Morgen-Ausgabe Nr. 541 A265 49. Jahrg. Rebaktton und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstr. 3 SeoifDüK&tt!«7«MI voichofs M3 bi«»7 SetagtommaMI«:«»zl-Id-mok««ZS-rlm BERLINER VOLKS BLATT MITTWOCH 16. November 1932 In Grvh- Berlin 1 0 Pf. Auswärts....... 15 Pf- �VezugSb«bingungen und Änzeigenpreise siehe«rm Schluß des redaktionellen Teil» Jentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Ansere Antwort an Papen Herr von?apen ist für die Sozialdemokratie nicht verhandlungsfähig Der Ißorftanö der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion erläßt die folgende Er- tlärung: Der Vorstand der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion hat in seiner Zihung vom Dienstag, dem l.V November, einstimmig beschlossen, der E'inladung des Reichskanzlers von Pape» zu einer Unter- redung in der Reichskanzlei nicht zu folgen. Der Reichskanzler von Papen hat durch ztoeimalig« Auflösung des Reichstags das deutsch« Volk zweimal über seine Re- gierungspolitik befragt und zweimal v«r° nichtende Absagen erhalten. Die Ver- fassung, die er beschworen hat, gibt ihm nicht das Recht, weiter« Verhandlungen zu führen, sie verpflichtet ihn vielmehr zum Rücktritt. Eigener Ben du des ,, Vonneris" Paris, 15. November. Die Negierung hat am Dienstag in der Kammer den Budgetentwurs für 13 5 3 eingebracht, der endlich Aufschluß über die Maßnahmen gibt, mit denen das etwa 3 Milliarden Franken betragende Defizit gedeckt werden soll. Das Budget balanciert mit etwa 47.8 Milliarden Franken. Das ursprünglich vorhandene Defizit soll auf folgende Weise beseitigt werden: 1. Neue Ein- schränkungen bei den Zachausgaben eine halbe Milliarde: 2. Maßnahmen gegen den Steuerbetrug eine Milliarde; 3. neue Steuern(Erhöhung der Einkommensteuer, Steuer auf Automobil- transporte usw.) Hb Milliarden; 4. llebertragung einiger öffentlicher Arbeiten aus dem Budget in einen besonderen Gesetzentwurf l'b Milliarden, die auf dem Anleihcwege aufgebracht werden sollen; 5. Schaffung einer Penfionskasse, deren Betriebskapital ebenfalls durch«ine Anleihe auf- gebracht werden soll, wodurch das Budget um 2,1 Milliarde entlastet wird; 6. Senkung der Ausflüchte im Altonaer Bornbenpror.elA Eigener Bericht des„Vonvärts" Homburg, 15. November. In dem großen Prozeß gegen die s ch l e s w i g- h o l st e i n i s ch e n Bomben- a t l e n lä t e r vor dem Altonaer Sonderzericht unternahm der nationalsozialistische Verteidiger F r e i s l e r neuerdings eine große Osfensive, um die Glaubwürdigkeit der Zeugen, die die An- geklagten durch ihre Aussagen auf das schwerste belastet hatten, zu beeinträchtigen. Den Zeugen Reichs wehrieldwe bei a.D. Baum, der der Staate annuilischaft die Namen der SS.-Leule genannt hatte, die das Attentat in Glüsing verübten, bezeichnete er als eine» un- glaubwürdigen Menschen, der seine Aussagen nur gemacht habe, um sich die ausgesetzte Belohnung zu verdienen Gegen diese Behauptungen�der Ber- teidigung stehen die Aussagen des am-läge vorher eidlich vernommenen K r! m i n a l i e k r e- tärs Woinke aus Flensburg, der die Vernehmung Baums durchgeführt hat und dem Gericht Ter Reiehstanzler von Pape» hat sich bei feinem Vorgehen gegen die recht- mäßig« Regierung Preußens über die Verfassung und den Spruch des höchsten ltterichts ebenso hinweggesetzt, wie er durch sein Verbleiben im Amte das Urteil des Volkes mißachtet hat.(£r hat in seinen öffentlichen Reden die Parteien ver- unglimpft und diejenigen, die sich seiner Politik entgegenstellen, als Feinde des Volkes bezeichnet. Sein ganzes Verhalten macht ihn als Verhandlungspar r- n e r für die Sozialdemokratische Partei ungeeignet. Die Sozialdemokratische Partei erblickt in dem Reichskanzler von Papen den Sachwalter einer winzigen Minderheit, die sich in rücksichtsloser Wahrnehmung ihrer eigenen Klasseninteressen nicht scheut, Beamtengehälter und Pensionen 1,4 Milliarden. Die Senkung der Beamtengehälter beträgt 2, 3, 5, 7 und 10 Pro.;., steigend mit der höhe der Gehälter über 12 000 Franken. Ferner sollen die Repräsentationszulagen um 10 Proz., die übrigen Zulagen mit Ausnahme der Familienzulagen um 20 Proz. gekürzt werden. Was die Ersparnisse bei den Kriegsinvaliden- und Kriegsteilnehmer- Pensionen betrifft, so sollen den im Kriege erkrankten Perjonen, die nicht an der Front ge- standen haben, sowie den wiederver- heirateten Kriegerwitwen die Pen- fionen entzogen werden. Das gleiche ist mit den Kriegsteilnehmcrrenten für Personen vorgesehen, die über ein gewisses Einkommen oerfügen. Da der Entwurf, der wegen der neuen Steuern und Anleihen von den Rechtsparteien und wegen der Kürzung der Beamtengehälter von den Sozialisten bekämpft werden wird, unmöglich bis Ende des Jahres verabschiedet werden kann, bereitet die Regierung schon einen neuen Gesetzentwurf für die Ausgaben der beiden ersten Monate des Jahres 1933 vor, der zwischen Mitte und Ende Dezember dem Parlament unterbreitet werden soll. erklärte, daß er selbst den Zeugen Baum erst nach der Erstattung der Anzeige auf den ihm zustehen- den Anteil an der ausgesetzten Belohnung au!- merksam gemacht Hobe. Der eigentliche Grund der'Angaben Baums wäre aber die verlogene Berichterstattung der nationalsozialistischen Zeugen gewesen, die die Bombenattentate als das Werk linksgerichteter Kreise bezeichnet hätten. Darüber hinaus sei aber auch der Zeuge über die national- sozialistische Bewegung, der er früher angehörte, außerordentlich enttäuscht gewesen, so daß er keinen Grund mehr gehabt hätte, zu venchweigen, was er von den Bombcnattentaten wußte. Dem Referendar Ehlers, der im Auf- trage der Staatsanwaltichoft Altona die Berneh- mung einiger Angeklagten vorgenommen hatte. warf die Bertcidigung vor. daß er sich das Ver- trauen der Angeklagten zu erschleiche» versucht hätte, indem er sich als Mitglied der National- sozialistischen Partei ausgegeben hätte. Der Zeuge Ehlers bestreitet diese Behauptungen entschieden und weist die Verdächtigungen über nicht einwand- freie Vernehmung entschiede» zurück. Eine zweite Frage der Verteidigung an den Zeugen,»b er mit SS.-Leuten gemeinsam gezecht Hab«, ließ der Vorsitzenld« des Sondergerichtz nicht zu. über das Grundgesetz der Republik und die Rechte des Volkes hinwegzugehen. Der Vorstand der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion kann aus allen diesen Gründen von der geplanten Vespreehung ein(Ergebnis nicht erloarten. Gr hält es jedoch für notwendig, in aller Lrffent- lichkeit seine Stimme zu erheben gegen eine Politik, dir sich mit jedem Schritt von dem Voden des Rechts weiter entfernt. Gr wende! sich aufs schärfste gegen die öffent- lich erörterten verbrecherischen Pläne, die darauf abzielen, die durch Veschluß der Nationalversammlung rechtmäßig zu- standegekommene Verfassung auf ver- fassungswidrigem Wege abzuändern und fordert den Rücktritt dieser Regierung. Den dritten.YauPtbelastungszeugen, den ehe- maligen SS.-Mann Thomjen, der am Freitag sensationelle Bekundungen über die Mißstände in der national sozialistischen B e- wegung und über die Vorgänge während der Wahlnacht in Altona gemacht hatte, bezeichnet die Verteidigung ebenfalls als nicht glaubwürdig, ohne aber besondere Beweise für diese Behauptung beibringen zu können. Der Zeuge Thomsen selbst bleibt bei einer Gegenüberstellung mit einem seiner ehemaligen Kameraden bei seiner Aussage. Tragikomödie von Eutin Wo bleibt cler Bapen-X.ommusar? Eigener Beridü des„Vormärls" Eutin, 15. November. Das Willkürregiment der Nazi- regierung und ihrer in hohe Aemter ge- fchobenen Günstlinge stößt in der Bevölkerung auf immer heftigere Empörung. Aus einem deutsch nationalen Prote st schreiben an die Naziregierung in Oldenburg ist zu ersehen, daß in Oldenburg die S A. nicht nur i l s s- Polizei ist, sondern, daß hier auch mehrfach vorbestrafte Verbrecher Unterschlupf gefunden haben. Zwei SA.-Leute, die jetzt Polizeidienst verrichten können, werden in dieser deutschnationalen Denkschrift des Bomben- attentates gegen eine Konsumver- e i n s s i l i a l e beschuldigt. Die deutschnationole Verärgerung ist durch den Naziregierungspräsidenten verursacht, der den deutschnationalen Bürgermeister und den Polizei- kommissar von Eutin mit Gewalt ihres Amtes enthob, weil sie sich weigerten, zwei preußische Kriminalbeamte zu verhaften, die an der Aus- klärung von Spreng st offattentaten der Nazis gearbeitet hatten. Jetzt ist auch die Amtsenthebung des Polizeikommissars rückgängig gemacht, aber der Nazipräsident hat ihm ein Disziplinarverfahren angc- hängt und ihn einfach in Urlaub gesststckt. Kein Wunder, daß bereits die Wahl vom 6. November eine Katastrophe für die Nazis gewesen ist und daß die Bevölkerung von Oldenburg die Erlösung vom Dritten Reich täglich heißer ersehnt. Zum Tode oon Hermann TUllller-Lichteaberg hat Reichsarbeitsminister Schäifer dem Bundes- Vorsitzenden des Allgemeinen Deutschen Gewcrk- schastsbundes zugleich im Namen der Reichsregie- rung sein Beileid ausgesprochen. Kampfansage Izerr von Papen, der Chef des Kabinetts der Barone, hat die Genossen Wels und B r e i t s ch e i d für heute zu einer Unter- redung eingeladen. Er hat auf diese Ein- ladung eine Antwort erhalten, die an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig läßt. Was will Herr von Papen Sozialdemo- traten sagen? Was will er oon der Sozial- demokratie? Herr oon Papen— das ist der Mann, der in seiner ersten Regierungserklärung alle republikanischen Regierungen des Reichs be- schimpfen lieh! Hat er ihnen nicht vorge- warfen;„sie haben den Staat zu einer Wohlfahrtsanstalt zu machen ver- sucht und damit die moralischen Kräfte der Nation geschwäch t"? Dieser Satz zielte auf die sozialdemokratische Staatspolitik und ihre Leistungen für das Volk. Was will Herr oon Papen heute von den Männern, die„die moralischen Kräfte der Nation geschwächt" haben? „Die Ration wird vor die kläre und ein- deutige Entscheidung gestellt"— so ließ Herr von Papen vor fünf Monaten verkünden— „mit welchen Kräften sie den Weg der Zu- kunft zu gehen gewillt ist." Die Nation hat seitdem schon zweimal klar und eindeutig entschieden; mit ihm nicht! Was haben wir mit diesem Mann und seinen Plänen zu schaffen? Wir kennen ihm und seinen Pro- jekten gegenüber nur eine Haltung; schärf st en und rücksichtslosen Kampf! Den Deklamationen des Kabinetts Papen gegen die republikanischen Regierungen und den Wohlfahrtsstaat sind bald Taten gefolgt. Das ganze arme und werktätige Volk weiß davon zu erzählen! Die Arbeiter oon Lohnabbau, die Erwerbslosen von Kürzung der Arbeitslosenhilfe, die I u- g e n d l i ch e n vom Wegsall aller Unter- stützung, die Kriegsopfer von Renten- kürzung! Für sie alle weckt der Name Papen nur einen Schrei der Empörung, des Pro- testes, sie alle kennen ihm gegenüber rmr eine Forderung; fortmit Papen? Herr von Papen ist der Mann des 20. Juli. Verhandlungen mit diesem Manne? Nach dem Leipziger Urteil verhandelte Minister- Präsident Braun mit dem Reichspräsidenten im Beisein des Herrn von Papen. Noch während dieser Unterredung ließ Herr von Papen den zweiten Streich gegen Preußen ausführen, die Auflösung des Wohlfahrt?- Ministeriums, die Ernennung von Reichs- miniftern zur Ausübung der Diktatur in Preußen. Es kam zu einer zweiten Unter- redung zwischen Otto Braun und Papen, zu der Papen eingeladen hatte. Unmittelbar darauf erfolgte der große Streich gegen die republikanischen Beamten. Die Regierung des Herrn von Papen hat in Preußen gezeigt, was sie ist und was sie will. Sie ist ein regierender Ausschuß der feudalen Reaktion. Sie will zurück zum alten System, in dem das Volk entrechtet war. Sie erblickt in den„Marxisten" Staatsbürger zweiter Klaffe, ganz nach dem Vorbilde Wilhelms, dessen Hochmut gegenüber dem Volke in Doorn ge- endet hat. Dies alles, die soziale Reaktion, die Ver- fassungspläne zur Entrechtung des Volkes. das Wüten gegen den Wohlfahrtsstaat deckt Frankreichs Budgetsorgen 1,3 ßliltiarrleQ ßlarh Defizit g. Diel(3) erklärte, daß es nach diesem Ergebnis keinen Zweck mehr habe, in die sachliche Beratung der Anträge einzutreten. Man werde vielmehr mit einer scharfenEntschließung in die Oeffentlichkeit gehen müssen. Es entspann sich dann eine längere Aussprache über die Frage, ob man nicht den Minister- Präsidenten Braun und Ministerialdirektor Brecht herbeirufen solle, was von feiten des Zentrums und der Kommunisten befürwortet, von den Sozialdemokraten und den Deutschnationalen aber abgelehnt wurde. Von der Herbeirufung wurde Abstand genommen. Ueber die Frage, ob nicht nunmehr ein« neu« Klage beim Staatsgerichtshof«Inge- reicht werden müsse, um der alten Regierung die ihr durch das Leipziger Urteil zugestandene Aus- Übung ihrer Befugnisse zu ermöglichen, und von wem diese Klage ausgehen müsse, konnte eine Klarheit nicht erzielt werden. Der Vorsitzende schlug schließlich vor, der Regierung Braun offiziell mitzu- teilen, daß das Staatsministerium zu der Sitzung des Unterausschusses eingeladen worden sei, sich aber niemand eingefunden habe. Der Hauptausschuß selbst solle am 22. und 23. dieses Monat» zusammentreten, um einen Bericht des Unterausschusses entgegenzunehmen. Zu dieser Sitzung solle die rechtmäßige Regierung unmittel- bar«ingeladen und den Kommissaren eine Abschrift der Einladung zugestellt werden. Er selbst sei, wenn«s gewünscht werde, bereit, den Ministerpräsidenten Braun auch persönlich über die Sachlage zu unterrichten. Der Ausschuß nahm dann bei Stimmenthaltung des Abgeordneten Ebersbach(Dnot.) folgende Entschließung an: „Am 14. und 15. November 1932 Ist ein Unlerausschuh de» hauptauxschusse» zusammen- oelrclcn mit der Ausgabe, diejenigen Maß- nahmen zu beraten, welche die Sparverordnung vom S. Juni 1932 entbehrlich machen und eine zweckentsprechende verwaltungsresorm vorbereiten. An der Erledigung dieser Ausgabe wird der Unterausschuh dadurch gehindert, daß das Staatsministerium oder bevollmächtigte Der- trcter nicht erschienen sind, obwohl die in Frage kommenden Ministerien in der üblichen weise Einladungen erhalten haben. Der Unterausschuß besteht aus seinem ver- sassungsmähigen Recht, die Anwesenheit der Minister zu verlangen. Er hat festgestellt, daß der Reichskommissar die EInladun- gen an das geschäftssührende Staatsministe- rium nicht weitergeleitet hat. Der Unterausschuh verlangt die Beseitigung jedes Hindernisse!, durch welches das Erscheinen von Ministern oder deren bevollmächtigten ver- tretern unmöglich gemacht und damit dem Landtag die Dvrchsührung der ihm verfasfrr-»� * mäßig obliegenden Aufgaben erschwert wird." In der Abstimmung hierüber erklärte der deutschnationale Abgeordnete Ebersbach, die Fassung einer Entschließung gehe über den Rah- wen der dem Unterausschuß übertragenen Aus- gaben hinaus. Es müsse dem Hauplausschuß, dem ja Bericht erstattet werden solle, vorbeha'ten blei- den, selbst die aus den Tatsachen sich ergebenden Schlüsse zu ziehen. ★ Die nationalsozialistische Landtags-Fraktion beantragt im Preußischen Landtag, dem m t der Bezeichnung„Ehikago- Ausschuh Bernhard Weih" eingesetzten Untersuchungsau' schuh die Bezeichnung„Untersuchungsausschuß über Berliner Polizeispitzen" zu geben. Die sozialdemokratische Fraktion hatte sofort nach dem Ergebnis des..Angriff"- Prozesses die Aenkerung des Namens beantragt. Dieser Name ist übrigens ein Geisteserzeugnls des bis hart an die Jrrsinnsgrenze übererregten Nazianwalts Roland Freister, der auch den ehrabschneiderischen Verleumdungsantrag gegen Frau Weih versaßt hat, von dem unter der allgemeinen Empörung dann die Nazifraktion offiziell drückte. In wieviel B'nmagen wird der Hysteriker Freisler. bolschewistischer Kommissar a. D.. seine Fraktion noch hineinreißen? Gechatt Hauptmann beim Volle k'eier in rlsr Volksbühne Neuer Konflikt in vreußen Landtagsausschuß ohne Regierungsvertretung sie mit dem Wort„nationale Kon» zentration. Zur Durchführung dieser „nationalen Konzentration" will sie verhan- dein. In ihrer Isolierung vom Volke sucht sie Bundesgenossen bei Parteien, vie ihr helfen sollen. Da die Nation klar und eindeutig entschieden hat, daß sie mit Papen und Genossen nicht den Weg in die Zukunft zu gehen gewillt ist, suchen Papen Und Genossen Mittel, um ihren Weg in die Zukunft gegen die Nation zu gehen. Die sogenannten Verhandlungen mit Parteiführern sind ein Zug im Spiel des Kabinetts der Barone, das immer klarer wird. Der Charakter dieses Kabinetts wie feine wahre Tendenz, feine Wendung gegen das Volk und Parlament soll damit verdeckt werden. Die Sozialdemokratie wird solche Versuche zur Maskierung der„nationalen Konzentra» lion" im Zeichen der Barone rücksichtslos zerstören! Sie wird den Kampf gegen Die politische und soziale Reaktion organisieren. Sie