Morgen- Ausgabe Nr. 563 A276 49. Jahrg. «Rcbattton und Verlag! Berlin SW 68, Lindenstr. 3 5*cnfptecf)€ri«7«ml Dönhoss R2 d!« 2S7 Tel-zrammabr-is«! SvziaNi-molia! B«rlm k � � c � VOLKSELATT MITTWOCH 30. November 1932 In Groh- Berlin Ii) Pf. Auswärts....... 15 Pf. �ezugSbeblngungen und Anzeigenpreise siehe am Schluh beS redaktionellen Teils Jentvalorsan der Gozialdemosvatifchen Oartei Deutschlands Hitler kommt zu Schleicher VerKan6tunxsn am— dann Bericht an Hindenburg wie die„Telegraphen. Union" von zuverlässiger Seite ersährt, hat U d o l s Hitler sich enl- schlössen, dem Wunsche Schleichers zu ent- sprechen und wird heule vormittag zu einer 'Aussprache mit ihm über die polltische tage nach Berlin kommen. hiller soll gegen S Uhr in Berlin eintressen und gleich anschliehend dürste die Besprechung stattfinden. so dah noch gegen Wittag dem Reichs- Präsidenten über das Ergebnis dieser Aus- spräche Bericht erstattet werden kann. In den Nackznnttagsstuirden des Dienstags er- statteten der geschästsführcnde Reichskanzler von Popen, Reichswchrminister von Schleicher und Staatssekretär Dr. Meißner dem Reichs- Präsidenten über den bisherigen Verlauf ihrer Fühlungnahme mit den Parteien und sonstigen Organisationen Bericht. Die schon für gestern angesagte Unterhaltung .Hitler-Schleicher wird für heute erwartet. Danach will, so heißt es, der Reichspräsident den Bericht Schleichers entgegennehmen und seine Ent- scheidung treffen. Von der angeblich bevorstehenden Wieder- betrauung Popens ist es stiller geworden. Es isl auch nicht einzusehen, warum das Scheitern von Verhandlungen, die andere führen, zu einer Wiedercrnennung Popens führen müßte, mit dem überhaupt niemand mehr verhandeln will. Da- gegen wird als neue Kombination erörtert, daß Papcn als„geschästsführender Reichskanzler" ohne särmliche Ernennung weiter wursteln könnte, und besonders Schlaue meinen, als in Demission be- sindlicher„geschästsführender Reichskanzler" könne Popen kein Mißtrauensvotum erholten, denn wer schon ins Wasser gefallen sei, der werde vom Regen nicht mehr naß. Dann ist auch wieder viel von einem„Komps- k ab inett" die Rede, das entweder von Schleicher oder von Papon gebildet werden soll Gemeint sein kann damit nur ein Kabinett, das einen Kamps gegen das eigene Volk führt, und daß ein solches Kabinett gerade das ist, was Deutschland jetzt am wenigsten brauchen kann, glauben wir schon mit hinreichender Deut- lichkeit gesagt zu haben. Ein solches Kampjkobinett würde natürlich auch ein Kabinett Hitler dar- stellen, für dos die Nazipresse noch immer krampf- Haft Reklame zu machen versucht. Nicht Rhetorik und Romantik, sondern nur Nüchternheit und gesunder Men- schennerstand können«inen Ausweg finden. Das aber sind Eigenschaften, di« weder in Herren» llubs noch in Braunen Häusern zu Hause sind! Hitler und Röhm im Nachtzug wünchen. 29. November. Während heute abend im Braunen Hause jede Auskunft darüber, ob Adolf Hitler nach Berlin fahren würde, abgelehnt wurde, wird von anderer Seite bekannt, daß der Führer der NSDAP. Begleitung von Hauptmann a. D. Roh m und anderen heute abend mit dem Nachtzug nach Berlin abgereist ist. Wirtschaft weiß nichts Reine RinkluLnahme auf Regierungsbildung Der Reichs verband der Industrie teilt mit: ,Än Hinblick auf wiederholte Presse- Niktatvr a. D. Ein Vergessener wird 70 Jahre Wenn man einem Deutschen unter 30 Iahren heute den Nomen des Herrn von Kohr nennt, so riskiert man die Antwort:„Bedauere, den Film habe ich noch nicht gesehen." Gustav von Kohr, der jetzt 70 Jahre alt wird, ist aber keine Filmsigur, sondern er war vor zehn Jahren ein Kampsakteur auf der politischen Bühne und bei- nah einen Tag lang Diktator Deutschlands. Er war einer der zahllosen„Retter", die das deutsch« Bürgertum seit 1914 begeistert aus den Schild erhoben hat, um sie nach kläglichem Versagen ebenso schnell zu vergessen. Vor neun bis zehn Iahren schrieb die rechtsbürgerliche Presse über Herrn von Kohr grundsätzlich nicht anders als über den „Bismarck des Südens". In Wirklichkeit war Kohr ebenso ein Bismarck, wie heute Herr von Papcn einer ist. Sein „bismärckisches" Genie bestand in einer eng- stirnig reaktionären Gesinnung, sein Verdienst um Bayern darin, eine Periode sinsterster Reaktion herbeigeführt zu haben. Bayern wurde die„Ordnungszcllc", in der Feme- mord und Justizmord nntemander wetteiferten. Die ganze Periode endete 1923 in einem Gemisch von Komödie, Krawall und wechselseitigem Ver- rat der nationalen Mannen. Der Kopp-Putsch von 1920, der allein in Bayern zu dauerndem Erfolg der Reaktion führte, brachte«ahr an die Macht. Seme reaktionäre Herrschast gewährte militaristischen Äeheiniver- bänden und Verschwörerorganisationen Asyl. München wurde der Zufluchtsort für reaktionäre Mörder und Verschwörer. Wer sich aber in der Rätezeit mißliebig macht halte der wanderte unter irgendeinem Vorwand ms Zuchthaus wie Eisners Sekretär F e ch e n b a ch Dann kam das Jahr 1923. das Jahr der Ruhr beseßung und Inflation. Es gab in München der Hüler-Bewegmrg ihren ersten großen Auftrieb. Äahr strebte danach, sich Hitlers zu bedienen, ober Meldungen, daß die Wirtschaflskreise bei der Kabinettsbildung um ihre Auffassung gc- fragt wären oder einen Einfluß auszuüben ver- sticht hätten, ist sestzustellen, daß weder der Reichsverband der Deiitschen Industrie noch die Vereinigung der Deutschen Arbeitgebervcrbändc in dieser Richtung irgendwie in Anspruch ge- nommcn worden sind oder eine Betätigung aus- geübt haben. U n z u t r e f s e n d ist auch die Meldung, daß der Vorsitzende des Reichsvcrbandes, Herr Dr. K r u p p von Bohlen und Halbach, dabei eine Mittlerrolle zu spielen oder sonst irgendwie in die schwebenden Verhandlungen ein- zugreifen versucht hätte." Neurath bei Hindenburg Der Reichspräsident empfing gestern den aus Genf zurückgekehrten Reichsminifter Freiherrn von Neurath zum Vortrag. Gegen Popen-Kurs Beschluß der Zentrumsfraktion Die Zentrumsfraktion des Reichstags faßte am Dienstag nach einem Vortrag des Abg. Kaas einen Beschluß, in dem es heißt: „In Uedereinftimmung mit der Partei- und Fraktionsleitung hält die Fraktion an dem Ziel der Schaffung einer Not- und Ar- beitsgemeinschaft zwischen allen in Bc- tracht kommenden Parteien fest. Nur auf d i e s e m Wege kann dem Reiche in dieser gefahrvollen Zeit eine sichere, vom Volksvertrauen getrogene verfassungstreue und soziale Staatsführung und dem erschütterten Wirtschaftsleben die notwendige Beruhigung gegeben werden." selber die Führung zu behalten. Im September 1923 ließ Kohr sich zum„Generalkommissar mit diktatorischen Vollmachten" für Bayern ernennen und nahm gleichzeitig den vom General von Lossow befehligten bayerischen Teil der Reichswehr„in Pflicht". Das war der klare Ansang einer Rebellion. Aber während Kohr noch mit den Konsequenzen zögerte, schlugen Hitler und Ludendorff los. Im Bürgerbräukeller spielte sich am 8. November dos bekannte Affentheater ab, bei dem Hitler den zögernden Kohr mit Gewalt mitzureißen suchte. Ursprünglich hatte Kohr, be- gleitet von einigen Ministerkollege», lediglich vor einer Versammlung von Münchener Bierphilistern eine Rede halten wallen. Aber Hitler ließ die Ausgänge besetzen, feuerte die berühmten zwei Schüsse in die Decke und zwang mit sanfter Gewalt Kohr und die anderen Minister ins Nebenzimmer. Nach kurzer Beratung erschienen die Heroen in schöner Einig- keit wieder. Kohr ließ sich von Hitler der beifalls- tosenden Versammlung als der Diktator Deutschlands vorstellen, freilich mit der Ein- schränkung, daß er dies Amt nur„als Platzhalter für einen künftigen Monarchen" übernehmen wolle. Unter Beifallsorkanen schüttelten sich Kahr und Hitler immer wieder die Hand zum Schwur« ewiger Treue. Was nicht ver- hinderte, daß Kahr am nächsten Tage mit der Bc- gründung,» „von Hitler vergewaltigk" worden zu sein, Hitlers Kolonnen am Odeonsplatz zusammenschießen lieh.— Aber diese Schüsse be- endeten auch Kohrs politische Lausbahn. Nachdem der Prozeß gegen Hitler und Ludendorsf noch ein- mal das Intrigenspiel und die Wortbrüchigkeit der nationalen Mannen,— Hitlers gebrochenes Ehren- wort, Kohrs gebrochenen Treuschwur— ins hellste Licht gestellt hatte, mußte Kahr verschwinden. Aus einen ruhigen Beruxtttungspasten abgeschoben, trat er 193l in den Ruhestand. Run wird der„Diktator Deutschlands" siebzig Jahre alt. Wer denkt noch an ihn? Wenn nicht in einem famo�n Roman Li»« Feucht» w a n g e r s das Münchcner Milieu des Jahres 1923 und in ihm das Porträt dieses kleinlichen Bürokraten festgehalten wäre, er würde für ewig vergessen sein. Wievielen aber von den heutigen Rettern und großen Männern wird man nach abermals zehn Jahren den gleichen Nekrolog schreiben?! Rauferei oder Rotmorb wieder ein Nazi-Lchwindel geplatzt Eigener Beridii des„Vorwärts" München. 29. November. Mieder ist ein..Rol-Mord"-Schwindel der Nazis entlarvt. Zn der Nacht zum 2. Mai war es zwischen Bauernburschen in dem oberboyeri- schen Dörfchen Zckmg zu einer schweren Rauferei gekommen, bei der ein Mann tot, einer lebensgefährlich und eln dritter leichler verletzt auf dem Platze blieben. Zufällig war der Erstochene ein SA.-Mann. Flugs machte die Nazipresse aus der Dort- burschcnrauferei den„R o t- M o r d von Icking" und tagelang nährte sich der„Völkisch? Beobachter" von den blutrünstigen Schilderungen der grausigen Taten. Die Beerdigung mußte zu einer„wuchtigen Demonstration gegen das marri- ftische Untermenschentum" dienen. Obwohl die Polizei bald nach sorgfältigster Untersuchung er- klären ließ, es habe sich nicht der leiseste politische Anhalt als Ursache der Schlägerei ergebe», blieb der„Rot-Mord von Icking" dennoch das be- liebtestc Zugstück in der bayerischen Nazipropa- ganda. Jetzt hat ihr die Verhandlung vor dem Schwurgericht in München das Lebenslicht aus- geblasen. In der Urteilsbegründung stellt« der Vorsitzende fest, daß die Tat„eine Rauferei besoffener Bauernburschen" gewesen ist, die jedes polttischen Motioes entbehrte. Bon den Angeklagten war nicht ein einziger politisch nrteressiert noch organisiert. Helft! Helft! Opfer des Freiheitskampfes in Not In den Büros der Gefangenen- und Ber- wundetenhilfe häufen sich Fragebogen und Berichte. In grausiger Deutlichkeit spiegeln sie das ungeheure Unglück, das der Mord- terror und die Bürgerkriegshetze der braunen Armee über unzählige Arbeiterfamilien gc- bracht haben. Die Totenlistc der Eisernen Front nennt 166 Gefallene! sie umschließt den Schmerz der Fralien und Kinder, die den Ernährer verloren haben, den Gram der Eltern, die ihre jungen Söhne hergeben mußten. Taujende trugen als Folge hinterlistiger Ueberfälle Verwundungen und Verletzungen davon, viele von ihnen sind zu Krüppeln geworden, für immer aus dem Erwerbsprozeß ausgeschaltet. 566 Kameraden sitzen in Gefängnissen und Zuchthäusern. Opfer einer einseitig urteilenden Sonder- justiz. 966 haben ihre Aburteilung noch zu erwarten. Hinter diesen Zahlen verbirgt sich eine Un- summe menschlicher Not. Die Witwen müssen, des Ernährers beraubt, sich eine Existenz schaffen. Aber oft heißt es in Berichten:„Es ist für die Witwe des Kameraden X. nicht möglich, Arbeit zu finden, weil in unserem Ort alle Arbeitgeber nationalistisch sind und niemand die Frau eines Reichsbanner- mannes einstellen will." Da muß die G e- fangcnen- und Verwundeten- Hilfe einspringen: hier durch die Be- schaffung einer Nähmaschine, dort durch eine Beihilfe zur Errichtung einer Plätterei. In vielen Fällen muß sie beraten, Wege weisen: für die Erlangung einer billigeren Wohnung. für die Erziehung und Ausbildung der Kinder: sie muß wirtschaftlich helfen, ermuti- gen und aufrichten. Am tragischsten ist das Schicksal der Ver- mundeten, die auf der Höhe der Kraft zu hilflosen Krüppeln geworden sind.„Der Kamerad B. hat in seiner Eigenschaft als Saalschutz bei einem Ueberfall durch Ratio- nalsozialisten so schwere Kopfverletzungen davongetragen, daß er jetzt vollständig g e l ä h m t ist und die Sprache verloren hat. Er wird nie wieder erwerbsfähig werden." So heißt es in einem Bericht und daran knüpft sich der Antrag:„Es müssen Mittel für eine laufende zusätzliche Unterstützung bereitgestellt werden, denn mit der geringen Unterstützung durch das Wohlfahrtsamt ist der Lebensunterhalt der Familie und die Pflege des Schwerkranken nicht möglich." Der Vollzug der Gefängnis- oder Zuchthausstrafe ist für den Gefangenen selbst und für seine Angehörigen von einschneidender Bedeutung, zerstört oft die Existenz und bringt mindestens während der 5)aftdauer schwerste wirtschaftliche und seeli- sche Not über die Angehörigen. Darüber sagen die Berichte:„Der Kamerad W. ist seit dem 6. Juli in Untersuchungshaft. Seine Frau ist während dieser Zeit niedergekommen. Sie leidet seelisch schwer unter der Ungewißheit der langen Untersuchungshaft. Dazu kommt die Sorge um den Lebensunterhalt. Seit der Mann im Gefängnis ist, ist sie mit der Miete im Rück- stand: das Wohlfahrtsamt gibt eine monat- liche Unterstützung von 12,66 M. für sie und die beiden Kinder. Wir helfen, soviel wir können, aber der Winter steht vor der Tür und es fehlt an allen Wintervorräten."— „Die Ehefrau des Gefangenen G. erhält für sich und ihre drei Kinder eine monatliche Unterstützung von 41 M. vom Wohlfahrtsamt. Dafür will die Gemeinde das kleine, mit zyypotheken belastete Häuschen noch mit einer weiteren Hypothek belasten, so daß die Gc- fahr des Verlustes dieses Eigentums besteht. Die Familie leidet bitterste Not. kann kein« Winteroorräte beschaffen und kommt mit Licht- und Wassergeld in Rückstand, so daß Sperrung zu befürchten ist." Daß der Vollzug der Strafe in vielen Fällen die gänzlicheZerstörung des Existenzaufbaues bedeutet, zeigt ein- dringlich folgender Fall:„Der Kamerad M., 26 Jahre alt, ist zu 9 Monaten Gefängnis verurteilt. Er ist Kaufmann und hat nach IVyähriger Arbeitslosigkeit Ende Oktober wieder Anstellung bei seiner alten Firma er- halten. Auf diese Anstellung hin hat M. das Aufgebot bestellt und will am 36. November heiraten. Für den Strafantritt, der am 5. November erfolgen sollte, konnte ein Auf- schub bis zum 15. Dezember erreicht werden. Eine weitere Strafaussetzung ist abgelehnt worden. Das bedeutet für M. den Verlust seiner Arbeit und jeder Aussicht, diese Stel- lung jemals wieder zu erhalten, sowie die völlige Zerstörung der wirtschaftlichen Basis, auf der er feine Ehe aufbauen wollte." In solch knappen Worten, die durch ihre Kürze und Nüchternheit ergreifen, schildern Hunderte von Berichten ähnliche Verhältnisse. Alle enthalten den Schrei nach Hilfe. Alle aber auch berichten, was schon getan worden ist. Die Kameraden in den Straf- an st alten sind nicht vergessen; regelmäßige Besuche, Versorgung mit Lite- ratur, Lebensmitteln, Zigaretten gehören zum Arbeitsgebiet der Gefangenen- und Ver- wundetenhilfe, die es als ihre Ehrenpflicht betrachtet, alle Kräfte einzusetzen, um den ge- fangenen Kameraden während ihrer Haft- zeit das Leben ein wenig zu erleichtern, vor allem aber, sie zu beruhigen über das Schick- fal ihrer Angehörigen. Die Hilfe für die Angehörigen stellt die umfangreichste Arbeit für die Ge- fangenen- und Verwundetenhilfe dar und erfordert die meisten Mittel. Selbstverständ- lich werden alle Möglichkeiten, Hilfe aus den Mitteln der öffentlichen Fürsorge zu er- halten, in Anspruch genommen, aber in fast allen Fällen sind ergänzende Unterstützungen notwendig. Und hier hat die Solidarität der Arbeiterschaft sich wundervoll bewährt. Zahl- reich sind die Fälle, in denen von Mensch zu Mensch geholfen wird, auf eine einfache und schlichte Weise, von der nichts nach draußen dringt, die aber das Gefühl des Vertrauens und der Beruhigung in den schwer betroffe- nen Familien aufrecht erhält. Da kommt die Vorsitzende eines Ortsausschusses für Ar» beiterwohlfahrt auf das Büro der Eefange- nen- und Berwundetenhilfe und sogt:„Ich kann 15'Familien-melden; die jede auf die Dauw tjojn sechs Wochen, das Kind eines politischen Gefangenen oder Verletzten zur Erholung aufnehmen will." Ein anderer Ortsausschuß für Arbeiterwohlfahrt hat .Kinderkleidung gesammelt und genäht und stellt sie zur Verfügung. Ein arbeitsloser Parteigenosse bringt einen Mantel und ein Paar Stiefel:„Vielleicht könnt ihr das ge- brauchen— ich bin noch von früher her gut mit Kleidung versorgt." Solidarität! Tief ist das Gefühl der gegenseitigen Verpflichtung und brüderlichen Verantwortung in der Parteigenossenschaft verankert. Aber die Einzelhilfe, so unerläß- lich und wertvoll sie ist, reicht nicht aus. Die Notwendigkeit der Hilfe erstreckt sich auf einen so großen Personenkreis, erfordert in zahlreichen Fällen— besonders bei den Witwen und Waisen und den Schwerver- mundeten— beträchtliche Mittel für den Wiederaufbau der Existenz, für die Fortfüh- rung der begonnenen Ausbildung der Kin- der. laufende Zuschüsse zum Lebensunterhalt — Leistungen, die nur erfüllt werden können, wenn alle, die dazu irgend in der Lage sind, sich verpflichtet fühlen, zu helfen. Beim Parteivorstand ist ein zentraler Ausgleich- fonds eingerichtet, die Bezirksleitungen der Partei und der Eisernen Front haben Unter- stützungsfonds angelegt. Helft alle da- zu beitragen, daß die Genossen in den Strafanst alten und Kran- kenhäusern über das Schicksal ihrer Familien beruhigt sein können. Sie gaben Leben, Ge- sundheit und FreiheitI Wir wollen helfen aus brüderlicher Gesinnung und Kampfverbun- d e n h e i t! Hungermarsch in AGA. New Jork, 29. November. Ei» neuer Hungermarsch nach Washington ist im Gange. Die Vorhut wird dieser Tage in Washington erwartet. Sie besteht aus mehreren lausend Vertretern von Arbeitslosen, Kriegsteil- nehmern und Farmern. Sie wollen dem Kongreß ihre Forderungen, darunter Stundung ihrer Schulden, durch Delegationen unterbreiten. Die Behörden sind entschlossen, den Hunger- marsch gewaltsam zu verhindern. Einsetzung von Vundestruppen und Erlaß eines De- monftrationsoevbotes stehen bevor. Schmeißt die Schweine raus!" Nazi-Bürgermeister, Staatsanwalt und Götz von Beriichingen Vor der Reichstagswahl hatte die Deutsche Staatspartei in Dessau eine öffentliche Wahwer- sammlung anberaumt, in der der Reichstags- abgeordnete Lemmer sprach. Diese Wahlversamm- lung, die in Dessau im„Hotel schwarzer Adler" stattfand, nahm einen äußerst stürmischen Verlauf. Der jetzige Bürgermeister Hofmann von Dessau, der gleichzeitig nationalsozialistischer Landtagsabgeordneter ist, hat in dieser Wahl- Versammlung gerufen:„Schmeißt die Schweine raus!" Danach wurden die Mitglieder des Bor- standes und der Redner körperlich verletzt und zwar, wie der Oberstaatsanwalt von Dessau fest- gestellt hat, durch Wurf mit Eiern, Kar- toffeln, einem Bierglas und zum Teil durch Fußtritte. Auf Grund des Vorkomni- nisses haben die Beteiligten Strafantrag gegen Hofmann gestellt. Der Oberstaats- anwalt in Dessau hat vor wenigen Tagen nun- mehr darauf eine Antwort erteilt, in der er ein Einschreiten ablehnt. Er erkenne zwar«ine öffentliche Beleidigung durch den nationalsozialistischen Bürgermeister an und ebenso stellt er die Körperverletzung fest. Gleich- zeitig aber lehnt er Strafverfolgung mangels öffentlichen Interesses ab und erklärt, daß Lemmer„nicht in seiner Eigenschaft als Reichstagsabgeordneter angegriffen worden fei, sondern als Politiker einer Partei". Am bemerkenswertesten an der Haltung des Deffaner Oberstaatsanwalts aber, wie der„Demo- kratische Zeitungsdienst" nütteilt, ist der Schluß- passus der