Abend-Ausgabe Nr. 548 B266 49. Jahrg. Rebaktton und Verlag, Berlin SW 68, Lindenstr. 3 S-rnIprech«,«7 Aml Dönhoff ZvZ dl« ZZ7 ?»!«z?smm» v e i; 1.1 e � WOLKSBLATT MONTAG 21. November 1932 In Groß- Berlin 1 l) Pf. Auswärts....... 10 Pf. Bezugsbedingungen und Anzeigcnpreifc siehe Morgenausgabe Jentraloegan der«Kozialdemorvatifche« Oavtei Deutschlands ÄwischenZuchihaus undReichskanzlei Nitlers(-ehilie als Verbrecher abgeurteilt— Adolf verhandelt um„nationale Konzentration" Hitler nicht! Er soll bis nachmittag eine arbeitsfähige Reichstagsmehrheit schaffen! Der Reichspräsident hat Hitler ersucht „festzustellen, ob und unter welchen Bedin- gungen eine van ihm geführte Regierung eine sichere, arbeitsfähige Mehrheit mit ein- heitlichem Arbeitsprogramm finden würde". Hitler will heute nachmittag annvorlen. Die AiUlvon kann nicht anders als negativ ausfallen. Das Ersuchen des Reichspräsidenten ist noch keine Beauftragung. Den Auftrag, eine Regierung zu bilden, würde Hindenbnrg erst erteilen, wenn Hitler erklären könnte, er sei imstande, die Bedingungen des Reichspräsi- denten zu erfüllen. Das wird er aber bis heute nachmittag nicht können— wenn nicht ein Wunder geschieht. Die Verhandlungen, die gestern zwischen Zentrum und Nationalsozialisten geführt wurden, können schon deshalb kaum ein ab- schließendes günstiges Ergebnis gehabt haben, weil weder Hitler noch K a a s, noch Brüning an ihnen direkt beteiligt waren. Aber auch wenn zwischen Nazis und Zentrum alles in bester Ordnung wäre, gäbe das noch nicht die„sichere arbeitsfähige Mehrheil mit einheitlichem Arbeitsprc gramm", die Hindenburg verlangt. Zu ihr gehören noch entweder die Deutschnationalen, die eine parlamentarische Mehrheitsbildung überhaupt nicht wollen, oder die Splitter- gruppen, mit denen noch. nicht verhandelt worden ist. Hindenburgs Ersuchen an Hitler ist formal korrekt. Hitler ist Führer der größten Partei. Der Reichspräsident ist bereit, ihn mit der Bildung der Regierung zu beauftragen. wenn er zuvor durch Verhandlungen mit anderen Parteien eine sichere Mehrheit schaffen kann. Das ist ganz im Sinne des parlamentarischen Systems. Es bleibt die Frage, was Hindenburg tun wird. wenn ihm Hitler heute nachmittag mitteilt. daß er„eine sichere, arbeitsfähige Mehrheit mit einheitlichem Arbeitsprogramm" nicht garantieren kann. Es scheint, daß die deutschnationale Um- gebung des Reichspräsidenten nur deshalb zu dieser Verbeugung vor dem Parlamentär!- schen System geraten hat, weil sich nach ihr die Rückkehr zur sogenannten„autoritären Staaisführung" um so bequemer vollziehen läßt. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird von morgen in zwei Wochen vor dem Reichstag ein Beauftragter des Reichspräsidenten stehen, der von keiner Mehrheit gestützt wird. Das bedeutet Fortsetzung der Staatskrise bis zu einem ungewissen Ausgang. Wdvlf, der Ehrenbürger Gefälschte Ehrenbriefe Jtanffntl, 21. November. Während Hitler noch auf ungeahmen Hohen ivandclt, wcräe» wieder peinlich l n st i g e Dinge über ihn und seinen Heerhausen de- kannt.' Kurz vor den Reichstagswahlen gastierte der Osas im Zirkus in Limburg. 16 Ehren- bürgerbriese von ebenso vielen Gckneinden des llntertaunuskreises wurde» ihm ieierlich durch den dortigen Nazikreisleiter vom Kothen, der als Beruf„Psychologe" angibt, überreicht. Die be- hördliche Nachprüfung der Beschlusie der Ke- meindevertrctungen hat das seltsame Ergebnis ge- zeitigt, doh in sechs von jenen sechzehn (itemeinden Bürgermeister und Gemeindevertreter von einem Eftrcnbürgerbrics keine Kenntnis boiten! In den übrigen Gemeinden ist die Nächprüfung noch im Gonge. Jener Herr vom Kothen ist übrigens inzwischen von Hitler nach Kärnten abgeschoben worden. Eigener Bericht des„Vonoärts" Hamburg, 21. November. Zn den» großen Prozeß gegen die s ch l e s w i g- h o l st e i n i s ch e n Pom- benatten täter, in dem ls> ZZ.-Lcute und Führer der 4.«tandarte und der Rcichstagsabgeordnetc Moder angeklagt waren, wurde heute vormittag von dent Porsißenden des Altonacr«ondcrgerichts das Urteil vertündet. Das Gerichts- gebäudc war durch ein starkes Polizei- aufgebot gesichert und die Pauke der An- geklagten waren ebensalls von einer Kette von«chußpolizeibeamten umgeben. Unter größter«pannung gab das Gericht das Urteil bekannt. Es wurden verurteilt: der«tandartenführer und Reichstags- abgeordnete Moder, der«turmführer G r e z e s ch und Jtrathmann wegen Verbrechens gegen 8 si des«prengstoff- gesebes und bei den beiden leßtcrcn in Tat- einhcit mit Verbrechen gegen 8 des «prengstoffgesches Moder zu ii Fah- r c n<» M o n a t c n Zuchthaus, Grezcsch zu 0 Fahren Zuchthaus,«trath- mann zu 8 Fahren Zuchthaus, der «turmfiihrcr Plähn wegen Verbrechens gegen SS•> und 7 des«prengstoffgesebrs zu einer Gesamtstrafe von ä Fahren ii Monaten Zuchthaus. Acht Angeklagte erhielten j c l F a h r ti M o n a t c Zuchthaus, acht Angeklagte erhielten wegen Vergehens gegen S 13 des«preng- stoffgeseßes und wegen Vegünstigung ins- gesamt 3K Monate Gefängnis. 13 Angeklagte wurden freigesprochen, teils aus Mangel an Beweisen, teils weil das Gericht eine Richtbeteiligung an den Verbrechen für erwiesen erachtete. Gegen sieben'Angeklagte, die zu der Verhandlung nicht erschienen waren, wurde das Ver- fahren abgetrennt. Die hier wegen Tprengslo-fsverbrechcns mit- ocrnrleillen Moder und G r e z e s ch sind in- zwischen zu Reichstagsabgeordneten auf Seil Opfern des TCellkrieges .'/in'JtcirtiKlaq fand eine Gedenkfeier fUr die Qefallenrn de» Ifellkr leget»lall, die roni tfeletiKhund der Jtrlegsbexrhtidiglen. Briegsleiinehmer und Jtrlegerhmlerblie henen rerantlallel trurde. Jiundetror *H»ender&f Bndner bleUdlegedMeMnlgrede der Naziliste avanciert. Sie sollen, wenn man sie freiläßt, dazu beitragen, daß die„nationale Kon- zentration" unter Hitlers Führung eine parla- mentarische Basis erhält. Wir gratulieren dem Zentrum zu solchen Bundesgenossen und be- dauern die Nation, die solche Burschen als Ab- geordnete anerkennen muß! Kuhhandel Adolf bei Hindenburg Heute vormittag hat Adolf Hitler sich zur Fortsetzung der Aussprach« über die Regierungsbildung um ll).3li Uhr zum Reichspräsidenten begeben, um HKütt Uhr verließ er mit seinen Trabanten Frick und Göring die Reichstanzlei wieder, um sich in seine Jalons im Kaiscrhof zurück zu- ziehen. Tie Unterredung Hitler— Hinden- bung hat eine Viertelstunde gedauert. Ueber diese Besprechung wird folgende amtliche'Mitteilung herausgegeben: „Nachdem der Führer der National- sozialistischen Teutschen Arbeiterpartei dem Herrn Reichspräsidenten mit aller Bestimmtheit erklärt hat, daß seine Partei ine in er von ihni geführ- tcn Regierung mitarbeiten könne, hat der Reichspräsident Herrn Hitler, den Führer der stärksten Partei des Reichs- tages ersucht, festzustellen, ob und unter welchen Bedingungen eine von ihm geführte Regierung eine sichere, arbeitsfähige Mehrheit mit einheitlichem iil r b e i t S p r o- gramm im Reichstag finden würde. Hitler erklärte, seine Antwort auf dieses Ersuchen dem Reichspräsidenten heute nachmittag schriftlich zu übermitteln." Hugenberg ziert sich Die deutschnotionole Parteileitung hat von dem heutigen Besuch Hitlers bei Hindenburg äugen- scheinlich schon gewußt, noch bevor Hitler in den Besitz einer entsprechenden Einladung gelangt war. Die Kenntnis der internen Vorgänge vom gestrigen Tage um den Reichspräsidenten ist zweifellos auch die Ursache, daß Hugenberg einer Einladung des nationalsozialistischen Reichstagspräsidenten Göring zu einer Be- sprcchung über die Neubildung der Regierung a b- Herr Brach! hat uns am Sonnabend eine Auflagenachricht zugehen lassen, die wir aus Grund der Notverordnung vom 14. Juni 1932 abdrucken mußten. Herr Bracht ist der Preußenkommissar des geschäflsführenden Reichskanzlers von Papen. Der Ches des Herrn Bracht ist in Demission. Er ist politisch erledigt, nur noch der Platzhalter für seinen Nachfolger. 5)err Bracht aber fühlte sich gedrängt zu beweisen, daß er noch da ist. Des- halb die Auflagenachricht! Und was für eine Auflagcnochricht! Mehr als zwei Monate sind verstrichen, seit der „Vorwärts" als Erwiderung aus eine Aufloge- Nachricht des Herrn Bracht die Ausführungen von Rechtsanwalt Braun über das Ohlauer Urteil ab- druckte. Nach mehr als zwei Monaten entschließt sich die kommissarische Diktatur in Preußen. dagegen zu diskutieren, und zwar mit Hilse einer Auflagenochricht! Nicht nur politisch, auch rechtlich stellt diese gelehnt hat. Hugenberg ließ zwar erklären, daß er Hitler jederzeit zu einer Besprechung zur Verfügung stehe. Aber da er wußte, daß nicht .Hitler, sondern Göring auch am Sonntag m i t dem Zentrum verhandelt hat und Hitler ebenfalls zunächst nicht mit ihm verhandeln würde, konnte er die Einladung Görings unter einen: Borwand ablehnen. Die Ablehnung erfolgte, weil szugenberg genau wußte, was zu der gleichen Zeit um den Reichspräsidenten vorging, nämlich, daß ein neuer Empfang Hitlers bei Hindenburg bevorstand und weil ihm zugleich auch der Zweck dieser Unterredung bekannt war. Die am Sonntag offiziell eingeleiteten Verhand- lungen zwischen Nationalsozialisten und Zentrum haben die Deutschnationalen und den Stahlhelm auf den Plan gerufen und Proteste beim Reichs- Präsidenten gegen einen eventuellen„Rückfall in das parlamentarische System" veranlaßt. H u g e n- berg befürchtet, bei dem Versuch einer parlamentarischen Mehrheitsbildung zwischen Zentrum und Nationalsozialisten a u s g e- schaltet zu werden. Aus diesem Grunde haben deutschnationale Persönlichkeiten am Sonn- tag alles versucht, um dem Reichspräsidenten noch- mals die unbedingte Notwendigkeit eines Präsidial- kabinetts einzureden. Dieses Kabinett kann nach deutschnationaler Meinung zwar eine parlamen- tarische Mehrheit haben, aber es soll in personellen Beziehung von den Parteien völlig unabhängig sein. Aus diese Weise hofft man vor allem die reaktionäre Tendenz der Deutsch- nationalen auch in der neuen Regierung sichern zu könne». Bis Sonntagabend lag eine Kandidatur Hitlers für die Reichskanzlerschaft durchaus im Bereich der Wahrscheinlichkeit. Das Zentrum ist bereit, sich mit einer derartigen Kandidatur abzu- finden, soweit der Reichspräsident damit einver- standen ist. Vorerst bleibt abzuwarten, wie sich Nationalsozialisten und Zentrum zu dem deutsch- nationalen Intrigenspiel stellen. An ihrer Entschlossenheit, für den Fall, daß die Deutschnationalen sich einer Mitarbeit versage», dem Reichspräsidenten die Bildung einer Regie- rung ohne Hugenberg vorzuschlagen, ist kaum zu zweifeln. * In den Mittagsstunoen haben sich mehrere hundert kommandierte SA.