Abend-Ausgabe Nr. 550 B 267 49. Jahrg. Redaktton und Verlag, Berlin SW 68, Lindenstr. 3 Semipred)« 01 7 Amt Vönhvss 292 bt« 297 Trl-gr-mmabttls«! Sozialbemokrai Berlw BERLIK ER VOLKSBLATT DIENSTAG 22. November 1932 In Groß- Berlin 1 0 Pf, Auswärts....... 10 Pf. Bezugsbedingungen und Änzelgenprer'.e siebe Morgenausgabe Aentvatoegan der Gozialdemotratifche« Partei Deutschtands „Strengstes Schweigen" ,,Bs verlautet aber.. Wir müssen uns schnell, noch ehe eine neue Auflage von Herrn Bracht kommt, berich- tigen. Die Behauptung, daß sich die neue Regierungsbildung in altbekannten Formen vollziehe, läßt sich nicht länger aufrecht- erhalten. Eine Regierungsbildung auf dem Wege des Austausches von Geheim- dokumenten zwischen einer Partei- führung und dem Büro des Reichspräsidenten ist wirklich noch nicht dagewesen. Man möchte als Untertan nur die bescheidene Hoffnung aussprechen, daß die besagten Ge- Heimdokumente alsbald veröffentlicht werden, denn das Bolk, von dem einer Sage zufolge alle Staatsgewalt ausgehen soll, hat vielleicht auch unter dem neuen System der Staats- führung ein Recht zu erfahren, wie seine Regierungen zustande kommen, beziehungs- weise nicht zustande kommen... Zu dem Frage- und Antworlspiel, das zwischen Reichskanzlei und Kaiserhof gespielt wird, meldet klassischerweise TU.: lieber deii Inhalt sowohl der Rückfrage wie der Antwort wird amtlich strengstes still- schweigen bewahrt. Es verlautet aber, daß der Kern der Rückfrage dahin geht, ob der Auftrag Hindenburgs an Hitler bedeute, daß er eine Präsidialreg iernng mit parla- mentarischen Bindungen bilden soll, oder ob er eine parlamentarische Mehr- hcitsregicrnng mit Präsidialbin- düngen.zu bilden habe. Für den gewöhnlichen Menschenverstand sind„eine Präsidialregierung mit parlamen- tarischer Bindung" und„eine parlamenta- rische Mehrheitsregierung mit präsidialen Bindungen" soviel wie gehupft und ge- sprungen, soviel wie Jacke und Hose oder Regen und Traufe. Die Erfindung solcher feiner Unterschiede kann nur den Zweck haben, die Lerhandlungen in die Länge zu ziehen, um dann für ihr Scheitern dem andern die Schuld zuzuschieben. Kein Wunder, daß angesichts dieses Stau- des der Geheimverhandlungen fleißig nach dem nächsten Mann der Vorsehung Umschau gehalten wird Dabei werden Namen ge- nannt, die— wenn man Herrn von Papen in das 17. Jahrhundert einrangiert— etwa bis nach dem 13. zurückreichen. Sollten wir wirklich vor einem neuen Versuch stehen, die Staats- und Wirtschaftskrise der Gegenwart im Zeichen der Ritterromantik zu lösen, so würde diesem zweiten Experiment ein noch schlimmeres Ende sicher sein. Ate Geheimverhandlungen MleiQiier antwortet Hitler heute nachmittag lieber das Schreiben Hitlers an Staats- fekretär Meißner erfährt man von„zuständiger Seite", daß dieses Schreiben sich in der Haupt- fache auf eine bestimmte Rückfrage konzentriere. Welcher eine Punkt das ist, wird verfchwiegen, doch glaubt man, daß Hitler die Zusage verlangt, auch mit Artikel 48 regieren zu dürfen. Die Antwort Dr. M e i ß n e r s soll heute am frühen Nachniittag Hitler übergeben werden. Eine Veröffentlichung ist einstweilen nicht in Aussicht genommen. Man erwartet, daß nach Empfang der Antwort Hitler sich entscheiden werde, ob er den ihm zugedachten Auftrag an- nehmen will oder nicht. lieber die Bedingungen, die der Reichspräsident Hitler gestellt hat, wird mitgeteilt, daß sie allge- meiner Natur seien und nicht Einzelfragen be- treffen. Im übrigen enthielten sie Dinge, die bereits in der Verfassung stehen, und die also lediglich unterstrichen werden. Zugegeben wird, daß Herr von Pape» am Sonntag beim Reichs- Präsidenten gewesen ist, und es wird hinzugefügt, daß der Reichspräsident sich vorbehalte, auch weiter bis zur Lösung der Krise die Ansicht des geschäfts- führenden Reichskanzlers zu hören. Die Meldung, wonach Oldenburg von Ianuscha», von Berg- Markienen und Herr v. d. Osten zum Reichspräsidenten berufen und bei ihm gewesen seien, wird für falsch erklärt. Entschieden wendet man sich gegen alle Ge- rüchtc, die den Zweck haben könnten, die Ber- Handlungen zu stören und ihren e r n st h a s t e n Charakter in Zweifel zu ziehen. So z. B. auch die durchaus unbegründete Behauptung, daß Pape» nicht freiwillige, sondern gezwungen durch sehr starke Strömungen im Kabinett zurückgetreten sei. Dem wird entgegengehe, Itcn, daß Papen be- reits am 8. November vor den Auslundsjourna- listen seinen bevorstehenden Rücktritt angedeutet habe: da sich die Basis seiner Regierung nicht ver- breitern ließ, hat Papen selbst im Kabinett als erster Redner den Rücktritt vorgeschlagen. Im übrigen wendet man sich von„zuständiger Seite" gegen alle„Gerüchtemacherei", die„die Atmosphäre vergiften" wolle. Es ist ein schwieriges Geschäft heutzutage, eine„zuständige Seite" zu sein! * Der bedauernswerte„Angriff", der seit Tagen nicht weiß, ob er ein zu Vornehmheit verpflichte tes Regierungsorga» ist oder ob er wieder Jauche sprißen darf, wie es seiner Natur entspricht, tröstet sich damit, daß die Klärung noch heute zu er- warten sei. Einstweilen stöhnt er über die Be dingungen des Reichspräsidenten: Wenn man die Vorbehalte genau nachprüft, jo sieht man, daß in ihnen parlamentarische und präsidiale Elemente durchein- a n d e r g e m i s ch t sind, d. h. die Bedingungen gehen teils von präsidialen, teils von parlamen- tarischcn Voraussetzungen aus, fo daß dos Ganze völlig undurchsichtig erscheint. Früher hat der„Augrisf"-immer auf den Grund der Dinge gesehen und dort den Juden entdeckt, der an allem schuld ist. Aber jetzt ist alles trübe und undurchsichtig. Schlimme Zeiten! Schlimme Zeiten! Das kraZe- und Antwortspiel Die Rückfragen Adolf Hitlers, die er gestern abend noch an Staatssekretär Meißner gerichtet Kindesmörderin aus Verzweiflung TVagodie einer unehelichen Mutter vor Gericht Bracht verbietet Er kann keine Kritik vertragen Düsseldorf, 22. November. Die„Düsseldorfer Volkszeitung"— unser Partei- blatt— ist samt ihren neun kopsblättern heute aus süns Tage verboten worden. Grund zum Ver- bot gab ein Artikel, durch den der stellvertretend? preußische Reichskomw'Isar Dr. Bracht beleidigt worden sein soll, ver Artikel übte unter der Ueberschrist„Brachls kamödicnhaste Hauptmann- Ehrung" Kritik an der Medaillenassäre. Herr Bracht aber kann Kritik nicht vertragen, deshalb läßt er vecvieten! Auch die„Rheinische Zeitung" verboten Köln, 22. November. ver Oberpräsident der Rhcinprovin, ha« die ..Rheinische Zeitung" in Köln aus fünf Tage für die Zeit vom 22. bis 2ö. November verboten. Auch unser parteiblatt in Koblenz, d e„Rheinische warte", ist für drei Tage vom 22. bis 24. November verboten worden. Es ist immer die gleiche Tragödie der un- eheliche» Mutter, die sich vor Gericht offenbart. Vor mehr als einem Jahr zog aus dem Lehnitzsee ein Angler> die Leiche eines zehn Tage alten Kindes heraus. Am 20. Juni d. I. wurde die Hausangestellte Martha N. unter dem Verdacht des Kindes mordes verhaftet. Sic war ge- ständig, das Kindchen ertränkt zu haben. Martha N. war vor etwa drei Iahren nach Berlin gekommen, aus ihrem schlesilchen Heimat- darf. Einmal hatte sie schon ein uneheliches Kind zur W-lt gebracht. Die Entbindung fand im Ellernhause statt. Der Vater, Gemeindevorsteher, durfte davon nichts wissen. Das Kind wurde am Tage nach der Geburt von dem unehelichen Vater, einein Polen, der Mutter weggenommen. Sie wollte ihm nicht nach Pole» folgen. Eine Kol- legin der Martha behauptet aber, das Kind sei im Garten begraben worden. Auch in Berlin kam sie bald in andere Umstände. Den Gedanken an eine Abtreibung ließ sie fallen. Ihr Freund ver- sprach ihr. treu zu bleiben und für das Kind zu sorgen. Unmittelbar jedoch bevor das Mädchen in die Charite ging, zweifelte er seine Vaterschaft an. Man ging in Unfrieden auseinander, seitdem hat Martha ihren Freund nicht mehr gesehen. Am 10. Oktober gebar sie in der Charitee ein Mädchen. Zehn Tage später wurde sie entlassen. Wohin nun mit dem Kind? Die Fürsorgerin hatte sie nicht belehrt, daß sie es ins Waisenhaus geben kann. Der Vater hatte die Bitte, mit dem Kind nach Hause kommen zu dürfen, mit der Erklärung be- antwortet, sie habe kein Vaterhaus mehr. Ihre Arbeitsstelle aufzusuchen getraute sich die Verzweifelte mit dem Kind nicht. Sie übernachtete in einem Hotel, das Geld war alle, sie löste eine Fahrkarte nach Lehnitz— sie kannte den Ort, da chr Arbeitgeber hier ein Grundstück besaß— legte das Kind im Steckkissen ins Wasser und be- gab sich an ihr« früher« Arbeitsstelle. Das Kind hat, wurden heut? vormittag dem Reichspräsidenten vorgelegt. lieber den Inhalt sowohl der Rückfragen wie der Antwort wird amtlich strengstes Still- i ch w e i g e n bewahrt. Es verlautet aber, daß der Kern der Rückfragen dahin geht, ob der Auf- trag Hindenburgs an Hitler bedeute, daß er eine Präsidialregierung mit parlamentarischen Bindungen bilden soll, oder ob er eine parlamentarische Mehrheit?- regier» ng mit Präsidialbin düngen zu bilden habe. Man steht offenbar bei den Nationalsozialisten auf dem Standpunkt, daß für die Bildung einer parlamentarischen Mehrheits- regierung nicht so weitgehende Vorbedingungen gestellt werden dürften, wie das der Reichs- Präsident getan hat, während für den Fall der Bildung einer Präsidialregierung dem etwaigen zukünftige» Kanzler erheblich weitere Vollmachten gegeben werden müßten, vor allem im Hinblick auf ein« etwa notwendig werdende Reichstags- ouilösung, da mit dem Gedanken einer Präsidial- regierung eine feste Parteienbindung unverein- bar sei. habe sie zur Tante gebracht, sagte sie. Zwar fiel es auf, daß sie oft weinte, sie sorge sich um das Kind, ob es bei der Tante gut habe. Als das Jugendamt nach dem Verbleib des Kindes forschte, erklärte sie zuerst, es sei zu Hause bei den Eltern, dann, sie habe es in Breslau im Hotel einer unbekannten Dame übergeben, alles erwies sich als unzutrefsend. Da wurde sie verhastet und legte ein Geständnis ab. Auch vor Gericht das übliche Bild. Die An- geklagte weint, ihre frühere Arbeitgeberin stellt ihr das beste Zeugnis aus. Wenn die ganze Straße nicht um den Fall wüßte, würde sie sie zurück- nehmen. Der Vorsitzende zeigt für die Unglück- lichc das größte Verständnis. Mord aus Rache Bin scheußliches Verbrechen Paris. 22. November. 3n dem Dort C o i) e, in der Nähe von Avranches, bewohnte eine candarbeitersamilie mit ihrer fünfjährigen Tochter und dem bZjährigen Paler der Frau ein kleines Haus. Zwischen den Ehegalten»nd dem alten Rlann gob es dauernd Streitigkeiten. Am Rlontag stürzten sich der Landarbeiter und seine Frau aus den alten Rlann und erdrosselten ihn. Die fünfjährige Tochter des Ehepaares, die das Verbrechen gesehen hatte, wurde sodann von ihrem Vater in den nahen Wald geführt und an einem Baum erhängt, um dadurch einen unbequemen Zeugen zu beseitigen. Ortsbewohner fanden den Leichnam des unglücklichen ZUädchens und benachrichtigten die Polizei, die dann dos ganze Verbreihen aufdeckte und die beiden Mörder verhaftete. Hein» Neumanns Sturz Enthüllungen auf dem kommunistischen Bezirksparteitag Heinz N e u m a n» war bis vor kurzem der mächtigste Mann der Kommunistischen Partei. Jetzt ist er gestürzt, warum— darüber hat man nur wenig erfahren. Jetzt aber hat auf dem Berliner Bezirksparteitag der KPD. der Referent Ulbricht einen Zipfel der Geheimnisse gelüftet, indem er folgendes ausführte: Heinz N e u m a n n war es, der durch eine Vorbemerkung zum S t a l i n- B r i e f in der „Roten Fahne" diesen Brief verfälschte. Der Sinn des«talin-Briefes war der k o n s c- quente Kamps gegen die Sozial- demokratie. Während der Genosse Stalin die SAP. als einen Bestandteil des Faschismus, als zugehörig zum„gemäßigten Flügel des Faschismus" bezeichnete, wurde in der Vorbe- merkung Neumanns die SAP.-Politik als eine Politik des Schwankens zwischen der KPD. und der SPD. charakterisiert, der sozialfaschistische Charakter der SAP. und der„linken" Manöver der SPD. wurde von ihm bestritte». Der Herrscher Sowjetrußlands hatte tatsächlich vor geraumer Zeit den absonderlichen Einfall, sich in einem offenen Brief mit der SAP.