thießens großem Chorwerk„A u f m a r f ch". Es war in Ausdruck und Ausführung die Glanz- leistung des Chores, der die komplizierten Stimm- sührungen mühelos beherrschte und so imstande war, ganz den geistigen Gehalt dieser zeitnahen Musik auszuschöpfen. Es wäre sehr zu begrüßen, wenn das ganze Chorwerk bald einmal im Rund- funk dargeboten würde. 8— z. Zehudi ZNenuhin in der Philharmonie. Der Wunderzeiger, der vor vier Jahren zum erstenmal in Berlin als musikalisches Wunderkind berechtig- tes Aufsehen erregte, ist zurückgekehrt. Jetzt wird er bald 1ö Jahre. Er ist kein bloßes Wunder- kind mehr, sondern ein reifender Künstler ge- worden. Glücklicherweise ist seine Jugend seiner Kunst nicht geopfert worden: er macht einen frischen, gesunden Eindruck, und so kann man hoffen, daß er im Laufe der Jahre zu einem der größten Geiger heranwächst. Was er gestern bot, zeugte nicht nur von einer vollendeten Technik, sondern auch von seelischem Erfassen und eigenem Ausdruck. Schumanns v-Moll-Sonat« und Bachs C-Moll-Sonate waren die Höhepunkte des wunder- vollen Spiels. Im zweiten Teil des Programms war allzusehr auf das Virtuosentum Rücksicht genommen, das in einem Glanzstück Paganinis gipfelte. Harald Lloyd in Berlin. Gleichzeitig mit Ernst Lubitfch ist Harald Lloyd in Berlin zum Besuch eingetroffen. Ihm zu Ehren wurde gestern in einer Nachtvorstellung im C a p i t o l einer seiner letzten Filme,„M o o y C r a z y"(Film-Verrückt), in der englischen Originalfassung vorgeführt. Harald Lloyd war selbst zugegen und konnte über wahre Lachstürme des Publikums quittieren. Der Film heißt nicht blas„verrückt", sondern er ist auch verrückt. Soviel an den unmöglichsten Aben- teuern und Streichen ist wohl dem Publikum noch nie zugemutet worden. Bei der Besprechung der deutschen Uraufführung, die bald folgen wird, soll Harald Lloyds unverwüstliche Komik aus» führlicher gewürdigt werden. Tie staatliche«erhart-Hauptmanu-Ehruna. Als ofsi- zielte Feier der Reichsregierung findet am Id., also am Geburtstage des Dichters, im Berliner Staatliche» «chausvi-lbaus eine Festvorstellung von„Gabriel Schillings Flucht" statt. Nach der Vorstellung wird ein Vertreter.der Regierung den Dichter durch eine An- spräche feiern und ihm eine besondere Auszeichnung überreichen. Rustumssührungln. Sonntag. 10 Uhr: Fried- lander über Rubens" im Kaiser-Friedrich-Museum. �•£■?,? Ablage über„Das Leben bei den süd- amcrikaiiüchen Naturvölkern" ini Bölkerlundemuseuni. — Dr. Rosenbcrg über„RembraudtS Radierun- gen im Kupferstickkabinett.— 1l Ubr: Dr. Wedel über„Tie Weltstadt Babvlon" im Pergomoil-Museum. Die„Deutsch-Oesterr eichische Filmwerbuug" zeigt Sonntag um 11.15 Uhr im VolkSkino Köniastadt, Schön- Häuser Allee 11, ihren Kulturfilm„Winter in Deutschland". Erfolge der KPD. Reklame mit anderer Unglück Am?onnerstog<�cnd erzählte die kommuni- stischc„Welt am Abend", die Direktion der BBG wolle das wiedereingestellte Personal als Neu- eingestellte behandeln, d. l> die bisher ge- leistete Dienstzeit bei», Urlaub, bei den Pensionen usm nicht anrechnen. Noch am selben Tag erklärte der Borsitzeitde des Aufsichtsrats der BVG., Bürgernieistei Elsas, in der Stadtoerordnetenversamiiv luna, eine derartige Absicht bestehe nicht und habe nie bestanden. Worauf die„Welt am Abend"'gestern triumphierend verkündeli „Ein Erfolg der„Welt am Abend": Rechte der BVG.-Arbeiter bleiben." Dies sei der c r st c graste Erfolg. Weitere Erfolge des lommunisti- schen Kampfes seien zu erwarten. Wir stellen gegenüber diesen phantastischen Be- hauptungen die nüchternen Tatsachen fest. Es zirkulierten unter dem Personal der BBG. Gerüchte über angebliche Absichten der Direktion, die bisher geleisteten Beiträge zur Pensionskasse usw. sowie die Dienstzeit nicht anzurechnen. Wie immer in solchen Angelegenheiten, wandten sich die Vertrauensleute an den G e s a m t v e r b a n d, die zuständige Gewerkschaftsorganisation, um Ge- wisthcit darüber zu erlangen, was an den Ge- rächten wahr sei, und wenn diese Gerüchte zu- treffen sollten, die Gewerkschaften als Tarifkontra- heuten zum Einschreiten zu veranlassen. Am Mittwoch, also 24 Stunden vor der„Ent- hüllung" des kommunistischen Blattes, fand zwischen den Vertretern des Geiamtvsrbandes und der Direktion der BVG. eine Unterredung statt. Im Lause dieser Unterredung richteten die Ber- treter des Gesamtoerbandes an die Direktion die Frage, ob es zutreffe, daß die Wiedereingestellten als Neueingcstellte behandelt werden sollen. Darauf wurde von den Vertretern der Direktion erklärt, daß eine derartige Absicht nie bestanden habe und daß selbstverständlich allen Wie- derci n gestellten ihre Dien st zeit voll angerechnet werde. Den Tag darauf brachte das kominunistische Blatt seine„Enthüllung", um wieder einen Tag später triumphierend seinen„Erfolg" zu ver- künden. Die KPD. hat gewissenlos zu w a h l p o l i- tischen Zwecken einen Streik vom Zaune gebrochen, um ihn am Tage nach der Wahl wieder„abzuwürgen". 2500 Opfer blieben auf der Strecke. Das war— wenn man von dem verlogenen Stimmenfang absieht— der einzige „Erfolg" der kommunistischen Altion. Das Personal der BVG. hat von den kommu- nistischen Hasardeuren jeizt„die Reese plöng". Um sich wieder anzubiedern, schwindeln die kom- niunistischen Drahtzieher von Erfolgen, die nur in ihrer Phantasie bestehen. Der einzige Erfolg, dessen sich die gewissenlosen Wahlschwindler aller- dings nicht rühmen werden, ist das ganze Elend, das sie über Tausende van Arbeiter- familien gebracht haben, sind die ungeheuerlichen Z u ch t h a u s st r a f e n, die jetzt vom Sonder- goricht über die verhetzten Opfer verhängt werden, mährend die eigentlichen Schuldigen in oller Sicbcrheit und Gemütsruhe sich ihrer„Erfolge" brüsten. Der RGO.