-Leuie auf dem Platz vor dem Kaiferhof versammelt, die national- sozialistische Lieder singen und auf Hitler Heilruse ausbringen. Der Verkehr stockt. Die Polizei hat die' un> mittelbaren Zugänge zum Kaijerhof abgeriegelt. verhält sich übrigens vollkommen passiv. Das B a n n m e i l e n g e s e tz ist faktisch zugunsten Hitlers und seiner SA. außer Kraft gesetzt. Auslagenachricht eine nicht gerechtfertigte Schika- nierung dar! Am 9. August sällte der 4. Straf- senat des Reichsgerichts eine Entscheidung über das Verbot des„Wahren Jakob", in der es heißt: „Die Beschwerdeführerin ist der Meinung, daß der Polizeipräsident sein Verbotsrecht ver- wirkt habe, da dos Verbot erst 14 Tage nach der gemäß§ 9 Pressegesetzes bei der Druckschristenstellc des Polizeipräsidiums er- folgten Einreichung der Nr. 17 verfügt sei. Der Einwand ist an sich beachtlich, obwohl die Verordnung vom 14. Juni 1932 ebenso- wenig, wie ihre Vorgängerin eine Frist be- stimmt, innerhalb deren ein Verbot ausge- jprochen werden muß. Aus den sonstigen F r i st e n der Vo. und dem Zweck des durch die Vo. vorgesehenen Verbots periodischer Druckschriften überhaupt ergibt sich indessen, daß ein solches Verbot nicht be- liebig hinausgeschoben werden kann. Das zeigen einmal die in den Sß 7 Auslage nach zwei Monaten! Die Pressediktatur der geschäftsführenden Kommissare Rosemarie- Opfer ihrer Mutter Verbrecken um das Blutgeld der Lebensversicherung Wbf. 3 und 8 der Vo. und dem§ 4 der 2. Durchs. Vo. bestimmten kurzen Fristen. Es ergibt sich aber auch aus der Ueberlegung, daß das Verbot keine Strafmaßnahme, sondern eine vorbeugende polizeiliche Maßregel ist. Sein Zweck ist, das W e i t e r e r s ch e> n e n ähnlicher Artikel oder Zeichnungen in Hinblick auf die Gefahr weiterer Beeinträchtigung der öffent- lichen Interessen zu verhindern. Ein Verbot ist deshalb dann nicht mehr als zu lässig anzusehen, wenn seit Erscheinen der beanstandeten Num- mer so viel Zeit verstrichen ist, daß ein öffentliches Interesse an dem Verbot als vorbeugender polizeilicher Maßnahme nicht mehr besteht.(Vgl. Beschluß des Senats vom 9. Juli 1932 betr. den„Donaueschinger Donauboten" Xll. V. Nr. 92/1932.» Hier ist eine deutliche Grenze gegen willkürliche Schikanierung gezogen, sinngemäß gilt diese Ent- scheidung selbstverständlich erst recht gegenüber einer Auflagenachricht! So viel über die Un- geheuerlichkeit einer Auflagenachricht mit mehr als zweimonatlicher Verspätung! Aber was will Herr Bracht? Meint er, daß auch nur e i n Leser des„Vorwärts" aufhören wird, das Ohlauer Urteil als schreiendes Unrecht zu empfinden? Glaubt er, daß seine Auslagenachricht Begeisterung für die Sonde r'gerichte erwecken wird? Es ist schlimm genug, daß es gegen die Urteile der Sondergerichte kein Rechtsmittel gibt! Aber daß eine diktatorische Der- w a l t u n g sich gewissermaßen als R e o i- sionsinstanz in der Oessentlichkeit betätigt und mit Zwangsauflagen Kritik am Verfahren wie am Urteil für falsch und unberechtigt erklärt, das ist noch viel schlimmer! Denn das bedeutet, daß eine diktatorische Verwaltung in den Kampf um das Wiederaufnahmeverfahren eingreift zuungunsten der verurteilten! Diese Auflagenachricht wird nicht verhindern, daß der öffentliche Prozeß gegen die Sonder- gerichte und ihre Urteile in den Parlamenten aufgerollt wird. .Vorwärtö'gegmBmcht Zn dem Zivilprozeh, den der Vorwärtsverlag gegen den preußischen Staat, vertreten durch den Reichskommissar Dr. Bracht aus Bezahlung der Insertionsgebühr für die Auslagenachrichl zum Ohlauer Reichs- bannerprozeh angestrengt Halle, wurde heute vou der 12. Zivilkammer des Landgerlchls unter vorsih von Landgerichtsdirektor Lehmann die Entscheidung gefällt, die aus Abweisung der Klage auf Kosten des Klägers lautete. Landgerichtsdirektor Lehmann betonte, daß der Kläger seine Ansprüche damit begründet hätte, daß der Reichskommissar mit der Auflage- Nachricht die öffentliche Gewalt mißbraucht habe, weil die Nachricht keine öffentliche Tatsachen enthalte, sich nicht an eine bestimmte Beröffent- lichung anknüpfe und schließlich das Recht auf eine amtliche Veröffentlichung überhaupt verwirkt sei, weil die Auslagenachricht e r st im Septem- b e r erfolgte, während sich die Vorgänge in Ohlau im August abgespielt hätten. Diesen Ausführungen sei der beklagte Staat eingehend entgegengetreten. Das Gericht habe sich die Aus- führungen des Kläger nicht zu eigen gemacht. Allerdings sei der preußische Staat passiv legiti- miert und hätte für eine rechtswidrige Handlung verantwortlich gemacht werden müssen. Das Ge- richt habe aber verneint, daß die Handlung tat- sächlich rechtswidrig sei. Die Auflagenachricht sei in Ausübung öffentlicher Gewalt ohne Verletzung eines Gesetzes oder einer Notverordnung erfolgt. Das Gericht sei der Auffassung, daß die Auflage- nachricht eine amtliche Entgegnung darstelle, die den gesetzlichen Voraussetzungen und Erforder- nissen entspreche Das Gericht habe keine Bc- denken gegen die Auffassung, daß die Ohlauer Auflagenachricht gegen Tatsachen gerichtet sei Der Einwand des Klägers, daß die Auflage- nachricht nicht genau erkennen lasse, gegen welche Tatsachen sie sich richte, sei nicht stichhaltig. Eine derartige genau Pflicht zur Bezeichnung, an welche Tatsachen die Auflagenachricht anknüpfe, finde keine Stütze in der Notverordnung. Die Ohlauer Auflagenachricht knüpfe nicht an eine einzelne Veröffentlichung an, sondern an eine Reihe von Veröffentlichungen, die eine einheitliche Tatsachen- darstellung gewesen seien. Für jeden Leser sei auch aus der Auflagenachricht klar erkennbar. gewesen, gegen welche Berichterstattung sie sich gerichtet habe Der dritte Einwand des Klägers, daß der preußische Staat bereits das Recht auf Berichti- gung verwirkt habe, sei ebenfalls nicht stichhaltig. Das Gericht stehe zwar aus dem Standpunkt. daß ein Recht aus verwirkunq an und sür sich bestehe und daß es zum Beispiel nicht möglich sei, eine Im Mai erfolgte Verässentlichung im Roveniber zu berichtigen, hier handle es sich aber nur um eine kurze Spanne vom August bis zum September, bei der elne verwirkung nicht in Frage komme. Da sämtliche sachlichen und formellen Voraus- setzungen erfüllt seien, so hob« der preußische Staat in diesem Falle nicht pflichtwidrig gehandelt. Ueber politische Zweckmäßigkeiten oder Begründetheiten zu urteilen, sei nicht Aufgabe des Gerichts. * Räch dieser Entscheidung ist kein Zweifel dar- über, daß die Auflagenachricht, die wir am Sonn- abend veröffentlichen mußten, einen Willkürakt darstellt. Das Recht aus eine Auslagenachricht ist selbstverständlich nach 2X Monaten verwirkt! Das furchtbare verbrechen an der 6 Jahre alten R o s e m a r i e voddin aus der Lorhiag- strahe 15 hal nach langen Ermitllungen der Mordkommission nunmehr seine Aufklärung gesunden. Die Wendung in dieser sensationellen Kriminalaffäre kommt völlig überraschend: die Mutter des Kindes, die aus Danzig gebürtige Martha Boddin, eine Frau von 25 üahreu, wurde am Sonnabend von Beamten der Mordkommission o e r h a s t e t und legte gegen Mitternacht ein umfassendes Geständnis ab. Das Sind sollte beseitigt werden, um in den Besitz einer Versicherungssumme von 4009 M. zu kommen, die innerhalb einer Lebensversicherung für das Sind angegeben war. Frau Voddin behauptete anfangs, daß sie aus Verzweiflung erst das Kind und dann sich selbst töten wollte. Die letztere Angabe trifft aber nicht zu. Vielmehr wurde der Beweis erbrochl, daß Frau B. das Kind umbringen wollte, um in den Besitz der 4000 M. zu kommen, die sür einen Todessall des Kindes die Eltern bekommen sollten. Unter dem verdacht, von diesem plan gewußt zu haben, wurde auch der Ehemann Loddin festgenommen. Das Geständnis Martha Boddin hatte am Freitag, dem 11. No- vember, gegen 6 Uhr abends ihr Kind auf der Straße spielen sehen und rief es zu sich. Sie war dann mit der Kiemen zum Bahnhof Gesund- brunnen gefahren und von da ab den„Ring" über Stralau-Rummelsburg benutzt. Sie stieg um und fuhr über Alexanderplatz bis Bahnhof Tier- garten. Sie kam mit dem Kind am Wasser des Landwehrkanals vorbei. Wie sie erzählte, hätte dort das Wasser gerauscht, so daß anzunehmen ist, daß sie sich an der Tiergartenschleuse beiand. Hier sollte die kleine Rosemarie ertränkt werden. Frau B. will selbst bis zu den Knien im Wasser ge- standen haben, das Kind sei schon weiter im Wasser gewesen. Da es aber anfing zu weinen und Leute gerade in der Nähe vor- übergegangen seien, hätte sie ihre Absicht auf- gegeben und sei mit Rosemarie vom Bahn- hos Zoo bis Moabit zurückgegangen. Unterwegs trug sie das Kind Huckepacke auf der Schulter Auf ihrem Wege passierte sie auch die Grenz st cahenbrücke.„Dort fand ich den Enkschluß." sagte sie Frau B. ist eine körperlich große Person. Sie konnte leicht über das eiserne Geländer auf der Brücke.hinwegreichen mit den Armen. Sie hob dort aus der Brücke stehend das Kind hoch, das sich neugierig über den Rand des Geländers Tie Bevölkerung Westdeutschlands und besonders des rheinisch-westfali- s ch e n I n d u str i e g e b i e t e s wurde in der vergangenen Nacht gegen Uhr durch einen heftigen Erdstoß in erheb- lichen Schrecken verseht. Ter Erdstoß war so stark, daß die Bevölkerung aus dem Schlaf geweckt wurde und in den Wohnungen die Möbel wankten und kleinere Einrichtungsgegenständc, wie Lampen und Porzellan umfielen. Schaden scheint jedoch nach den bis gegen 2 Uhr morgens vorliegenden Meldungen aus Koblenz, Köln, Mülheim, Duisburg, Bochum, Gelsenkirchen, Essen. Wuppertal, Tortmund, Krefeld, Gladbach-Rheydt, .Tanten, Limburg a. d. Lahn und anderen Städten nicht angerichtet worden zu sein. Wie aus den verschiedenen Meldungen weiter hervorgeht, dauerte der Erdstoß zwei bis dreißig Sekunden. Düsseldorf, 21. November. Die Erdstöße in Düsseldorf verliefen von Westen nach Osten und waren von einem dumpfen Rollen begleitet. Im Stadtteil Derendors traten in verschiedenen Gaststätten Licht- st ö r u n g e n aus. Die Erschütterungen waren von einer Stärke, wie sie in Düsseldorf in den letzten Jahrzehnten nicht festgestellt worden waren. Das Beben wurde von den Jnstrumepten der Reinach scheu Erdbebenwarte aus dem Kleinen Feldberg im Taunus um 24 Uhr 37 Mi- nuten 38 Sekunden ausgezeichnet. Nach vier Mi- nuten kamen die Instrumente wieder zur Ruhe. Essen. 