(der Rosen- seld-Seydewitz-Gruppe) zu beschästigen, und da er die deutschen Verhältnisse nicht kennt, passierte ihm das drollige Mißverständnis, daß er diese Gruppe als einen„Bestandteil des Faschismus" definierte. Natürlich hält sich jeder Deutsche ohne Unterschied der Partei den Bauch vor Lachen, wenn er sich Kurt Rosenfeld, Seydewitz, Eckstein, Ströbel usw. als„Faschisten" vorstellt. Nur die Kommunisten müssen sich das Lachen verkneifen »nd, die Hacken zusammenschlagend, bestätigen, daß der große Stalin wiederum wie immer, wenn er den Mund aufmacht, eine unsterbliche Wahrheit gesprochen hat. Heinz Neumann hatte nicht etwa gegen Stalin polemisiert. Welcher deutsche Kommunist könnte das tun, ohne in der nächste» Sekunde zu Staub zermalmt zu werden? Er hat nur in der respel'c- vollsten Form den Blödsinn Stalins ein wenig abzumildern oersucht. Das hat schon genügt, ihm den Kragen zu brechen. Wer glaubt ernstlich, daß durch ein solches System der gelstigen Knechtung R e v o l u t i o- » ä r c erzogen werden? Nein, so kann man nur Gesinnungslumpen erzielen, die bereit sind, heute abzuschwören, was sie gestern gepredigt haben. Die„Rote Fahne" spuckt sich, indem sie Heinz Neumann preisgibt, selber ins Gesicht, denn alle wirklichen oder angeblichen Sünden, di« man ihm vorwirft, hat er in der„Roten Fahne- begangen. So hat Ulbricht als weiteren Grund für den Sturz Neumanns angeführt, er habe nicht zugeben wollen, daß die Parole„Schlagt die Faschisten, wo ihr sie trefft" falsch gewesen sei. Diese Parole ist seinerzeit in offiziellsten Verlautbarungen der KPD. aus dem offiziösen Papier der„Roten Fahne" ausgegeben worden. Ueber den„V o r w ü r t s", der sie schon damals für falsch erklärte, fiel man mit wilden Beschimpfungen her. Heute aber ist in der KPD. geächtet, wer nicht zugeben will, daß—— der„Vorwärts" damals recht gehabt hat. Die Krise hat der KPD. Millionen verwirrter und verzweifelter Proletarier zugetrieben— auch sie werden eines Tages bemerken, wohin sie geraten sind, nämlich in einen Haufen von Konfusion und Gesinnungslumpe- r e i, von dem man alles mögliche erwarten kann, nur keine Tat, die die Arbeiterklasse vor- wärts bringt! Der Bullerjahn-Vrozeß Die Verteillijfimx will Bullerjahns Unschuld beweisen Der Vorsitzende teilt zu Beginn der Verband- lung mit, daß ein Telegramm des Schweizer Staatsangehörigen B i e n tz aus Basel einge- gangen sei, wonach er am Kommen verhindert sei. Ein Brief wird von Bientz an- gekündigt. Im Anschluß hieran erklärt der Vorsitzende, daß er von sich aus keinen Anlaß habe, die Vernehmung des Zeugen von Gontard fortzusetzen. R.-A. Dr. R o s e n f e l d, der für die Ver- teidigung gestern noch eine Reihe von Fragen an den Zeugen von Gontard angekündigt hatte, gibt eine Erklärung ab, in der es heißt: Nachdem nunmehr der ganze Inhalt der Aussagen des Zeugen von Gontard durch seine Vernehmung nach allen Seiten erforscht ist und nachdem auch andere Tatsachen festgestellt sind, die in öfsent- licher Sitzung nicht weiter erörtert werden können, hält die Verteidigung es nunmehr für über« flüssig, noch weitere Fragen an diesen Zeugen zu stellen. Sie steht aus dem Standpunkt, daß für die Frage der Schuld Bullerjahns die Aus- sage des Zeugen von Gontard durch seine per- sönliche Vernehmung völlig unerheblich geworden ist. Die Verteidigung erklärt weriterhin, es komme ihr in diesem Verfahren nicht nur darauf an, eine Feststellung in dem Sinne zu erreichen, daß die Schuld Bullerjahns an dem Verrat nicht nach- gewiesen werden kann, es komme ihr viel- mehr auch darauf an, die Nichttäterschaft Bullerjahns nachzuweisen. Da nun in dieser Verhandlung nach Ansicht der Verteidigung bereits mehrere Anzeichen dafür hervorgetreten seien, daß andere Personen den Verrat begangen haben, beantrage die Verteidigung die Ladung des Chauffeurs Karl Gollers-Berlin. Dieser Zeuge sei vom 5. September 1921 bis 20. Januar 1923 als Chauffeur bei der Jnter- alliierten Kontrollkommission tätig gewesen. Er solle bekunden, daß er kurz vor Weihnachten 1922 den Leutnant Jost in das Hotel Bellevue gefahren habe. Dort seien zwei Leute, anscheinend Arbeiter, an den Zeugen herangetreten und hätten ihn gefragt, ob das Leutnant Zost gewesen sei. Aus die Frage des Zeugen, warum sie das wissen wollten, hätten sie gesagt, sie seien schon bei den Engländern gewesen, dort aber abgeblitzt und von der englischen Kommission an Leutnant Jost verwiesen worden. Aus weitere Fragen hätten die beiden Männer gesagt, sie seien in Wittenau beschäftigt und hätten aus Lastkraftwagen heimlich Waffen weggebracht. In das Gespräch hätten sich dann französische Soldaten eingemischt. Einer von diesen habe die Männer dann hineingeführt. Der Zeuge soll diese beiden Männer noch mehrere Male im Januar zusammen mit Leutnant Jost gesehen haben. Der Senat beschloß, den Zeugen Gollers für nächsten Donnerstag zu laden. In der fortgesetzten Zeugenvernehmung wird Rechtsanwalt Rudolf Olden vernommen, der bis Ende des letzten Jahres der Redaktion des „Berliner Tageblattes" angehörte und als solcher auch den Fall Bullerjahn bearbeitet hat. Vors.: Sie sollen bekunden können, daß der Zeuge v. Gontard ausdrücklich versichert habe, er sei in Sachen Bullerjahn niemals vernommen worden. Zeuge: Herr v. Gontard war am 3. Dezem- der 1928 in unserer Redaktion. Dem General- direktor v. Gontard kam es darauf an, daß eine bestimmte Mitteilung im„B. T." erscheinen solle. Der Sinn war der, daß Herr v. Gontard an dem Urteil gegen Bullerjahn keine Schuld trage, denn er sei nicht einmal richtig vernommen worden. Es habe sich einfach um eine Unterhaltung sazu- sagen zwischen Tür und Angel gehandelt, nicht aber um eine Vernehmung im prozessualen Sinne. Vor f.: War damit die Vernehmung in der Hauptverhandlung gemeint. Zeuge Olden: Nein, es handelte sich um das Vorverfahren. In der Mitteilung hieß es dann weiter, Herr v. Gontard habe bei dieser formlosen Vernehmung bzw. bei dem Gespräch nur das mitgeteilt, was als Untersuchungsergebnis in den Werken festgestellt worden war. Der Zeuge Olden erklärt, er erinnere sich ganz deutlich, daß Herr o. Gontard dabei den Ausdruck gebraucht habe:„Was meine Herren im Werk festgestellt habe n." Diese Untersuchungen im Werk seien die einzige Quelle gewesen. Die Meineidsseuche Die Mitschuld der Justiz— Straflose Meineidsserien? In Oberschlesien ist, wie berichtet, dieser Tage die„M e i n e i d f a b r i k" des Winkeladvokaten K o tz u r abgeurteilt worden. 33 Fälle des Mein- eides, 25 Fälle der falschen eidesstattlichen Ver- sicherung sind der Gesellschast nachgewiesen. Die Zahl der wirklich geleisteten Meineide dürste weit größer sein. Ueber 90 Jahre Freiheitsstrafe wurden zur Sühne gegen zwölf Personen verhängt. Aber damit ist die Sache nicht erledigt. Immer wieder fragt man: Was ist das für eine I u st i z, die sich jahrelang von solch einer Bande hineinlegen läßt?—- In fast allen Fällen, in denen die Kotzur-Bande falsches Zeugnis ab- legt, haben die Gerichte prompt Fehlurteile gefällt: In Alimentensachen, in Ehescheidungssachen, in Grundstücks- und Bermögensklagen aller Art. Dabei ist festgestellt, daß die von Kotzur gestellten Meineidszeugen, bevor sie als Zeugen benannt wurden, keine blasse Ahnung von den Prozetzvorgängen hatten, die sie be- schwören sollten, ja die Prozeßparteien nicht einmal dem Namen nach kannten. Und auf solche Zeugen fallen unsere Richter herein? Ja, sie sind prompt und regel- mäßig auf sie hereingefallen. Wundern kann sich nur darüber, wer die Praxis unseres Zivilprozesses nicht kennt. Auf dem Papier steht wohl der Grundsatz der„freien Beweiswürdigung". Der Richter ist danach nicht verpflichtet, dem Zeugen zu glauben, auch wenn dieser den Eid leistet. Aber aus Bequemlichkeit und Routin« ver- lassen sich die meisten Richter auf den Eid. Oft be- kommt auch der urteilende Richter nicht den Zeugen in Person zu Gesicht, sondern nur ein schriftliches Protokoll der Zeugenaussage, das ein anderer Richter aufgenommen hat. Der strebt natürlich, das Protokoll so kurz wie möglich zu halten. Gerade das, was eine Prozeßpartei vor- bringt, um die U n g l a u b w ü r d i g k e i t eines Zeugen darzutun, gelangt meist nicht ins Proto- koll. Kein Wunder, daß bei solchem Gerichtsver- fahren die Meineidsfabriken florieren! Oberschlesien ist nicht der einzige Fall, auch in Berlin ist vor nicht allzulanger Zeit eine Meineidfabrik, sogar mit weiblichem Chef aufgeflogen. Neuerdings hat eine Entscheidung des R e i ch s- g e r i ch t s sogar die Gefahr strafloser Meineidsserien vergrößert. In einem poli- tischen Prozeß hatte ein Hausdiener als Zeuge beschworen, den kritischen Vorgang, das Herunter- reißen einer Fahne, nicht gesehen zu haben. Er hatte es in Wirklichkeit genau beobachtet. Wegen Meineides angeklagt, entschuldigte sich der Zeuge damit, daß er gefürchtet habe, von den Partei- gängern der Täter mißhandelt zu werden, wenn er die Wahrheit sage. Einer der Täter habe ihm, dem Zeugen, nämlich gedroht:„Er werde es be- sorgt bekommen, wenn es zu einer Verurteilung käme". Das Schwurgericht hatte daraufhin den Hausdiener freigesprochen, weil er„im Notstand" gehandelt habe. Die Smatsanwaltschaft hatte hier- gegen Revision eingelegt, aber das Reichs- gericht hat das freisprechende Urteil bestätigt. Der Zeuge habe sich in einer „Dauergefohr" befunden Bei seiner Vernehmung im Gerichtssaal sei diese Gefahr besonders groß gewesen, weil im Zuschauerraum zahlreiche Parteifreunde der Angeklagten ge- sessen hätten. Professor Helmut Mayer, der in der„Iu- ristischen Wochenschrist" dies Urteil kritisiert, be- merkt hierzu mit Recht:„Zu allen Zeiten war der Belastungszeuge der Gefahr ausgesetzt, daß er Nachteile vom Verurteilten oder von dessen Freunden zu gewärtigen habe. Es hat aber noch keine Zeit gegeben, die deshalb den Meineid erlaubt hätte!" Die Konsequenzen dieses Urteils sind unabsehbar, da in fast allen politischen Prozessen sich Zeugen auf ähnliche Gefahren berufen werden. An Mein- eiden hat es schon bisher zweifellos nicht gefehlt. Infolge der Entscheidung des Reichsgerichts dürft-n diese zur stehenden Einrichtung werden. Nazimißwirtschaft in Anhalt In tunk Monaten vier Millionen Defizit Eigener Beridit des ,V ornoärls" Dessau, 22. November. Die sozialdemokratische Fraktion des Anhaltischen Landtags veröffentlicht eine Aufsehen erregende Darstellung über den Zu st and völligen Zusammenbruchs, den die national- sozialistisch-deutschnationale Regierung Freyberg in Anhalt in wenigen Monaten herbeigeführt hat. Während die Regierung Deist-Weber einen geordneten Staatshaushalt und VA Millionen Mark baren Kassenbestand hinterlassen hat, be- trägt nach fünf Monaten Naziregie- r u n g der Fehlbetrag des Staates bereits 4 Millionen Mark. Bei den anhaltischen Gemeinden schätzt man einen Fehlbetrag von 5 Millionen Mark. Die sozialdemokratische Fraktion stellt ferner fest, daß die Wohlsahrtserwerbsloscn unter keinen Umständen der Gefahr ausgesetzt werden dürfen, vor leeren Kassen der Gemeinden und des Staates zu stehen und mit leeren Händen nach Hause gehen zu müssen. Die Sorge darum, daß diesen Opfern der kapitalistischen Wirtschast wenigstens die karge Existenz ermöglicht werde, die ihnen noch verblieben sei, stehe für die Sozialdemokratie natürlich unendlich höher als das parteipolitische Interesse an einem wetteren Abwirtschaften des Systems Freyberg. Deshalb erhebt die sozial- demokratische Landtagsfraktion die Forderung, daß der Staat sofort eine erschöpfende Auskunft über die Finanzlage und die beabsichtigten Maß- nahmen der Regierung erteile. Neue Nazibluttat ?wei Parteigenossen niedergeschossen Dortmund, 22. November. 3n der Nacht zu Montag kam es, wie der ipolizeibericht am Montagabend meldet, in einer wirlschast im Stadtteil Deusen zwischen Angehörigen der NSDAP, und Mitgliedern eines Ar- beilergejangvereins zu Streitigkeiten, in deren Verlaus von zwei SA.