-Nazi Wie weit die politische Verwirrung in der Arbeiterschaft vorgedrungen ist, zeigt überaus drastisch folgender Fall: in der schönen Rhcinpsalz kamen die Werber des Fabrikarbeiler- verbandcs in eine Arbeiterwohnung und fragten dort nach dem Sohn Fritz, der in einem Betrieb tätig, ober nicht im Fabrikarbeiterverband Mit- glicd war. Noch während der Frage kam der Sohn aus einem Nebenzimmer in die Stube, angetan mit einer N a z i u n i f o r m. Auf die Frage der Funktionäre, ob er organisiert sei, sagte Fritz: „Ich bin organisiert." Die weitere Frage: wo und in welchem Verband, beantwortete die Mutter dieses Jungarbeiters mit der Feststellung: „M ein Sohn i st im Verband der NGO." Aui diese Feststellung hin packte den Fritz die Scham; er drückte sich verlegen aus der Stube. R G O.- M i t g l i e d und N a z i m a n n zu- gleich. Auch das gibt es also. Wahrscheinlich sagte sich der Jungarbeiter: Wenn RGO. und NSBO. Kampfleitungen miteinander bilden, warum soll ich dann nicht RGO.-Mitglied und Nazimann sein? Für Arbeiter kein Geld Die Reichsbahnhauptverwoltung hat eine Ver- billigungder Arbeiterwochenkarten, die der Bundesvorstand des ADGB. beantragt hatte, abgelehnt. Sie erklärt, die Preise der Arbeiterwochenkarten seien im Verhälmis zu den einfachen Fahrkarten bereits so niedrig, daß schon bei werktäglich nur einmaliger Hin- und Rückfahrt eine Ermäßigung von 62 bis 78 Proz. gewährt werde. Die freien Gewerkschaften werden in der kommenden Sitzung des Reichscisenbahnrats die Verbilligung der Arbeiterwochenkarten unter Hin- weis auf die scharfe Schmälerung der Verdienste erneut fordern. Geld von Arbeitern Für den freiwilligen Arbeitsdienst sollen weitere Reichsmittel zur Verfügung gestellt werden. Das Reichsarbeitsministeriuin fordert eine Summe von.30 Millionen. Beschlüsse sind noch nicht gefaßt. Diese 30 Millionen werden wohl wieder, wie fast alle„Reichsgelder" zum freiwilligen Arbeits- dienst, aus der Kasse der Rcichsanstalt für Arbeits- Vermittlung und Arbeitslosenversicherung ent- nommen werden. D. h. also aus den B e i � trägen der Versicherten und der Unternehmer. Theater der Woche vom 11, bis 21. November Volksbühne. Tbcatcr am Bülowvlatz! Faunn. IZ. Festvorstellunin Die Ratten. 13.. in.'. Uhr: I. Tanzmalinee iBera-Skoronel- Äedcntfcicr». A..' It.. Uhr: o. Konzert: Lucas-Pasfion. Staatstheater. Staatsoper Unter den Linden: 13.. 15.. Idomenea. 14. Fliegende Holländer. 16., 20. Parsifal. 17. Bajazzo. 18. Rosenkavalicr. 10. Rigoletto. 21. Boheme. Staatliches Schauspielhaus: 13.. 14.. 15. Gabriel Schillings Fluchi. 16.„ 18., 19., 20. Wilhelm Tell. 17. Egmont. 21. Was ihr wollt._ Städtische Oper Charlottcnburg: 14. Fidelio. 15. Rhein- gold. 16. Walküre. 17. Martha. 18. Siegfried. 19., 21. Madame Butterfly. 20. Götterdämmerung. Theater mit festem Spielplan. Deutsches Theater: Prinz Friedrich von Homburg.— Sommerspiele: Michael Krämer. 15., 23 Uhr. Fe st Vorstellung: Michael Krämer.— Deutsches Künstlcr-Thcatcr: Dir Nacht zun: 17. April.— Theater in der Strelemann' straßc: Zu wahr, um schön zu sein.— Mctropol'Theatcr: Eine Frau, die weiß, was sie will!— Theater im Admiralspalast: Liliom.— Komische Oper: Musik um Susi. 16., 20. geschlossen.— Großes Schauspielhaus: Der Stu- dcntenvrinz.— Lessing-Theater: Pygmalion.— Theater am Nollendorfplatz: Der Fürst der Berge.— Zentral-Thcatcr: Die andere Seite.— Theater am Schiffbauerdamm: Mein- eid.— Scala, Wintergarten: Internationales Variete.— Reichshatten Theater: Stettiner Sänger. Theater mit wechselndem Spielplan. Komödienhaus: Auslandsreise. 16.. 20. Der Biberpelz.— Theater des Westens: Katharina. 16. Das Grabmal des unbekannten Soldaten.— Schiller-Theater: Robert und Bertram. 16., 20. Neidhardt von Gneisenau.— Rose- Theater: Der Zigeunerbaron. 16., 20. Die Räuber. 19., 23'■ Uhr: Die ungeküßte Eva.— Easino-Tdeater: Die Liebe blüht in Werder. 16. geschlossen. 20. Der Weibs- teufel.— Plaza: Bis 15. Anneliese von Dessau. 16., 20. Heimat. Ab 17. Die Bajadere. Nachmittagsvorstellungen. Volksbühne, Theater am Bülowplatz: 13. Fanny.— Deut- sches Theater: 13.. 16. Prinz Friedrich von Homburg.— Deutsches Künstler-Thcater: 13., 20., 15 Uhr, 16., 17 Uhr, und 19.. 16 Uhr: Rotkäppchen. 13., 20., 17 Uhr: Kai aus der Kiste.— Metropol-TKeater: 13., 16'.. Uhr: Ein Walzer- träum.— Theater des Westens: 13., 14'-', und 17 Uhr: Försierchristl.— Großes Schauspielhaus: 13. Der Studenten- prinz.— Schiller-Theater: 13. Robert und Vertraut.— Rose-Thcatcr: 16.. 18 Uhr: Die Räuber. 10.. 17 Uhr: Frau Holle.— Casino-Tdeater: 13.. Die Liebe blüht in Werder. 20. Der Weibsteufel— Plaza: Bis 15. Anneliese von Dessau. Ab 16., 20. Heimat. Ab 17. Die Bajadere.— Scala: Internationales Variete.— Wintergarten: 13., 10., 20. Internationales Variete.— Rcichshallen-Theatcr.- 13.. 20. Stettiner Sänger.— Zentral-Theater: 16., 16 Uhr. 13., 20., 15', Uhr: Aschenbrödel. 13., 17'4 Uhr: Familie Hannemann. Erstaufführungen. Donnerstag. Städtische Oper: Martha. Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Lerlin. Heute, Sonnabend: Schillcrpark: Treffpunkt zur Fahrt 19 Uhr Lahnhos Wedding-Nettelbeckplatz: Wedding-Nord snicht Werbebezirk Wedding!): Trcsspunkt zur Fahrt 19 Uhr Bahnhos Weddmg- Nettelbeckplatz, morgen 8 Uhr Bahnhos Weddmg: 18 Uhr Heimabend. Turiner Straße. Werbebezirk Oberspree. Morgen im Heim Lausener Str 2 fjeimal'end:„Vom Bolkslicd bis zum Schlager." Ausführender: Prof. Leo Kesten- berg. Beginn 19 Uhr. Auch in der Tschechoslowakei hat die Arbeits- losigkeit zugenommen: die Zahl der 486 935 Arbeitslosen Ende September stieg bis Ende Oktober auf 524 171. Wetter für Berlin: Kälter, aber noch meist bedeckt, frischer Ost- und Nordostwind.— Für Deutschland: In Süddeutschland vorwiegend bedeckt, geringe Niederschläge, Teniperaturen wenig verändert. übriges Deutichland ionst überall kälter und meist bewölkt, frische Ost- bis Nordoslwinde. Rundfunk am Abend Sonnabend, 12, November Berlin: 16.03 Orchesterkonzert. 18.00 Das Rundgespräch: Was sucht das Publikum im Theater. 18.35 Deutsches Sprachgut (A. Simon). 18.55 Die Fuukstiinde teilt mit. 19.00 Stimme zum Tag. 19.10 Kammermusik. 19.55 Mitteilungen des Arbeitsamtes. 20.00 Eine Stunde M ildcvest. 20.50 Ketzerei am Wochenende. 21,05 Blasorchesterkonzert. 22.00 Wetter-, Tages- und Sportnadiriditen. Tanzmusik. Als Einlage; Hörberidit vom Sechstagerennen im Sportpalast. Königs w us terhaus e n; 16.00 M ie berechnet man Ebbe und Hut? 16,30 Aus Hamburg; Nachmittagskonzert. 