29. November. Die Bemühungen, Ursachen und Ausmaß der in der Nacht zum Montag in ganz Westdeutsch- land, am Niederrhein und in Holland beobachteten heftigen Erdstöße festzustellen, blieben e r g e b- nislos. Wie der Leiter der Essener Wetter- warte. Dr. Gabbas. selbst ein alter Seismologe. auf Anfrage mitteilt, mußte bei den ersten Mel- düngen von den Erdstößen d>e Annahme nahe liegen, daß es sich um eine rein lokale Er- s ch e i n u n g, etwa von einem Explosionsunglück, einer Bergwerkskatastrophe oder einem ähnlichen reckte und hinübersah Die furchtbare Mutter packte jetzt das Kind an den Fußsohlen und stieß es hinab. Dann ging sie noch eine ganze Weile durch den Humboldthain und kehrte nach Hause zurück. Man findet jetzt auch eine Er- klärung dafür, daß die kleine Rosemarie keine Unterkleidung mehr trug, sondern nur noch Mantel und Hemdchen anhatte. Im Wasser im Tiergarten war die Unterwäsche durchnäßt worden, so daß es die Frau störte, als sie das Kind auf der Schulter forttrug. Sie zog die Zachen aus und warf sie fort. Durch das Auffinden der Police und der Ohrringe des Kindes sind die Angaben der Frau über den beabsichtigten Selbstmord wider- legt worden. Sie war gegen Uhr in der Nacht zu Hause angelangt, hielt sich dort noch eine Viertelstunde auf und ging dann erst zur Polizei, um Vermißtenanzeige zu erstatten. Als die kleine Rosemarie im Krankenhaus lag, war es die Mutter, die sich sehr um das Kind bemühte. Sie bestand erst darauf, daß sie das Kind nach Hause nehmen könne. Das wurde aber von den Asrzten verboten. Dann verlangte sie, daß man ihr die Nachtwache am Bett des Kindes überlasse, aber auch das wurde abgelehnt. Diese scheinbar aufopsernde Mutterliebe bekam durch die Ermittlungen der Kriminalpolizei bald ein ganz anderes Gesicht. Frau Boddin hatte große Sorgen, daß das Kind etwas verraten könnte! Als sich das Befinden des kleinen Mädchens immer mehr besserte, erfuhr man zwar nichts, was geschehen war Aus dem Verhallen des Kindes der Mutter gegenüber schöpfte man Ver- dacht. Rosemarie hatte natürlich furchtbare Angst vor ihrer Mutier.... Am 14. August war Rosemarie 6 Jahre alt geworden. Das Kind wurde versichert auf 20 Jahre für 2000 M.. die sich im Todesfalle auf 4000 M. erhöhea sollten. Diese Tatsache des Abschlusses einer Lebensver- sicherung für das Kind hatte die Frau bislang verschwiegen. Das IGnd als Wertobjekt Es stellte sich jetzt heraus, daß Frau B. ihr Töchterchen als ein Wertobjekt betrachtet hatte. Wohlweislich hatte sie sogar die Prämien schon bis einschließlich Dezember dieses Jahre- bezahlt. Als diese Fest- stellungen getroffen wurden, verhaftete man auch den Ehemann Boddin und brachte ihn zum Polizeipräsidium. Bei den Vernehmungen wurde der entmenschten Mutter alles vorgehalten, was die Mord- Vorgang herrührend, handelte. Erst die aus ganz Westdeutschland und auch aus Holland eingehen- den Nachrichten von heftigen Erdstößen, die sich sehr unterschiedlich bemerkbar machten, lasien er- kennen, daß es sich tatsächlich um ein Erdbeben handelt, desien Ursachen und Auswirkungen sich zur Zeit jedoch nicht erkennen lassen. �.ueb in Holland Amsterdam, 21. November. Im Süden Hollands wurde bereits am Sonntag um �19 Uhr ein Erdstoß verspürt. In Den Dunge erhielt die Mauer einer Kirche an verschiedenen Stellen Risse. Zwei weitere Erdstöße wurden dann am Montag gegen All Uhr morgens auch noch an verschiedenen Orten verspürt. In Den Bosch geriet die Bevölke- rung in st a r k e Unruhe, da das Gerücht um- lief, die Munitionswerkstätten von Hemburg seien in die Lust geflogen. In einem Kaffeehaus ent- standen Risse im Fußboden. D'e Gäste eilten ver- ängstigt ins Freie. In Amsterdam, Haag und Utrecht wurden die Erdstöße nach Mitter- nacht ebenfalls verspürt Nach den bisher vor- liegenden Meldungen sind ernstere Schäden nicht entstanden. Wo das Zentrum des Bebens liegt. konnte bisher nicht jestgestellt werden. Bretonisches Attentat �nxleicb Warnung des Opfers Eigener Bericht des„Vorwärts" Paris, 21. November. Auf den Zug, mit dem Ministerpräsident Herriot von Paris nach Nantes(Breragne) fuhr, wurde am Sonntagmorgen ein Attental oerübt. Etwa sc- Kilometer vor Nantes wurde die zweigleisige Strecke durch Sprengung auf mehrere Meter zer- stört Die Attentäter stellten dann rote Lichter aus s n d a ß d e r Z u g k u r z v o r- her zum Holten gebracht werden konnte. Man vermutet, daß die Attentäter bretonische Auwnomisten sind wie jene, die vor mehreren Wochen in Rennes ein Denkmal zur Erinnerung kommifsion bisher ermittelt hatte. Kaum, daß sie merkte, daß man sie zu verdächtigen begann, wurde sie anmaßend und frech und oerbat sich jede Verdächtigung. Sie sagte dabei einmal'„Es paßt mir nicht, so vernommen zu werden. Man soll mich nur einmal allein mit meinem Kind sprechen lassen und die Tat wird ihre Aufklärung finden!" l�ontrollfabrt mit der Mutter Im Auto wurde die Frau heute früh an die Stelle des grausigen Verbrechens gebracht. Sie schilderte, wie sie das Kind Huckepacke getragen habe. Als sie an das eiserne Brücken- g e l ä n d e r herantrat, richtete sich das Kind auf und sie merkte ein Leichterwerden der Last, weil die Kleine mit ihren Händen das Geländer gefaßt und sich selbst— daran hochgezogen hatte. Rosemarie hatte interessiert nach den bunten Signallichtern der Eisenbahn- strecke gespäht. Diesen Moment benutzte die Mutter, um das Kind an den Fußsohlen zu packen und den Körper hmüberzustoßen. Die Kleine ist— wie die Spuren bei der ersten Ve- sichtigung zeigten— an dem Geländerpseiler ein Stück herabgerutscht, bis sie dann aus die Eisen- bahngleise fiel. Die nächste Station dieser Kon- trollfahrt war der Tiergarten. Hier hatte— wie bereits gemeldet— die Mutter ebenfalls einen Versuch gemacht, das Kind zu ertränken. Es stellte sich jetzt heraus, daß sie gleiche Versuche an zwei anderen Stellen unternommen hatte. So z. L. in T e m p e l h o f vor dem Hause Colditz- straße 39 und vor dem Hause Wulsilauser 29 am Teltowkanal. Diesen Weg hatte sie im ersten Verhör verschwiegen. An beiden Stellen war sie aber— wie im Tiergarten an der Schleuse— durch Passanten an der Ausführung der Tat be- hindert worden. Im Anschluß an diese Fahrt wurde die Frau nochmals vernommen. Wenn sie auch immer noch behauptet daß sie ebenfalls Selbstmordabsichten gehabt habe was ihr nicht geglaubt wird, so sagt sie doch in bezug aus die Ausführung der Tat jetzt offenbar die Wahrheit. Frau Boddin behauptet, daß ihr Mann von dem Abschluß der Lebens- Versicherung für das Kind n i ch t s w i s s e. Er habe nur von der Kollektivversicherung bei Bodach gewußt. Dadurch scheint er entlastet zu sein. Der Brief, in dem er sich Anfang September er- kundigte, ob das Kind in die Kollektivversicherung einbezogen sei, dürste mit der Tat der Mutter nicht im Zusammenhang stehen. Er wird wahr- scheinlich im Lause des Tages entlassen werden. an die Bereinigung der Bretagne mit Frankreich schwer beschädigt haben. Offizös wird dem soeben ausgewiesenen Nazi- journalisten K ö r b e r Verbindung mit diesen Bretonen zugeschrieben. Er erklärt dazu, bereits vor drei Monaten vor dem Untersuchungsrichter in Rennes unter Eid bekundet zu haben, daß zwei dieser Leute ihn besuchten, um da» Interesse der H i t l e r e i für ihre Bewegung zu erlangen, Autokatastropye II italienisebe Faschisten getötet Rom, 21. November. Bei Furbara wurde ein Lastkraftwagen, aus dem sich 52 junge Faschisten befanden, die von einem Besuch der Ausstellung über die faschistische Revolution aus Tarqulnia zurückkehrten, bei einer Bahnüberquerung vom Zuge ersaßt. Elf Personen wurden getötet und alle anderen, davon einige schwer, verletzt. was Körber gerade als aussichtslos bezeichnet habe. Unter den Verhafteten sind nach dem „Populaire" vier Mitglieder der bretonischen Ge- Heimgesellschaft„Bresz Atao", darunter eine junge Studentin, die den Beinamen..die roteJung- f r a u" sühre und von der auch gelegentlich des Denkmalsattentats in Rennes die Rede gewesen sei. Diese vier Verhasteten hätten in einem Hotel in Nantes, wo sie Zimmer bestellt hatten, den Anmeldezettel in bretonischer Sprache ausgefüllt Nach dem Attentat hätten Polizeibeamre auf Grund dieser Tattache die Verhaftung vorgenommen. Ministerpräsident Herriot hat nach dem„Populaire" u. a. er- zählt, auch bei seiner Reise nach Bannes sei ein Attentat geplant gewesen. Zwei Bomben sollten vom Balkon eine» Hotels gegen ihn ge- schleudert werde»,, als sich der sestlichc Zug durch die Stadt�bewegte. Die Polizei habe damals fest- gestellt, daß in dem Hotel Ziminer belegt worden seien und der Präfeki des Departements Morbihan habe ihm. Herriot damals vielleicht das Leben gerettet dadurch daß er die in Vannss an- kommenden verdächtigen Reisenden vorsichtshalber festnehmen ließ Die Bomben sollen in einer Apotheke hergestellt worden sein. Erdbeben in Westdeutschland Im Ruhrgebiet, Düsseldorf und in Südholland leichte Erdstöße Dem Gedächtnis der Kriegstoten Aufmarsch des Reichsbanners am Ehrenmal— Ueberall Gedächtnisfeiern Die eindrucksvollste Jeler zum Gcdächlnls der Tokeu des Krieges führte gestern das Reichs- baaoer Schworz-Rot-Gold mit einem ougerordentlich w rkunzsvollcn Aufmarsch am Ehrenmal Rnter den Linden durch. Während vor dem goldenen Kranz in der würdig von der preußischen Staatsregicrung geschaffenen und von Otto Braun eingeweihten Gedächtnishalle der Vorsitzende des Berlin-Brandenburger Reiche- banners, Arthur R e i d h a r d l, den Kranz niederlegte, marschierten draußen festen Schrittes, stumm, mit entschlossenen Rlienen, die Kämpser für Freiheit und soziale Republik. Ehrerbietig grüßten sie über die Grenzpfähle hinweg alle Toten des Krieges. Rnter den marsch erenden Ko- lonnen befand sich so mancher, der selbst tausend- fach vom Tode bedroht, das Vaterland verteidigt hatte. Es waren acht Ehrenhundertschaften, die um H12 Uhr aus dem Neuen Markt Auf- stellung genommen hatten. Punkt 12 Uhr erreichte die Spitze des Zuges das Ehrenmal. Nach der Kranzniederlegung marschierte der Gauvorstand des Reichsbanners den Kameradschaften voran zum Gendarmenmarkt, von wo die Züge neu sor- miert in ihre Stadtteile abrückten Nach dem Passieren des Ehrenmals hatten die Spielmanns- züge eingesetzt. Schon vorher waren durch die beim Anmarsch in der Mittagssonne vom Lust- garten her weit leuchtenden schwarzrotgoldenen Sturmfahnen viele Neugierige angelockt worden. Jetzt marschierten Tausende mit den Reichsbannerleuten von den Linden zum Gen- darmenmarkt mit. So wurde auch dieser Ehren- aufmarsch zu einer eindringlichen Mahnung, weiter für Freiheit und Demokratie zu kämpfen. Die Feier im Reichstag Zm würdig geschmückten Plenarsaal des Reichstags veranstaltete der Reichsbund der Kriegsbeschädigten. Kriegsteilneh- mer und krieoerhinlerbliebenen eine Gedächtnisfeier für die Toten des Weltkrieges. Beethooensche Musik war die Einleitung der schönen weihevollen Feierstunde. Die Gedenkworte sprach der Bundesvorsitzende Christoph Pfand- ii e r.