wird die breite und tiefe Kluft, die Klassenunterschied und Klassenwille zwischen dem arbeitenden Volke und dem Kabinett der Barone reißen, auch durch noch so leere Verhandlungsgesten der Barone nicht ver- nebeln lassen. s Was Herr von Papen über die Haltung der Sozialdemokratie zu erfahren wünscht» das wird er in vollster Oeffentlichkeit er- fahren! Der P a r t e i a u s s ch u ß der Sozialdemokratischen Parte! hat ihm erklärt: schärfster und rücksichtslosester Kampf! Der Vorstand der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion wiederholt diese Kampfansage und fordert seinen Rücktritt. Mehr hat ihm die Sozialdemokratische Partei nicht zu sagen! Absage des Zentrums �n die ,, Reform"- Pläne Im Mitteilungsblatt der Deutschen Zen- trumspartei wird über die Haltung der Partei zu den jetzt im Vordergrund des poli- tischen Interesses stehenden Fragen der Verfassungs- und Wahlreform mitgeteilt: D>e Reformen, dl« zur Behebung der Mißstände erforderlich sind, können ohne Beeinträchtigung der demokratischen Grundlage unserer Verfassung durchgeführt werden Echte Autorität ist begründet im Wesen der menschlichen Gesellschaft und ist in ihrer konkreten Form keineswegs an die ver- schleiert diktatorischen Methoden einer sogenannten autoritären Regierung gebunden. Aus dieser unserer Grundhaltung heraus lehnen wir alle Pläne der Regierung ab. die auf eine Ausschaltung oder Enkrechlung der gewählten Volksvertretung hinauslaufen. Wir können nicht der Errichtung«tne« Oberhausee zustimmen, da« sich überwiegend aus nicht gewählten, sondern beru'enen Mit» gliedern zusammensetzt und vermöge seiner Rechte den Reichstag praktisch ausschalten oder lahmlegen kann. Bei der heuligen Machtschichtung in Deutsch- land besteht in jedem Falle die Gefahr, daß einem solchen Oberhaus in kurzer Zeit alle politische Macht zufallen würde Aus gleichen Gründen wehren wir uns auch g e g e n die Bestellung eine« Präsidial- rat», der überdies angesichts des schon bestehen- den Reichsrats als überflüssig angesehen werden muß. Dagegen fordern wir«Ine genauer« Festlegung der Rechte de» Reichspräsidenten, insbesondere'einer Befugnisse au« Artikel 48. dl« zugleich auf f c lt b e st i m m t e konkrete An- wendungsfälle festgelegt werden müssen. wir lehnen seden Versuch ab, da» allgemeine, geheime und dlrekle Wahlrecht zugunsten irgendwelcher Bevorzugungen einzelner kreis». z. v. durch ein pluraiwablrechl abzulösen. Di» Mängel de» bestehenden Wahlrecht» werden auch von UNS gesehen, doch machen sie kein« so um- stürzenden Reformen notwendig, wie die Regierung sie zu beabsichtigen scheint. Eine Verkleinerung der Wahlkreise und eine Beschränkung des Listen- prinzips würde den gewünschten Erfalg herbei- führen." Der Unterausschuh des Hauptausschusses.des Preußischen Landtags, der am Donners- tag wieder zusammentrat, um über Anträge der Nationalsozialisten und des Zentrums zu Spar- mahnahmen und zur Frage der Per- waltungsreform zu beraten, stellte bei Er- Öffnung der Sitzung fest, daß Regierunge- Vertreter nicht erschienen waren. Der Vorsitzende teilte mit, daß er vergebens versucht habe, aus telephonischem Wege festzustellen, o b und welche Reglerungsvertreter er- scheinen würden. Die Abgg. Schwenk(Komm.) und H i n k l e r (Nsoz.) waren der Ansicht, daß in der Nicht- entsendung von Regierungsvertretern eine B r ü s- kierung des Landtags zu erblicken sei und deshalb dem Hauptausschuß selbst eine scharfe Entschließung zur Annahme empfohlen werden müsse. Demgegenüber vertraten die Abgg. L e i n e r t (Soz.) und Dr. Hamburger(Soz.) die Aus- fassung, daß der Hauptausschuh kaum für eine Klärung der Sachlage zuständig sei. Wie der Lorsitzende mitteilte, hat er zu- sammen mit dem Landtagspräsidenten Kerrl eine längere Unterredung mit Reichs- tommtssar Dr. Bracht gehabt. Dieser habe empfohlen, man möge Kommissare anfordern, allerding» hätten diese keine anderen Befugnisse, als Auskünfte zu erteilen. Die tommtssarische Re- gierung sei dem Landtag nicht verant- wortlich und die frühere Regierung habe keine Befugnisse. Verantwortliche Minister gäbe es zur Zeit In Preußen nicht. Dr. Bracht habe zum Ausdruck gebracht, daß er bereit gewesen wäre, einem Ersuchen entsprechend vor dem Rechtsausschuh zu erscheinen, doch habe ihm da» Urteil de« Staatsgericht«- h o s s diese Möglichkeit genommen! Im übrigen sei für ihn die Mitarbeit des Landtags gegenstandslo». Die BolWbüHne ehrt« den slSbZlgflhTlgen Lichter. ihren, des Volkes, des armen Volkes Dichter durch einmaliges Wiederholen der lebenswahren, von Käthe Dorsch und Eugen Klöpser getragenen Aufführung der„Ratten", die var wenigen Wochen begeisterle Zustimmung, sogar— ein wahrhast seltener Fall— das beinahe e'n- mutige Lob der Kritik gefunden hatte. Auch dies- mal eroberte diese Tragikomödie der Mutter und der gespenstischen Wohnhöhle, die in Berlin und genau dort spielt, wo heute das aus Arbeiter- grofchen gebaute Hau» der Volksbühne steht, das Herz der andächtigen und doch heiteren Zuschauer. Kein Werk Hauptmanns zeigt drastisä'er die Ge- meinsamheit dieses Dichter» mit den Breiten und Tiefen des Volkes: es erörtert kantig und bringt plastisch den Bew-i«, daß e�n Barbier oder eine Reinemachefrau Helden des Dramas sein können. Das war damals, var dreißig, vor vierzig Iahren der Sieg des Naturalismus und das Bündnis zwischen Dichter und Volt. Dies Bündnis wurde heute in Gerhart Haupt» mann gefeiert und erneuert. Jubel, der nicht enden wollte, umbrauste den Dichter de» Volke». Solcher«rgretfenden Huldigung gab E u r t B a a t e. Vorsitzender der Berliner Volktbühne und des Verbände« Deutscher Volksbühnen, in un- vergeßlichen Worten Ausdruck. Das war keine gemessene Ansprache, das war ein Oesfnen des Herzens: Du. sieber Gerhart Hauptmann, und die Volksbühne sind ein Fleisch und eine Seel«: ge> meinsam war der Tag unsere» Aufgange», ge- meinsam bleibe unserer Kampf um die Einheit von Kunst und Volk. Ein Sturm zustimmenden Bekennens und Fordern» mauerte tausendfache» ga— ss—=3—ggnn=i[■■naac— nasMaae Echo: Haupkmänit stand, zum erstenmal in diesen demonstrativen Tagen, inmitten seiner un- verbrüchlich treuen Gemeinde, inmitten einer Familie des Geistes, der Freiheit und des Rechtes. Zu Beginn des Abends sprach Alfred K e r r, von jeher ein unerschrockener Wegdereiter des kämpfenden Dichters. Er grüßte zunächst die anwesenden Minister, die preußischen Minister (die so eine Flut von Zustimmung erhielten), peitscht« dann(die Medaille zitierend) respektabel die deutsche Einheit, die un» die Barone be» schert haben, und las abschließend die frischen und weltklugen Verse, die er bereit» im Haupt- mann-Hest der„Neuen Rundschau" veröfsent- licht hat. Auch der Dichter nahm da» Wort: e» war wie eine unzerstörbare Brück« zwischen ihm und diesem Volt, ein einziges Wort: Dank! R. ßr. Die Kehrfeite der goldenen Medaille Am Schlüsse der gestrigen Feier im Staatlichen Schauspielhaus« zu Ehren Gerhart Hauptmanns überreichte der Relchskommissar Bracht dem Dichter die goldene Staatsmedaille, die ihm be- kanntlich durch Beschluß der rechtmäßigen preußi- schen Regierung verliehen ist. Bracht vermied es in seiner Ansprache nicht, seinen Konflikt mit der preußischen Regierung wegen des Verleihungsrechtcs in der selbst- gefälligen Pose des derzeitigen Macht- Habers zu erörtern. Man wurde durch Bracht daran erinnert, daß jede Medaille eine vorder- feite und eine Kehrseite hat. Diese Rede war die Kehrseite der Medaille! Heute wählt Dänemark Radiorede Staunings Von der heutigen Neuwahl des dänischen Folke- thmgs erwartet man vielfach einen durchschlagen- den Sieg der Linksreglerung und besonders der Sozialdemokratischen Partei. Ihr Führer, Premierminister Genosse S t a u n i n g, erinnerte in seiner Rundsunkrede am Wahlvorabend zu- nächst, wie e» zur Neuwahl gekommen Ist. Die sozialdemokratische Regierung, deren Haupt» aufgab« der Kampf gegen die Arbeit»- l o s i g k e t t ist. hatte dem Reichstag«in wahr- hast soziales Arbeitsbeschafsungsprogramm vor- gelegt. Dagegen aber wandten sich die bürger- lichen Parteien und deshalb wird die höchste Eni- scheidung de» Volke« angerusen. Zu den Inslationsplänen der Richten sagte Stauning: Es war immer der Stolz der dänischen Sozialdemokratie, daß sie die Interesien der Massen vertreten hat und nicht die der hohen Kasten. Die Inflation ist das Ziel der Spekulan'cn, die davon ein gutes Geschäft erhoffen. Di« Sozialdemokratie und ihre Regierung wolle die Arbeiter, Beamten, Kleinrentner und alle, die vom Werk chrer Hand leben, schützen vor diesen Plänen, die sie chrer Spargroschen be- rauben und die ihren Verdienst aus Rull bringen würden. Die Regierung wird die Land- Wirtschaft aus«ine produktivere Basis heben, sie hat alles getan und wird darin fortfahren, sür die Landwirtschaft zu schassen und den dänilchen Einkauf in anderen Ländern danach regu- l i e r e n. Aber die Landwirtschast muß auch sich den sozialen Plänen fügen und Boden schassen für den Kleinsiedler und Kleinbauer. Der arbeitslose Landarbeiter muh ongsiiedelt werden und hier dürfen die ünleressen einiger weniger Großgrundbesitzer gar keine Rolle spielen. Den kommunistischen Hörern sagte Stau- ning: In Deutschland haben die Kommu- nisten, statt sich in die Arbciterfront einzureihen,, noch der R e a k t i o n geholfen im Kampf gegen die Sozialdemokratie. Die dänische Arbeiter- klasse will die Einheitsfront unter den Fahnen der Sozialdemokratie. Nur so kann sie die sozialen Errungenschaften der Arbcit»rtlasse gegen den Angriff der Reak- tion verteidigen. Jeder dänische Werktätige wird wissen, sür wen er zu stimmen hat! Eine Nazi-Lumperei tleherfall auf eine Gastwirtschaft Eigener Bericht des„Vormärts" Flensburg. 15. November. Einer der üblichen Naziüberfälle auf Gaslwirtschasten, in denen vorwiegend An- gehörige der Llntsparleien verkehren, fand durch das Sondergericht in ZIrnsburg seine Sühne. Ein Natlonalsozialist wurde zu 1 H Jahren Zuchthaus verurteilt. Drei nallonalsozialistische Ange- klagte erhielten je 1?ahr 3 INonate Gefängnis. Die angeklagten Nationalsozialisten waren in eine von den Nazls boykottierte Wirtschaft einge- drungcn vie alten lvirtsteute, die das Lokal schon geschlossen holten, wurden in Schach gehalten. Die Nazis schenkten sich dann selbst Bier ein und ließen es weiter lausen. Schließlich nahmen sie drei gefüllte Likörflaschen und warfen mit einigen leeren Flaschen die Spiegelscheiben des Lokals ein. Einer der Helden zog eine Pistole und feuerte ach» kugeln durch die Scheiben in die Gastwirt- schas». Einige Taa« ipäter übersielen dl? vier Rowdy» die Wohnungen einiger früherer Nalionalsozialisien. die sich von hiller und den Seinen mit Abscheu zurückgezogen halten. Ah* döMiecdcty, cLm* Hwuitfac, uu* 19,30 UUc: im großen Seal der Sophiemele, Sophienstreße 17 1k A&icltllhtyS-\S» für sie'arbeiten,*n Verwirrung. Nie hat der Reichstag stch so etwas geleistet, die Parteisn, die Herr von Papen herab» letzt, haben ihre Arbeit ernster genommen Ab« zu solchen„Leistungen" m u ß es bei einer Regierung kommen, die tüchtige Beamte hinauswirft und nur die behält, deren Ge- sinnung genehm ist. Feme der SA. Hitler-Gardist verschollen Drei Mann flüchtig Dresden, 15. November. In Dresden wird seit einiger Zeit der Schlosser Herbert Hensch vermißt. Jetzt gibt die Polizei bekannt, daß drei andere Personen, der Funker Rudolf Schenk, der Telegraphenbauhandwerker Friedrich Fraenkel und der Berufslose Walter Woicit geflüchtet sind, nachdem sie davon Kenntnis erhalte» hatten, daß die Kriminalpolizei mit der Möglichkeit eines Verbrechens rechnet. Nach den bisherigen Feststellungen ist Hensch am Abend des 4. November telephonisch angerufen und für 11 Uhr nachts in die Nähe eines Gasthofes bestellt worden Dort ist er auch eingetroffen. Seidem fehlt jede Spur von ihm. Hensch und auch die anderen Personen sind Mitglieder der NSDAP, und gehören einer Sturmabteilung an. Der Vermißte hat seine Wohnung in SA-Uniform mit Mantel verlassen. E» ist aus allen diesen Umständen anzunehmen, daß an Hensch ein Fememord verübt worden ist. verbot der»Süddeutschen Arbeiterzeitung". Da» württemb«rgischs Ministerium hat die kommuni- stische„Süddeutsche Arbeiterzeitung" wegen Au«- sührungen, tie al- hochvrrräterisch angesehen wer- den. bi« zum 19. d. M. einschließlich verboten. Eigener Bericht des„Vorwärts" Gens, 15. November. Da» Büro der Abrüstungskonferenz hat die Berichte über die Abrüstungskontrolle, verbot des chemischen Krieges und Feststellung der Angriss- wofsen durchgearbeitet. Am Donners- lag wird Sir llohn Simons(England) die neuen englischen Vorschläge darlegen. Sie werden zusammen mit dem französischen Plan beraten werden. Blan erwartet die Ein- berusung der Gcneralkommission sür den 2Z.No- vember. Zuvor sollen Besprechungen Neu- r a t h» mit den übrigen Ralsmitglicdern die Frage der Rückkehr Deutschland» zu den Verhandlungen klären. Rühle.Aufnahme in London London, 15. November. Der fronzösische Abrüstungsplan ist von oer Londoner Presse Höflich, aftier kühl. aus». genommen worden, und«s wird an ihm eine Reche von Beanstandung«» erhob«». Die„Time s" meint, daß die Möglichkeit einer Verschwel- z u n g der sranzösischen, englischen und amerika- nischen Pläne zu einem gemeinsamen Plan der Herabsetzung und Begrenzung noch offen stehe. Er komme außerdem der deutschen Forderung nach Gleichberechtigung dadurch entgegen, daß er keinen dauernden Unterschied zwischen der bewaff- neten Macht Deutschlands und der anderer Na- tionen weder in quantitativer noch in qualitativer Hinsicht mache. Das Blatt erblickt«ine Verbefse- rung gegenüber früheren sranzösischen Plänen darin, daß der jetzig« die Anwendung automa- tischer militärischer Strafmaß- nahmen auf das europäische Festland be- schränke, so daß also England nicht davon berühn werde. England könne den Vorschlag des inter- nationalen Waffendepots wohl kaum annehmen. Im französischen Plan überschotte die Sicherheit völlig die Abrüstung. Man müsse sich endlich daran erinnern, daß zu- nächst die Frage der deutschen Gl«ichberech- t i g u n g zur Erörterung stehe, und es sei wich- tig, daß diese dringende Frage nicht durch die vielen Probleme, mit denen sich die Abrllstungs- konferenz zu bejassen habe, in den Hinter- grund gerückt werd«. Der„Daily Telegraph" erklärt, daß der französische Plan lediglich die französischen Sank- tioncforderungen in ein«m neuen Gewände bringe. D!«„M o r n i n g p o st" hält es für z w e i f e l- Haft, ob sich England dem vorgeschlagenen Mittelmeerpakt anschließen werde, der ohne Eng- lands Beitritt kaum durchführbar fei. Die lib«räle„News C h r o n i c l e", di« nicht recht weiß, was sie mit den französischen Vor- schlügen ansangen soll, bezeichnet diese als be- achtenswert, zweifelt jedoch daran, ob sie eine Ver- besserung des Hoover-Planes darstellten. In be- sonders wichtigen und ausschlaggebenden Punkten sei der Plan noch verworren, und man müsse hierüber erst Ausklärung haben, bevor ein end- gültiges Urteil abgegeben werden könne. Der arbeiterparteiliche„Daily H« r a l IT' er- klärt, daß nunmehr alles von der Erklärung Si- mone in Genf über die englischen Vorschläge ab- hänge. Wenn England denselben Mut zeige wie Amerika und Frankreich, dann sei die Auesichi günstig. Ratstagung üher Mandschurei Eigener Bericht des„Vorwärts" Genf. 15 November. Der Völkerbundsrat ist zum 21 Novsm- der einberusen worden. Außer dem Lylton-Bericht über den Mandschurei-Konslikt steht die Ernennung eines Völkerbundskommisjars für Danzig auf der Tagesordnung. Rvosevett und Hvooee Aussprache über Schuldenproblem Washington. 15. November. Der neue amerikanische Präsident Roosevelt hat die Einladung hoover» zu einer Am- spräche über das internationale Schulden- Problem angenommen. Er hat jedoch den vor- schlag hoovers, zugleich die Führer der demo- tratifchen und republikanischen Partei zu den Per- Handlungen hinzuzuziehen, abgelehnt. Zn seinem Bescheid an hoover weist Roosevelt zy- gleich daraus hin. daß die letzte Entscheidung schließlich bei den gegenwärtigen Machthaber» liegt._ Nachtarbeit der Frauen Sie ist allgemein?u verbieten Eigener Bericht des„Vorwärts" Amsterdam, 15. November 1932. Der Haager Ständig« Internationale Gerichts- hos gab heute am Spätnachmittag zu der Frage der Auslegung des Abkommens von 1919, be- treffend die Nachtarbeit der Frauen, sein auf Ansuchen des Internationalen Arbensamtes vom Völkerbundsrat erbetenes Gutachten ab: Mit 6 gegen 5 Stimmen erklärte der Jnternatio- nale Gerichtshof den britischen Standpunkt, wo- noch das Abkommen Nicht nur aus in Fabrik- betrieben tätige Frauen, sondern aus alle weiblichen Arbeitskräste Anwendung finden müsse, für gerechtfertigt. Dre 5 Gegenstimmen wurden von Deutschland, Frankreich, Italien, Belgien und Polen abgegeben. Reichsbanner an Gerhart Hauptmann. Der Bundesvorstand des Reichsbanners hat Gerhart Hauptmann,„dem Dichter des schaffenden Voltes, dem geistigen Vorkämpfer für Volkes Recht upd Volkes Freiheit", zu seinem 70. Geburtstag Glückwünsche übermittelt. vampe» erwQ9 ßdßudrfMJtä BrhdltLLch in den CSRAM-Verkaufsstellen. Abrechnung mit Wahlstreikmachern Urteil der Funktionäre des Gesamtverbandes In zehn überfüllten Versammlungen nahmen die Funktionäre der Sektionen der Bezirks- und Ortsverwaltung Berlin des G e f a m t v e r b a n d e s als Vertreter von etwa 90 999 Mitgliedern zu der von der na- tionalsozialistisch- kommunistischen Einheitsfront aufgezogenen BBG.