Morgen- Ausgabe Nr. 565 A277 49. Jahrg. Redaktion und Verlag- Berlin SW 68, Lindenstr. 3 CI7 Ami Dönhoff 292 bi» 297 Teleätommalttficj Cojialbemottof rSertm BERLINER VOLKSBLATT DONNERSTAG 1. Dezember 1932 In Groß- Berlin 1 l) Pf. Auswärts....... 15 Pf. Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise Neb« am Echlutz deS redaktionellen Teil« Jentralorsan der Sozialdemokeatifche« Partei Deutschlands Eine ausregende Nacht Folgendes begab sich, wie uns aus allerbester Quelle berichtet wird, in der Nacht zum Mittwoch und am Morgen daraus: Am Abend des Dienstag datte der Oberosaf beschlossen, sich an den Ort der Verbandlungen, „noch Verlin" zu begeben. Nach den üblichen, .ziemlich umfangreichen Vorbereitungen bestieg er zusammen mit dem Hauptmann Rühm den um 21.20 Uhr vom Münchener Hauptbahnhof ab- fahrenden D-Zug und zog sich alsbald in den Schlafwagen zurück, nachdem er den Auftrag ge- geben hatte, ihn kurz vor Berlin zu wecken. Am Mittwoch, um ö.22 Uhr morgens, erreichie der Zug fahrplanmäßig Jena. Alles lag im Schlafwagen in tiefstem Schlummer, als sich plötzlich im Gong polternde Schritte und eine rauhe Männerstimine vernehmen ließen. Eine Faust donnerte an die Tür des Abteils, in dem der Führer der Ruhe pflag. Hitler erschien»ach spannungsvollen Sekunden haibangezogen im Türrahmen lhitler, wie ihn keiner kennt!) und erkannte in dem rauhen Störenfried keinen anderen als—— den Reichslagspräsidenten G ö r i n g In fliegender Hast letzte der Reichsiagsprasiöcnt dem Führer— der erleichtert aufatmete, da er einen Eisenbohnunfall vermutet hatte— auseinander daß er nicht weiter nach Verlin fahren und nicht mit Schleicher verhandeln dürfe, Niller, wie ikn Keiner Kennt sondert, mit ihm noch Weimar sahren müsse, wo auch Goebbels sie erwarte. Der Führer, froh, daß es nichts Schlimmer--? war, beendete schleunigst seine Toilette, und der gänzlich verdutzte Hauptmann Rohm, der eben noch in den angenehmsten Träumen ge- legen hatte, folgte seinem Beispiel. Mit einigen Minuten Verspätung verließ der D-Zug Jena und fuhr ohne Hitler und Röhn,»ach Berlin weiter. Aus dem Anhalter Bahnhof hatten sich zum Empfang des Oberosafs S t r a ß e r und F r i ck emgesunden. Sic waren munter und guter Dinge. Waren sie es doch, die die Verhandlungen geführt hatte» und denen es gelungen war, unter Ueber- Windung beträchtlicher Widerstände den Führer nach Berlin zu lotsen Hatten sie ihn erst da und ließ dann Herr von Schleicher den ganzen Zauber seiner Persönlichkeit wirken(es ist doch schön, wenn ein General mit einen, Gefreiten so menschlich redet!), dann kam die Sache schon auf den richtigen Weg. Wer beschreibt das Erstaunen der beiden deutschen Männer, als ein Fahrgast naä dem andern den Fug verlieh und kein Führer, kein Röhm zu sehen war! iinrai wineriid, eilten sie noch dem Joulel, das Telephon spielte nach allen Windrichtungen, und schließlich erfuhren sie. daß Göring in Jena zu nachtschlafender Zeit den Führer überfallen und nach Weimar verschleppt hatte, um ihn dort gemeinsam mit Goebbels in entgegen- gesetzter Richtung, also gegen Schleicher. zu bearbeiten. Wutentbrannt warfen sich Straßer und Frick, in ein Auto und rasten im Hunderikilometcrtempo nach Weimar... Dort hat dann jene nationalsozialistische Führer- konferenz stattgefunden, über deren Verlauf und Ergebnis das tiefste parteiamtliche Geheimnis ge- breiter wird. Dort saßen sie mittwegs zwischen Berlin und München, zwischen Demagogie und Zwang zur Verantwortung, und kämpften daruni, von wem„der Führer" geführt und wohin er geführt werden solle. Dreierlei geht aus dieser wahren Geschichte her- vor: Erstens vervollständigt sie das Bild der Zielsicherheit, mit der die nationale Rechte ihre innere Krise und mit chr die deutsche Regie- rungskrise liquidiert. Zweitens zeigt sie, wie zu- treffend die von Frick, Goebbels, Göring. Röhm und S t r a ß e r gemeinsam abgegebene Erklärung ist, daß sie„in uner- schlltterlicher Gcsolgschaftstrcue zum Führer" einig zusammenstehen. Drittens wird jetzt wohl nie- wand mehr daran zweiseln, daß es nur einen Mann gibt, der Deutschland retten kann, Adolf Hitler, den Mann der klaren Entschlußkraft, wie er sich in jener historischen Schlafwagenszene ge- zeigt hat. Alle seine Anhänger werden chm begeistert zu- rufen: Du brauchst darüber dich nicht zu erbosen, Du bleibst„der Führer"— auch in Unter- hosen! Schleicher statt Papen? Verhandlungen mit dem Zentrum— Die Rolle der Nazis Seichsrochrminiftet S ch I e i ch e r Hai gestern dem Reichspräsidenten einen Zwischenbericht erstaltet. Schleicher steht jetzt wieder im Vordergrund als Kanzlerkandidat. Cr führt seine Besprechungen weiter. * Es haben sehr eingehende Besprechungen zwischen Schleicher und den Zentrumssührern stattgefunden. Gestern führte Schleicher eine halb- ständige Besprechung mil Vertretern der christlichen Gewerkschaften. Zerner haben starke Einwirkungen des Zen- trums aus die Rolionalsozialisten Frick und S t r o h e r stattgefunden, um sie für den von Schleicher gewünschten wassenslillsland zu ge- Winnen. Das soll gelungen sein und beide sollen versprochen Hobe», daß sie im Sinne dieser Idee aus hiller einwirken würden. Die ihnen gebotene Gegengabe ist P r e u ß e n, wo Rotional- soziolisten und Zentrum bereits eifrig über die Person des neuen Ministerpräsidenten und die Zusammensetzung der neuen Regierung verhandeln. Dieser Tage hol der Zenlrumssührer Kaas Herrn Schleicher empfohlen, feine Bemühungen bis zum k. Dezember auszudehnen und sich durch nichts beirren zu lassen. ZedensaU? rechnet man in unterrichteten Kreisen damit, daß. wenn der Handel mil den Nazis erst wieder beginnt, mehrere Tage darüber vergehen werden. Die Pläne des Zentrums Das Berliner Zentrumsorgan, die„Ger- mani a". äußer, sich in ihrer Donnerslag-Aus- gäbe zu den, Stand der Verhandlungen um die Neubildung der Regierung wie folgt: „Nach den teilweise aufregenden Vorgänge» der beiden letzten Tage scheint fast eineng e wisse Beruhigung eingetreten zu sein. Sie kommt vor allem in der Tatjache zum Ausdruck, daß für den Fall eines negativen Ausganges der erwarteten Aussprache zwischen Schleicher und Hitler mit der Rückkehr des Systems Popen nicht mehr in dem Maße ge- rechnet wird, wie es noch am Dienstag in weiten Kreisen der Fall war. Die ungewöhnliche heftige Reaktion, die die vorgestern erfolgte sensationelle Ankündigung eines„Kampskabinetls Papen" in der ganzen Oeffentlichkeit ausgelöst hatte, hat den maßgebenden Kreisen offenbar die Unmöglichkeit und außerordentliche Gefährlichkeit eines solch aufreizenden Experiments nachdrücklich vor Augen geführt. So konnte man am Mitt- woch ziemlich allgemein der Auffassung begegnen, daß, wenn auch nicht in jedem Falle mit einem Kabinett Schletcher zu rechnen sei, zwischen dieser Lösung und einer Rückkehr des srüheren Zu- standes noch andere personelle Möglichkeiten gegeben seien, auf die wohl zurückgegriffen werden würde. Es ist ja auch tatsächlich nicht gut einzusehen, warum es, falls eine kurzfristige Verständigung nicht gelingt, mit unbedingtem Mulwillen zu einem Kamps kommen muß, dessen verheerende Folgen niemand zu übersehen und jchließlich auch niemand zu meistern vermag." Macöonalö-Herriot nach Genf Lehvenhung Arnerihas in der Abrüstungsfrage London, 30. November. Macdonald und Sir 3ohn Simon werden morgen um 2 Uhr nachmittags nach Gens abreisen. Die britische Note über die Kriegsschulden wird wahrscheinlich morgen»vormittag in Washington überreicht werden. Paris, 30. November. Ministerpräsident h e r r i o t erklärte am Mittwoch abend französischen Pressevertretern, daß er endgültig am Freitag nach Gens abreisen werde. Kriegsminister Paul-Boncoor wird bereits morgen. Donnerstag abend, nach Genf abfahren. * Danach dürste Herr von Neurath ebenfalls alsbald Berlin oerlassen, da es sich um die grund- sätzlich vereinbarte Fünsländerkonserenz über die deuttche Gleichbcrechtigungsforderung handelt. Im übrigen scheint neuerdings ein« Schwenkung in der Haltung der Vereinigten Staaten in der Abrüstungsfrage bevorzustehen. stehender Meldung hervorgeht: wie aus nach- Mafhington, 30. November Zu dem ameritanischen Wunsch, das bisher auf der Abrüstungskonferenz Erreichte v e r- trags mäßig festzulegen, erfährt man in hiesigen unterrichteten Kreisen, daß diese amerika- nische Stellungnahme auf den Entschluß Hindeut«, keine weiteren Anstrengungen in oer Abrüstungsfrage zu machen, sobald die Rückkehr Deutschlands noch Genf und eine Einigung zwischen Frankreich und Italien erzielt worden sei. Die hiesige Entscheidung wurde durch die gegen- wärtig wenig freundliche Ein- stellung Frankreichs beeinflußt, das wegen des mangelnden amerikanischen Entgegen- kommens in der Schuldenfrage offenbar Amerikas Standpunkt zum Mandschurei- Problem und in der Abrüstung nicht mehr zu unterstützen geneigt ist Unter diesen Umständen beschloß Hoovcr, die bisherigen Genfer Bemühungen Amerikas ob- zuschließen und alle weiteren Schritte seinem Nach- folger Roosevelt für die Zeit noch dem 4. März zu überlasien. Von Lassalle bis Hitler Von �Vilhelm Dittmann „Hegel bemerkt irgendwo, daß alle großen weltgeschichtlichen Tatsachen und Personen sich sozusagen zweimal ereignen. Er hat vergessen hinzuzufügen: das eine Mal als Tragödie, dos andere Mal als Farce." Marx in„Der 18. Brumairc des Louis Bonaparte". Als Ferdinand L a s s a l l e vor 70 Jahren die sozialdemokratische Bewegung ins Leben rief, konnte er sich rühmen, daß er bewaffnet sei mit der ganzen Bildung seines Jahr- Hunderts. Heinrich Heine hatte ihn bezeich- net als einen Mann mit den glänzendsten Geistesgaben. Wissenschaftler und Revolutio- när zugleich, warf er die Fackel der Ausklärung in die Massen, organisierte er ihre selbständige politische Bewegung. Sein„All- gemeiner Deutscher Arbeiterverein" war auf seine persönliche Diktatur als Präsident des Vereins zugeschnitten. Er wollte„den Willen der Massen als Hammer in seiner Hand" im politischen Kampf autoritär benutzen können. Lassalles Agitationsreisen im Rheinland ge- stalteten sich zu wahren Triumphziigen, und er selber schrieb an die Gräfin Hatzfeld, so etwa müsse es hergegangen sein bei der Stis- tung neuer Religionen. Heute haben wir ahnliches erlebt mit Hitlers Versammlungstouren und der von ihm ins Leben gerufenen nationalsozialisti- schen Bewegung. Aber nur in den äußeren Erscheinungen ist diese Aehnlichkeit vorhan- den. Gegenüber der genialen Persönlichkeit Lassalles erscheint Hitler als armseliger Epigone„mit der Halbbildung eines Bar- biers" wie Lassalle sarkastisch von seinem wirtschaftlichen Antipoden Schultzc-Delitzsch sagte. Die Entstehungsursachen der sozialdemo- kratischen und der nationalsozialistischen Be- wegung sind dagegen im Grunde die gleichen. Bor 70 Iahren und heute die Auflösung der kleinbürgerlichen Welt und die wirtschaftliche Entwurzelung großer handwerklicher und kleinbürgerlicher Schichten in Stadt und Land durch den Kapitalismus. Vor 70 Iahren war es der junge, zukunftsgläubige Kapitalismus der freien Konkurrenz, heute ist es der über- sättigte, ausweglose Kapitalismus der Kar- teile und Monopole. Damals fanden die energischsten Elemente des vom Kapitalismus niederkonkurrierlen Handwerks und der bäuerlichen Bevölkerung noch in der A u s w a n d e r u n g einen Aus- weg aus ihrer Misere. Sie fuhren in Scharen übers große Wasser nach Amerika und wurden dort Wegbereiter für den Aufstieg der Union. Die bei uns im Lande blieben. fanden als Lohnarbeiter in den wie Pilze aus dem Boden schießenden kapitalistischen Großbetrieben und den zahlreichen Eisen- bahnbauten jener Zeit Arbeit und Brot. Diese sich gegen den Verlust ihrer wirtschaftlichen Selbständigkeit und das Hinabsinken in die Lohnarbeit aufbäuinenden proletarisierteu Schichten bildeten neben den aus dem Zwang der Zünfte sich loslösenden Handwerks- gesellen vor allem die Anhängerschaft Lassalles. Die meisten sozialdemokratischen Führer der ersten Jahrzehnte der Sozialdemokratie waren Handwerker: Bebel Drechsler. Port Tischler, F r i t s ch e Zigarrenmacher, A u e r Sattler, usw. Auch die führenden Männer der zweite» sozialdemokratischen Generation entstammen meist noch den Handwerksberufen. Ganz all- gemein gesprochen, haben unsere heutigen Lohnarbeiter in ihrer übergroßen Mehrheit Handwerker und Lauern zu Vätern oder Großvätern, fließt in ihren Adern Hand- merker- und Bauernblut. Zu Lassalles Zeiten war der deutsche Kapi- talismus in seiner ersten Sturm- und' Drangperiade, in der er als einheitliches großes Ausbeutungs- und Anlagegebiet das einige deutsche Reich erstrebte. Heute hat er nicht nur seine zweite Sturmperiode, die der kapitalistischen Welt- und Äolonialpolitik, son- dern auch die Katastrophe des Weltkrieges hinter sich, und er ist jetzt in den Abgrund der Weltwirtschaftskrise gestürzt, in die er neben dem Proletariat vor allem auch große Teile des Kleinbürgertums und der Bauern- fchaft hineingerissen hat. Dem heutigen entwurzelten Klein- bürgertum in Stadt und Land ist der Ausweg der Auswanderung verschlossen, der rationalisierte kapitalistische Großbetrieb bietet ihm keine Arbeitsgelegenheit. Der Sturz aus der wirtschaftlichen Selbständigkeit ist zugleich der Sturz in die Massenarbeits- losigkeit des Lohnproletariers. Darum ist die Lage des proletarisierten Mittelstandes heute eine noch verzweifeltere als zu Lassalles Zeiten. L a f s a l l e knüpfte an die auf wirt- schaftliche Selbständigkeit eingestellte Men- talität dieser Schichten an durch seine Forde- rung der Produktiogenossenschaften mit Staatskrediten und suchte über den Genossen- schaftsgedanken ihnen die Gedankenwelt des Sozialismus nahezubringen. Die jetzt vom Nationalsozialismus erfaßten kleinbürgerlichen Massen erhoffen in ihrer Verzweiflung von heute auf morgen Hilfe und Erlösung. Ihrem gefühlsmäßigen Anti- kapitalismus fehlt noch die sozialistische Unter- mauerung. Sie schwanken noch hin und her zwischen kapitalistischen und sozialistischen Ge- dankengängen. Ihr Ideal ist meist noch eine gesicherte Existenz im kapitalistischen Getriebe. Deshalb sind sie so leicht ein Opfer der so�ia- listisch verbrämten nationalsozialistischen Demagogie geworden, die vom Kapitalismus großgepäppelt worden ist als Gegenbewegung gegen unsere, die sozialdemokratische Vewe- gung. Jede Demagogie bricht einmal zusammen. Die Demagogie Hitlere ist am Zusammen- brechen. Handwerter, Kleingewerbetreibende, Kleinbauern, alle Schichten des Mittelstandes beginnen, sich kritisch einzustellen. Di« Zeit ist da, in der Lassalles Geist in diese bisher von Hitlers Demagogie umnebelten Hirne einzudringen beginnt. Nationalsozialistische Edeimenschen vreußenreaktion arbeitet >Vis«j«r umfangreiche Personaländerungen Die Reichskommissar« in Preußen haben abermals umfangreiche Personaländerungen vorgenommen. Sie haben dabei zum Teil ihre Leute in den neuen Stellen befestigt, Umbesetzungen vorgenommen, und letzte Rest- republikänisch.'r Beamten ausgeschaltet. Das alles, obwohl Ihnen einer der Richter des Staatsgerichtshofs befchei- nigt hat, daß ihr Verhalten dem Sinn des Leip- ziger Urteils nicht entspricht! Soldatenrat von Gay! Line Anfrage im Landtag Im Preußischen Landtag hat Abg. K u b e lRsoz.) eine Kleine Anfrage eingebracht, in der er sich mit einer Veröffentlichung der„C Hern- nitzer Volks stimme" beschäftigt. Diese Zeitung hatte„persönliche Erinnerungen" eines sozialdemokratische» Bankbeamten an die Revo- lutionstage in Kowno wiedergegeben, die im ..Deutschen Bankangestellten", der Zeitschrift de» Allgemeinen Verbandes der Bankangestellten, ver- ösfentlicht worden waren. An der Spitze des .Kownoer Soldatenrats habe der jetzige Berliner Kämmerer Asch gestanden. Zu ihm sei eines Tages der Hauptmann Freiherr von Gayl mit der Bitte gekommen, auch«in« Vertretung der Ossiziere im Soldatenrat zuzulassen. Freiherr von Gay! und seine Kameraden hätten dem Soldaten- rat absolute Loyalität versichert. Freiherr von G a y l, der jetzige Reichsinnenminister, s e i Mitglied des revolutionären Sol- datenrats geworden. Abg. Kube ersucht die Staatsrcgierung um Auskunft, ob sie bereit sei, festzustellen, ob die Veröffentlichung der „Volksstimme" richtig sei. Die polnisch« Zlotyverordnung, wonach Eisen- bahnkassen— einschließlich der im Freistaat Dan- zig— nur Zloty in Zahlung nehmen dilrfen. tritt am t. Dezember noch nicht tn Kraft. rmt SaxiatistiscUc UocUscUuJU Sonnabend, 10. Dezember, 19M Uhr, Plenarsaal des ehemaligen Herrenhauses, Leipziger Str. 5. Vortrag des Unlv.-Prof. Dr. Friedrich Hertz- Halle über„Rauenwahn und Politik". Hörerkarten an den bekannten Stellen. Gerichtliche Enthüllungen über Naziblüten Eigener Bericht des„Vorwärts" München. 30. November. Em Interessanter Totschlagsprozeß mit homosexuellem Hintergrund wurde unter Ausschluß der Oessentlichkeit vor dem Münchener Schwurgericht verhandelt. Angeklagt ist der Zgjährige Geslügelsarmbesiher Eugen Freylog aus Oberhos bei Tegernsee, Vorsitzender der nationalsozialistischenOrtsgruppe Tegernsee. Freytag hat am 25. Mai seinen Hausmeister und Freund, mit dem ihn monatelang ein inniges homosexuelles Liebesverhältnis verband, durch vier Revolverschüsse verwundet und getötet. Der- schmäht« Liebe war das Motiv der Tat. Der Hausmeister, dem die Sache nicht mehr geheuer war. wollte seinen Herrn am gleichen Tage ver- lassen. Der Mörder war am Tegernseer Offiziers- stammtisch ein gern gesehener Gast. Seiner nationalsozialistischen Ortsgruppe hatte er, dem seine Geflügelfarm zusammen mit seiner Ofsizier?- Pension ein recht auskömmliches Dasein ermöglich- ten, einmal großzügig 50M M. spendiert.„Ein weiblicher Mensch, der leicht zum heulen neigt kein Mannsbild— wie man so sagt," so wurde der Angeklagte von einem Sachverständigen charakterisiert. Talsächllch benahm er sich vor Gericht wie ein Jammerlappen, ganz anders als In seinen „leutschen" Versammlungen. Er will im Zustand höchster Erregung gehandelt haben, nachdem er sich vorher seinem Freund zu Füßen geworfen und Ihn angefleht hatte, zu bleiben Auch der Getötete war eifriger Nationalsozialist sprach viel In Versammlungen und bewegte sich noch häufiger in homosexuellen Kreisen. Wie eine gefeierte Primadonna puderte, schminkt« und parsümierte er sich, empsing Herrenbesuche, erhielt Blumensträuße und fand dabei noch immer Zei:, für Adolf Hitler zu agitieren, dessen Photo er ständig mit sich trug. Das Urteil gegen F r e y t a g lautete auf vier Jahre Gesängnis. Der Staatsanwalt halte acht Jahre Zuchthaus und 10 Jahre Ehrverlust beantragt. Edelnazi Esterle Ein wackerer Schwabe Eigener Bericht des„Vorwärts" Der Nazi Gustav ffisterle brüstet« sich aus Anlaß der Wiederkehr des 9. November in dem Stuttgarter Hakenkreuzblatt, daß er am 9. Novem- der 1918 durch sein mutiges Eingreifen den letzten König von Württemberg vor der gewalt- tätigen Menge geschützt hätte. Aehnliches hatte er schon früher behauptet und zwei Berufshiswriker, Prof. W e l l e r und Archivdirektor Schneider, waren ihm darauf hereingefallen. Nun nimmt aber Staatsanwalt Dr K o h l h a a s in dem rechtsgerichteten„Schwäbischen Merkur" das Wort und zeichnet ein Porträt dieses Esterle. Er schreibt: „Der Ruhm Esterles gründet sich auf einen Be- richt von eigener Hand, mit dem er nach Einiger Zeit hervortrat: wie er an jenem Morgen sich unter die in den Wilhelmspalast eindringend« Volksmenge gemischt und, wo die Paladine ver- zagten, sich unter den reichlich führerlosen Revo- lutionären als Ordner von eigenen Gnaden aufgespielt und die Leute so„mit eiserner Energie und Geistesgegenwart", wie er Spiel mit dem Staatsstreich Oer Papen-foirs soll Hindenburg verdrängen „Der Deutsche", die Tageszeitung der christ- lichen Gewerkschaften, machte gestern auf- sehenerregende Mitteilungen über die Pläne jener Kreise, die ein„K a m p f k a b i n e t t Pape»" um jeden Preis haben wollen. Deutlich zeigt dabei das Blatt auf die Hugen- berg-Kreife, die ihr Spiel verloren glauben, wenn Papen jetzt nicht mit allen Voll- machten für den Staatsstreich ausgerüstet würde: Es ist k«in Zweifel daß diese Kreise glauben, jetzt sei der Zeitpunkt da, um die v f f e n e D i k- t a t u r zu betreiben und die„Revision des 9. No- vember" Man will den Reichspräsidenlen in die Zwangslage bringen, entweder sich über die Verfassung hinwegzusehen oder zurückzutreten. Es ist kein Geheimnis mehr, daß Hindenburg am ver- gangenen Sonnabend sich ernsthaft mit dem Gedanken trug, sein Aml niederzulegen und in einer Proklamation an da» deutsche Volk seinen Entschluß bekanntzugeben und zu begründen. Dahin wollen es die Kreise treiben, und dazu brauchen sie das„Kampf-Kabinett"' von Popen. Und das t�äre die Stund», um den Plan für die Einsetzung eine» Reichsverweiers durchzuführen. Allerdings ist man sich in der F a- milie hohenzollern nicht einig darüber, wer da» Amt des Reichsverwesers bekommen soll. Di« Gattin des früheren Kaisers, her- min«, war in Berlin; man weiß, daß der frühere Kaiser nicht damit einverstanden ist, daß der Kronprinz Reichsverweser werden soll. Man weiß auch, daß die Kronprinzessin gegen die Betrauung des Krön- prinzen ist. sie wirbt für ihren ältesten Sohn. Diese Pläne spielen, so p h a n t a st i s ch das alle» klingt, eine entscheidende Rolle im Spiel hinter den Kulissen. Wir wollen nicht behaupten, daß Herr von Papen dieses groteske und gefährliche Spiel mitzuspielen bereit ist. Aber e« steht fest, daß ein Kampf-Kabinett Papen für dieses Spiel benutzt werden soll. Ein Grund mehr, mit allen Mitteln gegen die Wiederkehr Papen, anzukämpfen. Ver Reichspräsident ist sich wohl— das muß man In dieser Stunde betonen— über den ganzen Ernst der tage und über die Gefahren eine» neuen Kabinett» papen nicht im klaren. Er könnte unmöglich länger der Meinung sein. wenn es General von Schleicher nicht gelinge, den Reichstag zu einer abwartenden Haltung zu bewegen, dann sei es auch gleichgültig, ob der neu« Kanzler Schleicher oder von Papen heiße. Es ist dringend notwendig, Hindenburg davon zu überzeugen, daß dieser Irrtum zu ver- hängnisvollen Folgen führen muß. Je kleiner die Gruppe ist, die sich an die Macht drängen und an ihr erhalten will, desto verzweifelter werden die Mittel, die sie an- zuwenden für nötig hält. Schon aus diesem Grunde haben die Andeutungen des christ- lichen Gewerkschaftsblattes einen hohen Wahrscheinlichkeitswert. Die Zustände, die sich in diesen Mitteilungen widerspiegeln, sind gewiß für ein selbstbewußtes Volk be- fchämenswert. Aber sie zeigen auch, bi» zu welchem Grade des Widersinns die von kapitalistischer Seite geförderte Hitler- Bewegung die deutsche Entwicklung ge- trieben hat. Durch dauernde Hetze gegen die demokratischen Einrichtungen glaubte sie den Boden für ihre Diktatur zu bereiten, während sie tatsächlich nur den Weg öffnete für monarchistische Restaurierungs- und Staatsftrsichpläne. Diesen Weg zu ver- bauen, wird die Aufgabe der Sozialdemo- kratie sein, die den Kampf gegen die„Reichs- verweier-Pläne" mit der gleichen Entschlossen- heit führt, mit der sie die flackernde Hitlerei zum Erlöschen bringen wird. Trvtzkis Rückreise Kein Besuch in Schweden ZNalmö, 80. November Der Besuch Trotzkis in Schweden, wo er in Lund einen Vortrag halten wollte, kommt nun doch nicht zustande, da seine Aufenthalts- erlaubnis für Dänemark nicht oer- l ä n g e r t wurde, er aber nicht vor ihrem Ablauf von Schweden zurück sein könnte. Trotzki beglftt sich setzt nach Konstanttnopel. Erfolgen statt Erfolge Das Amtsdeutsch der neuen Staats- führung Die grundsätzlich neue Staatssührung kann zwar kein» Erfolge für sich buchen, dafür aber will sie offensichtlich da»„Erfolgen" zum Siege führen. Bisher hatten all« Stillen, die sich für ein gutes Deutsch verantwortlich sühlten, der ge» dankenlosen Verwendung de» Flickworts„er- folgen" einen kräftigen Damm«ntgegengebaut. Dieser Damm scheint nun endgültig durchbrochen. Gutes Deutsch scheint nicht zu den„Belangen" eines Kabinetts des„nationalen" Wiederaufbaus zu gehören. Die Reichspresse st eile sing gleich noch dem Abgang Zechlins damit an. und der D r a h t- lose Dienst hotte ja bekanntlich nichts Eiligeres zu tun, als die mustergültige sprachliche Funk- arbeit Räuscher» als lästigen Ballast über Bord zu wersen Kelne amtliche Verlautbarung mehr ohne ein„Erfolgen"! Wie banal wäre es auch, zu sagen:„Seit gestern hat sich nicht» geändert" — und wie pompös klingt es:„Eine Aenderung ist seit gestern nicht erfolgt"! Daß dann auch da» schöne„seitens" nicht sehlen darf, versteht sich von selbst. Di« Auflogenachricht, die dem„Vor- wärts" als Entgegnung auf diese Zeilen nach Zwei Monaten zugehen wird, wird sicherlich lauten: „Die häufige Verwendung des Worte»„Erfolgen" selbst sagt, vom König ferngehalten habe. W c r ist Gustav E st e r l e in Wirklichkeit? Aus welchen Gründen ist er mit dem großen Haufen in den Palast hineingekommen? Darüber gibt Ausschluß, was glaubwürdig über einsn zwei Monate später geschehenen Borgang berichtet wird. An dem unruhigen 19. Januar kam es in Stuttgart zu einer heftigen Schießerei. Von der zusammen- gerotteten Menge wurden in der Kronprinzstraßp zwei Offiziere angefallen, der eine so mißhandelt, daß er zunächst totgesagt wurde. In äußerster Not gab er auf den ihn am ä r g st e n b e d r ä n g e n- den Raufbold einen Schuß ab und verletzte ihn am Schenket. Dieser Verwundete hieß Gustav Esterle, damals Rädelsführer oder Anführer, zwei Monate zuvor„Ordner" im Wilhelmspalast. Als die Sache der Unordnung aussichtslos wurde, da entsann sich Gustav Csterle seiner Königs- treue, gratulier:« dem König zum Ge- b u r t s t a g und— pumpte i h n an. Der König gab 5900 M. und ließ seinem Schuldner einige Wochen später schreiben, daß er aus Rück- zahlung verzichte. Wie es dann fortging, besagt folgende Mitteilung der Prioatoermägensverwal- tung des früheren Königs:...in weiteren Ein- gaben hat Esterle, der den König in Friedrichs- Hafen des öfteren persönlich anredete und b e- l ä st i g t e. zunächst um Bürgschaft eines Darlehens von 49 090 M. und sodann um ein größeres Darlehen selbst gebeten, wobei er u. a. mit Trennung aus diesem Leben und von seiner Familie drohte. Seine fortaesetzten E r- pressungsversuche und Belästigungen des Kpmqs lassen die Annahme, auf ein Vermächtnis des Jänigs rechnen zu können, durchaus nicht be- rechügt erscheinen Das ist Pg. Esterle! ist seitens der Reichspresieftelle nur mangels anderer Erfolge erfolgt." Wir anderem aber— wollen wir die Reichs- regierung nicht auch in diesem Punkte isoliert lassen? Müssen wir den Unfug wirklich mit- machen? Wie mpr's, wenn die Presse das neue Amtsdeutsch Mit instanter Bosheit in Deutsch übersetzt,? Also ,. B. ,�ie Ernennung de» Reich»- kanzlers durch den Reichspräsidenten ist heute er- folgt" in:„der Reichspräsident hat heute den Reichskanzler ernannt" Wie schön, wenn„eine Selbstbesinnung auf gute» Deassch wenigsten» seitens der Presse erfolgte"! hugenbergs Ziele Die Bapen-Freunde enthüllen sich Im Lager hugenbergs sieht man ängstlich der M'alichkeit entgegen, daß die Intrigen für Papen erfolglos bleiben werden, hugenbergs politischer Vertrauensmann, der Reichstageahgeordnete Schmidt» Hannover, ruft deshalb in hugen- bergs„Nachtausgabe" nach der„krisenfesten Regierun g". Darunter verstehen die Deutsch- nationalen»in Kampskabinett ohne Rücksicht aus die Verfassung. Es soll noch stärkere ostelbische Politik treiben, noch krasser in Preußen vorgehen, noch entschiedener sozialreaktionäre Maßnahmen treffen— alle» mit Hilfe des berühmten Staats- Notstandes. Herr Schmidt deklamiert: „In einer Zeit, in der die Geschichte sich von der parlamentarischen Periode abweydet, wer- den Parteigrenzen und Parteigebundemheiten durch eine stark« aus der Grund- laae des Staatsnot st andes han- dein de Regierung sicherer überwunden als durch fruchtlose Koalitionsbesprechungen. Di» kommende nationale Front, zu der vielleicht gerade der beschämende Wirr- warr der letzten Wochen neue Fundamtmte legte, wird eine Arbeits- und Kampffront aller derer sein, die die furchtbare Volksnot und die drohenden bolschewistischen Brände gemeinsaut zu bannen»ntschlossen sind, und die de�n Not- st and des«taates über allen Streit um Paragraphen und Koalitionsprogramme stellen Schluß mit dieser Krise! Schluß mit dem Schaukelspiel Papen oder Schleicher! Eine Fort- setzung diese» Spiel« wäre um so bedenklicher, wenn das Ergebnis nur in einer„Ueberganas- lösung" bestLnde. Das Gebot der Stunde ist die Bildung einer krisenfesten Regie- rung mit klarem, einheitlichem Wirtschaftsplan. hinter oder neben ihr wird sich die verkämpfie national« Bewegung neu formieren" Do« provokatorische Kampfkabinett soll über die „Paragraphen"— das heißt über die Per- sassung--- hinwegschreiten. Es soll den Staatsstreich wagen. Was die hugenberger bisher int verborgenen herbeizusühren juchten, jordern sie nun öffentlich. Es ist ein osfenes Bekenntnis zum Staatsstreich. Republikanischer Richlerbund. Die diesjährig« Reichstagung des Republikanischen Richterbundes beginnt am Sannabend,.3. Dezember, um 19 Uhr, int Demakratsichen Kiiib, Biktoriastraße, mit einem Vortrag des Regisrungspräsidenten z. D. Dr. Hans Simons über„Verfassungsreform und Justiz- refvrm". Staatsanwalt und Götz Zum Einstellungsbeschluß des Dessauer Staatsanwalts Woher wissen Sie, Herr Staatsanwalt, daß ich meine Worte nicht ernst gemeint habe?!" LonSoner Beztrköpak'ttltag Labour als Minderheit in der Kommunalverwaltung Eigener Bericht des„Vormärts" London, 30. Dtooenitxr. In ausgezeichnuem Einoernehmen zwischen Parteileitung unh Delegierten ist der diesjährige Parteitag der Londoner Arbeiter- partei— t>er politischen Vertretung der Ar- beiterschaft kn der größten Stadt der Welt— zu Ende gegangen. Nebst organisatorischen Fragen war die Tagesordnung unmittelbar auf die g e- meindepolitischen Aufgaben eingestellt. In organisatorischer chinsicht wurde ohne Erfolg ein Vorstoß gegen die Bestimmung in der Gc- schäftsordnung unternommen, die nationale und internationale Fvigen nur unter Zustimmung des Londoner Pqrteioorstandes zur Debatte zuläßt. Die Antwgrt lautete, daß diese Fragen aus den Parteitag der Gesamt partei gehören. Es wäre unzulMg. aus dem lokalen Parteitag einen mit dem Gesamtparteitag konkurrierenden zu machen. — In den Berichten und Beschlüssen zur Woh- nungspolitik, zu den Schul- und Wohlsahrtsfragen sowie zur Mitarbeit an der Hilfsbedürftig- k e i t s p r ü s u n g in der Arbeitslosenfürsorge kam die ganze Schwere der Wirtschaftskrise und die Loge der Labour-Stadtverordneten als Minderheit in der Stadtverwaltung— und noch unter einer reaktionären Regierung— zum Ausdruck. Die jetzt besonders schwere Stellung als Minderheit stammt von den Londoner Gemeinde- ratswahlen her, die unmittelbar nach de» für die Labour Party so verhängnisvollen Parlaments- wählen vom 27. Oktober 1331 stattfanden. Die Zahl der Arbeiterstadtverordneten ging von-159 (1923) auf 2S7 zurück, die Stimmenzahl von 233 738 auf 138 603. Aber vier Nachwahlen in verschiedenen Londoner Bezirken im Lause des letzten Jahres haben den U n s ch w u n g zugunsten der Arbeiterpartei angekündigt. Bei den jüngsten Gcmeindewahlen vom I. November im übrigen England war nun die Arbeiterpartei die ein- zige gewinnende Partei. Die Londoner Partei sieht nun mit um so größerer Zuversicht ihrem eigenen Wahlkampf im März nächsten Jahres entgegen, als ihre Mitglieder- zahlen dauernd steigen, im letzten Be- richtsjahr von 208 733 aus 213 2S1 Mitglieder. Parlament entscheidet Schuldenkrage vor der Kammer Eigener Bericht des„Vormärts" pari», 80. November. Herriot erklärte vor dem Finanzausschuß und vor dem Auswärtigen Ausschuß der Kammer, daß er nähere Auskünste über die Haltung Frankreichs in der Schuldenfrage nicht geben könne, weil die Verhandlungen mit USA. noch nicht abgeschlossen sind. Cr sei aber bereit, die Angelgenheit noch vor dem 13. Dezember dem Parlament zu unterbreiten. Di« Debatte über die Entschließung Marin(gegen jede Schuldenzahlung an Amerika) müsse vertagt werden. Er, Herriot. werde am Freitagabend nach Gens reisen und dort Gelegenheit haben, mit Macdonald über die Schulbeniroge zu sprechen. Der Finanzausschuh beschloß, die Diskussion über die Entschließung Marin bis zum nächsten Freitag zu vertagen und der Kammer für Donnerstag einen Verzicht auf die Debatte vorzu- schlagen._ pariser Pakt unterzeichnet Kussisches.Angebot an Rumänien Der französisch-russische Nichtangriffs- und Ver- gleichsvertrag ist von Herriot und dem Sowjet- botschafter D o w g a l e w s k i unter dem Aus- tausch sreundschastlicher Worte unterzeichnet war- den, so daß er imn dem französischen Parlament zur Ratisizierung vorgelegt werden kann. Bei dieser Unterzeichnung hat Dowgalewski ein Schreiben überreicht, worin die Sowjetregierung nochmals Rumänien den Abschluß eines Nicht- angriffspaktes mit Rußland noch für die nächsten vier Monate anlietet. Alles, worüber sich Lit- winow und Cadere bereits geeinigt hotten, soll drinstehen. nur das von Cadere vorgeschlagene Schlußprotokoll nicht, das«ine Anerkennung des rumänischen Besitzrechtes an Bessarabien enthält. Sowjetradio gegen Rolen eingestellt Als erste Wirkung des schon ratifizierten polnisch-russischen Nichtangriffspakt sind die in polnischer Sprache gehaltenen Propaganda- sendungen aus Kiew e i n g e st e l l t worden. Diese Sendungen waren von der Komintern veranstaltet. Die Verkolgung der Weißrussen Warschau, 30. November. In Wilna wurde der frühere Sejmabgeordnete und Führer der weißrussischen Minderheit Taraszkjewicz wegen angeblich Hochverräte- rischer Tätigkeit zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt. Der Anklageschrift zufolge soll Taraszkjewicz mit Hilfe deutscher und bolschewisti- scher Stellen und Gelder versucht haben, geheime weißrussische Kampforganisationen in Polen zu gründen. Taraszkjewicz war bereits einmal zu 12 Iahren Zuchthaus verurteilt worden. Oberfaschist geflogen August'Lurati ausgeschlossen Rom, 30. November. Der Abg. August T u r a t i ist, wie partei- amtlich mitgeteilt wird, vom Parteisekretär Starace für unbestimmte Zeit mit der Strafe der Suspension von allen Aemtern belegt worden. Als Grund wird angegeben, daß er in einigen Privatbriesen, die der Oeffentlichkeit bekannt wurden, Ausdrücke gebraucht habe, die besonders für einen Inhaber faschistischer Aemter unzulässig seien. Turati war im Dezember 1323 als Nachfolger Farinaccis Sekretär der Faschistenpartei ge- worden und blieb das bis Oktober 1330. Er wurde von G i u r i a t i abgelöst. Turati war auch Präsident de« Olympischen Komitees und Mitglied des Großen Faschistsnrates und General- l e u t n a n t der Faschistenmiliz. Die Suspension schließt den zeitweiligen Ausschluß aus der Partei ein. Alle Aemter, die Turati noch in diesem Jahr bekleidete, hat er jedoch bereits zu Beginn diese« Herbstes niedergelegt, was ihm wohl infolge verschiedener Verfehlungen von höherer Stelle nahegelegt Wörden war. Bayrische Gelösorderungen �leue Klage wegen der Eisenbahnabfindung München, 80. November. Der Leiter des bayerischen Finanzministeriums, Staatsrat«chäffer, lerlte im Staatshaushalts- ausschuß des Bayerischen Landtages mit, daß zur Zeit zwischen Bayern und dem Reich Verhand- langen über die Forderung Bayerns auf 13,1 Millionen Mark schwebten. Diese Summe bilde den Fehlbetrag, der durch die starke Minderung an Reichssteuerüberweisungen im bayerischen Staatshaushalt oerbleibe. Der Staats- rat wies darauf hin, daß das Reich für Maß- nahmen, über deren Zweckmäßigkeit man streiten könne, Hunderte von Millionen aufgebracht habe. Es müsse daher auch möglich sein, daß die öffent- lichen Institute, wie es Länder und Gemeinden feien, dieselbe Gnade fänden wie gewisse wirt- schaftliche Großbetriebe. Hinzu komme, daß die allgemeine Finanzpolitik eine Aenderung des Finanzausgleichs gebracht habe. Das Reich habe einzeln« Teile der Einkommensteuer mit befände- ren Namen belegt, die Ledigensteuer und so weiter. und damit diese Teile zu 100 Proz. für sich ein- behalten, so daß Länder und Gemeinden heute tatsächlich nicht mehr 73, sondern nur mehr 30 Proz. der Einkommensteuer bezögen. Bei der Reichebahnabfindung sorder- ten die Länder nicht, daß das Reich den Kapital- betrag auslege, weil da? Milliardenbeträge wären. Das Reich habe aber 300 Millionen Reichsbahn- Vorzugsaktien, die nicht Vermögen des Reiches, sondern gemeinsames Vermögen der früheren Eisenbahnländer seien. Diese Vorzugsaktien brächten eine Dividende von 7 Proz., also von 33 Millionen Mark. Das.Reich habe sich srüher grundsätzlich bereit erklärt, diese 33 Milliarden als Abschlagszahlung für die Zinsansprüche her i�isenbahnländer zur Verfügung zu stellen. Da« Reichssinanzministerium Hab« nunmehr Bayern mitgeteilt, daß es seine gesamte Rechtsanschauung geändert habe und das Recht jeglichen Auswsrtungs- und Entfchädi- gungsanfpruches der Länder überhaupt be- st r e i t« n wolle. Staatsrat Schäffer erklärte, er habe der Reichsregierung mir geantwortet, daß ihm diese Auffassung ganz angenehm sei, weil der Bogen dadurch so überspannt wif.de, daß der Staatsgerichtshof ohne weheres einsehen müsse, wo die Rechts- und Billigkeitsanspruch- lägen. Die Folge werde eine beschleunigte Fest- stellungsklage beim Staatsgerichtshof sein müssen. Für Bayern würde sich für die letzten zwei Jahre daraus ein Betrag von 4,3 Millionen errechnen. Die roke Fahne der Bozener Sozioldemokralen, bereits 1872«ingeweiht, ist nach dem Herrschafts- antritt des landfremden Faschismus heimlich nach dem deutschösterreichischen Nordtirol gerettet worden. Jetzt ist die Fahne mit einer Feier, bei der auch Reichstagsabgeordneter S o l l m a n n< Köln sprach, einer Innsbrucker Schutzbundabtei- lung übergeben worden— gewissermaßen zur Sühne für den infamen Volksverrat reichsdeutscher Hitlerlinge, die an der faschistischen Siegesseier in Bozen als Statisten teilgenommen haben. Borbildliche Varlelarbelt Einen Einblick in mustergültige Pionierarbeit gewährte die kürzlich in Mies abgehaltene Kreis- konferenz der deutschen Sozialdemokraten in der Tschechoslowakei. Obwohl gerade dieser Bezirk von der Wirtschaftskrise mit am schwersten heimgesucht ist. die Glas-, Holz- und Papierindustrie liefen still, ist die Zahl der Ortsgruppen der Sozial-. demokrati« in dem Gebiet der Armut im letzten Jahre von.171 auf 133 mit 5773 Mitgliedern gestiegen. Was aber besonders bemerkenswert er- scheint, auch die sozialdemokratische Klein» bauernbewegung unter Führung des Abgeordneten Leibi macht dauernde Fortschritte. Sie hat ihre Ortsgruppen von 117 auf 136, ihre Mitglieder von 2460 auf 2664 oermehrt. Dabei stehen die Mitglieder nicht nur auf dem Papier. Der Bericht des Parteisekretär« Kuplent wies nach, daß die Bezirke zwischen 94 und 97 Prozent der vollen Beiträge abrechnen und nur«in be- sonders armer mit 61 Proz. zurückbleibt. Auch die anderen Zweige der Arbeiterbewegung befinden sich in günstiger Entwicklung. Die Gewerkschaften konnten ihre Mitgliederzahl von 13 983 aus 15 617 erhöhen. Die Konsumgenossenschaften vermehrten ihre Verkaufsstellen auf 178 und ihre Mitglieder aus 28 839, Arbeiterjugend und Arbeiterwohlfahrt befinden sich ebenfalls in Blüte. Der Erfolg dieser fleißigen Arbeit in einem so ärmlichen Gebiet drückt sich auch in den Wähler- stimmen aus, 36 Proz. aller Wähler gaben der Sozialdemokratie Ihre Stimme— freilich fehlt dia Verhetzung zwischen Kommunisten und Sozial- demokraten, da die ersteren hier überhaupt nicht Fuß fassen konnten und ein enges Vertrauens- Verhältnis zwischen den Proletariern und ihren Führern besteht. Der neue belgische Senat besteht aus 42 Katho- liken(ü- 1), 39 S o z i a l i st e n(4- 3), 11 Libera- len(— 2), 1 Flämischen Nationalisten(— 2). Die Budapeslcr Polizei hat wegen angeblicher kommunistischer Wühlarbeit Mitglieder des Touristenvereins der Naturfreunde, davon zwei Minderjährige, oerhaftet. 3ßcdd doMf vwl ymdz auM£$i2*t, auch wenn Sie abgespannt sind nach einem anstrengenden Arbeitstag. Tragen Sie deshalb mehrfach am Tage, bestimmt aber vor dem Schlafengehen die belebende und hautnährende Creme Mouson auf. 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LEOPOLDI BETJA MILSKAJA Die Wiener Seh leger- Interpreten 3 WIERE BROS. vom„Hippodrome" London u, da* große Fest-Programm B Utir Ii. Floia 3434. Bau dien erlaubt. KeulePreiiiiere! DleCodonas unbestritten: Die Könige der Luft! Die PlrA?A Nähe Schlu ß/.. E yWctcm-�Ji 5, SU£7.» Soioa.2,s,8isu- HEUTE PREMIERE Operette von Gcotgjarno Heidi Ehler• Igo GuUmano Ratter- InssettUrang! Das Ballett der Solisten � in neuen Tfinzen u. Kostümen Scliweslern v. Verelkin Drei Baldors Naiilo-lruppe Die chinesischen weiblichen Drahtseilwunder usw Ein wirkliches Festprogramm! Sonntag nachm. 3 Uhr Billige Preise Hea!e 4 Uhr: Rosindiens vunderbare Reise Ein We hnachtsspiel für Kinder Preise von 60 Pf. ab Abteilung: Hotel- Halle- Cafä Dezember umgestellt, keine Musik Excelsior- Conditorei Patisserie— Eigene Pabrifcate— Konfiserie Erzeugnisse derbeaud-Budapest gleichwertig I Zeitungen, Journale, Bürgerliche Adressbücher aller Länder Preise! Curt Elschner Stadl. Oper Charlotteaburs Fraunhofer 0231 Donnerstag. 1. Dez. 19,30 Uhr Turnus III Die Banditen Pfjhl. Eisinger, Höptner. LingemG, Burgwinkel, Kandl. Oonszar, üombert. Pechner, Egenlauf, Heyer Dirigent; Breisach »v.uhr OflSlllO- THEATER Lothringer Strafe 37. Nur noch bis Freitag: Die Liebe DlüDt in Werder Sonnabend zum 1. Maie auch Sonntags 4 Uhr Alles um Lotti Schlager-Posse m Gesang u-Ianz Für die Leser Gutschein 1— I Personen, Parkett 0.50, Fauteuii 0.75, Sessel 1.25 M flleiropoi-ltieaier I Täglich 80. Uhr| Srihi Massary in Eine Krau, die weiß, wa*&ie will! Sonntag 5 Uhr Walzertraum 5 Chi //er Bismarckstr.(Knie) Steinpl.(CT) 67lö 8�4 Zum 49. Male Robert und Bertram Alfred Braun, Paul Heidemann, Senta Söneland Stg 4 Dez. 11 V« Litiramitis Milina Zeitungsnotizen von E Kalkowska T h e a t e r Deutsches Theater Weidend. 5201. 8 Uhr Premiere Harmonie von Franz Molnar Inszen. Max Reinhardt Max Pallenberg. Karlweis.E linger. Vallentin, Hertha Thiele, 1 etwin Lore Mosheim Hammerspiele 8 Uhr Letzte Vorstcllnng ffidtaei Krämer Ab morgen Rose Bernd mit Paula Wessel y lessing-liieater Täglich 8V. Uhr Grete Mosheim Oskar Homolka in Pygmalion Rose- ineater Große FrinMiirtBr Slraße 13 lel.«eidmi E 7 3422 8.15 Uhr Der Zigeunerbaron Kui1Urslend.T('. Korfürstendamm 209 Tel Bism. HOo Tägl. SV. Uhr ßlüddie Reise ?on Bfrtudi ond Sdiwahsdi Musik: Könneke Regie: Pcokert Hans Schindler mit seinen 1 Jazz-SymphoniJrera. Temrfcaaf enontertnothen iRollln-floslridiü Roliln-Bsig NSS.Eberswaider Str. 29 OeiitsaeiMiillaHüi-Maiiil AditaiMI AditinM! Erwerbslose Masdiinensdilosscr! Oonoecstag, ben 1. Dezember 1932, 13 Ahr. stnsei eine Dersammiung aller erwerbslaien Mafchinenjchtosier im Sittungösaa! des Verbcnbc.bauies, Lmien- itreße 83/85(Eingang Etsasser Sir. 88.88), Zugang B, statt. Tageeerbnnng wirb in der Beriamm- iung belminigegeben, Wir rrwanen, dah fidi unsere ardeits »sen llettegen Mhlrrich an der Neri«««- t»ng beteiiiqen Ohne Milgitedsbuch und Stenipetlane lein Zutritt._ Adttanp! AdUanö! Verwaltangsmiigiietieri Arettag. den 2. Dezember t«> n e � Ztzung der Mittleren Ortsoerwaitung. vir Ortsverwaiinng. kI!U tat,' u.Hoh:- Betten 1 Stahlmaln» ___________ jeden. Tel' Katalog frei. Giaenmönelfabrik Suhl(Thü, Kinderb.. Polster, Chalsel., an Jeden. Teilw ---- TxüjJ ÄÄ Kabarett für Alle 14 Ohr T&irllrh 2* 9 Dkr I Du nantioaiU* KabmtFPrograaa I Abendpreiäe 1—3 Mk. I Methm. CmlMt l,M mHuM f I y, Übe Renaissance in I Steinpl. 6780 Täglich 8'/. Uhr Truppe 1031 ; Die mauseiaiie SonsiliiiL Sannt. 4 üht Schneewittchen Sonnab. II'/. Uhi Nachtvorstellung UeiieaDtd.Lafliie von Klabund Komdoientiaus Schiflbauerdamm 25 v 2 Weidend. 6304—05 8% Uhr Kasimir und Karoline Deutsches Künstier-Th Nürnberger Str. 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Nichts ist mehr in den weiten Hallen geblieben: der Maschinenpark zersprang unter den Schlägen der Vorschlaghammer, was Rotguß war, wurde herausgesucht und besonders verkaust, alles andere wanderte als Schrott in die Bahnwaggons und dampfte ab nach Süd- deutschlond. Später gab dann noch einmal die General Motors Comp, in den verödeten Halle» eine Gastrolle: aber es scheint, daß der riesige Fabrikkomplex, den der Novembernebel leicht ver- hüllt, niemanden zum Segen gereichte. Als jüngst ein hochmögender Mann, der eine gewisse Rolle in den Berlin-Karlsruher Jndustrie-Werken ge- spielt hatte, über den Weddingplatz kam, hatte er zerschlissene Hosen. Gegpräcti mit Kokssuchern Hier oben, zwischen Wittenau und Rosenthal, hat die Krise buchstäblich gewütet und gehaust. Nirgends raucht mehr ein Schornstein, die Linden- allee in Rosenthal, die lebensprühende Anfahrt- stroße zu den Bergmann-Werken, liegt tot und verlassen. Hier haben einmal oOOO Mann ihr Brot verdient. Aus den Arbeitsmännern sind Kokssucher geworden. Ein Mann hat gerade seinen Salzsack voll, er nimmt ihn aus die Schul- ter, klemmt die zweizinkige Hacke unter den Arm, und unterwegs erzählt er etwas:„Das Koks- suchen", meint er,„ist eine Glückssache, Man kann stundenlang den Boden umwühlen und findet doch keinen Koks, Anderen Tags hat man Glück und findet eine ganze Grube voll Schlacke. Aus alle diese Felder, die Sie hier sehen, schmissen die Eisengießereien ihre Schlacken. Da war früher die Gießerei von Schöning, von Hein, Lehmann u. Co., von Gossen, von Becker, und mehr nach Tegel zu noch die von Otto Jachmann. Zwischen dieser Schlacke finden wir den Koks. Das ist feiner Koks, bester Schmelzkoks, besser� als der von bannen. Früher einmal wurde hier auch nach Gußeisen und nach Kupscrdraht gesucht. Damals Am I�ordrancl der Weltstadt lohnte es sich, nach einem Brocken Eisen bis zu einem Meter tief zu graben: heute steht Metall so niedrig im Kurse, daß es nicht mehr das Bücken lohnte, -lahrt�usenlle sehen dich an Während das Kupiersuchen noch nicht reglemen- tiert ist, kündet in der Sichtweite von Waidmanns- lust ein Schild: Entnahme von Lehm, Sand und Tors bei Strafe verboten! Bezirksamt Reinickendorf, Also T 0 r f st i ch e noch innerhalb Berlins. Ein paar Schritte über die Wiesen sieht man auch schon die Gruben,„Wer hat denn hier einmal Torfwirtschaft betrieben?"„Diese Torfwiesen hatte der Bauer K, aus Wittenau gepachtet. Als wir Kinder waren, haben wir in den Torskuhlen immer gebadet. Einen Haufen Krebse haben wir dort gefangen. Jetzt ist das Wasser weg. Hier sehen Sie noch unseren„Meeresboden", die Wände mit den Spuren des Torfstichs, es wippt noch alles ein wenig, aber von der ganzen Herrlichkeit ist nur noch das Schilf übrig," Ein Kanal, der durch dieses Jndustriegelänide vor drei, vier Jahren gezogen wurde, hat dieser Torfwirtschaft ein Ende gemacht. Die jährlichen Ueberschwemmungen waren in jener Gegend auch ungeheuer, kam dach das Wasser bis ins Dorf Wittenau gelausen. So zog man einen sehr tiefen Kanal zur Entwässe- rung, und eines Tages hatten die Torskuhlen keinen Tropfen Wasser mehr. Jetzt kommen nur noch zu nächtlicher Stunde arme Wohnlaubenbesitzer und stechen beim Schein einer Stallaterne Tors. Deshalb das Schild, weder Lehm noch Torf zu stehlen, Eis oder Geld Der Torfpächter von Wittenau hat sich beschieden und ist Fuhrherr geworden. Der Eiswirt jedoch führt einen erbitterten Prozeß wegen dieses Kanals, der ihn um sein Brot brachte, 79 999 oder 89 999 Mark Absindung hat ihm wohl die Stadt Berlin bereits geboten, aber der Eiswirt will 139 999 Mark Entschädigung haben. Denn wie die Torfkuhlen kein Quentchen , Wasser mehr haben, so nicht minder die Teiche des Eismannes. Hiex stehen nur noch die großen Schuppen, in denen das Eis bis zum Sommer lagerte, und wo früher das Wasser stand, ragen sinnlos Pfähle mit Laufplanken in die Lust. Tritt man näher, flattern ein paar Rebhühner auf und ein Hase, der im Schilfgras der ehemaligen Teiche hockte, hoppelt ängstlich davon. Dabei sind wir knapp aus den Wohnbauten van Berlin heraus! In jedeni Jahr haben die Wittenauer Erwerbs- losen schon darauf gewartet, daß das Eisen los- ging. Einen Teich abeisen dauerte immer 3 bis 4 Tage, wobei 29 Mann ihre Arbeit hatten. War der eine Teich abgeeist, war der andere bereits wieder gefroren und so hatten die Leute, solange Frost war, ihre schöne Zlrbeit,„Sie staunen," sagt ein Mann,„daß der Eiswirt 139 999 M, Entschädigung verlangt. Der Mann hat aber seinerzeit jeweils 199 999 M, versteuert. Was kann er denn dafür, wenn hier plötzlich ein Kanal ge- zogen wird und aus seinen Teichen alles Wasser absließt," Dann ziehen wir nach den Besuchen beim Tori, beim Koks und beim Eis weiter gen Rosenthal. In einer Mulde haust hier das nackte Elend, „Nasser Grund" nennt sich bezeichnenderweise die wilde Sisdlerkolonie, Heuer ist ein trockenes Jahr, im letzten Winter stand den Leuten das Wasser bis an die Knie, Dazwischen Hühner und Kinder, Katzen und Hunde und alles in wind- schiefen Wänden aus Abbruchsteinen und Dach- pappenresten. Wenn hier der Winter erst ans Tor klopft,, Die Schulferien Eür das Schuljahr 1933-34 Für das kommende Schuljahr 1933/34 wurde vom Oberpräsidenten der Provinz Brandenburg und Berlin folgende Ferien-Ordnung genehmigt: Ostern: Dienstag, 4, April(Schulschluß), bis Mitt- woch, 19, April(Beginn des neuen Schuljahres): Pfingsten: Donnerstag, 1. Juni, bis Dienstag, 13. Juni: Sommerserien: Freitag, 39, Juni, bis Dienstag, 8. August: Weihnachten: Freitag, 22, De- zember, bis Donnerstag, 4. Januar, Das Sommerhalbjahr schließt am Freilag, dem 29, September, das Winterhaldjahr beginnt am Dienstag, dem 19. Oktober, Das Schuljahr schließt am Mittwoch, dem 28, März 1934. Das Todesurteil Rems Gms preußische Begnadigungsrecht Am 12. Dezember 1931 verurteilte die Erste Strafkammer des Landgerichts II Berlin den Kaufmann Ernst R e i n s, der den G e l d- briefträger Schwan aufgelauert und ihn ermordet und beraubt hatte, wegen Mordes in Tateinheit mit schwerem Raub mit Todesersolg zum Tode. Die von seinem Verteidiger eingereichte Revision wurde vom Reichsgericht verworfen. Seil Monaten wartet jetzt der Verurteilte daraus, ob die Todesstrafe vollstreckt wird, oder ob eine Abänderung der Strafe aus dem Gnadenwege erfolgt. Die Verwirrung der rechtlichen Zustände in Preußen, die durch das Vorgehen der Regierung von Papen vom 29. Juli hervorgerufen worden ist, hat dazu geführt, daß die Frage der B e- gnadigung oder Nichtbegnadigung bis zum heutigen Tage nicht entschieden wurde. Der ersten Strafkammer des Landgerichts II liegt nunmehr ein Antrag der V e r te i d i g u n g des Mör- ders vor, schon jetzt zu entscheiden, daß die Boll- streckung des Todesurteils nicht auf Grund einer Entschließung der R e i ch s k 0 mm i s s a r e, sondern nur durch einen Beschluß der Regierung Braun erfolgen dürfe. Hält sich die Kammer für zuständig, so muß sie eine Auslegung der staatsrechtlichen Entscheidung vornehmen, die der Staatsgerichtshof in Leipzig am 25 Oktober gefällt hat. Für den gefunden Menschenverstand unterliegt es keinem Zweifel, daß dos Be- gnadigungsrecht ein Hoheitsrecht ist. und daß deshalb die Regierung Braun zu- st ä n d i g ist, Die Verteidigung des Reins macht weiter geltend, daß eine Entscheidung schon jetzt, bevor eine Gnadeninstanz gesprochen hat, notwendig sei, weil zwischen der Ablehnung der Begnadigung und der Bollstreckung des Todesurteils stets nur wenige Stunden liegen. Sei die Frage der Zu- ständigkeit nicht klar entschieden, so könnten die geltend gemachten rechtlichen Gesichtspunkte einer sachgemäßen Nachprüfung nicht mehr unterzogen werden, Der Antrag der Verteidigung stützt sich aus � 438 der Strafprozeßordnung, wonach, wenn über die Auslegung eines Strafurteils Zweifel entstehen, oder wenn Einwendungen gegen die Zulässigkeit der Straf- voll st reckung erhoben werden, die Ent- scheidung des Gerichts herbeizuführen sei. Der Fortgang der Vollstreckung wird hierdurch nicht gehemmt, doch kann das Gericht einen Auf- schub oder eine Unterbrechung der Vollstreckung anordnen, Verbrecherisches Spiel Weder kommunistischer Schwindel Seit Wochen treiben kommunistische Agitations- trupps in allen Stadtteilen Berlins mit der Not der Erwerbslosen ein frevelhaftes Spiel, Unter falschen Vorspiegelungen werden die Erwerbslosen nach den Wohlfahrtsämtern gelockt, um sich an- geblich Kartoffeln und Kohlen abzuholen. Obgleich an dieser Stelle wiederholt darauf hingewiesen wurde, daß in den Bezirks- und Wohlfahrts- Sintern weder Kohlen noch Kartoffeln bereitliegen, gibt es immer wieder Hunderte von Verzweifelten, die den bewußten kommunistischen Lügen Glauben schenken und sich zu den inszenierten lommuni- stischen„Demoisttrotioncn" als unfreiwillige Sta- tiften hergeben, Gestern spielten sich wieder solche Demonstra- tionen in der Steglitzer Straße und vor dem Wohlfahrtsamt des Bezirksamtes P r e n z- lauer Berg in der Danzigcr Straße In wenig Worten Der Doppelmörder C i n r a in, der am 3, No- vcmber d, I. in Dortmund-Ellinghausen in einem kleinen Bauernhaus die Angestellte Thieme und die Frau des Fördermaschinisten Schmidt durch Revolverschüsse getötet und aus der Wohnung etwa 399 Mark geraubt hatte, wurde in Castrop- Rauxel tot aus der Emscher geborgen. Am 9, Dezember wird die Reichsbahn auf der 49 Kilometer langen Riesengebirgsstrecke Hirsch- berg— Schmiedeberg— Landeshut den elektrischen Betrieb ausnehmen. Die Strecke ist mit einer 15 999-Volt-Leitung versehen, Am Sonnabendnachmittag ereignete sich in der Nähe von N« u m ü n st e r ein schweres Kraft- wagenunglück. Infolge eines Reifenschadens raste eine mit sechs Personen besetzte Chrysler-Limousine mit solcher Wucht gegen einen Baum, daß sie etwa zehn Meter fortgeschleudert wurde und sich überschlug. Von den sechs Insassen waren zwei sofort tot, während drei mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus geschafft werden mußten. Eine Person blieb unverletzt. Es handelt sich um eine italienische Familie namens Gennaro C a n a l e, die feit kurzem in Hamburg ansässig sein soll, * Mit einem Fall schrecklicher Kindesmißhandlung hatte sich das Schwurgericht Regens- bürg zu befassen. Angeklagt war der 2kjährige Krämer August F i s ch l aus Radmoos bei Mitterfeld, Er warf am 17, April sein 14 Monate altes, vollständig verwahrlostes und vernach- lässigtes Stiefkind mit solcher Wucht gegen eine Holzbank, daß dem Kind die beiden Vorderarm- knochen und ein llnterschenkelknochen gebrochen wurden. Das Kind starb infolge der erlittenen Mißhandlung, Das Schwurgericht verhängte eine Strafe von 19 Jahren Zuchthaus, Vor der Strafkammer Lübeck beginnt am 9, Dezember die Verhandlung gegen den der fahrlässigen Tötung beschuldigten Berliner Kinder- arzt Dr G e n t e r. Der Angeklagte hat nach der Calmette-Katastrophe über 39 gefährdete Kinder mit einem von ihm entdeckten Mittel behandelt, Drei Kinder starben trotzdem, Beim Rollen in einem Seifengeschäft in der Sophie-Charlotte-Straße in Charlottenburg geriet die 18 Jahre alte Haustochter Brunhilde I, mit dem Oberarm so unglücklich in die elek- trische Rolle, daß die Feuerwehr alarmiert werden mußte. Die Beamten befreiten das junge Mädchen aus feiner qualvollen Lage und sorgten für die Uebersührung ins Westendkrankenhaus, ab. Dort hatten sich etwa 2999 Personen ange- sammelt, die durch kommunistische Sprechchöre und durch einen Aufruf der„revolutionären Er- werbslosen des Bezirks Prenzlauer Berg" auf- gefordert worden waren, in der Danziger Straße zu erscheinen, um sich Kohlen und Kartoffeln ab- zuholen. Einige verhetzte Menjchen ließen sich dazu hinreißen, Fensterscheiben einzuwerfen. Sie wurden von der Polizei festgenommen, Bürger- meister Genosse Ostrowski, dem es später gelang, die Versammelten vor Unbesonnenheiten zu be- wahren, empfing eine„Delegation" und verhau- dcltc mit den Leuten. Er jagte den Erwerbslosen die Weiterleitung ihrer Forderungen und Wünsche an die maßgeblichen Stellen zu. Die Menge zer- streute sich später, ohne daß die Polizei ein zweites Mal einzugreifen brauchte. Eine weitere Erwerbs- lofendelegation begab sich ins Berliner Rathaus. Ah heute Bahnhok Kolonnenstraße Vom 1. Dezember ab führt der Ringbahn- Hof„S ch ö n e b e r g" den Namen„K 0- lonnenstraß e", da der alte Name für den neuen, im Bau befindlichen Umsteigebahnhof Ebersstraße vorgesehen ist. Mit der Umtause des Bahnhofs Kolonnenstraße ist auch das umständ- liche Umsteigen von und zur Wannseebahn seinem Ende näher gerückt, denn bereits zwei Monate später, am 1. Februar, wird auch der neue Umsteigebahnhof Schöneberg eröffnet werden. An Stelle des unbequemen, jeder Witte- rung ausgefetzten Weges vom Bahnhof Kolonnen- straße nach Großgörschenstraße werden dann breite Ausgänge und Rolltreppen in weiter- geschützter Halle den Umsteigeverkehr vermitteln. Hakthekehl gegen Ludwig Renn Der Schriftsteller Arnold Vieth von Golßcna», genannt Ludwig Renn, der bei der Durchsuchung der marxistischen Arbeiterschule in der Schickler- straße festgenommen war, wurde dem Ver- nehmungsrichter unter der Beschuldigung vorge- führt, U m st u r z p l ä» e in Auszeichnungen und Schriften verbreitet zu haben. Gegen ihn ist Haftbefehl wegen Vorbereitung zum Hochoerrat erlassen worden, Gu±esCicht ist der beste JlrbeitshueLfer. Crkältüch in den OS RAM- Verkaufsstellen. Hohe Cichtleistung, verbunden nrui großer WirtechaftiichkeiL Steter Kamps mit dem Grubentod Immer weder Katastrophen— aber Abbau der Rettungswehr! Aus Reuthen geht dem..Vorwärts" folgender Bericht Am Eingungstor der großen Heiniß-Grube in Beuthen leuchtet ein bescheidenes Schild mit der Aufschrift„Oberschlesische chauptftelle für das Gruben-Rettungswefen". chier ist das Herz des gesamten oberschlesischen Gruben- Rettungswesens. Kleine Gebäude beherbergen Laboratorien, llebungs-, Unterrichts- und Unter- kunftsräume, Gerätelager, Werkstätten, Garagen, Magazine und Büros. Hier ist auch die Schule jener Rettungsmannschaften der Karsten-Zentrum- Grube, deren Heldentaten bei der Bergung der sieben Tage lang verschüttet gewesenen Kamera- den noch bekannt sind. Roch in diesem Frühjahr waren hier drei Gruppen ständig in Bereitschaft, um sofort, selbst bei dem kleinsten Unglück, bei der Hand zu sein. Die Bergwerksbarone haben jetzt durchgedrückt, daß die ständige Wache auf ein Drittel der früheren Stärke heruntergesetzt wird. Denn Rettungsleute sind den Herren zu teuer. Wie oft ist es vorgekommen, daß die Wagen des Gruben- Rettungsweseus erheblich früher bei einem Un- glück zur Stelle waren, als die Gruben- wehren der Unglücksgrube. Da war iws Unglück auf H« r m a n n s ch a ch t H i» d e n b u r g. Uni Mitternacht kam der Alarm. Zwei Minuten nach dem Alarm rasten schon die Chauffeure durch die Straßen des nächt- lichcn Industriegebietes mit den Rettungsmann- schaften. Zweiundzwanzig Minuten dauerte die Fahrt. Eine halbe Stunde später traf erst die schnell alarmierte Grubenwehr von Ostseld ein. Trotzdem glaubten es die zuständigen Stellen ver- antworten zu können, daß die ständige Bereit- schaft auf fünf Mann heruntergesetzt wurde. Denken wir an die Zahl der toten Kum» p e l s von Heinitz, Abwehr-, Concovdia- und Karften-Zentrum-Grube. Passiert ein solches Un- glück, dann regnet es Beileidstelegramme, aber Geld für ein gut funktionierendes Rettung?- wefen hat man nicht übrig. In Beuthen stehen zwei Krankenwagen der Grubenverwaltung ständig bereit, zwei Reserve- wagen können bei Anforderung in wenigen Mi- nuten mit dem nötigen Personal besetzt und können dann sofort eingesetzt werden. Zwölf Personen wechseln sich gegenseitig im Dienste ab, so daß Tag und Nacht der Krankenwagen an- gefordert werden kann. Nach jeder Fahrt muß die Wäsche gewechselt werden. Wurden Kranke mit dem Wagen befördert, muß er gründlichst desinfiziert werden. Zwei andere Wagen stehen außerdem in H i n d e n b u r g, die die dortigen Gruben befahren müssen. Früher war es erheb- lich anders, als noch die Verwaltung von sich aus für die Wegschaffung der Verunglückten zu sorgen hatten. Wie oft kam es da vor, daß man Leicht- verletzte einfach zu Fuß nach dem Krankenhaus gehen ließ. Wie oft muhten Schwerverletzte stundenlang aus irgendeinen schmutzigen Bretter- wagen warten, wie oft mußten sie per Straßen- bahn transportiert werden. Soll es so jetzt wieder werden? Angeblich soll die ständige Bereithaltung von Krankenwagen in der Hauptstelle für Grubenrettungswesen den Grubenherren zu teuer kommen. Die vorhandenen Wagen sollen einfach aus die Gruben verteilt und die Chauffeure und Krankenwärter einfach ent- lassen werden. Tatsächlich sind diese schon zum l. Januar gekündigt worden, weil, wie ganz kaltschnäuzig mitgeteilt wird, dann die Haupt- stelle des Grubenrettungswesens den Verletzten- transport der oberschlesischen Bergwerke mit Ende dieses Jahres eingestellt wird. Die Gruben, die in den Stadtbezirken liegen, soll die Feuerwehr befahren. Und in Beuthen, wo jetzt Feuerwehr und Grubenrettung mit sechs Fahrzeugen arbeiteten, soll ab 1. Januar 1333 die Feuerwehr allein mit ihren zwei Wagen fertig werden. Im Jahre 1929 haben die Wagen der Grubenrettung 3712 Verletzte befördert, im Jahre 1930 2868, im Jahre 1931 2910 und in diesem Jahre sind es nicht weniger. Der beste Beweis dafür, daß dieser Betrieb absolut lebensfähig ist. lieber 12 000 Transporte in vier Jahren, und trotzdem will man den Betrieb einstellen. Will man nun etwa behaupten, daß für die Zukunft weniger Unfälle passieren werden. Wo bleibt die Kontrollmöglichkeit der Unfälle, die bisher diesem Betrieb oblag? Ihre Ursachen und Verhütung konnten hier ergründet werden. Gegen diese Pläne muß die Oeffentlichkeit Protest erheben! Solidarität mit den Kumpels ist Pflicht jedes Menschen. Schickt keine Beileids- tclegramme, wenn wieder Bergleute zu Tode ver- unglückt sind, sondern sorgt dafür, daß Unglücks- fälle besser vermieden werden als bisher. Es darf nicht zugegeben werden, daß man dem Berg- arbeiter auch noch das Vertrauen zur Gruben- rettungswehr nimmt. Ein Fünfzigjähriger. Helmuth Lehman», seit 1921 geschäftsführcndcr Vorsitzender des Hauptvcrbandes Deutscher Kranken- k a s s e n, der heute 50 Jahre alt mird, kommt aus der Arbeiterbewegung. Nach einem Tinfall als Zimmermann wurde er?liiwalisangestellter und 1901 Leiter der Rechtsabteilung der damaligen Ortskrankenkasse Berlins. Im gleichen Jahre gründete er mit anderen die Sozialistische'Arbeiter- jugend Berlins und übernahm die Redaktion der Iugendzeitung. 1907 wurde er Sekretär der Büro- angestellten-Organisation, der Vorläuferin des Zen- tralverbandes der Angestellten und gab die„volks- tümliche Zeitschrist für Sozialversicherung" heraus. Seit 1911 ist er Geschäftsführer des Hauptver- bandes Deutscher Krankenkassen. Polizei sucht Bücher Versteckte Literatur Bon der Z e n t r a l- P o l i z e i st e l l e zur Bekämpfung„unzüchtiger Bilder und Schriften" fand im Lause des gestrigen Tages eine um- fangreiche Kontrolle zahlreicher Buch- Handlungen und Leihbibliotheken in der City und im Westen Berlins statt. Es wurden dabei weit über 100 Bücher beschlag- nahmt. Bei dieser Aktion stießen die ausführen- den Kriminalbeamten in einzelnen Geschäften aus rätselhafte Berstecke, in denen weiterhin zahlreiche Broschüren, Bilder und Schriften gefunden und beschlagnahmt wurden. Bücher, wie etwa„Die Weiberherrichast�'.„Das grausame Weib",„Das lasterhafte Weib" usw. waren auf Grund eines Beschlusses des Amts- gerichts Berlin-Mitte vom 26. November zu be- schlagnahmen. Nach längeren Beobachtungen ein- zelner Geschäfte fand allein in der Friedrichstadt die Kontrolle von 1 Geschäften statt. In einem dieser Geschäfte wurde ein Bersteck unsitt- l i ch e r Bücher und Bilder unterhalb der Scheuerleisten des Ladens gefunden, als man die Regale von den Wänden rückte. Die Bücher, die zum Teil aus dem Ausland stammten, wurden dort in Geheimfächern entdeckt. In einem anderen Geschäft befanden sich solche Broschüren in einem Gaskochapparat. Dieser Laden wurde von einer Frau geleitet, deren Wohnung sich an das Ge- schüft anschloß. Hinter einer Gardine stand auf einem kleinen Podium der Gaskocher. Er ent- hielt aber statt der obligaten Töpse— unzüchtige Schriften und Bilder. Im Westen Berlins griff die Zentralstelle ebenjalls scharf durch. Karl Leid, der Bürgermeister des Bezirks W e d d i n g, wird am 2. Dczeniber 6 5 Jahre alt. lieber den Berliner Norden hinaus ist er den„Borwärts"-Lefern schon aus der Borkrieg»- zeit her als Redakteur ein guter Bekannter. »t»I,ndung«n föt otetc Rubrik ftnd Verl«» SM SS. Liabenitrahe 3. stets an da» Bczirkssrkrrtartal 2. Las, 2 Treppen recht», zu richte» i Parteinachrichten für Groß-Berlin UvtkDSozjaljNcheWeitm'ugendGroß-Verlm Beginn aller Veranstaltungen 19'A Uhr, sofern keine besondere Zeitangabc! ". Secis. Donnerstag, 1. Dezember, 15 Uhr, Zusammenkunst erwerbsloser Vorteimilalieder im Jugendheim Rosinenstr. 4.„Jack London und seine Werte", Referent: Walter Bach. II. Kreis. Die Kinokarten fiir öonntag, 4. Dezember, müssen schnellsten» im Parteibüro abgerechnet werden. Die Bildungsausschußmitglieder tressen sich um 10 Uhr in der Vorhalle des Mercedcs-Palastes. 3t. Abt. Die turnusmäßige Funktionärsitzung am 1. Dezember sällt au». ä». Abt. Donnerstag, ID.. Uhr, Funktionäroersammlung bei Äulisch, Hobrecht. straße S2. »2. Abt. Freitag, 2. Dezember. 20 Uhr. bei Behl», Wildenbruchstratze Ecke ltöllnischc» liier, Ausspracheabend für Funttionäre. sllngere und interessierte Parteimitglieder...Gewerkschaftliche und politische Segenwartssragen", Referent: Franz Spliedt, M. d. R. 120. Abt. Die Genossen, die Lose der AP. zum Vertrieb übernommeu haben, werde» gebeten, Akontozahlungen an Genosse» Franzke zu leisten. 131. Abt. Sonnabend, 3. Dezember, Funktionärsitzung im Lokal Wolfsschlucht. Da» Mitgliedsbuch ist mitzubringen. 112. Abt. Donnerstag, 1. Dezember, 20 Uhr, Funktionäroersammlung bei Beck. Frauenveransiallungen. 6. Slteis. Freitag, 2. Dezember, 19>4 Uhr, Funktionärinnensitzung bei Krüger, Grimmstr. 1. Sozialistische Studentenschaft. Heute, 20 Uhr, im„Bund", Albrechtstr. 11. Gth. 2 Tr. Genosse 3. P. Mager: „Marx, Hegels und die heutige Zeit". Aussprache. Arbeitsgemeinschaft der kindersreunde. Die„Sozialistische Erziehung" kann abgeholt werden. Die Falle»- talender sind da. Schöneberg-Friedenau-Lindenhos: Heute. Donnerstag, Helfersitzung i im Iugcndhciin Sauptstr. 15. Beginn pünktlich 20 Uhr. | Neukölln: Die Spieltrnppc übt heute. Donnerstag, um 18 Uhr im MÄM-,-4 Krcishcim. Rollen mitbringen.— Abt. Lichtkämpser, Jung, und WW�-isW Rote Falken: Morgen. l7>. Uhr, Gcmcinschastsstundc im nreis- heim. Karten und Nartengeld mitbringen. Beitrag bezahlen. Falkenklcidung. Sterbetafel der Groß-Berliner Partei-Organisation 30. Abt. Den Mitgliedern die traurige Nachricht, daß unscre alte liebe Genossin Anna Sieg m und, Lqchener Str. 8, im 83. Lebensjahre oer- storben ist. Ehre ihrem Andenken! Einäscherung Freitag. 2. Dezember, 20� Uhr, im Krematorium Gerichtstraße. Rege Beteiligung erwartet die Abteilungslcitung. 38. Abt. Am 20. November rief der Tod unseren Genossen Wilhelm E ch e r f. einen Kämpfer für Partei, Freiheit und Recht schon unterm Sozia- listengesetz. im Alter von 74 Jahren ab. Ehre seinem Andenken! Einäscherung Sonnabend, 8. Dezember, Gerichtftraße. 101. Abt. Unser Genosse M a x L a m l a, Harzer Str. 117, ist im Alter von 00 Jahren verstorben. Seit 1900 gehörte er der Partei an. Ehre seinem An- denken! Einäscherung Freitag. 2. Dezember, 18 Uhr, im Krematorium Baum- schulenweg. Um rege Beteiligung bittet der Borstand. Einsendungen sür diese Rubrik nur an da» Hugends-kretarim Berlin SP 08. Lindenstraße 2. vorn I Treppe recht». Abteilungsleiter! Reicht sofort das Dezember-Programm und den Berichts- bogen vom 3. Quartal ein. Proletarisches Orchester der TAI., Gruppe IZ: Heute, 20 Uhr, Probe, Neu- kölln, KMS. Abteilungsmitgliederversammlungen, Donnerstag, 20 Uhr: Arnswalder Platz II: Echönlanker Str. 11, B. 3.— Falkplatz I: Sonnen- burger Str. 20.— Hallesches Tor: Mrckstr. 11.— Westend: Sportplatz Westend. — Tegel: Schöneberger Str. 3.— Äarow: Frundsbergstr. 9. * Scwerkschaftshaus: Köpenicker Str. 92: Funktionärkursus: Warum arbeits- los?— Arnimplatz: Funktionärversammlung beim Genossen Kein.— Kumanu- plag: Gleimstr. 33—33: Echallplattenabend.— Hasenhcidc: Wassertorstr. 4: Unsere Kritiker haben das Wort. ftottbnsicr Tor: Urbanstr. 167: Die Gebeimnisse der tapitalistlschen Warenerzeugung.— Köpenickcr Viertel: Manteuffelftr. 7: Reichs- tagssttzung.— Südwest: Lirldenstr. 4: Arbeitsgemeinschaft.— Friedenau: Funktionärsitzung bei Gruft Glöge.— Zchlendorf-Dahlem: Zinnowwaldschulc: Ar- beiterbildungsschule,— Schöneweide.1: Berliner Str..31: Zeitungsabend. Wcrbebezirk Reinickendorf, Spieltruppe Galgenvögel: Donnerstag, 1. Dezcm- der, Eichbornstr. 94. 18 Studio. 20 Uhr Sprechchor. Wcrbebezirk Wedding: Pioniergruppe ab 10 Uhr im Heim Putbusser Str. 22. 20 Uhr ebendort Iiingerenkursus. Referent: Georg Albrecht. Kursus für ältere Genossen 20 Uhr Herm Koloniestr. 22.— Morgen, 20 Uhr, Tambourkapelle, Koloniestr. 22. Wcrbebezirk Neukölln: Funktionäroersammlung 193.. Uhr Heim Ziethenstr. 58. „Die politische Lage und die Arbeiterklasse", Referent: Heinr. Iaeubowicz.— „Der Querschnitt" probt pünktlich 19� Uhr Steinmetzstr. 114. Werbe bezirk Prenzlauer Berg, Tambonrkapelle: Ueben im Altersheim Dan- ziger Str. 62. Flöter und Trommler, auch solche, die es werden wollen, finden Aufnahmt. Werdedezirk Pankow: Sonnabend Mitgliederversammlung im Heim Görsch- straße 14. Genosse Äohannsen spricht über„Die politische Lage". Freie Gewerkschafts-Zugend Berlin Heute, Donnerstag, 1. Dezember, um 19% Uhr, tagen die Gruppen: Südosten: Jugendheim Reichenderger Str, 00. Heimbesprechung.— Tempclhos: Jugendheim Ltztzcum Germomastr. 4—0. Der Zugang erfolgt durch den Eingang Götzstraße, aus der Hinteren Seite der Schule.„Für und wider die Kameradschaftsehe."— Moabit: Jugendheim Lehrter Str. 18—19. Hcimbesprechung. iZutritt»ur gegen Borzeigung des Perbandsbuches.)— Staaken: Jugendheim 17. Volksschule, Kartenstadt, Kirchplatz, Endhaltkstellr Aulobus 31. Hcimbesprechung.— Schönhauser Tor: Jugendheim Tieckstr. 18. Hcimbesprechuug.(Verbandsbuchkontrolle.)— Sewertschastshaus: Saal II des Gewcrlschaflshauses.„Entwicklung der Gewerkschaflen."— Landsberger Platz: Jugendheim Ebertpstr. 12. Heimbesvrechung. Verbanbsduchkcnlrolle.— Lichten- berg: Jugendheim Dossestr. 22. Heimdefprechung. Verbandsbücher mitbringen. — Reu-Lichtenbcrtz: Jugendheim Gunterftr. 44. Heimbesprechmifl.— Osten: Jugendheim Frankiurter Allee M7. Lönszimmer. Heimbesprechung. Liederabend. — Gesundbrunnen: Jugendheim Rote Schule, Gotenburger Str. 2. Heim- und Fahrtenbesprechung.— Schöneweide: Jugendheim Laufener Str. 2 lRotes Zimmer). Heimbesprechung.— Köpenick: Jugendheim Grünauer Str. ö lRähe Bhf. Spindlersscid).„Betriebsrätegesetz und Jugend."— Schlesisches Tor: Jugendheim Manleuffelstr. 7. Heimbesprechung. Wir hären Schallplatten.— Betricbsgrupp» Lindcar: 17 Uhr Kantine des Lindear-Fahrradwerles.„Bub und Mädel."— Ingendgrnppe des Verbandes der Nahrungsmittel- und Getränke- arbeiter: Jugendheim Neue Schönhauser Str. 4— ö. Heimdesprechung, Spiel, und Liederabend. tia bmler Slrmß | vorzüglicher festgeschenke (st die Weihnachtsgabe(Ur unsere verehrte Kundschaft. Noch reichhaltiger, noch wertvoller und noch billiger sind IT diesem lehre unsere Weihnachtsangebole. Auch die bescheidenste KoulKiift tindcl bei uns die Möglichkeit, jeden mit einer hochwillkommenen Gabe zu erfreuen. Ein Aneebot von auBerKewöhnlicher PrelswOrdlekelt: Eine Riesenserie eleganter Wollkleider in neuen und modernen Formen u.Stoffen unsortierte Farben und Größen. 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Gruppenbesprechung lWahl der Gruppenleitung für das Jahr 1933).— Osten: Jugendheim der schule Litauer Str. 18. Gruppenbesprechung.— Stralau: Jugendheim Dosiestroße (Zimmer 3). Vortrag:„Betriebsrat und Betriebsrätegesetz", Referent: Lehrer. Treptow: Jugendheim Elsenstr. 3(Privathaus). Vortrag:„Mensch und Arbeit in der Literatur", Referent: Rachow._ Vortrage, Vereine und Versammlungen Reichsbanner„Schwarz-Rot Gold-. G c j ch ä f t s st e t t e: Berlin S. 14, Sebastionstr- 37—38, Hot Z Tr. Wjfw Weddina(Zungba): Donnerstag, l. Dezember, 20 Uhr, Pollversamm- *4� lung bei Reußncr, Seestraße. Funktionäre bereits IHU Uhr. Dicht ige Mitteilungen.— Lichtenderg, Kameradschaft Borhagen: Freitag, 2. Dezember, 20 Uhr, Mitgliederversammlung bei Stöber, Iungstr. 28. Referent: Genosse Petersen:„Bersassunasfragcn sind Machtfraaen".— Kameradschaft Reinickendorf. West: Freitag, 2. Dezember, 2V Uhr, Mitgliederversammlung. Scharnweber. straße in.'__ Zentralverband der Arbcitsinvalidcn und Witwen Deutschlands, Ortsgruppe Mitte II: Donnerstag, I. Dezember, 16 Uhr, im Lokal Luckafchewski, Lietzmann. straße 7, Ecke Gcorgenkirchstraße, Mitgliederversammlung.— Freitag, 2. Dezember, folgende Veranstaltungen: Gruppe Adlershof: 19 Uhr im Lokal Habercdit, Adlershof, Friedridistr. 2.— Gruppe Bohnsdorf: 15 Uhr im Lokal Heimann, Bohnsdorf, Waltersdorfer Str. 100.— Gruppe ttreuzberg II: 16 Uhr im Lokal Wollschlägcr, Verlin, Adalbertstr. 21.— Gruppe Tegel: 18 Uhr im Lokal Lehn- Hardt, Tegel, Berliner Str. 84.— Gruppe Reinickendorf-West: 19 Uhr im Lokal Voltshaus, Reinickendorf-West, Scharnweberstr. 115.— Gruppe Kreuzberg IN: 17 Uhr im Lokal Reichenderger Hof, Reiäienberger Str. 147. Alle Bersicherungs- rcntner sind freundlich eingeladen._ Rcichsbund der Körperbehinderten. Ortsgruppe Krcuzberq: 3. Dezember. 20 Uhr, Sportklause, Schönleinstr. 6.— Neukölln: 3. Dezember, 20 11$r, bei Damm, Hertzbcrgstr. 22.— Friedrichshain: 5. Dezember, 20 Uhr, Evcst-Hescll- schaftshaus, Große Frankfurter Str. 30.— Lichtenberg: 5. Dezember, 20 Uhr. bei Kriehn, Iungstr. 10.— Mitte: 5. Dezember, 20 Uhr, Belvedere, Alexander- straße 21.— Tiergarten: 6. Dezember. 20 Uhr, Kleines Gesellschaftshaus, Strom- straße 28.— Wedding: 6. Dezember, 20 Uhr, Seeadler, Seestr. 62. Vortrag:„Die Aufgaben des LV."— Steglitz-Zchlendorf: 7. Dezember, 20 Uhr, bei Wernicke, Rüge- Ecke Berlinickestraßc.— Charlottenburg: 10. Dezember, 19 Uhr, Weih- namtsfcier im Türkischen Zelt, Berliner Str. 53.— Echönebcrg: 10. Dezember, 20 Uhr, Monatsversammlung bei Haendel. Vorbergstr. 11.— Treptow-Kopenick: 10. Dezember, 20 Uhr, bei Gülle, Baumschulenweg. Behringstr. 33.— Lande». verband Berlin-Brandenbnrg: 13. Dezember. 20 Uhr, im Klubhaus Belvedere, Vortrag des Herrn Dr. Eckhardt über„Fortschritte in der Behandlung von Krüvvelleiden".- Weihnachtsfeiern haben folgende Ortsgruppen: Schöneberg: 17. Dezember, 20 Uhr. bei Haendel. Vorbergstr. 11.— Tiergarten: 17. Dezember. 191- Uhr, in d�n Hohenzollernfestsälen, Bandelstr. 35.— Treptow-Kdpenick: 17. Dezember. 16 Uhr. bei Gülle, Bamnschulenwcg, Behringstr. 33.— Steglitz- Zehlendorf: 17. Dezember, 18 Uhr, im Viktoriagarten. Lankwitz.— Lichtenberg: 18. Dezember, 17 Uhr, bei Kriehn. Iungstr. 10.— Mitte: ,18. Dezember. 17 Uhr, Klubhaus Belvedere, Alexanderstr. 21.— Prenzlauer Berg: 18. Dezember, 16 Uhr, Casino-Säle, Pappelallec 15.— Reinickendorf: 18. Dezember. 15 Uhr, bei Otto. Berliner Str. 113.— Spandau: 18. Dezember, 15 Uhr, Restaurant „Zum Stadtpark".— Friedrichsbain: 27. Dezember, 16 Uhr, Evests Gesellschafts. Haus, Große Frankfurter Str. 30. English Circle Perseverance. Heute, 21 Uhr, im Bräu-Stübl, Reue Kleine Hütte, N. 65, Müllerstr. 176, am Weddingplatz. Englische Vorträge und Dis- kufsion. Gäste willkommen._ Esperanto-Gruppe Berlin-Norden: Iasmunder Str. 3, Iasmunder Vereins- haus. Heute, 20 Uhr, Uebungen, Konversation, geselliges Beisammensein. Gäste willkommen. 50 Jahre Puppenklinik Eine Industrie, die kaum ihren Mann ernährt „Zurückdenken darf man ja freilich nicht", er- zählt der liebe alte Herr mit den jungen Augen. Mit seinen 76 Jahren, die man ihm aber weiß Gott nicht anmerkt, steht er heute genau so frisch und freundlich in seinem Puppenladen in der Schönhauser Allee wie vor einem halben Jahrhundert. Bloß die Zeiten...„Aber wir wollen ja nicht lamentieren", meint er nochmals mit Nachdruck,„wie es ist, muß es eben ge- nommen werden." Das ist wohl auch da» Ge- heimnis seiner ewigen Jugend. Die Weihnachtspuppe Anno 1882 Die Puppenmütter vor SO Jahren waren an- spruchsloser in der Wahl ihrer Kinder! schon aus dem einfachen Grunde, weil es damals noch gar nicht viel zu wählen gab. Da war die Wachs- puppe, mit rosig schimmerndem Antlitz. Das ein- fache Puppenkind aber hatte Eingeweide aus holz- wolleartigem oder sägespäneähnlichem Zeug in seinem ledernen Leib, die Gelenke saßen nicht allzu präzise und es bedurfte gar keiner An- strengung, der Puppe ihre Gliedmaßen einzeln auszureißen. Starr blickte das kreisrunde Puppen- ouge in die Weltgeschichte, der chaarschmuck war entweder gleich aus der Masse des Puppenkopfes hergestellt, oder es wuschelte da so was Strupp- liges, sich ewig Verfilzendes um den Kopf herum. da» von undefinierbarer Farbe und ewig schief sttzendem Scheitel war. Jetzt zu Weihnachten gibt es mit all den Puppenahnen, die hier in Berlin beheimatet sind und schon ein paar Jahrzehnte aus ihrem kleinen Rücken trogen, ein fröhliches Wiedersehen: Sie lassen sich nämlich überholen, operieren, modernisieren, mit einem Wort schön machen. Die eine von ihnen, eine junge Dame von 40 Lenzen, verbrachte ihre erste Jugend in Verlin, dann fuhr sie auf ein Jahrzehnt über den großen Teich und nun ist sie wieder in der cheimat angelangt. Auch sie liegt jetzt zu Restaurations- zwecken im Laboratorium des Puppendoktors. Die Puppenmüttcr von damals, an denen die Zeit nicht so spurlos vorübergegangen ist, sind in- zwischen selbst richtiggehende Mütter, sogar Groß- mütter geworden und die Puppe hat sich auf die nächste und übernächste Generation vererbt. Da kommt so eine große, starke Frau, dann wieder ein weißhaariges Mütterchen, jede hat ein alt- modisch gekleidetes Puppenkind im Arm und jetzt geht's las:„Wissen Sie noch, Herr Zierow?" Und ob er weiß: er kennt sie alle mit Namen, genau wie er jede Puppe kennt, die er verkauft hat. Die„Unzerhrechliche" von heute Der Wunsch von heute lautet: schön, unzer- brechlich, mit langen Hängezöpfen und Schelmen- äugen ausgestattet muh sie sein. Der Bubikopf ist verpönt. Hängezöpfe heißt der letzte Schrei auf dem Puppenmarkt. Und was da an beiden Kopf- feiten Haariges herunterbammelt, kann gar nicht lang genug sein, mindestens aber 20 bis 25 Zentimeter. Da gibt es Perücken aus echtem Haar und aus Mohair(Ziegenhaar) in etwa 20 bis 25 ver- fchiedenen Ausführungen. Vom hellsten Platin- blond bis zum abgrundtiefen Schwarz sind alle Farbenskalen vertreten und dann kommen die verschiedenen Frisuren. Mal sitzt der Scheitel in der Mitte, dann wieder seitlich, dann gibt es halb- lange Lockenfrisuren, Ponyfransen oder gedrehte Locken und die schöne Rotblondine mit den saphir- blouschimmernden Aeuglein zeigt Ondulations- wellen. Im Frisiersalon herrscht demgemäß Hoch- betrieb, da wird gekämmt und gedreht, gebrannt und gewickelt, daß es so seine Art hat. k'uppenhaar aus Finnland und Italien Durch die so heftig einsetzende Mode der langen Puppenhaare hat das Haargeschäft in der Puppen- industrie einen starken Aufschwung genommen und der Exporteur macht gute Geschäfte. Das für Puppenperllcken zur Verwendung gelangende Haar kommt aus Finnland und Italien und wächst dort aus weiblichen Köpfen. Unter den sinnischen und italienischen Bäuerinnen soll die Sitte herrschen, sich mit 18 bis 20 Jahren zu ver- heiraten und bei dieser Gelegenheit das Haar ganz kurz abzuschneiden. Ob aus Gründen der Be- quemlichkeit oder der kleinen Geldeinnahme, weiß man nicht. Jedenfalls reist der Exporteur umher, geht von Dorf zu Dorf und sieht mit dem Ruf „der Haarhändler ist da" nach, wer Haare für ihn gelassen hat. Die Haare der Puppenblondinen stammen aus Finnland, die der Brünetten aus Italien. Das ursprünglich sehr starke Haar wird auf künstlichem Wege verdünnt und erhält durch mehrfache Reinigungsprozessc wunderschönen Glanz und Farbe. Aus einer Schuhmacher- Nähmaschine wird es dann tressiert und aus den Holzkopf frisiert. Ein wahres Arsenal zierlicher, blond-, braun- und schwarzgelockter Puppenkinder in Sportdreß, Straßenkleid oder Kostüm harrt der Käufer. Aber man ist schon froh, wenn man das kranke Piipp- chen zum Puppendoktor schaffen und es wieder herrichten kann. So kann der Puppenverkäufer über etwas Langeweile klagen, während der Puppendoktor alle Hände voll zu tun hat. Hier gibt's eine schwere Kopfverletzung, dort einen Beinbruch zu heilen, Haarausfall grassiert außer- ordentlich stark und bei dieser Gelegenheit läßt man dann eben gleich statt des ursprünglich kurzen, ein neues, langes Haar wachsen. Die Reparaturpreise müssen ganz, ganz niedrig sein, sonst packt die Frau das kaputte Ding traurig wieder ein, oder sie läßt es da und holt es nicht wieder ab. lind der Salon der„Zurück- gebliebenen" umfaßt eine große Zahl. Nach zwei Jahren gibt der Puppendoktor die also ver- waisten Puppen für Wohlfahrtszwecke zur Ver- teilung. GchlimmerGchülerstreich Lpiel mit Sprengstoff In der Nacht zum Sonntag versuchten Schüler des Neustettiner Gymnasiums, die in animiertem Zustande von einem Vergnügen heimkehrten, vor der Wohnung eines Studienrats eine» Spreng- körper zur Explosion zu bringen. Der Körper kam vorzeitig zur Explosion. Einem l7jährigen Gymnasiasten wurde die linke Hand bis zum Gelenk vollständig zerseht. Ein jEeil der Ladung flog dem Unglücklichen ins Gesicht. Die Augen wurden schwer verletzt. Auch die Ohren erlitten Verletzungen, so daß das Gehör ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen ist. Der Ver- letzte wurde in bedenklichem Zustand ins Kranken- Haus geschafft. Die jungen Leute hatten den Explosivstoff selbst h» Chemiesaal der Schule heim- lich hergestellt. W eihnachtssonderzüge Zu Weihnachten werden wieder zwei billige Sonderzügc von Berlin noch Ostpreußen ge- fahren, und zwar am 22. und 23. Dezember. Ab- fahrt an beiden Tagen um 20.34 Uhr vom Bahn- Hof Friedrichstraße: es werde» Rückfahrkarten 3. Klasse nach Marienburg. Elbing, Braunsbcrg,. Königsberg und Jnsterburg ausgegeben. Die Fahr- Preisermäßigung beträgt 40 Proz., die Geltungs- dauer der Fahrkarten zwei Monate. Auf der Rückfahrt können alle fahrplanmäßigen Züge(zu- fchlagspflichtige Züge gegen Zahlung des Zu- schlags) benutzt werden. Für Berlin ist die schriftliche Bestellung der Fahrkarten unter Verwendung der üblichen Bestellkarten vor- geschrieben. Erster Annahmetag für die Bestellun- gen ist der 5. D e z e m b e r. Aas erbachte Kind Folgen der �lot Der Metallarbeiter B. war lange Zeit ohne Arbeit und in bittere Not geraten. Als die Not am größten war, kam er auf den Einfall, zum Standesamt zu gehen und die Geburt einer Tochter anzumelden. Mit Hilfe der Beihilfen und Unterstützungen für die„Wöchnerin" und den Säugling konnte B. die rückständige Miete bc- zahlen und andere drückende Verpflichtungen er- füllen. Die Freude dauerte aber nicht lange, denn der Schwindel kam bald heraus, daß die Ehe nach wie vor kinderlos war. B. hatte sich nunmehr vor der Strafkammer zu verantworten. Das Schöffengericht Berlin-Mitte nahm Rücksicht auf die Not des bisher unbestraften Angeklagten und verurteilte ihn zu zwei Monaten Gefängnis mit Bewährungsfrist. Wie wird das Wetter? In Berlin: Meist bewölkt ohne wesentliche Niederschläge. Temperaturen im ganzen wenig verändert.— In Deutschland: Im Westen und Nordwesten vereinzelt etwas Regen und ein wenig milder. Im übrigen Reiche keine wescnt- liche Aenderung. „Alrobat schöiiöiiiin!" Cliarlic aus der derühmten Artistenfamilie der Brüder Rivels ruft das angesichts der hervorragenden Leistungen feiner Kameraden. Was wer» den wohl Ihre lieben Angehörigen sagen und wie werde» die Eesichlcr strahlen, wenn sie ein Weihnachtsgeschenk von Bcttscdern.Lustig auf dem Wcihnachtstisöi vor. finden! Geschenke von Bettfedern-Lustig sind nümltch schön, dreimal schön, dabei praktisch und dauerhaft und — was heute nicht zu übersehen ist— billig. Also schenken Sic von Bettfedern-Lustig, dem bekannten und größten Epezialhaus für Bettartikcl, entweder Bettfede.r» oder Daunen, Bettinlettc, Bette», Bettwäsche, Handtücher, Steppdecken, Daunendecken, Schlafdecken, Diwandecken, Metallbrttstellen, Bettvorleger, Couchs, Schlafzimmer- niöbel, Patent-Schlafulöbel oder für die Kleinen Kinder- bettstcllcn, Kinderwagen, Puppenwagen. 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Wo die NGO. das Feld beherrscht Die Unternehmer haben freies Spiel Fast täglich meldet die kommunistische Presse angebliche„Streikerfolge der REO.", die sich bei näherem Züschen, wen» die Meldungen über- Haupt echt sind, fast ausnahmslos als Schein- erfolge oder als erfolgreiche Aliwehrkämpfe der freien Gewerkschaften herausstellen. Von de» Mißerfolgen der NGO. erfährt inan durch die kommunistische Presse jedoch ebensowenig wie davon, daß sich in vielen, besvn- ders kleineren Betrieben die„revolutio- nären" Großmäuler gegenüber den Unternehmern vielfach jämmerlich feige zeigen. In der Möbclschloßfabrik Karl G r o h in der Petersdorfer Straße 26 war früher die Belegschaft r e st l o s f r e i g c w c r k s ch a f I- l i ch organisiert. Die Löhne sowohl in diesem Betrieb als auch in de» übrigen Betrieben dieser Branche galten zu dieser Zeit als die Spitzen- löhne der gesamten Berliner Metallindustrie. Die Arbeiterschaft dieser Industrie entwickelte sich aber allmählich zu einer„revolutionären" Gruppe, d. h. es gab einer nach dem anderen seine Verbandszugehörigkeit preis, was mit dem ständigen Absinken der ein st so vorbildlichen Löhne einher- ging und schließlich zur völligen Tarif- l o s i g k e i t führte. Die Belegschaft ist jetzt seit einem Jahr nahezu restlos in der RGO.„organi- siert". Ihre Schwäche zeigte sich mit erschreckender Deutlichkeit im vorigen Monat, als der Firmen- inhaber auf Grund der September-Not- Verordnung einen Abbau der Löhne, die ohnehin schon beträchtlich unter den Löhnen des Verbandes Berliner Metallindustrieller slüBMI) liegen, um 26 Proz. verlangte! Obwohl der Unternehmer zu einer Lohnabbau- forderung auf Grund der September-Notverord- nung gar nicht berechtigt war, weil diese Not- Verordnung nur von einer Kürzung der Tarif- löhne von der 31. bis 40. Arbeitsstunde spricht, ließ sich die„revolutionäre" Belegschaft auf Ber- Handlungen ein. Ein lllprozentiger Lohn- a b b a u war das Ergebnis. Ein ähnliches Beispiel von„Mannhaftigkeit" hat die Belegschaft der Eisenmöbelfabrik R a ch m a n n u. Schultz in der Prinz- chandjery-Straße in Neukölln geliesert, die größtenteils„revolutionär" unorganisiert oder in der NGO. ist. Für die Eisenmöbelindustric besteht ein allgemeinverbindlich er- klärtcr Tarisvcrttog, der im wesent- lichen in der Entlohnung mit dem VBMI.-Tanf übereinstimmt. Infolge der„revolutionären" Ein- stellung ihrer Belegschaft kann es die Firma wagen, ihren Arbeitern den zustehenden U r- laub vorzuenthalten und ihnen Löhne zu zahlen, die noch 46 bis 15 Pf. pro Stunde unter den jämmerlichen VBMJ.-L öhnen liegen. Bezeichnend ist es, daß die„revolutionäre" Be- triebsvertretung mit der Firmenleitung ein A b- kommen traf, in dem ein b i s zu zwei Tagen niedrigerer Urlaub festgesetzt wurde, als der allgemeinverbindliche Tarifvertrag vorschreibt. „Solidarität" mft den Arbeitslosen: Jede von der Firma verlangte Ueberarbeit wird� g e l e i st e t. Die Inhaber beider Firmen werden jedenfalls der Ueberzeugung sein, daß nichts über eine nach außen radikal tuende Belegschaft geht. papen-vlüne Uexen Arbeitslosenversicherung Das Kabinett Popen hat von der Arbeitslosen- Versicherung nur noch den Rahmen— und die Beiträge übrig gelassen. Es hat diesen Gewaltakt ».'rbrämt mit der Versicherung, es werde l'A bis 1% Millionen Arbeitslose in die Produktion ein- reihen, und zwar durch die verschwenderische Ver- teilung von Prämien und Steuernachlässen. Nur das Privatkapital könne uns retten— wenn man es vorher durch staatliche Hilfsmaßnahmen wieder auf die Beine gebracht hat. Der radikale Abbau der Arbeitslosenverjiche- rung ist geblieben, die Ankurbelung der Wirtschaft ist aber ausgeblieben. Nun erklärt der Präsident des Deutschen Landgemeindetages Dr. G e r e t c, Herr von Pape» werde, wenn er wiederkomme, sein— Gerekes— Arbeits- beschaffungsprogramm übernehmen, zu- gleich aber auch die Dreiteilung in der Arbeitslosenfürjorge b e s e i tigen. Mit anderen Worten, die A r b e i t s l o s e n v e r- sicher ung würde ganz ver schwinden. Die Beiträge würden natürlich bleiben. Dem verhängnisvollen geschäftsführenden Reichskanzler wäre auch das zuzutrauen. Zwar steht der Arbeitsbeschaffungsplan Gerekes im strikten Gegensatz zu dem Papenschen Ankurbe- lungsplan, weil er die öffentliche Wirt- s ch a f t zum Träger der Arbeitsbeschaffung macht. Wäre nicht die bedenkliche inflationistische Finanzierung, mit der Gereke operiert, dann könnte man diesen Plan unterstützen. Was anderes ist es aber, wenn sich der Präsi- denk des Landgemeindetages dazu verleiten läßt, gegen die Arbeitslosenversicherung vorzugehen. Deren Abbau hat die Gemeinden in ihre ungeheure Notlage gebracht. Ihre Beseiti- gung müßte die Katastrophe vergrößern. Und ausgerechnet hinter von Papen, der poli- tisch, wirtschaftlich und finanziell abgewirtschaftet und alle großen Parteien gegen sich aufgebracht hat, ausgerechnet hinter ihn stellt sich Gereke! Der Präsident des Landgemeindetages müßte soviel politisches Fingerspitzengefühl haben, um zu wissen, daß er damit sich und seinen ganzen Plan vollends unmöglich macht. Streik gegen Lohnabbau Vegesack, M. November. Die Belegschaft der Bootswerft Friedrich Luerffen G. m. b. H. in Vegesack ist gestern morgen in den Streik getreten. Veranlassung zu dem Streik gab die Tatsache, daß die Firma die Löhne für die Facharbeiter um 7 Pf. ermäßigen wollte. Der Betrieb wird notdürftig mit den Meistern und Lehrlingen aufrechterhalten. Gute Lehren �lach kommunistischer Art Wir haben vor kurzem berichtet, daß die Ber- liner Ortsverwaltung des Fabrikarbeiterverbandes sich entschlossen hat, Tarifverträge nur noch dort abzuschließen, wo die Beschäftigten durch ihre gewerkschaftliche Mitgliedschaft den Willen bekunden— und die Sicherheit bieten—. gewerkschaftlich garantierte Lohn- und Arbeits- bedingungen zu haben. Deshalb ist vom Fabrik- arbeiterverband der Tarifvertrag für die Batterie- undElementenbranchc gekündigt worden. Nun wendet sich der kommunistische„Einheits- verband" der Metallindustrie in einem Flugblatt an die Belegschaften der Branche. Nachdem über „die ganze Niederträchtigkeit der Führung des Fabrikarbeiterverbandes" im bekannten Stil der Einheitsfrontler geschimpft worden ist, heißt es dort weiter: „Was mutz jetzt geschehen? Ihr müßt in Be- triebs- und Abteilungsversammlungcn zusammen- treten. Alle Kolleginnen müssen mobilisiert werden zum Widerstand gegen den mit der Preisgabe des Tarifs verbundenen Lohnabbau. Faßt einen Beschluß, keinen Lohnabbau mehr zu dulden. Wählt in euren Versammlungen ein Einheits- komitee, das sofort mit der Direk ton verhandelt und ihr mitteilt, daß die Belegschast nicht gewillt ist, sich auch nur einen Pfennig Lohnabbau ge- fallen zu lassen." Diese Ratschläge sind typisch für die U n f ä h i g- k e i t der kommunistischen„Gewerwkschaiter". Voraussetzung jedes wirksamen Wider- standes gegen einen Lohnabbau ist— das weiß jedes Mitglied einer gewerkjchafltichen Jugend- gruppe— die gewerkschaftliche Organisierung. Bei der KPD. genügt ss,„m o b i- lisiert" zu sein. Die„Mobilisierten" nehmen dann eine Entschließung an und wählen— um ihre Zersplitterung zu dokumentieren— ein „Einheitskomitee". Dieses Komitee, das nichts vorstellt und nichts hinter sich hat, geht dann zur Direktion, die vielleicht gar nicht daran denkt, die Löhne abzubauen, und erinnert sie daran, daß ein Tarifvertrag nicht mehr besteht und die Bs- legschaft nicht organisiert ist. Worauf die Direk- tion natürlich vor Schreck umfällt, um Gnade winselt und jede nur gewünschte Lohnerhöhung anbietet. Es könnte freilich auch anders kommen. Nun, dann„führt" eben die RGO.— in die Niederlage. Vielleicht aber besinnt sich die Arbeiter- schaft der Batterie- und Elementenbranche noch rechtzeitig darauf, daß eine Gewerkschaft nur geradestehen kann für einen Tarifvertrag, hinter dem ihre Mitglieder stehen— und nicht„mobi- lisierte" Drückeberger. Die große Kapelle des Krematoriums Gerichts- straße, einschließlich der Emporen, reichte leider nicht aus, um alle Gäste der Trauerfeier für Ludwig Hodapp zu fassen. Neben den unzähligen Brauereiarbeitern waren nicht nur sämtliche Berliner Gewerkschaftsvertreter er- schienen, sondern viele Delegationen des Verban- des der Nahrungsmittel- und Getränkearbeiter aus alle» Teilen des Meiches, sowie Vertreter der Berliner Sozialdemokratie, des Reichsbanners und anderer Körperschasten, in denen Genosse Hodapp gewirkt harte. Führende Funktionäre seiner Organisation und der Partei schilderten in bewegten Worten das Werden und Wirken dieses vorbildlichen Kämpfers, dessen aufrechtes Wesen stets Freund und Feind Achtung aufgezwungen hat. Mit Ludwig Hodapp ist ein Stück Gewerk- s ch a f t s g e s ch i ch t e der Berliner Brauereiarbeiter verbunden, deren Führer er Jahrzehnte lang war und auch noch blieb, als sich durch Ber- schmelzungen zu den Brauern die Mühlenarbeiter und allmählich alle anderen Nahrungsmittel- und Getränkearbeiter gesellten. Nach der großen Aussperrung der Berliner Brauereiarbeiter anläßlich der Maifeier im Jahre 1864, wurde Hodapp, damals 26jährig, zum Bor- sitzenden der Berliner Zahlstelle des Brauer- Verbandes gewählt. In mühevoller, zunächst ehrenamtlicher Arbeit hat er die Verbesserung der Lohn- und Arbeitsbedingungen der Berliner Brauereiarbeiter betrieben und zwar mit einem Erfolg, der für die Vorkriegszeit außerordentlich beachtenswert war. Seiner Initiative war es zu- zuschreiben, daß bereits im Jahre 1966 für die Arbeiter in den Berliner Brauereien die Lohn- und Arbeitsbedingungen tariflich geregelt wurden. Ohne viel Aufhebens davon zu machen, gelang es ihm. Schritt für Schritt in der Lohn- und Tarifpolitik vorwärts zu kommen. Sein Geschick, Meinungsgegensätze zu überbrücken, er- wies sich besonders in der Nachkriegszeit als segensreich für die Organisation, in der ebenso wie in anderen Verbänden der politische Meimmgs- streit oftmals den Orgamsationsrahmen zu spren- gen drohte. Konflikt der Schneider Die Tarifverhandlungen in der Maßschneiderei, die dieser Tage in Han- nooer stattfanden, sind ergebnislos ver- lausen. Die Unternehmer zeigten sich unnachgiebig. Die Tarifvertragsbestimmungen sehen vor, daß die Verhandlungen erst dann als erschöpft zu be- trachten sind, wenn ein letzter Schlichtungsoersuch mit einem U mp a r t e i i s ch e n. unternommen worden ist. Zu diesem Zweck ist das Reichs- arbeitsministerium ersucht worden, Herrn Pro- fessor Dr. B r a h n als Sonderschlichter zu be- stellen. Die neuen Verhandlungen finden voraus- sichtlich am 9. Dezember in Leipzig statt. Der Reichstarifvertrag für die Herren- und Damenschneiderei ist vom Arbeitgeberverband zum 31. Dezember gekündigt. Der Vertrag wurde erst Ende Dezember vorigen Jahres nach monate- langen Verhandlungen unter Mitwirkung von Dr. Brahn erneuert, nachdem den Unternehmern durch Schiedsspruch wesentliche'Zu- geständnisse gemacht worden waren. Was die Unternehmer im vorigen Jahr nicht erreichten, wollen sie jetzt durchsetzen. Neben weiteren Ver- schlechterungen der Akkordbasis für die Herrenschneiderei fordern sie Beseitigung des Urlaubs, der Feiertagsbezah- l u n g, ferner Einführung eines Doppel- t a r i f s für die Herrenschneider, Zulassung freier Akkordarbeit in der Damen- schneidere!(ohne tarifliche Bindung) und ähnliche schöne Dinge mehr. . In Hannooer haben bei den Verhandlungen dic� am Tarifvertrag beteiligten Gehilfenverhänd« es einmütig abgelehnt, die Grundlage des Tarifvertrages durchlöchern zu lassen. Sie denken nicht daran, einen Tarifvertrag abzu- schließen, der keine Urlaubsgewährung vorsieht, und ebenso einmütig ist ihre Ablehnung eines Tarifvertrags, der in irgendeiner Form den Doppeltarif in der Herrenschneiderei und die wilde Akkordentlohnung in der Damenschneiderei zuläßt. Obwohl die Akkordberechnungsbasis für die Herrenschneiderei im Vorjahr in 184 Positionen verschlechtert wurde, will der Arbeitgeber- verband durch weitere Verschlechterung des Po- sitionsschemas noch eine allgemeine Lohn- f e n k u n g herbeiführen Auch in diesem Punkt lehnen die Gehilsenverbände weitere Zugeständ- nisse ab. Hierzu 2 Beilagen See„Vorwärts" erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Illustrierte Sonntagsbeilage„Volt und geit". I Bezugspreise: Wöchentlich 7ö Pf., monatlich Z,2S M. sdavon 87 Ps. monatlich tllr Zustellung ins Hauss im voraus zahlbar. Postbezug Z,ll7 M. einschließlich 60 Ps. Postzeitung, und 72 Ps. Postbestellgebllhren. Auslandsabonnement 5,65 M. pro Monat: für Länder mit ermäßigtem Drucksachcnporto<.65 M. Bei Ausfall der Liefeiung wegen höherer Gewalt besteht kein Anspruch der Abonnenten aus Ersaß. I Anzeige n preise: Die einspaltige Millimeterzeile 50 Ps., Reklamezeile 1,50 M.„Kleine Anzeige n" das fettgedrultte Wort 20 Pf., jedes weitere Wort 10 Pf, Rabatt laut Taris. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Ardeitsmarkt Millimeterzeile 25 Pf. tzamilirnanzeigen Millimeterzeile>6 Pf. Anzeigenannahme im Hauptgeschäft. Lindenstr. 3, wochentäqlich von 815 bis 17 Uhr. Der Verlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor./ Verantwortlich für Politik: Rndols Brendemllhl; Wirtschaft: G. Klingelhöser: Gewerkschaftsbewegung: I. Steiner: Feuilleton: Herbert Lep> re: Lokales und Sonstiges: Friß Karftädt: Anzeigen: Otto Hengst: sämtlich in Berlin. I Verlag: Vorwärts-Verlag®. in. d. H.. Berlin. Druck: Vorwärts-Luchdruckerei und Verlagsanstall Paul Singer u. Co.. Verlin EW. 68. Lindenstr. 3. Arn Montag, dem 21. November, verstarb nach kurzer schwerer Krankheit mein lieber Mann, unser guter Vater Max Lamla im Alter von 66 Jahren. In tiefer Trauer Fraa Mathilde Lamla Erich Lamla and Fraa. Einäscherung Freitag, den 2. Dezember, 18 Uhr. im Krematorium Baumschulenweg deuisdier MetallarDeitef-Vemaoil Verwaltungsstelle Berlin Todes-Anzeige Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Schnitt- arbeiler Max Lamla geb. 20. Juli 1866, am 28. November gestorben ist Ehre seinem Andenken! Die Einäscherung findet am Freitag, dem 2, Dezember 18 Uhr, im Krematorium Baumschulenweg, Kiefholzstraße, statt. Rege Beteiligung erwartet Die Ortsvcrwalinng. Homöopathie Nieren-, Blasen-, Leber-, Oallen-, Magen-, Darm- Innere u. Nmenl.l jtopa..MUnzi-.tr.« Bcfiaom. nur 2 M, LUSCI 10-2, 4-7.61x1. d. 5 uerKMe Tapeten Szillat, stolonie- straße 9. KieidungssiucKe. uiascne usui. Wenig getragene Kavaliergarderobe von Millionären. Aerzten, Anwälten. Fabelhast billige Preise. Empfehle Taillenmäntel. Pa. letots. Fracks, Smo» kings, Gehrockan» zllge. Hosen, Sport» Gehpelze. Damen» Mäntel. 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Ein junges Mädchen schritt an ihm vorüber, sah sich um, blieb bei einer Auslage stehen und ließ den Mann passieren. Dann eilte sie auf ihn zu: „Herr Weltlin— nicht wahr?" „Ja!" „Sie kennen mich wohl nicht mehr? Ich heiße Vera Wagner!" „Oh gewiß! Ich entsinne mich, mein Fräulein." „Darf ich ein paar Schritt mit Ihnen gehen?" „Gewiß. Ich freue mich sehr, wir haben einander lange nicht gesehen. Aber es ist ungemütlich auf der Straße hier. Haben Sie Zeit? Darf ich Sie auf eine Tasse Kaffee einladen? Ich weiß hier in der Nähe ein kleines Kaffeehaus. „Ja— ich weiß nicht...", sagte das Fräulein, und unwillkürlich streifte ihr Blick die armselige Gestalt. „Sie werden mich doch nicht derart be- schämen, mein Fräulein. Ich besitze noch so viel Geld." Man betrat ein kleines Lokal. An Mar- mortischchen saßen Männer und Frauen und lasen in Zeitungen. Ein junger Pianist spielte schwere Musik, die wenig beachtet wurde. „Ich freue mich sehr, mit Ihnen hier zu sitzen", sagte Weltlin, obschon ich erstaunt bin, daß Sie mich erkannt haben. Ich habe mich doch einigermaßen verändert." „Oh. ich habe Sie sogleich erkannt." „Ist es nicht komisch, kleines Fräulein, daß wir immer nur in Kaffeehäusern zu- sammentreffen?" „Als wir das letzte Mal einander sahen, war alles noch viel besser, Herr Weltlin." „Geht es Ihnen nicht gut, Fräulein? Das täte mir leid." „Nein— eigentlich geht es mir nicht gut." „Oh, ist am Ende mein Sohn nicht gut zu Ihnen? Benimmt er sich schlecht?" „Ich habe Ihren Sohn lange Zeit nicht gesehen", sagte das Fräulein Vera Wagner und ihre Lippen preßten sich fest anein- ander. „Oh", sagte nur Weltlin und schwieg. „Ja, Hat Ihnen Albert nie davon ge- sprachen?" „Nein. Sie wissen doch, daß er verschlossen ist und über seine Angelegenheiten zu nie- mand spricht. Schon als Knabe war er so." „Seit einem halben Jahr verkehren wir nicht mehr miteinander. Eines Tages hat er mir erklärt, daß er zu der Ueberzeugung ge- kommen sei, wir paßten nicht zueinander." „Er hat sich reichlich Zeit mit dieser Kon- statierung gelassen, mein Herr Sohn", sagte Weltlin. und ein bitterer Geschmack stieg in ihm auf. Er sah mit einem Male ein helles Kinderzimmer, auf den weihen Wänden Märchenfiguren. Hexen, Feen, Knusper- Häuschen und Schlaraffenland, Zwerg Nase und Ali-Baba. Zwei schöne, gepflegte Kinder sahen am Boden und spielten: nein, es waren keine glücklichen Menschen geworden, weder Albert', noch Erna... Erna— wo war sie? Das Herz verengte sich, das Atmen wurde schwer. „Und wissen Sie. daß ich immer dachte, Sie würden Alberts Frau werden?" „Das dachte ich auch", sagte Vera und lächelte, und da ereignete es sich, daß Weltlin in dieses Lächeln einstimmte und mit einem auf war und ein unsicht- um die beiden Male lachten sie laut bares Verbundensein Menschen. „Sie haben recht, kleines Fräulein, man muß über alles lachen können. All dies ist gar nicht so wichtig." „Was ist aber wichtig, Herr Weltlin?" fragte Vera. Sie saß vorgebugt da, hatte die Hände über den Schoß gefaltet und sah erwartungsvoll in das zerfurchte Gesicht des Mannes. „Eine schwere Frage, mein Kind! Wer das wüßte? Die einen glauben, es sei das Geld, sie jagen ihm nach und müssen ex- kennen, daß es nicht das Richtige ist. Andere glauben, es sei der Ruhm, aber auch der l>at nur Wert, solange man lebt. Der tote Mensch hat nicht viel von seinem Nachruhm. Ich bin ein alter Mann, mein Fräulein, und ich glaube, daß es gar nichts gibt, was man so eigenllich das Richtige nennen kann. Vielleicht kommt es nur darauf an, seiner Natur gemäß zu leben." „Und leben Sie Ihrer Natur gemäß. Herr Weltlin, sind Sie glücklich?" „Ich bin nicht unglücklich, mein Kind. Können Sie ermessen, wieviel so ein Wort bedeutet?" „Es scheint Ihnen doch gar nicht..." Vera brach mitten im Satz ab und schwieg. „Ich weiß nicht, was Sie unter Wohlde- finden verstehen. Ich könnte über, mehr Geld verfügen, wenn ich wollte. Meine Kinder und einer meiner Freunde wollen mir mehr als genügend Geld geben. Ich nehme nur fünfzig Mark im Monat, und wenn ich ein- mal mehr verdiene, so gebe ich es ab. Ich brauche nicht mehr." „Aber Sie leben doch jo einsam, ganz allein. Ich kenne einen Menschen, der sich Ihretwegen sehr grämt." „Sie kennen...?" „Ja. Fräulein Kreitner litt sehr, als Sie Die Verteidigung Qroleske von 53. Wand Der Angeklagte erhob sich und begann seine Verteidigung. Die schon süns Tage andauernüen Sitzunzen hatten ergeben, daß er bedeiUende geistige Fähig- ketten besaß. Es handelte sich sür ihn um Leben oder Tod. Den Beistand eines Rechtsanwalts hatte er abgelehnt. Er vertrat seine Sache selbst. Sie war darum nicht weniger hofsnung-ilas. Der Präsident, die Geschworenen, der Staatsanwalt, die Richter,- das Publikum, die Gerichtsdiener— alle hatten ihn bereits zum Tode verurtellt. .Herr Präsident und meine Herren Geschwore- nen..." Das Schweigen im Saale vertisste sich noch, als seine Stimme erklang. Trotz seines schaurigen Verbrechens und seiner Verstocktheit durchzitterte doch Mitgefühl die Zuhörer. Mit Schrecken dach- ten alle an den Urteilsspruch. Es war halb siebzehn Uhr: seit elf Uhr dauerte, mit nur einer Frühstückspause, die Sitzung. Der Angeklagte stand, kühl und gefaßt, mit zurückgeworfenem Kopfe, da. Aus seinem Munde kamen formvollendete Sätze. Das Mitleid der Zuschauer mit diesem hochgebildeten Mann, der in den Strudel des Verbrecherlebens gerissen worden war, wuchs, Es war neunzehn Uhr. Der Angeklagte.zeigte keine Spur von geistiger Erschöpfung und sprach noch imnier leicht und fesselnd. West er bei der Sache blieb, durfte der Präsident ihn nicht unter- brechen. „Vertagt bis morgen früh elf Uhr", verkündete der Präsident. Als der Angeklagt« ins Gefäng- nis zurückgeführt wurde, stand in seinen Zügen ein Lächeln. * Ein düsterer, ungemütlicher Morgen. Der Angeklagte macht dem Richtertisch und den Geschworenen eine höfliche Verbeugung und nimmt den Faden seiner gestrigen Rede wieder auf. Um halb vierzehn Uhr kurze Vertagung für die Frühstückspause. Dann wird die Verhandlung wieder aufgenommen. Die Geschworenen rekeln sich und gähnen. Der Präsident runzelt mißmutig die Stirn. siebzehn Uhr. Der Präsident gebietet„Ruhe!". „Ich warne Sie", sagt er.„Das Gericht wird solange sitzen, bis Sie Ihre Rede beendet haben, und sollte es Mitternacht werden." Der Angeklagte verbeugt sich leicht. Um zweiundzwanzig Uhr unterbricht ihn der Präsident wieder. Der Angeklagte protestiert in ruhiger Weise. „Es handelt sich sür mich um Leben oder Tod, Herr Präsident! Es tut mir leid der Herren wegen— er schwenkt die Hand in der Richtung der Geschworenen—, aber höher steht mir die Erhaltung meines Lebens. Ich darf fortfahren?" Der Präsident donnert von seinem Sessel herab: „Die Sitzung ist bis morgen frich elf Uhr ver- tagt!" * An: Morgen des siebenten Tages überreichen oie Geschworenen dem Präsidenten eine Petition. Sie müssen sich um ihre Geschäfte kümmern und bitten um schnelle Befreiung von der Plage dieses Prozesses. „Köpfen Sie den Angeklagten!" fordern sie. Doch der Präsident muß sich weiter mit Geduld wappnen. Der Angeklagte betritt, frischer denn je, den Saal und stürzt sich ohne weiteres wieder in seine Verteidigung. Die Frühstückspause ist vorbei. „Ich muß Sic wirklich bitten, sich kürzer zu fassen", erinnert der Präsident.„Sie reden jetzt volle zwei Tage. Sie verschlimmern nur Ihre Sache," Der Angeklagte verbeugt sich.„Herr Präsident, ich muß bitten, mich geduldig anzuhören. Bisher habe ich nur einleitende Worte geäußert. Meine eigentliche Verteidigung beginnt erst." Der Präsident sinkt hilflos in seinen Sessel zurück. „Es mag ein Grund zu meiner Hinrichtung vorhanden fein", fährt der Angeklagte fort,„aber tausend Gründe sprechen dagegen. Diese will ich jetzt der Reihe nach beleuchten." „Die Zeit des Gerichtshofes darf nicht in solch frivoler Weise oerschwendet werden!" schreit der Präsident wütend. „Herr Präsident!" Die Stimme des Angeklag- ten klingt beleidigt: er fetzt sich nieder.„Dann richten Sie mich hin", sagt er ruhig.„Aber be- denken Sie, daß ich dann nicht zu meiner Ver- teidigung gehört wurde..." Tiefes Schweigen. Endlich erhebt sich der Präsident:„Die Sitzung ist bis morgen früh ver- tagt." In möglichst würdiger Weis« verläßt er den Saal. Die Geschworenen stöhnen. Der An- geklagte lächelt. * „Nach Konsultation der vorgesetzten Behörde", sagte der Präsident am achten Morgen des Pro. zesses,„habe ich keine andere Alternativ«, als den Angeklagten anzuhören. Er muß sich jedoch kürzer fassen," So verwarnt, änderte der Angeklagte seine Taktik. Seine Auesllhrungen wurden jetzt lang- sam, feierlich und präzis. Er bat häufig um Ueberlassung eines Buches, um lange Abschnitte über Beweisführung und Artikel über die Un- sicherheit des Indizienbeweises vorzulesen. Rufe zur Ordnung riefen nur einen neuen Streit und ihr damals Lebewohl sagten, wie Ihr Sohn mir es getan." „Doch glaube ich, daß ich damals richtig bandelte. Sehen Sie mich doch an! Glauben Sie- wirklich, daß an meiner Seite ein umger Mensch leben könnte?" Sie schwiegen eine Weile. „Und Ihnen, mein Kind— wie geht es Ihnen?" „Ach, ich habe noch meine Stellung. Ich bin bei einem Rechtsanwalt, klappere auf der Maschine und bekomme ein kleines Ge- halt. Aber mein Vater und mein Bruder sind ohne Beschäftigung. Na, irgendwie geht es ja immer noch weiter." Der Kellner näherte sich verlegen dem Tisch und brachte zögernd hervor:„Unser Klavierspieler läßt fragen, ob der Herr nicht Weltlin heißt?" doch kaum hatte er zu Ende gesprochen, da war schon der hochaufge- schossene, bleiche junge Mann herangetreten und sprudelte hervor:„Herr Weltlin, nicht wahr? Ich komme, um mich für einen Dienst zu bedanken, den Sie mir einmal er- wiesen haben. Ich bin der Sohn Ihrer Kusine Sie haben mir einmal Geld ge- liehen."„Ja, ich erinnere mich." (Fortsetzung folgt.) 5ionsultierung weiterer Bücher hervor. Die mo- notone Rede machte allmählich alle apathisch. Um neunzehn Uhr trat wieder die Vertagung ein.