Morgen-Ausgabe Nr.563 A276 49.Jahrg. Redaktion und Verlag: Berlin 5W 68, Lmdenstr. 3 Fernsprecher, Ä? Amt Dönhoff 292 bis 297 Telegrammadresse: Sozialdemokrat Berlin BERLINER VOLKSBLATT MITTWOCH 30. November 1932 In Groß' Berlin Ii) Pf. Auswärts...... 15 Pf. Bezu• Tgungcn und Anze-genpreise siehe am Schluß des redaktionellen Teils Äentratoega« der Sozialdemokratische« Wartet Deutschlands Hitler kommt zu Schleicher Verkancüvmgen am Mittwoch— dann Bericht an Hindenburg Die die„Telegraphen-Union" von zuoerlossiger Seile ersährl, hat Adolf Hitler jich ent- fchlosfen, dem Wunsche Schleichers zu entsprechen und wird heute vormittag zu einer Aussprache mit ihm über die politische Lage nach Berlin kommen. Hitler soll gegen 9 Uhr in Berlin eintresscn und gleich anschliehend dürste die Besprechung stattfinden. so dag noch gegen Mittag dem Reichspräsidenten über das Ergebnis dieser Aussprache Bericht erstattet werden kann. In den Nachmiltagsstiinden des Diensiags er- statteten der geschättsführende Reschstanzler von P a p e n, Reichswehrniinifter von Schleicher und Staatssekretär Dr. Meißner dem Reichs- Präsidenten über den bisherigen Verlans ihrer Fühlungnahme mit den Parteien und sonstigen Organisationen Bericht. Da die Besprechungen mit den Nationalsozialisten noch nicht beendet sind, konnte diese Berichterstattung vor dem Reichspräsidenten nur eine Art Zwischen- b e r i ch l sein. Die schon für gestern angesagte Unlerhoitung h i l l e r-« ch l c i ch e r wird sür heute erwartet. Danach will, so heißt es, der Reichspräsident den Bericht Schleichers entgegemiehmen und seine Ent- scheidung treffe». Von der angeblich bevorsieheitden Wieder- betrauung Popens ist es stiller geworden. Es ist auch nicht einzusehen, warum das scheitern von Verhandlungen, die andere führen, zu einer Wiederernennung Popens führen müßte, mit dem überhaupt niemand mehr verhandeln will. Da- gegen wird als neue Kombination erörtert, daß Pape« als„geschäftsführender Reichskanzler" ohne Biktawr a. N. Lin Vergessener wirä 70 Zakre Wenn man einem Deutsche» unier Sv Jahren heute den Namen des Herrn von Kay: nennt, so riskiert man die Antwort:„Bedauere, den Film habe ich noch nichi gesehen." Gustav von Kohr, der jetzt 70 Jahre alt wird, ist aber keine Filmfigur, sondern er mar vor zehn Iahren ein Kampfaktcur aus der politischen Bühne und bei- nah einen Tag long Diktator Deutschlands. Er war einer der zahllosen„Retter", die das deutsche Bürgertum seit 19Z4 begeistert auf den Schild erhoben hat, um sie nach kläglichem Versagen ebenso schnell zu vergessen. Vor neun bis zehn Jahren schrieb die rcchtsbürgcrlichc Presse über Herrn von Kohr grundsätzlich nicht anders als über den „Bismarck des Südens". In Wirklichkeit war Kohr ebenso ein Bismarck, wie heute Herr von Pape» einer ist. Sein „bismärckisches" Genie bestand in einer eng- ft i r n i g reaktionären Gesinnung. sein Verdienst um Baiicr» dann, eine Periode jinstcrster Reaktion herbeigejührt zu haben. Bayern wurde die„Ordnungszelle", in der tZeme- mord und Justizmord miteinander wetteiferten. Die ganze Periode endete 1S2Z in einem Gemisch von Kotnödic, Krawall uno wechselseitigem Verrat der nationalen Mannen. Der Kapp-Putsch von 1020 der allein in Bayern zu dauerndem Ersolg der Reaktion führt e, brachte Kohr an die Macht. Seine reaktionäre Herrschaft gewährte militaristischen Geheiinver- bänden und Vcrschwvrcrorganisationen Asyl. München wurde der Zufluchtsort nir reaktionäre Mörder und Verschwörer. Wer sich aber in der Rätczeit mißliebig gemacht halte der wanderte unter irgendeinem Borwand ms Zuchthaus wu Eisners Sekretär Fechenbach Dann kam das Jahr 1923, das Jahr der Ruhr- beseßung und Inflation. Es gab in München der 5)itler-Bewegung ihren ersten großen Austrieb. Kahr strebte danach, sich Hitlers zu bedienen, aber förmliche Ernennung weiter wursteln könnte, und besonders Schlaue meinen, als in Demission be- findlicher„geschäftsführender Röichstanzler" könne Papen kein Mißtrauensvotum erhalten, denn wer schon ins Wasser gefallen sei, der werde vom Regen nicht mehr naß. Dann ist auch wieder viel von einem„K a in p f- k a b i n e t t" die Rede, das entweder von Schleicher oder von Papen gebildet werden soll Gemeint sein kann damit nur ein Kabinett, das einen Kampf gegen das eigene Volk illhrt, uno daß ein solches Kabinett gerade das ist, was Deutschland jetzt am wenigsten brauchen kann, glauben wir schon mit hinreichender Deut- lichkeit gesagt zu haben. Ein solches Kampfkabinett würde natürlich auch ein 5labinelt Hitler darstellen, sür das die Nazipresse noch immer kramps- Haft Reklame zu niachen versucht. In dieser Situation das Schicksal Deutschlands einem Phrasenhelden anzuvertrauen, der noch nie prak- tische Arbeit geleistet hat und der mit einer im- überwindlichcn Scheu vor wirklicher Verantwortung behastet ist, wäre schon der nackte Irrsinn. Nicht Rhetorik und Romantik, sondern nur Nüchternheit und gesunder M e n- schenverstand könne» einen Ausweg finden Das aber sind Eigenschaiten, die weder in herreu- ttubs noch in Braunen Häusern zu Hause sind! Wirtschaft weiß nichts i�eineLintluLnakme auk k�egierungs- bilänng Der Reichsverband der Industrie teilt mit:„Im Hinblick aus wiederholte Presse- Meldungen, daß die Wirtschaflskreise bei der Kabinettsbildung um ihre Auffassung ge- selber die Führung zu behalten. Im September 1923 ließ Kahr sich zum„Generalkommissar mit diktatorischen Vollmachten" für Bayern ernennen und nahm gleichzeitig den vom General von Lossow befehligte» bayerischen Teil der Reichswehr„in Pslicht". Das war der klare Anfang einer Rebellion. Aber mährend Kahr noch mit den Konsequenzen zögerte, schlugen Hitler und Ludendorfs los. Jin Bürgerbräukellsr spielte sich am 8. November das bekannte Affentheater ab, bei dem Hitler den zögernden Kahr mit Gewalt mitzureißen suchte. Ursprünglich halte Kahr, be- gleitet von einigen Ministerkollegen, lediglich vor einer Versammlung von Münchener Bierphilister» eine Rede halten wollen.'Aber Hitler ließ die Aus- gönge besetzen, feuerte die berühmten zwei Schüsse in die Decke und zwang mit sanfter Gewalt Kahr und die anderen Minister ins Nebenzimmer. Nach kurzer Beratung erschienen die Heroen in schöner Einig- keil wieder.« Kahr ließ sich von Hitler der beiialls- tosenden Versammlung als der Diktator Deutschlands vorstellen, freilich mit der Ein- schräntung, daß er dies'Amt nur„als Platzhalter für einen künftigen Monarchen" übernehmen wolle. Unter Beifallsorkanen schüttelten sich Kahr und huler immer wieder die Hand zum Schwüre ewiger Treue Was nicht ver- hinderte, daß Kahr am nächsten Tage mit der Begründung, „von Hitler vergcwalligt" worden zu sei», Hitlers Kolonnen am Odeonsplatz zusammenschießen ließ.— Aber diese Schüsse be- endeten auch Kohrs politische Lausbahn. Nachdem der Prozeß gegen Hitler und Ludendorss noch ein- mal das Intrigenspiel und die Wortbrüchigkeit der nationalen Mannen,— Hitlers gebrochenes Ehrenwort, Kohrs gebrochenen Treuichwur— ins hellste Licht gestellt Halle, mutzte Kahr oerschwinden. Auf einen ruhigen Lerwaltungsposten abgeschoben, trat er 1931 in den Ruhestand. Nun w'rd der„Diktator Deutschlands" siebzig Jahre alt. Wer denkt noch an ihn'? Wenn nicht in einem samojen Roman L i o n Feucht- fragt wären oder einen Einfluß �auszuüben ver- sticht hätte», ist festzustellen, daß weder der Rcichsverband der Deutschen Industrie noch die Bereinigung der Deutschen Arbcitgeberverbände in dieser Richtung irgendwie in Anspruch ge- nommen worden sind oder eine Betätigung aus- geübt haben. Unzutreffend ist auch die Meldung, daß der Vorsitzende des Reichsverbandcs, Herr Dr. Krupp von Bohlen und Halbach, dabei eine Mittlerrolle zu spielen oder sonst irgendwie in die schwebenden Verhandlungen ein- zugreifen versucht hätte." Neuratst bei Hindenburg Der Reichspräsident empfing gestern den ans Genf zurückgekehrten Reichsminister Freiherrn von Neuratb zum Vortrag. Gegen payen-KurZ LesebluIZ der Zentrumsfraktion Die Zentrumsfraktion des Reichstags taßle am Dienstag nach einem Vortrag des Abg. K aas eine» Beschluß, in dem itochmals gegen das Popen-System Front gemacht wird. In der Entschließung heißt es u. a.: „In Uebereinstimmung mit der Partei- und Fraktionsleitung hält die Fraktion an dem Ziel der Schaffung einer Not und'Ar- beitsge meinschaft zwischen allen in Be- kracht kommenden Parteien fest. Nur aus diesem Wege kann dem Reiche in dieser gefahrvollen Zeit eine sichere, vom Volksvertraucn getragene verfassungstreue und soziale Staatsführung und dem erschütterten Wirtschaftsleben die notwendige Beruhigung gegeben werden." wangers das Münchener Milieu des Jahres 1923 und in ihm das Porträt dieses kleinlichen Bürokraten sestgehallen wäre, er würde für ewig vergessen sein. Wieviele» aber von den heutigen Rettern und großen Männern wird man nach abermals zehn Jahren den gleichen Nekrolog schreiben?! Rauferei oder Rotmord Wieder ein Naz:i-3cbwindel geplatzt Eigener Bericht des„Vormürls" 211 ü n ch c n, 29. November. Wieder ist ein„Rol-2Nord"-Schwindel der Nazis entlarvt. In der Nacht zum 2. 21tai war es zwischen Bauernburschen in dem oberbayeri- scheu Dörfchen Zck'ng zu einer schweren Bauferei gekommen, bei der ein Mann tot. einer lebensgefährlich und ei» dritter leichter verletzt aus dem Platze blieben. Zufällig war der Erstochene ein SA.-Mann. Flugs machte die Nazipresse aus der Don- blirschenrauferei den„R o t- M o r d von I ck i n g" und tagelang nährte sich der„Völkische Beobachter" von den blutrünstigen Schilderungen der grausigen Taten, Die Beerdigung mußte zu etner„wuchtigen Demonstration gegen das marri- ftische Untermenschentuni" dienen. Obwohl vie Polizei bald nach sorgfältigster Untersuchung er- kläre» ließ, es habe sich nicht der leiseste politische Anhalt als Ursache der Schlägerei ergeben, blieb der ,Rot-Mord von Icking" dennoch das be- liebteste Zugstück in der bayerischen Nazipropa- ganda. Jetzt hat ihr die Verhandlung vor dem Schwurgericht in München das Lebenslicht aus- geblasen. In der Urteilsbegründung stellte der Vorsitzende fest, daß die Tat„eine Rauferei besoffener Bauernburschen" gewesen ist, die jedes politischen Motive? entbehrte. Von den Angeklagten war nicht ein einziger politisch interessiert noch organisiert. Helft! Helft! Opfer des kreibeitskampfes in Not In den Büros der Gefangenen- und Ver- wundetenhilfe häufen sich Fragebogen und Berichte In grausiger Deutlichkeit spiegeln sie das ungeheure Unglück, das der Mord- -error und die Bürgerkriegshetze der braunen Armee über unzählige Arbeiterfamilien ge- bracht haben. Die T o t e n l i st e der Eisernen Front nennt 1l)6 Gefallene i sie umschließt den Schmerz der Frauen und Kinder, die den Ernährer verloren haben, den Gram der Eltern, die ihre jungen Söhne hergeben mußten Dausende trugen als Folge hinterlistiger Ueberfälle Verwundungen und Verletzungen davon, viele von ihnen sind zu Krüppeln geworden, für immer aus dem Erwcrbsprozeß alisgeschaltet. Svi) Kameraden sitzen in Gefängnissen und Zuchthäusern, Opfer einer einseitig urteilenden Sonder- justiz. illiii haben ihre Aburteilung noch zu erwarten. Hinter diesen Zahlen verbirgt sich eine Un- summe menschlicher Not. Die Witwen müssen. des Ernährers beraubt, sich eine Existenz schaffen. Aber oft heißt es in Berichten:„Es ist für die Witwe des Kameraden X. nicht möglich, Arbeit zu finden, weil in unserem Ort alle Arbeitgeber nationalistisch sind und niemand die Frau eines Reichsbanner- mannes einstellen will" Da muß die Ge- f a n g e n e n und Verwundeten- Hilfe einspringen: hier durch die Be- schaffung einer Nähmaschine, dort durch eine Beihilfe zur Errichtung einer Plätterel. In vielen Fällen muß sie beraten, Wege weisen: für die Erlangung einer billigeren Wohnung, für die Erziehung und Ausbildung der Kinder: sie muß wirtschaftlich helfen, ermuti- gen und aufrichten. Am tragischsten ist das Schicksal der Ver- mundeten, die auf der Höhe der Kraft zu hilflosen Krüppeln geworden sind.„Der Kamerad B. hat in seiner Eigenschaft als Saalschutz bei einem Ueberfall durch Ratio- nalsozialisten so schwere Kopfverletzungen davongetragen, daß. er jetzt vollständig gelähmt ist und die Sprache verloren hat. Er wird nie wieder erwerbsfähig werden." So heißt es in einem Bericht und daran knüpft sich der Antrag:„Es müssen Mittel für eine laufende zusätzliche Unterstützung bereitgestellt werden, denu mit der geringen Unterstützung durch das Wohlfahrtsamt ist der Lebensunterhalt der Familie und die Pflege des Schwerkranken nicht möglich." Der Vollzug der Gefängnis- oder Zuchthausstrafe ist für den Gefangenen selbst und für seine Angehörigen von einschneidender Bedeutung, zerstört oft die Existenz und bringt mindestens während der Haftdauer schwerste wirtschaftliche und seeli- sche Not über die Angehörigen. Darüber sagen die Berichte:„Der Kamerad W. ist seit dem 6. Juli in Untersuchungshaft. Seine Frau ist während dieser Zeit niedergekommen Sie leidet seelisch schwer unter der Ungewißheit der langen Untersuchungshaft. Dazu kommt die Sorge um den Lebensunterhalt. Seit der Mann im Gefängnis ist, ist sie mit der Miete im Rück- stand: das Wohlfahrtsaint gibt eine monat- liche Unterstützung von 12,60 M, für sie und die beiden Kinder. Wir helfen, soviel wir können, aber der Winter steht vor der Tür und es fehlt an allen Wintervorräten."— . Die Ehefrau des Gefangenen G. erhält für sich und ihre drei Kinder eine monatliche l'nterstützung von 41 M. vom Wohlfahrtsamt. Dafür will die Gemeinde das kleine, mit Hypotheken belastete Häuschen noch mit einer weiteren Hypothek belasten, so daß die Ge- fahr des Verlu. es dieses Eigentums besteht. Die Familie leidet bitterste Not, kann keine Licht- und Wassergeld in Rückstand, so daß Sperrung zu befürchten ist." Daß der Vollzug der Strafe in vielen Fällen die gänzliche Zerstörung des Existenzaufbaues bedeutet, zeigt ein- dringlich folgender Fall-„Der Kamerad M., 2/5 Jahre aü. ist zu 9 Monaten Gefängnis verurteilt Er ist Kaufmann und hat nach li/zjähriger Arbeitslosigkeit Ende Oktobei wieder Anstellung bei seiner alten Firma er- halten Auf diese Anstellung hin hat M. das Aufgebot bestellt und will am 39. November heiraten. Für den Strafantritt, der am 5. November erfolgen sollte, konnte ein Auf- schub bis zum 15 Dezember erreicht werden. Eine weitere Strafaussetzung ist abgelehnt worden. Das bedeutet für M. den Verlust seiner Arbeit und jeder Aussicht, diese Slel- lung jemals wieder zu erhalten, sowie die völlige Zerstörung der wirtschaftlichen Basis, auf der er feine Ehe aufbauen wollte." In solch knappen Worten, die durch ihre Kürze und Nüchternheit ergreifen, schildern Hunderte von Berichten ähnliche Verhältnisse. Alle enthalten den Schrei nach Hilfe. Alle aber auch berichten, was schon getan worden ist. Die Kameraden in denStraf- an st alten sind nicht vergessen: regelmäßige Besuche, Versorgung mit Lite- ratur, Lebensmitteln, Zigaretten gehören zum Arbeitsgebiet der Gefangenen- und Ver- wundetenhilfe. die es als ihre Ehrenpflicht betrachtet, alle Kräfte einzusetzen, um den ge- fangenen Kameraden während ihrer Hast- zeit das Leben ein wenig zu erleichtern, vor allem aber sie zu beruhigen über das Schick- sal ihrer Angehörigen- D ie Hilfe für die Angehörigen stellt die umfangreichste Arbeit für die Ge- fangenen- und Verwundetenhilfe dar und erfordert die meisten Mittel. Selbstverständ- lich werden all? Möglichkeiten, Hilfe aus den Mitteln der öffentlichen Fürsorge zu er- halten, in Anspruch genommen, aber in fast allen Fällen sind ergänzende Unterstützungen notwendig. Und hier hat die Solidarität der Arbeiterschaft sich wundervoll bewährt. Zahl- reich sind die Fälle, in denen von Mensch zu Mensch geholfen wird, auf eine einfache und schlichte Weise, von der nichts nach draußen dringt, die aber das Gefühl des Vertrauens und der Beruhigung in den schwer betroffe- nen Familien aufrecht erhält. Da kommt die Vorsitzende eines Ortsausschusses für Ar- beit�rwohlfahrt auf das Büro der Gesäuge- nhn- und Verwundetenhilfe und sagt:„Ich kann 15 Familien melden, die jede aus die Dauer von sechs Wochen das Kind eines politischen Gefangenen oder Verletzten zur Erholung aufnehmen will." Ein anderer OrksaltSschuß für Arbeiterwohlfahrt hat Kinderkleidung gesammelt und genäht und stellt sie zur Verfügung. Ein arbeitsloser Parteigenosse bringt einen Mantel und ein Paar Stiefel:„Vielleicht könnt ihr das ge- brauchen— ich bin noch von früher her gut mit Kleidung versorgt." Solidarität! Tief ist das Gefühl der gegenseitigen Verpflichtung und brüderlichen Verantwortung in der Parteigenossenschaft verankert Aber die Einzelhilfe, so unerläh- lich und wertvoll sie ist. reicht nicht aus. Die Notwendigkeit der Hilfe erstreckt sich auf einen so großen Personenkreis, erfordert in zahlreichen Fällen— besonders bei den Witwen und Waisen und den Schwerver- mundeten— beträchtliche Mittel für den Wiederaufbau der Existenz, für die Fortküh- rung der begonnenen Ausbildung der Kin- der, laufende Zuschüsse zum Lebensunterhalt — Leistungen, die nur erfüllt werden können, wenn alle, die da�u irgend in der Lage sind, sich verpflichtet fühlen, zu helfen. Beim Partcivorstand ist ein zentraler Ausgleich- fonds eingerichtet, die Bezirksleitungen der Partei und der Eisernen Front haben Unter- stützungsfonds angelegt Helft alle da- zu beitragen, daß die Genossen in den Strafan st alten und Krankenhäusern über das Schicksal ihrer Familien beruhigt sein können. Sie gaben Leben, Ge- sundheit und Freiheit! Wir wollen helfen aus brüderlicher Gesinnung und Kampfverbun- d e n h e i t! Hungermarsch in USA. New-Fork, 29. November. Ein neuer Hungermarsch nach Washington ist im Gange. Die Vorhut wird dieser Tage in Washington erwartet. Sie besteht aus mehreren tausend Vertretern von Arbeitslosen, Kricgsteil- nehmern und Farmern Sie wollen dem Kongreß ihre Forderungen, darunter Stundung ihrer Schulden, durch Delegationen unterbreiten. Die Behörden sind entschlossen, den Hungermarsch gewaltsam zu verhindern Ein- setzung von Bundestrupven und Erlaß eines De- monstrationsverbotes stehen bevor. Schmeißt die Schweine raus! �aTl-öurxermeister, Ltaatsamvalt und Götz von Berlichingen Vor der Reichstagswahl hatte Die Deutsche Staatspartei in Dessau eine öffentliche Wahloer- sammlung anberaumt, in der der Reichstags- abgeordnete Lemmer sprach. Diese