„Vierzehn Jahre ist es her, dag das große Kriegssterben ein Ende nahm. Zwei Millionen deutscher Kameraden kehrten nicht w'eder heim. Zehn Millionen Kriegsiote sind es, die insgesamt auf den Schlachtfeldern blieben. Wir Lebenden, die wir vieles, das Massenschicksal geworden ist, leicht vergessen, sollen uns immer wieder aus dies große Sterben besinnen. Die Toten des Welt- krieges dürfen nicht vergessen sein, ihr Andenken muß lebendig erhalten werden. Sie starben, da- mit durch ihr Opfer die Vernichtung von anderen ferngehalten wurde Erkenntnis aus dem Kriegs- ringen darf nicht ein dauerndes Gegeneinander der Völker sein. Die Toten mahnen, aus den Schwertern Pflugscharen zu machen, jedem Volk das unverbrüchliche Recht zu gewährleiften, m Freiheit und Gleichberechtigung unter den anderen Völkern zu leben, um so zu einem höheren Men- schentum zu kommen. Das Andenken der Kriegs- toten darf nicht durch dauerndes unfruchtbares Reden über Rüstung und Abrüstung geschmälert werden. Unsere Kameraden starben in dem Glau- ben, dem Frieden zu dienen. Sie mahnen die Menschheit und alle Staatsmänner der Welt, die Grundlagen für die Sicherheit eines jeden Landes und für den allgemeinen Frieden auf dem Boden des'gleichen Rechtes, der Achtung vor der ein- zelnen Nation und des Verstehens aller Völker zu schaffen." Ursula van Gaarden, Robert Müller, das Steiner-Ouariett und der B e r- liner Aerztechor unter der Leitung von Dr. Kurt Singer trugen durch hohe Kunst viel zur Würde der Feierstunde bei. Flugzeuge des „Sturmvogel" kreisten über dem Reichstags- oebäude und dem preußischen Ehremnal Unter den Linden. Arn Grabe\Vi!Ii Schneiders Der P o r t r u p p Prenzlauer Berg, die jüngste Formation des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold. hielt am Grabe des von nationalsozialistischen Mördern in der Neujahrsnacht 1331 erschossenen Reichsbannermannes Willi Schneider eine kurze Gedächrnisfeier ab. Der Feier, an der die nächsten Angehörigen sowie die Brmit des Er- mordeten teilnahmen, wohnte eine größere Men- schenmenge bei. Der Führer der Jungen wies in seiner Ansprache daraus hin daß gerade db- junaen Republikaner dafür zu sorgen hätten, daß derartige Verbrechen im deutschen Volke ausgemerzt würden, daß es der Opiei genug sein möge, und daß nicht neue Jugend in den Tod getrieben werde. Mir entblößten jzäiiptern und stummer Miene wurde der Kranz niedergelegt, auf dessen Schleifen die Worte stehen:„Du gabst Dein Leben für die Freiheit hin." Lei den Heimatlosen Das Reichsbanner Wittenau veranstaltete aus dem russischen Friedhos in Borsigwalde eine Gedenkfeier iür die dort begrabenen Kriegs- gefangenen. Polizeioberst Dr. S ch ü tz i n g e r hielt die Gedenkrede, in der er auf die hölzernen Kreuze ringsherum hinwies und sie als Symbol dafür bezeichnete, daß der Tod alle Menschen gleichmache, auch die ehemaligen Gegner. Ein russischer Kriegsgefangener dankte im Namen seiner Kameraden dafür, daß sie, die Heimatlosen, wenigstens beim Reichsbanner Freunde und Be- schützer gefunden haben: denn diese Russen sind in Deutschland vollkommen verlassen, von der russischen Regierung und von den deutschen Kom- munisten werden sie als„Weißgardisten" be- schimpft, von den Weißgardisten werden sie be- schimpft, well sie in Wirklichkeit aus ihrem„Zsn- traloerband der russischen Kriegsbeschädigten" jeden Weißgardisten entfernen. Russischer Chor- gesang und die Niederlegung eines Kranzes durch den Reichsbannerführer schloffen die eindrucks- volle Feier ab. ■* Der Ortsverein Wedding des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold veranstalleto am Totensonntag Vergegenwärtigen wir uns, wie die Passions- musiken des 17. und 18. Jahrhunderts in unseren Tagen bestenfalls aufgeführt zu werden pflegen: in lichtdurchfluteten Sälen. Von großen, modu- lationssähigen Chören gesungen, pompösen und registerreichen Menschenstimmenorgeln gleichsam. Von partsturenblätternden Solisten, Herren im Frack und Damen in großer Toilette mit satten, ausdrucksreichen Stimmen. In klugen, köstlichen Kontrasten des Lyrischen, Epischen, Dramatischen: in sorgfältigen Abstufungen der Tempi, tausend- faltigen Schattierungen der Klangstärken, in allen Varianten musikalischer Verspieltheit— als Konzertmusiken also, dem äußeren Rahmen wie dem inneren Ablauf nach. Als Konzerte, die nicht den Vorwurf etwa, die nur mehr die autonom gedachte Musik lebendig machen wollen. Womtt man frellich gerade den Sinn dieser Musik entscheidend ändert und verfälscht, da sie doch nur als Funktion liturgischen Geschehens, wie sie geschaffen wurde, in ihrer Bezogenheit auf Wort, Bild und Gleichnis des Evangeliums wahrhaft verständlich ist und ihre eigentümliche Wirkung zu offenbaren vermag. Wie anders schon der Rahmen, m dem die Volksbühne die in einer Handschrift Bachs über- lieferte Lucas-Pasfion zur Aufführung brachte! Wie anders erst der innere Sinn! Dunkel der Zuschauerraum, Halbdunkel die Bühne. In der Mitte, in einer Art Kirchenbank. stehen die Solisten, hinter ihnen die Turbae(die biblisch-dramatischen Chöre), links an einem Kanzelpult der Evangelist, zu beiden Sellen der Choralchor. Projektionen nach Tiroler Holz- schnitten des IS. Jahrhunderts vervollständigen den schlichten, den eigentlich mehr symbolischen als realen szenischen Aufbau. Der Evangelist aber (eine prachtvolle, eine ganz große Leistung B u r g w i n t e l s) ist nicht einer, der sich müht, Rezllativ« möglichst schön zu singen: In erster Linie singt er gar nicht, er vermittett das Wort, er berichtet: es ist viel Traurigkeit und Angst, Verzweiflung und Verheißung in dem, was er sagt, und �lles wird ganz deutlich und klar. In- ICai8er!idi-!«miKlicKe5 und ein Papen-Nachruf Der Rundfunk ist in Deutschland zu einem Regierungsbarometer geworden, das die Wetter- läge in den„höheren Schichten" ziemlich genau anzeigt. Deshalb waren die„K e tz e r e i e n am Wochenende" diesmal nicht uninteresiant, ob- gleich sie fürchterlich langweilig waren. Ein Paul W a r n ck e gab ein viertelstündiges Poem von sich, das als geistiger Nachtisch für ein Herrenklub- essen mit Damen wohl am besten am Platz ge- wesen wäre. Es wurde da ein bißchen gemeckert über den Herrenklub, der„angeblich" die Regie-' rungswege lenke, es wurde Herrn von Papsn ein Nachruf gesungen, daß ihm beim Anhören vor seiner Gottähnlichkeit hätte bange werden müssen. Osfensichtiich waren von maßgebender Stelle diese.Fegereien" bestem worden als bors ä'oeuvre für ein erhofftes„Präsidialkabinett" „wie gehabt". Am Totensonntag übertrug der D e u t jch- l a n d s e n d e r am Abend Beethovens„M i s j a solemnis": wenn Berlin als Parallel- sendung ein nicht allzu gewichtiges Orchester- konzert geboten hätte, so wäre das zwar ein sinnvolles, aber kein zeitgemäßes Sendeprogramm gewesen. Also brachte Berlin«in Requiem von Felix D r a e s e k e und anschließend ein wenig"substantielles Gespräch„Nord und Süd begegnen s i ch". Vorher zählte Rolf Brandt drei Viertelstunden lang„Die Toten des Jahres" auf, die ihm nennenswert erschien«»: die meisten waren militärische Würdenträger oder königlichen Geblüts Die Herrschaften im Funk- haus scheinen die„Auferstehung" wahrliastig für sehr nahe zu halten! Die polllischen und kuttur- politischen Bemerkungen dieses Rolf Brandt waren übelstes Geschwätz. auf dem Earnisonfriedhof in der Müller- straße eine von mehr als 2i)0O Menschen besuchte Kriegstotenxedenkfeier. Das Reichsbanner wurde auf seinem langen Anmarsch von der Bevölke- rung überall freundlich begrüßt. Aus dem Fried- Hof selbst nahm es in einem großen Viereck u-m die Gräberreihen Aufstellung. Nach dem Blasen des Chopinschen Trauermarsches und einem Ge- sangvortrag der Arbeitersänger hielt der 2. Gau- Vorsitzende Dr. N o w a ck die Gedenkrede, in der er feststellte, daß die Soldaten des Weltkrieges nicht für den Krieg, sondern für den Frieden gekämpft hätten. Ihr Opfer gatt der Freiheit für Volk und Heimat. Am Ehrenmal legte dann der Ortsoereinsvorsigende Kamerad G u r s k i den Kranz nieder. Mit dem Vortrag von„Ein Sohn des Volkes will ich sein" durch den Sängerchor fand die würdige Feier ihren Abschluß. mitten des schreckenvollen Handlungsablaufs steht Christus(der Münchener Max H a r t m a n n, wunderbar in der Ausgeglichenheit der Dar- stellung) als unbewegliches Zentrum, ein stilles Altarbild gleichsam, in Gleichnissen redend und selbst ein Gleichnis. Der Coralchor endlich ist well entfernt von jener langweilig gleichförmigen Erhabenhell, die wir zu hören gewohnt sind: die Choräle werden gar nicht„vorgetragen": hier spricht sich nicht schwärmerischer Pietismus aus, keine gedachte„gläubige Seele": Volt ist das. starkes Arbeiter- oder Bauernoolk, das auf die liturgischen Vorgänge reagiert, Anteil nimmt, Be- trachtungen anstellt, naiven Empfindungen Aus- druck gibt und die Kirchenlieder ganz nach ihrem Inhalt moduliert, laut oder leise, langsam oder schnell singt— wie das Wort es befiehlt. Rahmen und Sinn des Konzertes also— hier sind sie überwunden, für diese ganz andersartigen Werke zu Recht überwunden. Die Musik ist aus ihrer selbscherrlichen Stellung verdrängt, steht wieder in funktionaler Abhängigkell von Vorwurf und Wort— wobei sie nur gewinnt. Nicht auf „Schönheit", auf Kraft und Nähe kommt es an: es war das Recht, es war die Pflicht der Volks- bühne und eine dankenswerte Aufgabe dazu, uns diesen starken und klärenden Eindruck zu ver- Mitteln. Bei der Ferne aller konzertanten Glätte, bei dem Realismus der Darstellungsart verschlug es nicht viel, daß die Chöre(Taubes Kammerchor, Berliner Volkschor) an einigen Unsicherheiten litten. Es ist wohl auch nicht notwendig, feierlich zu versichern, daß Carl O r f f, dessen Dar- stellungsoision, dessen selten intuitivem Verhältnis zur Barockmusik wir die Aufführung verdanken, nicht daran dächte, t>ie ganz anders geartete Johannes- oder Matthäus-Passton etwa genau so zu interpretieren. Nicht der Einzelfall ist wichtig, sondern der Weg, der hier beschrllten wird: der besondere neue und starke Stilwillen, der jedem Werk gegenüber eine eigene Form zu finden wissen wird.-Iruoick Walter. Eine kleine, im Programm nicht vermerkte Sendung der Berliner Funk stunde sprach den Hörer wirklich an: die wenigen Worte, die an Karl Wessel, den beliebten, populären An- sager der Funkstnnde erinnerten.— lz. .