Morgen-Ausgabe Nr. 541 A265 49. Jahrg. Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lmdenstr. 3 F-msprech«!«7 Ami vönhott«2 bi» Z»7 Telegrammadresfe- Kozlaidemokrai-D«rlin BERLINER VOLKSBLATT MITTWOCH 16. November 1932 In Groß- Berlin 19 Pf. Auswärts....... 15 Pf. DezugSbebingungen und Anzeigenpreise siehe am Schluß dcS redaktionellen Teil« Jentratoega« der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Ansere Antwort an papen Herr von?apen ist kür cüe Lo�ialüemoicratie nidit verhandlungsfähig Der Vorstand der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion erläßt die folgende Er- klärungi Der Vorstand der sozialdemokratischen Reichstagssraktion hat in seiner Zitmng vom Dienstag, dem 1-». November, ein- stimmig beschlossen, der Einladung des Reichskanzlers von Papcn zu einer Unter- redung in der Reichskanzlei nicht zu folgen. Ter Reichskanzler von Papen hat durch zweimalige Auflösung des Reichstags das deutsche Volk zweimal über seine Re- gieruugspolitik befragt und zweimal ver- nichtende Abjagen erhalten. Die Ber- fafsung, die er beschworen hat, gibt ihm nicht das Recht, weitere Verhandlungen zu führen, sie verpflichtet ihn vielmehr zum Rücktritt. Der Reichskanzler von Papen hat sich bei seinem Vorgehen gegen die recht- mastige Regierung Preustens über die Verfassung und den Lpruch des höchsten Gerichts ebenso hiuweggeseht, wie er durch sein Verbleiben im Amte das Urteil des Volkes mistachtet hat. Gr hat in seinen öffentlichen Reden die Parteien ver- unglimpft und diejenigen, die sich seiner Politik entgegenstellen, als Feinde des Volkes bezeichnet,«ein ganzes Verhalten macht ihn als Verhandlungspart- n e r für die Tozialdemokratische Partei ungeeignet. Die Zozialdemotratische Partei erblickt in dem Reichskanzler von Papen den Tachwalter einer winzigen Minderheit, die sich in rücksichtsloser Wahrnehmung ihrer eigenen stlasseninteressen nicht scheut, über das GrundgcseK der Republik und die Rechte des Volkes hinwegzugehen. Der Vorstand der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion kann aus allen diesen Gründen von der geplanten Besprechung ein Grgebnis nicht erwarten. Gr hält es jedoch für notwendig, in aller Seffent- lichkeit seine Stimme zu erheben gegen eine Politik, die sich mit jedem Schritt von dem Boden des Rechts weiter entfernt. Gr wendet sich aufs schärfste gegen die öffent- lich erörterten verbrecherischen Pläne, die darauf abzielen, die durch Beschlust der Nationalversammlung rechtmästig zu- standegekommenc Verfassung auf ver- fassungswidrigcm Wege abzuändern und fordert den Rücktritt dieser Regierung. Frankreichs Buögetforgen 1,3 IWIHaräen Mark Defizit Eigener Bericht des„Vorroärts" Poris. 15. November. Die Regierung Hai am Dienstag in der Kammer den Budgetentwurf für 19 ZZ eingebracht, der endlich Aufschluß über die Mahnohmen gibt, mit denen das etwa 8 Milliarden Franken betragende Defizit gedeckt werden soll. Das Budget balanciert mit etwa 47,8 Milliarden Franken. Das ursprünglich vorhandene Defizit soll auf folgende Weise beseitigt werden: 1. Neue Ein- schränkungen bei den Sachausgaben eine halbe Milliarde: 2. Mahnahmen gegen den Steuerbetrug eine Milliarde: 3. neue Steuern(Erhöhung der Einkommensteuer, Steuer auf Automobil- transporte usw.) I'j Milliarden:,!. Ueb ertragung einiger öffentlicher Arbeiten aus dem Budget in einen besonderen Gesetzentwurf IIb Milliarden, die auf dem Anleihewege aufgebracht werden sollen: 5. Schaffung einer Pensionskasse, deren Betriebskapital ebenfalls durch eine Anleibe au»- gebracht werden soll, wodurch das Budget um 2,1 Milliarde entlastet wird: 6. Senkung der i e n s i o n e n Beamtengehälter und 1,4 Milliarden. Die Senkung der Beamtengehälter beträgt 2, 3, 5, 7 und 10 Proz., steigend mst der Höhe der Gehälter über 12 000 Franken. Ferner sollen die Repräsentationszulagen um 10 Proz., die übrigen Aulagen mit Ausnahme der Familienzulagen um 20 Proz. gekürzt werden. Was die Ersparnisse bei den Kriegsinvoliden- und Kriegsteilnehmer- Pensionen betrifft, so sollen den im Kriege er- krankten Personen, die nicht an der Front ge- standen haben, sowie den wiederver- heirateten Kriegerwitwen die Pen- sionen entzogen werden. Das gleiche ist mit den Kriegsteilnehmerrenten für Personen vorgesehen, die über ein gewisses Einkommen verfügen. Da der Entwurf, der wegen der neuen Steuern und Anleihen von den Rechtsparteien und wegen der Kürzung der Beamtengehälter von den Sozialisten bekämpft werden wird, unmöglich bis Ende des Jahres oerabschiedet werden kann, bereitet die Regierung schon einen neuen Gesetzentwurf für die Ausgaben der beiden ersten Monate des Jahres 1933 vor, der zwischen Mitte und Ende Dezember dem Parlament unterbreitet werden soll. Ausflüchte im Altonaer UombenprozeQ Eigener Bericht des„Vorwärts" Hamburg. 15. November. In' dem großen Prozeß gegen die schleswig-holsteiniichen Boniben- attentäier vor dem Altonaer Sondergerich: unternahm der nationalsozialistische Verteidiger Freister neuerdings eine grohe Offensive, um die Glaubwürdigkeit der Zeugen, die die An- geklagten durch ihre Auslagen auf das schwerste belastet hatten, zu beeinträchtigen. Den Zeugen R e i ch s w e h r i c I dm e b e l a.D. B u[ii der der Staatsanwaltschaft die Ranien der SS.-Leule genannt hatte, die das 2ltlentat in Glüsing verübten, bezeichnete er als einen un- glaubwürdigen Menschen, der seine Aussagen nur gemacht habe, um sich die ausge'etzte Belohnung zu verdienen. Gegen diese Behauptungen der Per- teidigunz stehen die Aussagen des am T'ge vor- her eidlich vernommenen Kriminalsekre- t ä r s W o i n k e aus Flensburg, der die Berneh- mung Baum« durchgeführt Hot und dem Gericht Den dritten Hauptbelastungszeugen, den ehe- maligen SS.-Mann Thomjen, der am Freitag sensationelle Bekundungen über die M i h st ä n d« in der nationalsozialistischen Be- w e g u n g und über die Vorgänge während der Wahlnacht in Altona gemacht hatte, bezeichnet die Verteidigung ebenfalls als nicht glaubwürdig. ohne aber besondere Beweise für diese Behauptung beibringen zu können. Der Zeuge Thomsen selbst bleibt bei einer Gegenüberstellung mit einem seiner ehemaligen Kameraden bei seiner Aussoge. erklärte, dah er selbst den Zeugen Baum erst nach der Erstattung der Anzeige auf den ihm zustehen- den Anteil' an der ausgesetzten Belohnung aui- merksam gemacht habe. Der eigentliche Grund der Angaben Baums wäre aber die verlogene Berichterstattung der nationalsozialistischen Zeugen gewesen, die die Bombenattentate als das Werk linksgerichteter Kreise bezeichnet hätten. Darüber hinaus sei aber auch der Zeuge über die national- sozialistische Bewegung, der er früher angehörte. auherordentlich enttäuscht gewesen, so dah er keinen Grund mehr gehabt hätte, zu verschweigen, was er von den Bombenattentaten wußte. Dem Referendar Ehlers, der im Aui- trage der Staatsanwaltschaft Altona die Bernch- mung einiger Angeklagten vorgenommen hatte, warf die Verteidigung vor, daß er sich das Ber- trauen der Angeklagten zu erschleichen oersucht hätte, indem er sich als Mitglied der National- sozialistischen Partei ausgegeben hätte. Der Zeuge Ehlers bestreitet diese Behauptungen entschieden und weist die Verdächtigungen über nicht einwand- freie Vernehmung entschieden zurück. Eine zweite Frage der Verteidigung an den Zeugen, ob er mit SS.-Leuten gemeinsam gezecht Hab«, lieh der Vorsitzend« d«s Sondergerichts nicht zu. Tragikomödie von Eutin Wo bleibt der Papen-Komrnissar? Eigener Bericht des„Vorwärts" Eutin, 15. November. Das Willkllrregiment der Nazi- regierung und ihrer in hohe Aemter ge- schobenen Günstlinge stößt in der Bevölkerung aus immer heftigere Empörung. Aus einem deutschnationalen Prote st schreiben an die Naziregierung in Oldenburg ist zu ersehen. daß in Oldenburg die S A. nicht nur H i l f s- Polizei ist, sondern, daß hier auch mehrfach vorbestrafte Verbrecher Unterschlupf gefunden haben. Zwei SA.-Leute, die jetzt Polizeidienst verrichten können, werden in dieser deutschnotionalen Denkschrift des Bomben» attentates gegen eine Konsumver- e i n s s i l i a l e beschuldigt. Die deutschnationale Verärgerung ist durch de» Naziregierungspräsidenten verursacht, der den deutschnationalen Bürgermeister und den Polizei- kommissar von Eutin mit Gewalt ihres Amtes enthob, weil sie sich weigerten, zwei preußische Kriminalbeamte zu verhasten, die an der Auf- klärung von Spreng st ossattentaten der Nazis gearbeitet hatten. Jetzt ist auch die Amtsenthebung des Polizeikommissars rückgängig gemacht, aber der Nazipräsident hat ihm ein Disziplinarverfahren ange- hängt und ihn einfach in Urlaub geschickt. Kein Wunder, daß bereits die Wahl vom 8. November eine Katastrophe für die Nazis gewesen ist und daß die Bevölkerung von Oldenburg die Erlösung vom Dritten Reich täglich heißer ersehnt. Zvm Tode von Hermann ZNüller-cichsenberg hat Reichsarbeitsminister Schäfier dem Bundes- Vorsitzenden des Allgemeinen Deutsche» Gewerk- schastsbundes zugleich im Namen der Reichsregie- rung sein Beileid ausgesprochen. Kampfansage Herr von Papen. der Chef des Kabinetts der Barone, hat die Genossen Wels und B r e i t f ch e i d für heute zu einer Unter- redung eingeladen. Er hat auf diese Ein- ladung eine Antwort erhalten, die an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig läßt. Was will Herr von Papen Sozialdemo- traten sagen? Was will er von der Sozial- demokratie? Herr von Papen— das ist der Mann, der in seiner ersten Regierungserklärung alle republikanischen Regierungen des Reichs be- schimpfen ließ! Hat er ihnen nicht vorge- warfen:„sie haben den Staat zu einer Wohlfahrtsanstalt zu machen ver- sucht und damit die moralischen Kräfte der Nation geschwächt"? Dieser Satz zielte auf die sozialdemokratische Staatspolitik und ihre Leistungen für das Volk. Was will Herr von Papen heute von den Männern, die„die moralischen Kräfte der Nation geschwächt" haben? „Die Nation wird vor die klare und ein- deutige Entscheidung gestellt"— so ließ Herr von Papen vor fünf Monaten verkünden— „mit welchen Kräften sie den Weg der Zu- kunft zu gehen gewillt ist." Die Nation hat seitdem schon zweimal klar und eindeutig entschieden: mit ihm nicht! Was haben wir mit diesem Mann und seinen Plänen zu schaffen? Wir kennen ihm und seinen Pro- jekten gegenüber nur eine Haltung: schärf st en und rücksichtslosen Kampf! Den Deklamationen des Kabinetts Papen gegen die republikanischen Regierungen und den Wohlfahrtsstaat sind bald Taten gefolgt. Das ganze arme und werktätige Volk weiß davon zu erzählen! Die Arbeiter von Lohnabbau, die Erwerbslosen von Kürzung der Arbeitslosenhilfe, die Zu- g e n d l i ch e n vom Wegfall aller Unter- stützung, die Kriegsopfer von Renten- kürzung! Für sie alle weckt der Name Papen nur einen Schrei der Empörung, des Pro- testes, sie alle kennen ihm gegenüber nur eine Forderung: fort mit Papen! Herr von Papen ist der Mann des 26. Juli. Verhandlungen mit diesem Manne? Nach dem Leipziger Urteil verhandelte Minister- Präsident Braun mit dem Reichspräsidenten im Beisein des Herrn von Papen. Noch während dieser Unterredung ließ Herr von Papen den zweiten Streich gegen Preußen ausführen, die Auflösung des Wohlfahrts- Ministeriums, die Ernennung von Reichs- ministern zur Ausübung der Diktatur in Preußen. Es kam zu einer zweiten Unter- redung zwischen Otto Braun und Papen, zu der Papen eingeladen hatte. Unmittelbar darauf erfolgte �>er große Streich gegen die republikanischen Beamten. Die Regierung des Herrn von Papen hat in Preußen gezeigt, was sie ist und was sie will. Sie ist ein regierender Ausschuß der feudalen Reaktion. Sie will zurück zum alten System, in dem das Volk entrechtet war. Sie erblickt in den„Marxisten" Staatsbürger zweiter Klasse. ganz nach dem Vorbilde Wilhelms, dessen Hochmut gegenüber dem Volke in Doorn ge- endet hat. Dies alles, die soziale Reaktion, die Ver- fassungspläne zur Entrechtung des Volkes, das Wüten gegen den Wohlfahrtsstaat deckt sie mit dem Wort„nationale Kon» z e n t r a t i o n. Zur Durchführung dieser „nationalen Konzentration" will sie verhan- dein. In ihrer Isolierung vom Volke sucht sie Bundesgenossen bei Parteien, die ihr helfen sollen. Da die Nation klar und eindeutig entschieden hat, daß sie mit Papen und Genossen nicht den Weg in die Zukunft zu gehen gewillt ist, suchen Papen und Genossen Mittel, um ihren Weg in die Zukunft gegen die Nation zu gehen. Die sogenannten Verhandlungen mit Parteiführern sind ein Zug im Spiel des Kabinetts der Barone, das immer klarer wird. Der Charakter dieses Kabinetts wie feine wahre Tendenz, seine Wendung gegen das Volk und Parlament soll damit verdeckt werden. Die Sozialdemokratie wird solche Versuche zur Maskierung der„nationalen Konzentra- tion" im Zeichen der Barone rücksichtslos zerstören! Sie wird den Kampf gegen die politische und soziale Reaktion organisieren. Sie wird die breite und tiefe Kluft, die Klassenunterschied und Klassenwille zwischen dem arbeitenden Volke und dem Kabinett der Barone reißen, auch durch noch so leere Verhandlungsgesten der Barone nicht oer- nebeln lassen. Was Herr von Papen über die Haltung der Sozialdemokratie zu erfahren wünscht, das wird er in vollster Oeffentlichkeit er- fahren! Der Parteiausschuß der Sozialdemokratischen Partei hat ihm erklärt: � schärfster und rücksichtslosester Kampf! Der Vorstand der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion wiederholt diese Kampfansage und fordert seinen Rücktritt. Mehr hat ihm die Sozialdemokratische Partei nicht zu sagen! Neuer Konflikt in Preußen Landtagsausschuß ohne Regierungsvertretung Absage des Zentrums An die ,,Refonn"-Pläne Im Mitteilungsblatt der Deutschen Zen- trumspartei wird über die Haltung der Partei zu den jetzt im Vordergrund des poli- tischen Interesses stehenden Fragen der Verfassungs- und Wahlreform mitgeteilt: Die Reformen, die zur Behebung der Mißstände erforderlich sind, können ohne Beeinträchtigung der demokratischen Grundlage unserer Verfassung durchgeführt werden Echte Autorität ist begründet im Wesen der menschlichen Gesellschaft und ist. in ihrer konkreten Form keMeswegs an die oer- schlciert diktatorische» Methoden einer sogenannten autoritären Regierung gebunden. Aus dieser unserer Grundhaltung heraus lehnen wir alle Pläne der Regierung ab. die auf eine Ausschaltung oder Entrechtung der gewählten Volksvertretung hinauslaufen. Wir können nicht der Errichtung eines Oberhauses zustimmen, das sich überwiegend aus nicht gewählten, sondern berufenen Mit- gliedern zusammensetzt und vermöge seiner Rechte den Reichstag praktisch ausschalten oder lahmlegen kann. Bei der heutigen Machtschlchtung in Deutsch- land besteht in jedem Falle die Gefahr, daß einem solchen Oberhaus in kurzer Zeit alle politische Macht zufallen würde. Aus gleichen Gründen wehren wir uns auch gegen die Bestellungelnes Präsidial- rats, der überdies angesichts des schon bestehen- den Reichsrats als überflüssig angesehen werden muß. Dagegen sordern wir eine genauere Festlegung der Rechte des Reichspräsidenten, insbesondere seiner Befugnisse aus Artikel 48, die zugleich aus fest bestimmte konkrete An- wendungssälle festgelegt werden müssen. Wir lehnen jeden Versuch ab, da» allgemeine, geheime und direkte Wahlrecht zugunsten irgendwelcher Bevorzugungen einzelner Sreise, z. V. durch ein pluralwahlrechl abzulösen. Die Mängel des bestehenden Wahlrechts werden auch von uns gesehen, doch machen sie keine so um- stürzenden Resormen notwendig, wie die Regierung sie zu beabsichtigen scheint. Eine Verkleinerung der Wahlkreise und eine Beschränkung de« Listen- Prinzips würde den gewünschten Erfolg herbei- führen." Der Unterausschuß des Hauptausschusses des Preußischen Landtags, der am Donners- tag wieder zusammentrat, um über Anträge der Nationalsozialisten und des Zentrums zu Spar- maßnahmen und zur Frage der V e r- waltungsreform zu beraten, stellte bei Er- öfsnung der Sitzung fest, daß Regierung?