Wahloersamm- lung, die in Dessau im„Hotel schwarzer Adler" stattfand, nahm einen äußerst stürmischen Verlauf Der jetzige Bürger m ei st er Hofmann van Dessau, der gleichzeitig nationalsozialistischer Landtagsabgeordncter ist, hat in dieser Wahl- Versammlung gerufen:„Schmeißt die Schweine raus!" Danach wurden die Mitglieder des Voi- stände? und der Redner körperlich verletzt und -war, wie der Oberstaatsanwalt von Dessau fest- gestellt hat, durch Wurf mit Eiern, Kar- toffeln, einem Bierglas und zum Teil durch Fußtritte. Auf Grund des Vorkomm- niffes haben die Beteiligten Strafantrag gegen Hofmann gestellt. Der Oberstaats- anmalt in Defiau hat vor wenigen Tagen nun- mehr darauf eine Antwort erteilt, in der er ein Einschreiten ablehnt. Er erkenne zwar eine öffentliche Beleidigung durch den nationalsozialistischen Bürgermeister an und ebenso stellt er die Körperverletzung fest. Gleich- zeitig aber lehnt er Strafverfolgring in a n g e l s öffentlicheipIntereffes ab und erklärt, daß Lemmer„nicht in seiner Eigenschaft als Reichstagsabgeordneter angegriffen worden fei, sondern als Politiker einer Partei". Am bemerkenswertesten an der Hallung des Deffauer Oberstaatsanwalts aber, wie der„Demo- kratifche Zeitungsdienst" mitteilt, ist der Schluß- passus der ablehnenden Begründung. Dieser Schlußpassus kann gleichsam als ein F e st- beitrug des Oberstaalsanwalts zum Gocthc-Jahr angesehen werden, denn er befaßt sich dabei mit der Bedeutung der bekannten Aufforderung des„Götz von Berlichingen". In der Begründung des Oberstaatsanwalts heißt es wörtlich: „Die Frage, ob der Ausruf des Bürgermeisters Hofmann:„Schmeißt die Schweine raus!" als eine öffentliche Aufforderung oder Anreizung zu Gewalttätigkeiten im Sinne des Z 11 der Verordnung des Reichs- Präsidenten gegen politische Ausschreitungen vom l4. Juni 1932— RGBl. S 297— aufzusassen ist, muß verneint werden. Jede Aufforderung muß sich als ein ernstliches Verlangen äußer- lich darstellen und erkennbar sein. Gleichgültig ist hierbei, ob der Zluffordernde das Tun des Auf- geforderten in Wirklichkeit e r n st l i ch wünscht. Es genügt das Bewußtsein, daß das erklärte Verlangen des Ausfordernden als ein ernstliches von demjenigen, der die Zlufforderung wahr- nimmt, aufgefaßt werden kann und diese Auf- sassung als Erfolg der Erklärung gewollt wird. Danach müßte festgestellt werden, daß der Burgermeister Hofmann das Bewußtsein hatte, daß sein Verlangen als ein ernstliches aufgefaßt wurde, und daß er diese Auffassung a l s Erfolg wollte. Dies« innere Totsache ließe sich nur aus Begleitumständen nachweisen. Es steht fest, daß ein Teil der Nationalsozialisten eine größere Anzahl Eier und kartosseln zu lvurf'wecken in das Versammlungslokal mitgebracht hatte. Es ist aber nicht erwiese», daß H o f m a n n von der Mitnahme dieser Wurfgegenstände Kenntnis hatte. Wäre dies der Fall, so könnte hieraus der Schluß gezogen werden, daß Hofmann das Bewußtsein des ernstlichen Auffassens seiner Worte gehabt und daß er diese Auffassung als Erfolg gewollt hatte. Mangels dieser Feststellung kann nicht angenommen werden, daß Hofmann zum Werfen mit Gegenständen aufge- fordert hat. Ebensowen ig kann ange- nommen werden, daß Hofmann das Be- wußtsein hatte, daß seine Worte so auf- gefaßt würden, daß nun die Nationalsozialisten im Versammlungslokal nach vorn zur Bühne gingen, um die Teilnehmer der Versammlung. soweit sie zur Staatspartei gehörten, einzeln ge- waltsam aus dem Saale zu entfernen. Die Worte des hofmann sind eben nur als öffentliche Be- leidigung zu würdigen und haben denselben Sinn, wie die bekannten Worte des„Götz von Berlichia- gen". Auch hier wird niemand annehmen, daß der Ausgeforderle der Aussorderung nachkommen werde und daß der Ausfordernde das Bewußtsein hatte, daß sein verlangen ernstlich ausgesaßt würde." Dieser Oberstaatsanwalt von Dessau sollte wegen der glänzenden Interpretation eines weltbekannten Goethe-Wortes mit der Goethe-Mcdaille ausge- zeichnet werden! kreitieit im Nazi-Lande! Eigener Bericht des„Vorwärts" Dessau, 29. November. Das Naziministerium Freyberg hat einen neuen Mcistcrstrcich verübt. Ev hat gleichzeitig alle vier sozial- demokratischen Vlätter des Lan- des verboten, weil sie nicht in Ehr- furcht vor seiner Negierungsweiöheit erstarben. Aeusteren Anlaß bot ein Auf- sah, der sich gegen die dauernden Drang- salierungen der sozialdemokratischen Zeitungen durch das Naziministerium wendete. Da aber gerade seht der An- haltische Landtag zusammentritt und wegcn der katastrophalen Finanzlage für die Naziregierung sehr unangenehme Debatten zu erwarten sind, so wird das Verbot der sozialdemokratischen Zeitun- gen aufgefaßt als ein Versuch, die einzige republikanische Presse des Landes an der Verichterstattung über die Wirtschaft der „nationalen Konzentration" zu hindern. W!Z in Anhalt— so in Lraimsctmeix Braunschweig, 29. November. Rektor und Senat der Technischen Hochschule sehen sich gezwungen folgende Bekanntmachung am Schwarzen Brett in der Hochschule an,zu- schlagen: „1. Die Pharmazeutenschast der Tech- nischen Hochschule hat eine gegen den Rektor ge- richtete Beschwerde bei Rettor und Senat eingereicht, in welcher sie bezüglich der Verneh- mung von Studierenden an Maßnahmen des Rektorats ungerechtfertigte und auch in der Form zu beanstandende Kritik übt 2. Sechs Assistenten des Pharma- zeutischen Instituts haben in der gleichen, sie selbst nicht weiter berührenden Angelegenheil energisch gegen die Art des Vorgehens des Herrn Rektors protestiert. Rektor und Senat stellen fest daß sie sich damit einer groben Disziplinwidrigkeil schuldig gemacht haben. 3. Der Leiter des Pharmazeutischen I n st i t u t s hat„die Ausführungen des Vor- standes der Pharmazeutenschaft voll und ganz ge- billigt" und gegen das Vorgeben des Rektors Beschwerde bei Rektor und Senat eingelegt. 4. Weiter haben Nach vorliegenden Pressenach- richten Studierende wegen ihrer durch den Rektor erfolgten Vernehmung bei der Staatsanwaltschaft Anzeige dahin erstattet, daß sie anläßlich ihrer Vernehmung in ihrer Freiheit beschränkt worden seien. 5. Der Leiter des Pharmazeutischen Instituts hat eine Anordnung des Rektors bezüglich der Entfernung einer natio- nalsozialistischen Fahne nicht Folge geleistet und die Ausführung der Anordnung verweigert. Der Senat hal festgestellt, daß der Rektor alle Vernehmungen in völlig ordnungsmäßiger und gegen die akademische Sitte in keiner weise vcr- floßendm Form durchgeführt hat und daß die erhabenen Beschwerden wegen Vornahme der Vernehmungen ungerechtsertiol sind. Er billigt in vollem Umfange und in atlen Einzelheiten das Vorgehen des Rektors. Aus Grund der Verfügung des braunschweigi- schen INinislers für Volksbildung vom 21. und 26. November besteht für Rektor und Senat keine Möglichkeit, gegen die oben erwähnten Disziplinwidrigkeiten vorzugehen. Sie beschränken si6> deshalb auf diese Bekanntgabe der lalsächlillzen Vorgänge, zu der sie gezwungen sind, weil darüber bereits von anderer Seile Mitteilungen in die Presse gebracht wurden. Rektor und Senal warnen erneut vor Verstößen gegen die hochschulgesehe und appellieren an den gesunden Sinn der Studentenschast. sich auch von allen unüberlegten Schritten fernzuhalten, gerade, weil im Augenblick ein disziplinarisches Einschreiten der hochschul- behärden nicht möglich ist." Es sind herrliche Zustände, wo die Nazis herrschen: die akademischen Behörden wüsten am Schwarzen Brett gegen den Naziminister für— Bildung polemisieren, der ihnen gegen die Laus- büberei der Hakenkreuz-Sludenten jedes Mittel aus der Hand schlägt. Zu dem protestierenden Hochschulsenat gehört auch der Professdr Roh- l o f f, der gleichzeitig Führer der deutschnationalen Landtagsfraktion ist. Als solcher hält er bisher jedoch dem Klagges die Stange, so daß der papierne Protest am Schwarzen Brett zwar ein Zeichen der Zeit, aber doch ohne Wirkung bleiben dürste. Der in dem Anschlag erwähnte„Leiter des Pharmazeutischen Instituts" ist ein Professor Hermann, der von dem Hakenkreuz-Minister Klagges gegen den Willen der Hochschule in sein Amt berufen und von ihm sogar als Rektor in Aussicht genommen ist. sobald der gegenwärtige Direktor dem Rufe nach Berlin gefolgt sein wird. NationalsozialistischerMofö Der zweite in wenigen Wochen Eigener Bericht des„Vorwärts" Braunschweig. 29. November. In der Oker wurde die Deich? eines S0jährigen Mannes entdeckt, der allem Anschein nach einem Fememord zum Opfer gefallen ist. Der von Anglern geborgene Tote trug ein Exemplar des Braunschweigischen Naziblaltes in der Tasch?. Die Unte. suchung Hai ergeben, daß der bis seht noch unbekannte Mann im Bürgerpark mil einer Eisen st ange erschlagen und dann in die Oker geworfen wurde. 3n der hauplstadl des Herrn klagges ist dies innerhalb weniger Wochen der z w e i t e Fememord. Der erste wurde an dem SS.-Mann Kampe verübt, der in ein Anto geladen, unterwegs herausgeworfen und darauf" von dem SS.-Mann kaune erschossen wurd». ist bis heute noch nicht gesaht. Bullerjahn an dem Werke habe rächen wollen, da die Firma durch einen Verrat nicht geschädigt werden konnte. Sie habe vielmehr infolge des Entschädigungsanspruchs aus der Wasfenbefchlag- nähme sogar Gewinn gezogen. Nach einigen kurzen abschließenden Worten des Reichsanwalts erhielt der Angeklagte B u l l e r- jahn das Schlußwort. Er sagte:„Ich habe mit der mir zur Last gelegten Tat nie etwas zu tun gehabt, und heute wie damals, als ich zum ersten Male vor dem Reichsgericht stand, kann ich nur wiederholen: Ich bin un- schuldig!" Anschließend fand noch eine kurze nichtöffentliche Sitzung statt. Die Urteilsverkündung wurde für Sonnabend, den 3. Dezember, mittags, angesetzt. Zur Vortruppfrage öeschluL des Bezirksparteitags Der Berliner Bezirksparteitag hat zu der Vor- truppfrage gegen wenige Stimmen den folgenden Beschluß gefaßt: „Das Reichsbanner gründet seit einiger Zeit so- genannte Vortrupps, d. h. organisiert Kinder vom 19. bis lg. Lebensjahr. Der Bezirksparteitag sieht in dieser Tätigkeit des Reichsbanners eine weitgehende Ueber- schreitung der Ausgaben, die dem Reichsbanner gestellt sind und eine erhebliche Störung der be» währten Erziehungsarbeit der Kinderfreunde und der Arbeiterjugend. Der Bezirksparteitag verpflichtet alle Parteige- nassen, insbesondere die Genossen im Reichs- banner, mit allen Mitteln der Vortrupporgant- iation entgegenzuwirken. Auf das Reichsbanner ist dahin einzuwirken, daß die bestehenden Gruppen des Vortrupp aufgelöst und in die Kindersreunde- und SAI.-Organisation übergeführt werden." In der vorangegangenen Ausspräche hatte Ge- nasse Künstler dargelegt, daß d-e Vortrupps vom Reichsbanner auf e-gsne Faust obne vor» herige Verständigung mit den Organisationen der Eisernen Front gegründet worden waren. Aullerjahn-NrvzsS Urteilsverkündung am Sonnabend Leipzig, 29. November. Im Bullerjahn-Prozeß suchte heule Reichsanwalt Dr. Nagel in seiner Repblik auf die Ausführungen Professor Sinzheimers die Schuld des Angeklagten nochmale zu begründen. Vor allem, so führte Reichsanwalt Dr. Nagel au», sei es sicher, daß bei der Waffensuche in den Berlin- Karlsruher Jndustriewerke» Verrat im Spiele ge wesen sei. Bullerjahn selbst habe dieser Ueber Zeugung Ausdruck gegeben. In seiner Zlntwort erklärte Rechtsanwoil Dr. Rosenfeld nochmals, die Ausfastung des Reichsanwalls, daß Verrat vorliegen müsse, sei falsch. Es sei auch sinnlos anzunehmen, daß sich Der Reichsra» bält seine nächste Vollsitzung am Donnerstag, 17 Uhr, ab.'Auf der Tagesordnung stehen». a. ein Gesetzentwurf über die Abkommen zur Vereinheitlicbung des Scheckrechts, der Entwurf eines Schcckgeseizes und der Entwurf einer Verordnung über die Eichoflicht der zur Längenmessung und der zur Flächenmessung dienenden Meßwerkzeuge und Meßmaschinen. Ferner soll Beschluß oefaßt werden über die Wiedcre'nbrinot'ng des �litw'irf» eines Wechsel- gesetzes im neuen Re-?stog md über die Besetzung von zwei Reichsgerichtsratsstellen Feitunnsverbot. Der Obervräfident von Schles- wig-Hol tein hat die in Altona herausgegebene .Norddeutsche.'.citung" Konfblatt der kommu- nistischen Hamburger Voltszeuunchst aus die v-ruer von tüns Tauen r'boten wegen Perösient- ichung eines angcd'ichen Berichts über eine loziel- demokratische Mi'g'iederr erfrtmn'uitg m drm ei e Beschimpfung und b�swi''ige Veröchtlichmachurg er Lü o-ck-r Polizei erblick' wird. Avch b'"?o i- rr-'ini/'i'd"'; r!'""»r»ff vjf d e Dauer von 14 Tagen bis zum-.3. Dezember verboten worden. Nazi-Gefängnis von Hasselfelde Verleumder verurteilt Scheidemann-Beleidigung sechs Monate Gefängnis Trier. 29. November Das Schöffengericht verurteilte am Dienstag den Kaufmann und Nazimann Anton Lamberty aus Gerolstein wegen Beleidi- g u n g des Reichstagsabgeordneten PH. Scheide� mann zu sechs Monaten Gefängnis In einer sozialdemokratischen Versammlung hatte Lamberty behauptet. Scheide mann sei am Ib. und 17. Mai 1917 in Holland gewesen und habe im Beisein des französischen Botschafters mit dem französischen Spion Leutnant Desgranges oer? handelt, damit keine Lebensmittel und kein Kupfer mehr nach Deutschland eingeführt würden, um dadurch zum Ende des Krieges und zur Revolution zu kommen. Der Verteidiger des Angeklagten beantragte im Verlauf der Beweis- aufnahm« den Oberpräsidenten Koste, Reichstagsabgeordneten Landsberg und Reichstags- abgeordneten Dittmann als Zeugen zu laden. Sie sollte» bekunden, dah die Sozialdemokratie im Kriege mit dem Spionagebüro Desgranges in Hollarid in Verbindung gestanden habe, und daß dieser Spion, der unter dem Nomen Große der Sozialdemokratie angehört habe, mit Scheidemann auch beim Munitionsarbeiter streik mitgewirkt habe. Das Gericht entsprach diesem Autrag«. Am Dienstag waren die Zeugen und Scheidemann als Nebenkläger erschienen. Scheidemann erklärte bei seiner Ver- .n e h m u n g, daß er im Kriege mehrfach Aus- landsreisen unternommen habe, aber immer im Einverständnis mit der damaligen Reichsreg>e- rung. Reichskanzler Bethmann-Hollweg habe ihn verschiedentlich gebeten, im Sinne des Friedens zu wirken. Desgranges habe «r in seinem Leben nie gesehen. Am 15. Mai 1917 habe er im Reichstag gesprochen und am 18. Mai verschiedene Verhandlungen gehabt. Zede« Wort der Behauptungen, er habe gegen die Interessen Deutschlands gearbeitet, sei unwahr. Auch eine Propaganda im Sinne der Revolution müsse er entschieden verneinen. Reichstagsabge- Manbfchukuv Völherhundstagung am 6. Dezember Eigener Beridit des„Vorwärts" Genf, 29. November. Der Völkerbundsrai hat am Montag die Aussprache über den Mandschurei- Bericht der Lytton-Kommission beendet und die Streit- frage zur Beschluhsassung an die außer- ordentliche Vollversammlung des Völkerbundes überwiesen. Japan enthielt sich der Stimme, weil es das gesamte Versahren auf Grund des Artikels 15 des Völkerbundspaktes für unzulässig erklärt. Außenminister H y m a n s- Belgien hat die außerordentliche Vollversammlung des Völkerbundes, die sich u. a mit der Lösung des Mandschurei-Konslikts besasfen soll, zum 6. Dezember einberufen Dollfuß Neaktion Deutschösterreichs Elend Die Arbeitslosenversicherung und-sürsorge in Deutschösterreich ist bereits so oft durch neue Ge- setze ergänzt worden— fast immer von den So- zialdemokraten zur Verlängerung befristeter Hilfsaktionen für Ausgesteuerte durchgesetzt—, daß setzt die 28. Novelle gilt. Auch in ihr haben die Sozialdemokraten nicht verhindern können, daß zu den vielen Tausenden Ausgesteuerter immer neue Elendskandidaten gestoßen werden. Die Rechtsbllrgerblockregierung aber ha» soeben im Nationalrat erklärt, der Staat habe kein Geld, zu helfen. Furchtbares Elend, das die Körper ausmergelt und den Geist zermürbt, lastet auf ungezählten Arbeitern und Angestellten„a. D.". Was noch an Exportmöglichkeit'bestanden hat. is, durch die egotstisch-agrarische Zoll- und Ein- suhrsperrepolitik der Regierung zerstökt worden, noch dazu in einem Lande, dessen land- wirtschaftliche Produktion aus zwingenden Krün- den nicht imstande ist. das Volk zu ernähren. In Steyr allein, der weltbekannten Industriestadt. hungern 8900 Arbeitslose mit ihren Familien! Die Währung Deutschösterrcichs hat infolge dieser„autarkischen" Verhältnisse im Ausland mächtig an Wert verloren, was auch nicht ohne Einfluß auf ihre innere Kaufkraft geblieben ist— Teuerung ist die unabweisbare Folge. Zu all der materiellen Not kommt die Erregung der Masten über offene Reaktion und dunkle Pläne einer Regierung, die den monarchistischen Heimwehrsührer F e y gleich nach den von Hakenkreuzlern verschuldeten blutigen Er- eignissen in Wien-Simmering zum Staatssekretär ordneter Landsberg bezeugte, er halte für völlig ausgeschlossen, was in der Behauptung des Angeklagten aufgestellt werde. Das Buch Des- granges müsse er als ein Sammelsurium von Lügen bezeichnen. Desgranges habe aber in seinem Buch selbst gar nicht behauptet, was von dem Angeklagten vorgebrocht worden sei. Ober- Präsident N o s k e erklärte, es sei ganz ausge- schloffen, daß Scheidemann im Kriege Reisen zwecks Schaffung von Verbindunoen mit dem feindlichen Ausland gemacht habe. Reichstags- abgeordneter Dittmann bezeugte, daß Anfang 1918 kein Munitionsarbeiterstreik gewesen sei, sondern ein Protest st reik gegen die kaiserliche Regierung und gegen den Gewaltfrieden mit Rußland. Dieser Streit sei nicht von der USP. oder den Mehrheitssozialisten inszeniert worden. Er bestritt, daß es innerhalb der Mehrheitssozialistischsn Partei wie der USP. während des Krieges eine Gruppe gegeben habe, die mit dem feindlichen Ausland in Verbindung gestanden hat. Der Staatsanwalt betonte in seiner Anklage- rede, daß der angetretene Wahrheitsbeweis kläglich gescheitert sei. Die von dem Angeklagten ausgestellten Be- hauptungen seien objektiv unwahr. Der Vorwurf eines Landesverrats gegenüber einem Mann, der, wie Scheidemann, in Deutschlands schwerster Stunde auf verantwortlichem Posten ge- standen habe, müsse als unerhört bezeichnet werden. Er beantragte gegen Lamberty 9 Monate Gefängnis und Publikations- befugnis des Urteils in einigen Trierer und Gerolsteiner Zeitungen. In der Urteilsbegründung wird ausgeführt, daß der Wahrheitsbeweis völlig mißlungen sei, daß es dem Angeklagten nur daraus ange- kommen sei, die Gegenpartei verächtlich zu machen. Der Angeklagte habe ohne ernsthaste Prüfungen seine Behauptungen ausgestellt. für— Sicherheit gemacht hat. Ganz überraschend suhr Bundeskanzler D o l l f u ß m-t noch zwei Ministern eines schönen Sonntags nach B u d a- pest— angeblich zu rein wirtschaftlichen Ver- Handlungen. Da jedoch der ungarische Minister- Präsident G ö m b ö s eben erst eine Pilgerfahrt nach Rom, dem Mekka aller Faschisten, hinter sich hat, wollen die Vermutungen nicht verstummen, daß über eine engere Gemeinschaft Italien- Oesterreich-Ungarn verhandelt wird. Das Volk aber, das seine Zukunft nur in der Verbindung mit der großen deutschen Republik sieht, will in eine derartige Sondergruppierung ebensowenig verstrickt werden wie in jene m o n a r ch i st i- s ch e n Gewebe, die in Ungarn offen von Staats wegen, in Bayern und Deutschösterreich zwar etwas verborgener, aber nicht weniger eifrig, ge- spönnen werden. Einen schäbigen Beweis ihrer Gesinnung haben die Dollfuß-Fey soeben geliefert, indem sie dem bekannten Schriftsteller Egon Erwin K i s ch die Grenze nicht überschreiten ließen, als er einen längst angekündigten Reportervortrag in Wien halten sollte. Die Ausweisung des Reichs- bannerkameradcn Prinz Löwen st ein wegen einiger antifaschistischer Worte ist noch nicht ver- gessen. Aber Hitlers Abgesandte können, ungehindert durch ihre Ausländereigenschast, gegen die verfassungsmäßige und volksgewollte Demo- kratie hetzen und rüsten! Deutschösterreich zahlt Dollars aus! Dien, 29. November. Die Oesterreichische Nationalbank teilt mit, daß sie die am 1. Dezember fälligen Zinsscheine und am 20..Oktober verlosten Schuldverschreibungen der Völkerbunds- anleih e ab 1. Dezember in Dollarnoten einlösen wird. Auch früher fällig gewesene Zinsscheine und verloste Schuldverschreibungen dieser Anleihe, soweit sie noch nicht zur Ein- lösung gebracht wurden, werden in esfek- tiven Dollarnoten ausgezahlt werden. USA.