==-« „Der weiße Dämon" Ufa-Palast am Zoo Ein Rauschgiftfilm mit Hans A l b e r s als Kämpfer gegen Morphium und Kokain! Aber Thema sowohl wie Hauptdarsteller hätten ein anderes Manuskript und eine andere Regie verdient. Legt man es doch nur darauf an, Albers' Künste als Prllgelheld derart zu über- steigern, daß im Vergleich mit ihm Harry Piel bloß noch ein Raufbold im Westentaschenformat ist. Natürlich bringt Albers, nachdem er einen Ozeandampfer, übelste Hamburger Hafenkneipen. Paris und Lissabon mit seinem Besuch beehrt hat, die Schmuggler zur Strecke. Sie haben seine Schwester zum Rauschgiftgenuß verführt, aber offenbar nur darum, daß man Albers in Groß- aufnähme nahezu weinen sieht. Er schluchzt a la Elisabeth Bergner. Trotzdem er fast in jeder Szene im Vordergrund steht, läßt man ihn eigentlich nicht spielen, sondern der Regisseur spielt mit ihm. Und der Star gefällt einem am besten, wenn er in seinem unvergleichlich schnoddrigen Ton reden darf. Kurt Gerron führt keine Filmregie. Er be- treut eine Brockensammlung. Jedes verinnerlicht« Spiel zerreißt er durch Großaufnahmen, Stadt- oder Landschastsbllder, sowie durch peinlich gestellt wirkende Massenszenen. Der Eindruck einer Ein- hell kommt nie auf. Die unglücklich« Schwester spielt Gerda Mau- Das Ehrenmal Unter den Linden war am ganzen Totensonntag das Ziel der vielen Abord- nungen der rKiegerverbände, der Vereinigungen der Jugendbünde und der Vertreter der Behörden. Gegen Abend war kaum noch Raum für die vielen immer noch hinzukommenden Kränze. Unmittelbar am Sockel halle, als einer der ersten der Berliner Stadtkommandant, General von Witzendorf, im Auftrage des Reichswehrmini st ers einen riesigen Lorbeerkranz niedergelegt, der mit zwei großen schwarzrotgoldenen Schleifen ge- schmückt war. Auch sonst sah man sehr viele Kränze mtt den Farben der Republik. Der Kranz des Reichsbanners trägt die Inschrift:„D e n Opfern für Volk und Heimat." ★ Vor dem Ehrenmal und in der Gedächtnishalle selbst herrschte dauernd ein großes Gedränge. Zu beiden Sellen des Ehrenmals auf der Straße befinden sich zwei große Fahnenmasten. Durch Flaggen auf Halbmast hätte man alle Vorüber- gehenden an die Opfer des Krieges mahnen sollen. r u s in der bei ihr gewohnten Starrheit, während Trude von Molo als Freundin deklamiert. Sehr gut ist Peter L o r r e als PSuckliger. Er zeichnet einen Menschen, von dem man weiß, daß er über Leichen geht. Mit verdientem Beifall wurde wieder das U f o- Sinfonieorchester begrüßt. e. b. GiaH in Berlin Sportpalast und Boxmatchatmosphäre. Amerika- nische Konzertallüren: stimmungslose Riesenhallc, teure Karten, teures Programm, viel zu teure Garderobe: Schokoladeoerkäufer und Pressephoto- graphen: Gigli singt! Der beste, der beliebteste, der berühmteste seit Caruso! Zunächst aber— nicht nur am Ansang: zwischen- durch und immer wieder spielt das Philharmonische Orchester unter Schillings, so sehr das alles wirkungslos zerflattert, spielt die„Tell"-, die „Rienzi"-, die„Stradella"-Ouoertüre, Bizets „Arlesiennesuite", kein Mensch will es hören: jeder wartet bis Gigli kommt und wiederkommt: es hllft aber nichts, nichts bleibt einem erspart— bis er wirklich singt. Bis er sich eingesungen hat. den ungeheuren Raum mit seiner ungeheuren Stimme ausfüllt und beherrscht. Die holde Aida preist und den von Leoncavallo besungenen Lenz, Marcha entschwinden läßt, die Weiberherzen ach so trügerisch findet und bei all den süßen italienischen Kllschliedern landet, die der Stimme und den Publikumsohren so wohl tun... Wunderbar ist diese Stimme, von unsagbarer Größe, Fülle, Glätte, fast weibischer Weichhell (ganz ohne den männlichen Erzklang Carusos): undramatisch im Grunde, lyrisches Schluchzen in unerhörtem Ausmaß, von vollkommenster italienischer Kultur die dem verhauchensten merra voce so gewachsen ist wie der strahlendsten Höhe. Entsprechende Begeisterung. a. w. Ein Dürer-holbeiu-Raum im Deutschen Museum. Im Deutschen Museum ist ein« Umstellung der Gemälde vorgenommen derart, daß die Bilder von Dürer und Hollein d. I., die in einem etwas abgelegenen Oberlichtraum hingen, in eins der nach der Stadtbahn zu gelegenen Kabinette über- geführt worden sind, wo sie besser als bisher zur Geltung kommen. Wie es ihrer Bedeutung ent- spricht, sind sie damit in das Zentrum der Sammlung gerückt. Die Bilder von A l t d o r f e r, die bisher mll den Werken Dürers und Holbeins o. I. vereint zu sehen waren, sollen zusammen mit einigen erlesenen Stücken bayerischer Plastik eben- falls ein besonderes Kabinett mit Seitenlicht er- halten. Das Kabarett der Komiker am Nachmittag. Zeit genug hätten Hunderttausend« und wahrscheinlich auch Lust, einen lustigen Nachmittag bei Robischek zu verbringen. Aber ganz umsonst kann er's leider nicht machen, so billig er schon ist— Garderobe, Programm,, Kaffee und Gebäck im Einheitspreis eingeschlossen. Ein gut Teil des guten Abend- Programms wird geboten: die Tanz- und Akra- batiknummern, den blühenden Unsinn von Wolf und Hoppe. Und dann vor allem:„Die schöne G a l a t h e e" mit der guten allen Musik von Suppe und dem aktuellen Text und mit dem ur- komischen Chefredakteur Paul Morgan, und dem Ganymed von Max Schipper und der ent- zückenden Carla C a r l s e n(als Galathee). Zum 1Vi Uhr Die Nacht zum 17. April mit Leopoldine Konstantin Tiieaier im Mmiralspaiast Merkur 9901 Täglich S'.'i Uhr Hans Albers L i Ii om E3« S* ö. 8endo*> Bunte Bühne Kotibnsser Strade 6 Oberbanm 3560 (rüher„Elite- Sänger" .HierkOnnen Farallim Kallec koctien' TlLiHU Sonnt. l'/s| Preise von 50 Pf. an fiMenlha er Pi. Joachim»». 20 Bhf.Eorso Berlins Nachtleben seit 100 Jahren Europas grBBtes Verwandlungslokal Tanzstätte der 1000 schönen Trauen Schwimm- u. Spring-Vorffihrungen Bierkiause« Kabarett Slettiner Sänger Reichshallen-Theater 8.15 Sonntag 3.30 zu ermäßigten Preisen. msiodie des GIQCHS und das November-Programm '•iZiifiirn Bismarckstr.(Knie) Steinpl.(Cl) 6715 8� Uhr Robert und Bertram Mtred Braar. Fritx Hindi. Seoti SSoelasd Sonntag nachm. d'i Uhr neditl und BertDm Preis 0 40 bis 2,00 |i(ose- Itieater ) roS« Fnafcfiflvi Strt!« 13 W. Weidiwi E*/ 342? 8.15 Uhr Der ! Zigeunerbaron Zu Haufen gesndit: VorwÄri»; 1919-1931. komplt u. elnreln. Roic Fahne: 1918-1931 kplf.. cüueln bes. 1918. 1919. 1931. 1923 und 1924. sowie alle and. Zeitschriften. Parteitags-Protokolle usw Prdsofferte oder Nachweise erbeten an U FRANZ£ CO., LEIPZIG C. t Hobc�Str«#« 35. ffletropoi-ltieaier I Täglich 8'1< Uhr| Sritzi Massary eifh" tri o. die weit, was sie wDIT BEILAGE kn MONTAG, 21. NOV. 1932 UomUs Redaktion hinter QiUern 3tei den �Kollegen von ZPlötSEenfee/ Von Sgon£arfen Gin Torgebäude von traurigem Rot. Daneben das flache Dach der Pförtnerwohnung, auf dem spitze Glasscherben wuchern, umzäunt von Stachel» droht. Bimbim scheppert die Glocke. Ein Auge mihi den Besucher durch das eng vergitterte Guckloch. Ein Schloß tnackt. Ich darf eintreten.„Zu Herrn Oberlehrer Änickenberg." Hinter mir fällt die schwere Tür ins Schloß. Zweimal dreht der Pförtner den Schlüssel herum. zwei Riegel werden vorgeschoben. Ich bin innerhalb der Gefängnismauern von P l ö tz e n f e e. Oberlehrer Knickenberg holt mich aus dem Wartezimmer. Griffbereit hält er den Universal- schlüssel in der Hand, der alle Gitter und Tore öffnet. Immer tiefer wandern wir hinein in den ver- zweigten Bau, vorbei an endlosen Reihen von Türen mit Riegeln und Borbangeschlössern...Der Leuchtturm" steht an einer davon. Mein Führer schließt auf. * Modernes Zimmer in bunten Farben. Regale mit Zeitungen und Manuskripten... Zwei win- zige Fenster mit schweren gekreuzten Eisengittcrn. Das ist die Chefredaktion des„L e» ch t t u r m". vor einem Dreivierteljahr hierher und in die Hände des Oberlehrers Knickenberg verlegt. Die sieben ersten Jahre ihres Bestehens erschien diese größte deutsche Gefangenen zeitung im schlesischen Zuchthaus Wohlau als zweiseitiges, iarbloses. harmlos-altertümlich aufgemachtes Blattchen. Der Klimawechsel hat Wunder gewirkt.„Der Leucht- türm", das ist jetzt eine interessant«, bunte, ak- tuelle Zeitung geworden, nicht weniger lesenswert als andere Blätter, die jenseits der roten Mauern erscheinen. Sie ist nicht konkurrenzlos. Kleinere Gesänge- nenzeiwingen gibt es in Bayern und in Baden. „Der Leuchtturm" erscheint für Preußen. Aber hier und dort hat er, mit seiner Auflag« von zwölftausend Exemplaren, schon die Reichsgrenzen überschritten.„In Luxemburg", erzählt Herr Knickenberg,„haben wir zum Beispiel acht.treue Leser"....."-■ * Bor mir, auf dem Schreibtisch des Chefredak- tcurs, liegen die letzten Nummern des„Leucht- türm". Sechs große Seiten auf gutem Papier, mit vielen Photo? und Zeichnungen illustriert. „Erscheint jeden Sonntag. Bezugspreis monatlich la Pf." Also wohl die billigste Zeitung de? Reiches. Ilrtd nicht nur dies; es ist«in Blatt ohne ein einziges Inserat. Denn hier ist Leser nicht gleich Käufer. Trotzdem arbeitet der„Leuckflturm" mit einem kleinen lieberschuh. Ein Wirtschaftswunder? Nein: denn dieser Verlag zahlt ja nur minimale Arbeitslöhne und Honorar«, auch an jene Autoren, die ihre Feder in der Freiheit führen. Weil kein Aufsatz für andere Zeitungen an Wert verliert. wenn er im„Leuchtturm" erscheint: kein Exemplar dieses Blattes ist außerhalb der Gefängnismauern zu finden. Langjährige Leser bitten vergeblich. ihnen die Zeitung ttach der Entlassung weiter, yj-- liefern. Es darf nicht sein. Die Existenz des „Leuchtturm" wäre gefährdet in dem Augenblick, da er die freie Konkurrenz aufnehmen würde. Für ven Menschen hinler Gittern spielt die Ge- sangenenzeitung eine besondere, unvorstellbar wichtige Rolle. Sie ist kein Symbol weltfremder Humanitätsduselei, seit es zur Selbstverständlich- keit geworden ist, dem Straffälligen die Rück- kehr in die Gesellschaft zur Pflicht zu machen.„Wir können doch die Menschen nicht genau so wieder gehen lassen, wie sie zu uns kommen," sagt Herr Knickenberg.„Sonst ge- wöhnen sie sich zu schwer und zu langsam wieder ein. Sie müssen auf dem laufenden bleiben. was draußen an wichtig«» Dingen vorgeht: sie müssen über einschneidende Veränderungen aus allen Lebensgebieten informiert werden: sie müssen neue Interessen, ein weiteres Blickfeld be- kommen: und sie müssen ganz unmerklich ethisch beeinflußt werden." Der Gefangene, der die„Eingangsstuse" hinter ficht hat, der in die zweite und dritte Stuf« de? Strafvollzugs ausrückt, darf sich jede beliebige Zeitung halten. Aber für eine Tageszeitung genügt der kleine Lohn nicht, den er für seine Ar- beit im Gefängnis und Zuchthaus erhält und von dem zudem noch die Hälfte zurückbehalten und aus ein Sparkonto gelegt wird. Dazu kommt die Krise. Die Gefangenenarbeit wird immer stärker abgedrosselt: sie soll dem freien Hand werker und Arbeiter keine Konkurrenz machen. Aber für den„Leuchtturm" reicht es immer noch. Tausende verkneifen sich für ein Abonnement die zusätzlich bewilligte Marmelade, ja so- gar die geliebte Zigarette, die sie in den oberen Stufen rauchen dürfen., * Jede Nummer steht unter einem Leitmotiv. meist an aktuelle Ereignisse angelehnt'„Rund- sunk«inst und jetzt",„Tonfilm regiert",„Raketen sbyz".»Flugtechrat",.Atomzertrümmerung", Welthandel in Not",„Goethe und die ganze Welt",„Wunder der Technik".