Abend-Ausgabe Nr. 568 B 275 49. Jahrg. Rebaktion und Verlag, Berlin SW 68, Lindenstr. 3 Fernsprecher 7 Tnu Dönhoff 292 btS 297 Telegrammadresse: Sozialbemokraf Berlin BERLINER VOLKSBLATT DONNERSTAG 1. Dezember 1932 In Groß- Berlin 19 Pf. Auswärts...... 10 Pf. Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise siehe Morgenausgabe Äentvatoegan der SozialdemokvatifOe« Oartei Deutschlands Näebtliebes Abenteuer im Lchlatzug Hitler klettert in den Sdilnmmerwagen, Der ihn nadh Berlin befördern sollte. Von beschwingten Hoffnungen getragen, Träumte er, dieweil zum Ziel er rollte. Schon der Macht war er in der Idee nah' Da erwachte jählings er in Jena. Heftig an die Türe ward geschmettert, Und der schöne Traum brach mitten durch, Wo er grad* das Vaterland gerettert In die Macht gesetzt von Hindenburch. Grad in dem Momente— welche Störing Brüllte es von draußen:„Hier ist Göring!" „Angezogen, marsch, raus aus dem Wagen!" Nicht einmal zum Waschen kam er mehr. Ungekämmt, verschlafen, ohne Kragen Wankte gähnend aus der Türe er. Nebenan hat Röhm sich sehr geziert: „Huch, ich bin ja noch nicht manikürt." Gering raunzte:„Ziere dich nicht, Puppe, Nachher ist noch Zeit, sich anzuzieh'n." „Wo, wo sind wir?"„Das ist Gottlieb Schnuppe, Wichtigstes: Ihr kommt nicht nach Berlin. Mit dem Kanzlerposten ist es Wasser, Platzen sollen jetzt der Frick und Straßer!" Hitler in des Schlafanzuges Glorie Schleunigst in ein Auto ward gestopft, und der vaterländischen Historie So ein neuer Lorbeer aufgepfropft. Hitlers, ach, so hoffnungsvoller Spree-Gang Endete bei Jena, nicht bei Sedan. Jonathan. KPD. papmoffiziös! Angriffe auf den„Vorwärts" In einer verrückten Zeit wie dieser scheint keine Art von Verücktheit unmöglich. Ein großer Teil der kommunistischen Presse ist von Papen verboten. Der Rest, der übrig geblieben ist, kämpft mit einer Begeisterung, die einer besseren Sache würdig wäre— für Papen! Anders kann es nicht verstanden werden, wenn die kommunistische Presse tagtäglich den„V o r w ä r t s" beschimpft, weil er mit aller Schärfe gegen eine Rückkehr Popens ins Kanzleramt kämpft. Kampf gegen Papen ist— wie der alles durch- dringende Scharfsinn des ZK. der KPD. er- kannt hat— gleichbedeutend mit Eintreten für Schleicher. Daraus folgt mit eherner Logik: es darf nichts gegen Papen gesagt werden! Nach diesem Rezept verfährt auch das kommunistische„Volks-Echo" für die Provinz Brandenburg. Es sagt nichts gegen Papen, desto mehr gegen den„Vorwärts". Seine Polemik gegen diesen gipfelt in dem Satz: Durch eine wilde Dauerpolemik gegen Papen berellel er schon darauf vor. eine Schleicher-Regierung als„kleineres Uebel" hinzustellen. Herr von Papen befindet sich tatsächlich als„geschäftsführender Reichskanzler" im Amt. Noch bis gestern oder vorgestern war es zu 96 Prozent wahrscheinlich, daß er im Amte belassen oder sogar in aller Form neu ernannt werden würde. Die Sozialdemv- kratische Partei, die ihren Kampf gegen Papen ernst nimmt und die alles getan hat und weiter tut. um diesen Mann von seinem Platz zu entfernen, führt diesen Kampf selbst� verständlich so lange weiter, bis der erstrebte Erfolg eingetreten ist. In diesem Sinne hat in den letzten Tagen auch der„Vorwärts"— wie wir glauben, nicht ohne Nutzen— gewirkt. Wenn die kommunistische Presse deswegen Aebenvindung der Arbeitslosigkeit Der Reichswehrminister von Schleicher hol am ZS. Rovember Vertreter des Vorstandes des All- gemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes zu sich gebeten. 3n der Besprechung, an der Theodor Leipart und Dilhetm Eggert teilnahmen, wurden die vordringlichsten wirtschaftspolitischen und sozialpolitischen Fragen erörtert. Die Vertreter der Gewerkschaften haben als die wichtigste Aufgabe die Arbeitsbeschaffung im Wege össentlicher Arbeiten bezeichnet und außerdem erneut die Aushebung der lohnpotitischen Bestimmungen der Rotverordnung vom S. September gefordert. Sie haben sich auch für eine unter wirtschaftlichen und sozialen Gesichtspunkten durchgeführte Siedlung eingefeht. Auf Wunsch des Reichswehrministers hat sodann Theodor Leipart im Kamen des Bundesvorstandes am 29. Rovember die Forderungen des ADGB. schriftlich dargelegt und begründet. Das Schreiben an den Reichewehrminister lautet: Unter Bezugnahme auf die gestrige mündliche Besprechung erlaube ich mir hiermit, Ihrem Wunsche gemäß unsere Auffassungen zu den mündlich behandelten Fragen wie folgt schriftlich mitzuteilen: 1. Die Verordnung des Reichsarbeitsministers vom 5. September 1332 ist außer Kraft zu sehen. Die in der Verordnung vom 4. September 1932 für Reueinstellungspramien zur Verfügung gestellten 700 Millionen Reichsmark sind unverzüglich zur Finanzierung össentlicher Arbeiten zu verwenden. Nach den Erhebungen des Allge- meinen Deutschen G e w e r k s ch a f t s- b u n d e s find im ganzen Reiche in 943 erfaßten Betrieben, die vorher 191 669 Arbeitskräfte be- schästigt hatten, nach der Verordnung vom 5. September 42 218 Arbeitskräfte neu eingestellt worden. Diese Angaben beruhen auf der Bericht- erstattung von 19 Zentralverbänden. Sie sind nach unserer Ueberzeugung umfassend genug, um kofdenmAeii der Gewerkschaften daraus folgern zu können, daß der Anreiz der Prämien-Steuergutfcheine keinerlei nen- nenswerte Wirkung gehabt hat. Von unseren übrigen 11 Verbänden konnten Neuein- stellungen überhaupt nicht festgestellt werden. Der größere Teil der Neucinstellungen entfällt auf die Textilindustrie(IS 169) sowie aus die Metall- industrie und den Bergbau(12 638). Daß nennenswerte Fälle von Neueinstellungen der Berichterstattung unserer Verbände entgangen sein könnten, halten wir angesichts unserer weitver- zweigten Organisation mit ihren über 13 660 Verwaltungsstellen und rund 166 666 Betriebs- röten für ausgeschlossen. Das in der Verordnung des Reichsarbeits- Ministers vom S. September vorgesehene Recht der Unternehmer, die Löhne für die 31. bis 46. Stunde zu kürzen, hat eine große Beunruhi- gung in den Betrieben und zahlreiche Streiks ver- ursacht, obwohl ein großer Teil der Unternehmer auf die Ausnutzung dieses Rechts von vornherein verzichtet hat. In der Praxis hat sich dieser Teil der Verordnung als undurchführbar erwiesen. In 399 Betrieben mit 168 869 Beschäf- tigien hat die Belegschaft die Lohnkürzung ab- wehren können. Hierbei haben in vielen Fällen die Schlichtungsinstanzen mitgewirkt und den Ar- beitern recht gegeben. Arbeitseinstellungen fanden in 81 Betrieben statt. Immerhin sind in S44 Be- trieben mit 125 618 Beschäftigten die vorher schon wiederholt gekürzten Löhne nochmals reduziert worden. 2. Die Verkürzung der Arbeitswoche auf 40 Stunden muß unverzüglich als gesetzliche Mahnahme durchgeführt werden. Die Verordnung vom 5. September sollte bei den Arbeitgebern einen Anreiz für die Ver- kllrzung der Arbeitswoche auf 46 Stunden schaffen. Die Berichterstattung unserer Verbände zeigt, daß auch in dieser Hinsicht das System des Anreizes vollständig versagt hat. In den Betrieben, die von der Verordnung Gebrauch gemacht haben. in für Be- Füllen- fdiäflifllc: blieb die Arbeitszeit unverändert 528 129 811 wurde die Arbeitszeit verlängert 256 58 117 wurde die Arbeitszeit verkürzt. 165 45 959 Krise im Kreise Zchleicher in Front— Heute Konferenz mit Hindenburg und Papen Die Ernennung Schleichers zum Reichskanzler ist heute vormittag noch nicht erfolgt. Schleicher will neben dem Kanzleramt auch das Wehrministerium behalten, der Reichspräsident jedoch hat gegen diese Machthäusung in einer Hand Bedenken. Diese Schwierigkeit steht der Ernennung Schleichers im Wege. Vor dem Fnde? 3n den M i 1 1 a g s ft u n d e n. gegen 11 � Uhr. hat eine Aussprache zwischen dem geschästs- führenden Reichskanzler von Papen und über den„Vorwärts" herfällt und ihm seine „wilde Dauerpolemik gegen Papen" zum Vorwurf macht, so kann das nur den Sinn haben, daß die KPD. eine solche Polemik nicht wünscht und ein Verblei- bendesHerrnvonPapenimAmte für richtig hält. Tatsächlich muß die Haltung der Kommunistenpresse im Sinne Popens„staatserhaltend", d. h. für seine Er- Haltung als Reichskanzler wirken. „Gott erhalte Franz, den Papen" ist also die neueste Parole der kommunistischen Weltreoolution. Verlängerte Arbeitszeit und Ueberstunden über 46 Wochenarbeitsstunden hinaus können angesichts der Massenarbeitslosigkeit nicht länger geduldet werden. 3. Das System der Steuergutscheine ist dahin umzugestalten, daß entsprechende Steuerscheine als Grundlage für die Finanzierung öffentlicher Arbeiten verwendet werden können. Die bisherige Auswirkung des Systems der Steuergutscheine läßt zwei Tatsachen unstreitig erkennen: Es hat sich insofern bewährt, als es bewiesen hat, daß eine öffentliche Kreditschöpfung in gewissen Grenzen möglich und mit keiner In- flationsgefahr verbunden' ist:, es hat insofern versagt, als es eine fühlbare Erweiterung der Produktion und Verringerung der Arbeitslosigkeit nicht gezeitigt hat. Der größte Teil der jetzigen Steuerscheine verwandelt sich weder in Kapital noch in Kaufkraft, während ihre Verwendung zur öffentlichen Arbeitsbeschaffung im Sinne der Vorschläge des Vorl. Reichswirt- schaftsrats vom 12. März 1932 durch die Ge- meinden und andere öffentliche Körperschaften eine wirksame Bekämpfung der Massenarbeits- losigkeit voraussehen läßt. Mit ihrer Hilfe kann auch die in letzter Zeit in den Hintergrund ge- drängte Siedlungstätigkeit wieder stärker ge- fördert werden. Diese von uns angeregten Maßnahmen würden etwa 1% Milliarden Mark ohne geringste Znfla- tionsgefahr für die vom ganzen Volke ersehnte Arbeitsbeschaffung frei machen und die Wiederbeschäftigung von einer Million Arbeitsloser unverzüglich ermöglichen. Damit wäre immerhin ein sichtbarer Anfang einer ernst- haften Arbeitsbeschaffung gemacht. 