- Vertreter nicht erschienen waren. Der Vorsitzende teilte mit. daß er vergebens versucht habe, aus telephonlschem Wege festzustellen, ob und welche Regierungsvertreter er- scheinen würden. Die Abgg. Schwenk(Komm.) und H i n k l e r (Nsoz.) waren der Ansicht, daß in der Nicht- entsendung von Regierungsvertretern eine B r ü s- kierung des Landtags zu erblicken sei und deshalb dem Hauptausschuß selbst eine scharfe Entschließung zur Annahme empfohlen werden müsse. Demgegenüber vertraten die Abgg. L e i n e r t (Soz.) und Dr. Hamburger(Soz.) die Aus» fassung, daß der Hauptausschuh kaum für eine Klärung der Sachlage zuständig sei. Wie der Vorsitzende mitteilte, hat er zu- sammen mit dem Landtagspräsidenten Kerrl eine längere Unterredung mit Reichs- kommissar Dr. Bracht gehabt. Dieser habe empfohlen, man möge Kommissare anfordern, allerdings hätten diese keine anderen Befugnisse, als Auskünfte zu erteilen. Die kommissarische Re- gierung sei dem Landtag nicht verant- w o r t l i ch und die frühere Regierung habe keine Befugnisse. Verantwortliche Minister gäbe es zur Zeit in Preußen nicht. Dr. Bracht habe zum Ausdruck gebracht, daß er bereit gewesen wäre, einem Ersuchen entsprechend vor dem Rechtsausschuß zu erscheinen, doch habe ihm das Urteil des Staatsgerichts- Hofs diese Möglichkeit genommen! Im übrigen sei für ihn die Mitarbeit des Landtags gegenstandslos. Abg. Diel(Z) erklärte, daß es nach diesem Ergebnis keinen Zweck mehr habe, in die sachliche Beratung der Anträge einzutreten. Man werde vielmehr mit einer scharfen Entschließung in die Oeffenllichkeit gehen müssen. Es entspann sich dann eine längere Aussprache über die Frage, ob man nicht den Minister- Präsidenten Braun und Ministerialdirektor Brecht herbeirufen solle, was von leiten des Zentrums und der Kommunisten befürwortet, von den Sozialdemokraten und den Deutschnationalen aber abgelehnt wurde. Bon der Herbeirufung wurde Abstand genommen. Ueber die Frage, ob nicht nunmehr ein« neue Klage beim Staatsgerichtshos einge- reicht werden müsse, um der alten Regierung die ihr durch das Leipziger Urteil zugestandene Aus- Übung ihrer Befugnisse zu ermöglichen, und von wem diese Klage ausgehen müsse, konnte eine Klarheit nicht erzielt werden. Der Vorsitzende schlug schließlich vor, der Regierung Braun offiziell mitzu- teilen, daß das Staatsministerium zu der Sitzung des Unterausschusses eingeladen worden sei, sich aber niemand eingefunden habe. Der Hauptausschuß selbst solle am 22. und 23. dieses Monats zusammentreten, um einen Bericht des Unterausschusses entgegenzunehmen. Zu dieser Sitzung solle die rechtmäßige Regierung unmittel- bar eingeladen und den Kommissaren eine Abschrift der Einladung zugestellt werden. Er selbst sei, wenn es gewünscht werde, bereit, den Ministerpräsidenten Braun auch persönlich über die Sachlage zu unterrichten. Der Ausschuh nahm dann bei Stimmenthaltung des Abgeordneten Ebersbach(Dnat.) folgende Entschließung an: „Am 14. und 15. November ISZZ ist ein Unterausschuß des hauptausschusses zusammen- getreten mll der Ausgabe, diejenigen Maß- nahmen zu beraten, welche die Sparverordnung vom 8. Zuni 1932 mtbehrlich machen und eine zweckentsprechende verwaltungsresorm vor- bereiten. An der Erledigung dieser Ausgabe wird der Peisi" in der Volksbühne }» Ü ff Ü t i Ü i!« wnhnaiyfT Die. Volksbühne, ehrte den siebzigjährigen Dich- ter, ihren, des Volkes, des armen Volkes Dichter durch einmaliges Wiederholen der lebenswahren, von Käthe Dorsch und Eugen Klöpser getragenen Aufführung der„Rotten", die vor wenigen Wochen begeisterte Zustimmung, sogar— ein wahrhast seltener Fall— das beinah« einmütige Lob der Kritik gefunden hatte. Auch dies- nial eroberte diese Tragikomödie der Mutter und der gespenstischen Wohnhöhle, die in Berlin und genau dort spielt, wo heute das aus Arbeiter- groschen gebaute Haus der Volksbühne steht, das Herz der andächtigen und doch heiteren Zuschauer. Kein Werk Hauplnianns zeigt drastischer die Ge- nieinsamheit dieses Dichters mit den Breiten und Tiefen de» Volkes: es erörtert kantig und bringt plastisch den Beweis, daß ein Barbier oder eine Reinemachefrau Helden des Dramas sein können. Das war damals, vor dreißig, vor vierzig Jahren der Sieg des Naturalismus und das Bündnis zwischen Dichter und Volk. Dies Bündnis wurde heute in Gerhart Haupt- mann gefeiert und erneuert. Jubel, der nicht enden wollte, umbrauste den Dichter des Volkes. Solcher ergreifenden Huldigung gab C u r t Vaake, Vorsitzender der Berliner Volksbühne und de» Verbandes Deutscher Volksbühnen, in un- vergeßlichen Worten Auedruck. Das war keine gemessene Ansprache, das war ein Oeffne» des Herzens: Du, lieber Gerhart Hauptmann, und die Volksbühne sind ein Fleisch und eine Seele: ge- meinsam war der Tag unseres Aufganges, ge- meinsam bleibe unserer Kampf um die Einheit von Kunst und Volt. Ein Sturm zustimmenden Bekennens und Fordern» mauerte tausendfaches du* Dauuecsia#', deu* 17. VUH/uuttcc, uu* 19,30 UUc: Unterausschuß dadurch gehindert, daß das Staatsministerium oder bevollmächtigte ver- lreter nicht erschienen sind, obwohl die in Frage kommenden Rlinisterien in der üblichen Welse Einladungen erhalten haben. Der Unterausschuß besteht aus seinem ver- fassungsmähigen Recht, die Anwesenheit der Minister zu verlangen. Er hat sestgcslellt, daß der R e i ch s k o m m i s j a r die E i u l a d u n- g e n an das gejchästssührende Slaatsministe- rium nicht weitergeleite« hat. Der Unterausschuß verlangt die Beseitigung jedes Hindernisses, durch welches das Erscheinen von Winisteru oder deren bevollmächtigten ver- lretern unmöglich gemacht und damit dem Landtag die Durchführung der ihm verfassungs- mähig obliegenden Ausgaben erschwert wird." In der Abstimmung hierüber erklärte der deutschnationale Abgeordnete Ebersbach, die Fassung einer Entschließung gehe über den Rah- men der dem Unterausschuß übertragenen Aus- gaben hinaus. Es müsse dem Hauptausschuß, dem ja Bericht erstattet werden solle, vorbehalten blei- ben, selbst die aus den Tatsachen sich ergebende» Schlüsse zu ziehen. * Die nationalsozialistische Landtags-Fraktion beantragt im Preußischen Landtag, dem m't der Bezeichnung„Chitago-Ausschuß Bern- h a r d Weiß" eingesetzten Untersuchungsausschuß die Bezeichnung„Untersuchungsausschuß über Berliner Polizeispitzen" zu geben. Die sozialdemokratische Fraktion hatte sofort nach dem Ergebnis des„Angriff"- Prozesses die Aenderung des Namens beantragt. Dieser Name ist übrigens ein Geisteserzeugnis des bis hart an die Jrrsinnsgrenze übererregten Nazianwolts Roland Freisler. der auch den ehrabschneiderischen Verleumdung-antrag gegen Frau Weiß versaßt hat. von dem unter der allgemeinen Empörung dann die Nazifraktion offiziell drückte. In wieviel Blamagen wird der Hysteriker Freisler. bolschewistischer Kommissar a. D., seine Fraktion noch hineinreißen? Gechart Hauptmann beim Volke im großsn Saal der Sophiensäle, Sophienstraße 17/18 AktciiuHfyS-\J(#dätodeko*tfax*t'z REFERENT; GENOSSE SCHAUM-GESAMTVERBAND. Teilnahmeberechtigt sind: Der engere und erweiterte Bezirksvorstand, 1. und 2. Kreisleiter, der Kreiskassierer, 1. und 2. Abteilungsleiter, der Abteilungskassierer, die Vertreterin der Frauen im Krclsvorstand, die Vertreterin der Frauen im Abtellungsvorstand. Im Behinderungsfalle Ist die 2. Kreis- bzw. 2. Abteilungsleiterin teilnahmeberechtigt. Des weiteren können sämtliche Referenten der Partei an der Vorstände- konferenz teilnehmen. Parteimifgliedsbuch mit gleichlautender Funktionärkarte muß am Saaleingang vorgezeigt werden. Für die Paneirefeienten gilt das Parteimitgliedsbuch und besonderes Einladungsschreiben als Ausweis und Ist ebenfalls am Saaleingang vorzuzeigen. DER BEZIRKSVORSTAND. Echo: Hauptmann stand, zum erstenmal in diesen demonstrativen Tagen, inmitten seiner un- verbrüchlich treuen Gemeinde, inmitten einer Familie des Geistes, der Freiheit und des Rechtes. Zu Beginn des Abends sprach Alfred K e r r, von jeher ein unerschrockener Wegbereiter des kämpfenden Dichters. Er grüßte zunächst die anwesenden Minister, die preußischen Minister (die so eine Flut von Zustimmung erhielten), peitschte dann(die Medaille zitierend) respektabel die deutsche Einheit, die uns die Barone be- schert haben, und las abschließend die frischen und weltklugen Verse, die er bereite im Haupt- mann-Heft der„Neuen Rundschau" veröffent- licht hat. Auch der Dichter nahm da» Wort: es war wie eine unzerstörbare Brücke zwischen ihm und diesem Volk, ein einziges Wort: D a n k I R. Br. Festfeier imStaatötheater Das war eine seltsame Festseier zu Ehren Hauptmanns im Staotstheater! Die Reichsregie- rung, nicht etwa die Verwaltung des Staats- theater«, hatte dazu eingeladen. Die geladenen Gäste waren auch pünktlich erschienen, die recht- mäßigen preußischen Minister freilich nicht. Sie zogen es vor, Hauptmann in der Volksbühne zu ehren, wo das Herz des Volkes schlug, und den Dichter begeisterte Zurufe empfingen. Im Staatstheater spielte man Hauptmann zu Ehren„Gabriel Schillings Flucht" in der bekannten Besetzung. Hauptmann erschien 8 Uhr lö in der Loge und wurde vom Publikum begrüßt. Begierig wartete man auf die Ueber- reichung der Medaille, die die kommissarische Re- gierung in Aussicht gestellt halte: aber weder in der Pause, noch am Schluß der Aufführung ge- schah dergleichen. Wann die von Wolffs Bureau und von TU. oerbreiteten Reden Brachte und Gerhart Hauptmanns stattgefunden haben, ent- zieht sich unserer Kenntnis. Im Theater hat man nichts davon gehört. Es war ein« frostige, eingefrorene Festfeier, ohne Ansprachen, ohne Volksbeteiligung. Sie war der kommissarischen Regierung würdig, die sich ofsenbar geschämt hat, hier an die Oeffentlichkeit zu treten. Die Kehrseite der goldenen Medaille Am Schlüsse der gestrigen Feier im Staatlichen Schauspielhause zu Ehren Gerhart Hauptmanns überreichte der Reichskommissar Bracht dem Dichter die goldene Staatsmedaille, die ihm be- kanntlich durch Beschluß der rechtmäßigen preußi- schen Regierung verliehen ist. Bracht vermied es nach dem offiziellen Bericht nicht, seinen Konflikt mit der preußischen Regie- rung wegen des Verleihungsrechtcs in der selbst- gefälligen Po se des derzeitigen Macht- Habers zu erörtern. Man wurde durch Bracht daran erinnert, daß jede Medaille eine Vorderseite und eine Kehrseite hat. Diese Rede war die Kehrseite der Medaille! Heute wählt Dänemark Radiorede Staunings Von der heutigen Neuwahl des dänischen Falke- things erwartet man vielfach einen durchschlagen- den Sieg der Linksregierung und besonders der Sozialdemokratischen Partei. Ihr Führer, Premierminister Genosse S t a u n i n g, erinnerte in seiner Rundfunkrede am Wahloorabend zu- nächst, wie es zur Neuwahl gekommen ist. Die sozialdemokratische Regierung, deren Haupt- aufgäbe der Kamps gegen die Arbeits- l o s i g k e i t ist. hatte dem Reichstag ein wahr- Haft soziales Arbeitsbeschassungsprogramm vor- gelegt. Dagegen ztber wandten sich die bürger- lichen Parteien und deshalb wird die höchste Ent- scheidung des Volkes angerufen. Zu den Jnflationsplänen der Rechten sagte Stauning: Es war immer der Stolz der danischen Sozialdemokratie, daß sie die Interessen der Massen vertreten hat, nicht die der Kasten. Die Znslotion ist das Ziel der Spekulanten. die davon ein gutes Geschäft erhossen. Die Sozialdemokratie und ihre Regierung wolle die Arbeiter. Beamten, Kleinrentner und alle, die vom Werk ihrer Hand leben, schützen vor diesen Plänen, die sie ihrer Spargroschen be- rauben und die ihren Verdienst auf Null bringen würden. Die Regierung wird die Land- Wirtschaft auf eine produktivere Basis heben, sie hat alles getan und wird darin fortfahren, für die Landwirtschaft zu schassen und den dänischen Einkauf in anderen Ländern danach regu- l i e r e n. Aber die Landwirtschaft mutz auch sich den sozialen Plänen fügen und Boden schaffen für den Kleinsicdler und Kleinbauer. Der arbeitslose Landarbeiter muh angesiedelt werden und hier dürsen die Interessen einiger weniger Großgrundbesitzer gar keine Rolle spielen. Den kommunistischen Hörern sagte Stau- ning: In Deutschland haben die Kommu- nisten, statt sich in die Arbeiterfront einzureihen.. noch der Reaktion geHolsen im Kampf gegen die Sozialdemokratie. Die dänische Arbeiter- klasse will die Einheitsfront unter den Fahnen der Sozialdemokratie. Nur so kann sie die s o z i a l e n Errungenschaften der Arbeiterklasse gegen den Angriff der Reak- tion verteidigen. Wiederaufnahmeyrozeß Bullerjahn Hoffnung a. D. Rechtskampf um die Ehre Leipzig. 15. November. Im Bullerjahn-Prozeh kam der An- geklagte im Verlaus der Erörterungen über die Aussagen des Zeugen Groß auch darauf zu sprechen. daß von der Polizei nicht samtlich« Akten, die über seine Tätigkeit Aufschluß geben, beschlag- nahmt wurden, obwohl er dies verlangt Hab«. Nur ganz weniges Material sei dem Gericht von der Polizei übergeben worden, so daß man schließen müsse, daß dos andere von interessierter Seite entfernt worden sei. Vors.: Wer konnte denn daran ein Interesse haben? B u l l e r- j a h n: Ja, wer konnte das Interesse haben... Besonderen Wert legte ich aui die Akten, die über jedes Lager geführt wurden. Der Zeuge Groß erklärt auf eine Bemerkung Bullerjahns, er habe nie behaupten wollen, daß Bullerjahn etwas ausspähen wollte. B u l l e r- j a h n: Aber im Urteil steht es so. Auf eine Frage des Verteidigers erklärt der Zeuge, daß Bullerjahn annehmen konnte und mußte, daß im Lager Groß viele Schränke mit Kriegsmaterial vorhanden waren Bullerjjahn betont weiter, daß zu der damaligen Zeit in den Wiltenauer Werken eine Numeri«- rung der einzelnen Lager, wie sie in einer später dem Gericht vorgelegten Karte ersolgte, noch nicht bestand. Die Numerierung sei später e r f o l g t.im Hinblick auf die bevorstehende Par- zellierung des Geländes. Diese Feststellung er- scheine ihm für die Frage seiner Schuld sehr wesentlich, da der Leutnant Jost doch bestimmte mit Nummern bezeichnete Werte heraus- gegrisfen haben soll. Der Zeuge Groß b e- st ä t t g t, daß man damals lediglich vom Material- lager, Schrottschuppen und dergleichen sprach. Anschließend wird der kaufmännische Direktor Schweitzer über die„Drohungen" des Ange- klagten Bullerjahn vernommen, die dieser auf die Schrottschiebungen und auf die Vorgänge im Kugellager bezogen wissen will. Der Zeuge schil- dert zunächst ausführlich die Schrottangelegenheit, bei der Bullerjahn zunächst in den Verdacht der Beteiligung geriet. Der Verdacht lieh sich aber nicht aufrechterhalten. Eine schriftliche Ehrenerklärung, die Bullerjahn verlangte, wurde ihm jedoch nicht gegeben. Lediglich mündlich wurde ihm mitgeteilt, daß der Ver- dacht hinfällig geworden sei. Wegen mangelnder Aufsicht erhielt Bullerjahn eine schriftliche Der- warnung. Ein Beisitzer fragt den Zeugen, weshalb dem Angeklagten eine Ehrenerklärung verweigert wurde. Es hätte doch schriftlich be< stätigt werden können, daß er an den Schrott- schiebungen nicht beteiligt war. Zeuge: Es ist ja auch keine schriftliche Verdächtigung erfolgt.— Rechtsanwalt Dr. R o s e n f e l d: Die schriftliche Ehrenerklärung ist also nicht verweigert worden, weil etwa doch noch ein Verdacht aus ihm ruhte?