„Forschergeist durchdringt das Wettall". Der Hauptartikel und die besonders reich illustrierte dritte Seite stehen unter solch einem Motto. Die aktuelle Politik erscheint in einer Fülle von Meldungen und Photos. Hier leistet der„Leuchtturm Vorbildliches an Ueberparteilich- keit. Unoerzerrt werden, neben den amtlichen Verlautbarungen, unter den Rubriken„Innen- Politik",„Außenpolitik" und„Wochenübersicht" die tatsächlichen Geschehnisie wiedergegeben. Jede eigene Stellungnahme muß natürlich unterbleiben. Herr Knickenberg hat nicht vergessen, daß er auch für F r a u e n schreibt. Eine besondere Rubrik bringt Frauensragen: weibliche Berufe, Blumen- ecke, aber auch Fraueniorderungen an die Ab- rüstungskonserenz. Ausgedehnt ist Sie Rätselecke- Preisrätsel. Kreuzworträtsel, Schachaufgaben. Die Spatte„Wissenswertes für viele" will auf die Zukunft vorbereiten. Siedluugsfragen, Auswanderungsmöglichkeitcn. Gesetzesänderungcn werden besprochen. Natürlich gibt es einen um- fangreichen Sportteil mit den letzten Resultaten: es gibt eine„Lachecke" mit Witzen und einen Fortsetzungsroman.„Ich habe im vergangenen Monat zwei Dutzend Romane durchgesehen." klagt Herr Knickenberg.„aber keiner ist zu verwenden. Ich muß die Erotik aus dem Spiel lassen. So bringe ich Tiergeschichten oder Entdeckungs- reifen." * Der Leser wird oft zum Mttarbetter.„Welche Nummern bereiten Sie vor?" wird dauernd an geragt,„ich möchte einen Beitrag liefern." Autorenstolz gibt es nicht. Die Aussätze werden Auf seinem Lauf« vom Kolorado- Plateau zum Golf von Kalifornien im Südwesten der Ver- einigten Staaten hat sich der ungebärdig« Kalo- r a d o s l u h streckenweise so tiefe Einschnitte im Basaltgebirge zum Bett erkoren bzw. im Verlause der Iahrmillionen ausgewaschen, daß sich seine Fluten im Boulder Canyon durch enge, oft mehrere hundert Meter tiefe Steilfchluchten zwängen müssen. Do die 19 000 Millionen Kubikmeter Wasser, die oisser Fluß im Iahresdurch- schnitt zu Tal führt, nicht nur eine riesenhafte und unerschöpflich« Energiequelle darstellen, sondern auch zur Bewässerung eines großen, bisher brachliegenden Gebietes und für die Trinkwasser- Versorgung einiger Großstädte dringend gebraucht werden, da ferner die Schaffung eines schiffbaren Wasserweges zwischen dem Kolorado und dem Stillen Ozean seit langem erwünschr war. st> wurde durch ein besonderes Bundeswasscrgesetz die Ausführung von drei geroalt! gen Bauvorhaben beschlossen. Im Boulder Canyon des Koloradoflusjes zwischen den Staaten Arizona und Nevada wird durch Errichtung einer ungeheuren Sperrmauer ein künstlicher Stausee mtt 36 300 Millionen Kubikmeter Inhalt geschaffen: am Fuße der Sperr- rnauer wird eine Wasserkraftanlag« von etwa 1.2 Millionen OS Leistung gebaut, und vorn Lagunendamm am Koloradofluß wird ein großer schiffbarer Kanal durch das Imperialtal bis zur Küste des Stillen Ozeans ausgestochen Mit dem Bau der Sperrmauer, des Hoover- Dammes, wurde im Mai 1931 begonnen. Die Mauer wird als kombinierte Bogen- und Gewichts- mauer ausgeführt. Sie erhält an der Sohle 200 Meter und an der Krone 13,7 Meter Breite. An der Krone betrögt die Läng« des Bogens 335 Meter: der Bogenradius mißt 152 Meter. Mit chrer Höhe von 223 Meter wird diese zc- wattige Sperrmauer fast doppett so hoch als die 125 Meter hohen Funktürme des neuen Leipziger Großsenders. Um die Baugrude sür die Sperrmauer im Fluß bett ausheben zu können, mußten oberhalb und unterhalb der Baustelle zwei Fangdämme mit vier Umlaufstollen gebaut werden. Der obere Fangdamm wurde als Erb- und St-indmim errichtet: die wasserfeitige Böschung wurde etwa 1 Meter stark gepflastert und außerdem mit einer 15 Zentimeter dicken Eisenbetondeck« ebgedichtet. Schon diese Fangdämme stellen mtt etwa 24 Meter Höh« und 21 Meter Kronenbrett« ganz ansehnliche Sperrmauern dar. Entsprechend ven ungeheuren Abmessungen des Hoover-Da-mmes sowie der mit der gesamten Anlage verbundenen Bau irbeiten sind auch die erforderlichen Erdarbeiten entsprechend umfangreich. Im offenen Aushub waren 1 370 000 mit den Inttialen gezeichnet:„£. P., z. Z. Rendsburg" oder ein Pseudonym wipd gewählt. Eine der Rubriken heißt:„Kleine Nachdenklichkeiten." Es sst die Stelle, an der man versucht, den Leser moralisch zu fassen: Be- trachtungen über allgemeine Lebensfragen: unaufdringliches Hinlenken zum Weg des bürger- lichen Menschen. Seltsam: gerade diese Rubrik wird am häufigsten von den Lesern selbst be- liefert. Im Briefkasten findet sich der Querschnitt durch den Jnteressenkreis der ,.Leuchtturm"-Abon nenten: juristische Fragen, sprachliche Probleme. geschichtliche Daten. Berufsaussichten, soziale Fra. gen. Einer will— vergeblich— die Regeln des Skatspiels wissen, ebenso interessiert ihn die Fort- Pflanzung der Aale. Viele Anfragen gelten der schlimm st«n Rot des Vorbestraften- „Erhatte ich einen Paß? Einen Führerschein? Bekomme ich Wohlfahrtsunterstützung?" Im Briefkasten offenbart sich die schwierigst« Aufgabe der Redaktion: alt und jung, klug und dumm. gebildet und primitiv in buntem Durcheinander ist dieses Leserpublikum. Aber es scheint zufrieden zu sein. Mancher Abonnent wird zum Enthusiasten. Er schneidet Bilder ans und dekoriert damit sein« Zelle. Er steht täglich vor dem Neu- jahrsgeschenk des„Leuchtturm": dem Abreiß- kalender. In der legten„M u t t e r t a g"-Nummer finde ich ein Gedicht: klangvoll, tief empfunden, rührend. Gezeichnet„W. W., z. Z. Plötzense«". Dieser Mensch ist ein Mörder. * Im Trakt der Gemeinschaftszellen ist der Haupt- räum der Redaktton untergebracht. Vier Tische. Kubikmeter Erde bzw. Gestein zu bewegen, im Stollen- und Schachtausbruch gar 1 450 000 Kubikmeter. Für die Erd- und Steiisschitttung der Fangdämm« und den Userschutz waren 910 000 Kubikmeter Masse erforderlich. An Beton er fordert das ganze Projekt 33-50 000 Kubikmeter. Di« Sperrmauer wird in einer engen Basalt- ichlucht von etwa 92 Meter Sohlenbreite errichtet. Um auftretende Schwindwirkungen möglichst niedrig zu hatten und höchst« Dichiigkett und Festig- keit der Sperrmauer zu erzielen, soll der Beron verhältnismäßig trocken gemischt in Kübeln zur Baustelle gebracht werden. Das Gießverfahren kommt also nicht zur Anwendung. Da an der Baustelle im Sommer bis zu 49 Grad Celsius Wärm« auszutreten pflegen, so werden die frisch eingebrachten Mörtelmassen vom siebenten Tage ab gekühlt, um ein.zu schnelles Austrocknen des Betons und damit die mtt dem Schwinden ver- bundenen Gefahren zu bannen. In der Sperr- mauer werden deshalb beim Bau z w e i z ö l l i g e Kühlwasserrohrleitungen in 3 Meter Abstand voneinander verlegt, wozu 240 Kilometer Röhren erforderlich sind. Unterhalb der Sperrmauer wird das Kraft- haus mit U-sörmigem Grundriß aus Stahl und Beton errichtet. An Maschinen kommen zur Auf- stellung: zwölf Wasserturbinen von je 85 000 PL Leistung, zwölf Stromerzeuger von je 75 000 lcVB und zwölf Erregermaschinensätze. Weiter sollen noch 36 Transformatoren von 25 000 bei 222 000 Volt Oberspannung im Maschinenhaus Platz finden. Di« Leistung des Kraftwerkes wird je nach dem vorhandenen Wasserstand des Stausees 1 bis 1,2 Millionen FB betragen. Die Druck- rohrleitungen, in denen das Wasser den Turbinen im Maschinenhaus zugeführt wird, er- halten zum Teil über 9 Millimeter Durchmesser. Da sich die einzelnen Rohrschüsse ihrer riesigen Abmessungen wegen weder mit der Bahn noch mit anderen Fahrzeugen über weite Strecken be- »ördern lassen, so wurde unweit der Baustelle eine Werkstatt errichtet, in der die Rohre hergestellt werden. Auf Schienenfahrzeugen werden die ein- zelnen Rohrschüsse bis zum Rande der Schlucht gefahren, wo sie von einem über die Schlucht ge- spannten Kabelkran mit 365 Meter Spannweite und rund 120 Tonnen Nutzlast ausgehoben und in die Schlucht hinabgelassen werden. An einigen Stellen müssen die Rohre bis zu 184 Meter tief hinabgelassen werden. Da außer der Millionenstadt Los Angeles auch noch einige benachbarte Städte chr Trink- wasser aus dem Stausee beziehen sollen, so muß eine etwa 400 Kilometer lange Wasserleitung gettiaut werden. Der da- zwischen liegenden Berge wegen mutz die Wasser- vier Menschen in blauen Anzügen. Stumm er- heben sie sich, senken den Kops zum Gruß. Es find die Redakteure, es sind meine Kollegen. Der eine, polittscher Redakteur, liest gerade Korrektur. Schnell kommen mir ins Gespräch. Der Zweite ist der Rätselmann. Er prüft die eingesandten Rätsel.„Alle muß ich umarbeiten, kaum eins ist fehlerlos." Der drille, ein luftiger Mensch, redigiert die Lachecke, wühlt sich durch einen Berg von Witzen, sucht die besten und passendsten aus. Der vierte ist der Redaktion?- Volontär. Zur Zeit schwitzt er unter den ein- gegangenen Lösungen des Preisausschreibens. Man kennt das aus den Filmen: dieses Treppenhaus aus eisernen Streben, die den Blick srellassen durch drei Stockwerke: diese schnauz- bärtigen Wärter mit dem mißtrauischen Auge: diese Balkon«, an denen sich die Zellen anein- anderreihen. Herr Knickenberg schließt die eine auf. Ein kleines Büro mtt Briefordnern. Ta- bellen, Schreibmaschine. Akten. An der Wand, hochgeklappt, Idas Eisenbett. Die Mauer besät mit Photos, Ausschnitten. Es ist das Redaktionssekretariat. Ein ällerer Mann erhebt sich am Schreibtisch, legt die Zigarette in den Aichbecher, neben das Bild eines Mädchens, mit einer rührenden kleinen Schleife geschmückt. Seine Frau? Seine Tochter? Seine Braut? Zweihundert Briefe, berichtet er. sind im Monat zu beantworten. An Abonnenten.'Autoren, Interessenten. Siedlungssragen stehen im Vordergrund. Bevor wir wieder gehen, hebt Herr Knickenberg einen kleinen Vorhang hoch, darunter zwei Käfige mit Kanarienvögeln. Ein Wasserklosett wird sichtbar.„Sie sehen, wir haben uns modernisiert. Der Kübel ist verschwunden." Wir verabschieiden uns. treten hinaus auf den Gang. Oberlehrer Knickenberg dreht sich um, schiebt den Riegel der Zelle vor, ein Schlüssel knackt im Vorhängeschloß. Das sst unheimlich. wenn man gerade mit dem Mann dort drinnen gesprochen hat. Ein Schauder läuft über den Rücken. Hier wird ja ein Mensch eingeschlossen. Plötzlich weiß man, was das ist: ein Gefangener. leiiung einen Höhenunterschied von etwa 480 Meter überwinden. 