4. Die durch die früheren Verordnungen herbeigeführten Verschlechterungen der Sozialleistungen müssen im Rahmen der Möglichkeit rückgängig gemacht werden; die Versorgung der Arbeitslosen muß namentlich in dem bevorstehenden Winter ausreichend ver- bessert werden: jeder weitere Angriff aus die Löhne und die Rechte der Arbeiter muß unterbleiben: die Unabdingbarkeit der Tarifverträge, die durch die Verordnung vom 5. September ausgehoben war, muß für die Zukunft unangetastet bleiben." Reichswehrminister von Schleicher stattgefunden. Für den Abend, 18 Uhr, ist eine B e- ratung beim Reichspräsidenten in Aussicht genommen. Man nimmt in gutunterrichteten Kreisen an, daß demzufolge eine Entscheidung des Reichspräsidenten doch wohl noch am heutigen Tage fallen könnte. Adolf ziert sich Die Reichspressestelle Hitlers veröffentlicht eine Erklärung, die„parteiamtlich feststellt", daß für den Oberosaf zu Verhandlungen wegen der Re- gierungsbildung keinerlei Anlaß vorliege. Hitler habe sich nur wegen der Wahlagitation nach Weimar begeben. Alles andere fei falsch. Bracht Innenminister? Papen und Bracht sind dasselbe In der Rechtspresse wird der Reichskommifsar Dr. Bracht als Reichsinnenminister der neuen Reichsregierung genannt. Eine Reichs- regierung mit diesem Manne als Innenminister wäre nichts als eine Neuauflage der Re- gierung Papen. Herr'Bracht gehört zu Herrn Papen wie das Amen in die Kirche, er ist eine Hauptstütze des Systems Papen. Herr Bracht ist die preußische Ausgabe des Herrn von Papen, sein Name und seine Taten haben die gleichen provokatorischen Wirkungen. Herr Bracht ist der Mann des 2 6. Juli, er ist verantwortlich für das Regime der Gewalt und der Rechtlosigkeit, das seit dem 26. Juli in Preußen durchgeführt worden ist. Er ist verant- wortlich für die unwürdigen Formen der Be- Handlung der preußischen Minister. Er hat die Proskriptionslisten gegen die republikanischen Beamten in Preußen durchgeführt, er hat jeden Wunsch der Reaktion vollzogen Seine Methode der Presseknebelung mit Verboten und Auflage- Nachrichten, die Anwendung der Pressenotverord- nung gegen ihm persönlich unbequeme Kritik zeigt ihn als einen Reaktionär vom reinsten Wasser. Von der Zwickelverordnung bis zu dem un- würdigen Schauspiel mit der Hauptmann-Medaille hat Herr Bracht die kleinen reaktionären Ge- hässtgkeiten des Papen-Kurses durchgeführt. Herr Bracht arbeitet jetzt noch eifrig am Papen-Kurs in Preußen. Es ist bezeichnend für das deutsche Bürgertum, daß ein bürgerlicher Ober- bürgermeister das Werkzeug der Feudalreaktion ist und den adligen Reaktionären die Ver- waltung ausliefert! Was für Herrn von Papen gilt, gilt auch für Herrn Bracht! Wenn dieser Mann Reichsinnen- minister wird, so wird er auf denselben Wider- stand, dieselbe Empörung stoßen wie Papen! Ein Kabinett mit Bracht als Innenminister wäre die Ablösung einer Provokation durch eine andere! Frankreich wiederholt seine Bitte Die neue hsote an Amerika Vapen verkündet... Der ,,(!esckäktskükrencle" korrigiert das rechtmäßige Ministerium Der geschäftsführende Reichskanzler a Papen hat als Reichskommissar im Lande Preußen an das preußische Staatsministeriuin ein längeres Schreiben gerichtet, worin unter juristischen Ausführungen erklärt wird, daß 1. die Z u st e l l u n g der Briefe an die Ministerien so bleibt wie bisher: nur solche Briese. denen äußerlich anzumerken ist, daß sie für das Kabinett Braun bestimmt sind, werden diesem zu gestellt. 2. noch einmal festgestellt wird, daß diejenigen Beamten, die vom Staatsministerium zur Vertretung gegenüber dem Reichsrat. Landtag usw. bestellt werden, ihre Weisungen durch die Staatssekretäre der betreffen- den Ministerien erhalten. 3. daß der Beschluß des Staatsmini- st e r i u m s vom 24. November bedauerlich ist, weil er den Beamten mitteilt, daß das Staats- Ministerium die Aufhebung der nach ihrer Mei- nung unrichtigen Bestimmungen des Reichs- Präsidenten anstrebt, wodurch Unsicherheit in die Beamtenschaft getragen werde. 4. das Begnadigungsrecht gemäß der Regelung durch den Reichspräsidenken vom 18. v. M. dem Reichskommiffar und seinem Beauftragten verbleibt; auch hier wird ein Bc- dauern über ungünstige Wirkung des Beschlusses von 24 November angefügt. Schließlich wird mitgeteilt, daß der erwähnte Beschluß des rechtmäßigen Staatsministeriums in den amtlichen Zeitungen nicht vcröffenllicht wurde, weil derartige Dienstanweisungen niemals dort veröffentlicht werden und auch des- halb, weil dieser Beschluß gewissen Beanstandun- gen des Standpunktes des Kabinetts Braun durch den Reichspräsidenten nicht Rechnung trage. Appell an Dorpmüster >Va5 i«t mit der Bahnpolizei? Eigener Bericht des„Vorwärts" Braunschwelg, 1. Dezember. Im heutigen„V o l k s f r e u n d" erscheint ein an den Generaldirektor Dorpmüller gerichtetes Schreiben früherer braunschweigischer Eisenbahn- Ueberwachungsbeamter, die zur Wiederherstellung ihrer Ehre Material über die Eisenbahnanschläge und Sa- botageakte sammelten. Die Ueberwachungsbeamten bleiben dabei, daß diese Attentate nur von höheren Eisenbahnbeamten, die namentlich aufgeführt wer- den, angestiftet und von einigen Mithelfern aus- geführt sein können. Generaldirektor Dorp- müller wird ersucht, s e l b st in Braunschweig durchzugreifen. Bezirksresorm überreicht Oberbürgermeister Dr. S a h m hat den Vorschlag des Magistrats zur vezirksreform seht an den Oberpräsidenlen überreichen lassen. Dieser Vorschlag mußte bekanntlich bis zum l. Dezember eingereicht sein. Neuer Äuwelendiebstahl Wieder wurde ein Juwelier, her die Weihnacht»- geschäste in Berlin wahrnehmen wollte, bestohlen. Diesmal sielen den Dieben für etwa 30 0lXi Mark Schmucksachen in die Hände. Der Juwelier Otto Steinmetz aus Leipzig war mit seinem Auto am Sonnabend vergangener Woche nach Berlin gekommen. Am Dienstag abend suchte er ein Hotel in der Krausenstraße 8 auf, stellte seinen Wagen in der Hoteldurchfahrt unter und entfernte sich für kurze Zeit. Al« er zurückkam, waren die sorgfältig verschlossenen Wagentüren erbrochen und von den sechs im Wagen gelassenen Koffern drei gestohlen; sie enthielten die wertvollsten Kollektionen, Brillantringe, goldene Armbänder, Servietten- ringe, Feuerzeuge und Zigarettenetuis. Der Ge- samtwert der Beute beträgt etwa 2SiXK1 bis 30 000 Mark. Die Gauner haben diesen Streich bestimmt nicht ohne sorgfältige Beobachtungen und Vorbereitungen ausgeführt. Räuber im Postamt Feuergefecht mit Banditen Warschau, 1. Dezember. Ein kühner Raubüberfall wurde aus das Post- amt in Grodek Iagellonski in der Nähe von Lew- berg verübt. Acht bis zehn maskierte Banditen drangen während der Amtszeit in den Schalter- räum ein. Es entspann sich zwischen den Ein- dringlingen und den Beamten ein Feuer- g e f e ch t. Zwei Banditen wurden getötet, vier Beamte und drei Besucher wurden zum Teil schwer verwundet. Die Banditen ergriffen darauf die Flucht, nachdem sie etwa 3000 Zloty geraubt hatten. Die Tat wird von den polnischen Polizei- behörden der sogenannten geheimen ukrainischen Militärorganisation zugeschrieben. Die beiden Ge- töteten sollen als Mitglieder dieser Organisation erkannt worden sein. Paris, 1. Dezember. Di« neu« französische'Note in der Schuldenfrage wird am Donnerstagnachmitag der amerikanischen Regierung übermittelt werden. Diese neue Not« enthält, dem„Matin" zusolge. zahlreiche Argumente, die Frankreich, in der Hofs- nung auf eine günstige Antwort Amerikas, in der ersten Note zur Begründung seines Antrags aus Zahlungsaufschub nicht hatte geltend machen wollen. Herriot setzt im ersten Teil der Note Präsident Hovver auseinander, warum er ihn um Zahlungsaufschub gebeten hat und warum es ihm »ach reiflicher Ueberlegung nicht möglich ist. seine Ansicht in diesem Punkt zu ändern. Der Ministerpräsident geht dann aus die Ab- hängigkeit der Schulden von den Re- parationen ein, die nach seiner Meinung tatsächlich, wenn auch nicht juristisch besteht, Die Chemische und Farbenfabrik der Firma A o e l l i s u. Schuster in der Gras-Hacseler- Straße 27 in Reinickendors-West wurde heute vormittag von einem schweren E x p I o s i o n s- nnglück betrossen. Zwei Arbeiter mußten durch die Feuerwehr mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus übergeführt werden. Im chemischen Laboratorium war gegen �11 Uhr vormittags der Chefchemiker mit einem Experiment beschäftigt. Beim Destillieren, wobei eine Gummilösung unter Beimischung von Amylacetat verwandt wurde, erfolgte plötz- lich eine heftige Explosion. Der Chemiker, der den Versuch scharf beobachtete, sah das Unheil kommen, und er sprang hinzu, um das schlimmste abzu- wenden. Es war aber bereits zu spät. Der Destillierapparat explodierte, und der Che- miker wurde von den Stichflammen ge- troffen. Er erlitt schwere Brandverletzungen. Mehrere Arbester, die in dem Unglücksraum be- schöftigt waren, hatten aus den Warnungsrus des Chemikers die Flucht ergriffen, und es gelang allen, unversehrt das Freie zu gewinnen.. Durch den ungeheuren Luftdruck wurden zahl- reiche Fensterscheiben zertrümmert. Eine Wand stürzte in ganzer Länge krachend zusammen. Der Belegschaft hatte sich eine begreif- liche Erregung bemächtigt, und alles stürmte ins Freie. Dabei stürzte ein Arbeiter so unglücklich von der Treppe, daß er sich ein Bein brach. Die alarmierte Feuerwehr, die unter Leitung des Bau- rats Günther von der Zugwache Oderberg mit mehreren Löschzügen herbeigeeilt war, konnte das Feuer, das auf die Einrichtung des Laboratoriums übergegriffen hatte, verhältnismäßig schnell ein» kreisen. Eine feuerpolizeiliche Untersuchung über die Ursache der Explosion ist sofort eingeleitet worden. * Ein schwerer Unglücksfall ereignete sich im Städtischen Pumpwerk in der F i s ch e r st r a ß e in Lichtenberg. Der 3Sjährig« Heizer Max R a tz l a f f aus der Frankfurter Allee 208 in Lichtenberg stürzte von einer Laufschien« ab und siel in einen großen Kessel, der mit kochend- heißem Wasser angefüllt war. Der Un- glückliche erlitt entsetzliche Brandwunden am ganzen Körper und st a r b aus dem Transport ins Lichtenberger Hubertus-Krankenhaus. Schweres Auwunglück Schwarzer Tag der Reichswehr Stettin, 1, Dezember. Ein schweres Autounglück ereignete sich heute früh gegen 7,30 Uhr in der Ttähe des vor- fe» Kicker im Kreise Raugard. Ein mit Reichswehrsoldaten besetzter Personen- kraftwagen, der sich aus einer Dienslsahrl von Stettin nach Solberg befand, geriet infolge der Glätte ins Schleudern und raste gegen einen Saum. Der Anprall war so heftig, daß der Kraftwagen völlig zertrümmert wurde. Von den Znsassen war der Unterseldwebel Köppen auf der Stelle t o t: der Führer des Kraftwagens. Oberleutnant Ritter, wurde schwer verletzt. Er wurde mit Zwei Oberscheakelbrüchen. zusammen mit einem Oeulnanl. der einen Beinbruch erlitten hat. in« Raugarder Kreiskrankenhaus überführt. Bahnhofsvorsteher ermordet Bluttat hei Lübeck Lübeck. 