- Leuten innerhalb des Gasiraumes geschossen wurde. Dabei wurde ein Bergmann durch einen vauchsteckschuß lebensgefährlich verletzt. Ein weiterer Bergmann erhielt einen Kopsstreifschuß. Beide verletzte sind Angehörige der SPD. Einer der Täler wurde im Lause des Montag festgenommen. Männern um 5 Pf-, den Frauen um S Pf. die Stunde. Der Schiedsspruch sah eine Kürzung von 2 Pf. und 4 Pf. vor. Am 13. November wurde fast einstimmig der Streik beschlossen, durch den die sechste Lohn- kllrzung abgewehrt wurde. Das Chemnitzer Todesurteil Oer verurteilte Kommunist legt Revision ein Eigener Bericht des„Vorwärts" Dresden, 22. November. Der Kommunist Bartel, der in der vorigen Woche wegen eines Zusammenstoßes im Cafe Herold in Chemnitz, bei dem ein Zahnarzt getötet wurde, vom Chemnitzer Schwurgericht zum Tode verurteill worden ist, hat innerhalb der vorge- sehenen Frist Revision beim Reichsge- richt eingelegt. Sollte diese keinen Erfolg haben, ist trotzdem nicht mit der Hinrichtung Bartels zu rechnen, vielmehr wird auch in diesem Falle wie stets seit 1918 Begnadigung eintreten. Nach acht Streiktagen voller Erlolg Eigener Beridit des„Vorwärts" kiel, 22. November. Oer Streik der Fischereiarbeiter in Eckernsörde ist nach achttägiger Dauer mit einem vollen Erfolg der Streikenden beendet worden. Zum sechsten Male sollte den Arbeitern in der Fischindustrie der Lohn gekürzt werden, den Autounglück in Neukölln Degen Ltrallenhahnmast gerast 3n Neukölln ereignete sich Heute früh ein folgenschweres Autounglück, bei dem der ZSjäHrige kaufmännische Angestellte Paul k e r w i h aus der Streitstrahe S5a den Tod fand. Gegen AS Uhr befand sich K. mit seinem Privatauto bereits auf dem Wege zu seiner Arbeitsstelle. An der Kreuzung Sonnenollee und Zigrastraße in Neukölln kam der Wagen auf dem schlüpfrigen Fahrdamm ins Schleudern. Kerwitz verlor die Gewalt über die Steurung und raste aus den Bürgersteig. Dort prallte das Auto mit solcher Wucht gegen einen Straßenbahnmast, daß es völlig zertrümmert wurde. Der Fahrer wurde schwerverletzt geborgen und ins Buckower Krankenhaus geschafft. Dort ist K. bald nach seiner Einlieferung an den Folgen eines doppelten Schädelbruches gestorben. Varlamentsfchutz Vorschlag Dr. Renners BJien, 22. November. Die Gewalttätigkeiten mehrerer Heimwehrabge- ordneten im Nationalrat haben dem Präsidenten Dr. Renner die Notwendigkeit der Einführung scharfer Ordnungsmaßnahmen nahegelegt. Er hat nun der Obmännerkonferenz fdem Aeltestenrat) den Entwurf einer Neufassung der Verfojsungs- bestimmungen über die Immunität der Abgeordneten vorgelegt, der auch für den Bundesrat und die Landtage gelten soll. Danach soll der Präsident das Recht erholten, einen Ab- geordneten nach drei Ordnungsrufen oder wegen einer Gewalthandlung auf einen bis acht Sitzungstage auszuschließen, was ein Ruhen aller aus dem Mandat liegenden Rechte zur Folge haben würde. Fügt sich ein Ab- geordneter dem Ausschluß nicht, so ist die Sitzung zu unterbrechen. Betritt der Ausgeschlossene nach Wiederaufnahme der Sitzung doch den Saal, so hat diese Handlung den Verlust des Man- d a t s zur Folge, und der Präsident hat sofort den Ersatzmann einzuberufen. Zur Gesetzwerdung dieser Aenderungen ist ein« verfassungsändernde Mehrheit er- sorderlich. Milde für Lappo-Führ er ProzeLltomödie um den Aufstand Eigener Beridit des„Vorwärts" helsingsors. 21. November. Im Lappo-Prozeß wurden die vier Hauptschuldigen und Anführer der weißen Terrorbanden zu je neun Monaten Gefängnis verurteilt: der G e l d- g e b e r, Kommerzienrat Haarla, erhielt sechs Wochen Gefängnis. 84 andere Zugteilnehmer er- hielten weitaus geringere Strafen, wobei 32 Ver- urteilte bedingt und 20 völlig begnadigt wurden. Der Rest wurde freigesprochen Damit endet die Prozeßkomädie gegen die Lappo-Banden. Die wahren Urheber und Geldmänner sind im Dunkeln geblie- den und waren nicht einmal angeklagt. Es ist jener aus Bankiers, Unternehmern und Groß- agrariern zusammengesetzte finnische Herren- k l u b, der die Lappobanden finanziert und aus- rüstet gegen die Arbeiterschaft und gegen jeden sozialen und politischen Fortschritt. Auch der jetzt abgeurtettte Zug und Aufruhr der Lappos sollte im Grunde nur den Zweck haben, die Ar- b e i t e r s ch a f t durch Vernichtung ihrer poli- tischen und gewerkschaftlichen Organisationen aktionsunfähig und zu einem wehrlosen Ausbeutungsobjekt der Kapitalisten zu machen Die lächerlichen Strafen sind geradezu ein Anreiz für künftigen Terror und neue Taten der von den Unternehmern ausge- haltenen weißen Landsknechte und Strauchritter. Die treue Bretagne Xtmdgehung für Herriot Eigener Beridit des„Vorwärts" Paris, 22. November. Die Mchforschungen nach den Urhebern des Attentats gegen die Bahnlinie Paris— Nantes sind bisher ergebnislos geblieben. Die Abgeord- neten der bretonischen Departements haben Her- riot die Treue und Loyalität der Vre- toner gegenüber Frankreich beteuert: sie könnten eine derart unsinnige Geste wie das Attentat nicht verstehen, besonders gegenüber der Person Her- riots, der stets die größte Fürsorge für ihre schöne Provinz bewiesen habe unv die durch ihn zum erstenmal den offiziellen Besuch des Ministerpräsidenten erhalten habe. Verlängerte Cntlasfungösrift Wir veröffentlichten den Notschrei von vier neunzehnjährigen Fürsorgezöglingen aus Pankow, die ihrer Sorge Ausdruck gaben, durch die letzte Verordnung der kommissarischen preußischen Re- gierung die Heime verlassen zu müssen. Inzwischen ist bekannt geworden, daß die Entlassungsfrist für die Zöglinge über 19 Jahre bis zum 1. April 1933 verlängert wird. Diese neue Be- stimmung beseitigt die Härte, durch die die Insassen der Erziehungsheime, die ätter als 19 Jahrs sind, ohne jede Vorbereitung auf die Straße gesetzt werden. Kampf um den Tarifvertrag! Generalvollmacht gegen die Sozialpolitik Am 18. und IS. November hiell der Arbeitsgerichtsoerband im Schöne- berger Rachaus seine Landestagung ab, die stark besucht war. Der Verband bezweckt den Zu- sammenschluh aller im Arbeltsgerichtswesen Tätigen, insbesondere also der beamteten Vor- sitzenden und der Laienbeisitzer. Der Eröffnungstag erhielt sein Gepräge durch ein Referat des Prof. Lehmann- Köln, der über„Neuerungen des Arbeitsrechts seit 1930", also im wesentlichen die berüchtigte Notgesetzgebung sprach. Vier Faktoren seien es, die am Zustandekommen allen Rechts mitwirkten: ordentliche Gesetzgebung. Verwaltung, Rechtsprechung und— Notgesetzgebung. In unseren Tagen sei die letztere an der Reche. Alle wichtigen Veränderungen der letzten Zeit im Ar- beitsrecht seien durch Notverordnungen vorgenommen worden. Dabei sei unverkennbar, daß gerade im Arbeitsrecht die typischen Gefahren der Tlotgesetzgebung am gefährlichsten drohten. weil es stärker als irgendein anderes Rechtsgebiet von politischen Einflüssen bedrängt würde. Man versuche hier, politisch Gewolltes mit logischen Scheinargumenten und Zweckkonstruktionen zu untermauern. Nach einem kurzen Streifzug in das Gebiet des Einzelarbeitsvertrags ging der Redner auf die FMer spricht: „Die Zeit ist da,— nun werden. .., wer bandeln!" betonte mit aller Schärfe, daß die freien Gewerk- schaften auch nach dem Leipziger Spruch aus guten Gründen nicht daran dächten, eine Friedens- Pflicht anzuerkennen. Der Kampf gegen die Ungeheuerlichkeiten dieser Notverordnung gehe weiter. Kein Arbeitnehmer könne heute die Rechtslage noch übersehen, über die allein in Fachkreisen über 29 Meinungen bestünden. Beide Redner ernteten starken Beifall. Prof. Nipperdey- Köln trat den Vor- rednern in längeren Ausführungen entgegen. U. a. stellte er die etwas gekünstelte Frage, ob die Gewerkschaften denn auch dann streiten würden, wenn gewisse Tariferleichterungen für notleidende Betriebe etwa in einem Tarifgesetz vorgesehen seien. Aehnlich liege der Fall aber hier. Im Schlußwort wies Prof. Lehmann daraus hin, daß in den vergangenen dreizehn Jahren in alle Verträge eingegriffen worden sei: er sehe nicht ein(!), warum die Tarifverträge eine Aus- nähme machen sollten. Während der ganzen Diskussion konnte man sich des Gefühls nicht erwehren, daß die V e r- fainmlungsleitung versuchte, die Erörte- rung gewisser Probleme, die uns alle auf den Nägeln brennen, möglich st abzubremsen. Am zweiten Verhandlungstage hielt Ministerial- direktor Volkmar unter souveräner BeHerr- schung des Stoffes ein außerordentlich instruktives Referat über Formalien des Arbeitsgerichts- Prozesses, das mit großem Beifall ausgenommen wurde. H. J. Ar beiter-Chorko nzer te am Totensonntag Der Lendvai-Chor Aenderungen im Kollektivrecht, den Kernpunkt des ganzen Problems, ein. Das recht- liche Geschehen der letzten Zeit könne man kurz in den Begriff: Kamps um den Tarifvertrag! fassen. Dabei unterscheide er zwei Perioden: die erste sei charakteristert durch das Bestreben, ohne Aenderung der Rechtsgrundlagen des Tarif- Vertrags eine Auflockerung und Verfeinerung durchzuführen. Durch die Brüning- Not- Verordnung vom 8. Dezember 1931 sei ein einmaliger staatlicher Eingriff in die Tarife erfolgt, der den Parteien immerhin noch gewisse Verhandlungsmöglichkeiten gelassen habe. Die zweste Kampfperiode sei durch die Pa pen- Verordnung eingeleitet worden, die zweifellos in die Grundlagen des Kollektiv- rechts eingreife, indem sie einem Vertragspartner einseitig gestalle,«inen bestehenden Vertrag ohne Aufkündigung abzuändern. Der Redner erörterte dann die Rechtsgrund- lagen der Papen-Derordnung unter betontem Aus- schluß aller politischen oder nichtjuristischen Ge- sichtspunkte. Hier zeigte sich nun, wie unsruchtbar es ist, eine derartige, eminent politische Mahnahm« durch rein juristische Konstruktionen unterbauen und auslegen zu wollen. Kein Wunder, daß diese undankbare Aufgabe den Redner oft dazu drängt«, recht ge- zwungen anmutende Wege zu gehen. Die Verfassungsmäßigkeit der Notverordnung ist nach Prof. Lehmann nicht zu bestreiten. Die Not- Verordnung verändere aber lediglich die Tarif- Wirkungen und sei damit weder taris-, noch ver- sassungswidrig. Trotz alledem könne man die Erbitterung der Arbeitnehmer verstehen, da man die Notoerordnung allerdings auch als eine Art „Generalvollmacht gegen die Sozialpolitik" auffassen könne. Die Sozialpolitik müsse aber un- bedingt erhallen bleiben. Nur ihre Aufrechterhal- tung rechtfertige derartige Eingriffe in das Tarif- recht. Die Diskussion bewies, daß die Versammlung den Ausführungen des Referenten durchaus nicht einmütig zustimmte. Amtsgerichts- rat Kahn-Freund unterstellte zwar die Ver- sassungsmäßigkell der Notverordnung, wies aber gleichzeitig eindeutig daraus hin, daß er eine juristische Möglichkeit, die Gewerkschaften an die neuen Sätze und damit an die Friedenspflicht zu binden, nicht sehe. Die Notverordnung reiße ein Loch in die Normenwirkung des Tarifvertrages. Die neuen Sätze seien daher eben nicht tariflich, sondern untertariflich. Die Friedens- Pflicht unterbinde aber nur den Kampf gegen tariflich geregelte Bestimmungen. Im übrigen fei es geradezu eine Revolution der Grundsähe des Privatrechts, daß ein Dritter berechtigt fein solle. in einen zwischen anderen bestehenden vertrag ändernd einzugreisen. Genosse Dr. Greil vom AfA-Bund Der Berliner Lendvai-Chor sowie die Arbeitsgemeinschaft der Chöre Volks- ch o r Oft und W e i ß e n f e« bestritten abwech- felnd vas reichhaltige Programm ihres gemein- samen Herbstkonzerts, dessen erfreulich zahlreiche Zuhörerschaft den Saalbau Friedrichs- Hain vollkommen füllte. Unter der beschwingten Stabführung seines energisch un>d zielbewußt arbeitenden Chormeisters Georg Oskar Schu- mann sang der Lendvai-Chor(der über pracht- volles Material und seltene Schulung verfügt) Chöre von Siegl, Gerster, Scherchen und Lenovai. von denen freilich einige zu pathetisch gerieten. Volkschor Ost und Weißensee sang im ersten Teil ebenfalls Scherchen und Lendoai, wobei der an Material viel ärmere gemischte Chor die Inten- tionen seines von anderen Arbeiterchorvereini- gungen her ja rühmlichst bekannten Dirigenten W. Knöchel noch nicht immer ganz zu verwirk- lichen vermochte. Fritz Post, der Solist des Abends, spielte(als Kompositionen recht minderwertige) Harfensoli mll schöner Beherrschung des schwierigen Instruments. w. Schöneberger Arbeitsgemeinschaft An der Vortvagsfolge des Totensonntagkon- zerts der Liedertafel Berlin-West urtd des Schöneberger Männerchors„F r e u n o s ch a f t" im Festsaal des Schöneberger Rathauses hätte kein strenger Zensor etwas auszusetzen ge- habt, so sehr' wären sie der Tradition des Tages angepaßt. Nur L e n d v a i-s„Glockenlieo", dessen Grundstünmung in den Bässen fein heraus kam, und S t u b b e s„Erntelied", dem etwas die Durchgeistigung fehlte, waren aus dem Bereich des speziellen Arbeitergasanges. Die hervorragend interpretierten„Beiden Särge" und oas vielleicht nicht ganz elementar herausgemeißelt«, jedoch schön ausklingende„Totenvolk" Friedrich Hegars