-Aktion Stellung Mehr als 4999 Funktionäre waren dem Rufe der Organisation gefolgt. Nicht in kleinen Sälen und Sälchen, wie bei der NGO. und NSBO, Üblich, wurde Bericht gegeben. Diese Funktionärversammlungen fanden statt im großen Saal der Musiker-Säle, in den Gesamträumen des chackefchen Hof, in den Gefamträumen der Refidenz-Feftsäle, zweintalig im großen Saal des Gewerkschaftshauses usw Die taktisch geschickte und zähe Berhandlungs- fiihrung, die die Lohnabbauabsichten der BVG- Direktion von 17 bis 23 Pf. pro Stunde auf dem Verhandlungswege bis auf 2 Pf. niederzuringen verstand, fand das vollste Anerkenntnis besonders der Funktionäte, die als Mitglieder von Verhandlungskommissionen die Beurteilung der von der Organisation geleisteten VerHand- lungsarbeit auf eigene Erfahrung stützen konnten. Aus den Diskussionsreden der an den Debatten beteiligten Funktionäre kam der Zorn und die Verachtung über dir gewissenlosen Drahtzieher der nationalsozialistis-h- kommunistischen Aktion aufs schärfste zum Ausdruck. Der Verlauf der Achtung, Drückeberger! X.ein l'srik kür Uiiorxaimierte Die Berliner Ortsverwaltung des Fabrik» arbeiter-Berbandes hielt am Sonntag- vormittag im Gewerkschaftshaus ihre O u a r- tals-Generalver!amin>ung ab. Der Bevollmächtigte. Genosse R ü ck c r, ging in seinem Geschäftsbericht zunächst auf die wichtigsten politischen, wirtschaftlichen und sozialpolitischen Ereignisse im dritten Quartal ein, wobei er de- sonders Popens„Ankurbelung" der Wirtschast einer scharfen Kritik unterzog. Auch die Unter- nehmer der Industrien, die im Berliner Organi- sationsgebiet des Fabrikarbeiter-Verbandes liegen, haben versucht, von dem Recht der September- Notverordnung Gebrauch zu machen, die Lohne für 19 Wochenarbeitsstunden herabzusetzen. Die Ortsverwaltung hat sich mit aller Entschiedenheit gegen diese Lohnabbauoersuche gewandt. Sie kann den Erfolg für sich buchen, daß nur in zwei kleineren Betrieben der chemischen Industrie, in denen die Belegschaft schlecht organisiert ist, die Unternehmer zu ihrem„Recht" gekommen sind. Bon Vertretern der chemischen Industrie ist be- hauptet worden, daß der notverordnete Lohnabbau in der chemischen Industrie Berlins reibungslos durchgesührt werden konnte und die Betriebsräte die Unternehmer gebeten hätten, den Gewerk- schaften nicht mitzuteilen, daß sie die Nutzlosigkeit des Widerstandes gegen diesen Lohnabbau einge- sehen hätten. Diese Behauptungen sind falsch. wie eingehende Ermittlungen der Ortsverwaltung ergeben haben. Genosse Rücker teilte den General- oersammlungsdelegierten den Beschluß der Ortsverwaltung mit, für die Industrien keine Tarife mehr abzuschließen, deren Arbeiterschaft schlecht orga- n i s i e r t ist, zum Teil sogar in offener Feind- schaff zu den freien Gewerkschaften steht, die Dinge machte den nüchternen Beurteilern Nor. daß auf Kosten der BVG.-Arbeiter und der ar- bettenden Bevölkerung Berlins die Verkehrs- stillegung nur zu dem Zweck bis zum Wahl- tage steigen mußte, um auf diese gewissen- lose Weise den Nationalsozialisten und Komm»- nisten eine Wahlchanee mehr zu sichern. Es fanden sich nur wenige kommunistisch orien- tierte Diskussionsredner, die vergeblich versuchten, die Haltung der RGO. und KPD. zu verteidigen. Die in den Versammlungen f a st überall einstimmig angenommenen Entschließungen brachten zum Ausdruck, daß die sreigewerkfchafilichen Funktionäre aufs schärfste gegen die Urteile der Sondergerichte Stellung nehmen. Sie bedauern aufs tiefste die Opfer, die in dieser Beziehung nutzlos gebracht wurden. Die Funktionäre betonten, daß den BVG.-Arbeitern Gelegenheit gegeben war. sich> n die Kampffront der freien Gewerk- schaffen einzureihen, sie wären dann nicht irregeführt und mißbraucht dieser nationalsozia- listisch-kommunistischen Wahlmache zum Opfer ge- fallen. Sie wären dann auch nicht schutzlos, mittellos ohne Verbandsunterstützung auf Freitische, Sammellisten, aus die„ltzohl- tätigkeit" nationalsozialistischer Handwerks- zünfte und des?g. Goebbels angewiesen. RGO. und Nationalsozialisten hatten für die auf der Strecke gebliebenen BVG.-Opfer vor, Errungenschaften der Gewerkschaften je- doch gern für sich in Anspruch nimmt. In Konsequenz dieses Beschlusses hat die Orts- Verwaltung den Tarif für die Batterie- und Eleinentenbranche gekündigt, um eine tariflose Zeit herbeizuführen. Hinsichllich der Mitgliederwerbung konnte Genosse Rücker mitteilen, daß auf Grund der Werbeaktion in den ersten sechs Woche» des 4. Quartals bereits 116 Neu ausnahmen gemacht worden sind, so daß der geringe Mit- gliederoerlust im dritten Quartal bereits wieder ausgeglichen ist. Recht und Macht Die christlichen Gewerkschaften haben sich von vornherein mit der Rotoerordnung abgefunden, die die Unternehmer ermächtigt, bei Mehr- einstelliingen die Tariflohnsätze zu unterschreiten. Die freien Gewerkschaften dagegen haben die Arbeiterschaft aufgefordert, solchen Lohnabzügen Wider st and zu l e i st e n. Sie haben das aus grundsätzlichen und Wirtschaft- schaftlichen Erwägungen getan und sich dabei auch auf die Verfassung berufen. Das Reichsarbeitsgericht hat in dem von uns veröffentlichten Urteil über den Lohnabbau im Alexanderwerk in Remscheid die rechtlichen Ein- wände der Gewerkschaften als nicht stichhaltig zurückgewiesen. Der„Deutsche" schreibt dazu u.a.: „Auch der Streit um die Verordnung vom 5. September ist eine Lehre dafür, daß man entscheidende Auseinandersetzungen im Staats-, Gesellschasts- und Wirtschaftsleben allein mit juristischen Mitteln nicht führen und ge- winnen kann." Das ist durchaus unsere Aufsasiung. Deshalb haben auch die freien Gewerkschaften sich nicht auf die Arbeitsgerichte verlassen, sondern die Beleg- schaffen zum Widerstand aufgefordert. Im großen während und nach der Bewegung im Grunde genommen nur Redensarten übrig, sie hatten weder den Willen, noch die rechtliche Möglichkeit, während der Bewegung gegen den Lohnabbau zu wirken, noch nach der Be- wegung ernsthaft für die Wieder- o i n st e l l u n g einzutreten. Deshalb betonten die Funktionäre, daß die Gewerkschaften, wie immer. mit allen Mitteln versuchen sollen, die Schäden wieder gutzumachen, insbesondere sich für die W i e d e r e i n st e l l u n g der Entlassenen zu verwenden. Alle Entschließungen besagen: Die Funktionäre sprechen dem Gesamlverbandc und feinen Unterhändlern das volle Vertrauen aus. Die Versammelten ziehen aus dem Verlauf der BVG.-Aktion die Lehre, daß gegen eine weitere Verschlechterung der Sozialgesetzgebung, gegen einen weiteren Abbau der Löhne mit Erfolg nur anzukämpfen ist, wenn alle Arbeiter. Angestellten und Beamten die Kampffront der freien Gewerk- schaften stärken. „Einheitsausschüsse,"„Zentralftreikleituiigen" mit Nationalsozialisten, den faschistischen Feinden der Arbeiterbewegung, führen dos Proletariat nur in Niederlagen. Den Sieg gegen die Sozialreak- tion der Papen-Barone und Faschisten verbürgt allein die Einheitsfront prole- tarischen Klassenkampfes in de» freien Gewerkschaften. und ganzen ist es auch gelungen, die neue L o h n a b b a u w e l l e abzustoppen. Die Unternehmer haben in ihrer überwiegenden Mehr- heit schließlich darauf verzichtet, es zu Konflikten zu treiben und haben von dem Recht, das ihnen die Notverordnung gibt, keinen Gebrauch gemacht. Diese Lehre werden sich die christlichen Gewerk- schaffen hoffentlich nicht entgehen lasten. Gesäuberte Statistik Die uniicktksren Arbeitslosen Zu dem Aufsatz„Die unsichtbaren Arbeitslosen" in der zweiten Beilage des„Vorwärts", Nr. 537 vom 13. November, erhalten wir vom Vorstand der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung folgende Richtigstellung: „Der Aussatz„Die unsichtbaren Arbeitslosen" in der Sonntagsnummer des„Vorwärts" geht in einem wesentlichen Punkt von falschen Voraus- fetzungen aus. Die Grundsätze für die Zählung der Wohlsahrtserwerbslosen vom 9. August d. I. gemäß der Wohlsahrtshilseoerordnung vom 14. Juni 1932 und der hierzu erlassenen Durchführungs- bestimmungen vom 2. August 1932, betreffen ausschließlich die Zahl der von den Arbeitsämtern anerkannten Wohlsahrtserwerbslosen. An der Zählung der bei den Arbeitsämtern gemeldeten Arbeitsuchenden und Arbeitslosen insgesamt hat sich nichts geändert. Mithin werden unverändert Personen, die bei den Arbeits- ämtern nach Arbeit suchen, auch dann als Arbeitsuchende gezählt, wenn sie das 69. Lebensjahr überschritten haben, oder wen» sie aus Mitteln der öffentlichen Fürsorge keine laufende oder nur eine relativ geringfügige Unter- stützung beziehen. Ebenso werden diese Personen als Arbeitslose gezählt, sofern sie tatsächlich ohne Arbeit sind. Es ist jedoch möglich, daß infolge der Abgrenzung des Begriffs„anerkannte Wohlfahrtserwerbslose" auch die Gesamtzahlen der Arbeitsuchenden und der Arbeitslosen etwas niedriger geworden sind, weil in gewissem Um- fange Arbeitslose, die durch keinen Unierstlltzungs- bezug mehr an das Arbeitsamt gebunden sind, sich nicht mehr beim Arbeitsamt melden, also von der Statistik auch nicht ersaßt n erden können. Aus diese Zusammenhänge ist in den Veröffentlichungen der Reichsanstalt mehrfach hingewiesen worden." Diese sonderbare Richtigstellung bestreitet die unbestreitbare Tatsache, daß nach den neuen Grundsätzen für die Zählung der Wohl- 'ahrtserwerbsiosen arbeitsuchende Wohlfahrts- erwerbslofe, die das 69. Lebensjahr überschritten haben, nicht mehr gezählt werden. Ueber die anderen Kategorien von Arbeitslosen, die nach diesen neuen Grundsätzen nicht mehr gezählt werden, schweigt sich die Berichtigung aus. Es wird nur zugegeben, daß„in gewissem Um- fange Arbeitslose, die durch keine Unterstützung mehr an das Arbeitsamt gebunden sind, sich nicht mehr beim Arbeitsamt melden, also von der Statistik auch nicht mehr erfaßt werden können." Aber warum melden sich Hunderttausende nicht mehr?— Weil sie von den Arbeitsämtern laut Dienstanweisung hinausgeworfen werden. Totschießen kann man die Arbeitslosen nicht. Also„säubert" man die Statistik. So geht die Arbeitslosigkeit zurück. Wir verbitten uns „Richtigstellungen" die nur B e r s ch l e i e r u n- gen sind!_ Reichstagung der RDK. Die R e i ch s g e w e r k f ch a f t Deutscher Kommunalbeamten im Gesamtverband hielt am 12. und 13. November in Berlin ihre Reichskonferenz ab. Di« Konferenz nahm nach dem von G i l l m e i st e r erftatteten Geschäftsbericht und einem organisationspolitischen Referat von O r l o p p auf Grund einer imensiven Dis- kuffion Stellung zu den letzten beamtenpolitischen Ereignissen, den eingeleiteten Abwehrmaßnahmen und der in Zukunft einzuschlagenden Taktik. Die günstigen Auswirkungen des organiiatori- Ichcn Zusammenschlusses der RDK. mit dem Ge- famtverband wurden allseits hervorgehoben. Ins- besondere wurde festgestellt, daß durch die Zu- sammensassung der RDK. mit dem Verband Deut scher Berufsfeuerwehrmänner und dem Reichsbund der Beamten und Angestellten in den öffent lichen Betrieben und Verwaltungen zur neuen RDK. im Gefamtverband eine wesentliche Inten fivierung der gewerkschaitspolitischen Arbeit, sogar ein Miigliederziiwochs trotz der Krise einge- treten ist. Die Tagung beschäftigte sich auch eingehend mit der Lage der Kommunalbeamtenschaft. Es wurde hervorgehoben, daß noch immer versucht wird, die Kommunalbeamten gegen die Opfer der Wirtschaftskrise auszuspielen. Man war sich einig in der Beurteilung der Finanznot der Gemeinden. Aber die Notlage der Gemeinden darf nicht auf dem Rücken des kommunalen Perionals ausgetra- gen werden. Streik in der Fischindustrie Li gen er Bericht des„Vormärin" Eckernförde. 15. November. Nach fünfmaliger Lohnkürzung hotten die Unternehmer der Fischindustrie eine s e ch st e Lohnkürzung gefordert, und zwar für Männer von 5 Pfennig, für Frauen von 6 Pfennig die Stunde. Die Gewerkschaften und die Arbeiter der Betriebe haben sowhl die Forderungen der Unternehmer als auch einen Schiedsspruch, wonach der Lohn für llstänner um weitere 2 Pfennig und für Frauen um 4 Pfennig gekürzt werden soll, abgelehnt und in geheimer Ab- ftimmung fast einstimmig den Streik beschlossen. Hierzu Ä Bellagen XloHHecstaq, Jceitaq, Sonnabend Einzigartige Gelegenheiten werden in diesen 3 Tagen geboten. 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Der Verlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor./ Verantwortlich für Politik: Rudolf Breudemühl: Wirtschaft:«. ftlingelhlfee: Sewerfschaftsbewegung: I. Steiner: Feuilleton: Herbeet Lep r«! Lokales und Sonstiges: Fritz»aestäbt; Anzeigen: Vita Hengst: sämtlich in Berlin. I Verlag: Vorwärts-Verlag 16. m. b. H.. Berlin. Sruek: Vorwärts. Buchdruckerei und Verlagsanstali Paul Singer u. Co.. Berlin SW. 55. Lindenstr. 3. MITTWOCH, 16. NOV. 1932 ERSTE BEILAGE Die Gräber hinter den Mauem Ltillsr Weg durch die Berliner Ruhestätten „Tag und Nachl werden die Strahlen von Sonne, Mond und Sternen als ein Gruß aus dem Weltall an die Toten hier Zutritt haben und mit ihrem Glänze den goldenen Lorbeerkranz. der symbolisch das Massengrab aller Gefallenen schmückt, verklären. Die Lebenden aber, die hier eintreten oder vorübergehen, soll dieses Gedächtnismal ermahnen, den Toten nachzueifern an Opsersinn für das Ganze, das zu tun. was die Würde und die Größe des Menschen ausmacht: dem Volke, dem Vater- lande, dem Staate zu dienen." Der preußische Ministerpräsident Otto Braun sprach diese Worte am 2� Juni 1931 bei der Einweihung des Ehrenmals für die(Be- f o l l e n e n des Weltkrieges in der Neuen Woche Unter den Linden� Sie sind geeignetes Vorwort und Mahnwort für die Gedanken, die uns in dieser Woche bewegen. Am Totensonntag gedenken die republikanischen Kriegsteilnehmer im Plenarsaal des deutschen Reichstages ihrer ge- fallsnen Kameroden und aller Opfer des großen Krieges, Schon heute aber, an dem gesetzlichen Feiertage, der Bußtag genannt wird, wallfahrten unzählige Berliner zu den Friedhöfen und Ge- dächtnisstätten, deren Zahl in der Reichshauptstadt nicht weniger als rund 139 beträgt. Unsere Gedanken sind in diesen Tagen auch aut dem Friedhos der Märzgesallenen, wo die 183 Opfer der Revolution von 1848 neben den 33 Opfern des Jahres 1918 ruhen Aber sie weilen auch am Grab in Oberjchöneweide, in dem der für die Republik gemeuchelte Reichsaußenminister Walter Rathenau ruht, ebenso wie an der gemeinsamen Grabstätte in Erkner, wo die Leiber unserer am 28 Juni 1A27 durch jzakenkreuzmord gefallenen jungen Reichsbannerkameraden T i e tz und W o l l a n k beigesetzt sind Sie sind im Urnenhain, in dem das Gedächtnis an Willi Schneider wachgehalten wird, der in der Neujahrsnacht 1931 für die Freiheit fiel, Unver- gesfen ist uns Erich Schulz der, am Tag vor der Reichspräsidentenwahl, am 25, April 1925, von Rechtsradikalen umgebracht, auf dem Friedhof in der Hasenheide die ewige Ruhe sand, Besondere Wallfahrtsstätte ist für uns Sozia- listen der Zentralsriedhof in Friedrichsselde der uns historischen Namen an historischen Namen Ende der Sechs-Tage � Oskar Tietz schwer gestürzt! Am gestrigen letzten Abend des Sechstagerennens ging Oskar Tietz seines sicheren Sieges verlustig: er stürzte während des Nachmittagsspurts in der Einlauskurve so unglücklich, daß er bewußtlos von der Bahn gelragen werden muhte. An seine weitere Teilnahme am Rennen war nicht zu denken, er sch'ed aus, sein Partner Schön wurde mit F u n d a zusommengetan, nachdem ZN a i d o r n ziemlich unmotiviert ausgegeben hatte. Um 10 Uhr abends lagen die Franzosen Lroccardo-Guim- bretilre an der Spitze, ihnen folgten eine Runde zurück Schön-Funda und Rieger-Chmer. reiht: Jgnaz Auer. Friedrich Bartels, Richard Fischer, Hugo H a a s e, Adolph H o s f m a n n, Karl L e g i e n, Wilhelm Lieb- k n e ch t, Karl Liebknecht, Rosa Luxem- bürg. Hermann Molkenbuhr, Hermann Müller, Adolf Ritter, Paul Singer, Luise Z i e tz. Fritz Z u b e i l— das sind uns mehr als bloße Namen, nein, jeder Grabstein ist uns Appell zum Kampf für Freiheit und Zukunft der Arbeiterklasse, Das Buch der Toten Auf den Berliner Friedhöfen ruhen viele Große an Geist, viele Kroße an Seele, viele Große an Macht und Einfluß E? ist ein ver- dienstvolles Werk, das ein schlichter Angestellter der AEG,, Willy Wohlberedt, durchführte, Nach jahrelanger, mühevoller Forschungsarbeit gab er eine Schrift heraus, die sich„Verzeichnis der Grabstätten bekannter und berühmter Person- lichkeiten in Groß-Berlin und Potsdam mit Um- ■ßas Denkmal JCudirlg Derrlenls an/ dem 7ran9Ölifrhen Friedhof In der CUanffeeflra�e gebung" nennt und im Selbstverlag des Ver- fassers. Berlin SO. 36, Eisenbahnstr. 