Morgen- Ausgabe Nr. 551 A270 49.Jahrg. Redoklion und Verlag- Berlin SW 68, Lindenstr. 3 Fernsprecher, Ä7 Qlmt Dönhoff 292 btS 297 Telegrammadresse: Sozialdemokrat Berlin BERLINER VOLKSBLATT MITTWOCH 23. November 1932 In Groh- Berlin 1 0 Pf. Auswärts....... 15 Pf. Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise siehe am Schluß des redaktioiu llen Teils Jentvaiorsa« der Sozialdemokratische« Partei Deutschlands Die„Führer" sind hilflos! LieSesbrieke Zwischen WilKelmstraKe unci K-rissrKok Eitler lrann nickts! Das spiel mir den Briefen, die ;wisä>en dem Büro des Reichspräfidenlen und dem„Kaiferhoi" als dem �auplquartier des Re- gierungsrats Hiller gewechselt werden, ist formell noch nicht beendet. Am srühen Dienstagnachinittag da: der Staatssekretär des Reichspräsidenten Dr. Äeisiner auf die brieflichen Fragen Hitlers gleichfalls brieflich geantwortet. selbstverständlich blieb alles„ganz geheim", nur der wesentliche Inhalt wurde in alle Welt vcr- breitet. Danach hat Meißner dem nationaljozia- listischen Aspiranten oui das Äanzleramt begreif- lich zu machen versucht, daß der Wunich des Reichspräsidenten dahin gehe, Hitler solle ver- suäten festzustellen, ob er eine t r a g f ä h i o e Regierung aus parlamentarische in Boden zusammenbekonnnl. Diese Regieruno wurde aber keines-alls eine nur parlamentarische sein, denn der Reichspräsident wünsche in bezug auf die Personen der neuen Minister, seinen Ein- fluß zu wahren. Besonders wünsche er, daß der R e i ch S w e h r m i n i st e r an«einer stelle bliebe und auch der gegenwärtige R c ich s- a u ß e n m i n i ft er nicht beseitigt werde, damit die schwebenden diplomatischen Verhandlungen nicht gestört würden. Die Antwort hör dem„Fichrer", der eine Well kommandieren will, so starkes Kopf- zerbrechen gemacht, daß er bis zum späten Abend mit seinem Entscheid noch nicht fertig war. Bielmehr hieß es, im„Äaiferhoj" fei eine Kommission, die unter anderem Frick, Göring und«troßer angehörten, damit beschästigt, der ablehnenden Antwort an den Reichspräsidenten eine Begründung zu geben, die Hitler nicht allzusehr blamiere. Darüber aber soll Einigkeit im Lager der Nazis herrschen, daß Hitler den Auftrag Hindeuburgs abzulehnen habe. D>ie Entscheidung aber soll— vor- läufig— endgültig erst am Mittwoch fallen und dann brieiliä) über die straße zum Reichs- kanzlerpalais hinübergereicht werden.� Es ist klar, daß der„grundsägliche Gegner des Parlamentarismus", der sich als der„Führer der Ratio»" feiern läßt, durch den halben Auftrag. vorzufühlen, ob er eine parlamentarische Regierung bilden könne, in eine peinliche Zwickmühle hineinmanövriert worden ist. Die erfahrenen Kulissenschieber aus dem Lager seines deutschnaiionalen Konkurrenten haben nicht ohne Erfolg gearbeitet. Ihnen kam es daraus an, den Oberosaf wieder einmal zu „entlarven" und in seiner politischen Hilf- l o s i g k e i t bloßzustellen. Das ist ihnen allem Anschein nach bis jetzt glücklich gelungen. Wenn die.Karte Hitler" nicht sticht, dann soll, so liegt es in dem Plane der Hugenbergcr, die„Z i• gurre K aas geraucht" werden. Da mau aber bei dem Zentrumsfllhrer mehr parlam entarisch« Erfahrung und p o- l i t i s ch e 5Z l u g h c i t voralissetzen darf, rechnen auch die Kulissenschieber damit, daß ein solcher Versuch mit dem Zenlrumssührer von vornherein scheitern würde Alsdann könnte sich das Kabinett der Barone als unentbehrliche Hilsstruppe für den Reichspräsidenten in empsehlende Erinnerung bringen, weil wieder einnial bewiesen sei, daß ohne sie keine Regierung zustande komme. An stelle einer„autoritären«taatssührung", die von der Vorsehung geschickt sein sollte, erleben wir jetzt täglich die Fortsetzung des„Kuhhandels", über den früher mit allen Zeichen des Entsetzens gescholten wurde. Rur daß man früher im Reichs- tag vertraulich verhandelte, heute aber den „Dualismus" zwischen Reichskanzlei und„Kaiser- hos" eingeführt hat. Der neue Tag wird neue Briese bringen! Der Bittgang auf Berlin Hitler in Hangen und Langen Am 13. August hatte Adolf Hitler vom Reichs- Präsidenten trotzig für sich die gleiche Macht ver- langt, wie sie Mussolini nach seinem Marsche auf Rom anheimgefallen sei. Der große Osaf hatte bei dieser Forderung eine ganze Kleinigkeit übersehen: daß nämlkch Mussolini seinerzeit den Marsch auf Rom tarsächlich ausgeführt hatte, er aber, Adolf Hitler, den Marsch aus Berlin nicht. Was bedeutete der Marsch auf Rom? — Die Kapitulation der staatlichen Macht vor den jaschistischen Banden. Hitler hat den Versuch, ob Reichswehr und Polizei vor ihm kapitulieren würden, nicht gewagt. Der Versuch einer ge- woltsamen faschistischen Erhebung ist am 3l. ßuii in terroristischen Teilaktionen steckengeblieben, wie in den jetzt abgeurteilten holsteinischen Spreng- stossottentaten. in der Königsberger Mordserie, in den schlesischen Terrorakten usw. Weniger bc- kannt ist, daß an einer Stelle sich wirklich ein zu- saminengezogener SA.-Trupp zum M a r s ch au s Berlin anschickte. Aber es genügte ein ernstes Wort des örtlichen Reichswehrkommandeurs, da- mit die Gesellschaft kleinlaut wieder nach Hause güig. Jedenfalls Hai ei» Marsch auf Berlin nicht st a t t g c s u n d e n, und bei den jetzigen Per- Handlungen zwischen dem Reichspräsidenten und Hitler ist auch von der Fiktion eines solchen Ereignisses nicht mehr die Rede. Im Gegenteil, je länger die Verhandlungen andauern, desto mehr nimmt Hitlers Aufenthalt in Berlin den Eharakter eines demütigen Bittgangs an. Daran können die krampfhafte»„Heil"- jchreiereien einiger hundert zusamnienkomman- vierter SA.-Leute vor dem 5laiserhos nichts ändern. Adolf Hitler hat zur Zeil das Aussehen eines artigen Schulknaben, dem der Lehrer eine schwie- rige Aufgabe zur häuslichen Bearbeitung mit- gegeben hat. Fleißig und ordentlich setzt der brave Knabe sich aus seine vier Buchstaben, um die Aufgabe zu lösen. Aber sie ist, ach, gar schwer, und so kehrt der artige Knabe noch einmal zurück und meldet:„Herr Lehrer, ich habe die Aufgabe noch nicht ganz verstanden, ich bitte, sie mir genau zu erklären." In gemessener Frist wird dem Knaben Adolf eine Erklärung der Aufgabe überreicht, und wie- derum brütet er über des Rätsels Lösung. Er allein schafft es nicht, Mutter, Onkel, Nachbars- söhn—— Verzeihung, der Stab der p o l i t i- s ch e n und volkswirtschaftlichen Be- r a t e r wird hinzugezogen. Da sitzen sie nun alle beieinander und brüten mit hochroten Köpfen über die Lösung der schwierigen Aufgabe. Schließ- lich einigt man sich dahin: man wird dem Herrn Lehrer ein längeres Memorandum überreichen des Inhalts, daß die Ausgabe falsch gestellt sei. Dem Publikum aber kommt derweilen die Sache schon leicht lächerlich vor. Sie paßt so gar nicht zu dem kraftmeiernden, schwadronierenden, stets in Heldenpose abgebildeten Führer der Haken- kreuzbewegung. Auch die engeren Anhänger sehen etwas verdutzt darein! Die Flut steigt wieder 156999 neue Arbeitslose im November Räch der vorübergehenden Besserung des Ar- beilsmorktes in den beiden vergangenen Monaten ist in der ersten Rovemberhälste bereits ein schwerer Rückschlag eingetreten. wie die Reichsanstalt meldet, stieg in der Zeit vom 1. bis 15. November die Zahl der bei den Arbeits- ämtern angemeldeten Arbeitslosen von 5 10? 020 auf 5 265 000 Personen. Die Zunahme der Arbeitslosigkeit deträgt also 156 000 Personen. Die Verschlechterung des Arbeilsmarkles beruht auf saisonmäßigen Einflüssen infolge des Eintritts winterlichen Welters. Es wird genug Gesundbeter gebe», die bei einem Vergleich der«teigc rung der Winterarbeitslosigkeit mit dem ver- gangenen Jahr für diesen Spätherbst eine beson- ders günstige Entwicklung herauslesen wollen. Und scheinbar geben ihnen die Ziffern recht. Die Lage aus dem Arbeitsmarkt entwickelte sich im Herbst 1931/32 wie folgt: Millionen Erwerbslose IM,>932 30. September... 4,33 5,10 31. Oktober.... 4.62 5,10 15. November... 4,64 5,26 Gewiß ist die Zahl der angemeldeten Erwerbslesen von Ende September bis Mitte November 1931 um 4&1000. in den vergangenen sechs Wochen aber nur um 164 000 Personen gestiegen. Aber einmal wird hierbei viel zu wenig berück- sichtigr, daß im Baugewerbe schon im August dieses Jahres 77,3 Pro;, der organisierten Arbeiter beschäftigungslos waren und in der gesamte n Saison gruppe 74,8 Pro; In diesem Spätherbst muhte also der Zustrom neuer Erwerbsloser aus den Sasionderufen von vornherein viel ge- ringer sein als im Jahre 1931, wo die Arbeits- los.gkeit in diesen Bernsen auch nicht annähernd einen so verheerenden Umfang angenommen hatte wie im vergangene» Sommer. Das aber ist bei der Beurteilung der Gesamt- läge auch noch nicht entscheidend. Was hatte das Kabinett der Barone unter eisrigem Rühren der Propagandatrommel vor einigen Mo- uaten bei Verkündung des Papenschcn Ankurbe- lungsprogramms alles prophezei»! Ändert- halb Millionen Erwerbslose sollten mit Hilfe der Steuergeschenke und Subventionen an die Unternehmer, die ganz abgesehen von den Agrarsuboentionen zwei Milliarden Mark er- reichen, wieder Arbeit finden. Und was ist daraus geworden� Im September und Oktober konnte die jahreszeitliche Verschlechterung gerade noch knapp überdeckt werden, und schon in den beiden ersten Novemberwochen erweist sich dieses „gigantische Wirtschostsprogramm" als so wir tungslos, daß über 150 000 neue Arbeitslose zu den Arbeitsämtern strömen. Wenn einige Industrien eine tatsächliche Besse- rung der Beschäftigung und des Absatzes auf- weisen, so hat auch diese kleine Teilbewegung nichts mir dem Papen-Programm zu tun. sondern diese Besserung stellt nur eine natürliche Entwick- liutg nach Ueb erwindung des Krisen- t i e s p u n k t e s dar. Aber auch diese teilweise Besserung bildet für den Arbeitsmarkt keine Stütze, wie die Novemberzifsern zeigen, denn zunächst gehen die besser beschästigten Werke dazu über, die Kurzarbeit, die auf den Lebensstandard der beschäftigten Arbeiter fast schon in dcmselbeu Maße drückt wie Arbeitslosigkeit, abzubauen. Wie aus politischem Gebiet hat das Papen-Kabi- nett, wie dieser trübe Novemberbericht der Reichs- anstatt zeigt, auch in der Wirtschaft ein einziges Trüminerfeld hinterlassen. Waffenschmuggel aus Holland Eigener Bericht des„Vorwärts" Köln, 22. November. In der Nähe von München-Gladbach wurde ein Personenkraftwagen gestellt, in dem sich 8 8 Pistolen befanden, die von Holland nach Deutschland eingeschtnuggelt worden waren. Die Schmuggler sind Mitglieder einer größeren Bande, die zum Teil berefts wegen Waffenschmuggels hinter Schloß und Riegel fitzt. Herrwt vor dem Sturz? �lan sucbt eine Gelegenheit V gierung im Rundfunk seines Amtes gewaltet: das Ergebnis seiner Tätigkeit ist ein organisa- torisches und kulturpolitische, Chaos! Was Erich Scholz dem Rundfunk sonst hiMerläht, ist ein gesinnungsgeniäßer Beamtenschub. Was wird aus seinen Männern in der Reichs- rundfunkgesellschaft werden, aus den Beumel- bürg, Stapelfeld und wie sie sonst heißen? Was aus seinen Gesinnungsfreunden bei den ein- zelnen Sendern, dem Dr. Franz Mariaux und Genossen? Es ist wahrscheinlich, daß ein Test von ihnen mit Erich Scholz von der Rundfunkbiihne verschwindet, nicht ohne entsprechende Entschädi- g u n g natürlich. Di« Etappe Scholz hat, geistig wie materiell, keinen geringen Preis gehabt; wir werden auch weiter dafür zu zahlen haben. Die Staatssekretärpension ist Erich Scholz sicher, der allerdings vorläufig einen aktiven Staats- f e k r e t ä r p o st e n als seinem Streben ent- sprechender anzusehen scheint. Sollte daraus nichts werden, so dürfte man in den Kreisen um Bracht nicht abgeneigt sein, Scholz zum Regierung s- Präsidenten zu machen. Vorläufig aber, wie /tektung! tcwtiicdtc BexicUsvöcslaML! Sitzung des erweiterten Bezirksvorstandes am Donnerstag, 24. November, abends pünktlich 7 Uhr, im Sitzungssaal des Bezirksverbandes Berlin, Lindenstr. 3, II. Hof, 2 Treppen. Wir bitten um vollzähliges und oünktliches Erscheinen. Der Bezirksvorstand. Der Preußenkommissar auf Abbau, Herr Bracht, der uns am Sonntag eine Zwangsaufloge für zwei Monate alt« Vorgänge aufdiktierte, hat gestern kurzerhand alle sozialdemokrati» schen Organe im rheinisch-westfäli- schen Verbreitungsgebiet, in Köln, Koblenz. Düsseldorf, Duisburg, Essen, Dortmund, Elberfeld. Hamm usw., für fünf Tage verboten. Fünf Tage lang die Stimme des Volkes in einem großen arbeiterreichen Bezirk erstickt! Warum? Droht dem Manne Gefahr? Ist zum gewaltsamen Aufstand aufgerufen? Zum Generalstreik? Zum Mieter- oder Steuerstreik? Oder zu Gewalttätig- leiten gegen Andersgesinnte, wie das auf der anderen Seite oft gegen die„Untermenschen" ge» schah? Nichts von alledem. Die Massenmaß- regelung erfolgte, weil Herr Brach» lich p e r s ö n- lich beleidigt fühlt. Beleidigt durch die offen- herzige Kritik der hervorragenden Rolle, die er bei der Hauptmann-Ehrung in Berlin gespielt hat. Ein großer, ein gerechter,»in erhabener Mann, der nichts von dem an sich hat. was man dem Preußenkönig Friedrich in seiner Behandlung der Gazetten nachsagte Gewiß, er kam schlecht weg bei einem Vergleich zwischen dem Geehrten — eben Gerhart Hauptmann— und dem„Ehrenden", der so taktvoll den Ministen» Braun und Grimme in die Arme siel. Die Welt hat sich dar- über ihr Urteil gebildet, daß Herr Bracht daran noch einmal zu erinnern wagt, ist mehr stark als klug. Wir können's verstehen, daß der Wortlaut der Ehrung, die Genosse Grimme gewählt, Ihm nicht gesiel. Sie galt dem großen Sohn« Preußen«, Gerhart Hauptmann, als Dank für fein Lebens- werk, in dem sich das Recht Bahn bricht gegen die Gewalt, der Geist gegen den Hochmut und die Seele gegen alles, was die Seele tötet. Di« Huldigung mag dem Schildträger der Preußen-Maßnahmen, dem Verkünder der Bade- Hosenverordnung, dem Reformator des Rundfunks und ähnlicher verdienstvoller Taten nicht angenehm in die Ohren geklungen haben, und wenn unser« rheinischen Bruderblätter diese Diskrepanz in eine gemeinverständlich« Sprache kleideten, so verstehen wir den Mißmut des Preußendiktators gut. Aber gesagt, geh«« desie« Wünsche höher hinaus. Zu- nächst ist er jedoch wieder als Ministerialrat in da» Ztsichsministersum Gays zurückgekehrt, und Gayl hat ihn für seine Riesenarbeit für die Funk- Verdeutschung besonderen Dank ausgesprochen. Einstweilen wird der Oberregierungsrat Tonrad als Funktommissar stellvertreten. FrieSensappellimGchulfunk Masaryk an die Schulkinder Der greise Präsident der tschechoslowakischen Re- publik. Th. G. Masaryk, hat im deutschen Schulfunk an Schulkinder— natürlich in deutscher Sprache— folgende Wort« gerichtet: .Liebe Schülerinnen und Schüler! Gewiß hat man euch zu Hause und in der Schule erzählt, w i e fürchterlich der Weltkrieg war. Viele Menschen sind gefallen. Vielleicht trauern auch bei euch Familien über den Verlust eines An- gehörigen. Wir leben jetzt seit 14 Jahren im Frieden. Nun müßt ihr keine Angst um euren Vater und den älteren Bruder haben, daß er im Kriege getötet werde oder verstümmelt zurück- komme. Bemühen wir uns alle, daß dieser glück- liche Fried« immer erhalten bleibe." Nach einer Ermahnung zu gegenseitiger Hilfe und Fürsorge schloß der Präsident mit den Worten:„Die Zeit darf nie wieder- k o m m e n, wo die Menschen zu Hunderttausenden in Schlachten dahinstarben, in Spitälern zugrunde gingen und als Krüppel noch Hause zurückkehrten, wo die Mütter mit schwerer Sorge um die Kinder besser« Nahrung auftreiben mußten und Tag und Nacht in Furcht um Bruder und Vater lebten. Versprecht mir. daß ihr jeden achten werdet, der ehrlich arbeitet, und jedes Volk, da» aufrichtig um die Erhaltung des Friedens bemüht sein wird." Die Reaktion in Senf h?ehr als 50 Untersuchungsgefangene Gens, 22. November. Am Dienstag ist der A l a r m z u st a n d des Genfer Jnfanterie-Regiments 3 und des Land- wehr-Botaillons 1i)Z, der seit dem Blutbad vom 9. November verfügt war, ausgehoben worden. In der Zwischenzeit hat der Untersuchungs- richter Dutzende von Teilnehmern an der antifaschistifck)«» Demonstration verhaften lassen. Mehr als 50 sehen zur Zeit im Gefängnis ihrer Aburteilung entgegen. Zum Bundesrichler für den erst in einigen Wochen zu erwartenden Monftreprozeh wurde der Präsident des neuen Kantonalgerichts Du Pasquier ernannt. deshalb die Keule des Verbots gegen elf Ar- beiterblätter? Deshalb die Erstickung des freien Wortes in einer Zeit, in der dies freie Wort nötiger Ist als je vorher? Herr Bracht soll sich nicht täuschen. Wir möchten in diesem Zusammenhange ein klassisches Wort nicht zitieren, das von den Gaben solcher Regie- rungsmethoden spricht, aber erinnern möchten wir daran, daß auch Herrn Popens freigiebige Zei- tungsverbote feine kanzlcrifche Herrlichkeit nicht haben verlängern können, auch der Oberbürger- meister von Essen wird sein neues Amt mit solchen Bajonettmethoden nicht sicherer gestalten. Der„Burgfrieden" verschließt der Kritik in öffentlichen Versammlungen den Mund, die Ver- bot« suchen die Presse zu knebeln— immer zu mit allen Ventilen, in denen ein gereiftes Volk feine Meinung äußern könnte Die Folgen werden sich ja zeigen, aber die„Beruhigung", die sich Herr Bracht von solcher grober Unterdrückung»- Politik verspricht, die wird sich so am raschesten in» Gegenteil verkehren. Es ist die Drrchensaat der Empörung, die solche Knebelungsversuche aufgehen lassen. Die Stimm« des Volkes wird stch noch laut Gehör verschaffen, wenn Herr Bracht längit in die Vergessenheit versunken ist, in die sein Her- rufer Papen eben zu verschwinden im Begrisf ist. Nebenbei sei noch darauf hingewiesen, daß gerade die verbotenen Zeitungen in der Zeit der Rheinlandbesetzung am unerschrockensten gegen da» fremde Gewaltregiment eingetreten sind, auch als bürgerliche Organe schon schlapp zu werden be- gannen. Herrn Bracht» Kollege, Oberbürgermeliter Jarres, hat da» vor aller Oeffentlichkeit festgestellt. Aber wie leicht wiegen Verdienst» um das deuticke Volt gegenüber einer vermeintlichen„Beleidigung" des Herrn Reichskommissars Bracht! Mühlsteine des Dienstwegs örachts schwerste Sorgen Die„Auflage", mit der am Sonntag der„Vor- wärts" durch den im Rücktrittezustand befindlichen Reichskommiffar Bracht dedacht wurde, hat m« h r als zwei Monat« gebraucht, um an chren Bestimmungsort zu kommen. Selbstverständlich hat dies« Art der verspäteten amtlichen Berlchti- ...........