— Zeuge: Das ist meine persön- liche Ansicht. Nach dem verbleib der Akten Lullerjahns befragt, erklärt der Zeuge, darüber wisse er nichts. Das Zimmer des Angeklagten sei vorübergehend abgeschlossen worden. Bei Erörterung der Frage, wie der Ver- dacht gegen Bullerjahn entstanden ist— der Zeuge kann hierüber nichts sagen—, wirft der Angeklagte ein, daß er selbst öfter Anregun- gen zu Ilmlagerungen von Material gegeben habe, das etwa beanstandet werden könnte und das sichergestellt werden müsse. Zum Beispiel habe er einmal die Umlagerung eines Schiffbruch- l a g e r s(U-Boot-Materials) gefordert. Der Zeuge erklärt, es fei möglich, daß der An- geklagte derartige Anregungen gegeben habe, aber er erinnere sich nicht. Weitere Erörterungen über das Schiffbruchlager bricht der Zeuge ab, da dies nur in nichtöffentlicher Sitzung besprochen werden könne. Da der Senat dringende ander« Arbeiten zu erledigen hat, wurde schließlich die Verhandlung auf Donnerstagvormittag vertagt. Es Kai sich ausgehofft! Wieder Hochbetrieb in Gens Vor der Veröffentlichung des englischen Vorschlags f» Autoritäre" Leistungen Gipfel der Nachlässigkeiten Bei eingehender Durchsicht der Notverord- nung zur Fürsorgeerziehung ergibt sich, daß sie mit u n ü b e r t r e s s b a r e r Nach- l ä s s i g k e i t gearbeitet ist. Zunächst hat man vergessen, ein Datum über da» Jntrasttreten der Verordnung einzusetzen. Notoerordnungen gelten als R e ch t s v e r o r d n u n g e n, die am Tage nach ihrer Veröffentlichung in Kraft treten. Von heute auf morgen müssen also die über Neunzehnjährigen aus der Fürsorgeerziehung in dieser Zeit auf die Straße gesetzt werden! Die Richter müssen von heute auf morgen die neuen ganz veränderten Bestimmungen anwenden. Jetzt heißt es, auf Fürsorgeerziehung darf nur erkannt werden, wenn Aussicht auf Erfolg vorliegt Was ist das? Aussührungebeslimmungen können weder hierzu noch zu den anderen Be- stimmungen so schnell ergehen. Trotz der be- rühmten Vereinigung der Reiche- und der preußischen Staatsgewalt hat man nicht daran gedacht, die preußischen Aus- sührungsbestimmungen gleichzeitig herauszubringen. Aus alten Plänen hat man den Satz stehen lassen, daß zwischen dem 18. und 19. Lebensjahr auf Fürsorge- erziehung erkannt werden kann, wenn Aus- ficht auf Erfolg besteht. Der Satz ist jetzt doppelt sinnlos, denn einmal gilt die Aus- sicht auf Erfolg als Voraussetzung allgemein, zweiten» endigt die Fürsorgeerziehung mit dem 19. Lebensjahr! Man gibt zwar im neuen Z 72a die Möglichkeit, die Fürsorgeerziehung zu ver- längern, wenn sie beim Vorliegen besonderer Ver- Hältnisse Aussicht auf Erfolg bietet. Sie kann aber nicht angewendet werden aus all die Jugendlichen, die in den nächsten Monaten 19 Jahre werden, denn man hat vergessen, dem entsprechenden An- trag der Fürsorgeerziehungsbehörden an das Vor- mundschaftsgericht eine aufschiebende Wirkung zu geben. Diese ist aber durch die langwierige Prüfung, die ein solcher Antrag durch das Vor- mundschaftsgericht ersordert. auch für die Zukunft unentbehrlich. Für die Entscheidungen auf Verlängerung der Fürsorgeerziehung und für die Anträge auf frühere Beendigung hat man ein heilloses Durcheinander von Zuständigkeiten geschaffen. Im ersten Fall stellt die Fürsorge- erziehungsbehörde den Antrag an das Vormund- schaftsgericht, bei vorzeitiger Entlassung bestimmt die Landesgesetzgebung die Zuständigkeit, bei vor- zeitiger Entlassung wegen Unausführbarkeit, die in der Person des Minderjährigen liegen, oder „wegen erheblicher geistiger und seelischer Regel- Widrigkeiten", wie es so schön heißt, entscheidet die Fürsorgeerziehungsbehörde nach Anhörung des Jugendamts und Zustimmung des Vormund- schaftsgerichts. Entsprechendes Durcheinander gilt auch für den Beschwerdeweg m diesen Fällen. Liese G'esetzssmacherefschädigt'dls�Jitgendlichen und bringt die Behörden, die für sie arbeiten, in Verwirrung. Nie hat der Reichstag sich so etwas geleistet, die Parteien, die Herr von Papen herab- setzt, haben ihre Arbest ernster genommen Aber zu solchen„Leistungen" muß es bei einer Regierung kommen, die tüchtige Beamte hinauswirft und nur die behält, deren Ge- sinnung genehm ist. Feme der SA. Hitler-Gardist verschollen Drei Mann flüchtig Dresden, 15. November. In Dresden wird seit einiger Zeit der Schlosser Herbert Hensch vermißt. Jetzt gibt die Polizei bekannt, daß drei andere Personen, der Funker Rudolf Schenk, der Telegraphenbauhandwerker Friedrich Fraenkel und der Berufslose Walter Woicit geflüchtet sind, nachdem sie davon Kenntnis erhalten hatten, daß die Kriminalpolizei mit der Möglichkeit eines Verbrechens rechnet. Nach den bisherigen Feststellungen ist Hensch am Abend des i. November telephonisch angerufen und für 11 Uhr nachts in die Nähe eines Gasthofes bestellt worden. Dort ist er auch eingetroffen. Seidem fehlt jede Spur von ihm. Hensch und auch die anderen Personen sind Mitglieder der NSDAP, und gehören einer Sturmabteilung an. Der Vermißte hat seine Wohnung in SA.-Uniform mit Mantel verlassen. Es ist aus allen diesen Umständen anzunehmen, daß an Hensch ein Fememord verübt worden ist. verbot der»Süddeutschen Arbeiterzeitung". Das württembergische Ministerium hat die kommuni- stische„Süddeutsche Arbeiterzeitung" wegen Aus- sührungen, die als hochverräterisch angesehen wer- den, bis zum 19. d. M. einschließlich oerboten. Eigener Bericht des„Vorwärts" Gens. 15. November. Da« Büro der Abrüstungskonserenz hat die Berichte über die Abrüstungskontrolle, verbot des chemischen Krieges und Feststellung der Angrissswassen durchgearbeitet. Am Donners- t a g wird Sir Zahn Simon«(England) die neuen englischen Vorschläge darlegen. Sie werden zusammen mit dem französischen Plan beraten werden. Alan erwartet die Ein- berusung der Generalkommission für den 28. Ao- vember. Zuvor sollen Besprechungen Neu- r a t h v mit den übrigen Ratsmilgliedern die Frage der Rückkehr Deutschlands zu den Verhandlungen klären. Rühle Aufnahme in London London, 15. November. ■- . Der jranzösische Abrüstungsplay.'.ist npn üer, Londoner Presse Höflich, aber kühl, aus- genommen worden, und es wird an ihm eine Reihe von Beanstandungen erhoben. Die„Time»" meint, daß die Möglichkeit einer V e r s ch m e l- zung der französischen, englischen und ameriko- Nischen Pläne zu einem gemeinsamen Pinn der Herabsetzung und Begrenzung noch offen stehe. Er komme außerdem der deutschen Forderung nach Gleichberechtigung dadurch entgegen, daß er keinen dauernden Unterschied zwischen der bewasf- neten Macht Deutschlands und der anderer Na- tionen weder in quantitativer noch in qualitativer Hinsicht mache. Das Blatt erblickt«ine Verbesie- rung gegenüber früheren französischen Plänen darin, daß der jetzig« die Anwendung a u t o m a- tischer militärischer Strafmaß- nahmen auf das europäische Festland be- schränke, so daß also England nicht davon berühr: wende. England könne den Vorschlag des inter- nationalen Waffendepots wohl kaum annehmen. Im französischen Plan überschatte die Sicherheit völlig die Abrüstung. Man müsse sich endlich daran erinnern, daß zu- nächst die Frage der deutschen Gleichberech- t i g u n g zur Erörterung stehe, und es sei wich- tig, daß diese dringende Frage nicht durch die vielen Probleme, mit denen sich die Abrüstungs- konferenz zu befassen habe, in den Hinter. grund gerückt werde. Der„Daily Telegraph" erklärt, daß der französische Plan lediglich die französischen Sank- tionssorderungen in einem neuen Gewände bringe. Die„M o r n i n g p o st" hält es für Zweifel- Haft, ob sich England dem vorgeschlagenen Mittelmeerpakt anschließen werde, der ohne Eng- lands Beitrstt kaum durchführbar sei. Die liberale„News C h r o n i c l e", die nicht recht weiß, was sie mit den französischen Vor- schlügen anfangen soll, bezeichnet diese als be- achtenswert, zweifelt jedoch daran, ob sie eine Verbesserung des Hoover-Planes darstellten. In be- sonders wichtigen und ausschlaggebenden Punkten sei der Plan noch verworren, und man müsse hierüber erst Aufklärung haben, bevor ein end- gültiges Urteil abgegeben werden könne. Der arbeiterparteiliche„Daily Herald" er- klärt, daß mmmehr alles von der Erklärung Si- mons in Genf über die englischen Vorschläge ab- hänge. Wenn England denselben Mut zeige wie Amerika und Frankreich, dann sei die Aussicht günstig. Ratstagung üher Mandschurei Eigener Bericht des„Vorwärts" Gens. 15. November. Der Völkerbundsrat ist zum 21. Nooew- der einberufen worden. Außer dem Lylton-Bericht über den Mandschurei-Konflikt steht die Ernennung eines Völkerbundskommisiars für D o n z i g auf der Tagesordnung. Roofevelt und Hovver Aussprache über Schuldenproblem Washington. 15. November. Der neue amerikanische Dräsident Roofevelt hat die Einladung hoovers zu einer Aus- spräche über das internationale Schulden- Problem angenommen. Er hat jedoch den vor- schlag hoovers, zugleich die Führer der demo- kratischen und republikanischen Partei zu den Ver- Handlungen hinzuzuziehen, abgelehnt. Zn seinem Bescheid an hoover weist Roofevelt zu- gleich daraus hin. daß die letzte Entscheidung schließlich bei den gegenwärtigen Machthabern liegt. Nachtarbeit der Frauen Sie ist allgemein zu verbieten Eigener Bericht des„Vorwärts" Amsterdam, 15. November 1932. Der Haager Ständige Internationale Gerichts- Hof gab heute am Spätnachmittag zu der Frage der Auslegung des Abkommens von 1919, be- treffend die N a ch t a r b e i t d e r F r a u e n, sein auf Ansuchen des Internationalen Arbcusamtes vom Bölkerbundsrat erbetenes Gutachten ab: Mit 6 gegen 5 Stimmen erklärte der Jnternatio- nale Gerichtshof den britischen Standpunkt, wonach das Abkommen nicht nur auf in Fabrik- betrieben tätige Frauen, sondern auf alle weiblichen Arbeitskräste Anwendung finden müsse, für gerechtfertigt. Die 5 Gegenstimmen wurden von Deutschland, Frankreich, Italien, Belgien und Polen abgegeben. Reichsbanner an Gerhart Hauptmann. Der Bundesvorstand des Reichsbanners hat Gerhart Hauptmann,„dem Dichter des schaffenden Volkes. dem geistigen Vorkämpfer für Volkes Recht und Volkes Freiheit", zu seinem 70. Geburtstag Glück- wünsche übermittelt. Brhnlilick in den CS RAM-Verkaufs steilen. ■ a— PEB ern\ß9 Abrechnung mit Wahlstreikmachern Urteil der Funktionäre des Gesamtverbandes I n zehn überfüllten Versamm- l mi g c ii nahmen die Funktionär« der Sektionen der Bezirks- und Ortsoerwaltung Berlin des Gcsamtoerbandes als Vertreter von etwa 90 000 Mitgliedern zu der von der na- tionalfozialistisch- kommunistischen Einheitsfront aufgezogenen BVG.-Aktion Stellung. Mehr als 4000 Funktionäre waren dem Rufe der Organisation gefolgt. Nicht in kleinen Sälen und Sälchen, wie bei der NGO. und NSBO. üblich, wurde Bericht gegeben. Diese Funttionärversammlungen fanden statt im großen Saal der Musiker-Säle, in den Gesamträumen des Hackeschen Hof. in den Gesamträumen der Residenz-Festsäle, zweimalig im großen Saal des Gewerkschaftshaufes usw Die taktisch geschickte und zähe Berhandlungs- sührung, die die Lohnabbauabsichten der BVG.- Direktion von 17 bis 23 Pf. pro Stunde auf dem Verhandlungswege bis auf 2 Pf. niederzuringen verstand, fand das voll st e Anerkenntnis besonders der Funktionäie, die als Mitglieder von Verhandlungskommissionen die Beurteilung der von der Organisation geleisteten VerHand- lungsarbeit auf eigene Erfahrung stützen konnten. Aus den Diskussionsreden der an den Debatten beteiligten Funktionäre kam der Zorn und die Verachtung über die gewissenlosen Drahtzieher der nationalsozialistisch- kommunistischen Aktion aufs schärfste zum Ausdruck. Der Verlauf der Achtung, Dnickeberger! tLein IWit für Unorganisierte Die Berliner Ortsoerwaltung des Fabrik- arbeiter-Verbandes hielt am Sonntag- vormittag im Gewerkschaflshaus chre Q u a r- rals-Generalversammlung ab. Der Bevollmächtigte, Genosse R ü ck e r, ging in seinem Geschäftsbericht zunächst aus die wichtigsten politischen, wirischaftlichen und sozialpolitischen Ereignisse im drillen Quartal ein, wobei er be- sonders Popens„Ankurbelung" der Wirtschaft einer scharfen Kritik unterzog. Auch die Unter- nehmer der Industrien, die im Berliner Organi- sationsgebiet des Fabrikarbeiter-Verbandes liegen, haben versucht, von dem Recht der September- Notverordnung Gebrauch zu machen, die Löhne für 10 Wochenarbeitsstunden herabzusetzen. Die Ortsoerwaltung hat sich mit aller Entschiedenheit gegen diese Lohnabbauversuche gewandt. Sie kann den. Erfolg für sich buchen, daß nur in zwei kleineren Betrieben der chemischen Industrie, in denen die Belegschaft schlecht organisiert ist, die Unternehmer zu ihrem„Recht" gekommen sind. Von Vertretern der chemischen Industrie ist be- hauplet worden, daß der notverordnete Lohnabbau in der chemischen Industrie Verlins reibungslos durchgeführt werden konnte und die Betriebsräte die Unternehmer gebeten hätten, den Gewert- schaften nicht mitzuteilen, daß sie die Nutzlosigkeit des Widerstandes gegen diesen Lohnabbau einge- sehen hätten. Diese Behauptungen sind falsch, wie eingehende Ermittlungen der Ortsoerwaltung ergeben haben. Genosse Rücker teilte den General- Versammlungsdelegierten den Beschluß der Ortsverwaltung mit, für die Industrien keine Tarife mehr abzuschließen. deren Arbeiterschaft schlecht orga- n i s i e r t ist, zum Teil sogar in offener Feind- schast zu den freien Gewerkschaften steht, die Dinge machte den nüchternen Beurieilern klar, daß auf Kosten der BVG.-Arbeiter und der ar- bettenden Bevölkerung Berlins die Verkehrs- stillegung nur zu dem Zweck bis zum Wahl- tage steigen mußte, um aus diese gewissen- lose Weise den Nationalsozialisten und Kommu- nisten eine Wahlchance mehr zu sichern. Es fanden sich nur wenige kommunistisch orien- tierte Diskussionsredner, die vergeblich versuchten, die Haltung der RGO. und KPD. zu verteidigen. Die in den Versammlungen f a st überall ein st immig angenommenen Ent- schließ ungen brachten zum Ausdruck, daß die freigewerkschaftlichen Funktionäre auss schärfste gegen die Urteile der Sondergerichle Stellung nehmen. Sie bedauern aufs tiefste die Opfer, die in dieser Beziehung nutzlos gebracht wurden. Die Funktionäre betonten, daß den BVG.-Arbeitern Gelegenheit gegeben war. sich i n die Kampffront der freien Gewerk- schaften einzureihen, sie wären dann nicht irregeführt und mißbraucht dieser nationalsozia- listisch-kommunistischen Wahlmache zum Opfer ge- fallen. Sie wären dann auch nicht schutzlos, mittellos ohne Verbondsunterstützung aus Freitische. Sammellisten, aus die„Wohl- iätigkeit" nationalsozialistischer Handwerks- zünste und des Pg. Goebbels angewiesen. RGO. und Nationalsozialisten halten für die auf der Strecke gebliebenen BVG.-Opfer vor. Errungenschaften der Gewerkschaflen je- doch gern für sich in Anspruch nimmt. In Konsequenz dieses Beschlusses hat die Orts- Verwaltung den Tarif für die Batterie- und Elementenbranche gekündigt, um eine tariflose Zeit herbeizuführen. Hinsichtlich der Mitgliederwerbung konnte Genosse Rücker mitteilen, daß aus Grund der Werbeaktion in den ersten sechs Wochen des 4. Quartals bereits 116 Neuaufnahmen gemacht worden sind, so daß der geringe Mit- gliederverlust im dritten Quartal bereits wieder ausgeglichen ist. Recht und Macht Die christlichen Gewerkschaften haben sich von vornherein mir der Notoerordnung ubgefunden. die die Unternehmer erinächligt, bei Mehr- einstellungcn die Tariflohnsätze zu unterschreiten. Die freien Gewerkschaften dagegen hoben die Arbeiterschasi aufgesordert, solchen Lohnabzügen Widerstand z u leiste n. S'e haben das aus grundsätzlichen und Wirtschaft- schaftlichen Erwägungen getan und sich dabei auch auf die Verfassung berufen. Das Reichsarbeitsgericht hat in dem von uns veröffentlichten Urteil über den Lohnabbau im Alexonderwerk in Remscheid die rechtlichen Ein- wände der Gewerkschaften als nicht stichhaltig zurückgewiesen. Der„Deutsche" schreibt dazu u.a.: „Auch der Streit um die Verordnung vom Z. September ist eine Lehre daiür, daß man entscheidende Auseinandersetzungen im Staats-, Gesellschafts- und Wirtschaftsleben allein mit juristischen Mitteln nicht führen und ge- winnen kann." Das ist durchaus unsere Ausfaffung. Deshalb haben auch die freien Gewerkschaften sich nicht auf die Arbeitsgerichte verlassen, sondern die Beleg- schaften zum Widerstand aufgefordert. Im großen während und nach der Bewegung im Grunde gsnommcn nur Redensarten übrig, sie hatten weder den Willen, noch die rechtliche Möglichkeit, während der Bewegung gegen den Lohnabbau zu wirken, noch nach der Be- wegung ernsthaft für die Wieder.- e i n st e l l u n g einzutreten. Deshalb betonten die Funktionäre, daß die Gewerkschaften, wie immer, mit allen Mitteln versuchen sollen, die Schäden wieder gutzumachen, insbesondere sich für die W i e d e r e i n st e l l u n g der Ent- l a s s e n e n zu verwenden. Alle Entschließungen besagen: Die Funktionäre sprechen dem Gesamioerbande und seinen Unterhändlern das volle vertrauen aus. Die Versammelten ziehen aus dem Verlauf der BVG.-Aktion die Lehre, daß gegen eine weitere Verschlechterung der Sozialgesetzgebung, gegen einen weiteren Abbau der Löhne mit Erfolg nur anzukämpfen ist, wenn alle Arbeiter, Angestellten und Beamten die Kampffront der freien Gewerk- schaften stärken. „Einheitsausschüsse,"„Zentralstreikleitungen" mit Nationalsozialisten, den faschistischen Feinden der Arbeiterbewegung, führen das Proletariat nur in Niederlagen. Den Sieg gegen die Sozialreak- tion der Papen-Barone und Faschisten verbürgt allein die Einheitsfront prole- tarischen Klassenkampfes in den freien Gewerkschaften. und ganzen ist es auch gelungen, die neue Lohnabbau welle abzustoppen. Die Unternehmer haben in ihrer überwiegenden Mehr- heit schließlich darauf verzichtet, es zu Konflikten zu treiben und haben von dem Recht, das ihnen die Notverordnung gibt, keinen Gebrauch gemacht. Diese Lehre werden sich die christlichen Gewerk- schaften hoffentlich nicht entgehen lassen. Gesäuberte Statistik Die nnsictitlzaren Arbeitslosen Zu dem Aufsatz„Die unsichtbaren Arbeitslosen" in der zweiten Beilage des„Vorwärts". Nr. 337 vom 13. November, erhalten wir vom Vorstand der Rcichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung folgende Richtigstellung: „Der Aufsatz„Die unsichtbaren Arbeitslosen" in der Sonntagsnummer des„Vorwärts" geht in einem wesentlichen Punkt von falschen Voraus- fetzungen aus. Die Grundsätze für die Zählung der Wohlfahrtscrwerbslosen vom 9. August d. I. gemäß der WohlfahrtÄ>Useverordnung vom 14. Juni 1932 und der hierzu erlassenen Durchführung?