8, erschienen ist Sie ist eine Fundgrube sür jeden, der Lieb« zur Geschichte mit Liebe zur Heimat verbindet, Das menschlich Ergreisende sei vorausgeschickt. Da findet sich unter der Rubrik„städtischer Friedhos von Rahnsdors" die kurze Notiz:„Fischer- meister August Herrmann, gestorben 1915, rettete im Lause seines Lebens 159 Menschen vom Tode des Erlrinkens," Auf der Seite da- neben lesen wir unter.Neuer Garnisonsriedhos in der Hosenheide": Gemeinsames Grab der am 17, Oktober 1913 mit dem M a r> n e l u s t- s ch i s s h 2 in Johannisthal bei Berlin ver- unglückten Besatzung lKapitänleutnant E, O. Freycr und 28 Offiziere und Mannschaftenj, Am„Kleinen Wannsec" liegt einsam das Grab des Dichters Heinrich v, Kleist und seiner Freundin Henriette Vogel, In wenigen Tagen, am 21, November, jährt sich der Tag, an dem 1811 der große Dramatiker, der in seiner„Her- mannschlacht" den Freiheitskampf gegen Frank- reich proklamiert hatte, von seinem mit Napoleon verbündeten König aber schroff zurückgestoßen wurde, mit Henriette Vogel in Verzweiflung aus diesem Leben flüchtete. Noch im Tode ächtete man die Selbstmörder. Die Gedächtnisstätte auf dem Koppenplatz hat ihre besondere Geschichte: Der„Ratsverwandte und Stadthauptmann" Christian Koppe widmete den Platz und seine Umgebung im Jahre 1795 als Ruhestätte den armen Waisen und ruht mit seinen Ange- hörigen nach seinem Wunsche in ihrer Mitte. Wohl der größte Friedhos im Innern Berlins ist der in der B e r g m a n n st r a ß c, der freilich vcrwaltungstechnisch nicht weniger als vier Fried- Höfe umsaßt. Man darf sagen, der ganzen Welt bekannt ist aus dieser Begräbnisstätte das von Hugo Ledcrer geschaffene Grabmal von Gustav S t r e s e in a n n. Man sah es in den illustrierten Zeitschriften wohl aller Länder abgebildet, als der Franzose Arislide Briand mit einem Blumen- grüß am Grabe des deutschen Staatsmannes stand. Hier ruhen weiter Adoli von Menzel und Theodor M o m m s c n. und um zwei Poli- tiker zu nennen, der Freisinnige Eugen Richter und der Vorläufer Hitlers, der Antisemit Hof- Prediger Adolf S t ö ck e r. Nicht allzuweit von ihm liegt die große Künstlerin Marie S e e b a ch, deren Gedächtnis durch ihre Stiftung für not- leidende Künstler besonders lebendig ist. Der Friedhof am Blücherplatz beherbergt die Gräber des Dichters Lldalbert von C h a m i s f o, des französische» Emigranten aus der Rcvolutions- zeit, und E. T. A. H o f f m a n n s, des Phan- tostischsten unter den Romantikern. Sucht man seine Kumpane aus der historischen Tafelrunde von Lutter und Wegner, so findet man, daß Friedrich Baron de l a Motte F o u q u e, der Dichter der Undine, aus dem Garnisonsriedhos von 1722 in der Linienstraße und daß der geseierie Schauspieler Ludwig Devrient aus dem sranzösischen Friedhof in der Chausseestraße be- graben liegt. Ein gußeisernes Denkmal aus der staatlichen Eisengießerei ziert sein Grab. Unrer lauter Soldaten ist aus dem Jnvalidensriedho' Die Durcharbeitung des Rlagistratsplanes über die Neugestaltung der Berliner Verwaltung ist jetzt so weit gediehen, daß die Vollversammlung der Stadtverordnelen ihre Entscheidung treffen kann. Das einschneidende Reform- werk steht schon in den beiden Stadtverordneten- sihungen am Donnerstag und Freitag zur Beratung. 3n den letzten Wochen haben sich naturgemäß auch die Bezirksversammlungen der zwanzig Bezirke mit dem einschneidenden Plan beschäftigt. Nach einer Verwirklichung des Magiftratsplancs würde es die' Bezirksversammlung in ihrer heutigen Gestalt nicht mehr geben. Die noch bestehenbleibenden neun Bezirke sollen vielmehr nur noch von dem Bezirksamt geleitet werden, das aus dem Bürgermeister und den gewählten Bezirksräten als Verwaltungsorgan gebildet wird. Die Beschlüsse der Bezirksversammlungen sind durchaus nicht einheitlich. Ein Teil hat be- schloßen, den Magistratsplan rundweg abzulehnen, andere Versammlungen haben den Beschluß gesaßt, erst einmal die Entscheidung der Stadtverordneten- Versammlung abzuwarten und wieder andere suchten einen Mittelweg zwischen dem bestehenden Zustand und der geplanten Neuänderung. Bon der Lorlage überhaupt nichts wissen wollen die Mehrheiten der Bezirksversammlungen in den Bezirken Tiergarten, Wedding, Friedrichshain, Spandau, Zehlendors, Steglitz, Tempelhos, Neu- kölln, Pankow und Reinickendors.'Allerdings zeigte die Abstimmung mehrsach, daß die Mehrheit, die diese Beschlüsse faßte, einer starken Minderheit gegenüberstand. In vielen Fällen nahmen die in der Scharnhorststroße ein immer wieder ge- nannter Zivilist begraben, die„graue Eminenz" unter Bismarck, Caprivi, Hohenlohe und Bülow, der Vortragende Rat im Auswärtigen Amt, Friedrich von H o l st e i n. liegt in der Großgörschenstraße. Hier findet man ganz berühmte Namen: Die Brüder Jakob uno Wilhelm Grimm, die großen Sprachforscher, die königlich hannoversche Reaktion von ihren Göttinger Lchrsitzen verjagte, den Philologen Ernst Curtius, der Friedrich III. beijer erzog als Hinzpeter Wilhelm II., den Mathematiker Paul du B o i s-R e y m o n d, der, über die Ewigkeit befragt, sagte: Wir wissen es nicht und wir werden es nicht wissen. Daneben den großen Arzt und freisinnigen Politiker Rudols V i r ch o w und den Kronhistoriker des reaktionärsten Preußentums Heinrich von Treitschke. Auf dem gleichen Friedhof aber stößt man, im Augen- blick erschreckend, aus einen Grabstein, der den Namen Paul von Beneckendors und von Hinden- bürg trägt. Es handelt sich um einen Verwandten des Reichspräsidenten, der am 16, August 1879 be- Mars la Tour als Rittmeister gefallen ist. Aus dem Grabstein der Charlotte von Kalb, der geistvollen Frau aus der großen Zeit Weimars, stehen die Worte: Ich war auch ein Mensch, sagt der Staub! Ich bin auch ein Geist, sagt das All! Auf einem schlichten Grabstein in Stahnsdors lesen wir Nicht alle sind tot, deren 5zügel sich hebt, Wir lieben, und was wir geliebt, das lebt, Es lebt, bis auch unser Leben zerrinnt. Nicht alle sind tot. die begraben sind. Gröber an Gräber liegen jenseits der Friev- Hossmauern, die sie trennen vom brausenden Leben der Weltstadt Berlin, Jedes Grob zeigt die Mauer, die sich hebt zwischen Leben und Tod. Aber Tod und Leben fügen und knüpfen sich aneinander. Sozialdemokraten eine andere Haltung als die Mehrheit ein. De» Beschluß der Stadt- v e r o r d y e l e n v e r s a m m l u» g abwarte» wollen die Bezirke Mitte, Prenzlauer Berg, K'reuzberg, Si�oneberg uitdi Lichtenberg. Für die Borlage, sowen sie die Neueinleilung der Bezirke betriiit, haben nur zwei Bezirke gestimmt: Ehar. lottenburg und Köpenick. „Griinewald"-Bezirk vorgeschlagen In der Bezirksversammlung Tiergarten hatte die sozialdemokratische Fraktion vorgeschlagen, den südlichen Teil des Bezirkes mit dem Tiergarten als Grenze zu Schöneberg zu geben und den nördlichen Teil dem bisherigen Bezirk Wed- ding anzugliedern. Die Charlottenburger wünschen sehr eine Vereinigung mit Spandau, um so mehr sträuben sich die S p a n d a u e r mit dem Hinweis auf die eigene Entwicklung ihrer Stadt gegen die Zusammenlegung. Wenn Span- dau selbständig bleiben sollte, beansprucht Ehar- lottenburg das Gelände Siemensstadt östlich der Havel, um so genügend Siedlungsniöglichkeit zu haben. Die Wilmersdorser Bezirksver- sammlung wünscht eine Vereinigung mit Zehlen- dors zum„Grunewaldbezir k". Man will keine Vereinigung mit Charlottenburg oder Schönebcrg. Schöneberg soll nach der Meinung der Wilmersdorfer mit Steglitz und Tempelhos zusammengelegt werden. Zehlendorf und Steglitz wollen aber unter allen llmständen selbständig bleiben. In der Tempelhoser Bezirksversammtung Die Stimme der Bezirke Was die Bezirksversammlungen zum Reformwerk sagen 9Vas in Berlin verzehrt wird Ein paar Zahlen über Berlin als Wirt- schaftszentrum. So betrugen im Jahre 1931 die aus Berliner Schlachtungen gewonnenen Frischfleischmenzen 226,4 Millionen Kilogramm. Täglich werden auf dem Berliner Schlachthof u. a. gegen 4006 Schweine, 1300 Schafe, 700 Käl- ber, 600 Rinder geschlachtet, was alljährlich Mil- lionen an Schweinen und viele Hunderttausende sonstigen Viehs ausmacht. An Milch wurden im Jahre 1931 vom Lande nach Berlin 270,3 Mil- lionen Liter eingeführt. Der Tagesdurchschnitt be- lief sich auf 737 260 Liter. In den Berliner Kuh- Haltungen werden täglich 240 000 Liter erzeugt und direkt vom Stall abgesetzt, im ganzen Jahre also etwa 87,6 Millionen Liter. Von der Milch entstammen etwa 73 Proz. aus der Provinz Brandenburg und Berlin, etwa 13,5 Proz. aus Pommern und 7,3 Proz. aus Mecklenburg. Der Jahresverbrauch an Kartoffeln beträgt schätzungsweise 500 000 Tonnen oder eine Mil- liavde Pund! Die Zahlen sind so groß, daß man einen Augenblick anhalten muß, um sie dem Ver- ständnis nahezubringen. Man könnte auch noch über den Bierverbrauch und anderes berichten, wie darüber, daß der jährliche Lebensmittelvcr- brauch eines Berliners an Brotgetreide und Mehl 139, an Milch, 90,1, an Zucker 19, an Gemüse 60. an Obst 36. an Fischen 7,2 Kilogramm beträgt und dies müßte man dann auf 4,3 Millionen Menschen übertragen, die auch heute noch pro Jahr für ungefähr Iii» Milliarden Mark Nahrungsmittel verzehren. Von der Berliner Bevölkerung lebt ein Fünftel von der Metallindustrie. Die elektrotech- msche Industrie ist in keinem anderen Gebiete Deutschlands so zusammengeballt wie in Berlin. 41 Proz. aller in«der deutschen elektrotechnischen Industrie beschäftigten Personen entfallen auf die Reichshauptstadt. Auch Deutschlands Maschinen- industri« hat in Berlin ihr Zentrum gefunden. Die Bekleidungsindustrie, die zweitgrößte Berliner In- dustrie, zählt 80 000 Betriebe mit 250 000 Per- sonen. 12 Proz. aller gewerblich tätigen Personen der Reichshauptstadt arbeiten in der Bekleidung?- industri«. Allerdings sind bei allen diesen Zahlen die gestiegenen Erwerbslosenziffern noch nicht berücksichtigt. Der weitaus wichtigst« Stand- ort der deutschen Bekleidungsindustrie ist Berlin mit rund der Hälfte der Gesamterzeugung von Bekleidungsgegenständen. Die Reichshauptstadt ist auch der Mittelpunkt des wirtschastspolitifchen und berussständischen Le- bens in Deutschland, und schließlich ist Berlin die größte Handelsstadt des europäi- schen Fe st lande s. Auch diese Feststellung können wir zahlenmäßig belegen, doch sei in diesem Falle auf das Statistische Jahrbuch der Stadt Berlin verwiesen. Viele Vege iübren nach Berlin An ein«m Tage sind für den, der über das nötige Kleingeld verfügt, von Berlin aus London, Rotterdam, Amsterdam, Brüssel, Paris, Basel, Gens, Zürich, Bern, Rom, Mailand, Prag. Wien, Venedig, Budapest, Kowno, Smolensk, Moskau, Riga, Reval, Leningrad. Helsingfors, Kopenhagen Malmö und Oslo erreichbar. An zwei Tagen der Woche im Post- und Frachtverkehr innerhalb 24 Stunden Saloniki bzw. Athen. Im Sommer kommen täglich im internationalen Verkehr elf Fluggroßmaschinen mit Possagierbeförderung und außerdem ein Frachtflugzeug an. Wenn wir hören, daß im Jahre 1930 14 895 000 Tonnen Güter nach und 5 585 000 Tonnen Güter von Berlin zum Versand durch die Eisenbahn gelangten, so sogen diese großen Zahlen an sich noch nicht viel. Sie werden lebendiger, wenn wir erfahren, daß täglich 326 Ferngüter, züze in Berlin eintreffen und ebenso abfahren, d. h. alle 14 Mi- nuten, Tag und Nacht, kommt oder fährt ab ein mit Gütern beladener Zug. Der Personen- verkehr nimmt natürlich noch ganz andere Ausmaße an. 40 internationale Züge kommen, 40 internationale Züge gehen täglich von und nach der Hauptstadt. Es kommen noch 484 Fernzüge hinzu, so daß alle drei Minuten ein Fernzug über die Berliner Gleise läuft. Werfen wir noch einen Blick aus Berlins Wasserverkehr. Die Verbindungen zu Wasser sind die denkbar günstigsten. Berlin ist mit dem Elbe- und Odergebiet durch ein System von natürlichen und künstlichen Wasserstraßen (Großschifsahrtsweg Berlin— Stettin und die Ka- näle des märkischen Wasserstraßennetzes) verbun- den. Ueber die Oder hinaus steht es mit der Warte und Weichsel in Verbindung und wird binnen weniger Jahre nach Vollendung des Mittellandkanals unmittelbaren Anschluß an Weser und Rhein und damit an das westliche Industrie- gebiet gewinnen. So ist Berlin Kreuzungspunkt aller wasierver- bindungen zwischen Nord und Süd und Ost und well. Neben dem Massengutverkehr von Getreide, Fut» termitteln, Kohle, Eisen, Kies, Baustoffen im Ge» biet der Elbe, Oder und der märkischen Wasser- straßen werden nach den besonders wichtigen Plätzen Hamburg. Stettin, Magdeburg, Dresden und Breslau regelmäßige Eildampferfahrten unter- halten. Die Cildampfer legen die Strecke Berlin— Hamburg in etwa 3 Tagen, Berlin— Magdeburg in 2 Tagen, Berlin— Dresden in 4— 5 Tagen zurück. Die Beförderung Berlin— Stettin beansprucht nur ungefähr IIb Tag. während die Reise Berlin— Breslau 4—5 Tage dauert. Aus dem Hamburger Verkehrsgebiet kommen insbesondere Steinkohlen, Petroleum, Steinkohlen- kots, Weizen und Mehl auf dem Wasserwege nach der Reichshauptstadt. Von den märkischen Wasserstraßen und von der Oder kommen Erde, Kies, Sand, Lehm usw., aus Schlesien und Pom- mern Steinkohlen. So sehen wir, daß die Binnenschiffahrt Berlin direkt mit dem übrigen Deutschland und indirekt mit Hilfe der Umladung mit der übrigen Welt eng verflochten hat, ohne aber dem Reichsbahnoerkehr an Bedeutung zu gleichen. Für Berlin beträgt nämlich der Anteil der Reichs- bahn etwa 63,12, der der Binnenschiffahrt 36.88 Proz. Beide Verkehrsmittel ergänzen ein- ander derart, daß die Massengüter, die zum Bauen erforderlich sind. Erde, Kies, Sand, Steine, Kalk, ferner Petroleum, Weizen. Mehl und Zucker ganz überwiegend von der Schiffahrt nach Berlin ge- schafft werden, alle übrigen Güter größtenteils auf dem Schienenwege Berlin erreichen. Wie aus Prag gemeldet wird, ist der Vertreter der Vereinigten Holzindustrie A.-G. in Breslau. S ch m e l, von dem Arbeiter Otto S e m b e r g überfallen und durch Beilhiebe so schwer verletzt worden, daß er kurz darauf im Krankenhause starb. Sm Nock getötet Arbeiter schwer verunglückt Hamburg. 15. November. Ein schwerer Unfall ereignete sich gegen 11,30 Uhr im Dock 5 der werft von vlohm u. Boß. Mehrere Arbeiter standen im Dock auf einem hohen Gerüst neben dem Dampfer„Siscaya", um eine Schiffsplatle zu lösen. Seim Abheben der Platte brach aus noch nicht geklärte weife da» Brett zusammen und die Arbeiter stürzten aus einer höhe von 10 Metern auf den Boden des Dockes. Der ZOfährige Schmied Paul II u p Ii n und der 46jährige Arbeiter Reinhold kühn erlitten fo schwere Verletzungen, daß sie an der Unfallstelle gestorben sind. Der Fuhr- arbeiler Emil Marlen» trug schwere innere ver- lehungen davon und mußte in besinnungslosem Zustande in ein Krankenhaus geschafft werden. Zweimal Hauptmann Dnd zweierlei kommunistische Schreibweise Man schreibt uns: Im„Berliner Tageblatt" steht am Sonntag ein Artikel über Gerhart Hauptmann, der den be- deutenden sowjetrussischen Regisseur Alexander Tairow zum Verfasser hat. Er beginnt mit den Sätzen: Ein großer Lebensweg. Ein riesiger schöpfe- rischer Weg des Philosophen, Dichters und Dramatikers. Der bedeutendste Künstler Deutschlands, der in seiner schöpferischen Persönlichkeit die man- nigsaltige Kultur seines Landes vereinte.