■■ i 1= Olden und Gontard In der weiteren Vernehmung des Rechts- anwalts Rudolf Olden wurde im B u l l« r- jahn-Prozeß die Niederschrift der Unterredung Gontarbs mit Olden im einzelnen durchgesprochen, ebsnso die im„Berliner Tageblatt" erfolgte Veröffentlichung. Der Zeuge Olden erklärt, er habe sich, als einige Zeit später durch eine Veröffentlichung in der„B. Z." die Tatsachen bekannt wurden, in der gröb- lich st en Weise durchHerrn o. Gontard getäuscht gefühlt, besonders durch da» Ab- leugnen der englischen Quelle. Dadurch sei das„Berliner Tageblatt" und die Oeffenttich- keit irregeführt worden. Bei der Gegenüberstellung der Zeugen Olden und v. Gontard macht der Vorsitzende den Zeugen v. Gontard darauf aufmerksam, daß er seine Aussagen unter Eid abgebe Der Zeuge o. Gontard erklärt dann, daß er nach der Verhaftung Bullerjahns Jahre hindurch in der unerhörtesten Weise von der Presse angegriffen worden sei. Um diese Angriffe abzustellen, habe er die Redaktion des„Berliner Tageblatts" auf- gesucht. Es habe ihm völlig fern gelegen, den Zeugen Olden irr« führen zu wollen. Vors.: Wer hat das Schriftstück ursprünglich aufgesetzt? Zeuge v. Gontard: Soviel ich weiß, Direktor Schweitzer und ich. Wir wollten damals, wie gesagt, gegen die fortgesetzten Presse- angriffe Front machen. Gontard bestreitet, andere, also namentlich auch englisch« Quellen, für seine Informationen in Abrede gestellt zu haben. Zeuge Old«n: Wenn Herr v. Gontard von einer anderen Quelle gesprochen hätte, so würde ich das unter keinen Umständen aus- gelassen haben, denn mein Bestreben war ja, die Oeffentlichkeit richtig zu informieren. �Vldersprechende Aussagen Zu diesem Fragenkomplex wird dann noch Direktor Schweitzer vernommen. Er be- kündet, daß nach seiner Ansicht Herr o. Gontard bei der Unterredung mit dem Zeugen Olden erklärt habe, aus eigener Wahrnehmung nichts zu wissen. Der Verdacht gegen Buller- jahn sei von Herren des Werke» aus- gegangen und diese hätten auch di« Untersuchung eingeleitet.„Soweit ich mich erinnere", erklärt der Zeuge,„ist auch von den Engländern ge» sprachen worden."— Am Nachmittag, als der gung In der Oeffentlichkeit das für Bracht pein- iichste Aufsehen errezt Deshalb läßt er jetzt„im Einvernehmen mit dem preußischen Iustizmmisterium" ssollte heißen: „Kommissar des Reichs" laut Hindsnburgs neuester Verordnung!) erklären, daß die Herrschasten gar nicht schneller arbeiten tonnten. Denn— man muh das wirklich ganz genießen: Ein« Entgegnung konnte er st erfolgen, nachdem vorher die Behauptungen des Rechts- anwalts Dr. Braun, welche sich auf die ver- schiedensten Vorgänge eines besonders umfang- reichen Prozesses und auf zahlreich« Prozeß- beteiligt« bezogen, eingehend nachge- prüft waren. Alsbald nach dem Erscheinen des Artikels im„Abend" hatte deshalb der Preußische Justizminister den Oberlandesgerichts- Präsidenten und den Generalstaatsamvalt in Breslau zum eiligen Bericht aufgefordert. Zur erschöpfenden Ausklärung der im einzelnen von dem Rechtsanwalt Dr. Braun erhobenen schwere» Vorwürfe war eine A n- h ä r u ng der beteiligten Beamten durch den Oberlandesgerichtspräsidenten und den General- staatsaichalt erforderlich. Nachdem diese d ie n st- l i ch e n Aeußerungen vorlagen, haben alsdann der Oberlandesgerichtspräsident und der Ge- neralstaatsanwalt in Breslau dem preußischen Justizmimster Bericht erstattet Der Bericht ergab, daß der Artikel de» Rechtsanwalts Dr. Braun in wesentlichen. Punkten Unrichtigkeiten enthielt. Das von dem Ergebnis der Nach- Prüfung alsbald verständigte Ministerium des Innern hat sofort im Jnteresie der Wahrung der Staatsautorität gegnüber den ungerecht- fertigten Angriffen des Rechtsanwalts Dr. Braun die Entgegnung veranlaßt. Wir geben auch dies« geistvolle Darlegung— die ausnahmsweise ohne Auslagezwang erfolgt— wieder. Denn die Leser haben da, Recht, sich über di«„grundsätzlich neue Staatsführung" und ihre Arb«it selbst ein Bild zu machen. Sie werden sich auch wirtlich nicht wundern, wenn zu Weihnachten etwa di« Berichtigung einer Meldung erscheint, die zur vergangenen Faschingszeit veröffentlicht wurde. Die Mühlen der Vorsehung mahlen lang- sam— auch in Zeiten des strapazierten Rundfunk»— und die Mühlen des Dienstweges zer- mahlen selbst den Ar.eiteeifer eines„Preußischen Minister», Kommissar, des Reichs". Artikel erschienen sei, Hab« ihm v. Gontard gesagt: Das ist ja ganz etwas anderes, als ich mit Olden besprochen hob«. Noch am selben Tage sei dann v. Gontard zu Rechteanwatt v. Berg gegangen. der dann die Deröffenttichung in der..B Z. am Mittag" veranlaßt«. Der Zeuge Olden bleibt bei seiner Dar« ftellung. Festgestellt wird dann noch, daß v. Gontard noch am Tage des Besuches in der Redaktion des„BT.", also am 3. Dezember 1923, in einer Zuschrift an Dr. Feder um eine Berichtigung und Ergänzung der im Abendblatt erfolgten Berösfentlichung ge- beten hat. Diese Berichtigung wurde von der Redaktion abgelehnt, da sie sich in der Hauptfach« auf eine Veröffentlichung eine« anderen Blattes bezog. Schlecht bewahrtes Geheimnis Als letzter Zeuge des Verhandlungstages wurde sodann Direktor L l n h o s f, Kaufmann in Berlin, vernommen, der mit einem Wiener Herrn Ende des Jahres 1924 im Wittenauer Werk der Bs.1 inKarlsruher Jndustrie-Werke war, um die Her- ftellung eines Vergasers zu besprechen. Dabei hat Direktor Hellwig ihm offen erklärt, die Werke seien auf die H e r st e l l u n g von Waffen ein- gerichtet. Im Anschluß an die Unterredung zeigte Direktor Dellwig einen Teil de» Werkes. Dabei sahen wir hinter einem Lattenverschlag, im übrigen aber offen und nicht verstellt, so daß jeder ohne weiteres Einblick hatte, Ttahlknüppel für schwere Maschinegewehre. Wenn ich mich recht erinnere, vielleicht 2C00 Stück. Ich fragte Hellwig:„Dürfen Sie denn die hier lagern?" Cr antwortete, daß die Interalliierte Militär- kontrollkommisston diese Knüppel übersehen oder vergessen hätte und fügt« noch hinzu, daß die Kam- m'isswn, wenn sie die Stahlknüppel beanstanden wolle, diese dem Werk abkaufen könne. Ich hatte die unangenehme Vorstellung, daß das, was ein Betriebegeheimnis war, nicht sorg- fältig genug aufbewahrt wurde. Der Besuch fand zwischen dem 1. und 7. November 1924 statt.— Aus eine Frage des Verteidigers wird festgestellt, daß sowohl der Zeuge, als auch der Wiener Herr dem Betrieb vollständig fremd waren und daß es sich bei beiden Herren um den ersten Besuch im Werk handelte. Hierauf wird die Verhandlung auf Donnerstag- vormittag vertagt. Der M ltwoch bleibt figungs- fri. Es sollen am Donnerstag die noch ausstehenden Zeugen vernommen werden. Die Vernehmung des Zeugen v. Gontard gilt als beendigt, so daß er endgültig entlasten wurde. DerÄeuge, der nicht genannt war Aber ein Zuchthausurteil erwirkte Preußen- rechtloses Land Die Schuld der Deutschnationalen Die regierungsfähige Partei „Zwei Reichstagsabgeordnete der NSDAP, möchten Herrn Präsidenten sprechen."—„Ah, wohl als Unterhändler des Herrn Hitler?" „Nicht durchaus. Sind vielmehr soeben wegen Bombenattentaten zu Zuchthaus verurteilt worden und bitten Herrn Präsidenten uro Begnadigung." Der Hauptausschuß des Preußischen Landtags trat am Dienstag nachmittag zu- sammsn. um den Ber.cht seines zur Borberatung von Anträgen zur Derwaltungsresorm und über «Sparmaßnahmen eingesetzten Unterausschusses ent> gegenzunehmen. Zur Beratung der Anträge war es im Unterausschuß bekanntlich nicht gekommen. da die Regierung nicht vertreten war Zur Sitzung des chauptausschusse» war nun- mehr für die Regierung Braun Mini- steriaidirektor Dr. Brecht erschienen. Außerdem nahmen Sachbearbeiter aus den einzelnen Mini- sterien an der Sitzung teil. Der Borsitzende Abg. hinNer slkatsoz.) wie» auf die vom Unterausschuß gefaßte Entschließung hin. in der das Erscheinen von Ministxrn oder bevollmächtigten Vertretern verlangt wurde. Ministerpräsident Braun habe aus Anfrage seine Bereitwilligkeit erklärt,»ach Erledigung der Amtszimmersrage vor dem Landtag und seinen Ausschüssen zu erscheinen. Ministerialrat Dr. Brecht äußerte sich über den gegenwärtigen Stand de» Konfliktes zwischen Preußen und dem Reich. Die Regierung verlange, daß r e st l o» die Konsequenz au» der Entscheidung de» Staats- gerichtshose» gezogen werde. E» Handel« sich aber dabei nicht nur um Fragen der Würde, sondern auch der Praxi». Diesem Erfordernis entspreche die neue Verordnung de» Reichspräsidenten nicht. Die Regierung Braun bedürfe zur Erfüllung ihrer Aufgaben auch de» Verwaltungsavparates, der ihr aber noch vor- enthalten werde. Abg. Diel(Ztr.) erklärt«, daß die Ausgaben des Landtags nur durch verständnisvolles Zu- sammenarbeiten mit der Exekutive erfüllt werden könnten. Die Boraussetzung für«ine derartig« Zusammenarbeit lieg« aber gegenwärtig nicht vor. Die Deutschnationalen hätten schuld, daß Preußen ein rechtlose» Land geworden sei. Die vorliegenden Anträge des Zentrums können nur in einem Unterausschuß beraten werden. Abg. Borck(Dnat.) trat den Angriffen des Vorredner» auf die Deutschnationalen entgegen. Genf, 28. November. Am Dienstag fanden zwischen den Vertretern der Troßmächte mehrere Besprechungen über die Behandlung der deutschen Gleich- berechtigungsforderung statt. Es scheint sich die Ueberzeugung herauszubilden, daß die drei großen Fragen der Gleichberechtigung. der Sicherheit und der praktischen ersten Rüstungsherabsetzung nicht getrennt vonemander behandelt«erden können. Man sucht bereits eine Formel, in der Deutschlands Gleich- berechtigung bei allen kommenden Verhandlungen über Organisation der Sicherheit und Rüstung»- beschränkung gewahrt werden soll. Unterdessen verlautet, daß die deutsche Regierung über«in« solch» Anerkennung hinaus noch gewiss« G a- rantien für die Gestaltung der praktischen Ab- rüstung verlangt. Wie steht Frankreich zum englischen Vorschlag? Dazu berichtet noch die.Telegraphen-Umon" aus Genf: Auf deutscher Seite wird die Lage am Dienstag- abend dahin beurteilt, daß trotz zahlreicher Be- denken der Vorschlag der englischen Regierung in der Gleichberechtigungssrage den W e g f ü r w e i- tere Verhandlungen offen lasse. Auch auf amerikanischer und italienischer Seite betont Umstellung in den Vereinigten Staaten Eigener Bericht de»„Vorwärts" Jtem gork. 22. November. Der gegenwärtig in Cincinnali lagende Kongreß des amerikan scheu Gewerkschaftobundes steht im Zeichen der Arbeitslosenversicherung. Der Vorstandsbericht fordert neben einer durchgreifenden Arbeitszeitverkürzung und Notstandsarbeiten ein Versicherung szstem unter eiazelstaatlicher Kontrolle, dessen Kosten au- schließ- lich vom Unternehmertum get-agen werden sollen. Die Exekutive hebt den Wechsel gegen- über der bisherigen Haltung her- vor, der durch da» Versagen der privatwirt- schasl und durch die Nichtbeachtung der gewerk- schaklllchen Warnungen erzwungen wurde. Die Exckut ve schlägt eine dreiprozenlige Winde st abgäbe der Industrie zu dem Versicherungsfonds vor. Die Mitgliedschaft des Gewerkschastsbunde» ist im letzten Iahre von 2 823 000 auf 2 532 000 zurückgegangen. Die Deutschnationalen seien von dem jetzigen Zu» stand auch nicht begeistert. Im«» erhin sei die jetzige kommissarische Regierung der Regierung Braun-Sevcring mit Unterstützung de» Zentrum» oorzuliehen. Abg. Dr. Hamburger(Soz.) war der Ansicht, daß die Rejchsregierung nach dem Leipziger Urteil dem Reichspräsidenten die Aufhebung sei- ner Verordnung vom 20. Juli und dem Erlaß einer neuen Verordnung hätte empfehlen sollen, die dem Urteil entsprach. Die neue Ver- ordnung vom 18. November verstoße gegen das Leipziger Urt'il. A. g. Diel(Z.) trat den Ausführungen de» Abg. Borck(Dnat.) entgegen und bat Ministerialdirek- tor Brecht, sich auch noch über eine etwaige neue Klage beim Staatsgerichtshos zu äußern. Minlsterialdireklor Brecht erwiderte, e» sei schwer, im gegenwärtigen Augenblick zu der Frage einer neuen Klag« Stellung zu nehmen. weil dies von der Entwicklung der politischen Verhältnisse in der nächsten Zeit abhänge. Das Staatsministerium stehe jedenfalls auf den Stand- punkt, daß es seine Recht« nach jeder Richtung hin zu verfechten verpflichtet sei. Die Aufrecht- erhallung der Verordnung vom 20. Juli sei UN- erträglich. Er halte im übrigen eine neue klage beim Staatsgerichtshos für absolut aussichtsreich. Abg. Iürgenseu(Soz.) griff die Nationalsozia- listen an, die sich scheuten, zu den jetzigen Zuständen Stellung zu nehmen. Abg. HInkler(Nsoz.) betonte demgegenüber, daß die Nationalsozialisten selbstverständlich mit den jetzigen Zuständen nicht einverstan» den seien. Nach kurzer Geschäftsordnungsaussprache wur- den die aus der Tagesordnung stehenden Anträge zur Verwaltungsreform und über Sparmahnah- msn nochmals an den Unterausschuh verwiesen. Im übrigen beschäftigte sich der hauptourschuß mit den Nachweisungen über die der Gen«hmi- gung des Ausschusses unterliegenden Haushalts- Überschreitungen, die bereits in einem Unterau,- schuh vorberatcn sind. Aus dessen Antrag wurde die Genehmigung erteilt. man. daß die Verhandlungen in Genf zunächst auf der Grundlage des englischen Dorschlage, wester sortgesegl werden müssen. Die Hauptfrag«, die Stellungnahme Frankreich», bleibt je- doch vorläufig offen. Auf deutscher Seite erklärt man, daß hie s r a n z ö s i j ch e Regierung nunmehr eindeutig und klaj: zu der deutschen Gleichberechti- gungsforderung Stellung nehmen müsse, und daß von dieser Stellungnahme der Ausgang der Ver- Handlungen abhängig sei. Ob und wann direkte Besprechungen zwischen den Vertretern Deutsch» lande und Frankreichs in Genf stattfinden werden, ist nach deutscher Beurtellung zur Zest noch nicht zu übersehen, insbesondere, da bisher keinerlei end- gültige Mitteilung über das Eintreffen Herriots Sofia. 22. November. Die in den letzten Wochen ousgelauchlen Gerüchte, daß der Exkönig Ferdinand, der zur Zeit in koburg lebt, seine Rückkehr nach Bulgarien betreibe, wo er al»„Privatmann- feinen Lebensabend in der Nähe seines Sohnes Boris, des derzeitigen König, von Bulgarien, verbringen wolle, behaupten sich immer hartnäckiger. Die Ankunft des langjährigen Adjutanten Ferdinands, General Gantscheff, in Sofia hat diesen Gerüchten neue Nahrung gegeben, zumal bekannt geworden ist, daß Gantschefs bei der stärksten Regierungspartei, der Bauernpartei, ein willigere» Ohr für die Pläne seines Austraggebers gesunden hat. E» bleibt abzuwarten, ob dieser Schachzug von Erfolg sein wird. Es wäre fast ein Witz der Weltgeschichte, wenn die Bauernpartei, die Ferdinand nach dem Zusammenbruch von 19lS zur Abdankung zwang und des Landes verwies, ihm jetzt die Rückkehr wieder ermöglichen würde. Die Erklärung des Miniflerprä'ldenten wuscha- noff, daß sich die Regierung zur Zeit mit größeren Sorgen als der Frage der Rückkehr des ehemaligen Königs zu befassen habe, ist mit Mißtrauen ausgenommen worden. Zm„Narod" wendet sich der Vorsitzende der sozialistischen Sobranjesraklion, Pastuchosf, in scharfen Worten gegen eine Rückkehr Ferdinand,. Es ist gewiß kein Zufall, schreibt Pastuchoss, daß in Verbindung mit den monarchistischen Strömungen und Treibereien in Mitteleuropa auch Ferdinand seine Zeil für ge- kommen hält, sich dem bulgarischen Volke als un- geladener Gast aufzudrängen. Aber Ferdinand vorkiegt. In den nächsten Tagen werden Verhand- langen zwischen den Vertretern Deutschlands und Italien» stattsinden. Der von amerikanischer Seit« stark unterstützte Plan der Fünfmächteberatungen spielt jetzt eine erhebliche Rolle. Die Voraus- segungen für ein« Fünfmächtezusammenkunst werden insbesondere aus deutscher Seile als n o ch nicht genügend giklärt angesehen, da die Stellungnahm« der französischen Regierung aussteht. Gin Eprengstoffprozeß Kommunisten vor dem Sondergericht Dortmund. 22. November. Am Montag begann vor dem Dortmunder Sondergericht der Prozeß gegen 13 Ange- hörige der Kommunistischen Partei. denen die Anklag« vorwirft, einer geheimen und staatsfeindlichen Verbindung anzugehören und sich des Gebrauch, von Sprengstoffen in verbrecherischer und gemeingefährlicher Hinsicht schuldig gemacht zu hoben. DI« Angeklagt»» ge> horten geheimen Gruppen der KPD. und pe» Kampfbunde» gegen den yaschi»mu» an und sollten bei Ausbruch de» im Herbst 19?1 von der KPD. erwarteten Streik» in Tätigkeit treten. Einige von ihnen wurden in Bönen von Oberlandjägern an- gehalten und nach Massen durchsucht. Dabei fand man bei einem der Festgenommenen zwei selbst- gefertigte Sprengbomben. Es wurde festgestellt. daß der Sprengstoff aus dem Lager des Zement- Werkes Westfalen in Geseke stammte und dort vor kurzer Zest gestohlen worden war. Es gelang den Angeklagten, sich in Lipstadt einen Teil des Sprengstoffes zu beschaffen. In der Wohnung de» Angeklagten Maga» in Bockum wurden dann dar». aus die Domben hergestellt. Die Polizei tonnte einen Teil des Sprengstofses, der von den Ange- existieri für dos bulgarische Volk nicht mehr. E» will ihn niemals wieder in seiner Mitte haben. Pastuchofs fordert den Minislerpräsidenten schließ- lich auf, eine klare hallung einzunehmen, die er Volk und Staat schulde. «Zuchthaus gegen die Presse Sofia, 22. November. Di« Regierung beabsichtigt, das Pressegesetz gründlich zu ändern, wogegen die Presse leidenschaftlich protestiert, wenn auch der Minister- Präsident erklärt, daß sich da» Gesetz hauptsächlich gegen die Pressehetze her K o m m u n i st e n richten werde. Man befürchtet, daß die neuen B e st i m- mungen jeder Regierung die Handhabe zur Verfolgung der Oppositwnspresse geben werden. So ist beabsichtigt, mit Zuchthaus falsche und wahre Nachrichten über Personen und Staatsbe- Hörden zu bestrafen, wenn diese Behörden nicht mit Namen genannt werden. Ueberhaupt wird für die m e i st e n Pressevergehen als Strafe ausschließ- lich Zuchthaus bis zu fünf Jahren. nebst üblichen Geldstrafen vorgesehen. Besonders scharf sind die Strafbestimmungen gegen Porno- graphie, Religionslästerung, Nach- richten über Trupp«nbewegungen, mili- tärische Vorbereitungen und Befestigungen. Mittei- lungen über geheime Parlaments- s i tz u n g e n, sowie die Veröffentlichung von Nach- richten, die durch die Militärzensur verboten worden sind. klagten zwischen den Orten Herringen und Bockum versteckt worden war, sicherstellen. In der Dienstagoerhandlung blieb der Ange- klagte Magas bei seinen Aussagen, daß er mit der Granatenher st ellung und dem Per- bergen des Srengstosfes nicht« zu t u n habe und widerrief seine srüheren Darstellun- gen. die sich aus etwa 20 Vernehmungen ergaben und teilweise won ihm selbst unterschrieben sind, in vollem Umfange. Di« Zeugenaussagen sind jedoch sür Magas sehr belastend. Sekretär Hagemann, der wiederholt die Angeklagten vernommen hat, bestätigte die früheren Aussagen Magas, daß ihm der Sprengstoff von Anders und Hader gebracht worden sei. Anders und Hader seien auch von Gionker als Transporteure des Sprengswlse» be- zeichnet worden. Komnüslar Dickmannshenk» be- stätigt« die Angaben, die Maga» über die Ge- heimorganisation und die Terror- g r u p p en gemacht hat. Dem Zeugen erschien die Angst de» Magas. daß er im Falle be» Verrat» von der Partei erledigt würde, durchaus«cht. Heut« bestätigte auch Magas den Ausspruch:„Faßt Gipnter, und Ihr habt alles!" Kommissar Reh- selh-Dyrtmund erklärte zur Frag» der Geheim- organisatipn. daß Gionker solch« nicht oerleupnel habe. Er habe ausführlich mit diefsm über dsn Aufgabenkreis disser Organisation gesprochen. Bei einem Umsturz sollten die Orgonisalionemitglieher Polizeistellen vertreten, Polizeipräsidien besetzen usip. Aehnliche Gruppen dieser Organisationen sol- len nach Aussage der Angeklagten auch an anderen Orten bestehen. Trotzkt gegen Stalin Interview in Marseille. Pari». 