- bestimmungen vom 2. August 1932. betreffen aus- schließlich die Zahl der von den Arbeitsämtern anerkannten Wohlfahrtserwerbslosen. An der Zählung der bei den Arbeitsämtern gemeldeten Arbeitsuchenden und Arbeitslosen insgesamt hat sich nichts geändert. Mithin werden unverändert Personen, die bei den Arbeits- ämtern nach Arbeit suchen, auch dann als Arbeitsuchende gezählt, wenn sie das 60. Lebensjahr überschritten Huben, oder wenn sie aus Mitteln der öffentlichen Fürsorge keine laufende oder nur eine relativ geringfügige Unter- stügung beziehen. Ebenso werden diese Personen als Arbeitslose gezählt, sofern sie tatsächlich ohne Arbeit sind. Es ist jedoch möglich, daß infolge der Abgrenzung des Begriffs„anerkannte Wohlfahrtserwerbslofe" auch die Gesamtzahlen der Arbeitsuchenden und der Arbeitslosen etwas niedriger geworden sind, weil in gewissem Um- fange Arbeitslose, die durch keinen Unterstützungs- bezug mehr an das Arbeilsamt gebunden sind, sich nicht mehr beim Arbeitsamt melden, also von der Statistik auch nicht ersaßt u erden sonnen. Auf diese Zusammenhänge ist in den Veröffentlichungen der Reichsanstalt mehrfach hingewiesen worden." Diese sonderbare Richtigstellung bestreitet die unbe st reitbare Tatsache, daß nach den neuen Grundsätzen für die Zählung der Wohl- sahrtserwerbslosen arbeitsuchende Wohlfahrts- erwerbslose, die das 60. Lebensjahr überschritten haben, nicht mehr gezählt werden. Ueber die anderen Kategorien von Arbeitslosen, die nach diesen neuen Grundsätzen nicht mehr gezählt werden, schweigt sich die Berichtigung aus. Es wird nur zugegeben, daß„in gewissem Um- fange Arbeitslose, die durch keine Unterstützung mehr an das Arbeitsamt gebunden sind, sich nicht mehr beim Arbeitsamt melden, also von der Statistik auch nicht mehr erfaßt werden können." Aber warum melden sich Hunderttausende nicht mehr?— Weil sie von den Arbeitsämtern laut Dienstanweisung hinausgeworfen werden. Totschießen kann man die Arbeitslosen nicht. Also„säubert" man die Statistik. So geht die Arbeitslosigkeit zurück. Wir verbitten uns „Richtigstellungen" die nur V e r s ch l e i e r u n- gen sind!_» Reichstagung der RDK. Die Reichsgewerkschaft Deutscher Kommu n albeamten im Gesamtverband hielt am 12. und 13. November in Berlin ihre Reich-konferenz ab. Die Konferenz nahm nach dem von G i l l m e i st e r erstatteten Geschäftsbe- richt und einem organisationspolitischen Referat von O r l o p p auf Grund einer intensiven Diskussion Stellung zu den letzten beamtenpolitischen Ereignissen, den«ingeleiteten Abwehrmaßnahmen und der in Zukunft einzuschlagenden Taktik. Die günstigen Auswirkungen des organijatori- schen Zusammenschlusses der RDK. mit dem Ge- samtverband wurden allseits hervorgehoben. Ins- besondere wurde festgestellt, daß durch die Zu- sammenfassung der RDK. mit dem Verband Deut- scher Berufsfeuerwehrmänner und dem Reichs- bund der Beamten und Angestellten in den ösfent- lichen Betrieben uno Verwaltungen zur neuen RDK. im Gesamtverband eine wesentliche Inten- sioierung der gewerkschaftspolitischen Arbeit, sogar ein Mitgliederzuwachs trotz der Krise einge- treten ist. Die Tagung beschäftigte sich auch eingebend mit der Lageder Kommunalbeamtenschaft. Es wurde hervorgehoben, daß noch immer versucht wird, die Kommunalbeamten gegen die Opfer der Wirtschaftskrise auszuspielen. Man war sich einig in der Beurteilung der Finanznot der Gemeinden. Aber die Notlage der Gemeinden darf nicht auf dem Rücken oes kommunalen Personals ausgetra- gen werden. Streik in der Fischindustrie Eigener Bericht des„Voriaärts" Eckernförde. 15. November. Nach fünfmaliger Lohnkürzung hatten die Unternehmer der Fischindustrie eine s e ch st e Lohnkürzung gefordert, und zwar für Männer von 5 Pfennig, für Frauen von 6 Pfennig die Stunde Die Gewerkschaften und die Arbeiter der Betriebe haben sowhl die Forderungen der Unternehmer als auch einen Schiedsspruch, wonach der Lohn für Männer um weitere 2 Pfennig und für Frauen um 4 Pfennig gekürzt werden soll, abgelehnt und in geheimer Ab- stimmung fast ein st immig den Streik beschlossen. Hierzu 2 Beilagen DoHHetstag., Jxeitag, ScHHaiend Einzigarlifle Celegenhelten werden in diesen 3 Tagen geboten. 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Siellamezeile 1,50 M.„Kleine Anzeige n" das fettgedrurlte Wort 20 Pf., jedes weitere Wort 10 Pf. Rabatt laut Tarif. Worte Uber lö Buchstaben zählen für zwei Worte. Ardeitsmarkt Millimeterzeile 25 Pi. Zemilienanzeigen Millimeterzeile 10 Pf. Anzeigenannahme im Hauptgeschäfl Lindenstr. 3. wochentägliai von 8>.5 bis 17 Uhr. Der Verlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht genehrner Anzeigen vor./ Verantwortlich für Politik: Rudolf BrendemLhl: Wirtschaft: IS. Klingelhöser: Sewerkichastsbewegung: I. Steiner: Zeuilleton: Krrbert Leptre: Lokales und Sonstiges: Zritz Karstädt-, Anzeigen: Oft» Hengst: sämtlich in Berlin. I Verlag: Vorwärts, Verlag H. m. b. H.. Berlin. Druck: Dorwärts-Buchdruckerei und Verlagsanstall Paul Singer u. Co.. Berlin SW. 03. Lindenstr. 3. MITTWOCH, 16. NOV. 1932 E R STE B E I LAG E Die Gräber hinter den Mauem Ltiller durck die Berliner Ruhestätten „lag und Aacht werden die Sirahlen von Sonne, INond und Sternen als ein Gruß aus dem Weltall an die Toten hier Zutritt haben und mit ihrem Glänze den goldenen Lorbeerkranz, der symbolisch das Massengrab aller Gefallenen schmückt, verklären. Die Lebenden aber, die hier eintreten oder vorübergehen, soll dieses Gedächtnismal crmahnen, den Toten nachzueifern an Opsersinn für das Ganze, das zu tun, was die würde und die Gröhe des Menschen ausmacht: dem Volke, dem Vater- lande, dem Staate zu dienen." Der preußische Ministerpräsidenl Otto Braun sprach diese Worte am 2. Juni 1931 bei der Einweihung des Ehrenmals für die Fe- fallenen des Weltkrieges in der Neuen Wache Unter den Linden. Sie sind geeignetes Vorwort und Mahnwort für die Gedanken, die uns in dieser Woche bewegen. Am Totensonntag gedenken die republikanischen Kriegsteilnehmer im Plenarsaal des deutschen Reichstages ihrer ge- fallenen Kameraden und aller Opfer des großen Krieges. Schon heute aber, an dem gesetzlichen Feiertage, der Bußtag genannt wird, wallfahrten unzählige Berliner zu den Friedhöfen und Ge- dächtnisstätten, deren Zahl in der Reichshaupt- stadt nicht weniger als rund 139 beträgt. Unsere Gedanken sind in diesen Tagen auch aus dem Friedhof der Märzgefallenen, wo die 183 Opfer der Revolution von 1848 neben den 33 Opfern des Jahres 1918 ruhen Aber sie weilen auch am Grab in Oberschäneweide, in dem der sür die Republik gemeuchelte Reichsaußenminister Walter Rathenau ruht, ebenso wie an der gemeinsamen Grabstätte in Erkner, wo die Leiber unserer am 26. Juni 1927 durch Hakenkreuzmord gefallenen jungen Reichsbannerkameraden T i e tz und W o l l a n k beigesetzt sind. Sie sind im Urnenhain, in dem das Gedächtnis an Willi Schneider wachgehalten wird, der in der Neujahrsnacht 1931 für die Freiheit fiel. Unver- gessen ist uns Erich Schulz der, am Tag vor der Reichspräsidentenwahl, am 25. April 1925, von Rechtsradikalen umgebracht, aus dem Friedhof in der Hasenheide die ewige Ruhe sand. Besondere Wallsahrtsstätte ist- sür uns Sozia- listen der Zentralsriedhof in Friedrichsseldc, der' uns historischen Namen an historischen Namen Eechö-Tage-Rennen Liexer Broccarrlo-Guimlzretiere Das Sechstagerennen hat in den letzten Stunden eine entscheidende Aenderung insofern er- jähren, als das bis in die Nachmittagsstunden süh- rende deutsche Paar Tietz-Schön durch einen bös- artigen Sturz von Tietz ausscheiden mußt«. In- solgedessen wurden die Franzosen Broccardo» Guimbretiere Spitzenpaar und führten wäh- rend der letzten Stunden des Rennens mit einer Runde Borsprung vor dem neugebildeten Paar Funda-Schön. Zwei Runden zurück Ehmer- Rieger. Alle Versuche der übrigen Paare, namept- lich von Funda-Schön, den Rundenvorsprung der Franzosen wieder einzuholen, blieben vergebens. So endete das 28. Sechstagerennen um Mitter- nacht mit folgendem Ergebnis: Sieger: Broccardo- Guimbretiere, 555 Punkte. 2. Eine Runde zurück Schön- F u n d a, 817 Punke. 3. Zwei Runden zurück Rieger-Ehmer 388 Punkte. Es folgen drei Runden zurück Siegel-Thierbach, 533 Pk., Buysse-Billet 498 Pk., M i e t h e- P i j n e n b u r g, 287 Punkte und fünf Runden zurück Gebrüder Nickel, 249 Punkte. reiht: Jgnaz Auer, Friedrich Bartels, Richard Fischer, Hugo H a a s e, Adolph H o s f m a n n, Karl Legten, Wilhelm Lieb- k n e ch t. Karl Liebknecht Rosa Luxem- bürg, Hermann Molkenbuhr, Hermann Müller, Adolf Ritter, Paul Singer. Luise Z i e tz, Fritz Z u b e i l— das sind uns mehr als bloße Namen, nein, jeder Grabstein ist uns Appell zum Kampf für Freiheit und Zukunft der Arbeiterklasse. Dss Buch der Toten Aus den Berliner Friedhöfen ruhen viele Große an Geist, viele Große an Seele, viele Große an Macht und Einfluß Es ist ein ver- dienstvolles Werk, das ein schlichter Angestellter aOas Denkmal Xuditlg Deerienla auf dem Jranzöflfchen Friedhof In der Chauffeeflrape der AEG., Willy Wochl beredt, durchführte. Nach jahrelanger, mühevoller Forschungsarbeit gab er eine Schrift heraus, die sich„Verzeichnis der Grabstätten bekannter und berühmter Persön- lichkeiten in Groß-Berlin und Potsdam mit Um- gebung" nennt und im Selbstverlag des Ver- sassers, Berlin SO. 36, Eisenbahnstr. 8, erschienen ist. Sie ist eine Fundgrube für jeden, der Liebe zur Geschichte mit Liebe zur Heimat verbindet. Das menschlich Ergreifende sei vorausgeschickt. Da findet sich unter der Rubrik„städtischer Friedhof von Rahnsdorf" die kurze Notiz:„Fischer- meister August Herrmann, gestorben 1915, rettete im Laufe seines Lebens 159 Menschen vom Tode des Ertrinkens." Aus der Seite da- neben lesen wir unter.Neuer Garnisonfriedhof in der Halenheide": Gemeinsames Grab der am 17. Oktober 1913 mit dem Marinelust- schiff L 2 in Johannisthal bei Berlin ver- unglückten Besatzung(Kapitänleutnant E. O. Freyer und 28 Offiziere und Mannschastens. Am„Kleinen Wannsee" liegt einsam das Grab des Dichters Heinrich v. K l e i st und seiner Freundin Henriette Vogel. In wenigen Tagen, am 21. November, jährt sich der Tag, an dem 1811 der große Dramatiker, der in seiner„Her- mannschlacht" den Freiheitskampf gegen Frank- reich proklamiert hatte, von seinem mit Napoleon verbündeten König aber schroff zurückgestoßen wurde, mit Henriette Vogel in Verzweiflung aus diesem Leben flüchtete. Noch im Tode ächtete man die Selbstmörder. Die Gedächtnisstätte auf dem Koppenplatz hat ihre besondere Geschichte: Der„Ratsvcrwandle und Stadthauptmann" Christian Koppe widmete den Platz und seine Umgebung im Jahre 1795 als Ruhestätte den armen Waisen und ruht mit seinen Ange- hörigen nach seinem Wunsche in ihrer Mitte. Wohl der größte Friedhof im Innern Berlins ist der in der B e r g m a n n st r a ß e, der freilich verwaltungstechnisch nicht weniger als vier Fried- Höfe umfaßt. Man darf sagen, der ganzen Welt bekannt ist aus dieser Begräbnisstätte das von Hugo Ledcrer geschaffene Grabmal von Gustav Stresemann. Man sah es in den illustrierten Zeitschriften wohl aller Länder abgebildet, als der Franzose Aristide Briand mit einem Blumen- grüß am Grabe des deutschen Staatsmannes stand. Hier ruhen weiter Adolf von Menzel und Theodor M o m m s e n, und um zwei Poli- tiker zu nennen, der Freisinnige Eugen Richter und der Vorläufer Hitlers, der Antisemit 5)os- Prediger Adolf S t ö ck e r. Nicht allzuweit von ihm liegt die große Künstlerin Marie S e c b a ch, deren Gedächtnis durch ihre Stiftung für not- leidende Künstler besonders lebendig ist. Der Friedhof am Blücherplatz beherbergt die Gräber des Dichters Adalbert von Chamisso, des französischen Emigranten aus der Revolutions- zeit, und E. T. A. H o f f m a n n s, des Phan- tastischsten unter den Romantikern. Sucht man seine Kumpane aus der historischen Tafelrunde von Lutter und Wegner, so findet man. daß Friedrich Baron de l a Motte F o u g u e, der Dichter der Ilndine, aus dem Garnisonsriedhof von Die Durcharbeitung des Magisiratsplanes über die Neugestaltung der Berliner Ver- walkung ist seht so weit gediehen, daß die Vollversammlung der Stadtverordneten ihre Entscheidung treffen kann. Das einschneidende Reformwerk steht schon in den beiden Stadtverordnelen- sihungen am Donnerstag und Freitag zur Be- ratung. 3n den letzten Wochen haben sich naturgemäß auch die Bezirksversammlungen der zwanzig Bezirke mit dem einschneidenden Plan beschäftigt. Nach einer Verwirklichung des Magistratsplanes würde es die Bezirksversammlung in ihrer heutigen Gestalt nicht mehr geben. Die noch bestehenbleibenden neun Bezirke sollen vielmehr nur noch von dem Bezirksamt geleitet werden, das aus dem Bürgermeister und den gewählten Bezirksräten als Verwaltungsorgan gebildet wird. Die Beschlüsse der Bezirksversammlungen sind durchaus nicht einheitlich. Ein Teil hat be- schlössen, den Magistratsplan rundweg abzulehnen, andere Versammlungen haben den Beschluß gesaßt, erst einmal die Entscheidung der Stadtverordneten- Versammlung abzuwarten und wieder andere such- ten einen Mittelweg zwischen dem bestehenden Zustand und der geplanten Neuänderung. Von der Vorlage überhaupt nichts wissen wollen die Mehrheiten der Bezirksversammlungen in den Bezirken Tiergarten, Wedding, Friedrichshain, Spandau, Zehlendorf, Steglitz, Tempelhof, Neu- kölln, Pankow und Reinickendorf. Allerdings zeigte die Abstimmung mehrfach, daß die Mehrheit, die diese Beschlüsse faßte, einer starken Minderheit gegenüberstand. In vielen Fällen nahmen die 1722 in der Linienstraße und daß der gefeierte Schauspieler Ludwig Devrient auf dem sranzösischen Friedhos in der Chausseestraße be- graben liegt. Ein gußeisernes Denkmal aus der staatlichen Eisengießerei ziert sein Grab. Unier lauter Soldaten ist auf dem Jnvalidenfriedhos in der Scharnhorststraße ein immer wieder ge- nannter Zivilist begraben, die„graue Eminenz" unter Bismarck, Caprivi, Hohenlohe und Bülow, der Vortragende Rat im Auswärtige» Amt, von Holstein. Der Friedhof der Gelehrten liegt in der Großgörschenstraße. Hier findet man ganz berühmte Namen: Die Brüder Jakob und Wilhelm Grimm, die großen Sprachforscher, die königlich hannoversche Reaktion von ihren Göttinger Lehrsitzen verjagte, den Philologen Ernst Curtius, der Friedrich III. besser erzog als Hinzpeter Wilhelm II., den Mathematiker Paul du Bois-Reymond, der, über die Ewigkeit besragt, sagte: Wir wissen es nicht und wir werden es nicht wissen. Daneben den großen Arzt und freisinnigen Politiker Rudolf V i r ch o w und den Kronhistoriker des reaktionärsten Preußentums Heinrich von Treitschke. Aus dem gleichen Friedhof aber stößt man, im Augen- blick erschreckend, aui einen Grabstein, der den Namen Paul von Beneckendors und von Hinden- bürg trägt. Es handelt sich um einen Verwandten des Reichspräsidenten, der am 16. August 1879 be' Mars la Tour als Rittmeister gefallen ist. Auf dem Grabstein der Charlotte von Kalb, der geistvollen Frau aus der großen Zeit Weimars. stehen die Worte: Ich war auch ein Mensch, sagt der Staub! Ich bin auch ein Geist, sagt das All! Aus einem schlichten Grabstein in Stahnsdorf lesen wir: Nicht alle sind tot. deren Hügel sich hebt. Wir lieben, und was wir geliebt, das lebt, Es lebt, bis auch unser Leben zerrinnt. Nichl alle sind tat, die begraben sind. Sozialdemokraten eine andere Haltung als die Mehrheit ein. Den Beschluß der Stadt- nerordnetenversammlung abwarten wollen die Bezirke Mitte, Prenzlauer Berg, Kreuzberg, Schöneberg und Lichtenberg. Für die Vorlage, soweit sie die Neueinteilung der Bezirke betrifft, haben nur zwei Bezirke gestimmt: Char- lottenburg und Köpenick. ,,GrimewaId"»BeZ!irIl vorgeschlagen In der Bezirksversammlung Tiergarten hatte die sozialdemokratische Fraktion vorgeschlagen, den südlichen Teil des Bezirkes mit dem Tier- garten als Grenze zu Schöneberg zu geben und den nördlichen Teil dem bisherigen Bezirk Wed- ding anzugliedern. Die Charlottenburger wünschen sehr eine Vereinigung mit Spandau, um so mehr sträuben sich die S p a n d a u e r mit dem Hinweis auf die eigene Entwicklung ihrer Stadt