— er zerstörte siegreich alle Grenzen. Am gleichen Sonntag finden sich in dem für die Berliner Proleten geschriebenen Münzenberg-Blatt „Berlin am Morgen" aus Anlaß der Hauptmann- schen Einleitung zur Knauerschen Goethe-Ausgabe diese Sätze: „Was tut der„Dichtersürst" Gerhart Haupt- mann?... flüchtig hingeschmiertes, hoch- trabendes, mit metaphysischen Seichtheiten angefülltes Artikelchen von vier Seiten, das über Goethe nichts, aber auch gar nichts aussagt.... Man lasse Gerhart Hauptmann doch Sahm-Auf- rufe unterzeichnen und schlechte Dramen schreiben.." Eine interessante Gegenüberstellung! In dem bürgerlichen Blatt ist nach dem überschwänglichen Zeugnis eines früheren Bolschewisten Hauptmann „der bedeutendste Künstler Deutschlands". Im Proletenblatt wird, wahrscheinlich weil er der KPD. nicht angehört, ein„hochtrabender, seichter Schmierer, der schlechte Dramen schreibt". Eofltier geflüchtet Große Autoschiebung Zm Rahmen der Untersuchung einer A u t o s ch i e b e r a f f ä r e ist gegen den bekannten berliner Cafetier Crban Haftbefehl erlassen worden. Die Unter- suchung ergab, daß Srban, der schon ein- mal im Mittelpunkt einer großen Krimi- nalaffäre stand, der Finanzier und Hehler einer großen Autoschieberkolonne ist, die insbesondere große Merccdeswagcn„ver- trieb". Der 38 Jahre alte tschechische Staatsangehörige Procop Erb an ist aus Berlin spurlos verschwunden. Auch sein (ftehilfe, der 31 Jahre alte Pole Erwin Kohn, ist aus seiner Wohnung in der Ehausseestraße 11 verschwunden. Auf die Ergreifung Erbans ist eine hohe B e- l o h n u n g ausgesetzt worden. Durch die Stetiiner Kriminalpolizei wurde im August eine große Autoschieberaffäre ausgedeckt. Es wurden nach und nach über 160 Autos be- schlagnahmt, die sämtlich in Berlin gestohlen worden waren. Es konnte jetzl festgestellt werden, daß Erban als Finanzier der großen Autodiebesbande in die Erscheinung getreten war. Er soll nicht nur»r- hebliche Gelder vorgestreckt, sondern auch die ganzen Diebstähle organisiert haben. Einer seiner wichtigsten Helfer dabei war der 31 Jahre alt« Pole Erwin Kohn. Auch er wird jetzt von der Kriminalpolizei gesucht. Ein besonderes Erken- nungszeichen ist bei ihm das linke Augenlid, das infolge einer Verletzung gesenkt ist. Wieder Echulbranb! Feuer im Klassenzimmer Die Feuerwehr wurde gestern nachmittag nach der Gemeindeschule in der Pankstr. 20 Ecke wiesen- strahe alarmiert, wo kurz nach Schluß des Unter- richts in einem Zimmer der Klasse 8 Feuer ausgebrochen war. Als die Feuerwehr in den Raum eindrang, brannte der Klaffenschrank lichterloh. Hefte, Bibliotheksbücher und andere Lehr- und Klassen- Utensilien fielen den Flammen zum Opfer. Wie schnell festgestellt werden konnte, war das Feuer vorsätzlich angelegt worden. Von dem Täter fehlt bisher jede Spur. Bereits vor einigen Monaten trieb ein krankhaft veranlagter Mensch in Berlin sein Unwesen und zündete in mehr als 30 Fällen Klassenschränke und einmal sogar eine ganze Schulaula an. Der Brandstifter wurde gefaßt und zur Zeit verbüßt er seine Strafe. Das Bußtagsweiter Nach den gestern abend beim Amtlichen Wetter- dienst eingegangenen Meldungen ist für den heutigen Bußtag höchstwahrscheinlich mit trockenem und zum Teil heiterem Wetter bei gleich- bleibenden Temperaturen zu rechnen. Es ist aber nicht ausgeschlossen, daß unter dem Einfluß warmer Luftmassen, die sich von Westen unserem Gebiet nähern können, morgens und abends starke Nebelbildung eintreten wird. Zur Zeit ist die Druckoerteilung so, daß über Island und Nordengland ein starkes Hochdruck- gebiet und über dem ganzen Balkan ein kräftiges Tiefdruckgebiet liegt. In dem Zwischengebiet von Finn'rnd bis herunter nach Spanien erstreckt sich eine ausgedehnte Tiefdruckrinne, unter deren Bereich auch weite Teile Deutschlands geraten sind. In Frankreich herrschte gestern sehr mildes Wetter und Paris meldete 13 bis 14 Grad Wärme. Falls die gestern vorherrschende schwache Luftbewegung in unserem Gebiet um- schlagen sollte und aus westlicher Richtung die warme Luft vorstößt, ist mit ziemlicher Bestimmt- heit mit Nebelbildnng zu rechnen. Taifun-Verwüstung Tokio, 13. November. Der Taifun hat in weiten Strecken des östlichen Japan Tod und Ver- Wüstung gesät. Nach den letzten amt- lichen Zahlen wurden 26 Personen getötet und 23 verletzt. 23 werden vermißt. Etwa lütt Häuser sind völlig zerstört, 240V beschädigt und 40 000 durch den zusammen mit dem Taifun auftretenden Wolkenbruch unter Wasser gesetzt worden. Auch die Stadt Hokohama hat stark ge- litten. Zahlreiche Brücken wurden zer- stört und Bäume entwurzelt. Tie nächste Ausgabe des„Vorwärts" erscheint des Bußtags wegen am Don- nerstagabend. Anerkennung für einen Lebensretter. Der Ar- bester Franz Micholke in Berlin-Ruoow, Kolonie„Heide am Wasser", Günterweg 1 wohn- Haft, hat im September eine weiblich« Person aus dem Teltowkanal vom Tode des Ertrinkens er- rettet. Für dss mutige und entschlossene Ver- halten hat der Polizeipräsident dem Retter seine besondere Anerkennung ausgesprochen und ihm eine Gelobelohnung zugehen lassen. 001 SS S1'?9 Museum der Luftfahrt Einweihung in Johannisthal— Eine wertvolle Sammlung Auf dem Gelände des Flugplahes von Zohann'v- Oeffenklichkeil übergeben. Das Berliner Luflsahrl- museum der Stadt Berlin feierlich der vesesnklichkeit übergeben. Das Berliner Luftfahrt. museum ist zunächst täglich, auch Sonntags, von lü bis 14 Uhr geöffnet. Der Oberbürgermeister, der das Museum er- öffnete, wies darauf hin, dah dieses Werk ohne besondere Mittel der städtischen Körperschaften aufgebaut wurde, was nicht zuletzt durch die chilfe zahlreicher Wohlfahrtserwerbsloser möglich gewesen sei, denen er den Dank der Stadt aussprach. Oberbaurat Sauernheimer gab einen Ueberblick über die Entwicklungsge- schichte des Luftfahrtmuseums, an dessen Aus- bau er den chauptanteil hat. Schon 19?Z tauchte der Plan einer ständigen Luftfahrtschau in der Messehalle am Kaiserdamm auf, der aber wegen der finanziellen Schwierigkeiten nicht zur Aus- führung kam. Jedoch wurde vom Magistrat Berlin der Beschlutz gefaht, eine Luftfahrtsamm- lung in kleinem Ausmatze zu sichern. Das in den Hallen des Flugplatzes Johannisthal ver- streute Material wurde nunmehr zusammengestellt und durch Wohlfahrtshandwerker unter Leitung von Hauptmann Krupp mit Hilfe von Stiftungen zu dem jetzt eröffneten Museum ge- ordnet. Die Fabrik als Museum Die weiten Hallen in der ehemaligen Fabrik enthalten genug interessante Dinge, so daß man erwarten kann, daß in der nächsten Zeit viele Menschen dieses einzigartige Museum besuchen werden. Die hfftorische Abteilung im Hauptraum birgt die Original- Wright-Maschine mit dem 30-NAG.-Motor, serner das erste AEG.-Flug- zeug, die Erich-Rumpler-Taube, einen Grade-Ein- decker und den Doppeldecker des Systems Franz Schneider, mit dem schon vor dem Kriege viele Preise gewonnen wurden. Der erste Fallschirm- absprung von Käte Paulus, die bei der Er- öffnung persönlich anwesend war. ist naturgetreu nachgebildet. Von den fünf Lustschiffen, die am 5. Januar 1918 aus unbekannt gebliebenen Gründen in die Luft geflogen sind, sieht man noch einige Trümmerreste aufbewahrt. In der Abteilung für Luftschiffe ist außerdem der erste Bau von David Schwarz interessant, der schon am 3. November 1897 auf dem Tempelhoser Feld ausstieg. Ferner ist die Führungsgondel des Zeppelinlustschiffes 1�. 14 aus Resten, die im Museum für Meeres- künde lagen, nachgebildet und«in Spähkorb des Zeppelins sowie einzelne Konstruktionsteil« aus- gestellt. In der Abteilung Geschichte sind die alten Volks- sagen vom Fliegen veranschaulicht und die histo- rische Entwicklung des Johannisthaler Feldes ge- zeigt. In einer besonderen Ecke ist des Pioniers der Luftfahrt, Otto L i l i e n t h a l, gedacht. Seine Büste, von O. Lemke hergestellt, fand hier Auf- stellung. Dem Andenken der großen Führer der deutschen Lustsahrt ist auch der alles überragende Ehrenraum geweiht, wo Gemälde des Grafen Zeppelin, Lilienthals und Tschudis einen ehren- vollen Platz fanden. Hier sollen auch die Büsten von Koehl, Huenenfeld und Eckener Aufftellunz finden, die vorläufig den Eingang schmücken. Insgesamt bietet diese große Schau der deut- schen Luftfahrt einen vollständigen Ueberblick über die Entwicklung des Fluggedankcns in Deutsch- land, der auch unter den Werktätigen lebt, wie ein über der Halle schwebendes Flugzeug des „Sturmvogel" mit der Tat bewies. Um die Erforschung und weitere Erschließung der Welt zu fördern, soll alles für die Lufffahrt getan werden, die nie wieder der Vernichtung schuldloser Menschen und blühender Städte dienen soll! Eid des Rechtsstudenten In einem �a?i-?ro2elA Wenige Tage vor der Wahl beobachtete«in Radfahrer in der Wallner-Theater- Straße zwei 13iährige Jungen mst Nazi- abzeichen, die auf einen gleichaltrigen Jungen los- schlugen, der das Frciheitszeichen mst den drei Pfeilen auf der Brust trug. Westcr versuchten die Nazis, dem Jungen ein sozialdemokratisches Plakat zu entreißen. Der Radfahrer brachte die Jungen auseinander und fuhr wester. Die beiden Nazibengel liefen zum SA.-Lokal und alarmierten die SA.-Leute:„Der Radfahrer hat uns geschlagen." Ein Nazi versetzte diesem auf der Höhe des Lokals einen Faustschlag, daß er fast vom Rade fiel. Der Geschlagene holte einen Schupomann und stellte sofort den SA.-Mann sest. Es unterlag keinem Zweifel: es war der richtige. Was erlebt man vor dem Schnellschöffengericht? Der Geschlagene erkennt in dem Angeklagten mst absoluter Gewißhest den Schläger wieder. Der Verteidiger warnt den Zeugen:„Ich mache Sie darauf ausmerksam, daß sie sich eines Meineides schuldig machen. Der Angeklagte ist nicht der Schläger. Ich kenne den Namen des richtigen Täters. Meine Schweigepflicht oerbietet mir aber, ihn zu nennen. Nötigenfalls werde ich es doch tun."„Lassen Sie sich nicht einschüchtern", sagt der Vorsitzende. Landgerichtsdirektor Steinhaus, zu dem Zeugen und vereidigt ihn. Es folgt der vom Nazwerteidiger gestellte Zeuge, der Nazstruppführer und Studiosus der Rechte Schlütermann:„Der Ange- klagte war es nicht, ich kenne den Namen des Schlägers. Als Kamerad kann ich ihn nicht nennen."„Ist Ihnen also, Herr Studiosus der Rechte, Ihre Eidespflicht ganz gleichgültig?" fragt der Vorsitzende.„Die Komeradschostspflicht geht Gemäß§ 17 unseres Organisationsstatuts v. 28. April 1929, berufen wir hiermit einen AüJfaocdtwttieUeu B&zUiMpücUäay. für Sonnabend, den 26. November, um 16 Uhr, nach dem Plenarsaal des ehemaligen Herrenhauses, Leipziger Straße 3, ein. Tagesordnung: 1.„Die Aufgaben der Sozialdemokratie nach der Reichstagswahl." Referent: Dr. Rudolf Breitscheid, M. d. R.— 2. Aussprache.— 3. Die Aufgaben der Organisation.— 4. Anträge.— 5. Die Verwaltungsreform Groß-Berlin. "BczicUsuuftcutcL Utdiu. mir über die Eidespflicht, ich verweigere die Aus- sage", erwidert der Studiosus. Er wird aber nicht ins Zeugniszwangsverfahren genommen, sondern wird vereidigt. Das Gericht gibt chm aber den Bescheid, den er oerdient: Der Angeklagte wird wegen Körperverletzung zu zwei Monaten Ge- fängnis verurteill. In der Urteilsbegründung heißt es: Die eidliche Aussage des Studiosus der Rechte Schlütermann war unglaubwürdig und eigenartig. Das Gericht hat nicht den geringsten Zweifel, daß aus Gründen der Kameradschaft und der Treue, von denen in der Gerichtsverhandlung so viel die Rede war, der wirklich« Täter sich sofort gemeldet hätte, um nicht einen Unschuldigen für sich büßen zu lassen. Dies ist aber nicht ge» schchen, weil der Angeklagte eben der Täter ist. Der Studiosus der Rechte Schluiermann hat also nach Ansicht des Gerichts die Unwahrheit gesagt. Er war aber vorsichtig genug, die Aus- sage so zu machen, daß man an ihn strafrechtlich nicht herankam. Bei einer solchen Vorstellung von Eid und Eeide-pflicht dürste der Studiosus der Rechte wohl in Zukunft vorzüglich als Nazirichter qualifiziert fein. Oder sollte der Preußenkom- missar für Justiz etwa auf seine Dienste im Rechtsleben verzichten wollen? Wie wird das Wetter? 3n Berlin: Etwas auskommende Bewölkung, besonders am Morgen dunstig und neblig, wenig veränderte Temperaturen schwach windig— 3n Deutschland: An der Küste, in West- und Süddeutschland Nebel oder Hochnebel, im übrigen Deutschland heiter, strichweise Nebel, besonders am Morgen, sonst dunstig, überall schwach windig, bei wenig veränderten Temperaturen. SPORT Rennen zu Strausberg Narciß-Jagdrenoeu. 1.©ernma(E. Mayers: 2 Lili» put; 3. Rohrpfeifer. Tote: 130:10. Platz: 27, 24, 19: 10. Ferner liefen: Elben, Pcgu, Griniouchou(gef.s, teinstied, Wissenschaft(ausgcir.), Tranionto(4.), sarda, Blauer Bogel lgef.f. Llhmpier-Jagdrennen. 1. St. Georg(A. Ostennanns; 2. Hyksos: 3. Siinplars. Toto: 54: 10. Platz: 14, 15, 12: 10. Ferner liefen: Mcermädchen(4.). Siesta, Khe- dive, Fleiß. Soldau-Rennen. 1. Cobra lRcibls: 2. Fürstenlind: 3. Prolongobarde. Toto: 33: 10. Platz: 17, 81. 21: 10. Ferner liefen: Mauser, Bickp(4.), Lysander, Sitnson, Terror, Asta, Trinum. Georgios-Hürden-Busgleich. 1. Meisterstück lHauser): 2. Blankenstein: 3. Luxus: 4. Avonne. Toto: 85: 10. Platz: 20, 18, 14, 55: 10. Ferner liefen: Sergius kgef.s, Estand, Komm voran, Svala, Strona, Till Eulenspiegel, Fahrt, Goldenes Tor, Törin. Laland-Ausgleich. 1. Achmed kW. Tarras): 2. Lach- teufcl: 3. Wassernnuqzhc. Toto: 58: 10. Platz: 15, 19, 35: 10. Ferner liefen: Constable(4.1, Goldener Ehrenschild, Geranium. Hoheit. Anakreou-Japdrennen. 1. Mila(Müschens: 2. Pilot: 3. Apsilanti. Toto: 27: 10. Platz: 15. 14, 15: 10. Ferner liefen: Feldpost(4.s, Himmelfahrt(gef.s, Moni- clair, Havel. Abenteurer-Rcnnen. 1. Atman(Starostas: 2. Dian- thus: 3 Pythia. Toto: 145: 10. Platz: 21. 16, 23: 10. Ferner liefen: Senator(4.s, Livius. Bravo, Boreas. Tullus-Kostilius-Rennen. 1. Wigbert(St. Narrs: 2. Traumkönig: 3. Jrrigoven: 4. Kolo. Toto: 95: 10. Platz: 22. 23, 21, 23; 10. Ferner liefen: Suus. Hella Z.. Steinfeld, Cornelia. Wando, Birulin, Tarnfchild, Ci- saine. Hohe Eule. Silberling. Doppelwette: Achmed— Atman 406: 10. c?"e" F3r�tellun. � flotte ct)*erer W ' br»un„„J «ocke ace' und , arben ' �rlne Jugendlich �'nw0"e m,t flottom �treifte�-£ 0dernem r esches K der„ m't cherpartie in Gehören auch Sie zu den Tausenden, die gute Kleidung schätzen, aber häufig darauf verzichten mußten? Dann lassen Sie sich sagen, daß Sie nicht länger zu verzichten brauchen. Lassen Sie sich sagen, daß Sie bei uns sehr schöne, sehr gute Kleidung für sehr wenigGeld bekommen können. Versuchen Sie's nur mal und •'m/tat/c 'egürtel, "«leid merschUg 'e,L neu/; fto u ne> S�/te S'eses Kt*. �»mmer,ch("«3en 4. Hnmöoldt 4374——— Musiker- Vereinshaus Inh.: Johann Nather, Kaiser-Wilhelm-Str. 31 Empfehle meine Säle, Vereinszimmer zu Festlichkeiten und Versammlungen Swineiniinder Gesellsdiaiishaus Inhaber; 4. KALL ES Säle frei! Kartoffel-Kontor G.m.b.H.. NW 40. Heiflestr. 30.- Hansa 4848. liefert Speisekartoffeln für GroB.Verbraucher, Kantinen u. 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Ja, die war also noch vorhanden, die Diebe hatten sich mit den leicht erreichbaren Dingen begnügt. Weltlin erhob sich und ging ein wenig unsicher wieder der Straße zu. Er kam sich ohne Hut und Stock wie unbekleidet vor. Auf einer Kirchenuhr sah er, daß es neun Uhr vorbei war. Jetzt mochte wohl auch die polizeiliche Untersuchung schon zu Ende sein— welche Untersuchung, wo? Ob Susi noch auf den telephonischen Anruf wartete? In irgendeiner Seitengasse machte Weltlin halt, er mußte ausruhen. Das Herz machte wieder Schwierigkeiten', er spürte das Schlagen bis in die Halsgegend und mußte sich an eine Wand lehnen. Der Anzug, zer- knüllt, und nun auch noch fleckig und staubig geworden, klebte an seinem Körver. Er mußte den Kragen lockern, um zu Atem zu kommen... Endlich nach einiger Zeit konnte er wieder weitergehen, er ging aufs Geratewohl, ohne zu wissen, wo er sich befand. Bor ihm tor- kelte ein Mann, zerlumpt, zerfetzt, sichtlich betrunken. Weltlin überholte ihn, sah ihm beim Schein einer Straßenlaterne ins Ge- ficht und erschrak zutiefst. Er hatte ihn sofort erkannt, es war der Arbeiter Wenzel Starka, der vierzehn Jahre lang in seiner Fabrik gearbeitet hatte, als sie noch eine Fabrik und keine Teufelsküche gewesen war. Er trat auf dep Mann zu:„Sind Sie der Arbeiter Wenzel Starka?" „Ich glaub, daß ich so heiße", lallte der Mann,„aber Arbeiter bin ich nicht, oh nein!" „Was sind Sie denn?" „Privatier. Man läßt mich ja nicht ar- beiten." Weltlin sah, daß er den Mann führen müssei denn der konnte sich nicht ausreck»! halten. Er faßte ihn also unier, doch wurde er von dem torkelnden Schritt mitgerissen. Er entsann sich, daß dieser Wenzel Starka stets ein nüchterner, braver, fleißiger Arbeiter gewesen war, der mit Verachtung auf trin- kende Arbeiterkameraden gesehen hatte. Was mochte mit dem Manne alles vorgegangen sein, was mußte der erlitten haben? Vor- sichtig versuchte er den Mann zum Reden zu bringen: es gelang nicht. Immer hörte er: „Hast du Geld, Bruder, hast du Geld?" Welt- lin nickte und Starka sagte:„Du, ich weiß hier ein feines Lokal, da müssen wir hin- gehen." Sie standen vor einem Branntwein- ichank und beim Ueberschreiten der Schwelle schien es Weltlin, als müsse er ersticken: Ein süßlich-widerlicher, betäubender Geruch stieg ihm in die Nase. Mit Starka jedoch war eine Veränderung vor sich gegangen. Der fühlte sich wohl, schnupperte, ging zum Lademisch und bestellte. Der Mann am Schalter wollte Geld und Starka wies auf Weltlin. Der gris in die Tasche, fand kein Hartgeld, mühsam knöpfte er die Geheim- tasche auf, förderte das Geldetui zu Tage und Starkas Augen erblickten Banknoten, die in allen Größen und Farben die Fächer füllten und er erschauerte in erhöhter Ach- tung vor seinem Gefährten. „Woher hast du das viele Geld?" Weltlin schwieg. „Ein guter Fang gewesen— he?"