22. November. Leo Trotzki ist mit Frau und Sohn unter schärfster Bewachung— wohl zu seinem Schutz gegen weihgardistische Racheakte— von Marseille im Auto nach Lyon, dann im Zug nach Pari» und alsbald weiter nach Dünkirchen ge» bracht worden, um zu Schiff die weite Vortrags» reise nach Kopenhagen fortzusetzen. Dort wird er deutsch zu den sozialistischen Studenten sprechen, die ihn eingeladen haben. In Mar» setlle ist es dem Sonderberichterstatter des „Petit Journal" gelungen, mit Trotzki einige Worte zu wechseln. Der Berichterstatter führte sich dadurch«in, daß er erklärte, er kenne Frau Kamenew, die Schwester Trotzkis. Trotzki erklärte darauf ziem- lich trocken, er unterhalte mit der Familie Kamenew keine Beziehungen. Auf die Be- mertung: Ist Kamenew nicht gegenwärtig in Ruß- land v e r h a s t e t? antwortete Trotzki, er wisse da» nicht, er wisse nur, daß Kamenew ihn vor drei Jahren im Stich gelassen habe. Ueber seine Meinung von der Gegenwart be- fragt, antwortete Trotzki, es gebe in der Welt eine revolutionäre Situation und revolutionäre Par- teien, die daraus keinen Nutzen zu ziehen wüßten. Stalin habe aus den Internationalismus ver- zlchlet, obwohl gerade die Weltkrise dem Triumph dieses Gedankens günstig sei. Dies fei Stalins großer historischer Zehler. Thomas von Aquino habe den Satz aufgestellt, daß es nur einen einzigen Fehler gebe, den man nicht verzeihen dürfe, nämlich die Dummheit. Dieses Fehlers beschuldigt Trotzki Stalin. Ueber den zweiten Fünfsahrplan befragt, er- klärte Trotzki, er werde seine Ansichten hierüber in einem Buch, das bald erscheinen werde, nieder» legen. Die Wahlen in Katalonien haben einen über- wältigenden Sieg der Partei des regierenden Obersten Macia ergeben, der für weitestgehende Selbstverwaltung Kataloniens eintritt und 69 von insgesamt 87 Sitzen erhielt. Neuraths Genfer Gespräche .*Um die Ruckkehr Deutschlands in die Abrüstungskonferenz Er will nach Bulgarien zurückkehren— Sozialistischer Protest 'Die dreiGeseilen derMathilde Rehfot Ein märkischer Roman von Wilhelm Kotzde- Kotten- C roth. Eleg, leinenbd. 326 Seiten W Das galante Sachsen von Karl Ludw. v. Pöllnitz. In neuer Uebertragung von Otto Brandt. 332 Seiten mit 24 Bildern. Leinenband. 4| 0h Früher 9,50................ jetzt lf■JU Die elegante Frau Eine Sitten. Schilderung vom Rokoko bis zur Gegenwart. Von Gertrude Aretz. 400 Seiten starker eleganter Leinenband mit 63 Licht- M O A drucktafeln. 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Niebelschütz, Der Engel vom Woldhof(M.) Niebelschütz, Rosen aus Dornen(M.) Wildermuth, Emmas Pilgerfahrt Henning, Die Kinder von Hohenlinden Neumann, Der Gefangene des Sultans Bass, Heldentaten aus dem Krieg 1914 15 Dasselbe, brosdi., früher 24,00, jetzt 2,50 'Berge im Schnee Das winterbuch von Luis Trenker. 128 Seiten mit 190 Bildern in Kupfertiefdruck. Eleg. A OA Leinenband...................."yfOV Friedrich Hölderlin.Sämtliche Briefe, herausgegeben v. FranzZinker- nagel. 547S. Liebnaberausg., in OA eleg.Holblederb. Fr. 12,00, jetzt"FfO w Die verliebte Mode Von Fred A. C o I m o n. Mit farbigen Bildern von Christophe, Finefti, Schneider. Kainer, Scheurich, Trier. 198 Seiten mit vielen Textillustrationen von Diilenc. AC Gebunden. Früher 12,00, jetzt V, Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm. Gesamtausgabe. 798 Seiten mit 42 ganzseitigen Abbildungen von Harry Rothsiegel. 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Leinenband, nur Av Besonnte Carl Ludw. Schlei FMIL LllDWia Gesammelte Schriften Sm fVl I!■ Im Vw V« I\7 in Rowohltschen Originalausgaben 5 Vergangenheit},e8 ich. Grosse Ausgabe m eleg. Leinenbd. Früh. benserinnerungen (1859-1919. von A©K "10,50, jetzt 46«09 ;'''A--.-'Or'," � Vi � jj.- Volksausgabe. Früher 3,75, jetzt IfdO Am Mittelmeer Mit 2i~Biidtofein. 231 Seiten. Leinenband. A AA Früher 10,00............. jetzt 4C«W Der Menschensohn(Geschichte eines Propheten). 45 Bildtafeln. A AA 273 S. Leinenbd. Früh. 9,50, jetzt Juli 14 Kartoniert. 246 Seiten. A AC Früher 3,80............... jetzt Wf«rw Zwei Romane M««r«»ttiii«(332 s.;. Diana(287 Seiten). Jeder Band<8 j4C in Leinen. Früher 6,50, jetzt je I Bismarck(Geschichte eines Kämpfers).| Mit 21 Bildtafeln. 704 Seiten. A O C Leinenband. Früher 16,00, jetzt Genie und Charakter� vitmnd. tafeln. 286 Seiten. Leinenbend. A A ff? Früher 10,00.............. jetzt Lincoln Mi) 12 Bildtafeln.«95 5. M O E Leinenbond. Früher 14,00, jetzt ginoiausgt Geschenke des Lebens(Ein Rückblick). Mi« 12 Bildtafeln. 872 Seil. CD«E Leinenband. Früher 16,00, jetzt dfeiyA� Michelangelo Mit i« Bildtafeln. 152 Seiten. Leinenbond. A AA Früher 10,00.............. jetzt u*y VV Kunst und Schicksal; Rembrandt, Beethoven, Weber und Balzac). Mit 8 Bildtafeln. Leinenband. A AA ..... jetzt Früher 10,00. Mittwoch, den V November staatsoper unter den Linden 19V. Uhr Der Rosenkavalier staatliches scnauspieiftaus 20 Uhr Was ihr wollt Merkur 9901 Täglich 8V» Uhr Hans Albers Liliom Theater des Westens Steinpl. 5121 Täglich SV. Uhr Dir Stnsitiiuerfolj Katharina WintQr ■ Garten• DUItrlS. Flors 3434. flsudien erlaubt. Birkmeyer und sein Wiener Ballett 3 Arconas, 2 Burley's Hans Kolischer, 10 Brox. Yra&, Ottare usw. $lädl.0per Charlottenburu Fraunhofer 0231 Mittwoch, 23. Nov. 20 Uhr Turnus II Ncuciiuhjdieraiig „Martha44 Ivogün, Ruziczkaa G.. Patakv. Andresen, Hezel. Dirigent: Ladwig Sc h i II er Bismarckstr.(Kalo Steinpl.(CD 6715 «14 Uhr Robert und Bertram Ulfni!mr, Frlh Hin*. Smn Smimd Sonntag nachm. 3>- Uhr Rotiert oml Bertrem Preis 0 40 bis!.00 T h e 3 h KomOdientiaus | SchlMbau.rdamm 23 (ö! WeMnd.«304—05 Bis Donnerstag täglich 8 Uhr Gestern und Heute Freitag. TVa Uhr! Erstaufführung 1 Kasimir und Karolinc r- Theater I d.-, Stresemannstr. | Täglich SV« Uhr U M rr Bernard Shaw Moissi, v Theli mann, Bertens, Evans.O«o,Sima, Wiemann. Deppe, de Kowa. TBgl, 5U. 81.Uhr BUSTtR WEST CONCELLOS MM A001BEST FRITZ OHORBAUM in*. «ihr Sthln. BW. 1».B». Stgs. 2, 5. fl15 U. E 7 WtiAul 4031 Die Bajadere Deutsches Theater Weidend. 5201 Täglich 8 Uhr und Sonntag 4 U. Prinz WM von Hing Inszeuierung: Max Reinhardt Kammerspiele Täglich 8 Uhr Midiael Krämer von Berbart Haupiniann Klopfer, Meizer, Tricsch.v Fialen. Kaiser, Liebeneiner metropoi-itieaier I Täglich SV. Uhr 1 Sri* Massary Im eine Etao, die weit, I was sie will! VOLKSBÜHNE Theater am Bfilewpiatz O 1, Norden 1944. Täglich 8(4 Uhr C A M M V von Marcel Pagnoi ■ M le MM T Deutsch von Bruno Frank— Regie: Heinz Hilpert Dorsch, Tiedtkc, Valetti, Siedel, Ver- hoeven, Stein, Almas id Sonnt, nachm. 3 Uhr bill. Preise vuvhr GASinO- THEATER»'/.vd. Lothringer Sirahe 37. iiiiiiiiioiiiiiioliiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiniituiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiton Aach Sonntag 4 Uhr Nur noch wenige Aufführungen DiG LieHe Ulülit in Worilßr Volksstück mit Gesang und Tanz Für die Leser Gutschein I— 4 Personen, Parkett 0.50, Fauteuil 0.75, Sessel 1.25 M. SÄ Kabarett für Alle 4 Uhr T kalten 2* 9 Uhr Du seautioiullt Zaharelt- Programm Abendpreise 1— Z ML Nachm. Grdrck 1,25 3«4«n Bonnabona IIHUhr: Nachtwatalkim Restaurant Berlins BETRIEB*«h K£MP1HSI(11.5 C€ym/tla Weihnachts- Preisausschreiben 54. Bln. Aufgabe: Wo» für ein unentbehrliches, sonsf leicht sichtbares Bedienungsorgan fehlt an der nebenstehend abgebildeten Olympia-Schreibmaschine? Preise: 1 Olympia Standard Schreibmaschine. 5 Olympia Kleinschreibmaschinen 10„Mignon" Universal- Schreibmaschinen. 20„Europa" Stühle m. fed. drehb. Sitz und fed. verstellb. Rückenlehne. Bodingungon: Teilnohmebcrcdtfigf ist jeder Reichs- deutsche mit Ausnahme der Angehörigen der Sdireibmasdiinen- branche. Die Lösung ist auf eine Postkarte, die mit Namen und Adresse des Absenders versehen sein muß, bis cum 30. 11. 1932, mittags 12 Uhr, an die Propoganda-Abt. der Europb Schreibmaschinen A.G., Erfurt Mainzerhofplatz 13, einzusenden. Das Preisgericht besteht aus den Herren: Justizrat Wcigelt, Notar, Erfurt, Dr. Erdelen und Curt Werk, Erfurt. Die Preise werden unter Aufsicht des genannten Notars aus den eingegangenen richtigen Lösungen ausgelost. Die Entscheidung des Preisrichters ist unanfechtbar. Europa Schreibmaschinen A.G., Erfurt. E WINNE 1tn weihna<;htslos = IM WEÖfE VON 450 OOO mk. ZIEHUNG; 20.a 21 DEZ 1932 ARBEITER-WOHLFAHRT WEIHNACHTSLOTTERIE Lose zu haben: Bei den Kreisleiterinnen der Arbeiterwohlfahrt, Verkaufsstellen der Konsum-Genossenschaft, Vorwärtsfilialen, Wertheim, Singer und Hermann Tietz Deutsches Künstler-Th Nürnberger Str. Tägl. SV» Uhr Die Nacht zum IT.April mit Leopoldine Konstantin Schroth, Steinbeck. Gebühr lessing-itieater Täglich 8'/. Uhr: GreteMosheira Oskar Horaolka in Pygmalion Stettiner Sänger Reichshalleu-Theater 8.15 Sonntag 3.30 zu ermäBigten Preisen. meiodie des GlücHs und das November-Programm B. B. B. Bendows Bunte Böhne Kottbusscr Straße 6 Obcrbanm 3300 früher„Elite- Sänger" .HltrftOonen Familien Kaflce koctieo' TjLSUÖ Sonnt. Badjfr.lV; Preise von 50 Pf. an Kose- iheater Bnlii Frinkigrtit Sinti 132 Iii. Wiiim' E 1 342! 3,13, 8�0 Uhr Der Zigeunerbaron SjBl JUERGENS C Am Montag, dem 21 NovemDcr, abends It>>, Uhr. ist mein lieber Mann. Vater und Schwiegervater Wilhelm Spädtke im Alter von 49 Jahren für immer von uns gegangen. Neukölln. Erkstr. 13, v. III. In tiefer Trauer: Martha Spädtke, Witwe Hedwig Wegner, Tochter Paul Wegner, Schwiegersohn Die Trauerfeier findet am Freitag, dem 25 November. 17Vt Uhr. im Krematorium Baumschulenweg. Kiefholzstraße. stau Alexanderplatz Neue Konigetr.AS Eilt! Eilt I 20 Mark Belohnung zahle demjenigen dermirschnellstens die je Z.Adresse des Schlossers Hermann Keiser aus Hannovei mit' (jilt Nachriehl er- ibeten an Gäsiw.it Allred Wienand, Hannover, Vatnen- u�lder Strafle 11 IMer Mgtallar'Deiter-Verliaoii . Vet waltungsstellc Berlin Todes-Anzelge Äen Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Güriler Paul Zerbst Beb. 29 November 1870, am 21. November aeftorbm ift. Ehre'dann Ändenfen! Sie Beerb, punp Rubel om Freitoo dem 25 Nooemner, il Uhr. von de, Sieidnnhaile bes ötäbtilthen.«rieb- Iwicb in Ntuiölln, SoM eb» Tunket. 5;tcpc. aus statt. Nfflt BeletlißunB crmartet CHe Orl.verwaltuog. ERSTE BEILAGE Mittwoch, 23. Nov. 1932 Vom Erziehungshaus ins Gefängnis! Sparmaßnahmen auf Kosten der Jugend— Die„Reform" der Fürsorgeerziehung Der„vorwärts" ha! schon mehrfach jene Rot- Verordnung über die„Reform der Z ü r- sorgeerziehung" als falsche Sparmaßnahme aus kosten der Zugend angeprangert. Gestern veröffentlichten wir den Rotschrei einiger Für- forgezöglinge, der die tiefe Leunruhigung zeigte. die unter den in Aürsorge stehenden Zugendlichen ausgebrochen ist, weil noch der Rolverordnung plötzlich die Fürsorgeerziehung mit der Dollendung des IS. tebensjahres endigen sollte. Zn Berlin hätten lllllll Minderjährige aus die Straße geseht werden müssen. Znzwischen ist jedoch eine Cr- gänzungsverordnung des Reiches angekündigt worden, wonach die Tntlossung der Reunzehn- jährigen bis zum 1. April lSZZ aufgeschoben wer- den soll. In einer Pressekonferenz im Rathaus äußerte sich gestern Direktor R a k e, der Leiter des städtischen Fürsorgeerziehungswesens über die Auswirkungen der Notverordnung. Direktor Rake betonte, daß die Notoerordnung sehr über- r a s ch e n d gekommen sei und die Fürsorge- erziehung vor eine schwierige Aufgabe gestellt habe. Um«ine Entlassung derjenigen Jugendlichen zu vermeiden, die sich gegenwärtig in einem Lehr- oder Arbeitsverhältnis bcsinden, will die Stadt von der Vorschrift der Notver- ordnung Gebrauch machen, nach der dos Vor- mundschaftsgericht auf Antrag der Fürsorge- erziehungsbehörde die Fürsorgeerziehung über dos 19. Lebensjahr hinaus bis zur Volljährigkeit ver- längern kann. Die Stadt Berlin nehme am 1. Dezember dieses Jahres eine Neuorganisation der Verteilungsstelle für schulentlassene männliche Jugendliche vor, die von L i n d e n h o s noch Struweshof verlegt werde. Leiter sei ein cheilpädagoge, dem der hauptamtlich tätige Psq- chiater zur Seite stehe. Diese Neuorganisation ermögliche die Aufstellung eines Erziehung?- Plans für Jugendliche unter Verwertung der Ersahrungen der Jugendämter. Der Redner wies dann auf eine andere Be- stimmung der Notverordnung hin, nach der Schwer- und Unerziehbare, bei denen geistige oder seelische Anormalitälen vorliegen, aus der Fürsorgeerziehung enllassen werden, hier handele es sich hauptsächlich um schwachsinnige und schwer psychopalhische Zugendliche, und es müsse zugegeben werden, daß diese Pestimmung eine.große Gc s ahr in sich berge, weil bisher ein sogenanntes„B e w ä h r u n g s g e s e tz" für diese Jugendlichen fehle. Die Landesfürsorge- verbände müßten nun für sie sorgen, es sei aber nicht zu leugnen, daß viele dieser asozialen Elemente ins Gefängnis wandern würden! Aus der anderen Seite will Direktor Rake in der Notverordnung eine Möglichkeit der Ausgestaltung der vorbeugenden Fürsorge sehen. Zu den Re- formen der Berliner Fürsorgeerziehungsbehörde gehöre die Reduzierung der Heime von 99 auf 49 Infolge dieser Maßnahme sei eine stärkere Durchdringung aller Heime mit neuzeit- lichen pädagogischen Grundsätzen möglich, außer- dem könne das Lehr- und Anlernwerkstattwesen ausgebaut werden. Dieser Aufgabe solle sich in Zukunft das städtische heim L i n d e n h o s be- sonders widmen, hier solle das Wohn- und Uebergangsheim für solche Jugendliche ausgebaut werden, die im heim wohnen und außerhalb in Lehre und Arbeit ständen. Aehnliche Maßnahmen seien auch für das Mädchenheim Lichtenrade be- absichtigt. * Obermagistratsrat Dr. Kobrak vom Landes- wohlfahrts- und-jugendamt der Stadt Berlin gab im Verlauf der Konferenz einen Ueberblick über die Aufgaben der Berliner Wohlfahrtsver- waltung im Winter. Er wies einleitend darauf hin, daß nach dem Stande vom 39. Sep- tember bei den Arbeits- und Wohlfahrtsämtern 1 119 923 hauptunterstützte und Zuschlagsempfän- ger(Frauen und Kinder) betreut würden, also sasl jeder vierte Einwohner laufend aus össenllichen Rlilleln unlerflüht würde. Während im Januar 1927 noch 73,34 Proz. aus der Arbeitslosenverfiche- rung, 6,24 Proz. aus der Krisenunterstützung und 13,22 Proz. als städtische Wohlsahrtserwerbslose unterstützt worden seien, habe sich der Anteil inner- halb der verschiedenen Unterstützungsarten jetzt derartig verschoben, daß die Stadt zu 61,29 Proz. Wohlsahrtserwerbslose zu versorgen hätte, während nur noch 12,46 Proz. aus der Ar- beitslosenoersicherung und 26,34 Proz. ans der Krisenunterstützung versorgt würden. Diese Zahlen erklärten das ganze Berliner Finanz- und Wohl- fahrtsclend. Die Baraufwendungen in der sogenannten offenen Fürsorge bezifferten sich im Monat Sep- tember auf über 29,3 Millionen Reichsmark, hinzu kämen Sachaufwendungen im Betrage von fast 2,3 Millionen Mark. In der V o l k s s p e i s u n g seien im Oktober 1932 639 999 Portionen, fast 59 Proz. mehr als im Vorjahre, verausgabt wor- den, wobei zu betonen sei, daß durch organi- satorische Zusammenlegungen der Küchen der Preis von 59 bis 69 Pf. auf 27 bis 39 Pf. gesenkt werden konnte. Außerdem habe die Stadt über 14 999 hilfsbedürftige Minderjährige zu versorgen, wozu noch über 61 999 Amtsvormundschaften und Pflegschaften der Stadt kämen. Als besondere Maßnahme für den Winter käme eine Kohlen- und Fleischverbilligung in Betracht. Für die Brenn- stoffverbilligung ständen der Stadt Berlin 2,6 Millionen Mark zur Verfügung, und zwar sollen diesmal nicht besondere Kohlengutscheine, sondern bares Geld für diese Zwecke aus- gegeben werden. Bei Eintritt der starken Kälte sollen außerdem 69 Wärme st üben in Berlin und besondere Iugendstubcn erössnet werden. Für die Jugendlichen sollen außerdem im Winter mehrere hundert Handwerkskurse stattfinden, um ihnen Beschäftigungsmöglichkeiten zu verschaffen. Der Vortragende wies in diesem Zusammen- hange auch auf den freiwilligen Arbeits- dienst hin und betonte, daß die Stadt bisher leider nur 399 Arbeitsdienstwillige im Arbeitslager habe unterbringen können. .Notlösung� verzweifelter Mieter Die Ewsnxsemqusrtieniiix in der Thiemann-Straße ZNik hilse von Erwerbslosen hotte sich in Reu- kölln die Familie Hauer in einer leerstehenden Wohnung im Hause Thlemannstrahe 19 Zwangs- einquartiert. Die„Besitzergreifung" der Wohnung stellte die Flucht verzweifelter Leute aus einer alten Wohnbaracke in einen seit langem unbenutzt sreislehenden Wohnraum dar. Trotzdem— der Richter muhte den Gesehen Gültigkeil ver- schassen und den Besitzern de» Hauses das Recht zusprechen, die Familie wieder hinauszusehen. Am Sonnabend war bereits auf Grund der vom Anitsgericht Neukölln erlassenen einstweiligen Verfügung bei der zwangsweise von Erwerbs- losen einquartierten Familie Hauer der G e- richtsvollzieher erschienen, um an den fest- gesetzten Termin zu«rinnern. Er machte die „Wohnungsinhaber" darauf aufmerksam, daß sie innerhalb kürzester Zeit die Räume zu verlassen hätten, widrigenfalls man zur zwangsweisen Er- Mission schreiten müßte. Ein bestimmter Termin wurde von ihm nicht angegeben, um nicht wieder größere Menschenansammlungen oder Tumulte zu verursachen. Als nun am gestrigen Dienstag- vormittag die Wohnung immer noch nicht ge- räumt war und die Familie Hauer auch keine Anstalten hierzu machte, schritt der Gerichtsvoll- zieher zur Exmittierung. Als die Möbel Hauers bereits sämtlich verladen waren, mußte man zum nicht geringen Erstaunen feststellen, daß die Wohnung nun noch keineswegs geräumt war, denn es befand sich noch eine zweite Wohnunge- einrichtung darin. Der Vollftreckungsbeanu« konnte jedoch nicht eingreifen, da ja gegen den Besitzer dieser anderen Möbel, einen gewissen Nothnick, kein rechtskräs- tiges Exmissionsurteil vorlag. Man benachrich- tigte also die Hausbesitzerin, die Casa-Jmmobilien- gesellschast, die einen Vertreter zum Amtsgericht Neukölln und einen anderen noch der Thiemann- straße 19 entsandte, um den Sachverhalt in dieser neuen Lage zu prüfen. In der Thiemannstraße wurde festgestellt, daß der neue„Mieter" in der vergangenen Nacht wieder mit Hilfe von Erwerbs- losen seine Möbel von einem unbebauten Nachbar- grundstück durch einen niedergerissenen Zaun in die Wohnung der Familie Hauer geschafft hatte und dort nun sozusagen als„Untermieter" wohnte. Er wurde von dem Vertreter der Haus- eigentümerin aufgefordert, sofort das Haus zu verlassen, widrigenfalls er die Möbel selbst ab- transportieren lassen würde. Da der„Mieter" der Forderung nicht. nachkam, erschien in kurzer, Zeit tatsächlich ein Spöditeur. der die Einrichtungs- gegenständ« aus dem Hause schafft« und in einen Lagerschuppen in der Richardstraße im Austrage der Casa-Inrmobiliengesellschaft brachte. Was mit den Möbeln des Nothnick nun geschehen wird, ist noch nicht heraus; sie lagern vorläufig noch auf Kosten der hauseigentümerin in dem Schuppen in der Richardstraße. Staubsauger-Marder Lieher 5l1 Stauhsau�er erheutet Seit etwa fünf Wochen treibt in Berlin ein Schwindlerpaar, das es soft ausnahmslos aus Seifengeschäste abgesehen hat, sein Un- wesen. Mit einem geschickten Trick werden den Geschäftsleuten ihre Staubsauger, die sie an die Kundschaft verleihen, entlockt. Bisher sind bei der Berliner Kriminalpolizei bereits über 5 9 An- zeigen eingelaufen. Es handelt sich dabei um ein Ehepaar, das sich mit seltener Ausdauer und mit großem Geschick auf«ine rasfimerte Schwindeltour gelegt hat. Die Frau erscheint im Kopstuch und in Hausschuhen in einem Seifengeschäft und gibt sich durch ihre Kleidung den Anstrich einer Reinmachefrau aus der Nachbarschaft. Die vermeintliche Rein- machefrau entleiht sich den Staubsauger, mit dem sie dann regelmäßig auf Nimmerwiedersehen ver- schwindet. In einigen Fällen wurden die Ge- schästsleute dadurch sicher gemacht, daß die Be- lrügerin einige Tage zuvor kleinere Einkäufe machte. Ihr Komplice, offenbar der Mann der Betrügerin, wartet in der Nähe und beide ver- schwinden mit der Beute schleunigst. Die Schwind- lerin ist etwa 25 bis 27 Jahre alt, 1,69 groß und hat semmelblondes haar. Die auf diese Weise er- beuteten Staubsauger werden sofort wieder ver- schoben. Naphlabrand in Mvabit �wei Verletzte In der Ouitzow straße 18 in Moabit brach gestern gegen 19 Uhr in einer Kohlenanzünder- fabrik Feuer aus, das auf Naphchavorräte über- griff und in wenigen Minuten bedrohliche Aus- maße annahm. Eine mächtige Rauchwolke hüllte einen Teil des Geländes, auf dem sich mehrere Kleinbetriebe befinden, völlig ein. Drei Lösch- züge griffen den Brandherd von allen Seiten an und lokalisierten das Feuer. Zur gleichen Zeit war die Feuerwehr in der Schraubenfabrik der Firma B u tz k e in der Brandenburgstraße 75 mit der Bekämpfung eines sehr gefährlichen Brandes beschäftigt. In zwei Abwursschächten waren O e l r ü ck st ä n d e in Brand geraten. Auch hier konnte die Gefahr durch tatkrästiges Eingreisen der Wehren bald beseitigt werden. In einer Kellerwohnung des Hauses Elsasser Straße 4 stürzte gestern abend ein Kachelosen krachend zusammen. Die Trümmer fielen auf das Bett der Wohnungsinhaberin, die dort mit ihrem drei Wochen alten Kindchen lag. Mutter und Kind erlitten erhebliche Verletzungen; beide wurden durch die alarmierte Feuerwehr ins St.