gegen die Zusammenlegung. Wenn Span- dau selbständig bleiben sollte, beansprucht Char- lottenburg das Gelände Siemensstadt östlich der Havel, um so genügend Siedlungsmöglichkeit zu haben. Die Wilmersdorfer Bezirksver- sammlung wünscht eine Vereinigung mit Zehlen- dorf zum„G r u n e w a l d b e z i r k". Man will keine Vereinigung mit Charlottenburg oder Schöneberg. Schöneberg soll nach der Meinung der Wilmersdorfer mit Steglitz und Tempechof zusammengelegt werden. Zehlendorf und Steglitz wolle» aber unter allen Umständen selbständig bleiben. In der T e m p e l h o f e r Bezirksversammlung Die Stimme der Bezirke Was die Be�irhsversaminliingen zum Reformwerk sagen ging die allgemeine Auffassung dahin, daß der Bezirk, sofern ein« Zusammenlegung nicht zu ver- meiden ist, mit Schöneberg vereinigt werden soll, auf keinen Fall aber mit Steglitz. Treptow protestiert gegen eine Zerreißung des Bezirkes. Im Falle einer Zusammenlegung hält man eine geschlossene Vereinigung mit Köpenick für tragbar. Auch der Bezirk W e i ß e n s e e will von einer Zerreißung des Bezirkes nichts wissen, eine Zu- sammenlegung soll höchstens ungeteilt erfolgen. k'rist t»i» I. Dezember verlängert Auf das Ersuchen des Oberpräsidenten der Pro- mnz Brandenburg und von Berlin um Verlänge- rung der Frist zur Berichterstattung über die Verwaltungsresorm bei der Stadt Berlin bis zum 1. Dezember 1932 hat Herr Kracht jetzt die zuletzt dem Oberbürgermeister bis zum 18. November 1932 gesetzte Berichtsfrist noch einmal zum 1. Dezember dieses Jahres verlängert. Berlin in Zahlen gefaßt Die Sprache der Statistik— Im Mittelpunkt des Verkehrsnetzes In wenig Worten Die Große Strafkammer des Landgerichts I hob als Berusungsinstanz das gegen die Tänzerin Marianne Winkel st ern ergangene und auf 3 Monate Gefängnis lautende Urteil wegen fahr- lässiger Tötung auf und sprach die Tänzerin aus Kosten der Staatskasse frei. In dem Prozeß wegen Erschießung des Chemnitzer Dentisten Krebeck wurde der An- geklagte Ferdinand B a r t l wegen gemeinsamen Mordes zum Tode und wegen Vergehens gegen das Schußwaffengesetz vom 12. April 1928 zu S Monaten Gefängnis verurteilt. * Am Montagabend wurde der 41jährige ver- heiratete Staatsförster Daeker aus Viernau bei Weimar im Walde erschossen aufgefunden. Daeker war sehr beliebt, lebte seit acht Jahren in Viernau und hinterläßt eine Witwe mit einem siebenjährigen Töchterchen. * Die Stadt Spritz wurde von einem Groß- f e u e r heimgesucht. Aus bisher noch unbekannter Ursache war in der Spritzer Stadtmühle ein Feuer entstanden, das den östlichen Teil des gewaltigen Gebäudekomplexes in wenigen Stunden in Trümmer legte. * Die Staatsanwaltschaft II Berlin hat jetzt gegen den berusslosen Friedrich Stark Anklage wegen Raubmordes und Rückfalldiebstahls erhoben. Dem Angeschuldigten wird zur Last gelegt, am 6. September d. I. die Sprachlehrerin Frau Emma Bruscato in ihrer Wohnung in Berlin. Tempelhofer User 32, vorsätzlich und mit Ueber- legung getötet und beraubt zu haben. Berlin ist mit 4.3 Millionen Einwohnern die zweitgrößte Stadt Europas, die drittgrößt« der Welt, demnächst wird allerdings Tokio Deutsch- lauds Reichshauptstadt auf die vierte Stelle drän- gen. Würde man sämtliche Berliner in einem Ab- stand von einem halben Meter nebeneinander auf- stellen, so ergäbe das ein« fortlaufende Kette von der Reichshauptstadt bis zur türkischen Metropole Angora oder bis nach der bekannten russischen Messestadt Nischni-Nowgorod. Hieraus kann man sich blitzartig bereits einen Begriff von der unge- heuren Größe Berlins machen, eines Wirtschafts- Zentrums gewaltigster Ausdehnung, als Geber und Nehmer, als Käufer und Verkäufer, als Konsu- ment und Produzent. Berlin muß(oder besser: möchte!) für die ganze Welt arbeiten, um seine Bewohnerschar ernähren zu können, und umgekehrt schafft die ganze Welt für Berlin. �Vas in Berlin verzehrt wird Ein paar Zahlen über Berlin als Wirt- schaftszentrum. So betrugen im Jahre 1931 die aus Berliner Schlachtungen gewonnenen Frischfleischmengen 226,4 Millionen Kilogramm. Täglich werden auf dem Berliner Schlachthof u. a. gegen 4000 Schwein«, 1300 Schafe. 700 Käl- ber, 600 Rinder geschlachtet, was alljährlich Mil- lionen an Schweinen und viele Hunderttausende sonstigen Viehs ausmacht. An Milch wurden im Jahre 1931 vom Lande nach Berlin 270,3 Mil- lionen Liter eingeführt. Der Tagesdurchschnitt be- lief sich auf 737 260 Liter. In den Berliner Kuh- Haltungen werden täglich 240 000 Liter erzeugt und direkt vom Stall abgesetzt, im ganzen Jahre also etwa 87,6 Millionen Liter. Bon der Milch entstammen etwa 73 Proz. aus der Provinz Brandenburg und Berlin, etwa 18,5 Proz. au- Pommern und 7,5 Proz. aus Mecklenburg. Der Jahresverbrauch an Kartoffeln beträgt schätzungsweise 500 000 Tonnen oder eine Mil- liarde Pund! Die Zahlen sind so groß, daß man einen Augenblick anhalten muß, um sie dem Ver- ständnis nahezubringen. Man könnte auch noch über den Bierverbrauch und anderes berichten, wie darüber, daß der jährliche Lebensmittelver- brauch eines Berliners an Brotgetreide und Mehl 139, an Milch, 90,1, an Zucker 19, an Gemüse 60. an Obst 36, an Fischen 7,2 Kilogramm beträgt und dies müßte man dann auf 4,3 Millionen Men- schen übertragen, die auch heute noch pro Jahr für ungefähr 114 Milliarden Mark Nahrungsmittel verzehren. Von der Berliner Bevölkerung lebt ein Fünftel von der Metallindustrie. Di« elektrotech- Nische Industrie ist in keinem anderen Gebiete Deutschlands so zusammengeballt wie in Berlin. 41 Proz. aller in der deutschen elektrotechnischen Industrie beschäftigten Personen entfallen auf die Reichshauptstadt. Auch Deutschlands Maschinen- industri« hat in Berlin ihr Zentrum gefunden. Die Bekleidungsindustrie, die zweitgrößte Berliner In- dustrie, zählt 80 000 Betriebe mit 250 000 Per- sonen. 12 Proz. aller gewerblich tätigen Personen der Reichshauptstadt arbeiten in der Bekleidung?- industri«. Allerdings sind bei allen diesen Zahlen die gestiegenen Erwerbslosenziffern noch nicht berücksichtigt. Der weitaus wichtigste Stand- ort der deutschen Bekleidungsindustrie ist Berlin mit rund der Hälfte der Gesamterzeugung von Bekleidungsgegenständen. Die Reichshauptstadt ist auch der Mittelpunkt des wirtschaftspolitischen und berufsständischen Le- bens in Deutschland, und schließlich ist Berlin die größte Handels st adt des europäi- schen Festlandes. Auch diese Feststellung können wir zahlenmäßig belegen, doch sei in diesem Falle auf dos Statistische Jahrbuch der Stadt Berlin verwiesen. Viele Wejge führen nach Berlin An einem Tage sind für den, der über dos nötige Kleingeld verfügt, von Berlin aus London, Rotterdam, Amsterdam, Brüssel, Paris, Bafel, Genf. Zürich, Bern, Rom, Mailand, Prag, Wien, Venedig, Budapest, Kowno, Smolensk, Moskau, Riga, Reoal, Leningrad. Helsingfors, Kopenhagen. Malmö und Oslo erreichbar. An zwei Tagen der Woche im Post- und Frachtverkehr innerhalb 24 Stunden Saloniki bzw. Athen. Im Sommer kommen täglich im internationalen Verkehr elf Fluggroßmaschinen mit Possagierbeförderunz und außerdem ein Frachtflugzeug an. Wenn wir hören, daß im Jahre 1930 14 895 000 Tonnen Güter nach und 5 585 000 Tonnen Güter von Berlin zum Versand durch die Eisenbahn gelangten, so sagen diese großen Zahlen an sich noch nicht viel. Sie werden lebendiger, wenn wir erfahren, daß täglich 326 Ferngüterzüge in Berlin eintreffen und ebenso abfahren, d. h. alle 14 Mi- nuten, Tag und Nacht, kommt oder fährt ab ein mit Gütern beladener Zug. Der Personen- verkehr nimmt natürlich noch ganz andere Ausmaße an. 40 internationale Züge kommen, 40 internationale Züge gehen täglich von und nach der Hauptstadt. Es kommen noch 484 Fernzüge hinzu, so daß alle drei Minuten ein Fernzug über die Berliner Gleise läuft. Werfen wir noch einen Blick auf Berlins W a s f e r v e r k e h r. Die Verbindungen zu Wasier sind die denkbar günstigsten. Berlin ist mit dem Elbe- und Odergebiet durch ein System von natürlichen und künstlichen Wasserstraßen (Großschiffahrtsweg Berlin— Stettin und die Ka- näle des märkischen Wasserstraßennetzes) verbun- den. lieber die Oder hinaus steht es mit der Warte und Weichsel in Verbindung und wird binnen weniger Jahre noch Vollendung des Mittellandkanals unmittelbaren Anschluß an Weser und Rhein und damit an das westliche Industrie- gebiet gewinnen. So ist Berlin kreuzungspunkl aller llZasservec- bindungen zwischen Nord und Süd und Ost und West. Neben dem Massengutoerkehr von Getreide, Fut- termitteln, Kohle, Eisen, Kies, Baustoffen im Ge- biet der Elbe, Oder und der märkischen Wasier- straßen werden nach den besonders wichtigen Plätzen Hamburg, Stettin, Magdeburg, Dresden und Breslau regelmäßige Eildampferfahrten unter- halten. Die Eildampfer legen die Strecke Berlin— Hamburg in etwa 3 Tagen, Berlin— Magdeburg in 2 Tagen, Berlin— Dresden in 4— 5 Tagen zurück. Die Beförderung Berlin— Stettin beansprucht nur ungefähr 114 Tag, während die Reise Berlin— Breslau 4—5 Tage dauert. Aus dem Hamburger Verkehrsgebiet kommen insbesondere Steinkohlen, Petroleum, Steinkohlen- koks, Weizen und Mehl auf dem Wasserwege nach der Reichshauptstodt. Von den märkischen Wasserstraßen und von der Oder kommen Erde, Kies, Sand, Lehm usw., aus Schlesien und Pom- mern Steinkohlen. So sehen wir, daß die Binnenschiffahrt Berlin direkt mit dem übrigen Deutschland und indirekt mit Hilfe der Umladung mit der übrigen Welt eng verflochten hat, ohne aber dem Reichsbahnverkehr an Bedeutung zu gleichen. Für Berlin beträgt nämlich der Anteil der Reichsbahn etwa 63,12, der der Binnenschiffahrt 36,88 Proz. Beide Verkehrsmittel ergänzen ein- ander derart, daß die Massengüter, die zum Bauen erforderlich sind, Erde, Kies, Sand. Steine, Kalk, ferner Petroleum. Weizen, Mehl und Zucker ganz überwiegend von der Schiffahrt nach Berlin ge- schafft werden, alle übrigen Güter größtenteils auf dem Schienenwege Berlin erreichen. Wie aus Prag gemeldet wird, ist der Vertreter der Vereinigten Holzindustrie A.-K. in Breslau, S ch m e l, von dem Arbeiter Otto S e m b e r g überfallen und durch Beilhiebe so schwer verletzt worden, daß er kurz darauf im Krankenhause starb. Im Dock getötet ■Arbeiter schwer verunglückt Hamburg. 15. November. (Ein schwerer Unfall ereignete sich gegen 11,30 Uhr im Dock 5 der Werst von Blohm u. voß. Mehrere Arbeiter standen im Dock auf einem hohen Gerüst neben dem Dampfer„Biscaya", um eine Schisssplatte zu lösen. Beim Abheben der Platte brach aus noch nicht geklärte Weise das Brett zusammen und die Arbeiter stürzten aus einer höhe von 10 Meiern auf den Boden des Dockes. Der ZSjährige Schmied Paul kuplin und der 4Sjährige Arbeiter Reinhold Sühn erlitten so schwere Berlehungen, daß sie an der Unfallstelle gestorben sind. Der Fuhrarbeiter Emil Martens trug schwere innere Verletzungen davon und mußte in besinnungslosem Zustande in ein Krankenhaus gcschasst werden. Zweimal Hauptmann tlnd zweierlei kommunistische Schreibweise Man schreibt uns: Im„Berliner Tageblatt" steht am Sonntag ein Artikel über Gerhart Hauptmann, der den be- deutenden sowjetrussischen Regisseur Alexander Tairow zum Verfasser hat. Er beginnt mit den Sätzen: Ein großer Lebensweg. Ein riesiger schöpfe- rischer Weg des Philosophen, Dichters und Dra- matikers. Der bedeutendste Künstler Deutschlands, der in seiner schöpferischen Persönlichkeit die man- nigfaltige Kultur seines Landes vereinte.— er zerstörte siegreich alle Grenzen... Am gleichen Sonntag finden sich in dem für die Berliner Proleten geschriebenen Münzenberg-Blatt „Berlin am Morgen" aus Anlaß der Hauptmann- schen Einleitung zur Knauerschen Goethe-Ausgabe diese Sätze: „Was tut der„Dichterfürst" Gerhart Haupt- mann?... flüchtig hingeschmiertes, hoch- trabendes, mit metaphysischen Seichtheiten an- gefülltes Artikelchen von vier Seiten, das über Goethe nichts, aber auch gar nichts aussagt____ Man lasse Gerhart Hauptmann doch Sahm-Auf- rufe unterzeichnen und schlechte Dramen schreiben.. Eine interessante Gegenüberstellung! In dem bürgerlichen Blatt ist nach dem überschwänglichen Zeugnis eines früheren Bolschewisten Hauptmann „der bedeutendste Künstler Deutschlands". Im Proletenblatt wird, wahrscheinlich weil er der KPD. nicht angehört, ein„hochtrabender, seichter Schmierer, der schlechte Dramen schreibt". Eafötier geflüchtet GroLe Autoschiebung Zm Rahmen der Untersuchung einer Autoschicberaffäre ist gegen den bekannten Berliner(5afetier5 P�mer�i*g"*8,endliches. 75 1 Fe*ches v i aus der"Vt Schlei f. und™*'" pelz. nen Firh* e'ner f», �Part/a 1*5 i Oranienstr. 40 Chausseaitr. 113 Am Oranienplatz Äelm Stettiner Bahnhof Königstraßo 33 Wilmeridorferstr. 108 AmBhf. Aiexanderplatz Am Bahnhof Charlottenbura Nachdrudt von Wert und ßild verboten! � m � Die obigen Angebote stehen Ihnen ab Donnerstag zur Verfügung— Schriftliche Bestellungen können leider nicht berücksichtigt weraeoi �-Jlnseiger � Genossen! Dntersitttzi Enre eigenen Betriebe! Deckt Euren Bedarf a.Urnen U.Grabdenkmälern nur in d. (tninmnhhiitttt Gemeinnützige s. m. b. H, Baumschulenweg, dlellJUItlUlllllll!, Kiefholzstr, gegenüber dem Krematorium. Tel.: F3, Oberspree 1685, Lieferung nach allen Friedhöfen in Groß-Berlin. Bitte auf die Firma achten. Sonntags giSffnet. Intlt Ullfh* Gerichlstr. 46, gegenüber Kremat. JKIÜ dllUI. 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Ob Susi noch aus den telephonischen Anruf wartete? In irgendeiner Seitengasse machte Weltlin halt, er mußte ausruhen. Das Herz machte wieder Schwierigkeiten; er spürte das Schlagen bis in die Halsgegend und mußte sich an eine Wand lehnen. Der Anzug, zer- knüllt, und nun auch noch fleckig und strnibig geworden, klebte an seinem Körper. Er mußte den Kragen lockern, um zu Atem zu kommen... Endlich nach einiger Zeil konnte er wieder weitergehen, er ging aufs Geratewohl, ohne zu wissen, wo er sich befand. Vor ihm tor- kelte ein Mann, zerlumpt, zerfegt, sichtlich betrunken. Weltlin überholte ihn, sah ihm beim Schein einer Straßenlaterne ins Ge- ficht und erschrak zuliefst. Er hatte ihn sofort erkannt, es war der Arbeiter Wenzel Starka, der vierzehn Jahre lang in seiner Fabrik gearbeitet hatte, als sie noch eine Fabrik und keine Teuselskllche gewesen war. Er trat' auf den Mann zu:„Sind Sie der Arbeiter Wenzel Starka?" „Ich glaub, daß ich so heiße", lallte der Mann,„aber Arbeiter bin ich nicht, oh nein!" „Was sind Sie denn?" „Privatier. Man läßt mich ja nicht ar- betten." Weltlin sah, daß er den Mann führen müsse; denn der konnte sich nicht aufrecht halten. Er faßte ihn also unter, doch wurde er von dem torkelnden Schritt mitgerissen. Er entsann sich, daß dieser Wenzel Starka stets ein nüchterner, braver, fleißiger Arbetter gewesen war. der mtt Verachtung auf trin- kende Arbeiterkameraden gesehen hatte. Was mochte mit dem Manne alles vorgegangen sein, was mußte der erlttten haben? Vor- sichtig versuchte er den Mann zum Reden zu bringen; es gelang nicht. Immer hörte er: „Hast du Geld, Bruder, hast du Geld?" Welt- lin nickte und Starka sagte:„Du, ich weiß hier ein feines Lokal, da müssen wir hin- gehen." Sie standen vor einem Branntwein- schank und beim Ueberschreilen der Schwelle schien es Weltlin. als müsse er ersticken: Ein süßlich-widerlicher. betäubender Geruch stieg ihm in die Nase. Mit Starka jedoch war eine Veränderung vor sich gegangen. Der fühlte sich wohl, schnupperte, ging� zum Ladentisch und bestellte. Der Mann am Schatter wollte Geld und Starka wies auf Weltlin. Der grif in die Tasche, fand kein Hartgeld, mühsam knöpfte er die Geheim- tasche auf, förderte das Geldetui zu Tage und Starkas Augen erblickten Banknoten, die in allen Größen und Farben die Fächer füllten und er erschauerte in erhöhter Ach- tung vor seinem Gefährten. „Woher hast du das viele Geld?" Wettlin schwieg. „Ein guter Fang gewesen— he?"— und er stieß Weltlin in die Seite. Auch der hatte nun sein Glas vor sich stehen und er versuchte, an der Flüssigkeit zu nippen. Sie fühlte sich klebrig an. der starke Alkoholgeruch schien Weltlin zu be- täuben. Er hatte nur den einen Wunsch: frische Luft... Luft! Ohne Besinnung stürzte er das ihm wider- stehende Getränk in seine Kehle. Es würgte und brannte. Schon stand ein zweites Glas vor ihm, er wußte nicht mehr, was um ihn vorging, legte einige Geldmünzen vor sich hin, auf die er nicht achtete. Auch das zweite Glas trank er aus. Sein Kopf schmerzte, er glaubte ersticken zu müssen, sein Herz klopfte, daß es ihm fast den Atem nahm. Nach einer Ewigkeit spürte er. wie er von starken Fäusten geschüttett wurde und der Arbeiter Starka ihn unter den Arm nahm.