1. Dezember. 3n de« frühen Morgenstunden wurde in Sab Schwartau der Sahnhossvorsteher das Opfer eines Raubmordes. Zwischen süns und sechs Uhr wurde er von Banditen in seinem Dienst- Zimmer ermordet und beraubt. Die Täter schlu- und begründet dieses in, einzelnen. Im zweiten Teil der Note macht Herriot darauf ausinerkfam, daß Frankreich zahlreichen europäischen Länder» finanzielle Unterstützungen gewährt hat(allerdings vor allem zwecks Finanzierung von Rüfwngs- ausgaben und Ausdehnung seines politischen Ein- slusscs. Red. d.„V.") und daß daher eine Er- jchütterung der Solidität der Währung Frank- reichs, die der Regulator für die europäische Wirt- schaft sei, große Unruhe in Europa hervor- rusen würde. Aus diesen Gründen bittet der Ministerpräsident noch einmal dringend um Gewährung eines Zahlungsaufschubs für die am lä. Dezember fällige Rate. Fngland ist zahlungsbereit London, 1. Dezember. Die britische Note an Amerika ist ein langes Dokument. Ueber den Inhalt glaubt„M o r n i n g P o st" berichten zu können, daß gen ihr Opfer mit einem harten Gegenstand nieder und brachten ihm zahlreiche Verletzungen bei, denen der Bahnhossvorsteher bald erlag. Die Mörder eigneten sich die Schlüssel an und raubten aus der Stationskasse SSO Mark. Zwei Freunde vergiftet! Verhängnisvolles Gasunglück Ein schweres Gasunglück, das zwei Men- Ichenleben sorderle, ereignete sich in der letzten Nacht in der S a st a n i e n a l l e e SS. Im ersten Stockwerk des Vorderhauses bewohnt dort der SK Jahre alte Arbester Wilhelm Finte eine Kochstube. Vor einiger Zest erhielt F. den Besuch seines S-ijährigen Freundes jkurt K e r st e n, der von außerhalb nach Berlin ge- kommen war und feit dem Tage bei Fink« lo- gierte. Gestern abend machten die Freunde noch einen Spaziergang und kehrten gegen 24 Uhr heim. Als heute vormittag eine Mieterin des Vorderhauses, die den alleinstehenden Arbeiter Finke seit einiger Zeit betreut, ahnungslos die Wohnung aufschloß, schlug ihr starker Gasgeruch entgegen. In ihren Betten sah sie zu ihrem Eine der letzten Notverordnungen will die neun- zehnjährigen Fürsorgezögllnge aus die Straße setzen. Der prolest der OesfentlichkeU be- wirkte, daß die Durchführung diese« Teile« der Verordnung bis zum l. April lS3Z ausgesetzt wurde. 3n einem Dringlichkeilsanlrag, der in der heutigen Sitzung der Stadlverordneten verhandelt wird, sordern die Sozialdemokraten Hilfsmaßnahmen für die belrofsenen jungen Menschen. * Die Notverordimng vom 4. November ordnet an, daß Fürsorgezöglinge, die das 19. Lebensjahr vollendet haben, oder die an geistigen oder seeli- schen Regelwidrigkeiten leiden, oder solche, bei denen Aussicht auf Erfolg der Fürsorgeerziehung nicht besteht, entlassen werden müssen. Die Not- Verordnung schweigt sich darüber aus, was weiter mit diesen jungen Menschen geschehen soll. In der gesamten Press« ist über diese Verord- nung viel geschrieben worden und der Schrei: „Richtet Heime für Jugendliche ein" geht in der freien Wohlfahrtspflege von Muni) zu Mund. Allzu groß scheint die Bereitwilligkest vieler Kreis« zu sein, die Versorgung der entlassenen Zöglinge auf freiwillige und private Initiative zu stützen und darüber zu vergessen, daß es dar- auf ankommt, auf kowmunalpolitischem Wege Forderungen zu stellen, in denen fürsorg- liche Betreuung dieser Jugendlichen aus Grund des Reichsjugendwohlsahrtsgesetzes durch die Jugendämter verlangt wird. Ueber die Durchführung der Fürsorgeerziehung im Bereich des Landesjugendamtes Berlin bestehen Richtlinien, in denen auch Be- stimmungen enthalten sind, in denen die sürsorg- liche und pädagogische Betreuung und vorsorgliche Borbereitung für den Fall der Entlassung ge- fordert wird. Die Sozialdemokraten forderten in ihrem Dringlichkestsanttag an die Stadtoerord- netenoersammlung, daß diese Bestimmungen durch Anweisung an die Erziehungsbehörde und an die Bezirksjugendämter in ihrer Durchführung weiter gesichert werden. In dem Antrag wird weiter ge- fordert, daß die Paragraphen 72 und 72» des RIWG. sinngemäß nach wie vor angewendet werden, um ungeeignete Wohnungsnahme, Ob- kein Zweifel an der Bereilschast Großbritanniens gelassen werde, am IS. Dezember die Schuldenrate zu bezahlen, falls Washington darauf beharrt, daß die eventuelle Zahlung in Gold erfolgen werde, und daß ein Zahlungsaufschub nicht nur im Jnter- esse Großbritanniens, sondern auch der Vereinigten Staaten und der ganzen West liege.— Der diplo- matische Korrespondent des„Daily Tele- g r a p h" nennt es befriedigend, daß diesmal der Wortlaut der britischen Schuldennote nicht mit dem der Schuldennoten anderer Mächte überein st immen werde, da die Argumente infolge der Unterschiede der Finanz- und Wirt- schastslage anders lauteten. Dies werde hoffentlich bei den Amerikanern jeden Verdacht zerstreuen, daß ein geheimes Einverständnis zwischen der britischen Regierung und den Regierungen des Kontinents bestehe. Schrecken die beiden Männer bewußt- l o s l i e g e n. Die Feuerwehr wurde alarmiert, aber die Wiederbelebungsversuche der Samarster blieben trotz langwieriger Bemühungen ohne Erfolg. Wie die polizestiche Untersuchung ergeben hat. sind die beiden Freunde, nach dem Befund, zwei- fellos einem Unglücksfall zum Opfer ge- fallen. Vom Gaskocher hatte sich der Gasschlauch, der an dem einen Ende einen Riß hatte, gelöst, und da der Haupthahn nicht geschlossen war. konnten die Gase ungehindert entweichen. Die Leichen wurden von der Kriminalpolizei beschlagnahmt. Inventur- Verkäufe ab 2. Januar Entsprechend einem früher gefaßten Beschluß, die Inventurverkäufe in Groß-BerUn am ersten Montag im Januar beginnen zu lassen, ist die Veranstaltung der diesmaligen Inventur- Verkäufe in Groß-Berlin auf die Zeit vom 2. Januar bis 15. Z-t:ruar festgsetzr worden. Die Dauer der einzelnen Veranstaltung darf 2 Wochen nicht überschreiten. Verwaltuagsrat der Reichsbahn. Die Reichs- regierung hat die mit Ende des Jahres aus dem Verwaltungsrat der Deutschen Reichsbahn-Gesell- schaft ausscheidenden Muglieder Dr. Welcker, Dr. Schmitz, Dr. Silverberg, Herr- mann und Kaiser wieder zu Mitgliedern des Verwaltungsrats ernannt. dachlofigtest des Jugendlichen oder vorzeitigen Abbruch von Benrfslehren zu verhindern. Weil die Gefahr bestcht, daß Fürsorgezöglinge, die für die Anstalten besonders schwierige Fälle darstellen, in Anwendung der Notverordnung aus Bequemlichkeitsgründen zur Entlassung kommen, wird in dem sozialdemokratischen Antrag verlangt, daß der z 73 des RIWG. Beachtung findet, wonach ein« Entlassung solcher Zöglinge nur unter der Voraussetzung zulässig ist, daß die weitere Bewahrung des Minderjährigen sichergestellt ist. Die Sozialdemokratische Partei und die Ar- beiterwohlfahrt haben nie den Standpunkt eingenommen, daß die bestehende Fürsorge- erziehung in ihrer Ausführung zu bejahen sei, vielmehr sind von sozialdemokratischer Seite immer wieder ausgezeichnete Reformvorschläge an die maßgebenden Stellen und an die Oeffentlichkeit gelangt. Jetzt ist jedoch erste Forderung, daß die körperliche und pädagogische Versorgung Minderjähriger, die einen Anspruch aus Erziehung und Versorgung haben, nicht der Straße oder der Polizei Überlieferl werden! Es ist viel Geschrei von allen Seiten um die vorzeitig« Entlassung der Minderjährigen gemacht worden, ohne daß man andere als freiwillige Hilfe ernstlich erwogen hat. Die Sozialdemokratie be- weist mit ihrem Antrage an die Stadtverordneten- Versammlung, daß sie für Regelung der Fragen, die im gesellschaftlichen Interesse liegen, ösfent- liche und polstische Wege vorzieht, weil nur so wirNich Hilfe geleistet werden kann. Die 148 Bewerber Aus der Tagesordnung der heutigen Stadtoer- ordnetensitzung steht auch die Wahl der drei neu zu besetzenden S t o d t r a t s st e l l e n. Da sich jedoch nicht weniger als 148 Bewerber an der Aus- schreibung beteiligt haben, wird die Vorlage einem besonderen Ausschuß überwiesen werden, der die Berge der Bewerbungsschreiben durchzuarbeiten haben wird. Man rechnet mit der endgültigen Wahl der drei neuen Männer nicht mehr vor Weihnachten. Explosion in Farbenfabrik �wei Schwerverletzte in Reinickendorf Hilfe Den Fürsorgejungen! Sozialdemokratischer Dringlichkeitsantrag im Stadtparlament Er starb für seine Aufgabe Gespräch mit Hans Much kurz vor seinem Tode Aus seiner Arbeit heraus ist plötzlich Pros. Hans Much in chamburg. der Echöpser und Leiter des Tubertulose-Jnstitutes, einer— Infektion erlegen. In den letzten Wochen seines Lebens befaßte er sich vornehmlich mit der Tuberkulose-Impfung von Pflanzen, um hieraus wichtige Ergebnisse zu erzielen. ..... und das heißt ein Kämpfer sein!" Wenige Wochen noch vor seinem Tode führte mich der Weg in die ruhige Straße im cham- burger„Westen", in den Alsterkamp, wo sein stilles Heim war: vollgefüllt mit Schätzen, die er auf seinen Reisen gesammelt hatte, mit vielfältigen Dingen und Erinnerungen, die Umsang und Aus- maß seines Interesses und seines Geistes