- Vorschlag für Genf Geringe Erfolgsaussicht Eigener Beridit des„Vorwärts" Paris, 29. November. Wie Pertinax im„Echo de Paris" berichtet, haken Herriot und Norman Davis- Amerika über folgenden Vorschlag zur Behandlung der Gleichberechtigung-- und Abrüstungssroge beraten: 1. Deuffchland soll die G l e i ch b e r e ch t i g u n g gewährt werden. 2. Diese Gleichberechtigung soll aber er st nach einer gewissen Zeit in Oer nationaisorialisliscße Amtsrichter Mevnlckewurde susoendiert, weil er mitdem Untersuchungsgefangenen„Freiherr von Rabeneck'(in Wahrheit; Metzger) Autofahrten und Gelage veranstaltete. Eigener Bericht des„Vorwärts" Paris, 29. November. Iii der Kammer kam es am Dienstagvormittag anläßlich der Beratung eines Gesetzentwurfs über die Genehmigung von Nachtragskrediten für das Budget 1931/32 zu einer bewegten Debatte über die Schuldensrage. Der nationalistische Abgeordnete Marin wandte sich gegen die Beratung des Gesetzentwurfs, weil die von der Regierung angegebenen Gründe für die geforderten Kredite unzureichend seien. Der Gesetzentwurf enthalte u. a. eine Forderung von 1'A Milliarden zur Ausgleichung der infolge des Hoooer-Moratoriums nicht eingegangenen deutschen Reparationszahlungen. An- gesichls des Fälligkeitstermins für die Schulden- zahlung an Amerika, meinte Marin, dürfe die Kammer diesen Kredit nicht bewilligen, ohne zu dem Schuldenproblem Stellung genommen zu haben Der Redner wies darauf hin, daß seiner- zeit bei der Ratifizierung des Schuldenabkommens mit Amerika eine Entschließung angenommen worden war, die besagt, daß Frankreich an Amerika nicht mehr zahlen dürfe, als es von Deutschland erhalte. Aus Grund dieser Ent- schließung müßte die Kammer jetzt klar zum Aus- druck bringen, daß Frankreich infolge des Fort- falls der deutschen Zahlungen nichts an Amerika zu zahlen habe. Der Vorsitzende der Finanzkommission, M a l v y, der Budgetminister Pakmade und Unterstaatssekretär Paganon in Vertretung Her- riots baten Marin, aus den Antrag zu verzichten, da eine Debatte über die Schuldenfrage während einer Kreditberatung nicht am Platze sei. Im übrigen wiesen sie darauf hin, daß Herriot ver- sprachen habe, die Kammer nicht vor eine vollendete Tatsache zu stellen, sondern ihr noch vor dem 15. Dezember Gelegenheit zu einer Aus- spräche über die Schuldenfrag« zu geben. die Tat umgesetzt werden. Inzwischen sollen ge- wisse Sicherheitsgarantien ausgearbeitet und wenn möglich in Kraft gesetzt werden. Aus dem französischen Abrüstungsplan soll vor allem der Vorschlag, die Reichswehr durch ein Volksheer mit kurzfristiger Dienstzeit zu ersehen. durchgeführt werden. Die anderen Kapitel des französischen Planes (Bildung einer internationalen Streit- macht usw.) werden als mehr oder weniger ideologisch betrachtet. 5. Das am 23. Juli von dem Hauptausschuß der Konferenz an- genommene Programm für die qualitative Abrüstung soll sofort' durchgeführt werden. 4. Die amerikanische Delegation ist der Meinung, daß eine Verständigung über die vorher erwähnten Punkte zwischen Frankreich, England, den Ver- einigten Staaten und Italien Zustandekommen kann. Auf diese Weise würde Deutschland gezwungen werden, dem Abkommen zuzu- stimmen und Frankreich würde nicht mehr isoliert sein. 5. Ferner ist der Abschluß eines f r a n- zösisch-italienischen Flottenabkom- mens vorgesehen, das besagt, daß Frankreich nicht alle ihm zugestandenen Ersatzbauten für die veralteten Schisse ausführt, wie das bereits jetzt der Fall ist. Auf diese Weise wird die Ueber- legenheit der französischen Flotte gegenüber der italienischen etwas geringer. Pertinax fügt hinzu, er zweifle daran,.daß Herriot auf diesen Plan eingehen könne. Denn sein Glaube an den Wert der amerikan'schen Sicher- heitsgaranlien sei seil dem Tage erschütlert, an dem hoover trotz seines Versprechens vom Jahre 1931 die Unabhängigkeit der Schulden von den Reparationen forderte. i\ Cä/»cic:3< IS8L V Marin bestand aber zunächst auf seinen An- trag und wurde darin von Franklin- Bouil- lon unterstützt, der sich in seinem gewohnten Hetzton gegen den Poung-Plan und die Lausanner Abkommen aussprach. Auf Grund des Poung- Plans, so erklärte er, habe Frankreich Mainz geräumt und auf Grund dieser Räumung steuere man jetzt einem neuen Krieg entgegen.(Lebha-tr Proteste links und in der Mitte.) Wenn die Kammer vor der Lausanner Konferenz dem Mi nisterpräsidenten mehr Macht in die Hände gegeben hätte, hätte er dort nicht auf die Reparationen gegen vage Versprechungen Englands und Amerikas verzichtet. Eine Debatte über die Schuldenfrage fei notwendig, bevor die Re gierung einen Beschluß gefaßt habe. Schließlich machte Malvy dem Abgeordnete» Marin den Vorschlag, seinen Antrag aus Ver- Weigerung der Zahlungen an Amerika in Form einer Entschließung einzubringen, über die die Finanzkommission in zwei Tagen Bericht erstatten werde, so daß eine Debatte im Plenum in kurzer Zeit stattfinden könne. Marin erklärte sich damit einverstanden, worauf der Nachtrags- kredit in Höhe von 2,7 Milliarden Franken ge- nehmigt wurde Die Debatte über die Ent- schließung Marin wird wahrscheinlich am Freitag stattfinden. Sondersitzung des englischen Kabinetts London, 29. November. Die Sitzung des britischen Kabinetts, die den Text der Note an die Vereinigten Staaten vor ihrer Abfendung erwägen wird, begann am Dienstagabend 9 Uhr. Man niinmt an, daß der Besuch des Premierministers beim König dazu diente, die Lage in der Schuldenfrage darzulegen. der militärischen Macht Frankreichs gegenüber Deutschlands in sich und sei auch durch das sranzösisch-italienische Flottenab- kommen für Frankreich ungünstig. Einvwjew lebt Die Todesnachricht dementiert Ferner schließe der Plan«ine Verringerung Die Berliner Vertretung der Telegraphen- agentur der Sowjetunion teilt mit: Die heute verbreitete Meldung über den Tod Sinowjews erweist sich nach offiziellen Informationen aus Moskau als den Tatsachen nicht entsprechend. * Die falsch« Todesmeldung stammt vom WTB. das in vertraglicher Verbindung mit der russischen Telegraphenagentur steht und von dem man bal>er annehmen durfte, daß es nicht leichtfertig russische Nachrichten aus anderen Quellen verbreitet. Infolgedessen haben alle Berliner Abendblätter diese Meldung übernommen und kommentiert. ver sranzösisch-russische Angrissspakl würbe am Dienstagnachmittag im Quai d'Orsay von Herriot und dem russischen Botschaster Dow- gaiewski unterzeichnet. Herriot und Dow- galewski hielten kurze Ansprachen, m denen sie der Hoffnung Ausdruck gaben, daß der Pakt zur Herstellung vertrauensvoller Beziehungen zwi- schen Frankreich und Rußland und zur Befesti- gung des Friedens beitragen werde. Das historische Ereignis wurde g e t o n f i l m t. „Kiiü mir den Nazibub."(Postkartengruß Metzgers] Widerstand gegen AGA. Nationalistischer VorstoG in der französischen Kammer vinslndunge» für dies« Rubrik fnb Verlin SW<8, Lindenstraße S. parteinachrichtenFZZ�für Groß-Berlin stet» an das Bejtrkssekretaria. 2. Hos. 2 Treppen rechts, zu richten Tkscrtsi', Lichtspiele usw. Beginn aller Veranstaltungen 19K Uhr, sofern keine besondere Zeitangabe! . ZUeis. Zeitungstommission: Donnerstag, X. Dezember. Sitzung bei Bär. walde, Schlegelstr. Alle Abteilungen müssen vertreten sein. . toeis. Heute, IS und 20 Utzr, Filmabend. Karten sind bei den Bezirks- führern und auch an der Abendkasse zu haben. Achtung, BezirtssührerZ Abrechnung heute bei der Vorstellung. Die Mitglieder des Bildungsaus- schuffes müssen zur 20 Uhr-Vorführung anwesend ,ein. . Kreis. Donnerstag, 1. Dezember, 10 Uhr, Zusammenkünfte erwerbsloser Parteimitglieder, Willdenowstr. 3.„Innenpolitische Information", Referent: Gottlieb Reese. Unterhaltungsteil: Elfriede Vollmann. Putbusser Str. 22: ..Gewerkschaft und Partei vor neuen Kampfaufaaben", Referent Siegfried iico. Unterhaltnngsteil: Genosse Klee.—«reisbildungsausjchuß: Heule Sitzung und Broschürenabrechnung bei Senkel, Utrechter Ecte Turiner Strasse. Die Mitglieder des Kr. B. A. nehmen geschlossen an der Kultur tagung am Sonntag, 4. Dezember. 0 Uhr. im Plenarsaal des Berliner Rat- Hauses teil. Pflichtveranstaltung. Kreis. Die erwerbslosen Parteimitglieder treffen sich heute. 14� Uhr, Platz der Republik 4. zur Besichtigung der Gerhart-Hauptmann-Ausstellung. Kreis. Donnerstag, I. Dezember, 10 Uhr. Zusammenkunft erwerbsloser Parteimitglieder bei Will, Martin-Luther-Ctr. Ob.„Der Wiederaufbau des Islam im Orient", Referentin: Erna Büsing. Kreis. Donnerstag, 1. Dezember. 20 Uhr. bei Görlitz. Chausseeftr. 19, Sitzung des Bildungsausschusses.(Iugendweihetommission 18' Uhr ebendort.) Abt. Heute, 20 Uhr. Zusammenkunft jüngerer Parteimitglieder Schönstedt- strasse 1.— Donnerstag, 1. Dezember. Sitzung der Bezirksführer. Zeitungs- konunissionsmitglieder und der Mitglieder des Sonderdienstes bei Sorgatz, Uferstr. 12. Abt. Die Sitzung der Bezirks führer findet erst am 6. Dezember bei Schrepel statt. Abt. Heute. 20 Uhr. bei Pohst. Etargarder Ecke Lrichener Strasse, Zu. f�mmenkunft jüngerer Parteimitglieder.„Die Aufgaben der jungen Generation", Referent: Genosse Fröntet. Abt. Heute Sitzung des Abteilungsvorstandes bei Werralla, Hohenlohe- strasse 3. Abt. Heute. 20! i Uhr, Zusammenkunft jüngerer Parteimitglieder bei Klabe, Handjernstr. 00—01.„Grundprobleme des Marrismus", Referent: Genosse Gurewitsch. Abt. Freilag, 2. Dezember. 20 Uhr. bei BeHm, Wildenbruäiftrasse Ecke Köllnisches Ufer, Ausspracheaberck» für Funktionäre, jüngere und interessierte Parteimitglieder...Gewerkschaften und politische Gegenwartsfragen". Refe- renl: Franz Spliedt, M. d. R. Abt. Donnerstag. 1. Dezember, Agitationstruppe im Keller,.Hannemann- strasse 40. Abt. Freitag, 2. Dezember,!0 und 10 Uhr. im Gewerkfchaftshaus, Saal 4 und 3, Engelufer 24—23, Frauenkundgebungen des Konsums, verbunden mit Modevorführungen und Warenausstellungen. Die Genossinnen werden um regen Besuch Der Veranstaltungen aufgefordert. Anschliessend Mit- gliederversammlung bei George.„Die Partei vor neuen Ausgaben", Referent: Dr. Rudolf Breitscheid, M. D. R. i. Abt. Heute, 20 Uhr, Funttionärsitzung bei Draber. Abt. Donnerstag, 1. Dezember, Mitgliederversammlung im Schützenbaus. Residenzstr. 1...Die Partei vor neuen Ausgaben", Referent: Rud. Wissel. M. d. R. Bezirksausschuß für Arbciterwohlsahrt. 7. Kreis Charlottenburg. Freitag. 2. Dezember, 20 Uhr. im Jugendheim Charlottenburg. Rosinenstrasse. Sitzung der Arbeiterwohlfahrt. 14. Kreis Neukölln. Mittwoch. 30. November. 18 Uhr, im Parteibüro, Fulda- strasse, Sitzung der Arheiterwohlfahrt. Besprechung über die Winterhilfe. Erscheinen der Abteilungsleiter unbedingt erforderlich. Arbeitsgemeinschost der kinderfreunde. Kreuzberg: Heute Bastelkreis an bekannter Stelle. Alle Falten, die bisher gebastelt haben, müssen erscheinen, da die Arbeiten für die AW. schnellstens beendet werden müssen. Ablieferungstermin: Dezember.— Boranzeige? Donnerstag. 1. Dezember. -'-''r Uhr, Elternabend Der tbt. Görlitzcr Strasse im Heim Der M�WMD Partei. Schlefische Str. 42. Alle Eltern müssen erscheinen, da wichtige wwBZZZmKrA Tagesordnung Prenzlauer Berg: Heute spiel: Der Rote Kasper um 17'.. Uhr in der Schul- oula Danzkger Str 23. Eintritt für Kinder W Pf., Erwachsene 15 Pf., Kinder Erwerbsloser 5 Pf. Gäste herzlich willkommen. Charlottenburg: Achtung. Rote Falken! Heute. 17 Uhr, im Kreisheim. I.-Hilse-Kursus. Am Sonnabend, 10 Uhr, daselbst Falkenvollversanunlung. an- schliessend Probe zur Wintersonnenwende. Alle Falken müssen erscheinen. Treptow. Abt. Lauro de Bosis: Achtung. Iungsalken! Heute. Mittwoch, 17 Uhr. Falkenratssitzung an bekannter Stelle. Hohenschönhausen: Heute, 17'/. bis 19»,. Uhr, im Heim Altes Schloss. 98. INI, 124 13», ffaafs 5�11 Theater Mittwoch, den 30. November staatsoper unter den Linden 20 Uhr Wozzeck staatliches scnauspieinaos 20 Uhr Nathan der Weise örf SlllirlS. Flora 3(31. Men erlsuliL Birkmeyer und sein Wiener Ballett 3 Arconas, 2 Burley's Hans Kolischer, 10 Brox. Yra& Ottare usw. Ortskrankenkasse für die Gewerbe der Tisdiler und Planolortearbeiter zu Berlin SO 36. OranienstraOe 39 Einladung zur ordeatliche» Uu-schustsitznng am Domurrstag. dem S. Dezemdcr. h>". Uhr. irrt SafTenlotal iO 36. Orantento. 39.— Tngcsordnung: 1, FMetzung dk<- Vor- anschlage Mr das Nechnungsjahr 1933 2 Wahl des Rechnungsausschusres zurPrü- lung desRechnungs- u(SeschäUsabschluffes kür das laurend« Jahr. 3. v-agunas, änderuug und Aenderung der'Wahl- vrdnuug 4. Berschiedencs. Der Vorstand r Sermann Ehrlich. Vorsizeuder. Zjtsai.vper Ldprlotiepdpei- hraunhoier 0231 M!rtvoch.30.N'ov. 20 Uhr Turnus II! VVLklSUUnE«er i°d-m«rl von Cent Rode. Müller. Friedrich, Steier, Burgwinkel. Gonszar, Gombert, Guttmann. Baumann Dirigent: Breisach WEIH NACHTS- 1 LOS Theater am BQIowplatz {Norden 6436. Letzte 3 Vorst., S'/i Uhr )£ A NkJ CbJ V von Marcel Pagnor ■ re IM G M? Deutsch von Bruno Frank- Regie: Heinz Hilpert Dorsch, Tiedtke. Valetti, Siedel, Ver- hoeven. Stein, Almas läqiidi 5«. 81 i Uhr Steule lelxler Tay! BUSTER WEST Der korriischste Tänzer der Welt CONCELLOS Die Könige d.Luft MAX ADALBERT FR. GRÜNBAUM USW. PI/Aza io.B13. Stgs.?. 5.»"> U. Heate letrter Tag! Die Bajadere Renaissance-Th Stein pl. 6780 Täglich Sss'i Uhr Ueber 225 x Truppe 19:41 Die mausetaiie Mittw.u.Soonabl 4lllii Schneewittchen Lessinglheater Täglich 8 V* Uhr Grete Mosheim Oskar Homolka Sterbetafel der Graß-Berliner Partei-Organisation 32. Abt. Am 23. November oerstarb unser Genosse Bruno I a b l o n s k i. Ehre seinem Andenken! Beerdigung heute. 15',... Uhr, St.-Andreas-Friedhof. Hohenschönhausen, Berliner Strasse. Um rege Beteiligung wird gebeten. III. Abt. Unser alter braver Genosse Paul Schlsske ist im Alter von 60 Jahren gestorben. Ehre seinem Andenken! Einäscherung Donnerstag, 1. Dezember, 13 Uhr, Krematorium Baumschulenweg. Vorträge, Vereine und Versammlungen Reichsbanner..Schwar�-Rot-Gold-, Geschäfts st eile: Berlin S. 14. Scbastianstr. 37—38, Hof 2 Tr Kreis Westen: Donnerstag, l. Dezember, 19'� Uhr, Charlottenburg, Edenpalast, Kaiser-Friedrich-Str. 24. Die Spiclmannszüge Tier- garten, Charlottenburg, Spandau, Wilmersdorf, Zehlendorf und Schöneverg z>ur Kreisübungsstunde.- Weissensee-I I.«v— Uli Silben. Montags t9>o Uhr.— Nordosten: Jugendheim Dan, tüfler Str.(ü. Dienstoas 20 Uhr. 100—150 Silben, Debatte.— Neutänn; Karl. Marr-Schule, Kaiser.Zrtcdrich.colr. 209— 210. Donnerstags 19 Vj Uhr. Beiirfsgruppe Berlin und Marl 10:�, Uhr, Monafsversamm- >, Strafaucr Str. 3— 6. Aerzf. I icher Vortrag von Herrn Dr. Fritz Fränfel über„Hirnerfranfuttgen". Deutsche Kaffeen-Sesellschast E. V.. Ortsgruppe Berlin. Freitag, 2. Dezent- der, I9>,<, Uhr, Restaurant„Wilbclmöbof". Vnhaller Str, 12, Lichivildervorlrag ?r. Werdermann:„Meine Brafllienrcisc 1992". longlollov Tnglisd»ednling Club. IZüluwsir. 104: Heute abend.' t/4 Uhr: lieneial discussion:„What I like and dislike in nty prolgssion". Gäste willkommen. Ardetter-Sfenoaraphenuerein Ärotz-Berlin. MMMHH soMlWMMWMMMMW Bund deutscher dir»»«rl«tztcr Krieqer«. B., Bczirksgrr Brandrnbnrg. Am Freitag, 2. Dezember, pünktlich I9tz lang im Pcrcinslolal E. Brandenburg, Berlin(f. 2, Sital Sonnt, nachm. 3 Uhr bill. Preise Heute 4 Uhr: Mndiensqdeilian! Reist Ein Weihnachtsspiel für Kinder Preise von 60 Pf. ab Deutsches Künst!er-Th Nürnberger Str. Tel Bavaria 6466 lägl«'/. Uhr Leopoldine Konstantin in: Die Nacht zum 17. April Schroth, Steinbeck Gebühr, Brionne, Wolle. Picha uerKBuie Kabarett für Alle Kochherde jeder Art u. Größe. Riesenausivahl. Teilzahlung, intus. portable Kachelöfen, Badewannen-Oeien, Kcsselöten Die alte Firma Semmler und Bletcherg. Drezdenerftraße 99. Iannowitz P 7 6631. Linoleum csillat, Kolonie. stran« 9 Kachelöfen. transportable. HZ,— an. Großniann, Prinzenftraße W. sbeswr im »limifslübsigzl Merkur 9901 Täglich 80, Uhr Hans Albers L i 1 i om führ Täglich«': 9 Uhr Das sensafionelle Kabareit-Programm Ahendpreise 1— 3 Mk- Nachm. 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Die Stellung der Parteien zu diesem Haushalt der Bot ist bekannt. Auch die Beratungen der dritten Lesung haben in der Stadtverordnetenversammlung kein neues Moment kritischer Betrachtung gebracht. Dagegen sind diesem Etat in der Presse zwei Kritiker in zwölfter Stunde erstanden, die mit gänzlich neuen Argumenten gegen ihn zu Zelde ziehen. So wird in einer Montagszeitung errechnet, daß alle Ersparnisse dieses Sparhaushalts nur eine „optische T ä u s ch u n g" seien und daß noch g>z»z andere Maßnahmen zum Ausgleich des Haushalts ergriffen werden müßten und könnten— selbst nach Ueberwindung der Wirt- schaftskrise. Der andere Zlritikcr, ein Mann des „Tatkreises", oerlangt nicht mehr und nicht weniger als daß das Ziapitel„Z i n s e n d i c n st" rund und schlicht g e st r i ch c» werde! Die beiden Ratgeber stimme» also darin überein, daß die Stadt sich auch heute noch au seigen er Kraft helfen könnte. Was ist daran Wahres? Der erste Radikalkritiker rechnet aus einer er- staunljch oberflächlichen Gegenüberstellung der Ausgaben in den Jahren 1930/31 heraus, daß die Ausgvbenfenkung„zum großen Teil" auf das Konto„W o h n u» g s w e s c n" entfalle und daß hierbei nur der„durchlaufende Posten" der Haus- zinssteuer weggefallen sei, da die Stadt vom Reich keine hauszinssteuer mehr erhalte. Es werde also eigentlich gar nicht gespart. Ein ganz närrischer Schluß, dem ja alle Erfahrungstatsachen, alle schmerzlichen Einschränkungen auf den Gebieten der Schule, des Gesundheitswesens, der Besoldung und den übrigen Ausgabengebieten der Stadt ins Gesicht schlagen. Wenn man die Ausgabensenkung in ihrem Wesen und in ihrem Ausmaß richtig beurteilen will, muß man die W o h l f a h r t s l a st c n und den übrigen Haushalt gesondert betrachten. Und um sich vor dem Irrlicht„durchlaufender" Posten zu schützen, muß man die Ausgaben nicht allein betrachten, fondern in ihrem Verhältnis zu den Einnahmen, d. h. man muß den sogenannten „Z u s ch u ß b e d a r s" der einzelnen Verwaltungs- gebiete miteinander vergleichen. Wie rigoros gespart wird Der Zuschußbedarf aller übrigen Ver- waltungsgebiete außer der Wohlfahrt ist in den zwei Jahren seit 1930 von ZSZ Millionen Mark auf 189 Millionen, also um genau 33 Proz. gesenkt worden, hieran ist die Schule mit 30 Proz.(von 121 aus«0 Millionen), das E e- fundheitswefen mit 4-1 Proz.(von 50 auf 28 Millionen), die V a u v e r w a l t u n g mit 33 Proz. beteiligt. Ist das wirklich nichts? Ist das nur eine„optische Täuschung"? Der Zu- schußbedars der Wohlfahrt ist in der gleichen Zeil von 238 auf 324 Millionen gestiegen, also um 30 Proz. Und der Steuer ertrag sank von 49� auf 389 Millionen. Der Kritiker des Montagsblattcs folgert aus seiner oberflächlichen Rechnerei, daß die Stadt auch in besserer Zeit mit ihren jetzigen Ausgaben nicht auskäme. In Wirklichkeit lehrt ein einziger Blick auf diese Zahlen, daß Berlin selbst aus dem jetzigen abnorm niedrigen Steuerertrag außer diesen Ausgaben noch den Zuschußbedarf der Wohlfahrtspflege etwa in der höhe des Jahres 1929(190 Millionen) decken könnte. Rur die un- mögliche Aufbürdung der gesamten Wohl- f a h r t s l a st c n in dieser Krisenzeit führt zu den unmöglichen finanziellen Zuständen der Städte Und die Ausgaben sind so weit gesenkt, daß sie ohne schwerste Schädigungen keinesfalls mehr lange auf diesem Tiefpunkt gehalten werden können. Es bleibt schon dabei: die Städte haben getan, was sie konnten. Und insbesondere Berlin hat im letzten Jahre eine f i n a n z t e ch n i s ch e M u st e r l e i st u n g unter schmerzlichstem Ber- zicht aus die Erfüllung wünschenswerter und sogar notwendiger Aufgaben vollbracht— aber es ist nun auch am Ende seiner Kraft und kann sich nicht mehr selber helfen. Also— sagt der„Tatkreis"-Kritiker— die Zinszahlungen einstellen! Und mit diesem Gelde ein Arbcitsbeschasfungspro- gram m finanzieren. Zur Durchführung eines solchen Programms dürfte es nur nach der Ein- stellung des Zinsendienstes nicht mehr kommen! Sollte sich der Schreiber nicht vorstellen können, welche unmittelbaren und sofortigen Folgen die erklärte Zahlungsunfähigkeit der deutschen Reichshauptstadt haben würde und haben müßte? Und würde die mit soviel Inbrunst herbeigesehnte „berufsständische Bürgerschaftsvertretung" auch nur eine von diesen Folgen abwenden können? Wenn Berlin seinen Schuldendienst einstellen würde oder besser müßte, so hätte das Reich selber jedenfalls dabei weit mehr zu zahlen, Bei der gestrigen„Z a u sl"- P r o b e im Staatlichen Schauspielhaus am Gendarmenmarkl entflaud gegen 15.30 Uhr durch die Unvorsichtigkeil eiues jungen Schauspielers Feuer, das um ein haar schwerste Folgen gehabt hätte. 21! it gefährlichen Brandverlehungen muhte der 20jährige Schauspieler Erich Schwarz aus der Fasanenstraße 44 in die Eharitö gebracht werden. Der plötzliche Feueralarm hatte unter den zahlreich anwesenden Schauspielerinnen und Schauspielern größte Ausregung verursacht. Die Probe mußte abgebrochen werden. Entgegen dem strengen Rauchverbot zündete sich Schwarz während einer kurzen Pause in der Chorsängergarderobe eine Zigarette an. Dabei fiel ihm das Zündholz aus der Hand und setzte sein Kostüm, das aus leichten Stoffen bc- stand, in Brand. Lichterloh brennend eilte der Unglückliche auf den Gang hinaus, wo Kollegen, die durch die gellenden Hilseschreie alarmiert worden waren, hinzueilten. Geistesgegenwärtig öffneten einige Männer den Hydranten und be- wahrten dadurch den bereits bewußtlos am Boden Liegenden vor dem Flammentod. Schwarz hatte am ganzen Körper schwere Berbrennun- gen erlitten Besonders im Gesicht sind die Wunden sehr schwer, da die aufgeklebten Bart- haare und die Perücke in Flammen aufgingen. Der Schwerverletzte wurde in die CHarite gebracht. Auf dritten Alarm war Oberbaurat F o o t h von der Wache Hafenplatz mit drei Löschzllgen an die Brandstelle geeilt. In der Zwischenzeit war das Feuer, das auf einige Garderobenstllcke über- wären seine eigenen finanziellen Verluste weit höher als bei einer vorsorglichen Hilfe- l e i st u n g. Daran würde kein noch so schönes kommunales Arbeitsbeschaffungsprogramm auch nur einen Deut ändern. Es ist nun eben heute leider so, daß keine Stadt, auch nicht die Reichs- Hauptstadt, von sich aus in der Frage der Arbeits- beschaffung irgendeinen entscheidenden Schritt tun kann, weil in den Gemeinden jeder Pfennig neben Löhnen, Gehältern und Schuldendicnst für die Aufrechterhaltung der Unterstützungen und Fürsorgeeinrichtungen gebraucht wird. Die Hand am Hebel der Arbeitsbeschasfung hat allein das Reich— und die Sozialdemokratie hat es nicht an Mahnungen und Warnungen, aber auch nicht an Vorschlägen fehlen lassen. Bürgschaften der Stadt In der„guten" Zeit hat die Stadt Berlin in zahlreichen Fälle» für Bereine Bürgschaften übernommen. Jetzt, da die Pleite regiert, sind auch angesehene und ehemals finanziell starke Bereine in Schwierigkeiten geraten und die Stadt muß nun aus Grund der geleisteten Bürgschaft einspringe». Der erste Fall dieser Art beschäftigte den Haushaltsausschuß der Stadtverord- netenversammlung. Es handelt sich uin einen Tennisklub, die verbürgte Summe beträgt 7000 M. Der Ausschuß oertagte seine Entscheidung, um durch ein juristisches Gutachten erst die Rechtslage genau feststellen zu lassen. gegriffen hatte, von der ständigen.Hauswoche ge- löscht worden. Man kann von Glück sagen, daß der Vorfall, der sich im dritten Stockwerk abspielte, nicht noch schwerere Folgen nach sich gezogen hat. Der Unglücksfall erbringt wieder einmal den Beweis, wie berechtigt dos scharfe Rauchverbot in allen Theatern und Licht- spieltheatern sowie in den Film- atesiers ist, besonders bei den letzteren, wo Arbeiter und Komparsen, die beim Rauchen er- wischt werden, rücksichtslos auf die Straße fliegen, während manchem allgewaltigen Regisseur, sowie mancher und manchem Prominenten das Rauchen nachgesehen wird. Der Vorfall wird der Inten- danz des Staatlichen Schauspielhauses erneut Ver- anlassung geben, noch schärfer als bisher, für die Einhaltung des Rauchverbots Sorge zu tragen. ..Pankgrafen" Der GeLerkall auf den Kutscher Der schwere Raubüberfall, der sich am vergangenen Freitag in der Wittestraße in Borsigwalde aus den Kutscher Kurt Eberl abgespielt hatte, wurde jetzt durch die Beamten des Raub- dezernals aufgeklärt. Als Täter wurden ermittelt der 23 Zahre alle Fritz Weiland aus der Bürgerstraße, der 20 Zahre alle O u a l i h aus der Ponkslraße, der den Spitznamen„Slubing" führt, und der 19 Zahre alte INartin Waller, ge- MITTWOGH, 30. NOV. 1932 nannl„der Rlixer". Alle drei stammen aus Reinickendorf. Sie sind überführt und geständig. Bei de» Tätern handelt es sich um Mitglieder des Vereins der„P a n k g r a f c n". Die Mit- glieder find sämtlich junge Burschen, denen sich andere des aufgelöston Vereins„Feste Ha n d" und des„Roten Panther s" angeschlossen hatten. Der„Vorstand" der vereinigte» Gruppen ist 19 Jahre alt. Wie noch erinnerlich, war der Kutscher mit einem Einspänner durch Reinickendorf gekommen und hatte die Wjttestraße in Borsigwalde passiert. Plötzlich sprangen ihm ein paar Burschen ent- gegen, hielten das Pserd an, schnitten dem Kutscher die Geldtasche ab und slüchteten. Sie hatten 574 M. erbeutet Die Räuber hatten Gas- und Schreckpistolen bei sich. Als sie die Tasche mit dem Gelde erbeutet hatten, rannte Martin wie ein Wilder mit der Beute davon und flüchtete in Richtung zum dortigen Russenfriedhos. Er hatte eine Gaspistole bei sich. Als er die Mauer des Friedhofs überklettern wollte, rutschte er aus— und die Pistole ging los. Von dem Gasnebel wurde er betäubt und blieb eine ganze Weile liegen. Später vergrub er die Tasche. I» der Nacht noch wurden die„Pankgrafen" benachrichtigt und eine Abordnung ging die Tasche holen. Dann wurde i» der Brunnenstraße die große Zecherei veranstaltet. 90000 M. veruntreut 3' 4 Jahr Gefängnis Dresden, 29. November. Bor dem Dresdener Schöffengericht hatte sich der langjährige Kassierer der Sektion Dresden des Deutschen und Oestcrreichischcn Alpenvereins, A n s o u l, wegen der umsang- reichen Unterschlagungen zu verantworton, die im Juli dieses Jahres aufgedeckt wurden und damals großes Aufsehen erregten. Die Höhe der Unter- schlagungen ließ sich bisher noch nicht genau er- mittelii: sie wird aber auf mindestens 8 0 0 00 bis 9 0 00 0 Mark beziffert. Ansoul war Ende Juli bei Aufdeckung der Unterschlagungen ge- flohen, wurde ober am 30. Juli von der Kriminal- Polizei auf dem Dresdener Hauptbahnhof verhaftet. Das Urteil lautete auf drei Jahre drei Monate Gefängnis und drei Jahre Ehrenrechts- vertust. Förster ermordet Mordkommission an der Arbeit G l e i w> tz, 29. Ilvvember. Der Reviersörster Wendel aus Kupferhammer wurde im Zage» 71 des Reviers Brzezinko ermordet ausgesunde». Sein Hund lag erschossen neben ihm. von den Tätern sehlt vorläufig jede Spur. Sämllichc Anzugtaschen des Försters waren teer. Ob der Tod durch Schuß oder hieb eingetreten ist, konnte bei der vorläufigen Untersuchung noch nicht einwandfrei festgestellt werden. Revierförster Wendel hat sich am Sonntagnachmittag allein zu einem Streisengang vom Hause entfernt. Etwa eine Stunde später wurden drei Schüsse gehört. Der Mord wird zur Zeit von einer B e rfl i n e r Mordkommission untersucht. Auf Ersuchen der Gleiwitzer Staatsanwaltschaft wurde vom Landeskriminalamt Kriminalkommissar Dr. Bern- dors zur Untersuchung entsandt. Die Forst grenzt an das Gleiwitzer Stadtgebiet. Mendel hatte am Bormittag seinen Rundgang angetreten und seine Frau davon unterrichtet. Sie glaubte später in weiter Entfernung zwei Schüsse zu hören, denen ein langgezogenes Heulen folgte. Wahrscheinlich ist zu dieser Zeit der Förster mit den Wilderern zusainmengestoßen. Brand im Schauspielhaus Verhängnisvolle Zigarette— Junger Schauspieler schwer verletzt Der verschwundene Bankdirektor Die Spekulationen des Direktors Schäfer in Düsseldorf Die Unkerschlagunge» de» sluchligen Direktors der Dllsseldorser Tlebenslelle der D c u I s ckz e» Lank und DisconkogeieUIchosk. Schäfer, wachsen sich Immer mein zu einen, Skandal aus. Durch ein Mißgeschick bei dem Versuch, den Fall zu vertuschen, kam die Teiche überhaupt erst an die Oessentlichkeit. Am vergangenen Freitag vor acht Tagen suhr der Leiter der Düsseldorfer Palizeipressestelle im Auftrag des Düsseldorfer Polizeipräsidenten mit dem Auto bei den örtlichen Zeitungen vor und bat sie. eine kleine, nicht amt-, iich gehaltene Notiz über das Verschwinden Schäsers aufzunehmen. Darin stand. Schäfer sei von einer Geschäftsreise nicht zurtickgekehrt. Er habe, da eme Asthmakur in NeichenhaU erfolglos gewesen sei. an seelische» Depressionen gelitten. Seine Familie sei in großer Sorge. Ausdrücklich bat der Polizeioffizier, die Zeitungen möchten die Notiz möglichst unauffällig bringen. Die Notiz erschien und wurde vom Betrugs- kommissariat der Kriminalpolizei gelesen. Ohne zu wissen, von wem die Notiz ausging, g r i f f d i e K r i p o ein, weil sie Verdacht schöpste. Äin Gespräch mit dem Generaldirektor Wupper in a n n von der Deutschen Bank wurde tatsächlich auch er- wähnt, Schäfer habe aus Kassel an die Bank und an seine Frau geschrieben, er habe Verfehlungen begangen und kehre aus Angst, zur Rechenschast gezogen zu werden, nicht mehr nach Düsseldorf zurück. Schäfer war da schon zehn Tage flüchtig. Diesen Brief beschlagnahmte die Kripo. Gleich In wenig Worten »le au« Bandong auf Java gemeldet wird, ist der Vulkan krakatau wieder in sehr starke Tätigkeit getreten. Innerhalb von 12 Stunden wurden 3 Z S A u s b r ii ch e beobachtet. Die Be> wohner der Insel sind in großer Angst und bereit. seden Aligenblick zu fliehen. Einer der Ausbrüche am Montag erreichte eine Höhe von rund acht- huykert Metern. * Aus der Oker bei Braunschweig wurde die L.eiche eines.50= bis Ghährigen Mannes, offenbar eines Arbeiters, geborgen, die etwa ein Dutzend s ch w e r e S ch I a g v e r l e ß u n g e n aufwies. Soweit bisher ermittelt wurde, ist der Mann im Laufe der Nacht im Bürgerpark ermordet worden Die Provinz Coquimbä in Chile ist von einem Erdbeben Heiingesucht worden, das so Heftig war. daß auch i» Santiago selbst Erdstöße ver- spürt wurden. Eine ganze Anzahl von Personen ist verletzt. * Unter dem Verdacht, seine ZOjäHrige Geliebte Elisabeth M. erwürgt zu haben, ist der 37 Jahre alte Albert M e h l h a s e von Beamten der Mordkommission v e r h a s t e t worden. M. wohnte mit der Frau zusammen in einer Laube aus einem Kleingartengelände in Hohen- schönhapsen. Am Freitag voriger Woche wurde Frau M. ins Krankenhaus eingeliefert. Bei ihrer Aufnahme konnten die Aerzte nur noch den Tod feststellen. Bei der Untersuchung wurden am Halse der Leiche Würgemale entdeckt. * Der 44 Jahre alte Zigarrenhöndler Ressau in Aachen erschoß in der Nncht seine tiSjährige Mutter und tötete sich dann durch einen Brustschuß. Aus hinterlassenen Briefen geht hervor, daß Nestau au» wirtschaftlicher Not gehandelt hat. Am Dienstag ereignete sich im Flöz 1 li der Zeche F ii r st Leopold B a l d o r bei Hervest- Dorsten lim Gebiet von Recklinghausenf ein Gebirgsschlag. Die hereinbrechenden Kohlen und Berge begruben zweiHäuer unter sich, die nur als Leiche n geborgen werden konnten. Es be- steht die Annahme, daß das Unglück in ursächlichen, Zusammenhang mit den Erderschütterun- gen steht, von denen das Gebiet in den letzten Tagen betroffen worden ist. zeilig soll sie die Bank aufgefordert haben, S l r a i anzeige zu erstatten. Zur Beruhigung der Oeffentlichteit gab die Bank bekannt, daß Direktor Schäfer versucht habe, UlOtZOO M. persönliche Fehlspekulalionen auf die Bank abzuwälzen. Gegen allen Brauch ordnete der Oberstaatsanwalt Eich, an den die Bank die Anzeige erstattet hatte, an, daß die Sache sofort, bevor der Flüchtige ergriffen war. dem Untersuchungsrichter überwiesen wurde. Darüber vergingen zwei Tage, in denen Frau Direktor Schäfer ihre Villa verließ und ins Waldeckfche reiste. Eine Haussuchung, Beschlagnahme von Korrespoirdeuzen Sästisers, die eine Verdunkelung unmöglich und die Aufklärung eventueller Beihilfe vielleicht möglich gemacht hätte, fand nicht statt. Inzwischen waren Revisoren der Bank in Düsseldorf eingetroffen, die eine Kontrolle vornahmen. Sachverständige der Staatsanwalt- schast wurden, soiveit bekannt geworden ist, nicht zugezogen. Inzwischen stiegen die Verfehlungen Schäfers in die Millionen. Wie neuerdings ge- sagt wird, sollen sie bereits eine Höhe v �n l ö Millionen erreicht haben. Schäfer war der B e r t r a n e n s mann der westdeutschen G r o ß i n d u st r i e l l e n stir Börsenspekulationen. Von zahlreichen Groß- industriellen hatte er Blankovollmacht, zu spekulieren. Darum richtete er fiktive Kon- ten ein. Nach anfänglichen Riesenerfolgen hatte Schäfer, der eine Bank innerhalb der Deutschen Bank etabliert hatte, große Verluste. Sie sollen bereits Ist.Zll in die Millionen gegangen sein. Schäfer vertuschte sie durch falsche Eintragungen. Schließlich entnahm er, um feinen Verpflichtungen nachkommen zu können, ihm, oder nach einer an deren Version, der Bank anvertrauten Depots Effekte» Spekulationen an der Pariser Biipe endeten mit Riesenverlusten, als vor einigen Wochen der Krach an der Pariser Börse eintrat. Die Bank gibt bekannt, daß ordnungsgemäße Kunden der Bank nicht geschädigt werden Das soll wohl heißen, daß die Bank versuchen wird, den Skandal intern beizulegen Wohlinsormierte Kreise wollen weiter wissen, daß auch ganz beträchtliche Steuer- Hinterziehungen vorliegen, vielleicht und wahrscheinlich sogar große Devisenschiebungen, von denen unverständlich sei, daß sie Direktor Schäfer koordinierten und übergeordneten Stellen nicht lä,»gst aufgefallen sind. Auf alle Fälle kann man verstehen, daß der Deutsche» Bank im besonderen und der deutschen Bankwelt im allgemeinen dieser Skandal in einer Zeit, in der die Verstaatlichung der Banken zur öffentlichen Diskussion steht, und in der die hohen Subventionen an die Banken noch nicht vergessen sind, sehr unangenehm ist. Wohl nicht ganz ohne Einfluß der Tatsache, daß die westdeutschen Linksblätter den Fall Schäfer immer wieder angeschnitten haben, hat setzt der Untersuchungsrichter angeordnet, daß der Sie ck- b r i e s gegen Schäser, der zunächst nur im Polizei- fahndungsblatt veröffentlicht wurde, nunmehr öffentlich in Bahnhöfen, Postanstalten usw. plaka- tiert wird. Inzwischen hat auch die Bank 3 0 0 0 Mark Belohnung für die Ergreifung Schäfers ausgeftzt. Vertretung und der Amtsvorsteher der Korruption beschuldigt und schwer beleidigt wurden. Das Flugblatt war vervielfältigt und auch von unbekannter Hand der Einwohnerschaft in die Brief- kästen gesteckt morden. Das ErmittluNgsverfah- ren gegen Unbekannt mußte van der Staats- anwaltfcliast eingestellt werden, weil gegen die als Verbreiter Verdächtigten der Schuldbeweis der Täterschaft nicht einwandfrei geführt werden konnte. Dadurch kühn geworden, wagte es Koehne, ähnliche Beschuldigungen, wie sie in dem anonymen Flugblatt enthalten waren, dem Amts- Vorsteher in einem Brief vorzuwerfen, den dieser an die Staatsanwaltschast mit dem Antrag auf Strafverfolgung weitergab. Vor Gericht versuchte Koehne den Wahrheits- beweis für feine Behauptungen anzutreten. In der Begründung des vorbezeichneten Urteils brachte das Gericht zum Ausdruck, daß der wahr- Heilsbeweis völlig mißlungen und die verleumderische Beleidigung sestgeslclll sei. Von der Ber- hängung einer Gefängnisstrase wcroe nur des- halb abgesehen, weil der Angeklagte bisher un- bestraft war und aus politischem Fanatismus ge- handelt habe. .,vorwärt»"-ceier in Lirkenwerder. Ab Don- neretaa, 1. Dezember, wird der„V o r w ä r t s" in B i r t e n w e r d e r durch Genosse» Alfred Achilles, Fontanelveg 5, zugestellt. Alle „Vorwörts"-Leser in Birkcnwerder werden ge- beten, sofort ihre Adressen dem Genossen Achilles mitzuteilen, damit keine Verzögerung in der Zu- ftellung eintritt. Der verlorene Cohn Der Vater auf der Anklagebank Nie Verleumder Lügen in Rangsdorf Vom Amtsgericht Zossen wurde der Nazi- mann Werner Koehne aus Rangsoors wegen verleumderischer Beleidigung des Amtsvorstehers van Rangsdorf mit 311 M. Geldstrafe bzw 10 Tage Gefängnis bestraft. Die Angelegenheit hat folgende Borgeschichtec An, Pfingstsonntog dieses Jahres war der Aus- lzangkaften der Gemeinde Rangsdorf aufgebrochen worden. Unbekannte Täter hatten in den Kosten ein anonymes Flugblatt zum Aushang gebracht. in dem der Gemeindevorsteher, die Gemeinde- Ein Käjähriger Mann, ein braver Bürger, steht vor dem Schöffengericht. Schon bei der Nennung seiner Personalien ist er dem Weinen nahe.