-hedwigs-Krankenhaus gebracht. Der Einsturz ist vermutlich durch Gase verursacht worden, die sich im Ofen angesammelt hatten. Schwere Verkehrsunfälle In der Bornholm er Straße wurde gestern beim Ueberschreiten des Fahrdammes die 69 Jahre alte Emma M a t t h i s aus der Bergener Straße 2 von einem Prioatauto über-' fahren und. lebensgefährlich oerletzt. Die alte Frau wurde durch die Feuerwehr ins jüdische Kranken- Haus gebracht, wo bei der Einlieserung der Tod bereits eingetreten war. In der Schlefifchen Straße geriet der 45jährige Filialleiter Richard Bauer aus der harzer Straße 119 in Treptow unter die Räder eines Lastautos.— In der R« i ch s st r a ß e in Charlottenburg wurde die 55jährige Frau Bettina K o l b aus der Leistikowstraße 6 von einem Pri- vatauto überfahren.— In der Swine- münder Straße wurde der 6 Jahre alte Günter Schlosser aus der Swinemünder Straße 76 von einem Lieserauto ersaßt. Der Knabe wurde mit einem Schädelbruch ins Virchow-Krankenhaus übergeführt. Eine Sckülerin als Lebensretlerin. Die 16- jährige Schülerin Elfriede M i l i n o w s k i aus Berlin-Lantwitz, Kaiser-Wilhelm-Straße 37, hat am 29. Juli 1932 eine weibliche Person bei Deutsch-Nettkow(Kreis Crossen a. d. O.) vom Tode des Ertrinkens errettet. Im Namen des preußischen Staatsministeriums bringt der Polizeipräsident diese von Mut und Ent- schlossenheit zeugende Tat mit dem Ausdruck seiner besonderen Anerkennung zur öffentlichen Kenntnis. H« * t � s VO* Tauntf'sche , etwa5 v h| zu, . der ,ett« W'®»rß Grtif' rhtc der iM*'* �"rflir*"",S' 53d- oH»16 Schmerzenskind Giedlergarien Sorgen der Stadtrandsiedler reißen nicht ab— Vernünftige Bodenbewirtschaftung Den Stadtrandsiedlern, die nunmehr ihre fertigen Häuser bezogen haben, ist«ine neue, nicht minder leichte Arbeit als die des Erbauens ihrer Häuser zugeteilt worden, die Anlage ihrer Gärten. Die Bewirtschaftung des Gartens untersteht ebenso wie die Pflege des Hauses den Richtlinien des Siedlungsplanes. Der Siedler, dem es einfallen sollte, in seinem Garten eine Kegelbahn oder einen Tennisplatz an- zulegen, mußte zweifellos sehr bald seine Heim- statte verlassen. Die Gärten sollen nicht den Ein- druck einer Wildwesttolonie machen, sie müssen immer im bebauten und sauberen Zustand ge- halten sein. Um die Siedler vor Schäden zu be- wahren, die sie als Neulinge sicher sehr ost be- gehen werden, hat es das Gartenamt Neu- k ö l l n für die Stadtrandsiedlungen seines Be- zirks übernommen, die Anlage der Gärten zu überwachen. Jedem Siedler wurden 19 Obst- bäume. 25 Johannis- und Stachelbeersträucher, 59 Himbeersträucher, 4 Zentimeter Dung sowie 2 Torfftreuballen überwiese». Das Gartenamt überwachte das Auswerfen der Baumlöcher und das Rigolen der Gartcnränder, an die das Beeren- obst gesetzt wird. Fachleute haben dann auch noch dos Einpflanzen der Bäume ausgcsührt. In einigen Vorlrägen, die von den Siedlern fleißig besucht wurden, behandelte Gartenbauinspektor Stichel die wichtig st en Grundregeln für eine erfolgreiche G a r t e n b e w i r t- schaftung, so daß die neuen Besitzer wohlge- rüstet dem Kommenden entgegen sehen können, denn zweifellos wird der Garten das Schönste an den neuen Erwerbslosensiedlung«» sein. In seinem letzten Vortrag beantwortete der Referent alle Fragen, die ihm aus Siedlerkreisen selbst gestellt wurden: es find sicherlich solche Fragen, die auch die Tausende neuen Laubenkolonisten auf städti- schem Grund und Boden interessieren dürsten. Einer der ersten Punkte behandelte die Wechsel- Wirtschaft, unter welchem Begriff man den Wechsel des Standortes der Pflanzen von Jahr zu Jahr versteht. Kartoffeln oder Gemüsepflanzungen sollen, um den Ertrag zu steigern, also immer umschichtig den Boden wechseln, so daß in dem einen Jahr die eine Art und in dem anderen Jahr die andere Art auf dieselbe Fläche gepflanzt wird. Viele Siedler möchten sich an ihren sonnigen Häuser- fronten Spalierobst oder Wein ziehen, aber die viel wichtigere Frage ist. was auf der Schatten- feile noch mit Erfolg wächst. Hier eignet sich zum Spalier noch vorzüglich die Schattenmorell«, die man fächerartig am Haus emporzieht, auch Klc- matis oder Aristolochia machen sich gut. Als Deck- sträucher an schattigen Stellen sind zu empfehlen Pseifenstrauch, Alpenstachclbeere und Schneebeere. Die Bodenbearbeitung ist eines der wichtigsten Kapitel bei der Neuanlage eines Gartens. Hier kommt es daraus an. mehrere Spatenstiche tief zu rigolen, damit diese Boden- lockerung für viele Jahre vorhält. Das Rigolen ist dabei auch das sicherste Mittel zur Unkrautver- nichtung. Die Frage der richtigen Düngung ist eine Wissenschaft für sich, die gründlich studiert werden muß. Fürs erste ist notwendig, daß der gelieferte Dungnoch vor Wintersbeginn in den Boden kommt, damit die Zersetzung und Bakterienbildung bis zum Frühjahr schon Fortschritte macht. Doch vertragen viele Gemüse- arten die Frischdüngung nicht, es ist besser, Erbsen. Bohnen, Mohrrüben und Zwiebeln in ungc- düngtes Land zu geben. Die Abwässer der Küche gehören aus den Komposthaufen, wo sie diese „Sparbüchse" jedes Gartenfreundes verbessern Helsen. Brikettasche kann man ebenfalls zu gewissen Teilen mit auf den Kompost geben: im Land eingegraben verursachen zu große Mengen Asche mehr Schaden als Nutzen. Doch ist Brikett- asch« ein guter Helfer bei der Schädlingsbekämp- sung aus Stachelbeeren und beim Vertreiben von Erdflöhen auf jungen Aussaaten. Vor allem müssen die neuen Gartenkolonien sehr darauf achten, daß Krankheiten der Bäume und Sträucher nicht von alten Kolonien mit einge- schleppt werden, wenn die Siedler von dort Bäume mitbringen. Zum Schluß zeigte der Bortragende in Licht- bildern noch das Eindringen des Frostes in die Erde, womit er die weithin verbreitete irrige Meinung widerlegte, daß man die auch an kalten Tagen gepflanzten jungen Bäume und Sträucher nicht gießen darf. Ein stark gelockerter und ge- näßter Boden widersteht dem Eindringen des Frostes mehr als fester Boden. In wenig Worten Im Zusammenhang mit der Steuerbetrugsaffäre der Baseler Handelsbank ist festgestellt worden, daß in Toulouse ein« ähnliche Organ i- sation funktionierte, die von zwei Frauen ge- leitet wurde. Diese Frauen sind bereits vom Untersuchungsrichter vernommen und mehreren ihrer Kunoen gegenübergestellt worden. Alle gaben zu, von der Steuerhinterziehung profi- tiert zu haben. Der Schaden, den der Fiskus dadurch erlitten hat, wird auf eine Million Franken geschätzt. ★ Das Schwurgericht III Berlin unter Vorsitz von Landgerichtsdirektor Bunge verurteilte die sieben- undzwanzigjährige 5iausangestellte Martha N., die am 11. Oktober vorigen Jahres ihr unehe- liches Kind im Lehnitzsee ertränkt hatte, wegen Totschlags zu einem Jahr sechs Monaten Gefängnis. Die Kölner Kriminalpolizei verhastete den Leiter der Filiale einer Düsseldorfer Groß- Handlung wegen schwerer Urkundenfälschung, Ver- nichtung von Urkunden, Untreue und Unterschla- gung. Nach dem Geständnis des Verhafteten be- läuft sich die unterschlagene Summe auf etwa 55 999 Mark. * Der Sekretär des Luxemburgischen Automobil- klubs, Rechtsanwalt Max Metz, der wegen Unterschlagungen von 1 399 999 luxemburgischen Franken(rund 299 999 Mark) geflüchtet war, hat sich am Dienstag in Bitburg(Eifel) in dem Augenblick erschossen, als er von deutschen und luxemburgischen Kriminalbeamten verhastet wer- den sollte. * In den gestrigen Abendstunden versuchten Kommunisten an verschiedenen Stellen der Stadt zu demonstrieren. Die Züge wurden reibungslos ausgelöst. Nur in einem Falle, an der Ecke Bernauer Straße und Brunnenstraße, machte ein Schupobeamter von seiner Dienstwafse Gebrauch. Eine Passantin wurde von einer Kugel in den Fuß getroffen. Die Verletzte erhielt auf der nächsten Rettungsstelle erste Hilfe. werfen. In der Martin-Luther-Straße haben zwei in der Front und im Rücken von der Menge be- drohte Polizeibeamte erst dann geschossen, als sie mit Pflastersteinen beworfen wurden und der eine Beamte durch zwei Steinwürfe am Tschako ge- troffen worden war. Festgestellt ist ferner, daß entgegen von Zeitungsmeldungen Polizei weder noch der Verletzung des Reppich auf die zur Hilfe eilenden Sanitäter noch von einem Ueberfallwagen auf die Menge geschossen hat. 3trkiLenbs.knkükrer vergütet UuAliicli Am Montag, morgens gegen Uhr, passierte ein Straßenbahnzug der Linie 87 die Schlesische Straße in Richtung Köpenicker Brücke. Ein Motorradfahrer mit einem- jungen Mädchen aus dem Soziussitz«ollte an einen, vor, ihm fahren- den Fahrzeuge vorbeifahren.. D.gs Motorrad ge- riet infolge des schlüpfrigen Asphaltes ins Rutschen, so daß es ungefähr zwei Meter vor dem Straßenbahnzug umkippte, wobei die Be- gleiterin von ihrem Soziussitz herobgeschleudert wurde. Mit bewunderungswürdiger Geistes- gegenwart bremste der Straßenbahnführer seinen Wagen und brachte denselben dicht vor dem Motorrad zum Stehen und verhütete so ein schweres Unglück. Lump betrügt Arbeitslose ?oIi2ei ließ ihn immer wieder frei Es gibt Menschen, denen nichts heilig ist. Ihre Gemeinheit entspringt teils der Bösartigkeit ihrer Natur, teils einer gewissen Vorstellungsarmut. Sie sind nicht imstande, sich in die Not ihrer Mir- menschen und in die Folgen ihrer eigenen bösen Toten hineinzudenken. Der 43jährige Friseur Zimmern, ann war solch«in ganz gemeiner Kerl. Als Opfer für fein« Betriigereien wählte sich Zimmermann die Elendesten unserer Zeit, die Cr- werbslosen. Seit Jahren arbeitslos und nicht in der Lag«, mir den Almosen, die ihnen der W o h l- fahrt» st aat heute gibt, Frau und Kind zu ernähren, jallen. sie aus jeden Köder hinein. Zimmermann stellte es aber ganz raffiniert anr. Seine ersten Opfer lernte er im Friseurgejchäit kennen. Er sprach davon, daß er Polier sei und Zlrbeit beschaffen könne: die Leute horchten be- gierig auf: Arbeit!?„Können Sie nicht auch uns welche besorgen?"„Wollen sehen! Ist nicht un- möglich. Seid Ihr aber organffiert?" Zum größten Teil waren es Unorganisierte.„Dem Uebel ist schnell abgeholfen", meinte der Polier. „Ich habe im Metallarbeiter-Verband die besten Beziehungen. Ich besorge euch im Nu Mitglieds- Konserven werden knapp Industrie räumt alte hnserhestände und hooht wenig ein Nie Polizeischüsse Rechtfertigung der Beamten Am 4. November kam es bekanntlich gegen 4 Uhr morgens in Schöneberg auf dem Rudokf-Wilde- Platz und in der Martin-Luther-Straße zu Zu- sammenstößen zwischen einer Menschenmenge, die arbeitswillige Straßenbahnbeamte von der Auf- nähme der Arbeit abzuhalten suchten, und Polizei- beamten. Hierbei wurde der Oberzollinspcktor Reppich durch einen aus einen, Polizeireooloer abgegebenen Schwh getötet. Der.Angriff" hatte die Vorgänge zum Vorwand einer neuen w ü st e n Hetze gegen Polizeibeamte genommen. Nach den von der Staatsanwaltschaft wegen dieses Vorfalls angestellten Ermittlungen sind, wie die Justizpresseftelle mitteilt, weder den bei dieser Gelegenheit festgenomenen Personen aus dem Publikum noch den zur Ausrechlerhaltung der Ordnung und Sicherheil eingesehlen Beamten strafbare Handlungen nachzuweisen. Durch die Untersuchung ist insbesondere festgestellt, daß die Polizei auf dem Rudols-Wilde-Platz erst ge- schössen hat, nachdem aus der Menge Schüsse ab- gegeben wurden und als die Menge trotz den von den Beamten abgefeuerten Schreckschüssen weiter fortfuhr, die Polizei mit Pflastersteinen zu be- Seit Jahren steigen in Deutschland die Anbau- flächen für fast alle Arten Gemüse. Teilweise ist diese Vergrößerung der Zlnbauflächen so erheblich, daß die gewonnenen Erzeugnisse nur mit wenig befriedigenden Preisen abzusetzen sind. Es sei nur an Tomaten und Spargel erinnert. Nun sollte man annehmen, daß dieser für den Ver- braucher ja günstige Preissland für Gemüse sich auch bei den Konserven auswirkt. Die Kon- servenfabriken— denken viele— kochen bei dem billigen Gemüseangebot viel ein und geben ihre Erzeugnisse dann zu annehmbaren Preisen ab. In Wirklichkeit ist das gerade Gegen- teil der Fall. Denn die Krise konnte auch am Absatz der deutschen Konservcnindustrie nicht spurlos vor- übergehen. Der Kreis derjenigen, die sich noch eine Büchse Stangenspargel leisten können, wird wolst ständig kleiner geworden sein, und aus der anderen Seite ist bei dem außerordentlich großen Angebot von Frischgemüse, das fast das ganze Jahr über anhält, kein sonderlicher Anreiz vor- Händen, Konserven zu kaufen. Hierzu kommt der Rückgang der sogenannten„Doppelexistenzen" auf eine Mindestzahl. Die Frauen, die in früheren Jahren noch mitgearbeitet haben und in jener Zeit des öfteren, wenn sie spät abends nach Hause kamen, schnell eine Konservenbüchse mit Gemüse öffneten, sitzen längst alle arbeitslos zu Hause und putzen ihr Frischgemüse wie zu Graßmutters Zeiten. Mit dem Ausscheiden dieser Frauen aus dem Arbeitsprozeß ist eine gewichtige Per- braucherschicht von Konserven verloren gegangen. Es blieb den Fabrikanten nichts anderes übrig, als aus dieser veränderten Lage die Konsequenzen zu ziehen. Bei einer Bestandaufnahme am 1. Mai 1931 halten die Konservensobriken nämlich seststellen müssen, daß ihnen 46 849 999'/, Dosen übriggeblieben waren. Der Reihenfolge nach waren das rund 22 Millionen Büchsen Bohnen, 12 Millionen Büchse» Mischgemüse, 6 Millionen Büchsen Erbsen, 4 Millionen Büchsen Obstkonserven und schließlich über 2 Millionen Büchsen Spargel. Deshalb wurde 1931 die Produktion ganz erheb- lich gedrosselt. Man erzeugte nur noch rund 74 999999'/»-Dosen, und da der Verbrauch-rn Vorjahre rund 94 009 999-Dosen betragen hatte, konnte man bis zum 1. Mai 1932 die Lagerbestände auf 27 999 999 Dosen senken. Dieses System der Lagerrüumung bei gedrosselter Pro- duktio» wird vorläufig weiter fortgesetzt. Auch in dem hinler uns liegenden Sommer 1932 war die Konservierung von Obst und Gemüse nur gering, und so hosfen die Industriellen, daß sie Ausgangs des nächsten Frühjahrs ihre Läger geräumt haben werden. Die Bestände an Kon- serven werden also künstlich verknappt, die in jedem Frühjahr stattsindenden Schleuderverkäuse alter Ernte sollen verschwinden: Tatiachen, die sich natürlich nachhaltigst aus die Wintcrpreise für Konserven auswirken werden. Wer übrigens eine interessante Vergleichszahl zur Vorkriegszeit haben will: Im letzten Friedensjahr 1913/14 wurden 89 Millionen-Büchsen Gemüse- und 34 Millionen'/»-Büchsen Obstkonservcn hergestellt. Davon waren allein 12 599 999 Büchsen Spargel. Dagegen wurden 1931/32 nur noch5 58 5 999 Büchsen Spargel, also lange nicht die Hälfte, verbraucht: die Kxise kennt kein Schnitzel mit Spargel mehr. Anders liegen die Dinge ober in der Morme- ladcnindustrie. Hier wurden in der Vorkriegszeit etwa 499 999 Doppelzentner Marmelade pro Jahr erzeugt. Im Jahre 1931 betrug die deutsche Produktion an Marmelade, Koofitüre, Mus und Gelee jedoch rund 476999 Doppclzentner, also eine ganz erhebliche Produktionssteigerung. Teil- weise geht dieser Mehrverbrauch auf Kosten der Obstkonserven. Ganze Früchte gehen schlecht, da- für um so besser Marmelade als Brotaufstrich. Jeder muß sich heute nach seiner Decke strecken. bücher, wenn ihr nur das nötige Kleingeld zu- sammenkriegt: das Bcitrittsgeld und iür vier Mo- natc Mitgliedsbeiträge, 6- bis 8 Mark, nicht mehr." Und die Leute besorgten sich diese 6 bis 8 Mark. Der eine pumpte sie sich bei einem Freund, der andere holte sie sich bei der Braut, der dritte knappste sie von seiner Unterstützung ab. Sie be- kamen weder die Mitgliedsbücher noch Arbeit. Manches Mal machte er es auch noch anders. Es gab zwar keine Mitgliedsbücher, er schickte ober seine Opfer zu großen Betrieben: sie würden dort angestellt werden. Sie kamen hin, man wußte dort von nichts. Die Betrogenen erstatteten Strafanzeige bei der Polizei. Diese lieh sich den Mann kommen, ver- nahm ihn und— ließ tatsächlich diesen gemein- gefährlichen Gauner wieder laufen. So konnte er selbstverständlich sein Treiben fortsetzen und immer neue Opser betrügen. Das Gericht sohle ihn scharf an und gab ihm VA Jahre Gefängnis und dazu fünf Jahre Ehrverlust. Er wurde auf der Stelle verhaftet. „Nie Gemeinde" faschistische Kommunalpolitik Das neueste Heft der„G e m e i n d e", der Halb- Monatsschrift für sozialistische Arbeit in Stadt und Land des Dietz-Verlages, bringt außer- ordenllich wichtiges Material über die„Kommu'-ol- aufsicht" in einem Artikel von I. Fachinger- Köln-Kalk. Die Nummer ist im übrigen besonders der„faschistischen Kommunalpolitik" gewidmet. In einer ausführlichen Arbeit untersucht Arthur Schweitzer- Berlin die Aussichten der Nazis in ihrem Kamps um die Gemeinden. Der Verfasser weist zum Schluß aus die 1933 durchzuführenden Gemeindewahlen in Preußen und Bayern hin. Wichtige Bestimmungen über den Freiwilligen Arbeitsdienst hat W. S ch i m m e l- Derne-Dort- mund in einem Artikel„Unfallversicherung und freiwilliger Arbeitsdienst" verarbeitet. Ueber „19 Jahre kommunaler Spitzenverband" schreibt Hugo Zimmer- Dllneburg und über„Die oesetz- liche Neuregelung der Veröffentlichung von Steuer- ordnungen" Robert Scholz- Cochstedt. Die Bezirksreform Entscheidung erst Sonnabend In der heutigen Magistratssitzung wird über die Reform der Bezirkseinteilung beraten werden. Die abschließende Stellung- nähme der städtischen Körperschaften findet jedoch erst.in einer gemeinsamen Konferenz der Vor- sitzenden der Bezirksämter Mt dem Magistrat am Sonnabendoormittag statt. Ein angeblicher Genosse Peppi Schweiger aus Wien, etwa 27 Jahre alt, mit grauen» Sport- anzug bekleidet, versucht an verschiedenen Stellen bei Parteigenossen und Gewerffchastskolleaen sich Geld zu leihen. Wir warnen alle Genossen vor diesem angeblichen Genossen aus Wien. 1999 Photos von Verlin. Im Lichthof des Bölkerknndemuseums II, Prinz-Albrecht-Str. 7, wird vom 1. bis 31. Dezember eine Zlusftellung „1999 Photos von Berlin, Aufnahmen Venne- mann" gezeigt, die täglich außer Dienstags von 9— 15 Uhr unentgeltlich geöffnet ist. Oichlbildervorlrag„Goethe und der Gartenbau." In der Monatsversammlung der Deutschst» Garten- bau-Gesellschaft am Donnerstag, dem 2 4. November, 19.39 Uhr, wird ff» Hörsaal 6 der Landwirffchaftlichen Hochschule, Berlin N. 4, Jnvalidenftr. 42, Herr Dr. Julius Schuster, Privatdozent für Keschichl« der biologischen Wissenschasten an der Universität Berlin, in einem Lichtblldervortrag das Thema„Goethe uno der Gartenbau" behandeln. Zn der Plaza hat man seit Wochen und Monaten Gelegenheit, nahezu sämtliche bedeuten- den oder ersolgreichen Operetten der letzte» Jahr- zehnte Revue passieren zu lassen. Eine nach der anderen kommt heran und findet hier im Osten ein dankbares Publikum. Immerhin ist es ein Zeichen der Zeil, wenn gerade die billigsten Plätze jetzt leer sind. Bis zum Monatsende spielt man die Bajadere, Text von Brammer und Grünfeld, Musik von Emmerich Kalman. Der Text bekömmt es tatsächlich fertig, drei Stunden lang von nichts als Liebe zu reden, der Liebe zwischen eiirem stolzen indischen Prinzen und einer nicht minder stolzen Poriser Sängerin. Ueber die Musik Kaimans ist nichts Wesentliches zu sagen. Für den Prinzen bringt I g o G u t t- man, der Gigli des Ostens, das ansprechende Aeußere und die gepslegle ersolggewohnte Stimme mit. Der Gewinn des Abends, darstellerisch und gesanglich, war Grete S e d l i tz, die die Pariser Sängerin, ost mit wirkungsvollen dra- matischen Akzenten gab. Das fröhliche Paar, eigentlich ein Terzett, wuvde von der übermütigen beineschlenkernden Heidi Eisler und ihren netten Partnern Franz Hei gl und Armin Münch verlörpert. Herr Haas, der Dirigent, sollte endlich seine manchmal störende Kapell- meisterakrobatik ein bißchen mildern. WeiRe Zähne; Chlorodont die Zahnpaste, die von mehr als 6 Millionen Menschen— allein in Deutschland— täglich gebraucht wird. Vorzüglich in der Wirkung, sparsam im Verbrauch, von höchster Qualität. Tube 50 Pf. und 80 Pf. Weisen Sie jeden Ersatz dafür zurüdc. Rührei! Mißglückter Eierdiebstahl Ein saltsamer Vorfall spielte sich in Ser Dieffen- bochstroße S6 im Süden Berlins ab. Vor den> Lichensmittelgeschäft von K n e p e l, das hauptsächlich Eier verkauft, machten sich drei jüngere Burschen in äußerst verdächtiger Weise zu schassen. so daß der Geschäftsinhaber auf die Straße lief und sie zur Rede stellte. Statt einer Antwort schlugen die drei Männer auf den Laden- inhaber ein und verletzten ihn durch Fausthiebe. Da sie einsehen mußten, daß sie ihr Vorhaben, eine größere Menge Eier zu stehlen, nicht aus- fuhren konnten, brachten sie ihr« Enttäuschung und Wut dadurch zum Ausdruck, daß sie die ge- samten, auf der Straße zum Verkauf bereitstehen- den Eiervorräte im Werte von etwa M M in eine einzige schleimige Masse verwandelten. Heimarbeit Die erste Weihnachtsausstellung In jedem Jahr veranstaltet die Wirtschafte- Hilfe der Heimarbeiterinnen im Hause Oronienstraße 10Z eine Weihnachtsausstellung der mannigfaltigsten Erzeugnisse auf dem Gebiete der Wäschenäherei, Stickerei, Häkel«i und Strickerei. Vom einfachen, aerben Berufskittel bis zur fein- gestickten, seidenen Damenwäsche ist alles vor- handen. Daneben gibt es prächtige Älöppelspigcn zu kleinen und großen Decken, zu Kisseirplalten oder als zarte Taschentuchbordüre verarbeitet, Decken, Stores und Kiffen aus feinstem Netz- und Klöppelfilet mit langgeknüpften Fransen, Hand- arbeiten in Kreuz-, Flach- und Lochstich, mollig- warme Jäckchen und Kleinkinldkleider, gehäkelt uno gestrickt, und noch vieles aridere, was schön und zugleich nützlich ist. So viele seine Stiche all diese Produkte weiblicher Fingerfertigkeit zeigen, so viel« schwere Seufzer sind mit hineingeflossen. Da hat so manche Frau ihre letzten paar Groschen an das Arbeitsmaterial verwandt, in der Hoff- nung, durch Verkauf der Arbeit ein paar Groschen zu verdienen. Gering ist der Verdienst und groß das Risiko! Immer schwächer wird die Publi- kumskaufkraft, iinmer billiger muß die Ware sein, soll sie überhaupt Absatzmöglichkeit besitzen- wer fragt da groß, wieviel ungezählte Stunden sich der Arbeiterin Rücken beugen und das Aug« dos Letzte an Kraft hergeben mußte. Bei der Masse der Arbeitsuchenden ist von einer Saison längst keine Rede mehr, und auch die Hoffnung auf das Weihnachtsgeschäft wird nur einem winzigen Teil aller Hoffenden ein wenig Erfüllung bringen. „I'otentan? im Eichte-Gjrmnasium" Ihren im Kriege gefallenen Schülern und Lehrern zum Gedächtnis führten Schüler des Fichte-Gymnasiums unter Mitwirkung von Schüle- rinnen der Medau-Gymnastikschule den„Toten- tanz" nach der Lübecker Schrift in der Aula ihrer Schule in der Emser Straße auf. Die Schüler erfreuten durch inbrünstiges Spiel. Die Spiel- leitung hatte wieder, wie bei den früheren Auf- führungen des Fichte-Gymnasiums, in bewährter Weife Dr. Ernst H e r r m a n n. Di« Sprechchöre hellster Knabenstimmen bis zum angehenden Baß der Herren Sekundaner verrieten glänzende Schulung. Die zahlreichen Gäste, die den großen Raum bis auf den kleinsten Plag füllten, dankten den jugendlichen Aufführenden und ihrem Spielleiter in herzlichster Weise für diese vollendete Ehrung der gefallenen Schüler und Lehrer. Im Austrage der Staotsonwaltschast l unter persönlicher Leitung des Stoalsanwaltschastsrats Rogah wurde in ihrer Wohnung in der Bleib- treustraße 44 in Charloltenburg die Tochter Paula des verschwundenen Kaufmanns Heinrich Sklarz festgenommen.(Es besteht der verdacht, daß die 25 Zahre alte Paula Sklarz Urkunden beseitigt hat. die ihrem Vater zum pochteil werden bzw. ihn belosten könnten. Im Anschluß an die Durchsuchung der Wohnung in der Bleibtreustraße wurden auch noch an ver- schiedenen Stellen der Stadt Haussuchungen vorgenommen, da sich das Gerücht hartnäckig er- hielt, daß Heinrich Sklarz noch in Berlin sein soll. Die Nachforschungen waren aber ergebnislos. Od Bvlksfürsvrge krisenfest Eandeskonkerenz: in Berlin Die Leitung der Volksfürsorge hatte alle Rech- nungsführer und Organisationsleiter aus dem Brandenburger Gebiet in das Gewerkschaftshaus Berlin eingeladen, um ihnen von der Aufwärts- entwicklung der Antragsproduktion Kenntnis zu geben und neues Wissen zu vermitteln. Otto Streine, Vorstandsmitglied der Volks- fürsorge, eröffnete die Konferenz mit freundlichen Begrllhungsworten an die Erschienenen. Aus seinem Bericht ist besonders hervorzuheben, daß die Volksfürsorge verhältnismäßig gut durch die Krise hindurchgekommen ist und daß die Steige- rung der Antragsproduktion seit dem Monat August d. I. erfreulicherweise nicht nur anhält, sondern weiter steigt. lAugust IvlWO, September 11 300, Oktober 13 400 Antragest Mit der wirkungsvollen Mitteilung, daß das Vermögen der Volkssürsorge auf etwa ISO Millionen Mark gestiegen sei, war der Bericht beendet. Zum zweiten Punkt der Tagesordnung:„Wirt- schaftspolitische Tagessragen", sprach Klaus- Hamburg. An der darauffolgenden mehrstündigen Aussprache beteiligten sich siebzehn Kollegen aus elf verschiedenen Rechnungsstellen. Im Schluß- wort gab Kollege Streine seiner Freude über Paula Sklarz in Haft bleiben wird, muß erst noch Die weitere Untersuchung ergeben. Heinrich Sklarz war Anfang August spurlos aus Berlin verschwunden. Aus noch ungeklärte Weise halte er von seiner bevorstehenden Verhaftung rechtzeitig erfahren. Im Mai 1920 war er zu einer Strafe von 1 Jahr 6 Monaten Gefängnis. SO 000 M. Geldstrafe und 3 Jahren Ehrverlust verurteilt worden, brauchte aber die Strafe da- mals noch nicht anzutreten. Als jetzt die Auf- fordermig zum Strafontritt erging, war er ver- schwunden. Er hatte sich im Juni einen Paß be- sorgt. Am 4. August in der Frühe wuroe er an der Grenze bei Bentheim gesehen. Bon da an verlor sich seine Spur. die beachtenswerte Aussprache und das gute Ge- lingen der Konserenz Ausdruck und schloß die Versammlung mit einem Appell, olles Gehörte und Gelernte zu verwenden für einen weiteren Aufstieg der Volkssürsorge. Wie wird das Wetter? In Berlin: Bei stark auffrischenden südwestlichen wie westlichen Winden unbeständiges, mildes Wetter mit Regenfällen.— In Deutschland: Ueberau mildes, meist bewölktes Wetter mit verbreiteten Niederschlägen und auffrischenden, besonders in Narddeurschland frischen bis stürmischen westlichen Winden. SPORT Rennen zu Strausberg 1, Rennen: 1. Elvira(Bes.); 2. Fleiß: 3. Fragola. Toto; 26:10. Pia?: 12, 11, 12:10. Ferner liefen: Ärdo- ritin, Sergeant, Kamerad. Ataraxia. 2. Rennen: 1. Liliput(Ahr): 2. Eldon; 3. Heinsried. Teno: 24:10. Platz: 12, 14:10. Ferner liefen: Fahrt, Wigbert. 3. Rennen: 1. Hhkfos(SchlitzkuK); 2. Geri; 3. Dolphin. Toto: 38:10. Platz: 14, 12:10. Ferner liefen: Fasner, Grimouchou, Lorenz. 4. Rennen: 1. Creolin(.Wolfs): 2. Wratislavia: 3. Jmmermein. Toto: 74:10. Platz: 30, 18:10. Ferner liefen: Pvthia, Fidelia, Oberstolz. 3. Rennen: 1. Apsilanti lWolsf): 2. Collie: 3. Tenor. Toto: 33:10. Platz: 11, 10, 14:10. Ferner liefen: Prinz tlorenzo, Feldpost. Himmelfahrt, I'« penfe. 6. Rennen: 1. Tramonto(Schäfer); 2. Wissenschaft; 3. Mystik. Toto: 55:10. Platz: 24, 49, 28:10. Ferner liefen: Jmrnerju, Wildlocke, Auch einer, Elbrus, Till Eulenspiegel, Blauer Bogel, Flavia. 7. Rennen: 1. Avorne(Frommann); 2. Blankenstein: 3. Eremit. Toto: 65:10. Platz: 42, 16:10. Ferner liefen: Eiland, Komm voran, Zarentochter. loppelwette: Creolin— Apsilanti 240:10. Briefkasten W.». 1. Vom Mai 1924 ab. 2. 4 Pioz. der Friedens. miete, z.?a.— Vierow. Nach dem Tode der versicherten Ehefrau steht dem Manne die Bltwenrente z». wenn er erwerdsunfithia und bedürftig ist. und wenn die Ehefrau den Lebensunterhalt ihrer Familie ganz oder überwiegend aus ihrem Arbeltsverdienst bestritten hat.— K. S. 7(1. 1.?a. 2. Das ist schwer zu sagen. Vielleicht 2.1—50 Ps. 3. Ja, aber die Seselllchast kann das Mieteinigungsamt anrufen. 4. Zweiselhast, die Frage wird man aber be- jähen müssen. Paula Sklarz in ftaft Aktion der Staatsanwaltschaft linsenlnmgen für Utele Rubrik sind Berlin SW<8. Lindenitratze t. parteinachrichten Groß-Berlm stets an da, Vezirksjetretarlal i. s»t. 9 Treppen recht», ja richte» Beginn aller Veranstaltungen Uhr, sofern keine besondere Zeitangabe? 4. Kreis. Freie Schulgemeinde. Donnerstag, 24. Ronember, Schule Danziger Strohe 23, auherordentliche(beneeal Versammlung. Der Sesamtnorstand tritt oünttlich eine Stunde srnhee zu einer wichtige» Sihun» zusammen. steei-obleute der Zeitungstommissian Eroh-Berlin. Freitag. 25. November, im „Borwärts-'-IKedäude, Lindenstr. Z, im iUnserenzzimmer der Redaktion. 4. Kos, 4 Treppen. Sitzung. Zeder»reis muh durch de» Obmonn»ertreten sein, im Behindeeungssalle Vertreter entsenden. Wie bitten die Biidlingsobiente, umgehend die restlichen»arten sür die Veranstaltung des Athletenbundes ach 20. Ronember abzurechnen, da der Bund bis zum Dounerstag mit der Steuer abrechnen muh. Das Vildungssekretaeiat. Z.»reis. Deutscher Freidenker-Berband. Zahlgruppen 5, 5, 7, 8. Freitag, 25. November, Versammlung im Vierhans„Steinacker", Müllerstr, 137, Ecke Seestrahe,»ampssituation. Drei»ultnrsilmc. Ohne Mitgliedshuch kein Zutrikt,— Donnerstag, 24, November. 18 Uhr, Zusammenkünfte er. wcrbsloser Parteimilglieder Willdenowsir, 5. Nesercnt: Dr. Lewin. Must» kakilche Vorträge: Dr. Herbert. Putbusser Str. 22. Referent: Genosse Kirschseld. Gesang: Genosse»lewih. 4.»eei«. Freitag, 25. November, 20 Uhr, Sitzung des engeren»reisvorstandes mit den Abtellungsleitern»nd Bezirtstagsdelegierten bei Seiffett, Pappel» allee 45(an der Ringbahn). 5.»reis. Freitag, 25. November,»reisvorstand, Abteilungsleiter und Delegierte des Vezirtstage» bei Ewest. Große Frankfurter Str. 30. 10.»reis. Ardeiterbildungsschule. Kursus Mathilde Wurm fällt am 24. No. vemder aus wegen Unsalls der Genossin Wurm. Kursus findet bestimmt am 1. Dezember statt. 11.»reis. Donnerstag, 24. November. 10 Uhr, Zusammcntunft erwerbsloser Parteimilglieder bei Will, Martin-Lulher-Str. 09. Geschichte und Gegenwart der englische» Arbeiterbewegung. Reserent: Wilhelm Tieigens. 17. Atel,. Freitag. 25. November, Sitzung des»reisvorstandes mit den Be- zietsdelegierten im Rathaus, Zimmer 25. 20.»reis. Zeitungstommissionssttzung aller Abteilungen Freitag. 25. Ro, oember. bei»iehne, Reinickendorf-Ost, Restdenzstr. 9. 3. Abt. Alle Parteimilglieder, die Mitglieder des Konsums der 23. Verkaufs. stelle. Adalbertftr. 30. sind, treffe» sich zu einer wichtigen Vesvrechung Donnerstag, 24. November, im Lokal Lange. Adalbertstr. 20. Ohne Par> teimitgliedsbuch und Einkansskarte kein Zutritt. 19. Abt. Heute, 20 Uhr, Zahlabend bei Schrepel, Griinthaler Ecke Bellermann» strahe. Reserent: Bernhard»rüger. Die Partei vor neuen Ausgaben. 2«. Abt. Heute Mitgliederversammlung im SSB..Haus, Iostystr. 4. Die Partei vor neuen Aufgaben. Referent: Dr. S. Eberlein. 40. Abt. Heute Funttionärntzung an bekannter Stelle. 84. Abt. vonnadend, 20. November, in Lehmanns Festiälen, Kaifer-Wilhelm» Strahe 29—31, geselliger Abend. Tanz, politifch.humoristische Borträge iTheo Marek). Beginn 20 Uhr. Eintrittspreis 40 Pf. Ende früh 5 Uhr. � Ol. und 94. Abt. Heute Mitlgiederversammlung der Freidenler im Karlsgarten. Referent: Genosse Graul. 90. Abt. Donnerstag, 24. November, Zunttionärsttzung bei Lohann, Wipper. strahe 18-19. 99. Abt. Heute. 20 Uhr, Zusammentunil jüngerer Parteimitglieder im Keller Kannemannstrahe.— Donnerstag, 24. November, 20 Uhr, ASD.-Sitzung im Keller Hannemannstrahe, 103. Abt. Alle Mitglieder der Konsumgenossenschast beteiligen sich heute a» der Genossenschaitsversammlung im AUrgerpark. 105. Abt. Donnerstag, 24 November, 10 Uhr, Zusommenkunit erwerbsloser 'Parteimitglieder bei Katerbaum, Sedanstr. 3. Ehina, Japan. Referent: Dr. Otto Mänche». Ausweis bei den Bezirtsfllhrern. 114. Abt. Heute Zahlabende in folaenden Lokalen: 1. Gruppe bei Kohring. Friedrich-Karl-Slr. 32. 2. Gruvpe bei Kubsch, Srünberger Ecke Simon- Dach.Slrahe. 3. Gruppe hei schwarzer. Gabriel-Mar-Str. 17. Die Ver- wallungsreiorm Grph, Berlins. Referent: Genosse Arndt. 4. Gruppe bei Schwier, Wühiischltr. 30 127. Abt. Heute, 19 Uhr, treffen sich die Parteimitglieder Berliner Ecke Oranke- itrahe zwecks Teilnahme an der Arecsmiigiiederoersammlung in Weihensee. 137. Abt. Donneeslag. 24. Nppember, 20 Uhr, Mitgliedernersammlung bei Heese, Berliner Str. 73 Die Partei vor neuen Aukgaben. Referent wird in der Versammlung bekanntgegeben A roucnocranstallungen: 4,»reis. Arbeitsgemeinschast nicht am 23.,(onbetn erst am Donnerstag, dem 24. November, pünttlich 18 Uhr, im Zimmer 29 de» Bezzrtsamte» Daiwger 5. Kreist Donnerstag. 24. November, bei Kirsch, Petersburger Str. 81, Sitzung aller Funktionärinnen. Auch die Betriebsfu alt, onarinnen sind eingeladen. 74». und 74h. Abt Donnerstag, 24. November. 20 Uhr. bei schnorre, Berliner Ecke Winfriedstroße. Bezirksausschuß sür Arbcilerwohlsohrt. 13. Krei, Zempelhvi. Moriendort, Marieuielde. Lichtenrnbe. Freuaz, Arbeilsgemeinschafl der kindersreunde. Kreuzberg.� Heute, Mittwoch, kommen alle Neigungskreise an den bekannten Stessen zusammen.— Abt. Görlitzer Straße. Alle Roten Falken treffen sich am Donnerstag, dem 2-l. November. IS Uhr, vor dem Heim der Partei. Schlesische Str..42. Achtung!. Wir gehen Sonntag auf Fahrt. Alle Falken treffen sich am Sonntag um M 8� Uhr Schlesisches Tor. Essen, Trinken und Of. mitbringen. y//s � n—_. 1-__ v 1„ x o_______ V iculölln. Sportabend für die Abt. Lichttämpfer, Jungvolk und Vauvolt: Heute, Mittwoch, 17U Uhr, Turnhalle Donaustrahe 120. Turnschuhe und Turnhose mitbringen.— Abt. Sturmfalie. Morgen, Donnerstag, 20 Uhr, Elternversammlung in der Karl.Marr.»Schule.— Abt. Paul Levi. Generalprobe für den Elternabend heute, 1015 Uhr, Ganghoferstrahe. Alle Falken und Heiser müssen da sein. Teeptow. Donnerstag, 24. November, 20 Uhr, Kreishelfersitzung an be- kanntet Stelle, Abt. Köpenick. Alle Jung, und Roten Falten müssen heule, 10—20 Uhr, bestimmt in» Jugendheim Dahlwitzer Strahe zum Basteln kommen. Wir wollen gleichfalls Lieder für unseren Elternabend üben, der Freitag, 25. November, 19zj Uhr, im(leinen Saal des Stadttheaters stattiindet. Lichtbildervortrag des Genossen Guzp. Thema: Die Welt des»indes. Gleichzeitig Ausstellung der von unseren Kindern für die Arbeiterwohlsahrt gebastelten Spielsachen. Eintritt frei. Sterbetafel der Groß-berliner Partei-Organifation 25. November.» Kht,' im Rathaus Temveihos. Dor'str. 42. Sitzungskaal L. Sitzung der Arbeiterwohlsahrt. Bericht über Winterhilse, anschließend Bortrag und Teilabrechnung der Lotterielose. 8. Abt. Einer unserer ältesten und aktivsten Genossen, Georg Sanne, ist plätzlich verstorben. Ehre seinem Andeuten. Einäscherung Donnerstag, 24. No. vemder, 13 Uhr, im Krematorium Wilmersdorf. 25. Abt. Genosse August Lagodko, Rastenburger Str. 11, ist verstorben. Ehre seinem Andenken. Einäscherung Donnerstag, 24. November. 13 Uhr, im Krematorium Gerichtstrahe. Rege Beieiligung erwartet der Vorstand. 48. Abt. Unser Genosse Paul Siegert, Gitschiner Str. 80, ist am 18. No. oember verstorben. Ehre seinem Andenke». Einäscherung Mittwoch, 18 Uhr, im Krematorium Baumschulenweg. Rege Beteiligung wird erwartet. 103. Abt. Unser Genosse Gustav Hoffmann ist nach langem schwerem Leiden verstorben. Ehre seinem Andenken. Beerdigung heute, 13>.: Uhr, auf dem Friedhof in Oberschöneweide. Um rege Beteiligung wird gebeten. 124. Abt. Am 20. November verstarb im Älter von 42 Jahren unser lang. jähriger treuer Genosse Wilhelm Stephan. Marienburger Str. 14». Ehre seinem Andenken. Trauerfeier Donnerstag, 24. November. lO'z Uhr, im Krematorium Baumschulenweg. Rege Beteiligung wird erwartet. Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Verlin Einiendungen kür diese Rubrik nur an das Zugendsekretariat Berlin SW 68, Lindenstrahe 2, vorn 1 Treppe rechts. Abteilungsleiter! Reicht umgehend das Dezemberprogramm und den Be» richtsbogen vom 3. Quartal eist, sorgt dafür, dah noch ausstehende Adrech» nungen umgehend erledigt werden. heule, Mittwoch, 23. Rovember, 20 Uhr: Gesundbrunnen: Koloniestr. 22. Lichtbildervortrag: Entwicklung des Gesundbrunnen.— Arnimplatz: Besuch der Parteiversammlung.— An- dreasplatz l! Mitgliederversammlung der Partei.— Anbeeasplatz iR..Z.): Brommpstr. 1. Sexuelle Fragen, 1. Teil.— Baltenplatz: Besuch der Äbteilungs. Mitgliederversammlung.— Zeantsurtee Viertel: Frankfurter Allee 307. Ge- nossenschasten.— Peieesbueger Bieetel: Ebertpstr. 12. Schallplattenabend.— Warschauee Viertel iR..F.): Litauer Str. 18. Kurzreserate.— Spanba» fAeltere): Lindauer Str. 1. Reformen oder Revolution?— Wannsee: Restau» rant Lindenhof. Bunter Abend,— Tempelhof: Götzstrahe, Warum arbeitslos? — Adlershof: Bismarckstr. 1. Löns-Abend.— Friebrichshagen: Friedrichstr. 87. Lustiger Dialettabend.— Lichtenberg-Mitte: Scharnweberstr. 23. Wie entsteht der Preis einer Ware?— Reu-Lichtendeeg: Gunterstr. 