zeigten. Im schweren Pelzmantel wanderte er umher, der Zweiundfünszigjährige, schon in silberweißem Haar, und alles, was er zeigte, ließ das Gespräch immer wieder zu ganz anderen Dingen und Ge- danken überspringen. Da erzählte er nicht nur von seiner Fachwissenschaft, von seinen Eni- deckungen, die gerade im Kampf gegen die schlimmsten Seuchen mächtige Helfer der Mensch- heit geworden sind, da brachte er besinnliche, philosophische Bücher über seine Reisen an, schöne und kluge Bücher über die norddeutsche Backstein- gotik, schöngeistige Werke. Da oerteilte er. wenn man über die Menschen sprach, mit glühendem Temperament Liebe und Haß. Und wenn er seine Gegner, deren er, wie jeder ganze und vielseitige Mensch viele hatte, mit wissenschaftlichen Argumenten abgetan hatte, dann schlug er sie nochmals mit einem trefflichen Wort- spiel tot, denn er war ein Mann der Wirkung. Bon seinem Bater— einem Pfarrer— hatte er nicht nur die Gabe der Rede gelernt, sondern auch die Lust am Predigen. Dieses väterliche Erbteil mag es auch gewesen sein, daß er seine Erkennwisse zu unerbittlichen Dogmen formte, die man bedingungslos glauben mußte. Wer wider ihn war, den verfolgte er mit Feuer und Schwert! Aber hinter diesem Selbst- bewußtsein wohnte ein warmes Herz: seine Freunde konnten alles von ihm haben, und er tat viel Gutes. Immer wieder aber kam er in diesem letzten Gespräch, das ich mit chm hatte, auf das Eine zurück, das ihn in den letzten Monaten fast aus- schließlich beschäftigte: aus die Pflanzen- Bivisektion, über der, an der er so tragisch gestorben ist. Seine wichtige Entdeckung. Bon Jugend auf galt den Pflanzen sew be- sonderes Interesse, denn das Leben der Pflanzen ist nach seiner Anschauung interessanter und geheimnisvoller als das Leben der Tier«. Warum? Kein Tier kann Leben schaffen, sagt« mir Much, es kann nur Leben erhalten durch Mord, indem es vorgebildetes in sich aufnimmt. Die Pflanze aber vermag in ungeheuer größerer Art aus toter Materie Lebendiges zu gestalten. Die Medizin be- nutzt die natürlichen Kräfte der Pflanze feit langer Zeit: experimentiert hat sie bislang aber nur mit dem Tier. neu einstudiert Linden-Oper Der Staatsoper ist es gewiß hoch aizjurechue», daß sie in diesem allem Neuen nicht gerade günstigen Augenblick den Mut fand, Alban Bergs„W 0 z z e ck" wieder herauszubringen: wenn es auch leider, soviel weit und breit zu sehen, der einzig mutige Impuls des Instituts ist, das sich ansonsten(das sein Generalintendant) wachsender Berkalkung willenlos überläßt. Bor sechs Jahren war das Werk zum erstenmal zu hören. Wieviel seither auch neu entstanden und untergegangen ist, wieviel sich inzwischen im all- gemein Künstlerischen, Stilistischen und Musikali- schen verändert haben mag: es übersteht die Feuer- probe später Revision. Immer noch— und un° erhört— wirkt die Uebersetzung Büchners dra- matifcher Phantastik in Bergs phantastisch dra- matische Musik-, die Transposition des natura- listisch Dumpsen ins expressionistisch Spirituelle-, die Ausweitung des neurotisch Einmaligen zum fast unerträglich starken Allgemeingesühl der Oual aller Kreatur. Di« rätselhosten Röntgenaugen dieser Musik lassen die Partitur zum Zeitdokument wider Willen werden: aus übersteigerten Tempera- turen, aus tollem Fieber und schneidender Kälte entsteht eine Transparenz, die Wahnsinn und Wahrheit zugleich ist: die Charaktere, die Szenen, die Handlung sind nur mehr Symbole ihrer selbst, zugleich Symbole ewiger Fragwürdigkeit und tief verdächtiger Scheinhaftigkeit alles Seins, dem rasend« Ekstase alle Masten abreißt... Reinste- Gefühl als Grenzlinie des Irrsinns: komponierte Schizopizrenie, das ist es..- und doch, seltsam genug, kristallene Gestalt: ein Lied vom Leid der Welt... Nur seltstoerständlich. daß �Menschen, denen noch Sicherheit beschieden ist, Sicherheit des Be> rufs. der Stellung, des Bankkontos und daher rührend: der Weltanschauung— daß die von solcher Fanfare der Unsicherheit und ewigen Ber- Wandlung, van so unerhörtem Aufbruch und Aus- bruch nichts wissen wollen und auch nichts be- greisen. So saß denn auch das sehr oerehrliche Lindenopernpublikum, wie nicht anders zu erwarten, recht hilflos und oerdutzt in seinen Logen, im Much war der erste, der die Schlußfolgerung zog und mit der„Pflanzen-Bivisektion" begann. Und schon seine ersten Versuche zeigten, daß aus diesem Gebiete wertvolles Neilland liegt. Krankheitserreger des Menschen und der Tiere, Tuberkelbazillen, Krebszellen, giftige und unlösliche Metallsalze hat er lebenden Pflanzen eingeimpft und die Wirkungen beobachtet, die sich von den bekannten Ergebnissen bei Vivisektionen an Tieren sehr stark unterschieden. Die Pflanze nimmt alle Mineralsalze und Stoffe, die sie zum Leben braucht, aus der Erde in sich auf und verarbeitet sie. Aber sie wählt aus, nimmt nur die ihr zukömmlichen und notwendigen. Was geschieht, wenn man Fremdsubstanzen in die Pflanze einführt? � Hans Much hat diese Frage durch seine neu- artigen Experimente beantwortet: einige sterben ab, andere überwinden den Eingriff spielend. Es kommt zu einem Auseinandersetzungsprozeß, einem Krieg der Natur. So lösen einige Pflanzen un- lösliche Metalle, wie Schwefel auf in eine lösliche Form, die dann auch dem menschlichen Körper ein- oerleibt werden kann. Wieder andere Pflanzen bringen es fertig, das ihnen aufgezwungene Me- tall, das für Tiere ein hohes Gift darstellt, gleichzeitig auch seiner Giftigkeit zu entkleiden, so daß der Therapeut etwas absolut Neues, bisher nicht Dagewesenes, erreicht. Bis jetzt hatte er drei Pflanzen gefunden, die auch die Krebszellen unschädlich machen, und er hoffte, daraus vielleicht auch einmal das so sehnlich erwünschte Mittel gegen den Krebs zu finden. T u b e r kul o I e- B e k ä m p fu n g durch die Pflanze. Umfangreicher sind die Versuche, die Hans Much mit Tuberkelbazillen an lebenden Pflanzen ge- .macht hat. Es gibt Pflanzen, die in kurzer Zeit Tuberkelbazillen völlig aufzulösen imstande sind, so daß weder der mikroskopische noch der tier- experimentelle Nachweis mehr möglich ist. Es find die verschiedenartigsten Pflanzen, mit denen Much im Kamps gegen die Tuberkulose diese Experimente vornahm. „Es ist noch verfrüht", so sagte mir Much da- mals,„die Perspektiven dieser Entdeckung schon jetzt endgültig bestimmen zu wollen." Aber das eine wird auch der größte Skeptiker unumwunden zugeben: daß es Much gelungen ist, ein wichtiges Neuland zu entdecken, die Geheimnisse des Lebens der Pflanze zu entschleiern und sie dem Menschen vielfältig dienstbar zu machen, der Pflanzen, die 95 Proz. allen Lebens in der Welt ausmachen. Er wollte eindringen in die Geheimnisse, die er vielleicht zu tief sah ünd erkannte, er wollte eine der größten Geißeln der Menschheit besiegen, wollte Leben retten und ist— tragisches Schicksal des Forschers— gerade darüber gestorben. Wie alle seine Werke, zeigt auch sein Leben und sein Tod neben dem Einzclschicksal das all- gemeine: die persönliche Tragik wird zur allge- mein-menschlichen! Wie groß unser Wissen und unser Können auch sei: es springt nicht über die Grenzen, die die Natur setzt.>l. dl. Parkett und in den Rängen— was nichts besagt. Wer schriebe heut denn noch für diese Leute? Kleiber betreute die Partitur(für derlei Dinge hat er wunderbare Hände), Hörth die Regie. Als Wozzeck und Marie boten Eugen Fuchs und Elfe R u z i c Z k a musikalisch sichere, darstellerisch eindrucksvoll« Leistungen: was bei den«normen Anforderungen, die das Werk an seine Interpreten stellt, nicht wenig heißen will. Soot, Henke, Abendroth waren dem Ganzen in treffender Charakteristik vorteilhaft eingegliedert. A. W. Theorie und Praxis Die offiziellen Naziorchester werde» neuer- dings im Berliner Rundfunk an möglichst unauf- fälligen Stellen placiert. Verschwunden von dem Mikrophon sind sie keinesfalls: aber sie erscheinen entweder in den letzten oder in den ersten Pro- grammstunden. Am Mittwoch belieferte die Nazi- Gaukapelle Fuhsel die Sender Berlin, Schlesien, Mittel- und Norddeutschland mit Frühkonzert. Die republikanischen Hörer sind mit vollstem Recht über diese Wirtschaft empört: sie wollen nicht, daß ihre Gebühren verwertet werden zur Unterstützung der Hitler-Partei, die mit Hilfe der Rundfunkhonorare billig.zu ihren Gaukapellen kommen. Täglich wird uns im Rundfunk in den Aufrufen für die Winterhilfe von der lllot im Lande erzählt. Daß die Hilfsbereitschaft im Funkhaus sich auf eigene Art äußert, zeigen auch andere Tatsachen. Ueberall lesen wir von dem Elend, das unter den Musikern herrscht, für die es immer weniger Be- schäftigung gibt. Der Berliner Sender nimmt an dieser Tatsache insofern unmittelbaren Anteil, als er sein Bestes tut, keine überflüssigen Arbeits- gelegenheiten für die erwerbslosen Künstler zu schaffen. Im Hinblick auf diese Zielsetzung wurde gestern Großes geleistet. Es gab nicht nur die täglich üblichen Austaujchübertragungen von den verschiedensten Sendern, sondern auch eine— in Zwei Abschnitten— anderthalbstllndige Heber- t r a g u n g aus dem C a s ö„B e r l i n". Als„Stimme zum T a g" erzählte Meta B r i x von den Elendskolonien, zu denen die meisten Laubenkolonien heut« geworden sind. In völlig unzureichend abgedichteten Räumen sind die Menschen hier zusammengepfercht. Das grauen- volle Elend hat den meisten jede Hoffnung ge- raubt. Das Wort„morgen" hat für sie keinen In- halt mehr. Einige haben in diese Well von Krank- heit und Verzweiflung noch Reste besserer Tage herübergerettet: ein paar Bücher und einige Topf- pflanzen, die vielleicht an der Källe zugrunde gehen werden wie sie selber. Es wäre nützlich, wenn man sich im Funkhaus einmal darüber unter- richtete, wieviel« Musiker und Schauspieler in solchen oder ähnlichen Verhällnissen leben.— lz. Anwälte untereinander Vorgänge im Felseneck-Prozeß Zm Felseneckprozeh wurden die beiden Verteidiger aus der ersten Verhandlung, der frühere Nakionalfozialist Rechtsanwalt Dr. Plettenberg. und der Verteidiger der Kommunisten, Dr. Litten, als Zeugen vernommen. Dr. Plettenberg hat sein Verteidiger- Mandat auf Veranlassung der Gauleitung der NSDAP, niedergelegt und ist daraufhin aus der Partei ausgetreten, Rechtsanwalt Dr, Litten ist durch Gerichtsbeschluß, der vom Kammergericht gutgeheißen wurde, in der zweiten Felseneckverhandlung als Verteidiger nicht zu- gelassen worden. Den Auftakt zu seiner Ver- nehmung bildete die Aussage des Rechtsanwalts Dr. Plettenberg, die einiges Licht auf den Vor- wurf der Begünstigung warf, der von der Staats- anwaltschaft gegen Dr. Litten erhoben wird. Der nationalsozialistische Angeklagte Knuth, der frühere Mandant des Dr. Plettenberg, hatte erklärt, daß Dr. Litten sich bereitfinden wollte, in sein Plädoyer die nationalsoziali st i- schen Angeklagten so wenig wie mög- lich zu belasten, wenn er Knuth seine feind- selige Haltung gegenüber den kommunistischen Angeklagten abschwächen und sie nicht in so hohem Maße belasten würde, wie er es in der ersten Verhandlung getan habe. Rechtsanwalt Dr. Litten habe sich in diesem Sinne bei einer gemeinsamen Unterhaltung in Gegenwart von Dr. Plettenberg geäußert und dabei hinzugefügt, daß er der Ucberzeugung sei, keiner von den an- geklagten Nationalsozialisten habe den tödlichen Stich gegen Älemke geführt; er würde sich in seinem Plädoyer an den Sturmbannführern schadlos hallen. Die Staatsanwaltschaft erblicke in diesen angeblichen Versuch des Rechtanwalts Dr. Litten, den Angeklagten Knuth zugunsten seines Mandanten zu beeinflussen, die Vegünsti- gung, die dem Gericht die Veranlassung gab, Rechtsanwalt Dr. Litten nicht mehr als Ver- teidiger zuzulassen. Rechtsanwall Dr. Plettenberg war zwar nicht in der Lage, die Aussage des Angeklagten Knuth in so bestimmter Form zu bestätigen: im großen und ganzen meinte er jedoch, dürft« sich die Unterhaltung auf dieser Linie bewegt haben. _ Die Mary-Wigmau-Matine« der Lollebühn«, die Sonntag, vorm. 11.30 Uhr, im Theater am Bülowplav staltfindet, zeigt in ihrem Mittelpunkt wieder den Tanz Zyklus„Opfer", daneben andere Tanzschöpsungen der Meisterin. Platzkarten l,5v und 2,50 Mark. Die Kamera zeigt ab heute Sternbergs Film„E i n e amerikanische Tragödie", ab Dienstag den malaiischen Film„K r i ß". Wolsgang von Gronau spricht heut«, 8 Uhr, über seinen Weltflug in diesem Jahre in der Philhannonie. Friedel Hintze veranstaltet Freitag im Meistersaal einen Gottfried-Keller Abend. Direktor Hans Juntermann wird mit seinem Ensemble ab Sonnabend in der Tribüne ein kurzes Gastspiel mit dem Ichanspiel„D i e heilige Flamme" geben. I« der Kant-Gesellschast spricht Sonnabend, 8 Uhr, Prof. Herbert Eysarz, Prag, über„Friedrich Schiller und das Schicksal der Dichtung" (neues Aulagebäude der Universität). Di« Staatliche Kunstbibliothek zeigt im Dezenlber, Prinz-AIbrecht-Str. 7, eine Ausstellung unter dent Titel:„Berlin im Bild". 1000 Fotos Venneman». Tie Ausstellung ist täglich, außer Dienstags, von lO bis 18 Uhr frei geöffnet. Wetter In Berlin: Uebergang zu etwas milderem. wolkigem Wetter niit Winddrehung nach Südwest bis West.— 3n Deutschland: Westostwärts fortschreitende leichte Milderung mit stärkerer Be- wölkung. Im westlichen Küstengebiet leichte Regen- fälle. Im Osten und Südosten noch anfangs beständig. Ein neuer Geftaster des /�.rheiterlehens Ein neuer Mann aus dem Proletariat wird zum Sprecher seiner Klasse Er heißt Joses Leu- Harb und ihn mit seinem Roman„M e n s ch unterm Hammer" herausgestellt zu haben, kann der Bücherkreis als Verdienst sich hoch an- rechnen, Lenhard weiß wirklich etwas zu sagen, Sicherlich hat er das meiste des hier in Form Gebrachten selbst erlebt: es ist aber über das Autobiographische hinaus ein Arbeiterleben so hervorragend gestaltet worden, daß sich sein Schick- sal ins Allgemeingültige erhöht. Der Held des Romans, Kilian Narr, ist eine jener von unbeirrrbarem Gerechtigkeitsgefichl und unbändigem Freiheitsdrang durchglühten Typen, die allerorten zu gegebener Zeit sich empören müssen: über die Borniertheft der schafsdämlichen, ausbeutungswilligen Kollegen, über die Nichts- Würdigkeit der Arbeftsbedingungen, über die Schi- kanen brutaler Vorgesetzten. Meistens zieht der Rebell dabei zwar für die materielle Sicherheit seiner Existenz den kürzeren, aber seine Tat ist von Nutzen gewesen, denn der Gewerkschaft wurde für ihre Betriebsarbeit der Weg frei gemacht und damit den Arbeitern das Rückgrat gesteift. oder ein rücksichtsloser Antreiber mußte einen mit rauher Hand geschriebenen Denkzettel einstecken, der seinem Tatendrang einen gehörigen Dämpfer gibt. Die ausdrucksvolle, bildhafte Sprachkraft Leu- Harbs, die sich mit unverbrauchter Frische an einer Fülle von Erlebnissen erproben kann, stellt Men- schen und Dinge greifbar hin und tut das Ihre, die Freude größer zu machen, die sich aus dem Bekanntwerden mit einem neuen Talent von selbst ergibt. G. Sch. Rundfunk am Abend Donnerstag, den 1. Dezember 1932 Berlin; 16.13 Deutscher Kulturwille in der Ostedce(F. Thierfelder). 16.30 Ballett- musik aus deutschen Opern. 17„30 Spielgefährten im grünen Wagen(Ilse Obrig). 17.30 Lieder zur Gitarre. 18.20 Reden Sie mir nicht von Frauenkunst!(Margot Rieß, MUH Steger). 18.33 Stunde des Chorgesanges. 18.53 Die Funkstunde teilt mit. 19.00 Werk- Stattsbericht von Walter v. Molo. 19.25 Unterhaltungsmusik. 19„50 Tages- und Sportnachrichten. 20.30 Gedichte lesen und hören. 21.00 AV. A.Mozart. 21.30 Wir stellen vor. 21.40 Max Reger. 22.45 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Tanzmusik. 24.00 Orchesterkonzert. Königswusterhausen: 16.00 Pädagogischer Funk. 17.30 Deutschtum in Finnland(H. Meißner). 18.00 Musikalischer Zeilspiegel. 18.30 Die Erfindung der Briefmarke (Ob.-Reg.-Rat Korzendorfer). 18.53 Wetterbericht. 19.00 Stunde des Landwirts. 19.20 Für und wider. Wegweiser durch die Zeit (Dr. R. Pechel). 19.40 Zeitdienst. 20.00 Aus Stuttgart: Die Jagd nach dem Gold des Kapitän Kid. 22.43 See-Wetterbericht. Aus Hamburg: Tänze von 1900—1932. Sonst: Berliner Programm. Vollständiges Europaprogramm im„Volksfunk", monatl. 96 Pf., durch alle„Vorwärts"- Boten oder die Postanstalten. (Scspannt sieht man tu! die Tue... Wer tritt herein? Nikolaus? Das Christkind? Nein, noch nicht. Vorerst ist es der Weihnachtsmonat selbst, östtz und behaglich duftet es vor ihm her. Er zeigt uns die Anzeige von staisers Kaffee. gefchöft:„Am Donnerstag, dem 1. Dezember, Beginn der Ausgabe unserer Aeihnachtsbonbonnieren." da, Mutter versteht einzukaufen und bei Kaifers wird sie Übrigens auch nicht nur wegen des bpr�entigen Markenrabattes billig kaufen. Kaisers hat ja alles, was Mund und Her» be. gehren. Köstlich aromatische Kaffees in erlesenen Mischungen, Schokoladen, Pralinen, Printen, Kebäck, Leb. kuchen, Marzipan und all das leckere Mundzeug für den Welhnachtsmonat llberhaupt. Schenken macht Freude, Wer bei Kaisers kaust, kann schenken I Den besten Anschluß an unsere Zeit hat das Herren. bekleidungshaue Leineweber am«öllnischen Fisch. markt gefunden. Leineweber bringt setzt für sg,— M. einen Anzug, der zu Recht seinen Namen führt, der„Ziiue Leineweber". Das bekannte Haus für gute F-rtigkleldung liefert in dieser Woche«inen Anzug, der nicht nur so aussieht, als ob er das Doppelte kostet: aus feinem. schwerem Kammgar» australischer Wolle, tadellos per arbeitet und daher sehr formbeständig. Das wäre eine Weihnachtssteude, der„Neue Leineweber"— für so wenig Neid, Ohne Kopf kann man nichts kaufen! Ohne Geld auch nicht! Wer aber einen klugen Kopf hat und wenig Geld, dem empfeplen wir, besonders in der heutigen Zeit, seinen Anzug ober Mantel nur in derAerrenkleider-Fabrik Wagner, Alexanderstr. 23, I. Etage, zu kaufen. Heute muß man mit jedem Pfennig rechnen, und deshalb verzichtet die weit und breit bekannte Fabrik aur alle Aeußeilichkeiten. Nicht die glanzvolle Außenfront eines Geschäftes mit �iesen-�ichtreklame, �LuxuS-Oekorationen u�w. machen Qualität und preise, sondern gerade umgekehrt die unbedingte Ersparnis aller un- nötigen Spesen. Die HerrenNeider-Fabrik hat eine strenge Devife: Alles für die Güte der Ware, Nichts für warenverteuerndo Aufmachung. Die Herrenkleider-Fabrik Wagner hat keinen.taden, sondern verkaust nur in ihren Fabrikräumen, Alexanderstr. 23, l. Etage. Nirgends anders! Also keine Filialen. Anzüge, Mäntel und Geselischastskleidung zu den bekannten Fabrikpreisen 35,-, 40,-, 45.-, 50,-. Welche Preislage Sie auch wählen, Ihre Freunde werden Sie bewun- dernd nach Ihrem Schneider fragen, weil diese Anzüge und Mäntel das Aussehen feiner Maßkleidung haben. Tausende bevorzugen die Erzeugnisse der Herrenkleider-Fabrik Wagner, weil eö nichts Zuverlässigeres für dieses Geld gibt, und weil sie überragend in Stoffqualität und Verarbeitung sind. 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Die Stötten hochindustrieller Tätigkeit, die trotz ihrer weltwirtschaftlich Heroorragenden Bedeutung wie Inseln in den Meeren wogender Kornselder und rauschender Wälder verschwinden, sind ein Ergebnis erst der allerjüngsten Etappe' mensch- licher Entwicklung Auch daran zeigt sich, daß die Industrie sür die Wirtschaft des Menschen nicht ursprünglich notwendig ist, sondern imer und auch heute noch die unmittelbare Be- arbeitung des nahrungspendenden Bodens zur Boraussetzung hat. Aber die landwirtschoft- liche Erschließung und Nutzung der Erd- oberfläche hat durch die industrielle Entfaltung einen ungeahnten und grandiosen Aufschwung bekommen. Die Errungenschaften der Technik und die Erkenntnisse der Wissenschaft geben dem Menschen die Möglichkeit, die Erde nahezu überall in fruchttragende Gefilde zu verwandeln, selbst da, wo bisher jeder Anbau und jede Art Bewirtfchas- tung unmöglich war. SurjJ die Industrie wurde dem Menschen die Kraft gegeben, den ihm vorher feindselig erscheinenden Naturgewalten entgegen- zutreten und mit ihnen ein Bündnis abzuschließen. Jetzt ist die Voraussetzung geschaffen. aus dem zehutausendjährigen Kampf zwischen Erde und Mensch eine Werk- gemeinschaft entstehen zu lassen, die unerreichte wirtschaftliche und kulturelle Werte hervorbringen wird, jetzt ist der Weg zum Sozialismus frei. Wir stehen erst am Anfang dieser Epoche. Welch ein gewaltiger Fortschritt trennt uns aber schon heute von den Steinwerkzeugen der Vor- geschichte, von der Bronzekultur des Altertums, von der Feudalwirtschaft des Mittelalters, ja selbst von der fast nur auf Handarbeit aufgebauten Wirtschast und Gesellschaft jüngst vergangener Menschenalter! An Stelle aus kleinen, vom H o l z p f l u g geritzten Feldern primitiver Bauernwirtschaften reift das Korn heute auf unübersehbaren Farmen und Gütern, deren Boden das tiefgehende Schwert des Moiorpfluges um- wirft, deren Getreidemeere der vom Traktor gezogene Mähdrescher schneidet, drischt und marktfertig sortiert. Riesige Staudämme speichern in subtropisä�n Gebieten das kostbare, lebens- spendende Zwß, das nicht mehr mühsam mit Eimern und schwerfälligen Schöpsgeräten weiter- getragen wird, sondern das leistungsfähige Pumpwerke Hunderte von Kilometern weit in ein eng- maschiges Netz von Kanälen und Gräben pressen, so daß überall und zu jeder Zeit das bestmögliche Wachstum gewährleistet ist. Alsdann stehen die industriellen An- lagen bereit, die erzielten Riesenernten aufzu- nehmen und weiter zu verarbeiten. Nicht mehr klappert die Mühle am rauschenden Bach i heute wird das Getreide in Großfabriken unter höchster Nutzleistung gemahlen und in häusig unmittelbar mir der Mühle verbundenen Großbäckereien zu Brot, Gebäck und Teigware oerarbeitet, wie es auch in den Eigenbetrieben der GEG. in Mannheim der Fall ist. Die Hausschlächter und Wurstmacher arbeiten heute in den Schlacht- und Viehhöfen der Städte, das„Eingemachte" entsteht in den Konservenfabriken am laufenden Band. Ilrgroßmutters Spinn st übe ist zum Maschinensaal der Textilindustrie geworden, in dem Tausende von Spindeln die maschinell geschorene und gereinigte Wolle, die maschinell vorbereitete Baumwolle zu Fäden spinnen, die maschinell zu Geweben weiter- verarbeitet werden. Singende Sägen ellen durch das herbeirollende Holz. Eine Fülle von heulen- den und wirbelnden Maschinen bis zum schwu-ng- voll sich drehenden Kran stoßen und wirken, hämmern und schneiden und bauen Balken und Ziegel, Wände und Träger, Häuser und Möbel. So entstellt maschinell, industriell, in ungeheurer Menge und in kürzester Zeit, worum sich unsere Borfahren mühevoll plagten: tstahrung, Kleidung, Wohnung. Diese Wundsrwelt der Verbrauchs güter- industrie wird, wenn möglich, noch überboten von den gigantischen Leistungen der P r o d u k t i o n s- güterindustrie, jener Schwerindustrie, die durch ihre eigene Entfaltung als Grundlage erst die Mittel zu diesem Aufschwung gab. Weltenweiten trennen die Schmiede im Walde von den modernen Hoch äsen und>-tahlwer- k c n. das erste zaghaste Schürfen in, Gebirge von den sich tief einschneidenden Schächten neuzeitlichen Bergbaues. Und auch das zeigt de» Fortschritt der Technik, den Sprung in eine neue Zell: Wo vor Jahrhunderten(und zum Teil heute noch) Nomadenoölker in den Weiten des Raumes sich verloren and Ackerbauer in der Enge ihres Horizonts eingeschlossen waren, läuit heute in 3 1 f a ch e r A e q u a t o r l ä n g e der Eisenbahn- sträng über die Erde, eilt das Automobil durch �die Lande, verbindet das Dampfschiff entfernte Erdteile und Völker, spannt der gesprochene und gehörte Funke ein festes Band um alle Erd- bewohner! Um 1320 brauchte Magalhaes zur Pioniertat der ersten Erdumiegelung 1100 Tage: Marco Polo reist um 1270 zu Land nach China in S'A Jahren, für eine Erdreise hätte er also über 10 Jahre gebraucht. 1903 brauchte ein Dampfer zur Erdumspannung nur noch 33 Tage, das Luftschiff„Graf Zeppelin heute nicht ganze 21 Tage und das Flugzeug nur noch 8A Tage! Aber die Reichtümer der Erde an industriellen Bodenschätzen sind dem Menschen bisher noch nicht zum Segen geworden, die gewaltigen Mög- lichkeiten der industriellen Entwicklung haben ihn wegen der falschen Anwendung eher zum Verderben geführt. Wieder stellte sich zwischen Erde und Mensch der individuelle Egoismus, die Ichsucht des bürgerlich-kapitalistisch denkenden Menschen. Das„heilige" Privateigentum raubte der AU- gemeiicheit zugunsten Weniger Bergwerke und Oelquellen, Hochöfen und Webereien, die Souve- ränität der Staaten(d. h. die der wirtschaftlich herrschenden Mächte) monopolisierte jeweilig für sich allein die Ausbeutung des begehrten Landstriches. Die jahrhundertelange Feindschaft Deutschlands mst dem„Erbfeind" Frank- reich: das ist in unserer Zeit der Streit der begehrlichen Anlieger um die Kohlen und Erze und die hochindustriellen Anlagen im Elsaß, in Lothringen, im Saarland, in Nordostfrankreich, genau so wie es schon in früheren Zeiten der Sirett um die Nutzung des wirtschaftlich wert- vollen Rheingebietes gewesen ist. Welch ein Wettlauf des Privatkapi- tals setzte ein, als die technische Entwicklung zum Verbrennungsmotor die Erdölquellen ungemein wertvoll werden ließ! Plötzlich wurde es für die amerikanische Nation eine Beleidigung der nationalen Ehre, daß die mittelamerikanischen Staaten m dauernder Unruhe und Revolution Immer wieder wird gegen den marxistischen Sozialismus der Vorwurf erhoben, daß er„Mais- rialismus" fei. Man versteht dann unter diesem Materialismus die Auffassung, daß allein die Lohn- und Magensorge für die sozialistische Ent- scheidung eines Menschen bestimmend sei. Alle g e i st i g e n Bezirke des Menschen: Kunst, Reli- gion, Moral usw. führe der Marxismus auf wirt- schaftliche Interessen zurück. Ost aber wird auch der„materialistische" Marxismus mit jenem naturwissenschaftlichen Materialismus gleichgesetzt, den Karl Vogt, derselbe Karl Bogt, dem Marx eine umfangreiche Streitschrift ge- widmet hat, in den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts in die klassische Formulierung kle>- bete:„... daß, um es einigermaßen grob aus- zudrücken, die Gedanken etwa in demselben Ver- hältnis zum Gehirn stehen, wie die Galle zu der Leber oder der Urin zu den Nieren." Es ist nun zweifellos zuzugeben, daß Marx und Engels ihren Sozialismus als Materialis- mus bezeichnet haben, ober diese materiali- stische Auffassung von Marx und Engels ist etwas ganz anderes als der primitive Naturwissenschaft- liche Materialismus des vorigen Jahrhunderts, der überdies von der Naturwissenschaft selbst längst überwunden ist. In einer bedeutsamen Anmer- kung des„Kapital"(Volksausgabe S. 317) gibt Marx eine einleuchtende Abgrenzung gegen den unkritischen naturwissenschaftlichen Materia- lismus. Er schreibt dort:„Die Technologie ent- hält das aktive Verhalten des Menschen zur Natur, den unmittelbaren Produktionsprozeß seines Lebens, damit auch seiner gesellschaftlichen Lebensverhältnisse und der ihnen entquellenden geistigen Vorstellungen. Selbst alle Religions- geschichte, die von dieser materiellen Grundlage absieht, ist— unkritisch Es ist in der Tat viel leichter, durch Analyse den irdischen Kern der religiösen Nebelbildung zu finden, als umgekehrt aus den jedesmaligen wirklichen Lebensoerhält- nisten ihre verhimmelten Formen.zu einwickeln. Die letztere ist die einzige materialistische und daher wissenschaftliche Methode. Die Mängel des abstrakt naturwissenschaftlichen Materialismus, der den geschichtlichen Prozeß ausschließt, ersieht man schon aus den abstrakten und ideologischen Vor- stellungen seiner Wortführer, sobald sie sich über ihre Spezialität hinauswagen." Marx und Engels nannten in den vierziger Jahren des vorigen Jahrhunderts ihre Weliausjassung materialistisch, lebten, und England entdeckte seine nationalen Belange in Vorder- und Südasien. Heute beuten die Oelkonzernc Shell(England) und Standard (Amerika) die Quellen aus. Deierdmg und Rocke- feller beherrschen, abgesehen von Rußland, die Weltproduktion, die nationalen Fragen sind bereinigt. Der gleiche Vorgang vollzieht sich jetzt in der Mandschurei. Die von den Chinesen be- drohten Interessen Japans: das ist die bedrohte Ausbeutung, das angemaßte Nutzungs„recht" japanischer Kapitalisten an chinesischen Berg- werken, Sojaplantagen, Eisenbahnen, Häfen und Industrieanlagen. Weil die Völker noch nicht gelernt haben, die reichen Bodenschätze und Möglichkeiten der Erde gemeinsam und planwirtschaftlich zum Segen der ge- samten Menschheit zu heben und zu nutzen, weil immer noch und immer wieder Privatinteresse gegen Privat- interesse steht, dienen die technischen Errungenschaften in erster Linie der Sicherung des eigenen Privatbesitzes und dem Krieg gegen den anderen Privatbesitz. Denn der Egoismus des kapitalistischen Menschen muß aus der Gesetzmäßigkeit des Profitstrebens heraus die herrlichen Anlagen und Möglichkeiten der anderen Produzenten zerstören, wenn er sie nicht erwerben, erobern kann Um diesen Irrsinn zu ermöglichen, wird ein ungeheurer Mißbrauch getrieben mit der Liebe zur Heimat, mit der engen Verbundenheit des Menschen zur Sprache, zur Kultur, zum Volke. dem er durch Geburt angehört. Wo aber bleibt die Zusammengehörigkeit, wo bleibt die Schicksal«. gemeinschaft, wenn es gilt, innerhalb der Volkswirtschaft die Güter der Nation zu nutzen? Wieder sehen wir, daß die Nutzung der Güter um sich mit aller Schärfe von den oft phantasti- schen idealistischen Konstruktionen ihrer mit- philofophierenden Zeitgenossen abzuheben. Dieser Idealismus hatte vielfach nicht die geringste Grundlage in der geschichtlich-gesellschastlichen Wirklichkeit, ohne deren genaues Studium jede geistige Leistung unbegreiflich bleiben muß. Erst in der Analyse der gleichzeitigen ökonomischen Grundlage kann eine geistige Leistung einer be- stimmten geschichtlichen Epoche letztlich verständlich gemacht werden. Es ist einfach Unkenntnis des Marxismus, wenn man ihn mit dem ökonomischeu Materia- lismus gleichsetzt. Noch in spätem Greisenalter hat Engels dieses grobe Mißverstehen des marxi- stischcn Sozialismus in seinen Briefen an Eon- rad Schmidt, Startenburg und Franz Mehring scharf zurückgewiesen:'..... weil wir Ausbau der SosialiSlifcheu Sludenlen-önlernalionale Der Internationalen Sozialistischen Studenten- Föderation sind zur Zeit 16 Länderverbände an- geschlossen. Eine besonders rührige persönliche und geistige Zusammenarbeit besteht unter den sozial!