„Es ist nur alles wegen meines Sohnes", kommt es ruckweise aus dem alten Mann heraus, „er hat mich hierher gebracht."„Wir wissen das ja, Angeklagter", sagt der Richter,„aber Sie müssen uns erzählen, wie das alles gekommen ist." Und der alte Mann mit der einst gesicherten Existenz erzählt. Er war Inhaber einer gut gehenden Drogen- Handlung. 800 Mark betrug der Monatsverdienst. Im Jahre 10Z4 wurde er durch Vermittlung eines Bekannten Verwalter von vier Häu- fern, die der Präsident des Schweizerischen Nationalrats Dr. Abt während der Inflation für ein Butterbrot gekauft hatte. 30 000 Mark jähr- lich brachten die Mieten ein, etwa 300 Mark erhielt der Angeklagte als Verwalter, 50 Mark mußte er davon monatlich dem Bekannten.zahlen, der ihm die Stellung vermittelt hatte. Im selben Jahre 19Z4 nahm der Angeklagte seinen junge» Sohn in sein Geschäft. Und im Jahre 10W ent- deckte er plötzlich einen Fehlbetrag von 15 00 0 M a r k. Der Sohn hatte Waren beiseite geschafft. Auf Drängen der Mutter verzieh der Vafer dem Jungen die Verfehlungen. Dieser dachte aber gar nicht daran, sich zu bessern. Er der aus der vermeintlichen Krankheit Kapital schlug! Als die Frau aber eines Tages eine» Arzt aufsuchte, erfuhr sie, daß sie keineswegs ein solches Leiden habe In einer Klinik, in der sie mehrere Tage lag, wurde ihr von drei Spezialisten bestätigt, daß sie vollkommen gesund sei. Nun- mehr merkte die Frau, daß sie einem ganz ge- wissenlosen Betrüger zum Opfer gesallen war. Inzwischen sind jetzt bei der Polizei neue Anzeigen eingelaufen, die beweisen wollen, daß Assermacher in, stände se,. den Tod eines Menschen durch mag- netische Fernsehkräste zu beeinflussen und eintreten zu lassen. Es bleibt abzuwarten, welches Ergebnis die Untersuchung in dieser Hinsicht haben wird. Da Assermacher morphinmfüchtig und gelähmt ,fl. hat die Polizei von einer Verhaftung bisher Abstand genommen. Die Untersuchung ist noch längst nicht abgeschlossen. Jeuerüberfoll auf Lokal Aus das kommunistische Lerkehrslokal in der Pflugstraße 5. unweit der Schwarhkopssstraße, wurde gestern abend von Nationalsozialisten ein regelrechter Feuerübersall verübt. Die Hakenkreuzler feuerten eine Reihe von Schüssen ab. Ein Kommunist wurde von einer Kugel in die Schulter getroffen. Ein weiterer kommunistischer Parleiangehöriger erhielt einen Kopfstreisschuß. Die Täter flüchteten und entkamen. Der Schießerei soll eine Schlägerei vorangegangen sein. TvdeSexperimente Oer>Vundennann von Steglitz Die gegen den Steglitzer Astrologen Asser- macher schwebende Untcrstichiing der Kriminalpolizei hat erneut bewiesen, daß A. nicht nur Zauber- und Liebestränklein mischte, sondern sich auch als Kurpfuscher betätigte. Es smd überhaupt neue schwere Beschuldigungen gegen ihn erhoben worden, die sich mit besonderen „Todesexperimenlen" des Mannes befassen. Assermacher hat, wie die Untersuchung ergab, zahlreiche Menschenleben auf dem Gewissen. So hatte er u. a. der Frau eines Berliner Geschäfts- mannes eingeredet, daß sie ein schweres Kehlkops- leiden habe. Die Frau war völlig verzweifelt und begab sich in die„Behandlung" des Astrologen, „Weihnachtsmarkt" Ausstellungsballen am Funkturm Jetzt liegt dos vollständige Programm für das große Tzilfsmerk zur Linderung der Künstlernot vor, das unter dem Protektorat des Oberbürger- meistere im Rahmen des Weihnachtsmarktes Ber- liner Künstler vom 3. bis 11. Dezember in den Ausstellungshallen am Funkturm durchgeführt wird. Der Eröffnungsabend am Sonnabend, dem 3. Dezember, wird eingeleitet durch eine große Darbietung der Funkstunde für die Winterhilfe. Für Sonntag, den 4. Dezember, nachmittags, und die dann folgenden Nachmittage sind in einem Marionettentheater Weihnacht?- spiele wie„Hansel und Grete!",„Schneewitt- che»",„Rotkäppchen" und„Domröschen" festgesetzt. Am Montag, dem 5. Dezember, wird„Die Junge Oper" im Rahmen des großen Abend- Programms„Die O p e r n p r o b e" von Albert Lortzing unter der Direktion von Theo Mühlen und der musikalischen Leitung von Kapellnieister Bernstein bringen. Die Abendveranstaltung des Mittwoch, den 7. Dezember, wird eingeleitet durch eine Iofeph-Schmidt-Stunde. Improvisationen out 5 Klavieren zweihändig werden dann überleiten zu dem Opernbilderbogen der Städti- s ch e n Oper, dargestellt vom Personal der Städtischen Oper unter persönlicher Leitung des Intendanten Karl E b e r t. Dem Programm schließt sich ein gemeinsamer Auszug zum Zirkus E b e r t aus dem Weihnachtsmarkt an. Tausende von Besuchern werden zu diesen Veranstaltungen erwartet, um taufenden not- leidenden Künstlern zu Helsen. Der Eintritt für den Weihnachtsmarkt, auf dem es neben den zahl- reichen Verkaufsstellen de, Berliner Geschäftswelt auch eine großzügige Weihnachtstombola gebe» wird, kostet für Erwachsene nur 50 Pf. und für Kinder 25 Pf. Für die großen Abendsonder- Veranstaltungen sind Karten zum Preise von 50 Pf. bis 4 TO. im Vorverkauf bei den bekannten Theaterkassen erhältlich. entwendete den Eltern Wertsachen und Kleider, ließ an sich selbst vermittels gefälschter Stempel Aufträge ergehen. Als der Voter ihm ein Last- a u t o kaufte, damit er Aufträge übernehmen und mit dem Auto Ueberlandfahrten unternehmen tonnte, wurde auch daraus nichts. Das gleiche unrühmliche Ende nahm das für ihn eingerichtete Speditionsvermittlungsg e f ch ä f t. Schließlich fuhr er im Auto feines Vaters davon und ist seitdem verschwunden� er wird von den Behörden steckbrieflich verfolgt. Das Drogen- geschäft ging pleite. Der Vater hatte aber, nachdem er durch den Sohn ruiniert worden war und um sich über Wasser zu halten, als Verwalter der Abtfche» Häuser sich der Unterschlagung und der Untreue schuldig gemacht. Als er im Jahre 1032 mit Dr. Abt abrechnete, fehlten 5000 Mark. Und als dann die gesamte Geschäftsführung nach- geprüft wurde, stellten sich weitere Verfehlungen heraus.„Der Sohn hat mich durch feine Hand- lungeweise in Geldverlegenheit gebracht, ich wurde von den Gläubiger,, gedrängt, und da habe ich mich eben an den anvertrauten Geldern oer- griffen. Nur durch meinen Sahn ist es dazu gekommen, daß ich hier stehe", weinte der Vater. Das Gericht verurteilte den Fünfundfechzig- jährigen zu vier Monaten Gefängnis unter Zu- billigung einer Bewährungsfrist. Oel-Zauberer! „Feinstes Terpentinöl" aus Wasser Von der Kriminalpolizei sind zwei Schwindler unschädlich gemacht worden, die mehrere Berliner Geschäftsleute um über 10 000 Mark gefäiädigt haben. Die beiden Betrüger, der 51jährige Hugo I. und der 50 Jahre alte August B., arbeitete,» nach dem Vorbild des„Goldmachers" Tau- send, nur daß sie nicht versprachen Gold her- zustellen, sondern durch ihre„Erfindung" konnte man aus Wasser, Harz und einigen Chemikalien „feinstes" Terpentinöl fabrizieren. Um ihren Schwindel recht glaubwürdig und schmackhaft zu machen, hatten die Betrüger in Charlottenburg ein„Laboratorium" eröffnet. Dort stellten sie einen Destillierapparat auf, den sie vorher für ihre Zwecke präpariert hatten. Mit diesem Köder wurden dann Dumme gefangen, die in das „Unternehmen" über 10 000 Mark steckten. Die Vorführungen wurden den Geldgebern mit dem notwendigen Hokuspokus gemacht. Niemand ahnte, daß sich in dem Destillierapparat ein dop- pelter Boden befand, der mit Terpentinöl angefüllt war. In den oberen Teil wurde Wasser, Harz und weißes Pulver geschüttet, und wenn das„Laboratorium" mit dichten, stinkenden Oualmwolken angefüllt war, wurde„feinstes Terpentinöl" gewonnen. Durch einen Taschen- spielertnck wurde nämlich ein verborgener Hahn geöffnet, und zur Verblüffung der Interessenten floß das Oel heraus. Einem der Geschädigten kam die Sache schließlich verdächtig vor, und so wurde der ganze Schwindel aufgedeckt. Die Trauerfeier für Emil Dieke, den ver- storbene» Genossen und Reichsbannerkameraden aus Pankow, hatte eine große Zahl trauernder Freunde und Mitkämpfer im Krematorium Ge- richtftraße vereinigt, jlamerod Hugo K l ü h s ehrte den Verstorbenen in einer von tiefem Mitgefühl getragenen Gedenkrede. Am Sonnabend wurde wieder unter starker Anteilnahme die Urne mit ber Asche des alten Kämpfers auf dem Gemeinde- friedhof Buchholz beigesetzt. Hier würdigte Kamerad A p e l den Taten noch einmal als den treue» Streiter für Freiheit und Demokratie.' tfnsprudisMlIe kaufen Filllhaltar- NauhaHaa st m jm ja Wundartüller Salbttöffner „Liebling Viele Zehntaus. im Gebrauch 5- Friedrichstr. 143. am Stadtbhf. LeipzigerStr. 1 13. Ecke Mau�rstr Friedrichstr 74. Ecir= Jägersfr. .. 163, Ecke Behrenstr. Tauentzienstr. 4. a. Wdtenbgpi. Neue rfi avt/MiSifnifK* .. 183.EckeMohrenstr. Spitte! markt 15, Go/dfinkecke Fi Hat. /'i(»*U§IÜCf/ilui£ Neubaumleter im Kampf Bewegung in den Rolandbauten Die Bewegung der Berliner Neudaumieier zur Senkung der hohen Mieten gewinnt immer mehr on tlusdehnung. Nachdem erst kürzlich die 700l) Wohnungsinhabcr der Gagsah-Gescllschast in einer Massenversammlung ihre Forderungen an- gemeldet haben, nahmen jetzt die Mieter der R o I a n d- G e s e l l s ch a f t im grossen Saal des Restaurants„Tusculum" in T e o e l Stellung zu den Mieten ihrer Baublocks. An dieser Bewegung sind rund 28(Xj Wohnungsinhaber beteiligt. Auch hier hat sich eine Interessen- gemein schast der Mieter gebildet, die trotz rechtlicher Schwierigkeiten sehr rührig ist. Denn das Mieterschutzgeseg sieht mir für Altbauten eine Mietervertretung vor, der vom Haus- wirt auch entsprechende Unterlagen zur Persügung gestellt werden müssen, während die Netlbaumieter so gut wie rechtlos sind. Die Bewegung in den Roland-Bauten begann Ansang des Jahres mit einem Streit um ihOOO Mark. Die Mieter stehen auf dem Standpunkt, dast auch diese lfiOtK) Mark Zur Mietsenkung hätten Verwendung finden müssen, zumal die seinerzeit durch Notverordnung durchgeführte Mielsenkung ihnen zu niedrig er- schien. Einer Beschwerde a» den Oberbürger- meisler wurde insofern stattgegeben, als der Standpunkt der?Ziicter für deh Baublack Prcn zlauer Berg filr gerechtfertigt angc- sehe» wurde, der Einspruch für die anderen Blocks aber abgelehnt wurde. Jetzt beschwerten sich die Mieter beim Oberprösidenten, der aber immer noch keine Entscheidung gefällt hat. da juristisch der Fall der IllOOll Mark noch nicht ge- klärt ist Es ist nämlich strittig, ob es sich hierbei um die Zinsen kür eine Sicherunashypothek oder um ein rückzahlbares Baudarlehn handelt. Inzwischen sind aber viele Mieter notleidend geworden. Die Mieter hatten die Wohnungen in der Zeit der Konjunktur übernommen, jetzt in der Krise jedoch können sie die teuren Wohnungen nicht mehr halten. Verschiedentlich sind auch schon Exmissionen erfolgt, wobei die unglücklichen Exmittierten von den Neu- bauwohnungen teilweise in Wohnlauben ziehen muftten, weil sie anderweit kein Unterkommen fanden Dies wurde von der Versammlung um so mehr bedauert, als gerade diese unmittelbaren Opfer der überteuerten Neubaumieten nun für den Kampf der übriggebliebenen Mieter ausscheiden. Nach einer Ausstellung, die iin übrigen die Jnier- essengemeinschaft der Mieter gemacht hat, müssen die Wohnungsinhaber 3 l) bis St) P r 0 z. ihres Einkommens f ü r den Mietzins auf- wenden. Da dies aus die Dauer untragbar ist, forderte die Versammlung eine Mietsenkung von l t) Pro z. für die Roland-Wohnungen. Die Mielervertretung erklärte, dost die Kesellschast hierzu in der Lage sei, da sie ansehnliche Beträge zum Beispiel an Reparaturkosten ausgespart hätte. Mieten in einigen Häusern, die der Reich»post gehören, bcaustragt worden. Dabei soll er sich Ilnregelmästigteiien haben zuschulden kommen lassen. Die Verfehlungen waren kürzlich ausgedeckt worden. Ossenbar hat sich R. dle Sache so zu Herzen genommen, daß er in den Keller hinabstieg und sich dort an einem Verschlag erhängte. Die Leiche ist beschlagnahmt worden. xzlls psstsigsnosilnnsn uncl paiisi- genossen, die vor und wahrend des Sozialistengesetzes für die Partei tätig waren, werden mit ihren Familienangehörigen zu einem gemütlichen Beisammensein SoMtabeud, 3. d&z&Mbtc, 19 UUc, im großen Saal des Gewerkschaftshauses, Engelufer 24/25, freundlichst eingeladen. Musik/ Berliner U I k- T r i o I. A.: Wilhelm Gründet. Gtudentenhilfe Zugunsten der Erwerbslosenküchen der Not- gcineinschafl Berlin hatte der„Studenten- dienst" in die Kamera zu einer Matinee ein- geladen, die erfreulich stark besucht war und der Sache der Erwerbslosenhilse ideell und materiell einen guten Dienst erwies. Es zeugt für ein starkes soziales Verantwortungsbewußtsein, daß sich hier einmal Studenten tatbereit ihren erwerbslosen Volksgenossen zur Verfügung stellen. Aus dem Programm verdient das vollendete Spiel von Gerd Thomas aus der Wurlitzcr Orgel hervorgehoben zu werden. Ein ganz großer Publikumserfolg war das Auftreten einer voll- endet spielenden Straßen sä ngerkapelle. Auch der künstlerisch hochstehende Film„Menschen am Sonntag" wurde wieder mit starkem Beifall ausgenommen. Kabarett kür Notgemeinscbakt Ein lustiger Kobareltabend bei Bicler, Altes Eicrhaus, vereinigte alle die, die mithalfen am Werk der R o t g e m e i n s ch a s t Baum- s ch u l e n w e g. Je mehr Kochkessel dampfen, desto weniger Magen bleiben hungrig, und das ist das Hauptgebot der Stunde: Es soll, es darr keiner hungern! So versucht man mit allen Mitteln, immer wieder etwas Betriebskapital für das Hilf»- werk zusammenzukratzen: damit die Gebenden, denen es auch nicht immer allzu leicht fällt, für ihre offene Hand belohnt werden, darum stieg ein bunter, künstlerischer Abend. Mitglieder der Jnter- nationalen Artistenloge hatten Humor, Geschicklich- keit, Anmut und eine gute Stimme mitgebracht und vermittelten dem Publikum für ein paar Stunden frohe Laune. Erich Kmiradi stihrte seine Kollegenschar und auch sich selbst mit launigen Worten vor, dann jonglierten Rudolf und Renate mit Keulen, Bällen. Stühlen im Sitzen, Stehen und Liegen. Lisa Fahbender sang mit guter Stimme und viel Humor rheinische Stimmungs- lieder und Rudolf Grüneberg bot ergötzliche Typen in den verschiedensten Verkleidungen. Den musikalische Part hatte Kapellmeister Köhler über- nommen, unterstützt von den beiden Loros, die einen guten Musikalakt boten. Es gab viel Stirn- mung und Applaus für die Künstler, worüber sie sich sreuten, und hoffentlich einen netten Reinertrag für die Erwerbslosenküche, worüber die anderen sich noch viel mehr freuen werden. Aus der Partei Am l. Dezember tritt konrad Ludwig in den R u h e st a n d, der rührige Parteikassierer, der mit großer Energie, mit Tatkraft und Umsicht am Auf- bau der Organisation in all ihren Verästelungen mitwirkte,«eine scheinbar rauhe und dennoch warmherzige Art schaffte ihm überall Vertrauen, denn jeder' wußte, daß die äußere Schale einen weichen, mitfühlenden Menschen birgt. Er gönnte sich keine Ruhe und wenn ihn heute sein Gesundheit?- zustand zwingt, den Rechenstift aus der.Hand zu legen, so hosscn wir doch alle, daß die Zeit eine Besserung seines Leidens herbeiführen und ihn wieder Kraft geben wird zu der Arbeit, die bisher den ganzen Inhalt seines Lebens bildete, der Arbeit für die Partei! Zweites Wohltätigkeitskonzert der Berliner Schutzpolizei im Wintergarten. Da» zweite Wohl- tätigkcitskon.zert des Sinsanicorchesters der Schutz- polizei Berlin unter Leitung des Gcncralmusik- direktors Erich Böhlke sindet ani Sonntag, dem lt. Dezember, um\2 Uhr im Wintergarten in der Dorotheenstraße statt. Ihre Mitwirkung haben Walter G r o ß m a n n, Der Bariton der Städti- schen Oper in Berlin, und der ijarjemst Prascjsar Max Saal von der Slaatsoper Berlin zugesagt. Der Reinertrag ist sür die Berliner Winter- Hilfe bestimmt. wieder Blilitärkonzert im Zirkus Busch. Am Sanntag. dem 4. Dezember, vormittags 11.15 Uhr sindet im Zirkus Busch das zweite große Militär- konzert des Wehrkreiskonunando? III statt. Karten sind im Vorverkaus bei den bekannten Vorvcrkaussstellen: Theaterkassen A. Wcrtheim, Bote u. Bock und an der Zirkuskasse l erhältlich. Wie wird das Wetter? 3n Berlin: Nach frostkaltcr Nacht zunehmend bewölkt, später auch Nlederschlagsneigung. Milder mit ousfrifchenden westlichen Winden.— 3n Deutschland: Im Süden und Südosten trocken mit Nachtsrösten. Im Reiche wieder langsame Wetter- Verschlechterung mit ansteigenden Temperaturen. „vendows Bunle Bühne". Kotlbusser Str. tz, bringt ab l. Dezember täglich SU Uhr eine Revue, betitelt:„Von A bis Z." In den Hauptrollen: Wilhelm Bendow, Mar Ehrlich, Baby Gray, sowie die Variekenummern: 3 Eempers, die 4 Atlantic» Boys,„Latrano" u. a. in. Gläubiger-Maffen Der BeamtenwirUcbaktsverein Die Treuhänder A.