44. Arbeitsgemeinschaft. — Lichtenbeeg.Nord: Gunterstr. 44. Wahrheit übet den Konflitt Zapan.Ehina. — Mohlsdoes: Schule Waldenserstrahe. Photolehrabend.— Reinickendoes-West: Seidelsti. 1. Bunter Abend. Weede bezirk Prenzlauer Berg! Der Kursus„Drache Marxismus" beginnt umständehalber erst am 30. November, 20 Uhr, Danziger Sit. 23. Berbebezirk»reuzbera: Beginn des Kursus„Die soziale Revolution". Heini Urbanstr. 107, Leitung: Genosse Dr. Wilh. Tietgen». Werbe bezirk Neukölln: Die Borstandssttzung tindet in der Ganghoferftrohe, Baracke(nicht Parteibüro), oünttlich lOiz Uhr, statt. Berbebezirk Lichtenbeeg: Alle 1. Borsitzenden holen um 19', Uhr die Karten iüe die Filmveranstaltung vom Heim Gunterstr. 44 ab. Werbebezirk Pank»w: Kursusbeginn der Gruvve Buch, Buchhol, und Karow. Heim in Karow, Frundsbergstr, 9,„Die Ausgaben der heutigen Jugend", unter Leitung de, Genossen Heinrich Zaeubowiez, �reie GewertschaftS'Iugend Verlin 'mal Heute, Mittwoch, 23. November, 19>5 Uhr, tagen die Gruppen: Süd- Wir westen: Zugendheim Porckstr. 11 tFabritgebäude). Ist der neue Reichs- \i tag arbeitsfähig?— Schöneberg: Jugendheim Hauptftr. 15(Garten haus). Die Schutzpolizei,— Gvondau-Neuftodt: Jugendheim Lindenufer>, Jack London,— Norbeing: Zugendheim Sonnenbnrger vir, 20, Musik«, Musike, — Weiheniee: Iugendbei'm Weihensee, Eoseler Sir, 2. Moderner Strafvollzug, — Arnswolder Platz: Jugendheim Schönlanker Str, 11, Baeacke 0, rechter En- gang. Elternabend.— Neukölln: Jugendheim Berastr. 29(Hof). Bolksbegehren oder auherparlamentarische Aktion.— Flnghoie»: Jugendheim Flughafenstr. 08 (U.Bahn Boddinstrahe). Gesellschaftssptele.— Humboldt: Jugendheim Put- bnsser Str. 22, vorn. Die Frau in der heutigen Gesellschaft.— Schillerpari: Jugendheim. Schule Schöningstr. 17. Lustiger Abend.— Eharlvttenburg: Iu- gendheim Eharlottenburg. Spxeestr.' 30. Lausbubengelchichten.— Baum» schulenweg: Jugendheim Baumschulenweg. Ernststr. 10. Gutheil kommt, bringt Neues.— Jugendgruppe des Gesamtoeebandes: Jugendheim Engeluser 24/2.5, Ausgang S, varterre. Zachgruppe Friseure. Vortragsabend: Die medizinische Kopsmassage. Zuqendqruppe des'Zentralverbanves 0er Anqestellten Heute, Mittwoch, finden folgende Veranstaltungen statt: Schönhauser Vorstadt: Jugendheim der Schule Kastanienallee 81. Sächsisches-Allerlei. Vortragende: Friedet Hall.— Nordost>: Jugendheim Danziger Str. 62(Baracke 3). Arbeitsgemeinschaft: Vorkämpfer für den Sozialismus: Marx und Engels.— Reinickendorf: Jugendheim Lindauer Str. 2(Baracke). Vortrag: Der russische Fünfjahresplan in Zahlen. Referent: Broido.— Köpenick? 9u. gendheim Dahlwitzcr Str. 13(Gasanstalt am Bahnhof Köpenick). Arbeits- gememschaft: Entwicklungstendenzen der kapitalistischen Wirtschaft". Leiter: Raue.— Neukölln: Jugendheim Böhmische Str. 1—4, Ecke Kanner Straße. Das Singen bringt groß Freud(Liederabend).— Südost: Jugendheim Man- teuffelftr. 7. Gruppendesprechung.— Südwest: Jugendheim Borckftr. N(2. Hos. Qucrgebäude, Aufgang 1, Zimmer 3). Hetmveranstaltung.— Schöneberg: Jugendheim Hauptstr. 15(HofgebLude. Sachsenzimmer). Dtskussionsabend: Arbeiterbewegung und Völkerbund.— Eharlottenburg: Jugendheim Spielhogen. straßc 4. Arbeitsgemeinschaft: Entwicklungstendenzen der kapitalistischen Wirt» schast. Leiter: Huhn.— Spandau: Jugendheim Lindenufcr 1. Meckerabend(fach- liche Kritik an unserer Arbeit und an unseren Funktionären).— Potsdam- Nowawes: Jugendherberge Nowawes. Ein Gruppenabend mit Lichtbildern.— Die Versicherungsgesellschaft„Sorgenfrei" A.-G. tagt heute von l< bis 19 Uhr int Vcrbandshaus, Hedemannftr. 12. Vorträge, Vereine und Versammlungen Reichsbanner„Schwarz- Rot-Gold". GelchSitsstelle: Beelin S, 14, Sebastiansir, 37—38, Hot 2 Tr. Wilmersdorf sOrlsverein). Donnerstag. 24. November, 20 llhr, Mitgliederversammlung bei Knlka, Lauenbnrger Str. 21.— Pnnlow Ortsverein). Unser Kamerad Emil Diecke ist plötzlich verstorben. Die Ein äscherung sindet am Mittwoch, dem 23. November, lOZH Uhr, im Krematorium Gerichtstrahe statt. Die Kameradschaften Pantow-Nord und-Süd und Niederschönhause» tressen sich 15.15 Uhr Pontvw.Norddahn, Wollankstrahe. Für Buch. hol,. Blankenburg, Karow und Buch ergehe» besondere Einladungen. Anzug: Uniform, schwarzer Binder, Flor. Nachzügler Eerichlstrahe. Esperanto-Gruppe Humboldt. Restaurant Rheingau, Wilmersdorf, Binger Strohe 9. Freitag, 20 Uhr, Uebungen, Konversatio», geselliges Beisammen- sein. Gäste willtommen. Longsellow English Dedatinq Club. Bülowstr. 104. Heute, 20.15 Uhr, Mr. Bulman-Smith, M. A. über„Debit and Credit". Gäste willtommen. laeihte anzeigen iiiimiimiiiiiiiiimiiiiiiitiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiimmiiiiiuiitmiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii Pr«lt«: UberschriFtswort 20 Pfennig, Textwort 10 Pfennig Wiederholungsrabatt; 5 mal 5%, 8 mal 7>/-%, 12 mal 10%, oder 1000 Worte Abschluß 10%, 2000 Worte 15%, 4000 Worte 20% Annahme durch den Verlag, Undenstraße 3('/«9 bis 5 Uhr), sämtliche Vorwärts-Filialen und-Ausgabestellen� sowie alle Annoncen-Expeditionen uerKauie| Linoleum Szillat. Kolonie. strahe 0. Kochherde seder Art u. Größe Riesenauswahl. Teilzahlung, trän». paclable Kachelölen, Badewannin.Oele». Kesselöien Die alle Firma Semmler und Blepberg. Dresdenerstrahe 99. Iannowitz F 7 8651. !M-I Küchen 05� 200. Weihlack, schränke 35. Metallbettstellen 29. 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In SOjähriger Arbeit, reich an Kämpfen und Ersahrungen, reich aber auch an Erfolgen, wurde der Deutsche Tabakarbeiteroerband zu einem großen machtvollen Glied innerhalb der deutschen Gewerk schastsb ewegu ng. Eggert, als Vertreter des Bundesvorstandes des ADGB., sprach über die Stellung der freien Gewerkschaften zur gegenwärtigen Lage der deut- scheu Arbeiterschaft. Die innerpolitischen und wirtschaftlichen Vorgänge der letzten Zeit— betonte Eggert— beweisen die Richtigkeit des Wortes, daß in Deutschland auf die Dauer kein Kabinett gegen die Arbeiterschaft regieren kann. Den Gewerkschaften war oft die Taktik des Kampfes von Klassengegnern vor- geschrieben worden Das gilt auch für die Lohn- und Tarifkämpfe der letzten Zeit. Im Wege der Verhandlungen mußten alle Möglichkeiten aus- geschöpft werden, ehe an andere Mittel gedacht werden konnte. Es gilt eben auch heute noch und vor allem in der Krise das große Wort Lechens: „Der Streit ist nicht dos erste, sondern das letzte Mittel im Kampf." In den breiten Massen lebt eine starke Sehn- sucht noch Einigung der Arbeiter. Der Bundesvorstand des ADGB. hat für die Einigung der Arbeiterklasse nur eine einzige Be- d i n g u n g gestellt: der brudermörde- rische Kampf müsse aufhören. Was war aber die Antwort der Kömmunistischen Partei auf dieses Angebot? Die Kommunisten er- klärten, in ihrer Gesamtpolftik bleibe nach wie vor die strategische Orientierung maßgebend, wo- nach sie den Haupt st oßgegen die Sozial- demokraten führen müßten. In dem Augenblick, wo in Deutschland wuder ein günstigerer wirtschaftlicher Zustand eintritt, wird der Zulauf zur KPD. aufhören: eine Ab- Wanderung in Scharen wird einsetzen. Die Ge- werkschaften haben nicht die geringste Vor- anlassung, sich in der von ihnen bisher eingehakte- nen Marschrichtung irremachen zu lassen. Sie werden, wenn der Augenblick dazu da ist, ihre Kraft dort einsetzen, wo es gilt, Erfolge zugunsten der Arbeiter zu erringen und wo der Gegner zurückgeschlagen werden muß. Es ist oft gesagt worden, daß die Ge- werkschaften in dem Gärungsprozeß der Gegen- wart die Kerntruppen verdeutschen Arbeiterschaft sind und fest geschlossen dastehen müssen. Ich übertreibe?>icht, wenn ich sage, sie müssen dastehen wie ein Fels im Meer. Und wenn es uns gelingt, durch die bei- spiellose Krise eine Organisation von 4 Millionen geschulter Kernftuppen hindurchzuführen, dann mag es um uns branden, soviel es will. Sind wir einig und geschlossen in der Gewerkschaft, dann kommen wir durch und wieder hoch. Und deshalb braucht man nicht den Blick in die Vergangenheit zu richten und sich darüber den Kopf zu zerbrechen, ob man etwa die großen Güter hätte zerschlagen sollen, ob man seinerzeit im Schatten srem- der Bajonette den Versuch hätte machen sollen, eine bankrotte Wirtschast zu sozialisieren— das Problem liegt nicht hinter, sondern vor uns, als wir bemüht fein müssen, die Arbeiterschaft für den großen Befreiungskampf zu erziehen. Die deutsche Arbeiterschaft ist nicht dazu da, sich für die politischen Ziele der KPD. und die auswärtige Politik Sowjetrußlands einspannen zu lassen: sie muß ihren eigenen Befreiungskampf fcrtsetzen unter den Fahnen des Sozialismus mit dem Losungswort:..Vorwärts zum Sieg!" H u s u n g erstattete den Vorstandsbericht. Aus ihm ersieht man die katastrophale Wirtschaftslage, unter der auch die Tabak- arbefterschast leidet. Die zahlreichen Betriebsstillegungen und die Verlegung vieler Betriebe führte zu Mitgliederrückgang und zu starker Fluktuation innerhalb der Mitgliedschaft. 1932 konnte nur ein Sechstel der Neuaufnahmen von 1928 gebucht werden. Trotzdem kamen auf 199 Vollarbeiter im Jahre 1931 noch 69 Verbands- Mitglieder. Di« rückläufige Mitgliederbewegung soll durch intensive Hausagitation aufgehalten werden. Das Tabakgewerbe leidet stark unter der hohen Besteuerung des Tabaks, die sich lohn- drückend für die Tabakarbeiter auswirkte. Die Not wurde noch größer, als den durch die Steuer arbeitslos gewordenen Arbeitern die Unter- stützung entzogen wurde. Durch die Krise wurden auch die Lohnbewegungen un- günstig beeinflußt. Trotzdem gelang es noch, achtbare Abwehrerfolge zu erzielen. Die von den Unternehmern der Zigarrenindustrie ge- forderte Beseitigung der Ferien konnte ab g e w e h r t werden. Erschwert wurde der Kampf durch die Machenschaften der Nazis undKozis, die mit den Unternehmern verräterische S o n d e r v e r e i n b a r u n- gen abgeschlossen hatten. Im Rauchtabak- und Kautabakgcwerbe konnte die Arbeiterschaft gün- stiger abschneiden. Der Widersinn des Popenschen Ankur- belungsprogramms zeigt sich auch in der Tabakindustrie. Es wurde sestgestellt, daß bei 7999 Neueinstellungen zugleich 7999 Eni- lassungen vorgenommen wurden. Die Mehr- einslellung ist nur auf eine Belebung des Weih- nachtsgeschäsis zurückzuführen. Den Kassenbericht gab K r o h n. Durch die Krise sind auch die Verbandssinanzen stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Während die Einnahmen immer mehr zurückgingen, sind die Unter st ützungen gestiegen. Im einzelnen zahlte der Verband an Unterstützungen 1928: 223 999 Mark. 1929: 399 999 Mark, 1939: 3SI 999 Mark, 1931: schon in dem ersten halben Jahr bereits 4S4 999 Mark. An Beiträgen gingen dagegen ein: 1929: 1 372 999 Mark. 1939: 1 314 999 Mark. 1931: 19S2 999 Mark. Im ersten Quartal 1932 gingen ein 156 999 Mark, im zweiten Quartal 149 999 Mark, im dritten Quartal 122 999 Mark. Wir werden— betonte Krohn— in diesem Jahr über eine halbe Million an Beiträgen nicht hinauskommen. Heute hat der Tabakarbeiter- verband rund ein Drittel Mitglieder weniger als im Jahre 1928. Der Ausfall an Einnahmen beträgt aber zwei Drittel. Die Beitragsleistung ist um 59 Proz. zurückgegangen. Die Gegner haben bisher immer behauptet, die Einnahmen der Gewerkschaften dienten nur dazu, um den sogenannten Bonzen ein faules Leben zu sichern. Die Statistik weist nach, daß 1928 rund 38 Proz. der Einnahmen direkt an die Mitglieder zurückgeflossen sind. Im Jahre 1931 gelangten 68 Proz. der Einnahmen direkt an die Mitglieder zurück. In der Aussprache über den Ge- schäftsbericht fand die zentrale L o h n p o l i- tik des Vorstandes fast allgemeine A n e r- k« n n u n g. Eine große Rolle spielte in der Debatte die fortschreitende Maschinisierung in der Tabakindustrie. Zum Ausgleich für die dadurch bedingte starke Ausnützung der Arbeits- kräste wurde eine höhere Entlohnung für die Ma- schinenarbeiter gefordert. Scharf verurteilt wurde die unsoziale Haltung der Unternehmer, die ihre Betriebe aus das flache Land verlegen, weil sie dort billige Arbeilskräste finden. Fast alle Debatte- redner wandten sich gegen dos verräterische Treiben der RGO-: ein Delegierter betonte sehr richrig, daß die RGO. zwar viel von Einheitsfront rede, in der Praxis jedoch alles tue, um den Tabakarbeiterverband zu zerschlagen. Mit der Haltung des Ver- bandsorgans waren fast alle Debatteredner einverstanden. In seinem Schlußwort rechnete Husung scharf mit dem Treiben der Kommunisten gegenüber den Gewerkschaften ob. Di« Forderung des Verbandes, für die Maschinenarbeiter die Löhne um 39 Proz. zu erhöhen, habe deshalb nicht durchgesetzt werden können, weil das Organisationsoerhältnis unter diesen Arbeftern sehr schlecht sei. Der Entlostungsantrag wurde gegen eine Stimme eines kommunistischen Dele- gierten angenommen. Die Annahme be- deutete eine Vertrauenskundgebung der Tabakarbeilerschaft für die Leistung des Verbandes. Im übrigen erfolgte die Ab- stimmung über die Anträge durchweg nach den Vorschlägen des Vorstandes. Die Beratung der Anträge zum Ver- bandsstatut wurde durch Krohn eröffnet. Er beleuchtete die einzelnen Anträge, die sich mit der Schaffung einer neuen niedrigen Beitrags- klaffe, der Einführung eines Verwaltungsbeitrags für die arbeitslosen Mitglieder, der Invalidenver- sicherung und anderen Fragen beschäftigen. Der Vorstand schlägt die Einrichtung einer neuen Bei- tragsklasse vor; er ist gegen einen Abbau der Unterstützungen. Aus Anlaß des 59jährig«n Bestehens des Deutschen Tabakarbeiteroerbandes beschloß der Verbandstag«instimmig folgende einmalige Sonderunter st ützungen:„Alle Verbands- Mitglieder, die am 22. November 1932 arbeitslos oder krank sind, mindestens 52 Hauptkassenbeiträge geleistet und ihre statutarischen Verpflichtungen ge- genüber dem Verband erfüllt haben, erhalten eine einmalige Sonderunterstützung. Die Sonderunter- stützung richtet sich nach Zahl und Höhe des Unter- stützungssatzes, auf den das Einzelmitglied nach § 9 Ziffer 2 und 4 Anspruch hat. Invalide Mit- glieder, die keinen Anspruch auf Erwerbslosen- Unterstützung haben, erhalten für den Monat No- vember 1932 die Jnvalidenunterstützung in doppelter Höhe ausgezahlt." ADV. gegen Reaktion Die Krise des Rechts Der Vundesausfchuß des Allgemeinen Deutschen Beamtenbundes, der gestern in Berlin zusammentrat, beschäftigte sich nach einem Referat seines Vorstandsmitgliedes, Reichs- tagsabgeordneten Dr. V ä l t e r, mit der Aus- Wirkung der finanziellen Schwierig- keiten von Reich, Ländern und Gemeinden auf die Beamtenbesoldung. Eine Sanierung der öftentlichen Finanzen könne nur durch eine großzügige Umschuldungsaktion, durch «ine Neuregelung des Finanzausgleichs unid durch eine grundsätzliche neue Steuer- Politik erreicht werden, die aber nur bei völli- ger Abkehr von dem gegenwärtigen politischen Kurs möglich fei. In der Aussprache wurde die schwierige Finanz- läge der Länder besprochen, die durch die Hol- tung des Reichs zum großen Teil gezwungen worden sind, zu dem sogenannten R o l l s y st e m überzugehen. Besonders eingehend wurde die Lage der Gemeindefinanzen erörtert, die infolge der immer mehr zunehmenden Wohlfahrts- lasten geradezu verzweifelt ist. Dos Referat des Bundesvorsitzenden Falken- b« r g über den Kampf gegen die Kultur- reaktion ging von dem Grundgedanken aus, daß auch die Kulturpolitik von der politischen Machtverteilung abhängt, wie es sich besonders in dem neuen Rundfunkkurs zeige. Vom Bundesausschuß wurde einstimmig folgende Eni- schließung angenommen: „Durch den seit einiger Zeit systematisch betriebenen Abbau freiheitlicher Schul- und Kulturpolitik sind die berechtigten Interessen breitester Volksschichten ernsthaft bedroh». Besonders aber im Rundfunk sind Geisles- sreiheit und Gleichberechtigung der Weltanschauungen durch einseitige vationalistssche Programmgestaltung gefährdet, ver Bundesausschiuß des ADB. begrüßt die Bestrebungen der Fron tsrei- helllicher Hörer, die sich zur Bekämpfung von Re- aktion und Volksverdummung sowie jeder Diktatur im Rundfunk gebildet hat. Er fordert die wilglieder der ihm angeschlossenen verbände aus, sich der Kampfsront gegen die kulturreaktion einzureihen und erwartet von ihnen, daß sie ins- besondere den Kamps gegen alle versuche geistiger Vergewaltigung im Rundfunk unterstützen." Eine weitere Entschließung wendet sich gegen Sie Reaktton auf dem Schulgebiet. Schließlich nahm der Bundesausschuß die vom Vorstand des ADB. vorgelegte Denkschrift zur Reichs- und Verwaltungsreform entgegen, die sich insbesondere mit der Verwal- tungsresorm des Reichskommissars für Preußen beschäftigt. Energisch erhob der Bundesausschuß Einspruch gegen das Ausmerzen der„Außenseiter" der Aufstiegsbeamten aus der mittleren Laufbahn und aller derer, die nicht die„Ochsentour" hinter sich haben. Das Kennzeichen der gegenwärtigen Entwicklung sei nicht nur ein« Staats- und Staatsrechtkrise, sondern als deren Folge auch «ine Krise des Beamtenrechts und oes Rechts- gefühls in weiten Kreisen der Beamtenschaft. einen großen Kampf um die freigewovdenen oder freizuwerdenden Posten. Auch die„Querverbindungen" mehr oder wcni» ger gewerkschaftlicher Natur und die Abkomman- dierungen von Abgeordneten, um der Reaktion zu Hilfe zu kommen, haben in gewissen bekannten Tatsachen eine nicht zu leugnende Grundlage. Wir erinnern nur an die Unterstützung des nationalsozialistischen Volksbegeh- rens in Preußen durch die Kommunisten und an Sie Hilfsstellung, die die Kommunisten im Preußischen Landtag wiederholt der reaktiv- nären Opposition geleistet haben. Was nun die Querverbindungen sozusagen ge- werkschaftlicher Art betrifft, so braucht man ja nur an die verschiedenen unglücklichen Streiks zu erinnern, die von einer n a t i o- nalsozialistisch- kommunistischen Einheitsfront geführt wurden. Aber vielleicht phantasiert das kommunistische AbenSblatt deshalb so gern von angeblichen Querverbindungen, die von den Sozialdemokraten bis zu den Nationalsozialisten hinüberreichen, um die Querverbindungen in Vergessenheit zu bringen oder mindestens zu entschuldigen, die von T h ä l- mann zu Hitler hinübcrreichen. Die Aussperrung im Mecklenburger Granit- und Marmorwerk in P a r ch i m ist mit einem Erfolg für die Belegschaft beendet worden. Statt einer Senkung der Akkordsätze um 5 Proz. tritt nur eine Senkung von 2 Proz. ein: dafür erhalten aber die Aktordarbeiter bei Trans- portarbeiten nicht mehr wie bisher den Lohn der ungelernten Arbeiter, sondern ihren Tariflohn, der um 19 Proz. höher liegt. Dadurch wird der Abzug um 2 Proz. vollständig ausgeglichen. Die bis zum 4. November gezahlten Stundenlöhne haben bis zum 1. September 1933 Gültigkeit. Auch in Homburg KoukHht im Gastwirtsgewerbe Das Groß-Hamburgische Gastwirts- gewerbe ist von Streik bedroht. Der Zentralverband der Gast- und Schankwirte von Groß-Hoinburg hat Verhandlungen zwecks Ab- schluß eines Tarifvertrags abgelehnt, wozu die Parteien vom Schlichtungsausschuß im September ausgesordert wurden. Die Arbeitnehmerverbändc haben daraufhin den Schlichtungsausschuß angerufen. In ihm wird zur Zeft über den Ab- schluß eines neuen Tarifvertrags verhandelt. Kommt es dabei nicht zu einer tragbaren Rege- lung, dann ist ein Streik allem Anschein