- stischen Studenten Deutschlands, Frankreichs, Hollands, der Schweiz, Tschechoslowakei, Polens. Schwedens und Belgiens. Der kürzlich in Prag abgehaltene Kongreß der JSSF. beschloß die Einrichtung eines regelmäßigen inter- nationalen Nachrichtendienstes über das Hochschulleben der verschiedenen Länder. In Zusammenarbeit mit dem„Bund für inter- nationale Kleinarbeit"(Fredika) ist die Gründung eines Büros für Studentenaustausch sozialistischer Studenten und Jungakademiker be- schlössen worden. Ferner wird eine enge wissen- schaftliche Zusammenarbeit zur Bearbeitung inter- nationaler Wirtschafts- und Kulturprobleme orga- nisiert. Das Sekretariat der Sozialistischen Studenteninternationale wird zur Zeit von dem Ge- nassen B o h m a n n- Wien geführt. Die Exekutive besteht unter dem Vorsitz des Genossen G l e i tz e- Berlin aus einem französischen, holländischen, bulgarischen, tschechischen und lettischen Genossen Bereits zu Ende des Jahres werden einige Grenz- landtreffen veranstaltet werden, die den Auftakt für Studienreisen zu Ende des Wintersemesters geben sollen. Die JSSF. ist der Sozialistischen Iugend-Internationale angeschlossen. monopolisiert ist! Millionen fronen und darben, damit einige wenige fern aller Not leben können, Millionen sind von jeder noch so bescheidenen Freude an den kulturellen Errungen- schaften ausgeschlossen, damit über einige wenige sich der große und gewaltige Reichtum der Erde, des Lebens er- gieße! Wer aber schafft das Gold zu tage? Wer hämmert Erz und Stein? Wer webet Tuch und Seide? Wer bauet Korn und Wein? Wer gibt den Reichen all ihr Bröl Und lebt dabei in bittrer Not? Das sind die Arbeitsmänner, das Proletariat! Das find die Millionen, die unter ständigem Ein- sag ihrer Arbeitskraft und oft chres Lebens die Schätze der Erde heben und gestalten. Das sind die Millionen, deren Fronen im verborgenen den Glanz und die Kultur unsere Lebens ermöglicht. Das sind aber auch die Millionen, die im Bündnis mit der Erde, in der planwirtschaftlichen, gemein- nützigen Wirtschaftsordnung des Sozialismus die Kultur der Menschen weit über den heutigen Fassadenzustand hinausführen werden! Nie aber werden wir aus dem Kreislauf des 'Aufbaues und der Zerstörung, aus der Bedrohung durch Wettrüsten und Kriege, aus dem Fronen und Hungern im Schatten herauskommen, solange sich der Privatbesitz an den Produk- tionsgütern erhält! Nie wird der technische Fortschritt ein kultureller Fortschritt der Menschen werden, solange die private egoistische Nutzung an den Bodenschätzen, den Rohstoffen, den Fabriken, den Kommandohöhen der Wirtschast das Bündnis -wischen Erde und Mensch oerwehrt. Daher ist dies das zweite große Gesetz: die Verstaatlichung der Schlüsselindu- strien, die Uebersührung der grund- legenden Wirtschaftsstätten in den Besitz, in die Nutzung der Allgemeinheit. ein Vorrecht einzelner darf die Menschen in Klassen spalten, kein Ausstoß der Millionen den kulturellen Fortschritt hemmen. Gemeinsam gehören uns die Reichtümer der Erde, die für uns alle gleichermaßen Wohn- und W i r i f ch a f t s r a u m ist. den verschiedenen ideologischen Sphären, die in der Geschichte eine Rolle spielen, eine selbständige historische Entwicklung absprechen, so sprächen wir ihnen auch jede historische Wirksam- k e i t ab. Es liegt hier ordinäre undialektische Vorstellung von Ursache und Wirkung als starr einander entgegengesetzte Pole zugrunde, das absolute Ueberschen der Wechselwirkung: daß ein historisches Moment, sobald es einmal durch andere, schließlich ökonomische Tatsachen in die Welt gesetzt ist, nun auch reagiert, aus seine Um- gebung und selbst seine eigenen Ursachen zurück- wirken kann, vergessen die Herren oft fast ab- sichtlich." DerMensch ist also nicht nur, was er ißt. Der Materialismus hat eine all- s e i t i g e Vorstellung vom Menschen. Der So- zialismus ist keine Lohn- oder Magensrage. Er wendet sich an den ganzen Menschen, nicht an seine niedersten Instinkte Konnte man eine Well- anschauung, die den Menschen aus der kapital!- stischen Ausbeutung befreien will, so mißver- stehen? Liegt in diesem Mißverstehen nicht vielfach ein Mißverstehen-Wollen? Der Marxismus will dem Menschen seine Freiheit erkämpfen. Diese letzte Zielsetzung des marxistischen Sozialismus kann auch von den Gegnern nicht ökonomisch gedeutet werden. Der Mensch soll befreit werden aus der Unfreiheit, in die ihn die kapitalistische Entwicklung gebracht hat. Nur in einer sozialistischen Gesellschafts- ordnung kann der Mensch seine Fähigkeiten, die heute verkümmert sind, allseitig entwickeln. Nicht das Geld, so drückt Marx dies in seiner gedankenreichsten Frühschrift aus. ist dann das Maß aller-Dinge, die Verbrüderung der Unmög- lichkeiten, sondern das Maß aller Dinge ist der Mensch selbst.„Setze den Mensche n als M e n- schen voraus, so kannst du Liebe nur gegen Liebe austauschen, Vertrauen nur gegen Ver- trauen... Wenn du die Kunst genießen willst, mußt du ein künstlerisch gebildeter Mensch sein; wenn du Einfluß auf andere Menschen ausüben willst, muht du wirklich ein anregend und för- dernd auf andere Menschen wirkender Mensch sein." Das allseitige Wesen des Menschen, wie es der Marxismus erfaßt und erstrebt kann nicht unmißverständlicher ausgedrückt werden. Wann endlich werden wir unsere Gegner zum Schweigen bringen? ö. �.Wlayer: 9ft der Wienfeh, er Letztes Sportgeschehen Ein Abend fest Hallensport in Neukölln Lor einer sehr zahlreichen Zu-schauerzahl führte» die Arbeiterfporwereine Freie Sportvereinigung Fichte und Arbeitersportoerein Neukölln gestern einen interessanten Leichtathletik- kämpf durch. Nach einleitenden Gemeiirschasts- Übungen in Lauf- und Gangübungen, Zweck- gynmastik und Starts gab es abwechslungsreiche Wettkämpfe in Form von Mannschaftswett- bewerben. In den Stafettenläufen waren die Neuköllner Männer und Jugendlichen die besseren, während sich die Sportlerinnen die Punkte teilten. Die Wurfstafetten waren ausgeglichen. Hingegen zeigte Fichte bei den Hindernisläufen bessere turnerische Fertigkeit und gewann aus der ganzen Linie. Im Hochsprung waren hingegen die Neu- köllner wieder etwas besser. Die Neuköllner Männermannschaft erreichte die gute Durchschnitts- höhe von l.öll Meter. Die flotte Durchführung des Kampfes ließ nie Langewelle aufkommen und dürfte sicherlich von Zuschauern sowie Sportlern angenehm empfungen worden sein. Es war ein richtiges kleines Hallensportfest, das seinen Werbe- zweck durchaus erftillt hat. In dieser Weise aus- gezogen— Sportler, Zuschauer, Musik, Tempo und beste Harmonie— kann es den Vereinen nur nutzbringend sein. Ergebnisse der Mann- schastswettbewerbe Arbeitersportoerein Neukölln: Fichte: l. Mannschaften 4:2, 2. Mannschaften 3:1; Sportlerinnen 1:3; Jugend 4:2 Punkte. Gesamtwertung 12: 8 Punkte. Zum 10. Dezember Ausscheidungen für das Städtekunstturnen der Arbeitersportler Einen Vorgeschmack auf den K u n st t u r n- w e t t k a m p s der Arbeitersportler, der am 10. Dezember in den Gesamträumen des Saalbau Friedrichshain zwischen den Bezirks- inannschaften Berlin, Chemnitz und Thüringen stattfindet, bekam man gestern in der Turnhalle in der Prinzenstraße zu spüren. Die besten Turner des 1. Kreises im Arbeiter-Turn- und Sportbund hatten sich zu einem Ausscheidungs- turnen zusammengefunden, um hierbei die sechs Besten zu ermitteln. Aber waren es wirklich die Besten, die gestern die höchsten Punktzahlen er- zielten? Gewiß, die ersten drei, Baron und M i e h l k e vom Bezirk Osten der FTGB. und Lenthal dt vom Sportverein Moabit sind un- zweifelhaft die stärkste Garnitur, über die der l. Kreis zur Zeit verfügt. Trotzdem sie noch nicht ihr ganzes Können hergaben, erzielten sie immer- hin fast lt>0 Punkte; sie sind aber sicher alle drei imstande, ihre Leistungen noch höher zu schrauben. Daß aber Schunack-Moabit und Eising-Lichten- berg so weit nach unten rutschten(erzielte doch Schunack nur mit 118 Punkten den 14. Platz), ist eigentlich kein Zeichen von Beständigkeit, die man von einem erstklassigen Geräteturner verlangen kann. Auch Blümel(FTGB.-Süden) zeigte lange nicht das, was man von ihm zu sehen gewohnt ist; aber trotzdem gelang es ihm wenigstens noch, in die Kreismannschaft«ingereiht zu werden. Fest steht allerdings nach den gestrigen Aus- scheidungen, daß Berlin wirklich nur über drei wirkliche Könner im Geräteturnen verfügt, die immer die gleichen Leistungen vollbringen, sich immer die gleichen Punktzahlen erturnen. Da zu einer Mannschaft zu den Städtekämpsen sechs Turner gehören, haben sich folgende Kämpfer für das Städtekunstlurnen qualifiziert: l. Baron(FTGB.-Oslen) log Punkte; 2. Miehlke (FTGB.-Osten) 157 Punkte; 3. Leuthold(Sportverein Moabit) 156 Punkte; 4. Kähne(Ebers- walde) 141 Punkte; 5. Blümel(FTGB.-Süden) 13g Punkte; 6. Flöter(Eberswolde) 137 Punkte. Es folgen dann: Kublinsti(Osten) 136 Punkte; Ersing(Lichtenberg) 134; Gutschow(Wedding) 128; Heirdrich(Brandenburg) 127; Pause(Moabit) 134; Pochanke(Osten) 126; Zwanziger(FTGB.