17.30\ iertel- stunde für die Gesundheit. 17.30 Literarisdiö \ isionen. 18.03 Musikalische Wochenschau. 18250 Deutsch für Deutsche. 18.33 Wetterbericht. 19.00 Französischer Sprachunterricht. 19.40 Stille Stunde. 20.03 Aus Koblenz. Ordiesterkonzert. 22.30 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Sonst: Berliner Programm. Vollständiges Enropaprogramm im„Volksfunk", raonatl.% Pf., durch alle„Vonvarts"- Boten oder die Postanstalten. Sonntag, 13. November Berlin: 6.13 Funkgymnastik. 6.35 Aus Bremen: Hafenkonzert. 8.00 Mitteilungen für eleu Landwirt. 8.35 Morgenfeier. 10.05 Wettervorhersage. 11.00 Langemarck-Feier. 12.05 Heinrich Sthlusnns singt Schubert- und Wolf- Lieder. 13.00 Ordiesterkonzert. 15.00 Das einzige Kind(G. Tugendreich). 13.30 Heiteres (Else Straka-Jansenl. 16.00 Aus der 1 loch- schule für Musik: Chorkonzert. 16.30 Linter- baltungs- und Tanzmusik. AN Einlage: Hör- beridrt von den Dentsdicn Meisterschaften im Geräteturnen. 17.30 J. B. Wjtas: Eigene Dichtungen. 18.00 Was sollen wir werden � 18.35 Verzweiflung an der Vernunft (W. Michel). 19.00 G. F. Händel. 19.30 Zeit- fnnk. 20.00 Gespräch mit Anton(W. Bley). 20.13 Aus Köln:„Waldmeister"(Operelte von Johann Straufi). 22.13 Wetter-. Tages- und Sportnadiriditen. Tanzmusik. Als Einlage; Hörberidit vom Sechstagerennen. Königs Wusterhausen:\ 4.30 N atur- wissenschaft und Dichtkunst(W. Bölsche). 16.30 Dichterstunde. 17.30 Gerhart Hauptmanns dichterische Sendung(Dr. h. c. H. Spiero). 18.00 Neue Musikpädagogik. 18.33 Junge Generation spricht. 20.00 Aus der Staatsoper:..klomeneo" von W.A.Mozart. 22.30 Wetter-, T ages- und Sportnachrichten. Sonst: Berliner Programm. Vollständiges Enropaprogramm im„Volks- funk", monatl.% Pf., durch alle„V orwärts"- Boten oder die Postanslaltcn. Hierzu 1 Beilage. Verantwortlich für Politik: Rudolf Brendemühl; Wirtschaft: G. K l i u g e l h ö f e r; Gewerkschastsbc- wcgung: I. Steiner; Feuilleton: Herbert Le- pbrc; Lokales und Sonstiges: Fritz Karstadt; Anzeigen: Otto Hengst; sämtlich in Berlin. I Verlag: Vorwärts Verlag Ä. in. b. H. Berlin. Truck: Vorwärts-Buchdrnckcrei it. Vcrlogsanstalt Paul Singer n. Co., Berlin SW. 68. Lindenstr. 3,( Bezugsbedingungen und Anzeigcnprciie werden in jeder Morgcn-Ausgabc des„Vorwärts" verössenllichi. •Drei neue Qeiandlen in Merlin Javier Sanche; ZNejorada, Bittorio Eerutti, Paul Dinichert, der neue Gesandte von. der neue Botschafter Italiens, der neue Gesandte der Mexiko, Schweiz, haben dem Meichspräfidenfen ihre ißeglanbigungsfehrciben überreicht »matt Theater Sonnabend, den 12. November staatsoper unter den Linden 20 Uhr Die Hugenotten staatliches Schauspielhaus 20 Uhr Gabriel Schillings Flucht WMOM toiis Oarten* Tom öirKmeyer und sein wiener Ballen 3 Arconas, 2 Holls lans Koiisc&er usw.i [ riora 3434 Rauchen en.( , Sonnabend und Sonntag autii! Inudnn 4U ku kleinen"[Olseuj Slädf.Oper Charlottenburg Fraunhofer 0231 Sonnabend, 12. Nov. 19 30 Uhr" Turnus IV Undine Nettesheim, Schirach. Burgwinkel, Müsch, QomberL Kandl, Baumann, Müller, l'echner. Dirigent: Udo Müller Komödienhaus Schiffbauerdamm 25 0 2 Weidend. 6304-05 Täglich 8V4 Uhr Auslandreise v.Oesterreidieru.llirs[iifelii Felix Bressart Maria Pandler Paul Heidemann B. B. B. ßendows Bunte Böbnc Kottbnsser StraSc 6 Irülier„Elite- Sänger" Jierkdnneo Familien Kaitee Rocden' t|LfüD Samt.njdiD.J' t Preise von SO Pf. an Schi II e r Bisraarckstr.(Knie) Steinpl.(Cl) 6715 Täglich 8*/* Uhr Robert und Bertram ilfnd Braun, Fritz Hindi. Sauia Sänelar.d Stg. 13. 3>/. Uhr Robert und Bertram Preis 0 40 bis 2,00 ii.Trma Rose- Tlieater GroSe Frankfurter Straie 13? Itl. Wtidunl E 7 3422 5 Uhr Frau Holle 8,15 Uhr Oer Zigeunerbaron 11,30 Uhr Die llMM Eva VOLKSBÜHNE TKeater am Bdiewpiatz O 1, Norden 2944. Taglich 8U Uhr von Marcel Pagnol ■» Deutsch v Bruno Frank. Regie: Heinz Hilpert. Dorsch, Tiedtke, Valetti, Siedel, Verhoeven. Stein, Almas «v.uhr CflSIHO-THEflTER Lothringer Strafjc 37, itiiitiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiitmim) Sonntags auch nachm. 4 Uhr; Die Ließe ßlüßt in Werder Berliner Volksstück in 4 Bildern mit Gesang und Tanz. Für die Leser Guischein 1— l Personen Parkett 0.50 M. Fauteuil 0.75 M.. Sessel 1.25 M. Kabarett für Alle 4 Uhr Täglich 2-x 9 Uhr Das sensationelle Kabarett-Fregrunm Abendpreise I— 3 Mk. Nachm. GedecK 1.25 Jeden Sonnabend 1 1 Uhr: Nachtvorsteltong Inserate im A Vorworts sichern Erfolg! l! Zonnlsg. den 13. November nadim. 1 Uhr VORANZEIGE! Demnächst erscheint im Verlag J. H. W. DIETZ NACHFL., Berlin PreuBen contra Reich vor dem Staatsgerichtshof, vom 10. bis 17. Oktober 1952 Einzig authentischer Stenogrammbericht der Verhandlungen Mit einem Vorwort des Ministerialdirektors DR. BRECHT Lexikonformat. Vornehmer GanzleinensEinband mit Goldfolio. Etwa 30 Bogen. Regulärer Preis RM. 15.00. V C Subskriptionspreis RM. laZ«dw Ein Quellen- und Urkundenwerk von außerordentlich wichtiger und historischer Bedeutung, das in keinem Büro der Behörden, Universitäten, Archive, Parteien. Organisationen fehlen darf.— Auslieferung Mitte Dezember.— Schluß der Subskription 1. Dezember 1952 Vorbestellungen zum Subskriptionspreis nimmt entgegen die feuchhandlung; J.H.W. Dietz Nachfl., GmbH., Berlin SW. 68. Lindenstraße 2. BEILAGE SONNABEND. 