nach unvermeidlich. Die Gastwirtsgehilfen find empört über die Haltung der Unternehmer, denn das Schreiben, mit dem der Arbeitgeberverband Parteioerhand- luagen ablehnte, stellt eine Verhöhnung der Gast- wirtsgehilsen dar. In dem Schreiben wird gesagt, die Gasthausangestellten seien mit dem jetzigen Zustand: willkürlicher Abbau der Löhne um 15 bis 25 Pro,;., Fortfall des Urlaubs und eines Teils der Ruhetage, Sonntagsarbeit bis zu 16 Stunden so sehr zufrieden, daß sie gar keine Aenderung wünschten. Querverbindungen Von Thälmann zu Hitler Die„Welt am Abend" tischt ihren Lesern wie- der einmal die Ente auf von den angeblichen Querverbindungen, die vom ADGB. oder unserem Genossen Le spart bis zu den Nazis reichen. Sie erzählt mit der gewichtigen Miene eines Kannegießers, der nochmal Amerika entdeckt hat, baß Verhandlungen im Gange seien, und daß man sogar plane, einer Koalition von Zentrum und Nationalsozialisten dos Regieren zu erleichtern durch die Entjernung von Gewerkschaftsabgeord- neten bei wichtigen Abstimmungen. Man habe aber schließlich davon abgesehen, weil Hindenburg unter anderem eine Explosion innerhalb der Ge- werkschasten und der Sozialdemokratischen Partei verhindern wolle, die unabweisbar die Folge einer derartigen Haltung sein würde. Im übri> gen gebe es jetzt innerhalb der SPD. und des ADGB. einen Kamps um die Posten. Die ab- gebauten sozialdemokratischen Beamten möchten wieder innerhalb der Bürokratie unterkommen. So ungefähr stellt sich der kleine kommunistische Moritz die sozialdemokratische Politik und die Haltung der Gewerkschaften vor. Wir können diese, sensationellen Mitteilungen der„Welt am Abend" noch ergänzen. Ein Kampf um die Posten hat allerdings stattgefunden, und zwar nicht nur einmal. Es ereignete sich jedesmal, wenn eine „Führerschicht' der KPD. abgesägt wurde oder abgesägt werden sollt«. Dann gab es dort immer Ankurbelung München, 21. November. Die Zahl ber Neueinstellungen auf Grund der Verordnung zur Vermehrung und Erhaltung der Arbeitsgelegenheiten vom 5. September beträgt insgesamt seit Inkrafttreten der Verordnung bis zum 19. November in Bayern 8344 Arbeiter und 99 Angestellte. Köln, 21. November. Auf Grund der Verordnung vom 5. September zur Vermehrung und Erhaltung der Arbeits- gelegenheiten sind im achlichterbezirk Rheinland bis zum 19. November rund 7259 Neueinstellungen vorgenommen worden, die sich auf 213 Betriebe verteilen. Die Mehrzahl der Einstellungen erfolgte in der Textil-, Metall- und chemischen Industrie. * Also noch nicht 16 999 Neueinstellungen inner- halb eines Sechstel des Reiches. Donach würde die Gesamtzahl der Neueinstellungen trotz Prämien, Steuergeschenke und Lohnabbau im ganzen Reich noch nicht 199 999 betragen. l'/i Millionen versprach Popen in Arbeit zu bringen. Dafür hat er über zwei Milliarden Mark vertan. Noch nicht 190 090— die sassonmäßig zwangsläufigen Einstellungen cinbegrftfen— sind das Ergebnis. Zur politischen gesellt sich die wirtjchastliche Pleite. Sieben Millionen Kronen sind von den s ch w e- dischen Gewerkschaften in den ersten drei Vierteln des laufenden Jahres zur Unter- stützung der arbeitslosen Mitglieder gegeben worden. Davon entfallen aus die Metoll- arbeitergewerkschaft ollein 3,5 Millionen Kronen. Hierzu 2 Beilagen Der„Vorwärts" erscheint wochentäglich zweimal, Tonntogs und Montags einmal. Zllustrieri» Eonnlagsdeilagc im voraus zahlbar. Postbezug 3,g7 M. einschließlich SO Pf. Postzeitung' M"~"M"' höherer_®ei»altj3c_flcl)t kein Ansvruck�der Abonnenten aus Ersatz, A von IS einmal. Illustrierte Sonntagsbeilage„Volk und Zeit". I Bezugspreis«: Wochent lich 7Z Pf., monatlich 3,25 M.(davon 87 Pf. monatlich tilr Zustellung ins Haus! > und 72 Pf. Postbestellgcbiihren. Auslandsabonnement 5,65 M. pro Monat; für Länder mit ermäßigtem Druäsachenporto 4.65 M. Sei Aussall der Lieserung wegen nzeigenpreise: Di« einspaltige Millimeterzeile 30 Pf., Reklamezeile 1.50 M.„st l e i n e Anzeigen" das settgedruckte Wort 20 Ps., jedes weitere ----..-------—*-----------"------'' Lindenstr. 3, wochentäglich Steiner; Feuilleton: Herbert Vrrlin ED. 68. Lindeirstr.». ZWEITE BEILAGE Mittwoch, 23. Nov. 1932 24] ROMAN von stefan pollatsch ek] (Copyright Saturn- Verlag.) „Und du bist so ganz überzeugt, daß all dies unwiderruflich ist, daß du den Weg zu- rück nicht mehr suchen wirst?" „Es ist � ganz unwiderruflich", lächelte Weltlin.„Sieh' mat wie könnte ich den Weg zurück suchen, da ich alles erkannt habe'" „Was hast du erkannt? Was denn? Wie ein Tor hast du gehandelt! Wie ein Kind! Wie ein Narr! Was willst du denn? Glaubst du, daß du die Welt ändern kannst?! Erwas Großes glaubst du getan zu haben?! Eine Torheit hast du begangen, zum Gelächter dummer Jungen bist du geworden!" Susi schrie auf und schluchzte fassungslos. Weltlin strich ihr leise durch das Haar. „Laß sie spotten und laß sie lachen, laß sie höhnen und laß sie schreien. Sie verstehen das alles nicht!" „Und du verstehst das? Was verstehst du? Was denn?" „Ich kann es dir nicht erklären, Susi! Ich fasse es heute noch nicht ganz! Wer ich mußte so handeln. All dies mußte so kommen!" „Das sind dumme Redensarten! Kannst du mir nichts Besseres sagen?! Kannst du mir nicht erklären, warum du all das getan hast?" „Erklären? Nein, das kann ich nicht. Was liegt auch an der Erklärung?" „Du sprichst wie ein Irrer, Wichelm! Du bist krank! Du bist um deinen Verstand ge- kommen, Wilhelm!" „Nie war ich klarer als jetzt", sagte Weltlin und lächelte. ,�Hör' auf, mst diesem Lachen. Ich kann es nicht ertragen!" schrie Susanne aus und lief in eine andere Ecke des Zimmers. Dort blieb sie stehen und rief wieder in Tränen ausbrechend: „Was soll nun werden? Wie willst du leben?" „Ich weiß es nicht— nein, ich habe dar- über noch nicht nachgedacht." „Willst du also Not leiden, darben, hungern?" „Vielleicht, wenn es so sein muß." „Man wird dich einsperren— hörst du?! Man wird dich in eine Irrenanstalt bringen!" „Vielleicht!" „Und all das schreckt dich nicht? Bist du ein Komödiant, Wilhelm, oder ein Narr?!" „Nein, all das schreckt mich nicht. Was immer auch kommen mag, ist besser, als das, was gewesen ist. Sieh' mal. ich habe fünfzig Jahre gelebt und habe nicht zu mir gefunden. Ich habe von frühmorgens bis abends ge- arbeitet, ich habe Sorgen gehabt und anderen Menschen Sorge bereitet, ich bin nie zu mir selbst gekommen!" „Und jetzt— jetzt bist du bei dir?" „Ich bin auf dem Wege zu mir." „Um zu dir zu gelangen, oder wie immer du das nennst, hättest du doch nicht so töricht handeln müssen, du hättest doch alles in Ordnung erledigen können, um dich dann zurück- zuziehen und dein Leben leben zu können?" „Mit einer Rente etwa? In einer Villa? Auf Reisen? Im Auto, Luxuszug, Flugzeug? In Hotels, auf Liegestühlen, im Spielsaal? Ach Susi, du begreifst nicht, worauf es an- kommt!" „Worauf kommt es also an. du Phan- tast?!" „Ich habe mich am Menschen vergangen", sagte leise Weltlin.„Ich leide, leide recht sehr! Aber das kannst du wohl nicht be- greifen?" „Nein, das kann weder ich noch sonst ein vernünftiger Mensch begreifen", sagte Su- sänne und ging auf und ab. Dann aber trat sie zu ihm und sagte:„Aber wenn es so sein muß. Wilhelm, wenn es wirklich so sein muß, dann laß' mich bei dir!" „Wie. du willst bei mir bleiben, du, die das alles als Torheit empfindet?"' „Was gehen mich denn diese Dinge an? Ich will bei dir bleiben! Begreifst du denn das nicht, du ganz, ganz kluger Mann?" „Ich begreife es", sagte Weltlin mit zittern- der und brüchiger Stimme nach einer Ewig- keit.„Ich begreife es, aber ich werde dir wohl einen argen Schmerz bereiten müssen, meine liebe, liebe Susanne." Das Mädchen war zutiefst erschrocken, als sie das erstemal diesen fremden Namen von des Mannes Lippen hörte. Nun wußte sie alles, alles mit einem Male. Ihr Schicksal schien besiegelt Das Herz setzte ein wenig aus, sie mußte sich mit einer Hand am Tisch- rand stützen, sonst wäre sie umgesunken. So stand sie nun da— so wie Weltlin dagestan- den war, als sie vor wenigen Minuten, vor vielen Stunden das Zimmer betreten hatte. Der aber schritt ruhelos auf und ab, auf und ab und es schien, als wären die Rollen ver- tauscht, ganz und gar vertauscht. Er sprach und sprach und sie schwieg und horchte in sich hinein. „Ja, ich fürchte dir einen argen Schmerz bereiten zu müssen...". hörte sie diese Stimme, aber es war kein Schmerz, sondern nur unsägliche Müdigkejt, die Susanne emp- fand. ,.... Doch ich muß allein sein, siehst du, diesen Weg muß ich allein gehen, ganz allein!" Als er wieder aussah, war er allein. Und wieder klopfte es an Weltlins Türe. Vor ihm stand Erna. Sein Herz schlug vor Freude, er ergriff ihre Hände und zog"sie in den Raum.„Erna", flüsterte er und immer wieder„Erna". Er sah nicht, daß diese Erna nicht mehr das kleine vierjährige Kind war, das auf seinem Schoß gespielt hatte, er sah nicht die junge Dame, er sah nur sein Kind. Erna blickte im Zimmer umher, solche Räumlichkeiten waren ihr bisher fremd gewesen, es war ihr unmöglich, sich vorzustellen, daß hier ihr Vater wohnen könnte. „Ja, Vater", sprach sie langsam und vor- sichtig, als spräche sie zu einem Kranken, „ich bin seit gestern wieder hier. Du mußt nämlich wissen, daß ich da draußen in Wer- nigerode keine Zeitung gelesen habe. Aber vorgestern kam ein aufgeregter Brief von Fräulein Susanne Kreitner. Sie ist sehr nervös und scheinbar ein wenig hastig, denn aus ihren Zeilen wurde ich nicht ganz klug. Erst hier erfuhr ich alles..." „Nun— und? Jetzt bist du wohl gekommen, um mich auf den richtigen Weg zurückzuführen, zur Familie, zur Fabrik, zum Geldoerdienen— wie?" „Aber wo— Väterchen? Kennst du mich so schlecht? Ich habe noch nie einen Menschen gehindert— keinen und an nichts!" Sie schwieg und Weltlin sah den toten Krüger, aus dessen Wunde dickes, rotes Blut floß... „Aber Sorgen machst du uns alter Vater!" Sie parodierte einen tragischen Tonfall und bewirkte immerhin, daß eine Art kleines Lächeln im Gesicht Weltlins für Sekunden- dauer erschien. Höie und Freuden Sin QuerfchniU durchs Theater/ Don Stoberl Streuer Wilhelm der Entschwundene soll einmal gesagt haben:„Das Theater ist auch eine meiner Waffen." Damit hat er den Sinn des Hofcheaters, wie er es verstand, enthüllt: Plakatierung des Königsgedankens, Lob der Hohenzollern, Demuts- dusche für das Volk. Sprich: Josef von Laufs und Ernst von Wildenbruch. Viel genutzt hat es ihm nicht. Solche Vergeblichkeit bekommt Bedeutung, wenn man in einer kleinen Schrift von Alfred Kerr „Was wird aus Deutschlands Theater?" (S. Fischer Verlag) liest, daß die Kunst unserer Zeitläufte, nachdem sie nicht vermochte, sich als Mittel zum Kampf zu bewähren, nur noch ein Mittel zum Trost bleibt. Kerr, immerhin kein Rückwärtsler, eher eine Linksrakete, beschließt seine Feststellung mit der Forderung:„Wenn Kunst, dann KUNST." Und in solcher Zielweisung sieht er, pathetische Demagogie verhöhnend, die Rettung des deutschen Theaters. Kerr will den Kern und Hält wenig von Nebenzwecken, wenig besonders vom gepriesenen„Zeit- stück", von dieser„Zeitung... mit verteilten Rollen" Er betont, daß die meisten dieser Zeit- stücke geschludert waren und obendrein herkömm- licher„Rebellenschmus für Vereine". Er erinnert an die Dreigroschenoper und meint, daß die Leute da weniger in ein Zeitstück als in ein Unter- Haltungsstück gegangen sind. Dann nimmt er sich den Br e ch t vor, den Typus der Verworrenheit in einer verworrenen Epoche.„Brecht betont seine Unvollkommenheit: als wäre sie ein Prinzip, nicht ein Defekt." Im Gegensatz zu diesem pri- mitioen Revolutionär nennt Kerr: H o r o a t h, Neumeyer, Billinger, Tagger und die F l e i ß e r i n, auch B a r l a ch— fähige Dramatiker.„Das sind Werte, das sind nicht nur Aussichten." Es bestehen also für Deutschland,„bis jetzt das erste Theaterland der Welt", halbwegs sichere Hofsnungen, vorausgesetzt, daß es in Zukunft noch erlaubt sein wird, menschlich-ernste Stücke zu spielen. Was wiederum voraussetzt, daß„die dicken Finger der körperwuchtigen Heilsarmee", gemeint ist die Firma Hitler und Bracht, nicht Deutsch- lands gesunden Wuchs plump zermanschen. Neben den Gefahren der politischen Reaktion lauern aus das Theater die Schweinereien des Kapitalismus, des kapitalistischen Betriebs, des Betriebes überhaupt. Hierüber belehrt, zwar ein Oünlher UtlrUenfeld. �nter Sternen Es ist ein Erhabenes, unter Sternen zu stehn und mächtig zu werden mit ihrem größeren Wandel über das Schicksal hin von dir zu mir. Und es ist ein Vernichtendes, unter Sternen zu stehn und Erde zu fühlen an wegmüden Sohlen und schuhtief zu sinken in nächtliche Leere von dir zu mir. Und es ist ein Erlösendes, unter Sternen zu stehn und ihnen zu folgen weitab vom Tage im Herzschlag der Liebe von dir zu mir wenig wsitschweisig, aber doch spannend und mit gediegener Kennerschaft, der neue Roman von Otto Z a r e k„Theater um Maria Thul" lPaul Zsolnay Verlag). Aus 600 Seiten wird die Geschichte einer Schauspielerin erzählt, vom kümmerlichen Provinzmädchen bis zum Berliner Star, vom Hunger bis zum verschwenderischen Glanz, von der Bedeutungslosigkeit bis zum Welt- rühm und zum Börsenwert. Und damit fiel das Stichwort, um das sich alles dreht: der wilde Tanz der Geldmänner, der Agenten, der Spekulanten des V'ergnügungsmarktes, der Schieber, der Grossisten, der Trustkopitäne, kurz der macht- gebietenden Herren des ebenso komplizierten wie gefährlichen Komplexes, den die Naiven noch immer für eine moralische Anstalt und eine kul- turelle Gipfelung halten. Mag sein, daß Zarek einen Schlüsselroman geschrieben hat und daß die kleine emporfliegende Maria eigentlich Elisa- b e t h und B c r g n e r heißt, sicher ist, daß dos Wesentliche des fleißigen Buches ein bitter- getreues, nur wenig verzerrtes, den peinlichen Originalen vom Habichtsleibe geschriebenes Konterfei dessen ist, was man eben großstädtisches Theatergeschäft nennt. Geschäft mit all seinem Anreißertum. seinem Humbug, seinem Risiko, seinem Gewinn und seinen Pleiten, seiner Cha- rakterlosigkeit und seinem Leichtsinn, seiner Groß- mannssucht und seinem Sumpf. Ein für die Soziologie und die ethische Bewertung de- heutigen Theaters unentbehrliches Buch. Aber ein Buch des bösen Blickes, aus einem monomanen Gesichtswinkel heraus gesehen, mit Galle, ja mit Haß geschrieben. Dennoch: ein unentbehrliches Buch, unentbehrlich für alle Ideologen und befon- ders für jene Schwärmer, die„zum Theater möchten". Doch bleibt zu befürchten(und zu hoffen), daß diese Besessenen(ob vom Genie, ob vom Wahn) sich mehr an zwei gleichfalls soeben erschienene Bücher von Julius B a b halten werden. Das ein«„AdalbertMatkowsky— eine Heldensage"(Oesterheld u. Eo.), wie das andere„Die D e v r i e n t s. Geschichte einer deuffchen Theatersamilie"(Georg Stilke) bewährt neben dem gründlichen, mit ungezähllen Einzel- Helten vertrauten Forscher den ebenso besonnenen wie begeisterten Schriftsteller. Adalbert Matkowsky. 1857 in Königsberg ge- boren, steigt mit der Allgewalt eines Gestirns in drei Etappen: Dresden, Hamburg, Berlin, empor und geht, kaum mehr als fünfzig Jahre alt, glorreich, flammend, zu den Gefährten, die er spielte, zu den Helden Schillers und Shakespeares, Goethes und Kleists, Grillparzers und Hebbels. „Die Gnade, in der er lebte, war das Wunder der Verwandlung." Er konnte nicht lesen(wie etwa der wesentlich intellektuellere Kainz), er konnte nur spielen. Als ihn einmal ein frivoler Statist in solche Spiel störte, stürzte er in furchtbarem Zorn aus den Toren und man hatte den Eindruck, daß wenn Matkowsky ihn erwische, er ihn totschlagen würde. Solche explodierende Gewalt fand nicht jedermanns Zustimmung. Fontane meinte, Matkowsky gäbe zu oft„ganz unmotiviert Dampf": Schlenther bezweifelte, daß er als.Krieger für den Werkeltag" zu brauchen sei.„In der Tagesdroschke geht er zu sehr durch, aber als Rennpferd siegt er sicher." Kerr gar nannte ihn:„einen Wagnersänger ohne Stimme". Solche Kritik war gewiß nicht ganz unberechtigt: aber was bedeutet es, ein Erd- beben oder einen Vulkanausbruch zu kritisieren. Matkowsky war«in Elementarereignis, ein Ge- „Denkst du denn wirklich", fragte sie mit singender Stimme,„daß dieses Leben einen Sinn hat? Muß denn das alles sein, Vater?" „Gewiß, Erna, es muß sein, alles was kommt, muß geschehen!" „Nein, Vater, so meinte ich das nicht! Aber haben all diese Entbehrungen, die du dir auferlegst, haben all diese Opfer, die du bringst, irgendeinen Sinn und Zweck? Hilfst du auch nur einem Menschen damit? „Du fragst schlecht, mein Kind. Ich ent- behre nichts und bringe keine Opfer, ich will auch mit meinem Leben keinem anderen Menschen helfen, nur mir selbst. Ich konnte nicht mehr länger so weiterleben wie bisher, das ist alles! Ist denn das gar so schwer zu begreisen?" „Ja, das ist schon schwierig, Vater. Sieh, du verläßt um einer Idee willen dein Leben, alles was dich bisher umgab. Kannst du dieser Idee nicht auch dienen, ohne uns— und dich selbst aufzugeben?" „Ich kann aus all das keine Rücksicht nehmen, mein Kind, vielleicht kann ich es ' auch nicht einmal erklären. Mit einem Male erkannte ich, daß ich so wie bisher keines- falls weiterleben kann, und da habe ich mein Leben verändert das ist alles. Es ist so wenig eine äußere Propaganda, die ich be- treibe, wie ein Irrsinnsakt, für den ihn Susi offenbar hält. Wie all das kam, weiß ich nicht, aber ich kann es nicht ändern." (Fortsetzung folgt.) witter, das sich entlud, ein Blutstrom, der Bühne und Parkett fraß. Die Deorients find ein ungemein interessantes Beispiel für die Vererbung geistiger Eigenart im Stusengang einer Familie. Am Anfang steht das Genie von Ludwig Devrient, geboren 1784 in Berlin: ein Nachkömmling, leidlich begabt, spielte noch vor wenigen Jahren im Wiener Burgtheater. Bab verfolgt die Spuren dieser Theatersamilie, die von einem Seidenhändler abstammt, über fünf Generationen hin und gewinnt damit einen abwechslungsreichen Querschnitt durch die Ge- schichte der deutschen Bühne. Die schauspielerische Kraft strömt auch hier aus der Ekstase: von Ludwig, dem löwenhäuptigen Herold, wird berichtet, daß er von seinen Rollen bis zur Selbstzerstörung gepackt wurde. Einmal, nach der Darstellung eines Selbstmordes, fiel er in Ohn- macht, um beim Erwachen zu lächeln:„Ich dachte, ich sei wirklich gestorben." Ein andermal, es geschah im Berlin der Romantik, im Schatten von E. T. A. Hoffmann, nachdem Ludwig Devrient bei Luttcr u. Wegner hinter seiner Flasche lange gebrütet hatte, nahm er zwei Pullen Champagner und wanderte hinaus auf den nächtlichen Friedhof vor dem Halleschen Tor, um dort auf Hosfmanns Grabe Stunde auf Stunde zu sitzen und dem toten Bruder Glas auf Glas zuzutrinken. Am Morgen fand der Toten- gräber auf des Dichters Grabe, in Starrkrämpfen liegend, den Schauspieler. SiakenkreusB imStonmn In unserer Morgenausgabe vom 8. November demonstrierten wir an dem Beispiel eines im G r o t e s ch e n Verlag erschienenen Romans von Heinrich Herm. wie aufdringlicher, nationa- listischer Rassekult sich in scheinbar neutraler Unterhaltungsllleratur breit macht. Hierzu sendet uns der Verlag G. Grote ein Schreiben, das uns aus einen.Irrtum" aufmerksam machen soll. Der Verfasser des Buches, so wird uns mitgeteilt, sei ein gebürtiger Franzose, der in der Schweiz naturalisiert ist. Aus einer bei- gelegten kurzen Autobiographie des Herrn Heinrich Herm erfahren wir weiter, daß er bei Ausbruch des Weltkrieges in Deutschland eine Deutsche geheiratet und Deutschland mit als Wahlvaterland angenommen hat. An unserem Urteil über denRomanselber vermag die Herkunft des Verfassers nichts zu ändern. Ist doch der Begründer der alldeutschen Rasfelehre, Houston Steward Chamber- l a i n, bekanntermassen gebürtiger Engländer gewesen, der aus wagnerianischer Begeisterung im blondhaarigen und langschädligen Deutschtum die Edelrasse unter den Völkern entdeckt hat. Wir begreifen jetzt erst völlig, was gerade in der Hermschen Deutschenvergötterung aus uns so ab- stoßend gewirkt hat: es war der Hautgout eines übertreibenden und damit unbewußt karikierenden Renegatentums. loe. Jllfo fprach... Wilhelm von Oranien. Statthalter der Niederlande, den 1689 das englische Parlament als König nach England holte, wählte bei seiner Thronbesteigung als Umschrift für jein neues Wappen die Devise:„�on rapui-sed recepi". „Nicht an sich raffen— als Geschenk empfangen". Jonathan Swift aber, der berühmte eng- liche Satiriker sagte, eine andere, eine freiere Uebersetzung träfe besser den Sinn.