ablehnenden Begründung. Dieser Schlußpassus kann gleichsam als ein F e st- beitrag des Oberstaatsanwalts zum Goethe-Iahr angesehen werden, denn er befaßt sich dabei mit der Bedeutung der bekannten Ausforderung des„Götz von Beriichingen". In der Begründung des Oberstaatsanwalts heißt es wörtbch: „Die Frage, ob der Ausruf des Bürgermeisters Hofmann:„Schmeißt die Schwein« raus!" als ein« öffentliche Aufforderung oder Anreizung zu Gewalttätigkeiten in> Sinne des Z 11 der Verordnung des Reichs- Präsidenten gegen politische Ausschreitungen vom 14. Juni 1932— RGBl. S. 297— aufzufassen ist, muß verneint werden. Jede Ausforderung muß sich als ein e r n ft l i ch e s Verlangen äußer- lich darstellen und erkennbar sein. Gleichgültig ist hierbei, ob der Auffordernde das Tun des Auf- geforderten in Wirklichkeit ernst lich wünscht. Es genügt das Bewußtsein, daß das erklärte Verlangen des Auffordernden als ein ernstliches von demjenigen, der die Aufforderung wahr- nimmt, aufgefaßt werden kann und diese Aus- fassung als Erfolg der Erklärung gewollt wird. Danach müßte festgestellt werden, daß der Bürgerineister Hofmann das Bewußtsein hatte, daß sein Verlangen als ein ernstliches ausgefaßt wurde, und daß er diese Ausfassung als Erfolg wollte. Diese innere Tatsache ließe sich nur aus Begleitumständen nachweisen. Ts steht fest, daß ein Teil der National- sozialisten eine größere Anzahl Eier and Kartoffeln zu Wurszwecken in das Dersammlungslokal mit- gebracht hatte. Es ist aber nicht erwiesen, daß H o f m a n n von der Mitnahme dieser Wurfgegenstände Kenntnis hatte. Wäre dies der Fall, so könnte hieraus der Schluß gezogen werden, daß Hofmann dos Bewußtsein des ernstlichen Auffassens seiner Worte gehabt und daß er diese Auffassung als Erfolg gewollt hatte. Mangels dieser Feststellung kann nicht angenommen werden, daß Hosmann zum Werfen mit Gegenständen aufge- fordert hat. Ebensowen ig kann ange- nommen werden, daß Hosmann das Be- wußtsein hatte, daß seine Worte so auf- gefaßt würden, daß nun die Nationalsozialisten im Versammlungslokal nach vorn zur Bühne gingen, um die Teilnehmer der Versammlung, soweit sie zur Staatspartei gehörten, einzeln ge- Wie in Anhalt- so in Braunschweig Braunschweig, 29. November. Rektor und Senat der Technischen Hochschule sehen sich gezwungen, folgende, BekannMgchung am Schwarzen Brett in der Hochschule anzn- schlagen: „1. Die Pharmazeutenschast der Tech- nischen Hochschule hat eine gegen den Rektor ge- richtete Beschwerde bei Rektor und Senat eingereicht, in welcher sie bezüglich der Verneh- mung von Studierenden an Maßnahmen des Rektorats ungerechtfertigte und auch in der Form zu beairstairdende Kritik übt. 2. Sechs Assistenten des Pharma- zeutischen Instituts haben in der gleichen, sie selbst nicht weiter berührenden Angelegenheit energisch gegen die Art des Vorgehens des Herrn Rektors protestiert. Rektor und Senat stellen fest, daß sie sich damit einer groben Disziplinwidrigkeit schuldig gemacht haben. 3. Der L e i t e r d e s Ph a rm a z« u ti s ch e n I n st i t u t s hat ,chie Ausführungen des Vor- standes der Pharmazeutenschaft voll und ganz ge- billigt" und gegen das Vorgeben des Rektors Beschwerde bei Rektor und Senat eingelegt. 4. Weiter haben nach vorliegenden Pressenach- richten Studierende wegen ihrer durch den Rektor erfolgten Vernehmung bei der Staatsanwaltschaft Anzeige dahin erstattet, daß sie anläßlich ihrer Vernehmung in ihrer Freiheit beschränkt worden seien. 5. Der Leiter des Pharmazeutischen Instituts hat eine Anordnung des Rektors bezüglich der Entfernung einer natio- nalfozialistischen Fahne nicht Folge geleistet und die Ausführung der Anordnung verweigert. Der Senat hat sestgesiellt, daß der Rektor alle Vernehmungen in völlig ordnungsmäßiger und gegen die akademische Sitte in keiner weise ver- stoßenden Form durchgeführt hat und daß die erhobenen Beschwerden wegen Vornahme der Ver- nehmungen ungerechtfertigt sind. Er billigt in vollem Umfange und in allen Einzel- Helten das Vorgehen des Rektors. Auf Grund der Verfügung des braunschweigi- scheu Ministers für Volksbildung vom 21. und 26. November besteht für Rektor und Senat keine Möglichkeit, gegen die oben er- wähnten Disziplinwidrigkeilen vorzugehen. Sie beschränken sich deshalb auf diese Bekanntgabe der tatsächlichen Vorgänge, zu der sie gezwungen sind, weil darüber bereits von anderer Seite Mitteilungen in die Presse ge- bracht wurden. Rektor und Senat warnen erneut vor Verstößen gegen die hochschulgesehe und appellieren au den gesunden Sinn der Studentenschaft, sich auch von allen unüberlegten Schritten fernzuhalten, gerode, weil im Augenblick ein disziplinarisches Einschreiten der hochschul- behördcn nicht möglich ist." E« find herrliche Zustände, wo die Nazis herrschen: die akademischen Behörden müssen am Schwarzen Brett gegen den Naziminister für— walisam aus dem Saale zu entfernen. Die Worte des Hosmann sind eben nur als öffentliche Be- leidigung zu würdigen und haben denselben Sinn. wie die bekannten Worte des„Götz von Berlichin- gen". Auch hier wird niemand annehmen, daß der Aufgeforderte der Aussorderung nachkommen werde und daß der Auffordernde das Bewußtsein hatte, daß sein verlangen ernstlich ausgesaht würde." Dieser Oberstaatsanwalt von Desiau sollte wegen der glänzenden Interpretation eines weltbekannten Goethe-Wortes mit der Goethe-Medaille ausge- zeichnet werden! freideit im �ia�i-t-aucls! Eigener Bericht des„Vorwärts" Dessau, 29. November. Das Naziministerium F r e y b e r g hat einen neuen Meisterstreich verübt.(5'� hat gleichzeitig alle vier sozial- demokratischen Blätter des Lan- des verboten, weil sie nicht in Ehr- furcht vor seiner Negierupgsweishcit erstarben. Aeußeren Anlaß bot ei» Auf- sah, der sich gegen die dauernden Drang- salierungen der sozialdemokratischen Zeitungen durch das Naziministerium wendete. Da aber gerade seht der An- haltische Landtag zusammentritt und wegen der katastrophalen Finanzlage für die Naziregierung sehr unangenehme Debatten zu erwarten sind, so wird das Verbot der sozialdemokratischen Jeitun- gen ausgefaßt als ein Versuch, die einzige republikanische Presse des Landes an der Berichterstattung über die Wirtschaft der „nationalen Konzentration" zu hindern. Bildung polemisieren, der ihnen gegen die Laus- büberei der Hakentreuz-Srudenten jedes Mittel ans öift Hand schlagt. Zu dem protestierenden HöchHülsenA gehört' ollch der Professor'R'öH lo ff, der gleichzeitig Führer der deutschnationalen Landtagssraktion ist. Als solcher hält er bisher jedoch dem Klazgez die Stange, so daß der papiern« Protest am Schwarzen Brett zwar«in Zeichen der Zeit, aber doch ohne Wirkung bleiben dürfte. Der in dem Anschlag erwähnte.Leiter des Pharmazeutischen Instituts" lst ein Professor Hermann, der von dem Hakenkreuz-Minister Klagges gegen den Willen der Hochschule in sein Amt berufen und von ihm sogar als Rektor in Zlussicht genommen ist, sobald der gegenwärtig« Direktor dem Rufe nach Berlin gefolgt sein wird. NationalsozialistischerMorb Oer Zweite in venigen Pocken Eigener Beruht des„Vormäris" Braunschweig, 29. November. 3n der Oker wurde dle Leiche eines Sllsährigen Mannes entdeckt, der allem Anschein nach einem Fememord zum Opfer gefallen ist. Der von Anglern geborgene Tote trug ein Exemplar des Braunschweigischen Naziblattes in der Tasche. Die Untersuchung hat ergeben, daß der bis jetzt noch unbekannte Mann im Lürgerpart mit einer Eisen st ange erschlagen und dann in die Oker geworfen wurde. Zn der Hauptstadt des Herrn Slogges ist dies innerhalb weniger Wochen der z w e i I e Feme- mord. Der erste wurde an dem SS.-Mann Kampe verübt, der In ein Auto geladen, unter- wegs herausgeworfen und daraus von dem SS.-Mann Kaune erschossen wurde Ti-r ist bis heute noch nicht gefaßt. Bullerjahn-Prozeß Orteilsverllünciullg am Sonnabend Leipzig. 29. November. Im Bullerjahn-Prozeh suchte heute Reichsanwaft Dr. Nagel in seiner Repblik auf die Ausführungen Professor Sinzheimers die Schuld des Angeklagten nochmals zu begründen. Vor allem, so führte Reichsanwalt Dr. Nagel aus, sei es sicher, daß bei der Waffensuche in den Berlin- Karlsruher Jnduftriewerken Verrat im Spiele-ge- wefen fei. Bullerjahn selbst habe dieser Ueber- zeugung Ausdruck gegeben. In seiner Antwort erklärte Rechtsanwalt Dr. Rosenfeld nochmals, die Auffassung des Reichsanwalts, daß Verrat vorliegen müsse, sei falsch. Es fei auch sinnlos anzunehmen, daß sich Bullerjahn an dem Werke habe rächen wollen, da die Firma durch einen Verrat nicht geschädigt werden konnte. Sie habe vielmehr infolge des Entschädigungsanspruchs aus der Waffenbefchlag- nähme sogar Gewinn gezogen. Nach einigen kurzen abschließenden Worten des Reichsanwalts erhielt der Angeklagte B u l l e r- jahn das Schlußwort. Er jagte:„Ich habe mit der mir zur Last gelegten Tat nie etwas zu tun gehabt, und heute wie damals, als ich zum ersten Male vor dem Reichsgericht stand, kann ich nur wiederholen: Ich bin u n» schuldig!" Anschließend fand noch eine kurze nichtöffentliche Sitzung statt. Die Urteilsverkündung wurde für Sonnabend, den 3. Dezember, mittags, angesetzt. Zw Vortruppfrage Beschluß des Bezirksparteitags Der Berliner Bezirksparteitag hat zu der Vor- truppfrage gegen wenige Stimmen den folgenden Beschluß gefaßt: „Das Reichsbanner gründet feit einiger Zeit so- genannte Vortrupps, d. h. organisiert Kinder vom 19. bis 16. Lebensjahr. Der Bezirksparteitag sieht in dieser Tätigkeit des Reichsbanners eine weitgehende Ueber- schreitung der Ausgaben, die dem Reichsbanner gestellt sind und eine erhebliche Störung der be- währten Erziehungsarbeit der Kinderfreunde und der Arbeiterjugend. Der Bezirksparteitag verpflichtet alle Parteige- nassen, insbesondere die Genossen im Reichs- banner, mit allen Mitteln der Vortrupporgani- sation entgegenzuwirken. Auf das Reichsbanner ist dahin einzuwirken, daß die bestehenden Gruppen des Vortrupp aufgelöst und in die Kinderfreunde- und SAJ.-Organisation übergeführt werden." In der vorangegangenen Aussprache hatte Ge- nosfe K ll n st l e r dargelegt, daß d>e Vortrupps vom Reichsbanner auf eigene Faust ohne vor- herige Verständigung mit den Organisationen der Eisernen Front gegründet worden waren. Der Reichsral hält feine nächste Vollsitzung am Donnerstag, 17 Uhr. ab. Auf der Tagesordnung stehen u. a. ein Gefetzentwurf über die Abkommen zur Vereinheitlichung des S ch e ck r e ch t s, der Entwurf eines Scheckgesetzes und der Entwurf einer Verordnung über die Eichvflicht der zur Längenmessung und der zur Flüchenmessung dienenden Meßwerkzeuge und Meßmaschinen. Ferner soll Beschluß oefaßt werden über die Wiedereinbrinoung des Entwurfs eines Wechsel- gesetzes im neuen Reichstag und über die Besetzung von zwei Reichsgerichtsratsstellen Zeitunqsverbot. Der Oberpräsident von Schles- wig-Holftein hat die in Altona herausgegebene „Norddeutsche Zeitung"(Kopfblatt der kommu- nistischen„Hamburger Volkszeitung") auf die Dauer von fünf Tagen verboten wegen Veröffent» lichung eines angeblichen Berichts über eine sozial- demokratische Mitgliederversammlung, in dem eine Beschimpfung und böswillige Verächtlichmachung der Lübecker Polizei erblickt wird. Auch die kom- muniftifche„Arbeiterzeitung" in Bremen ist auf die Dauer von 14 Tagen bis zum 13. Dezember verboten worden. ( Verleumder verurteilt Scheidemann-Beleidigung sechs Monate Gefängnis Nazi-Gefängnis von Hasselfelde Iner. 29. November Das Schöffengericht verurteilte am Dienstag den Kaufmann und Nazimann Anton Lamberti? aus Gerolstein wegen B e l e i d i» gung des Reichstogsabgeordneten PH. Scheidt mann zu sechs Monaten Gefängnis. In einer sozialdemokratischen Bersanmrlung hatte Lamberty behauptet. Scheidemann sei am 16. und 17. Mai 1917 in Holland gewesen und habe im Beisein des französischen Botschafters mit dem französischen Spion Leutnant Desgranges ver- handelt, damit kein« Lebensmittel und kein Kupfer mehr nach Deutschland eingeführt würden, um dadurch zum Ende des Krieges und zur Revolution zu kommen. Der Verteidiger des Angeklagten beantragte im Verlauf der Beweis- aufnähme den Oberpräsidenten N o s k e, Reichs- tagsabgeordneten Landsberg und Reichstags- abgeordneten D i t t m a n n als Jeugen zu laden. Sie sollten bekunden, daß die Sozialdemokratie im Kriege mit dem Spionagebüro Desgranges in Holland in Verbindung gestanden habe, und daß dieser Spion, der unter dem Namen Große der Sozialdemokratie angehört habe, mit Scheidemann auch beim Munitionsarbeiter st reit mitgewirkt habe. Das Gericht entsprach diesem Antrag«. Am Dienstag waren die Zeugen und Scheidemann als Nebenkläger erschienen. Scheidemann erklärte bei seiner Ver- nehmung, daß er im Kriege mehrfach Aus- landsreisen unternommen habe, aber immer im Einverständnis mit der damaligen Reichsregie- rung. Reichskanzler Bethmann-Hollweg habe ihn verschiedentlich gebeten, im Sinne des Friedens zu wirken. Desgranges habe er in seinem Leben nie gesehen. Am lö. Mai 1917 habe er im Reichstag gesprochen und am IS. Mai verschiedene Verhandlungen gehabt. Jedes Work der Behauptungen, er habe gegen die Interessen Deutschlands georbeiket, sei unwahr. Auch eine Propaganda im Sinne der Revolution müsse er entschieden oerneinen. Reichstagsabge- Mandfchukuo Völkerbundstagung am 6. Dezember Eigener Bericht des„Vorwärts" Genf, 29. November. Der Völkerbundsrat bat am Montag die Aussprache über den Mandschurei- Bericht der Lytton-Kommission beendet und die Streit- frage zur Beschlußfassung an die außer- ordentliche Vollversammlung des Völkerbundes überwiesen. Japan enthielt sich der Stimm«, well es das gesamte Verfahren auf Grund des Artikels 15 des Völkerbundspaktes für unzulässig erklärt. Außenminister H y m a n»- Belgien hat die außerordentliche Vollversammlung des Völkerbundes, die sich u. a. mit der Lösung des Mandschurei-Konflikts befassen soll, zum 6. Dezember einberufen. Dollfusi-Reaktion Deutschösterreichs Blend Die Arbeitslosenversicherung und-fürsorge in Deutschösterreich ist bereits so oft durch neue Ge- setze ergänzt worden— fast immer von den So- zialdemokraten zur Verlängerung befristeter Hilfsaktionen für Ausgesteuerte durchgesetzt—. daß jetzt die 28. Novelle gilt. Auch in ihr haben die Sozialdemokraten nicht verhindern können, daß zu den vielen Tausenden Ausgesteuerter immer neue Elendskandidaten gestoßen werden. Die Rechtsbürgerblockregierung aber hat soeben im Nationalrat erklärt, der Staat habe kein Geld, zu Helsen. Furchtbares Elend, das die Körper ausmergelt und den Geist zermürbt, lastet aus ungezählten Arbeitern und Angestellten„a. D.". Was noch an Exportmöglichkeit bestanden hat, ist durch die egoistisch-agrarische Zoll- und Ein- fuhr sperre Politik der Regierung zerstökt worden, noch dazu in einem Lande, dessen land- wirtschaftliche Produktion aus zwingenden Grün- den nicht imstande ist, das Volt zu ernähren. In S t e y r allein, der weltbekannten Industriestadt, hungern 8999 Arbeitslose mit ihren Familien! Die Währung Deutschösllrreichs hat infolge dieser„autarkischen" Verhältnisse im Ausland mächtig an Wert verloren, was auch nicht ohne Einfluß auf ihre innere Kaufkraft geblieben ist— Teuerung ist die unabweisbare Folge. Zu all der materiellen Not kommt die Erregung der Massen über offene Reaktion und dunkle Pläne einer Regierung, die den monarchistischen Heimwehrführer Fey gleich nach den von Hakenkreuzlern verschuldeten blutigen Er- eign'ssen in Wien-Simmering zum Staatssekretär ordneter Landsberg bezeugte, er halte für völlig ausgeschlossen, was in der Behauptung des Angeklagten aufgestellt werde. Das Buch Des- granges müsse er als ein Sammelsurium von Lügen bezeichnen. Desgranges habe aber in seinem Buch selbst gar nicht behauptet, was von dem Angeklagten vorgebracht worden sei. Ober- Präsident Roste erklärte, es sei ganz ausge- schloffen, daß Scheidemann im Kriege Reisen zwecks Schaffung von Verbindunoen mit dem feindlichen Ausland gemacht habe. Reichstags- abgeordneter D i t t m a n n bezeugte, daß Anfang 1918 kein Munitionsarbeiterstreik gewesen sei, sondern ein Proteststreik gegen die kaiserliche Regierung und gegen den Gewaltfrieden mit Rußland. Dieser Streik sei nicht von der USP. oder den Mehrheitssozialisten inszeniert worden. Er bestritt, daß es innerhalb der Mehrheitsfozialistijchcn Partei wie der USP. während des Krieges eine Gruppe gegeben habe, die mit dem feindlichen Ausland in Verbindung gestanden hat. Der Staatsanwalt betonte in seiner Anklage- rede, daß der angetretene Wahrheitsbeweis kläglich gescheitert sei. Die von dem Angeklagten aufgestellten Be- hauptungen seien objektiv unwahr. Der Vorwurf eines Landesverrats gegenüber einem Mann, der, wie Scheidemann, in Deutschlands schwerster Stunde auf verantwortlichem Posten ge- standen habe, müsse als unerhört bezeichnet werden. Er beantragte gegen Lamberty 9 Monate Gefängnis und Publikations- befugnis des Urteils in einigen Trierer und Gerolsteiner Zeitungen. In der Urteilsbegründung wird ausgeführt, daß der Wahrheitsbeweis völlig mißlungen sei, daß es dem Angeklagten nur darauf ange- kommen sei, die Gegenpartei verächllich zu machen. Der Angeklagte habe ohne ernsthafte Prüfungen seine Behauptungen aufgestellt. für— Sicherheit gemacht hat. Ganz überraschend fuhr Bundeskanzler Dollfuß mit noch zwei Ministern eines schönen Sonntags nach Buda- pest— angeblich zu rein wirtschaftlichen Der- Handlungen. Da jedoch der ungarische Minister- Präsident Gömbös eben erst eine Pilgerfahrt nach Rom,, dem Mekka aller Faschisten, hinter sich hat. wollen die Vermutungen nicht verstummen, daß über eine engere Gemeinschaft Italien- Oesterreich-Ungarn verhandelt wird. Das Volk aber, das seine Zukunft nur in der Verbindung mit der großen deutschen Republik sieht, will in eine derartige Sondergruppierung ebensowenig verstrickt werden wie in jene m o n a r ch i st i- s ch e n Gewebe, die in Ungarn offen von Staats wegen, in Bayern und Deutschösterreich zwar etwas verborgener, aber nicht weniger eifrig, ge- spönnen werden. Einen schäbigen Beweis ihrer Gesinnung haben die Dollsuß-Fey soeben geliefert, indem sie dem bekannten Schriftsteller Egon Erwin Kisch die Grenze nicht überschrellen ließen, als er einen längst angekündigten Reportervortrag in Wien halten sollte. Die Ausweisung des Reichs- bannerkameraden Prinz Löwen st ein wegen «Iniger antifaschistischer Worte ist noch nicht ver- gessen. Aber Hitlers Abgesandte können, ungehindert durch ihre Ausländereigenschaft, gegen die verfassungsmäßige und volksgewollte Demo- kratie hetzen und rüsten! Deutschösterreich zahlt Dollars aus! Wien, 29. November. Die Oesterreichische Nationalbank teilt mit, daß sie die am 1. Dezember fälligen Z i n s s ch e i n e und am 26. Oktober verlosten Schuldverschreibungen der Völkerbunds- anleih e ab 1. Dezember in Dollarnoten einlösen wird. Auch früher fällig gewesene Zinsscheine und verloste Schuldoerschreibungen dieser Anleihe, soweit sie noch nicht zur Ein- lösung gebracht wurden, werden in e f f e k- tioen Dollarnoten ausgezahlt werden. LiGA.- Vorschlag für Genf Geringe Erfolgsauss'cht Eigener Bericht des„Vormärls" Paris, 29. November. Wie Pertinax im„Echo de Paris" berichtet, Halen Herriot und Norman Davis- Amerika über folgenden Vorschlag zur Behandlung der Gleichberechtigungs- und Abrüstungsfroge beraten: 1. D.-utfchland joll die G l e i ch b e r e ch t i g u n g gewährt werden. 2. Diese Gleichberechtigung soll aber erst nach einer gewissen Zeit in Ose nstionalsorisIistivLbs /imtgriciitsr I�nicKsveurcis susoendiort, weil er mit dem Untersuciuingsgefangenen„Freiherr von Rabeneck'(in Wahrheit: Meizger) Autofahrten und Gelage veranstaltete. „Küß mir den Nazibub."(Postkartengruß Metzgers) Widerstand gegen AGA. Nationalistischer Vorstoß in der französischen Kammer Eigener Bericht des„Vorwärts" Paris, 29. November. In der Kammer kam es am Dienstagvormittag anläßlich der Beratung eines Gesetzentwurfs über die Genehmigung von Nachtragskrediten für das Budget 1931/32 zu einer bewegten Debatte über die Schuldenfrage. Der nationalistische Abgeordnete Marin wandte sich gegen die Beratung des Gesetzentwurfs, weil die von der Regierung angegebenen Gründe für die geforderten Kredite unzureichend seien. Der Gesetzentwurf entHalle u. a. eine Forderung von 1� Milliarden zur Ausgleichung der infolge des Hoooer-Moratoriums nicht eingegangenen deutschen Reparationszahlungen. An- gesichts des Fälligkeitstermins für die Schulden- zahlung an Amerika, meinte Marin, dürfe die Kammer diesen Kredit nicht bewilligen, ohne zu dem Schuldenproblem Stellung genommen zu haben Der Redner wies darauf hin, daß seiner- zeit bei der Ratifizierung des Schuldenabkommens mit Amerika«ine Entschließung angenommen worden war, die besagt, daß Frankreich an Amerika nicht mehr zahlen dürfe, als es von Deutschland erhalte. Auf Grund dieser Cnt- schließung müßte die Kammer jetzt klar zum Aus- druck bringen, daß Frankreich infolge des Fort- falls der deutschen Zahlungen nichts an Amerika zu zahlen habe. Der Vorsitzende der Finanzkommission, At a l o y, der Budgetminister Palmade und Unterstaatssekretär Paganon in Vertretung Her- riots baten Marin, auf den Antrag zu verzichten, da eine Debatte über die Schuldenfrage während einer Kreditberatung nichtamPlatze sei. Im übrigen wiesen sie darauf hin, daß Herriot ver- sprachen habe, die Kammer nicht vor eine voll- endete Tatsache zu stellen, sondern ihr noch vor dem 15. Dezember Gelegenhell zu einer Aus- spräche über die Schuldenfrag« zu geben. Marin bestand aber zunächst auf seinen An- trag und wurde darin von Franklin-Bouil- l o n unterstützt, der sich in seinem gewohnten Hetzton gegen den Poung-Plan und die Lausanner Abkommen aussprach. Auf Grund des Poung- Plans, so erklärte er, habe Frankreich Mainz geräumt und auf Grund dieser Räumung steuere man jetzt einem neuen Krieg entgegen.(Ledhafte Proteste links und in der Mitte.) Wenn die Kammer vor der Lausanner Konferenz dem Mi- Nisterpräsidenten mehr Macht in die Hände gegeben hätte, hätte er dort nicht auf die Reparationen gegen vage Versprechungen Englands und Amerikas verzichtet. Eine Debatte über die Schuldenfrage fei notwendig, bevor die Re- gierung einen Beschluß gefaßt habe. Schließlich machte Malvy dem Abgeordneten Marin den Vorschlag, seinen Antrag auf Ver- Weigerung der Zahlungen an Amerika in Form einer Entschließung einzubringen, über die die Finanzkommission in zwei Tagen Bericht erstallen werde, so daß eine Debatte im Plenum in kurzer Zeit stattfinden könne. Marin erklärt« sich damll einverslanden, worauf der Nachtrags- kredll in Höhe von 2,7 Milliarden Franken ge- nehmigt wurde. Di« Debatte über die Ent- schließung Marin wird wahrscheinlich am Freitag stattfinden. Sondersitzung des englischen Kabinetts London, 29. November. Die Sitzung des britischen Kabinetts, die den Text der Note an die Vereinigten Staaten vor ihrer Absendung erwägen wird, begann am Dienstagabend 9 Uhr. Man nimmt an, daß der Besuch des Premierministers beim König dazu diente, die Lage in der Schuldenfrage darzulegen. die Tat umgesetzt werden. Inzwischen sollen ge- wisse Sicherheitsgarantien ausgearbeitet und wenn möglich in Kraft gesetzt werden. Aus dem sranzösischen Abrüstungsplan soll vor allem der Vorschlag, die Reichswehr durch ein Volksheer mit kurzfristiger Dienstzeit zu ersehen. durchgeführt werden. Die anderen Kapllel des französischen Planes (Bildung einer internationalen Streit- macht usw.) werden als mehr oder weniger ideologisch betrachtet. 3. Das am 23. Juli von dem Hauptausschuß der Konserenz an- genommene Programm für die qualitative Abrüstung soll sofort durchgeführt werden. 4. Die amerikanische Delegation ist der Meinung, daß eine Verständigung über die vorher erwähnten Punkte zwischen Frankreich. England, den Ver- einigten Staaten und Italien Zustandekommen kann. Auf diese Weise würde Deutschland gezwungen werden, dem Abkommen zuzu- stimmen und Frankreich würde nicht mehr isoliert sein. 5. Ferner ist der Abschluß eines fran- zösisch-italienischen Flottenabkom- mens vorgesehen, das besagt, daß Frankreich nicht alle ihn, zugestandenen Ersatzbauten für die veralteten Schiffe" ausführt, wie das bereits jetzt der Fall ist. Auf dies« Weise wird die Ueber- legenheit der französischen Flotte gegenüber der italienischen etwas geringer. Pertinax fügt hinzu, er zweifle daran, daß Herriot auf diesen Plan eingehen könne. Denn sein Glaube an den Werl der amerikanischen Sicher. heitsgaranlien sei seit dem Tage erschüttert, an dem hoover trotz seines Versprechens vom Jahre 1931 die Unabhängigkeit der Schulden von den Reparationen forderte. Ferner schließe der Plan eine Verringerung der militärischen Macht Frankreichs gegenüber Deutschlands in sich und sei auch durch das französifch-italienische Flottenab- kommen für Frankreich ungünstig. Sinowjew lebt Die IVidesnachricht dementiert Die Berliner Vertretung der Telegraphen- agentur der Sowjetunion teilt mit: Die heule verbreitete Meldung über den Tod Sinowjews erweist sich nach offiziellen Informationen aus Moskau als den Talsachen nicht entsprechend. * Die falsche Todesmeldung stammt vom WTB., das in vertraglicher Verbindung mit der rusiifchen Telegraphenagentur steht und von dem man daher annehmen durfte, daß es nicht leichtfertig russische Nachrichten aus anderen Quellen verbreitet. Infolgedessen haben alle Berliner Abendblätter diese Meldung übernommen und kommentiert. Der französisch-russische Angrisfspakt wurde am Dienstagnachmillag im Quai d'Orfay von Herriot und dem russischen Botschafter Dow- galewfki unterzeichnet. H«rriot und Dow- galewski hielten kurze Ansprachen, in denen sie der Hoffnung Ausdruck gaben, daß der Pakt zur Herstellung vertrauensvoller Beziehungen zwi- scheu Frankreich und Rußland und zur Befesti- gung des Friedens beitragen werde. Das historische Ereignis wurde getan filmt. Damen- Handschuhe - Leder- Imitation,, mit Glacenaht, mod. Schlupfform r Unterziehschlüpfer** yie für Damen, fein gewirkt____ Stück W/49 Damen• Hemdchen �, c fein gewirkt............... Stück W/OO Damen-Schlüpfer Baumwolle, mit angerauht. Puffer ä Qff und Kunsfseideneffekfen....Sföck W/7� Damen-Schlüpfer kunsfseidene Decke, mit angc- 1 OC rouhfem Putter.............. Stuck 1/�6*# Herren- Unterhosen. Am lang, wollgemischt........... 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Zusammenkünfte erwerbsloser Bartewiitglieder, Willdenowstr. ö.„Innenpolitische Information", Referent- Eottlieb Reese. Unterhaltungsteil: Eisriede Wollmann. Putbusser Str. 22: „Gemerkschast und Partei vor neuen Kampsausqaben", Referent Siegfried Leo. llnterhaltungsteil: Genosse Klee.— Kreisbildungsausschuß: Heute Sitzung und Broschürenabrechnung bei Senkel. Utrechter Ccke Turiner Straße. Die Mitglieder des Kr. B. A. nehmen geschlossen an der Kultur. fagung am Sonntag, 4. Dezember, 9 Uhr, im Plenarsaal des Berliner Rat» Hauses teil. Pflichlveranstaltung. ». Kreis. Die erwerbslosen Parteimitglieder fressen sich heute, IIa, Uhr, Platz der Republik 4, zur Besichtigung der Gerharf-Hauptmann. Ausstellung. It. Kreis. Donnerstag, 1. Dezember, 16 Uhr, Zusammenkunft erwerbsloser Parteimitglieder bei Will, Martin-Luther.Str. 69.„Der Wiederausbau des Islam im Orient", Referentin: Er»» Büsing. 13. Kreis. Donnerstag, i. Dezember, 20 Uhr. bei Görlitz, CHauiseestr. 19, Sitzung des Bildungsausschusses. sIugendweihekommission 18'- Uhr ebeirdori.) 18. Abt. Heute, 20 Uhr, Zusammenkunft jüngerer Parteimitglieder Schönstedt- straße 1.— Donnerstag, 1. Dezember. Sitzung der BezirksfUhrer, Zertungs» kommissionsmitglieder und der Mitglieder des Eonderdienstes bei Sorgatz, Userstr. 12. 1«. Abf. Die Sitzung der BezirksfUhrer findet erst am 6. Dezember bei Schrepel statt. 38. Abt. Heute, 20 Uhr, bei Pohst, Stargarder Ecke Lpchener Straße, Zu- sammenkunft jüngerer Parteimitglieder.„Die Ausgaben der jungen Gene- ration", Referent: Genosse Fränfel. 38, Abt. Heute Sitzung des Abteilungsovrstandes bei Werialla, Hohenlohestraße 3. Sl. Abt. Heute, 20'; Uhr, Zusammenkunft jüngerer Parteimitglieder bei Klabe. Handjerostr. 60—61.„Grundprobleme des Marxismus", Referent: Genosse Gurewitfch. 92. Abt. Freitag. 2. Dezember. 20 Uhr. bei Behm, Wildenbruchstraße Ecke Köllnisches Ufer, Ausspracheabend für Funktionäre jüngere und interessierte Parteimitglieder.„Gewerkschaften und politische Gegenwartsfragen", Refe- reni: Franz Spliedt. M. d. R. 98. Abt. Donnerstag, 1. Dezember, Agitatronstruppe im Keller, Hannemann. straße 40. 101. Abt. Freitag 2. Dezember, 16 und 19 Uhr, im Gewerkschaffshaus, Saal 4 und Z. Engelufer 24—25, Frouenkundaebungen des Konsums, verbunden mit ModeoorfUhrungen und Warenausstellungen. Die Genossinnen werden um regen Besuch der Beranstaltungen aufgefordert. Anschließend Mit- gliedervm'ammlung bei George.„Die Partei vor neuen Aufgaben", Refe- rent: Dr. Rudolf Breitscheid. M. d. R. 124». Abt. Heute, 20 Uhr, Funktionärsitzunq bei Draber. 138. Abt. Donnerstag, 1. Dezember, Mitgliederversammlung im Schützenhaus, Residenzstr. 1.„Die Partei vor neuen Ausgaben", Referent: Rud. Wissel, M. d. R. Vezirksausschuh sür Arbeiterwohlfahrt. 7. Kr«!« Eharlottevburg. Freitag, 2. Dezember, 20 Uhr, im Jugendheim Eharlottenburg, Rosinenstrasie, Sitzung der Arbeiterwohlsahrt. 14. Kreis Neukölln. Mittwoch. 80. November, 18 Uhr, im Parteibüro, Fulda- straße, Sitzung der Arbeiterwohlfahrt. Besprechung Uber die Winterhilfe. Erscheinen der Abteilungsleiter unbedingt erforderlich. Arbeitsgemeinschaft der kindersreunde. | Kreuzberg: Heute Bastelkreis an bekannter Stelle. Alle Falken, die , bisher gebastelt haben, müssen erscheinen, da die Arbeiten sür die . AW. schnellstens beendet werden müssen. Ablieferungstermin: ' 8. Dezember.— Voranzeige! Donnerstag, 1. Dezember, : Iln.j Uhr, Elternabend der Abt. Görli�er Straße im Heim der Partei, Schlesische Str. 42. Alle Eltern müssen erscheinen, da wichtige Tagesordnung Prenzlauer Berg: Heute spielt der Rote Kasper um 17V. Uhr in der Schul- aula Danziger Str 23. Eintritt für Äinder IV Pf., Erwachsene 15 Pf., Kinder Erwerbsloser 5 Pf. Gäste herzlich willkommen. Eharlottenbura: Achtung, Rote galten! Heute. 17 Uhr, im Kreisheim, I.-Hilfe-Kursus. Am Sonnabend, 16 Uhr, daselbst Falkenvollversammlung, an- schließend Probe zur Wintersonnenwende. Alle Falken müssen erscheinen. Treptow. Abt. Laura de Basis: Achtung, Iungfalken! Heute, Mittwoch, 17 Uhr, Falkenratssitzung an bekannter Stelle. Hohevschöuhausen: Heute, 17»,£ bis 19i� Uhr, im Heim Altes Schloß. Sterbetafel der Groß-Berliner Partei-Organisation 32. Abt. Am 25. November verstarb unser Genosse Bruno Iablonski. ETjre seinem Andenken! Beerdigung heute, 15V. Uhr, Ct.-Andreas-Friedhof, Hohenschönhausen, Berliner Straße. Um rege Beteiligung wird gebeten. 111. Abt. Unser alter braver Genosse Paul S ch i f f l e ist im Alter von 66 Iahren gestorben Ehre seinem Andenken! Einäscherung Donnerstag, 1. De- zember, 13 Uhr, Krematorium Baumschulenweg. Vortrage, Vereine und Versammlungen Reichsbanner„Schwarz-Roi-Goid". G e| ch ä f t s Ü e l l e: Berlin S. 14 Sebastionstr. 37—38. Hof 2 Tr Kreis Westen: Donnerstag, 1. Dezember. 19»� Uhr, Charlottenburg, Edenpalast, Kaiser. Friedrich-Str. 24. Die Spielmannszüge Tier- tten, Charlottenburg, Spandau, Wilmersdorf, Zehlendorf und Schöneberg zur Kreisübungsstunde.— Weißensee-Hohenschönhausen lOrtsverein): Freitag, 2. De- zember. 2v Uhr, Mitgliederversammlung bei Huckwitz. Referent: Kam. Major Heinrich.— Weißenseo lOrtsverein): Unser Kamerad Ludwig Hodapp ist ver- starben. Einäscherung Mittwoch. 30. November, 16V. Uhr. im Krematorium Gerichtstraße. Treffpunkt 16>'< Uhr. Beteiligung Ehrenpflicht. Arbeiter-Stenographenverein Groß-Berlin. Uebungskurse in verschiedenen Geschwindigkeiten sowie Redeschriftkurse in Reichskurzschrift.— Norden: Schul- straße 99. 60—110 Silben. Montags 10% Uhr.— Nordosten: Jugendheim Dan. Pilger Str. 62. Dienstags 20 Uhr. 100— 150 Silben, Debatte.— Neukölln: Karl. Marx-Schule, Kaiser-Friedrich-Str. 209—210. Donnerstags 19V6 Uhr. Bund deutscher birnverletzter Krieger e. V.. Be'irksgruppe Berlin und Mark Brandenburg. Am Freitag, 2. Dezember, pünktlich 19� Uhr. Monatsversamm. lung im Vereinslokal E. Brandenburg, Berlin C. 2, Strälauer Str. 3— 6. Aerzt. licher Vortrag von Herrn Dr. Fritz Frankel über„Hirnerkrankungen". Deutsche Kakteen-Gesellschait E. D.. Ortsarnppe Berlin. Freitag. 2. Dezem- her, 19»-? Uhr, Restaurant„Wilbelmshof". Anhalter Str. 12, Lichtbildervortrag Dr. WAbermann:..Meine Brasilienreise 1932". Theater am Baiewpiatx Norden«536. Letzte 3 Vorst., 8f4 Uhr C JV hl Dil von Marcel Pagnoi ■•• TU TM» Deutsch von Bruno Frank— Regie: Heinz Hilpert Dorsch, Tiedtke, Valetti. Siedel, Ver- hoeven, Stein, Almas Longleslow Engllsli Ilebating Club. Biüowstr- 104; Heute abend. Uhr: Oeneral dtäcussftm;, what I like and dislilfe in mV profest. ion". Oäst« will- kotnmen, Thcfiler Mittwoch, den 30. November staatsoper unter den Linden 20 Uhr Wozzeck staatliches scnauspielhaas 20 Uhr Nathan der Weise TSglith 5 u. fVs Uhr Heule letaler BUSTER WEST Der komischste Tänzer der Welt CONCELLOS Die Köni{e d.Luft MAX ADALBERT FR. GRÜNBAUM USW. PtAZA in. 8", Stgs.2. U15ü. Heute letzter Tag! Die Bajadere Renaissance-Tti. Stcinpl. 6780 Täglich SV'i Uhr Uebcr 215 x Truppe Die mauseiaiie Mittw.u.S9gnabl4Uhr Schneewittchen Lessing-Tiieater Täglich SV« Uhr; Grete Mosheim Oskar Homolka in Pygmalion Deutsches Theater Weidend. 5201 Heute geschloss Donnerstag, 8 Uhr Premiere Harmonie von FranzMolnar Inszen, Max Reinhardt Kammerspiele Täglich 8 Uhr yorletrtc Vorstellmig flldiaet Krämer von Gtrhart Hauptmann Klöpfer, Melzer, Driesch, v Platen, Kaiser. Liebeneiner i-Theaier id.- IStresemannsir. | Täglich SViUht Zu wabi. uinsiliizuseiD v. G. B. Shaw Moissi, von Thell- mann, Bertens, Evans,Oito, Sima, Wiemann, Deppe, de Kowa. Sonnt, nachm. 3 Uhr bill. Preise Heute 4 Uhr: RoiintaswuiiMian! Reise Ein Weihnachtsspiel für Kinder Preise von 60 Pf. ab »■/.Uhr CflSinO-THEflTEa" Lothringer Stratzc 37. ifaetiniimfiiiiiiiutiiiiiiMiiniiMiiiiiiMiiiiiiiiiiiimiininiitiinmil Nur noch bis Freitag: Die Liebe biiibt in Werder Sonnabend zum 1. Male auch Sonntags 4 Uhr Alles um Lolti Schlager-Posse m. Gesang u.Tanr Für die Leser Gutschein 1—4 Personen, Parkfett OöO. FatfteuJI 0.7s, Sessd 1,25 ssL WintQ,. • Garten• 8 Diu 15. Flora 3431. Raodin crlanlit. Birkmeyer und sein Wiener Ballett 3 Arconas, 2 Burley's Hans Kolischer, 10 Brox, Yra&. Ottare usw. Orfskrankenkasse Iflr die Gevem? der Tisdiler und Pianolortearkeiter zu Berlin SO 30. OranlenstraRe 30 Eialadnn� zur ocbcanidtzen Ausschußslhnng am Donnetatag, dem 8. Dezember, l6>/. Ahr, im Kassen lokal 8086. Oramsnftc. 39.— Sogesotbnung: l. Festsetzung des Bor- anschlags für das Rechnungsjahr 1983 2 Wasst des Rechnungsausschusses zur Prüfung des Rechnungs- u Gefchästsabschiusses für das lausende Jahr. 8, Sokunas anderung und Aenderung der'Wahl- vrdnung. 4. Berschiedenes. Der«orstand: Hennann Ehrlich. Parsitzender. 8lsal.oper Cbarlanendurg Fraunhofer 0281 Mittwoch, 80.NOV. 20 Uhr Turnus III Oer Schmied von Gent Rode. Müller. Friedrich, Steier, Burgwinkel, Gonszar, Oombert, Quttmann. Baumann Dirigent: Breisach Schiller Bismarckstr. sllsies äteinpl.(Cl) 6716 814 Zum 48. Male Robert und Bertram Alfred Braun, Paul Heldemann, Senta Söneiand Stg. 4. Der. UV- LiteramAes Matinee Zeitungsnotiren von E. Kalkowska T h e a 1 1 Komödientiaus Schiftbauerdamm 25 0 2 Weidend. 6304—05 8H Uhr Kasimir und Karoline Deutsches Künstler-Th Xürnberger Str. Tel Bavaria 6466 Tägl 8'/i Uhr Leopoldine Konstantin in: Die Nacht zum 17. April Schroth, Steinbeck Gebühr, Brionne, Wolle. Picha Tkeater im Admlralspaiast Merkur 9901 Täglich 8Ü» Uhr Hans Albers L i 1 i om Theater des Westens Steinpl. 5121 Täglich 81« Uhr Oer Sensatitnserfest Katharina WE I H NACHTS- HB � 50. gewinne im werte von 450000». ZIEHUNG: ZauZl DEZ.1932 ARBEITER-WOHLFAHRT Lose zu haben: Bei den Kreisleiterinnen der Arbeiterwohlfahrt, Verkaufsstellen der Konsum-Genossenschaft, Vorwärtsfilialen, Wertheim,'Siriger und Harmann Tietr Wir erfüllen die schmerzliche Pflicht unseren Baugenossen mitzuteilen, daß unser Vorstandsmitglied Paul Schiffke am Sonntag, dem 27. November, verstorben ist. Wir verlieren in ihm einen Mitbegründer und treuen Mitarbeiter, der in Snjähriger, uneigennütziger Tätigkeit seine-ganze Kraft der Genossenschaft zur Verfügung stellte. Durch sein Wirken und seinen lauteren Charakter hat er sich selbst ein dauerndes Denkmal in unser aller Herzen gesetzt Die Trauerfeier findet am Donnerstag. dem 1. Dezember, 13 Uhr, im Krematorium Baumschuenweg statt ArlieiterbaugenossensiM„Paradies" zu Berlin-Bohnsdorf, E. G. m. b. H. }. A.: A. Welcker, ö. Dorner, Verband der Budibinder und Papierverarbeiter Deutsdriands Am Sonntag, dem 27 November, verstarb nach kurzem Leiden im Alter von 66 Jahren unser langjähriger Freund und Kollege Paul Schifike Berlin-Bohnsdorf, Paradiesstraße 5. Viele Jahre war er als Funktionär des Verbandes in vorbildlicher Weise tätig. Noch bis zu seinem Tode hat er Funktion im Oesellenausschuß ausgeübt. Wir. werden sein Andenken in Ehren halten! Die OrtsverwaUang, Einäscherung am Donnerstag, dem I. Dezember, 13 Uhr. in Baum- schulenwee.— Um rege Beteiligung wird geteten. Stettiner Sänger Reichsballen-Theater 8.15 Sonntag 3.30 rn ermäßigten Preisen. meiodie des giocks und das November-Programm KÄKabafettfiMe 14 Uhr Täglleii* 9 Uhr Dassensati sn eile Kabarett-Programm Abendpreise 1— 3 Mk. Nachm. Gedeck 1.25 Jede« Sornabend 1 1 � Uhr: Hachlvorttelhin� KLEINE ANZEIGEN iiimmiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiimiiimiiiiimiiiimiiiimimimmmmiimiiiimi P reite; Uherschrlftswort 30 Pf., Textwort 10 Pf. Wiaderholungsrabatt: 5 mal 5%, 8 mal 7'/,%, 12 mal 10%, oder 1060 Worte Absdtluß 10%, 2000 Worte 15%, �000 Worte 20%. Annohme durch den Verlag, Undenttr. 3(V:9 bis 5 Uhr), sämtliche Vorwärts-Filiolen u.-Ausgabestellen, sowie alle Annoncen-Expeditionen uerHame 3i Kachherbe jeder Art u. Größe Riesenauswahl. Zeilzahlung. traue. portable Kachelöfen, Bademannen-Oefen. K-sselöfen. Die alte Firma Temmler und Blepberg, Dresdenerstraße 99. Iannawttz V 7 665L Ltnaleum sztllat. Kolonie- straße 9. Kachelöfen, transportable. 35,— an. Großmaun, Prinzenstraße 99. KiHlilrslkbU-Tii- Knrfürstendamm 209 Tel Bism. 1400 Tfigl. 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NOV. 1932 Kann Berlin sich noch selbst helfen? �Vie 6ie LparsctirsuKe angesetzt wird— Notwendige Arbeiten bleiben liegen An, Donnerstag wird der Berliner Etat voraussichtlich in dritter Lesung verabschiedet werden — so oder so. Die Stellung der Varleien zu diesem Haushalt der Not ist bekannt. Auch die Beratungen der dritten Lesung haben in der Stadtverordnetenversammlung kein neues Moment kritischer Betrachtung gebracht. Dagegen sind diesem Etat in der Presse zwei Kritiker in zwölfter Stunde erstanden, die mit gänzlich neuen Argumenten gegen ihn zu Zelde ziehen. So wird in einer Montagszeitung errechnet, daß alle Ersparnisse dieses Sparhaushalts nur eine „optische Täuschung" seien und daß noch ganz andere Maßnahmen zum Ausgleich des Haushalts ergriffen werden müßten und könnten— selbst nach Ueberwindung der Wirt- schaftskrise. Der andere Kritiker, ein Mann des „Tatkreises", verlangt nicht mehr und nicht weniger als daß das Kapitel„Z i n s e n d i e n st" rund und schlicht gestrichen werde! Die beiden Ratgeber stimmen also darin überein, daß die Stadt sich auch heute noch auseigenerKrast helfen könnte. Was ist daran Wahres? Der erste Radikalkritiker rechnet aus einer er- ftaunlich oberflächlichen Gegenüberstellung der Ausgaben in den Jahren 1930/31 heraus, daß die Ausgabensenkung„zum großen Teil" auf das Konto„W o h n u n g s w e s e n" entsalle und daß hierbei nur der„durchlausende Posten" der Haus- zinssteuer weggesallen sei, da die Stadt vom Reich keine fjauszmssteuer mehr erhalte. Es werde also eigentlich gar nicht gespart. Ein ganz närrischer Schluß, dem ja alle Ersahrungstatsachen, alle schmerzlichen Einschränkungen aus den Gebieten der Schule, des Gesundheitswesens, der Besoldung und den übrigen Ausgabengebieten der Stadt ins Gesicht schlagen. Wenn man die Ausgabensenkung in ihrem Wesen und in ihrem Ausmaß richtig beurteilen will, muß man die W o h l s a h r t s l a st e n und den übrigen Haushalt gesondert betrachten. Und um sich vor dem Irrlicht„durchlaufender" Posten zu schützen, muß man die Ausgaben nicht allein betrachten, sondern in ihrem Verhältnis zu den Einnahmen, d. h. man muß den sogenannten „Z u s ch u ß b e d a r f" der ein zelnen Verwaltungs-> gebiete miteinander vergleich i n;'" Wie rigoros gespart wird Der Zuschußbedars aller übrigen Per- waltungsgebiete außer der Wohlsahrt ist in den zwei Jahren seit 1930 von 282 Millionen Mark aus 189 Millionen, also um genau 33 proz. gesenkt worden. Hieran ist die Schule mit 30 Proz. svon 121 auf 80 Millionen), das Ge- sundheitswesen mit 44 Proz.(von 50 auf 28 Millionen), die B a u v e r w a l t u n g mit 33 Proz. beteiligt. Ist das wirklich nichts? Ist das nur eine„optische Täuschung"? Der Zuschußbedars der wohlsahrl ist in der gleichen Zeit von 238 aus 324 Millionen gestiegen, also um 36 Proz. Und der Steuer ertrag sank von 498 aus 389 Millionen. Der Kritiker des Montagsblattes folgert aus seiner oberflächlichen Rechnerei, daß die Stadt auch in besserer Zeit mit ihren jetzigen Ausgaben nicht auskäme. In Wirklichkeit lehrt ein einziger Blick auf diese Zahlen, daß Berlin selbst aus dem jetzigen abnorm niedrige» Steuerertrag außer diesen Ausgaben noch den Zuschußbedarf der Wohlfahrtspflege etwa in der Höhe des Jahres 1929<190 Millionen) decken könnte. Nur die un- mögliche Aufbürdung der gesamten Wohl- f a h r t s l a st e n in dieser Krisenzeit führt zu den unmöglichen finanziellen Zuständen der Städte. Und die Ausgaben sind so weit gesenkt, daß sie ohne schwerste Schädigungen keinesfalls mehr lange auf diesem Tiespunkt gehalten werden können. Es bleibt schon dabei: die Städte haben getan, was sie konnten. Und insbesondere Berlin hat im letzten Jahre eine finanztechnische M u st e r l e i st u n g unter schmerzlichstem Ber- zicht auf die Erfüllung wünschenswerter und sogar notwendiger Ausgaben vollbracht— aber es ist nun auch am Ende feiner Kraft und kann sich nicht mehr selber helfen. Also— sagt der„Tatrreis"-Kritiker— die Zinszahlungen einstellen! Und mit diesem Gelde ein Arbeitsbeschaffungspro- g r a m m finanzieren. Zur Durchführung eines solchen Programms dürfte es nur nach der Ein- stellung des Zinsendienstes nicht mehr kommen! Sollte sich der Schreiber nicht vorstellen können, welche unmittelbaren und sofortigen Folgen die erklärte Zahlungsunfähigkeit der deutschen Reichshauptstadt haben würde und haben müßte? Und würde die mit soviel Inbrunst herbeigesehnte „berussständische Bürgerschaftsvertretung" auch nur eine von diesen Folgen abwenden können? Wenn Berlin seinen Schuldendienst einstellen würde oder besser müßte, so hätte das Reich selber jedenfalls dabei weit mehr zu zahlen, Brand im VerKangnisvoIIe Zigarette Bei der gestrigen„F a u st"- p r o b e im Slaallichen Schauspielhaus am Gendarmenmarkt entstand gegen 15.30 Uhr durch die Unvorsichtigkeit eines jungen Schauspielers Feuer, das um ein haar schwerste Folgen gehabt hätte. Ulit ge- söhrlichen Brandverlehungen, mußte der 20jährigc Schauspieler E r i ch Schwarz aus der Fasanen� straße 44 in die Eharltö gebracht werden. Der plötzliche Feueralarm hatte unter den zahlreich anwesenden Schauspielerinnen und Schauspielern größte Aufregung verursacht. Die probe mußte abgebrochen werden. Entgegen dem strengen Rauchverbot zündete sich Schwarz während einer kurzen Pause in der Chorsängergarderobe eine Zigarette an. Dabei fiel ihm das Zündholz aus der Hand und setzte sein Kostüm, das aus leichten Stoffen be- stand, in Brand. Lichterloh brennend eilte der Unglückliche auf den Gang hinaus, wo Kollegen, die durch die gellenden Hilfeschreie alarmiert worden waren, hinzueilten. Geistesgegenwärtig öffneten einige Männer den Hydranten und be- wahrten dadurch den bereits bewußtlos am Boden Liegenden vor dem Flammentod. Schwarz hatte am ganzen Körper schwere Berbrennun- gen erlitten. Besonders im Gesicht sind die Wunden sehr schwer, da die aufgeklebten Bart- haare und die Perücke in Flammen aufgingen. Der Schwerverletzte wurde in die Charit« gebracht. Aus dritte» Alarm war Oberbaurat F o o t h von der Wache Hasenplatz mit drei Löschzügen an die Brandstelle geeilt. In der Zwischenzeit war das Feuer, das auf einige Garderobenstücke über- wären seine eigenen finanziellen Verluste weit höher als' bei einer vorsorglichen Hilfe- l e i st u n g. Daran würde kein noch so schönes kommunales Arbeitsbeschafsungsprogramm auch nur einen Deut ändern. Es ist nun eben heute leider so, daß keine Stadt, auch nicht die Reichs- Hauptstadt, von sich aus in der Frage der Arbeits- beschasfung irgendeinen entscheidenden Schritt tun kann, weil in den Gemeinden jeder Pfennig neben Löhnen, Gehältern und Schuldendienst für die Ausrechterhaltung der 11 n t e r st ü tz u n g e n und Fürsorgeeinrichtungen gebraucht wird Die Hand am Hebel der Arbeitsbeschaffung hat allein das Reich— und die Sozialdemo- k r a t i e hat es nicht an Mahnungen und Warnungen, aber auch nicht an Vorschlägen fehlen lassen. Bürgschaften ber Stadt In der„guten" Zeit hat die Stadt Berlin in zahlreichen Fällen für Vereine Bürgschaften übernommen. Jetzt, da die Pleite regiert, sind auch angesehene und ehemals finanziell starke Vereine in Schwierigkeiten geraten und die Stadt muß nun auf Grund der geleisteten Bllrgschast einspringen. Der erste Fall dieser Art beschäftigt« den Haushaltsausschuß der Stadtverord- netenversammlung. Es handelt sich um einen Tennisklub, die verbürgte Summe beträgt 7000 M. Der Ausschuß vertagte seine Entscheidung, um durch ein juristisches Gutachten erst die Rechtslage genau seststellcn zu lassen. gegriffen hatte, von der ständigen Hauswachc ge- löscht worden. Man kann von Glück sagen, daß der Vorfall, der sich im dritten Stockwerk ab- spielte, nicht noch schwerere Folgen nach sich gezogen hat. Der Unglücksfall erbringt wieder einmal den Beweis, wie berechtigt das scharfe Rauchverbot in allen Theatern und Licht- spieltheatern sowie in den Film- a t e l i e? s ist, besonders bei den letzteren, wo Arbeiter und Komparsen, die beim Rauchen er- wischt werden, rücksichtslos auf die Straße fliegen. während manchem allgewaltigen Regisseur, sowie mancher und manchem Prominenten das Rauchen nachgesehen wird. Der Vorfall wird der Inten- danz des Staatlichen Schauspielhauses erneut Ver- anlassung geben, noch schärfer als bisher, für die Einhaltung des Rauchverbots Sorge zu tragen. „Pankgrafen" Oer Oeberkall auf den Kutscher Der schwere Raubübersall. der sich am vergangenen Freitag in der Mllestraße in Borsigwalde aus den Kutscher Kurt Eberl abgespielt hatte, wurde jetzt durch die Beamten des Raubdezernats aufgeklärt. Als Täler wurden ermitlell der 23 Jahre alte Fritz weiland aus der Bürgerstraße, der 20 Jahre alte Q u a l i tz aus der pankstraße, der den Spitznamen„Slubing" führt. und der 19 Jahre alle Martin Waller, genannt„der Mixer". Alle drei stammen aus Reinickendorf. Sie sind überführt und geständig. Bei de» Tätern handelt es sich um Mitglieder des Vereins der„P a n k g r a f c n". Die Mit- glieder sind sämtlich junge Burschen, denen sich andere des aufgelösten Vereins„F est« S) an d" und des„Roten Panther s" angeschlossen hatten. Der„Vorstand" der vereinigten Gruppen ist 19 Jahre alt. Wie noch erinnerlich, war der Kutscher mit einem Einspänner durch Reinickendorf gekommen und hatte die Wittestraße in Borsigwalde passiert. Plötzlich sprangen ihm ein paar Burschen entgegen, hielten das Pferd an, schnitten dem 54utsch«r die Geldtasche ab und flüchteten. Sie hatten 574 M. erbeutet. Die Räuber hatten Gas- und Schreckpistolen bei sich. Als sie die Tasche mit dem Gelde erbeutet hatten, rannte Martin wie ein Wilder mit der Beute davon und flüchtete in Richtung zum dortigen Russenfriedhof. Er hatte eine Gaspistole bei sich. Als er die Mauer des Friedhofs überklettern wollte, rutschte er aus— und die Pistole ging los. Von dem Gasnebel wurde er betäubt und blieb eine ganze Weile liegen. Später vergrub er die Tasche. In der Nacht noch wurden die„Pankgrasen" benachrichtigt und eine Abordnung ging die Tasche holen. Dann wurde in der Brunnenstraße die große � Zecherei veranstaltet. 90 000 M. veruntreut S1� Jahr Gefängnis Dresden, 29. November. Vor dem Dresdener Schöffengericht hatte sich der langjährige Kassierer der Sektion Dresden des Deutschen und Oesterreichischen Alpenvereins, An foul, wegen der umfang- reichen Unterschlagungen zu verantworten, die im Juli dieses Jahres aufgedeckt wurden und damals großes Aufsehen erregten. Die Höhe der Unter- schlagungen ließ sich bisher noch nicht genan er- Mitteln; sie wird aber auf mindestens 80 000 bis 90 000 Mark beziffert. Ansoul war Ende Juli bei Aufdeckung der Unterschlagungen ge- flohen, wurde aber am 30. Juli von der Kriminal- polizei auf dem Dresdener Hauptbahnhos ver- haftet. Das Urteil lautete auf drei Jahre drei Monate Gefängnis und drei Jahre Ehrenrechts- verlust. Förster ermordet Mordhominission an der Arbeit G l e i w i h. 29. November. Der Revierförster Wendel aus Kupferhammer wurde im Jagen 71 des Reviers Brzezinka ermordet aufgefunden. Sein Hund lag erschossen neben ihm. von den Tätern fehlt vorläufig jede Spur. Sämlliche Anzugtaschen des Försters waren leer. Ob der Tod durch Schuß oder hieb eingelrelen ist, konnte bei der vorläufigen Untersuchung noch nicht einwandfrei festgestellt werden. Revierförster Mendel hat sich am Sonntagnachmittag allein zu einem Streisengang vom Hause entfernt. Etwa eine Stunde später wurden drei Schüsse gehört. Der Mord wird zur Zeit von einer Berliner Mordkommission untersucht. Auf Ersuchen der Gleiwitzer Staatsanwaltschaft wurde vom Landeskriminalamt Kriminalkommissar Dr. Bern- darf zur Untersuchung entsandt. Die Forst grenzt an das Gleiwitzer Stadtgebiet. Mendel hatte am Vormittag seinen Rundgang angetreten und seine Frau davon unterrichtet. Sie glaubte später in weiter Entfernung zwei Schüsse zu hören, denen ein langgezogenes Heulen folgte. Wahrscheinlich ist zu dieser Zeit der Förster mit den Wilderern zusammengestoßen. Schauspielhaus — Junger Schauspieler schwer verletzt KS Mk ä f-l»s? t 4101t CauH*■■ Ä Ällra W 0 1 mm m UHV/V'ff®* KÖNIGIN-jü . Der verschwundene Bankdirektor Die Zpe�nladcmen des Direktors Schäfer in Düsseldorf Die Unfccfdjlaqunqcii des flüchtigen Direktors her Düsseldorfer Jt eben f( eile der Deutschen Bank und Discontogefellschast, S chaser. wachsen sich immer mehr zu einem Skandal aus. Durch ein Mißgeschick bei dem Versuch, den Fall zu vertuschen, kam die Sache überhaupt erst an die Oessentlichkeit. Am vergangenen Freitag vor acht Tagen fuhr der Leiter der Düsseldorser Palizeipressestelle im Austrag des Düsseldorfer Polizeipräsidenten mit dem Auto bei den örtlichen Zeitungen vor und bat sie, eine kleine, nicht amt- ttch gehaltene Notiz über das Verschwinden cchäfers auszunehmen. Darin stand, Schäfer sei von einer Geschäftsreise nicht zurückgekehrt. Er habe, da eine Asthmakur in Reichenhall erfolglos gewesen sei, an seelischen Depressionen gelitten. Seine Familie sei in großer Sorge. Ausdrücklich bat der Polizeiosfizier, die Zeitungen möchten die Notiz möglichst unausfällig bringen. Die Notiz erschien und wurde vom Betrugs- kommissariat der Kriminalpolizei gelesen. Ohne zu wissen, von wem die Notiz ausging, g r i s s d i e .Kripo ein, weil sie Verdacht schöpfte. Im Ge- spräch mit dem Generaldirektor Wupperma n n von der Deutschen Bank wurde tatsächlich auch er- wähnt, Schäfer habe aus Kassel an die Bank und an seine Frau geschrieben, er habe Verfehlungen begangen und kehre aus Angst, zur Rechenschast gezogen zu werden, nicht mehr nach Düsseldorf zurück. Schäfer war da schon zehn Tage flüchtig. Diesen Brief beschlagnahmte die Kripo. Gleich- In wenig Worten Wie aus Bandong aus Java gemeldet wird, ist der Vulkan K r a k a t a u wieder in sehr starke Tätigkeit getreten. Innerhalb von 12 Stunden wurden 323 Ausbrüche beobachtet. Die Be- wohner der Insel sind in großer Angst und bereit, jeden Augenblick zu fliehen. Einer der Ausbrüche am Montag erreichte eine Höhe von rund acht- hundert Metern. * Aus der Oker bei Braunschweig wurde die Leiche eines gll- bis büjährigen Mannes, offenbar eines Arbeiters, geborgen, die etwa ein Dutzend schwer« Schlagoerleßungen auswies. Soweit bisher ermittelt wurde, ist der Mann im Lause der Nacht im Bürgerpark ermordet worden. * Die Provinz Coquimbo in Chile ist von einem Erdbeben heimgesucht worden, das so heftig war, daß auch in Santiago selbst Erdstöße ver- spürt wurden. Eine ganze Anzahl von Personen ist verletzt. * Unter dem Verdacht, seine 40jährige Geliebte Elisabeth M. erwürgt zu haben, ist der 47 Jahre alte Albert M e h l h a s e von Beamten der Mordkommission verhaftet worden. M. wohnte mit der Frau zusammen in einer Laube aus einem Kleingartengelände in Hohen- schönhausen. Am Freitag voriger Woche wurde Frau M. ins Krankenhaus eingeliefert. Bei ihrer Aufnahme konnten die Aerztc nur noch den Tod feststellen. Bei der Untersuchung wurden am Halse der Leiche Würgemale entdeckt. ie Der 44 Jahre alte Zigarrenhändler Ncssau in Aachen erschoß in der Nacht seine K8jährige Mutter und tötete sich dann durch einen Brustschuß. Aus hinterlassenen Briefen geht hervor, daß Nessau aus wirtschaftlicher Not gehandelt hat. •k Am Dienstag ereignete sich im Fläz 10 der Zeche F u r st L e o p o l d B a l d o r bei Hervest- Dorsten(im Gebiet von RecklinghaUsen) ein Gebirgsschlag. Die hereinbrechenden Kohlen und Berge begruben zweiHäuer unter sich, die nur als Leichen geborgen werden konnten. Es be- steht die Annahme, daß das Unglück in ursächlichem Zusammenhang mit den E r d e r s ch u t t e r u n- gen steht, von denen das Gebiet in den letzten Tagen betroffen worden ist. Die Verleumder Lügen in Rangsdorf Vom Amtsgericht Zossen wurde der Nazi- mann Werner K o e h n e aus Rangsdorf wogen verleumderischer Beleidigung des Amtsvorstehers von Rangsdorf mit 30 M. Geldstrafe bzw. 10 Tage Gefängnis bestraft. Die Angelegenheit hat folgende Borgeschichte: Am Psingstsonntag dieses Jahres war der Aus- hangkosten der Gemeinde Rangsdorf ausgebrochen worden. Unbekannte Täter hatten in den Kasten ein anonymes Flugblatt zum Aushang gebracht. in dem der Gemeindevorsteher, die Gemeinde- zeitig soll sie die Bank ausgefordert haben, Straf- anzeige zu erstatten. Zur Beruhigung der Oessentlichkeit gab die Bank bekannt, daß Direktor Schäfer versucht habe, 100 000 M. persönliche Fehlspokulationen aus die Bank abzuwälzen. Gegen alle» Brauch ordnete der Oberstaatsanwalt Eich, an den die Bank die Anzeige erstattet hatte, an, daß die Sache sofort, bevor der Flüchtige ergriffen war, dem Untersuchungsrichter überwiesen wurde. Darüber vergingen zwei Tage, in denen Frau Direktor Schäfer ihre Villa oerließ und ins Waldeckfche reiste. Eine Haussuchung, Be- schlagnahme von Korrespondenzen Schäfers, die eine Verdunkelung unmöglich und die Aufklärung eventueller Beihilfe vielleicht möglich gemacht hätte, fand nicht statt. Inzwischen waren Revisoren der Bank in Düsseldorf eingetroffen, die eine Kontrolle vornahmen. Sachverständige der Staatsanwalt- schast wurden, soweit bekannt geworden ist, nicht zugezogen. Inzwischen stiegen die Verfehlungen Schäfers in die Millionen. Wie neuerdings ge- sagt wird, sollen sie bereits eine Höhe von 15 Millionen erreicht haben. Schäfer war der Vertrauensmann der wo st deutschen Großindustriellen für Börsenspekulationen, Von zahlreichen Groß- industriellen hatte er Blankovollmacht, zu spekulieren. Darum richtete er fiktive Kon- ten ein. Nach anfänglichen Riesenerfolgen hatte Schäfer, der eine Bank innerhalb der Deutschen Bank etabliert hatte, große Verluste. Sie sollen bereits 1930 in die Millionen gegangen sein. Schäfer vertuschte sie durch falsche Eintragungen. =s Vertretung und der Aintsvorsteher der Korruption beschuldigt und schwer beleidigt wurden, Das Flugblatt war vervielfältigt und auch von un- bekannter Hand der Einwohnerschaft in die Brief- käste» gesteckt worden. Das Ermittlungsverfah- ren gegen Unbekannt mußte von der Staats- anwaltschaft eingestellt werden, weil gegen die als Verbreiter Verdächtigten der Schuldbeweis der Täterschaft nicht einwandfrei geführt werden konnte. Dadurch kühn geworden, wagte es Koehne, ähnliche Beschuldigungen, wie sie in dem anonymen Flugblatt enthalten wiren, dem Amtsvorsteher in einem Brief vorzuwerfen, den dieser an die Staatsanwaltschaft mit dem Antrag aus Strafverfolgung weitergab. Bor Gericht oer-uchte Koehne den Wahrheitsbeweis für seine Behauptungen anzutreten. In der Begründung des vorbezeichneten' Urteils brachte das Gericht zum Ausdruck, daß der wahr- heilsbeweis völlig mißlungen und die öerleumde- rifche Beleidigung festgestellt fei. Von der Ver- hängung einer Gefängnisstrafe werde nur des- halb abgesehen, weil der Angeklagte bisher un- bestraft war und aus politischem Fanatismus ge- handelt habe. „Vorwärts"-Lefer in Birkenwerder. Ab Don- nerstag, 1. Dezember, wird der„V o r w ä r t s" in Birkenwerder durch Genossen Alfred Achilles, Fontaneweg 5, zugestellt. Alle „Vorwärts"-Leser in Birkenwerder werden ge- beten, sofort ihre Adressen dem Genossen Achilles mitzuteilen, damit keine Verzögerung in der Zu- stellung eintritt. Ein Oöjähriger Mann, ein braver Bürger, steht vor dem Schöffengericht. Schon bei der Nennung seiner Personalien ist er dem Weinen nahe.„Es ist nur alles wegen meines Sohnes", kommt es ruckweise aus dem alten Manu heraus, „er hat mich hierher gebracht."„Wir wissen das ja, Angeklagter", sagt der Richter,„aber Sie müssen uns erzählen, wie das alles gekommen ist." Und der alte Mann mit der einst gesicherten Existenz erzählt. Er war Inhaber einer gut gehenden Drogen- Handlung. 300 Mark betrug der Monatsverdienst. Im Jahre 1924 wurde er durch Vermittlung eines Bekannten Verwalter von vier Hau- fern, die der Präsident des Schweizerische:, Nationalrats Dr. Abt während der Inflation für ein Butterbrot gekauft lfattc. 50 000 Mark jähr- lich brachten die Mieten ein, etwa 300 Mark erhielt der Angeklagte als Verwalter, 50 Mark mußte er davon monatlich dem Bekannten zahlen, der ihm die Stellung vermittelt hatte. Im selben Jahre 1924 nahm der Angeklagte seinen jungen Sohn in sein Geschäft. Und im Jahre 1928 ent- deckte er plötzlich einen Fehlbetrag von 15 000 Mark. Der Sohn hatte Waren beiseite geschafft. Auf Drängen der Mutter verzieh der Vater dem Jungen die Verfehlungen. Dieser dachte aber gar nicht daran, sich zu bessern. Er Schließlich entnahm er, um seinen Verpslichtungen nachkommen zu können, ihm, oder nach einer an- deren Version, der Bank anvertrauten Depots Effekten, Spekulationen an der Pariser Vörie endeten mit Riefenverlusten, als vor einigen Wochen der Krach an der Pariser Börse eintrat. Die Bank gibt bekannt, daß ordnungsgemäße Kunden der Bank nicht geschädigt werden. Das soll wohl heißen, daß die Bank oersuchen wird, den Skandal intern beizulegen. Wohlinformierte Kreise wollen weiter wissen, daß auch ganz beträchtliche Steuer- Hinterziehungen vorliegen, vielleicht und wahrscheinlich sogar große Devisenschiebungen, von denen unverständlich sei, daß sie Direktor Schäfer koordinierten und übergeordneten Stellen nicht längst ausgefallen sind. Aus alle Fälle kann man verstehen, daß der Deutsche» Bank im besonderen und der deutschen Bankwelt im allgemeinen dieser Skandal in einer Zeit, in der die Verstaatlichung der Banken zur öffentlichen Diskussion steht, und in der die hohen Subventionen an die Banken noch nicht vergessen sind, sehr unangenehm ist. Wohl nicht ganz ohne Einfluß der Tatsache, daß die westdeutschen Linksblätter den Fall Schäfer immer wieder angeschnitten haben, hat jetzt der Untersuchungsrichter angeordnet, daß der Sie ck- b r i e f gegen Schäfer, der zunächst nur im Polizei- snhndungsblatt veröffentlicht wurde, nunmehr öffentlich in Bahnhöfen, Postanstalten usw. plaka- tiert wird. Inzwischen hat auch die Bank 5000 Mark Belohnung für die Ergreifung Schäfers ansgeftzt. Feueriwerfall auf Lokal Aus das kommunistische verkehrslokal in der Pflugftraße 5, unweit der Schwarhkopffsiraße, wurde gestern abend von Nationalsozialisten ein regelrechter Aeuerüberfall verübt. Die hakenkreuzler feuerten eine Reihe von Schüssen ab. Ein Kommunist wurde von einer Kugel in die Schulter getroffen. Ein weiterer kommunistischer Parteiangehöriger erhielt einen Kopfstreif- schuß. Die Täter flüchteten und entkamen. Der Schießerei soll eine Schlägerei vorangegangen fein. Todesexperimente Oer �Vnndermann von Steglitz Die gegen den Steglitzer Astrologen A s s e r- macher schwebende Untersuchung der Kriminalpolizei hat erneut bewiesen, daß A. nicht nur Zauber- und Liebestränklein mischte, sondern sich auch als Kurpfuscher betätigte. Es sind überhaupt neue schwere Beschuldigungen gegen ihn erhoben worden, die sich mit besonderen „Todesexperimenten" des Mannes befassen. Assermacher hat, wie die Untersuchung ergab, zahlreiche Menschenleben aus dem Gewissen. So hatte er u. a. der Frau eines Berliner Geschäfts- mannes eingeredet, daß sie ein schweres Kehlkopf- leiden habe. Die Frau war völlig verzweifelt und begab sich in die„Behandlung" des Astrologen, der aus der vermeintlichen Krankheit Kapital schlug! Als die Frau aber eines Tages einen Arzt aussuchte, erfuhr sie, daß sie keineswegs ein solches Leiden habe. In einer Klinik, in der sie mehrere Tage lag, wurde ihr von drei Spezialisten bestätigt, daß sie vollkommen gesund sei. Nun- mehr merkte die Frau, daß sie einem ganz ge- wissenlosen Betrüger zum Opfer gefallen war. Inzwischen sind jetzt bei der Polizei neue Anzeigen eingelaufen, die beweisen wollen, daß Assermacher imstande sei, den Tod eines Menschen durch mag- netische Fernsehkräfte zu beeinflussen und eintreten zu lassen. Es bleibt abzuwarten, welches Ergebnis die Untersuchung in dieser Hinsicht haben wird. Da Assermacher morphiumfüchtig und gelähmt ist, hat die Polizei von einer Verhaftung bisher Abstand genommen. Die Untersuchung ist nach längst nicht abgeschlossen. „Weihnachtsmarkt" �tisstellnngskallen am Funkturm Jetzt liegt das vollständige Programm für das große Lzilsswerk zur Linderung der Künstlernot vor, das unter dem Protektorat des Oberbürger- Meisters im Rahmen des Weihnachtsmarktes Ber- liner Künstler vom 3. bis 11. Dezember in den Ausstellungshallen am Funkturm durchgeführt wird. Der Eröffnungsabend am Sonnabend, dem 3. Dezember, wird eingeleitet durch eine große Darbietung der Funkftunde für die Winterhilfe. Für Sonntag, den 4. Dezember, nachmittags, und die dann folgenden Nachmittage sind in einem Marionettentheater Weihnacht?- spiele wie„Hänsel und Gretel",„Schneewitt- che»",„Rotkäppchen" und„Dornröschen" fest- gesetzt. Am Montag, dem 5. Dezember, wird„Die Junge Oper" im Rahmen des großen Abend- Programms„Die O p e r n p r o b e" von Albert Lortzing unter der Direktion von Theo Mühlen und der musikalischen Leitung von Kapellmeister Bernstein bringen. Die Abendveranstaltung des Mittwoch, den 7. Dezember, wird eingeleitet durch eine Ioseph-Schmidt-Stunde. Improvisationen aus 5 Klavieren zweihändig werden dann überleiten zu dem Opernbilderbogen der Städti- s ch e n Oper, dargestellt vom Personal der Städtischen Oper unter persönlicher Leitung des Intendanten Karl Eberl. Dem Programm schließt sich ein gemeinsamer Auszug zum Zirkus Eberl aus dem Weihnachtsmarkt an. Tausende von Besuchern werden zu diesen Veranstaltungen erwartet, um taufenden not- leidenden Künstlern z» Helsen. Der Eintritt für den Weihnachtsmarkt, auf dem es neben den zahl- reichen Verkaufsstellen der Berliner Geschäftswelt auch eine großzügige Weihnachtstombola geben wird, kostet für Erwachsene nur 50 Pf. und für Kinder 25 Pf. Für die großen Abendsonder- Veranstaltungen sind Karten zum Preise von 50 Ps. bis 4 M im Vorverkauf bei den bekannten Theaterkassen erhältlich. Der verlorene Sohn ver Vater auk der Anklagebank entwendete den Eltern Wertsachen und Kleider,» ließ an sich selbst vermittels gefälschter Stempel Aufträge ergehen. Als der Vater ihm ein Last- a u t o kaufte, damit er Aufträge übernehmen und mit dem Auto Ueoerlandfahrten unternehmen konnte, wurde auch daraus nichts. Das gleiche unrühmliche Ende nahm das für ihn eingerichtete Speöitionsvermittlungsg e s ch ü s t. Schließlich fuhr er im Auto seines Baters davon und ist seitdem verschwunden: er wird van den Behörden steckbrieflich verfolgt. Das Drogen- geschäst ging pleite. Der Vater hatte aber, nachdem er durch den- Sohn ruiniert worden war und um sieh über Wasser zu halten, als Verwalter der Abtfchen Häuser sich der Unterschlagung und der Untreue schuldig gemacht. Als er im Jahre 1932 mit Dr. Abt abrechnete, fehlten 5 9 0 0 M ort. Und als dann die gesamte Geschäflssührung nachgeprüft wurde, stellten sich weitere Bersehlungen heraus.„Der Sobn hat mich durch seine Handlungsweise in Geldverlegenheit gebracht, ich wurde von den Gläubiger» gedrängt, und da habe�ih mich eben an den anvertrauten Geldern ver- griffen. Nur durch meinen Sohn ist es dazu ge- kommen, daß ich hier stehe", weinte der Vater. Das Gericht verurteilte den Fünfundsechzig- jährigen zu vier Monaten Gefängnis unter Zu- billigung einer• Bewährungsfrist. Oek-Zaubereri „Feinstes Terpentinöl" aus Wasser Von der Kriminalpolizei find zwei Schwindler unschädlich gemacht worden, die mehrere Berliner Geschäftsleute um über 10 000 Mark geschädigt haben. Die beiden Betrüger, der 51jährige Hugo I. und der 50 Jahre alte August B., arbeitete»»ach dem Vorbild des„Gold machers" Tau- send, nur daß sie nicht versprachen Gold her- zustellen, sondern durch ihre„Erfindung" konnte man aus Wasser, Harz und einigen Chemikalien „feinstes" Terpentinöl fabrizieren. Um ihren Schwindel recht glaubwürdig und schmackhaft zu machen, hatten die Betrüger in Charlottenburg ein„Laboratorium" eröffnet. Dort stellten sie einen Destillierapparat aus, den sie vorher für ihre Zwecke präpariert hatten. Mit diesem Köder wurden dann Dumme gefangen, die in das „Unternehmen" über 10 000 Mark steckten. Die Vorführungen wurden den Geldgebern mit dem notwendigen Hokuspokus gemacht. Niemand ahnte, daß sich in dem Destillierapparat ein dop- pelter Bode» befand, der mit Terpentinöl angefüllt war. In den oberen Teil wurde Wasser, Harz und weißes Pulver geschüttet, und wenn das„Laboratorium" mit dichten, stinkenden Qualmwolke» angefüllt war, wurde„feinstes Terpentinöl" gewonnen. Durch einen Taschen- spielertrick wurde nämlich ein verborgener 5)ahn geöffnet, und zur Verblüffung der Interessenten floß das Oel heraus. Einem der Geschädigten kam die Sache schließlich verdächtig vor, und so wurde der ganze Schwindel aufgedeckt. Die Trauerfeier für Emil Oieke. den verstorbenen Genoffen und Reichsbannerkameroden aus Pankow, hatte eine große Zahl trauernder Freunde und Mitkämpfer im Krematorium Ge- richtstroße vereinigt. Kamerad Hugo K 1 ü h s ehrte den Verstorbenen in einer von tiefem Mitgefühl getragenen Gedenkrede. Am Sonnabend wurde wieder unter starker Anteilnahme die Urne mit der Asche des alten Kämpfers auf dem Gemeiude- friedhof Buchholz beigesetzt. Hier würdigte Kamerad A p e l den Toten noch einmal als den treuen Streiter für Freiheit und Demokratie. H � M________ 1_____ i>_ jftSi mjßa»F»„Uebllng" m Fnednchstr. W. am Stadtbhf. LeipzigerSlr.ttS, Ecke Mauerstr. Friedrichslr.K, Ecke Jägerstr. ifUfDflJfflfliflllP FUllhalfr- Tjff75 7? 9/1 Viele Zehntaus. Jim.. IS3tEcke Behrensir. Tauentzienstr. 4, a. WdtenbgpL Neue JliatHtlllaPHlltty je'eJieeeeUiJa/UitC iO b/eji NoulmU» im Gebrauch am■„ 183,£ckeMehreristr. Spittelmarkt ts, Goldfinkecke Filial, /HBtUUBBTpiUlZ Neubaumieter im Kampf Bewegung in den Rolandbauten Die Bewegung der Berliner Neubaumietcr zur Senkung der hohen Mieten gewinnt immer mehr an Ausdehnung Nachdem erst kürzlich die 7000 Wohnungsinhabcr der Gagsah-Gesellschaft in einer Mosscnoersammlung ihre Forderungen an- gemetdet haben, nahmen jetzt die Mieter der Roland-Gesellschast im großen Saal des Restaurants„Tusculum" i» Tegel Stellung zu den Mieten ihrer Boublocks. An dieser Bewegung sind rund 2800 Wohnungsinhaber beteiligt. Auch hier hat sich eine Interessen- gemeinschaft der Mieter gebildet, die trotz rechtlicher Schwierigkeiten sehr rührig ist. Denn das Mieterschutzgesetz sieht nur für Alt- bauten eine Mietervertretung vor, der vom chaus- wirt auch entsprechende Unterlagen zur Verfügung gestellt werden müssen, während die Neubaumieter so gut wie rechtlos sind. Die Bewegung in den Roland-Bauten begann Ansang des Jahres mit einem Streit um 16 000 Mark. Die Mieter stehen aus dem Standpunkt, daß auch diese 16 000 Mark zur Mietsenkung hätten Verwendung finden müssen, zumal die seinerzeit durch Notoerordnung durchgeführte Mietsenkung ihnen zu niedrig er- schien. Einer Beschwerde an den Oberbürger- meister wurde insofern stattgegeben, als der Standpunkt der Mieter für den Baublock Prenzlauer Berg für gerechtfertigt ange- sehen wurde, der Einspruch für die anderen Gläubiger-Massen Oer Beamtenwirtsdiaktsverein Die Treuhänder A.-G. berief am Montag- vormittag eine Versammlung der Gläubiger des Bcamtenwirtschaftsvereins in die„Neue Welt" ein. Wie mitgeteilt wurde, haben sich allerdings be- reits 81 Proz. der Gläubiger zu dem Vergleichs- Vorschlag bekannt, so daß er dadurch schon als angenommen gilt und der drohende Konkurs abgewehrt werden konnte. Der Beamtenwirt- schaftsverein hatte zeitweise 16,4 Millionen Spar- gelder in seinen Händen, von denen er vorschrifts- gemäß 60 Proz. flüssig hielt. Der Rest wurde allerdings in Immobilien angelegt, die heute kaum verwertbar sind. Als deshalb im Vorjahre nach dem allgemeinen Bankenkrach 11 Millionen Mark zurückgezogen wurden, war die Gesellschaft diesem Ansturm nicht gewachsen und wurde insolvent. Trotzdem ist der Status heute noch so, daß sich Vermögen und Schuldenlast decken. Bei der Be-.. Handlung der Gläubiger mußte ein Unterschied zwischen Sparern und Warenlieferanten gemacht werden. Die Warenschulden, die nur 10 Proz. der Gesamtsumme ausmachen, sollen zunächst ab- gedeckt werden, weil zur Weiterführung der Blocks aber abgelehnt wurde. Jetzt beschwerten sich die Mieter beim Obcrpräsidenten, der aber immer noch keine Entscheidung gefällt hat. da juristisch der Fall der 16 000 Mark noch nicht gc- klärt ist. Es ist nämlich strütig, ob es sich hierbei um die Zinsen für eine Sicherungshqpothek oder um ein rückzahlbares Baudarlehn handelt. Inzwischen sind aber viele Mieter notleidend geworden. Die Mieter hatten die Wohnungen in der Zeit der Konjunktur übernommen, jetzt in der Krise jedoch können sie die teuren Wohnungen nicht mehr halten. Ver- schiedentlich sind auch schon Exmissionen erfolgt. wobei die unglücklichen Exmittierten von den Neubauwohnungen teilweise in Wohnlauben ziehen mußten, weil sie anderweit kein Unterkommen fanden. Dies wurde von der Versammlung um so mehr bedauert, als gerade diese unmittelbaren Opfer der überteuerten Neubaumieten nun für den Kampf der übriggebliebenen Mieter ausscheiden. Nach einer Aufstellung, die im übrigen die Inter- essengemeinschaft der Mieter gemacht hat, müssen die Wohnungsinhaber 3 0 bis 50 Proz. ihres Ein kam mens' für den Mietzins auf- wenden. Da dies auf die Dauer untragbar ist, forderte die Versamnllung eine Mietsenkung von 10 Proz. für die Roland-Wohnungen. Die Mietervertretung erklärte, daß die Gesellschaft hierzu in der Lage sei, da sie ansehnliche Beträge zum Beispiel an Reparaturkosten aufgespart hätte. Ladengeschäfte des Beamtenwirtschaftsvereins neue Warenkreditc nötig sind und zum Teil auch schon wieder gegeben wurden. Der Gläubigerausschuß hatte sich wegen einer Hilfe auch an die Reichs- behörden gewandt, jedoch vom Reichswirtschafts- Ministerium eine Ablehnung erhalten. In der teilweise sehr erregten Diskussion beschwerte» sich die einzelnen Sparer insbesondere darüber, daß sie gegenüber den Warengläubigern zurückgesetzt werden sollen, denn für sie sind nur unsichere Quoten in langen Zeitabschnitten vor- gesehen. Auch wurde bemängelt, daß im Gläu- bigerausschuß die Sparer nicht genug vertreten seien und die Gehälterfrage der leitenden Be- amten aufgerollt. Am Postkeller erhängt In, Keller des Postgebäudes in der Halle- f ch e it§ t.r aß e wurde gestern an frühen Nach- mittag der 48 Jahre alte Postschaffner R., der im gleichen Hause seine Wohnung hat, erhängt aufgefunden. Aus Furcht vor Strafe hatte R. Hand an sich gelegt. Der Beamte war mit der Einkassierung der Mieten in einigen Häusern, die der Reichspost gehören, beauftragt worden. Dabei soll er sich Unregelmäßigkeiten haben zuschulden kommen lassen. Die Verfehlungen waren kürzlich aufgedeckt morden. Offenbar hat sich R. die Sache so zu Herzen geiwmmen, daß er in den Keller hinabstieg und sich dort an einem Verschlag erhängte. Die Leiche ist beschlagnahmt worden. Alle Parteigenossinnen und Parteigenossen, die vor und während des Sozialistengesetzes für die Partei tätig waren, werden mit ihren Familienangehörigen zu einem gemütlichen Beisammensein Scnuui&ewi, 3. D&zem&ec, 19 UUc, im großen Saal des Gewerkschaftshauses, Engelufer 24/25, freundlichst eingeladen. Musik/ Berliner U I k- T r i o I.A.: Wilhelm Gründe!. Gtudentenhilfe Zugunsten der Erwerbslosenküchen der Not- gemeinschaft Berlin hatte der„Studenten- dienst" in die Kamera zu einer Matinee ein- geladen, die erfreulich stark besucht war und der Sache der Erwerbslosenhilsc ideell und materiell einen guten Dienst erwies. Es zeugt für ein starkes soziales Verantwortungsbewußtsein, daß sich hier einmal Studenten tatbereit ihren erwerbs- losen Volksgenossen zur Verfügung stellen. Aus dem Programm verdient das vollendete Spiel von Gerd Thomas auf der Wurlitzer Orgel hervorgehoben zu werden. Ein ganz großer Publikumserfolg war das Austreten einer voll- endet spielenden Straßensängcrkapelle. Auch der künstlerisch hochstehende Film„Menschen am Sonntag" wurde wieder mit starkem Beifall aufgenommen. Kabarett für Notgemeinschaft Ein lustiger Käbarettabcnd bei Bieler, Altes Eierhaus, oereinigte alle die, die mithalsen am Werk der N o t g e m e i n s ch a s t Baum- schulen weg. Je mehr Kochkessel dampfen. desto weniger Magen bleiben hungrig, und das ist das Hauptgebot der Stunde: Es soll, es darf keiner hungern! So versucht man mit allen Mitteln. immer wieder etwas Betriebskapital für das Hilfs- werk zusammenzukratzen: damit die Gebenden, denen es auch nicht immer allzu leicht fällt, für ihre offene Hand belohnt werden, darum stieg ein bunter, künstlerischer Abend. Mitglieder der Inter- nationalen Artistenloge hatten Humor, Gcschicklich- keit, Anmut und eine gute Stimme mitgebracht und vermittelten dem Publikum für ein paar Stunden frohe Laune. Erich Konradi führte seine Kollegenschar und auch sich selbst mit launigen Worten vor, dann jonglierten Rudolf und Renate mit Keulen, Bällen, Stühlen im Sitzen, Stehen und Liegen. Lisa Faßbender sang mit guter Stimme und viel Humor rheinische Stimmungs- lieber und Rudolf Grüneberg bot ergötzliche Typen in den verschiedensten Verkleidungen. Den musikalische Part hatte Kapellmeister Köhler über- nommen, unterstützt von den beiden Loras, die einen guten Musikalakt boten. Es gab viel Stim- mung und Applaus für die Künstler, worüber sie sich freuten, und hoffentlich einen netten Reinertrag für die Erwerbslosenküchc, worüber die anderen sich noch viel mehr freuen werden. Aus der Partei Am 1. Dezember tritt Konrad Ludwig in den Ruhestand, der rührige Parteikassierer, der mit großer Energie, mit Tatkraft und Umsicht am Auf- bau der Organisation in all ihren Verästelungen mitwirkte. Seine scheinbar rauhe und dennoch warmherzige Art schaffte ihm überall Vertrauen, denn jeder wußte, daß die äußere Schale einen weichen, mitfühlenden Menschen birgt. Er gönnte sich keine Ruhe und wenn ihn heute sein Gcsundheits- zustand zwingt, den Rechenstift aus der Hand zu legen, sc hoffen wir doch alle, daß die Zeit eine Besserung seines Leidens herbeiführen und ihn wieder Kraft geben wird zu der Arbeit, die bisher den ganzen Inhalt seines Lebens bildete, der Arbeit sllr die Partei! Zweites Wohltätigkeitskonzerf der Berliner Schuhpolizei im wintergarlen. Das zweite Wohl- tätigkeitskonzert des Sinfonieorchesters der Schutzpolizei Berlin unter Leitung des Gencralmufik- direktors Erich Böhlke findet am Sonntag, dem 11. Dezember, um 12 Uhr im Wintergarten in der Dorotheenstraßc statt. Ihre Mitwirkung haben Walter Großmano, Der Bariton der Städti- schen Oper in Berlin, und der Harsenist Professor Max Saal von der Staatsoper Berlin zugesagt. Der Reinertrag ist für die B e r l i n c r W i n t c r- h i l s e bestimmt. Wieder INiliförkonzert im Zirkus Busch. Am Sonntag, dem 4. Dezember, vormittags 11.15 Uhr findet im Zirkus Busch das zweite große Militär- konzert des Wehrkreiskommandos III statt. Karten sind im Vorverkauf b�i den bekannten Varocrkaufsstellen: Theaterkassen A. Wertheim, Bote u. Bock und an der Zirkuskassc 1 erhältlich. Wie wird das Wetter? 3n Berlin: Nach frostkalter Nacht zunehmend bewölkt, später auch Niederschlagsneigung. Milder mit auffrischenden westlichen Winden.— 3n Deutschland: Im Süden und Südosten trocken mit Nachtsrösten. Im Reiche wieder langsame Wetter- Verschlechterung mit ansteigenden Temperaturen. „Bendows Buiile Bühne", Kottbujser«tr. 6, bringt ab 1. Dezember täglich 814 Uhr eine Revue, betitelt:„Von A bis Z." IN' den Hauptrollen: Wilhelm Bendow, Max Ehrlich, Baby Gray, sowie die Varietcnummern: 3 Cempers, die 4 Atlantic- Boys,„Latrano" u. a. m. Fragen.— Baltenplatz: Tilsiter Str. 4— Z: Das neue China(Sidhtbilber).— Ftantf uttei Viertel: Franlfurter Allee M7: Funltionärsttzung.— Petersburger Viertel: Ebertystr. 12: Lustiges Monatsenhe.— Warschauer Viertel: lvemeinsamer Abend mit den jüngeren Parteigenolsen, Litauer Straße. Breitscheids Referat auf dem Bezirtsparteitag. Mitgliedsbuch legitimiert.— Warschauer Viertel RF.: Litauer Str. 18: Rußland von heute.— Schöneberg N: Hauptstr. lä: Funttionär- sitzung.— Wauusee: Restaurant Lindenhof: Eitniihrung in den Sozialismus, 2. Teil.— Tempelhos: Ltizeum Göhstraße: Freiwilliger Ärbeitsdienst— Arbeits, dienstpflicht.— Brih: Kannemannstr. 40 Stellet: Funttionaroerfammlung.— Adlershof: Bismarckstr. 1: Liederabend.— Bohnsdorf und Faltenberg: Wachtel» straße l: Lefeabend.— Friedrichshagen: Friedrichstr. 87: Wie sieht unsere Umgegend aus?— Slaulsdort: Adolfstr. 25; lieben zur Sonnenwendfeier.— Lichten» derg»Mitte: Scharnweberstr. 22: Sowjetrußland.— Reu-Lichienberg: Gunter» straße 44: Bunter Abend mit Stonzert. Lichienberg-Rord: Gunierstr. 44: lO-Minuten-Referate.— Mahlsdorf: Melanchthonstr. 83: Mitgliederverfamm» lung.— Reinickendorf-West: Seidelstr. 1: Bunter Abend. Werbe bezirk Prenzlauer Berg: Beginn des Istngerenkursus„Drache Marxismus" unter Leitung des Genossen Zwölfer, Danziger Str. 23. Alle Jüngeren beteiligen sich! Werbebezirk Neukölln: Donnerstag, ISlj, Uhr, Funitionärversammlung, ZietHenstr. 58.„Die politische Lage und die Arbeiterklasse", Referent Erich Schmidt.— Sprechstunde lg Uhr Ganghoferstraße. Werbebezirk Reinickendorf: 19sz Uhr Wittenau, Hauptstr. 13, Borstandssißung mit den Ingendbeiräten. Werbebezirk Wedding: Morgen ab 10 Uhr Pioniergruppe, Putbusser Str. 22. 20 Uhr Jüngerenkurfus„Politische Schlagwörter" ebendort. fftme Gewerkschafts-Iugend Berlin Heute, Mittwoch, 30. November, um 19>z, Uhr, tagen die Gruppen: Südwesten: Jugendheim Porckstr. 11 fFabrikaebäude>.„Bon Lilienthal bis zur Dela."— Schöneberg: Jugendheim Hauptstr. 15(Gartenhaus). „Die Geschichte der Arbeiterbewegung."— Spandau-Neustadt: Jugendheim Lindenuser t.„Gewerkschaften und Berufsschule."— Nordring: Jugendheim Eonnenburger Str. 20.„Für und wider die Todesstrafe." � Weißensee: Jugend» heim Weißensee, Caseler Str. 2. Lichtbilder aus aller Welt.— Arnswalder Plag: Jugendheim Schönlanker Str. II. Baracke 8, rechter Eingang Paßt auf de» 30. November auf!— Neukölln: Jugendheim Bergstr. 29(Hof). Wanderung durchs Wattenmeer.— Flughafen: Jugendheim Flughafenstr. 88(U-Bahn Boddinstraße).„Die sozialistische Jugendbewegung."— Humboldt: Jugendheim Graun. Ecke Lorßingstrahe. Aftuelle Zeitfragen:„Wie lese ich eine Zeitung?" — Schillerpark: Jugendheim Schule Schöningstr. 17.„Der Nampf um die Gleich- berechtiguug."— Eharlottendnrg: Jugendheim Epreestr 30. Die Gruppe ge» stallet den Abend aus.— Baumschnlenweg: Jugendheim Baumschulenweg, Criiststr. 18. Unsere Mädels gestalten den Abend aus.— Ingendgruppe de» Gesamtverbande», Fachgruppe Kommunalbetriebe: Jugendheim Engelufer 24—25. Filmabend. Es läuft der Film„Großfeuer". fTL.Ttusten&qruppe des'Zentralverbandes der Angestellten .Heute, Mittwoch, finden folgende Veranstaltungen statt: Schönhauser Borstadt: Jugendheim der Schule Slastanieuallee 81. Tagespolitische Rundschau.— Nordost I: Jugendheim Danziger Str.«2«Barocke 3).„Fahrten einst und jetzt."— Reinickendorf: Jugendheim Lindauer Str. 2. Äurzreserate.— Släpenick: Jugendheim Dahlwitzer Str. 15(Gasanstalt am Bahnhos Stdpenick). Siutztcfetate.— Neukölln: Jugendheim Böhmische Str. l— 4, Ecke fltjiutct Straße Gruppenmitgltederversammlnng.— Südost: Jugendheim Manteusselstr. 7. Aus- spräche:..Religion und Arbeiterschaft". Leiter: Rektor Schmidt.— Südwest: Jugendheim Borckstr. 11 12. Hos, Quergebäude Aufgang 1, Zimmer 3). Heimver» anstaltung— Schöneberg: Juaendheim Hauptstr. 15(Hofgebäude, Sachsen- zimmer). Tagespolitische Rund ich an— Eharlotteuinra: Jugendheim Spiel» hagenstr. 4 Ausspracheabend:„Ein Bolksbühnenbesuch als Erlebnis."— Spandau: Jugendheim Lindenuser 1.„Mensch und Arbeit in der Dichtung". Vortragende: Friedel Hall.— Potodam-Rowawe»: Berufsschule Nowawes, Wich- qrafstraße. Arbeitsabend unserer Uebungsfirma.— Die Versichernngsgefellschast !, Sorgenfrei" A.-G. tagt heute von 17 bis 19 Uhr im Berbandshaus, Hedemann- straße 12. SPD.-Buchdrncker. 2. Bezirk: Sonnabend, 3. Dezember, 19'; Uhr, wichtige Fraktioiissitzung bei Julius Sachse, Lindower Straße(gegenüber Bahnhof Uedding). Vollzähliges Erscheinen erwartet. Der Fraktionsporstand. Stadt. Obdach, Fröbelstraße. Freitag, 2. Dezember, 20 Uhr. Versammlung bei Heibutzki, Danziger Str. 48.„Die Partei vor neuen Aufgaben", Referent: Dr. Günther Scheele. Asü-Arbeiier Baustelle Adlershos. Heute, 18 Uhr, bei Jänichen, gegenüber dem Adlershofer Güterbahnhof, Seite des Kanpteinganges Ädlershoser Bahn- Hof, Zusammenkunft der SPD.. Kollegen und Sompathisierenden. Der Fraktionsporstand. Diesmc�« zu�eihnachten teftamtl Aus dem Wunschzettel stand schon so oft ein Rundfunkgeral" Mif dem Siemens 23 wird der Wunsch Wirklichkeit» Dieses Zwei: Röhren-Gerät ist ein vollwertiger Fernempfänger. wie et Ihnen ja immer schon vorschwebte. Die Einzelteile sind genau so sorgfältig gearbeitet wie bei einem Superhet. Für Wechselstrom:. Für Gleichstrom: Siemens 23 W RM 119,— Siemens 23 G RM 125,— Siemens 23 WL RM 139,— Siemens 23 GL RM 145,— Lautsprecher: Siemens 032 RM 39,— Siemens 040 RM 44,— Vorführung in Fachgeschäften. Bezugsquellenangabe und.Diuckaachen durch SIEMENS& HALSKE AQ 1111 1 Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Verlin BlSUB �!in�SZ°88."'Lin�.'n's.?aÄ�"v°'rn°" T»pp�r.ch'ts'"'"'°' Abteilungsleiter! Reicht s o f o r t das Dezember-Proaramm und den Be- richtsbogen vom 3. Quartal ein, sorgt dafür, daft die ausstehenden Abrechnungen erledigt werden. Proletarisches Orchester der TAI.: Die Mitwirkung im Filmseminar fällt aus! heule. Mittwoch. 20 Uhr. S-sunddrunnrn RF.: stoloniestr. 22: Tagespolitische Fragen.— Arnimplatz: Arbeitskreis. Lpchencr Ecke Stargarder Straße, bei Pohst.- Audreasplatz It Brommystr. 1: Heimabend.— Audreasplatz RF.: Brommpftr. 1t sexuelle Wildleder Gasquelle die Modekappe aus leder, A7 D neuartig garniert, in den For- XI A ben Schwarz, Rot, Braun, Mark" Obergangskappe *«ue* flotte Schottenform, mit KuAstseide kombiniert, Mark Flotte Seidenkappe mit Sehlnier aus gutem Kfunst- seiden-Materiol, handverar- � beitet, n«ue Farm, Mark jCm W Zwei Rechenschaftsberichte Praktische Arbeit— Kommunistische Bonzenwirtschaft Sic Generalversammlung der Berliner Metall- ardeiter am Montag in de» Sophiensäle» hatte diesmal insofern eine besondere Note, als sie ihre Zeit nicht mit nutzlosen Debatten über Phrasen- hafte Antrage winziger Oppositionsgriippchen vertrödelte. Der Bevollmächtigte, Genosse U r! ch, ging in seinem Ritckbliek auf die Zeit seit der letzten Generalversammlung im August zunächst auf die P a p e n s ch e n Experimente zur Wirtschastsbelebung ein, gegen die von den treten Gewerkschaften die schärssten Proteste erhoben worden sind. Di« iiblen Folgen der Kontingentierungspolitik der Baronsregierung hat auch die Arbeiterschast der Metallindustrie zu spüren bekommen. Allen nanihaften Betrieben, AEG., Siemens, Schwartz- kopsf usw., sind infolge der Kontingentierung Millionenaus- träge des Auslands verlorengegangen. dem Lokomotivbau von Schwartzkopss allein z. B. Aufträge in der Höhe, daß die jetzige B e- legschast für 23 Monate Beschäfti- gung gehabt hätte Zu diesen verfehlten Wirtschaftsexperimenten kam noch der in der Septembernotoerordnung vorgesehene Lohn- druck, der aber, von geringen Ausnahmen ab- gesehen, infolge des energischen Widerstandes der Gewerkschaften nicht wirksam wurde. Dann ging Genosse Urich auf die Renommisterei des kommunistischen„Einheitsoerbandes" der Metallarbeiter über dessen angebliche Kämpfe gegen den Lohnabbau ein. Der„Einheitsverband" behauptet, in den letzten Wochen in Berlin 3l) Streiks geführt zu haben, von denen SO Proz. erfolgreich gewesen seien. In den vertrau- l i ch c n Mitteilungen an seine Funktionäre spricht der Einheitsverband aber nur von 2 4 Streiks und Bewegungen, die er seit dem 15. September geführt haben will. ZO-Gtunden-Woche Gewerkschaftsforderung in USA. Eigener Bericht des„Vorwärts" Washington. 29. November. Der Gewerkschaftskongreß in C i n c i n n a t i nahm am Montag unter stürmischem Beifall der Delegierten eine Entschließung an, in der ». n t e x B e i b e ha l tu n g der g e g e n w ä r t i- g en Löhne d i e 30- S t u n d e n- W o ch c ge- fordert wird. Eine Verkürzung der Arbeitszeit bei gleichzeitigem Lohnabbau wurde von dem ge- samten Kongreß schärfstens verurteilt. Dem Beschluß folgte eine scharfe Rede des Präsidenten Green, in der es heißt, daß auch die amerikanische Arbeiterschast entschlossen sei, dem überholten Industriekapitalis- m u s ein Ende zu bereiten. Die Arbeiter- schaft werde nötigenfalls mit. den schärfsten Mitteln die geforderte 30-Stunden-Woche durch- setzen Die Exekutive der Gewerkschaft wurde beaus- tragt, dem amerikanischen Staatspräsidenten über den Verlauf des Kongresses z» unterrichten und die 30-Stunden°Woche auch für die Angestellten der Regierung zu fordern. * Diese Forderung, noch mehr aber ihre Be- gründung durch William Green, zeigt, daß selbst die bisher so konservativen ainerikanischen Gcwerk- schaften aufgehört haben an eine Beseitigung der Mißstände mit kapitalistischen Mitteln zu glauben. Bleibt allerdings noch abzuwarten, ob und wann die ainerikanischen Gewerkschaften die p o l i- tischen Konsequenzen aus dieser Erkennt- nis ziehen werden. Denn daß eine Entschließung und ein Besuch Green? bei Hoover an der Krise gar nichts ändern können, daß auch Streiks bei dem Stande der Organisation nicht viel mehr Helsen werden, darüber sind sich wohl auch die amerikanischen Gewerkschaften klar. „Nazi-Lüge" Die mit dieser Ileberschrist in Nr. 553 des„Bor- wärts" erschienene Abwehr gegen einen Artikel des „Nacht-Angrifs":„SPD.-Stieglitz kneift", veran- laßt« den Urheber des Artikels, Ernst Denecke� Gneisenaustr. 82, uns eine Berichtigung zu schicken. Wir entnehmen derselben die sachliche Angabe, daß Herr Deneckc „vor Zeugen mit dem Bezirksverband der SPD., Abt. Rednervermittlung, telephonierte, um die Adresse des Stieglitz zu erfahren. Bei dieser Ge- legenheit wurde mir versichert, er wäre für den fraglichen Dag noch frei. Es ist unuxihr, daß ich Unter diesen„Bewegungen" rangieren an erster Stelle: ein passiver Widerstand in einer Abteilung der AEG. in Hennigsdorf zur Erhaltung der Garantielöhnc, eine passive Resistenz bei Borsig zwecks Beheizung eines Raumes, wovon aller dings die Belegschaft selbst gar nichts weiß, der dreieinhalbwöchigc Schaberstreik bei Werner in Marienselde zur Einhaltung der Tarifbestimmun- gen, wozu der Metallarbeiterverband keine 24 Stunden und vor allen» keinen Streik gebraucht Hütte, und ähnliche„Bewegungen", die beim Metallarbeiterverband in die Hunderte gehen. Wenn schon diese vertraulichen Mitteilungen zeigen, was es mit der Windbeutelei des„Ein- heitsvcrbandes" auf sich hat, dann beweist dies noch drastischer sein Kassenbericht für das 3. Quartal, der allerdings den Mitgliedern nicht zu Gesicht kommt. Der„Einheitsverband" buchte zu Beginn des 3. Quartals an„Kassenbestand" 24 341,39 Wark, darunter für Zm>entar IS 575,31 Mark und für Außenstände— sicherlich an nicht abgerechneten Beitragsmarken— 3207,48 Mark. Er schloß das Quartal mit einem„Kastenbcstand" von 22 236,54 Mark bei einem Inventar von 18 205,31 Mark und Außenständen in Höhe von 3562,20 Mark. An Beiträgen gingen in dem Vierteljahr ein: 27 455,85 Mark, was bei einem Mitgliedsbeitrag von 40 Ps. in der Woche einen Bestand von 5278 vollzahlenden Mitgliedern er- gibt. Die gesamten Einnahmen betrugen 28 427,39 Mark, wovon allein 11 269 Mark für Agitationszwccke und 8523 Mark für die V e r w a l t un g draufgingen. Zast 69 Pro;., inehr als zwei Drittel der Einnahmen, wurden„von den Bonzen geschluckt". Für den„Kampssonds" wurden ganze 3505 Mark somit dem Zusmnmentrefsen des Stieglitz bewußt aus dem Wege ging." Hierzu sei bemerkt, daß unser Genosse Stieg- l i tz nicht vom Berliner Bezirksoerband als Referent nach Lychen geschickt wurde, sondern von dem zuständigen Bezirksverband für Branden- bürg. Die Darstellung des Denecke steht also in diesem Punkte nicht im Widerspruch mit dem tat- sächlichen Lorgang. Die„Nazi-Lüge":„SPD.- Stieglitz kneift" beruht mithin auf einem Irrtum des. Denecke— um in seinem Stll m reden. Damit entfällt der Vorwurf gegen Denecke, er habe sich vergewissert, daß Stieglitz am 4. No- vember nicht kommen konnte, doch D e n e ck e ist nunmehr verpflichtet, feinen„N a ch t- A n- g r i f s" ld a h i n zu berichtigen, daß„SPD.- Stieglitz" nicht kneift. Argentinien, eines der ganz wenigen Länder, die den Arbeitslosen unter nicht leicht zu erfüllen- den Bedingungen und aus eigenes Risiko bisher offen standen, schließt sich mit dem neuen Jahr nun auch ab. Für die europäischen Länder gilt dies ohne Ausnahme schon längst. In f r e m d e Länder reisen, deren Sprache lernen, deren Mensche» näher kommen, deren wirtschastliche und politische Verhältnisse und Entwicklung stu- dieren, ist heute im allgemeinen nur denen mög- lich, die entweder das nötige Geld dazu haben oder denen man es durch Stipendien gibt. Für die Arbeiterschaft besteht— von einem kleinen Kreis von Spezialisten abgesehen— in diesem Punkte die vollkommenste„Autark! e". Wer ins Ausland reist, muß sich verpflichten, dort keinerlei Erwerbstätigkeit nachzugehen. In den letzten Jahren hat man— vorzüglich in Deutschland— versucht, durch Organisierung billiger Auslandsreisen einen gewissen Ersatz zu schaffen. Lohnabbau und Krise haben auch diesem unzulänglichen Ersatz den Garaus gemacht. Der trotz aller Widerstände langsam in Schwung kommende S ch ü l c ra u s t a u s ch während der Schulferien ist zu begrüßen und zu fördern. Er müßte durch Ungleichung der Schulprogramme über die Ferien hinaus ausgedehnt werden. Aber das steht vorläufig leider noch in weiter Ferne. Auch die Freunde der internationalen Kleinarbeit leisten unter sehr schwierigen Verhältnissen eine verdienstvolle Pionierarbeit. Selbst unser« K i n d e r f r e u n d e haben schon ihre Fühler nach dem Ausland ausgestreckt. Schließlich haben wir das Radio, das ja nicht überall oerjcholzt ist. Alle diese Möglichkeiten sind auch für die, denen sie zugänglich sind, bei weitem kein vollwertiger Ersatz für einen jahrelangen AufeMhalt im Aus- land. Und um ein Land und seine Menschen ausgeworfen: 1668 Mark für Streiks, 608 Mark für Maßregelungen, 1229 Mark für Rechts- schütz, obwohl nachweislich alle Klagen der RGO. vor den Landesarbeitsgerichten mit A r m e n a t t e st geführt wurden. Für Streiks und Maßregelunge» wurden also nur 2276 Mark ausgegeben, für die roten„Bonzen" aber allein 3245 Mark Gehälter, 300 Mark Löhne. 265 Mark SoziaUasten, 1886 Mark„Entschädigungen im zentralen Apparat", dann nochmals 900 Mark Fahrgelder auf Konto Agitprop. Der Rest verschwand in dem Polt„Agitation". Die Ortsver- waltung des Deutschen Metallarbeiteroerbandes wird in Zukunft in den Branchen und Gruppen keine Tarife mehr abschließen, in denen die Arbeiterschast schlecht organisiert ist. Der„Einheitsverband", der bisher von den Brocken des DMA. gelebt hat, wird also zeigen müssen, was er leisten kann. Den Unternehmern aber sei gesagt, daß sich die organisierten Metallarbeiter auch nach der Eni- scheidung des Reichsarbeitsgerichts, wonach die Lohnabbaubestimmungen der Septembernotverord- ordnung zu Recht bestehen, gegen jeden auf Grund dieser Notverordnung versuchten Lohnabbau zur Wehr setzen werden Mit der Aufforderung zur verstärkten Werbung für den Verband schloß Genosse Urich unter stür- mischem Beifall der Delegierten seine Aus- sührungen. Gegen diese Darlegungen versuchten in der Diskussion einige unbelehrbare„Oppositio- nelle" verschiedenster Richtung mit Geschwafel ver- geblich anzukämpfen. Gegen wenige Stimmen wurden die turnusmäßig ausscheidenden Mitglieder der engeren Ortsverwaltung Eckert, Tirpitz, Holz, Köcher, Skubella und Müller wiedergewählt. Die vorliegenden Anträge wurden entsprechend den Vorschlägen der mittleren Ortsverwaltung erledigt. Winterhilfe kur Arbeitsdienstwillige In einem ausführlichen Erlaß an die Bezirks- kommissare beschäftigt sich der Reichskommissar für den freiwilligen Arbeitsdienst mit der Durch- sührung des Arbeitsdienstes im Winter. Zunächst wird festgestellt, daß infolge der zahlen- mäßigen Entwicklung des sreiwilligen Arbeits- dienstes die bisher zur Verfügung stehenden Mittel Anfang Dezember verbraucht sein werden. Auf Vorschlag des Reichskommissars ist mit Zu- stimmung der Reichsregierung aus den Mit- teln der Reichsanstalt ein weiterer Betrag zur Verfügung gestellt worden. Aus wirklich zu kennen, dazu ist auch unter den günstigsten Bedingungen ein Aufenthalt von mehreren Jahren notwendig. Vergessen wir doch nicht, daß tausendjährige Vorurteile uns im Blute liegen, daß wir uns rein physiologisch umstellen müssen, um uns nur an die Ernährung?- art und das Klima eines fremden Landes so zu gewöhnen, daß es uns nicht mehr fremd anmutet. Erst wenn wir dies und die gröbsten Sprach- schwierigkeiten überwunden haben— und viele überwinden sie nie—, erst dann beginnen wir, ein Land und seine Menschen zu verstehen. Es bedarf keines Nachweises dafür, daß diese Absperrung aller Länder vor der Arbeiterschast wie vor Pestkranken, wenn sie dauert— und sie wird solange dauern, wie es Arbeitslose in Massen gibt, also gewiß noch sehr lange— eine steigende und gar nicht hoch genug einzuschätzende G e- fahr für die internationale Zusammenarbeit der Arbeiterklasse ist. wie für die Verständigung der Völker und den Frieden überhaupt. Dagegen an- zukämpfcn haben in erster Linie die Gewerk- s ch a s t e n ei» Interesse und auch die Möglichkeit. Wenn dem wilden Herumvagabundieren der Vorkriegszeit wahrscheinlich für immer ein Ende gemacht ist, so braucht man dem nicht sonderlich nachzutrauern. Hier war in gewissen Ländern eine Quelle des L o h n d r u ck s. Außerdem sind die Zureisenden selten gern gesehen, können schon des- halb sich schwer einleben, bleiben immer Fremde und scheiden sehr häusig von dem Gastlande mit ganz verfälschten Vorstellungen. Da die Massenarbeitslosigkeit alle Wanderungen großen Stils auf lange Jahre ausschließt, bleibt nur der Arbeiteraustausch Genau so wie es heute schon einen Schüleraustausch gibt. Es ist klar, daß ein derartiger Austausch, wenn er sinnvoll vorgenommen werden soll, nur durch Gewerkschaften geschehen kann. Der Ar- der Natur der im freiwilligen Arbeitsdienst ge- leisteten Außenarbeiten folgt zwar, daß ein wesent- licher Teil der Maßnahmen in den Wintermonatcn (Januar und Februar) zum Erliegen kommen muh. Immerhin wird es möglich sein, mit den zur Verfügung stehenden Mitteln den freiwilligen Arbeitsdienst auch in diesen Monaten auf ein Drittel des bisherigen Standes zu halten. In erster Linie sollen hierbei die g e s ch l o s s c- ncn Arbeitslager(Arbeitslager mit ge- meinsamcr Unterbringung) aufrechterhalten bleiben. Der Erlaß beschäftigt sich weiter mit der Frage, in welcher Weise den im Winter ausscheidenden Arbcitsdienstwilligcn geholfen werden kann. Hin- gewiesen wird zunächst auf die von der Reichs- anftalt im Winter vorgesehenen beruflichen B i l d u n g s m a ß n a h m e n Darüber hinaus wird es als erforderlich bezeichnet, den Willen der arbeitslosen Jugend, sich in g e m e i n s ch a s t- licher Selb st Hilfe über den Winter hinweg- zuHelsen, nach Kräften zu unterstützen. Als Form einer derartigen Selbsthilfe werden genqnnt: Gemeinsame Zusammenkunft von Arbeitsdienst- willigen, gemeinsame Veranstaltungen, gemein- jame Herrichtung von Mahlzeiten, gemeinsame Tagesgestaltung unter Benutzung von Heimen, Herrichtung und Ausstattung von zur Verfügung gestellten leeren Räumen m.t den einfachsten Mitteln unter Benutzung von ebenfalls zur Ver- fügung gestelltem Material. Der Erlaß schließt mit einem Aufruf an die Bezirkskommissare, zu prüfen, ob und in welcher Weise ein gemeinsames Vorgehen aller an einer Hilfe für die arb«itslo,e Jugend interessierten Stellen unter Heranziehung der Träger des Dienstes, der Organe der Jugendpflege, der Winterhilfe usw. möglich erscheint und so den Arbeitsdienstwilligen mit Rat und Tat geholfen werden kann. Freiheit! Bon einem M a l e r m e i st c r, Mitglied unserer Partei, der jener Protestoerjammlung des Arbeit- geberkartells im Baugewerbe Berlins am Olreitag beigewohnt hat(siehe unseren Bericht in der Abendausgabe vom Sonnabend), wird uns ge- schrieben: Daß Herr Gregor trotz sonst sehr an- erkennenswerter Aeußerungen dem„Marxismus" die Absicht unterschob, den Mittelstand zu ver- Nichten, ist angesichts der von ihm vorher selbst festgestellten skrupellosen Betätigung(auch den kleinen Kollegen gegenüber) der Vertreter des Großunternehmertums wohl mehr als geistlose Nachschwätzung dieser längst durch die Tatsachen als Schwindel entlarvten Behauptung anzu- sprechen. Viel« mittlere und Kleinmeister haben längst erkannt, daß sie im Kampf gegen das Groß- kapital an die Seite der organisierten Arbeiterschaft gehören und dement- sprechend handeln..Das. zeigte sich, als ein recht ulkig aussehendes Männlein nach Schluß der Ver- fammlung plötzlich das Podium erklomm und nach einigen wirren Sätzen aufforderte zu einem„Heil 5zitler". Zwischen den wenigen Heils erklang recht vernehmlich der Gruß der Arbeiterschast„Frei- h e i t!" beiter, der Angestellte, der in irgendeiner Stadt in Deutschland in Arbeit steht, müßte gegen einen anderen Arbeiter in England, Frankreich, Skandinavien, Spanien, Belgien usw. ausge- tauscht werden. Es ist selbstverständlich, daß dieser Austauscharbeiter in dem Tauschland nicht nur wie ein Einheimischer behandelt werden müßte, sondern daß er einer besonderen Betreu- u n g bedarf. Die Meisterung der Sprache muß ihm erleichtert werden. Alle Möglichkeiten, ein Land und seine Sitten von innen kennenzulernen, müssen ihm erschlossen werden. Im Falle des Verlustes der Arbeitsstelle muß er zur Erlangung einer anderen Arbeitsstelle nach Möglichkeit bevorzugt behandelt werden.(Was ja keine Bevorzugung eines Aus- länders wäre, da der Landsmann im Auslande sich in der gleichen Lage befinden würde.) Der arbeitslose Austauscharbeiter muh ausreichend unterstützt werden. Da diese Austauscharbeitcr fremde Sprachen und Arbeitsmethoden lernen, kann man mit Recht für dieses Austauschversahren die Unterstützung der Arbeitsbehörden verlangen. Daß die Ge- werkschasten die Auswahl der Austausch- arbeiter zu treffen hätten, versteht sich von selbst. Sie hätten sie auch zunächst durch geeignete Kurse vorzubereiten. So wäre es möglich, daß tausende junger, lernbegieriger Arbeiter und Angestellter ins Ausland gingen als Pioniere der Völkeroer- ständigung und der internationalen Zusammen- arbeit. s. Ltc-ine-r-luliien. Der Schiedsspruch für das Hamburger Gastwirtsgewerbe wurde von den Arbeitgebern ab- gelehnt, von den Angestellten angenommen. Der Reichsarbeitsminister hat die Parteien zwecks Ver- Handlungen über die Forderung der Angestellten auf Verbindlichkeitserkläruna des Spruchs zum 31. Dezember geladen. Hierzu 2 Beilagen Austaufcharbetter! Für internationale Zusammenarbeit Der„Vorwärts" erscheint wochentäglich zweimal, Conntaas und Montags einmal. Illustrierte Sonntagsbeilage„Volk und Zeit". I Bezugspreise: Wöchentlich 7z Pf., monatlich Z.llö M. Ps. Postzeitung, und 72 Pf. Poslbestellgcbiihren. Auslandsabonnement 5,6ö M. pro Monat; für Länder mit ermäßigtem Druäsachenporto M. Bei Anssall der Lieserung wegen höherer Gewalt besteht kein Anspruch der Abonnenten aus Ersatz. I Anzeigenpreise: Die einspaltige Millimeterzeile 20 Ps., Reklamezeile 1,20 M.„Kleine Anzeigen" da« f-tlgedruckte Wort 22 Ps.. jedes weitere Wort ll> Pf. Rabatt laut Tarif. Worte über lö Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Millimeterzeile 2ö Pf. Familienanzeigen Millimeterzeile 16 Pf. Anzeigenannahme im Hauptgeschäll Lindenstr. 2, wochentäglich von Sil, bis 17 Uhr. Der Verlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor./ Verantwortlich für Politik: Rudolf Brenbemühl; Wirtschaft:®.»lingelhäscr; Seweitschaftsdewcgung: 3. Steiner; Feuilleton: Herbert Leperez Lokales und Sonstiges: Fritz Karstadt; Anzeigen: CtU Hengs«; sämtlich in Berlin. I Verlag: Vorwärts- Verlag G. m. b. H., Berlin. Druck: Vorwärts-Buchdruckerei und Berlagsanstalt Paul Singer u. Co.. Berlin SW. 68, Lindenstr. 2. ZWEITE BEILAGE MITTWOCH, 30. NOV. 1932 so| ROMAN von STEFAN POLLATSCHEK] (Copyright Saturn-Verlag.) „Wenn ich also richtig verstehe, Herr Ge- heimrat, kann man nicht so erzeugen wie bisher, weil sonst die Anzüge zu teuer wären; entläßt man aber die Arbeiter und produ- ziert billig, dann können die Entlassenen nicht kaufen, das heißt also, daß es ganz in Ordnung ist, wenn sich in den Magazinen die Anzüge immer mehr anhäufen und kein Mensch einen kaufen kann." „3n Ordnung ist das sicher nicht, aber.. „Aber Sie tragen dazu bei, diesen Zustand zu vervollkommnen, Herr Geheimrat." „Aha, also sind wir so weit, bin ich also wieder schuld, bin ich der leibhaftige Gott- seibeiuns!— Wie? Nun hören Sie, Wormser, ich bin das gewohnt, all das ist mir nicht neu Aber glauben Sie wirklich, daß ich auf nichts anderes sinne, als den Menschen jede Möglichkeit der Arbeit zu rauben— hieße das die Dinge nicht allzu einfach sehen? Wir trachten doch nur, den Menschen das Leben angenehmer zu machen. Ist es denn notwendig, daß der Mensch wie ein Tier arbeitet? Muß er Steine aus den Bergen, Kohle aus der Erde holen? Kann das die Maschine nicht für ihn tun? Ist er denn zu nichts anderem auf dieser Welt, als um Ware zu erzeugen?" „Ja, ja, Sie erleichtern dem armen Menschen das Leben so sehr, daß Sie es ihm in Bälde überhaupt ganz abgewöhnt haben werden. Allmählich verstehe ich schon Ihren edlen und humanen Gedankengang: Sie werden durch Ihre Erfindungen dem Men- scheu die Arbeit so sehr abnehmen, daß er infolge Mangels jeglicher Arbeit verhungern wird, und da der verhungerte Mensch keiner- lei Kuliarbeit mehr verrichten kann, haben Sie ihn endgültig von ihr befreit." „Sie machen uns auch", fuhr Crusius W behindert fort,„für Dinge verantwortlich, für die wir gar nicht verantwortlich sein können. Sie sprechen immer von Erfindern und Erfindungen. Es gibt ja gar keine Er- finder und gar keine Erfindungen. Seit einer Generation ist keine Erfindung von weitreichender Bedeutung entstanden. Die Maschine an sich— ja, das ist eine Erfin- dung. ober wir— wir sind nur Verbesserer der Maschine. Und da die Maschine nun einmal da ist. muß sie verbessert, muß sie vervollkommnet werden, ihr Wesen selbst verlangt das. Können Sie heute noch am Spinnrad sitzen? Wollen Sie den Stoff für Ihren Anzug noch selbst weben, wie es Ihre Ahnen gemacht haben? Können Sie heute noch Ihren Anzug mit der Hand nähen, statt sich der Nähmaschine zu bedienen? Ihr Ver- ächter der Technik! Man nehme euch nur ein ganz klein wenig eurer zivilisatorischen Errungenschaften und Ihr werdet Zeter und Mordio schreiben! Denken Sie aus Ihrem Zimmer das elektrische Licht weg und zün- den Sie wieder Kerzen an! Wie denken Sie über eine Behausung ohne Badezimmer, über eine Stadt ohne Straßenbahn, über ein Land ohne Eisenbahn? All diese Dinge haben Menschen Arbeit geraubt..." „Aber auch Arbeit gegeben!" „Ja. Aber wir sind doch für die un- gerechte, für die über den Menschen hinweg- schreitende Ausnlltzung unserer Erfindungen nicht verantwortlich." „Nein, nein, Ihr seid alle unschuldige Kinder. Ihr erfindet nur um der Erfindung willen, Ihr verkauft eure Erfindungen nur aus Menschenliebe." „Sie. Wormser, haben zweifellos das Recht, ungerecht zu denken, denn Sie ge- hören zu den Betroffenen. Sie haben nicht mehr den klaren Blick. Denn sonst sähen Sie, daß wir uns nicht in einer Krise befinden. sondern daß wir vor einer Wende unserer Gesellschaftsordnung stehen." „Ich danke Ihnen. Herr Geheimrat", sagte der Schriftsteller und erhob sich,„ich danke Ihnen recht sehr, denn jetzt weiß ich, warum ich mir den Anzug nicht kaufen kann: Nicht etwa, weil wir uns in einer Krise befinden — sondern weil wir vor einer Wende unserer Gesellschaftsordnung stehen. Das zu erfahren war mir wichtig und nun bin ich sehr beruhigt." Kaum hatte sich Crusius wieder zu seiner Arbeit gesetzt, als ihm ein neuer Besuch ge- meldet wurde; es war Direktor Lechner der Weltlinschen Werke, der ihn dringend zu sprechen wünschte. „Sie müssen entschuldigen, Herr Geheim- rat", begann Lechner,„daß ich Sie störe, aber ich muß Ihnen unbedingt Bericht er- statten. Unsere Situation ist ganz ver- worren!" „Na, was ist denn los, Herr Direktor? So schlimm wird es doch nicht sein!" „Herr Geheimrat haben ja die heutigen Zeitungen schon gelesen?" „Ja— und?" „Der Sturz des englischen Pfundes be- deutet eine Katastrophe für uns. Wir haben dort gegen hunderttausend Pfund Außen- stünde und verlieren daran zwanzig Pro- zent." „Das ist zweifellos sehr bedauerlich. Aber bedeutet denn das für uns eine Kata- strophe?" „Das allein wär's noch nicht. Aber beden- ken Sie, Herr Geheimrat, daß wir auch an unseren Forderungen in Dänemark, Schwe- den, Norwegen, Finnland zwanzig Prozent verlieren und ziehen Sie ferner in Betracht, daß wir aus all diesen Ländern namhafte Aufträge haben, von denen der größte Teil fertiggestellt ist und die wir nun nicht liefern können, wenn wir nicht neuerlich verlieren wollen." „Die Leute werden schon mehr bezahlen. wenn sie die Maschinen brauchen." „Das glaube ich nicht, Herr Geheimrat. Inzwischen aber brennt der Boden unter uns. Die fertiggestellten oder fast fertig- gestellten Maschinen repräsentieren ein Vermögen. Auck wir benötigen Geld, auch wir haben Verpflichtungen— woher sollen wir's nehmen, wie erfüllen, wenn wir die Ma- schinen nicht oerkaufen, wenn wir nicht Wechsel- und Geldeingänge bekommen?" „Ja, und die Banken, Herr Direktor?" „Banken, Herr Geheimrat!" sagte Lechner und lachte nervös auf.„Banken— wo gibt es heute eine, die helfen kann?! Ich habe alles versucht, es ist vergeblich. Dazu kommt, daß wir mit den Forderungen nicht warten können. Die Devisenverordnungen, die unsere Regierung erlassen hat, verpflichten uns, alle Außenstände der Nationalbank anzumelden, der Verlust ist also unwiderruflich, wir können nicht auf Besserung warten, und Arlur Holenberg: Slam und Jerulnlem Anmerkungen su£ion Seuchlnangers„Der iüdifche.Krieg" Im Jahre 70 nach Christus haben die römischen Legionen Jerusalem und den Tempel zerstört. Das war der tödliche Schlag für das Judentum in Palästina. Seitdem spielt sich die jüdische Ge- schichte in der Zerstreuung unter den anderen Völkern ab. Der Untergang Jerusalems ist der Gegenstand eines bedeutenden historischen Romans, den Lion Feuchtwanger vor' kurzem voll- endete.(..D er Jüdische Arie g". Zwischen Rom und Jerusalem. Propyläen-Verlag.) Der historische Roman ist eine problematische Gattung der Literatur. Nicht mit Unrecht wollen viele kritisch gebildete Leser von historischen Er- Zählungen nichts wissen. Denn jeder Mißbrauch, der mit der Geschichte getrieben wird, kehrt in verstärktem Maße im geschichtlichen Roman wieder. Die Geschichte, kritisch und materialistisch aufgefaßt, ist ein mächtiger Hebel zur Befreiung der Menschhell. Mit der falschen Erhabenheit der Ideologie umhüllt, ist die Geschichte eine Kraft der Reaktion. Zunächst kann man versuchen, alle Mißstände der Gegenwart mit dem alten ehr- würdigen Mantel des historisch Gewordenen zu umkleiden. Noch wichtiger ist das Bestreben, den ringenden Menschen der Gegenwart unsicher zu machen, indem man seiner eigenen Unzulänglich- kell die riesigen Schatten der Vergangenheit ent- gegenstellt. Alles Pathos ist im gewissen Sinne reaktionär, indem es den lebenden Menschen vor unergründlichen Erhabenheiten in den Staub drücken möchte. Das gilt ganz besonders von dem Pathos der Distanz, von dem Pathos der Historie. Der historische Roman wurde eine typische MlaSWche Philosophen Spikur sai-270 v. Chr. Gewöhne dich on den Gedanken, daß der Tod uns nichts angehe; denn alles Gute und Schlimme beruht auf Erfindung: der Tod aber besteht eben in der Aufhebung der Empfindung. Deshalb er- möglicht uns die richtige Erkenntnis, daß der Tod uns nichts angehe, erst den Genuß des sterblichen Lebens, indem sie nicht an dieses ein Dasein von unendlicher Dauer ansetzt, sondern indem sie Sehnsucht nach Unsterblichkeit beseitigt. Denn nichts ist im Leben für den furchtbar, der wirk- lich den Gedanken erfaßt hat, daß im Nichtleben nichts Furchtbares liegt. Es ist also«ine törichte Behauptung, man fürchte den Tod nicht, weil er schmerzen werde, wenn er einmal kommt, sondern weil die Aussicht aus ihn schmerze. Denn was. wenn es da ist, nicht widerwärtig ist, bei dem ist es eine Einbildung, daß feine Erwartung Schmerz verursache. Das schauerlichste U«bel, der Tod, geht uns somit nichts an, weil, solange wir sind, der Tod nicht da ist: ist er aber da, so sind wir nicht mehr da. * Es ist ferner zu bedenken, daß von den Be. gierden die einen natürlich find, die anderen grundlos, und von den natürlichen die einen not- wendig, die anderen nur natürlich: von den not. wendigen sind die einen zum Glück notwendig. die anderen zur Beruhigung des Leibes, wieder andere zum Leben selbst. Welche von ihnen zu wählen und welche zu meiden sind, das vermag die Sicherheit der Lehre über sie auf die Gesund- heit des Leibes und auf den Frieden der Seele zurückzuführen, weil dies das Ziel eines glück- Literarurgattung für das vom Feudalismus ge- schlagene und vom Proletariat erschreckte deutsche Bürgertum der Zell seit 1830. Man legte sich die Toga der Römer und die Bärenhaut der Ger- manen um, man schwang dos Szepter der Pharaonen, man schwelgte in den schaurigen Abenteuern der Renaissance. Man lies zurück in die fernste Vergangenheit, um dort„das Schöne und das Erhabene" zu finden, das der kümmer- lichen Gegenwart Halt und Kraft geben sollte. Besonders dos Römerdrama und der Römer- roman wurden der Tummelplatz eines leeren abgedroschenen Pathos. Man möchte fast glauben, daß solche Bücher den Zweck verfolgen, ihre Leser zu ewigen Quartanern zu machen. In der letzten Generation hat der unsterbliche A natole France eine ganz andere litera- rische Behandlung des Altertums versucht. Er war im Besitz einer erstaunlich genauen Kenntnis der Griechen und Römer. Aber zugleich war er ein kritischer moderner Geist und in enger Fühlung mit der sozialistischen Arbellerbewegung. Anatole France verschmähte das Pathos der Historie. Denn nichts ist deswegen erhaben, weil es sich vor 2000 Jahren abgespielt hat. Er zeigte uns die Römer als die bürgerlichen Menschen und das römische Wellreich als die ungeheure technisch- kapitalistische Maschinerie. Es ist das höchste Lob, das man Lion Feuchtwanger erteilen kann, wenn man fest- stellt, er schreibe einen historischen Roman im Geiste von Anatole France. Er kommt zwar dem französischen Meister in der unver- gleichlichen Kraft'der Konzentration nicht gleich. lichen Lebens ist. Denn das ist der Zweck alles unseres Tuns, daß wir nicht den Schmerz erleiden noch im Innern gestört werden. Ist uns dies einmal zuteil geworden, dann legt sich oer ganze Sturm der Seele, da dann das lebende Wesen nicht mehr auf etwas Unzureichendes ausgehen noch etwas anderes suchen kann, was das höchste Gut für Leib und Seele bilden könnte. Denn wir haben nur oann«in Bedürfnis nach Lust, wenn wir infolge der Abwesenheit von Lust Schmerz empfinden: wenn wir aber keine Lust empfinden, brauchen wir auch die Lust nicht mehr. Deshalb bezeichnen wir die Lust als Ausgangs- punkt und Ziel des glücklichen Lebens. In ihr haben wir das erste und angeborene Gut er- kannt: sie bildet den Ausgangspunkt für all unser Wählen und Meiden und auf sie kommen wir zurück, indem wir alles, was gut ist, nach dem Maßstab des Affektes beurteilen. Und da sie das erste und angeborene Gut ist, so wählen wir auch darum nicht jede Lust, sondern wir verzichten unter Umständen aus vieles, was Lust bringt, wenn die Folgen davon für uns eine größere Widerwärtigkeit wäre: und viele Schmerzen ziehen wir der Lust vor, wenn eine größere Lust daraus entspringt, daß wir langwierig« Schmerzen ertragen. * Weder in der Jugend sollte man zaudern, sich der Philosophie zu ergeben, noch im Aller dessen müde werden. Denn es ist nie weder zu früh noch zu spät, wenn es sich um die Gesundheit der Seele handelt. Wer aber sagt, er wolle noch nicht mit der Philosophie beginnen, oder die Zeit dazu sei vorüber, der gleicht einem Menschen, der sagt, die Zeit zum Glück sei noch nicht oder nicht mehr da. es ist auch gar nicht abzusehen, wann und woher diese Besserung kommen sollte." „Also, was schlagen Sie vor, Herr Di- rektor?" „Ich sehe nur einen Weg, Herr Geheim- rat: Wir wenden uns an die Regierung um Hilfe. Und sollten wir diese nicht in aus- reichendem Maße erhalten, dann müssen wir schließen— und zwar sofort!" „Haben Sie das auch gut bedacht?" fragte Crusius; er ging mit großen Schritten im Zimmer auf und ab.