12. NOV. 1932 Jlekren auf dem 1/Meeresgrund QefpenUergefchichle/ Von Qerharl Merrmnnn llloftar Mitten in den Kornfeldern auf dem Grunde der trockengelegten Zuidersee ragen die Wracks der Schiffe, die einst hier untergingen... Die Magd Moriekcn findet immer, dag„ihr" Wrack das schönste von allen ist, die ringsum schwarz und massig im schlanken, goldenen Korn düstern. Das schönste und das unheimlichste freilich auch. Ein bißchen hat sie Angst davor, son- derlich abends, wenn sie vorm Schlafengehen noch einmal aus dem winzigen Fenster der Magd- kammer blickt und das seltsam hohe Heck und den spitzen Bug mit dem Fischleib der Gallons ge- pcnstisch über die Fenster segeln sieht, denn wahr- haftig, im ziehenden Nachtnebel ist es, als ob es segle, ruhelos, ewig. Und in solchen Augenblicken ist sie froh, daß das wogende Getreidemeer mit dem Schiff darauf nicht ihr gehört, sondern ihrem alten Dienstherrn Straaten. Aber in der Mittagsonne, bei der Feldarbeit auf dem noch schlickigen Schwarzboden, der heuer zum ersten Male vielfältige Frucht trägt, während noch vor zwei Jahren hier das Wasser der Nord- see rauschte, um Mittag wagt sie sich manchmal ganz nahe heran an das Wrack der uralten Ka- rovelle. Und gestern— gestern stieß sie beim Pflügen auf den Anker! Ja, hatten die denn hier Anker geworfen? Waren denn die hier nicht umergegangen vor Jahrhunderten, mitten in sausender Fahrt? Und überhaupt: wie kam auf den Anker einer alten Brigg die Aufschrift: ..Made in Ge.rmany"? Marieken beschloß, beim alten Straaten des Rätsels Lösung zu suchen. Der war ja früher immerhin hier Fischer gewesen. Das heißt, ge- nau wußte sie das nicht, niemand wußte das genau, niemand kannte den alten Straaten besser als sie, die erst seit«in paar Monaten bei ihm bedienstet war: es waren aber alle, die hier in den schmucken Reihenhäusern siedelten, vorher Fischer gewesen, und zudem hatte Straaten oie graue Schisferfräse, die listigen Blauäuglein und den wiegenden Gang aller Seeleute. Man durfte wohl fragen. „Tschä, hin", knurrte aber Straaten und volti- gierte das Kalkstück im Munde herum,„das weiß ich nu auch nich, wie der neumooschc Anker an den allen Kasten kommt." Es war Feierabend, als sie fragte, sie saßen beide vor der Tür des Häuschens: der Mond schimmerte im glitschigen Holz der Karaoelle, und in solcher Stimmung hatte es das hübsche, helle, runde Mariokcn stets mit der düsteren Phantasie. „Bielleicht", orakelt« sie,„vielleicht ist es das Schiff des fliegenden Holländers? Der durfte doch alle sieben Jahre an Land gehen, um alles überholen zu lassen? Dabei kann er doch den Anker gekauft haben?" „Tschä", meinte Straaten, opferte das Kalk- stück, es flog ins Korn gegen die Karaoelle hin, und blinzelte Marieken wohlgefällig an,„an Land sollte er sich doch woll eigentlich eine Frau suchen, wie...?" „Aber er fand ja keine!" wich Marieken schleu- nigst aus.„lind denn richtig, es ist ja Unsinn. Wenn hier dem Holländer sein Schiff gesunken wäre, dann könnte er ja gar nicht mehr fahren. Meiner Schwester Mann hat ihn aber vor drei Monaten im Kanal noch selbst gesehen. Zwei Tage später ist der Kahn gesunken..." Marieken schiittelte sich. Jetzt aber sah der alte Straaten plötzlich ganz ernst aus, zum Fürchten ernst. Ganz blaß war er mit einem Male.„Der Mann deiner Schwester ist ein dummer Junge!" knurrte er wütend.„Und fein Kahn wird auf so'ne verdammte Mine ge- fahren sein, die da noch vom Kriege her rum- schwimmen. Denn was den fliegenden Holländer angeht, der fährt wirklich nicht mehr. Und der alte Kasten hier, ich will dir's man sogen, der ist wirklich seiner," „Woher weißt du denn das?" fragte Marieken m wollüstigem Grauen. „Ich weiß es eben. Man weiß manches", er- klärte Straaten dunkel „Erzähl mir's doch bitte.. bitte!" Und die Nacht sandte ihre Nebel, und wieder war es, als segelte das alte Schiff, es schwankte über den Wogen des iiorns, und der alte Straa- ten erzählte wirklich. * Also der fliegende Holländer harte, wie das nach soviel Jahrhunderten ja gar nicht anders fein kann, die Freude an seinem todbringenden Handwerk verloren. Besonders seit dem Kriege machte ihm die Geschichte keinen Spaß mehr. Die Minen, die noch allenthalben umhertrieben, machten ihm Konkurrenz, man mußte sich direkt selbst in acht nehmen vor den Biestern: und das bißchen Rainmen mit seinem spitzen Holzbug tat den mo- dernen Stahlkästen sowieso nichts mehr und be- jchädigre nur den eigenen Kasten. Hingegen waren Anno 1330 allein sechs Schiffe durch treibende Minen in die Luft gegangen. „Jungs", schrie darum der fliegende Holländer seinen wilden Malrosen zu,„Steuer rum und nal wieder rein in unsek� gute, alle Zuidersee! Da gibt's noch zu tun für unsereinen, da wird's keine Minen geben, da läßt fich's leben." Und sie fuhren los, und der fliegende Holländer hatte noch nie wieder so eine ingrimmige Freude verspürt seit dem Tage, da er durchaus um Kap Horn rum wallte und er den lieben Gott ver- fluchte, als es nicht ging, und der Fluch ihn dann traf. Aber kaum waren sie so'n kleines Stückskcn in der ollen ehrlichen Zuidersee drin, da gab's einen Stoß, daß dem Alten das Schnapsglas aus der Hand flog und die Ohrfeige, die er mit der freien Hand gerade dem Leichtmatrosen verab- reichen wollte, den speisenbeladenen Schiffs- koch traf.„Höh, Käptn, höh!" schrie der Steuermann,„was ist denn das hier? Berdammt flach war dies Mistmeer ja immer, aber jetzt ist ja sogar die verfluchte Fahrrinne nicht mehr zu finden. Kreuzhimmeldonnerwetter noch zehnmal!" ..Werd' ich mal steuern, du räudiger Hund von einem Steuermann!" meinte der fliegende Hollän- der sanft und steuerte selbst. Aber es half nichts. Immerzu schlitterte die wackere Karaoelle über Sand und Schlamm. Der Alte verschwand in der Kajüte und sah beim Schein der Oellampe(denn es war natürlich Nacht: bekanntlich durfte der fliegende Holländer laut Fluch ausschließlich bei Nacht segeln) die Schiffskart« aus dem Jahre 14Z? nach.„Bomben- element, infame Schweinerei! Hier hat, verflucht nochmal, tausend Fuß Tiefe zu sein! Was ist denn los, was ist iZenn los...?! Wenn bloß bald der Morgen kommt und wir unsichtbar werden, sonst rammen die noch uns, statt wir sie' lind überhaupt kein Kahn zu sehen... Segel gerefft, sonst versacken wir noch, Kreuztürken und Mohrendreck!" Na, und am Morgen, als sie gottlob unsichtbar waren, sahen sie denn die Bescherung. Die Zuidersee war ein Sumpf geworden. Ein Damm schloß sie gegen die Nordsee ab, der hatte nur in der Mitte noch ein leidliches Loch. Und genau da waren sie nächtlicherweile noch hineingekom- men. Auf dem Damm aber schufteten Menschen über Menschen, schleppten riesige Kräne Zentner- ladungen von Erde herbei und gössen die ins Meer, und das Loch verengte sich fast zusehends. Und ringsum, wo die Karte noch Meer angab, m..auch..Meüestos vor knapp sünf. Jahre»,«t» man das letzte Mal hier war, noch Meer gewesen war, standen Häuser, tappten eiserne Pferde über Ackerland und vollführten zusammen mit den Kränen einen mörderischen Radau. Der fliegende Holländer verstopfte sich die Ohren mit Wachs: Flüche konnte er in jeder Lautstärke hören, aber das Knattern der verfluchten neumodischen Ma- schinen— pfui Teufel! „Käptn", sagte der Steuermann leichenblaß, „hol mich der Teufel und brate mich seine Groß- mutter extra scharf, wir kommen da nicht mehr raus! Wir sitzen wie die Ratz in der Falle!" Da kam er aber schlecht an.