2Ius dem Stausee am Hoover- Damm wird das Wasser zunächst um 90 Metel- gehoben und in«in zweites Becken gepumpt. Dann muß es abermals um weitere 90 Meter gehoben und in ein drittes Becken gepumpt wer- den. Dies« beiden Hebestellen liegen aus den ersten 8 Kilometern der Strecke. Dann folgt beim Kilometer 112 eine dritte Hebestelle mtt 42 Meter Höhenunterschied, beim Kilometer 176 eine vierte Hebestelle mit 35 Meter und beim Kilometer 192 eine fünfte Hebestelle mit 87 Meter Höhenunter- schied. Schließlich muß beim Kilometer 208 noch «in sechster Höhenunterschied von 140 Meter über- wunden werden. Der unterhalb des Lagunendammes vom Kolo- rado abzweigende Kanal, als A l l-A m« r i k a- Kanal bezeichnet, soll etwa 300 Kilometer lang werden. Bei 61 Meter Breite und 6,7 Meter Tief« vermag er in einer Sekunde 425 Kubikmeter Wasser zu führen. Er soll den Kolorado mit deni Imperialtal in Südkalisornien und dem Stillen Ozean verbinden. Auf diese Weise erhallen die SiedlerdesJmperialiales das erforder- liche Wasser, und gleichzeittg stellt der All-Amerika- Kanal die lang erwünschte Verbindung zwischen dem Kolorado und der Ozeanküste her. Der Kanal wird auch von großen Binnendampfern befahren werden können. Da der Hoooer-Damm an einer sehr obge- legenen Stelle errichtet wird, so waren umfassende Nebenarbeiten erforderlich, um die Anfuhr der Baumaterialien zu ermöglichen und die beim Bau beschäftigten Arbeiter in der Nähe der Baustelle unterzubringen. Eine neu oerlegte, über 15 Kilo- meter lange Eisenbahnstrecke stellt die Verbindung zwischen der Baustelle und dem vorhandenen Ver- kehrsnetz her. Außerdem wurde auf der einen Seite des Flusses eine 11 Kilometer lange Bau- ftraße von Boulder City aus und auf der anderen Talseite eine Staatsstrahe angelegt. Sieben Kilo- meter von der Baustelle entfernt wurde an einer klimatisch günstigen Stelle eine neue Stadl errichtet, in der. da die Bauzeit rund 8 Jahre betragen soll, außer Vortrags- und Gefellschasts- sälen auch Grünflächen, Sportplätze, eine Kirche, Wasserleitung usw. vorgesehen sind. Aus Grund eines neu erlassenen Bundeswasser- gesetzes werden die 19 000 Millionen Kubikmeter Wasser, die der Kolorado im Jahresdurchschnitt zu Tal führt, in folgender Weise auf 7 Bundesstaaten verteilt: die vier oberen Staaten Utah, Wyoming, Kolorado und Neu-Mexiko können zusammen über 9000 Millionen Kubikmeter, und die drei Anlieger- staaten Nevada. Kalifornien und Arizona ebenfalls über 9000 Millionen Kubikmeter verfügen, wöh- rend 1000 Millionen Kubikmeter als Reserve ver- ssigungssrei gehalten werden. 3)ie KalSperre am 3ioloradoflw$ Von Ingenieur ChriUoph Carloirils Der Reichs-Artistenwetts Artisten des Arbeiter-Athletenbundes in der„Neuen Welt" In der Neuen Welt hatte die Eiserne Fronl den Arbeiter-Whleten-Bund Deutschlands e. V. zu einem großen Reichs-Artisten-Wett- streit vereint. Und alle, alle waren gekommen. Aus Braunschweig und Dresden, aus Chemnitz und Magdeburg, aus Leipzig, Dessau kamen die Amateurartisten und stritten mit ihren Berliner Kameraden uin die Siegespalme. Aber es galt bei diesem großen Tressen nicht einzig Kraft und Ge- schicklichkeit zu zeigen und den riesengroßen, brechend vollen Saal ein paar Stunden lang zu unterhalten. Ein tieferer Sinn lag dieser Veran- staltung zugrunde: sie sollte vor allem die innere Schwimmer-Städtekampf Die besten Arbeiterschwimmer der Städle Leipzig. Magdeburg, Dresden und Berlin trugen gestern im Leipziger Westbad einen Wettkamps aus, der sich aus Schwimmen, Springen und Wasierballspiel zusammensetzte. BerlinsVertretungsiegte auch diesmal, wie schon in den vorausgegangenen Kämpfen, die ISN in Magdeburg und 1931 in Berlin statt- fanden, sicher vor Leipzig, Magdeburg und Dresden Mit Ausnahme des Kunstspringens und des Frauenbrustschwimmens fiel der Sieg regel- mäßig, wenn auch mitunter recht knapp, an die Berliner, die damit erneut ihre Führungsstellung im deutschen Arbeiterschwimmsport bewiesen. Der Verlauf der Veranstaltung war der denkbar beste, 2009 Zuschauer waren die Zeugen ausgezeichneter Leistungen. Ein ausführlicher Bericht über den Verlauf der Wettkämpfe folgt morgen an gleicher Stelle. Geschwsienhest und Verbundenheit all dieser Men- schen droben aus der Bühne und unten im Saal erweisen, die kampfbereite, kampfgestählte Masse, die sich auch ihrer Haut zu wehren oersteht, wenn es gilt, alte Rechte zu erhalten und neue zu er- obern. Kampf durch Kraf, hieß die Devise des Tages, das kam auch in der Ansprache des Ge- nost'en Künstler zum Ausdruck, der die Massen zur Einigkeit, zur Geschlossenheit und wenn es nicht anders geht, zum festen Hieb aufrief. Was auf der Bühne geleistet wurde, war wieder ernschafteste, wirklich qualitative Arbeit und so manche Darbietung konnte man als völlig bühnen- reif bezeichnen. Prachtvoll die Arbeit der Schleuderakrobaten M a r n e t t(Berlin), die ganz schwierige Tricks den Professionals vom Winter- garten abgeguckt hatten. Die Braunschweiger 5iandequilidristen 2 E r o s lieferten prima Hand- stände, alles gm durchgearbeitei und darum präzis« und wirkungsvoll. Hoch oben in den Lüften zeigte am Reck das K l a n t e- T r i o(Verlin) seine ver- wegenen Künste, prachtvolle Hänge- und Schwebe- Positionen, lebende Schaukeln und noch allerlei atemraubende Verschiingungen. Proben bestdiszi- plinierter Kraft und Ausdauer boten die Gymna- stiker 3 R i m a r k u s(Skeuditz) auf freischweben- der Leiter, die beiden„Doofen" Otto-Otto setzten mit allerlei ulkigen, geschickten Ungeschick lichkeiten das Zwerchfell in Bewegung. Am dreifachen Reck arbeiteten die B u r t o n s(Magde- bürg), der Kautschakmann Ostern!(Dessau) zeigte sich als knochenloses Unikum, Drahtseil- und Exzentrikarbeit, Musikalakte und Gladiatorenspiele, alles wurde vielseitig und besttrainiert zur Vor- führung gebracht. Der mangelnd« Raum verbietet, alle zu nennen, allen ihr verdientes Lob zu spenden. ... und in Lichtenberg Es gehört zur Tradition, daß am Totensonntag die bundestreue Sportliche Vereinigung Lichtenberg-Frieldrichsfelde 04 alle Freunde des Vereins zu einer Sport- uns Varieteschau zusammenführt. Das überaus reichhaltige bunt« Programm unterhielt auch gestern wieder die Gäste auf das beste. Sportliche Wettkämpfe eröffneten den Abend. Nach einer Iiu-Iitsu-Demonstration folgten zwei schöne Kämpfe: Bes«ler-L. gewann den ersten Kampf in der 3. Minute und Thun besiegte Niemann-L. nach einer etwas längeren Ringzeit. Die Freundschaftskämpfe im Ringen zwischen Lichtenberg uns Tegel wurden von dem Tegeler Nachwuchs mit 5: 3 Punkten gewonnen. Die Bundesmeister im Heben: Wiese, Poekern, Neumann, Schulz, Apitz und Walloscheck zeigten an der Scheibenstange ganz prächtige Leistungen, in dieser Form dürfte die Mannschaft bestimmt die Bundesmeisterschaft erneut gewinnen. Im einarmig Reißen wurde mit 170 PfunS und im beidarmig Stoßen 250 Pfund abgeschlossen. Die Tänzerin Koster erntete starken Beifall und Pusch ertanzte sich ihn mit den Händen. Der Lichtenberger Herkules Mallon gab erstaunliche Proben seiner enormen Kraft. Auch diesmal trugen die Lichtenberger Sänger und der Orchesterverein Rigoletto zum Gelingen des Abends bei. Proles' Winterfest „Mit Schwung und Sprung zur Fröhlichkeit". diesen poetischen Titel hatre der Verein»ür Körperkultur„Proles" seinem gestrigen Winter- sportfest gegeben. Daß Fröhlichkeit in der heuti- gen wirtschaftlich schweren Zeit not tut, bewies scr äußerst starke Besuch. Prole» ging von dem Standpunkt aus, daß der größte Teil der Winter Veranstaltungen einen zu erm'ten Charakter an- nimmt und dadurch den Besuchern ein Vergessen der Alltagssorgen unmöglich gemacht wird. Mit der gestrigen Veranstaltung hatte Proles recht behalten: nur wenn Fröhlichkeit geboten wiro, kommt auch echte Fröhlichkeit auf. Rur ein Fehler wurde gemacht: die Vorführungen litten unter zu schnellem Tempo. Hatte das Auge sich an einen neuen Eindruck kaum gewöhnt, io trat auch schon wieder ein neues Bild in den Blick- kreis, so jede wirkliche Ausnahme verhindernd Das gilt allerdings nur für den ersten Teil, Scr zweite Teil stach vorteilhaft davon ab. Sehr gut wirkten das Spielinonnslied und die Puppentänze. die dann zum allgemeinen Tanz überleiteten. Bon den allgemeinen Programmpunkten sei besonders das Seilschwingen und-springender Männer her- vorgehoben. Tempo-Tempo war auch hier die Parole, die aber in der Art der Uebungen die Ursache fand. Nur sollte man das Experimentieren mit den Kindern auf dem Rücken unterlassen. Ein einziges Mal das Seil in die Beine verwickelt und ein schwerer Unfall kann die Folge sein. Sehr gut wirkten auch die Gnmnastikübungen der Altersturnerinnen und die Älltersturner an der Schwedenbank. Die Fröhlichkeit der Kinder sah etwas verkrampft aus, der Zuschauer wurde nicht recht warm dabei. Sonst aber war es einmal etwas anderes, als das immer ernste Leben auf der Bühne. * Der tragische Tod. Bei radsportlichen Vor- fichrungen anläßlich des 35. Stiftungsfestes der Abteilung Neukölln im Arbesterrad- und Kraft- fahrerbund Solidarität wurde in der Sonntagnachr der Kunstradfahrer Otto K n o p s n a t e l vom Herzschlag getroffen. Er sank leblos zu Boden. das Fest wurde daraufhin abgebrochen. Knopi- natel war 20 Jahre Mitglied des Bundes. Serienspiele am Sonntag Arbeiter-Fußball,-Handball,-Hockey Adler 08 gegen lveißenjee 1:1(0:1). Wie vorauszusehen. fanden sich die Adler mit dem schweren Platz in Weihensee schlecht ab. Sie waren zwar leicht überlegen, konnten aber nur mit Mühe ein unentschiedenes Resultat erzielen. Saxonia 28 gegen Pankow 3: 0. Pankow war gegen den Vor- sonntag nicht wieder zu erkennen und mußte Saxonia nach schlechtem Stellungsspiel bei schnellen Durchbrüchen dreimal den Erfolg überlassen. Saulsdors gegen Eiche-Bohnsdorf 2: 1<0: 1). Die Bohnsdorfer sind zwar dauernd überlegen, rennen sich aber mit Aktionen fest, so daß den energischer spielenden Kaulsdorfern der unerhoffte Sieg zu- fällt. Einkrachk-Spandau gegen Dallgow 7: 1(S: 1). Die Dallgower spielen zwar sehr eifrig, können aber erst nach dem Wechsel den technisch besseren Spandauern die Waage halten. Britz 88 gegen Kickers 31 6:2(2: 2). Britz führte in dem bis zum Wechsel ausgeglichenen Spiel, kann aber erst gegen Schluß infolge größerer Ausdauer ge- Winnen. Das Spiel war in dieser Zeit unnötig hart. Spielvereinlgung Ost gegen Einigkeit- Staaken 4:3(2:2). Staaken führt bald mit zwei Toren: dann kämpft die Spieloereinigung verbissen um jeden Ball und hält bis zum Schluß einen knappen Vorsprung. Rormannia gegen Grün-TVeijz 5: 0 (3: 0). Grün-Weih erfüllte die Erwartungen und lieferte an Stelle der Köpenicker dein Voraussicht- lichen Bezirksmeister vor zahlreichen Zuschauer» ein eifriges, stets werbendes Spiel. Wilmersdorf gegen Trebbin 1:0(1:0). Die Berliner waren zwar leicht überlegen, aber ihr Sturm gab Muster. beispiele ausgelassener Torgelegenhesten. Volkssport Neukölln gegen Rot-Weiß 1; 1(0: 1). Volkssport hatte seinen Gegner unterschätzt und hatte Mühe, statt eines Sieges ein Unentschieden her- auszuholen. Blaugelb gegen FTGB.