aber waren zwei Höhepunkte, die hohe Achtung«in- flößten. Die Anstrengungen der großen Chöre mit etwelchen Forcierungen trübten freilich zum Tell die Stimmreinheit und rhythmische Frische bei einigen der nachfolgenden zahlreichen Volks- lieder, von denen man das Schülerlied„Aus der Jugendzell" gern entbehrt hätte. Der Chormeister Erich K n a u e r ist ein guter Musiker, arbeitet alles(auch den Text) klar und verständig heraus, ist für die weichen, lyrischen Partien fast vorblld- lich, sollt« aber die Tenöre in der Gesangetullur strenger anpacken. Das Baßmaterial des stall- lichen Chores ist tadellos. Eine Besonderheit war die künstlerisch« Abwechslung, welch« der ousge- zeichnete Kammermusiker Otto Arnold der zahlreichen Hörerschaft bot: zwei ganze Oboe- konzerte. Das war des Guten zuviel. H. M. „Film verrückt" Harold Lloyd im Capitol Jetzt haben wir Harold Lloyd, den einen der drei großen amerikanischen Groteskkomiker, im Tonfilm auch auf Deutsch gehört, nachdem ihm zu Ehren die englische Fassung schon in seiner Gegenwart gespielt war. Man kennt seine Eigen- ort, man kennt seine äußere Erscheinung mit dem Strohhut und der schwarzgeränderten Brille, man liebt auch bei uns seine fabelhaste Geschicklichkeit, den unerhörtesten Unfug anzustiften und unend- liche Stöße des Schicksals als Tolpatsch entgegen- zunehmen. Die Tücke des Objekts hat es ihm an- getan, er leidet an der Umkehr aller Erfcheinun- gen: von dem, was er sich vornimmt, tritt immer das Gegenteil ein und ganz wider Willen kommt er zum Schluß doch irgendwie ans Ziel. In„Filmverrückt" schildert Harold Lloyd sozu- sagen seine eigene Karriere. Er kommt vom Lande nach Hollywood, um seinen Traum von der Film- karrier« zu verwirklichen. Durch eine ununter- brochene Kette von Zwischenfällen, Mißverständ- nissen und lauter Widrigkeiten wird er natürlich von seinem Ziel immer wieder abgelenkt. Ein- fälle über Einfälle pulvern den Film auf, aber manchmal geht dem deutschen Besucher doch die Puste aus. Wir Deutschen haben doch nicht mehr das knabenhafte Gemüt' des amerikanischen Durchschnittspublikums, das jedem Narrenstreich zum Opfer fällt. Auch die Liebesgeschichte mit der Filmdarstellerin, die in zwiefacher Figur den armen Harold hin und her hetzt, ist doch etwas sehr naiv. Aber dafür gibts andere Momente genug, worauf wir uns dem Lachchor anschließen können, so z. B. wenn Harold sich als unfrei- williger Zauberkünstler präsentiert. Die deutsch« Synchronisierung wie auch die deutsche Bearbei- tung(Roellinghoff) läßt kaum etwas zu wünschen übrig._ r. „Ring" in der Städtischen Oper Mit der Neuinszenierung des„S i e g f r i e d" hatte die Städtische Oper ihre Ringinterpretation in Dieser Spielzeit beendet: nun führt sie die Tetralogie im Zusammenhang, im Lauf einer einzigen Woche auf. Dies ist eine sehr an- erkennenswerte Riesenleistung des Instftuts, der Sänger, vor allem aber Stiedrys, des Dirigenten, auf dessen Schustern alle Last und Verantwortung ruht, der all« vier Abende am Pult steht und das Orchester zum Klingen und Singen bringt. Mit Recht wird er nach Schluß der„Götterdämme- rung" vor die Rampe gerufen. Wunderbar An- d r e s e n s Hagen, Hartmanns Siegfried— unsagbar enttäuschend.frellich die Brunhilde der an Stell« der Bindernagel singende» L a r s e n- T o d s e n, die in der letzten Szene der„Götter- dämmerung", am Höhepunkt des Dramas, fast versagt. A. W. Töne und Mißtöne Der aktuelle Stöcker Wenn man in einer Neubauwohnung, umgeben von nachbarlichen Klavieren lebt, so kann man einen Rundfunkaufruf zur Belebung der Hausmusik nicht mit ganz ungeteilter Freude vernehmen. Aber die musikalische Sendung, die ihn begleitete, war schön und sinnvoll: die drei Gruppen: alte Musik, klassisch- romantische Musik und neue Musik brachten eine vortreffliche Zusammenstellung für jeden musikalisch geschulten Geschmack. Durchaus verfehlt war es jedoch, sowohl die F u n k st u n d e als auch den Deutschlandsender zum Träger dieser Abendsendung zu machen, die doch einem großen Teil der Rundfunkhörer nichts geben konnte. Auch hinterher wurden, trotz ver- schiedenartiger Darbietungen der beiden Sender, gleiche Themen angeschlagen: der Deutschland- sender brachte eine„Schwäbische Volts- liederftunde", Berlin eine mundartliche Ver- anstaltung Weiteres Bauerntreffen". Eine schöne Darbietung, auf deren vergängliche Eigenart durch ein paar einleitende Worte hätte hingewiesen werden müssen, waren die Chor- g e s ä n g e, die im Programm der Funk- stunde der Clternchor der weltlichen Schule Danziger Straße unter Leitung von Paul W e i r a u ch vortrug. Es wurde ausge- zeichnet gesungen, mit ttefem Verständnis für die Volkslieder und die schönen asten Kompositionen. Aber beweist dieser Gesangschor nicht viel mehr, nicht viel Wichtigeres noch als Musikfreudigkeit? Beweist er nicht, daß es dieser westlichen Schule gelungen ist, starke Brücken zwischen Schule und Haus zu schlagen zum Wohle der heranwachsenden Generation? Dr. Franz Mariaux„bewährt" sich wester. In dem Zyklus„W i r e r i n n e r n an" ließ er diesmal den Antisemiten und Oberhofprediger AdolfStöcker vorsteklen, felbstoerständlich völlig unkritisch: Dr. Heinz Dähnhardt sang sein uneingeschränktes Lob. Allerdings ist Adolf Stöcker wirklich sehr zeitgemäß: er entstammt der gleichen Aera wie unsere Frecherren und ihre national- sozialistischen Freunde: ftockkonseroativ schmückte er sich mit einem christlich-sozialen Mäntelchen: Wilhelm IL, damals noch Prinz, schrieb über Stöcker an Bismarck, er halte dessen Wirken „für das wirksamste Mittel zurnachhaltigen BekämpsungderSozialdemokratie". Doch er hatte sich geirrt: die Begeisterung der Arbeiterschaft für Monarchismus und Almosen wurde trotz Stöcker und der brutalen Sozialisten- Hetze nicht entfacht: die Sozialdemokratie stieg machtvoll empor.—Li, Barbarei der Wissenschaft 7000 Vögel erlegt Vor einiger Zeit ist ein junger deutscher Zoo- löge in seine Heimat zurückgekehrt, nachdem er, zu- sammen mit seiner Frau und seiner Schwägerin, fast zwei volle Jahre auf der Insel Celebes verbracht hatte. Das American Museum of Natural History in New York hatte eine Summe von 19999 Dollars für eine Forschungsreise nach Celebes ausgesetzt: es galt, dort einen Vogel z u suchen, den man vor dreißig Jahren zum letztenmal zu Gesicht bekommen hat, eine Rallen- art, die in dem sonst fast vollständigen Bestand des Museums fehlte. Im März 1939 ging der deutsche Gelehrte auf die Reise, und unter ungeheuerlichen Anstrengungen und Mühsalen— der Forscher und die beiden Frauen haben fast anderthalb Jahre im Urwald gelebt, Typhus, Malaria, Sumpffieber, Rheumatismus und noch einiges andere ertragen — ist es dem Zoologen geglückt, den sestenen Vogel zu finden und— zu schießen. Zwei weitere Vögel der gleichen Art, nur ein wenig von ihr unterschieden, und bisher überhaupt unbekannt, wurden gleichfalls erlegt. In einem Bericht über dies« Forschungsfahrt liest man, daß die wissen- fchastliche Beute ganz außerordentlich groß ist, die beiden Frauen hätten während der Expedition 7999 Vögel und 1999 Säugetier« fach- männisch präpariert. Es ist bestimmt in hohem Maße anzuerkennen, was dieser junge Gelehrt« zu- sammen mit seinen beiden Assistentinnen während dieser zwei Jahre geleistet hat. Aber— man kann dieses Resultats von 8999 ausgestopften Tierleichen eigentlich nicht froh werden. Man braucht durch- aus nicht sentimental zu sein, um zu finden, daß das Abschießen von mindestens zwanzig Tieren pro Tag eine wenn auch wissenschaftliche Barbarei ist, die einen einigermaßen fatalen Beigeschmack hat. Ist der Gewinn für die Wissenschaft wirklich so groß, daß diese achttausend Leichen gerechtferttgt erscheinen? Ganz abgesehen davon, daß die Zahl der bei dieser Expedition wirtlich zugrunde gegan- genen Tiere wesentlich größer sein dürste? Die Phototechnik, das Telephoto, ist heute soweit fort- geschritten, daß mit der Kamera ein« viel inten- sioer« Kenntnis der Tierwelt vermittell werden kann, als durch die Ptumien in den Museen. Wenn der deutsche Zoolog« mit achttausend Aufnahme» .selten gesehener Tiere zurückgekommen wäre— man könnte sich mehr darüber freuen, als über die achttausend Bälge, die schließlich doch die Motten fressen, und die über Art und Lebensgewohn- heiten der Tiere doch sehr wenig aussagen. Schließlich sollte doch auch die Wissenschaft einigen Respekt vor dem Leben haben, und— wenn es auch nur das Leben eines Tieres ist! Empor zum Sozialismus! So lautet der Titel einer neuen Bildbandserie des Film- und Licht- bilddienftes der Partei, Berlin SW. 68, Lmden- straße 3. Der Bearbeiter ist Paul Kampfs- m e y e r. Die Bildbandserie, die dem sehr er- solgreichen Film„Des Geistes Schwert"(Der ,zilm vom Marxismus) entstammt, verfolgt das Werden der Wirtschaft von ihren ersten Ansängen an bis zu dem sich ankündenden Sozialismus. Parallel mit der sich entfaltenden Oekononüe läuft der Kampf der arbeitenden Glieder der Gesell- schast. Eingehend ist die Geschichte der deutschen Sozialdemokratie dargestellt. Die Mißwirtschaft der kapitalistischen Wirtschaftssührer, das grauen- volle Durcheinander der kapitalistischen Produk- tion, die Massenarbeitslosigkeit und die Massen- Verelendung werden in drastischen Bildern vor- geführt. Diese Serie hat 94 Bilder und kostet 5,23 M. Ferner erschienen: Serie Nr. 918„D i e Nationalsozialisten", 67 Bilder, Bearbei- ter Dr. Helmut Klotz. Bildband 5,59 M. Serie Nr. 838, O. Miele Meier„„M ieke Meiers Weltreise"(für Kinderveranstalttingen), 91 Bilder, Bearbeiter Niels Brodersen. Bildband 5 M. In Vorbereitung befindet sich«ine„Karl Mar x"-Serie. Bearbeiter B. Nikolajewsky. I« der Hlmptmanu-AuSftellaug(Platz der Republik 4) finden Führungen statt: Mittwochs 4 Uhr für die Bil- dungsausschüss« be£ Arbeiter, Sonnabends 4 Nhr für die Volksbühne, Sonntags\2 Uhr eine allgemeine Führung. Die Eintrittspreise für die letzteren de- tragen: für Erwachsene 50 Pf., für Studenten 30 Pf., für Schiller 10 Pf. Die Ausstellung ist täglich geöffnet, Donnerstag und Sonnabend von 10 bis S Ubr abend-. Sonntag von 10 bis 3 Uhr, an den anderen Tagen von 10 bis ö Uhr. Max Deri spricht in der von der Volksbühne ver- anstaltetcn Bortragsserie Sonnabend, 8 Uhr, über „Das Kunstwerk und das Unbewußte" (Hörsaal des Kunstgewerbemuseinnsi. Einlaßkarten 60 Pfennig. Im Deutschen Theater finden nur noch sechs Abend- Vorstellungen und«onntaa, 4 Uhr, die letzte Nack mittagsvorftellung von„Prinz Friedrich von Homburg" statt. Maria Jvogü» singt an der Städtischen Oper die Titelparnc„M a r t h a" Mittwoch, Freitag und Sonntag. Ueber„Das Gerede von der sterbenden Äuust" spricht Donnerstag. 8.15 Uhr, Dr. M. Osborn in der Hochschule Charlottenburg zugunsten der Fürsorgekassen der Studierenden. Zemlinskys neue Oper au der«taatsopcr. Alexander Zemlinsky hat soeben ein neues abendfüllendes Opern werk beendet, dem der ,,K r e i d e k r e i s" von Klowund zugrunde liegt. Das Werk irnirde von der Berliner Staateopcr zur Uraujführung erworben, die»vi April stattstnden soll. Glück im Unglück �us dem Z. Stock gestürzt— unversehrt Im Hause Wrangelstraße 10 spielte sich in den gestrigen Abendstunden ein aufregender Vorfall ab. Im dritten Stockwerk des Hinter- Hauses wohnt dort das Ehepaar Iedanski mit einem 31� jährigen Söhnchen Horst. Die Fassade des Hofes ist zur Zeit wegen Reno- uierungsarbeiten mit einem G e r ü st umgeben. Kurz vor 9 Uhr oerließ Iedanski und seine Frau die Wohnung, um Bekannte in der Nachbarschaft aufzusuchen. Den Kleinen hatte die Frau vorher zu Bett gebracht. Die Eltern hatten knapp eine halbe Stunde die Wohnung verlassen, als der kleine Horst aus seinem Bett stieg, das Fenster öffnete und in der Dunkelheit aus dem Leitergerüst herumkletterte. Die Nachbarm wurde auf die Geräusche aufmerksam und als sie nach der Ursache forschte, entdeckte sie Horst I. Der Junge verlor, offenbar vor Schreck. plötzlich das Gleichgewicht und st ü r z t e köpf- über in die Tiefe. Als die Nachbarin schreckenerfüllt nach unten eille, kam ihr dos Kind schon entgegengelaufen. Es hatte außer einigen Hautabschürfungen keine Verletzungen erlitten. Ein großer Schutthaufen, auf den der Knabe gefallen war, hatte den Anprall derart gemildert, daß er mit dem Schrecken davonkam. Razzia! Eine größere Razzia wurde in der vergangenen Nacht in der Gegend des S ch l e s i s ch e n Bahn- Hofes und des Alexanderplatzes von der Kriminalpolizei unternommen. Den Anlaß dazu gaben die letzte Schießerei in der Kurze Straße und Schlägereien und Messerstechereien, die von einzelnen Mitgliedern der Unterweltvereine verübt worden waren. In der Andreasstraße sollte der Verein„Jmmertreu" tagen. Als die Kriminal- Polizei erschien, war er aber bereits„getürmt". In dem Lokal Rosenthaler Straße 11 wurden die Vereine„Zentrum" und„Treue Brüder" ange- troffen, die in getrennten Zimmern tagten. Es waren etwa 60 Personen. Unter ihnen befanden sich drei, die von außerhalb steckbrieflich gesucht wurden. Diese drei wurden festge- noinmen und ins Präsidium eingeliefert. In einem Lokal in der Krautstraße in der Nähe der Holzmarktstraße fanden die Beamten etwa IS Personen, die aber nicht einem geschlossenen Verein angehörten. Ihre Personalien wurden geprüft und die Leute dann wieder entlassen. Auf der Fahrt nach einem Lokal in der Neuen König- straße ertönten plötzlich laute Hilferufe. Fünf Männer verfolgten einen sechsten und wollten ihn oerprügeln. Die Beamten sprangen ab und »ahmen die fünf fest, um sie zur Personalfest- stellung einzuliefern. Die Aktion dauerte bis heut? früh um S Uhr an. Zwei Brände! 67 jalmser Mann schwer verletzt Am Priesterweg 15 in Schöneb�rg geriet heute früh gegen 8 Uhr der D a ch st u h I eines langgestreckten massiven Stallgebäudes in Brand. Die Flammen griffen schnell um sich und als die Feuerwehr an der Brandstelle eintraf, brannte ein großer Teil des Hauses lichterloh. Ein 67jähriger Wilhelm Tank, der auf dem Grundstück häufig nächtigte, erlitt bei dem Versuch seine Habe zu retten, schwere Brand- wunden im Gesicht und an beiden Händen. Der Verunglückte wurde ins Krankenhaus nach der Rubensstraße gebracht. Das Feuer wurde nach längerem Wassergeben aus drei Schlauch- leitungen niedergekämpft. Die Entstehungsursache ist noch unbekannt. JnderPragerStraßelüinWilmers- d o r f brach in der vergangenen Nacht im K e l l e r des Wohnhauses ein gefährlicher Brand aus. Die Flammen fanden an leichtbrennbaren Gegen- ständen reiche Nahrung. Starke Verqualmunq er- fchwerte die Lölchaktion. Nach zweistündiger Arbeit war der Brandherd lokalisiert. Als Eni- stehungsursache wird Selbstentzündung vermutet. gestellt, was mit der kleinen Rosemarie nach ihrer völligen Wiederherstellung erfolgen soll. Es ist wahrscheinlich, daß sich das Jugendamt des Kindes annehmen wird. Der Zustand der Kleinen hat sich in den letzten Tagen fort- lausend gebessert. Lebensgefahr besteht nicht mehr. Es konnte nachgewiesen werden, warum sich Frau Boddin besondere Stellen am Teltow Kanal ausgesucht hatte, um das Kind dort eventuell zu ertränken. An einer Stelle war da z. B. ein Rettungsboot befestigt. Wäre das Kind an jener Stelle von der Mutter ertränkt worden, so hätte sie gesagt, daß Rosemarie in den Rettungskahn geklettert sei, der dann plötzlich um- kippte! Ebenso verhält es sich mit der Tat aui der Brücke. Sie sagte zu der Kleinen:„Gucke mal da", und zeigte über die Bahngleise. Als das Kind sich an dem Zaun hochzog, stieß sie es hinunter. Die Rabenmutter Vor dem Vernehmungsrichter Frau Boddin ist Heute vormittag wegen versuchten Mordes dem Vernehmungsrichter des Polizeipräsidiums vorgeführt worden. Dabei ergab sich, daß die Ermittlungen der Kriminalpolizei und das weitgehende Teil- geständnis der unmenschlichen Mutter ziemliche Klarheit in allen Dingen geschassen haben. Der Ehemann der unnatürlichen Mutter ist noch gestern abend aus der Haft entlassen worden, da die Polizei zu der einwandfreien Ueberzeugung gekommen ist, daß er von den ver- brecherischen Plänen seiner Frau nicht das geringste gewußt hat. Man ist nun vor die Frage Berlin fchr beachrt Bewerbungen um den Stadtrat Am Sonntag war die Frist zur Einreichung von Bewerbungen für die drei Berliner Stadtrats- stellen abgelaufen, die durch Beschluß der Stadt- verordnetenversammlung ausgeschrieben worden waren. Wie wir erfahren, sind bei dem Stadtverord- netenvorsleher Haß, an den die Bewerbungen zu richten waren, insgesamt 118 Gesuche aus allen Teilen Deutschlands eingegangen. Unter den Be- Werbungen befinden sich auch solche der bisherigen Stadtbauräte Dr. Adler und Hahn, deren Amtszeit abgelaufen ist, wodurch die Wieder- besetzung der Stelle» erforderlich wurde. Der ebenfalls ausgeschiedene Wohlfahrtsdezernent Stadtrat W u tz k y hat sich indessen nicht wieder beworben. Der Stadtverordnetenvorsteher muß nun der Stadtverordnetenversammlung in einer der nächsten Sitzungen über die Bewerbungen Bericht erstatten, worauf sicherlich ein Ausschuß zur eingehenden Prüfung und Sichtung eingesetzt werden wird. Das Lustfahrtmuseum der Stadt Berlin aus dem Flughafen Johannisthal ist täglich von 9 bis 15 Uhr geöffnet. Eintrittskarten für Flughafen und Museum 20 Pf. Arbeitslose, Kinder, Schulen und Bereine 10 Pf. Fahrverbindung: Straßen- bahnlinie 84 bis Bahnhof Adlershof, 8-Bahn- Station Adlershof. Rundfunk am Abend Dienstag, 22. November Berlin: 16.13 Was Krankheiten sind, weiß jeder. Was ist Krankheit?(K. Gauger). 16.30 Aus Leipzig: Xachmittagskonzert. 17.30 Auf Entdeckungsfahrten am Sternhimmel iK. Kifihauer). 17.45 Der erwerbstätige Jugendliche und seine Familie(M. KlimraL 18.05 Hausmusik. 18.30 Bücherstunde. 18.55 Die Funkstunde teilt mit. 19.00 Stimme zum Tag. 19.10 Hausmusik. 20.00 Klassische Motetten. 20.30 Reichssendung: Aus Stuttgart: Baden. 22.00 Wetter-. Tages- und Sportnachrichten. 22.13 Aus Stuttgart; Nachtmusik. Königswusterhausen: 16.30 Aus Leipzig; Xachmittagskouzert. 17.30 Wandlungen der deutschen Sprache im letzten Menschenalter(Dr. W. Linden). 18.00 Der Laie vor dem Mikrophon. 18.30 Volkswirtschaftsfunk. 18.55 Wetterbericht. 19.00 Einheitskurzschrift für Fortgeschrittene. 19.30 Zeitdienst. 20.30 Unterhaltungskonzert 22.00 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. 22.43 Deutscher See-Wetterbericht 23.00 Aus Frankfurt a. M.: Nachtmusik. Sonst: Berliner Programm. Vollständiges Europaprogramm im„Volksfunk", monatl. 96 Pf., durch alle„Vorwärts"- Boten oder die Postanstalten. Die Liga für Menschenrechte teilt mit, daß der am 23. November im Plenarsaal des Reichswirt- schaftsrates, Bellevuestraße 15, abeirds 20.30 Uhr stattfindende Vortragsabend„Das Wirtschaft- liche Chaos der Gegenwart" im Hinblick auf die Verordnung über den Burgfrieden nur als nichtöffentliche Veranstallung stattfindet. Wetter für Berlin: Mild, veränderlich, dunstig, Regenfälle, frische westliche Winde.— Für Deutschland: Ueberall mildes, veränderliches Wetter mit oerbreiteten Niederschlägen und auf- irischenden, besonders in Norddeutschland frischen bis stürmischen westlichen Winden. Verantwortlich für Politik: RudolfBrendemühl! Wirtschast: G. Klingelhöfer: Gewerkschastsbe- wegung: I. Steiner: Feuilleton: Herbert Le- p e r e: Lokales und Sonftiaes: Fritz Karltädt: Anzeigen: Otto Hengst: sämtlich in Berlin Verlag: Borwärts-Verlag G m. b H.. Berlin. Druck: Vorwärts-Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer u. Co., Berlin SD. 08, Lindenstr 3- Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise werden in jeder Morgen-Ausgabe des„Borwärts" verösfentlicht. Hierzu 1 Beilage. für die Zeit vom 11 Nov. bis 24. Nov. O-T A F E L PROGRAMM ♦ür die Ze?« vom 22. Nov. bis 24. Nov. Primus-Palast Potsdamer. Straße lü. Das AbentPuer einer schönen Frau mit I>il Dago ver. Ifan*» Rehmann. JI. Kupfer \V..-J.lö. 7.15, 9.13 Uhr Potsdamer Straße 38 Dun Testament d. Cornelius C»ulden mit Magda Schneider. Gg. Alexander.— Der an- L« nehme Patient mit Moser W. 5. 7. 9 Uhr Franziskaner Um 9. 12, 3, 6. 9 Uhr beginnend: Dans Albers in Tfans in allen Gassen Um 10.30, 1.30. 4.30, 7.30. 10.30 Uhr beginnend: Anny Ondra in Ki-ki Neueste Tonlilm-Dochensehau Rheinschloß-Lichtspiele\ i Neuuöim» BheinsLr. 60. Woch. 5, Stg. 3 Uhr| Ein blonder Traum mit Lilian Harvey, Fritsch. Forst,—- Beiprogramm.— JugcndJlche Zntrili Excelsior Schöneberg Woch. ab(Ha Sonnt, ab 4 ü. Kaiser- Friedrich-Straße 191 Gil�i. eine von un» mit Bris Helm, Gust. Dioßl— Tonbeipr. Alhambra Variete Tonfilm Odeon.PotsdamerStr.75 Der schwarze Uu*ar mit Christians, Conrad Veidt .TugcndHche haben Zutritt! W. 5. 7. 9 Uhr Turmstraße 12 Dum Testament d. Coruelius Gulden mit Jln�da Schneider. Gx. Alexander.— Der an genehme Patient mit Moser W. 5. 7. 9 Uhr A lexanderstraße 39-4 0 (Passage) Liebe, Scherz und Ernst mit Charl. Ander, G. Alexander. — Wer ist die süße Kleine? Den ganzen Tag geöffnet Alhambra Möllcrstr 136, Ecke Seeslraße. Der träumende Mund mit Elisab. Bergner, H. Förster. — Der angenehme Patient mit Hans Moser.— W. 5. 7. 9 U. Germania-Palast Charl.. Wilmfersdorfer Str 53/54 Scampolo, ein Kind der Straße mit Dolly Haas, Carl Lud w. Bichl.— W. 5. 7. 9 Uhr Kant-Lichtspiele Charl. Kanlstr. 54. Mieter Schulze gegen Alle mit Paul Kemp, Ida Wüst, Tr. Hesterberg__ W. 5, 7. 9 U. Jugendliche haben Zutritt! c Frledrichstadt Die Kamera Kolonnaden-Kino ug«k'"no Leipziger Str 58 Ab 9 Uhr vorm. Unheimliche Geschichten mit P. Wegener.— Der angenehme Patient(ein Hans-Moser-Luslspicl). Ton Wochenschau Hauptstraße 30. Wo. 5, Slgs. 3 Uhr Cougorilla CUrwaldsensat.). Bühne: -I gr. Attrakt. Kapelle. Erwin Frost Ab 10 U. letzte 9', Hauptsir. III. Gilgi. eine von uns(nach dem| Roman im Vorwärts) mit Brigitte Helm. Gustav Dießl.— Ton heiprogramm Kukuk Flora- Tageskino Woch. ab 6'.. Sonnt, ab 1 U. Kollbusser Damm 92 Schloß im Mond mit Maurice Chevalier. Jeanette Macdonald. — Tonbeiprogramm Moabit Artnvhnf iVocbenl ab 6 Uhr PiTiUSnOf Sonntags ab 5 Uhr Perlcberger Str. 29 2 Tonfilme: Das schöne Abenteuer mit K. v. Aagj.— Ein Sergeant fliegt durch die Euft W Charlottenburg> Schlüter-Theater„�"ühr Schlülerslr. 17. Stg. 3 Uhr: Jugd.-V. Kiki mit Anny Ondra. Herrn. Thimig.— Der Dienstmann mit II. Moser Wllmersdor��J Wochenl.?, ü1�. U. Sig 5, 7. 9� U Kaiseraliee. Ecke Berliner Straße Uraufführ.: Marschall Vorwärts mit Paul Wegener. Elga Brink. — Tonfilmbeiprogramm Jugendliche haben Zutritt ü Titania Schöneberg s.'Nj Hauptstraße 19. Mieter Schulze gegen Alle mit Ida D üst. P. Kemp.— Tonbpr. — Ufa-Tonwoche.— Jgdl. Zutritt Atrium Wochenl. 5, letzte 9�4 U. 1 Urma Sonntags ab 3 Uhr Hauptsir. 114. Mieter Schulze gegen Alle mit P. Kemp, Ida Wüst.— Gutes Tonbeipr.— Jugcndl. haben Zutritt W Südwesten> Mercedes-Palast sw'ibt u. Her mannst r. 212. Unwiderruflich bis Donnerstag! Hölzerne Kreuze Jenseits der deutschen Gräben Congorilla der spannende Afrika-Tontilm Primus-Palast so�Jkbfubr Am Hermannplatz, Urbanstr 72/76. Congorilla— Scampolo(Ein Kind der Straße) mit Dolly Haas. C. E. Bichl Stella-Palast Köpenicker Straße 12—14 Der MonumentaMlm Hölzerne Kreuze Jenseits der deutschen Gräben Auf der Bühne: Lebende Tanzbilder(Ballett) Jugendliche haben Zutritt Treptow Treptow-Sternwarte Donnerstag 8 Uhr: Wunderland Norwegen. Film- u. Lichtbild-Aufn. aus 8 Reisejahren. W Otf n W Germania-Palast\"b su. Frankforter Allee 314 Strich durch die Rechnung mit Heinz Rühmann. Toni v. Eyck. Olto Wallburg, Fritz Kampers Bühne: Lola Gray und Berliner Trio an drei Flügeln Dr. Knauer u. sein Orchester Jugendliche haben Zutritt Volks-Kino Königstadt Schönhauser Allee 10. Wochenl. 5 Uhr. Sonnt. 3 Uhr 2 Toni".: Ich will nicht wissen. wer du bist mit Haid. Fröhlich. — Scherben bringen Glück ��leu-Uchtenberg�� Kosmos-Lichtspiele Lückstr. 70 Stg 2?4 Uhr: Jug.-Vorst. 2 Großtonf.: Sehnsucht 202 mit Magda Schneider.— Tom rechnet ab mit Tom Mix.— Ton�. Friedrichsfelde D Kino Busch"'diT-sT' I Alt-Friedrichsfelde 3 2 Tonlustspiele: Skandal in der Parkstraße m. Kampers,$>pira. — Die 5 vcrfl. Gentlemen mit Camilla Horn Wochen t. 7, 8V- Uhr Breite Straße 21a, Das Lied einer\acht mit lau Kiepura.— Liebe in Uniform mit Harry Liedtke. Palast-Theater Film-Palast Kammersäle Stern, Hermannstraße 49 Teltower Str 1 W ab 5.30. S ab 3.30| Bis Mittw.: Der schwarze Husar mit Mady Christians. Veldt.— j Ab Donnerstac: Der träumende Mund mit Elisabeth Bergner| Rivoli Unter der Linden 14 Täglich 3. 5. 7. 9 Uhr Uraufführung: Dassan(Die Insel d. 5 Millionen Pinguine). Beiprogr. Jugendliche haben Zutritt 7_/' Beginn tägl. 5, 7, 9 Uhr isUli Stg. 3 Uhr Jugendvorst. Potsdamer Str 56. Liebe, Scherz und Ernst mit A. 8androck. G. Alexander. Ch. Ander.— Beiprogramm ■ Stegnt«» Titania-Palast s�Ä.m.su. Steglitz. Schloßstr 5 EckeGutsmuthsslr Uraufführ.: Marschall Vorwärts mit Paul Wegener, Elga Brink. —- Tonbeiprogramm Jugendliche haben Zutritt > Friedenau> Kronen- Lichtspiele Bheinslr. 65. Beginn 7. 9 Uhr Sonnabend, Sonntag 5, 7, 9 Uhr Scampolo(Ein Kind der Straße, n. d. Bühnenwerk) mit Dolly Haas. — Beiprogramm Film und Bühne Wo. 5%. letzte 9 Uhr Bergmannslr. 5/7. Stg. SVj. letzte 9 U Hölzerne Kreuze Jenseits der deutschen Gräben Bühne. Erich Weinerf ����/empelhof_ W W?. 9. Sbd Stg 5, 7, 9 liurrursi stg 3 Uhr. Jgd.-Vorst Dorfstraße 22 Ecke Berliner Straße Mieter Schulze gegen Alle mit Ida Wüst.— Tonheiprogramm. Jugendliche haben Zutritt Täglich: 5, 7, 9 Uhr Sonnt.: 3. 5. 7. 9 Uhr Berliner Straße 97 Großtonfilm: Mata Hari(in deutsch. Sprache) mit Greta Garbo.— Tonbeiprogramm Wochent. ab Glis Uhr. Sonnt, ab 4 Uhr. Wie sag ichs meinem Mann? mit Renate Müller, Alexander. — Tonbeiprogramm Südosten Deutsch-Amerik. Theater Köpenicker Str. 86. W. 5. 7, 9, S. 3U. Wie sag ichs meinem Mann? mit Renate Müller.— Gutes gr. Tonbeiprogramm Luna-Palast Woch 5 Uhr Stg. ab 3 U. Gr. Frankfurter Str. 121. Ton woche Strich durch die Rechnung mit Rühmann. Tony van Eyck.— Hchrei der Masse Tivoli Wochentags 6.30, 9 Uhr Sbd.. Sonnt, ab 1.30 Uhr Berliner Straße 27. Da» schöne Abenteuer mit K von\agy. Otto Wallburg.— Ton heiprogramm— Ton woche Schwarzer Adler a"«"» W 5. 7. ü Übr S 3. 5 7. 9 Uhr Di© Tänzerin von Sanssouci mit Lil Dagover, Otto Gebühr. Beipr.— Tonw— Bühnensch. Jugendliche haben Zutritt Tivoli Marlendorf Tf /•Marlendorfer W Tonlichtspieic 7. 9. S. 5. 7. 9 Chaussecstr. 305. Wolkenstürmer(Fliegerionfilm in deutscher Sprache).— Tonbeipr. Filmeck Veb'iü: Am Görlilzer Bahnhol Paul Kemp, Ida Wüst. Trude Hesterberg. Leonhard Steckel in dem Großtonfilm Mieter Schulze, gegen Alle ferner Weiß-Ferdl. M. Adalbert in dem Tonfilm-Lustspiel Der Schützenkönig Luisen- Theater sÄl u: Reichenbercer Str 34 Harry Liedtke. Ery Boß. Tibor v. Halmay in der Tonfilm-Posse Liebe in Uniform Ferner Verhaftung um Mitternacht Viktoria-Theater Woch ab 5 Stg ab 3 U Frankfurter Allee 48 Der schwarz© Husar mit Mady Christians. Conrad Veidt. Jugendliche haben Zutritt T e gel J Filmpalast Tegel su nia Bahnhofslr, 2 Stg 2 Uhr: Jug-V. Liebe, Scherz und Ernst mit Sandrock, Alexander.— Tonbeiprogramm— Tonwoche ir Film liOSmOS Bühi; Film W. 6. Uh Stg. 4%. 6�. 8*4 Hauptstraße 6. Zwei Tonfilme: Wolkeostürmer, der gewaltige Fh« gertonfilm- Wiener Zauber- Nordosten .Elysiam' Prenzla ler Allee 56 Beginn: Wo. 5.15. Sonnt 8 Uhr| Die, oder keine mit Gitta Alpur. I Max Hansen.— Gr Tonbeipr.) Flora-Lichtspiele kiÄTi' Tägl b, 7, 9 Uhr. Stg. 3. 5, 7. 9 Uhr Schnoucht 202 mit Tlugda Schneider, Schulz.— Ur»a!d- Sensation Congorilla Union-Theater eti.«. ! Hauptstraße Mein Leopold mit M. Adalbert, G. Fröhlich— Tonbeipr>gr.— Tonwoche Hennigsdorf Filmp alast ß" w 6 830 ühr �12S 6�2. ü- Berliner Sil 59. Großlonfüm: Die singende Stadt mit Jan Kiepura, Brig. Helm —• Tonbeiprogr.— Tonwoche BEILAGE WrUNs DIENSTAG, 22. NOV. 1932 d- fttctses/ Wir wavten auf Zk-nfwovf? M&w'Pväsid.enll Dv.Dovneddfeii eznpfzelslf•• Die Reichsregierung hat bekanntlich unter dem Druck der sie beherrschenden agrarischen Jnter- essenkreise Pläne> die die Dolksernährung und damit die V o l k s g e s u n d h e i t auf das schwerste bedrohen: durch die Kontingentierung der Einfuhr billiger Lebensmittel aus dem Aus- lande soll der Preis der Produkte unserer land- wirtschaftlichen Großproduzenten„geschützt" wer- den, das heißt, es wird einer jeden Preisreduzie- rung von Lebensmitteln von Reichs wegen ent- gegengetreten! Schon heute geht bei Millionen von Proletariern in Deutschland das Gespenst des Hungers um- sie hoben kaum die Mög- lichkest, sich auch nur die allernotwendigsten Nah- rungsmittel zu lefchaffen und nicht nur unter den Erwerbslosen, insbesondere in den sogenannten Elendsgebieten Deutschlands, sondern auch unter den in Arbeit Stehenden ist der Hunger ein tilg- licher Gast, nicht zuletzt infolge der Lohnkürzungen, die sie in den letzten Jahren über sich ergehen lassen mußten. Von ärztlicher Seite liegen fortgesetzt dauernde Warnungen vor: wenn dieser Zustand nur noch kurze Zeit andauere dann sei für die Volksgesundheit das Äergste zu befürchten! Die Berichte der Krankenkassen, Fürsorgestellen, der Schullehrer, der Gesellschaft zur Bekämpfung der Tuberkulose und andere mehr malen den Stand der Volksgesundheit infolge der Unterernährung der arbeitenden und arbeitslosen Massen in schwärzesten Farben! Wir haben ein Reichsgesundheits- a m t. Das wäre die berufenste Instanz, um die Reichsregierung aufmerksam zu machen, welche Verheerungen in der Volksgesundheil sie mit ihrer Lebensmittelpolstik anzurichten im Begriffe ist. Auf die Gefahrenmomente infolge der Mangel- haften Volksernährung hat z. B. zuletzt der„Nach- richtendienst für öfsentliche und private Fürsorge" u.a.m. hingewiesen und es wäre Pflicht dieses Ge- sundheitsamtes, alle diese mahnenden und warnen- den Stimmen der Reichsregierung vorzulegen. Der Geist des Reichsgesundheitsamtcs ist aber ein an- derer. Er sprach aus jenem jungen Angestellten dieses Amtes, dem Regierungsrat Dr. Dorn- «dden, der öffentlich in Anwesenheit seines Präsidenten Hömel erklärte: Die schlechte wirtschaftliche Lage habe bisher auf den Gesund- heitszustand der Bevölkerung keine ungünstige Ein- Wirkung gehabt... und er spracht wieder aus dem" Dr. Dornedden twer hat ihn dazu autorisiert'??). der Journalisten gegenüber, eine Anzahl von „F orderung en des Reichsgesund- h e i t s a m t e s" formuliert hat. Sie besagen u. a.: „... Wir haben heute die Pflicht, erstens billiger zu leben(also noch mehr zu hungern!!) und zweitens der deutschen Ware gerecht zu werden... Die Geschmacksrichtung ist nicht unbeträchtlich von dem Wege abgewichen, dessen Verfolgung dem eigenen Körper und dem Wirtschaftskörper dient.. Immer noch ist die Einfuhr an Genußmitteln, wie Kafkee, Tee, Kakao usw. außerordentlich hoch und beträgt im Jahre weit mehr als«ine halbe Milliarde Mark. Dagegen aber verbrauchen wir weit weniger Zucker als die anderen Länder... Würden wir mehr Zucker als Nahrungs- und Genußmittel verbrauchen, so könnten wir auf einen großen Teil der ausländischen Genußmittel verzichten. Außerdem würden wir der deutschen Pro- d u k t i o n, die Zucker im Ueberfluß erzeugt, außerordentlich nützen. Auch in den schlechtesten Zeiten sollen die Menschen ein Genußmittel nicht entbehren. Aber sie sollen darauf achten, daß es zunächst ein deutsches Erzeugnis und außerdem billiges Nahrungs- und Genußmittel ist wie der Zucker... Unter dem gleichen Gesichts- punkt, dem eigenen Körper und der deutschen Wirtschaft zu dienen, empfehle ich der deutsche» Hausfrau das Roggenbrot... Damit die deutsche Hausfrau«ine Kämpferin im deutschen Binnenmarkt ist, wird es vor allem not- wendig, daß sie es lernt, den Geschmack wieder im Sinne einfacher deutscher Art umzu- bilden..." und so fort!! Herr Dr. Dornedden sieht also das Reichsge- sundheitsamt als Instanz an, die die Kontingentic- rungspolitik der Barone zu unterstützen hat. Die Ar- beiter und Arbeitslosen haben kern Geld, um sich Butter, Fett, Fleisch, Obst, Gemüse kaufen zu können! Aus Berichten von Sozialärzten geht her- vor, daß der größte Teil des Proletariats heute nur noch von Brot und Kartofseln lebt. Herr Dornedden aber empfiehlt den Genuß von Zucker, schon uni der„deutschen Produktiv n" zu nützen, vo>� Roggenbrot, das angeblich so billig ist, und von deutschem Fisch und Kartoffeln und .Hülsenfrüchten! Gemüse, Obst, Fleisch, Butter und Fett, das für Millionen unerschwinglich ist, gehört auch nicht im kleinsten Ausmaß auf seinen Speise- zettel! Die Arbeiterfrau, die nicht weiß, wie sie die hungrigen Mäuler ihrer Kinder stopfen kann, soll zu einer„Kämpferin im deutschen Binnen- markt" werden... Wir glauben, daß die Institution des Reichs- gcsundhsitsaintes zu wichtig ist, als daß einzelne Beamte sie zu derartig unsinnigem Gewäsch miß- brauchen dürfen! Welcher Unsinn, dem hungrigen Proletariat den Genuß von Zucker anzuempfehlen. wo ihm die wichtigsten Nahrungsmittel fehlen! Welche Frivolität, den Genuß von Brot, Kartofseln und Hülsenfrüchten anzupreisen, wo doch der größte Teil des Proletariats von diesen primitiven Lebensmitteln schon jetzt sein Dasein fristet und notgedrungen auf die Hauptnahrungsmittel ver- zichtet! Welch enger Horizont, der die Volks- ernährung vom Standpunkt der Produzenten be- urteilt! Der Geschmack des Proletariats ist infolge seiner Not schon„einfach" bis zum Minimum. Dornedden empfiehlt den Geschmack „im Sinne einfacher deutscher Doch Herr umzubilden Art! Dieses nationalsozialistische Phrasengeklimper eines Reichsgefundhsitsbeamten muß auf das hungernde Proletariat geradezu aufreizend wirken! Herr Präsident H a m e l, der sich seinerzeit die Erklärungen des ihm untergeordneten Beamten Dr. Dornedden im„Deutschen Verein für öffent- liche Gesundheitspflege" ruhig anhörte, sei gesragl: Was sind das eigentlich für Forderungen, die das Reichsgesundheitsamt nach den Presse- Mitteilungen seines Beamten der„Wilhelmstraße" vorgelegt hat? Nach den, Kostproben" des Herrn Dr. Dornedden scheinen es sehr gefährliche und der öffentlichen Debatte bedürftige Argumente zu sein! Eine Zeitung deutet an, diese Argumente, insbe- sondere das des Zuckers,„hätten in der Wil- helmstrahe stark gewirkt und über- zeug t". Hat sich das Reichsgesundheitsamt end- gültig entschlossen, Propagandazentrale für Kontingentmahnahmen zu werden? Das würde die Personen und Vereinigungen, die im Gesundheitswesen tätig sind, zwingen, ihre Haltung gegenüber dem Reichsgesundheitsamt einer gründlichen Revision zu unterziehen! Jeden- falls hat die Oeffentlichkeit und namentlich das von der Gesundheits- und Ernährungskrise be- trosfene Volk das Recht, die Forderungen und Argumente kennen zu lernen, mit denen das Reichsgesundheitsamt an die Reichsregierung her- angetreten sein soll! Hier gibt es keine Geheim- diplomatie. Wir warten auf Antwort, Herr Präsident Hamel! ßvziehimg zu.m Fvieden? grenzen und'fttöglichh&ii&n/ Von SVelly Woltthoim Können, sollen wir das Kleinkind bereits im Sinne der Friedensliebe beeinflussen? Bor allem sei der Standpunkt vertreten, daß keinerlei politische Tendenzen uns veranlassen dürfen, das Spiel des Kindes zu beherrschen. Ein modern eingestellter Erzieher, dessen Streben es ist, die Kinder werden zu lassen und sie mög- liehst wenig durch pädagogische Einmischung zu stören, sollte auch in Hinblick auf das Soldaten- spiel— das der Friedensfreund von sich aus ablehnt und niemals anregen wird— von diesem Prinzip nicht abgehen. Kinder be- dürfen der Symbolgestalten, an die sie ihre Wünsche heilen können, und wo es gilt, die Kraft und Wildheit im Spiel zu verherrlichen, sind Kampfspiele das gegebene Mittel. Kinder hoben auch den Trieb in sich, feindliche Impulse auszu- leben, den man ihnen nicht beschneide» darf, ohne sie zu gefährden. Wo nicht im Spiel Gelegenheit gegeben ist, Gefühle der Abneigung, gelegentlich aufsteigende Wut, Selhsterhaltungstendcnzen, 'Eigenwilligkeit und Herrschsucht spielend zu erleben, kann es leicht in der Wirklichkeit zu unerwünschten Reizbarkeiten kommen, oder— was sicher schlimmer ist— im seelischen Haushalt des Kindes Unruhe bringen Spiel hat immer seelische Ernindlage, niemals darf es von uns als etwas Aeußerliches aufgefaßt werden. Aiso in diesem Sinne müssen wir, ob wir wollen oder nicht, jedes Kampsspiel, soweit es die Kinder nicht gefährdet, gelten lassen. Da- bei sei jedoch festgestellt, daß die heutigen Kinder, wenigstens so weit meine Erfahrungen reichen, wo sie nicht von außen her dazu angeregt werden, verhältnismäßig selten im Spiel als Soldaten auftreten. Wie sie sich aber auch nennen, welchen Namen sie auch ihren Kampsspielen geben, ob sie sich als wilde Tiere, als Indianer oder als Schupos gebärden, die Grundidee des Spiels ist die gleiche: Es stellt ein Ringen und Kämpfen, ein Ueberlisten, Erschrecken und Wehetun dar. Kinder sind eben von Natur durchaus nicht fried- fertig, und wenn wie sie nehmen, wie sie sind, können wir von dieser Seite her nicht an die IWufleF und Kind 0ez? Wechsel cZez? Qenevalionen Es ist durchaus in der Hand der Muter gelegen, wie groß oder wie klein der Anteil am Leben ihres erwachsenen Kindes sein wird. Je mehr Zwang, je mehr Beschränkung dem Heranwachsen- den auferlegt wird, desto trotziger wird er sich von dieser Bindung zu befreien trachten. Lassen wir aber der Entfallung seiner gerade in dieser Zeit so stürmisch sich regenden seelischen Kräfte möglichst freien Spielraum, beweisen wir ihm damit unser wirkliches Verhällnis für das, was er braucht, und leiten wir es nur dort, wo er selbst das von uns erwartet, dann wird auch das erwachsene Kind diese verständnisvolle Führung iminer und immer wieder suchen und die gesunde seelische Verbunden- heit zwischen Kind und Mutter wird niemals reißen. Gilt dies schon für erwachsene Kinder, die noch im Hause der Eltern leben, um wieviel mehr noch für Töchter und Söhne, die bereits einen«ige- nen Haus st and gegründet haben. Hier müssen sich die Mütter noch viel sorgfältiger davor hüten, eigene Enttäuschungen in das Leben ihrer Kinder hineinzutragen. Zu groß ist sonst die Gefahr, daß die eigenen Fehler, die schließlich jeder macht, in der neuen Ehe sich wiederholen. Lassen wir hip- gegen die Jugend ihre eigenen Ersahrun- gen, die wir ihnen doch nie ersparen können, unter eigener Verantwortung machen, beraten wir sie nur, wenn sie selbst es wünschen, dann werden sie viel daran lernen und wir mit ihnen. Langjährige Ersahrungen einer Erziehungs- beratung hat uns darüber belehrt, daß nur die Mütter so schwer unter dieser Pflicht leiden, die über der Sorge für ihre Kinder die E n t w i ck- l u n g der eigenen Persönlichkeit gänz- lich vernachlässigt und sich gar kein Bereich eigener Interessen bewahrt haben. Das ist ein schwerer Fehler, der sich doppelt rächt, denn erstens ver- lieren sie mit der doch so unbedingt nötigen Los- lösung des erwachsenen Kindes wirklich alles, und nichts bleibt als. öde Leere, und zweitens sind sie durch die gewallsame Absperrung von der allgemeinen geistigen und seelischen Weiterentwick- lung gar nicht fähig, die Entwicklung des Kindes, seine Ziele und Pläne wirklich innerlich mit- zuerleben. Haben sich hingegen die Frauen ein eigenes Leistungs- und Interessengebiet' geschaffen, ganz gleich, ob inanueller, künstterischer oder geistiger Art, dann schützt diese Bereicherung ihrer Per- sönlichkest sie vor der Leere, welche die doch natur- notwendige Loslösung der Kinder sonst hervorruft. Und zugleich ermöglicht sie den Müttern ihre Ver- bundenheit mit der allgemeinen Entwicklung, die sie dann befähigt, ihren Kindern jene seelische Stütze zu geben, die sie zur Zeit ihrer eigenen Entwicklung so dringend brauchen. Denn auch für den Heranwachsenden ist dieses Loslösen von der Kindheit eine schwere Zeit, und wer das nicht versteht, schwebt in größter Gefahr, sein Kind seelisch zu verlieren. Darum dürfen Mütter chr Kind nicht als Schmuck und Trost ihres Lebensabends be- trachten. Wohl haben sie Liebe, Sorgfalt und Mühe an ihre Kinder gewendet, manchmal in der bewußten, meistens in der uneingestandenen Hoffnung auf Rückzahlung im Alter, sie über- sehen aber dabei, daß menschliche Beziehungen keine Rückversicherungen vertragen. Wenngleich es wahr ist, daß alles Geleistete lohnt, für den, der es vollbracht hat, so ist doch fast niemals derjenige der Rückerstatter, für den es geleistet wurde: solches erwarten, hieße unersüll- bare Forderungen an das Leben stellen. Was wir für unsere Kinder getan, sie werden es wiederum an die ihren weitergeben und unser schönster Lohn wird immer das Bewußtsein bleiben, daß wir sie nach besten Kräften dafür ausgerüstet haben, lind so wollen wir uns an das schöne Wort des deut- scheu Balladendichters Börries von Münch- hausen über das Verhältnis von Eltern zu er- wachfenen Kindern hallen, der sagt: „Den goldenen Ball gibt zeder lächelnd weiter. Doch keiner gibt den goldenen Ball zurück." Den goldenen Ball der Lebenserfahrung mit weichen und geschickten Händen ihren Kindern zu reichen, dann aber ohne eigene Forderungen, ohne Bitterkeit, mit gütiger Teilnahme mitzuerleben, wie diese ihn weitergeben, ist das große unverlier- bare Vorrecht der Mütter. Gelingt es ihnen, sich selbst zu dieser Fähigkeit emporzuentwickeln, dann werden sie, in deren Händen die Zukunft liegt, auf solche Art den bisher gewohnten erbitterten Kampf der Generationen seiner Härte berauben. Sie werden ihn zu einem unvermeidlichen, aber har- manischen Wechsel der Generationen umge- stalten, der ihnen ermöglicht, im Ausblühen ihrer Kinder die eigene Jugend nochmals zu erleben. Sokle Lazarsfcld. Erziehung zur Friedensliebe herangehen. Trotz- dem aber sollten wir den Friedensgedanken in der Kinderstube anbahnen: wir werden dies am besten tun, indem wir bereits das kleine Kind zur Einordnung in die Gemeinschaft hinleiten. Die Familie wird den Ausgangspunkt bilden. Vielleicht muß, wo nur ein Kind mit den Erwachsenen lebt, mehr bewußter Wille hierzu wirksam werden, als dort, wo mehrere Kinder sich gegenseitig abschleifen. Das vier- und fünfjährige Kind kann man bereits in eine erweiterte Gemein- schuft, den Kindergarten, bringen, um ihm die von uns ins Auge gefaßte Gelegenheit zur Ein- ordnung zu bieten. Hier wird das Kind zu einer Respektierung der Wünsche und Bedürfnisse anderer kommen, ganz von selbst, aus dem Zusammenleben heraus. Freilich kann ein frei- williges Sicheinordne» nur dort möglich werden, wo keine Drillerziehung vo» Ansang an die Freiwilligkeit der Anpassung aushebt und statt ihrer Aufsässigkeit erzeugt. Selostversländlich wird jedes einzelne Kind ie nach seiner Eigenart und der Art seiner bisherigen Erlebnisse und seiner Einstellung zu Eltern und Geschwistern� auch zu der neuen Umgebung in Fühlung kom-~ men. In einem gut geführte» Kindergarten aber wird das durchschnstlichg 5sind,,woh! immel,�M. gewisse Anpassung gewinnen.- Diese Fähigkeit der Einordnung ohne Aufgabe seiner selbst ist die Grundlage aller Lebensgeineinschaften und kann somit als die Grundlage auch der Friedensidce angesehen werde». Daß die Eltern im Kinde keinerlei Gegner- schaften gegen andere Gruppen von Kindern oder Erwachsenen entwickeln dürften, sei im Hinblick auf die heutigen Zeitströmungen besonders betont. Wo solche Vorurteile und Verhetzungen groß ge- zogen werden, kann von einer Hinleitung zum Friedensgedanken naturgemäß nicht die Rede fein. Wir müssen, nicht etwa nur in Worten, sondern in unserer Gesamthaltung, die Achtung vor allen Menschen zum Ausdruck bringen, und wo unser Einfluß durch die vorhandene seelische Bindung stark genug ist, wird dies immerhin— wenigstens bei jüngeren Kindern— ein Gegenmittel gegen unliebsame Massen- suggestion sein. Seien wir uns aber darüber klar, daß, wo ein Kind dem Einsluß Anders- gerichteter unterlegen ist, durch ein Aufreden unserer Ansicht und durch moralische Vorhaltungen kauin etwas erreicht werden kann. Wir wollen auch keinesfalls ein Kind zu unserer, ihm viel- leicht nicht entsprechenden Ansicht zwingen, sollten es auch nicht herbeiführen, daß das Kind sich anders stellt als es ist und denkt. Solch Kind würde im Geheimen weiter hassen, weiter ab- lehnen, selbst wenn es seine Abneigung vor uns, oder noch schlimmer unbewußt auch vor sich selbst verbirgt. Geheimer Haß ist sicherlich schlimmer als offener Haß, und statt der von uns an- gestrebten Menschen- und Friedensliebe wird sich eines Tages höchste Gegnerschaft gegen engere oder weitere llmwell zeigen. Daß die Art der Familicnbeziehung des ein- zclnen bei seiner Stellungnahme zum Krieg und zur sozialen Gemeinschaft mitspricht, sei noch kurz erwähnt. Wo durch seelische Belastungen eine überstarke Angriffslust und ein Sich-zur-Wehr- jetzen-Wollen herangebildet werden, da wird leicht kriegssreundliche Stimmung im Kinde entstehen: den» Auflehnung gegen das Nächste wird hier auf das Weitere übertragen. Es ist anzunehmen, daß, wo allgemein menschliche und soziale Be- stehungen sich günstig gestalten, die Kriegsbereit- schaft des Einzelnen durch den Verlauf harmoni- scherer Kindheitsjahre geringer wird. Auch die in der modernen Erziehung zum Ausdruck kommende Hinleitung zur Selbständigkeit kann in diesen» Sinne wirken. Selbständigkeit stärkt das Selbst- bewußtfein. Wer die Größe des Andeien nicht zu fürchten braucht, der hat es nicht nötig, ihn zu schmähen und herabzusetzen. Und so werden wir bei der Erziehung zur Friedens- liebe die Heranbildung ausrechter Menschen als wesentlich erachten. Zu fernen Welten Der neueste Stand der Raketenforschuns Man wird unseren Raketenforschern die Aner- kennung nicht versagen können, daß sie außer- vrdentlich aktiv sind. Gerade in der letzten Zeit sind so viele Nachrichten über diese Arbeiten in die Oeffentlichkeit gedrungen, daß es angebracht er- scheint, einen kurzen, zusammenfassenden Bericht über den gegenwärtigen StandderRaketcn- forschung zu geben. Wenn wir von der bekannten Feuerwerksrakete absehen, die schon 3000 Jahre vor unserer Zeit- rechnung von den alten Aegyptern benutzt worden sein soll, und die auch den Chinesen lange vor dem Beginn der Kultur des Abendlandes bekannt war, beginnt die moderne Raketenforschung im Jahre k89S mit den Arbeiten des peruanischen Ingenieurs Paulet, der bereits eine Flüssigkeitsrakete ver- wendete, die mit Stickstoffsuperoxyd und Benzin angetrieben wurde. Er soll dabei bereits den be- trächtlichen Rückstoß von 100 Kilogramm erzielt haben. Leider sind über dies« Arbeiten keine Einzelheiten erhalten. In der Folgezeit sind eine Reche von Projekten, wie die von Ganswind, dem unglücklichen Russen Zielkowski, Goddard und Oberth bekannt geworden. Insbesondere die beiden letzteren beherrschten mit ihren Plänen lange Zeit das Denken der Oeffentlichkeit. Der amerikanische Professor G o d- d a r d hat seine Gedanken in einem grundlegenden Der Städtekampf Leipzig-Dresden-Magdeburg-Berlin am Schwimmerstart Als� am vergangenen Sonntag die Schwimmer der Städte Dresden, Leipzig, Magde- bürg und Berlin den Städtekampf mit einer Männerkraulstafette über 10X50 Meter eröffneten, war die schöne Halle des modernen Leipziger W e st b a d e s bis auf den legten Platz gefüllt. Die Leipziger hatten ihre beste Klasse am Start uird oft entschieden erst die Schlußleute. Magde- bürg und Dresden war eine Klasse schlechter, was bei einer ganzen Anzahl von Wettkämpfen einen „Zwei-Fronten-Strell" um die Plätze verursachte. Den knappsten Ausgang hatte die 8X100-Meter- Lagenstafette, in der Berlin die Spitze schon bei dem ersten Seiteschwimmer an Leipzig abgeben mußte. Erst als der Schlußmann der Berliner startete, änderte sich das Bild zugunsten Berlins; er konnte den Leipziger erreichen und'A Sekunde vor ihm anschlagen. Eine retne Berliner An- gelegenheit war die große Kraulschwellstafette über ZO. 100, 150, 200, 150. 100, 50 Meter, die Berlin fast 40 Meter vor dem übrigen Felde liegend gewann. In der Schwellstafette der Brustschwim- >ner leistete der Leipziger 200-Metsr-Mann über- raschend starken Widerstand. Erst gang zum Schluß mußte er den besseren Berliner vorbei- lassen. Die folgenden Berliner 100- und 50-Meter- Leute vermochten den kleinen Vorsprung zu halten und es gab einen knappen, aber sicheren Sieg. Während die Frauen Berlins in der 4X100-Meter-Kraulstasette und dem 100-Meter- Brustschwimmen siegten, resp. gute Plätze er- reichen konnten, gelang es den Springern nicht. sich durchzusetzen. Der hervorragende Leipziger R ö n n e ck e gewann oerdient. Mit genau 7 Punkten weniger folgte ihm Nachtigall- Berlin, der sich aus dem ungewöhnten Brett nicht zurecht fand. Kasper- Berlin mußte mit dem 5. Platz vorliebnehmen. In den Konkurrenzen, die nicht zum Städte- kämpf gehörten, zeigten all und jung beachtliches Können. Neben der starken Beteiligung an den Kämpfen der Jungen, fiel die zielbewußte Arbeit bei den Wersriegen auf. Den Invaliden war in einem L e scha d i gt e ns chw irnrn e n Beteiligungsmöglichkeit gegeben. Sieger wurden im toten Rennen zwei einbeinige Genossen. Einer von diesen beiden wiederholt« später im Beliebigschwimmen der Männer über 50 Meter seinen Sieg; er ge- wann nach prächtigem Endspurt mit etwa einem Meter Vorsprung vor dem übrigen Feld, das durchweg aus gesunden Schwimmern bestand. Am Schluß des Festes spielten Magdeburg gegen Dresden und Leipzig gegen Berlin Wasserball. Bei der ersten Paarung gab es ein ausgeglichenes Spiel, das Dresden mit 6: 3 Toren gewann. Jni Spiel Leipzig— Berlin gefiel das gut« Stellungs- spiel der Berliner, die sämtliche Tore nach vorher- gegangenen Kombinationen blitzschnell errangen. Das Ergebnis von 9: 5 Toren gibt ein klares Bild von der Ueberlegenheit. Männerkraulstafette 10x50 Meter: 1. Berlin ö;6,l Min.; 2. Leipzig 5:15.2 Min.— Männerlagenftafette«X100 Meter: l. Berlin 10:18,0 Min.; 2. Leipzig 10:19,4 Min.— Springen für Männer a-ÄIasse: 1. Ronneckc(C.) 44"z Punkte; 2. Nachtigall 374* P.; 3. Lijppfch(Dresdenl 374* P.— Männeriranlschivellstaiettc 50, 100, 150, 200, 150, 100. 50 Meter: 1. Berlin 9:40,2 Min.: 2. Leipzig 10:03,6 Min. — fsrauenkraulstafette 4x100 Meter: 1. Berlin 6:8 Win.: 2. Leipzig 6:31,9 Min.— Mäunerbrustswmellstafette 56, 100, 200. 100, 30 Meter: 1. Berlin 7:8,5 Mi».; 2. Leipzig 7;ll,6 Min.— Eefamtiesuitat des Städte- kämpfe,: 1. Berlin 67 Punkte: 2. Leipzig 57 P., 3. Magdeburg 29 P.; 4. Dresden 24 P. Tennis in der Halle Der Freien Turnerschaft Groß-Berlin ist es gelungen, einen ehemaligen Berladeraum in Tempelhof, Germaniastrahe 46, in eine schöne Werk„A Method of Reaching extreme Altitudes" (Eine Methode, außerordentliche Höhen zu er- reichen) niedergelegt, während Professor Hermann Oberth, der durch seine Arbeiten für den bekannten Film„Frau im Mond" in wellen Kreisen bekannt wurde, seine Gedanken in dem Werk„Die Rakete zu den Planetenräumen" niederlegte. Während Goddard Pulver rateten vorschlug, trat Oberth für die F l ü s s i g k ei t s rakete ein. Hier wird schon der Unterschied zwischen den beiden Systemen klar. Bei der Flüssigkeitsrakete kann man bei guter Konstruktion eine langsame, ständige Ber- brennung erzielen, bei der Pulverratete geht die Verbrennung außerordentlich rasch vor sich. Auch T i l i n g, der dieser Tage seine Puloerraketen auf dem Tempelhofer Felde vorführte, verwendet Puloer nur. um schnell zu Ergebnissen hinsichtlich der günstigsten Form der Rakete zu gelangen. Seine bisherigen Erfolge haben ihm recht gegeben. Aber der weitere Weg führt unbedingt zur Flüssig- keitsrakete im Sinne Oberchs. Die Flüffigkeits- rakete wird sicherlich einmal gut zu beherrschen fem, wenn man es gelernt hat, den Brennraum genügend abzudichten. Gerade der verunglückte Start der W i n k l e r- Rakete auf der Frischen Nehrung war nach dieser Richtung außerordentlich lehrreich. Winkler verwendete ein Gemisch von Methan und flüssigem Sauerstoff zum Antrieb. Auf dem Prüfftand konnte er seinen Strahlmotor gut beherrschen. Draußen im Gelände aber trat, durch geringe Undichtigkeit des Brennraumes, etwas Mechan aus und explodierte an der falschen Stelle. Dadurch verunglückte der mit so großen Hoffnungen begonnene Start. Außer Winkler, der sehr vorsichtig und syste- machisch vorgeht, arbeitet Diplomingenieur Nebel ebenfalls an dem Problem der Flüssigkeitsrakete. Er hatte sich seinerzeit mit Oberth zusammen- getan. Unter seiner Leitung steht der e r st e R a k e te n f l u g p l a tz der Well in Berlin- Reinickendorf, der schon viele schöne Raketen- starts gesehen hat. Im Frühjahr dieses Jahres ist es u. a. hier gelungen, Flüssigkeitsraketen, die mll Sauerstoff und Benzin gefüllt waren, bis zu 4000 Meter hoch zu treiben. Nebel hat jetzt Strahlmotoren konstruiert, die einen Rückstoß von 750 Kilogramm ausüben können, und hofft nun, auch die Konstruktion einer bemannten Rakete durchführen zu können. Man soll in der Technik niemals„unmöglich" sagen. Es steht fest, daß das Raketenprobleni erheblich gefördert worden ist. Die Ziele, die sich die Forscher gestellt haben, sind heute wesentlid) näher gerückt als zu jenen Tagen, als Opel, Boll- hart, Sander und der leider verunglückte V a l i e r mit ihren Raketenfahrzeugen an die Oeffentlichkeit traten. Und schließlich wollen wir nicht vergessen, daß die genialen Phantasien eines Jules Verne zum weitaus größten Teile schon von der Wirk- lichkeit überholt worden sind. T e n n i s h a l l e zu verwandeln. Die Spielfläche ist aus Naturboden, wie auf den Plätzen im Freien. Am Tage begünstigt Oberlicht das Spielen, abends ist gute Beleuchtung dorhanden. Die Arbeiter- sportler können hier auch im Winter Tennis spielen und sind nicht auf Ergänzungssport angewiesen. Auch für den Anfänger ist jetzt beste Zeit zum Beginnen. Während der Werbezell bis einschließ- lich 4. Dezember ist das Eintrillsgeld von 3 M. auf 1 M. ermäßigt. Der Monatsbellrag für Mäner und Frauen bträgt 3 M., für Jugendliche, Studenten und Lehrlinge 2 M., Erwerbslose er- hallen besondere Ermäßigung. Unterricht und Ball- lieferung kostenlos. Auskunft in der Geschäftsstelle des Vereins, Berlin NO 18, Lichtenberger Str. 3, Tel. E 3 Königstadt 3656 oder in der Tennishalle Dienstags und Mittwochs von 18 bis 22 Uhr und Sonntags von 9 bis 13 Uhr. Die Geräteserie Arbeitersportverein Moabit in Front Im weiteren Verlauf der Gerätewett- k a m p f s e r i e der Arbeiterturner konnten die M o a b i t e r einen weiteren Sieg nach Hause nehmen. Gegen die starken Lichtenberger konnten sie mit einem Punktunterschied von 31 Punkten den ersten Platz besetzen. Schon am Barren zeigte sich die große Ueberlegenheit der Moabiter, indem sie mit 176 zu 160 Punkten in Führung gehen konnten. Der Unterschied tritt schon dadurch zutage, daß zwei Turner Moabits je 37 und einer sogar 38 Punkte erringen konnten, dem Lichtenberg mit der Höchstzahl von 33 Punk- ten folgte. Am Pferd und am Reck gewann Moabit je 10 Punkte Nur in der Gymnastik waren die Lichtenberger chrem Rivalen mit 35 zu 30 Punkten weit überlegen. Hier ist auch der große Fortschritt Lichtenbergs zu bemerken. Der Besuch war äußerst gut, wäre noch bester ge- worden, hätten die Frauen der FTGB.-Süden nicht im letzten Moment abgesagt. Sind doch viele Besucher, als sie hörten, daß der Frauenkamps ausfällt, wieder nach Hause gegangen. Auch in den anderen Kämpfen wie in der Mlltelstufenklasse Karlshorst— Moabit, sowie bei den Frauen Wedding— Mitte und Norden I— Süden(L-Klasse), gab es vor gut besuchten Hallen schöne Kämpfe. Das kann man hauptsächlich im Kampf Karlshorst— Moabit feststellen. Die Ver- einsturnhalle in der Treskow-Allee konnte die Zu- schauer kaum fasten. Beide Mannschaften wurden nur Mit je vier Kämpfern gewertet, da bei beiden ein Turner der Oberstufe miuvirkte. Bei den Frauen konnte die gut eingeturnte Mannschaft von FTGB.-Mitte einen überlegenen Sieg über Volks- sport Wedding buchen. Die Weddinger befinden sich noch im Anfangsstadium, dürften aber bei den weiteren Kämpfen doch noch eine beachtliche Stärke erringen. Daß der Bezirk Norden l der FTGB. gegen Süden E gweinnen würde- stand von vorn- herein fest. Befindet sich doch in ihren Reihen eine der besten Frauenturnerinnen des Kreises. Trotzdem ist der Punktunterschied nicht sehr hoäi. Die Ergebnisse der Kämpfe: Moabit gegen Lichrenberg-Oberstafe: Moabil: am Barren 176 Punkte, am Pferd 156, am Reck 185, Gpinnastil 30, insgesamt 527 Punkte. Lichtenberg: am Barren 160, am Pferd 146, am Reck 155, GiMnaftik 35, Insgesamt 196 Punkte.— Parishorst gegen Moabit v-PIasse: Barls- Horst: am Barren 127. am Pterd 114, am Reck 120, Enm> »asiit 35. insgesamt 398 Punkte. Moabit: am Barren 123. am Pserd 118. am Reck 125, Äpmnastik 34, insgesamt 100 Punkte.— Frauen.4, Klasse: Lichtenberg gegen Enden: Lichtenberg kampslos geroonnen.— v-Klane: Wedding gegen Mitte: Wedding: am Barren 153, am Pferd 138, ain Reck 130, Enmnastik 34, insgesamt 455 Punkte. Mitte: am Barren 187, am Pferd 158. am Reck 142, lSpmnastik 34, insgesamt 501 Punkte.— Norden i gegen Süden: Norden I: am Barren 148, am Pferd 144, am Reck 149, »ipmnastik 31, insgesamt 470 Punkte. Süden: am Barren 146, am Pferd 141, am Reck 140, Smnnastik 35, insgesamt 482 Punkte. Der zu heute angesetzte Kampf FTGB.-Osten gegen FTGB.-Süden(Oberstufe) in der Halle in der Böckhstraße fällt aus, da Süden zu der am kommenden Sonntag stattfindenden Bllhnenschau Probe hat. Wann der Kampf stattfindet, wird noch bekanntgegeben. Heute Länderboxkampf Dänemark— Deutschland Heute abend, 20 Uhr, stehen sich in den Germaniasälen in der Chausseestr. 110 die besten Arbeiterboxer Deutschlands und Dänemarks im Länderkampf gegen- über. Die Gäste haben aus ihrer Reise nad) Berlin bereits in anderen Städten Kämpfe aus- getragen und treffen in guter Form in Berlin ein. Auch in der Berliner Mannschaft sind gute Techniker und temperamentvolle Gegner, die die Kämpfe überaus abwechslungsreich gestalten wer- den. Für Berlin starten: Iedrassik, Henneberg, Freimann. Preller, Rettweiler, Hederich, Jacob- son und Specht. In der Dänenstasfel starten: Albinosen, Petersen, Jorgensen, K. Mortensen, Jensen, Clemsen und O. Mortensen. Was zu berichten ist Norden-Mitte I führt bei den Arbeller- S ch ach- s p i e l e r n in der Klasse A vor Abteilung Westend und Moabit Hier die Ergebnisse vom Sonntag: Norden-Mitte I gegen Friedrichshain II 7:0 (3 Hängepartien): Treptow II gegen Norden II 6:2(2 H.); Humboldthain II gegen Westend VA;634; Moabit gegen Prenzlauer Berg II 9: 1 und Wedding-Süden II gegen Westen 7: 1(2 H.). Ein Kampf steht noch aus.— Die Abteilung Westen spielt jetzt jeden Donnerstag bei Wandtke, Schöneberg, Bahnstr. 25. Gäste gern gesehen. Ringkämpfe im Zirkus Busch. Daß der Ring- kampffport auf dem Wege ist, wieder modern zu werden, das beweist der allabendlich starke Besuch im Zirkus Busch. Der Entscheidungskamps der beiden Berliner Neumann gegen Luppa verlies gestern recht wechselvoll und endete in der 48. Minute mit dem Siege von Luppa. Der starke Bremer Wolke rang mit Peterson-Estland 21 Minuten und erreichte nur ein Unentschieden. Sachs-Bayern erlag dem Russen Turoff in der fünften Minute und Angulesku mußte von Iwa- noff nach 12 Minuten auf die Schultern. Heute stehen wieder vier gute Paarungen aus dem Programm. Der Damen-Wasser- Sporl-Elub Schwarz-Rot- Gold. der vor einigen Tagen sein einjähriges Be- stehen feiern konnte, beginnt Mittwoch, 23. No- vember, mit einem neuen Anfängerkursus für Ruderinnen. Das Uebungsrudern findet Mitt- wachs, 20 Uhr, in der Ruderanlage in Stralau, Tunnelstr. 28/29, statt. Anfragen an die Ge- schäftsstelle H. Hock, Berlin-Neukölln, Weser- sttaße 86(Neukölln 6017). T»urisienrc«ia„Die Raturireundc-. Dieiwtaz, 22. November. Abt. Mitte: Ivhannisslr. 15: Berichte von den Urlaubsfahrtcn.— Wedding: Willdenowstr. 5 «Zimmer 4): Wir gehen ins Planetarium.— Humboldt- Friedrich shain: Frankfurter Allee 3074 Uhr B fl hl hl V von Marcel Pagno' rMTin T Deutsch von Bruno Frank- Regie: Heinz Hilpert Dorsch, Tiedtke, Valetti. Siecke!. Ver- hoeven. Stein. Almas_ städi. Oper Charlottenbure Fraunhofer 0231 Dienstag, 22. Nov. 20 Uhr Turnus II Ein nnaskenöaii Roselle a 0„ Thorborg, Pfahl, Paiaky, Reinmar, Destal, Dicker. Qonszar Dirig: Fritz Busch Rose-ltieater mh fmktirtii Stnki 131 «II. ffüitail E 1 3422 8.13 Uhr Der Zigeunerbaron Komödieniiaus Sdiltlbaaerdoinm 25 0 2 Weidend. 6304—05 Bis Donnerstag täglich 8 Uhr Gestern und Heute Freitag. 7% Uhr Erstaufführung Kasimir und Karoline ov, uhr CASII10- THEATER Lothringer Strafte 37. MiiiHiiiiiiHiiiiimrtiiiiiiiiiiiniiiiiiiMilionuiniiiiiiMiiiMiiiiiiiiiii| Aach Sonntag 4 Uhr Nur noch wenige Aufführungen| Die Lißöß blüht in Wßrdßr Volksstück mit Gesang und Tanz Für die Leser Gutschein 1— 1 Personen, Parkett 0.50, Fauteuil 0.75, Sessel 1.25 M Auch bis IQ MONATS- 12 RATEM RaäÄcltTK Berlin W» LcipziqerStr. KÄS Kabarett für Alle 4 Uhr Täglich 2" 9 Uhr Das sensationelle Kabaretl-F: ri- Abendpreise 1— 3 Mk. Nachm. Gedeck 1,25 lecken Sennabena 1 1, Uhr: hoch tvoretl Ihme Stettiner Sänger Reichshallen-Theater 8.15 Sonntag 3.30 zu ermäßigten Preisen. meiodie des GiticKs und das November-Programm EEEEDECI B. B. B. Bendowe Boote Bühne Kockhosser Strikt I Oberbanffl 3500 früher„Elite• Sänger" .Hier Können Fsralllen Kaitee kochen' Tgl.SUU Snit. nidin.3Vi Preise von 50 Pf. an Bismardutr.«Kaie) Steinpl.(CD 6715 8U Uhr Robert und Bertram lilrrt arwn, Frltr Himh. SnUSiuM Sonntag nachm Ji/t Uhr Robtrt und Beriram Preis 0 40 bis 2,00 ti.WJJl KÄ JUERGENS Alexanderplatz Neue Königatr.43 Deutsches Theater Weidend. 5201 Taglich 8 Uhr und Sonntag 4 U. Piz Fittldi » Moib Inszenierung: Max Reinhardt Hammerspieie Täglich 8 Uhr Michael Krämer von üertiari Baummann Klopfer. Melzer, Triesch.v Plate», . Kaiser, Liebenciner w t r k> a m sind tfle KLEINEN ANZEIGEN In der Gesamtauflage de*„Vorwärt*-' und trotzdem