„Was? Wir da nicht raus? Heute nacht stoßen wir durch, sage ich euch! Und mir sollen zeitlebens die Ohren wackeln und die Büxen schlottern, wenn wir nicht raus- kommen! Eine Landratte will ich werden, wenn wir nicht noch heute nacht im Kanal sind!" „Käpw", meinte der Steuermann,„das gibt eine zweite Bersluchung!" Der Alte wischte ihn, eine, daß er über Boro flog. Und als die Nacht sank, nahm er selbst dos Steuer. Der Wind stand günstig. Mit vollen Segeln rasten sie auf das Loch im Damm zu. Aber das war inzwischen zugeschüttet worden bis dicht unter die Oberfläche des Wassers,»no es gab einen mörderischen Krach, und die fürchier- lichsten Flüche verhallten ungehört im Splittern der Masten, im Einrauschen des Wassers, im Zerreißen der Takelage—; der fliegende Holländer saß fest. Seine wilden Mannen stürzten sich in panischem Schrecken ins Wasser. Wer schwimmen konnte, schwamm an Land. Wer nicht schwimmen konnte, entdeckte, daß man schon waten konnte. Nur der Alte selbst saß noch an Bord. Melancholisch blickte er über>das schlammige Wasser und vergaß das Fluchen, vergaß es ein für allemal. Es war kein Grund mehr zum Fluchen, denn die Welt war allzu traurig geworden. Es war zu Ende mit dem herrlichen, wüsten Segeln und Schiffe- rammen. Die Minen behaupteten allein das Feld. Und ab morgen würde sein gutes Schiff, würde er selbst sichtbar sein. Sie saßen ja aus Land... Was fing man seinen Fluch durch- Land... Was sing man nun an mit der ganzen Unsterblichkeit? Nun konnte der liebe Gott sehen, wie er seinen Fluch durchführte. Aber der liebe Gott hatte selbst, wie der Steuer- mann richtig vermutet hatte, einen anderen Fluch ausgesprochen, der kein Fluch war, sondern eüi Segen. Der Alte wußte es nur nicht: denn die 3>aul F. Schmidt: Syrakus Wenn man über die karstige Fläche der drei- eckigen Hochebene hinaufsteigt zu den gewaltigen Trümmern des E u r y e l o s, überschaut man von diesem höchsten und am wettesten landeinwärts ge- legenen Orte den ganzen Umfang des einstigen Syrakus. Hier saß Johann Gottlieb Seume am Ende seines„Spazierganges nach Syrakus": wie er erlebt wohl jeder die„Melancholie, die für die Menschheit darin ist", angesichts der Nichtigkeit historischer Größe unter einem Himmel, der so leuchtend blau und sonnenstark ist, wie zu Zeiten Homers und des Archimedes. Nirgends anders, kaum auf den Trümmern Karthagos, empfindet man so stark die tragische Unvernunft der Ge- schichte. Der Blick vom Euryelos zeigt ringsum eine weite Landschaft von klassifchern Bau: Land mit langgedehnten Höhenzügen, Jonisches Meer und seine berühmten Buchten, in nördlicher Ferne die ebenmäßige Flachpyramide des schneegekrönten Aetna, übersät von den Teppichen einer kaum be- bauten Wildnis— das ist heute die Wirklichkeit. Und auf der anderen Seite eine ungeheure Stadt, von West nach Ost in sieben, von Nord nach Siid in sechs Kilometer Läng« sich hinziehend, also in dem Umfang, wie Groß-Berlin oder Wien sich um 1903 darstellten: das war einmal, vor zwei Jahr- taufenden, eine ebenso unmittelbare Wirklichkeit, von der wir nur Trümmer der riesigen Stadtmauern und der uneinnehmbaren Feste Euryelos erblicken, die sich Dionysias I. hier erbaute, als Zwingburg der stolzesten Stadt des Altertums, die es mit Rom und Karthago aufnehmen durste. Es ist kein müßiges Sentiment, hier drängt sich eine übergroße Vergangenheit der Anschauung selber auf, viel st ä r k e r als in Rom. Dessen Gegenwartskraft hat sich durch alle Jahrtausende durchgesetzt, heute aufdringlicher denn je. Goethe hat mit seinem durchdringenden Blick die an sich unglückliche und dumpfe Situation der Well- Metropole in der Tiberniederung sehr gut gesehen: in Syrakus wird auch dem ungeschulten Beob- achter die Bedeutung einer geographisch glück- lichcn Loge offenbart, und ein Blick auf die Karte genügt, um den wahren Mittelpunkt des Mittel- meergebietes an der Ostfitste Siziliens und von dieser wiederum den Brennpunkt in dem strategisch ungemein günstigen Syrakus zu erkennen. Aber der Geist der Wellgcschichte scheint nicht die allzu offenbaren Mittelpunkte zu lieben, er hat seine Akzente an den Ostrand des Mittelmeeces ver- legt, nach dem Nildella und dem Bosporus» von wo Asgypter, Perser, Griechen, Byzantiner die Welt beherrschten, und dann an zwei Orte, die in einem halb toten Winkel lagen: Karthago und Rom(bis er ihn dann gänzlich an die Nordsee verlegte). Sizilien aber, dieses paradiesische Zentrum, bestimmte er zum Zankapfel aller Eroberer- Völker von drei Jahrtausenden. Schon Homer hatte, wie Seume sehr nclt sagt,„einen etwas bös- artigen Tick gegen die Insel", an der sein Odysseus nichts wie ilngelegcnhciten erfuhr, und im histori- schen Verlauf zeigte sich die ganze Tücke des Schick- sals: ausnahmslos alle Eroberer des Altertums, Mittelatters und der Neuzeit haben ihren Wahn, ein friedliches Paradies zum Herrscherthron der Welt umzuschaffen, mit schwerem Leid für sich und alle Betroffenen gebüßt. Diese Tatsache, die auch aus der kürzesten Unterrichtsstunde unabweislich hervorgeht, ist es, die hier auf den Riesenquadern der Tyrannenburg Euryelos sich in konzentrierter Form aufdrängt und zu bitterer Melancholie verführt. Und diese Mischung berauschender Naturschönheit mit dem Andenken an menschliche Torheiten und die Ver- gänglichkeit irdischer Größe macht den Zauber der syrakusanischen Landschaft aus, die sich schlechter- dings mit nichts vergleichen läßt. Man sollte den„Spaziergang" des trefflichen Semne lesen, wie ein modernes Buch: es lohnt sich in jeder Beziehung, sein Gehalt und seine Sprache ist von unvergänglicher Frische. Die zwei Dutzend Seiten über Syrakus, das noch Heute für fast alle Reffenden genau so wie für ihn(im Jahre 1802) Reiseziel und Umkehrhafen fft, ent- halten alles, was man über diese ewige Kultur- stätte aussagen kann. Wir finden zum Glück auch noch das, was er sah und beschrieb, in dem nämlichen Zustand wieder: die Papyrus- dickichte des merkwürdigen Flühchens Kyane, wie die sonderbare Verbauung des frühantiken Athene-Tempels in die Schrullen des heuttgen Barockdoms und das Wunder der dicht am Meeresufer hervorbrechenden A r e t h u s a- Quelle, auf der Stadtinsel Ortygia, die unver- geßlich« Herrlichkeit des griechischen Theaters und die Ruinenromantit des römischen Amphftheaters, die Einmaligkeit der antiken Latomien-Steinbrllche, mit ihrer südlichen Pflanzenüppigkeit, ihren Seilzieh ern, dem„O h r des Dionysias" und dem Frofchgequake aus dem Dunkel der stillen Höhlen- teiche heraus, wie die Mystik der frühchristlichen Untsrkirche San Giovanni und ihrer Katakomben, Menschen erkennen immer nur, wenn sie das Schicksal verflucht, aber sie schreiben es eigenem Verdienste zu, wenn es sie segnet. So tat auch der fliegende Holländer..Hinaus kann ich nicht, dachte er sich. Und an meinem Schiff hänge ich. Im Lagerraum liegt noch Gold aus metner Brigantenzell. Ich werde damit an Land geihen und das Land hier von der Regierung kaufen. Und dann muß man eben Landratte werden und Kartoffeln bauen. Was hilft's schon...? Und also tat der fliegende Holländer... ★ „Und das da", schloß der alte Straaten und wies auf die 5iaravellc, die dunkel im Dunkeln ragte,„das da war sein Schiff." Und er ging ins Haus, und seine Schritte schwankten wie dir eines alten Seemanns... Marieken aber konnte diese ganze, unheimliche Nacht lang nicht schlafen. Sie lag zitternd im Bett und wiißte nicht, was sie halten sollte von ihrem Dienstherrn. Und plötzlich fiel ihrs jäh in die Seele, daß ja der fliegende Holländer in seinem irdischen Sein der Kapitän van Straaten gewesen war. Und der Alte nannte sich Straaten... Da beschloh sie, noch am andern Morgen zu kündigen. Aber am andern Morgen saß der alte Straaten graufräsig, rotbackig und blitzblauäugig am Früh- stückstisch und war nichts als ein ehemaliger Fischer und nunmehriger Bauer. Er wies auf eine Notiz in der vor ihm liegenden Zeitung: „Die englische Admiralität teilt mit, daß es mit der Mincngefahr endgültig vorbei ist. Die Minen, die nach treiben, zünden nun nicht mehr, nach vierzehn Jahren... Da könnte man den fliegenden Holländer eigentlich wieder brauchen." Er trat ans Fenster und sah aus sein Feld, wo nach immer das Gold aus dem Bauche der Kara- velle zu strömen schien, aber es mar das lebendige Gold des Kornes: wo noch immer der Wind Wogen vor sich hin trieb, aber es waren die trockenen Wogen der Aehren, mit dem lichten Schaum des Roggensamens...„Aber dies hier", sagte Straaten langsam,„dies hier ist besser." „Geschieht dem fliegenden Holländer ganz recht!" ereiferte sich aber nun Marieken,„daß er keine Frau fand, die den Fluch löste. Was soll eine mit so'nem wilden Fluchekerl, der um nichts und wieder nichts ums Kap Horn rum will und friedliche Schiffe in den Grund bohrt? Ja, wenn er ein Bauer war, der anständig sein Feld bestellt und—" Da wandte sich Straaten um und blitzte Mariekens Rundungen aus fröhlichen Augen an. „Denn so, Marieken", sagte er bedächtig,„denn so kann ich woll die Trauscheine besorgen...?" die die schönsten und so gar nickst unheimlichen Beispiele spätanlikischer Begrab nislabyrinche unter der Erde sind, van unschuldsoollcr und geheimnis- voll malerischer Anmut. Man sieht: Syrakus ist mehr als eine unermsß- liche Trümmerstätte antiker Herrlichkeit: früh- christliche und mittelalterliche Gesinnung hat an seiner Physiognomie mitgearbeitet, und das übrige hat die ewig junge Natur dieses fruchtbaren Lan- des getan, die die schrecklichen Freiluftkerker der Latomien zu einem Paradies von Orangen, Mandelbäumen, Zypressen, Rosen, Wasser- Magnolien, Bllltenkatarakten überwältigend umge- wandelt hat. Auch hier das Doppelspiel von Natur und Menschenwitz: die Steinbrüche, haustief mit senkrechten Wänden in das Kalksteinplateau eingesenkt, dienten den Syrakusanern und ihren Tyrannen als unentrinnbare Verließe für Ge- fangene, heute sind es Fruchtgärten, in denen Leib und Seele sich am Atem einer blühenden Natur erquicken. Was man aber nie vergessen kann, ist das grauenhafte Schicksal Zehntausender von Griechen, die hier ihr Ende fanden, als die Ex- pedition der Athener 113 v. Chr. vor den Mauern van Syrakus gescheitert war. Immer noch hört man die Unseligen in dieser Felsenticfe ihren Leichtsinn bejammern und erlebt die rührende Anekdote, die Thukydides berichtet: wie sich einige der gefangenen Athener durch Rezitation von tragischen Versen des Euripides in Licht und Leben emporgerettet haben. Es gibt Episoden, in denen sich der Geist der Menschlichkeit auch unter grausamen Verhältnissen offenbart, und die darum wie Symbole eines höheren Daseins auf uns wirken: die Sage von den Armen, die sich ihren Feinden durch Dichterzitate als gleicher Kultur, gleicher Weltanschauung angehörig emp- fahlen und wirtlich ihre Freiheit errangen, gibt uns einen tröstlichen Begriff von der Macht des Geistes über die Brutalitäten der Politik und des Menschenhaders. Leider ist das Erlebnis der einzigartigen Stadt nicht ganz ungetrübt. Seit dem Ende des Aller- tums hat sich das Stadtwesen auf die kleine Insel oder Halbinsel Ortygia im Südosten jenes gewaltigen Plateaus zurückgezogen, die auch die erste ursprüngliche Griechenansiedlung gewesen ist, von wo aus sich Syrakus auf das Festland verbrettet hatte. So war es bis zur Neuzett ge- blieben: die hat nun mtt Hafen- und Bahn- anlagen, mtt Ausbau rechtwinklig sich kreuzender Straßen wiederum die Hand über den Ver- bindungsdamm nach dem Festtand ausgestreckt und damit eure Zwffchenrsgion von wenig erfreulichem Anblick geschaffen. Sport am Sonntag Arbeitersportliches und anderes Leibesübungen als Aestkulkur. In diesem Jahre bringt die Freie Turnerschast Groß-Berlin am Sonntag im Wintergarten ein Programm, das für die Festgestaltung durch den Arbeitersport von größter Bedeutung ist. Neue Zeiten fordern neue Ausdrucksformen für die Feierstunden. Der Name des veranstaltenden Vereins bürgt dafür, daß auch dieses Mal etwas Hervorragendes geboten wird. Beginn der Veranstaltung WVt Uhr. Eintritt 50 Pf. Die Plätze werden verlost. Karten in der Geschäftsstelle des Bundes, Königsberger Straße 5/6, des Kreises, Clsasser Str. 86, und in der Geschäftsstelle der FTGB., Berlin NO., Lich- tenberger Str. 3, Tel. S3 Königstadt 3656. „ZUöwe"-Schwimmfest. Am Sonntag ist es der Berliner Arbeiter-Schwimmverein Möwe, der zu einem bundesoffenen Fest einladet. Das Stadtbad Neukölln in der Ganghoferstraße ist die Kamps- stätte. Neben vielen internen Wettkämpfen gibt es eine Anzahl ernste Konkurrenzen. Gleich am An- fang starten in einer 6X60-Meter-Crawlstafette sieben Mannschaften, von denen für das Ende Möwe, Lichtenberg und Charlottenburg in Frage kommen. Eine ganz besondere Note hat die 4X1-Meier-Crawlstasette für Männer. Hier haben es sich die in letzter Zeit schwimmerisch immer stärker in Erscheinung tretenden Char- lollenburger vorgenommen, den vor Jahresfrist von Hellas aufgestellten Bundesrekord zu unter- bieten. Nur unvorgesehene Zwischenfälle können das Gelingen gefährden; stark genug ist die Char- lottenburger Mannschaft. Die Frauen von Möwe, Neukölln und Kreuzberg schwimmen eine Lagen- stafette, deren Ausgang ganz offen ist. Für Ab- wechselung im Programm sorgt der ASB.-Neu- kölln, der eine„Bühnenschau" bringt. Den Ab- schluß bildet ein Wasserballspiel zwischen Möwe Punkte IZ-4: 4V4 UVj: S'-a 12%: 7% 12: 8 10: 10 9%: 10% 7: 13 6%: 13% 0%: 13% 6: 14 Naturfreunde im Film Der erste Skilaufbildstreifen Zum ersten Male lief in Berlin in zwei über- füllten Veranstaltungen des Touristenvereins„D i e Naturfreunde", Ortsgruppe Berlin, ein moderner Wintersportfilm aus der leben- digen Arbeit der Schweizer Naturfreunde. Aus dem düsteren Grau der winterlich ver- matschten Großstadt, aus dem Einerlei des Werk- tags wandert man mit ihnen hinauf in die wundervolle Bergwelt, die— weichin mit schönstem Schnee überdeckt— dem herrlichen Wintersport, dem Schiwandern, glänzende Möglichkeiten er- öffnet. Abends lustiges, urgemütliches Treiben in den Hütten. Dann am hellen, lichten Tage eine Fuchsjagd. Und wenn schließlich im Tale längst der Schnee geschmolzen ist, klimmen immer noch einmal wieder die unermüdlichen Arbeiter-Winter- sportler hinauf in die Berge zu sausenden Ab- fahrten auf den treuen Brett'ln. Hier gab es keine Filmstars. Mitwirkende; „Die Naturfreunde" kündigt einfach und klar ein Zwischentitel an. Einfache Arbeiter schufen dies Werk, deshalb doppelt anerkennenswert, einfache Arbeiter stellten auch prächtige Filmgestalten(vor allem bei der Fuchsjagd). Man sah auch Proben vollendeter Schilauftechnik. Charlottenburger Skikursus. Am.Weiten Kursusabend, Montag, H. November, können in und Lichtenberg, für das eine Voraussage nicht möglich ist, da beide Mannschaften gleichmäßige Klasse sind. Pereinsmcisterschaflen bei„Hellas". Die Fülle tüchtiger Wettkampfsportler, die der Arbeiter- schwimmverein Hellas, Berlins Wasierballmeister, in seinen Reihen vereinigt, läßt es verständlich erscheinen, daß dieser Verein alljährlich seine Ak- tioen in den verschiedenen Wetttampfarten die Kräfte messen läßt. Am kommenden Sonntag findet diese interessante Veranstaltung im Stadt- bad Wedding in der Gerichtstraße 65— 69 statt. Die hohe Kunst des Springens wird u. a. durch Altmeister Nachtigall vertreten. Die Beteiligung der weit über 100 Mitglieder starken Kinder- gruppe verleiht dem Programm eine besondere Note. Wasserballspiel und Figurenliegen schließen sich an. Eine bunte Folge mit dem Titel„Was wir wollen" bildet den Beschluß der Programm- folge. Eintritt 60 Pf. bzw. 30 Pf. für Erwerbs- lose. Beginn 15 Uhr. Arbeiter-Wasserball. In dieser Woche finden wegen anderweitiger Vergebung des Wellenbades keine Wasserball-Serienspiele der �-Klasse statt. herbslfest der Freien Segler wannsee. Eines der jüngsten Glieder des Freien Seglerverbandes veranstaltet heute, Sonnabend, 20 Uhr, im Schützenhaus. Berlin-Zehlendorf, Machnower Str., ein Hsrbstfest, bei dem u. a. der bekannte Film „Die letzten Segelschiffe" zur Vorführung kommt. Gäste herzlich willkommen. Schwimmer-Großkämpfe sind es, die am sonn- abend und Sonntag im Berliner Lunabad durch die bürgerliche Interessengemeinschaft Nixe, Bcr- liner Schwimmclub und Schwimmsportvereini- gung Berlin zur Abwicklung gelangen. Nahezu 200 Nennungen sind von 51 Vereinen des Reiches und aus dem Auslande abgegeben worden. Un- garn, Oesterreich, Schweden und Polen werden einige ihrer Besten zum Kampf gegen die deutsche Meisterklasse entsenden. Die Hauptkämpfe be- ginnen am Sonnabend um 20,30 Uhr, am Sonn- tag um 18 Uhr. Gerötekurnen. Am Wochenende werden die deutschen Meisterschaften im Geräteturnen der bürgerlichen Turnvereine ausgetragen. Ueber hundert der besten Kunstturner aus allen Teilen des Reiches werden in den Kaiserdammhallen zum Wettkampf antreten. Sonnlag öffentlicher Rakelenstarl in Tempelhos. Der Start der Tillingschen Flugraketen, der am Sonntag, 30. Oktober, wegen der schlechten Witte- rung nicht stattfinden konnte, wird nunmehr morgen, Sonntag, im Flughafen Tempelhof der Oeffcntlichkeit gezeigt werden. Ingenieur Tilling aus Osnabrück wird in der Zeit von 1�3 bis 4 Uhr nachmittags drei seiner Aluminium-Flugraketen abschießen. Trabrennen in Mariendorf. In der Reichs- Hauptstadt haben die Traber das Wort, die ihre Herbstkampagne fortsetzen. Die Hauptnummer des Programms ist der über 3000 Meter führende Preis von Berlin für die erste Klasie der in- ländischen Steher. Die Gruppe der aussichts- reichsten Bewerber dürfte sich aus Adio(Jauß jr.). Voraus(Neuenfeld), Lu-Lo(Frömming), Edel- linde(I. Mills) und Querulant(Eh. Mills) zu- sammensetzen. Schwierigkeiten machen, so wird man bei den