„Du ver- trägst ja nichts!" lallte der. Plötzlich spürte Wettlin die ersehnte frische Luft. Sie waren wieder auf der Gasse. „Ich möchte nach Hause", brachte er müh- sam hervor. „Wo wohnst du?" Weltlin wollte antworten, konnte es aber nicht. Er vermochte sich nicht an die Gasse zu erinnern, in der sich seine Wohnung be- fand. „Mtt dir will ich gehen. Nimm mich mit", brachte er mühsam hervor. „Ich Hab' keine Wohnung", sagte Starka und schleifte Weltlin hinter sich her. Endlos dauerte der Weg. Nun waren sie bei einem Fluß angelangt, gingen Stiegen hinab, unter einem Brückenbogen lagerten Leute am Boden. Wie ein Stein fiel Weltlin hin und lag bald in tiefem Schlafe. Als er wieder er- wachte, hörte er Starka neben sich sagen: „Glück haben wir gehabt! Keine Polizei! Aber nun müssen wir laufen." Weltlin er- hob sich, starke eiserne, zentnerschwere Ringe verspürte er um seinen Kopf, er griff hin, aber er fühlte nur die Schwere seiner Hand. Er sah auf seinen Anzug, der über und über mit Schmutz und Erde überzogen war. Wenn ich mich nur waschen könnte, dachte Weltlin und dieses Gefühl wurde so mächtig in ihm, daß er die Böschung hinabkletterte und seine Hände in den Strom tauchte. Mtt müden, zitternden Händen befeuchtete er sein Ge- ficht. Was nun? dachte er. Wo bin ich? Ich muß in die Fabrik. In die Fabrik? Wer hat eine Fabrik? Dorthin will ich nicht mehr — nein, nein! Dort ist der Teufel! Oh, hier Wirai und der Sin Setifamer&all/ Wach Alfred Capus Monsieur Mirat war der glückliche Besitzer einer kleinen Villa in einem netten Städtchen MiUelsrankreichs und ich war sein nach Ruhe und Einsamkeit dürstender Sommergast. Etwa zweihundert Schritt vom großen Obstgarten ging der Fluß vorbei, der übrigens sehr fischreich war, und ich konnte mich also nach Herzenslust an meinem Lieblingssport vergnügen. Denn es gibt doch nichts Ruhigeres als die Fischerei in selbstgewählter Einsamkeit. Bereits am ersten Morgen meines Urlaubs befand ich mich voll Eifer beim Angeln. Rings- herum war vollständige Ruhe,.ich sah keinen Men». schen und erst als ich abends den zweiten Fisch- sang erfolgreich bendete, knackte es hinter mir im Gebüsch. Ich blickte mich um und erblickte ein dürres altes Herrchen, mit Angel und Blechbüchse bewaffnet, das mich, wie es schien, nicht sonder- lich erfreut ansah Wahrscheinlich hatte ich einen fremden Angel- plag usurpiert und stammelle Entschuldigungen. „Macht nichts. Werde mich ein wenig weiter niedersetzen!" Sprach's und ging. An den darauffolgenden Tagen sah ich ihn oft und nach und nach entspann sich zwischen uns so eine Art Gespräch. „Sie wohnen bei Mirat?" „Ja." „Soso, hmhm!" Das war alles. Er murmelte in seinen Bart und verschwand. Am nächsten Tage fing er wieder an: „Mirat ist wohl Ihr Freund?" „Nicht so ganz. Ich kenne ihn erst fünf Tage. Aber ist er der Ihre?" „Mein Freund? Nein, das nicht. Aber ich kenne ihn gut. das heißt, ich kenne ihn schon sehr lange, schon gegen 40 Jahre!" „Er scheint ein braver Mann!" „Scheint er das? Möglich. Aber nicht immer schien er es." „Was bedeutet Ihr Reden?" „Ich war früher Staatsanwalt, mein Herr, und hatte vor dreißig Jahren eine Mordanklage gegen Mirat erhoben." „Mord? Das ist ja entsetzlich! Er wurde selbst- verständlich freigesprochen?" „Wo denken Sie hin. Wenn ich die Klage ver- trat. Er wurde selbstverständlich verurteilt, aller- dings nur auf Grund schwerwiegender Indizien, die Witwe Borez und ihr Kind ermordet zu hoben. Es war ein vollständiger Sieg des öfsentlichen Anklägers. Ich will Ihnen die näheren Umstände und all die Einzelheiten ersparen. Mirat wurde zu lebenslänglicher Zuchthausstrafe ver- urteilt. Kam nach Neu-Kaledonien. Dann setzten die Angriffe gegen das Urteil, gegen den Richter und gegen mich ein.' Mirat fei unschuldig ver- urteilt worden. Und richtig, es fand sich ein Töter, der auf dem Sterbebette die Mordtat vor ein- wandsreien Zeugen gestand. Das Urteil wurde aufgehoben. Mirat kam zurück und ich wurde pensioniert. Jedenfalls lebt Mirat seicher als geachteter Mann in unserer Mitte, er hat einen wohlhabenden Verwandten beerbt und genießt seine Renten. Die Geschichte ist vergessen, die meisten Zeugen sind gestorben und selten wird noch der Fall Mirat erwähnt." „Entsetzlich! Unschuldig ins Zuchthaus nach Neu-Kaledonien. Sie halten ihn doch selbstver- ständlich für unschuldig?" „Ich muß wohl! Meine vorgesetzte Behörde befahl es. Man brachte mir Beweise, aber..." „Aber?" „Auch ich brachte einstens Beweise seiner Schuld. Konnte nicht der Sterbende ein falsches Geständnis abgelegt haben? Tote haben von der irdischen Gerechtigkeit nichts zu fürchten. Als ich ihn anklagte, hielt ich ihn für schuldig. Jetzt..." „Jetzt?" „Jetzt muß ich ihn für unschuldig halten, denn das Justizministerium dekretierte seine Unschuld." „Aber Ihre eigene aufrichtige Meinung?!" „... ist, daß ein Leben, daß dreißig Jahre vorübergegangen sind!" Er warf den Köder an der langen Schnur weit in den Fluß und bedeutete mir so, daß er das Gespräch für beendigt hielt. Ruhe und Einsamkeit ist auf die Dauer lang- weilig. Aus dem alten angelnden Staatsanwalt war nichts weiter herauszubringen, also versuchte ich es mit Herrn Mirat. Eines Tages brachte ich ihm eine Portion Hechte, und er nahm sie unter der Bedmgung an, daß ich seinem Weinkeller alle Ehre antun würde. Beim Essen und Trinken taute er aus. „Sie haben sich mtt Herrn Lebrun, dem Staats- anwalt, angefreundet!" „Ja. er angelt oft neben mir und wir sprechen hie und da miteinander. Auch von Ihnen!" „Kann mir's denken, daß der Staatsanwalt gibt es keine Konferenzen, keine Kassiere, Prokuristen und Oberingenieure, keine Käufe und Verkäufe, keine Maschinen und keine Sabotage. Ich selbst betreibe Sabotage! Er lachte laut und gellend auf. „Was lachst du denn?" fragte Starka. „Bist du krank?" „Nein, bloß gut aufgelegt", erwiderte Weltlin. Sie frühstückten in einem kleinen Volkskaffee und gingen dann in einen Park. Der Weg führte sie an einem Haus vorbei, vor dem viele Menschen dichtgedrängt standen. „Was ist denn das?" fragte Wettlin. „Das ist das Stempelamt! Lauter Gauner! Durch sechs Monate zahlen sie einem die paar Märker und dann ist's aus! Dann kannst du verrecken, krepieren— kein Hund kümmert sich um dich! Alles Bande, alles eine dreckige Lausebande." Weltlin sah die lange Kette der Warten- den. Männer. Frauen mit Kindern standen da mit blassen Gesichtern, aus denen Not und Entbehrung sprachen.' „Müssen die Leute da lange stehen?" fragte er „Ja. Mensch, warst du denn nie stempeln?! Bist du einer von der Bande? Gehörst du selbst zu denen? Hast ja Geld wie Mist! Bist du kein Einbrecher— bist du selbst ein Schieber?" lFortsetzmrg folgt.) Lebrun von mir spricht. Wir sind alte Bekannte, der Herr Staatsanwall und ich." „Ich hörte auch von der entsetzlichen Geschichte. Sie Aermster, was müssen Sie gelitten haben?" Mirat war gar nicht verlegen oder traurig, er lachte: „Dachte es wohl, daß Sie davon gehört haben. Hat viel Staub aufgewirbelt, die Sache damals. Auch in Paris, nicht?" „Auch in Paris", gab ich zu. „War eine komische Geschichte. Als ich zurück- kehrte, war es wie ein Triumphzug. Die Oppo- sition wollte es politisch ausnützen, ich sei ein Opfer der Regierung. Ich winkte ab, in Neu- Kaledonien hatte ich Aufregungen genug gehabt, jetzt brauche ich Ruhe. Hier wich man mir aus. Es kümmerte mich wenig. Zettungen und Parteien grifsen mich an. andere Zettungen und andere Parteien verteidigten mich. Dann starb mem Vetter und hinterließ mir einiges Geld. Damit ebbte die Aufregung ab� Das war wieder komisch. Als ich arm war, galt ich manche» als Verbrecher, der wohlhabende Mirat war selbstverständlich ein Ehrenmann. Haha! Dann wurde ich sogar eine Art von Märtyrer, eine Sehenswürdigkeit der Stadt. Fremde wollten mich kennen lernen. Back- fische bettelten um Autogramme. Dann kam wieder ein Umschwung. Man flüsterte sich zu, ich wäre ein schlauer Fuchs und hätte der Gerechtig- keit ein Schnippchen geschlagen. Aber das ver» größerte sogar die Achtung meiner Mttbürger, und eines Tages", da sing sein verrunzeltes Gesicht zu strahlen an,„wollten sie mich sogar als Maire haben. Ich lehnte ab, und sie waren gekränkt. Dann ist die Sache allmählich eingeschlafen." Ich war eigenllich befremdet über die Gleich- gültigkeit, die Mirat der ungerechten Verurteilung, dem Aufenthalte im Zuchthause entgegenbrachte. Er schien keinen Funken Groll gegen die Gesell- schaft zu hegen, die an diesem entsetzlichen Er- eignis Schuld trug. Und sonderbar, niemals hatte er mir gesagt: ,Jch bin unschuldig!" Während drei Monaten versuchte ich die Schuld- frage in unseren Gesprächen immer wieder auf- zurollen, er wich aber geschickt aus. Erst vor meiner Abreise fragte ich dixekt: „Her Mirat, sagen Sie mir aufrichtig, waren Sie damals ganz und gar unschuldig?" Ein ironisches Lächeln glitt über sein Gesicht: „Wissen Sie, Herr Capus, es such dreißig Jahre her. und es ist heute gleichgültig, ob ich oder ein anderer den Mord begangen hat. Mir hat man zuerst bewiesen, nur ich könnte der Mörder sein, dann bewies man der Welt, ich sei unschuldig. Wie es wirklich war, ich weiß es nicht mehr!" Damit verabschiedete er sich, ich fuhr nach Paris und sah chn niemals wieder. (Berechtigte Uebcrtragung voll R. Geerling.) Was gibt es Heues? Sin Sßlick in die Zorfehung Im mexikanischen Staate Vera Cruz wurde im Oktober ein Gesetz angenommen, nach dem geistig Defekten und wirtschaftlich oerelenden Personen die Fortpflan- zung untersagt werden soll. Diese radikale Maßnahme will gegen die drohende Uebervölte- rung Abhilfe schaffen, andererseits die Generations- kette erblich Belasteter unterbrechen. Gesetzlich zu- gelassen, jedoch unter Einwilligung der betreffen' den Person, ist die Sterilisation bereits in 27 Staaten der amerikanischen Union, von denen Kalifornien an erster Stelle steht wo während der letzten zehn Jahre 5000 Menschen, besonders Kriminelle. sterilisiert wurden. Im allgemeinen hat die Begeisterung für die Sterilisation als Heil- mittel gegen die wachsende Kriminalität nach- gelassen. Das Streben geht dahin, Kindern schäd- liche Iugendeindrücke fernzuhalten, sie in gesunder Umgebung aufwachsen zu lassen und vor allem für bessere Lebensbedingungen zu sorgen. Eine kürzlich stattgefundene Sitzung der ameri- kanischen Gesellschaft für wissenschaftlichen Fort- schritt zeigte, in welchem umstrittenen Stadium sich das Problem befindet. Den Haupteinwand gegen die Sterilisation bildet die ungeklärte Lage in der Vererbungslehre So behauptet Dr. R. A. Fisher, daß nach seinen Beobachtungen nur H Proz. der Schwachsinnigen aus einer typisch belasteten Familie stammen, während die übrigen 89 von anscheinend gesunden Elternpaaren her- rühren. Von anderer Seite wurde betont, daß oft die Feststellung schwierig sei, ob bei einem geistigen Defekt Vererbung oder erworbene Faktoren (Milieueinfluhl als Ursache vorliegen. Der be- kannnte Biologe I c n n i n g s äußerte sich, daß geistige Minderwertigkeit auf einer„Zufalls- kombination" verschiedener Vererbungskeime in den Generativnsreihen beider Eltern beruht. Auch in Deutschland gehört die gesetzlich zugelassene Sterilisation Minderwertiger zu den Gegenwartsproblemen, wie die letzte Kriminalisten- tagung in Frankfurt zeigte. Die Skeptiker waren schwach vertreten Der Heidelberger Professor G r u h l e warf gegen die Sterilisation aus eugenischen Gründen ein, daß vielfach die Nach- teile für die Nachkommenschaft nicht aus Gesichts- punkten der Vererbung, sondern durch oerhäng- nisvolles Milieu oder mangelnde Erziehungsmög- lichkeiten ihre Erklärung finden. * Die wachsende Kriminalität in USA. hat die Anthropologen mobilisiert, die äußeren Merkmale und die körperliche Beschaffenheit des Kriminellen zu studieren. Lo m b r o f o s Idee, den Verbrecher mit bestimmten Tiergruppen zu vergleichen (Gorillatyp), wurde als haltlos verworfen. Ueberhaupt kann man keinem Menlchen den Verbrecher vom Gesicht lesen. Auch hier zeigt sich die Physiognomik eher als gefährliches Gesellschafts- spiel denn als Werkzeug ernsthafter Wissenschaft. Verbrecher haben ebenso den„ehrlichen Blick" wie tadellose Charaktere niedrige Stirn, schwaches Kinn oder Henkelohren Professor H o o t o n hat 18 999 Personen eingehend untersucht und meint, daß nicht das Gesicht, wohl aber der a l l g e- meine Körperbau Schlüsse zuläßt. Beson- ders der athletische Typus(Kretfchmer) steht im Vordergrund. Und doch kann man sie an den Ohren erkennen, meint Dr. K i l m e r, ein bekannter New-Borker Arzt, der sich seit Jahren mit dem Studium der Ohren beschäftigt. Er photographiert sie mittels einer besonders konstruierten Kamera und fand beim Vergleich von mehr als 39 999 Ohrenpaaren nicht zwei gleiche. Auch beim einzelnen Menschen sind rechtes und linkes Ohr stets verschieden. Dr. Kilmer ist überzeugt, daß seine„Ohrographie" eine nützliche Ergänzung für die Identifikation von Verbrechern sein wird. Er hat z e h n Grundtypen aufgestellt, nach denen sich alle Menschen einteilen lassen, und es zeigte sich, daß Im Burenkrieg, in den Iahren 1899 bis 1992, wurde Elisabeth Gillard, die Buren- generalin, nahezu täglich in den Zeitungen ge- nannt. Heute, nach über dreißig Jahren, taucht der Name noch einmal aus der Vergessenheit auf. Aus England wird gemeldet, daß Elisabeth Gillard, 79jährig, in einer kleinen Stadt hoff- nungslos darniederliegt. Für uns Sozialisten hat ihr Leben einen anderen Sinn als für jene, die diese Frau als kriegerische Heldin feiern. Eine wilde Reiterin der Prärie, estie Amazone Südafrikas— so tritt sie uns im.ersten Teil ihres Lebens entgegen. An der Spitze ihres Regiments von Männern reitet sie wie eine Furie über das Schlachtfeld zum Angriff auf die Engländer, bis sie endlich schwer verwundet in Gefangenschaft gerät. Welches find die Gründe dieser wilden Leidenschaft? Es ist Haß aus Liebe geboren. Ihr junger Gatte fiel im Kampfe gegen England. Um ihn zu rächen, nahm sie die Waffe zur Hand. Aber nun kommt die seltsame, unerwartete Wen- dung. Oder ist vielleicht gerade dieser völlige Um- schwung zutiefst begründet und zeigt gerade er, wie wenig diese Frau innerlich mit der Idee des Kampfes, den sie gegen England geführt hatte, verwurzelt war? In der Gefangenschaft söhnt sie sich mit den ehemaligen Feinden aus. Und als wenige Jahre später in Ostafrika Kaffernaufftände ausbrechen, da wirkt sie als Kranken- Pflegerin und gleichzeitig als kämpfender Soldat inmitten englischer Truppen! Noch viel mehr! Sie verlobt sich mit einem hohen englischen Offizier, gegen den sie vor kurzem haßerfüllt gekämpft hatte. Er fällt, und damit schließt die zweite Periode dieses seltsamen, abenteuerlichen Lebens. Nunmehr zieht sie sich völlig vom Kriegsschau- platz zurück. Ihre Freunde verlieren sie aus den Augen. Man erzählt sich, daß sie auf Reisen in Europa sei, daß sie still und unbekannt lebe. Erst während des Weltkrieges wird ihr Name wieder genannt. Abermals ist sie in Südafrika. Aber diesmal ist sie nicht Soldat, fondern sie predigt den Frieden. Sie fordert ihre Freunde auf, nicht gegen die Deutschen in Süd- westafrika zu kämpfen. Als ihr das nicht gelingt, bestimmte Formen bei Kriminellen überwiegen. Das abstehende Ohr findet sich zu 23 Proz. bei ehrsamen Bürgern, aber zu 44 Proz. bei Kriminellen. Autodiebe halten mit 64 Proz. den Rekord an abstehenden Ohren Dr. Kilmer oergißt aber nicht die Einschränkung, daß sich durch die sozialen Verhältnisse bei den ärmeren Klassen mehr ab- flehende Ohren finden und der Zusamenhang «wischen vernachlässigter Kindheit und Verbrecher- tum zu berücksichtigen ist. * Menschenkenntnis aus äußeren Merkmaien klingt zwar verlockend, muß aber zu ungenauen Resultaten führen, weil sich das Lebendige nie in eine Kartothek sperren läßt. Auch um die G r a- phologie ist es seltsam still geworden: kein Zeitungsartikel singt mehr ihr Loblied. Sie war versucht sie, den Deutschen als Helferin des Roten Kreuzes und der Mission zur Seite zu stehen. Die Folge ist. daß sie erneut von den Engländern inhaftiert wird. Zum drittenmal schließt sich der Ring ihres widerspruchsvollen Lebens. Wenige Jahre nach Beendigung des Weltkrieges heiratet sie als Fünfzigerin zum zweitenmal. Ihr Gatte ist ein südafrikanischer Kaufmann— kein Deutscher, sondern englischer