-G. berief am Montag- vormittag eine Versammlung der Gläubiger des Banmtenwirtschastsvereins in die„Neue Welt" ein. Wie mitgeteilt wurde, haben sich allerdings be- reits 81 Pro.;, der Gläubiger zu dem Vergleichs- Vorschlag bekannt, so daß er dadurch schon als giigenonimen gilt und der drohende Konkurs abgewehrt werden konnte. Der Beamtenwirt- lchaftsvcrcin hatte zeitweste lll,4 Millionen Spar- gelder in seinen Händen, von denen er vorschrlfts- gemäß stg Pro.;, flüssig hielt. Der Rest wurde allerdings in Immobilien angelegt, die heute kaum verwertbar sind. Als deshalb im Vorjahre nach dem allgemeinen Bankenkrach l l Millionen Mark zurückgezogen wurden, war die Gesellschaft diesem Ansturm nicht gewachsen und wurde Insolvent. Trotzdem ist der Status heute noch so, daß sich Vermögen und Schuldenlast decken. Lei der Be- Handlung der Gläubiger inußte ein Unterschied zwischen Sparern und Warcnlieserante» gemacht werden. Die WareNschutden, chie-nut W Tkroz/k: der Gesamtsumme mismachen, sollen zunächst ob» gedeckt werden, weil zur Weitcrführung der Ladeirgeschäste des Beamtenwirtschastsvereins neue Worenkreditc nötig sind und zum Teil auch schon wieder gegeben wurden. Der Gläubigerausschust hatte sich wegen einer Hilse auch an die Reichs- behörden gewandt, jedoch vom Relchswirtschasts- ininisterium eine Ablehnung erhalten. In der teilweise sehr erregten D i e k u> s i o n beschwerten sich die einzelnen Sparer insbesondere darüber, daß sie gegenüber den Warengläubigern zurückgesetzt werden sollen, denn für sie sind nur unsichere Quoten in langen Zeitabschnitten vor- gesehen. Auch wurde bemängelt, daß im Gläu- bigerausschuh die Sparer nicht genug vertreten seien und die Gehältersrage der leitenden Be- amten aufgerollt. Im pvstkeller erhängt Im Keller des Postgebäudes in der Halle- schen Straße wurde gestern an frühen Nach- mittag der 48 Jahre alte Postschaffner R., der ini gleichen Hanfe seine Wohnung hat,. erhängt aukgeiunden."� Aus. FlEchl bor Ztrare hatte R. Hand- attlM gelegt. Der Beamte war mit der Einkassierung der Sozialistische Arbeiterjugend Groß-V erlin Einsendungen für diese Rubrik nur an das Sugends-tretariai Berlin SB 68. Lindenstrage 2. vorn 1 Treppe rechts. Abteilungsleiter! Reicht sofort das Dezcmber-Proaramm und den Be- richtsbogeu vom 3. Quartal ein, sorgt dafür, daß die ausstehenden Abrechnungen erledigt werden.° Proletarische« Orchester der SA).: Die Mitwirkung im Filmseminar fällt aus! heute. Mittwoch. 20 Uhr. <&c(un6btunncn R?.:«olonicftt. 22: Tagespolttische Frage».—«tnimplo»: Arbeitskreis, Lgchener er-te vtargarder Straße, bei Pobst.— Andrcasplat,>! Bronunqstr. 1: Heimabend.— Attdreasplat, RF.: Bronuniistr. t: Sexuelle uair.— T>ri»! vannemannnr. ru»euer: ounriionarveriamnuuua.— )of: Oismarckstr. I; Liederabend.— B»hn»dorf und �ulkeubeeg: Wachtel- 1: Leseabend.— Friedrichshage»: Friedrichstr. 87: Wie sieht unsere Um- aus?— Naulsdors: Adolfstr. 2ä: Neben zur Sonnenwcndfcicr.— Lichten. Fragen.— Baltenplatz: Tilsitcr Ltr. 4— r,: Das neue China tLichlbildert.— Frantsurtcr Viertel: Frantfurtcr Allee M7: Funltionärsitznng.— Petersburger Viertel: Cbertustr. 12: Lustiges Monatsende.— Warschauer Viertel: Gemeinsamer Abend mst den jiingeren Parteigenosten. Litauer Siran?. Brenscheids Beitrat auf dem Bezirlsparteitag. Mitgliedsbuch legitimiert.— Warschaue« Bieetcl RF.: Litauer Str. 18: Nutzland von heute.— Schiincberg Ii: Hanpislr. lä; Funktionär. sitzung.— Wannsec: Restaurant Lindenhof: Cinfithrung in den Sozialismus, 2. Teil.— Tempclhos: Lyzeum Götzstraße: Freiwilliger Arbeitsdienst— Arbeits- dienftpflicht.— Britz: Hannemannstr. 40. Heller: Funltionttrversammlung.— Ablershos: Bismarckstr. 1; Liederabend.---■--' M straße 1: SM' �--.-. aegend aus'.------------------—......■ berg. Mitte: Scharnweberstr. 22: Sawjetrutzland.— Ren-Lichtenberg: Gunter. straße 44: Bunter Abend mit stonzert.— Lichtenberg. Rord: Gnnterstr. 44: lii. Minuten. Referate.— Mahlsdors: Melanchibonitr. 63: Mitgliederversamm- lung.— Reintckendors-West: Seidelstr. l: Bunter Abend. Werdebezirl Prenzlauer Veeg: Beginn des Iüngerentursus„Drache Marxis- imis" unter Leitung des Genossen Zwölfer, Danztger Str. 2Z. Alle Jlingeren beteiligen stchl Werdebezirl Neukölln: Donnerstag.>!>:, Uhr, Funktionörversammlung. Ziethenstr. 58.„Die politische Lage und die Arbeiterklaste", Reserent strich Schmidt.— Sprechstunde l!l Uhr Ganghaferstraße. «erb, bezirk Reiniekendörs: 19% Uhr Wittenau, Hauptsir. IS, Vorstandssitzung mit den Iugendbeirdten. Berbebezirt Wedding: Morgen ab lli Uhr Pioniergruppe. Putbuster Str. 22. 20 Uhr stUngerenlursu»„Politische Schlagwörter" ebendort. tz Freie Gewerkschasts-Zugend Berlin Heute, Mittwoch. 80. November, um lOzz Uhr. tagen die Gruppen: Südwesten: Jugendheim Roretstr. II lFabrikgebitudel.„Von Lilicnthat bis zur Dela."— Schönebeeg: Jugendheim Sauplstr. lö lGarlenhau«). „Die Geschichte der Arbeiterbewegung."— Spandali-N-ustadt: Jugendheim Lindenufer t...Gewerkschaften und Berufsschule,"— Roebring: Jugendheim Str. 20.„Für und wider die Todesstrafe."- Weihens««! Jugend. Sonnenburger heim Weißensee, staseler Sir, 2. Lichtbilder aus aller Welt.— Arnswalber Platz: Jugendheim Schönlanter Str. ll, Baracke 0, rechter Eingang. Paßt aus den 80, November auf!— Neukölln: Jugendheim Bergstr, 29(Hof). Wanderung durchs Wattenmeer.— Flughafen: Jugendheim Flughafenstr. 08 l e». Die Arbeiter- schaft werde nötigenfalls mit de» schärfsten Mitteln die geforderte 3g-Stunden-Wochc durch- setzen Die Exekutive der Gewerkschaft wurde beauf- tragt, dem amerikanische» Staatspräsidenten über den Verlauf des Kongresses zu unterrichten und die 3g-Stunden-Woche auch für die Angestellten der Regierung zu fordern. Diese Forderung, noch mehr aber ihre Be- gründung durch William Green, zeigt, daß selbst die bisher so konservativen amerikanischen Gewerk- schaften aufgehört haben an eine Beseitigung der Mißstände mit kapitalistischen Mitteln zu glauben. Bleibt allerdings noch abzuwarten, ob und wann die amerikanischen Gewerkschaften die p o l i- tischen Konsequenzen aus dieser Erkennt- vis ziehen werden. Denn daß eine Entschließung und ein Besuch Greens bei Hoooer an der Krise gar nichts ändern können, daß auch Streiks bei dem Stande der Organisation nicht viel mehr Helsen werde» darüber sind sich wohl auch die amerikanischen Gewerkschaften klar. „Nazi-Lüge" Die mit dieser Ueberjchrift in Nr. 553 des„Bor- wärts" erschienene Abwehr gegen einen Artikel des „Nacht-Angriff":„SPD.-Stieglitz kneift", veran- laßte den Urheber des Artikels, Ernst D e n c ck e� Gneisenaustr. 82, uns eine Berichtigung zu schicken. Wir entnehmen derselben die sachliche Angabe, daß Herr Denecke „vor Zeugen mit dem Bezirksverband der SPD., 'Abt. Rednervernnttlung, telephanierte, um die Adresse des Stieglitz zu erfahren. Bei dieser Gelegenheit wurde mir versichert, er wäre für den fraglichen Tag noch srei. Es ist unwahr, daß ich Unter diesen„Bewegungen" rangieren an erster Stelle: ein passiver Widerstand in einer Abteilung der AEG. in 5iennigsdorf zur Erhaltung der Garantielöhne, eine passive Resistenz bei Borsig zwecks Beheizung eines Raumes, wovon aller- dings die Belegschaft selbst gar nichts weiß, der dreieinhalbwöchige Schaberstreik bei Werner in Marienfelde zur Einhaltung der Tarifbestimmun- gen, wozu der Metallarbeiterverband keine 24 Stunden und vor allem keinen Streik gebraucht hätte, und ähnliche„Bewegungen", die beim Metallarbeiterverband in die Hunderte gehen. Wenn schon diese. vertraulichen Mitteilungen zeigen, was es mit der Windbeutelei des„Ein- heitsverbandes" aus sich hat, dann beweist dies noch drastischer sein Kassenbericht für das 3. Quartal, der allerdings den Mitgliedern nicht zu Gesicht kommt. Der„Einheitsverband" buchte zu Beginn des 3. Quartals an„Sassenbestand" 24 341.93 Mark, darunter für Inventar 18 575,31 ZNork und für Außenstände— sicherlich an nicht abgerechneten Beitragsmarken— 3207,48 Mark. Er schloß das Quartal mit einem„Kassenbestand" van 22 236,54 Mark bei einem Inventar von 18 265,31 Mark und Außenständen in Höhe von 3562,26 Mark. An Beiträgen gingen in dem Vierteljahr ein: 27 455,85 Mark, was bei einem Mitgliedsbeitrag von 46 Pf. in der Woche einen Bestand von 5278 vollzahlenden Mitgliedern er- gibt. Die gesamten Einnahmen betrugen 28 427,39 Mark, wovon allein 11 269 Mark für A g i t a t i o n s z w e ck e und 8523 Mark für die B e r w a l t un g draufgingen Zafl 69 Proz., mehr als zwei Drittel der Einnahmen, wurden„von den Bonzen geschluckt". Für den„Kampffonds" wurden ganze 3565 Mark ausgeworfen: 1668 Mark für Streiks, 668 Mark für Maßregelungen, 1229 Mark für Rechts- schütz, obwohl nachweislich alle Klagen der REO. vor de» Landesarbeitsgerichten mit Armenattest geführt wurden Für Streiks und Maßregelungen wurden also nur 2276 Mark ausgegeben, für die roten„Bonzen" aber allein 3245 Mark Gehälter. 366 Mark Löhne. 265 Mark Soziallasten, 1886 Mark„Entschädigungen im zentralen Apparat", dann nochmals 966 Mark Fahrgelder auf Konto Agitprop. Der Rest ver- schwand in dem Pott„Agitation". Die Ortsver- waltung des Deutschen Metallarbeiterverbandes wird in Zukunft in den Branchen und Gruppen keine Tarife mehr abschließen, in denen die Arbeiterschaft schlecht organisiert ist. Der„Einheitsverband", der bisher von den Brocken des DMV. gelebt hat, wird also zeigen müssen, was er leisten kann. Den Unternehmern aber sei gesagt daß sich die organisierten Metallarbeiter auch n a ch der Eni- scheidung des Reichsarbeitsgerichts, wonach die Lohnabbaubestimmungen der Septembernotverord- ordnung zu Recht bestehen, gegen jeden auf Grund dieser Notverordnung versuchten Lohnabbau zur Wehr setzen werden Mit der Ausforderung zur verstärkten Werbung für den Verband schloß Genosse Urich unter stür- mischem Beifall der Delegierten seine Aus- führungen. Gegen diese Darlegungen versuchten in der Diskussion einige unbelehrbare„Oppositio- nelle" verschiedenster Richtung mit Geschwafel ver- geblich anzukämpfen. Gegen wenige Stimmen wurden die turnusmäßig ausscheidenden Mitglieder der engeren Ortsvcrwaltung Eckert, Tirpitz. Holz, Köcher, Skubella und Müller wiedergewählt. Die vorliegenden Anträge wurden entsprechend den Vorschlägen der mittleren Ortsverwaltung erledigt. der Natur der im freiwilligen Arbeitsdienst geleisteten Außenarbeiten folgt zwar, daß ein wefent- licher Teil der Maßnahmen in den Wintermonatcn (Januar und Februar) zum Erliegen kommen muß. Immerhin wird es möglich sei», mit de» zur Verfügung stehenden Mitteln den freiwilligen Arbeitsdienst auch in diesen Monaten auf ein Drittel des bisherigen Standes zu halte». In erster Linie sollen hierbei die g e s ch l o s s e- nen Arbeitslager(Arbeitslager mit ge- meinsamer Unterbringung) aufrechterhalten bleiben. Der Erlaß beschäftigt sich weiter Mit der Frage, in welcher Weise den im Winter ausscheidenden Arbeitsdienstwilligen geholten werden kann Hin- gewiesen wird zunächst auf die von der Reichs- anftalt im Winter vorgesehenen beruflichen Bildungs maßnahmen Darüber hinaus wird es als erforderlich bezeichnet, den Willen der arbeitslosen Jugend, sich in q e in e i n s ch a s t- licher Selb st Hilfe über den Winter hinweg- zuhelfen, nach Kräften zu unterstützen. Als Form einer derartigen Selbsthilfe werden genannt: Gemeinsame Zusammenkunst von Arbeitsdienst- willigen, gemeinsame Veranstal'ungen. gemein- same Herrichtung von Mahlzeiten, gemeinsame Tagesgestaltung unter Benutzung von Heimen, Herrichtung und Ausstattung von zur Verfügung gestellten leeren Räumen m.l den einfachsten Mitteln unter Benutzung von ebenfalls zur Ver- fügung gestelltem Material. Der Erlaß schließt mit einem Aufruf an die Vezirkskommissarc, zu prüien. ob und in welcher Weise ein gemeinsames Vorgehen aller an. einer Hilse für die arbeitslose Jugend interessierten Stellen unter Heranziehung der Träger des Dienstes, der Organe der Jugendpflege, der Winterhilfe usw. möglich erscheint �md so den Arbeitsdienstwilligen mit Rat und Tat geHolsen werden kann. somit dem Zusammentreffen des Stieglitz bewußt aus dem Wege ging." Hierzu sei bemerkt, daß unser Genosse Stieg- l i tz nicht vom Berliner Bezirksverband als Referent nach Lychen geschickt wurde, sondern von dem zuständigen Bezirksverband für Branden- bürg. Die Darstellung des Denecke steht also in diesem Punkte nicht im Widerspruch mit dem tat- sächlichen Borgang. Die„Nazi-Lüge":„SPD. Stieglitz kneift" beruht mithin auf einem Irrtum des Denecke— um in seinem Stil zu reden. Damit entfällt der Vorwurf gegen Denecke. er habe sich vergewissert, daß Stieglitz mn 4. Na- vember nicht kommen konnte, doch Denecke ist nunmehr verpflichtet, seinen„N a ch t- A n- g r i f f" da h i n z u berichtigen, daß„SPD.- Stieglitz" nicht kneift. Winterhilfe k'ür ArkeitscHenstwIIIiZle In einem ausführlichen Erlaß an die Bezirks- kommissare beschäftigt sich der Reichskommisjar für den freiwilligen Arbeitsdienst mit.der Durch- führung des Arbeitsdienstes im Winter. Zunächst wird festgestellt, daß infolge der zahlen- mäßigen Entwicklung des freiwilligen Arbeits- dienstes die bisher zur Verfügung stehenden Mittel Anfang Dezember.verbrauch:'ein werden. Auf Vorschlag des. Reichskommissars ist mit Zustimmung der Reichsregierung aus den Mit- teln d.er Reichsonstalt ein weiterer Betrag zur Verfügung gestellt worden. Aus Freiheit? Von einem M a l e r m e i st e r, Mitglied unserer Partei, der jener Protestversammlung des Arbeit- geberkartells im Baugewerbe Berlins am Freitag beigewohnt hat(siehe unseren Bericht in der Abendausgabe vom Sonnabend), wirg uns ge- schrieben: Daß 5>err Gregor trotz sonst sehr an- crkennenswerler Aeußerungen dem„Marxismus die Absicht unterschob, den Mittelstand zu ver- Nichten, ist angesichts der von ihm vorher selbst festgestellten skrupellosen Betätigung(auch den kleinen Kollegen gegenüber) der Vertreter des Großunternehmerlums wohl mehr als geistloie Nachfchwützung dieser längst durch die Tatjachen als Schwindel enilarvstii Behauptung anzusprechen. Viele mittlere und Kleinmeister habe» längst erkannt, daß sie im Kamps gegen das Groß- kapital an die Seite der organisierten Arbeiterschast gehören und dement- sprechend handeln. Das zeigte sich, als ein recht ulkig aussehendes Männlein nach Schluß der Ver- fammlung plötzlich. das Podium epkloinri und nach einigen wirren Sätzen ausforderte zu einen,„Heil Hitler". Zwischen den wenigen Heil- erklang recht vernehmlich der Gruß der Arbeiterschaft„Frei- h c i t!" Austauscharbeiter! k'iir internationale Zusammenarbeit Argentinien, eines der ganz wenigen Länder, die d�n Arbeitslosen unter nicht leicht zu ersüllen- den Bedingungen und auf eigenes Risiko bisher offen standen, schließt sich mit dem neuen Jahr nun auch ab. Für die europäischen Länder gilt dies ohne Ausnahme schon längst. J» f r e n, d e Länder reisen, deren Sprache lernen, deren 'Menschen näher kommen, deren wirtschaftliche und politische Verhältnisse und Entwicklung stu- dieren, ist heule im allgemeinen nur denen mög- lich, die entweder das nötige Geld dazu haben oder denen man es durch Stipendien gibt. Für die Arbeiterschaft besteht— von einen, kleinen Kreis von Spezialisten abgesehen— in diese», Punkte die vollkommenste„A u t a r k i c". Wer ins Ausland reist, muß sich verpflichten, dort keinerlei Erwerbslätigkeit nachzugehen. In den letzten Jahren hat man— vorzüglich in Deutschland— versucht, durch Organisierung billiger Auslandsreisen einen gewissen Ersatz zu schaffe». Lohnabbau und Krise haben auch diesem unzulänglichen Ersatz den Garaus gemacht. Der trotz aller Widerstände langsam in Schwung kommende S ch ü l e r a u s t a u s ch während der Schulferien ist zu begrüße» und zu fördern. Er müßte durch Angleichung der Schulprogramme über die Ferien hinaus ausgedehnt werden. Aber das steht vorläufig leider noch in weiter Ferne. Auch die Freunde der internationalen Kleinarbeit leiste» unter sehr schwierigen Verhältnissen eine verdienstvolle Pionierarbeit. Selbst unsere Kinderfieunde haben schon ihre Fühler nach dem'Ausland ausgestreckt. Schließlich haben wir das Radio, das ja nicht überall verscholzt ist. Alle diese Möglichkeiten sind auch für die, denen sie zugänglich sind, bei weitem kein vollwertiger Ersatz für einen jahrelangen Ausenthalt im Aus- land. Und um e i ,, Land und seine Menschen wirklich zu kennen, dazu ist auch unter den günstigsten Bedingungen ein Aufenthalt von mehreren Jahren notwendig. Vergessen wir doch nicht, daß tausendjährige Vorurteile uns im Blute liegen, daß wir uns rein physiologisch umstellen müssen, um uns nur an die Ernährung?- art und das Klima eines fremden Landes so zu gewöhnen, daß es uns nicht mehr fremd anmutet. Erst wenn wir dies und die gröbsten Sprach- fchwierigkeiten überwunden haben— und viele überwinden sie nie—, erst dann beginnen wir, ein Land und seine Menschen zu verstehen. Es bedarf keines Nachweises dafür, daß diese Absperrung aller Länder vor der'Arbeiterschaft wie vor Pestkranken, wenn.sie dauert— und sie wird solange dauern, wie es Arbeitslose in Massen gibt, also gewiß noch sehr lange— eine steigende und gar nicht hoch genug einzuschätzende G e- fahr für die internationale Zusammenarbeit der Arbeiterklasse ist. wie für die Verständigung der Völker und den Frieden überhaupt. Dagegen an- zukämpfen haben in erster Linie die Gewerk- schaften ein Interesse und auch die Möglichkeit. Wenn dem wilden Herumvagabundieren der Borkriegszeit wahrscheinlich für immer ei» Ende gemacht ist, so braucht man dem nicht sonderlich nachzutrauern. Hier war in gewissen Länder» eine Quelle des L o h n d r u ck s. Außerdem find die Zureisenden selten gern gesehen, können schon des- halb sich schwer einleben, bleiben immer Fremde und scheiden sehr häufig von dem Gastlande mit ganz verfälschten Vorstellungen. Da die Massenarbeitslosigkeit alle Wanderungen großen Stils auf lange Jahre ausschließt, bleibt nur der A r b e i t e r a u s t a u s ch Genau so wie es heute schon einen Schüleraustausch gibt. Es ist klar, daß ein derartiger Austausch, wenn er sinnvoll vorgenommen werden soll, nur durch Gewerkschaften geschehen kann. Der Ar- beiter, der Angestellte, der in irgendeiner Stadt in Deutschland in Arbeit steht, müßte gegen einen anderen Arbeiter in England, Frankreich, Skandinavien, Spanien, Belgien usw ausge- tauscht werden. Es ist selbstverständlich, daß dieser Austauschorbeiter in dem Tauschland nicht nur wie ein Einheimischer behandelt werden müßte, sondern daß er einer besonderen Betreu- u n g bödars Die Meisterung der Sprache muß ihm erleichtert werden. Alle Möglichkeiten, ein Land und seine Sitten von innen kennenzulernen, müssen ihm erschlossen werden. Im Falle des Verlustes der Arbeitsstelle muß er zur Erlangung einer anderen Arbeitsstelle nach Möglichkeit bevorzugt behandelt werden.