-Buch 5: 2 (3: 0). Blaugelb war durch bessere Technik über- legen Nowawes gegen vorwärts-wedding 2: 2 (1:1). Vorwärts hat mit viel Glück den Ab teilungsmeister des 3. Bezirks in Schwierigkeiten gebracht. Der Sturm der 94er oerdarb gestern viel. Hansa 31 gegen Eintracht-Reinickendorf 11:0 (2: 0). Hansas Ueberlegenheit ergibt sich schon au dem Resultat, trotzdem kann man die Sturn leistung noch als schlecht bezeichnen �S'buisl«! zogen 2 gegen Lichtenrade 13:: U: d>. �UHenow.Lild 2 Hzoelberg 2 3:2(1:1) Sintracht-voandau 2 gegen Dallgow* 3:0(2-0) Saften 1 gegen Luckenwalde V 2 2: 8(1: 2). Pantow 2 gegen Nord 2 4; 8. Buch 2 gegen Blaugelb 2 7:2(3:1) Off 2 gegen otaolcn 2 4:1<3: 0). Sormannia 2 gegen »ansa 2 �: 4(4:0). Norinannia 3 gegen Oft 3 9• J (3: 0) BSV. 31 2 gegen All-Stahnsdor, 1 7:0(2:0). Trebbin 2 gegen«ilmersdort 2 5:4(8:3). Wilmersdorf 3 gegen Boltsfport R-uILlln 3 3:1(4:1). Siot. Weiß 2 gegen Echäneberg lomb. 2:1(1:0). Adler 2 gegen Weißensee 2 4:0(1:0). Jugend: Nowawes 94 gegen Lichtenberg 1:1(1:0). Wilmersdorf gegen Normannia 3:0(1: 0). Schiller: Nowames gegen Borwärts-Wedding 4: l. Alemannia gegen Normannia 2: 1. Zoifcn gegen Wilmers- darf 2:1(1:1). Hanta gegen Saxonla 3:0(0:0). Aus dem Wege zur Bezirksmeislerschast. Im 3. Bezirk begann die 2. Runde der Abteilung� .Uelfter. Rachenom.Sild spielte gegen Haoelberg S: 2 it; 0). Haoelberg druckte zwar anfanglich in dem leb. basten Spiel, aber die Führung fiel bald an die Rothe, nomrr. Die Turner ließen dann nach und schon beim Sechtel hatte Süd den Sieg sicher.— Der 4. Bezirk begann die Runde seiner Abteilungsmeister. Hertha-Lucken. walde gegen Jüterbog(pielten 8:0(3:0). Die Iüter» böge: unterlagen leichter als vorauszusehen war. Di- Nannschaft schien aus einzelnen Posten sehr schwach beseht zu sein. Der Zusammenhang fehlte au» diesem Grunde. Die Entscheidung dürfte nach diesem Tressen nur zwischen Hertha und Luckenwalde V liegen. Handball Von den gestrigen Handballspielen inter- essierte in der 1. Klasse das Treffen zwischen Volkssport Neukölln und F T G B.- Stralau. Wie wird der Neuling der ersten Klasse gegen den routinierten Gegner abschneiden? So stand die Frage Im allgemeinen gab man den Stralauern wenig Chancen, sollte aber desto an- genehmer enttäuscht werden. In den ersten Minuten nur ein Abtasten der schwachen Stellen des Gegners, dann plötzlicher Vorstoß der Neuköllner An dem sehr gut ausgelegten Torwart der Stralauer scheiterten zunächst alle Angriffe. In der 7. Minute war aber der Erfolg da, einen scharfen Schuß des Mittelstürmers mußte er passieren lassen. Die Stralauer, die mst einigen Ersatzleuten antreten mußten, gaben sich aber noch nicht geschlagen. Immer wieder war es ..Schlehmil", Halblinks, der den Ball nach vorn brachte, aber„Lütt" paßte nicht auf. Bielleicht trug der falsche Posten auf Halbrechts dazu bei. War er es doch sonst gewohnt, auf der Außen- linie entlang zu laufen und plötzlich auf das Tor zu schießen. Erst nach 20 Minuten Spielzeit konnte "er Halblinke unhaltbar zum Ausgleich einsenden. Damit war aber auch für Neukölln das Signal gegeben, aufzupassen, um einer Niederlage zu -.mtgehcn. In gleichmäßigen Abständen wurde Stralaus Torwart noch zweimal überwunden. Die zweite Halbzeit begann schon in starker Dämme- rung. Zunächst war Neukölln tonangebend, ohne jedoch zählbare Erfolge zu erzielen. Erst alz die Stralauer das Resultat aus 3: 2 gestellt hotten. merkten die Neuköllner den Ernst der Lage. Bevor der Schiedsrichter wegen Dunkelheit abgebrochen hatte, stand das Ergebnis auf 5: 2 für Neukölln.— Der Meisterschoftsanwärter FTGB.-Süden fertigte Eiche-Köpenick leicht mit 6:1 ab. Das wichtigst« Spiel in der Bezirksklass« des ersten Bezirks war die Begegnung Eiche-Bohnsdorf gegen Oberspree. Die Bohnsdorser konnten nach flottem Kamps mit 2:2 die Oberhand behalten. Für die Schüler und Schülerinnen hatten sich die Bohnsdorser zwei Mann- schaften aus Luckenwatde oerpflichtet. In beeden Spielen blieden die Gäste siegreich. Die Schüler gewonnen 8: 2, die Schülerinnen 9: 0. die zweiten Mannschaften von Bohnsdorf und dem AST. trennten sich beim Stande von 10: 0 für ATE. * • O-fc Tennis-Rot und Bolkssport Neukölln-Britz spielten in den Hockey spielen 2:2. Wenn auch Tennis-Rot im technischen etwas besser war, mangelte es im Sturm noch immer am exakten Torschuß und dem uneigennützigem Stellungsspiel. Bei den Neuköllner sind noch immer die Läufer die Hauptsorge, weil sie nicht schnell genug sind und für den Spielaufbau wenig hergeben. Der Arbeitersportverein Rot-Weiß be- wies mit seinem 5: l-Erfolg über den ACE., das er an Spieltüchtigkeit gewonnen hat. Einen Hauptanteil an dem Sieg hatte der Mittelstürmer sowie der Linksaußen. Der ASB. Wedding siegte über die FSB. Pankow 5: 2. FTGB.-Osten und FTGB.-Tempelhof 2 trennten sich 1: 1 Weitere Resultate: ASB. S6>öneberg gegen Rot-Weiß 2 5: 1. SV. Moabit 2 gegen Tennis.Rot 2 5: v. Freie Schwimmer Zehlendorf gegen SV. Moabit 4 4:1. Abendschwimmfest in Neukölln Es ist als ein guter Einfall zu bezeichnen, daß sich die Gruppe Neukölln der Freien Schwim- mer Groß-Berlin entschloß, ihr diesjähriges ueremsinternes Schwimmfest in Form einer Wochentagsveranstaltung auszuziehen. Eine ge- wisse Abweslung im Einerlei der Veranstaltungen ist auch den Schwimmern bestimmt vom Vorteil. Bei wahrhast volkstümlich zu nennenden Eintritts pressen von 30 Pf., bzw. 20 Pf. für Erwerbslose. werden die Neuköllner Arbeiterichwrmrner m o r gen. Dienstag, ab 20.15 Uhx. im Ttadtbad in der Ganghofer Straße alles zelgen, waz der Schwimmsport an Betätigungsmöglichkeilen bietet. A rbeiter- Wasserball Im Spiel Charlottenburg I gegen Spandau, das am Sonnabend ausgetragen wurde, sah man sich in der Erwartung eines zweistelligen Enolges des Exmeisters getäuscht. Trotz Klasseüberlegenheit in der Ballbehandlung war der Siez 8: l(2:0) nur das Ergebnis angestrengter Bemühungen. Im Bestreben, die zu erwartend« Ueberlegenheit des Gegners durch aus- merksames Deckungsspiel abzuschwächen, hotte Spandau im ersten Spielabjchnilt viel Ersalg. Eharlottenburg konnte sich- nur selten freispielen und kam erst nach geraumer Zeit zum Führungstreffer. Ein knapp vor dem Seitenwechsel gegen Spandau verhängter Strafwurf führte zum zwei- ten Erfolg. Nach Wiederbeginn setzte sich dann jedoch die überlegene Technik Charloltenburgs durch. SpanOau vermochte dos Tempo nicht mehr mitzuhalten und siel mit zunehmender Spielzeit ab. Eine gute Einzelleitung des Ntittelstürmers führte immerhin noch zum verdienten Ehren- treiier. Arn Sonntag spielte der Neuling der .5-Klasse Potsdam gegen Neukölln und erreicht« ein unverhofiles Unentschieden von 6: 5 Toren. Neukölln ha:te in technischer Hinsicht Bor- teile, die aber lediglich in der ersten Spielhälite wahrgenommen wurden. Mit drei Erfolgen in Front liegend, wurden die Neuköllner in der Verteidigung leichtiertig, wodurch die eifrig spielenden Potsdamer zu Gegentreffern kamen und bis zur Pause aus 3: 5 heranzogen. Im zweiten Teil de? Spiels verloren die Neuköllner weiter stark an Zusammenhang Potsdams Sturm nahm jeden Vorteil entschlossen wahr und erzielte. durch Deckungesehler begünstigt, weitere verdiente Erfolg«._ Was zu berichten ist 1000 Kilometer.m Falkbool. Die unendlichen Schönheiten des Faltbootsportes zeigt die am Donnerstag. 24. November, 20 Uhr, im Jugend- heim, Wildenowstr. 5, stattfindende Werbeoeran- staltung der Gruppe Norden der„Freien Faltboot- fahrerBerlin", 110 herrliche Aufnahmen von der wilden Cnns, der Freiberger Mulde, der Müritz und der Insel Rügen werden dem Besucher vor- geführt. Ein Begleitvortrag, des als Fahrten- schilderer sehr beliebten Arthur Müller unterstützt die Lichtbilder. Eintritt frei. Hindernisrennen zu Sirausberg. Nachdem die Flachrcnnsaison endgültig beendet ist, werden aus der Waldbahn noch drei Renntage abgehalten, die dem Hindernissport gewidmet sind. Das Pro- gramm der ersten Veranstaltung am Dienstag, 22. November, 12�4 Uhr, umfaßt sieben Nummern, und zwar 5 Jagdrennen und 2 Flachkonkurrenzen. Schön-Baschenhagen siegen in Frankfurt. Nach der vorübergehenden Trennung während des Berliner Sechstagerennens feierte die gut aus- einander eingespielte Mannschaft Schön-Buschen- Hagen am Sonnabend bei der Premiere der Winterbahn in Frankfurt a. M. einen neuen überlegenen Sieg. Bis zur Hälfte des 100-Kilo- meter-Rennens duldeten Schön-Buschenhagen die jungen Kölner Zims-Perelaer in Front, dann machten sie aber Ernst und gewannen mit Rundenvorsprung gegen Funda-Maidorn. „29 Runden zurück." Im Sechstagerennen m Amsterdam, das am Freitag begann, führen P. van Kempen-Pijnenburg vor Charlier-Dennef (2 Runden zurück) und Rausch-Hürtgen(3 Runden zurück). Als Kuriosum sei mitgeteilt, daß einige Paare bis zu neunund zwanzig Runden zurück- liegen! Ivieder Eishockey. Die Eisbahn im Berliner Sportpalast öffnet ihre Pforten neuerlich zu einer zweitägigen Veranstaltung am 23. und 24. November. Im Mittelpunkt der Ereignisse stehen die Spiele zwischen dem Wiener Meister Pötzleinsdorser SC. und dem Berliner Schlittschuh- Club. Außerdem wird Weltmeister Karl Schäfer austreten. Der kegelnde Kommerzienrat In der Zeitschrist des deutschen Arbeiter- Kegler- Bundes zeigt in einem längeren Aufsatz der Bundesvorsitzende, wie die bürgerlichen Vereine ihre Mitglieder zu halten suchen. Bei der Eröffnung eines großen Bundeskegelns sprach der Vorsitzende des Deutschen Keglerbundes sol- gende Worte: „Das Symbol unseres Bundes ist, daß neben dem Kommerzienrat und F a- brikanten der Straßenkehrer sowie der Grubenreiniger den Sport ausübt'. Das ist unser Stolz. Dieses trennt uns vom Arbeiter-Kegler-Bund." Das ist echte, rechte Harmonieduselei, wie sie in ihrer Schädlichkeit schon in den siebziger Jahren die Arbeiterschaft erkannte. Der Kommerzienrat und der Fabrikant kegelschiebend bei Eisbein und den dazugehörigen Lagen Bier mit dem Arbeiter — dos ist das Ideal der Leute, die anderntags hingehen und an Hand willkommener Notverord- nungen dem gleichen Arbeiter die Löhne kürzen, daß ihm die Schwarte knackt. Dos erkannt zu hoben, ist für die Kegler aus proletarischen Kreisen— das Verdienst des Ar- beiter-Kegler-Bundes, Noch heute hat er ein großes Äckerfeld vor sich, weil das Kegeln immer noch als ein netter Zeitvertreib bei Bier und Schnaps angesehen wird, bei dem sich die Geister vereinigen— siehe oben! Um so bedauerlicher ist es. daß nur zu viele in der modernen Arbeiter- bewegung Organisierte immer noch Mitglieder eines szarmonievereins sind, wo sie mit demselben Fabrikanten kegeln dem sie am nächsten Tage vielleicht vor dem Arbeitsgericht gegenüberstehen müssen. Hier gibt es nur eines: Heraus aus den bürgerlichen Klubs! Frei« Turucrschsit Guß.Berliu. Sie Freidentcr-Kunä- gebun« m> svvrwalun deute-den»„l verboten: Faduen. ausmursch daher unmöglich!