Abstammung! Aber auch jetzt versucht sie, zu handeln und tätig zu sein. Ihr Wirkungsfeld aber liegt nun außer- halb der politischen Sphäre. Sie sendet Hilfe in verseuchte, fieberkranke Gebiete Südafrikas, ja, sie geht selbst als Führerin mit und versucht, durch Ausgabe von Medizin und persönliche Pflege Rettung zu bringen. Dann aber greift die Krankheit nach ihr selbst. Man bringt sie endlich nach England, in der Hoffnung, daß der Klimawechsel helfen könnte. Aber alles ist vergeblich. Ihr Leben neigt sich dem Ende zu. Ein fremdartiges, nicht alltägliches Frauen- schicksal. Seltsam, für den äußeren Betrachter unmotiviert, die Extreme von zerstörender Kampfesfreude und helfendem Aufbauwillen. eigenartig die Widersprüche des Zieles und die Richtung des Lebensweges. Und doch will es �ankfielle In einem sächsischen Städtchen befindet sich die Tankstelle gerade gegenüber der Kirche. Mit Neid sieht der Pfarrer, wie jeden Sonntag zahlreiche Ausflüglerautos an der Betriebsstoff spendenden Säule halten, ober keiner der Fahrer kehrt zur Andacht bei ihm ein. Da faßt er einen Plan. Eines Sonntags steht ein Schild neben der Tank- stelle- Automobilisten! Ihr habt Benzin getankt. Nun tanket alle Gott! .JonstKan. eine Mode, mehr nicht. Nur für den Scharla- tanismus bleibt die„praktische Menschenkenntnis" ein dankbares Feld. Immer noch spukt die Lehre des seligen Dr. G a l l, und es fehlt nicht an „wissenschaftlichen Instituten" wo Gläubigen die Schädeldecke abgetastet oder mit elektrischen Meß- geräten untersucht wird, um Charakter, Beruf und andere Möglichkeiten festzulegen. So hat Mrs. O d e l l neben einer guten Einnahmequelle 42 Punkte des Kopfes entdeckt, aus denen sie das Charakteralphabet abliest. Was Ha n u s f e n für Berlin, scheint sie für London zu sein. Daß manch- mal das Richtige getroffen wird, hat oft eine Ur- fache, die an Kartenlegen erinnert. Vielen genügt es Aber für die Wissenschaft sind Mensch und Charakter viel zu komplizierte, vieldeutige und rätselhaste Gebilde, um sie nach einem trockenen Schema zu beurteilen oder abzuurteilen. Gax. scheinen, als läge gerade darin der Sinn. Up- willkürlich denkt man an den Konflikt der Jung- frau von Orleans, wie ihn Schiller in seinem Drama schilderte: Die Kämpserin gegen England läßt das Schwert sinken, als sie in ein Menschenantlitz blickt, das ihr zutiefst oerwandt und vertraut scheint, obwohl es dem„Feinde" an- gehört. Liebe und Menschlichkeit sind stärker als die Waffen des Hasses und der Ver- nichtung. Und so scheint auch im Leben dieser südafrikanischen Frau, der einstigen Buren- führerin Elisabeth Gillard, das Zerstörende immer wieder in der Bejahung des Lebens, in einer Be- tätigung wertvollerer, kulturell höher stehender Art untergegangen zu sein. Und wenn sie vielleicht auch das letzte Ziel, dem sie zustrebte, in allen Irren und Wirren selbst nicht klar er- kannte— die Ansätze dazu sind trotz allem un- verkennbar. Nicht die„Heldin", sondern die Helferin Elisabeth Gillard ist der eigentliche In- halt dieses Frauenlebens. ZKlaffifche Philosophen Spidel(1. Jahrhunderl n. Chr.) Das Lernen allein genügt nicht, sondern man muß auch die Gewöhnung hinzunehmen und dann die Uebung. Der Stoff(der Dinge) ist gleichgüllig. Wie kann man nun Festigkeit und Gemütsruhe be- wahren und sich doch zugleich sorgsam, nicht un- überlegt oder fahrlässig(gegenüber den Dingen) oerhalten? Wenn man es macht wie die Würfel- fpieler. Die Steine(im Brettspiel) sind gleich- gültig und die Würfel sind gleichgültig: woher aber soll ich wissen, welcher Wurs fallen wird? Den gefallenen Wurf sorgfältig und sachverständig benutzen, das ist dann meine Aufgabe. Wie die Sonne nicht auf Gebete und Zauber- spräche wartet, sondern ohne weiteres leuchtet und allgemein willkommen geheißen wird, so warte auch du beim Wohltun nicht auf lauten Beifall und Anerkennung, sondern tue wohl aus eigenem Antrieb, und man wird dich lieben wie die Sonne. Wenn man dir erzählt, daß der und der dich geschmäht habe, so verteidige dich nicht gegen das, was er gesagt hat, sondern antworte:„Er kannte wohl meine sonstigen Fehler nicht, da er nur dies von mir erwähnt hat." 79. Abt. Freitag, 18. November, 20 Uhr, Fuitltionärversammlung bei Holte, Siegfriedstr. 9. 92. Abt. Der Iiingerenabend fällt aus. 93. Abt. Freitag, 18 November, pünktlich 20 Uhr, erweiterte Vorstandssitzung bei Keil, Punz-Handjerp-Etr. 38. 99. Abt. Freitag, 18. November, Funktioniirsitzung im Sitzungsraum Hanne. mannstr. 40. Der Abteilungsvorsland trifft sich pünktlich 18>,z lldr ebenda. Die Funktionärinnen kommen Vj Stunde früher im gleichen Raum zu- sammen. 192. Abt. Bezirke 1 bis 15 und 21: Donnerstag, K. November, bei Scheffler lBorgmann Nachf/>, Baumfchulenstrptzc: Bezirke 16 bis 20 im Neu-Tivoli. Neue Krugallee, Versammlung der Konsummitglieder der SPD. Referat und Aufstellung der Delegierten. Ausweis: Parteibuch und Einlaufstarte. 120. Abt. Freitag, 18. November, 20 Uhr. Funktionärsttzung an bekannter Stelle. 128. Abt. 113. Abt. 13. Freitag, 18. November, Funktlonärsttzung bei Schulde. Nächste Versammlung erst am 23. November bei Schmischke. Frauenveransialtungeu: Kreis. Die Frauenabteilung der FTEB., Bezirk Tempelhvf. turnt nicht mehr in Mariendorf, sondern übt jetzt nach Musik in der Turnhalle ani Alarichvlatz in Tempelhof Dienstags von 20�-22 Uhr. Die Genossinnen sind herzlichst eingeladen. 9. Abt. Wegen der Vorständekonferenz und Reserentenzusammenkunft am 17. November wird unser Frauenabend auf den 28. November verschoben. Arbeiksgemelnschaft der kinderfreunde. Morgen. Donnerstag. 20 Uhr, gemeinsame Musikprobe unserer Helfer mit dem Sozialistischen Orchester in der K-rl»Rarr>Schnl«. Neukölln. Vorstandssttznng Freitag, 18. November, 17 Uhr, in der Geschäfts- .. stelle, Lindenftr. 2. Site Krenzberg: Morgen, Donnerstag, V a d e n in der Baerwaldftratze. Treffen 18?� Uhr in der Vorhalle. Ausweis und 12 Pf. mitbringen. für heute, Mittwoch, angesetzten Neigungsgebiet« werden auf nächsten Mittwoch verlegt. Nächste Helfersitzung Montag, 21. November, 10 Uhr, Manteuffclstr. 7. Eharlottcnburg: Donnerstag, 20 Uhr, Elternabend im Heim Rostnenstr. 1. Referent: Genossin Roeder. Neukölln: Morgen, Donnerstag, 20 Uhr. Helfersitzung im Kreisheim. Material abholen.— Abt. Jungvolk: Morgen, 19 bis 21lo Uhr, Bunter Elternabend in der Karl-Rarx-Schule. Lichtbilder und Bericht aus dem Pariser Lager.— Abt. 2ichtkämvf?r: Iungfalken heute, Mittwoch, 11 Uhr, Basteln im Krcisheim, an- 'chliesiend Seimnachmittag. Abt. Köpenick: Die Jung, und Rote Falken gehe» am Sonntag ins Museum ■llr Meereskunde. Treffen 9 Ubr Bhf. Kövenick. siurllck 11 Uhr. 30 Pf. mit- 'ringen.— Heute, Mittwach. Fahrt der Nestfalken nach Rüdersdorf. 10 Uhr ghf. Köpenick. 15 Pf. mitbringen. Alle Sterbetafel der Groß« berliner Partei«Organisation heute, Mittwoch. 20 Uhr: Norden: Treffpunkt zur Fahrt 7 Uhr Bhf. Gesundbrunnen.— Falkplah I: Schnipselfahrt. Treffpunkt 8 Uhr Bhf. Schönhauser Allee.— Andreasplatz I: Brommystr. 1: Die Mädel gestalten den Abend aus.— B-ltenpl-tz: Wanderung durch Alt-Berlin. Trefspunkt 1318 Uhr Weberwiese sNormaluhr).— Frank. surter Viertel: Frankfurter Allee 307: Bunter Abend.— Warschauer Viertel NF.: Litauer Str. 18: Heimabend.— Spandau. Aeltcre: Lindenufer 1: Arbeit». aemeinsthaft.— Steglitz 1: 16 Uhr Zusammenkunft beim E-nofs-n Auchter.— Neukölln I: Schnitzelfahrt. Treffpunkt 6 unb 7 Uhr„Rate Ecke". 60 Pf. Unkosten.— Bohnsdorf und Foltenberg: Wochtclstr. 1: Bunter Abend.— Fried- richshagen: Zriedrichftr. 87:„Kapitalistische Wirtschaft".— Lichteubcra.Ritte: Treffpunkt zur Schnipselfahrt 7 Uhr Bhf. Stralau-Rummelsburg. l9>4 Uhr Heimabend.— Warschauer Biertel: Trefspunkt zur Fahrt 7 Uhr Warschauer Brllcke.— Mohlsdorf: Geländespiel. Morgen, Donnerstag. 20 Uhr: Arnswalder Platz 0: Echänlanker Str. 11, B. 3: Heimabend.— Faltplatz 1: Sonnenburger Str. 20: Elternabend:„Sozialistische Erziehung".— Humann- platz: Sleimftr. 33—85:„Warum Kl-ssenkampft"— Nordost Ii: Dan, iget Strißc 62:„Die Wirtschaft im Wandel der Zeit", II.— Schönhauser Vorstadt: Sonnenburger Str. 20: Heimabend.— Kallelches Tor: Porckstr. 11:„Tagespolitik".— Hasenheide: Wassertorftr. 1:„Die Kinderfreundebewegung".— Kott- basier Tor: Urbanstr. 167:„Der Faschismus in Italien unb fein Sieg".— Köpenicker viertel: Manteuffelstr. 7: Revolutionsfeier.— Südwest: Lindenftr. 1: Arbeitsgemeinschaft.— Schöncbera M: Hauptstr. 15: Die Mädel gestalten den Abend aus.— Warfchouer viertel: Litauer Str. 18: Arbeitsgcmeinlchaft.— Ebarlottenbnra RF.: Rostnenstr. 1: Bunter Abend.— Westend: Sportplatz Westend: lO-Minuten-Referate.— Zehlendorf-West: Zinnowwaldfchule:„Ar. beiterbildungsfchule", II.— Schöuewcide 1: Berliner Str. 31:„Völkerbund und Abrüstung".— T-gcl: Schöneberger Str. 3:„Revolution". I.— Buch: Linden- hofstiatz«: wchallnlattenabend. «erbebezirk W-ddinn: IUnqersnturfus:„Politische Schlagwörter", Referent Georg Albrecht. Seim Putbusser Str. 23. Wcrbebezirk Osten: Arbeitsgemeinschaft„Marxismus" letzter Abend, Litauer Strasie 18. Werb-be-iri«ü-aelf-e: Kursus kür Aelter«:„Kanitaliftif»'- Krise- sozia. listischcr Ausbau". Reierent Iul. Diederiib. H,im Grünauer Str. 5. Wcrdcbezirk Neukölln:„Der Querschnitt" probt l9>., Uhr Steinmetzstr. 111. t 52. Abt. Unser Genosse Heinrich Tobehn ist verstorben. Beerdigung Donnerstag, 1394 Uhr, in Stahnsdorf-West von der grohen Kapelle au«. | Soziallstische Arbeiterjugend Groß'Verlin Einsendungen kür diese Rubrik nur an das Iugendf-kietarlat Berlin SW 68 Lindensirasie 2. vorn l Trevv' recht» Freidenlerknndgebuno Rontag. den 21. November, im Sportpalaft. Alle »rnppen, die am 21. keinen Heimabend durchsühren, beteiligen sich an der Kundgebung. Eintrittskarten zum Preise von 10 Pf. sind im Sekretariat zu laden. Faynen mitdringen. Für Fahnenträger ist der Eintritt frei. Proletarisches Orchester der SAZ.: Heut«, II Uhr, Probe im Jugendheim Zwdenstr. t. Morgen Sr. B.: Prob, 20 Uhr im Aeichenf-al der KMS., Neukölln. �reie Gewerkschafis-.�uaend Berlin Heute, Mittwoch. 16. November, um 19'-. Uhr, tagen die Gruppen: Güd' weften: Schnitzelfahrt von Erkner nack Rüdersdorf.— Nordriaa: Fahrt _. /um Ma�fee.— Arnswalder Pla«,: Wir sind auf Fahrt.— Reukölln: Schnitzelfahrt. 7U Uhr Treffen Bahnhof Neukölln.— Humboldt- Wir geben auf Fahrt.— Charlottenbarg: Fahrt. Treffpunkt 7 Uhr Wilhelmvlati.— Inaend. pruppe des Gefamtaerbändes: Fahrt nach Erkner— Rüdersdorf sEchnitzelkahrt�. Trcffvunkt 7 Uhr Bahnhof Stralau-Rummelsburg(Eingang S�nntagstrasie». Unkosten 6(1 V. Fachqruvpe Gärtnerei und Binderei: Jugendheim Engel- ufer 24— 25. Diskussionsabend:..Der freiwillige Arbeitsdienst".— Iugendqrunoe des Deutschen Bekleidnnqsarbeitcrverbandes: Schnitzelfahrt. Treffpunkt 8 Uhr S-Bahnhof Alexanderplatz. Xuoentoruope ves.-»entralverbandes Oer Anoestellten Heute, Bußtag, keine Veranstaltungen. SPD.»B?ü.Arbiiter Adlersbof. Sonnabend,>9. November. 19'> Uhr bei Wittschutz. Petetsburgor Sir Fraktionssitzung. Mitgliedsbuch mitbringen. Arbeitsgemeinschaft fo-ialdemokratifcher Dentisten. Donnerstag, 17. Novem- der, 20 Uhr, Sandrees Weißbierstuben, Srunerstraße, Vortrag des Genosien Dr. Lewin über„Sozialhhgirne". 3)ie ffiurengeneralin Siild einer&rau/ Ton Slfe Wlöbus Groß-Berlin «tmrndungen für»tele Rudrt« sind Ä stet» an du» B-ztrksietretanni B* 1 1 1 o SO 68. Liudenstrnß» 3 y&at&y 1- Kot. 2 Treppen recht», zu richte» Bezirksausschuh für Sozialistische Bildungsarbeit. Lindenftr. 3, 2. Hof, 2 Treppen. Großer Reich». Arti st enwett st reit de» Arbeiter.«thle. ten- Bundes Sonntag, 20. Nonembcr, 16 Uhr, im großen Saale„Reue Welt". Karten sind in unserem Büro zu haben. Die Bildungsobleute werden gebeten, spätestens Sonnabend, 19. Nonembcr, abzurechnen. Protestkundgebung gegen dos drohende Berbot des Deutschen Freidenker- verbände» am Montag, 21. November, im Sportpalast. Karten sind in unserem Büro zu haben. Beginn aller Veranstaltungen WA Uhr, sofern keine besondere Zeitangabe! ä- Kreis. Mittwoch, 16. November fBußtag), im Saalbau Friedrichshain, Bußtagskanzert. Mitwirkende: Männerchor Friedrichshain, Eltern- und Kinderchor der weltlichen Schule Danzigcr Straße, Neuköllner Mustkver- einigung 1912. Eintritt 50 Pf., Erwerbslose 20 Pf. Karten sind noch bei den Bezirksführern, Abteilungskassierern und an der Kasse zu haben. I. Krci». Freftag, 18. November, 19>4 Uhr, erweiterter Äreisvorstand mit Abteilungsleitern bei Krüger, Srimmstr. 1. 7.«reis. Donnerstag, 17. Novembex, 15 Ubr, im Jugendheim Rosinenstr. 1, Zusammenkunft erwerbsloser Parteimitglieber. Fortsetzung der Aussprache über„Erwerbslosenkollektiv". 11. Kreis. Donnerstag, 17. November, 20 Uhr, bei Will, Martin.Luther-Str. 69, Beginn des Kursus Dr. Franz Neumann:„Demokratie— Diktatur". Zahl- reiche Beteiligung dringend erwünscht.— Donnerstag, 17. November, 16 Ubr, bei Will, Martin-Luther-Str. 69, Zusammenkunft erwerbsloser Parteimitglieder 13. Kreis. Donnerstag, 17. November, 20 Uhr, Kursus, Kurfürstenstraße, Mittelschule. Referent Dr. Krchßig:„Arbeitsbeschaffung und Umbau der Wirtschaft". 13. Kreis. Freitag, 18. November, treffen sich 1694 Uhr die Banner, und Fahnendelegationen anläßlich der Trauerfeier für den verstorbenen Ge. Nossen Hermann Müller vor dem ehemaligen Lokal Borgmann in Baum- fchulenweg, Baumschulenftr. 89. I. Abt. Freitag, 18. November, bei Micheel, Köpenick«! Str. 53ssi wichtige Funktionärsitzung. Sämtliche Funktionäre, auch die stellvertretenden Be. zra�ftihrer, müssen anwesend lein. 4. Abt. Freitag. 18. November, 20 Uhr, Funktivnärsstzung bei Brandis, Stra. lauer Str. 10. *"?.?)• Freitag, 18. November, Vorstand 19 Uhr, Funktionäre 20 Uhr bei Hübner. Die Fahnen sind wieder abzuliefern. 19. Abt. Freitag. 18. November. 19 Uhr, Funktivnärsstzung bei Tollkien, Grünthaler Str. 33. 30. Abt. Konsummitglieder der 121. Verkaufsstelle Donnerstag, 17. November, wichtige Versammlung der Fraktion„Aufbau" bei Kuhlisch. Zelter Straße Ecke Prenzlauer Allee. Zahlreiches Erscheinen unbedingt erforderlich. 37. Abt. Wegen der Borftändekonferenz am 17. November wird die Zusammen» kunft aller Mitglleder der 7. und 127. Verkaufsstellen des Konsums auf Freitag, 18. November, bei Rafchke, Matternstr. 11, verlegt. 54, Abt. Sannabend, 19. November, Funktionarsitznng im Jugendheim. 74. Abt. Donnerstag, 17. November, 20 Uhr, Mitgliederversammlung im Waldhoiis. Spandauer Straße.„Die Partei vor neuen Aufgaben", Referent A. Wuschick. 73. Abt. Sannabend, 19. November, 20 Uhr, Mitgliederversammlung im Lindenhof, Wilhelmplatz.„Nach der Wahl— Volksbegehren", Referent Alfred Marlwitz. Erweiterter Außenhandel Der Ausfuhrüberschuß bleibt stabil Vuch im Oktober hat die leichte Belebung des deutschen Außenhandels, die schon im Zeptember zu verzeichnen war, sich sowohl bei der Ausfuhr wie bei der Einsuhr sortgesetzt. Die Einsuhr stieg wertmäßig von 360,2 aus 338,2 Millionen und die Aussuhr von 443,8 auf l81,7 Millionen Mark. Die gleiche Steigerung auf der Ein- und Ausfuhrseite hat den Export- Überschuß mit 83,5 gegen 83,6 Millionen Mark im vorhergehenden Monat st a b i l gelassen. sZn den legten drei Monaten, August bis Ottober, ist die Einfuhr von 331,5 auf 398,2 Mil- lionen Mark, also um rund 23 Pro z. ge- st i e g e n, während sich die Aussuhr in dem gleichen Zeitabschnitt von 428,2 aus 481,7 Mil- lionen Mark, also um 12,5 Proz. gehoben hat. Man wird diese Ausweitung des deutschen Außenhandels nicht nur auf saisonmäßige Gründe zurückführen können. Zwar erfährt der Außen- Handel im Herbst regelmäßig eine gewisse Belebung, aber die Steigerung in den ver- gongenen drei Monaten ist gegenüber der gleichen Zeit des Vorjahres bei der Ausfuhr um ein Drittel höher und bei der Einfuhr sogar mehr als doppelt so stark. Auch wenn man berücksichtigt, daß die Mengensteigerung im vergangenen Jahr bei der Ein- und Ausfuhr durch die scharf absinkenden Preise vielfach über- deckt wurde, und daß seit August d. I. sowohl die Preise für Import« wie auch für Exporte sich nahezu stabil verhalten, teilweise sogar ziemlich kräftig gestiegen sind, kann man aus der Eni- Wicklung des deutschen Außenhandels seit dem Monat August doch gewisse Schlüsse auf eine Ueberwindung des Tiefpunktes der Krise ziehen. Warcngruopcn Einsuhr im Ot.ober 1332 iZep! Ott. in Mill III. 3,7 5,1 Aussuhr im Offober 1932 Sept. Ott. in Mill M. 1.0 0.7 106,7 128,0 21,9 23,2 1. Lebende Tiere. 2. Lebensmittel und Getränke.. 3. Rohstoffe u. halb- fertige Waren 4. fertige Waren. Zusammen 1.— 4.: 360,2 338,2 443,8 481,7 194,4 55,4 206,9 58,2 80,6 340,3 Mengenmäßig ist die Ausfuhr im Oktober nur um etwas mehr als 7 Proz. gegenüber einer 8�prozentigen Wertzunahme gestiegen, da be- merkenswerterweise der Durchschnittswert der deutschen Gesamtaussuhr sich um 1 Proz. g ech o b e n hat. Bei einem leichten Sinken der LpaitimA im Einzelhandel Waren- und Kaufhäuser aus der Hauptgemeinschaft ausgetreten ver verband Deutscher waren- und Sauf- Häuser e. V.. Berlin, hol gestern nachmittag beschlossen, aus der Hauptgemeinschaft des deutschen Einzelhandels auszuscheiden. Dieser Beschluß des Warenhausverbandes Ist eine Folge der Beschlüsse, die gestern vormittag auf der Mitgliederversammlung der houptgemeinschast gesaht wurden. Damit ist zur Tatsache geworden, was man mit allen Mitteln zu verhindern gesucht halte: die Haupt- gemeinschast ist geplatzt, wahrscheinlich für alle Zelten. Der Kampf innerhalb des Einzelhandels ist ein gleiches K r i s e n s y m p t o m wie das An- schwellen der Nazistimmen. Die schlimmste Krise des Kapitalismus wurde für den Einzelhandel noch dadurch verfchärft. daß die politischen und wirtschaftlichen Machthaber Deutschlands einen systematischen Lohn- und Gehalts- und Unterstützungsraub, eine systematische Vernichtung der Massenkouffraft durchführten. Als infolgedessen die Umsatzziffern von Monat zu Monat sanken— bei den kleinen Händlern übrigens nicht oder nicht viel stärker als bei den Warenhäusern—, da verloren weite Kreise im Einzelhandel den Kopf— politisch erhoffte man das Heil vom Messias Hitler, wirtschaftlich sah man alles Unheil von den natürlichen Konkurrenten kommen, von den Großen, den Warenhäusern(und Konsumgenossen- schaftcn!). Wenn die Vernunft nichts mehr gilt, dann nutzt es natürlich nichts, die Volkswirt- s ch o f t l i ch e Berechtigung oder Notwendigkeit der Großbetriebe zu beweisen und die falsche Front in der Einstellung der Einzelhändler auf- zu zeigen. Und so nahmen die Dinge diesen Ver- lauf. In der geschlofsenen Mitglieder- Versammlung der Hauptgemeinschast wurde zwar der Antrag, die Verbände der Waren- und Kaufhäuser und der Lebensmittelfilialbetriebe auszuschließen, mit 128 gegen 85 Stimmen abgelehnt. Aber die Minderheit war doch so stark, daß der Warenhausverband gemäß seinen früheren Beschlüssen nunmehr von sich aus den Austritt erklärte. Dieser Entschluß wurde ge- fördert durch einen anderen Beschluß der Haupt- gemeinschast. nach dem die Steueraus- s ch ü s f e beauftragt werden, Anträge auf Ein- führung einer Warenhaus- und Zilialfleuer auszuarbeiten und zu prüfen, ob außerdem(!) eine allgemeine Großbetriebssteuer(wie sie jetzt besteht in der erhöhten Umsatzsteuer) zweck- mäßig erscheine. Dieser Beschluß zeigt mit aller Deutlichkeit, daß die Feindschaft gegen Waren- Häuser und Filialbetriebe innerhalb der Haupt- gemeinschast jetzt so groß geworden ist, daß ein Austragen der Gegensätze in aller Oesfent- l i ch k e i t nicht mehr zu vermeiden war. In der öffentlich en Mitgliederver- s a m m l u n g am Nachmittag hielt der Geschäfts- führer der Hauptgemeinschaft, Dr. Tiburtius, das wirtschaftspolitische Referat, das sich nicht nur mit der Not des Einzelhandels, sondern auch mit Fragen der Wirtschafts- und Handelspolitik be- faßte. Im Mittelpunkt dieser Versammlung stand eine Ansprache des Reichswirlschaflsminislers Warmbold. Daß Warmbold als der eigentlich V e r a n t- w o r t I i ch e für Popens Ankurbelungsprogramm die Silberstreifen einer möglichen-Besserung mit Liebe nachzog, war zu erwarten Daß die Roh- stoffpreise wieder zurückgegangen sind, sei nicht verwunderlich, da alle Preisbewegung„in Wellenlinien" vor sich geh«. Im großen und ganzen seien Erzeugung und Verbrauch zum Ausgleich gebracht, so daß die Lagervorräte in der Welt nicht mehr anstiegen(aber sie sind noch nicht im geringsten abgebaut und drücken auf die Märkte. D. Red.). Die Verflüssigung auf den internationalen Geldmärkten habe auf die Kapitalmärkte übergegriffen und die englische und französische Zinskonversion ermöglicht. Das Vertrauen ist nach Warmbolds Ansicht gestiegen, weil Reichsbank und Regierung an der S t a b i- litätder Währung sesthielten und unbedingt festhalten werden. Warmbold nahm für die Regierung in An- spruch, den richligen Zeilpunkt für die Ankurbelung gewählt zu haben. Aber er ist sehr zurück- haltend geworden. Wenn keine besonderen Ereignisse einträten, dürfe man hoffen, daß die Besserungszeichen in den nächsten Monaten andauern würden und daß im Frühjahr ein deutlich sichtbarer Umschwung eintreten werde. Aber man müsse„diese ersten Keime' der Hofs- nung sehr pfleglich behandeln"— und da ist Warmbold nicht ohne Sorge. Er wolle in diesem Zusammenhang— ein deutlicher Seitenhieb auf die Kontingentsforderungen!— nicht „von der Politik, der er fernstehe", sprechen. Das alles klingt wesentlich anders als der Optimismus Papens, des forschen Reiters. durchschnittlichen Einfuhrwerte um lA Proz. beträgt die mengenmäßige Einfuhrsteigerung im Oktober rund 11 Proz. Den Hauptteil an der Steigerung der Einfuhr haben Lebensmittel mit 21 Millionen und Roh- stoffe mit 13 Millionen Mark Mehreinfuhr, darunter an erster Stelle Textilien. Zahlreiche wichtige Rohstoffe, wie Textilien, Oelfrüchte. Häute und Felle, Holz weisen eine weitere Zunahme ihrer Durchschnittswerte auf. Die Ausweitung des Exportes erfolgte in erster Linie durch Stetgerung der chemischen Aus- fuhr(+ 9 Millionen Mark), Eisenwaren (-s- 7 Millionen Mark), elektrotechnische Fabrikate (4- 4 Millionen Mark) und als Auftakt für das Weihnachtsgeschäft, Kinderspielzeuge und Papier- waren(je 4- 2 Millionen Mark). Zn den abgelaufenen zehn Monaten d. 3. be- trägt der Exportüberschuß Deutschlands 930 Millionen gegenüber einem Ausfuhrüberfchnh von 2,17 Milliarden Mark in der gleichen Zeit des Vorjahres. Eine Durchführung der von den Baronen geplanten Kontingentspolitik würde den schon so geschwächten Lebensnerv der verarbeitenden 3ndustrie, den Export, tödlich treffen. 86,7 371,1 Daimler saniert auch nicht! 1931: 15,5 IWII. Mk. Verlust, 1932; weitere Umsatzschrumpfung Man weiß nicht, worauf die deutschen Unter- nehmer warten. Nachdem die Schwerindustrie das bös« Beispiel gegeben hat und sich um eine Sanierung und damit verbunden um das längst fällige Krisenopfer des Kapitals her- umgebrückt hat, mehren sich auch die Anzeichen, daß sanierungsbedürftige Großbetriebe der ver- arbeitenden Industrie wegen„der Undurchsichtig- keit der wirtschaftlichen Verhältnisse" ihre Sa- nierung auf unbestimmte Zeit ver- tagen. Daimler-Benz ist hierfür ein sehr unerfreuliches Beispiel. Das Unternehmen hat jetzt erst reich- l i ch spät seine Aufschlußziffern für das Ge- schästsjahr 1931 vorgelegt, die den Riesenverlust von 15,5 Mill. M ausweisen. Schon 1930 traten Verluste in Höhe von 7,5 Mill. M. ein, die noch durch Reserven gedeckt werden konnten. Für Ab- deckung des 1931er Verlustes bleibt nur noch der Rest des Reservefonds von 2,3 Mill. M. übrig, so daß damit die Reserven völlig auf- g e l ö st sind. Es wiro noch ein Buchgewinn von 4,8 Mill. M. durch Einziehung von eigenen Stammaktien zur Verlustdeckung mit herangezogen, so daß noch ein ungedeckter Verlust von 8,4 Millionen übrig bleibt, der auf neue Rech- nung vorgetragen wird. Der Daimler-Konzern hatte in den Jahren 1928/29 einen Jahresumsatz von je 130 Mil- lionen Mark, im folgenden Jahre sank der Umsatz auf 99 Mill. M. und 1931 bis auf 69 Mill. M. Für Las laufende Geschäftsjahr rechnet die Ver- waltung mit einer weiteren Umsatz- s ch r u m p f u n g bis auf 56 Mill. M.. Das Eigen- und Fremdkapital, das 1931 schätzungsweise 62 Rkill. M. betragen haben dürste — die Gesamtziffern der Bilanz liegen noch nicht vor—, wird also von dem Umsatz nur noch wenig llbertrosfen, im laufenden Jahre aber bleiben die Umsätze erheblich darunter. Bei sehr angespannter Finanzlag«— 10,9 Mil- lionen Mark Forderungen stehen 23,3 Mill. M. kurzfristige Schulden, darunter fast 6 Mill. M. Bankschulden gegenüber— erweist sich der nach wie vor sehr hohe L a g e r b e st a n d als be- sonders drückend. Zwar-sind die Vorräte von 39,7 auf 28,5 Mill. M. gesunken, wobei selbstver- stänblich Sonderabschreibungen infolge Entwer- tung und Preisrückgänge stark mitsprechen, aber im Verhältnis zum Umsatz sind die Vorräte gegen 1930 noch gestiegen und erreichten rund 41,4 Proz. des Jahresumsatzes. In diesem Jahre dürfte sich das Verhältnis noch verschlechtert haben. Entscheidend ist das Abschreibungsproblem bei den stillgelegten oder nur schwach ausgenutzten Anlagen. Wenn die Gesellschaft für 1931 6,7 Mil- lionen Mark auf Beteiligungen, Vorräte und Forderungen abgeschrieben hat, so erscheint dies zur Bereinigung dieser Bilanzposten noch sehr gering. Völlig unentwirrbar ist noch der millionenschwere Zlbschreibungsbe- darf auf Grundstücke, Gebäude und stillgelegte Betriebe. Hier wird eine Anpasiung dieser Bilanzposten an den Wertschwund der Krise noch böse Ueberraschungen geben. Um so unverantwortlicher ist, daß der Aus- sichtsrat der so notwendigen Sanierung ausge- wichen ist, als ob die Situation bei dem Unter- nehmen nicht genügend Unterlagen für eine wirk- liche Bereinigung bietet. Dieses Ausweichen vor der Wirklichkeit muß die Dinge nur noch ver- schlimmern, und was man unter diesen Umständen von dem Abschluß des größten deutschen Automobilunternehmens für 1932 erwarten kann, liegt auf der Hand. Auslandshanh aufgelöst Wie aus New Aork gemeldet wird, wird die International Aeeeptanee Bank auf- gelöst. Die Aufläsung dieser Bank ist eine auch international interessante Angelegenheit. Denn am Kapital dieses weit über den Rahmen der Vereinigten Staaten hinaus bekannten Instituts sind seit der Gründung ausländische Banken in großer Zahl zu insgesamt einem Drittel beteiligt. Die Gründung erfolgte im Jahre 1921 durch das Bankhaus Kuhn, Loeb u. Co. Es war der Zweck der Gründung der Inter- national Aeeeptanee Bank, das ausländische Bank- geschäft zu entwickeln und insbesondere den amerikanischen Außenhandel durch Ausgestaltung des Akzeptgeschäfts zu finanzieren. Schon in den Iahren 1930 und 1931 ging das Geschäft der International Aeeeptanee Bank katastrophal zurück. Das gesamte Vermögen der Bank, das Ende 1930 noch 162 Millionen Dollar, d. h. rund 680 Millionen Mark, betragen hatte, sank bis Ende 1931 auf 85 Millionen Dollar, d. h. auf 357 Millionen Mark. Dieser Rückgang war vor allem eine Folge der starken Schrumpfung des amerikanischen Außenhandels. Nunmehr sollen die Geschäfte des Instituts, dessen Auflösung beschlossen ist, von der Auslands- abteilung der Bank of Manhattan Trust Co. ge- führt werden. Die letztgenannte Bank wurde von der Kuhn-Loeb-Gruppe im Jahre 1929 überiwm- men und in der nachfolgenden Zeit umorganisiert und ausgebaut. Das Verschwinden dieses Instituts bedeutet heute keine große Lücke. Es ist aber charakteristisch für die augenblickliche Lage, daß ein I n st i t u t. an das amerikanischerseits so große Zukunftshoffnungen geknüpft wurden, nunmehr zu exi stieren auf- hört.______ Ein Zeppelinverkehr wird zwischen Holland und Niederländisch-Indien erwogen, weshalb Dr. E ck e n e r 1933 eine Studienreise noch dem malaiischen Archipel unternehmen soll. �loeh 39 Prozesse Die Abwicklung der Held& Francke- Pleite Der Konkurs der Industriebau Held u. Francke A.-G. war der erste Katzenellenbogen- Skandal, der den Schultheiß-Konzern eine ganze Stange Geld gekostet hat. Die Abwicklung dieser Pleite bringt den Gläubigern immer neue unangenehme Ueberraschungen, da sich die Schätzungen für die Kontursquote immer mehr verschlechtern. Der Konkursverwalter glaubt jetzt, daß nach Befriedigung der bevorrechtigten Gläubiger die Konsortialgläubiger 6 Proz., die übrigen Gläubi- ger 11 Proz. ihrer Forderungen erhalten wer- oen. Ob dieses Ergebnis wirtlich erzielt wird, ist sehr fraglich. Es sind nämlich Forderungen in Höhe von 21,9 Mill. M. geltend gemacht worden, yon denen nicht weniger als 13,5 Mill. M. bestritten worden sind. Daran knüpft sich ein endloser Rattenschwanz von Prozessen. Seit Konkurseröffnung sind nicht weniger als 69 Rechts st reitigkeiten ent- standen: 39 Prozesse sind noch nicht erledigt. Da- nach muß damit gerechnet werden, daß sich die Aussichten für die Gläubiger noch wesentlich ver- schlechtern. Interessant ist übrigens, daß die er- hoffte Ermäßigung der Steuerforderungen bereits in die Rechnung eingestellt ist, nach der die oben angegebenen Quoten ermittelt wurden. ßetle te&ayfjeden Dekorah Gardin Loufe lonssfoff ensfoff -Resft 'sfoff. " Reste teste I <$ufs'izenc/e\ | QualHäts-Qrselef Ltj�Jec/e l'ifai'cfre jorrr)* [ Corse/ei we Abb- MM DAMEN-WÄSCHE TRIKOTAGEN HANDSCHUHE' Reduzier- Corselet»Triumph« Wir zeigen u. a. das Reduzier-Corselet, dessen Erfolg bei starken Figuren erstaunlich ist Reduzier-Hüfthalterfe>i.Dr«ii,stück4,90 Reduzier-Corselet guter Satin, stock 7, 90 In der Zeit vom 17. bis 23. November, vormittags 1 1-1 Uhr, nachmittags 3—6 Uhr, in allen Häusern— Eintritt jederzeit Korsett-Vorführungen Damen-Schlüpfer iwn 0- wolle m. kunstseid. Effekten, angerauht.Futter, Stück\#/7 9 Damen-Schlüpfer i � e Kunitteide mit angerauhtem Futter...Stück 1,65, 1/ A 3 Damen-Schlüpfer 0 oc gestrickt, reine Wolle....................... Stück JtfW 3 Morgenröcke a t« aus kariertem Flausch, iif guter Qualität, Stück"F/# 9 Morgenröcke«äiiiaü-� mit eingesetzten langen Aermeln, kunstseid.* S Sdiaikraaen und Aermelaufschläaen. Stück Batisthemden n q* torbig, apart garniert...................... 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Sudermann o« Operette von En»**---- Thealer im Admiralspaiasl Merkur 9901 Bußtag u. Totensonntag geschlossen Täglich 8>.i Uhr Hans Aibers L i Ii o m Heule getefalotten »v, uhr CflSIHO- THEATER Uhi Lothringer Strahn 37. »niiiimiiiimiirimiimiiininiiiiiniimimiinniiiitmiHiniimMii Bußtag geschlowen Morgen und folgende Tage Die LieDe blüht in Werder Totensonntag 2 Vorstellungen Nachmittags 4 und abends 8% Uhr „Der Weibsteufel" Komödienhaus SchittbauerUamm 35 I D 2 Weidend. 6304—05 8 Uhr Der Biberpelz von Gerhart Hauptmann Donnerstag bis Sonnabend letzte Z RulfOhniiigeD Auslandreise mit Felix Bressart Donnerstag, n.November nachmittags 2 Uhr Preis von der Zugspitze —Theater i.d.— Stresemannstr. Heute Bußtag u. Totensonntag 8*4 Uhr Iphigenie von Goethe ab morgen täglich 81., Uhr wahr, V. Befnard Shaw Moissi, v Thell- mann, Bertens, Evans,Oito, Sima, VVicmann. Deppc. de Kowa. Deutsches Künstler-Th. Nürnberger Str. 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Lebensjahr Ein Leben lang hat er auf sozialpolitischem Gebiet für den Aufstieg der Arbeiterklasse sein ganzes großes Wissen nnd Können eingesetzt. Ehre seinem Andenken! Allgemeiner Deutscher GewerKschaftshund Bundesuorstand und lYlitarheiter Im Bundeshüro. Die Trauerfeier findet Freitag, den 18 November, 17 Uhr, im Krematorium Baumschulenweg, Kiefholzstraße, statt. "- � -..'r Sf&maccwx Deutsches Theater Weidend. 5201 Täglich 8 Uhr Mittwoch 4 Uhr Prinz WM von imhnig Regie: MaxReinhardt Thimig, Fehdmer Claussen, Kayßler, Wegener Kammerspieie fäglich 8 Uhr Nidiaei Kramer von Gerhari Hanplniann Klopfer. Melzer, Triesch, FHockina v Platen, Kaiser. Liebeneiner Re«ie:K H.Martin Lessing-meater Unit gnihlum Tägl SV, Uhr Grete Mosheim Oskar Homolka in Pygmalion Kose- Theater SraBe fuakfurtr Stral» 137 Irl. Weidurl f 1 3422 6 und 9 Uhr Die Räuber KLEINE ANZEIGEN iiinmiimHmuuiiimmmiiimimiiiiiiimiiiiiiimmiiiii Überschriftswort 20 Pfjextwort 1 0 Pf, Wiederholungsrabatt: 5 mal 5%. 8 mal 7Vt 12 mal 10 So, oder 1000 Worte Abschluß 10%# 20C0 Worte 15%. 4000 Worte 20%. Annahme durch den Verlag, Linden- sfraße 3(Vi 9 bis 5 Uhr), sämtliche Vorwärts Filialen u.-Ausgabestellen sowie alle Anjioncen-Expeditionen [ iianmascninen Züihmalchinen. { große Auswahl > Mark So.— an 9i>indschi!!chen unb Senttalbobbin 95,—. Machnow Wein meisterftr. 44. Z!> ilioie: Friedenau RheinftraBe 48. xi'sinsiii'isiilie bintpianos, gute, gebrauchte, ab 150,—. Revaraturen, polieren und mober.! Motorradttiie HI nisieren. Philipp! und Sportartikel in Link, Brunnen, größte Auswahl straße Zä.' bißigste Preise. »zoill Völ'KZlllK imiii», Pateatmatratzen gochherbe � j..Primissima" Au» jeder Art u. Größe. legematratzen äste. Riesenauswahl. Teilzablung, Irans. portable Kachelöfen, Pabewannen-Oesen, Kesselöken. 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