„ "fc Eine Woche später redete der Angeklagte noch immer. „Bis soweit", sagte er nach, einer Unterbrechung seitens des Präsidenten,„habe ich mich auf Tat- fachen beschränkt, die sich auf Las neben dem cickscelten Körper gesunden« Messer beziehen. Jetzt will ich etwas über diesen selbst sagen, um dann auf das zerbrochene Glas, das weiße Pul- ver, die siebzehn Analysen der Chemiker, die Ver- nachlässigung der Aussogen von Polizeibeamten. die Möglichkeit eines Selbstmordes uno noch vieles andere zu kommen. Am Abend des Ver- brechens war ich in einer halbösfentlichen Ver- sammlung und habe mir eine Liste der dort An- wesenden verschafft. Diese achthundertsieben Zeugen sollen mein Alibi beweisen. Und Sann..." Der Präsident Hab beschwörend eine Hand. „Fahren Sic um Himmelswillen fort", schrie er, ganz weiß vor Wut. Der Angeklagte konnte nur noch einiges mit Bezug auf das Messer sagen „Die Sitzung ist vertagt", donnerte der Prä- sident. � Am ersten Tage der neunten Woche, nachdem der Angeklagte sich zwei volle Stunden darüber ausgelassen halte, was er aus dem ersten seiner achchundertundsiebcn Alibi-Zeugen herauszuholen beabsichtige, baten die Geschworenen, sich zurück- ziehen zu dürfen. Der Präsident gab die Er- laubnis sofort, und hielt während ihrer Abwesen- heit eine kurze Beratung mit dem Staatsanwalt. „Gibt es denn gar keinen anderen Weg, Herr Präsident?" fragte dieser „Keinen", stöhnte der Präsident.„Oder wir müßten ihm ewig zuhören!" Die Geschworenen betraten den Saal wieder. „Haben Sie sich über Ihr Urteil geeinigt, meine Herren?" „Ja, Herr Präsident", antwortete der Obmanm „Wir erklären den Angeklagten sür nicht s ch u l d i g." Ein Ruf des Erstaunens lief durch den voll- besetzten Saal. Nicht schuldig?! „Da die Geschworenen Sie, Angeklagter, für nicht schuldig befunden haben, muß ich Sie frei- sprechen. Ich gebe Ihnen aber den ernstlichen Rat, Ihre Fähigkeiten in Zukunft besser anzu- wenden." Der Angeklagte trat eine» Schritt vor.„Herr Präsident", sagte er,„ich möchte mir ein paar Bemerkungen erlauben—" Ein überstürzter Ausbruch entstand. Nach zwei Minuten stand der Angeklagte allein im Saal. „Ich dachte mir wohl, daß meine paar Bemer- kuugen sie überwältigen würden", murmelte er und trat in den Sonnenschein der Straße hinaus. Berechtigte Uebersetzung aus ,,Tit Bilk" von J. G. W a r n k e n. �0 0$ ßegUm. derAtisgafa msecer Für Nikolaus und Weihnachten kaufen Sie billig und gut bei Kaiser's: Schokoladen, Pralinen, Gebäck. 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Krosigk wies zwar mit Recht darauf hin, daß die Wirtschaftskrise die fürchterlichsten Verheerungen in den Staatsfinanzen an- gerichtet hat Krosigk selbst schätzt die V e r- s ch l e ch t e r u n g e n aus der Cinnahmeseite sämtlicher öffentlicher Etats seit Beginn der Wirt- schaftskrise auf lg Milliarden Mark: da- von sind nach seinen Angaben nur 3 Milliarden durch Steuererhöhungen ausgeglichen worden, der Rest mußte durch Ausgabensenkungen (einschließlich Wegfall der Reparationen) herein- gebracht werden. Aber Krosigk sagte kein Wort darüber, daß die Regierung Papen die erste'gewesen ist, dem weiteren verfall der S'aaksfinanzen gleichmütig zusah und keine Miene machte, für die Deckung des unter Ihrer Herrschaft neu entstandenen Milliardendefiziks zu sorgen. Im Gegenteil: die Regierung Popen hat es bekanntlich als ihre wichtigste wirtschaftspolitische Aufgabe angesehen, neben der Erschütte- r u n g des gegenwärtigen Etatgleichgewichts für k�euss Notsignal! Stadt Duisburg zahlt Anleihezinsen nicht Die Stadt Duisburg teilt mit. daß sie außer- stände ist, die am 1. Dezember fälligen Zinsen auf die 7-Millioaen-Mark-Anleihe von ISZS zu zahlen. Sie hofft aber, die Zahlungen in den nächsten Wochen nachholen zu können. Das ist wieder ein Zeichen dafür, daß die Finanzlage der deutschen Gemeinden ver- z w e i f e l t ist. Im Sommer sind die fälligen chalbjahrszinsen tatsächlich nachbezahlt worden: ob es jetzt wieder gelingen wird, muß bezweifelt werden, da die Wohlfahrtslasten der Städte noch täglich steigen. So zahlt die Stadt Duisburg zur Zeit monatlich etwa 3,2 Millionen Mark Unter- stützungen. Bemerkenswert ist der Gleichmut, mit der man diese Dinge anscheinend im Reichs- finanzmini st erium verfolgt. Obwohl im Sommer cheoretisch anerkannt wurde, daß ein Bankrott der Gemeindefinanzen zugleich einen Bankrott der Reichsfinanzen bedeuten würde und also die Verbundenhest der gesamten öffentlichen Finanzwirtschaft betont wurde, läßt man die Gemeinden immer wester unter den Wohlfahrts- lasten oersacken. Nicht einmal die Ueberschüsie der Reichsanstalt, die aus der Dreigliederung der ErwerbslofsAfürsorge resultieren, werden den Gemeinden zur Verfügung gestellt(das sind etwa 200 Mill. Mark). Von der Verfügung, daß ab 28. November keine Krisenempfänger mehr in die Wohlfahrt übergehen sollen, können die Ge- meinden keine Entlastung, bestenfalls ein Be- siehenbleiben der heutigen Lasten erwarten. Geradezu katastrophal wirkt die preußische Bestimmung, daß aus dem Ausgleichs- fonds notleidende Städte dann nichts erhalten, wenn sie außer Unterstützungen, Löhnen und Ge- hältern noch andere Zahlungen(für Rechnungen oder Zinsen) leisten. So geht es einfach nicht weiter, daß der Kredit der Gemeinden systematisch und fort- laufend weiter ausgehöhlt wird, well das Reich für alle möglichen privaten Wirtschaftsgruppen, aber nicht für die Gemeinden Geld hat. Ohne weitgehendes Eintreten des Reiches für die Wohlfahrtslasten gibt es keine Sanierung der öffentlichen Finanzen in Deutschland. die Erschwerung der Gesundhaltung der zukünftigen Etats zu sorgen. Sie hat die Ausgabe von über 2 Milliarden Steuergut- scheinen beschlossen, von denen schon jetzt end- gültig feststeht, daß sie kaum etwas zur Belebung der Wirtschaft beizmragen vermochten. Diese Steuergutscheine sind in Wirklichkeit nur nutzlose, aber kostspielige Geschenke an die Be- sitzenden, die die zukünftigen Etats bis 1938, wie Krosigk feststellte, mit 300 bis 500 Millionen jährlich belasten werden. Und in dasselbe Kapitel gehören die als S u b- v e n t i o n e n an die verschiedensten Wirtschafts- zweige und Unternehmungen ausgegebenen Schatzanweisungen, die, nach den An- gaben Krosigks, eine weitereVorbelastung der Etats von 1933 bis 1938 in chöhe von 123 bis 200 Millionen zur Folge haben werden. Der geschäftsführende Finanzminister der ge- Gesunder Maschinenbau Das dritte Krisenjahr der MAN. Die Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg A.-G(MAN.), das stärkste süddeutsche Maschinenunternehmen, hat auch das dritte Krisen- jähr verhältnismäßig gut überstanden. Der Geschäftsgewinn sank nur von 10,7 auf 9,03 Mll- lionen Mark, so daß nach Abzug der weitaus stärker zurückgegangenen Steuern Zinsen und Sozialabgaben, die sich bis auf 6,9 gegen 9,1 Mil- lionen Mark verringerten, noch ein erheblicher Reingewinn übriggeblieben wäre, wenn nicht infolge des Pfundsturzes und anderer Währungs- entwerwngen Valutaverluste von 2,36 Mil- lionen Mark entstanden wären. Der danach aus- gewiesene Verlust von 1,18 Millionen Mark wird aber durch einen Gewinnvortrag aus dem ver- gangenen Jahr in chöhe von 1,20 Millionen Mark vollständig gedeckt. Der Beschäftigungsgrad hat im Berichtsjahr er- heblich nachgelassen. Die Belegschaft wurde infolge Auftragsmangel von 11 400 bis auf 7400 Mann abgebaut. Damit ist also die Stammbelegschaft bei der MAN. auf die knappe Hälfte chres Bestandes von 1929 gesunken. In einem Gegen- satz zu diesem starken Belegschaftsabbau steht aber die Tatsache, daß am Schluß des Geschäftsjahres, also Ende Juni 1932 der Wert der„halbfertigen Arbellen"— also die in Abwicklung befindlichen Aufträge— noch den hohen Stand von 23,9 gegen 31 Millionen Mark Ende Juni 1929 behaupteten. Dem Abbau von über 50 Vroz. der velegschast entspricht also eine noch nicht Zvprozentige Ver- ringernng der in Durchführung begriffenen Aus- träge. Wenn auch dieser Posten keinen genauen An- Haltspunkt für den Gesamtumsatz des letzten Jahres gibt, so läßt er doch immerhin erkennen, daß der Belegschaftsabbau well höher ist als die Schrumpfung des Umsatzes. Das bedeutet, daß auch im abgelaufeneu Geschäftsjahr bei gedrückten Löhnen die Leistungen der Belegschaft je Mann und Schicht sich weiter erhöht haben. Verluste der Reichsbahn Starke Verkehrsschrumpfung im dritten Krisenjahr Auf der Sitzung des Reichsbahnver- waltungsrates, die dieser Tage in Berlin stattfand, wurde festgestellt, daß in den verflossenen zehn Monaten dieses Jahres der Rückgang der Einnahmen gegenüber dem Vorjahre 26,6 Proz. und im Vergleich mll der entsprechenden Zeit des letzten Konjunkturjahres rund 46,3 Proz. erreicht. Da die Reichsbahnverwaltung aber keine Angaben macht, in welchem Verhällnis zugleich die Ausgaben infolge Lohn- und GeHalls- abbau, billigerer Materialpreise und Verkehrs- einschränkungen gesunken sind, geben diese Zahlen wenig Ausschluß über die Finanzlage der Reichsbahn. fchäftsführenden Boronsregierung gibt also selbst zu, daß die„gesunde Finanzpolitik im starken Staat", die er getrieben hat, dahin geführt hat. daß die nächstjährigen Etats nicht nur mit einem riesigen Defizit, sondern obendrein noch mit Steuergutscheinen und Sub- venlionsschahanweisungen in der ungeheuren höhe von 500 bis 700 Millionen sährlich vor- belastet sein werden. Wir müssen offen gestehen, daß wir uns sowohl unter einem starken Staat, als auch einer gesunden Finanzpolitik etwas an- deres vorstellen als das. was sich seit der Regierung Papen in Deutschland begeben hat. Viel näher dürfte man der Wahrheit kommen, wenn man sowohl die Staats- wie die Finanz- Politik, die fest dem Beginn der Regierung Paven getrieben wird, als Politik eines gefährlichen Abenteuers bezeichnet. Die Erleichterungen im Personenverkehr haben auch auf diesem Gebiet den Einnahmerück- gang nicht aufhallen können. Erst im Oktober hat sich eine geringe Abminderung der Einnahme- rückgänge gezeigt. Die Einnahmen aus dem Personen- und Gepäckverkehr blieben gegenüber 1931 um 22,1 Proz. zurück, die Einnahmen aus dem Güterverkehr um 27,7 Proz. Seit September läßt der Güterverkehr eine Belebung er- kennen, die über die saisonmäßige Verkehrs- steigerung im herbst hinausgeht. Die Finanzierung der 280 Millionen Mark, die für die Arbeitsbeschaffung vorgesehen sind, ist jetzt gesichert. Nachdem bereits über die Verwendung der ersten Rate von 180 Millionen Mark im September Beschluß gefaßt worden war, wurde jetzt die Verteilung der restlichen 100 Mil- lionen verfügt. Diese Mittel werden für Be- stellungen aus Oberbaustoff«(Schienen), Fahr- zeuge, Maschinen und Neubauten verwendet. Lebenshaltungskosten im November Das Stasistische Reichsamt teill mll: Die ReiÄsindexziffer für die Lebenshaltungs- kosten(Ernährung. Wohnung. Heizung, Beleuch- tung, Bekleidung und„Sonstiger Bedarf") ist im Durchschnitt des Monats November 1932 um 0L Proz. auf 118,8(gegenüber 119,0 im Vormonat) zurückgegangen. Es haben nach- gegeben die.Indexziffern für Ernährung um 0,1 Proz. auf 109.3, Wohnungen um 0,2 Proz. auf 121.4, Bekleidung um 0.6 Proz. auf 113,2. „Sonstiger Bedarf" um 0.1 Proz. auf 164,0. Die Indexziffer fürHeizungundBeleuchtung hat sich um 0,3 Proz. auf 136,4 erhöht. Lebloser Kapitalmarkt Pfandbriefumlauf sinkt weiter Auf dem Kapitalmarkt war auch im Oktober noch nicht das geringste Zeichen einer Belebung zu erkennen. Im Gegenteil, der Umlauf an Pfandbriefen und Obligationen, wie auch der Bestand an Hypotheken und Kommunaldarlehen blieb weiter rückgängig. Nach der Statistik der Boden- und Kommunal- Kreditinstitute betrug der Bruttozugang an Pfandbriefen 30,4 gegen 38,8 Millionen Mark im September, während die Rückflüsse dnrch Tilgung und Rückkauf 66,3 gegen 74,4 Millionen Mark im September erreichten. Der Reinabgang an Pfandbriefen betrug daher im Oktober rund 36 Millionen Mark. Der Pfandbrief- umlauf verringerte sich dementsprechend von 9412,6 auf 9376,3 Millionen. Bei den kommunalen Obligationen verringerte sich der Bruttozugang von 2,91 auf 2,23, während die Abgänge 7,6 gegen 10,4 Millionen Mark im vorhergehenden Monat betrugen. Der Reinabgang umfaßte hier 3,37 Millionen Mark, so daß der Umlauf an kommunalen Obligationen sich aus 2630,7 gegen 2656,1 Millionen Mark verringerte. Ende Oktober betrug der Gesamtumlauf an Schuldoerschreibungen— Pfandbriefen und Obligationen zusammen— nur noch 12 027,3 gegen 12 068,7 Millionen Ende September. Vor einem Jahr erreichte der Gefamtumlauf noch 12 348 Millionen, woraus sich die gewaltige Schrumpfung und völlige E r st a r r u n g des deutschen Kapitalmarktes ergibt. Der Gesamtbestand an Hypotheken. Kommunaldorlehen und sonstigen Darlehen betrug zum Monatsende Oktober noch knapp 14 100 Ml- lionen. Zuteilung der Linfuhrdevisen Das Reichswirtschaftsmini st erium hat für die erste Hälfte des Jahres 1933 die Devisenzuteilung neu geregelt. Dos Ministerium geht dabei von dei Wareneinsuhr in der Zeit von Juli 1930 bis einschließlich Juni 1931 aus Auf dieser Grundloge wird eine Ausgangszahl ermittelt, die den mengen- und preismäßigcn Ein- fuhrrückgang feit der Vergleichszeit berücksichtigt. Andererseits sollen auch Preissteigerungen Be- rücksichtigung sinden. Die Handelskammern werden mit der Aufgabe betraut, die Cinfuhrverschtebun- gen festzustellen. Aus diese Weise wird ein Grundbetrag errechnet, von dem für jeden Monat die Kürzungen in Wzug zu bringen sind, die das Reichswirtschaftsministerium bestimmt und die gegenwärtig 50 Proz. betragen. Saison- mähige Unterschiede sind bei der Zuteilung zu berücksichtigen. LpareinlaZen steigen Hamstergelder kehren zurück Wie bei den preußischen Sparkossen hat auch die Entwicklung der Spareinlagen bei sämtlichen deutschen Sparkassen im Oktober eine erfreuliche Besserung erfahren. Die Gesamt- einlogen haben sich von 9730 auf 9739 Mll- lionen Mark erhöht. Die Einzahlungen erreichten 411 Millionen Mark, worunter sich 11,7 Mll- lionen Mark Gutschriften für Zinsen und Aus- wertung befinden. Da die Auszahlungen 384 Mil- lionen Mark erreichen, beträgt der echte Ein- zahlungsüberfchuß(ohne Zins und Aufwertungs- gutschriften) 15,3 Millionen Mark. Die Ein- und Auszahlungen entwickelten sich in den letzten drei Monaten wie folgt: «Liimb»(Sutfdiriftm'fit Auszah- luna.'n tzinfm u. Au m lur.aen (alles m Millionen M a r kl August... 348,2 26.64 339 September.. 358.2 7,86 370,9 Oktober... 399.3 11.70 384 Die echten Einzahlungen haben sich also in den letzten drei Monaten um 14,6 Proz. von 348,2 auf fast 400 Millionen Mark erhöht. Der bisher un- verändert anhaltende Krisendruck macht es selbst- verständlich den werktätigen Massen unmöglich. einen Noigroschon zurückzulegen. Di« Quelle für den Zuwachs der Dpareinlagen bildet vielmehr das in der Kredttkrise und Bankenpleite ge- hamsterte Geld, das jetzt nach Ueberwindung der Vertrauenskrise zu den Sparkassen wieder zurück- flieht. Englands Goldverfchiffungen. Das englische offiziöse Nachrichtenbüro teilt als Information von zuständiger Stelle mit. daß die von der Presse gemeldete Verschiffung von 3 Millionen Pfund Sterling Gold noch Amerika eine einfache geschäftliche Transaktion für Rechnung einer nicht genannten fremden Macht ist und nichts mit dem englischen Kriegs- fchuldenproblem zu tun hat. Kein Mensch will krank werden! Nmr e. Kränterkur. wie v.«hoa r. Jahrtansenden v. d. leidend. Menschheit angewendet wird. i. d. einz. Bleibende»m forlwahr. Wechsel medizin. Systeme gewesen. D. giftfreien Heilkräuter führen d Organismus die Substanzen zu. die unbedingt i. Aussdieiduog krank. Stoffe notw. sind.— Aus dies. Grunde sollte jeder, d. d. Blyt s. Körpers gesund erhalten will. 5. eig. Interesse xi. jed- Jahr� i. Frühjahr u. i. Herbst e Blutreiuignngskür vornehmen u. sidi 2. d. Zwecke d, berühmten KwielsdieD Universal-Tees bedienen, dess. segensr. Wirk er alsb. 1- eig. Körper verspüren wird.— Es könpen leicht Haulnnr. Hauljacken. vollblfttfckeit, Stuhlvcrst.. Schlal- losigkeil, Magenbesdiw.. Arterienverkalk., Grippe. Er- kältongeo Gicht i. Keime erstickl werden.— I. f. a Apo- thek.«• 10 Jahren kfitifl., a M 1.50'Kurp.<0 Kart. M 13)> BÜchl. u- Krankheitsbilder u, Gutacht grat. d. H. Kwlei'a Ptiasterfahrik, Berlin SW 68 V.. 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