Morgen- Ausgabe Nr. 569 A279 49. Jahrg. Redatkton und Verlag: Berlin SW 68. Cinbenftt. 3 Zcrnspr-ch«ri 37 3mt Dönhoff 292 bii 297 Dclegtamrnabtef fe: Sojialiemotrot Btrlm BERLINER VOLKSBLATT SONNABEND 3. Dezember 1932 In Groß- Berlin 10 Pf. Auswärts....... 15 Pf. Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise siehe am Echlutz deb redaktionellen Teile Aentvalovgan de« Sozialdemokratischen Oaetei Deutschtands Schleichers neues Kabinett Die Bapen-Mimsier bleiben— Moellendorff Arbeitsminister? Die endgültige Ernennung des Kabinetts Schleicher wird für Sonnabend, spätestens Montag erwartet. Die Aenderungen gegenüber dem Kabinett Popen sollen noch geringfügiger sein, als zunächst angenommen wurde. Es sollen lediglich der Reichsinnenminister und der Reichsarbeitsminister ausgetauscht werden, selbst der Ernäh- rungswinister Freiherr von I r a u n soll aus seinem Posten bleiben. Als Reichsinnenminister wird nach wie vor Herr Pracht genannt. Das wurde die Uebertragung der reaktionären Politik prachts in preuhen aus dos ganze Reich bedeuten, eine Fortsetzung des Popen-Kurses im Znuenministerium. Herr Bracht, der Mann vom 20. Zuli Reichs- innenminster— dos ist eine eindeutige Festlegung des Kurses. Für das Reichsarbeitsministerium sind mehrere Kandidaten genannt worden. Am Freitagnochmittag hat Schleicher die Führer der christlichen und freien Gewerkschaften um ihre Aussassung über mehrere Persönlichkeiten befragt, die für das Reichsorbeitsministerium kandidieren. Richt in Frage kommen für dieses Amt die in der Oeffenttichkeit genannten christlichen Gewerk- schastler Stegerwald und O 1 1 e, der neue Schlichter von Berlin Professor Drahn und der Schlichter für Mestsateo Zocken. Einer der aussichtsreichen Kandidaten für das Arbeitsministerium ist der bekonnte planwirtschastter und frühere Mitarbeiter Missell», Prof. v. Mo eilen- dorfs. Irtäustriesorgen umPapen-Programm Eigener Bericht des„Vorroärts" Köln, 2. Dezember. Die.Kölnische Z t g." begrüßt den Reichs- kanzlerkandidaten von Schleicher mit dem Ruf:„Der richtige Mann", für dessen Beaustragung sie sich schon vor einigen logen trotz mancher Bedenken eingesetzt habe. Diese Bedenken liegen, so führt das Blatt aus. auf wirtschastlichem Gebiet, wie der Brief L e i p a r t s an v. Schleicher zeige: „Schleicher hat den Gewerkschaften, soviel bekannt ist. eine Erfüllung ihrer Forderungen zwar nicht versprochen und, wir glauben auch, daß er die Forderungen gar nicht erfüllen kann, wenn er nicht das eingeiettete Wirtschaftsprogromm in Gefahr bringen will. Immerhin hat er aber die Gewerkschaften durch den Empfang ihrer Führer zu einem solchen Vorstoß ermutigt und der Briei zeigt, was es nach sich zieht, wenn man in dem Ruf eines„S t a a t s s o z i o l i st e n" steht. Es ist durchaus nicht unwahrscheinlich, daß General v. Schleicher jetzt das Ziel der verschiedensten Staatssozialisten benutzt und Planwirtschaft- liche Vorschläge machen wird. Es kommt deshalb daraus an, daß das von Schleiäier zu bildende Kabinett eine Zusammensetzung erhält, die Gewähr dafür bietet, daß der von Papen eingeleitete Wirtschastskurs nicht wieder unterbrochen wird, denn eine Unterbrechung des begonnenen Wirtschasts- progromms wurde die schwerwiegendsten Folgen haben. An den Grundlinien des Wirtschafts- Programms darf nichts geändert werden." Nazia schwören eine Tolerierung ab Die Pressestelle der NSDAP, teilt mit, daß die NSDAP. jegliche Tolerier ung des Kabinetts von Schleichers klar und unzwei- deutig in Uebereinstimmung mit ihrer bis- herigen Haltung ablehne. Schleicher, ein Gharakterbilb Von Nicolo M.......... Als am 1. Juni die Nachricht kam, ein gewisser Franz von Papen sei Reichskanzler geworden. sahen sich die ältesten Kunden erstaunt an und fragten:„Ja. wer ist denn das eigentlich?" Bei Kurt von Schleicher wird niemand. diese Frage stellen, der auch nur von ferne her in die deutsche Polttik hineingerochen hat. Er kennt alle, und alle kennen ihn. Seit dem Herbst 1918 hat es kaum ein politisches Ereignis gegeben, bei dem sich nicht dieser Kopf irgendwo vom Hintergrunde abgehoben hätte. Erst ganz unten im Geiolge der großen Herren. dann immer weiter in den Vordergrund tretend, jetzt ganz vorne an der Spitze. Der kleine Major aus der königlichen Armee hat in der Republik eine fabelhafte Karriere gemacht Er verdankt sie zum großen Teil dem General Groener, der bis vor wenigen Monaten nicht nur sein Vorgesetzter, sondern auch sein väter- licher Freund war. Groener schätzte an ihm die große Intelligenz und die Geschmeidigkeit, die sich in fremden Gedankengängen verblüffend rasch zurechtfindet. Darüber hinaus verfüg: Sckzleicher auch über die Kunst, den Menschen das zu sagen, was sie gerne hören, und so war Groener dessen gewiß, eine zuverlässigere Stütze gar nicht finden zu können als eben Schleicher. Die Freundschaft hielt solange, bis Schleicher plätzlich bemerkte, daß das mit seiner lebhaften Z u st i m> m u n g erlassene S A.- B e r b o t ein kata- strophaler Fehler gewesen sei. Dieser plötzlichen Erkenntnis, über deren Richtigkeit hier nicht weiter gestritten werden soll, verdankte dann Schleicher seinen schnellen Aufstieg vom Staatssekretär über den Reichswehrminister jetzt zum Reichskanzler. Schleicher stammt aus einer alten Ofii- ziersfanrilie, aber er ist kein Eisenfresser und kein Konnnißknopj. Reste von Standes- dünkel, die irgendwo schlummern mögen, weiß er geschickt zu verbergen. Es fehlt ihm nicht an poli- tischer Erfahrung, die er durch geschichtliche Studien vertieil hat. Seine Kenntnisse aus den Gebiet der Wirlichaits- und Sozialpolink hat er dagegen wohl mehr vom Hörensagen. Das Gespräch ist überlzaupt sein Element. Er pflegt es mit Leidenschast. Beziehungen haben, Fäden anknüpfen, iowcit die deutsche Zunge klingt, das liegt ihm! Morgens ein Spazierritt mit dem Staatssekretär beim Reichspräsidenten, dann Frühstück mit dem Exkronpr-nzen. nach- mittags in Gesellschaft von Nazis den Tee einnehmen und schließlich in einer stillen Solonecke mit kommunistischen Führern eine Abendstunde verplaudern— das ist für Schleicher ein gelungener Tag. Adolf Hitler schwärmte eine Zeitlang für ihn wie ein Backfisch. Zur gleichen Zeit renommierte der Cxkronprinz mit seinem Freund Schleicher, der ihn bestimmt zum Reichsverweser machen werde, und hörte mit diesem Geschwätz nicht eher auf, als bis seine Frau Nerven bekam, weil sich der Oberreichsanwalt leise für diese Ge- schichte zu interessieren begann. Nicht gerade wählerisch in seinen Freundschaslen, war Schleicher natürlich auch ein Freund des Herrn von Pape». Er soll es sogar gewesen sein, der diesen Reiehskanzler erfunden hatte— aber da? behaupten nur seine schlimmsten Feinde, und er selber wird es sicherlich aufs entschiedenste bestreiten. Nicht bestreiten wird er— denn welcher Kluge würde bestreiten, was ledermann weih?—> daß er eine der tragenden Kräfte des Papen-Kabinetrs war und daß er es war, der zum Streich des 29. Juli den bewaffneten Arm lieh.(Dies geschah nicht lange, nachdem er den„Vorwärts" durch einen sehr inter- essanten und gut geschriebenen Beitrag bereichert halte, für den ihm die Redaktion noch heute dank- bar ist.) Schleichers Verhältnis zur Republik und zur Linken unterlag mancherlei Wechfelsällen. Viel- leicht werden ihn die Sozialdemokraten trog ihrer bekanmen übertriebenen Gutmütigkeit eines Tages doch köpfen lassen müssen— vielleicht wird e r einmal s i e köpfen lassen, doch wird er das bestimmt nicht tun, ohne ihnen zuvor be- wiesen zu haben, daß dies einzig und allein i» ihrem eigenen wohlverstandenen Interesse geschehe. Als Fünfzigjähriger steht er jetzt an der Spitze des Reichs, und es ist bestimmt nicht feine Absicht. nach kurzer Zeit als nörgelnder Pensionist bis zu seinem Lebenseiche spazieren zu gehen. Vom Kapital bis zum Tarpejischen Fels ist aber nur ein kurzer Weg. Schwierigkeiten gibt es unge- zählte: doch von den sachlichen soll hier ja nicht die Rede sein, nur von den persönlichen. Und da wäre zum Schluß noch das eine zu bemerken: Schleicher hält sich für noch klüger als er:st, und er hält manchmal andere für noch dümmer als sie sind. Auch das könnte ihm eines Tages zum Ver- hängnio werden... Der Reichstag nistet Prahtionssitzungen— Präsidentenwahl In drei Tagen soll der Reichstag zusammen- treten: nachdem wir wieder einen Kanzler haben, wendet sich das Interesse der bevorstehenden Tagung der Volksvertretung zu. Am Montagvormittag tritt der s o z i a l d e m o- kratische Fraktionsvorstand. nach- mittag die Fraktion zusammen. Am selben Tage folgen da- Zentrum, die Deutschnationalen und die elf Mann der Deutschen Volkspartei: am Dienstagvarmiltag die anderen Parteien. Wie schon mitgeteilt, wird die erste Sitzung vom nationalsozialistischen General L i tz m a n n als Alterspräsident eröffnet, man hat sich Mühe ge- geben, eine neue Rede von Klara Zetkin zu ver- hindern. Im übrigen sind wir mit Generalen wieder hinreichend versorgt: der Reichspräsident ist Generalfeldmarschall, der Reichskanzler ist General, der Alterspräsident ist auch General— was kann uns noch sehlen? Die eigentliche Präsidentenwahl soll anscheinend erst rn einer zweiten Sitzung vorgenommen werden. Sicher ist nur die Kandidatur G ö r i n g?. Der nationalsozialistische Hauptmann wird mit den Stimmen des Zentrums und der Splitter- Parteien im ersten Wahlgang gewählt werden. Alle anderen Namen, die in der Presse genannt werden, sind Kombinationen, da die Fraktionen zur Wahl noch nicht Stellung genommen haben und noch erhebliche Differenzen bei den Parteien der Rechten selbst bestehen. Eine Anzahl Ausschüsse sollen sofort eingesetzt werden. Die Bemühungen nehmen ihren Fort- gang, die darauf abzielen, das Plenum zu einer Tagungspause bis nach Weihnachten zu bewege» und dann erst zu den Erklärungen des neuen Kanzlers zum Mißtrauensvotum und zu den Notverordnungen Stellung zu nehmen. Die sozialdemokratische Fraktton wird sich an diesem Spiel jedoch nicht beteiligen, da sie eine politische Aus- spräche und die Erledigung ihrer Anträge zur Verminderung der Arbeitslosigkeit und der Ar- beitslosennot sur äußerst dringlich hält. Die end- gültigen Dispositionen sollen in der Aeltestenrots- sitzirng festgelegt werden. papen erledigt Schleicher hommt— Der Kurs bleibt In den letzten Tagen— es konnte sich kaum gunstiger treffen— ist ein Buch zur Verherrlichung Popens und des Papen-Kurses erschienen. Sein Verfasser Walter Schotte schmückt seine eigene Dar- jtellung mit goldenen Worten ans dem Mund des bisherigen Reichskanzlers und eines davon lantet:„Nur derohneZeit- begrenzung Berufene kann— schwach wie der Mensch ist— wahrhaftig unabhängig sein und handeln." Es darf dahingestellt bleiben, ob Herr von Pape» unter den Berufenen den vom Reichspräsidenten Ernannten verstand, oder ob er, der ja überhaupt gern von seiner Verantwortung vor Gott redete, an eine Art von himmlischer Berufung dachte, jedenfalls hat er erkennen müssen, daß auch die Berufung„ohne Aeitbegren- zung" ein verhältnismäßig schnelles Ende finden kann. Und wenn sein literarischer Propagandachef es an anderer Stelle be- grüßt, daß de? Reichskanzler K a v a l l e r i st sei, das heißt, einen Typ darstelle, den wir brauchten, so sind sich wohl beide, der Sänger wie der Besungene, nicht vollständig im klaren über die Gefahren der Herrenreiterei gewesen. Das Roß kann bocken und an Hürden kann man stürzen. Bei Herrn von Papen ist es so weit. Eine Krise, die an Wirrwarr, an Kulissenintrigen, an bewußten Irreführungen der Oeffentlich- k e i t nicht zu überbieten war, hat mit der Verabschiedung des„Berufenen" geendet. Die„neue Staatsführung", als deren Propheten und Helden er sich ausgab, hat einen schweren moralischen Stoß erlitten. Die Unabhängigkeit, deren sich der Kanzler rühmte, war eine holde Selb st- t ä u s ch u n g. Schon vom ersten Anfang an begab er sich selber freiwillig in den Dienst bestimmter Jnteressentengruppen, uitd als er dann, um von den Fesseln der Parteien frei zu werden, an das Volk appellierte, lehnte ihn dieses Volk einschließlich jener Jnteressentengruppen ab. Daß ein paar seiner bisherigen Minister sich ihm versagten, war nicht das Entscheidende. Die öffentliche Mei- nung und nicht zuletzt der Widerspruch, den dieArbeiterklassegegenihn erhob, haben dem Kavalleristen d en H a l s gebrochen, und es half ihm auch nichts, daß sich noch im letzten Moment der Berliner Polizeipräsident schützend vor ihn stellte und die sozialdemokratische Kritik ins Eisen zu legen drohte. Das eben ist das Erfreuliche an dem Ausgang der Krise: es hat sich herausgestellt, daß man sich, selbst wenn der Reichstag lahm- gelegt ist, doch nicht einfach über die Stim- mungen und den Willen der Wähler hinwegzusetzen vermag. Ein Staat wie Deutsch- land kann nicht nach italienischen und russischen Ak e t h o d e n verwaltet werden Die S l a a t s f o r m der parlamentarischen Demokratie mag durch die Schuld von Parteien, die sich die Diktatur zum Ziel gesetzt haben, schwer erschüttert sein, aber daß das Vertrauen des Reichs- Präsidenten nicht genügt, um einen Kanzler am Ruder zu halten, Hut sich deutlich erwiesen. Nur freilich bedeutet die Beseitigung Popens nicht die Rückkehr zu den Zuständen, die dem Sinn und Geist der Weimarer Ver- fassung entsprächen. Ein„Präsidialkabinett" wird durch ein anderes abgelöst. An die Spitze des neuen soll Herr von Schleicher treten und wenn wir den einen Mann mit großer Genutuung scheiden sehen, so heißt das»licht, daß wir den anderen mit Be- friedigung begrüßen. Möglicherweise ist Herr von Schleicher g e- schickter und weniger unbeküm- wert als sein Vorgänger. Möglicherweise stützt er sich weniger auf den Glauben an seine göttliche Mission und rechnet mehr mit den Realitäten des Diesseits. Das kann ihn sogar veranlassen, gewissen Forderungen der Arbeiterschaft ein geneigteres Ohr zu lechen und es wird ihn wahrscheinlich zu einem Verzicht auf die wilden Verfassungs- Pläne bestimmen, zu deren Befürwortern sich im alten Kabinett namentlich der Frei- Herr von Gayl gemacht hat. Aber der größere Tatsachensinn und die bessere Anpassungs- fähigkeit des Generals sind für uns kein Grund, zu ihm und seiner Regierung prinzipiell eine andere Stellung einzunehmen als zu der des verflossenen Kavalleriemajors. Seine Politik wird von der unsrigen durch eine gewaltige Kluft geschieden sein. Die Wege, auf denen er, wie man vernimmt, zu einer Gesundung der Wirtschaft und zu einer Einschränkung der Arbeitslosigkeit gelangen will, sind nicht unsere Wege. Seine gelegentlichen Verbeugungen vor dem Ge- danken der Verstaatlichung ge- wisser Industrien haben mit unserem demokratischen Sozialismus nichts zu tun. Seine Absicht, Herrn Bracht zum Innenminister zu machen, kann weder für die Gestaltung der Dinge im Reich, noch für die des Verhältnisses zwischen dem Reich und Preußen irgendwelche Hoffnungen er- wecken. Seine bekannten R ü st u n g s- pläne vertragen sich nicht mit unseren Auf- fassungen von Wehr- und auswärtiger Politik und schließlich— auch er bezieht seine Machtvollkommenheiten nicht von der Volks- Vertretung, sondern vom Reichspräsidenten. Für uns gibt es also nichts anderes als das Verharren in der Opposition. Rur von dieser Linie aus sind wir in der Lage, unsere politischen Ansichten und Ab- sichten klar herauszuarbeiten und dem Volke verständlich zu machen. Rur mit der F r o n t gegen die P r ä s i d i a l re g i e r u n g können wir mit Aussicht auf Erfolg die Wiederbelebung des demokratischen Willens in den heute dem Diktaturgerede zum Opfer gefallenen Arbeitermassen in Angriff nehmen. Die autorstäre Staatsführung hat einen schweren Stoß erlitten. Aufgabe der sozialdemokratischen Politik ist es, die Voraussetzungen für die völlige Ver- treibung dieses Spuks zu schaffen und damit hie Bahn für den Staat des arbeitenden Volkes zu bereiten. kaäolk BreitsAeid. Zur Begrüßung Wir sind um einen Aührer reicher. Der alte hat sich ausgepapt. Man lieferte in Kurt von Schleicher Uns einen Kanzler„wie gehabt". Um ihn sieht rauchend man die Rester Autoritärer Führung stehn. Die Börse ist erheblich fester. Denn irgendwie wird's weitergeh'n. Wie?— Freund, das wird uns nicht verraten. Ob Herr von Schleicher selbst es weih? Es dampft— doch riecht man nicht den Braten. Nun eines: Bor— ficht, er ist heih! fouatbsu. Abgeordneter verurteilt �Vexen Vorbereituntz 211m Hochverrat Leipzig, 2. Dezember. ■ Wegen Vorbereitung zum Hochverrat und Unterstützung einer staatsfeindlichen Verbindung wurde der kommunistische Reichstags- abgeordnete Albert Buchmann aus München vom Reichsgericht zu 1)4 Jahren Festung verurteilt. Dem Angeklagten wurde llcberzeugungstäterschaft zugebilligt. Buchmann gehört der kommunistischen Reichs- tagsfraktion seit 1924 an. Er hat zahlreiche Zeitungsartikel und Flugblätter versaßt oder ver- antworllich gezeichnet, die wegen hochverräterischen Inhalts der Beschlagnahme verfielen. Sonnabend, 10. Dezember, 7 Vi Uhr, Konferenz der Obleute, aller Mitglieder und Helfer der Zeitungskommission Groß-Berlin im Gewerkschaftshaus,— Redner Franz Künstler, Paul Löbe, Friedrich Stampfer. Der Nazi Skandal von Ostpreußen Das Orgran der Landwirtschaitskammer als Geldquelle des Nazigauleiters Die nationalsozialistische Mehrheit des Vorstands der ostpreußischen Landwirtschaftskammer hat be- schlössen, ihren Präsidenten zu ermächtigen, mit der Ostdeutschen Derlagsanstalt und Druckerei Gebr. Kaspereit G. m. b. H. auf zwei Jahre einen Druckvertrag für das L a n d w i r t s ch a f t s k a m m e r 0 r g a n „Georgine" abzuschließen. Jahrelang warb die NSDAP, um die Bauern mit dem Versprechen, ihnen in ihrer Not zu helfen. Sie erzielte und erreichte die Mehrheit in der Landwirts chaftskammer, wählte den in Landwirtskreisen bekannten Dr. B r ä n- des aus dem Präsidium heraus und setzte an besten Stelle den nationalsozialistischen Führer im Kampf um die Stimmen der Bauern, Frei- Herrn von Buttlar-Venedien, als Präsident in die Kammer Zum Vizepräsidenten wählte die nationalsozialistische Mehrheit den mit keinen landwirtschaftlichen Kenntnissen belasteten Juristen Dr. B e t h k e, für den nur das ein« sprach, daß er Nationalsozialist ist. Nachdem die NSDAP, so die Vollzugsorgane der Landwirlschaflskammer in ihre Hand bekommen Halle, ging sie daran, die Landwirt- schaslskammer„wirfschafllich zu nutzen". Das tat Herr Koch, der kleine Hitler Ost- preußens, so: Er forderte von„seinem" Präsidenten Buttlar den Abschluß eines Vertrags mit der Druckerei der„Preußischen Zeitung", Ge- brllder Kaspereit, nach dem die„Georgine" dort gedruckt werden sollte. Herr von Buttlar hielt das„Geschäft" nicht für ehrenhast, trat trotzdem in eine Prüfung des Angebots der Firma Gebrüder Kaspereit ein, ließ von Sach- verständigen den Betrieb besichtigen und kam nach deren Urteil zu dem Resultat, daß die Druckerei der Gebrüder Kaspereit technisch nicht so auf der Höhe sei, den großen Druckaustrag zu bewältigen, und ihn in der Art auszuführen, wie es bisher von der„Ostpreutzischen Zeitung" geschah. Zu- dem war das Angebot um 13000 Mark teurer als das der„Ost preußischen". Er lehnte also den Abschluß eines Vertrags ab. weil er sich davon keine Förderung der Interessen der Landwirtschaft oersprechen konnte, vielmehr eine Mehrbelastung der Landwirtschastskammer eintreten sah. Herr Koch erreicht« daraufhin die „Abberufung" des vor einem halben Jahr von den Nationalsozialisten selb st gewähl- ten Präsidenten von Buttlar durch Hitler. Bevor nun der neue Präsidenl gewählt wurde, ermächtigte der oben erwähnke Beschluß des Vorstands der Landwirtschastskammer den stell- verlrelenden Präsidenten, den willigeren Dr. B e l h k e. zum Abschluß des Vertrags mit einer neugebildeten Gesellschaft, deren Teil- Haber Herr koch selbst ist. Herr Koch kam arm nach Ostpreußen. Seine Tätigkeit als Gauleiter der NSDAP, brachte ihm in der kurzen Zeit seiner Tätigkeit ein Vermögen von 20 000 M. ein. Diesem persönlichen Ver- mögen des Herrn Koch stehen erhebliche Schulden der„Preußischen Zeitung" gegenüber. Noch aus der Zeit des„Ostdeutschen Beobachter" besteht eine Schuld von etwa 9000 M. Weitere Schulden für den laufenden Druck der „Preußischen Zeitung" kamen hinzu, so daß das Schuldenkonto Kochs bei der Firma Gebrüder Kaspereit für die„Preußische Zeitung" etwa 2S000 bis 30 000 M. beträgt. Aus diesem Grund versuchte Kaspereit im Juli 1931 mit Koch eine gemeinsame Firma zu gründen, was Koch damals ablehnte. Der Geldmangel der„Preußischen Zeitung" wurde so stark, daß man während des Verbots die Gehälter nur im Stottern zahlte. Augenblicklich ist die finanzielle Situation des Verlags der„Preußischen Zeitung" so, daß allen Angestellten zwecks Abbau und Lohndruck ge- kündigt ist. Das Bestreben ging nun dahin, durch den Druck der„Georgine" feste Einnahmen zu erzielen und Herrn Koch zum Milbesiher der Druckerei der„Preußischen Zeitung" zu machen. Glelchzeilig sollte dieser Druckaustrag einen Teil der Einlage des Herrn Koch in die neu zu gründende Firma sein. Anfang November d. Z. wurde dann ins Handelsregister die„Ostdeutsche Druckerei und Verlagsanstalt Gebrüder Kaspereit G. m. b. h." mit einem Stammkapital von 20 000 AI. eingetragen. Diese G. m. b. h. hat nun den Druckaustrag erhallen. Die technische Einrichtung der Druckerei reicht dazu nicht aus. War sie doch kaum in der Lag«, den bisherigen Druckaustrag der„Preußischen Zeitung" und ihrer Kopfblätter, so gering an sich deren Auflage ist. einwandfrei auszuführen. Durch die, wie Nazi-Buttlar sagt,„nicht honorige"� Zu- schanzung des Druckauftrags der„Georgine" an die Druckerei seiner eigenen Zeitung will Herr Koch fiir sein Blatt das wirtschaftliche Rückgrat schaffen. Dazu ist ihm gerade das Geld der Bauern gut genug, die er erst einstng mit der Parole, daß er die Vetternwirtschaft beseitigen wolle. Niemals ist schlimmere Vetternwirtschaft getrieben wie bei diesem Schacher um den Druck der„Georgine"! Sin Klagges-Irmnd Ihm muLte ein IRepiihlihaner weichen Eigener Bericht des„Vorwärts" Braunschwelg. 2. Dezember. Der nationalsozialistische Rektor der Schule in Thiege hat sich an zahlreichen Schülerinnen vergongen. Mehrere Eltern haben deshalb Strasantrag gegen ihn gestellt. Die Untersuchung ist eingeleitet. Trotz- dem läßt Naziminister S l a g g e s den Be- schuldigten seinen Dienst weiter versehen. Sein vor kurzer Zeit als Rektor seines Amtes ent- hobener Vorgänger war der republikanische Lehrer Frelenberg. Er muhte dem seht unter Anklage stehenden Nazimann weichen, weil Frelenberg seindielige öemerkungen gegen die Hitler-Bewegung getan haben soll. Volksbegehren zugelassen Die?rukimtz endlich abgeschlossen Das Reichsinnenministsrium hat die Prüfung des sozialdemokratischen Volksbe- gehrens zur Aufhebung der sozialpolitischen Bestimmungen der Papen-Notverordnungen vom September abgeschlossen. Ausgerechnet in dem Augenblick, wo Papen und sein Innenminister von der Bildsläche ver- schwinden, ist die Prüfung des sozialdemokratischen Volksbegehrens abgeschlossen worden. Diese Prüfung bestand nur in einer Suche nach formalen Verstößen. Man hat also ziemlich lange gesucht, um nichts festzustellen. Aber man hat sich wohl euch deswegen etwas Aeft gelassen, weil man von vornherein davon überzeugt war, daß die Durch- führung dieses Volksbegehrens bestimmt mit einem Erfolg der Sozialdemokratie enden werde. Die Regierung Schleicher will selbstverständ- lich um das Volksbegehren herumkommen. Das ist aber für sie nur dann möglich, wenn sie ehrlich den Forderungen der Sozialdemokratie und der Gewertschasten gerecht wird. Die Besprechung des Reichskanzlers mit dem Bundesvorsitzenden des ADGB. hat bereits ergeben, daß nach dem völligen sozialpolitischen Fiasko Popens gewisse Zu- geständnisie an die Gewerkschaften zu erwarten sind. Immerhin sst sich die Regierung Schleicher wohl darüber im klaren, daß der sozialpolitische Teil der September-Notverordnungen nicht nur eine Ermächtigung der Regierung zur Durch- löcherung des Tarifrechts und zur Lohnsenkung enthält, sondern auch ein« Ermächtigung zu einer grundlegenden Aenderung aller sozialpolitischen Einrichtun- gen. Die gesamte Sozialversicherung: Invaliden-, Angestellten-, Kranken- und Unfallversicherung, die Arbeitslosenversicherung, die Fürsorge für die Kriegsbeschädigten und ebenso Arbeitsversassung und Arbeiterschutz— kurzum die gesamte Sozial- Politik, die sozialen Grundrecht« der Verfassung werden von dieser Ermächtigung bedroht. Diese Bedrohung muß verschwinden. Der Arbeiterschaft nützt es nichts, wenn jetzt vielleicht diese Be- drohung nicht akut wird, unter Umständen aber schon einige Monate später. Es muß nicht nur das Tarifrecht wiederhergestellt werden, es muß nicht nur mit dem Lohnabbau Schluß gemacht werden, es müssen nicht nur die unerträglichen Kürzungen der Sozialleistungen verschwinden, sondern klar und deutsich muß mit den arbeiter- feindlichen Nokerordnungen, die ja nicht erst im September, sondern schon im Juni kamen, aus- geräumt werden. Notwendig ist eine sichtbare Hebung der Lebens- Haltung der werktätigen Bevölkerung, eine ent« schlossene Abkehr von der Politik der Schrumpfung. Nizr ein wirklicher sozialpolitischer Kurswechsel kann der Regierung oielleichl die Möglichkeit schaffen, um das sozialdemokratisch« Volksbegehren herumzukommen. Zentrum und Schleicher Das Berliner Zontrumsorgan, die„Ger- m a n i a", schreibt zu der bevorstehenden B i l- dung der Regierung Schleicher: „Die Lösung, die der Krise gegeben wurde, ist nicht die, die wir erhosst und erstrebt hatten. Wir verkennen nicht, daß mit ihr iür den Staat und für seine Verbindung mit dem Volke manches ge- mannen werden kann, doch stehen wir ihr in sehr nüchterner Beurteilung gegenüber. Die Tendenzen der neuen Regierung bewegen sich vielleicht in der Richtung, die wir für ihre Arbeit als not- wendig und einzig möglich bezeichnet haben. Wir verzeichnen diese Eindrücke und warten ab. ob sie in der personellen Zusammensetzung des Kabinetts und vor allem in seinen Taten be- stätigt werden. Bis dahin wird eine ruhige Wach- samkeit am Platze sein, die später, wenn Ziel und Wille der neuen Reichsregierung deutlich erkenn- bar geworden sind, einer anderen'Betrachtung weichen mag. Die deutsche Politik macht noch monatelangem Irrweg einen neuen Anfang. Wir haben wenigstens die Hossnung, daß er zum Guten führen wird." Geständnis der Nieberlage Die.Autoritären haben Furcht Die Presse der Rechten ist sich vollständig darüber im klaren, daß die sogenannte „autoritäre Staatsführung" eine vernichtende Niederlage er- litten hat. Die Angriffsfansaren gegen den Marxismus sind verstummt, statt dessen werden Stimmen laut, die Kleinmut, Be- klommenheit und Furcht vor dem Volke erkennen lassen. Am stärksten kommt diese defensive Note in der„Berliner Börsen- zeitung" zum Ausdruck. Sie beschwört Nationalsozialisten und Deutschnationale, sich zu einigen: „Die Vordringlichkeit der Erreichung dieses Zieles wird klar, wenn man mit vollem Ernst der Tatsache gerecht wird, daß die lange Dauer der Verhandlungen um die Regierungsneubildung uns außenpolitisch und wirtschaftlich schweren Schaden zugefügt hat, daß di« Zerrissenheit der nationalen Front allen Energien, die auf die Niederhaltung der deutschen Nation gerichtet sind, neuen Auftrieb verschafft hat, und daß in diesen Wochen das unverkenn- bare Siegesbewuhlsein der beut- schen Linken seine Nahrung aus der hoff- nung erhallen hat, es werde niemals in Deutsch» laud zu einer vom Vertrauen und von der Srasl der geeinten nationalen Bewegung ge- trageneu Regierung kommen. Das doppelte Spiel, das die durch eine Fülle von Erfahrungen gewitzte deutsche Sozial- d« m 0 k r a t i e in der jetzigen Lage treibt, ist in dieser Beziehung besonders interessant. Um die Abwanderung ihrer Wähler zu den Kommunisten einzudämmen, rodikalisieren sie sich und geben die Parole der roten Einheitsfront aus Auf der andern Seite aber verteidigen sie mit viel Klugheit und größter Zähigkeit die Positionen, die ihnen — besonders durch das Leipziger Urteil— aus der Zeit der Weimarer Koalition her geblieben sind. Für sie sind diese Positionen die Brückenköpfe, die ihnen die Rückkehr zur Macht erleichtern sollen. Ihr« Hoffnung ist darauf gerichtet, daß die Opposition der Nationalsozialisten gegen die Regierung schärffte Form annehmen und zu einem neuen noch schärferen Kampf« innerhalb des nicht- marxistischen Lagers führen wird, zu einem Kampfe, der, weil er ein Bruderkampf ist, nicht die Kräfte stählen, sondern aufreiben wird. Aus dieser hossnung errechnen sich die Sozial- demokraten schon jetzt den Tag, an dem nach ihrer Kalkulation der Geist von Weimar die letzte noch intakt gebliebene Figur aus dem deutschen Schachbrett sein wird. Diese von stärkstem Lebenswillen befeuerte Zukuusls- Hoffnung der Sozialdemokratie sollte, so meinen wir. allen, die es aus der Rechten an- geht, ein flammender Wegweiser sein." Das ist unverkennbar das Eingeständnis, daß die„autoritäre Staatsführung" voll- ständig am Ende ist! vom Rundfunk zum Fieberthermometer. Wie nntgeteilt wird, verwaltet der bisherige Rund- funkkommissar Ministerialrat Dr. Scholz, nach- dem er nunmehr wieder in das Reichsinnenmini- sterium zurückgekehrt ist, das Referat, in dein u. a. die Frage der Eichung der Fieberthermometer bearbeitet wird. Dieses Arbeitsgebiet gehört zu den unpolitischsten, die es im Reichsinnenministerium gibt. Vom Rundfunk zum Fieberthermometer ist immerhin ein beachten-werter Schritt. vier Tage plädiert hat in dem amerikanischen Prozeß wegen der angeblich deutschen Kriegs- sabotageakte von Block Tom und Kingsland der deutsche Staatsvertreter T 0 n n e n b e r g. Er be- tonte u. a., daß die neuen„Beweisdokumente" erst. beigebracht worden sind, nachdem die Gemischte Kommission(2 USA.-, 1 deutscher Vertreter) zu- gunsten Deutschlands entschieden hatte. KW erWsg aus derKrise k' ätentlösunz okaed«n Vereinbarungen angepaßt wer- den, die inzwischen mit den Delegierten der Schweiz und Oesterreichs getroffen worden sind. Ferner billigte der Reichsrat die Einbringung der Abkommen zur Vereinheitlichung des Scheckrecht» beim Reichstag. <> liisatei', l-ickikpiSls usw. Sldats ¥& mefffcr Sonnabend, den 3. Dezember staatsoper unter den Linden 20 Uhr Der Troubadour staatliches Schauspielhaus 19 Uhr Faust I. Teil VOLKSBUHNE Theater am BUIewpiatz Norden OSAS. Uraufführung 8 Uhr Das neue Paradies von Julia« Hay Regie: Heinz Hilpert Tägl.Su.SVJUhr Märchen mit Ernst Matrmy Maria Sotveg Katta Sterna MAREK WEBER u.il.gr.Fut-Pnigranni! plAza Sät« Sthlo. Bbf, i u. ä11. Stgs. 1. i, l" l). E 7 Weidsei 4031 Mtsikantenmadel I r-Theater i.d.� IStresemannstr. | Täglich»«/eUhr Zu wahr. umsflÄu« 1 v. Q. B. Shaw Moissi, von Thell- mann, Benens, Evans,Otto,Sima, Wiemann. Deppe. Fischer Deutsches Theater Weidend. 5201 Täglich 8 Uhr Harmonie von FranzMolnar Inszen. Max Reinhardt Max Pallenberg, Karlweis.Etlinger. Vallemin, Hertha Thiele, Terwin Lore Mosheim Kammerspiele 8 Uhr Nur heute und morgen Paula Wessely in Rose Bernd Rürlörslenfl.-Tfi KurförstcDdamm 209 Tel Bism. 1400 Tägl. 8'/« Uhr Oiüddidie Reise von Beitocb and Sdiwabadi Musik: Fünnekc Regie; Pcukert Han* Schindler mit seinen Jarz-Symphonücern Vormkauf unonterbrodiBr Soimtag nachm. 3 ühr Billige Preise Heu'e 4 Uhr: Rostndiens wunderbare Reise Ein We hnachtsspiel für Kinder Preise von 60 Pf. ab CASIIIO- THEATER Lothringer Strohe 37, iinimiiMiiiiiiiiiMiiiiiiiiiiiiiMiiiinuimmiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii Sonntags audi nachmiiiars 4 ühr Schlager-Posse Alles um Lotti mit Gesang und Tanz Für die Leser Gutschein 1—4 Personen. Parkett nur 0.50, Fauteuil nur 0.75, Sessel 1.25 M. Audi Sonntag abends WWW rlS Garßen U Die Codonas Die Könige der Luft Die 6 von der Staatsoper [in neuen Tänzen undRostömeni usw. | Sonnabend und Sonntag auch 4 Uhr zu kl. Preisen| 1 Flora 3434. Pauchen erl.] ESSSBSm Rose- Theater GtoSe Frigklortn Stulls 137 i«l, Wtidiul E 7 3427 ä Uhr Frau Holle 8.15 Uhr Der, Zigeunerbaron 11.30 Ulli 3ie uogtkyßte Eva B. B. B. Bendows Bunte Buhne Kottbusser Straße tj Oberbaum 3500 ..von A-Z" Täglich S' 4 Uhr Sonnt, nachm. 51/; Blumen iiimiiniinuuniiiiiiiiiniim Paul Golletz Mariannenstr. 3 F 8, Oberbaum 1 303 siadl.Oper Charlottenburg Fraunhofer 0231 Sonnabend, 3. Dez. 19.30 Uhr Turnus III Undine Nettesheim, Schlrach. Burgwinkel, Husch. Gombert, Kandl, Baumann, Rechner, Müller Dirigent; Brcisach Schiller Bismarckslr.(Knie) Steinpl.(CD 6715 81,4 Zum 52. Male Robert und Bertram Alfred Braun, Paul Heidemann, Senta Söneland Stg. 4 Dez. UV; Literamdies Matinn Zeitungsnotizen von E. Kalkowska ttiFvnws Theater im Admiralspaiasl Merkur 9901 Täglich 8-. Uhr Hans Albers L i 1 i o m Wollen Sie sich mit Gerda Jlanrus treffen? Oder mit Olga Tschediowa und mit(instav Dtessl und sidi Autogramme geben lassen? Dann kommen Sie Sonntag, 4. Dezember, nachm. V«5 ribi nadi der Potsdamer Brücke ins Jitvena-Haus zum Autogrammtag der Filmwoche. An diesem Tag beginnen zwei Juvena- Festwochen bis zum 18. Dezember mit täglich neuen Attraktionen: Jeder 50. Besucher erhält einen Outschein für eine Hemdhose, jeder 100. einen Gutschein für einen Schlüpfer, jeder 500. einen Gutschein für einen Sweater und jeder 1000. die Sensation! Line achttägige Winlerreise einschl. Skikursus- Nachmittag ab 4 Uhr Vorträge übe.r moderne Wäsche von Ärzten, Sportlern, Historikern. Schicken Sie auch Ihre Kinder! Für sie gibt es Jugendwettbewerbe, Weihnachtsüberraschungen usw. Achten Sie auf die Ankündigungen in den Tageszeitungen. illetropoi-Ttieaier Täglich S'U Uhr ZTiHi Massary in Live Frsll, die weifi, was sie will! Sonntag 5 Uhr Walzertraum Deutsches Künstler-Th NOrnbergfir Str. Tel Bavaria 6466 Tägl 8V3 Uhi Leopoldine Konstantin in: Vis Nacht zum 17. April Schroth.Steinbeck Gebühr, Brionne, Wolle. Picha Lessing-Tiieater Täglich 8','» Uhr. Grete Mosheim Oskar Homolka in Pygmalion Renaissance-m 1 Steinpl. 6780 Täglich 8»'« Uhr Trappe 1031 Die mausetaiie Sjnaalilu. Sonnt. J Uhr Sctineewittchen Sonnab. II'.« Uhr Nactitvorstellung Liebe auf d. Lande von Klabund Kabarett für Alle Willi Schaeffers NilrnhbrqerSlr 50- 4 Uhr Täglich 2 x 9 ühr Das sensationelle Eabarelt-Pragramm Abendpreise 1— 3 Mk. Nachm. GedecK 1,25 Jeden Sofnabeno 1 1 yt Uhr: Nschtvorstelkinc Komödleniiaus Schltlbaucrdamm 25 D J Weidend. 6304— 05 . 84« Uhr Kasimir und Karoline Ab Montag täglich 8 Uhr Reitern und hente Sonntag nachm. 4U. Mdttiagödie Theater des Westens Steinpi. 5121 Täglich 8',i Uhr De: SRiufionerftl; Katharina Sonntag 5 Uhr Fönterchristel BETRIEB XX KEMPINSKlÖ/ Stettiner Sänger Reichshallen-Theater Dönhoffplatz Direktion Mcysel 8.15 Sonntag 3.30 zu ermäßigten Preisen. Gefährliche (lachbarlchan und das nene Weihnachtsprogramm Abteilung: Hotel- Halle- Caf e 1. Dezember umgestellt, keine Musik Excelsior- Conditorei Patisserie— Eigene Paorikate— Konfiserie Erzeugnisse Q-erbeaud- Budapest gleichwertig! Zeitungen, Journale, Bürgerliche Adressbücher aller Länder Preise! Curt Elschner Ktnienbangcn tut üteie Rubrik ftnb Werft» SW SS. uinbenitraß« 4 Parteinachrichten g�Mfür Groß-Berlin stet» an Oos Scstcfsjcftctotiai i. Kot. 3 Iccopen rechts, zu richteo Beginn nller Veranstaltungen 19'A Uhr, sofern leine besondere Zeitangabe! 5. jlreis. Ächtung! Die jireisvorstandssitzung findet Donnerstag, 8. Dezember, Äadiner Str. 10, statt. 7. und 8. SUeis. Juristische Sprechstunde hente, 17 bis 18 Uhr, im Jugendheim )iosinenstr. 4. Gelegenheit zum.�lirchenaustritt. 13. ttreis. Sonntag, 4. Dezember. I Pc Uhr. veranstaltet die SAI.. Werbebezirk Dberspree, in der Ästra- Filmbühne in Johannisthal am Sterndamm eine Filmmatinee. Wir rufen unsere Genossen und Genossinnen zur Beteiligung auf. Eintritt 30 Pf. Mitgliedsbücher sind vorzuzeigen. 4. Abt. Die Mitglieder der Aeitungstommifsion und alle Bezirfsführer treffen sill) Sonntag,!. Dezember. 9' 3 Uhr, bei Brandis, Stralauer Str. 10. 2K. Abt. Heute, 20 Uhr. Bunter Abend im Sportkosino, Rejdenzstr. 76. 33. Abt. Sonntag, 4. Dezember, Wanderung nach der Großen krampe. Treff- Punkt 9 Uhr Bahnhof Treptow. 37. Abt. Sonntag, 4. Dezember, erscheinen alle Parteimitglieder wegen der ..Borwärts�-Werbung bei Arndt, Äantstr. 31. Die Fahnen und Trans- parente von der Wahl müssen nun endlich abgeliefert werden bei Michaelis, Mommfenstr. 51. 78. Abt. Die Genossen treffen sitf) zur„Vorwärts"-Agitation Sonntag. 4. De- zember. 9 Uhr. bei Schmidt. Ebersstraße. 79. Abt. Die Genossinnen und Genossen treffen sich zur„Vorwärts"-Agitation am Sonntag, 9 Uhr, im Lokal von Reimann. Sedanftr. 17. Bezirksausschuß für'Arbeiterwohlsahrt. .>lreislci!er und Kreisleiterinnen! Auf die Veranstaltung des Seminars für Wohlfahrtspflege am Dienstag, 6. Dezember. 20 Uhr, im Saal des Wohlfahrts- schule. Belle-Aliianco»Platz ö.�marchen wir aufmerksam. Porher ist neues Werbe- Material für die Lotterie in der Geschäftsstelle, Lindenstr, 3. in Empfang zu nehmen.— Um sofortige Einsendung der noä) ausstehenden Lotterie-Berichte wird gebeten. Ardeitsgemeinschasl der kindersreunde. Solidaritätshilfe! Ablieferung des Spielzeuges für die Ausstellung „K in der helfen Kindern" im Metallarbeiter-Berbandshaus. Alte Jakob- Ecke Gitfchiner Srraße, ab Dienstag, 6. Dezember, in der Acit von 13 bis 19 Uhr. Letzter Ablieferunastag 9. Dezember. Mitte: Helfersitzung Montag in: Heim Elifabethftraßc. (ei~' �reuzberg: Zu unserer Kreisfahrt treffen wir uns morgen. Sonn- Wm' tag, um 9V-j Uhr am Bahnhof Spandau-West. Bei Regenwetter sind wir um 16 Uhr im Heim Urbanftr. 107. Spiele im Heim.— Abt. Walser« torstraße: Wir treffen uns zur Fahrt 7*4 Uhr Rote Ecke, Prinzen- Ecke Gitfchiner Straße. Bei schlechtem Wetter 15U Uhr ebenda zur Sonniagsveranstaltung.— Adt. Süden: Sonntag. 7'� Uhr. Treffen zur Kreisfahrt Schule Diefscubachstraßc. 30 Pf. mitbringen.— Abt. Kottbusier Tor: Sonntage 1% Uhr, Falkenecke KT. 30 Pf. Fahrgeld.— Abt. Reichenbcrger Viertel: Wir treffen uns am Sonntag um 7*4 Uhr an der Falkenecke zur Kreisfahrt. Esten und Trinken mitbringen. Unkosten 30 Pf. ZeHlcndorf: Voranzeige! Am Sonnabend, 10. Dezember. 20 bis 22 Uhr, findet in der Zinnowaldfchule(Aula) die Sonnenwendfeier der Kindersreunde und der Arbeiterjugend statt. Schöneberg-Friedeaau-Liudenhof: Heute fällt die Helferfahrt aus. Dafür 19 Uhr Jugendheim Lindeuhof Arbeitsgemeinschaft. Neukölln: Die Spieltruppc übt heute, Sonnabend. 3. Dezembex. 16 Uhr. Kreisheim. Heimnachmittag für Jung- und Rote Falken morgen. Sonntag. 16 Uhr. Heim Vergstr. 29. Sterbetafel der Groß-Berliner Partei-Organisation| 43. Abt. Unser Genosse Rudolf H e p n e r, Fichtestr. 24, ist am 29. Ro- vember verstorben. Ehre seinem Andenken! Einäscherung heute. Sonnabend, 3. Dezember, um 13 Uhr. in Baumschulenweg Um rege Beteiligung wird gebeten. Iii Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Verlin Einsendungen für diese Rubrik nur an das Lugends''kretaria� Berlin SÄ 68 Lindenstraße 2. vorn l Treppe rechts Refcrcntcnschule Genosse Dcnecke und Genosse Rosenberg heute pünktlich 18 Uhr im Raum der Arbeiterbildungsschule, Lindenftr. 3, 2. Hof. Mänchen-Helfen-Kursus heute pünktlich 19 Uhr im Heim Lindenftr. 4. v. I. vorjttzenden-konferettz. Montag, 3. Dezember, pünktlich 1914 Uhr. im Sitzungssaal des Bezirksamts Kreuzbcra. Borckstr. 11. Alle Abteilungen müssen vertreten sein. Ohne Ausweis und Mitgliedsbuch kein Zutritt. heule. Sonnabend. Kottbusser Tor: Urbanftr. 167: Funktionärsitzung. Wcrbebezirk Äedoing: Von 18 bts 19 Uhr Sprechstunde im Lediaenheim. Von feücr Gruppe muß ein Vertreter anwesend sein.— Von 19 Uhr ab Baden Gerichtstraße.— Von 20� Uhr ab Spieltruppc im Ledigenheim Schönstedtsrraße. Werbedezirk Westen: Aktionsgruppeniahrt nach Brieselang. Treffpunkt 20 Uhr Bhf. Charlottenburg. Wcrbebezirk Neukölln:„Der Querschnitt- trifft sich 181. Uhr Ossastraße. Werbebezirk Pankow: Mitgliederversammlung im Heim Görschstr. 14. nosse Iohannsen spricht über„Die politische Lage". Ge. Werbcbezirk Oberspree: Morgen, Sonntag, 1U.- Uhr. in Der„Astra"-Film. bühne, Johannisthal, Sterndamm: Matinee. Aus dem Programm: Russenlilm „Der blaue Expreß". Spieltruppe der SAI.„Galgenvögel"(Leitung: Hans Fuhrmann), Der Zunge Chor. Einlaß 10'.. Uhr. Eintritt 30 Pf. Erwerbslose 20 Pf.— Geschlossene Veranstaltung! Mitgliedsbuch als Ausweis mitbringen! Wcrbebezirk Rentöllu: Morgen, Sonntag U1. Uhr. Filmmatinee im Mercedes-Palast, Hermannstraßc. Es werden gezeigt, die beiden Großfilme „Mädchen in Uniform",..Der Weg ins Leben". Einlaß 11 Uhr. Eintritt 30 Pf. Wcrbebezirk Müggelsee: Wir beteiligen uns morgen an-der Veranstaltung des WB. Oberspree. Radfahrende Genossen sind 11)4 Uhr vor der..Astra".Filni- bühne, die Räder werden dort untergestellt. Alle müssen das Mitgliedsbuch mit- bringen. Borträge, Bereine und Versammlungen Reichsbanner„Schwarj-Rol-Gold"� �(heichattsficfie: Berlin ö, 14. cebaftionfti i>:— 38 Hol E Si. Weddiug(Ortsverein): Sonntag, 4. Dezember. 1.1' Uhr. Filmmatinee in der„Alhambra", Müllerstr. 136.„Westfront 1918." Eintritt 10 Pf. Kameraden in Bundeskleidung.— Prenzlauer Berg, Sportgruppc: Sonntag. 4. Dezember, 1U� Uhr. alle Sportler Svortplatz Eantiänstraße, Aschen- lausbahn.-- Vassersportabtcilung, Zug Havel: Sonntag. 1. Dezember. 10 Uhr. Iohannisstift. Wanderung durch den Spandaucr Stadtfort— Fintenkrug— Brieselang. Berliner Verein für Schulgesundhcitspfleqe. Sitzung am Freitag> 9. Dczcm- berg, 20 Uhr, im großen Hörsaal des Hygienischen Instituts der Universität. Dorotheenftr. 28a. Vortrag Stadtarzt Dr. Otto Schneider. Halle:..Arbcitslosig- keil und Schulkind". Gaste willkommen. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag. Mittagsstunde. Gäste willkommen. II Uhr. Pappelallec 15. Musikalische Polizeisportoerein Berlin c. V.. Abteilung Einheitsturzschrist Regelmäßige Uebungsabende au allen Wochentagen, außer Sonnabends, von 19� bis 21! j Uhr, im Polizeischulgebändc, Hannoversche Str. 28—80, 2. Stock. Zimmer 10. Redeschrift-. Anfänger, und Fortbildungslehrgänge. Aull) für Zivile. Nächster Anfängerlehrgang beginnt im Januar. Monatsbeilrag 1,30 M. Weitere Aus- tunft erteilt gern Erich Zwickert, Neukölln. Pannierstr. 18. Hierzu l Beilage. Der..Vorwärts" erscheint wochentäglick zweimal. Sonntags und Montags einmal. Illustrierte Sonntagsbeilage Volk und Zeit" Bezugspteite: Wöchentlich 75 Pf., monatlich 3.25 M.(davon 87 Pf monatlich für Zustellung ins Haus) im voraus zahlbar. Postbezug 3.97 M einschließlich 60 Pf. Postzeitung, und 72 Pf. Postbesteltgebühren. Auslandsabonnemcnt 3.63 M. vro Monat: für Länder mit ermäßigtem Drucksachenporto 4 63 M. Bei A sfall d-r Lieferuno wegen höherer Gewalt besteht kein Anspruch der Abonnenten anf Ersatz./ Anzeigenpreise: Die e i n s p a l t r g Millimeterzeilc-iki Pf. Rrklunuzeilc 1.30 M...Kleine Anzeige n" das fettgedruckte Wort 2» Pt jedes weitere Wort 10 Pf. Rabatt laut Tarif. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Ardcitsmarkt Millimelerzeift 23 Pf. Familienanzeigen Millimctcrzcile 16 Pf. Anzeigenannahme im Hauptgeschäft Lindenftr. 3 wochentäalich uou i-'a bis 17 Uhr. Der Verlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor. I Berantwartlich füt Politik: Rudolf Brendemühl: Wirtschaft: H. SUügelhöicr; Gewerkschaftsbewegung: I. Steiner: Feuilleton- Herbert Vep- rc; Lotales und Sonstiges: Friß Karstäbt: Anzeigen: Otto Hengft: sämtlich in Berlin./ Verlag: Vorwärts-Berlag(9. m. b. H.. Berlin. Druck: Voru'ärts« Suchdruckerei und Verlogsonilalt Paul Singer u. Co.. Berlin SD 68 Lindenftr ö BEILAGE SONNABEND, 3. DEZ. 1932 Berechtigungsschein für Arbeitslosigkeit Wenn heute ein junger Mensch aus der«irahe vor Hunger nicht mehr weiter kann und zusammen- bricht, dann regt sich eigentlich niemand mehr sonderlich aus Als es sich vor einigen Tagen in so einem Falle hcrausstellle, daß es sich um einen jungen arbeitslosen Akademiker hau- delte, schüttelten die Leute mit dem Kopse.„Aber das ist doch gar nicht möglich", sagten sie. Denn es ist heute noch so, daß sich viele Leute nicht vor- stellen können, daß auch Akademiker hungern. Es ist ihnen nicht bekannt, daß sich unter dem Mil- lionenheer der Arbeitslosen eine im Verhältnis zwar geringe, aber ständig steigende Zahl von Menschen befindet, die eine langjährige hochschul- mäßige Ausbildung hinter sich haben und nun irog allerhand„Berechtigungs- s ch e i n e" v o r d e m N i ch t s st e h e n. Es ist kennzeichnend sür die Situation der jungen Stu- denten und Akademiker, daß viele von ihnen der Aussichtslosigkeit ihres Studiums zu entrinnen hosscn, indem sie sich dem Nationalsozialismus in die Arme werfen. Von ihm glauben sie. daß er ihnen die alte bevorrechtigte und gesicherte Stel- lung in der bürgerlichen Gesellschast wiederherstelle. Dabei ist der Andrang zu den Hoch- schulen und Universitäten trog aller schlechten Bcrussaussichten sür Akademiker unvermin- d e r t st a r k, ja, die Zahl der Abiturienten, die alljährlich zu den Hochschulen strömen, wächst von Jahr zu Jahr. Ostern nächsten Jahres werde» wieder etwa 42 000 junge Leute die Ueberfiille an den Hochschulen vermehren Holsen. Die meisten der jungen Menschen werden gar nicht einmal von unwiderstehlichem Drang zur Wissenschasl getrieben, sondern besuchen die Hochschule lediglich, weil alle anderen Berufe ebenfalls versperrt sind und weil sie durch ihr Studium der Untätigkeit und dem Herumlungern entgehen wollen. Aus diese Weise wird aber die Zahl der erwerbslosen Akademiker immer mehr gesteigert, so daß man in drei bis fünf Jahren mit einer Zahl von gut 120 000— wenn nicht mehr— erwerbslosen Akademikern rechnen kann. Das würde bedeuten, daß so nahezu jeder dritte Akademiker erwerbslos ist. Es besteht eigentlich auch keine Aussicht, erwa bei einer beginnenden Konjunktur diese Zahl zu verringern, denn man rechnet in Deutschland mit etwa 350000 bis 400 000 akademischen Berufs- stellen, eine Zahl, die sich nicht, ohne üvesjer�s. er- höhen läßt. Die Nervositär der jungen Akademiker ist aus diesem Grunde durchaus verständlich. Viele von ihnen haben zwar durch ihre Famüie einen Nürk- halt, aber eine ganze Anzahl von ihnen hat heute schon die Not am eigenen Leibe kennengelernt. In verschiedenen deutschen Großstädten haben sich die jungen Akademiker aus dieser Notlag« her- aus zu einer S c l b st h i l s e zusammengeschlossen. Auch in Berlin besteht eine„Akademische Selbsthilfe", ine im ersten Jahre ihrer Tätig- keit bereits in einer ganzen Anzahl von dringen- den Fällen Helsen konnte. Ueber tausend Hiljs- bedürftige haben der Fllrsorgestelle dieser Organi- sntion bereits ausgesucht, und mehrere hundert von ihnen werden sortlausend betreut. Denn es ist leider nur möglich, in den wirklich dringendsten Fällen zu Helsen. Alle, die irgendwie noch durch ihre Familie unterstützt werden können, müssen zurückgewiesen werden. Es bleiben genug Fälle übrig, in denen junge Akademiker tatjächlich vor dem Nichts stehen. Zehn,' zwölf oder noch mehr Semester haben sie studiert, viele von ihnen schon unter den größten Schwierigkeiten, und nun sind sie am Ende ihrer Kräfte, hofsnungslos und grausam ernüchtert verzweifeln sie am Leben, da sie oft nicht wissen, ob sie am anderen Tage noch etwas zu lisberall: Studenten jugend in Not essen haben werden. Man versucht ihnen zu Helsen, indem man ihnen zuerst einmal einen freien M i t t a g s t i s ch verschafft und, wenn es mög- lich ist, noch freie Wohnung da.zu, damit sie wenigstens vor dem Verhungern geschützt sind und nicht aus der Straße verkommen. Anderen Hilst man schon durch eine Beratung und den Hin- weis aus Arbeitsamt oder Wohlfahrtsamt, denn gerade den Weg zum Wohlfahrtsamt finden die jungen Menschen aus einem Gefühl der Schani heraus oft nur sehr schwer. Arbeit kann man ihnen natürlich nicht ver- schassen. Man kann gelegentlich einmal Nach- hilsestunden vermitteln oder beim Anknüpfen von Beziehungen Helsen— aber das ist alles. Manche sind durch die Untätigkeit so verzweifelt, daß sie um Arbelt direkt betteln— und wenn sie ehrenamtlich ist, aber nur etwas zu tun haben wollen sie. Doch die„Selbsthilfe" lehnt es prin- zipiell ab, aus diese Weise noch in Arbeit befindliche Akademiker brotlos zu machen. Aber bezeichnend ist dieser Wunsch für eine Zeit und eine Gesell- schast, die Mühe und Kosten daraus verwendet, hochqualifizierte Funktionäre heranzubilden und sie aus der Straße sitzen läßt. Feierstunde für Erwerbslose In der Schulaula Peterburger Straße 4 hatte die Arbeiterbildungs- schule, Bezirk Friedrichshain, eine Feierstunde für Erwerbslose veranstaltet. Dichtgedrängt saßen die Menschen, Alte und Junge, und man merkte es ihnen an, sie lechzten nach Entspannung vom trostlos-grauen Alltag. Das Kammertrio des DMV. spielte zum Austakt die Titus-Ouvertüre und eine Phantasie aus „Hofsmanns Erzählungen". Dann brachte das Sängerquartett des Deutschen Freidenker-Ber- bandes Kamps- und Freiheitslieder zum Vortrag. Thiessens„Weckruf",„Auf Brüder, aus" von Knöchel und das„Ausgebot" mit Orchester des- selben Komponisten. Voll und kräftig klangen Männerstimmen und die Worte hallten wieder in Ohr und Herz der Zuhörer. Maria John rezitierte mit schönem, starken Empfinden Tollers„Kampf mit dem lieben Gott", die Geschichte jenes kleinen Jungen, der über der menschlichen Ohnmacht gegenüber gottgewollten Schicksalsfügungen zu- jammenbricht. In Siegfried von Vegesacks Versen der Not ward ihre Stimme zur gellenden An- klägerin der toten und lebendigen Opfer. Genosse Mehlhose vom Deutschen Freidenker-Verband sprach schlichte, tiefempfundene Worte von der Not, die uns vereint zu einer großen, starken Gemeinschaft. Kampf heißt die Parole, denn es heißt, die Daseinsrechte zu erhalten und zu ver- bessern. Die ganze Welt jener Geknechteten, Verdrängten, Unterdrückten hat sich zusammen- geschlossen und schließt das Band immer fester. So soll auch diese Feierstunde das Bekenntnis der Solidarität aller Gleichgesinnten in guten und in schweren Stunden auss Neue besiegeln. Eine Reihe weiterer musikalischer, gesanglicher und rezitotorischer Darbietungen beschlossen die schöne, eindrucksstarkc Stunde. Bestechungsskandal aufgedeckt Eine kalbe IWIIioa Mark Schmiergelder Bei der Staatsanwaltschaft schwebt gegenwärtig eine große Untersuchung, die von Staatsanwalt- jchastsral Seidenspinner geführt wird. Aus Veranlassung der Staatsanwaltschaft wurden ein Makler Zennewein, der als selbständiger Agent u. a. auch sür die Druckerei Preuß in der Dresdener Straße tötig war, und ein Angestellter der„A g f a". die zum ZG.-Konzern gehört, ein gewisser Dünnemann festgenommen. Der Makler 3. wird beschuldigt, an den Angestellten D. Schmiergelder sür Austräge gezahlt zu haben. Die Zahlungen fanden in den Zahren 1325 bis 13Z1 statt und sind von dem Angestellten D. auch an andere Personen weitergeleitet worden. Bei einer Kontrolle durch die 3(5. wurden die großen Bestechungen jetzt ausgedeckt. Die beiden Beschuldigten wurden festgenommen und dem Untersuchungsrichter vorgeführt, der bereits Haftbefehl erlassen hat. Der Makler I. pflegte derart seine Geschäfte zu tätigen, daß er großen Druckereien Aufträge überbrachte, sür die er entsprechende Pro- Visionen bezog, die höchstwahrscheinlich noch ge- teilt wurden. I. arbeitete als selbständiger Agent auch sür die Druckerei Preuß, die bis zum Juni dieses Jahres für die Agfa arbeitete. Von da an unterblieben weitere Geschäftsverbindungen. Es wird vermutet, daß die von dem Agenten I. an den Angestellten der Agfa D. gezahlten Be- stechungsgelder für Austräge bereits eine Höhe von einer halben Million Mark erreicht haben. Ob die Angabe dieser Summe zutrifft, muß erst noch die Untersuchung ergeben. Es hat sich nämlich herausgestellt, daß der Makler I. gebracht, wo sie bald»ach ihrer Ausnahme ge- � starben ist.— Der zweite tödliche Unfall trug sich in der Neuen K r u g- A l l e e in Britz zu. Dort wurde ein etwa 28 bis 30 Jahre alter Radfahrer von einem Lastauto ersaßt. Die Räder des schweren Fahrzeuges gingen so Unglück- lich über den Mann hinweg, daß der Tod aus der Stelle eintrat. Die Leiche wurde ins Schau- haus gebracht. Di« Kriminalpolizei ist in beiden Fällen bemüht, die Personalien der bisher un- bekannten Toten zu ermitteln. Bei einem Zusammenstoß an der Ecke Fasanen- und Kantstraße zwischen einer Auto- droschke und einem Lieserauto wurden zwei Personen lebensgefährlich verletzt. Die Verletzten fanden im Achenbachkrankenhans Aus- nähme. zur Zeit in ein Steuerstrasversahren verwickelt ist. Er dürste ein Interesse aus diesem Grunde daran haben, die Summe der Bestechungsgelder zu erhöhen, um bei dem Steuerverfahren günstig wegzukommen. Inzwischen hat die Untersuchung ergeben, daß ein w e t t e r e r A n g e ste l l.t e r der Agfa teilweise Bestechüngsgelder über den Angestellten D. erhalten hat. Dieser Mann ist vor etwa% Jahren ge starben und war bei der Einkaussstelle der Agfa tätig. Die Firma Preuß aus der Dresdener Straße teilt dazu mit, daß sie mit dem Bestechungsskondal nicht in Verbindung steht. Der Makler I. war als selbständiger Kaufmann auch sür diese Druckerei tätig und brachte ihr nur die einzelnen Austräge, die er erhalten hatte. Wieweit die gegen die beiden Festgenommenen erhobenen Beschuldigungen zutreffen, muß erst noch die weitere Untersuchung ergeben. Zwei schwere Anfälle! �Ver sind die Toten? In den gestrigen Abendstunden ereigneten sich inehrere tödliche Verkehrsunfälle. Vor dem Haus« Berliner Str. 226 in W e i ß e n s e e wurde eine etwa 60jährige Frau beim Ueberschreiten de? Fahrdammes von einem Lieserauto über- fahren. Die Verunglückte wurde mit schweren inneren Verletzungen ins Weihenscer Krankenhaus .Nationaler' Verleumder Beleidigung von Dr. Sakm und Wutzki Vor dem Landgericht II stand gestern der Kaufmann Hermann Penner, einer von der Sorte der„nationalen" Verleumder. Dem Gericht stellte er sich als H u g e n b e r g- I ü n- g e r vor. Von Hause aus Kaufmann, zeigte er schon von früher Kindheit an, wie er stolz von sich berichtet, eine besondere Vorliebe sür's Bauen. In der Inflation erwarb er sich in Berlin durch Häuser- und Villenverkäufe ein Vermögen von 5 0 0 0 0 G o l d m a r k. Ob er im Jahre 1925, als er am Bahnhof W i tz l e b e n ein Grundstück erwarb, totsächlich 50 000 Mark besaß, soll erst die Verhandlung ergeben. Jedenfalls grün- dete er eine Hausgenossenschast am Bahnhof Witzleben, arbeitete große Baupläne in Höhe von anderthalb Millionen Mark aus, nahm Hypotheken auf bei der Stadtschaft der Provinz Brandenburg und bei der Stadtgemeinde Berlin. Die fehlenden Summen sollten durch Mieter- darlehen aufgebracht werden. Die Baupläne wur- den genehmigt. Im Jahre 1926 war der Roh- bau fertig. Es entstanden finanzielle Schwierig- keiten. Penner wandte sich an die W o h n u n g s- Fürsorge-Gesellschaft, deren Aufsichts- ratsvorsigender Stadtrat Wutzki war, und bat um Mietezinssteuerzuschüsse Das Ersuchen wurde ab- gelehnt. Es kam zur Zwangsversteigerung. In diesem Augenblick beginnt der Kampf Penners ge�en den Stadtrat Wutzki. ' Obetbütgermeisker Böß verwies ihn auf den � Weg der Schadenersatzklage; er wurde in samt- ' lichen Instanzen abgewiesen. Im Jahre 1931 setzten die beleidigenden Briese an Stadtrat Wutzki und Oberbürgermeister Dr. Sahm ein. Er ließ sich zu den tollsten, niederträchtigsten Be- schimpsungen hinreißen, nannte Wutzki einen schuftigen und marxistischen Verbrecher, zieh ihn der gewaltsamen Zwangsenteignung mit bolsche- wifiischen Methoden, durch die er ihn ruiniert und seine Frau unter die Erde gebracht habe, drohte dem Oberbürgermeister Dr. Sahm mit Vergeltung und Rache, warf ihm vor, er decke den marxisti- schen Verbrecher Wutzki: seine Verfassungsrede, in der er von der Not des deutschen Volkes ge- sprachen habe, sei eine einzige große Heuchelei gewesen, er würde sein Material der„f ü h r e n- den nationalen Opposition Hugen- berg und Hitler" übermitteln. Dabei zitierte er die Rede Hugenbergs in Stettin. Der Ober- Präsident und Bürgermeister Dr. Sahm haben wegen der sortgesetzten Beleidigungen gegen den „nationalen" Kaufmann Penner die Strafanzeige wegen Amtsbeleidigung gestellt, Stadtrat Wutzki ist als Nebenkläger zugelassen. Zührung durch Spandau von E. T r i n k a u s am Sonntag, 4. Dezember. Treffpunkt am Ein- gang zur Zitadelle, 1015 Uhr, Straßenbahn 64. '»» i» 8°° Lpj Radcher z'Iz ha per K eine �, sab3 an ei.-/-hst6"___ liner»».�al iit»°�F°tt- l�Sab*°sie i5t' und�" »hne an die aoPfr 5 16 Sa°eil*e xlig „Ansere herrliche SA. Die Zahl der Schwerverbrecher unter der EU� nimmt geradezu erschreckend zu. Erst vor wenigen Tagen waren es die vier SA.-Burscher», die den Raubmordversuch an der greisen Frau Leiholz in der Limenstraße begangen haben, und setzt lernte man vor dem Schnellschöffengericht in dem SA.- Mann August Erdelt den Mietgeldräuber aus der Schönhauser Allee 72 kennen. Er, sein Mitangeklagter, der Schweizer Bürger Zllbert Gürtler, und ein dritter Spießgeselle namens Max waren gegen I Uhr mittags in die Wohnung der chausverwalterin Frau Sportleder eingedrungen, hatten versucht, sie zu knebeln, von Erdelt erhielt sie mehrere Schläge, die Frau schrie um Hilfe, die Uebeltäter flüchteten mit 2 50 M. M i e t g e l d e r n. Gürtler rühmte sich aber der Tat einem ihm bekannten Italiener gegenüber, dieser verpfiff ihn bei der Polizei. Also standen Gürtler und Erdelt gestern vor dem Schnellschösfengericht unter der Anklage des Raubes. Der dritte Komplice namens Max war unaufsindbar geblieben. Wie verteidigte sich nun der SA.-Mann Erdelt? „Ich wollte nur höflich betteln", sagte er. Alles andere war ganz unerwartet gs- kommen. In Wirklichkeit lag ein raffinierter Plan vor. Erdelt hatte in der Schönhauser Alle« 72 mehrfach gebettelt. Von einer National- sozialistin war er auch zu der Frau Sportledor und zu der Frau Bäckermeister Müller gewiesen worden. Er bekam bei diesen nazisreundlichen Damen zu essen und kleine Spenden. Zwar erhielt er 43 Mark monatlich Wohlfahrt-sunterstützung, seinen Lebensunterhalt bestritt er durch das„Höf- lich«" Betteln. Er gab sich als Sahn eines Ge- nerals aus und halte damit Erfolg, wurde stets treundlich aufgenommen und versprach auch der Frau Sportleder und der Frau Müller, Karten Aus Furcht vor Strafe LsII>»tmorci eines?o«ta«slstenten Im Keller eines Hauses in der Sonntag- straße in Lichtenberg erhängte sich gestern vormittag der 55 Jahre alte Postassistent K. An- gehörige fanden den Lebensmüden an einem Ver- schlagriegel regungslos aus. Wiederbelebungs- versuche blieben ohne Erfolg. K. hat die Tat offenbar aus Furcht vor Strafe begangen. Vor einiger Zeit kam er in den Verdacht Verun- Denkt an die Verwundeten und Gefangenen der Eisernen Front. tutp durch Geldspenden auf Postscheckkonto Berlin Nr. 141 57(Adolf Holz) Spenden nehmen ferner entgegen die folgenden Vorwärts-Speditionen; P. Krouie, N 65, Müllerstr. 34 Lehmann, N 54, Ackersir. 174 Fischer, N 20, Bastionstr. 7 Hönisch, N 31, Wattstr. 9 Gerth, N 113, Greifenhagener Str. 22 Arndt, O 27, Markusstr. 36 Melle, O 34, Petersburger Platr 4 Wollstein, S 14, Prinzenstr. 63 Schmidt, SW 29, Bärwaldstr. 47 Frau Slolpmann, W 35, Steglitzer Str. 37 Joseph, NW 21, Wilhelmshavener Str. 48 Dölz, NO 55, Imanuelkirchstr. 24 Urban, SO 36, Lausitzer Platz 14/15 Seikel, Lichtenberg, Wortenbergstr. 1 Peters, Lichtenberg, Boxhagener Str. 62 Thal, Neukölln, Neckarstr. 2 Rohr, Neukölln, Siegfrledstr. 28/29 Rathmann, Schöneberg, Beiziger Str. 27 Frau Könemann, Charlottenburg, Seesenheimer Str. 1 Paul, Oberschöneweide, Wilhelminenhofstr. 44a Rißmann, Pankow, Mühlenstr. 70 Wahle, Reinickendorf-Ost, Provlnzstr. 56 Bendt, Reinickendorf-West, Scharnweberstr. 114 Meckleburg, Treptow, Graetzstr. 50 Wiese, Weißensee, Lehderitr* 2 Vorwärts-Laden, SW 68, llndenstr. 3 trcuungen begangen zu haben, und bei einer Re- nision stellte sich die Vermutung als begründet heraus. In den nächsten Tagen sollte die Ge- richtsoerhandlung gegen ihn stattfinden. Jelsenetk-prvzep Dr. Litten als Zeuge Nachdem der nationalsozialistische Dr. Pleiten- barg bereits vorgestern vernommen wurde, mußte als zweiter der kommunistische Verteidiger Dr. Litten vor den Zeugentisch. Er schilderte ausführlich, aus welchem Grunde er gerade im Falle Felseneck sich gezwungen ge- sehen habe, besonders eingehende Ermitt« lungen vorzunehmen. Er habe den Ein- druck gehabt, daß man die Kommunisten allzu sehr belasten, die Nationalsozialisten dagegen her- auszuhauen beabsichtige. Wichtiger als die ein- Vier.Jahre Zuchthaus für Raub * für eine Hitler-Rede zu besorgen. Das Geld steckte er«in, die Karten bekamen die nozifreund- lichen Damen nicht. Am 12. November such!« Erdelt wieder Frau Sportleder auf. Sie machte ihm Vorwürfe wegen der Karten und forderte ihn auf, sich vor Frau Müller zu rechtfertigen. Erdelt ging mit den bereitstehenden Komplicen in das nebenanliegende Postamt und schrieb hier im Namen der Frau Müller einen Brief des Inhalts, daß ihn keine Schuld treffe, sondern den Sturmführer, der zwar das Geld genommen, ihm aber keine Karten gegeben habe. Mit dem Brief begab er sich zu Frau Sportleder. Als diese ihn nicht einlassen wollte, klemmte er seinen Fuß zwischen die Tür, drang aus diese Weife in die Wohnung und lieh auch seine Kumpane herein. Der Raub konnte vonstatten gehen... Das Gericht verurteilte Erdelt zu v i« r I a h- ren Zuchthaus, Gürtler zu drei Jahren Zuchthaus und sprach beiden die bürgerlichen Ehrenrechte ob.— Ja, wenn wir„unsere Herr- liehe SA. nicht hätten"— wie Hitler seine Leib- truppe einst nannte. Echtes SA.-Früchtchen Vor clem Sondergericht Vor dem Sondergericht stand ein aiter Bekannter, der Mixer H o r st O t t o w. Das Schöffengericht Charlottenburg hotte ihn vor nicht allzu langer Zeit wegen Diebstahls zu Iahren Gefängnis verurteilt. Die Urteilsbegründung sagte damals, es müsse ihm dos Rückgrat gebrochen werden, denn er sei der typische geborene Berufs- Verbrecher. Ottow hatte nämlich als P a g e d e r K a k a d u- Bar in raffiniertester Weise den Kassenschrank erbrochen, 1400 Mark entwendet und sie auf der sogenannten Liebesinsel auf dem Tegeler See in Gesellschaft seiner Geliebten in einem Monat durchgebracht. Vor Gericht erzählte er aber eine lange Geschichte von einer abenteuerlichen Fahrt in einem Kahn nach Hamburg. Das Berufungs- gericht hatte dann die Strafe um ü Monate herabgemindert in der Hoffnung, der Angeklagte würde sich bessern, er erhielt deshalb auch eine Bewährungssrist. Und ausgerechnet dieses Nazi- bürschlein hatte vor Ablauf der Bewährungsfrist es für nötig befunden, den streikenden BVG.-Arbeitern„aktiv e" Hilfe zu leisten. indem es die Straßenbahnmasten erkletterte und den elektrischen Strom ausschaltete. Als die Polizei ihn beim zweiten Mast über- raschte, suchte er mit zwei Komplicen das Weite und wurde zusammen mit diesen auf einem Hausboden entdeckt. Die Anklage richtete sich nur gegen ihn. Die beiden anderen behaupteten, unten gestanden und nicht gewußt zu haben, was ihr Kamerad vorhat. Das Gericht verurteilte Ottow nur zu 6 Wochen Haft, und zwar wegen groben Unfugs. Ein anderer Nazimann wurde wegen einfachen Landfriedensbruchs zu 1 Jahr Zuchthaus verurteilt. Am Frankfurter Tor hatte eine Menschenmenge das Pflaster aus- gerissen und auf den Schienen Barrikaden er- richtet. Als die Polizei den Platz bereits ge- räumt hatte, beobachtete«in Beamter, wie ein junger Mensch einen Stein aufhob und eine Be- wegung machte, als wollte er ihn gegen die Beamten schleudern. Bor Gericht erklärte der SA.-Mann, er habe den Stein„einem Jungen aus der Hand geschlagen". Das Gericht schenkte ihm ober keinen Glauben. schätz des Arbeiters umfaßt Werks staatsrechtlicher und politischer Natur, Gewerkschaftliches und überhaupt alles, was den Befreiungskampf der Menschheit behandelt, in praktischen wie in ideellen Dingen. Auch im Arbeitslager des Studenten dominiert die neue Daseinsform, das«treben und Ringen nach einem besseren Morgen. Ueberau findet man aber neben dem Buche der praktischen Information auch die Lektüre stiller, besinnlicher Stunden. Der interessanten und wertvollen Aus- stellung liegt ein sehr nüchtern-trauriger Anlaß zugrunde: die Mittel des Lessing-Mufeums sind erschöpft und es findet sich keine gebende Hand. In aufrüttelnden Worten appellierte Heinrich Mann an das kulturelle Empfinden der Men- schen. Im gleichen Sinn sprach Direktor L e w i n von der Lessing-Hochschule. Wie wird das Wetter? 3n Berlin: Etwas milder, meist bewölkt mit etwas Regen und ausfrischenden westlichen Winden.— Zn Deutschland: Westostwärts sort- schreitende weitere Wetterverschlechterung mit Niederschlägen und steigenden Temperaturen. gehenden Auslassungen Dr. Litten« über die Einzelheiten seiner Ermittlungsergebnisse waren seine Aeußerungen zu der Behauptung des nationalsozialistischen Angeklagten Kluth, daß zwischen den nationalsozialistischen Angeklagten und Rechtsanwalt Dr. Litten eine Verein- b a r u n g geschlossen werden sollte, laut der die Nationalsozialisten die Kommunisten' nicht mehr belasten sollten, er dafür gegen die erfteren keine Strasanträge stellen und sich an den Zeugen schad- los halten würde. Dr. Litten best ritt, daß etwas Derartiges besprochen worden sei, er Hobe nur bei der gemeinsamen Unterhaltung erklärt, daß keine Möglichkeit vorhanden sei, den national- sozialistischen Angeklagten«ine Schuld nachzu- weisen, er hoff« nur noch einige nationalsozio- listische Zeugen zu überführen. Als dann der An- geklagte Kluth dem Rechtsanwalt Dr. Litten vor- hält, er habe gesagt, die nationalsozialistischen und kommunistischen Angeklagten müssen gemeinsame Front machen, denn die Hauptsache sei, Staats- anwaltschaftsrat Steenig vom Ruder zu bringen, da erklärt Dr. Litten, daß dies völlig ausge- schlössen sei, da er ja der Ansicht sei. daß Dr. Steenig für die Nationalsozialisten die größte Chance im Prozeß darstelle. Die Vernehmung des Dr. Litten ist noch nicht beendet. Aas Buch der Zeit Ausstellung der Lessing-Hochschule Im Haufe Wertheim, Leipziger Straße, hat die Lessing-Hochschule eine Ausstellung „Das Buch der Zeit" eröffnet. Es sind 16 Bibliotheken für die verschiedenen Menschen- typen und ihre Lebensform in geschmackvoll ein- gerichteten Kojen untergebracht. Da ist die Kinderstube und dazu die von Luise Diel unter dem Motto„Mutterschaft" ausge- wählte Lektüre für die Mutter, Lesematsrial auf erzieherischem, psychologischem und sozialem Gebiet. Daneben das Heim der Jungverheirateten, denen der Buchberater die Bekanntschast von Büchern über Eugenik, Hygiene und Lebensresorm, vor allem aber über das soziale Problem der Familie empfiehlt. Die Großeltern dagegen haben die Kampsperiode hinter sich, sie werden mehr oder weniger das beschauliche Buch bevorzugen und ihrem persönlichen Geschmack aus früheren Tagen das Wort geben. Am wertvollsten und lebensbejahendsten wirkt das von Max B a r t h« l zusammengestellte Bücherbrett des Arbeiters. Der Bücher- Gemeinschaftsküche der„Victoria". Im Rahmen der Notgemeinschaft für Errichtung von Küchel- und Heimen für Erwerbslose haben die Victoria- Versichcrungsaesellschaf- ten zu Berlin eine Gemeinichasteküchc in der Potsdamer Straße eingerichtet, in der während des ganzen Winters täglich 300 Erwerbslose gespeist werden.— Mit der Küche ist ein Aufenthaltsraum für Jugendliche verbunden. Steine gegen Gchousenstee Im Laufe des gestrigen Tages wurden wieder Fensterscheiben einiger Zeitung»- f i l i a l« n durch Steinwürse zertrümmert. In einem Falle wurde ein Angestellter einer Ullstein- Filiale ldurch Glassplitter am Kopf leicht verletzt. Die Täter, es handelt sich offenbar um mehrere Kolonnen, erschienen aus Fahrrädern vor den Läden, warfen die Scheiben«in und sichren davon. Di« Steine waren zum Teil in Papier gewickelt und aus der Umhüllung wurde gegen das Verbot der„Roten Fahne" protestiert. Die Täter sind entkommen. In den Abendstunden waren Fensterstürmer in der Bayreuth« r. Wilmersdorfer und Große Frankfurter Straße tätig, wo Scheiben der SS-K e t t e n l ä d e n zertrümmert wurden. Bei diesen sinnlosen Zerstörungsakten scheint es sich um„Syinpathiebezeugungen" für die im Streik stehenden Angestellten der SS- Kettenbetriebe zu hairdeln. Wcr möchtc umsonst zum«intcrsport rcisen! Die Möq- lichtest dazu besteht durch einen Besuch im Iuvena-�iaus an der Potsdamer Lriickc. das zwei lZcstwochcn mit einem qrosten Programm nom■). bis 18. Dezember neronstoltei. Jede K">'" 1000. Kesucherin erhSIl n ilmlich eine Winterreile auf 8 Tage nach Oberwicsenthal ukrzgebirg«) einschließlich ireiem Aufenthalt, freier Perp flegung und tostenlosem Jede dv. Besucherin erhält einen Gutschein ~' erin einen Gutschein Eliunterricht. eine Hemdhose, jede 100..WWW fiir einen Schlüpfer und jede öi>0. Bksucherin einen Gut schein ftir einen Sweater, die überall eingelöst werden. Zm Hotel Szelsior bietet der Besitzer, Dcheimrat De. h. c. Curt Slschner, seinen Gästen eine bedeutsame Äeueruna. indem er eine oölliae Umstellung de» Charakters der Hotel- halle und de» Cafes vorgenommen hat. An Stelle des Musik, und Tanzcafes ist dort jetzt eine Wiener stantttorei echten und größten Stil« eingerichtet worden. Den Be- suchern stehe» zahllose Zeitungen, siournale und Adretz. biicher(auch die wichtigsten Fach.Adreßbücherl zur Ber siiaung. In der überwältigenden Zahl der Zeitungen und Zeitschriften fehlt kein deutsche» Blatt von Bedeutung und auch die wichtigsten Auslandsblätter sind vertreten. Am 30. November verstarb nach langem schweren mit Oeduld ertragenem Schmerzenslager unsere innigsrgeliebte herzensgute Mutter, Großmutter und Tante, die Witwe Christiane BQtiner geb. Ibgeh Im 62. Lebensjahre. Die tranerBden Hiaterbllebenen. Bohnsdorf, den 3. Dezember 1932. Einäscherung Montag, den S.Dezember, 18'/j Uhr, im Krematorium Baumschulenweg. Danksagung Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und lUr die vielen Blumenspenden beim Heimgange unseres lieben Entschlafenen sagen wir auf diesem Wege allen Beteiligten unseren herzlichsten Dank Wwe. Auguste Hodapp und Kinder. Danksagung Für den Beweis herzlicher Teilnahme an dem unersetzlichen Verlust, der uns durch den Heimgang meines lieben Gatten, unseres guten Vaters und Großvaters betroffen hat, sprechen wir unseren aufrichtigsten Dank aus. Emma Böhm geb. Völzke, nebst Kindern und Enkelkindern. Berlin, im Dezember. Maxstr. 18. Oufftunq. Oaban u DeKlamemdrSiPfi frrflgr v,: asiohrrn ab, Spez lolifde Conrad Müller Schöne Kränze liefert preiswert Blumen-Meier Prenzlauer Allee 222 Tel. Humboldt 0652 Beachten Sie la Huer lusgabe unsere anzeige„Schuh und Strumpf 33| ROMAN von STEFW POLLATSCHEK\ (Copyright Saturn-Verlag.) „Knapp nach dem Krieg, Herr Geheim- rat. Nun war ich lange in der Heimat," „Finden Sie Europa sehr verändert?" „O doch, Herr Geheimrat, Es ist alles so aufgewühlt. Ich glaube, die Not ist sichtbar geworden. Man merkt sie den Menschen an," „Not ist doch auch bei Ihnen?" „Gewiß, gewiß, leider! Ich war in China und sah viele lausende Menschen Hungers sterben. Das sah ich wirklich, Herr Geheim- rat, aber dort ist der Mensch anders. Er ist ergebener, wissender, gläubiger. Der Euro- päer kämpft noch gegen die Armut, wir haben uns schon ergeben!" Der junge Mann sprach gleichmäßig, ohne die Stimme zu er- heben, als bete er vor sich hin. „Das Leben hat doch nur Sinn, wenn man kämpft", sagte leise sinnend Erusius. „Bielleicht", erwiderte bescheiden der junge Gast,„aber das sagen die Krieger und Söl- daten auch, in allen Ländern sagen sie es," „Ach. ich meine nicht den Kampf der Waffen, den Kampf der Gewalt, ich denke an den Kampf des Geistes." „Ist das ein so großer Unterschied, Herr Geheimrat?" Der junge Mann sah zu Boden, als verfolgte er das Muster des Teppichs in allen seinen Verschlingungen. „Ist das überhaupt ein Unterschied? Ist die Erfindung einer Maschine, die hundert und tausend Menschen um Arbeit bringt— ist sie ein Kampfmittel der Gewalt oder des Geistes?" „Also wieder ein Maschinenstürmer! Das scheint ja wirklich keine europäische, sondern eine die ganze Welt umfassende Geistes- krankheit zu sein, dieser Haß gegen die Ma- schine, ohne die Ihr selbst in Indien nicht leben könnt!" „Oh, wir versuchen es, Herr Geheimrat! Unsere Meister haben die Maschine erkannt, wir wollen selbst weben, wir wollen selbst spinnen.. „Ja. aber bei elektrischem Licht und während der Arbeit laßt Ihr die belehren- den Borträge eurer Meister durch das Radio ertönen. Sind das keine Maschinen?!" „Gewiß, Herr Geheimrat, ganz gewiß. aber wir wollen auch, wenn es nicht anders geht, auf elektrisches Acht und RaDio ver- zrchten." „Und auch auf Eisenbahn, Dampfer. Tele- graph und Zeitung?" „Wir sind uns nicht alle einig darüber. Herr Professor. Aber viele unserer Meister olauben, daß wir auch darauf verzichten sollen." „Also wieder zurück zur Herde, zum Jäger mit Pfeil und Bogen, zur Steinzeit, zur Fellbekleidung— bis wohin soll die Rück- entwicklung gehen? Bis zur Vorherrschaft des Stammes? Bis in die Höhle?" „Oh. Herr Gebeimrat belieben zu scherzen, Wir wollen nicht Felle, wir spinnen und weben unsere Stoffe, wir wollen auch, wenn möglich, elektrisches Licht, wir wollen keine Höhlen, wir bauen unsere Häuser selbst. Wir wollen uns nur nicht durch die Maschine morden lassen, wir wollen unser Leben der Arbeit unseres Hirnes und unserer Hände danken." „Sehr schön, sehr gut, junger Mann, aber warum wallt Ihr Eure Hände durch die Arbeit vernichten lassen, ich meine nicht Eure Hände, aber Eure Herzen, Eure Hirne, Euer— Wesen! Seht Ihr denn nicht die Armee der durch die Arbeit Verkrüppelten, Verstümmelten, Getöteten? Seht Ihr nicht die ungezählten Opfer der Arbeit— die Schal- und Stumpfgewordenen? Wozu das alles— wenn die Maschine für uns diese Arbeit verrichten kann, wenn unsere Hirne über unsere Hände siegen? Wozu das Um- kommen in der Kerkerschaft der Arbeit, wenn totes Metall diese Arbeit verrichten kann und unseren Geist zur Freiheit, unseren Körper zur Sonne und Licht vcrhilft?" Der junge Inder schwieg. Er verfolgte die Zeichnung des Teppichs, als mühte er die verschlungenen Bilder entwirren. „Wenn uns aber die Maschine nicht leben läßt, Herr Geheimrat? Wenn wir an ihr zugrunde gehen? Wenn sie uns nur dazu führt, Mörder am Mitmenschen zu werden? