Abend-Ausgabe Nr. 564 B 274 49. Jahrg. Redaktlon und Verlag, Berlin SW 68, Lindenstr. 3 ?-rnwr«cher A � Ami DönhofI 292 bK 297 T-legrammabr-fs«! Sojwlbtmotrat Berlin MITTWOCH 30. November 1932 In Groß- Berlin 10 Pf. Auswärts...... 10 Pf. Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise siehe Morgenausgabe Zentvalovgan der Sozialdemokraiischen Partei Deutschlands Vartkitag im März in k'ranlrkurt a. M. Ter Parteivorstand hat beschlost'eu, dem Parteiausschuß vorzuschlagen, daß der Parteitag in der Woche vom 12. bis J 9. März— in die auch der 3 9. Todes» tagvonKarlMarx fällt— in srrank- furt a. M. stattfinden soll. Durcheinander ?Iäne gegen das Volk aus Furcht und Unfähigkeit „Tolles Durcheinander bei der Regie- rungsblldung"— so urteilt heute morgen der„Berliner Lokal-Anzeiger", das Blatt Hugenbergs� Es ist ein tolles Durcheinander, es ist schon mehr, es ist stille Anarchie! Die„grundsätzlich neue Staats- führung" der autoritären Politiker erteilt einen Anschauungsunterricht darüber, was bei der autoritären Politik herauskommt! Dies Durcheinander haben die um Hugen- berg im Bunde init den staatsstreichlüsternen Kreisen gewollt. Sie denunzieren es heute und benutzen es zugleich, um aufs neue laut nach Papen zu schreien und nach Boll- machten gegen den Reichstag und die Berfassung! Sie wollen den Reichspräsi- denken auf die Linie des Kampfes gegen das Volk drängen. Die staatsstreichliisternen Kreise sind sich darüber im klaren, daß sie damit e i n provokatorisches Spiel treiben. Sie fürchten sich vor der Empörung des Volkes und den Konsequenzen einer Wieder- ernennung Papens, aber gerade deshalb drängen sie auf bösartige Experimente. Hilgenbergs„Lokal-Anzeiger" nennt unsere Warnung vor einem neuen Papen-Experi- ment„eine gemeingefährliche Hetze". Hugen- bergs„Tag" malt die Präsidentenkrise an die Wand. Die„Deutsche Allgemeine Zei-' tung" aber wird ganz deutlich: „Es wird immerhin bestätigt— und das läßt den Ernst der Lage erkennen—, daß auch d i c General st reikgefahr bei den Verhandlun- gen eine nicht unbeträchtliche Rolle spielt. In diesem Zusammenhang wird daran erinnert, daß früher bereits Verordnungen bestanden haben, die das Streiken in lebenswichtigen Betrieben verboten. Offenbar werden ähii- liche Maßregeln auch jetzt für den Fall ernsthafter Zuspitzung vorbereitet." Das neue Papen-Regime soll also zu- sammen mit einer Reihe von Ordonnanzen gegen das Volk und seinem leidenschaftlichen Protest ins Leben treten! Am Ende des großen Durcheinanders aus Unfähigkeit und bösen Willen soll eine Diktatur stehen, die dem Volke den Mund mit Verboten zustopft und sich mit Gewalt vor den Konsequenzen ihrer Provokation schützt! Das ist die Ab- ficht der Strippenzieher für Papen im reak- tionären Lager! Dabei läuft im„autoritären" Lager alles durcheinander. Unkontrollierbare Meldungen und Behauptungen jagen einander. Um eine angebliche Besprechung Schleicher-Hitler sind Kombinationen gesponnen worden. Aber Hitler ist nicht in Berlin, und eine Einladung Schleichers an Hitler soll ebenfalls nicht bs- stehen. Dies Durcheinander ist die Ouvertüre des neuen Papen-Experiments! Es wird in seiner reaktionären Gewaltsamkeit, seinem Kampf- charakter gegen das Volk nackt und bloß am ersten Tage seiner Existenz dastehen! Die stille Anarchie, die heute schon besteht, ist eine ernste Warnung an alle, die nach wie vor das Volk mit Papen provozieren wollen! Hitler zieht Notleine Ltatt in Berlin schon in Weimar ausgestiegen Der„große Führer" Adolf Hitler hat feine Fahrt im Schlafwagen mit Rohm nicht nach Berlin fortgesetzt, sondern sie in Weimar unter- broch-n. Dort hält er heute Cercle ab mit feinen Unterführern, die ratlos find, weil der Ober-Ofaf ratlos ist. Gregor S t r a ß e r und F r i ck haben ihr Berliner Hotel ganz plötzlich verlassen und sind im Auto abgefahren. Wie es heißt find sie gleichfalls nach Weimar gereift, um Hitler„Bericht zu erstatten". Jedenfalls hat die für heute vor- mittag erwartete Unterredung Schleicher- Hitler noch nicht stattgefunden und den,- entsprechend auch die Berichterstattung beim Reichspräsidenten noch nicht erfolgen können. Ob es trotzdem zu der angeblich geplanten Besprechung zwischen Hitler und Schleicher kommt. ist bisher ungewiß. Bemühunzen, eine derartige Besprechung zuftandezubringen, sind zahlreich im Gange. Von amtlicher Seite wird jedoch bc- hauptel, daß eine direkte Einladung Schleichers an Hitler bisher nicht ergangen fei. Bei den bisherigen Besprechungen Hillers in Weimar ist es noch zu keiner Klärung ge- kcinnien, ob der Führer der NSDAP, nach Berlin zu der Besprechung mit Schleicher kommen wird. Er wartet noch die Ankunft S t r a h e r s und F r i ck s ab, die heute früh um ö Uhr Berlin in Richtung Weimar verlassen haben. Göring ist schon früher abgefahren. Goebbels, der gestern in Apolda und Eisenach gesprochen hat, ist schon dort. Die entscheidende Besprechung wird erst in den Nachmittagsstunden stattfinden können. Dabei werde es sich, wie die Telegraphen-Union er- fährt, darum handeln, ob die v e r st ä n d i- gungsbereite Richtung Straßer und Frick oder die mehr ablehnende Richtung Göring und Goebbels sich bei Hitler durchsetzt. Bentrumspresfe warnt Vor„Ueberfällen in den Rücken" Das führende rheinische Zentrumsblall„Kol- nische Volkszeitung" warnt davor, dem Papen- Kurs allzu bereitwillig die Wege zu öffnen. Nach alledem, was in den letzten Tagen vorgefallen sei, könnte auch der W e h r m i n i st e r einen Einzug der Nationalsozialisten mit Pauken und Trompeten in sein Lager nicht erwarten. Auch neue Verhandlungen würden, wenn sie über- Haupt zustande kämen, nicht sofort eine Sinnes- änderung der Nationalsozialisten herbeiführen. Das schwere INihtrauen, das jede Verhandlung neuerdings llberschatle, sei eben eine Errungenschast des neuen Kurses. Aber ein T e i l der Erwartun- gen, die Herr von Schleicher an seine Versuche tnüpste, hätten sich jetzt schon erfüllt. Die Basis, auf die er sofort im Reichstag rechnen könne, wäre ganz erheblich breiter als die, über die Papen verfüge. Gewiß hätte auch Herr von Schleicher sozusagen klein anfangen müssen. Eine s o- s o r t i g e Mehrheit sei im Reichstag nicht vorhanden. Wahl aber ein nicht zu verachtender Stützpunkt, von dein aus die Verbreiterung der Grundloge nicht ohne Aussicht aus Erfolg ver- sucht werden könnte und auch jetzt noch versucht werden müßte. Es entspreche nicht den militärischen Tugenden, eine Aufgabe bei den ersten Schwierigkeiten fallen zu lassen. Weil Herr Straßer einstweilen abgesagt habe, könne Herr von Schleicher nicht die weiße Fahne hochziehen. Er wolle dann auch seine Versuche fortsetzen und sei damit aus dem richtigen Wege. Notwendig aber erscheine bei diesen Erkundungen die Sicherung gegenüber Ueberfällen in den Rücken! lUene tekel! Webte Erinnenniy a» frühere'Kolseil Koalition geborsten Sozialdemokrat verläßt die Regierung Eigener Bericht des„Vorwärts" Karlsruhe, 30. November. Vor Beginn der heutigen Landtagssigung, aus deren Tagesordnung die Beratung der badischen Konkordate steht, teilte der Landtagspräsident mit, daß der Staatsrat und stellvertretende Innen- mini st er Rückert seinen Rücktritt er- klärt habe. Damit ist die Sozialdemokratie aus der badischen Regierung ausgeschieden und der Bruch der badischen Regierungskoalition, in der die Sozialdemokratie 14 Jahre vertreten war, vollzogen. Die badische Regierung besteht bis zu ihrer Neuwahl nur aus Zentrum und Deutscher Volkspartei. '/&'/?■>, i■£i. f::'• s yjp..-«■.101':• t!. i$s mi,; M-■■■ni' r,m,-i'r >-;; iftiiiiiWMgiäi TigamwTNi ÜhcrMi.t r». I nwrj, Die Lemberger Unruhen Ausdehnung auf andere Städte Eigener Bericht des„Vorwärts" Warschau, 30. November. Die antisemitischen Exzesse in Lemberg nehmen von Tag zu Tag größeren Umfang an. Dazu kommt, daß andere-Radikale alles aufbieten, die Panikstimmung zu steigern und die Zahl der Opfer— allein am Dienstag über 100 Perso- nen— zu vergrößern. Die Polizei nahm etwa 70 Verhastungen vor. Militär wird aufgeboten. Nach dem Lemberger Beispiel fielen auch in Warschau, Wilna und Krakau antisemitische Stu- deuten über ihre jüdischen Kollegen her und ver- letzten viele. ff' ___________________ Der Zufall spielt uns ein buntes Blättchen in die Hand. Es ist ein N o t g e l d s ch e i n aus den Anfängen der Inflationszeit mit der schönen Inschrift: „Das Geld muß man von den Leuten nehmen, Von den Bäumen schütteln kann man'? nicht." Dieser Schein und seine Inschrift mahnen auch heute zur Vorsicht und Aufmerksamkeit. Beson- ders da sie stammen aus der Stadt— Papenburg! .Revanche" �Ver erzeugt die Kriegspsychose? In einem französischen Dorf nainens Aoillers wurde vor kurzem auf Gruird eines falschen Alarms die Mobilmachung durchgeführt. Die „DAZ." nimmt diese Tatsache zum Anlaß einer ernschasten Betrachtung. Sie weist darauf hin, daß in Frankreich der Glaube an einen bevorstehenden deutsch-französischen Krieg in der Bevölkerung weit- verbreitet sei, man hör« aus fast aller Munde, daß mit einem baldigen d e u t s ch en Einmarftf) zu rechnen sei. Perweise man demgegenüber aus die Eni- wafsnung Deutschlands, so erhalte man die Zlnt- wart: Deutschland habe trotz der Entwassnung heimlich ausgerüstet und unterhalte eine Millionen- armee. Di«„DAZ." inöchte für diesen Glauben unserer Nachbarn die Tätigkeit der bösen„P a z i f i st e n" verantwortlich machen, die im Auslande angeblich Verleumdungen über Deutschland verbreiten. Aber warum in die Ferne schweifen? Siehe, die Er- klärung liegt so nah: Hat die„DAZ." niemals etwas von den unisormierten Stahlhelm- aufmär schen gelesen, die immer möglichst nahe an die deutsche Grenze verlegt wurden? Glaubt sie, daß Photographien dieser wie der Braunhemdenparaden aus die Repro- duktion in der Hugenberg-Press« beschränkt bleiben und nicht auch jenseits der Grenze bekannt werden? Hat die„DAZ." schließlich gewisse Generals- reden von sehr autoritativer Stelle nicht gelesen? Die„DAZ." predigt vergeblich die Fahndung auf angebliche„Landesverräter". Wenn es Landesverrat ist, vor den Nachbarvölkern den Glauben an ein kriegerisches, heimlich aufrüstendes Deutschland zu erwecken, dann sitzen die Landes- Verräter ganz anderswo als bei den Pazifisten! Nazis auf der Flucht vor der Justiz Nazi-Wirtschaft .A.ii»zetinmx in Anhalt Eigener Bericht des„Vonvärts" Dessau, 30. November. 3n der G e n e r a l a u s s p r a ch e des An- haltischen Landtags über den Staatshaushalt kam es zu stürmischen Auseinandersetzungen. Der srühere Ministerpräsident Deist(Soz.) stellte sest. daß Anhalt heule als Folge der nationalsozialistischen parteiwirtschasl sozusagen an Aus- z e h r u n g leide. Abgeordneter p a u l i ck sSoz.) erklärte, daß das Verbot der gesamten sozialdemokratischen Presse Anhalts durch die Regierung Freyberg nur den Zweck habe, eine kritische Berichterstattung über die Etatsberatung zu verhindern. Minister Dr. K n o r r hat Deckungsvorschläge sür da» Defizit vorgelegt. Ein Sonderein- schlag in den staatlichen Forsten soll t,?5 Millionen Mark erbringen. Den Merl- papierbestand der Staatskasse will man mit 323 000 Mark losschlagen und dazu eine Anleihe bei der Landesbrondkasse in höhe von 600 000 Mark ausnehmen. Von der Schlachtsteuer erhofft man einen Betrag von 400 000 Mark und durch das„Rollsystem" bei der Gehaltszahlung soll eine kossenmäßige Entlastung um 400 000 Mark geschassen werden. Mißbrauchte Kinder Harzhnrxer Unrat Von zwei verschiedenen höheren Schulen in Charlottenburg brachten unsere Kinder heute den folgenden Aufruf mit nach Hause, der dort— und wahrscheinlich in weiteren höheren Lehranstalten Berlins— an die Schüler verteilt worden ist: An die deutschbewußte Schülerschaft au�s den höheren Schulen und Berufsschulen! Der Wahlkampf liegt hinter uns. Fast die Hälfte des gesamten deutschen Volkes hat sich für den Wiederaufbau eines nationalen selbstbewußten Vaterlandes entschieden. Die Fronten sind ge- klärt. Hier das nationale Deutschland— dort die Landesverräter und Deserteure de? Marxismus Das deutsche Volk hat entschieden die kulturzersetzende, marxistische Re- gierung, die Deutschland in 13 Jahren an den Nand des Abgrundes gebracht hat und die uns t> Millionen Arbeitslose und unzählige Verord- nungen zur Vergrößerung der Not bescheert hat, abgelehnt. Auch die Jugend soll jetzt ihr Urteil fällen. Für die Nutznießer der Korruption, die jetzt auf der Straße mit hocherhobenen zusammengeballten Fäusten her- umlaufen, damit keiner sieht, wieviel sie von Sklareks bekommen haben— oder für ein kommendes Deutschland der Freiheit, der Ehre und des Rechts. Der deutschbewußle, aktive, natio- nale Schülcrbund Charlottenburgs, die„Ratio- nale Kampfgruppe", RKG., ruft euch aus zum Kampf gegen Bolschewismus und D e» m o k r a t i e. Gegen: den landesverräterischen Marxismus, den Morüterror der Moskaujünger, die Bürger- kriegsgarden der Wellblechfront. Für: ein freies Vaterland, deutsche Ehre und deutsches Recht, Wehrhoheit. Deutsche Schüler, reiht euch ein in die Front des neuen Deutschland, kämpft mit uns für deutschen Geist und nationale Lehrkräfte auf den schulen! Wir sind nicht parteipolitisch einge- stellt, sondern stehen einzig und allein auf dem Boden der„Nationalen Opposition", wie sie in Harzburg gegründet wurde und heute noch marschiert. Wir bieten unseren Mitgliedern, ohne jeglichen Beitrag«ine her- vorragende Ausbildung im Wehrsport und im Winter eine politische Schulung durch Arbeitsgemeinschaften. Meldungen sind zu richten an: Wichelm Brandt, Berlin-Westend, Ahornallee 14. „Nationale Kampfgruppe". Vesser konnte sich der„noch immer marschie» rende" Geist von Harzburg wirklich nicht offen- baren als in dieser unverschämten Epistel zum Mißbrauch, von Schulkindern. Aber ist wirklich Wo bleibt die Gleichheit des Rechts? Aus Schleswig-Holstein wird uns geschrieben: Die Flucht von 3 SS.- Leuten während der Sondergerichtsverhandlung in Altona, wo sie sich wegen der Handgranatenanschläge in der Wahlnacht zum 1. August zu verantworten hatten, ist zwar von der gesamten Presse berichtet, in der Oeffentlichkeit jedoch in ihrer symptomatischen Be- deutung kaum erkannt worden. Der Leser sieht in solcher Flucht in der Regel eine Sensation und denkt: Weit kommen sie ja doch nicht. Tatsächlich hat man es jedoch bei dieser Flucht mit einem sehr ernsthaften Symptom für die schwindende Rechtssicherheit in Deutschland zu tun. Handelt es sich hier doch keineswegs um Einzelfälle, sondern um planmäßig vorbereitete Ak- tionen der NSDAP, oder ihrer Unter- gruppen mit dem Ziel, die an den mannigfachen Roheitsdelikten beteiligten Nationalsozialisten der Strafvollstreckung wie der Strafverfolgung zu entziehen. Man bedenke weiter, daß in Altona nicht nur drei SA.-Leute geflüchtet sind, sondern daß sieben auf der Anklagebank überhaupt fehlten, weil sie nicht aufzufinden waren. Daß es sich in Altona nicht um Einzelfälle handelt, sei an Hand von Beispielen aus Schleswig-Holstein bewiesen, wo sich die meisten an den schweren Ausschreiwngen beteiligten Nationalsozialisten der Bestrafung durch die Flucht zu entziehen wußten. So war, nach dem Sturm auf das Gewerk- fchaftshaus in E ck e r n f ö r d e, bei dem zwei Land- arbeite? erstochen wurden, der am schwer st en belastete SA.- Mann schon wenige Tage später verschwunden. Aehnlich ging es mit einem erheblich verletzten S A.- Mann G i g l, den die Nazis in der Presse immer als Kronzeugen gegen das Reichsbanner hinstellten. Als demgegenüber das Reichsbanner wiederholt darauf hinwies, daß G. sich als Wander- burfche ohne Uniform an dem Naziaufzug beteiligt habe und daher vermutlich von seinen eigenen Kameraden verletzt worden sei. war auch dieser Kronzeuge eines Tages spurlos verschwun- den aus dem Krankenhaus, als feine Vernehmung gerade bevorstand. Dabei konnte er sich seinerzeit ohne fremde Hilfe nicht fortbewegen. Bezeichnend war allerdings, daß der national- sozialistische Kreislerter einige Zeit vorher dem Verschwundenen einen Besuch abgestattet hatte. Die Nazis schienen alsy hier selbst defürchtet zu haben, daß aus einem Entlastungszeugen ein Be- lastungszeuge werden konnte. Nicht anders war es nach der Ermordung des Kameraden Jäger aus Dithmarschen. Auch hier ver- schwanden schon während des Sondergerichtspro- zesies zwei S A.- L e u t e, die schwere Zuchthaus- strafen erhielten. Aber auch die übrigen Verur- teilten wußten sich der Strafvollstreckung zu ent- ziehen. Auf Fürsprache des Amtsvorstehers wurde ihr S t r a f a n t r i t t mit Rücksicht aus die Ernte kurze Zeit hinausgeschoben. Nach der Ernte aber waren alle Verurteilten ebenfalls verschwunden bis auf einen und dieser hatte — Bewährungsfrist. Gesaßt ist von den Geflüchteten bisher keiner. Die SS.-Leute könnten sich jedoch nicht monatelang verborgen halten, wenn ihnen nicht auf den Gütern in Mecklenburg und Oldenburg oder in den hinreichend bekannten SA.- Heimen Braunschweigs Unter- schlupf gewährt würde. Daß in diesen national- sozialistisch regierten Ländern besonderer Eifer auf die Erfassung flüchtiger SA.-Leute oerwendet würde, ist kaum anzunehmen. Wenn das tatsäch- lich einmal passiert, wie kürzlich in Eutin, so schickt ein nationalsozialistischer Regierungspräsi- dent den Polizeiverwalter kurzerhand in Zwyxigs- Urlaub. Es kann jedenfalls nach alledem— ähn- liche Beispiele lassen sich sicher auch aus anderen Gebieten bringen— kein Zweifel darüber be- stehen, daß die NSDAP, ihren von der Justiz bedrohten Anhängern bei der Flucht wie dem Ver- bergen Hilfe leistet. Der Nazianwalt Freister deklamierte zwar während des Altonaer Prozesses: „Der SS.-Mann steht für sein Handeln ein". Aber das sind genau so leere Worte wie die des Standartenführers Moder, der dort ebenfalls er- klärte, er nehme alle Schuld auf sich, aber gleich- zeitig daraus hinwies, daß er als Reichstagsabge- ordneter immun sei! Das Vertrauen breiter Volksschichten in die Justiz ist schon durch viele unverständliche Frei- spräche gegen Nationalsozialisten stark erschüttert. Gelingt es den Strafverfolgungsbehörden aber nicht einmal, die tatsächlich verurteilten National- sozialisten chrer Strafe zuzuführen, donn muß der letzte Rest von Vertrauen in die Brüche gehen. Die oben dargelegten Umstände tragen aber außer- dem die Gefahr in sich, daß die Volkskreise, die sich heute noch selbst einem als Unrecht emp- sundenen Spruch der Gerichte beugen, ebenfalls versuchen, sich der„Gerechtigkeit" zu entziehen. Das aber würde in strafrechtlicher Hinsicht das vollendete Chaos bedeuten. Nazimörders Glück Und das Versagen der Polizei Eigener Beridit des„Vorwärts" Dresden. 30. November. Der Sächsische Landtag beschäftigte sich am Dienstag aus Grund eines sozialdemokratischen Antrags mit dem Fall des Nationalsozialisten heutzsch, der vor einiger Zeit in Dresden unter recht merkwürdigen Umständen spurlos verschwand und an dem wahrscheinlich ein Fememord verübt worden ist. Abgeordneter Geiser(Soz.) kritisierte in sehr scharfer Weise das Verhalten des untersuchenden Polizeibeamten. Hentzsch, der SA.-Truppführer war, wurde am 4. November, abends 11 Uhr, von dem Sturmführer Schenk vor ein Restaurant be- stellt und ist seitdem spurlos verschwunden. Als Schenk von der Polizei vernommen wurde, er- klärte er, er wisse, daß Hentzsch von einem anderen einen Auftrag bekommen habe. Er könne aber darüber ohne Genehmigung des nationalsozia- listischen Landstagsabgeordneten Killinger nicht aussagen. Er telephonierte dann mit Killinger und erklärte, dem Unbekannten sei die Kenehmi- gung zur Aussage gegeben worden. Später telephonierte Schenk in Gegenwart des unter- suchenden Kriminalrats Vogel angeblich mit dem Unbekannten und teilte diesem Unbekannten am Telephon mit, daß er in einer halben Stunde bei ihm sein würde. Daraus fuhren Schenk, kriminalrat Bogel und ein anderer Polizeibeamter mit einem Auto nach Tharandt, einer kleinm Stadt bei Dresden. Auf die Bitte Schenk? fuhr das Auto aber nicht vor das Haus, in dem der Unbekannte angeblich wohnte. Der kriminalral ließ Schenk vielmehr allein in das Haus gehen. Wer nicht zurückkehrte war Schenk Statt desieu trat ein anderer Wann aus dem Haus, der dem Sriminalrat erklärte, daß er Schenk zwar kenne, ihn aber nicht in dem Haufe gesehen habe. Da er sich in widerfprüche verwickelte, nahm der Kriminalrat den Mann mit nach Dresden. Um Schenk kümmerte er sich weiter nicht. Er unterließ es auch, das Haus, in das Schenk gegangen war, zu durchsuchen. Seitdem ist Schenk verschwunden. Mit ihm sind zwei SA.- Leute verduftet, die ebenfalls im Verdacht stehen, an dem Verschwinden des Hentzsch mitschuldig zu sein und die aufgefordert waren, auf dem Polizei- Präsidium zu einer Vernehmung zu erscheinen. Der Minister des Innern, Richter, erklärte, daß er über den Fall nicht unterrichtet sei. Der Land- tag nahm einstimmig einen Antrag an, in dem die Regierung ersucht wird, die Polizeibehörden anzuweisen, daß sie den gesamten Apparat zur Aufklärung des Vorfalles einsetzen soll. Mit den Stimmen der Linken wurde serner ein Antrag angenommen, der von der Regierung die Aus- schaltung nationalsozialistischer Beamter von der Untersuchung fordert. Sammellisten in die einzelnen Häuser. Dies« Listen werden an den Sammeltagen wieder ab- geholt. Durch Brlefwerbung wird in den Tagen vor der Sammlung die Erlaubnis von großen Büros, von großen Betrieben, Kinos, Theatern, Restaurants usw. eingeholt, um an den Sammeltagen für die Sammler den Zutritt zu erhalten. eine„politische Schulung" unwissender Kinder unter Benutzung derart verleumderischer und ver- Hetzend"? Argumente erlaubt?! Joachim von Bülow. Vor dem Wohlfahrtsamt Bor dem Wohlfahrtsamt in der Körnerftraße kam es heute vormittag zu Erwerbslosendemon- strationen. Es hatten sich etwa Sül) Personen an- gesammelt, die im Chor„Hunger" riefen. Als die Lage bedrohlich zu werden schien,'wurde das Ueberfallkommando alarmiert. Die Auszahlungen mußten eine Zeitlang unterbrochen werden. Die Demonstration wurde ohne Zwischenfälle aufgelöst. Das Wohlfahrtsamt erhielt Polizeischutz. schuhen bekleidet. Als Kopfbedeckung trug er eine Baskenmütze. Die Nachforschungen der Polizei nach dem gleichfalls verschwundenen fünfzehnjährigen Gym- nasiasten Reinhart Lange aus der Mariannen- ftraße in Lichterfelde sind bisher ergebnislos ge- blieben. Wie bekannt wird, Hielt sich der Vermißte häufig in Kreisen der Hitlerjugend auf, obgleich die Eltern sich immer wieder be- mühten, ihr Kind allen politischen Einflüssen fern- zuhalten. Wieder Schüler vermißt Und heineLpnr von demGymnasiasten Die Kriminalpolizei beschäftigte sich abermals mit dem seltsamen Verschwinden eines Kindes. Es handelt sich um den zwölfjährigen Willi Käß aus der Alexandrinenstraße 7. Der Junge verließ vor 1t) Tagen in den Nach- Mittagsstunden die Wohnung seiner Mutter in der Alexandrinenstraße 7: er ist von diesem Augenblick an spurlos verschwunden. Der Schüler war mit einer Marengojacke, schwarzen, kurzen Hosen, langen, schwarzen Strümpfen und schwarzen Turn- Haussammlungen �leue Winterhilfe-Aktion Di« Hau-sammlungen werden für die Berliner Winterhilfe durch die ehrenamtlichen Sammler der anerkannten Wohlfahrtsverbänd« aller Richtungen durchgeführt. Es stehen 2t)tX> bis 2500 Sammler und Sammlerinnen zur Ver- fügung. Jedem Sammler sind bestimmt« Straßen und Häuser als Sammelgsbiet zugewiesen. Nur in einigen Kolonien der Außenbezirke wird nicht gesammelt. Jeder Helfer hat einen persönlichen, polizeilich abgestempelten blauen Ausweis mit Nummer; die gleiche Nummer trägt der blaue Streifen, mit dem die Sammelbüchsen beklebt sind. Die Sammler verteilen an den Tagen vor der eigentlichen Sammlung Wurf Zettel in den Häusern, die auf die Sammlung aufmerksam machen. Gleichzeitig bringen die Sammler Selbstmord eines Anwalts In einem Hotel in der Dorotheenstraße erschoß sich gestern abend der Rechtsanwall und Notar Maximilian Treutzschler von Falken st ein aus Rastenburg. Was ihn in den Tod getrieben hat, steht noch nicht fest, von Falkenstein betreibt in Rastenburg eine größere Praxis als Rechts- anwalt und Notar. Wie man hier weiß, soll es ihm in geschäftlicher Beziehung gut gehen. Schwindel mit Dollars Hamburg, 30. November. Unter dem Verdacht, gewerbsmäßig falsche Zehn-Dollar- Noten vertrieben zu haben, wurden eine Polin, eine 32jährige, geschiedene Frau, und ein Amerikaner festgenommen. Die Anzeige gegen sie ging von einem Hand- lungsgehilfen aus, dem die Frau Gewinnbeteili- gung zugesagt hatte. Unterschlagungen entdeckt Warenhaus erheblich geschädigt Bon der Kriminalpolizei ist Heute der Kauf- mann Karl K. wegen umfangreicher Betrügereien festgenommen worden. K. war verschiedene Jahre in einer Büroabtei- lung eines großen Berliner Warenhauses tätig. Das Vertrauen, das ihm von der Firma entgegen- gebracht wurde, hat K. in der schwersten Weise mißbraucht. Er fälschte Rechnungen und Geschäfts- Urkunden und kam auf diese Weise in den Besitz sehr hoher Beträge. Die betrügerischen Moni- pulationen waren so geschickt inszeniert, daß zu- nächst niemand etwas merkte. Vor einiger Zeit gab K. seine Stellung plötzlich auf und gründete ein eigenes Geschäft. Die Geschäftsräume befanden sich in der Memeler Straße. Offenbar muß die plötzliche Wohlhabenheit des Mannes seiner frühe- ren Firma zu Ohren gekommen sein. Man schöpfte Verdacht und bei einer genauen Revision wurden die Verfehlungen entdeckt. Die Polizei wurde be- nachrichligt und heute früh wurde K. in seiner Wohnung in der Schloßstraße in Steglitz ver- haftet. Er wird dem Vernehmungsrichter vor- geführt._ Bracht ernennt weiter! Bracht hat an Stelle des abgehalfterten Ministerialdirektors Dr. Peters den Ministerialdirektor Dr. Suren zum preußi- schen Staatskommissar für die Regelung der Wohl- fahrtspflege mit Wirkung vom 1 Dezember 1932 ernannt. Der Freistaat Zrland hat als neuen General- gouoerneur des Königs von England den Kolonial- Warengroßhändler Donald Buckley er- halten. Er hat im Aufstand 1316 eine Truppe gegen England geführt, wurde dafür de- portiert, später amnestiert und hat seinerzeit im irischen Parlament gegen den Vertrag mit Eng- land gestimmt. Krach statt Hilfe Linkeitskront I�PO.-tiakcenIcreuzi Jtcmffutt a. 2n., 30. November. Die Beratung der Stadtverordnetenversammlung über die W i n t e r h i lf e war für die Frankfurter Kommuni st en und Nationalsozio- listen Veranlassung, sich wieder einmal durch Krach und Krawall hervorzutun. Jin Sitzungsaal machten Tribünenbesucher, besonders Frauen, lärmende Zurufe Von der Tribüne her- ab versuchte man kommunistische Anklagereden zu halten, und die kommunistischen Stadtverordneten spendeten diesen Anklagereden Beifall. Auch die Nazis machten bei der Störung der Stadtver- ordnetenversamlung kräftig mit. Sie drohten zwei Redakteuren der sozialdemokratischen.Volks- stimme", sie von der Pressetribüne in den Saal zu werfen! Di« Tribünen muhten geräumt wer- den: erst danach trat im Rathaus Ruhe ein. In der Nähe des Rathauses war es zu einigen Aufläufen von Erwerbslosen unter koinnmnistifcher Führung gekommen. Di« Polizei verhinderte an «inigen Stellen Ausschreitungen der Demonstranten und nahm 23 Personen vorläufig fest. DieFünfmächtekonferenz Herriot und Macdonald kommen pari». 30. November. Der Ministerpräsident hatte am Dienstagabend in Gegenwart des Kriegsministers Paul Boncour eine dritte ilnterredung mit dem Leiter der amerikanischen Abrüstungsdelegation Davis. Der „Petit Parisien" will wissen, daß dank der Ueberzeugungskrast Herriots und der Nehmt euch der jungen Musiker an! Ein sozialer Mahnruf von Kurt Singer Die Witwe 0m „Na. immer noch kein neuer Mann?" „Nein, aber denk mal: gestern hat mir geträumt, mein S e c I i g c r wäre wiedergekommen!" Verständigungsbereitschaft Davis' eine A n n a h e- rung der beiden Standpunkte erfolgt ist. Der „Excelstor" betont jedoch, daß keine prinzipielle Einigung zwischen Frankreich und Amerika über die Behandlung der Gleichberechtigungsftage erzielt fei. Die drei Unterredungen zwischen Herriot und Davis hätten den Charakter gegenseitiger In- sormationen. Sie griffen in keiner Weif« den Verhandlungen der Fünsmächtekonferenz voraus. Nach dem„Matin" wird Herriot am Freitag oder Sonnabend nach Genf reisen, da Macdonald sein Erscheinen endgültig zu- gesagt hat. Ohne Deutschland keine Abrüstung London, 30. November. Im Oberhaus erklärte Lord Cecil in der Abrüstungsdebatte, daß die Gleichheit des Rüstungs- status nicht durch Aufrüstung Deutsch- l a n d s, sondern nur durch Abrüstung der anderen erreicht werden müßte. Nur die An- nähme dieses Prinzips eröffne einen Weg zu einem erfolgreichen Abschluß der Abrüstung?- konferenz. Lord Hailsham erklärte im Namen der Re- gierung, diese glaube nicht, daß die Abrüstung wirksam und zufriedenstellend durchgeführt werden könne, wenn Deutschland der Abrüstungskonferenz fernbleibe. Explosion im Bergwerk Lechs Arbeiter getötet Eigener Beruht des„VoTwärts Belgrad. 30. November. 3n einem Berg werk in der Nähe von Lai- dach ereignete sich ein schweres E x p l o s i o n s- unglülk. Ein Benzinlank explodierle. Sechs Arbeiter wurden gelötet, drei lebensgefährlich verletzt. Ein anderer Grigor Sinowsew soll durch seinen Tod die Falschmeldung vom Sterben seines well- bekannten Namensbruders verschuldet haben. Die Krise, unter der die Well seit Jahren seufzt, ist nicht nur eine der Politk und der Wirt- schaft, sie ist auch eine Krise äußeren sozialen Gewissens. Musik in Not, Musiker in Not. Tausende erwerbslos und— schlimmer als nur das: erwerbslos, obgleich hochbegabt Die Phy- siologie lchrt, daß ein Organ, das nicht mehr zur Funktion herangezogen wird, verkümmert. Die Erfahrung lehrt, daß die künstlerische Fähigkeit unter ständigem Training wächst, im Schatten der Ruhe aber schwindet. Der Musiker bedarf zur Entfaltung seiner besseren Kräfte, die ja ihren Nährboden in Herz, Hirn, Gemüt und Nerven haben, des Kontakts mit der Oeffemlichkell. Nun ist gewiß das Konzertleben in Deutschland eingeschräntt, aber es schläft nicht und es stirbt auch nicht. Wohl sind seine Formen nach hundertjährigem Betrieb abgeschliffen, wohl ist der Jnhall seit Jahrzehnten der gleiche, und sellen einmal modifiziert nach den Forderungen neuer, jugenichaster, problematischer, fruchtbarer Idee. Aber es wächst ja ein neues Geschlecht heran, dem zumindest die Kenntnis des Allen und Allbe- währten immer wieder erschlossen werden muß. So erfüllt selbst ein ttadittonelles Programm sinfonischer oder solistischer Werke einen zeit- gemfäßen Zweck auch für die Jugend. Was geschieht aber seit Jahren vor den Augen der Welt, die das Wort von der sozialen Gesinmtng und der wirtschaftlichen Not so dick im Munde führt? Wie hilft der Starke dem Schwachen? Denken wir nicht an jene schon verpönte und un- populäre Art der Armenunterstützung, die den ehrlichen Namen Wohltätigkeitskonzert führt. Die 10 Mark, die da ein einzelner, im Unglück noch Bevorzugter erhält, erhallen ihn knapp drei Tage. Und wer ein wirklicher Künstler ist, der fpiell und stngt lieber, um dann zu hungern, als daß er drei Tage satt zu essen hat und ander« für ihn musizieren. - Es gibt unendlich viele Sänger, Pianisten, Geiger, Kapellmeister in Deutschland, die kein festes, ja nicht einmal mehr ein lockeres Ein- kommen haben, obgleich sie Gutes, ja Prachtvolles leisten könnten. Der Grund: es ruft sie keiner, es regt sie keiner an, sie lausen sich bei Agenturen die Sohlen wund, schreiben sich die Finger blutig, rufen nach Arbeit und finden keine. Man wird sagen, das fei das Schicksal von Millionen. Em Unterschied ist da. Es handelt sich oft um quali- tativ hochstehende Musiker, die einen Platz unter der Sonne des Ruhmes haben könnten, wenn andere ihnen einmal Platz machen würden. Aber seht euch die �Programme der Männer an, die heute noch werbende Kraft haben, und die es riskieren dürfen, einen begabten unbekannten Künster„starten" zu lassen. Ihr findet seit Jahren in allen Konzerten der Orchester- und Chorführer stets die gleichen Namen. Es gibt an- geblich nur ein oder zwei Soprane für die Misss solemnis, nur ein oder zwei Evangelisten, nur zwei oder drei Solisten für die Alt-Rhapsodie, nur einen Jesus der Passionen, nur zwei oder drei, die ein modernes, zwei andere, die ein klassisches Geigen- oder Klavierkonzert beherrschen in Deutsch- land. Ist unter den Hunderten, die vorsingen, keiner einmal würdig, herausgestellt zu werden? Wir leiden an Attophie des sozialen Gewissens— die tausend, die da strebend sich bemühen, ohne erhört und erlöst zu sein, werden also nicht heran- gelassen an den Quell der Gnade. Zwei Dutzend füllen den Markt. Es ist ja so bequem. Diesen lln-Berühmten, Un-Bemühten aber blüht ein anderes Glück. Nehmen wir an, daß der Star-Tenor aus Wien oder München geholt werden muß und für Konzert- und Generalproben plus Spesen 1000 Mark erhält, so würde das der bescheidene Hiergeborene für den zehnten Teil des Honorars machen. Da aber kommt die soziale Gesinnung der Konzertgeber aus dem Hinterhalt und spricht:„wir engagieren Dich, wenn du— zahl st". Die Ehr« und der Ruhm, überhaupt zu konzertieren, genannt zu werden, ist ein paar Hungerwochen wert. Noch einmal wird im Be- reich der Entrechteten eine Auswahl getrosten: die Zahlenden werden herausgestellt. Das ist nn- würdig und geschieht all« Woche dennoch. Ich will nicht von der O p e r sprechen. Da sind die Stars noch manchen Golddukaten wert. Aber ob es in allen Fällen, die uns begegnen, dringend notwendig ist, den Gast für teures Geld zu holen und den fest und billig Angestellten hintanzusetzen? Ja, ja, ein Star-Ens«mble„zieht", zieht Publikum an. Aber ist ein Ensemble von hochwertigen, noch nicht als prominent geächteten Künstlern nicht er- ziehbarer? In dieser Notzeit ist nichts vollendet, es heißt an allen Stellen ein Auge, ein Ohr zu- drücken. Nur in der Oper soll nun auf einmal die „Vollendung" das Primat aller Ansprüche sein? Wie ein Nichts aber wirkt all dies gegen das Gebahren der Operettenhäuser. Der Star erhätt KOO bis 1000 Mark pro Abend, der Chargen- spieler 20 bis 50, der Chorsänger 2 bis 5 Mark. Eine Differenz der Zahlen wie der menschlich-künst- lerischen, republikanischen- sozialen Gesinnung.' Schwacher Trost, daß bei der zehnten Aufführung die 1000 Mark für die Prominenz genau so fehlen wie die 1 Mark für die Statisten. Hinter den Massen der Chorsänger und Orchestermusiker aber stehen mächttge Verbände. Wir haben Tarifverträge, sind organisiert. Auch die Organi- sierten nehmen an, was sich bietet— Notstand. Und dieser Stand wird ausgenutzt. Es passiert, daß 4 Wochen lang 50 Orchestermusiker täglich 4 bis 5 Stunden proben, ohne einen Pfennig zu erhalten. Es passiert, daß 250 Menschen(meist Erwerbslose) zum Vorsingen ausgefordert«erden, ohne daß man ihnen das Fahrgeld ersetzt. Es ge- schieht, daß«in Genossenschaftler einen Verttag unterschreibt, nach dem er öOmal gratis spielen und singen muh, um sich dadurch das Recht zu erwirken, in der Provinz gegen Bezahlung weiterzuspielen. Bis dahin darf er hungern. Es geschieht, daß unter 10 gleichwertigen Bewerbern um eine „Rolle", die in Dresden oder München oder Wien fest Engagierte das Rennen macht, nicht die stellungslose Berlinerin. Wir sind das Volk der Verbände und Organisationen, das Volk der Musiker, Ethiker, Moralisten. Wir blähen unser künstlerisches Gewissen künstlich auf. Wir sind wort-abergläubisch und beugen uns blind autorita- tiven Namen. Wir führen das Schlagwort vo» der sozialen Not im Munde und handeln nicht danach. Wir gehen zugrunde an der?ltropie des sozialen Gewissens. >» Oer Orlow" Atrium— Primus-Palast Das Ereignis des Abends war die Vorführung des ersten Konzertfllms der Aafa. Die ernste Musikpslege im Kino wird damit zur Tatsache, der erste Versuch ist glänzend gelungen. Prof. Bruno Walter dirigiert die Oberon-Ouvertüre mit dem Philharmonischen Orchester. Die Klangwirkung kam gut heraus, der Zuschauer hatte außerdem den Vorteil, daß er den Diregenten und das Orchester viel genauer verfolgen konnte als etwa im Konzertsaal. Dann kam der übliche Operettentonfilm. Die etwas kriminell aufgeplusterte, sentimental ver- brämte Geschichte des berühmten russischen Krön- juwels Orlow hat bereits als Operette mit der guten Musik von Bruno Granich st oedten sich ausgewirkt. Dann wurde sie uns als stummer Film serviert, und nun kommt sie wieder mit der ursprünglichen Musik als Tonfilm. Alles an dem Film ist schon dagewesen. Max Neufeld be- gnügte sich damit, erprobte Wirkungen zu wieder- holen. Liane Haid spielt zum xten Mal dieselbe Rolle als Star. Iwan Petrovich ist wieder der rusiische Arbetter, der sich als Großfürst und Besitzer des Orlow entpuppt. Eine Gaunerbande bringt etwas Leben in die lyrisch-stockende Hand- lung. Victor de K o w a und Max G ü l s d o r s f bilden das deutsche Element, ersterer stark über- treibend, letzterer als leichtkomischer Alter auf Liebespfaden. Sonst noch ein paar gute Chargen. Aber was soll uns dieser ganze Plunder von wie- der aufgetakellen Großfürsten, von Starallüren, von Balaleikagezitter? r. Rundf unkwende? Ein guter Tag Es geschehen Zeichen und Wunder. Beide Berliner Rundfunksender schienen gestern sich zu- rückzubesinnen auf ihre immerhin nicht ruhmlose Vergangenheit, in der sie den Ehrgeiz besaßen. verbunden zu sein mit lhren Hörern, sie zu ver- stehen in ihren Leiden und ihren Freuden. Berlin brachte in der B ü ch e r st u n d e eine Aussprache über das Buch„Betrogene Jugend" von Albert Lamm unter dem Titel.Lugend ohne I u g e n d". Was aus den Darlegungen des Autors, des jugendlichen Erwerbslosen und des Wohlfahrtspflegers, sich ergab, war keine lite- rarische Buchbesprechung. Dem Hörer dargestellt wurde die Wirklichkeit, aus der dieses Buch als Notschrei aufstieg, die Welt, in der Hundert- lausende leben müsien ohne Lebensraum, ohne Lebensrecht. Der junge Mensch in den Wachs- lumsjahren ist ein starker Elser: die notleidende Familie sieht bald in ihm den Vielfraß. Die Spannung wächst zu dunkler Verzweiklung. bis sie eines Tages in einem endgültigen Krach explodiert. Dann geht der Jugendliche von zu Haufe fort. Wenn er Glück hat, erhöht sich seine Unterstützung nun aus 9 Mark pro Woche, wieder zu wenig, um die Schlafstelle zu bezahlen und sich satt zu essen. Der Weg nach unten beginnt. Die Sehnsucht nach einer kleinen Freude verleitet manchen zum Diebstahl einer an sich unbedeuten- den Sache. Aber der erste Schritt führt weiter: denn der Jugendliche, der keine Zukunft vor sich sieht, verliert die Hemmungen vor ungesetzlichen Handlungen. Die Tagesheime, die in Berlin früher von morgens bis 5 Uhr nachmittags den Jugendlichen offen standen, wurden jetzt ge- schlössen. Im günstigsten Fall ein Vierteljahr lang täglich drei Stunden Unterricht— das ist kein Ersatz dafür: denn diese Heime waren für die Arbeitslosen oft die einzige Heimat: viele von ihnen hatten nicht einmal ein Nachtlager. Noch 5 Uhr begann dann die schlimme Zeit: man drückte sich auf den Straßen, auf den Rummel- platzen umher. Dann kam es zu Straftaten. Das erschütternde Gespräch schloß nicht mit einer auf Optimismus lackierten Normalformcl. Es endete als offene Frage, als Appell an alle. In der„Stunde der Arbeit" der Deutschen Welle wurde ein ähnliches Thema be- handett„Akten und Menschen" hieß das Dreigespräch, in dem ein Wohlfahrtsbeamter, eine Fürsorgerin und ein Fürsorger sich über ihre Arbeit unterhietten. Man begriff aus der Unter- Haltung dieser drei Menschen, wie unaussprechlich schwer ihre Arbeit ist, die sie immer wieder so vielen Hilfsbedürftigen hllflos gegenüberstellt. Der Abbau der Angestellten in den Wohlfahrtsämtern hat die Katasttophe verschärft: die spärlichen Mittel werden oft nicht einmal gerecht verteilt, well vielfach nur noch eine rein schematische Be- Handlung der einzelnen Fälle möglich war. Das ist nicht die Schuld der Angestellten, die die Not der von ihnen Betteuten manchmal nur zu gut begreifen; viele von ihnen stammen selbst aus den Kreisen der langjährig Arbeitslosen und sind nur auf tägliche Kündigung angestellt. Auch in dieser Unterhaltung zeigte sich ungeschminkte Wirk- lichkeit. Der Zentralverband der An- gestellten wird in seiner Fachzettschrift„Der B e h ö r d e n- A n g e st e l l t e" den ausführlichen Text des interesianten Gesprächs veröffenttichen. Noch eine wettere bemerkenswerte Sendung gab es an diesem denkwürdigen Funktag: im„Zeit- dienst" brachte der Hauptschriftleiter des Draht- losen Dienstes, Dr. Hans F r i tz s ch e, eine wirk- lich objektive Zeitungsschau. „Alarm im Arbeitslager". Dienstagabend wurde im ausverkauften Barmer Theater in An- Wesenheit des Autors und unter der straffen und fesselnden Regie des Intendanten Paul Smolny das neueste und gegenwartserfüllte Bühnenwerk von Peter Martin L a m p e l mit vollstem Erfolg uraufgeführt.„Alarm im Arbeitslager" ist ein zeitdokumentarisches Reportatgeftück und ein Be- kenntnisruf für die Ideen des freiwilligen Ar- beitsdienftes und zugleich eine vernichtende Ab- rechnunq mit der terroristischen Hoh-Ideologie der Kommunisten. Das(jeheunms um Johann Orth UT. Kürfürstendamm Die Erzherzoge aus dem Hause Habsburg hatten ein vielbeachtetes Talent, Liebesromane zu er- leben. Da den hohen Herrschaften die muffige Hosatmosphäre nicht zusagte, fanden viele Freude daran, Privatmann zu werden. Dieser Verzicht auf Würden wegen der geliebten Frau war einst der Vorwurf zu„rührenden" Kitschfilmen. Heute zieht man dieselbe Sache historisch auf, um die Monarchie einem filmseligen Publikum schmack- hast zu machen. So erzählt man jetzt, daß Erzherzog Satvator, beinahe Herrscher von Bulgarien geworden wäre, wenn Kaiser Franz Joseph es nur geduldet hätte. 'Aber da der Kaiser mit Rußland nicht kollidieren will, muß der tatendurstige Erzherzog samt Freundeskreis verzichten. Der Kronprinz erschießt sich (eine höchst eigenmächtige Erklärung des Dramas auf Schloß Meyerling), der Erzherzog nimmt den Namen Orth an, heiratet die Soubrette Milly Sttibel, sticht mit der Santa Margaritta in See, ohne Südamerika zu erreichen. Selbst der helle Glorienschein dieses Film- Manuskripts wird den denkenden Menschen nicht blenden können. Der bekommt keine Sehnsucht nach diesem System, unter dem die jungen Leute jeden persönlichen Ehrgeiz und rein privaten Machtanspruch„für die Größe des Vaterlandes" befriedigen möchten und die alten Herrschaften jeden Widerspruch gegen chre persönliche Meinung als„Landesverrat" brandmarken. Und dazwischen, als Vertreter der Erbmonarchie der alte Franz Joseph, der schon lange gestorben war und es nur nicht wußte, weil seine Ratgeber es ihm noch nicht mitgeteilt hatten. Dr. Willy Wolfs führt eine sehr kultivierte Regie. Karl Ludwig D i e h l als Johann Orth, Paul W egener als russischer Botschafter und Paul Otto als Franz Joseph bieten Glanz- leistungen. Dagegen fallen die Damen ab: den» Ellen Richter hat eine störend ungeeignete Stimme und Gretl T h e i m e r ist zu überzuckerte, wesen- lose Blondheit. e. b. Operetten- und Operukonzession. Es war hier gefagl worden, daß im Nollendorftheater dem Aon- zeffionär keine Erlaubnis zu Opernaufführungen gegeben wurde. In Wirklichkeit hat der Direktor seinen dahingehenden Anttag zurückgezogen. „Das Lied der Zeit." Sonntag, von». U.3V Uhr, bringen Ernst Busch und Hanns E i s l e r im Mozart- saal zu populären Preisen Balladen, Chansons von Bert Brecht, Traden, Julian v. Arent. Tucholsti usw. unter dem Gesamttitel:„Das Sieb der Zeit" zum Bor- trag. Der Reinertrag ist für die entlassenen BBG- Angestellten bestimmt. Liliom sllr Rosemarie. Hans Albers und das Theaterim Admiralspalast haben zusammen mit allen bei den Ausführungen von„Liliom" tätigen Künstlern beschlossen, den Gesamterttag der Vorstellung vom 12. Dezember zugunsten der kleinen Rosemarie Boddien zu spenden. Der„Berliner Tonlüuftler-veretn" veranstaltet Sonn- abend bei Kroll wiederum ein Mnsifantensest zum Besten seiner Hilf«, und Ilntsrstühungskasse. Nach dem Konzert, bei dem hervorragende Kräfte mitwirken, findet Ball statt. Äugend im Kamps •AusspracKs bei der Führertagung des Reichsausschusses der deutschen Jugend verbände An dem gigantischen Ringen um die Neu- gestaltung Deutschlands ist die Jugend leidenschaft- lich beteiligt. Aus ihrer furchtbaren Arbeitsnot empfinden die jungen Menschen, daß es hierbei um die Zukunft einer ganzen Generation, vielleicht sogar um die Zukunft der Menschen geht, Die öffentlichen Auseinandersetzungen sind durch den Mißbrauch der Jugend von den extremen Flügelparteien immer mehr vom geistigen zum Faust kämpf geworden, der zahlreiche blutige Opfer gefordert hat. Daß es trotz dieser Entartung des politischen Lebens noch möglich ist, junge Menschen mit unterschiedlichen und ent- gegengesetzten Ansichten zu einer sachlichen Aus- -spräche über die brennendsten Probleme der Gegenwart zusammenzubringen, bewies die Führertagung des Reichsausschusses der deutschen Jugendverbände, die Ende November in Soest sWestfalen) abgehalten wurde. Was auf der Tagung gejagt wurde, kann als Meinung des jungen Deutschland angesprochen werdeni denn im Reichsausschuß der deutschen Jugendverbände sind überhundertJugcnd- organisationen aller weltanschaulichen und politischen Gruppen(mit Ausnahme der Kommu- nisten) vertreten und kamen durch Haupt- und Ausspracheredner ausführlich zu Wort, Diese Führertagung stand unter dem Gesamt- chema„Die Jugend i ni Ü a m p f u in D e u t s ch l a n d", und zwar um seine volkliche, staatliche, wirtschaftliche, gesellschaftliche und geistige Ordnung, Ueber die volkliche Ordnung sprach als Hauptredner Dr. W a g e n b a ch(Berlin) als Ber- treter der Katholiken. Er zeigte auf, wie von dem wirtschaftlichen Zusammenbruch her die volkliche Ordnung bedroht wird und daß die Bildung einer Volksgemeinschaft nur möglich ist durch Beseitigung der Klassengegensätze, die vom Kapitalismus aufgerissen wurden, Wagenbach forderte eine volkhafte Form der Verbindung von Staat und Wirtschaft und eine neue Norm der gesellschaftlichen Bindungen, Von den sozial! st ischen Rednern wurde der Umbau der Wirtschaft als voraussehung der Volk- und Ralionbildung gefordert. Zur staatlichen Ordnung hielt das Hauptreferat der Volkskonservative Axel S e e b e r g. Seine Ausführungen gipfelten in der Behauptung, der Staat fei um seiner selbst willen da. Er forderte einen starken, autoritären Staat und lehnte den totalen Staat des Falchis-, MUS oder Bolschewismus ab Äuf die Erwide-' rungen der sozialistischen Diskussionsredner, die als Grundlage für die Staatsordnung nur die Demokratie gelten lassen, mußte Seeberg zugeben, daß der Staat kein Ding a n f i ch ist, sondern entscheidend beeinflußt wird von den ökonomischen Berhältnissen. Den Höhepunkt der Führertagung bildeten die Aussprachen über die wirtschaftliche und gesellschaftliche Ordnung, Zur wirt- schaftlichen Ordnung sprach Giselher Wirsing, der einer der Führer des Tatkreises ist. Am kapitalistischen System wurde von Wirsing sehr heftige Kritik geübt, der in der Diskussion all- seitig zugestimmt wurde. Wirsing forderte eine Wirtschaftsordnung jenseits von Kapitalismus und Sozialismus! seine konkreten Vorschläge für eine wirtschaftliche Neuordnung waren aber sozial! st ische Teillösungen, wie bei- spielsweise die Forderung nach Verstaatlichung der Monopolindustrien und der Banken. Die katholische Gruppe entwickelte ihre Ansichten über den be- rufsständifchen Ausbau der Wirtschaft, Das Umbauprogramm der freien Gewerk- s ch a f t e n und der Sozialdemokratie wurde von den sozialistischen Rednern als Plan einer wirtschaftlichen Ordnung, in der der Mensch in den Vordergrund olles wirtschaftens rückt, vorgetragen. Der Gedanke einer ständischen Ordnung und der nationalistische Wirtschafts- sozialismus wurden als widerspruchsvoll und wegen ihrer Halbheiten abgelehnt, Ueber die gc- sellschaftliche Ordnung sprach als �Vertreter der sozialistische» Gruppe Genosse Dr. Otto S t a m m e r(Breslau). Seine mit großem Schwung vorgetragenen Gedanken machten tiefen Eindruck auf die Jugendführer. Manch einer von ihnen hörte wohl zum ersten Male ohne agita- torische Verzerrung und Verdrehung, was Sozialismus ist und wie sich die Sozialisten den Bau einer gesellschaftlichen Ordnung vorstellen. Nach einer gründlichen Darstellung der sozialen Lage der Jugxnd und der sozialistischen Absichten mr Ueberwindung der jetzigen Zustände kam Ge- nasse Stammer zu folgenden Schlußfolgerungen: Der Sozialismus will keine Gleichmacherei, er ist auch bei durchgeführter Konzentration und Ver- staallichung der Produktionsmittel eine lebendige Gliederung, die Raum läßt für natürliche Unter- schiede der Menschen und Völker. Die kommende Gesellschaftsordnung ist ein K a m p f p r o d u k t und ein soziales Erziehungsprodukt, Die deutsche Jugendbewegung kann an beiden Stellen einsetzen, sie kann Auffangsstation der sozialistischen Willensströme der jungen Generation werden. Dazu aber ist notwendig die Heraus- arbeitunq eines klaren gesellschaftlich politischen Bewußtseins, Zur neuen gesellschaftlichen Ordnung kommt man nur durch die praktische Eroberung der staatlichen Ausgangsstellungen. In der sehr lebhaften Debatte und im Schlußwort des Genossen Stammer wurde klar heraus- gearbeitet, was ven bündischen und nationalifti- schen Sozialismus der Rechtsgruppen von dem konstruktiven Sozialismus der Ar- beiterbewegung trennt. So sehr sich auch die nichtsozialistischen Gruppen darum mühten, unserem sozialistische» Gesellschaftsbild ein eigenes Gesellschaftsbild auch von nur annähernder Klar- heit entgegenzustellen, der allgemeine Eindruck war, was auch von einem Katholiken offen zu- gegeben wurde, daß das sozialistische Gesellschasts- bild am eindeutigsten und am meisten durch- dacht ist. Den Abschluß der Führertagung blldete ein Referat über die geistige Ordnung von Pastor Neugeschwender(Hamburg). Der Referent versuchte, den Drang zur Geineinschaft, der gerade in der Jugend sehr stark ist, aus Religiosität herzuleiten und alle sittlichen und geistigen Werte aus einer Gottheit zu begründen. Genosse Ollenhauer(Berlin) erklärte dazu, daß breite Schichten unseres Volkes zu dieser geistigen Ord- nung kein Verhältnis mehr finden können. Die sozialistische Bewegung ist nicht aufgebaut auf Materialismus und Egoismus, sie bezieht ihre stärksten Impulse aus dem Solidaritätsgedanken des Proletariats, lieber die politische und geistige Haltung der Jugend brachte die Fuhrertagung des Reichsaus- schusses der deutschen Jugendverbände manchen interessanten Ausschluß. von keinem Redner wurde cm Work für den Kapitalismus eingelegt, k e i n er proklamierte einen faschistischen Staat, obwohl Vertreter der Hitler-Jugend anwesend waren, die aber zu keinem Thema sprachen, obwohl sie von den ihnen befreundeten Führern der bündischen und oolksbürgerlichen Ver- bände darum geradezu gebettelt wurden. Wenn man bedenkt, welche Rolle der Faschismus in den öffenllichen Auseinandersetzungen spielt, kann man ermessen, welche Niederlage die Nationalsozialisten aus der Führertagung der deutschen Jugendver- bände durch ihr Schweigen zu den wichtigsten Fragen der jungen Generation erlitten haben. Umgekehrt mußten sich alle Gruppen mit dem marxi st ischen Sozialismus aus- einanderfetzen, und wir konnten zu unserer großen Freude feststellen, wie sehr der Sozialis- mus auch in die Kreise der nichtproletarischen Jugend Eingang gefunden hat. Gustav Weber. Der Scharlatan Hermann Kesten hat in seinem neuen Roman„Der Scharlatan"(Gustav Kiepen- heuer, Verlag, Berlin) eine Chronik des 20. Jahrhunderts zu schaffen versucht, ein Kolossalgemälde unsxrer Zeit und ihrer Menschen. Dieser Versuch ist insofern als gelungen anzusehen, als es der Autor verstand, den Hexenkessel unserer Zeit unter Dampf zu setzen. Da brodelt es nun von Leiden- schaften und Begierden— ob nach Geld, Weibern, Ehren oder Aemtern gleichviel—, es ist eine Jagd nach Geltung und Erfolg, die nicht nur über den Nächsten, sondern auch über sich selbst geht, wenn es das Ziel erfordert. Das Ziel eines „Fünfjahreeplanes", wie ihn sich ein Dutzend junger Männer gelegentlich der Zehnjahrfeier ihres Abituriententages als Lebens- uno Entwick- lungsplan festlegten. In diesem brutalen, mit allen Mitteln menschlicher Niedertracht und Ber- nunft geführten Daseinskamps und— daneben auch—, dem Suchen nach dem„Sinn des Lebens" bleiben zwei Sieger: Albert Stifter, der hem- mungslofz Rationalist, der nur an den Erfolg glaubt und besessen von diesem fanatischen Glaubensbekenntnis die Liebe wie die Moral bloß als hemmende und störende Momente in seinem Leben empfindet, und Karl Ballon, der grenzen- beträgt nur 30 Pf, dafür kannst du allerlei ge- Winnen: Landhäuser, Wochenendhäuser, komplette Küchen, Sportartikel, sowie vielerlei praktische Gegenstände für den Haushalt, Eßbestecke. Eßlöffel und Kuchengabeln aus rost- freiem Stahl, Scheren u. ä. Im ganzen werden in der am 20, und 21 Dezember d, I. stattfindenden Ziehung 1 3 5316 Gewinne und zwei Prämien mit einem Gesamtwert von 4 50 000 M. ausgespielt Wer es wünscht, kann auch Bargeld bekommen, denn alle Gewinne sind mit 00 Proz ihres Wertes auszahlbar, Glücksbriefe mit 10 Losen kosten 5 M. Der Weihnachtsmarkt Berliner Künstler. Auf dem„Weihnachtsmarkt Berliner Künstler", der in der Zeit vom 3 bis 11. Dezember in der Halle IV am Funkturm stattfindet, wurde mit dem Ausstellen der eingelieferten Kunstgegenstände begonnen. Die Leitung dieser neuartigen Ver- anstaltung liegt in den Händen des Reichs- Verbandes blldender Künstlsr, Gau Berlin, der die Maler Hans Bremer, Martin Bloch und Peter F ö r st e r mit der Durchführung beauftragt hat. Die Beteiligung ist außerordenllich groß. Refi Langer im BaltsbiUrnngsamt Wilmersdorf, Als leiste dirsjährigr Veranstaltung Oes Wilmersdorfer Bollsbildungsamtes findet am 1. Dezember 1932, 20 Uhr, im Zeftsaal des Stadthauses Wilmersdorf, Kaiferallee 1—12, ein Heiterer Abend mit Rest Langer statt. Die be- kannte Berliner ÄortragskUnstlerin, die an diesem Tage ihr zwanzigjabriaes Bühnenjubiläum begeht, wird u. o. die grotesken Gedichte Christian Morgensterns zum Bortraz bringen, garten bei der Anslunft im Stadthaus Wilmersdorf, Aaiserallee 1—12, non 8—20 Uhr, Weiler in Berlin: Meist bewölkt, keine wesent- lichen Niederschläge, Temperaturen im ganzen wenig verändert, südliche Winde— 3n Deulsch- land: Im Westen und Nordwesten vereinzelt etwas Regen und ein wenig milder, im übrigen Reiche keine wesentliche Aenderung des herrschen- den Witterungscharakters. lose Idealist, der überhaupt nicht an den Erfolg Lenkt.— Es gibt in diesem Buche kaum ein Er- eignis, das nicht aus � der Wirklichkeit geschöpft, wäre, kaum eine Persönlichkeit, die wir nicht als Zeitgenossen wiedererkennen würden, Bestechungs- skandale, Beirugsaffären und Schiebungen, die uns in Atem hielten, werden wieder lebendig unter der Hand eines Dichters, der nicht bloß be- richtet, sondern auch wiedergestaltet und Dingen wie Menschen bis auf den Grund geht, Kesten gibt sich nicht mit der Tatsächlichkeit zufrieden, sondern analysiert und enträtselt. Er legt Hinter- gründe bloß und enthüllt Las Denken. Er be- gnügt sich nicht mit der dokumentarischen Fest- stellung von Wirkungen, sondern es geht ihm mehr um die Erforschung ihrer Ursachen. Dieser Roman ist mehr wie jeder seiner früheren ein Denk- und Bekenntnisbuch, aber reifer, geschlosse- ner, wie seine früheren Werke, und erfüllt von einem zwar ätzenden, nicht immer freundlichen, alcr schlagenden und bis zur Tragik erschüttern- den Humor. kViSdrich Lichtneker. Hast du schon ein Los? Ein Los der Arbeiterwohlfahrts- Lotterie ist gemeint. Wenn nicht, dann kaufe dir noch heute eins! Der Preis für das Einzellos Rundfunk am Abend Mittwoch, den 30. November 1932 Berlin: 16.15 Medizinisch-hygienisdie Plauderei(P. Frank). 16.30 Aus Hamburg: Nadimittagskonzert. 17.30 Wie bringe iefa „das" Buch an„den" Mann? 17.30 Günther Raphael. 18.13 Vulkane unter dem Meer (E. Herrmann). 18.30 Unterhaltungsmusik. 18.33 Die Funkstunde teilt mit 19.00 Stimme zum Tag. 19.10 Gelobtes Leben: Meinungskampf. 19.35 Mitteilungen des Arbeitsamtes. 19.40 Unterhaltungsmusik. 20 30 Meiseken. Lustspiel v. H. A. Kihn. 22.00 Wetter-, Tagesund Sportnachrichten. 22.15 Aus London: Blaskonzert. Aus Frankfurt a. M.: Nachtkonzert. Königswusterha u s e u: 16,00 Pädagogischer Funk. 16.30 Aus Hamburg: Nach- raittagskonzert. 17.30 Bücherstunde. 18.00 Die bürgerliche Singsoielbewegung 1720—-1820 (H. B rosig). 18.30 Volk und Rasse(Prof. F. Kern). 18.53 Wetterbericht. Englischer Sprachunterricht. 19.33 Stunde des Beamten. 20.00 Aus München: Bunter Abend. 21.00 Tages- und Sportnachrichten. 21.10 Aus Breslau; Volksschicksale im Südosten. 21.10 Wetter-, Tages- und Sportnachriditeu. 22.43 See- Wetterbericht. Sonst: Berliner Programm. Vollständiges Europaprogramm im„Volksfunk", monatl. 96 Pf., durch alle„Vorwärts"- Boten oder die Postanstalten. Verantwortlich für Politik: Rudolf VrendemüHl; Wirtschaft: G. KlingelHöfer: Gewerkschastshe- wegung: I. Steiner: Feuilleton: Herbert Le- p h r e: Lokales und Sonstiges: ftritz Star stallt; Anzeigen: Otto H e n g st: sämtlich in Verlin � Per- lag: Vorwärts-Verlog G m. b H., Berlin. Druck: Borwärts-Buchdruckerei u, Verlagsanstalt Paul Singer u. Co., Verlin SW. 08, Lindenstr 3' Vezugs- bedingungen und Anzeigenpreise werden in jeder Morgen-Ausgabe des„Vorwärts" verössentlicht. Hierzu 1 Beilage. Staats Theater Mittwoch, den 30. November naatsoper unter den Linden 20 Uhr Wozzeck dtaauiches Schauspielhaus 20 Uhr Nathan der Weise VOLKSBOHNE Theater am Bttlowplaiz Norden»,Z». Letzte 3 Vorst., b% Uhr C M hl hl von Marce Hagro ■»M IT IT T Deutsch von uruno FranK— Re-ie: Heinz Hilpert Dorsch, Tiedtke, Valetti. Siedet, Ver- hoeven, Stein. Almas «•.Uhr CASItlO- THEATER � Lothnnaet Straite 37. •niiinimuiiiiiiiiiiiMiiiiuiiiiiiiuMiiiiiiniuiiiniiiiiiiuNiiiniiiiii Nur noch bis Freitag: Die Liebe biübt in Werder Sonnabend zam 1. Male auch Sonntags 4 Uhr Alles um Lotti Schlager-Posse m Gesang u.Tanz Für die Leser Gutschein 1—4 Personen. Parkett 0.50, Fauteuil 0.75, Sessel 1.25 JVV WM 8 Uhr 15. Flora 3434. Raudiia erlaubt. Birkmeyer und sein Wiener Ballett 3 Arconas, 2 Burley's Hans Kolischer, 10 Brox. Yra&. Ottare usw. K&L&bt/eH/o. rut/£ Sonnt, nachm. 3 Uhr bill. Preise Hen c 4 Uhr: Ein Weihnachtsspiel für Kinder Preise von hO Pf. ab M Scbaeffers U MürnberTjer5tr.5p IV 4 ühr Täglich 2* 9 Uhr Das sensationelleKabarBit-ProsgaBE] Abendnreise 1— 3 Mk. Nachm. GadecH 1.25 Jeden So rahenr 1 1 v,Unr:K-ctittor»lellunc| Stadl. Oper Charlottenbur Fraunhofer 0231 Mittwoch, 30. Nov 20 kJhr Turnus III cer Schmied von Cent Rode. Müller. Fiiednch, S eier. Burgwinkel, Gonszar. Gombert, Guttmann Bau- tnann Dirigent Breisach Deutsches Künstler-Th Nürnberger Str. Tel Ba,aria 6466 lagl>/, Uhi Leoroldine Konstantin in: Die Nach, zum 17. April Schioth, Stein heck Gebühr, Brionne, Wol e. Picha ffleirapoi-liieaier I Taglich Sh« Uhr 1 Srihi Massary | eine Frau, die weis, was sie will! Deutsches Theacer Weidend. s>01 Heute geschloss Donnerstag.SUhr Premiere Harmonie von Franz Molnar Inszen. Max Reinhardt iismmerspiele Täglich« Uhr Vorletzte Vorstellung ffldiaei Krämer van Ceihart Hajptmann Klopfer, Melzer, Triesch.v Platen. Kaiser, Liebeneinet j-inea'er i.ö.— | Mresemannstr. | Täglich S'cUhr Li wahr, v. G B. Shaw Aoissi, von Thell- mann, Bertens. Evan s.Otto, Sima, Wiemann. Deppe, de Kowa. Stetliner Sänger Reichshallen-Theater 8.15 Sonntag 3.30 zu ermäßigten Preisen. meiodie des GlücKs und das November-Programm Rur!tirstiinil.-i'• Kurfürstendamm 209 Tel Bism. 14J Tägl. 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Steinpl. 67>0 Täglich 8'/« Uhr Ueber 225 x Truppe 1931 Die inausslallj Mittw.u Sonnabi 4Ulir Schneewittchen i'ueater im Aomiralspa asi Merkur 9901 Täglich 8*/« Uhr Hans A�bsrs L i 1 i o m Inserieren bringt Erfolg! BEILAGE MITTWOCH, 30. NOV. 1932 Ununterbrochen fluten Menschen und Tiere durch das Tor Bab Doukkala in die aus rotem Lehm erbaute alte Maurenstadt M a r r a k e s ch. Kamelkarawanen traben erhaben hinter ihrem Führer her, kleine Esel trippeln im Galopp vor- bei, auf deren schmalen Rücken schwere, dicke Männer in weißen Gewändern und leuchtenden Turbanen sitzen, die fortwährend gegen den Leib der armen Mulis treten, um sie zur Eile anzutreiben. Dazwischen schreiten aufrecht und stolz dicht verschleierte Frauen nach den Brunnen, um Wasser zu holen, und flinke Araber jagen auf blitzenden Fahrrädern irgendeüiem eiligen Geschäft nach. Offiziere und weiße Händler in Tropenhelmen räkeln sich unter dem Sonnendach der Pferdekutschen, und hin und wieder lenkt auch ein elegantes Auto mit Lärm durch die schmale Passage Zu chren beiden Seiten stehen wuchtig die dicken W a ch t ü r m e mit ihren unzähligen, winzigen Schießscharten. Aber das schützende Bohlentor, das noch vor wenigen Jahren bei einbrechender Dunkelheit geschlossen wurde, ist verschwunden. Die Eingel orenenstadt von Marrakesch mußte sich dem außenliegenden Europäerviertel öffnen. Die breite, rote Lehmmauer bietet keinen Schutz mehr gegen die Angriffe modern ausgerüsteter Soldaten. Und so kamen«die, weißen Kolonisatoren, die Legionäre und die Händler auch in die heilige Medina, in die uralte Maurenansiedlung, die ichon vor tausend Jahren gegründet wurde. Herr- liche Brunnen mit eingelegten Mosaiken, die glän- zende Moschee de la Koutoubia und viele Reste alter, maurischer Paläste«rinnern an die hohe Kultur jener Zeit. Damals, in der Glanz- Periode des Scherifenreiches, als es sich daran machte, von Spanien her Europa anzurennen, zählte Marrakesch über eine halbe Mil- lion Einwohner. Und heute noch ist es die ursprünglichste Stadt Marokkos, wenn auch die neuen Herren, die seit der gewaltsamen Einnahme Marrakeschs durch di? Franzosen im Jahre 1912 hier sitzen, wenig Achtung vor dem alten Kulturwerk zeigten. Sie bauten ihre Postämter, Warenhäuser, Hotels und Garagen mitten in die Altstadt und zerstörten. was ihnen im Wege war. Rur das Wohnviertel der Europäer und der neue groß« Bahnhof blieben außerhalb. Breite, asphaltierte Boulevardstraßen sind da ent- standen, und besonders rings um den berühmten, großen Palmenhain haben sich viele Franzosen niedergelassen. Bunte Gärten mit exotischen Blumen umgeben die flachen, blendend weißen Villen, die in d-en letzten zwei Jahrzehnten gebaut wurden. Trotzdem hängt auch hier schon ein Schild: Baugelände zu oermieten. Die Spekula- tion hat allzu tüchtig gearbeitet. Marrakesch ist für den wagemutigen, skrupel- losen Europäer noch die Stadt in Marokko, wo am meisten verdient werden kann. Die franzö- fische Verwaltung macht den europäischen Kauf- leuten und Handwerkern wenig Vorschriften, da man froh ist, wenn sie sich in dem mörderischen Klima niederlassen. Außer den �Franzosen lelen in Marrakesch noch viele Spanier als Gastwirte. Cishändier und Gemüsefarmcr. Auch Italiener arbeiten hier als Baumeister und Handwerker, und ein junger Schweizer er- zählte mir, wie er mit ein paar Schrauben- schlüsieln in irgendeinem Winkel, ohne ein Dach über dem Kops zu haben, eine Reparaturwerk- stätte für Autos einrichtet« und nicht schlecht dabei verdiente. Nur die Deutschen sind aus Marokko ganz verschwunden, seitdem Frankreich durch die Tanger-Asfäre Wilhelms II. Deutschland zu seinen schlimmsten Gegnern in Nordafrika zählt. Marrakesch selbst aber soll einen zauberhasten Einfluß aus die Europäer ausüben. Wer einmal hier gelebt hat, den läßt die märchenhafte Stadt nicht wieder los. Selbst Leute, denen das Klima nicht bekommen ist, kehren nach kurzem Ausent- halt am Meer wieder zurück Zu phantastisch ist noch das Leben der Eingeborenen und selbst der glühende S i r o k k o. der von der Sahara her- überweht bleibt süß in den Gliedern stecken, trop- dem er die Menschen krank und schlapp niachl. lind dann ist das hohe Gebirge des Atlas nahe In manchen Teilen bleibt er zwar noch der letzte Schlupfwinkel für sreiheitliebende Berberstämme, zu gleicher Zeit aber birgt er reiche Mineralschätze. in der Hauptsache ausgedehnte Phosphatlager. Und wenn die Hitze in der Ebene allzu erdrückend wird, ist auf seinen Höhen immer noch Kühle. In der alten Eingeborenenstadt, der Medina, aber geht das Leben wester wie vor vielen Jahr- Hunderten. In den Souks, den unüberfeh- baren Labyrinthen der Händler- und Handwerker- gasten, herrscht noch heute eine Tauschwirtschaft, wie sie in Europa vor dem Mittelaller bestanden hat. Hier kaufen die großen Karawanen ihre Waren ein, Sie weit bis in die Sahara hinaus- ziehen. Freilich wird heute schon dem einheimi- '\- .F.-< �, 5"- schen Gewerbe durch das Tuch aus M a n ch e st e r, den Teppichen aus Zwickau ur.it dem Leder aus 0 ff e n b a ch ein starker Abbruch getan. Die alten Handwerker werder? immer ärmer und können trotz auegebreit.stster Kinderarbeit mit den Maschinen Europas nicht konkurrieren. Der Mittelpunkt des Lebens l leibt D j e m a a E l F n a, der große Hauptplatz inmitten der Stadt Zwar sind schon Verwaltungsgebäude, auf denen die Trikolore weht, Wirtshäuser, Garagen für die hier ankommenden Omnibusse und Banknieder- lassungen an seiner Seite entstanden, aber die Händler liegen trotzdem weiter den ganzen Tag unter einem aus Säcken errichteten Sonnendach und warten faulenzend auf Kundschaft für ihren spärlichen Warenbestand. Am Nachmittag versammeln sich hier Gaukler und geben ihre seltsamen Schauspiele. Schlangen- beichwörer lassen ihre Tiere aus den mitgebrachten Kisten springen und tun, als ob sie sehr gefährlich seien, dabei sind sie gar nicht mehr giftig. Alte, ehrwürdige Geschichtenerzäh- ! e r geraten in Ekstase und führen wunderliche Tänze vor. Aus einem Korb kann man sich zwei Muscheln herausnehmen und dichtverschleierte Frauen prophezeien daraus die Zukunft. Seil- tänzer und Degenschlucker bekommen reichen Beifall der zahlreichen schaulustigen Menge. Ueberall ''.wr stehen Horden von Bettlern. Eine ganze Schar blinder Männer hält wehklagend hölzerne Schüsseln lereit, um kleine Münzen oder auch Nahrungsmittel darin zu empfangen. Schmutzige Kinder mit widerlichen Krankheiten verfolgen den Fremden mit ihrem Bettelgeschrei, und ein frecher Halbwüchsiger fordert zwanzig Franken, um uns lie schönsten Frauen von Marrakesch zu zeigen. Menschen aller Rassen und Mischlinge des ganzen afrikanischen Kontinents schwirren aus diesem Jahrmarkt herum Geschäststüchtige 'Araber und verschleppte Neger sind schon früh nach Marokko gekommen und auch viele Juden sind eingewandert. Letztere sind allerdings fast canz aus ihr eigenes Wohnviertel beschränkt, haben ihre eigenen Souks urö bilden eine abgeschlossene Stadt für sich. Nur selten sieht man sie außer- halb in ihren schwarzen Mänteln uno Käppis über die Straße eilen. Einen abgeschlossenen Teil der Stadt bildet auch noch die K a s b a h, die alte Festung des Sultans. Noch heute sind Teile davon für den Fremden, den Ungläubigen abgesperrt. Hier liegen die Gräber der alten Scherife und der Dar El M a k h z« n, der Sultanspalast träumt weiter mit Marmor- l assins, Harem und prächtigen Gärten in«ine gar nicht mehr märchenhafte Zeit. Oetrerhehygime 19S2 ffiild aus einem Ttiener Qeriehisfaal/ Ton flledicm In der Wiener Neustadt wurde kürzlich ein Strafprozeß beendet, der die österreichische Ar- beiterschost mst Recht in helle Empörung versetzte. AngeNagt waren die Besitzer der Wiener- N e u st ä d t e r G u m m i f ä b r ick. Dr. Hörnes und Durvay, sowie der Betriebsleiter des Unter- nehmens wegen des Verg«hens gegen die Sicher- hell des Lebens. In der Fabrik waren durch ständig aus st röm ende Benzoldämpse fünf Arbeiterinnen getötet und 1 8 andere so schwer vergiftet worden, daß sie nuziatelang mit dem Tode rangen. In der Verhandlung ergab sich, daß trotz der bekannten schweren gesundheitlichen Gefahren der Benzol- dämpfe keine sanitären Vorkehrungen getroffen waren, daß monatelang Arbeiterinnen erkrankten, ohne daß etwas geschah— weil die Gewerbe- inspektoren und der Kassenarzt, an die sich die gesundheitlich bedrohten Arbeiterinnen wandten, weder die polizeiliche Anzeige erstatteten, noch die Unternehmer warnten, noch die Frauen irgendwie schützten. Bemerkenswert ist, daß dieser Dr. Hörnes schon in Preßburg in der T s ch e- ch o s l o w a k e i eine Gummiwarcnfabrik betrieben hat, in der im Jahre 1927 eine Explosion elf Arbeiterinnen das Leben gekostet hat. Er wurde vom Preßburger Gericht z u sechs Monaten Freiheitsstrafe ver- urteilt, ihm die Weitersllhrung eines solchen Be- triebes in der Tschechoslowakei untersagt. Er verlegte daraus die Benzol-Hölle nach Wien, ohne von den österreichischen Behörden daran gehindert zu werden. 'Zeugen... In der Verhandlung kam zur Sprache, daß die Arbeiterinnen, die die giftigen Gase einatmeten, an schwersten Kopsschmerzen und an furchtbaren Uebelkeiten litten und dutzendmal am Tage, oft fünfzigmal erbrachen. Als Zeugen wurden der Gewerbeinspektor Dr. Kittl und Hosrat Lehn und der Kassenarzt Dr. Witt vernommen. Wir wollen ohne Kommentar, der sich erübrigt, einen Teil des Verhörs mit diesen„sozialhygienischen" Funk- tionären wiedergeben: Vorsitzender: Warum haben Sie nicht beanstandet, daß die Ware nicht nach Vorschrift unter ventilierten Schutzkästen bearbeitet wird? Zeuge Kittl: Es ist mir damals nicht zum Bewußtsein gekommen, daß dort solche Mengen Benzol verdampfen. Vorsitzender: Warum haben Sie nicht verlangt, daß Schutzkästen verwendet werden? Zeuge Kittl: Ich habe das nicht für not- wendig gehalten. Vorsitzender: Warum haben Sie den Dr. Hörnes nicht gefragt, wie die Arbeit vor sich geht? Zeuge: Ich hatte keine Bedenken wegen der Gefahr dieser Arbeit. Staatsanwalt: Das ist das Zugeständnis des Nichtwissens. Ein gerichtlicher Sachverständiger: Welche Bücher haben Sie? Zeuge: Ich habe das Lehrbuch für Gewerbe- inspetwren.'"•■*«••• 1 1. Sachverständiger: Ein Spezialwerk über Giftstosfe haben Sie nicht? Zeuge: Nein: Vorsitzender: Was machen Sie dann, wenn Sie etwas über Gifte wissen wollen? Zeuge: Ich frage einen Arzt. Ein zweiter Gewerbeinspektor, H o f r a t Lehn, wird gefragt, warum er nichts zum Schutze der Arbeiter vorgesehen habe, obgleich er Benzol als Nervengist angesehen habe. Zeuge: Freilich ist auch Nervengift ein Gist, aber es wirkt nur langsam. Der Vorsitzende fragt den Angeklagten Hörnes: Ihre Arbeiterinnen haben fortwährend erbrochen: warum haben Sie sie nicht ärztlich untersuchen lassen? Angeklagter: Ich war der Ansicht, diese Erscheinungen seien unvermeidlich. Ich habe»es dem Gewerbeinspektor gesagt, aber der hat geant- wartet, die Leute werden sich daran gewöhnen, und die sich nicht daran gewöhnen, soll ich ent- lassen. 'Vernehmung des Arsiles■Dr.'IV in Vorsitzender: Sie können sich erinnern, daß zu Ihnen Arbeiterinnen gekommen sind, die sich über verschiedene Uebelkeiten beklagt haben. Welche Beschwerden hatten diese Patientinnen? Zeuge: Immer dieselben: Uebelkeiten, Schwindelzustünde, Kopsschmerzen. Vorsitzender: Unter welchen Voraus- setzungen haben Sie die Leute in Krankenstand genommen? Zeuge: Wenn sie arbeitsunfähig waren. Vorsitzender: Das war sehr selten. Bloß drei- oder viermal. Ist es Ihnen denn nicht auf- gefallen, daß immer Arbeiterinnen alls der Gummisabrik mit denselben Erscheinungen, Brech- reiz, Kopsweh usw. zu Ihnen kamen? Zeuge: Zuerst nicht. Erst 1929, kurz bevor der Betrieb geschlossen wurde. Vorsitzender: Und da haben Sie nichts gemacht? Zeuge: Ist habe ihnen geraten, sich an ihren Betriebsrat zu wenden. Vorsitzender: Waruin haben Sie nicht eine Anzeige erstattet? Zeuge: Ich habe mich nicht berufen gefühlt, ein« Anzeige zu erstatten. Vorsitzender: Haben Sie gewußt, daß bei Hörnes Benzin oder Benzol verwendet wird? Zeuge: Ja. Vorsitzender: War Ihnen die gesundheitsschädigende Wirkung des Benzols bekannt? Zeuge: Ich habe gewußt, daß es ein Gift ist. Ein nervöses Gift. Daß die Schädigungen so schwerer Natur sein können, habe ich nicht gedacht. Vorsitzendep: Warum haben Sie keine Anzeige beim Kewerbeinspektorat gemacht? Zeuge: Ich hatte die Erinnerung an den früheren Betrieb und da ist kein Benzol verwendet worden. Vorsitzender: Aber es hätte Ihnen doch ausfallen müssen, daß immer Leute aus der Hörnesfabrik mit den gleichen Beschwerden kommen. Zeuge: In jeder Fabrik ist es ungesund. Die erste Patientin, die gestorben ist, wurde von mir dreimal untersucht. Sie hat drei Tage vor ihrem Tode noch blühend ausgesehen. Was hätte ich tun sollen? Ein Sachverständiger: Haben Sie sich nicht den Zusammenhang denken können? Zeuge: Zu mir kommen täglich 59 bis 99 Patienten. Vorsitzender: Wenn einer Mitglied einer Krankenkasse ist. hat er das Recht, ordentlich unter- sucht zu werden. Eine Zeugin sagt aus: Einige Arbeiterinnen sind krank geworden. Als sie das Entgelt für die ersten Krankheitstage verlangt haben, sind sie ent- lassen worden. Sekretär Hoffmann vom Verband der chemischen Arbeiter sagt aus, die Arbeiter hätte» ihm erzählt, daß der Fabrikant Hörnes am Mor- gen selbst in den Betrieb kam und die Ventilation abstellte. Die ärzlichen Sachverständigen stellen fest, daß es sich um die schwersten Er- scheinungsformen einer chronischen Benzolvergif- tung gehandelt habe. Auch die mit dem Leben davongekommenen Arbeiterinnen müssen von Todesangst gefoltert worden sein. Die Arbeits- weise in der Gummisabrik sei verbrecherischer Leichtsinn gewesen. Der Betrieb war für Leben und Gesundheit der Arbeiter auf das schwerste gefährlich Die Organe der Gewerbehygiene haben völlig oersagt. 'Urleil— Sreifprueh! Urteil: Freispruch! Die Gewcrbeinspektoren hätten alles in Ordnung gesunden, sie hätten dem Angeklagten gesagt, daß sich die Arbeiterinnen an die Dämpfe gewöhnen würden. Auch der Kassen- arzt habe die Erkrankungen nicht erkannt. Daher können die Angeklagten nicht strafrechtlich zur Verantwortung gezogen werden. Als ewiges Schandmal sei zum Schluß fol- gender in der Verhandlung geschehener Dialog für die kommenden Geschlechter ausgezeichnet: Der Vorstand des Gewerbeinspektorats Wiener Neustadt Hosrat Lehn: Ich kann nur sagen, dieses hier war ein Musterbetrieb. Vorsitzender. Wieso gab es dann trotz dem Musterbetrieb Tote? Hofrat Lehn: Das find eben Betriebs- Unfälle Betriebsunfälle! Eine Zeugin gibt an, daß sie steben- oder achtmal in der Stunde gebrochen hat. Vorsitzender: Das ist fünfzigmal im Tag? Zeugin: Ja. Vorsitzender zum Gewerbe inspek- t o r: Ihre Antwort an den Fabrikanten war, er möge diejenigen Arbeiterinnen, die sich nicht daran gewöhnen können, entlassen! Rund um den Sport Europa-Fußballmeisterschaft bringt Weihnachten: Deutschland— Polen, Belgien— Holland weg. Die in diesem Kamps erzielten Tinzrt> leistungen gingen ganz erheblich über den Durch- schnitt hinaus und bewiesen, daß auch in der k-Gruppe der Arbeiterkegler guter Sportgeist vor- Händen ist. Ms bester Einzelkegler zeigte Friß (Frei weg) mit 782 Holz eine besonders gute Leistung. Ergebnisse der sünf Vereinsbesten: In der mitteleuropäischen Gruppe der Landes- oerbände der Sozialistischen Arbeitersportinter- nationale(Ungarn, Oesterreich, Polen, Böhmen. Deutschland) findet bereits das dritte Rundenspiel um die Europameisterschaft im Fuß- ball mit der Paarung Deutschland— Polen am Weihnachtsmontag, 26. Dezember, in Leipzig statt. Die Ergebnisse der zwei vorherigen Spiele sind: Oesterreich— Deutschland 1:0, Deutschland— Böhmen 4: 0. Das Spiel in Leipzig bringt die Entscheidung, ob Deutschland die Füh- rung bekommt; gelingt das nicht, stehen Oester- reich, Deutschland und Polen punktgleich. Wie die Fußballeitung des deutschen Arbeiter-Turn- und Sportbundes mitteilt, wird sie die stärkste Mann- schaft ausstellen. Die Stärke der Polen ist ihr aus den zurückliegenden Kämpfen sehr gut bekannt und wird nicht unterschätzt. Beim 2. Arbeiterolympia 1931 in Wien kam Polen bis in die Vorentschei- dung. In der westeuropäischen Gruppe(Schweiz, Frankreich, Belgien, Holland) beginnt die erste Runde mit dem Treffen Belgien— Holland am 25. Dezember in Belgien. Allgemein ist mit einem Sieg der Belgier zu rechnen, doch leicht wird er bestimmt nicht, wenn es nicht gar eine holländische Ueberraschung gibt. Tampbells neuer lleberrennwagen. Der eng- tische Weltrekordlahrer Sir Malcolm Campbell wird im Monat Januar wieder die Uebersahrt nach USA. antreten, um am Strande von Day- tona-Beach(Florida) abermals einen Angriff auf den absoluten Schnelligkeits-Weltrekord für Auto- mobile zu unternehme». Im Vorjahre stellte der „rasende Brite" mit der unvorstellbaren Leistung von 408,721 Stundenkilometer einen neuen Welt- rekord auf. Diese phantastische Geschwindigkeit ge- nügt ihm jedoch nicht, und so wurde sein Renn- wagen, der„Blaue Vogel", gleich nach der Rück- kehr aus USA. umgebaut. Selbstverständlich, daß sich der Umbau unter vollstem Ausschluß der Oeffentlichkeit vollzog. Dieser Tage nun ist der Wagen fertig geworden. Cr hat mit seinen 2500 k'ls noch um 1000 PS mehr als bisher. Die Rolls-Rayce-Motoren sollen eine Geschwindigkeit von 300 engl Meilen, etwa 480 Stunden- k i l o m e t e r, leisten, in der Theorie natürlich. Was die Praxis zeigen wird, muß man erst ab- warten. Um dem Wagen eine größere Boden- festigkeit zu geben, hat man eine Gewichtsver- legung nach vorn vorgenommen. Die Maschine hat Dreiganggetriebe, die Schaltung ist so vor- gesehen, daß bei 100 Kilometer der zweite, bei 250 Kilometer der direkte Gang eingeschaltet wird. Lei den Ringkämpfen im Zirkus Rusch lieferten sich gestern der Ostpreuße Naber und der Berliner Luppa einen recht scharfen Kampf: nach dem Bc- ginn der zweiten Runde unterlag der Ostpreuße einem blitzschnell durchgeführten Hüftzug. Kautski und Krummin schieden nach drei Gängen mit einem Unentschieden, mit dem gleichen Ergebnis trennten sich Pietro Scholz und der Rheinländer Krause. Der Bulgare Jwanoff überraschte den Sachsen Opitz in der 14. Minute durch einen Arm- zug aus dem Stand. Der starke Paßmann-Lett- land warf seinen Landsmann Grünberg nach einem wechseloollen Kamps nach der 13. Minute durch einen Ueberwurf auf die Schultern. Heute ringen u. a. im Entscheidlingskampf Luppa und Ferestanoff knockout beim UlasjerbaUspiel. Zu einem be- dauerlichen Vorfall kam es bei einem von Reu- wied mit 14:2 gegen Koblenz gewonnenen Wasser- ballspiel. Ein Koblenzer Spieler versetzte einem Gegenspieler während des Treffens einen derart wuchtigen Faustschlag, daß der Getroffene stark blutend aus dem Wasser gezogen werden muhte und dann ohnmächtig zusammenbrach. Der Roh- ling wird hoffentlich der verdienten Strafe nicht entgehen. knöpnadel boxt nicht. Für die heute abend im Berliner Spichern-Boxring geplanten Kämpfe ist eine Umbesetzung notwendig, geworden. Der Schwergewichtler Knöpnadel ist erkrankt und kann nicht kämpfen. Für ihn ist als Ersatz der Hain- burger Ertinghausen gewonnen worden, der aus Scholz-Breslau trifft. Internationale Arbeiler-Eishockeyspiele. Zwischen Oesterreich und Lettland schweben Verhandlungen wegen der Austragung von Ländcr-Eishockey- spielen in Wien und Riga. Geplant sind auch Werbespiele zwischen Lettland und Oesterreich in der Tschechoslowakei. �oaclr» letzter Boxkampf Wie der deutsche Exmeister im Federgewichts- boxen, Paul Roack-Berlin, verlauten läßt, be- absichtigt er, sich nach dem am Mittwoch im Ber- liner Spichernring gegen seinen Nachfolger Harry Stein stattfindenden Boxkampf von der Boxer- laufbahn zurückzuziehen. Als 8rund für seinen Entschluß gibt Noack an, daß.'r infolge seiner sonstigen beruflichen Tätigkeit nicht ständig in der Lage ist, sich so für sein« Kämpfe vorzubereiten. Noack steht im 33. Lebensjahr und hat in seiner mehr als 12jährigen Boxerlaufbahn nicht weniger als fünfmal den Titel eines Deutschen Meisters in seiner Klasse erkämpfen können, nachdem er bereits viermal Deutscher Amateurmeister war. Mit ihm scheidet ein stets tapferer, fairer und im höchsten Maße siegwilliger Kämpfer aus dem Boxring. >W»»W 1. Fes 2. E. Peter 704 6.; 3." R. Ritzmann. 700 y.i 4. W. Madel 700 H.: 5. Hacke 699 H.: insgesamt: 3317 Holz. Ebensalls in Gruppe B standen sich weiter die Kegelriegc der Freien Schwimmer Spandau und Zu spitz gegenüber, bei welchem Kampf die Span- dauer Schwimmer mit einem Mehr von 154 Holz über Zu spitz siegreich blieben. K. Ritzmann(Freie Schwimmer) war hier mit 717 Holz bester Einzel- kegler. Die fünf Vereinsbcsten waren: Freu Schwimmer: 1. K. Ritzmann 717 H.: 2. Fest 716 H.: 3. S. Madel 713 H.: 4. e. Peter 711 H.! 4. Kuhlmen 710 H.: insgesamt: 3367 H.- Zu spitz: I. Gen, 692 H-: 2.�Zander 692 H.: 3. Chmel 683 H.: 4. Stahr 673 H.; a. Gtulgics 669 H.; insgefanit: 3413 H. Der Rückkampf in der A.-Gruppe zwischen Bor- wärts und Rührige Mannschaft brachte durch Er- krankung seines Vereinsbesten für R. M. eine neue Niederlage und weitere Verlustpunkte. Vorwärts konnte den horten Kampf mit einem Plus von 46 Holz siegreiä' beenden, bei dem Ladwig(Vor- wärts) mit 726 Holz bester Einzelkegler blieb. Die fünf Besten d' eiden Bereine waren: Vorwärts: 1. V ang 726 H.; 2. Fehmisch 697£>.; 3. Lic los 683 H.I 4. Rahcnburacr 681 H.! 5. Schmske 676 zulamm-n: 3463 S.- R. M.: 1. B.-land 711 H.: 2. ffiotml 683 H.; 3. Rajcwskl, 678 H.: 4. Krause 6,4 H.; 3. Setzer 671 H.: zusammen: 3417 H., Vom Geräteturnen Auch in der C-Klasse stecken gute Kämpfer Die Anfänger in der Geräteserie der Arbeiterturner zeigten bei chren ersten Kämpfen bereits sehr gute Leistungen. Bedenkt man, daß auch die Uebungen der C-Klasse nicht geringe Schwierigkeiten haben und daß diese Klasse zumeist aus Turnern besteht, die erst mit den einzelnen Geräten vertraut gemacht werden müssen, so sind die erzielten Punkte und die Leistungen doppelt zu bewerten. Teilweise be- stehen die Abteilungen erst nur aus vier Mann. Dadurch ist es auch nicht weiter verwunderlich, wenn in der Gesamtwertung nur eine niedrigere Punktzahl erscheint. Trotzdem kommen im Geräte- durchschnitt immerhin noch 30 bis 31 Punkte, also auch nicht viel weniger als bei der Ober- und Mittelstufe heraus. Bei dem Kämpf FTGB.- Norden I gegen Freie Sportvereinigung Fichte gelang es den Freien Turnern, einen verhältnismäßig hohen Sieg zu buchen. Nur am Reck waren sich die Mannschaften gleichwertig, während am Barren und Pferd Norden I mit einem großen Punkt- gewinn die Spitze hielt. In der Gymnastik war Norden durch schmissigere Uebungen ebenfalls etwas besser. Mit 497 zu 460 Punkten blieb Norden Sieger.— P r.o l e s hatte bei seinem Kampf gegen F T G B.- M i t t e durch widrige Umstände nur drei Mann zur Stelle, so daß Mitte mit einem Mann aushelfen mußte. Und gerade dieser eine Mann zeigte die besten Leistungen, damit seinem eigenen Verein eine Niederlage bereitend. Mit 399 zu 391 Punkten behielt Proles die Oberhand. Im Mittelstufen- kämpf zwischen Lichtenberg und Mitte gab es erbitterten Widerstand auf beiden Seiten. Als die Uebungen an den Geräten beendet waren, lag Mitte noch mit einem Punkt in Führung. Erst die Gymnastik sollte und konnte die Entscheidung bringen und hier war es Mitte, die durch die flüssigere Ausführung den Sieg zugesprochen be- kam. Punktergebnis 516 zu 512 für Mitte.— Bei den Frauen von Lichtenberg gegen Norden I war der Sieg eigentlich nie in Frage gestellt. Wenn auch die Lichtenberger in sich eine geschlossene Mannschaft bilden, in der alle gleiche Leistungen zeigen, so hat Norden einzelne Außen- seiter, die die größere Punktzahl erreichten. Nur in der Gymnastik wirkte es befremdend, daß die Kampfrichter der bedeutend flüssigeren Uebung Lichtenbergs nur einen Punkt mehr gaben als Norden. Mit 475 Punkten blieb Norden gegen- über den 468 Punkten der Lichtenberger über- legen. Die einzelnen Ergebnisse sind: Roräen I gegen Fichte: Norden am Barren 138, am Pferd 149. am Reck 133, Gnmnastik 33, insgesamt 497 Punkte.— Fichte am Barren 139, am Pferd 134, am Reck 134, Ginn naftil 33, insgesamt 460 Punkte.— Proles gegen Mitte: Proles am Barren 124, am Pferd 119. am Reck 121, Gyn nastik 33. insgesamt 399 Punkte.— Mitte am Barren 118. am Pferd 118, am Reck 122, Gnmnastik 33, insgesamt 391 Punkt«.— Lichtenberg gegen Mitte, L.Klasse: Limten- berg am Barren 163. am Pferd 148, am Reck 163, Gnm nastik 34. insgesamt 312 Punkte.— Mitte am Barren 166. am Pferd 134, am Reck 139, Grimnastik 37, insgesamt 316 Punkte.— Frauen Lichtenberg gegen Norden I: Lichten. berg am Barren 149. am Pferd 141, am Reck 143. Gnm- nastik 33, insgesamt 468 Punkte.— Norden am Barren 133. am Pferd 148, am Reck 142, Gymnastik 32, insgesamt 473 Punkte. Am Mittwoch, 20. November, findet um 20 Uhr in der Turnhalle in der Prinzenstroßc das A u s f ch e i d u n g s t u r n« n der Oberstufen- turner zum Städtekampf gegen Chem- nitz und Thüringen statt. Da bei den Städtewettkämpfen mit drei Kampfrichtern und 60 Punkten gewertet wird, so ist das Abschneiden der einzelnen Kämpfer zugleich eine Borprobe für den Städtekampf am 10. Dezember im Saal- bau Friedrichshain. Neue Serienkämpfe In der Gartenftraße hat der Bezirk Mitte der FTGB. morgen, Donnerstag, seinen großen Tag. In der Männer-L-Klasse erwartet Mitte den Besuch des Bezirks Karlshorst der FTGB., während die Frauen-B-Klasse gegen Norden 1 an- treten muß. Lei den Männern wird Mitte sich sehr anstrengen müssen, wenn es zum Siege langen soll.�Bei den Frauen dagegen sollte Norden 1 wieder den Sieg finden. In der Holteistraße stehen sich am gleichen Tage die beiden B-Mannfchaften von Lichtenberg und Süden der FTGB. gegenüber. Die Lichtenberger haben erst vor einer Woche ge- ;cigt, daß in ihrer Mannschaft sehr gutes Material steckt, so daß es diesmal bestimmt zu einem Er- folg kommen müßte. Beginn der Kämpfe 20 Uhr. Am Sonnabend herrscht in F ü r st e n- walde Hochbetrieb. Nicht weniger als sechs Ber- liner Mannschaften werden die Fahrt zur Stadt an der Spree antreten, um gegen die Fürsten- walder Männer. Frauen, Jugend und Alters- turner zu kämpsen. Bei den Männern sind es die beiden B-Mannschaflen von Milte und Volkssport- Neukölln, bei den Frauen Mitte und von Süden die B-Klasse: bei den Jugendlichen Volkssporl- Neukölln und bei den Altersturnern Nordring. Die Fürstenwalder, die zum erstenmal an den Serienwettkämpfcn teilnehmen, haben auf dem Kreisfest bewiesen, daß in ihren Reihen Turner von Können stecken. Die Keglerserie Klubkämpfe der Arbeiter-Kecler Die Klub-Serienkämpfe des Gaues Berlin- Brandenburg im Deutschen Ar- beiter-Kegler-Bund nähern sich chrem Ende. Der in Gruppe B ausgetragene Rückkampf von Frei weg 1925 mit der Kegelriegc der Freien Schwimmer Spandau endete bei einein Mehr von 184 Holz mit einem überlegenen Siege von Frei Die Schachspieler Charlottenburg weiter in Front Im weiteren'Verlauf der Schachserie der Ar- beiter-Schachspieler konnten die Charlottenbmgcr gegen die starken Treptower einen weiteren eiicg von Z— 0(7 Hängepartien) erzielen. Nach An- ficht der Treptower kann der Kampf nach Erledi- gung der Hängepartien trotz einer kampflos ab- gegebenen Partie noch unentschieden gehalten werden. Weißens«« inußte sich nach zähem Kampf gegen Wedding I mit 51-2— 3!4(1 H.) geschlagen bekennen. Humboldthain l enttäuschte wieder und verlor bisher gegen Kreuzberg 4— 3(3 H): Prenzlauer Berg I erzielte gegen Lichtenberg I ein remis von 3 1s-— 3)4(3 H.). Der.H-Klaife-Neu- ling Grünau stellte auch diesmal seine Spielstärkc mit einem 5—5 gegen Friedrichshain I unter Be- weis. Den Stand der bisherigen Spiel« zeigt folgend« Reihenfolge: koldchoin I 17'/(3 H.�; 8. Grünau"' 13Vj': 9'. Friedrichs- tzain I 131s; 10. Prenzlauer Berg I 12(3 H.). Rudernerein ttollcgia. Freitag, 2. Dezember, findet der irrtümlich zu vorigen Freitag angesetzte Satirische Abend statt. Der Bunte Abend vemnlag, 4. Dezember, fällt aus. 25. Dezember Weihnachtsfeier bei Rrauie in Gatow. Freie Ztaaufahrer Epanban. Freitag, 2. Dezember, 20 Uhr, Versammlung bei Söpfner, Spandau, Pichels» darfer Str. 5a. Unser Winterpragramm. Freie Faltbaatsahrer Berlin. Zusammenkunft aller Gruppen Dannerstag, I. Dezember, 20 Uhr, im Arbeitet. Samariter-Bund, Iostystr. 4. Bunter Abend mit Tanz. Sonntag, 4. Dezember, Arbeitsdienst in Grotz-Söris. Arbeiter.Foto. Gilde Süden. Donnerstag. 1. Dezember, rO Uhr, Dunkelkammer Bergstr. 29 lNeukblln), Fotokursus: Die richtige Entwicklung.— Freie Foto-Vereinigung. Donnerstag, l. Dezember, 20 Uhr. Phmilzimmer Schule Pank- Ecke Wiesenftratze.„Film oder Platte?" Freitag. 2. Dezember. 19 Uhr, Arbeitsadend in der Dunkelkammer Willdenowstr. 3. Bezirkskartell Friedrichshain. Montag. 3. Dezember 20 Uhr, Kartellsitzung Barhagener Str. 114. Portrag Über die slommunalreform. Mittwoch, 30. November. 20 Uhr. gemeinsamer Uebungsadend in der Turnhalle Stratz. mannstr. 6. Alle SS.-Mitglieder müssen erscheinen. 00 tnr3 iiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiioiiiiniiiiiiiiMiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiHiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiMiiiiiiiiiiiitiiiiiiiiminiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiMiiniiiiiiiiiiiiiiiiimiiii Schachbretträtsel Man fülle Die leeren Felder in nebenstehendem Schachbrett mit je einem Buchstaben derart aus, daß in den waagerechten Reiben Wörter folgender Bedeu- tung entstehen: 1. preußisch« Pro- vinz: 2. Fisch: 3. Eintracht 4. Stadt in West- ialen: 5. Jßogcl; 6. Karneval: 7. europäischer Staat: 8. Stadt in Bayern. Die von links oben nach rechts unten laufenoe Diagonale ergibt den Namen eines früheren Reichskanzlers. cle. Magische Figur Abzählrätsel a wen welt fein tcr ein ber der das Haus die rech kehrt er freund das er ter er ins li an hält mann in Haus che de das hat die das ge re ei zwei welt crn ficht auf ne ge hin sie das die auf sich aus. Vorstehende Silben sind durch eine zu ermittelnde Zahl abzuzählen Aneinandergelegt ergeben sie ein Zitat von Rückert.— Kr.— i. 2. 3. 4. ———— 2. Sonntag: 3. Die Buchsläden a aaaaabbee e e e« g i i k? o o r r r r s s t t t t z sind so in Di« Felder der Fi- gur einzuordnen, daß die waagerechten und senkrechten Reihen die gleichen Wörter folgender Bedeutung ergeben: 1. kost- barer Seidenstoff: Laubbaum: 4. Spottdichtung. kk, Silbenkreuz 1+ 2 Teil Der Radioanlage: 3+ 4 Werkzeug des Maurers: 5+6 deut- �ches Gebirge: 7+ 8Schen: 4+2 Tierhäute: 5+1 Metall: 6+1 Gestein: 7+ 3 Belustigung: 5+ 4 Hast: 7+ 2 Entsetzen: 4+ 1 lehrreiche Betätigung: 7+ 6 Gartengerät; 8+ 3'Verwandter: 6+ 2 Ackerland(Plural): 1+ 3 Schnllrmateriol. 14. O. Schieberätsel Rußland, Türkei, Ungarn, Mexiko. Rumänien, Italien, Chile, Dänemark, Brasilien. Polen. Frank- reich.—'Vorstehende Namen der Staaten schiebe man seitlich so, bis eine senkrechte Reihe den Namen eines weiteren Staates ergibt. �liflösungen der letzten Rätselecke Kreuzworträtsel. Waagerecht: 4. Ode; 6. deine; 8. Treu«: 10. Po: 12. Ems: 13. Ur; 14. Heu; 16. Day; 16s. Ruin: 17. EM: 18. Spa: 19. Yak: 20. Uz; 22. Nf.; 23. Leben: 25. Nana: 26. Eu: 27. Bentheim: 28. Saar; 29. Reeder; 31. Jhs: 32. Ruege; 33. Stimm«: 34. Od.— Senkrecht: 1. ad; 2. Deus: 3. in: 4. und 7. Orpheus und Eurydikc: 5. et; 6. dem: 9. Re: 11. Oedipus; 13. Uarda; 15. Unna; 16. Dreysc: 20. Ulan; 21. Zentrum: 24. Neid«: 25. Ner: 27. Bast: 28. Eis: 30. Rad: 32. Ri (Sin Setzer-Malheur: Sozialdemokratische Partei. Silbenrätsel: 1. Dollar: 2. Essipow: 3. Riesengebirge: 4. kerenski; 5. Amanullah. 6. Mansarde;" 7 Panzerschiff: 8. Flieder; 9. Nietzsche; 10. Uri: 11 Runzel: 12. Gorki: 13. Innung: 14. Bettler: 15. Tula; 16. Dynamit: 17. Zsobeth— Der Kamps nur gibt die Weihe. Freiligrath. Füllrät je l: l. Erasmus; 2. Gerhard; 3. Sperber; 4. Kamerun; 5. Pommern; 6. Oktober,