— und er stieß Weltlin in die Seite. Auch der hatte nun sein Glos vor sich stehen und er oersuchte, an der Flüssigkeit zu nippen. Sie fühlte sich klebrig an, der starke Alkoholgeruch schien Weltlin zu betäuben. Er hatte nur den einen Wunsch: frische Luft... Luft! Ohne Besinnung stürzte er das ihm wider- stehende Getränk in seine Kehle. Es würgte und brannte. Schon stand ein zweites Glas vor ihm, er wußte nicht mehr, was um ihn vorging, legte einige Geldmünzen vor sich hin, auf die er nicht achtete. Auch das zweite Glas trank er aus. Sein Kopf schmerzte, er glaubte ersticken zu müssen, sein Herz klopfte, daß es ihm fast den Atem nahm. Nach einer Ewigkeit spürte er, wie er von starken Fäusten geschüttelt wurde und der Arbeiter Starka chn unter den Arm nahm.„Du ver- trägst ja nichts!" lallte der. Plötzlich spürte Weltlin die ersehnte frische Luft. Sie waren wieder auf der Gasse. „Ich möchte nach Hause", brachte er müh- sam hervor. „Wo wohnst du?" Weltlin wollte antworten, konnte es aber nicht. Er vermochte sich nicht an die Gasse zu erinnern, in der sich seine Wohnung be- fand. „Mit dir will ich gehen. Nimm mich mit", brachte er mühsam hervor. „Ich Hab' keine Wobnung", sagte Starka und schleifte Weltlin hinter sich her. Endlos dauerte der Weg. Nun waren sie bei einem Fluß angelangt, gingen Stiegen hinab, unter einem Brückenbogen lagerten Leute am Boden. Wie ein Stein fiel Weltlin hin und lag bald in tiefem Schlafe. Als er wieder er- wachte, hörte er Starka neben sich sagen: „Glück haben wir gehabt! Keine Polizei! Aber nun müssen wir laufen." Weltlin er- hob sich, starke eiserne, zentnerschwere Ringe verspürte er um seinen Kops, er griff hin, aber er fühlte nur die Schwere seiner Hand. Er sah auf seinen Anzug, der über und über mit Schmutz und Erde überzogen war. Wenn ich mich nur waschen könnte, dachte Weltlin und dieses Gefühl wurde so mächtig in ihm, daß er die Böschung hinabkletterte und seine Hände in den Strom tauchte. Mit müden, zitternden Händen befeuchtete er sein Ge- ficht. Was nun? dachte er. Wo bin ich? Ich muß in die Fabrik. In die Fabrik? Wer hat eine Fabrik? Dorthin will ich nicht mehr — nein, nein! Dort ist der Teufel! Oh, hier Ulirai und der Word Sin feUfanter Sali/ liach Alfred Capws Monsieur Mi rat war der glückliche Besitzer einer kleinen Villa in einein netten Städtchen Miltelfrankreichs und ich war sein nach Ruhe und Einsamkeit dürstender Sommergast. Etwa zweihundert Schritt vom großen Obst- garten ging der Fluß vorbei, der übrigens sehr fischreich war, und ich konnte mich also nach Herzenslust an meinem Lieblingssport vergnügen. Denn es gibt doch nichts Ruhigeres als die Fischerei in selbstgewählter Einsamkeit. Bereits am ersten Morgen meines Urlaubs befand ich mich voll Eifer beim Angeln. Rings- . herupi war vollständige Ruhe, ich sah keinen Men- schen und erst pls ich abends d,en zweiten Usch?.. fang ersolgrelch bendetc. knackte es hinter mir im Gebüsch. Ich blickte mich um und erblickte ein dürres altes Herrchen, mit Angel und Blechbüchse bewaffnet, das mich, wie es schien, nicht sonder- lich erfreut ansah Wahrscheinlich hotte ich einen fremden Angel- platz usurpiert und stammelte Entschuldigungen. „Macht nichts. Werde mich ein wenig weiter niedersetzen!" Sprach's und ging. An den darauffolgenden Tagen sah ich chn oft und nach und nach entspann sich zwischen uns so eine Art Gespräch. „Sic wohnen bei Mirat?" „Ja." „Soso, hmhm!" Das war alles. Er murmelte in seinen Bart und oerschwand. Am nächsten Tage fing er wieder an: „Mirat ist wohl Ihr Freund?" „Nicht so ganz. Ich kenne ihn erst fünf Tage. Aber ist er der Ihre?" „Mein Freund? Nein, das nicht. Aber ich kenne chn gut, das heißt, ich kenne ihn schon sehr lange, schon gegen 4l1 Jahre!" „Er scheint ein braver Mann!" „Scheint er das? Möglich. Aber nicht immer schien er es." „Was bedeutet Ihr Reden?" „Ich war sriiher Staatsanwalt, mein Herr, und hatte vor dreißig Iahren eine Mordanklage gegen Mirat erhoben." „Mord? Dos ist ja entsetzlich! Cr wurde selbstverständlich freigesprochen?" „Wo denken Sie hin. Wenn ich die Klage ver- trat. Er wurde selbstverständlich verurteilt, aller- dings nur auf Grund schwerwiegender Indizien, die Witwe Borez und ihr Kind ermordet zu haben. Es war ein vollständiger Sieg des öffentlichen Anklägers. Ich will Ihnen die näheren Umstände und all die Einzelheiten ersparen. Mirat wurde zu lebenslänglicher Zuchthausstrafe ver- urteilt. Kam nach Neu-Kaledonien. Dann setzten die Angriffe gegen dos Urteil, gegen den Richter und gegen mich ein. Mirat sei unschuldig ver- urtellt worden. Und richtig, es fand sich ein Täter, der auf dem Sterbebette die Mordtat vor ein- wandfreien Zeugen gestand. Das Urteil wurde aufgehoben. Mirat kam zurück und ich wurde pensioniert. Jedenfalls lebt Mirat seither als geachteter Mann in unserer Mitte, er hat einen wohlhabenden Verwandten beerbt und genießt seine Renten. Die Geschichte ist vergessen, die meisten Zeugen sind gestorben und selten wird noch der Fall Mirat erwähnt." „Entsetzlich! Unschuldig ins Zuchthaus nach Neu-Kaledonien. Sie halten ihn doch selbstver- ständlich sür unschuldig?" „Ich muß wohl! Meine vorgesetzte Behörde befahl es. Man brachte mir Beweise, aber..." „Aber?" „Auch ich brachte einstens Beweise seiner Schuld. Konnte nicht der Sterbende ein falsches Geständnis abgelegt haben? Tote haben von der irdischen Gerechtigkeit nichts zu fürchten. Als ich ihn anklagte, hielt ich ihn für schuldig. Jetzt..." „Jetzt?" „Jetzt muh ich ihn für unschuldig halten, denn das Justizministerium dekretierte seine Unschuld." „Aber Ihre eigene ausrichtige Meinung?!" „... ist, daß ein Leben, daß dreißig Jahre vorübergegangen sind!" Er warf den Köder an der langen Schnur weit in den Fluß und bedeutete mir so, daß er das Gespräch für beendigt hielt. Ruhe und Einsamkeit ist aus die Dauer lang- weilig Aus dem alten angelnden Staatsanwalt war nichts weiter herauszubringen, also versuchte ich es mit Herrn Mirat. Eines Tages brachte ich ihm eine Portion Hechte, und er nahm sie unter der Bedingung an. daß ich seinem Weinkeller alle Ehre antun würde. Beim Essen und Trinken taute er aus. „Sie haben sich mit Herrn Lebrun, dem Staats- anwalt, angefreundet!" „Ja, er angelt oft neben mir und wir sprechen hie und da miteinander. Auch von Ihnen!" „Kann mir's denken, daß der Staatsanwalt gibt es keine Konferenzen, keine Kassiere, Prokuristen und Oberingenieure, keine Käufe und Verkäufe, keine Maschinen und keine Sabotage. Ich selbst betreibe Sabotage! Er lachte laut und gellend auf. „Was lachst du denn?" fragte Starka. „Bist du krank?" „Nein, bloß gut aufgelegt", erwiderte Weltlin. Sie frühstückten in einem kleinen Volkskaffee und gingen dann in einen Park. Der Weg führte sie an einem Haus vorbei, vor dem viele Menschen dichtgedrängt standen. „Was ist denn das?" fragte Weltlin. „Das ist das Stempelamt! Lauter Gauner! Durch sechs Monate zahlen sie einem die paar Mörker und dann ist's aus! Dann kannst du verrecken, krepieren— kein Hund kümmert sich um dich! Alles Bande, alles eine dreckige Lausebande." Weltlin sah die lange Kette der Warten- den. Männer, Frauen mit Kindern standen da mit blassen Gesichtern, aus denen Not und Entbehrung sprachen. „Müssen die Leute da lange stehen?" fragte er „Ja, Mensch, warst du denn nie stempeln?? Bist du einer von der Bande? Gehörst du selbst zu denen? Hast ja Geld wie Mist! Bist du kein Einbrecher— bist du selbst ein Schieber?" lFartsetzung folgt.) Lebrun von mir spricht. Wir sind alte Bekannte, der Herr Staatsanwalt und ich." „Ich hörte auch von der entsetzlichen Geschichte. Sic Aermster, was müssen Sie gelitte» haben?" Mirat war gar nicht verlegen oder traurig, er lachte: „Dochte es wohl, daß Sie davon gehört haben. Hat viel Staub aufgewirbelt, die Sache damals. Auch in Paris, nicht?" „Auch in Paris", gab ich zu. „War eine komische Geschichte. Als ich zurück- kehrte, war es wie ein Triumphzug. Die Oppo- sition wollte es politisch ausnützen, ich fei ein Opfer der Regierung. Ich winkte ab, in Neu- Ääledonien halle ich Aufregungen genug gehabt, jetzt brauche ich Ruhe. Hier wich man mir aus. Es kümmerte mich wenig. Zeitungen und Parteien griffen mich an, andere Zeitungen und andere Parteien verteidigten mich. Dann starb mein Vetter und hinterließ mir einiges Geld. Damit ebbte, die Austegung ab. Dys war wieder komisch. Als ich arm war, galt ich manchen als Verbrecher, der wohlhabende- Miryt war selbstverständlich ein Ehrenmann. Haha! Dann wurde ich sogar eine Art von Märtyrer, eine Sehenswürdigkeit der Stadt. Fremde wollten mich kennen lernen. Back- fische bettelten um Autogramme. Dann kam wieder ein Umschwung. Man flüsterte sich zu, ich wäre ein schlauer Fuchs und hätte der Gerechtig- keit ein Schnippchen geschlagen. Aber das ver- gräherte sogar die Achtung meiner Mitbürger, und eines Tages", da fing sein verrunzeltes Gesicht zu strahlen an,„wollten sie mich sogar als Maire haben. Ich lehnte ab, und sie waren gekränkt. Dann ist die Sache allmählich eingeschlafen." Ich war eigentlich befremdet über die Gleich- gültigkeit, die Mirat der ungerechten Verurteilung, dem Ausenthalte im Zuchthause entgegenbrachte. Er schien keinen Funken Groll gegen die Gesell- schaft zu hegen, die an diesem entsetzlichen Er- eignis Schuld trug. Und sonderbar, niemals hatte er mir gesagt: „Ich bin unschuldig!" Während drei Monaten versuchte ich die Schuld- frage in unseren Gesprächen immer wieder aus- zurollen, er wich ober geschickt aus. Erst vor meiner Abreise fragte ich direkt: „Her Mirat, sagen Sie mir ausrichtig, waren Sie damals ganz und gar unschuldig?" Ein ironisches Lächeln glitt über sein Gesicht: „Wissen Sie, Herr Capus, es sind dreißig Jahre her, und es ist heute gleichgültig, ob ich oder ein anderer den Mord begangen hat. Mir hat man zuerst bewiesen, nur ich könnte der Mörder sein, dann bewies man der Well, ich sei unschuldig. Wie es wirklich war, ich weiß es nicht mehr!" Damit verabschiedete er sich, ich fuhr nach Paris und sah chn niemals wieder. lBerechtigte Ucbcrtragung»an R. S e e r l i n g.i rfANDER Der WUrtUschuk Was gibt es Weites? Sin Sßlick in die gorfchung Zm mexikanischen Staate Vera Cruz wurde im Oktober ein Gesetz angenommen, noch dem geistig Defekten und wirtschaftlich verelenden Personen die Fortpslan- zung untersagt werden soll. Diese radikale Maßnahme will gegen die drohende Uebervölkc- rung Abhilfe schaffen, andererseits die Generations- tstte erblich Belasteter unterbrechen. Gesetzlich zu- gelassen jedoch unter Einwilligung der betresfen- ten Person, ist die Sterilisation bereits in 27 Staaten der amerikanischen Union, von denen Kalifornien an erster Stelle steht wo während der letzten zehn Jahre-MX) Menschen, besonders Kn- minelle, sterilisiert wurden. Im allgemeinen hat die Begeisterung für die Sterilisation als Heil- mittel gegen die wachsende Kriminalität nach- gelassen. Das Streben geht dahin, Kindern schäd- liche Iugendeindrücke fernzuhalten, sie in gesunder Umgebung aufwachsen zu lassen und vor allem für bessere Lebensbedingungen zu sorgen. Eine kürzlich stattgefundene Sitzung der ameri- konischen Gesellschaft für wissenschaftlichen Fort- schritt zeigte, in welchem umstrittenen Stadium sich dos Problem befindet Den Haupteinwand gegen die Sterilisation bildet die ungeklärte Lage in der Vererbungslehre So behauptet Dr. R. A. Fisher, daß nach seinen Beobachtungen nur il Proz. der Schwachsinnigen aus einer typisch belasteten Familie stammen, während die übrigen 89 von anscheinend gesunden Elternpaaren her- rühren Von anderer Seite wurde betont, daß oft die Feststellung schwierig sei, ob bei einem geistigen Defekt Vererbung oder erworbene Faktoren sMilieueinsluß) als Ursache vorliegen. Der be- tannnte Biologe I c n n i n g s äußerte sich, daß geistige Minderwertigkeit auf einer„Zufalls- kombinatron" verschiedener Vererbungskeime in den Generationsreihen beider Eltern beruht. Auch in Deutschland gehört die gesetzlich zugelassene Sterilisation Minderwertiger zu den Gegenwartsproblemen, wie die letzte Kriminalisten- tagung in Frankfurt zeigte. Die Skeptiker waren schwach vertreten Der Heidelberger Professor G r u h l e warf gegen die Sterilisation aus eugenischen Gründen ein, daß vielfach die Nach- teile für die Nachkommenschast nicht aus Gesichts- punkten der Vererbung, sondern durch verhäng- nisvolles Milieu oder mangelnde Erziehungsmög- lichkeiten ihre Erklärung finden. * Die wachsende Kriminalität in USA. hat die Anthropologen mobilisiert, die äußeren Merkmale und die körperliche Beschaffenheit des Kriminellen zu studieren. Lo m b r o s o s Idee, den Verbrecher mit bestimmten Tiergruppen zu vergleichen (Gorillatyp), wurde als haltlos verworfen. Ueberhaupt kann man keinem Menschen den Ver> brecher vom Gesicht lesen. Auch hier zeigt sich die Physiognomik eher als gefährliches Gefellschafts- spiel denn al» Wertzeug ernsthafter Wissenschaft. Verbrecher haben ebenso den„ehrlichen Blick" wie tadellose Charaktere niedrige Stirn, schwaches Kinn oder Henkelohren Professor H o o t o n hat 18 009 Personen eingehend untersucht und meint, daß nicht das Gesicht, wohl aber der a l l g e- meine Körperbau Schlüsse zuläßt. Beson- der» der athletische Typus(Kretschmer) steht im Vordergrund. Und doch kann man sie an den Ohren erkennen. meint Dr. K i l m e r, ein bekannter New-Porkc Arzt, der sich seit Jahren mit dem Studium de Ohren beschäftigt. Cr photographiert sie mittel einer besonders konstruierten Kamera und sank beim Vergleich von mehr als 30 000 Ohrenpaarer nicht zwei gleiche. Auch beim einzelnen Menschen sind rechtes und linkes Ohr stets verschieden Dr. Kilmer ist überzeugt, daß seine„Ohrographie" eine nützliche Ergänzung für die Identifikation von Verbrechern sein wird. Er hat zehn Trundtypen ausgestellt, nach denen sich alle Menschen einteilen lassen, und es zeigte sich, daß Im Burentrieg. in den Iahren 1899 bis 1902, wurde Elisabeth G i l l a r d, die Buren- generalin. nahezu täglich in den Zeitungen ge- nannt. Heute, nach über dreißig Iahren, taucht der Name noch einmal aus der Vergessenheit auf. Aus England wird gemeldet, daß Elisabeth Gillard, 70jährig, in einer kleinen Stadt hoff- nungslos darniederliegt. Für uns Sozialisten hat ihr Leben einen anderen Sinn als für jene, die diese Frau als kriegerische Heldin feiern. Eine wilde Reiterin der Prärie, eine Amazone Südafrikas— so tritt sie uns im ersten Teil ihres Lebens entgegen. An der Spitze ihres Regiments von Männern reitet sie wie eine Furie über das Schlachtfeld zum Angriff auf die Engländer, bis sie endlich schwer verwundet in Gesangenschast gerät. Welches sind die Grunde dieser wilden Leidenschaft? Es ist Haß aus Liebe geboren. Ihr junger Gatte fiel im Kampfe gegen England. Um ihn zu rächen, nahm sie die Waffe zur Hand. Aber nun kommt die seltsame unerwartete Wen- dung. Oder ist vielleicht gerade dieser völlige Um- schwung zutiefst begründet und zeigt gerade er, wie wenig diese Frau innerlich mit der Idee des Kampfes, den sie gegen England geführt hatte. verwurzelt war? In der Gefangenschaft söhnt sie sich mit den ehemaligen Feinden aus. Und als wenige Jahre später in Ostafrika Kasfernaufstände ausbrechen, da wirkt sie als Kranken- Pflegerin und gleichzeitig als kämpfender Soldat inmitten englischer Truppen! Noch viel mehr! Sie verlobt sich mit einem hohen englischen Offizier, gegen den sie vor kurzem haßerfüllt gekämpft hatte. Er fällt, und damit schließt die zweite Periode dieses seltsamen, abenteuerlichen Lebens. Nunmehr zieht sie sich völlig vom Kriegzfchau- platz zurück. Ihre Freunde verlieren sie aus den Augen. Man erzählt sich, daß sie auf Reisen in Europa sei. daß sie still und unbekannt lebe. Erst während des Weltkrieges wird ihr Name wieder genannt. Abermals ist sie in Südafrika. Aber diesmal ist sie nicht Soldat, sondern sie predigt den Frieden. Sie fordert ihre Freunde auf, nicht gegen die Deutschen in Süd- westafrika zu kämpfen. Als ihr das nicht gelingt, bestimmte Formen bei Kriminellen überwiegen. Das abstehende Ohr ündet sich zu 23 Proz. bei ehrsamen Bürgern, aber zu 4t Proz. bei Krimi- nellen. Autodiebe halten mit 64 Proz den Rekord an abstehenden Ohren Dr. Kilmer oergißt abc nicht die Einschränkung, daß sich durch die soziale! 8erhältnisse bei den ärmeren Klassen mehr ab lehende Ohren finden und der Zulamenhan wischen vernachlässigter Kindheit und Verbreche um zu berücksichtigen ist. * Menschenkenntnis aus äußeren Merkmalen "ingt zwar verlockend, muß aber zu ungenauen Resultaten führen, weil sich das Lebendige nie in eine Kartothek sperren läßt. Auch um die G r a- phologie ist es seltsam still geworden: kein Zeitungsartikel singt mehr ihr Loblied. Sie war versucht sie, den Deutschen als Helserin des Roten Kreuzes und der Mission zur Seite zu stehen. Die Folge ist, daß sie erneut von den Engländern inhaftiert wird. Zum drittenmal schließt sich der Ring ihres widerspruchsvollen Lebens. Wenige Jahre nach Beendigung des Weltkrieges heiratet sie als Fünfzigerin zum zweitenmal. Ihr Gatte ist ein südafrikanischer Kaufmann— kein Deutscher, sondern englischer Abstammung! Aber auch jetzt versucht sie, zu handeln und tätig zu sein. Ihr Wirkungsseld aber liegt nun außer- halb der politischen Sphäre. Sie sendet Hilfe in verseuchte, fieberkranke Gebiete Südafrikas, ja, sie geht selbst als Führerin mit und versucht, durch Ausgabe von Medizin und persönliche Pflege Rettung zu bringen. Dann aber greift die Krankheit nach ihr selbst. Man bringt sie endlich nach England, in der Hoffnung, daß der Klimawechsel Helsen könnte. Aber alles ist vergeblich. Ihr Leben neigt sich dem Ende zu. Ein fremdartiges, nicht alltägliches Frauen- schicksal. Seltsam, für den äußeren Betrachter unmotiviert, die Extreme von zerstörender Kampfesfreude und helfendem Aufbauwillen, eigenartig die Widersprüche des Zieles und die Richtung des Lebensweges. Und doch will es VankHelle In einem sächsischen Städtchen befindet sich die Tankstelle gerade gegenüber der Kirche. M t Neid sieht der Pfarrer, wie jeden Sonntag zahlreiche Ausfluglerautos an der Betriebsstoff spendenden Säule halten, aber keiner der Fahrer kehrt zur Andacht bei ihm ein. Da faßt er einen Plan. Eines Sonntags steht ein Schild neben der Tank- stelle: Automobilisten! Ihr habt Benzin getankt- Nun tanket alle Gott! lonatkan. eine Mode, mehr nicht. Nur für den Scharia» tanismus bleibt die„praktische Menschenkenntnis ein dankbares Feld. Immer noch spukt die Lehre oes seligen Dr.©all, und es fehlt nicht au wissenschaftlichen Instituten" wo Gläubigen die ■chädsldecke abgetastet oder mit elektrischen Meß- eräten untersucht wird, um Charakter, Berus und rndere Möglichkeiten festzulegen. So hat Mrs. ddell neben einer guten Einnahmequelle 12 Punkte des Kopses entdeckt, aus denen sie das Tharakteralphabet abliest Was Ha n u s s e n für Berlin scheint sie für London zu sein. Daß manch- mal das Richtige getroffen wird, hat oft eine Ur- fache, die an Kartenlegen erinnert. Vielen genügt es Aber für die Wissenschaft sind Mensch und Charakter viel z» komplizierte, vieldeutige und rätselhafte Gebilde, um sie nach einem trockenen Schema zu beurteilen oder abzuurteilen. Gog. scheinen, als läge gerade darin der Sinn. Un- willkürlich denkt man an den Konflikt der Jung- f r a u von Orleans, wie ihn Schiller iv seinem Drama schilderte: Die Kämpferin gegen England läßt das Schwert sinken, als sie in ein Menschenantlitz blickt, das ihr zutiesst verwandt und vertraut scheint, obwohl es dem„Feinde" an- gehört. Liebe und Menschlichkeit sind stärker als die Waffen des Hasses und der Ver- nichtung. Und so scheint auch im Leben dieser südafrikanischen Frau, der einstigen Buren- sührerin Elisabeth Gillard, das Zerstörende immer wieder in der Bejahung des Lebens, in einer Be- tätigung wertvollerer, kulturell höher stehender Art untergegangen zu sein. Und wenn sie vielleicht auch das letzte Ziel, dem sie zustrebte, in allen Irren und Wirren selbst nicht klar er- kannte— die Ansätze dazu sind trotz allem un- verkennbar. Nicht die„Heldin", sondern die Helserin Elisabeth Gillard ist der eigentliche In- halt dieses Frauenlebens. WlafWche Philosophen ipiclel(f.'Jahrhundert n. Chr.) Das Lernen allein genügt nicht, sondern man muß auch die Gewöhnung hinzunehmen und dann die Uebung. Der Stoff(der Dinge) ist gleichgültig. Wie kann man nun Festigkeit und Gemütsruhe be- wahren und sich doch zugleich sorgsam, nicht un- überlegt oder fahrlässig(gegenüber den Dingen) verhalten? Wenn man es macht wie die Würfel- spieler. Die Steine(im Brettspiel) sind gleich- gültig und die Würfel sind gleichgültig: woher aber soll ich wissen, welcher Wurf fallen wird? Den gefallenen Wurf sorgfältig und sachverständig benutzen, das ist dann meine Ausgabe. Wie die Sonne nicht aus Gebete und Zauber- spräche wartet, sondern ohne weiteres leuchtet und allgemein willkommen geheißen wird, so warte auch du beim Wohltun nicht aus lauten Beifall und Anerkennung, sondern tue wohl aus eigenem Antrieb, und man wird dich lieben wie die Sonne. Wenn man dir erzählt, daß der und der dich geschmäht habe, so verteidige dich nicht gegen das, was er gesagt hat, sondern antworte:„Er kannte wohl meine sonstigen Fehler nicht, da er nur dies von mir erwähnt hat." »imr»d»ng,» w,»,«,»«-drt» ft«» «»»>»»»««>!i»d»»i»rab»• Parteinachrichten für Groß-Berlin ftet»»» da»«(iithittTttonis l K»>. t Xttvvtn rttbti. ta richte» Bezirksausschuß für Sozialistische Lildungsarbeii. Liadenstr. 3, 2. Hos, 2 Treppe». »coiet Reich»,«rti st enwettstreit de»« r b e i t« r-» t h l e. t«».B»»de» Sonntag, 20. Noncmdcr, 10 Uhr, im großen Saale„Rene Welt-, starten sind in unserem»iira zu haben. Die Bildungsadleut« werden gebeten, spätesten» Sannabend, 10. November, abzurechnen. Protestkundgebung gegen da» drohende«erbot de- Deutschen Freidenker. verbände» am Montag, 21. November, im Sportpalast, starten sind in unserem Bjjro zn haben. Beginn aller Veranstaltungen 19Z-- Uhr, sofern keine besondere Zeitangabe! i. strei». Mittwoch, 16. November CSußtog), im Saalbau Friedrichohoin, etnigung 1912. Eintritt 50«f., Siwerdolosc 20 Pf. starten sind noch den Bezirieführern, Abteilungetassierern und an der stasse zu haben. 0. strei». Freitag, 18. November, 19 zh Uhr, erweiterter Kreisvoritand mit Abteilungsleitern bei strllger, Srimmstr. 1. 1. stiel». Donnerstag, 17. November, 15 Uhr, im Jugendheim Nosinenstr. 4. Zusammenkunft«rwerboloser Parteimitglieder. Fortseßunz der Aussprache über„Erwerbolosenlollektiv-. lt. strei». Donnerstag, 17. November, 20 Uhr, bei Will, Martin.Luther-Str. 60, Beginn de» Kursus Dr. Franz Neumann:„Dcmolratie— DiUatur'. Zahl. reiche Beteiligung dringend erwünscht.— Donuerstaa, 17. November, 16 Uhr, bei Will, Martin-LutHer-Str. 69, Zusammenkunft erwcrbslaser Parteimitglieder 13. strei». Donnerstag, 17. November, 20 Uhr, Kursus, Kursü-stenstraße, Mittelschule. Referent Dr. Kreyßig:„Arbeitsbeschaffung und Umbau der Wirtschaft". 15. strei». Freitag, IS. November, treffen sich 16U> Uhr die Banner, und Fahnendelcgatwncn anläßlich der Trauerseier für den»erstvrbenen De. nassen Hermann Müller vor dem ehemallgen Lokal Bargmann in Baum- lchulenweg, Baumschulenstr. 89. I. Abt. Freitag, 18. November, bei Micheel, stäpenicker Str. 55», wichtige Zunktionärsißung. Sämtliche Funktionäre, auch die stellvertietenden Be- «rksfübrer, müssen anwesend sein. 4. Abt. Freitag. 18. November, 20 Uhr, Funktionärs, ßung bei Brandis, Stra, lauer Str. 10. st. Abt. Freitag, 18. November, Vorstand 19 Uhr, Funktionär« 20 Uhr bei Hübner. Die Fahnen sind wieder abzuliefern. 18. Abt. Freitag. 18. November. 19 Uhr, Funltionärsißung bei Tdllkien, Drllntbaler Str. 38. 38. Abt. stvnsummitglieder der 121. Verkaufsstelle Donnerstag, 17. November, wichtige Versammlung der ffraktian„Aufbau" bei Kubliscki. Zelter Straße Ecke Prenzlauer Allee. Zahlreiche» Erscheinen unbedingt erforderlich. 37. Abt. Wegen der Borstänoekonfercnz am 17. November wird die Zusammen- kunft aller Mitglieder der 7. und 127. Verkaufsstellen des Konsums auf Freitag. 18. November, bei Raschle. Mallernstr. 14, verlegt. 54. Abt. Sonnabend, 19. November. Funktionärsitz"na im Jugendheim. 74. Abt. Donnerstag, 17. November, 20 Uhr, Mitgliederversammlung im Waldho"«. Spandauer Straße.„Die Partei vor neuen Ausgaben", Referent A. Wulchick. 75. Abt. Sonnabend. 18. November. 20 Ubr, Miigliederversammsung im Lindenhok. Wilbelmploß.„Nach der Wahl— Volksbegehren", Referent Alfred Markwitz. 78. Abt. Freitag, 18. November, 20 Uhr, Funktionärversammlung bei Holte, Siegsriedstr. 9. 92. Abt. Der Iüngerenabend fällt au». 95. Abt. Freitag, 18 November, pünktlich 20 Uhr, erweiterte Vvrftand-sitzung bei steil. Prinz-Handjerv-Str. 38. 88. Abt. Freitag, 18. November, Funklionärsttzung im Sitzungsraum Hanne- mannstr. 40. Der Abteilungsvorstand trifft stch pünktlich 18V4 Uhr ebenda. Die Fustklianärinnen kämmen H Sfunbe früher im gleichen Raum zu- sammen. 102. Abt. Bezirk« 1 bis 15 und 21: Donnerstag, 17. November, bei Sckiefsler (Borgmann Nachf.s, Baumschulenstraße: Bezirke 16 bi« 20 im Neu-Tivoli. Neue strugallee, Versammlung der Konsulnmitglieder der SPD. Referat und Aufstellung der Del-gierten. Ausweis: Parletbuch und Ewkausskarte. 120. Abt. Freilag, 18 November, 20 Uhr. Funklionärsttzung an bekannter Stelle. 128. Abt. Freitag, 18. November, Funklionärsttzung bei Schulde. 143. Abt. Nächst« Versammlung erst am 23. November bei Schmischie. Arauenveranstaltungen: 13. strei». Di« Frauenabteilung der FTGB., Bezirk Tempelhos. turnt nicht mehr in Mariendorf, sondern Übt jetzt nach Mustk in der Turnhalle am Alarichvlatz in Temvelhof Dienstags vvn 20—22 llhr. Die Genossinnen sind herzlichst eingeladen. 8. Abt. Wegen der Vorständekonferenz, 17. November wird unser Frauenabend auf den 23. November verschoben. und Nestrentenzusammenkunft am Arbeiksgemeinslhafk der klnderfreunde. Morgen. Donnerstng. 20 Uhr. gemeinsame Musiiprod« unlerer Helfer mit dem Sostolistischcn Orchester!» der stnrl.Muri.Schnl«, N-nkäll». Vorstandsstbung Freitag, 18. November, 17 Uhr. in der Geschäft». stelle, Lindenstr. 2. mi strenzbera: Morgen, Donnerstag, B a d« n in der Baerwaldstraß«. � Treffen 186« Uhr in der Vorhalle. Ausweis und 12 Pf. mitbringen. Alle für beute, Mittwoch, angesetzten Neigungsgebiete werden auf nächsten Mittwoch verlegt. Nächste Helfersltznng Mantag, 21. Rvvember. 20 Ubr, Manteusfelstr. 7. ckharlottendvig. Donnerstag, 20 Uhr, Elternabend im Heim Rvstnenstr. 4. Referent: Genvfstn Raeder. Neukölln! Mvraen. Donnerstag, 20 Uhr HeUersttzung Im Kreisb«im. Matertal abholen.— Abt. Jungvolk: Mvrgen. 19 bis 2m Uhr, Bunter Elternabend in der Karl-Marr-Schule. Lichtbilder und Bericht aus dem Variier Laaer.— Abt. Lichtkämvf-r: Junakvlken heule, Mittwoch, 14 Uhr, Basteln im Kreisheim, an- schlietz-nd Keimnvchmittvg. Abt. Köpenick: Die Jung-»nd R0tt Falken gehen am Sonntag ins Museum für Meereskunde. ToeU-n 9 Ubr Bhf. Kävenick. Zurück 14 Ubr. 30 Pt, mit- bringen.— Heut«. Mittm-ch. Fahrt der Restfalten nach Rüdersdorf. 10 Uhr Bhf. Köpenick. 45 Pf. mitbringen, heute, Mittwoch. 20 Uhr: Norden: Trekspunkt zur Fahrt 7 Uhr Bhf. Gesundbrunnen.— FaUplatz I: Schnipselsahrt. Treffpunkt 8 Uhr Bhf. Schönhauser Allee.— Audroasplatz I: Brommvslr. 1: Die Mädel gestalten den Abond aus.— Baltenplatz: Wanderung durch Alt-Berlin. Treffpunli 13�6 Uhr Weberwiefe fRormaluhr).— Front- furter Viertel, Franlfurter Allee 807: Bunter Abend.— Warschauer Viortcl RA.: Litauer Str. 18: Heimabend.— Spandau. Aelterc: Lindenuker 1: Arbeitsgemeinschaft.— Steglitz I: 16 Uhr Zusammenkunft beim Genossen Auchier.— Neukölln I: Schnitzelfahrl. Tresfpuntt 6 und 7 Uhr„Rote Ecke". 60 Pf. Un- kosten.— Bohnsdorf und Foll-nberg: Wachtelstr. 1: Bunter Abend.— Fried- richsbogon: Friedrichstr. 87:„Kapitolistiichc Wirtschaft".— Lichtenberg-Ritte, Trosfpunk, zur Schnipselsahrt 7 Uhr Bds. Stralau-Rummclsburg 1916 Uhr Heimabend.— Warschauer Viertel: Tresspunkt zur Fährt 7 llhr Warschauer Brücke.— Mahlsdorf: Geländessiel. Morgen, Donnerstag. 20 Uhr: «rnswalder Platz II: Schünlanker Sit. 11, B. 3: Heimabend.— Fallplatz I: Sonnenburger Str. 20: Elternabend:. Sozialistische Erziehung".— Human». Platz: Sleimstr. 33—35:„Warum Klassenkomvs»"— Nordost II: Donziger Straße 62;„Die Wirtschast im Wandel der Zeit", II.— Schönhauser Borstadt: Sonnenburger Str. 20: Heimabend.— Lalletche» Tor: Dorckstr. 11:„Soges- volitii".— Haseabeid«: Wasscrtorstr. 4:„Die stmderireundebemegung".— stott- düster T»r: Urbanstr. 167:..Der Faschismus in Italien und sein Sieg"— stävenicker Viertel: Manteusfelstr. 7: Revvlutionsfeier.— Sfido-cft: Lindenstr. 4: Arbeitsgemeinschaft.— Schönrberg M: Hauptstr. 15: Di- Mädel gestalten den Abend aus.— Warsck-auer Viertel: Litauer Str. 18: Arbehsgemeinschast.— Ebarlottenbnr« RF.: Rvstnenstr. 4: Bunter Abend.—«cstenb: Svvrtplaß W-stend' lO-Minuten- Referate.— Zehlenbors-W»st: Zinnawwaldschule:„Ar beiterbildungsschule", II.— SDöneweibc I: Be-liner Str. 3l:„Völkerbund und 'Abrüstung".— T"gel: Schöneberger Str. 3:„Revolution", l.— Buch: Linden- Hosstraß«: Schollvlattenabeud Wer-'-bo-irk Mebdin»: Iiingerenkursus:„Politische Schlagwörter", RefermN Georg Albrecht, Heim Vutbusser Str. 23. Merbebezirl Osten: Arbeitsgemeinschaft„Marxismus" letzter Abend, Litauer lotrvbe 18. Morb-be-irk MP�-llee: Kurlus kstr A-ltere:„Kovilalistisch- Krike- sozio. listjscher Aufbau", Referent Jus. D>e8»rich. Heim Grünauer Str. 5. Werbebe-iek Neukölln:„Der Querschnitt" probt lOst- Uhr Steinmetzstr. 114. Kpwerkscbasig-�uoknv Sterbetafel der Groß«Berliner Partei«Organisation 52. Att. Unser Senoste Heinrich Tobel Donnerstag, 1361 Uhr, in Stahnsdorf. West von n ist verstorben. Beerdigung >tr großen Kapelle au». III Gozialististve Arbeiterjugend Groß-Verlin Elnlendungen kür vleje Rubrik nui un bcls Zuqcnbi-k'ptnnal Berlin SV K8 Lwdenstrnke 2 vorn I Trevve rechts t? Heute, Mittwech, 16. November, um 19>„ Uhr, lagen die Gruppen: Süd- wcsten- Schnitzelsabrt von Erkner»ach Rüdersdorf.— Rordrina: Fobrt -um Maxs,,.— Arnowalber«'ad: Wir sind auf Fahrt— Neukölln: Schnitzelsahrt. 7V. Ubr Treffen Bahnh-i Neukölln.— H'"ubaldt- Wir geben aus Fahrt.— Tdoetottenburq: Fahrt. Tr»ssp"n!t 7 Ubr Wilhelm"!'-«.— J-o-nd. arupvc de,»«samt»eröanl>-»- Fabrt nach Erkner— Rlldersdors ISämlWoM). Trelsnunkt 7 llhr Bahnhof Stralau.Rnmmelsbura(Einganq S-nntaall-as-e!. Unkosten 60 V.— Facharnuve Gärtn-eei und Binb-r-i: Jugendbcim Enaes. ufer 24—25. Diskusli-nsabend:. Der sreimillige A?b'it,di-nst".— Juae-dor-vve be« D-nt'ch-n Se?H>»>na-»rheitrrverbond«»: Schnitzelfahrt. Treflpunkt 8 Uhr O.Bahnhof Alelanderplatz. �.WenhErmw fy* �entro'perbanhc« her 2lnaeffe(lten Heute, Bußtag, keine Leranftaltunget,. Freidenlerkundgedung Rantag. de» 21. Novewber, im Sportpalast. Alle> SBD..? Gruppen, die am 21. keinen Heimabend durchführen, beteiligen stch an der Wittschuß. Petersburao, Sti■>. Fro'n nslltzung. „Atü-Arbiilee Adlerrhof, Senn-bend. IN. Kundgebung. Sintritlslarten zum Preise von 10 Pi. stnd in, Sekretariat zu haben. Fahnen mitbringen. Für Fahnenträger ist der Eintritt frei. Pealetarische» Orchester der SAJ.: Heute, 14 Uhr, Probe im Jugendheim Lindenstr. 4. Margen Gr. B.: Prob« 20 llhr im Zeichensanl der KMS., Neukölln. November, Wj Uhr, bei Mitgliedsbuch mitbringen. Ardrit-gemeinschas! so-iaidemolratischcr Dentisten. Donnerstag. 