„Der Hehler ist so schlecht wie der Stehler", war die Ueber- sctzung, die Swist für sinngemäßer hielt. m.w. der Wahrheit bleiben! Wird das Leben der Arbeiter in der Sowjetunion leichter und leichter? Bei In seinen Darstellungen über Sowjetrußland pflegt sich der„Vorwärts" möglichst streng an amt- liches russisches Material oder an die Angaben sowjetrussischer Zeitungen zu halten. Das ist nötig, well die deutsche Arbeiterschaft von der sowjetrussi- schen Wirtschast, soweit es möglich ist, lernen soll. Die deutsche Kommunistische Partei, besonders die „Rote Fahne", hat die Irreführung der Oeffent- lichkeit über das Leben der Arbeiter in der Sowjet- union in den letzten Wochen so arg getrieben, daß diesen Irreführungen mit tatsächlichen russischen Angaben entgegengetreten werden muß. Ein Mostauer Telegramm in der„Roten Fahne" vom 19. November berichtet:„In der Sowjetunion werden die Löhne für die Arbeiter sowohl der Leicht- wie der Schwerindustrie erneut bedeutend erhöht. Das Volkskommissariat für die Schwerindustrie hat ein neues Lohnabkommen ausgearbeitet, wonach eine generelle Erhöhung sämtlicher Arbeiterlöhne von 29 bis 25 Proz. erfolgt." In der gleichen Nummer schreiben(angeblichj die Po st Helferinnen aus Moskau nach Berlin:„Strafen und Entlassungen gibt es nicht. Der Durchschnittslohn einer Telephonistin ist 195 Rubel Dazu kommt der Akkordlohn, der nach der Schnelligkeit der Abfrage berechnet wird. Er beträgt durchschnittlich 29 Rubel... Das Essen in den Kantinen ist reichlich, gut und schmackhaft. Wer nicht satt ist, kann nachhaben... Jedes Jahr wird das Leben leichter, jedes Jahr erhöht sich der Lohn." Die Telephonistin erhält danach im Durchschnitt, einschließlich des Akkordlohns, 126 Rubel. Dem seien, ohne jeden Kommentar, einige Preise in Moskau gegenübergestellt. In der„P r a w d a" vom 12. August ist zu lesen:„In den letzten Tagen waren die G e m ü s e p r e i s e in den Staats- Handelsläden und im Konsumverein höher als auf dem Markt. So kostet ein Kilogramm K a r t.o f s e l n auf dem Markt 1 Rubel 25 Ko- peken, im Konsumverein 1 Rubel 79 Kopeken, Gurken fein Stück) auf dem Markt 25 Kopeken, im Konsumverein 39 bis 49 Kopeken." In anderen Städten ist es nicht anders. In Odessa z. B. bezahlt man für ein Kilogramm Kartoffeln auf dem Markt 1 Rubel, in dem Werkskonsum der Fabrik„Rote Gewerkschaftsinternationale" 2 Rubel, für 499 Gramm Quark auf dem Markt 1 Rubel 59 Kopeken, im Konsumverein 2 Rubel. (Aus„Snabschenie, Kooperacia, Tor- g o l j a" vom 22. A u g u st.) Damit ist der Lohn von 125 Rubel im Monat zu oergleichen und auch die Wirkung einer Lohnerhöhung von 29 bis 25 Proz. zu ermessen. „Strafen und Eaklafsuugen glbk es nicht." Die Zeitung„Ekonomitscheskajo S ch i s n" o o m 9. A u g u st enthält einen Artikel über die Lage der Arbeiter in der Metallindustrie. Nach ihm wurden in der Metallindustrie überhaupt im April 1932 fin einem Monat) wegen Ver- letzung der Arbeitsdisziplin 2L Proz. der Arbeiter entlassen: im Mai waren es 3,4 Proz. Noch mehr strafweise Enllassungen kamen in der Eisen- und Stahlindustrie vor. 3,3 Proz. der Arbeiter wurden im April, 3,8 Proz. im Mai wegen Bruch der Disziplin entlassen. Dazu kommen die frei- willigen Abgänge. Wir geben hier wieder nur offizielle russische Angaben und keinen Kam- mentar. Am 11. September berichtete das aus- schlaggebende sowjetrussische Wirtschaftsorgan„S s Iv<1u8trialisaeiu" über die Fluktua- t i o n in den Betrieben des Woftokostalj, der Metallwerke im Ural. Bei einer Durchschnitts- belegschast von 52 799 Arbeitern wurden in den ersten fünf Monaten des laufenden Jahres 26 799 Mann neu eingestellt. Aber 32 999 Mann verließen die Arbeitsstätten. Im Juni, Juli und August nahm die Fluktuation weiter zu. Während am 1. Januar noch 54 999 Mann arbeiteten, waren es am 19. August nur noch 44 699. Der Plan rechnete mit 55 999. Plan- mäßig folgten an den Baustellen im August 23 899 Arbeiter beschäftigt sein: es waren aber nur 8699. In der eigentlichen Metallurgie, an den Baustellen, in den Nebenbetrieben und den Betriebsbahnen arbeiteten im August noch 68 Proz. der vom Plan vorgesehenen Arbeiter. Die genannte Sowjet- zeitung nennt als Gründe für diese Entwick- lung selbst die Vernachlässigung der Arbeiterbedürfnisse. So wurde das Wohnbauprogramm im ersten Quartal des Jahres nur zu 66, im zweiten gar nur noch m 46 Proz. erfüllt. Anstatt zuzu- nehmen, nimmt d i e Wohnfläche ab, auf den Kops der Arbeiterbeoölkerung gerechnet. Ent- fiel aus den Metallarbeiter im Ural 1939 noch eine Wohnfläche von 3,63 Quadratmeter, so 1931 bloß noch eine von 3,32 fdreieindrittel) Quadratmeter. .�segt ist sie noch kleiner", heißt es in demselben russischen Blatt. In einem Bericht über Stalino in..5a lu- dustrialisaciii" vom 15. September d. I. heißt es: „warum verläßt man denn das Stalin werk? Zm Skalinrverk bringt es der werkskonsum och« einmal fertig, die Arbeiter ausreichend mit Kartoffeln zu oersorgen, ver Arbeiter Eharlscheuko, Familienvater, Schienenwalzwerkarbeiler, um eiu Beispiel zu neuuen, mußte im August 20 Proz. seines Lohnes für Kartoffeln ausgeben. Er bezahlte dafür auf dem Markt 30 Rubel. Für Z Liter Petroleum gab er im August K Rubel aus." In den Kohlenrevieren wandern die Bergleute aus der Suche nach einem Arbeitsplatz mit aus- reichender Verpflegung und menschlicher Wohnung von Grube zu Grube. Einige Zitate aus Dutzenden gleichartiger.„In den legten Monaten wur- den in den Schächten 8, 8a und 9 des Gorlower Bezirks einige hundert Arbeiter neu eingestellt: aber doppelt soviel wanderten ab. In großer Zahl verlassen qualifiziert« Arbeiter die Gruben, darumer sind Leute, die zehn Jahre dort gearbeitet haben"(„Trud" vom 39. September >932). Di« Gruben von„Arkmugol" verloren in den letzten Monaten 3999 Arbeiter, da- von waren 39 Proz. Häuer.„8a Ind." vom 3. Oktober 1932.) 3 9 9 Stoßbrigadler verschwanden aus dem Schacht„Jljitsch" im Kadiewsker Bezirk.(„Trud" vom 29. Oktober 1932.) Wie gesagt, das sind ganz wenige Zitate aus sehr vielen. Am 9. Juni 1932 schrieb„5a Industriali- saciu":„Auch von 1939 gab es im Donez- becken(dem wichtigsten Kohlenrevier) eine Fluk- tuation von Arbeitern. Es wanderten jedoch fast ageschließlich neugekommene Arbeiter ab. Die Gruben hatten ihre beständigen Kaders. Eine Untersuchung des ukrainischen Arbeitsinstituts hat Kohlenexport steigt Besserung im britischen Kohlenhandel Wie in Deutschland macht sich auch in Groß- b r i t a n n i e n seit einigen Wochen eine Besse- rung im Bergbau bemerkbar. Die Belegschaft im britischen Steinkohlenbergbau, die noch von An- fang August bis Anfang Oktober um 12 599 Mann gesunken war, hat sich in der zweiten Oktoberwoche erstmalig wieder um 4299 Mann erhöht. Auch die Förderzrffern sind im Verlauf des letzten Monats gestiegen. Diese leichte Besserung dürfte auf eine B e l e- bung des englischen Kohlenexportes zurückzuführen sein. Verschiedene spezielle Kohlen- Verschiffungshäfen melden eine fühlbar« Besserung des Exportgeschäftes. Einig« Häfen können eine Steigerung der Verschiffunzen von Januar bis Oktober bis zu 7 Proz. im Vergleich mit dem Vorjahr verzeichnen, während bei den westengli- schen Häfen der anhaltende Rückgang des Kohlen- sxportes jetzt zum Stillstand gekommen ist. Wenn sich diese Besserung auf dem Weltkohlenmarkt noch schärfer durchsetzt, so würde dies auf ein« deutliche Belebung der Weltwirtschaft hinweisen. Auch in den übrigen englischen Industrien sind seit dem vergangenen Monat Anzeichen einer all- Daß der sortgesetzte Kaufkrastmord, der in der kapitalistischen Krise„automatisch" eintritt und in dieser schlimmsten aller Krisen von der Baronsregierung amtlich verordnet wurde, zu einer furchtbaren Verschlechterung der Lebens- Haltung nicht nur der arbeitslosen, sondern auch der arbeitenden Bevölkerung geführt hat. das wurde hier am Beispiel des Milchabsatzes schon öfter dargelegt. Wann der Rückgang des Milchverbrauchs zum Stillstand kommen wird, ist nach der amtlichen preußischen Mol- k e r e i st a t i st i k, deren Ergebnisse jetzt für Sep- tember vorliegen, nicht abzusehen. In Preußen war der Frischmilchabsatz im Sep- tember um 6,2 Proz. geringer als im Sep- tember vorigen Jahres. Da aber schon im Jahre 1931 gegenüber 1939 ein Rückgang um etwa 12 Proz. festzustellen war, so ist der Verbrauch an frischer Milch in zwei Jahren um nicht weniger al» 18 Proz. gesunken. Der Rückgang des Milchoerbrauchs gegenüber dem gleichen Monat des Vorjahres betrug im Januar... 11,4 Proz. Juni.... 16,2 Proz. Februar... 19,6„ Juli..... 8,8„ März.... 19,8„ August... 5,4„ April.... 19,6„ September. 6,2„ Mai..... 15,6„ Daraus ist zu folgern, daß der außergewöhnlich starke Rückgang im Mai und Juni auf das besonders kühle Wetter zurückzuführen ist: daß aber in den Monaten Juli bis Sep- tember bei normalem Wetter der Berbrauchsrückgang erheblich stär- ker gewesen wäre. Da der Verbrauchsrückgang seinen einzigen Grund in der gesunkenen Massenkauskrast hat, so ergeben, daß jetzt das Donezbecken einen b« d e u> tenden Teil seiner alten Kaders eingebüßt hat. 1939 wechselten monatlich 24 Prozent des gesamten Arbeilerbeslandes, 1931 29 Proz. Im ersten Vierteljahr 1932 haben mehr als 59 999 Arbeiter das Donezbecken ver- lassen. In einzelnen Gruben wechseln im Laufe eines halben Jahres 65 bis 75 Proz. der Arbeiter. Im Juni 1931 betrug die monatliche Ar- beitsleistuno eines Arbeiters 15.2 Tonnen, im Juni 1931 14,3, im April 1932 13,8 Tonnen." Die Verschlechterung der Lebensbedingungen der Bergarbeiter drückt die Leistung und vertreibt die Arbeiter. Die Folgen zeigen sich in den Pro- duktionsziffern. Anstatt zu steigen sinkt die arbeitstägliche Förderung. Im Ok- tober 1981 schwankte sie zwischen 139 999 und 149 999 Tonnen: im Oktober 1932 kam sie an den besten Tagen nicht über 129 999 Tonnen hinaus. Die„Rote Fahne" vom 19. November 1932 aber schreibt:„Jedes Jahr wird da« Leben leichter." Die Bemühungen um den wirtschaftlichen Ausbau Sowjetrußlands sollen und dürfen nicht bös- willig herabgesetzt und auch nicht verkleinert wer- den. Aber glaubt ein einziger kommunistischer Arbeiter, daß man Sowjelrußland oder der sozia- listischen Idee einen Dienst leistet, wenn man in unwahrhaftiger verhimmeluug Sowjetruh- lands systematisch Lügen über die wirkliche Lage der russischen Arbeiterschaft verbreitet, wie es die kommunistische Partei Deutschlands tut? gemeinen leichten Belebung vorhanden. Die Rohsisenförderung und Stahlproduktion sind gestiegen. Die Wollindustrie meldet erstmalig seit längerer Zeit eine Belebung des Exports. Der Güterverkehr auf den Bahnen hat sich über den saisonmäßigen Umfang erhöht, wenn auch das Defizit nach wie vor sehr hoch bleibt. Das �anhende Pfund Amerikas kalte Schulter Die Unsicherheit über die Haltung der amerika- nischen Regierung in der Frage eines Aufschubs der englischen Kriegsschuldenzahlungen hat den Pfundkurs aufs neue schwer er- s ch ü t t e r t. Seit Beginn voriger Woche ist das Pfund— nach vorangegangenen Besserungen— im Verhältnis zur Reichsmark von 14,96 wieder auf 13,75 Mark gefallen. Der bisher niedrigste Kursstand des englischen Pfundes von 13,99 Mark in diesem Jahr ist also durch den neuen Pfund- verfall wieder relativ weit unterschritten. Nach den bisher aus New Park vorliegenden Meldungen bleibt die Haltung der amerikanischen Regierung gegenüber den Moratoriums- ist nicht weiter verwunderlich, daß der Rückgang besonders stark beim Absatz der qualitativ hoch- stehenden, aber teuren F l a s ch e n m i l ch war. Zahlen werden leider nicht gegeben: aber die Ab- nahmen des Flaschenmilchoerbrauchs in Pommern und Berlin werden als„ganz gewaltig" be- zeichnet. Nun ist die Milchanlieferung der Landwirt« an die Molkereien im September 1932 um etwa ein Prozent höher als im September 1931 gewesen. Da der Frischmilchabsatz gesunken ist, mußte ein größerer Teil der Milcherzeugung verarbeitet werden. Auch in der Käseherstellung ist die Verwinde- rung der Massenkauskraft von Einfluß gewesen. Zwar ist der Gesamtumfang der Produktion kaum(um 1,3 Proz.) gesunken, aber wie beim Milchabsatz herrschte hier der Zwang zum Uebergaug aus schlechtere Qualitäten. Es wird eine wachsende Menge von Mager- milch statt Vollmilch zu Käse verarbeitet, so daß die Erzeugung guter Käsesorten dauernd zurück geht, während die Erzeugung billiger Käse- sorten(mit geringem Fettgehalt) steigt. Da an Butter immer noch ein Einfuhr- bedarf besteht(wie übrigens auch an Käse), konnten die Milchmengen, die nicht als Frischmilch abgesetzt wurden, ohne weiteres der Lulterpro- duktion zugeführt werden. Bon 199 Litern an- gelieferter Milch wurden im September 6 5 Liter zu Butter verarbeitet. Gegenüber September 1931 stieg die Butterproduktion um 4,4 Proz., gegenüber September 19 3 9 um 8.6 Proz. Daß aber für die Höhe des Butterpreises wieder allein die Maffenkaufkrait entscheidend ist, das bedarf in diesem Zusammen- hange keiner besonderen Ausführungen. forderungen ihrer europäischen Schuldner nach wie vor unnachgiebig Die Amerikaner weisen daraus hin, daß zum mindesten bei Frank- reich von einer Zahlungsunfähigkeit nicht die Rede sein könnte. Hinzu kommt, daß die Entscheidung über diese brennende Frage in die letzten Monate der Hoooerschen Amtszeit fällt, und daß der neu- gewählte Präsident Roosevelt offenbar nicht die Absicht hat, seine Amtsperiode vorweg mit einer bei den amerikanischen Steuerzahlern so u n- populären Mahnahme wie einem Kriegs- fchuldenmoratorium zu beginnen. Kesseltreiben Unternehmerverbände gegen Wagemann Wie man erst jetzt erfährt, haben sich die deut- schen Unternehmerverbände einen Streich geleistet, gegen den nicht scharf ge- nug protestiert werden kann. Der Centraloer- band des deutschen Bank- und Bankieroerbandes, der Industrie- und Handelstag. der Reichsverband der deutschen Industrie und der Reichsverband de» deutschen Groß- und Ueberseehandels. also sämlliche wichtigen deutschen Unternehmerver- bände, haben durch ihre Vorsitzenden ein Schreiben an die Reichsregierung ge- richtet, in dem gegen die Ausführungen von Pro- fessor Wagemann zur deutschen Kredit- und Wäh- rungspolitik protestiert und die Reichsregieruug gebeten wird, dahin zu wirken, daß Professor wagemanu seine Kritik einstelle. Der Oeffenllichkeit ist bis jetzt nur die Tatsache bekannt, daß ein solches Schreiben abgegangen ist. Der Inhalt des Schreibens ist von den betelligten Stellen bisher oerschwiegen worden. Wir fordern zunächst die Bekannt» gäbe des Schreibens, denn wir halten es für wahrscheinlich, nachdem die Vorschläge Wage- manns in breitester Form in der deutschen Oeffent- lichkeit diskutiert und damit keinerlei Unheil an- gerichtet wurde, daß die protestierenden Unter- nehmerverbände nur chr schlechtes Ge- wissen dokumentieren, wenn sie chr Schreiben an die Reichsregierung geheim halten. Im übrigen wollen wir uns zur Sache nur sehr kurz, aber sehr deutlich äußern. Es handelt sich hier für die Oeffentlichkeit nicht um die Frage, ob man für oder gegen Wagemanns Vorschläge ist. Entscheidend ist allein, daß hier von sämtlichen deutschen Unternehmerverbänden mit einem geheimgehaltenen Schreiben e i n Druck auf die Reichsregierung ausgeübt wird zu dem Zweck, den höchsten für die Statistik und die Konjunkturforschung verantwortlichen deutschen Beamten, der zugleich Unwersitätsprofessor ist, an der Aeußerung seiner Auslassungen über die unbestritten zentralsten Wirtschaft?- und Kredit- Probleme zu hindern. Wir lassen dahingestellt, ob nicht noch das Sonderinteresse etwa der deut- schen Privatbanken und auch das persönliche Interesse de» jetzigen Leiters der Reichsbant bei dem Schritt der Unternehmerverbände eine Rolle gespielt haben. Wir überlassen es den genannten Stellen, sich dazu zu äußern. Aber wir halten es für unerträglich, daß Persönlichkeiten, die vermöge ihrer dienstlichen und wissenschaftlichen Tätigkeit mehr als andere mit den wichtigsten Lebensfragen des deutschen Wirtschaftsmechanis- mus vertraut find, durch den Willen von Inte» essenten der Mund verboten werden könnte. Der Fall ist hier besonder» ernst und gesähr- sich, weil vermöge der beamtenwähigeu Ab- hänglgkeit und Schweigepflicht wagemanns die wichtigsten össeullicheu Interessen von Juter- essenten torpediert werden könnten, ohne daß die Oesseutlichkeit etwas davon zu erfahren braucht. Dazu kommt die doppelte Moral, mit der die deutschen Unternehmerverbände nach den bisher gemachten Erfahrungen handeln. Wir sind überzeugt, daß Professor Wagemann ruhig seine Pflichten gegenüber seinem Amt und die Pflicht gegenüber der Wahrheitserforschung oerletzen und daß die deutschen Unternehmerverbände sich mit keinem Wort dagegen wenden, sogar seine„Ver- dienste" laut und geheim noch unterstreichen würden, wenn durch ein solches Vorgehen Wage- manns die Sonderinteressen des Unternehmertums gefördert werden würden. Wir erinnern nur daran, wie die letzte Prognose des Kon- junkturinstituts, für die Wagemann verantworllich ist, von der gesamten Unternehmerpresse dazu aus- genützt wurde, PqpensSteuerprogramm als mit dem Segen der Konjunkturforschung und Wissenschaft versehen zu erklären, obwohl die tat- sächlich von Wagemann der Papen-Regierung ge- machten Vorschläge im schroffsten Widerspruch zu den Maßnahmen des Papen-Programms standen! Auf der anderen Seite fühlen sich jetzt offenbar durch Wagemanns Kritik und Vorschläge I n t e r- essenten getroffen, und die Gelegenheit wird zu einem nicht qualifizierbaren Protestschritt bei der Reichsregierung benutzt. Ein solches Der- fahren muh niedriger gehängt werden. Großhaudelspreisc sinken noch. Die vom Statisti- schen Reichsomt für den 15.»iooember berechnete Großhandelsindexziffer ist mit 94,1 gegenüber der Vorwoche um 9,3 Proz. gesunken. Bine Hungerstatistik Andauernde Schrumpfung des Milchkonsums