„Haben Sic das be- dacht? Schließen— das hieße neuerlich Tausende von Leuten arbeitslos machen, denn mit der Schließung unserer Werke werden doch auch soundso viel andere Be- triebe ohne Arbeit sein! Das geht nicht, Herr, das geht nicht!" „Sehen Sie etwa einen anderen Weg, Herr Geheimrat?" „Die Zeit erfüllt sich", sagte Crusius, blieb vor dem Besucher stehen und fuhr fort: „Kommen Sie, Herr Direktor, ich will die nötigen Wege mit Ihnen gehen.. Vieleicht kann ich, kann mein Name noch irgendwie helfen!" Und während des Ankleidens sagte er immer und immer wieder nur: Weltlin! Weltlin! (Fortsetzung folgt.) Aber Feuchtwanger hat ebenfalls in gründlichen Studien sich ein Bild von den alten Römern gemacht, wie sie wirklich gewesen sind. Er zeigt das kapitaliftisch-technische Rom im Zeitalter der Cäsaren. Es bleibt der ungeheure Unterschied zwischen der Antike und der Gegenwart bestehen, weil damals ein Industriekapital in unserem Sinne nicht vorhanden war. Aber dafür gab es ein mächtiges spekulatives Handels- und Bank- kapital. Ueberhaupt war die römische Antike bereits ein bürgerliches Zeitalter und steht uns deshalb viel näher als z. B. das feudale Mittel- alter. So kann Feuchtwanger ohne einen historischen Fehler zu begehen, die Krücken des Pathos weg- werfen und die Römer als Menschen unserer Art malen. Damit erregte er bei den Leuten Aergernis, denen die antike Erhabenheit als ideologisches Schlafmittel wohl tut. Eine Kleinig- kcit sei hier als Beispiel angeführt: Die lateinische Sprache hatte vernünftigerweise nur eine einzige Anredeform. Sie kannte den steifen lächerlichen Unterschied des deutschen„d u" und„S i c" nicht. Bei Feuchtwanger reden sich die Römer, wo es sachlich geboten erscheint, mit„Sie" an. Die alihergebrachte schulmäßige Ucbersetzung dagegen läßt sämtliche Lateiner sich duzen. Selbstver- ständlich hat Feuchtwanger recht. Denn wenn zwei ernste Männer, die miteinander nicht intim befreundet sind, verhandeln, müssen sie im Deutschen„Sie" sagen. Wenn man die beiden sich duzen läßt, verlegt man damit die Szene in den Göttcrhimmel oder in die Kinderstube. Der Krieg der Römer gegen die Juden war nicht nur ein nationaler, sondern vor allem ein sozialer Kampf. Die besitzenden Juden suchten sich vielfach dem herrschenden Römertum anzu- pasien, wobei ihre Geschäfte gediehen. Die arme Masse in Palästina dagegen gehörte der sozial- revolutionären Richtung der Zeloten an. Die Zeloten wollten zugleich die jüdische und die römische Herrenschicht beseitigen und eine religiöse Republik des armen Volkes errichte». In einem heldenhaften Kampfe sind die jüdischen Re- volutionäre den römischen Legionen, dem römischen Kapital und den Verrätern aus dem eigenen Volk erlegen. Der Held in Feuchtwangers Roman ist der jüdische Geschichtsschreiber I o s e p h u s, der in einem berühmten Werk den Untergang Jerusalems geschildert hat. Josephus, ein hochbegabter, aber völlig charakterloser Mensch, war erst, wie Feucht- wanger sagt, ein„Volkskommissar" der jüdischen Revolutionäre, dann ließ er sich von den Römern fangen, machte sich bei der römischen Heeresleitung unentbehrlich und hat im Gefolge des römischen Generals die Zerstörung Jerusalems mit angesehen. Das Geschichtswerk des Josephus ist ein hochinteressantes Wert, aber von einer, man möchte sagen, weißgardistischen Ge- hässigkeit gegen die jüdische Revolution. Feucht- wanger hat sich in die Personen und das Werk des Josephus gründlich vertieft, aber er ließ sich von dem tendenziösen Urteil des Josephus nicht verführen und hat die Zeloten gerecht dargestellt. Auch der Versasier eines historischen Romans ist ein Dichter und hat die Freiheit des Poeten gegenüber den Tatsachen. Dennoch sei ein wichtiger Punkt hervorgehoben, in dem die Dar- stellung Feuchtwangers von der historischen Wahr- heit abweicht. Der römische General Titus wollte nach der beste» Ueberlieferung unbedingt den Tempel des jüdischen Gottes zerstören. Feuchtwanger dagegen, in Anlehnung an Josephus, stellt es so dar, als sei der Tempel nur einer Verkettung unglücklicher Umstände zwn Opfer gefallen. Feuchtwangers lebendige, spannende und kraft- volle Darstellung wird vielen Tausenden moderner Leser jene bedeutsame Geschichtsepoche neu er- schließen. Sie wird das Andenken jener Männer erneuern, die vor 1862 Iahren in Jerusalem auf verlorenem Posten für die soziale und nationale Gerechtigkeit gefallen sind. Die Wahrheit über den Stahlverein Durch Ueberkapitalisierung und Fehlspekulation ruiniert Die Großaktionäre der Vereinigten Stahlwerke ä Is Fritz Thyssen wollen mit aller Gewalt die notwendige Sanierung verhindern. Herr v. F l o t o w wird unter schärfsten Druck gesetzt. das von ihm im Austrag des Reichs zu erstattende Gutachten zum Vorteil der privaten Großaktio- näre zu formulieren. Größte össentliche Interessen stehen auf dem Spiel. Was ist die Wahrheit? wenn Herr v. Zlotow die Wahrheit suchen würde, müßte er von der Feststellung ausgehen: Der Stahlverein wurde von vornherein über- kapitalisiert. Das Kapital des Stahlvereins ist 1926 bei der Gründung mit 899 Millionen sestgesetzt wor- den. Nach den ursprünglichen eigenen Ansichten der Gründer wäre höchstens ein Kapital von 699 Millionen angemessen gewesen. Die Gründer erhielten aber außer den 899 Millionen Mark Aktien für eingebrachte Patente und Lizenzen noch 12S Millionen Mark Genuß- scheine sdie übrigens 1931 bis 193S in Raten noch zu tilgen und mit S Prozent zu verzinsen find!). Das mit Rente zu versehende Kapital be- trug nach der Gründung also faktisch 9 2 S Millionen Mark. Das waren schon damals 326 Millionen oder mehr als 39 Prozent zu viel. Dies« 323 Millionen sind als unberechtigte Gründuugsgewinne anzusehen. Die Gründer haben sich aber noch über 199 Millionen für die eingebrachten Vorräte zahlen lassen. Die Verantwortung für diese Ueber- kapitalisterung liegt klar zu Tage. Die Gründer- gesellschaften,' die zum großen Teil mit den pri- vaten Großaktionären von heute noch identisch sind, haben bewußt hohe Gründerge- Winne gewollt: Im Januar 19 2 6, drei Monate vor der Gründung, hat Generaldirektor Haß- l a ch e r erklärt, daß sich„mit einer Kapazität-- ausnutzung von 35 Proz. für Kohle und von 63 Proz. für Eisen nicht wirtschaftlich arbeiten" lasse. Das galt schon für die vor der Gründung— um nicht weniger als 179 Millionen niedrigere Be- Wertung der Anlagen. Generaldirektor Bögler hat vor dem Enqueteausschuß erklärt:„Die Tatsache, daß keine der Unternehmungen in der Lage war, ihre Schulden abzuoerdienen, bis auf wenige Ausnahmen, war wohl in der Hauptsache der Grund unseres Zusammenschlusses. Ich übertreibe gar nicht, wenn ich sage, daß ohne den Zusammenschluß die Hälfte der in den Ver- einigten Stahlwerken zusammengeschlossenen Unternehmungen in wenigen Monaten vor Kapitalzusammenlegungen gestanden hätte." Zu dieser Feststellung des Generaldirektors Vögler ist die Aussag« des kürzlich verstorbenen Finanzberaters der Ruhrkonzerno, des Bankiers Louis Hagen, zu nehmen, der vor dem Enquete-Ausschuß schon sllr die Gründer- gesellschaften des Stohlvereins selbst eine Ueberkapitalisierung festgestellt hat. Diese Feststellungen von unmittelbar und mittel- bar Verantwortlichen zeigen klar, daß es den Gründern des Stahlverein- voll bewußt gewesen sein muh, daß sie bei 899 Millionen Kapital und 125 Millionen Genußscheinen eine Ueberkapitali- sierung durchführen. Nun war gewiß die Verbesserung der Rentabilitätsgrundlagen durch tech- nische und kaufmännische Rationalisierung der Sinn des Zusammenschlusses. Da aber nach den Feststellungen von Hoßlacher und Vögler es sich zunächst nur um die B e> e l t i g ü n g von Verlustquellen, also nur um die Schaffung einer noch nicht vorhandenen Rentabilität Handelte, war es kaufmännisch nicht zu verant- warten, wie es geschehen ist, die Anlagen noch um 179 Millionen höher als bei den alten Ge- sellschaften zu bewerten. wenn Herr von Flotow die wahrheil sucht, wäre zur heutigen Lage des Slahlvereins folgende weitere Feststellung zu tressen: Die heutige und ohne Sanierung dauernde Un- Hoesch schreibt ab Zusammenlegung des Kapitals In der Aufsichtsratssitzung des Hoefch-Reu efsener Bergmerksvereins wurden die Abschluß- Ziffern ftis das am 39. Juni beendete Gc- schäftsjahr bekannt gegeben. Der Rohgewinn beträgt 9,69 gegen 7,33 Millionen im Vorjahr. Auf Werksanlagen werden 11,8, auf Beteiligungen 29,37 Millionen abgeschrieben, so daß angesichts des kleinen Rohüberschusfes für rund 31 M i l- lionen Mark Verluste bilanzmäßig- Deckung zu schaffen ist. Es werden 49 Millionen eigene Stammaktien mit einem Buchgewinn von 17,36 Millionen Mark eingezogen und zur Deckung verwendet, ferner ' 9,69 Millionen aus einer Rücklage für Außen stände und 13,92 Millionen aus der ordentlichen Reserve. Das Aktienkapital wird dann 192,76 Mil- lionen Mark betragen, die Reserve 15 Millionen Mark. Für den 21. Dezember wird eine außer- ordentliche Generalversammlung einberufen, um die Einziehung der 49 Millionen Mark Hoesch- Aktien zu beschließen. 'rentobilitäl des Stahlvereins ist die Folge seiner 'bermähiem Verschuldung, diese aber wäre hne die lleberkapilolisierung nicht möglich zewesen. Die Beurteilung der Lage des Stahlvereins er- gibt sich aus unseren Zusammenstellungen: 1. Das Eigenkapital und die Schulden in Millionen Mark April 26(Sept. 30i 836 942 Cigenkapital u. Res. 889 l 889) Schulden...... 318( 886) Anlayewerte ohne Abschreib Anlaqewerte mit Absbreib.... 1978(1976) 1972 Beteiligungen... 93( 318) 291 Umsatz........-(1261) 849 Ab- und Sept. 31 Zunahme geg i92ß 44 624 . 1978(1439) 1478+ 499 6 198 II. Kapazität und Ausnutzung der Merke in Millionen Tonnen IV. Die Zinslast bei anderen Konzernen Stahl- Mittel- verein Krupp Hoesch Hantel stahl 3.6 2.2 2.3 1.5 2.4 zum Stahlverein nur wenig zu verschulden brauchte(nur etwa ein reichliches Viertel), so daß die Gute-Hoffnungshütte 1928�29 dem besten Konjunkturjahr. ihr Eigen- und Anleihekapital 2,2 mal umschlagen konnte der Stahlverein schlug sein Kapital nur 9.9 mal um. Die Ueberkapitalisierung, die eine zu hohe Dioidendensumme verlangte, und die Rationalisie- rung einer übermäßigen Kapazität die eine nutz- lofe Verschuldung und zu hohe Abschreibung«- bedürfnisse brachte, waren um so ärgere Fehlspekulationen, als man angesichts der Kapitalteuerung in Deutsch- land aus die Bildung innerer Reserven bedacht sein mußte Innere Reserven brauchte man auch für den Fall eines stärkeren Beschästi- gungsrückganges, weil bei der großen Bedeutung der fixen Kosten(39 bis 49 Pro;.) und der pro- gressiven Kostensteigerung bei sinkender Beschästi- gung(nach Klöckner 29 Pro; je Tonne Stahl bei 49prozentiger Ausnutzung) die Rentabilität noch schneller sinkt als der Umsatz. Alle diese Faktoren mußten dahin wirken, daß ausreichende Ueberichüsse nicht zu sichern, die Kapltalbesch tisung durch neue Aktien unmöglich, die langsristige An eihebelchafsung an einem be- stimmten Zeitpunkt nich� mehr durchtüyrbar, die kurzfristige Verschuldung schließlich der einzige Kredüweg und die faktische Zaklungeuntähigkeit nur dadurch zu verhindern war. daß die Gläubiger mit ihren Forderungen stillhielten. Die s a k- tische Zahlungsvnsäh gke't dürste be- merkenswerterweise beim Stahlverein schon sehr lange vor der vollen Auswirkung des Beschästi- gungsrückganges eingetreten fem Die Behauptung ist wahrscheinlich gerechtfertigt daß selbst in den besten Konjunkturjahren die Rentabilität des Stahlvereins nicht gesichert war. Danach kann der veschösligungsrückgang nicht die Ursache der Unrenlabilitäl sein. Die Ursachen des inneren Zusammenbruchs der Vereinigten Stahlwerke können nur in der ll b e r- mähigen Verschuldung gesehen werden, die sich aus der Ueberkapitalisierung zu Beginn und aus der Rationalisierung einer übergroßen Kapazität zwangsläufig entwickeln mußte. Für diese Fehlspekulationen sind auch weder der Staat noch die Gewerkschaften in irgendeiner Hinsicht verantwortlich, sondern die Leitung der Bereinigten Stahlwerke, ihre Großaktionäre und die beteiligten Banken allein Sie haben auch die Opfer zu tragen, die für die Rettung der Ver- einigten Stahlwerke zu bringen sind Wagemann über Konjunktur Oeffentliche Arbeitsbeschaffung gefordert 1931 betrug die reine Zinslast im Verh. z. Umsatz.... Proz. Tabelle I zeigt die um 6 2 4 Millionen vermehrten Schulden und entsprechend die um 499 Millionen bzw. 198 Millionen oermehrten Anlagen und Beteiligungen. Tabelle II stellt Kapazität und Aus- Nutzung der Werke gegenüber und errechnet die mittlere Ausnutzung der Anlagen Tabelle III zeigt, wie trotz rückgängigen Um- sätzen der Schuldendienst absolut und relativ schließlich so stark anstieg, daß 1931/32 schätzungs- weise jede 8. bis 9. Mark des Umsatzes für den Schuldendienst erforderlich wurde (Schätzungen aus dem„Börsen-Courier"). Der Schuldendienst stieg in 4 Jahren von x/w auf Ya der Lohnsumme. Tabelle IV zeigt(ebenfalls nach„Börsen- Courier"), daß die reine Z i n s b e l a st u n g den Stahlverein zwei-, drei- und fast viermal so st a r k belastet als andere Montankonzerne. Aus unseren Zusammenstellungen sind folgende Schlüsse zu ziehen: Die vewegungsunsähigkeil und Unrenlabilitäl des Slahlvereins sind nicht in erster Linie durch den Beschäftigungsrückgang, sondern durch die übermäßige Verschuldung und die höhe des Schuldendienstes verursacht. Diese sind eine Folge der Ueberkapitalisierung bei der Gründung und der Ausrechterhaltung einer zum möglichen Umsah in Widerspruch stehenden Substanz. Die mittlere Ausnutzung der Stahl- Vereinsanlagen betrug in der Vergangenheit im groben Durchschnitt noch nicht 59 Proz. In der Zukunft sind Inlandsaufträgc wie in der Bau- und Rationierungszeit von 1926 bis 1929 nicht mehr zu erwarten. Der Kampf auf dem Welt- markt wird nicht weniger scharf, durch kleinere Jnlandsaufträge wahrscheinlich aber noch verlust- bringender sein als bisher. Die jetzt übermäßig niedrigen Löhne und Gehälter werden sich in der Zukunft wieder bedeutend erhöhen. Die K a p a- z i t ä t des Stahlvereins war von vornherein zu groß: ihre Ausrechterhaltung und spätere Ausdehnung durch neue Beteiligungen trotz einiger Stillegungen war eine Fehlspekulation. Die übergroße Kapazität wurde in ihrer G e- samtheit rationalisiert. Do von vorn- herein Ueberkapitalisierung und Ueberbewertung der Anlagen gegeben war, mußte die Rationali» sierung. da aus dem möglichen Umsatz kaum der Crneuerungsbedarf zu finanzieren war zu einer übermäßigen Verschuldung führe» Rationalisierungs- und verschuldungskosten inußten so hoch werden, daß man mil der Kostensenkung durch Rationalisierung vergeblich der Rentabilität nachlief. Wenn man durch die Rationalisierung der An- lagen ihre Rentabilisierung erst«rhosst«, durste man den erwarteten Erfolg nicht durch die Ver- Wässerung des Eigenkapitals vorwegnehmen und durch die Aufrechterhaltung einer über- mäßigen Kapazität nicht gefährden. Selbst in Zeiten der Hochkonjunktur war die Erwirtfchaftung ausreichender Abschreibungen so n-ckit zu erwarten Charakteristisch für diese Zusammen- hänge ist, daß die hochleistungsfähige Gute- Hoffnungshütte durch ihre niedrige Kapi- talisterung(nur V, des amerikanischen Schätzungs- wertes statt 14 beim Stahlverem) und durch die richtiger bemessene Kapazität sich im Verhältnis Prosessorx Wagemann sprach aus der Herbst- tagung des Wirtschaftsverbandes für den Regie- rungsbezirk Magdeburg über„Die Konjunktur und ihre Aussichten". Sowohl in der Welt und in Deutschland seien Ansätze zur Besse- rung festzustellen. Die Weltvorräte vermehrten sich nicht mehr, die.Weltproduktion sei ein wenig — allerdings im Vergleich zur Produktions- kapazität minimal— gestiegen. Die deutschen Vorräte hätten sich seit >928 bis jetzt von 28 auf 22,3 Milliarden Mark vermindert. Aber der Lagerabbau lpi noch nicht so weit vorgeschritten, daß von hier aus ein« Pro» duktionsbelebung zu erwarten sei. Die Vorgänge aus dem Geld- und Kapitalmarkt seien n i ch t u n- g ü n st i g. Die Sparkassen verzeichneten im Oktober wieder eineu Einzahlungsüberschuß, die gehamsterten Noten kämen wieder zum Vorschein, die Bankbilanzen zeigten, daß die eigentliche Kredittrise überwunden sei. Zu übertriebenem Optimismus be- stehe aber noch kein Anlaß. Bei 6 bis 7 Mil- lionen Arbeitslosen würde die Privatwirtschast nur sehr schwer aus eigener Kraft auf die Beine kommen können. Denn die Ursache der Krise sei nicht Kapitalmangel, da an Produllionsmöglich- leiten Ueberfluß bestehe, sondern Absatz- Mangel. Neben Zins- und Steuersenkungen sei also eine Hebung des Absatzes durch össentliche Arbeitsbeschaffung unbedingt notwendig. Voraus- setzung sllr eine großzügige Arbeitsbeschassung sei irgendeine Art von Kreditausweitung. Damit daraus keine Gefahren für die Währung er- wüchsen, seien Sicherungen notwendig. Solche Sicherungen beständen in einer grundlegenden Reorganisation der Großbanken und in einer öffentlichen Kontrolle ihrer Kreditschöpsung. Eine solche„aktioistische Wirt- schastspolitik" sei das einzige Mittel zur Krisen- Überwindung. Rapider Pfundsturz Der Schilling nur noch 64,9 Pfennig Das englische Pfund erlebte am Dienstag einen stürmischen Tag. Bon New Port ausgehend setzte sich der Kurseinbruch rapide fort. Im Verhältnis zum Dollar sank das Pfund von 3,29 in kurzen Sprüngen bis auf 3,15)4, was, aus Markwährung umgerechnet, einem Kurzsturz von 13,44 auf 13,23)4 M. entspricht. Der englische Schilling(Goldparität— 1 Reichsmark) ist damit auf 64,9 Goldpfennige gesunken. Die Unruhe auf dem Pfundmarkt hält an. ob- wohl sich die Nachricht bestätigt, daß aus England Gold im Werte von etwa 3 Millionen Pfund nach New Park verschifft worden sind. Es erhält sich aber hartnäckig das Gerücht, daß diese Goldver- schiffung nur zum kleineren Teil aus englische Rechnung, zum größeren Teil dagegen auf sranzösischc Rechnung erfolgt. ILrdoIhonkliht Persien hebt die Oelkonzession auf Zwischen der persischen Regierung und der Anglo Persian Oil Cy.— das bedeutet: zwischen Persien und England— ist ein Konflikt ausgebrochen, der ein interessantes Licht auf die Methoden des Imperialismus, auf die Ver- guickung von Politik und Geschäft wirst. Die Anglo Persian ist der drittgrößte Erdölwelttrust(nach Standard Oil und Shell) und beutet vor allem die persischen Oelquellen aus. auf die ihr im Jahre 1991 eine Konzession aus 6g Jahre erteilt wurde Die Konzessions- abgaben sind infolge des Sinkens der Welt- Marktpreise für Erdöl so gering geworden, daß seit mehreren Jahren über eine Erhöhung ver- handelt wurde, ohne Erfolg. Jetzt hat die persische Regiermig der Gesellschaft plötzlich die Konzcssion gekündigt: sie hat sich aber zu neuen Ver- Handlungen bereit erklärt. Die Anglo Persian hat die Kündigung nicht angenommen, da sie im Konzesstonsoertrage nicht vorgesehen sei. Die Angelegenheit wird zu einer politischen durch, als die englische Regierung die Mehrheit des Aktienkapitals der Anglo Persian, nämlich 7,5 von 13,42 Millionen Pfund, besitzt. Das weitere Vorgehen der englischen Gesellschaft wird daher vom englischen Kabinett bestimmt werden, das vorläufig allerdings mit wichtigeren Fragen, nämlich den der Kriegsschuldenzohlung an Amerika, beschäftigt ist. Zentralgenossenschaftskasse In der ersten Hauptversammlung der Deut- schen Zentralgenossenschaftskasse wurden entsprechend der Notverordnung vom 31. Oktober d. I. die Ausschußmitglieder gewählt. Hermes, Hohenegg, Rabe, Kramer, Keidel und Huguenin oertreten in dem zehnköpfigen Gremium die landwirtschaftlichen Genossenschaften, Schumacher, Schumann und Esser vertreten die gewerb- lichen Genossenschaften: als Vertreter der Konsum- genossenschaften wurde Direktor Albert von der GEG.-Hamburg gewählt. Staatliche Elektropolitik Die Preußische Elektrizitäts-A.-G.(Preag) und die A.-G. Sächsische Werke— Preußens und Sachsens Elektrokonzerne— haben sich in die Beherrschung der Thüringer Gas- A.- G. jetzt gleichmäßig geteilt. Di« Preag hat der A.-G. Sächsischer Werke 3 Millionen Mark Thüringer Gas-Aktien zum Einstandskurs über- geben, wodurch jeder der beiden Konzerne jetzt über 8,23 Millionen Mark Aktien von dem 39-Millionen-Kapital der Thüringer Gasgesellschaft verfügt. Die Maßnahme entspricht der Abmachung eines Jnteressengsmeinschaftsver- träges sür die gemeinsame elektrowirtschaftliche Betätigung in Mitteldeutschland, der 1939 abge- schlössen wurde und ein gleichberechtigtes Vorgehen vorsah. Die Gclsenkirchener Bergwerks-A.-G., die heute vom Reich beherrscht wird, hat zum 14. Dezember ihre Generalversammlunng einberufen. Der Geschäftsbericht wird demnächst ver- öffentlicht. Ver verwaltungsral der Reichsbahn. Die Reichsregierung hat die mit Ende des Jahres aus dein Verwaltunasrat der Deutschen Reichsbahn- Gesellschaft ausscheidenden Mitglieder Dr. Welker, Dr. Schmitz, Dr. Silverberg, Herrmann und Kaiser wieder zu Mitgliedern des Verwaltungs- rats ernannt. Die Rordhausener Schachtbauindustcie hat für den Ausbau des Mittellandkanals die Schacht- bauten für das Schiffshebewerk bei Wolmirstedt in Auftrag bekommen. Der Auftrag ist mehrere Millionen Mark wert. ckiq Tabopaste, die von mehr als 6 Millionen Menschen— allein in Deutschland— täglich gebraucht wird. Vorzüglich in der Wirkung, sparsam im Verbrauch, von höchster Qualität. Tube 50 Pf. und 80 Pf. Weisen Sie jeden Ersatz dafür zurück.