Segelfliegern noch eine gute Weile Vorbereitung-- zeit nötig haben, bis die vom Vortragenden gc- stellte Ausgabe erfüllt wird. Für die tropischen Gebiete, in denen Segelflüge noch gar nicht erprobt wurden, stellte Georgii Dauerflllge von 9 Uhr morgens bis 5 Uhr nachmittags in Aussicht. Solche Flüge empfahl der Vortragende unseren Segelfliegern ganz besonders, um mit den in neuerer Zeit sehr stark hochkommenden Amerikanern Schritt halten zu können. Frauen werben in Britz Die Freie Turnerschaft Britz 88 veranstaltete einen Frauenwerbeabend in ihrer Uebungshalle, der einen gelungenen Verlauf nahm. Laufübun- gen und Gymnastik leiteten den Abend ein und die Britzer Frauen zeigten, daß sie flink und bc- weglich sind. Vergessen ist des Tages Last, wenn sich der Mann— aber vor allem die Frau— wenigstens einmal wöchentlich richtig austummeln kann! Und wem aus irgendeinem Grunde Lauf- Übungen zu anstrengend sind, der beteiligt sich an der Gymnastik oder macht, wie es die Britzer Frauen trefflich zeigten, ein frisch-fröhliches Spiel mit. Da gab's was zum Herumtollen, jeder taute auf und lachte und freute sich und schließlich herrschte allgemeiner Jubel, der sich auch auf die Zuschauer übertrug. Fröhlichkeit war Trumpf und ist es immer wieder bei jedem neuen Uebungs- abend. Daß die Britzer auch den Gemeinschafts- geist pflegen, kam dadurch zum Ausdruck, daß die Frauenabteilung des Askö-Britz die Veranstaltung durch aktive Teilnahme unterstützte. A rbeite r-Schach Meister Charlottenburg gefährdet Die Freie Arbeiter- Schachvereinigung Groß- Berlin setzt ihren Kampf um die diesjährige A b t e i l u ixg s m e i st e r s ch a f t in der aV-Klasse am Sonntag von 9% bis 13 M Uhr fort. Nachstehende Begegnungen zeigen, daß sehr spannende Kämpfe zu erwarten sind: Verteidiger "t. 26; „....„. gegen Prenzlauer Berg i im Lokal Elsenstr. 100 die Spitze bis �är nächsten Runde ilbernehmen; Lichtenberg I gegen Humaoldthain I im Lokal Dirschauer Str. 1; Kreuzbcrg aegen Fricdrichshain I bei Lrepp, Planufer 73; Weitzensec bar den.4.Alaffe»Neul!ng Grllnau zu Gast. Lokal Greife- walder Ecke Lehderstratze. Den Stand der bisherigen Spiele zeigt folgende Tabelle: Abteilung Spiele gew. unentfl Eharlottenburg.. 2 2—- Treptow l.... 2 2— Lichtenberg i... 2 1 1 W-dding I.... 2 1— Weitzeniee.... 2 1— Hunibaldthain I.. 2 1— Kreuzberg.... 2—— Grünau..... 2 1— Friedrichshain I.. 2— 1 Prenzlauer Berg 1.2—— Die Freie Arbeiter-Schachoereinigung teilt noch mit, daß die traditionelle Bußtag-Schach- Veranstaltung in diesem Jahre ab 14 Uhr in Ewalds Vereinshaus, Skalitzer Str. 126(Nähe Hochbahnhof Kottbusser Tor), stattfindet. der Schule Kaiserin-Augusta-Allee 74 noch Jnter- essenten teilnehmen. Bretter stehen zur Verfügung. Kursusbeitrag 2 Mark. Erwerbslose frei. Wer durch Trockenkurse vorbereitet ist, läuft bei Schneesall noch mal so gut. Beginn 20 Uhr. Schwerathletik Sparta schlägt Alt-Wedding Gleich in der zweiten Begegnung der �-Klasse um die Ringermeisterschaft des 4. Kreises im Arbeiter-Athletenbund standen sich in Neukölln die beiden Anwärter auf den Titel der Kreismeister „A l t- W e d d i n g" und sein stärkster Gegner, der Kraftturnverein„Spart a" gegenüber. Der Meisterverein trat ohne seinen erkrankten Federgewichtler an und Sparta mußte durch Uebergewicht seines Fliegengewichtlers diesen Punktvorsprung wieder ausgleichen lassen. Von den sechs Kämpfen gingen fünf über die voll« Zeit und endeten Unentschieden. Der Sieg in diesem Mannschaftskampf wurde von dem Spar- taner Hüffner durch seinen Sieg über Lorenz für die Neuköllner Staffel entschieden, die im Gesamt- ergebnis mit 8:6 Punkten den Kreismeister schlagen konnte. Die Rückrunde wird bei„Alt- Wedding" ausgetragen. Der Flu der Waaqe Segelfliegen im Gebirge Ueber Zukunftsfragen des Segelflugs sprach in der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Luftfahrt Professor Georgii. Der Ausbau der Segelslug- Möglichkeiten sei beendet, die Rhönwettbewerbe im letzten Sommer haben keine Leistungssteigs- rungen mehr gebracht, weil die klimatischen Ver- hältnisse in Deutschland erschöpft sind. Die Segel- flieger hätten nunmehr die Aufgabe, das, was ihnen die Wolken-, Hang- und thermischen Flüge böten, weiter auszubauen. Als eine beachten?- werte Aufgabe für die Segelflieger bezeichnete Prof. Georgii den Flug im Gebirge. Er war in seinen Erwartungen so kühn, eine Ueberquerung der Alpen in Aussicht zu stellen. Wenn man be- denkt, daß den Motorflugzeugen Flüge über große und hohe Gebirgsstrecken heute noch Rennfahrertraining im Winter Die Rennfahrerabteilung Berlin-Mitte, im Arbeiter-Rad- und Kraftsahrerbund„S o l i d a- r i t ä t", hat eine arbeitsreiche und in sportlicher Beziehung höchst erfolgreiche Saison hinter sich. Neun Straßenrennen, drei Bahnrennen und zwölf auswärtige Starts gaben den Mitgliedern die er- wünschte Gelegenheit zu rennsportlicher Betäti- gung. Mit dem Beginn des Winters verschwin- den die Männer der Pedale von den Chausseen und Rennbahnen, an die Stelle der Chaussee tritt das Training im Raum. Leider fehlen den meisten Rennfahrern die Mittel zur Beschaffung eines Trainierapparates, und deshalb hat sich die Rcnnsahrerabteilung entschlossen, für alle Rennfahrer und besonders auch für solche, die sich erst dem Radrennsport widmen wollen, ein Hallentraining einzurichten. Es stehen zwei Ap- parate zur Verfügung; Ergänzungssport sorgt für die Entwicklung des ganzen Körpers. Das Hallen- training findet jeden Montag in der Turnhalle Ruppiner Str. 48, 19,30 Uhr, statt. Die Beiträge sind sehr niedrig. Anmeldungen und Auskunft durch Walter Zander, Berlin, Palisadenstr. 42. 55®. flidcts 31 spielt Sanntag, 13. November, in der Narmannenstratze gegen FT.»offnung. Treuenbrietzen. Spielbeginn 14% Uhr, varher Treuenbrietzen II gegen Frahe Stunde. Tietz-Schön behaupten sich Die dritte Nacht im Sportpalast gewicht konnte fi________ M 5. Minute entscheidend besiegen. Der Bantamgewichtler Rösicke lSv.) wurde kampflos Sieger, da sein Segner nicht antrat. Die interessante Begegnung der Leichten P. Witt» kämm CSp.) gegen Welche