-Karls- horst) 123 Punkte. Die Ringkämpfe im Zirkus Busch hatten auch gestern wieder für ein fast ausverkouftes Haus gesorgt. Der Spandauer Pohlfuß rang mit Badureki erstmalig unentschieden. Krummin warf Turaff in der dritten Minute und Paßmann siegte über Jwanosf nach ö Minuten Ringzeit. Der Bulgare Ferestanafs konnte den Berliner Luppa erst nach einer Kampfzeit von 29 Mimtten auf die Schüller» zwingen. Girkis war gegen Krause der körperlich Stärkere und siegte nach 12 Minuten durch Eindrücken der Brücke. Im Entscheidungskampf ringen heute Grüneisen gegen Pahmann. Noack schlägt Stein Der Boxring in den Spichernsälen ließ gestern abend den deutschen Federgewichtsmeister Harri) Stein gegen den alten Exmeister Paul Noack antreten. Paulchen hatte angekündigt, daß es sein letzter Kampf sein sollte, bevor er sich ins Privat- leben zurückziehe. Es gab wiederum einen Kampf zu sehen, wie man ihn bei den allen Rivalen ge> wohnt ist; mit sellener Erbitterung ging es über die volle Distanz von acht Runden. Nach zwei ausgeglichenen ersten Runden mußte Stein in der brüten Runde bis„4" zu Boden; Noack nahm die Gelegenheit wahr, seinen Gegner weiter mü Körpertreffern zu zermürben. Obschon Noack in der nächsten Runde selbst bis„3" auf die Bretter mußte, gelang ihm dennoch ein klarer Punktsieg über Stein, doch gaben die Richter den Kampf unter starken Mißfallenskundgebungen des Pu- blikums unentschieden. Paul C z i r s o n siegte über den 13 Jahre jüngeren Ullrich haushoch nach Punkten, B u ch b a u m besiegte B ö l k. Der Breslauer Schwergewichtler Scholz trat als Ersatz für Knöpnagel gegen Ertinghausen an. In der vierten Runde mußte der Ringrichter das Treffen zugunsten von Scholz abbrechen, da Ertinghausen kampfunfähig war. Was zu berichten ist Strausberg sagte ab. Wegen des Nachtfrostes, der auf das Geläuf nicht ohne Einfluß gebliebe» ist, hat der Strausberger Rennverein die für Mittwoch angesetzten Rennen abgesagt. Der Renn- tag wurde auf Sonnabend, 3. Dezember, oerschoben. Die Sonnabendrennen wieder sollen am Mittwoch, 7. Dezember, nachgeholt werden, und der Schluhlag, ursprünglich für den 8. Dezember angesetzt, soll am 10. Dezember durch- geführt werden. Dieser letztgenannte Termin scheint allerdings wenig glücklich gewählt. Am gleichen Tage findet vormittag» die Delegierten- Versammlung der deutschen Rennvereine in Berlin statt, für den Nachiyittag hat der Wirtschaftsbund eine Sitzung einberufen. Und gerade die dem Wirtschaftsbund angeschlossenen Rennstallbesitzer sind es, die in der Mehrzahl in Strausberg laufe» lassen. Ein einträglicher Olympiasieg. Aus Grund seines Doppelerfolgez bei den Olympischen Winterspielen in Lake Pltcid Ist der amerikanische Eisschnell- läufex Irving Iaffee von einer Schlittschuh-Fabrik in Philadelphia gegen ein Jahrezgeholt von 30 000 Dollar verpflichtet worden, die Erzeugnisse dieser Fabrik in Schaulaufen zu benutzen. Eine sehr einträgliche ,.Amateur"olympiade. Der Berliner Schlittschuh-Elub entsendet seine Eishockey-Mannschaft in der nächsten Woche nach Wien. Am 6. und 7. Dezember stehen die Ber- liner der Mannschaft des Wiener Eislauf-Vereins gegenüber. Sport in Ungarn steuerfrei. Einen bemerkens- werten Beschluß haben die Budapester Behörden gefaßt. Es wurde ein Antrag angenommen, nach dem sämlliche sportlichen Veranstaltungen vom 1. Januar 1934 an keiner Lustbarkeüssteuer mehr unterliegen. Im Jahre 1933 wird als Uebergang nur noch die Hälfte der bisherigen Steuersätze erhoben. Wann wird man in Deutschland so weit sein? Schweden wünscht Najuch als Trainer. In seiner letzten Hauptversammlung hat der Schwe- bische Tennis-Berband den Beschluß gefaßt, ab 1. Januar 1933 einen neuen Trainer zu ver- pflichten. Die Wahl ist aus den Deutschen Roman Najuch gefallen, mit dem gelegentlich des Stock- holmer Gastspieles der Tilden-Truppe bereits die Verhandlungen aufgenommen wurden. Der deut- sche Meister zeigte sich auch nicht abgeneigt und wird dem ehrenvollen Rufe, nach den bisherigen Besprechungen zu urteilen, sicher Folge leisten. Mitalieder werben in den Frauen-, Augend- und Männer. abtetlungen aufaenominen.. Freie �urnerschaft Groß-Berl'ui. MusiltorVS. Heute, Don- nerstag, fällt tue Ucbungsstunde auch für das Stretch- orchefter aus. Nächster Uebungsabend 8. � Dezember im Gambrinus, Neukölln, Kaiser-Friedrich-Etraße, Hertz» Volkssport Neukölln Britz, Tportabteiluag._ 2. Dezember, Persammlung bei Krüger, Emser Str. 86. r?- t.. rTN*- �117 1 r* e a*" f r rh f 0 f _. ül'öcrnuti, oci 1 unuuiuuy uci.■wixyti., Tliv Thema: Das Wintertraining des Leichtathleten. Winter- sportinteressenten lEishocken, Eisla?'k"s"' � firf» hei Heinz Iepmeisel, Hermannftr. 186. Win terspo rtliches Etwas für Skifahrer und Rodler Zur Erleichterung des WintersporWerkehrs wird die Deutsche Reichsbahn nach einem Beschluß der Ständigen Tarifkommission die Mitnahm« von Schneeschuhen und Rodelschlitten auch in die Dritteklassewagen der Schnellzüge gestatten, wenn eine Belästigung der Reisenden und Beschmutzung der Wagensitze ausgeschlosien ist. Die Reichsbahn hat sich jedoch vorbehalten, nicht nur bestimmte Züge von der Mitnahme dieser Winterspongeräte auszuschließen, sondern die Wintersportreisenden auch auf besondere Abteil« oder Wagen zu ver- weisen. * Die Bundesschule des Arbeiter-Turn- und Sport- bundes hall einen Lehrgang für Ski- laufen vom 30. Januar bis 11. Februar in Schre'cherhau im Riesengebirge ab. Meldungen bis 5. Dezember an Leipzig S. 3, Fichtestr. 32/34. Ein umfang- und abwechslungsreicher Arbeitsplan erwartet die Lehrgangsteilnehmer auf allen Ge- bieten des Schneeschuhlaufes und Schanzensprin- gens. Theoretischer und praktischer Unterricht sowie Prüfungsarbeiten wechseln miteinander ab. Die sichere Schneelage im Riesengebirge und das ab- wechflungsreiche Wintersportgelände werden die Arbeüssreudigkeft der Teilnehmer gewallig er- höhen. Im Anschluß an den Lehrgang, jedoch völlig unabhängig von ihm, wird der ATSB. in demselben Gebiet seine erste Skilehrerprüfung durchführen. * Das bundesoffene Weihnachtstrefsen der Wintersportler desArbeüer-Turn-und Sportbundes und der Naturfreunde wird zu einer Kraftprobe mit dem Deutschen Skiverband. Die Aschberg-Sprung- schanze wunde trotz rechtzeitigen Gesuchs der Arbeitersportler für den 26. Dezember„entgegen- kommerrderweise" für denselben Tag auch von den Bürgerlichen mit einem schnell eingeschobenen „Pokalspringen" belegt. Es kommt also zu einer Machtprobe, wer an diesem Tag die meisten Springer hat. Beide Bsranstaltungen werden getrennt durchgeführt. Wettkampfmeldungen der Arbeitersportler und Naturfreunde an Kurt Wein- brecht, Chemnitz, Seumestr. 9 IV. Quartiermeldungen an Fritz Rammler, Georgemhal i. Bogt!., Nr. 6g; Meldeschluß 10. Dezember. Die Winter- sportintersssengemeinschaft der Mitglieder des Ar- beüer-Turn- und Sportbundes E. B. in I o h a n n- georgenstadt im Erzgebirge hat auch für diese Saison wieder ein erstklassiges Pro- grannn aufgestellt. Am 25. Dezember ist großes Erösinimgssprmgen von der Lehtnergrundschonze, am 12. Februar Hindernis- und Abfahrtsläuse, am 19. Februar Dreiländerspringen, am 12.'März Mannschafts-Lang- und Sprungläufe. Das vom Hochwasser zerstört gewesene Auslaufsgelände der Lehmergrundschanze ist wieder ausgebaut worden und befindet sich in idealem Zustande. SUrtcUbczirl Treptow. Montag, 5. Dezember, 20 Uhr, it Pamp, Niederschöneweide, Hasselwerderstraße, Kartell- nersammlung. bei Freie Rudererpereinignag 19lZ. Sitzung Freitag, 2. Dezember, 20 Uhr, im Torkrua lSchlesssches Tor). Sonntag, 4. Dezember, Handballspiel Näheres in der Sitzung. Basssnrudern Montag, 20 Uhr, Nealgnmnassum Treptow, lvNllrsttstilltx. ÄS«ö.«ritz. Heute, Donnerstag, mi Uhr. zuiammen [unji der geschäftlichen und technischen Funktionäre aller Abteilungen in der Huseisenhalle. Verantwortlich für Politik: Rudolf Brendemühl; Wirtschaft: G. Klingelhöser: Gewerkschaftsbewegung: I. Steinet; Feuilleton: Herbert Severe; Lokales und Sonstiges: Fritz Karstadt: Zlnzeigen: Otto Hengst: sämtlich in Perlin' Verlag: Borwärts-Berlag G. m. b H., Berlin. Druck: Borwärts-Buchdruckerei u. Betlagsanstalt Paul Singer u. Co.. Berlin SW. k>8, Lindenstr 3' Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise werden in jeder Morgen-Ausgabe des„Vorwärts" veröffentlicht. Hierzu 1 Beilage. «Malz Theater Donnerstag, den I. Dezember staatsoper Unter den Linden 20 Uhr Salome staatliches Schauspielhaus • 20 Uhr minnauon Barnheim VOLKSBUHNE Theater am BQIewpiats Norden 64 J6. Letzte 2 Vorst., 8Z4 Uhr V* H|k| BlI von Marcel Pagrol ■ M UM UM I Deutsch von llruno krank— Regie: Heinz Hilpert Dorsch, Tiedtke, Valeui. Siedel, Ver- hoeven, Stein. Almas Slädi-Oper Charlotrenbure Fraunhofer 0231 Donnerstag, I Dez. 19,30 Uhr Turnus III Die Banditen Pfihl. Eisinger. Höpfner. Lingen j.O.. Burgwinkel, Kandl, Gonszar, Gombert, Pechner, Egenlaut, Heyer Dirigent. Breisach Kose- ineater Orale FnUtemi Stritt 131 Iii. Wiidoi1 t 7 3422 8.15 Uhr Der Zigeunerbaron Ba Ba Ba Bendows Bunte Böhne Kottbusser Straüe G Oberbaum 3500 ..von fi-Z" Täglich S' s Uhr Sonnt, nachm. SVi KuriUrstend.TP Korfürsienilanin 209 Tel Bism. H0u Tägl.!»>,. Uhr mfiddidie Reise von Btrtadi iH Sdiwabatr Musik: Küaneke Rtgle Peuktrt Hans Schindler mit seinen Jazz-Symphonikern VomHiiiif nnniirMtn Deutsches Theater Weidend. 6201 8 Uhr Premiere Harmonie von Franz Molnar Inszen. Max Reinhardt Max Pallenberg, Karlweis.E linger, Viillemin, Hertha Thiele, lerwin Lore Mosheim Kammerspieie 8 Uhr letzte Vorstellung nidiaei Kramer Ab morgen Rose Bernd mltPauiaWessely sv, uhr CflSlllO- THEATER--'.Uh. Lothringer Stratze 57. iiiiiiiiMHiiiiiiiHHtiiiiiiiiiMiiMiiiiMiniiiiiiiimiiiiiiiiiiniMnifiiii Nur noch bis Freitag: Die Liebe blübt in Werder Sonnabend zum 1. Male auch Sonntags 4 Uhr Alles um Lotti Schlager-Posse m. Gesang u.Tanz Für die Leser Gutschein i—( Perjonen, Parkett 0.J0, Fauteuil 0.73, Sessel 1.25 M. Willi Scluef fers Huintriij«-! Sir 50 Kabarett für Alle 4 Uhr THf lieh 2 x 9 Uhr 1 Du itsitlloBtzlU KabaraitProgruam I Abendpreise 1—3 Ms. I Nachm. 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