17. Nevem- ber, 20 Uhr. Landrccs Wcißbierstuden. Grunerstraßc, Vortrag des Genossen Dr. Lewin über„Sozialhngiene". S)ie föurengeneralin S&ild einer grau/ Von Slfe tliöbus Erweiterter Außenhandel Der Auafuhrüberschuß bleibt stabil Nuch im Oktober hzt die l e i ch t e B e l e b u n g des deutschen Außenhandels, die schon im September zu verzeichnen war, sich sowohl bei der Ausfuhr wie bei der Einfuhr fortgesetzt, Di« Einsuhr sti«g wertmäßig von 360.2 aus 338,2 Millionen und die Ausfuhr von 443,8 auf 481,7 Millionen Mark, Die gleiche Steigerung aus der Ein- und Aussuhrseite hat den Export- Überschuß mit 83,3 gegen 83,6 Millionen Mark im vorhergehenden Monat stabil gelassen. In den letzten drei Monaten, August bis Oktober, ist die Einfuhr von 331,5 auf 398,2 Mil- lionen Mark, also um rund20Proz. ge- stiegen, während sich die Aussuhr in dem gleichen Zeitabschnitt von 428,2 aus 481,7 Mil- lionen Mark, also um 12,5 Proz, gehoben hat. Man wird diese Ausweitung des deutschen Außenhandels nicht nur auf saisonmäß'ge Gründe zurückiühren können Zwar erfährt der Außen- Handel im Herbst regelmäßig eine gewisse Belebung, aber die Steigerung in den oer- gangenen drei Monaten ist gegenüber der gleichen Zeit des Vorjahres bei der Ausfuhr um ein Drittel höher und bei der Einfuhr sogar mehr als doppelt so stark. Auch wenn man berücksiibtigt, daß die Mcngensteigerung im vergangenen Jahr bei der Ein- und Ausfuhr durch die scharf absinkenden Preise vielfach über- deckt wurde, und daß seit August d. I, sowohl die Preise für Importe wie auch für Exporte sich nahezu stabil verhalten, teilweise sogar ziemlich kräftig gestiegen sind, kann man aus der Ent- Wicklung des deutschen Außenhandels seit dem Monat August doch gewisse Schlüsse aus eine Ueberwindung de; Tiespunktes der Krise ziehen, Mengenmäßig ist die Ausfuhr im Oktober nur um etwas mehr als 7 Proz, gegenüber einer tz�prozentigen Wertzunahme gestiegen, da be- merkenswerterweise der Durchschnittswert der deutschen Gesamtausfuhr sich um 1 Proz. gehoben hat. Bei einem leichten Sinken der Spaltung im Einzelhandel Waren- und Kaufhäuser aus der Hauptgemeinschaft ausgetreten Der verband Deutscher waren- und Kaufhäuser e. V., Berlin, hat gestern nachmittag beschlossen, aus der hauptgemeinschast des deutschen Einzelhandels auszuscheiden. Dieser Beschluß des warenhausvecbandes ist eine der Beschlüsse, die gestern vormittag aus der Mitgliederversamm- lung der hauptgemeinschast gesaßt wurden. Da- mit ist zur Tatsache geworden, was man mit allen witteln zu verhindern gesucht hatte: die Haupt- gemeinschafl ist geplatzt, wahrscheinlich für alle Zeiten, Der Kampf innerhalb des Einzelhandels ist ein gleiches Krisensymptom wie das An- schwellen der Nazistimmen. Die schlimmste Krise des Kapitalismus wurde für den Einzelhandel noch dadurch verschärft daß die politischen und wirtschaftlichen Machthaber Deutschlands einen systematischen Lohn- und Gehalts- und Unterstützungsraub, eine systematisch« Vernichtung der ZNasleukaufkrast durchführten. Als infolgedessen die Umsatzzisfern von Monat zu Monat sanken— bei den kleinen Händlern übrigens nicht oder nicht viel stärker als bei den Warenhäusern—, da verloren weite Kreise im Einzelhandel den Kopf— p o l i- tisch erhoffte man das heil vom Messias Hitler, wirtschaftlich sah man alles Unheil von den natürlichen Konkurrenten kommen, von den Großen, den Warenhäusern(und Konsumgenossen- schaften!). Wenn die Vernunft nichts mehr gilt, dann nutzt es natürlich nichts, die Volkswirt- s ch o f t l i ch e Berechtigung oder Notwendigkeit der Großbetriebe zu beweisen und die falsche Front in der Einstellung der Einzelhändler aus- zu zeigen. Und so nahmen die Dinge diesen Ver- laus. In der geschlossenen Mitglieder- Versammlung der hauptgemeinschast wurde zwar der Antrag, die Verbände der Waren- und Kaufhäuser und der Lebensmittelsilialbetriebe auszuschließen, mit 128 gegen 85 Stimmen abgelehnt. Aber die Minderheit war doch so stark, daß der Warenhausverband gemäß seinen früheren Beschlüssen nunmehr von sich aus den Austritt erklärte. Dieser Entschluß wurde ge- fördert durch einen anderen Beschluß der Haupt- gemeinschoft, nach dem die Steueraus- schösse beaustragt werden, Anträge aus Ein- führung einer Warenhaus- und Ziiialsteuer auszuarbeiten und zu prüfen, ob außerdem(!) eine allgemeine Großbetriebssteuer(wie sie jetzt besteht in der erhöhten Umsatzsteuer) zweck- mäßig erscheine, Dieser Beschluß zeigt mit aller Deutlichkeit, daß die Feindschaft gegen Waren- Häuser und Filialbetriebe innerhalb der Haupt- gemeinschoft jetzt so groß geworden ist, daß ein durchschnittlichen Einfuhrwerte um H Proz, beträgt die mengenmäßige Einfuhrsteigerung im Oktober rund 11 Proz. Den hauptteil an der Steigerung der Einfuhr haben Lebensmittel mit 21 Millionen und Roh- stoffe mit 13 Millionen Mark Mehreinfuhr, darunter an erster Stelle Textilien. Zahlreiche .wichtige Rohstoffe, wie Textilien, Oelfrüchte, häute und Felle, holz weisen eine weitere Zunahme ihrer Durchschnittswerte auf. Die Ausweitung des E x p o r t e s erfolgte in erster Linie durch Steigerung der chemischen Aus- fuhr(4- 9 Millionen Mark), Eisenwaren (-j- 7 Millionen Mark), elektrotechnische Fabrikate (+ 4 Millionen Mark) und als Auftakt für das Weihnachtsgeschäft, Kinderspielzeuge und Papier- waren sje 2 Millionen Mark). 3n den abgelaufenen zehn Monaten d. 3. beträgt der Exportüberschuh Deutschlands 930 Millionen gegenüber einem Ausfuhrüberschuß von 2,17 Milliarden Mark in der gleichen Zeit des Vorjahres. Eine Durchführung der von den Baronen geplanten kontingenlspolitik würde den schon so geschwächten Lebensnerv der verarbeitenden 3nduslrie, den Export, tödlich treffen. Daimler saniert auch nicht! 1931: 13,5 hlill. Rflh. Verlust, 1932: weitere Umsatzschrumpfung Austragen der Gegensätze in aller Oeffent- l i ch k e i t nicht mehr zu vermeiden war, In der öffentlichen Mitgliederver- s a m m l u n g am Nachmittag hielt der Geschäfts- führer der Hauptgemeinschaft, Dr. Tiburtius, das wirtschaftspolitische Referat, das sich nicht nur mit der Not des Einzelhandels, sondern auch mit Fragen der Wirtschasts- und handelsvolitik be- faßte. Im Mittelpunkt dieser Versammlung stand eine Ansprache des Relchswirlschaftsministers Warmbold. Daß Warmbold als der eigentlich V e r a n t- wortliche für Popens Ankurbelungsprogramm die Silberstreifen einer möglichen Besserung mit Liebe nachzog, war zu erwarten Daß die Roh- stoffpreise wieder zurückgegangen sind, sei nicht verwunderlich, da alle Preisbewegung„in Wellenlinien" vor sich gehe. Im großen und ganzen seien Erzeugung, und Pexbrauch.zum Ausgleich gebracht, so daß die Lagervorräte in der Welt nicht mehr anstiegen(aber sie sind noch nicht im geringsten abgebaut und drücken auf die Märkte. D. Red.). Die Verflüssigung auf den internationalen Geldmärkten habe auf die Kapitalmärkte übergegriffen und die englische und französische Zinskonversion ermöglicht. Das Vertrauen ist nach Warmbolds Ansicht gestiegen, weil Reichsbank und Regierung an der S t a b i- litätderWährung festhielten und unbedingt festhalten werden. Warmbold nahm für die Regierung in An- spruch, den richtigen Zeitpunkt für die Ankurbelung gewählt zu haben. Aber er ist sehr zurück- haltend geworden. Wenn keine besonderen Ereignisse einträten, dürfe man hoffen, daß die Besserungszeichen m den nächsten Monaten andauern würden und daß im Frühjahr ein deutlich sichtbarer Umschwung eintreten werde. Aber man müsse„diese ersten Keime der hoff- nung sehr pfleglich behandeln"— und da ist Warmbold nicht ohne Sorge. Er wolle in diesem Zusammenhang— ein deutlicher Seiten- hieb auf die Kontingentsforderungen!— nicht „von der Politik, der er fernstehe", sprechen. Da- alles klingt wesentlich anders als der Optimismus Popens, des forschen Reiters. Man weiß nicht, worauf die deutschen Unter- nehm�r wartm. Nachdem die Schwerindustrie Las böse Beispiel gegeben hat und sich um eine Sanierung und damit verbunden um das längst fällig« Krisenopser des Kapitals her- umgedrückt hat, mehren sich auch die Anzeichen, daß sanierungsbedürftige Großbetriebe der ver- arbeitenden Industrie wegen„Ler Undurchsichtig- keit der wirtschaftlichen Verhältnisse" ihre Sa- nierung auf unbestimmte Zeit ver- tagen. Daimler-Benz ist hierfür ein sehr unerfreuliches Beispiel. Das Unternehmen hat jetzt erst reich- l i ck spät seine Aufschlußzisfern für das Ge- schäftsjahr 1931 vorgelegt, die den Riesenverlust von 15,5 Mill. M ausweisen. Schon 1939 traten Verluste in höhe von 7,5 Mill. M. ein, die noch durch Reserven gedeckt werden tonnten. Für Ab- deckung des 1931er Verlustes bleibt nur noch der Rest des Reservefonds von 2,3 Mill. M. übrig, so daß damit die Reserven völlig auf- g e l ö st sind. Es wird noch ein Buchgewinn von 4,8 Mill. M, durch Einziehung von eigenen Stammaktien zur Verlustdeckung mit herangezogen. so daß noch ein ungedeckter Verlust von 8,4 Millionen üirig bleibt, der aus neue Rech- nung vorgetragen wird. Der Daimler-Konzern hatte in den Iahren 1928 29-4nen Jahresumsatz von je 139 Mil- lionen Mark, im folgenden Jahre sank der Umsatz auf 99 Mill. M. und 1331 bis aus 69 Mill. M. Für Las laufenide Geschäftsjahr rechnet die Ver- waltung mit einer weiteren Umsatz- schrumpsung bis auf 56 Mill. M. Das Eigen- und Fremdkapital. das 1931 schätzungsweise 6? Mill. M. betragen haben dürft« ■— die Gesaknt-iffern der Bilanz liegen noch nicht vor—, wird also von dem Umsatz nur noch wenig übertrofsen, im laufenden Jahre aber bleiben die Umsätze erheblich darunter. Bei sehr angespannter Finanzlage— 19,9 Mil- lionen Mark Forderungen stehen 23,3 Mill. M. kurzfristige Schulden, darunter fast 6 Mill. M. Bankschulden gegenüber— erweist sich der nach wie vor sehr hohe Lag er bestand als be- sonders drückend. Zwar sind die Vorräte von 39,7 auf 28,5 Mill, M. gesunken, wobei selbstver- stättllich SonLerabschreibungen insolge Entwer- tung und Preisrückgänge stark mitsprechen, aber im Verhältnis zum Umsatz sind die Vorräte gegen 1939 noch gestiegen und erreichten rund 41,4 Proz. des Iahreeumsatzes, In diesem Jahre dürfte sich das Verhältnis noch verschlechtert haben, Enstcheideno ist das Abschreibungsproblem bei den stillgelegten oder nur schwach ausgenutzten Anlagen, Wenn die Gesellschaft sllr 1931 6 7 Mil- lionen Mark auf Beteiligungen, Vorräte und Forderungen abgeschrieben hat, so erscheint dies zur Bereinigung dieser Bilanzposten noch sehr gering. Völlig unentwirrbar ist noch der millionenschwere Abschreib ungsbe- darf auf Grundstücke, Gebäube und stillgelegte Betriebe, hier wird eine Anpassung dieser Bilanzposten an den Wertschwund der Krise noch böse Ueberraschungen geben, Um so unverantwortlicher ist, daß der Auf- sichtsrat der so notwendigen Sanierung auege- wichen ist, als ob die Situation bei dem Unter- nehmen nicht genügend Unterlagen für eine wirk- liche Bereinigung bietet. Dieses Ausweichen vor der Wirklichkeit muß die Dinge nur noch ver- schlimmer», und was man unter diesen Umständen von dem Abschluß des größten deutschen Auto mobilunteryehmeNs für 1932 erwarten kann) liegt auf det Hand,■' Auslandsbank aufgelöst Wie aus New Park gemeldet wird, wird die International Acceptance Bank auf- gelöst. Die Auflösung dieser Bank ist eine auch internattonal interessante Angelegenheit. Denn am Kapital dieses weit über den Rahmen der Vereinigten Staaten hinaus bekannten Instituts sind seit der Gründung ausländische Banken in großer Zahl zu insgesamt einem Drittel beteiligt. Die Gründung erfolgte im Jahre 1921 durch das Bankhaus Kuhn. Loeb u. Co. Es war der Zweck der Gründung der Jnter- national Acceptance Bank, das ausländische Bank- geschäft zu entwickeln und insbesondere den amerikanischen Außenhandel durch Ausgestaltung des Akzeptgelchäfts zu finanzieren. Schon in den Iahren 1939 und 1931 ging das Geschäft der International Acceptance Bank katastrophal zurück Das gesamte Vermögen der Bank, das Ende 1939 noch 162 Millionen Dollar, d. h. rund 689 Millionen Mark, betragen hatte, sank bis Ende 1931 aus 85 Millionen Dollar, d. h. auf 357 Millionen Mark. Dieser Rückgang war vor allem eine Folge der starken Schrumpsung des amerikanischen Außenhandels. Nunmehr sollen die Geschäfte des Instituts, dessen Auflösung beschlossen ist, von der Auslands- abteilung der Bank of Manhattan Trust Co. ge- führt werden. Die letztgenannte Bank wurde von der Kuhn-Loeb-Gruppe im Jahre 1929 übernom- men und in Ler nachfolgenden Zeit umorganisiert und ausgebaut. Das Verschwinden dieses Instituts bedeutet heute keine große Lücke. Es ist aber charakteristisch für die augenblickliche Lage, daß ein Institut. a» das amerikanischerseits so große Zutunftshossnungen geknüpft wurden, nunmehr zu existieren auf- hört._ Ein Zeppelinverkehr wird zwischen Holland und Niedcrländisch-Indien erwogen, we-halb Dr. E ck e n e r 1933 eine StuLienreise nach dem malaiischen Archipel unternehmen soll. �locb 39 Prozesse Die Abwicklung der Held& Francke- Pleite Der Konkurs der Industriebau Heid u. Francke A.-G. war der erst« Katzenellenbogen- Skandal, der den Schultheiß-Konzern eine ganze Stange Geld gekostet hat. Die Abwicklung dieser Pleite bringt den Gläubigern immer neue unangenehme Ueberraschungen, da sich die Schätzungen für die Konkursquote immer mehr verschlechtern, Der Konkursverwalter glaubt jetzt, daß nach Befriedigung der bevorrechtigten Gläubiger die Konsortialgläubiger 6 Proz., die übrigen Gläubi- ger 11 Proz. ihrer Forderungen erhalten wer- den. Ob dieses Ergebnis wirklich erzielt wird, ist sehr fraglich. Es sind nämlich Forderungen in höhe von 21,9 Mill. M. geltend gemacht worden, von denen nicht weniger als 13,5 Mill. M. bestritten worden sind. Daran knüpft sich ein endloser Rattenschwanz von Prozessen. Seit Konkurseröffnung find nicht weniger als 69 Rechts st reitigkeiten ent- standen: 39 Prozesse sind noch nicht erledigt. Da- nach muß damit gerechnet werden, daß sich die Aussichten für die Gläubiger noch wesentlich ver- schlechter». Interessant ist übrigens, daß die er- hoffte Ermäßigung der Steuerforderungen be- reits in die Rechnung«ingestellt ist, nach der die oben angegebenen Quoten ermittelt wurden, �waf/onsstoff-p.,, wrtinensfoff. nf, Laure�off.t£ f Öufs'fzenc/e\ QualHä-fs-Cbrselef t�'Jec/e jujjurijie r'cht'�e jorrr) A Corsefe+wte Abb- DAMEN-WÄSCHE HANDSCHUHE' TRIKOTAGEN Sportgürtel i a« sehr guter Kröche«, seitlich zum Koken....Stück| /O 9 Hüfthalter Brochee, mit 2 Gummiteilcn, longe Form...Stück T /8 8 Hüfthalter mit Rwckenichnorung, 0% f% m sehr guter Satin, erprobte Form........... Stuck JL/�r 9 Hüfthalter guter Brochee, Seitenschluss, mit Gummiteilen, St. 2�9 5 mit Mechanik und Rück.. U Spezialform für Starke, nuirnaiier mit Mechanik und Rück., m Schnürung, fest abgestepptes Vorderteil---- Stück fw\3 �■1- haltbarer Brochee, sehr worseiers gut ausgearbeitete Char- � meusc-Brust, Rückenschnürung.............. 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Stück I/ 9 Nachthemden m;t lonten-5© e Aermeln, guter Wäschestoff, mit Stickerei, Stuck A/7 3 Flanellpyjamas« Qn schwere Qualität, moderne Ausmusterung, Stück Hausanzuge kunstseidener M A. C Trikot, fein angerauht, mit Verschnürungen, Stuck"F/ W 9 Damen- Handschuhe n 0c Trikot, mit warmem Innenfütter............. Paar 9 Damen- Handschuhe,.- gestrickt, reine Wolle, mit Flauschmonschette, Paar| /"f1 9 Damen- Handschuhe oc Wildled.-lmit.,mod.Schlupftorm, Samt-Garn., Paar JLf JL 9 Verkeut soweit Vorrst Metlgen- •bgthe vorbehalten ) ( Theater, Lichtspiele usw. «»»IS Äk Theater Mittwoch, den 16. November staatsoper Unter den Linden ISVa Uhr Pa rsif a I staatliches Schauspielhaus 20 Uhr Wilhelm Teil VOLKSBUHNE Theater am Bulowi»iatx D 1, Norden 2944. »i/s Uhr Heute geschlossene Vorstellung C II M fcl V von Marcel Pagnol ? MMSM» Kegie Hein? Hilpert Uorsch. Tiedtke, Valetti.' Siedel VtAZA HEUTE BUSSTAG 2, 5 und 8 15 Uhr „HEIMAT" Schauspiel von Herrn. Sudermann m BAJAD A Operette von Emmen-- Heule gescfalosten »■Tühr CflSlflO- THEATER � Lothringer Strohe 37, iiiiiiMiiiiimtliiiiiiiiniiiiiiiiMiiiiiiHniniMiniiitiiiiiniiiiiiiniiiii Ba�tag geschlossen Morgen und lolgende Tage Die Liebe blübt in Werder Totensonntag 2 Vorstellungen Xachmitiags 4 und abends Uhr „Der Weibsteufel'* Donnerstag, IT.November nachmittags 2 Uhr Preis von der Zugspitze sSb inafiCcnx siam. oper Charlottenburi< Fraunhofer 0231 Mittwoch, 16. Nov. Turnus I 19 Uhr Die Walküre Rode, Larsün, Todscn als Gast, Friedrich, Hartmann, Andtüsen, Thorborg Dir Stiedrv netropoi-Ttieaier Heute geschl. Ab morgen täglich S'n Uhr Znhi Massary Iin Eine Frau, die weifi, 1 was sie will! —Theater id.— Stresemannstr. Heute BuBtag u. Totensonntag 8H Uhr Iphigenie von Goethe ab morgen täglich S'h Uhr :ii wall. Bsüiäniwia v. Bernard Shaw Moissi, v Thell- mann. Benens. Evans.Oito, Lima. Wiemann. Deppe. de Kowa. Theater im Admlraispaiast Merkur 9901 BuBtag u Totensonntag geschlossen Täglich S'h Uhr Hans Albers L i Ii o m Deutsches Künstler-Th. Nürnberger Str. Tüslich»V-ühr auch heute Buhtag und Totensonntag Leopoldine Konstantin in: Die Ä'acht zum 17, April AOltlllUtl Adiiung! Verwaltanäsmllilleder! Freitag, den 18. Slaoember 1932, keine Sitzung der Mittleren Ortsverwaltun". Die Orisverwailung. JUERGEN5 Alexanderplafz Neue Königstr.4-3 üuittimgs Etoboji u nrHIomemarKm ferfifif 5eiJ Jahren Ob Spc�zidlilot fonnid Müller Inserieren bringt Erfolg! BadstraßeTO Müllerstraße 174 Prenzlauer Allee 204 Homöopathie Nier n*. Blasen-, Leber-, Valien-, Magen-, Darni-.| Innere u. Nervenl.f tlüuzstr* O Behanfll. nor 2 M. LUSCI i» z. 4-7. Sb». b. s Am Sonntag, dem 13. November 1932, verschied unser lieber Kollege und Mitkämpfer Hermann immer im 65. Lebensjahr Ein Leben lang hat er auf sozialpolitischem Gebiet für den Aufstieg der Arbeiterklasse sein ganzes großes Wissen und Können eingesetzt. Ehre seinem Andenken! Allgemeiner Deutscher DewerKschaftshund Bundesuorstand und mitarbeiter im Bundeshüro. Die Trauerfeier findet Freitag, den 18 November, 17 Uhr. im Krematorium Baumschulenweg, Kiefholzstraße, statt. Komödientiaus Schillhauerdamm 25 0 2 Weidend. 6304—05 8 Uhi Der Biberpelz) von Gerlurt Hmplminn Donnerstag bis Sonnabend letzte 3 Antföhrungen Auslandreise mit Felix Bressart iTheateriWestens Steinpl. 5121 Heute Bußtag u.Toten- sonntag M/4 Uhr lugend mit Maria Paudler und Andree Mattoni Ad morgen täglich 8'. 4 Uhr Oer Sensationserfolg Katharina KLEINE ANZEICEN uiniiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiimnmiii öberschrif Iswort 20 Pf.Jextwort 1 0 Pf. Wiederholungsrabaft: 5 mal 5%. 3 mal 71/»%» T2 mal 10%, oder 1000 Worte Abschluß 10%, 20C0 Worte 15% 4000 Worte 20%. 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