(Was ja keine Bevorzugung eines Auh- länders wäre, da der Landsmann im Auslaiide sich in der gleichen Lage befinden würde.) Der arbeitslose Austauscharbeiter muß ausreichend u n t e r st U tz t werden. Da diese Austauscharbeiter fremde Sprachen und Arbeitsmethoden lernen, kann man mit Recht für dieses'Auslauschverfahren die Unterstützung der Arbeitsbehörden verlangen. Daß die Ge- werkschaften die Auswahl' der Austausch- arbeiter zu treffen hätten, versteht sich von selbst. Sie hätten sie auch zunächst durch geeignete Kurse vorzubereiten. So wäre es möglich, daß tausende junger lernbegieriger Arbeiter und Angestellter ins Ausland gingen als Pioniere der Völkerver- stöndigung und der internationalen Zusammen- arbeit. st Zteinar-�nIIien. Der Schiedsspruch für das Hamburger Gastwirtsgewerbe wurde von den Arbeitgebern ab- gelehnt, von den Angestellten angenommen. Der Reichsarbeitsminister hat die Parteien zwecks Ver- Handlungen über die Forderung der Angestellten auf Verbindlichkeitserkläruno des Spruchs zum 31. Dezember geladen. Hierzu 2'Beilagen Ter„Vorwärts" erscheint wochentägtich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Illustrierte Sonntagsbeilage„Volt und Zeit", i Bezugspietsr: Wöchentlich-S Ps., monatlich 8,2S M. in, vo»aus zahlbar. Postbezug 8,97 M einlchliehlich KV Pf. Postzeitung, und 72 Pf. Postbcstellgcbuhrcn. Auslnndsabonnement b,vö M. pro Monat: für Länder mit ermägiglem Druitsachenporlo t M. Bei A. sfall der Lieferung wegen höherer Gewalt besteht rein Anspruch der Abonnenten auf Ersah. I Anzeigenpreise, Die einspaltige Millimcterzcile 8V Pf., Reklamczeile IPV M.„Kleine A n z e i g e n" das fctlgedrnette Wort ZV Pf»des weitere Wort 10 Pf. Rabatt laut Tarif. Worte über IS Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarlt Mlllimeterzcile 2S Pf. Familienanzeigen Millimeterzeile lv Pf. Anzeigenannahme im S a u p t g e s ch ä' t Lindenstr. 8. wochentäglich oon 8',- bis 17 Uhr. Der Verlag behält stch das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen oor. I Verantwortlich für Politik, Rudolf Brendemiihl: Wirtschaft: G. Klingelhöser: Gcwcrtsäi.istsbcwcgung, Z. Steiner, geuiilelon' Serber« Lcperc; Lokales und Sonstiges: Fritz Karstadt! Anzeigen: Otto Hengst! sämtlich in Berlin. I Verlag: Vorwärts-Verlag©. IN. b. H.. Berlin. Druck: Vorwärts- Buchdruckern und Berlagsanstall Paul Einger u. Co.. Berlin SW. 88, Lindenstr 8. ZWEITE BEILAGE MITTWOCH, 30. NOV. 1932 30| ROMAN von STEFAN POLLATSCH EK\ (Copyright Saturn-Verlag.) „Wenn ich also richtig verstehe, cherr Ge- heimrat, kann man nicht so erzeugen wie bisher, weil sonst die Anzüge zu teuer wären: entläßr man aber die Arbeiter und produ- ziert billig, dann können die Entlassenen nicht kaufen, das heißt also, daß es ganz in Ordnung ist, wenn sich in den Magazinen die Anzüge immer mehr anhäufen und kein Mensch einen kaufen kann." „In Ordnung ist das sicher nicht, aber.. „Aber Sie tragen dazu bei, diesen Zustand zu vervollkommnen, Herr Geheimrat." „Aha, also sind wir so weit, bin ich also wieder schuld, bin ich der leibhaftige Gott- seibeiuns!— Wie? Nun hören � Sie, Wormser, ich bin das gewohnt, all das ist mir nicht neu Aber glauben Sie wirklich, daß ich auf nichts anderes sinne, als den Menschen jede Möglichkeit der Arbeit zu rauben— hieße das die Dinge nicht allzu einfach sehen? Wir trachten doch nur, den Menschen das Leben angenehmer zu machen. Ist es denn notwendig, daß der Mensch wie ein Tier arbeitet? Muß er Steine aus den Bergen, Kohle aus der Erde holen? Kann das die Maschine nicht für ihn tun? Ist er denn zu nichts anderem auf dieser Welt, als um Ware zu erzeugen?" „Ja, ja, Sie erleichtern dem armen Menschen das Leben so sehr, daß Sie es ihm in Bälde überhaupt ganz abgewöhnt haben werden. Allmählich verstehe ich schon Ihren edlen und humanen Gedankengang: Sie werden durch Ihre Erfindungen dem Men- schen die Arbeit so sehr abnehmen, daß er infolge Mangels jeglicher Arbeit verhungern wird, und da der verhungerte Mensch keiner- lei Kuliarbeit mehr verrichten kann, haben Sie ihn endgültig von ihr befreit." „Sie machen uns auch", fuhr Crusius un- behindert fort,„für Dinge verantwortlich, für die wir gar nicht verantwortlich sein können Sie sprechen immer von Erfindern und Erfindungen. Es gibt ja gar keine Er- sinder und gar keine Erfindungen. Seit einer, Generation ist keine Erfindung von weitreichender Bedeutung entstanden. Die Maschine an sich— ja. das ist eine Erfin- dung, aber wir— wir sind nur Verbesserer der Maschine. Und da die Maschine nun einmal da ist, muß sie verbessert, muß sie vervollkommnet werden, ihr Wesen selbst verlangt das. Können Sie heute noch am Spinnrad sitzen? Wollen Sie den Stoff für Ihren Anzug noch selbst weben, wie es Ihre Ahnen gemacht haben? Können Sie beute noch Ihren Anzug mit der Hand nähen, statt sich der Nähmaschine zu bedienen? Ihr Ver- ächter der Technik! Man nehme euch nur ein ganz klein wenig eurer zivilisatorischen Errungenschaften und Ihr werdet Zeter und Mordio schreiben! Denken Sie aus Ihrem Zimmer das elektrische Licht weg und zün- den Sie wieder Kerzen an! Wie denken Sie über eine Behausung ohne Badezimmer, über eine Stadt ohne Straßenbahn, über ein Land ohne Eisenbahn? All diese Dinge haben Menschen Arbeit geraubt..." „Aber auch Arbeit gegeben!" „Ja. Aber wir sind doch für die un- gerechte, für die über den Menschen hinweg- schreitende Ausnützung unserer Erfindungen nicht verantwortlich." „Nein, nein, Ihr seid alle unschuldige Kinder. Ihr erfindet nur um der Erfindung willen, Ihr verkauft eure Erfindungen nur aus Menschenliebe." „Sie. Wormser, haben zweifellos das Recht, ungerecht zu denken, denn Sie ge- hören zu den Betroffenen. Sie haben nicht mehr den klaren Blick. Denn sonst sähen Sie. daß wir uns nicht in einer Krise befinden, sondern daß wir vor einer Wende unserer Gesellschaftsordnung stehen." „Ich danke Ihnen. Herr Geheimrat", sagte der Schriftsteller und erhob sich,„ich danke Ihnen recht iehr, denn jetzt weiß ich, warum ich mir den Anzug nicht kaufen kann: Nicht etwa, weil wir uns in einer Krise befinden — sondern weil wir vor einer Wende unserer Gesellschaftsordnung stehen. Das zu erfahren war mir wichtig und nun bin ich sehr beruhigt." Kaum hatte sich Crusius wieder zu seiner Arbeit gesetzt, als ihm ein neuer Besuch ge- meldet wurde: es war Direktor Lechner der Weltlinschen Werke, der ihn dringend zu sprechen wünschte.. „Sie müssen entschuldigen. Herr Geheim- rat", begann Lcchner,„daß ich Sie störe, aber ich' muh Ihnen unbedingt Bericht er- statten. Unsere Situation ist ganz'ver- worren!" „Na, was ist denn los, Herr Direktor? So schlimm'wird es doch nicht sein!" „Herr Geheimrat haben ja die heutigen Zeitungen schon gelesen?" „Ja— und?" „Der Sturz des englischen Pfundes be- deutet eine Katastrophe für uns. Wir haben dort gegen hunderttausend Pfund Außen- stände und verlieren daran zwanzig Pro- zent." „Das ist zweifellos sehr bedauerlich. Aber bedeutet denn das für uns eine Kata- strophe?" .„Das allein wär's noch nicht. Aber beben- ken Sie, Herr Geheimrat. daß wir auch an unseren Forderungen in Dänemark, Schwe- den, Norwegen, Finnland zwanzig Prozent verlieren und ziehen Sie ferner in Betracht daß wir aus all diesen Ländern namhafte Aufträge haben, von denen der größte Tei> fertiggestellt ist und die wir nun nicht liefern können, wenn wir nicht neuerlich verlieren wollen." „Die Leute werden schon mehr bezahlen wenn sie die Maschinen brauchen." „Das glaube ich nicht, Herr Geheimrat Inzwischen aber brennt der Boden unte- uns. Die fertiggestellten oder fast fertig gestellten Maschinen repräsentieren ein Ver- mögen. Aucb wir benötigen Geld, auch wir hqHen Verpflichtungen— woher sollen wir's nehmen, wie erfüllen wenn wir die Ma- ichinen nicht oerkaufen, wenn wir nicht Wechsel- und Geldeingänge bekommen?" „Ja, und die Banken. Herr Direktor?" „Banken, Herr Geheimrat!" sagte Lechner und lachte nervös auf.„Banken— wo gibt es heute eine, die helfen kann?! Ich habe alles versucht, es ist vergeblich. Dazu kommt, daß wir mit den Forderungen nicht warten können. Die Devisenverordnungen, die unsere Regierung erlassen hat, verpflichten uns, alle Außenstände der Nationalbank anzu- melden, der Verlust ist also unwiderruflich, wir können nicht auf Besserung warten, und Jlriur ffiofenberg: Slam und Jenifaletit .fhwwrkimyeu su X/oii SeudUrranyers„S)er iüdifche tHrieg" Im Jahre 70 nach Christus haben die römischen Legionen Jerusalem und den Tempel zerstört. Das war der tödliche Schlag für das Judentum in Palästina. Seitdem spielt sich die jüdische Ge- schichte in der Zerstreuung unter den anderen Völkern ab. Der Untergang Jerusalems ist der Gegenstand eines bedeutenden historischen Romans, den L i o n F e u ch t w a n g e r vor kurzem voll- endete.(..D er Jüdische Krie g". Zwischen Rom und Jerusalem. Propvläen-Verlag.) Der historische Roman ist eine problematische Gattung der Literatur. Nicht mit Unrecht wollen viele kritisch gebildete Leser von historischen Er- Zählungen nichts wissen. Denn jeder Mißbrauch, der mit der Geschichte getrieben wird, kehrt in verstärktem Maße im geschichtlichen Roman wieder. Die Geschichte, kritisch und materialistisch aufgefaßt, ist ein mächtiger Hebel zur Befreiung der Menschheit. Mit der falschen Erhabenheit der Ideologie umhüllt, ist die Geschichte eine Kraft der Reaktion. Zunächst kann man versuchen, alle Mißstände der Gegenwart mit dem alten ehr- würdigen Mantel des historisch Gewordenen zu umkleiden. Noch wichtiger ist das Bestreben, den ringenden Menschen der Gegenwart unsicher zu machen, indem man seiner eigenen Unzulänglich- keit die riesigen Schauen der Vergangenheit ent- gegenstellt. Alles Pathos ist iin gewissen Sinne reaktionär, indem es den lebenden Menschen vor unergründlichen Erhabenheiten in den Staub drücken möchte. Das gilt ganz besonders von dem Pathos der Distanz, von dem Pathos der Historie. Der historische Roman wurde eine typische WlaWIche �hUojopheu f plhur 3 11-270 r. Chr. Gewöhne dich an den Gedanken, daß Cier Tod uns nichts angehe: denn alles Ante und Schlimme beruht auf Erfindung: der Tod aber besteht eben in der Aufhebung der Empfindung. Deshalb er- möglicht uns die richtige Erkenntnis, daß der Tod uns nicht» angehe, erst den Genuß des sterblichen Lebens, indem sie nicht an dieses ein Dasein von unendlicher Dauer ansetzt, sondern indem sie Sehnsucht nach Unsterblichkeit beseitigt. Denn nichts ist im Leben fiir den furchtbar, der wirk- lich den Gedanken erfaßt hat. daß im Nichtlebon nichts furchtbares liegt. Es ist also«ine törichte Behauptung, man fürchte den Tod nicht, well er schmerzen werde, wenn er einmal kommt, sondern iveil die Aussicht auf ihn schmerze. Denn was wenn es da ist, nicht widerwärtig ist, bei dem ist es eine Einbildung, daß seine Erwartung Schmcrt verursache. Das schauerlichste Uebel, der Tod, geht uns somit nichts an. weil, solange wir sind. der Tod nicht da ist: ist er ober da, so sind wir nicht mehr da. * Es ist ferner zu bedenken, daß von den Be gierden die«inen natürlich sinsd, die anderen grundlos, und von den natürlichen die einen notwendig, die anderen nur natürlich; von den not wendigen sind di« einen zum Glück notwendig. die anderen mr Beruhigung de-. Leibes, wieder andere zum Leben selbst. Welche von ihnen zu wählen und welche zu meiden sind, das. vermag die Sicherheit der Lehre über sie aus die Gesundheit des Leibes und aus den Frieden der Seele zurückzuführen, weil dies das Ziel eines glück- Lileraturgattung für das vom Feudalismus geschlagene und vom Proletariat erschreckte deutsche Bürgertum der Zeit seit 18S0. Man legte sich die Toga der Römer und die Bärenhaut der Ger- manen um, man schwang das Szepter der Pharaonen, man schwelgte in den schaurigen Abenteuern der Renaissance. Man lief zurück in die fernste Vergangenheit, um dort„dos Schöne und das Erhabene" zu finden, das der kümmer- lichen Gegenwart Halt und Kraft geben sollte. Besonders das Römerdrama und der Römer- roman wurden der Tunimelplatz eines leeren ab- gedroschenen Pathos. Man möchte fast glauben. daß solche Bücher den Zweck verfolgen, ihre Leser zu ewigen Quartanern zu machen. In der letzten Generation hat der unsterbliche A natole France eine ganz andere Utero,- rstche Behandlung des Altertums versucht. Er war im Besitz einer erstaunlich genauen Kenntnis der Griechen und Römer. Aber zugleich war er ein kritischer moderner Geist und in enger Fühlung mit der sozialistischen Arbeiterbewegung Anatole France verschmähte das Pathos der 5iistorie. Denn nichts ist deswegen erhaben, weil es sich vor 2000 Jalzren abgespielt hat. Er zeigte uns die Römer als die bürgerlichen Menschen und das römische Weltreich als die ungeheure technisch- kapitalistische Maschinerie. Es ist das höchste Lob, das man L i o n Feuchtwang er erteilen kann, wenn man fest- stellt, er schreibe einen historischen Roman iin Geiste von Anatole France. Er kommt zwar dem französischen Meister in der unoer- gleichlichen Kraft der Konzentration nicht gleich. liche» Lebens ist. Denn das ist der Zweck alle? unseres Tuns, daß wir nicht den Schmerz erleide» noch im Innern gestört werden. Ist uns dies einmal zuteil geworden, dann legt sich der ganze Sturm der Seele, da dann das lebende Wesen nicht mehr aus etwas Unzureichenö-es ausgehen noch ehvas anderes suchen kann, was das höchste Gut für Leib und Seele bilden könnte. Denn wir haben nur oann ein Bedürfnis nach Lust. wenn wir infolge der Abwesenheit von Lust Schmerz empfinden: wenn wir aber keine Lust empfinden, brauchen wir auch die Lust nicht mehr Deshalb bezeichnen wir die Lust als Ausgangs punkt und Ziel des glücklichen Lebens. In ihr haben wir das erst« und angeborene Gut er kannt: sie bildet. den Ausgangspunkt fiir all unser Wählen und Meiden und aus sie kommen wir zurück, indem wir alles, was gut ist, nach dem Riaßstab des Affektes beurteilen. Und da sie da» erste und angeborene Gut ist, so wählen wir auch darum nicht jede Lust,. sondern wir verzichten unter Uniständen auf vieles, was Lust bringt wenn die Folgen davon für uns eine größere Widerwärtigkeit wäre: und viele Schmerzen ziehen wir der Lust vor, wenn eine größere Lust daraus cutspringt, daß wir langwierig« Schmerzen ertragen. * Weder In der Jugend sollte man zaudern, sich der Philosophie zu ergeben, noch im Aller dessen »lüde werden. Den» es ist nie weder zu früh noch zu spät, wenn es sich uni die Gesundheit der Seele handelt. Wer aber sagt, er wolle noch nicht mit der Philosophie beginnen, oder die Zeil dazu sei vorüber, der. gleicht einem Menschen, der sagt. die Zeit zum Glück sei noch nicht oder nicht mehr da. 95 ist auch gar nicht abzusehen, wann und woher diese Besserung kommen sollte." „Also was schlagen Sie vor, Herr Di- ektor?" „Ich sehe nur einen Weg, Herr Geheim- at: Wir wenden uns an die Regierung um Hilfe. Und sollten wir diese nicht in aus- eichendem Maße erhalten, dann müssen wir schließen— und zwar sofort!" „Haben Sie das auch gut bedacht?" fragte Crusius: er ging mit großen Schritten im Zimmer auf und ab.„Haben Sie das be- lacht? Schließen— das bieße neuerlich Tausende von Leuten arbeitslos machen, denn mit der Schließung unserer W�te werden doch auch soundso viel andere Be- triebe ohne Arbeit sein! Das geht nicht, Herr, das geht nicht!" „Sehen"Sie etwa einen anderen Weg, Herr Geheimrat?" „Die Zeit erfüllt sich", sagte Crusius, blieb vor dem Besucher stehen und fuhr fort: „Kommen Sie. Herr. Direktor, ich will die nötigen Wege mit Ihnen gehen. Vieleicht kann ich, kann mein Name noch irgendwie helfen!" Und während des Ankleidens sagte er immer und immer wieder nur: Weltlin! Weltlin! (Fortsetzung folgt.) Aber Feuchtwanger hat ebenfalls in gründlichen Studien sich ein Bild von den alten Römern gemacht, wie sie wirklich gewesen sind. Er zeigt das kapitalistisch-technische Rom im Zeitalter der Cäsaren. Es bleibt der ungeheure Unterschied zwischen der Antike und der Gegenwart bestehen, weil damals ein Industriekapital in unserem Sinne nicht vorhanden war. Aber dafür gab es ein mächtiges spekulatives Handels- ijnd Bant- kapital. Ueberhaupt war die römische Antike bereits ein bürgerliches Zeitalter und steht uns deshalb viel näher als z. B. das feudale Mittel- alker. So kann Feuchtwanger ahne einen historischen Fehler zu begehen, die Krücken des Pathos weg- werfen und die Römer als Menschen unserer Art malen. Damit erregte er bei den Leuten Aergernis, denen die antike Erhabenheit als ideologisches Schlafmittel wohl tut. Eine Kleinig- keit sei hier als Beispiel angeführt: Die lateinische Sprache hatte vernünftigerweise nur eine einzige Anredeform. Sie kannte den steifen lächerlichen Unterschied des deutschen„d u" und„S i e" nicht. Bei Feuchtwanger roden sich die Römer, wo es sachlich geboten erscheint, mit„Sie" an. Die althergebrachte schulmäßigc llebersctzung dagegen läßt sämtliche Lateiner sich duzen. Selbstverständlich hat Feuchtwanger recht. Denn wenn zwei ernste Männer, die miteinander nicht intim befreundet sind, verhandeln, müssen sie im . Deutschen„Sie" sagen. Wenn man die beiden sich duzen läßt, verlegt man damit die Szene in den Göttorhimmel oder in die Kinderstube. Der Krieg der Römer gegen die Juden war nicht nur ein nationaler, sondern vor allem ein-" sozialer Kampf. Die besitzenden Juden suchten sich vielfach dem herrschenden Römcrtum anzu- passen, wobei ihre Geschäfte gediehen..Die arme Masse in Palästina dagegkn gehörte der sozial- revolutionären Richtung der Zeloten an. Die Zeloten wollten zugleich die jüdische und die römische Herrenschicht beseitigen und eine religiöse Republik des armen Volkes errichten. In einem heldenhaften Kampfe find die jüdischen Re- volutionäre den römischen Legionen, dem römischen Kapital und den Verrätern aus dem eigenen Volk erlegen. Der Held in Feuchtwangers Roman ist der jüdische Geschichtsschreiber I o s e p h u S, der in einem berühmten Werk den Untergang Jerusalems geschildert hat. Josephus, ein hochbegabter, aber völlig charakterloser Mensch, war erst, wie Feucht- wanger sagt, ein„Volkskommissar" der jüdische» Revolutionäre, dann ließ er sich van den Römern sangen, machte sich bei der römischen Heeresleitung unentbehrlich und hat im Gefolge des römischen Generals die Zerstörung Jerusalems mit augesehen. Das Geschichtswerk des Josephus ist ei» hochinteressante» Werk, aber von einer, man möchte sagen, waißgardistischcn Ge- hässigkeit gegen die jüdische Revolution. Feucht- wanger bat sich in die Personen und das Werk des Josephus gründlich vertieft, aber er ljeß sich von dem tendenziöse» Urteil des Josephus nicht verführen und hat die Zeloten gerecht dargestellt. Auch der Verfasser eines historischen Romans ist ein Dichter und hat die Freiheit des Poeten gegenüber den Tatsachen. Dennoch sei ein wichtiger Punkt hervorgehoben, in dem die Dar- stellung Feuchtwanger» von der historischen Wahr- heit abweicht. Der römische General Titus wollte nach der besten Uoberlieferung unbedingt den Tempel des jüdischen Gottes zerstören. Feuchtwanger dagegen, in Anlehnung an Josephus, stellt es so dar, als sei der Tempel nur einer Verkettung unglücklicher Umstände zum Opfer gefallen. Feuchtwangers lebendige, spoimcndc und kraft- volle Darstellung wird vielen Taufenden moderner Leser jene bedeutsame Geschichtsepoche neu er- schließen. Sic wird das Andenken jener Männer erneuern, die vor 1802 Jahren in Jerusalem aus verlorenem Posten für die soziale und nationale Gerechtigkeit gefallen sind. Die Wahrheit über den Stahlverein Durch Ueberkapitalisierung und Fehlspekulation ruiniert Die Grohaktionär« der Vereinigten Stahlwerke \a Fritz Thyssen wollen mit aller Gewalt die notwendige Sanierung oerhindern. Herr v. F l o t o w wird unter schärfsten Druck gesetzt, das von ihm im Auftrag des Reichs zu erstattende Gutachten zum Vorteil der prwatcn Großaktio- nitre zu formulieren. Größte öffentliche Interessen stehen auf dem Spiel. Mos ist die Wahrheit? wenn Herr v. Zlotow die Wahrheit suchen würde, mühte er von der Zestslcllung ausgehen: Der Stahlverein wurde von vornherein über- kapitalisiert. Das Kapital des Stahlvereins ist 1926 bei der Gründung mit 896 Millionen jestgesetzt wor- den. Nach den ursprünglichen eigenen Ansichten der Gründer wäre höchstens ein Kapital von 6 9 9 Millionen angemessen gewesen. Die Gründer erhielten aber außer den 899 Millionen Mark Aktien für eingebrachte Patente und Lizenzen noch 125 Millionen Mark Genußscheine(die übrigens 1931 bis 1935 in Raten noch zu tilgen und mit 5 Prozent zu verzinsen sind!). Das mit Rente zu versehende Kapital be- trug noch der Gründung also faktisch 925 Millionen Mark. Das waren schon damals 325 Millionep oder mehr als 59 Prozent zu viel. Diese �25 Millionen sind als unberechtigte Gründungsgewinne anzusehen. Die Gründer haben sich aber noch über 199 Millionen für die eingebrachten Vorräte zahlen lassen. Die Verantwortung für diese Ueber- kapitalisierung liegt klar zu Tage. Die Grllirder- gesellschasten, die zum großen Teil mit den pri- vaten Großaktionären von heute noch identisch sind, haben bewußt hohe Grllnderge- winne gewollt: Im Januar 1926, drei Monate vor der Gründung, hat Generaldirektor haß- l a ch e r erklärt, daß sich„mit einer Kapazitäts- ausnutzung von 55 Proz. für Kohle und von 65 Proz. für Eisen nicht wirtschaftlich arbeiten" lasse. Das galt schon für die o o r der Gründung— um nicht weniger als 179 Millionen niedrigere Be- Wertung der Anlagen. Generaldirektor Vogler hat vor dem Enquetcausschuß erklärt:„Die Tatsache, daß keine der Unternehmungen in der Lage war, ihre Schulden abzuver dienen, bis auf wenige Ausnahmen, war wohl in der Hauptsache der Grund unseres Zusammenschlusses. Ich übertreibe gar nicht, wenn ich sage, daß ohne den Zusammenschluß die Hälfte der in den Ver- einigten Stahlwerken zusammengeschlossenen Unternehmungen in wenigen Monaten vor Kapitalzusammenlegungen gestanden hätte.". Zu dieser Feststellung des Generaldirektors Vögler ist die Aussage des kürzlich verstorbenen Finanzberaters der Ruhrkonzerne, des Bankiers Louis Hagen, zu nehmen, der vor dem Enquete-Ausschuß schon für die Gründer- gesellschasten des Stahlvereins selbst eine Ueberkapitalisierung festgestellt hat. Diese Feststellungen von unmittelbar und mittel- bor Verantwortlichen zeigen klar, daß es den Gründern des Stahloereins voll bewußt gewesen sein muß, daß sie bei 899 Millionen Kapital und 125 Millionen Genußscheinen eine Uebcrkapitali- sierung durchführen.-- Nun war gewiß die Verbesserung der Rentabilitätsgrundlagen durch tech- nische und kausmännischc Rationalisierung der Sinn des Zusammenschlusses. Da aber nach den Feststellungen von Haßlacher und Vögler es sich zunächst nur um die B e> e i t i g u n g von Verlustquellen, also nur um die Schaffung einer noch nicht vorhandenen Rentabilität handelte, war es kausmännisch nicht zu verant- warten, wie es geschehen ist, die Anlagen noch um 179 Millionen höher als bei den alten Gc- sellschastcn zu bewerten. wenn Herr von Zlotow die Wahrheit sucht. wäre zur heutigen Lage des Stohlvereins solgcnde weitere Feststellung zu treffen: Die heutige und ohne Sanierung dauernde tln- Hoesch schreibt ab Zusammenlegung des Kapitals In der Aufsichtsratssitzung des Hoesch-Neu- cssener Bergwerksvereins wurden die Abschluß- Ziffern fiis das am 39. Juni beendete Gc- schäjtssal>r bekannt gegeben. Der Rohgswinn beträgt 9,69 gegen 7,53 Millionen im Vorfahr. Auf Werksanlagen werden 11,8, auf Beteiligungen 29,57 Millionen abgeschrieben, so daß angesichts des kleinen Rohüberschusses für rund 3 1 M i l- lionen Mark Verluste bilanzmäßige Deckung zu schaffen ist. Es werden 49 Millionen eigene Stammaktien mit einem Buchgewinn von 17,36 Millionen Mark eingezogen und zur Deckung verwendet, serner 9,69 Millionen aus einer Rücklage für Außenstände und 13,92 Millionen aus der ordentlichen Reserve. Das Aktienkapital wird dann 192,76 Mil- lionen Mark betragen, die Reserve 15 Millionen Mark. Für den 21. Dezember wird eine außer- ordentliche Generalversammlung einberufen, um die Einziehung der 49 Millionen Mark Hoesch- Aktien zu beschließen. rentabilität des Stahlvereins ist die Folge seiner 'hermäßigen Verschuldung, diese aber wäre ,hne die Ueberkapitalisierung nicht möglich gewesen. Die Beurteilung der Lage des Stahloereins er- gibt sich aus unseren Zusammenstellungen: r. Das Eigenkapilal und die Schulden in Millionen Mark Ab- und April 26(Sept. 3� Sept. 31 Zunahme oeg 192S ( 889) 836— 44 ( 886) 942+ 624 889 318 Eigenkapital u. Res. Schulden...... Anlagcwerte ohne Abschreib. Anlagewerte mit Abschreib.... 1978 Beteiligungen... 93 Umsatz........—. 1978(1439) 1478+ 499 (1976) 0 318) (1261) 1972 291 849 6 198 H, Kapazität und Ausnutzung der Merke in Millionen Tonnen I V. Die Zinslast bei anderen Konzernen Stahl- Mittel- verein Krupp Hoesch Hantel stahl 5,6 2.2 2,5 1,5 2,4 zum Stahlverein nur wenig zu verschulden brauchte(nur etwa ein reichliches Viertel), so daß die Gute-Hossnungshllttc 1928/29, dem besten Konjunkturjahr, ihr Eigen- und Anleihekapital 2,2 mal umschlagen konnte: der Stahlverein schlug sein Kapital nur 9,9 ma! um. Die Ueberkapitalisierung, die eine zu hohe Dioidendensumme verlangte, und die Rationalisie- rung einer übermäßigen Kapazität die eine nutz- lose Verschuldung und zu hohe Abschrejbungs- bedürsnisse brachte, waren um so ärgere Fehlspekulalionen. als man angesichts der Kapitalteuerung in Deutsch- lond auf die Bildung innerer Reserven bedacht sein mußte Innere Reserven brauchte man auch für den Fall eines stärkeren Beschäfti- gungsrückganges, weil bei der großen Bedeutung der fixen Kosten(39 bis 49 Proz.) und der pro- gressiven Kostensteigerung bei sinkender Beschästi- gung(nach Klöckncr 29 Proz. je Tonne Stahl bei 49prozentiger Ausnutzung) die Rentabilität noch schneller sinkt als der Umsatz. Alle diese Faktoren mußten dahin wirken, daß ausreichende Ueberschüsie nicht zu sichern, die Kapitalbeschaffung durch neue Aktien unmöglich, die langfristige Änleihebeschaffung an einem be- stimmten Zeitpunkt nichi mehr durchführbar, die kurzfristige Verschuldung schließlich der einzige Kreditweg und die faktische Zahlungsunfähigkeit nur dadurch zu oerhindern war, daß die Gläubiger mit ihren Forderungen stillhielten. Die f a k- tische Zahlungsunfäh gkeit dürfte be- merkenswerterweise beim Stahlverein schon sehr lange vor der vollen Auswirkung des Beschäfti- gungsrückganges einzetrelcn sein Die Behauptung ist wahrscheinlich gerechtfertigt, daß selbst in den besten Konjunkturjahren die Rentabilität des Stahlvereins nicht gesichert war Danach kann der Beschäftigungsrückgang nicht die Ursache der Unrentabilität sein. Die Ursachen des inneren Zusammenbruchs der Vereinigten Stahlwerke können nur in der übe r- mäßigen Verschuldung gesehen werden, die sich aus der Ueberkapitalisierung zu Beginn und aus der Rationalisierung einer übergroßen Kapazität zwangsläufig entwickeln mußte. Für diese Fehlspekulalionen sind auch weder der Staat noch die Gewerkschaften in irgendeiner Hinsicht verantwortlich, sondern die Leitung der Vereinigten Stahlwerke, ihre Großaktionäre und die beteiligten Banken allein Sie haben auch die Opfer zu tragen, die für die Rettung der Ver- einigten Stahlwerke zu bringen sind Wage mann über Konjunktur Oeffentliche Arbeitsbeschaffung gefordert 1931 betrug die reine Zinslast im Verh. z. Umsatz.... Proz. Tabelle 1 zeigt die um 6 2 4 Millionen vermehrten Schulden und entsprechend die um 499 Millionen bzw 198 Millionen vermehrten Anlagen und Beteiligungen. Tabelle II. stellt Kapazität und Aus- Nutzung der Werke gegenüber und errechnet die mittlere Ausnutzung der Anlagen Tabelle III zeigt, wie trotz rückgängigen Um- sötzen der Schuldcndienst absolut und relativ schließlich so stark anstieg, daß 1931/32 schätzungs- weise jede 8. bis 9. Mark des Umsatzes für. den Schuldendien st erforderlich wurde (Schätzungen aus dem„Börsen-Courier"). Der Schuldendienst stieg in 4 Jahren von l/w auf % der L o h n s u m m e. Tabelle IV zeigt(ebenfalls nach„Börsen- Courier"), daß die reine Zinsbelastung den Stahlocrein zwei-, drei- und fast viermal so stark belastet als andere Montankonzerne. Aus unseren Zusammenstellungen sind folgende Schlüsse zu ziehen: Die Bewegungsunfähigkeit und Unrentabilität des Stahlvereins sind nicht in erster Linie durch den Beschäftigungsrückgang, sondern durch die übermäßige Verschuldung und die höhe des Schuldendienstes verursacht. Diese sind eine Folge der Ueberkapitalisierung bei der Gründung und der Ausrechterhaltung einer zum möglichen Umsah in Widerspruch stehenden Substanz. Die mittlere Ausnutzung der Stahl- Vereinsanlagen betrug in der Vergangenheit im graben Durchschnitt noch nicht 59 Pro;. In der Zukunft sind Inlandsausträge wie in der Bau- und Rationierungszeit von 1926 bis 1929 nicht wehr zu erwarten. Der Kämpf auf dem Welt- markt wird nicht weniger scharf, durch kleinere Inlandsaufträge wahrscheinlich aber noch verlust- bringender sein als bisher. Die jetzt übermäßig niedrigen Löhne und Gehälter werden sich in der Zukunft wieder bedeutend erhöhen. Die K a p a- z i t ä t des Stahlvereins war von vornherein zu groß: ihre Ausrechterhaltung und spätere Ausdehnung durch neue Beteiligungen trotz einiger Stillegungen war eine Fehlspekulation. Die übergroße Kapazität wurde in ihrer G e- samtheit rationalisiert. Da von vorn- herein Ueberkapitalisierung und Ueberbewertung der Anlagen gegeben war, muß t.e die Rationali- sierung, da aus dem möglichen Umsatz kaum der Erneuerungsbedarf zu finanzieren war zu einer übermäßigen Verschuldung führen Rationalisierungs- und Verschuldungskosten muhten so hoch werden, daß man mit der Kostensenkung durch Rationalisierung vergeblich der Rentabilität nachlief. Wenn man durch die Rationalisierung der An- logen ihre Rentabilisierung erst«rhofste, durfte man den erwarteten Erfolg nicht durch die Ver- Wässerung des Eigenkapitals vorwegnehmen und durch die Aufrechtcrhaltung einer über- mäßigen Kapazität nicht gefährden. Selbst in -feiten der Hochkonjunktur war die Erwirtschaftuna ausreichender Abschreibungen so nicht zu erwarten. C h a r a k t e r i st i s ch für diese Zusammen- hänge ist, daß die hochleistungsfähige Gute-. Hoffnungshütte durch ihre niedrige Kapi- talifierung(nur V« des amerikanischen Schätzungs- wertes statt Vj beim Stahlverein) und durch die richtiger bemessene Kapazität sich im Verhältnis Professor Wagemann sprach aus der Herbst- lagung des Wirtschaftsverbandes für den Regie- rungsbezirk Magdeburg über„Die Konjunktur und ihre Aussichten". Sowohl in der Welt und in Deutschland seien Ansätze zur Besse- rung festzustellen. Die Wcltvorräte vermehrten sich nicht mehr, die Weltproduktion sei ein wenig — allerdings im Vergleich zur Produktions- kapazitäl minimal— gestiegen, Die deutschen Vorräte hätten sich seit 1928 bis jetzt von 28 auf 22,5 Milliarden Mark vermindert. Aber der Lagerabbau sei noch nicht so weit vorgeschritten, daß von hier aus eine Pro- duktionsbelebung zu erwarten fei. Die Vorgänge auf dem Geld- und Kapitalmarkt seien n i ch t u n- g ü n st i g. Die Sparkassen verzeichneten im Oktober wieder einen Einzahlungsüberschuß, die gehamsterten Noten kämen wieder zum Vorschein, die Bankbilanzen zeigten, daß die eigentliche Kreditkrise überwunden sei. Zu übertriebenem Optimismus be- flehe aber noch kein Anlaß. Bei 6 bis 7 Mil- lionen Arbeitslosen würde die Privatwirtschaft nur sehr schwer aus eigener Kraft auf die Beine kommen können. Denn die Ursache der Krise sei nicht Kapitalmangel, da an Produktionsmöglich- leiten Ueberfluß bestehe, sondern Absatz- mangel. Neben Zins- und Steuersenkungen sei also eine Hebung des Absatzes durch öffentliche Arbeitsbeschasfung unbedingt notwendig. Voraus- setzung für eine großzügige Arbeitsbeschasfung sei irgendeine Art von Kreditausweitung. Damit daraus keine Gefahren für die Währung er- wüchsen, seien Sicherungen notwendig. Solche Sicherungen beständen in einer grundlegenden Reorganisation der Großbanken und in einer öffentlichen Kontrolle ihrer Kreditschöpsung. Eine solche„aktivistische Wirt- ichaftspolitik" sei das einzige Mittel zur Krisen- Überwindung. Rapider Pfundsturz Der Schilling nur noch 64,9 Pfennig Das englische Pfund erlebte am Dienstag einen stürmischen Tag. Von New Park ausgehend setzte sich der Kurseinbruch rapide fort Im Verhältnis zum Dollar sank das Pfund von 3,29 in kurzen Sprüngen bis auf 3,15!�, was. auf Markwährung umgerechnet, einem Kurzfturz von 13,44 auf 13,251< M. entspricht. Der englische Schilling(Goldparität— 1 Reichsmark) ist damit auf 64,9 Goldpfennige gesunken. Die Unruhe«aus dem Pfundmarkt hält an. ob- wohl sich die Nachricht bestäligt, daß aus England Gold im Werte von etwa 3 Millionen Pfund nach New York verschifft worden sind. Es erhält sich aber hartnäckig das Gerücht, daß diese Goldver- schissung nur zum kleineren Teil auf englische Rechnung, zum größeren Teil dagegen auf französische Rechnung erfolgt. Marktpreise für Erdöl so gering geworden, daß seit mehreren Jahren über eine Erhöhung ver- handelt wurde, ohne Erfolg. Jetzt hat die persische Regierung der Gesellschaft plötzlich die Konzession gekündigt; sie hat sich aber zu neuen Ver- Handlungen bereit erklärt. Die Anglo Persian hat die Kündigung nicht angenommen, da sie im Konzessionsvertrage nicht vorgesehen sei. Die Angelegenheit wird zu einer politischen durch, als die englische Regierung die Mehrheit des Aktienkapitals der Anglo Persian, nämlich 7,5 von 13,42 Millionen Pfund, besitzt. Das weitere Vorgehen der englischen Gesellschaft wird daher vom englischen jl abinett bestimmt werden, das vorläusig allerdings mit wichtigeren Fragen, nämlich den der Kriegsschuldcnzahlung an Amerika, beschäftigt ist. Zentralgenossenschaftshasse In der ersten Hauptversammlung der Deut- schen Z e n t r a l g e n o s s e n s ch a f t s k a ss e wurden entsprechend der Notoerordnung vom 31. Oktober d. I. die Ausschußmitglieder gewählt. Hermes, Hohenegg, Rabe, Krämer, Keidel und Huguenin vertreten in dem zehnköpfigcn Gremiuni die landwirtschaftlichen Genossenschaften, Schu- inacher, Schumann und Esser vertreten die gewerb- lichen Genossenschaften: als Vertreter der Konsum- genossenschasten wurde Direktor Albert von der (SEG.-Hamburg gewählt. Staatliche Oehtropolitih Die Preußische Elektrizitäts-A.-G.(Preag) und die A.-G. Sächsische Werke— Preußens und Sachsens Elektrokonzerne— haben sich in die Beherrschung der Thüringer Gas- A.- G. jetzt gleichmäßig geteilt. Die Preag hat der A.-G. Sächsischer Werke 3 Millionen Mark Thüringer Gas-Aktien zum Einstandskurs über- geben, wodurch jeder der beiden Konzerne jetzt über 8,25 Millionen Mark Aktien von dem 39-Millionen-Kopital der Thüringer Gasgesellschaft verfügt. Die Maßnahme entspricht der Abmachung eines Interessengemeinschaftsver- träges für die gemeinsame elektrowirtschaftliche Betätigung in Mitteldeutschland, der 1939 abge- schlössen wurde und ein gleichberechtigtes Vorgehen vorsah. Iirdölhonflild; Persien hebt die Oelkonzession auf Zwischen der persischen Regierung und der Anglo Persian Oil Cy.— das bedeutet: zwischen P e r s i e n und England— ist ein Konflikt ausgebrochen, der ein interessantes Licht auf die Methoden des Imperialismus, auf die Per- quickung von Politik und Geschäft wirft. Die Anglo Persian ist der drittgrößte Erdölwelttrust(nach Standard Oil und Shell) und beutet vor allem die persischen Oelquellen aus, auf die ihr im Jahre 1991 eine Konzession auf 69 Jahre erteilt wurde Die K o n z e s s i o n s- abgaben find infolge des Sinkens der Welt- Die Gelsenkirchener Bergwerks-A.-G., die heute vom Reich beherrscht wird, hat zum 14. Dezember ihre G e n e r a l v e r s a m m l u n ng einberufen. Der Geschäftsbericht wird demnächst ver- öfsentlicht. Der verwallungsrat der Reill>sbahn. Die Reichsregierung hat die mit Ende des Jahres aus dem Vermaltungsrat der Deutschen Reichsbahn- Gesellschaft ausscheidenden Mitglieder Dr. Welker, Dr. Schmitz, Dr. Siloerberg, Herrmann und Kaiser w i e d e r zu Mitgliedern des Verwaltungs- rats ernannt. Die Rordhausener Schachlbauindustrie hat für den Ausbau des� Mittellandkanals die Schacht- bauten für das Schiffshebewerk bei Wolmirstedt in Auftrag bekommen. Der Auftrag ist mehrere Millionen Marl wert. ckie Zahnpaste, die von mehr als 6 Millionen Menschen— allein in Deutschland— täglich gebraucht wird. Vorzüglich in der Wirkung, sparsam Im Verbrauch, von höchster Qualität. Tube 50 Pf. und 80 Pf. Weisen Sie jeden Ersatz dafür zurück.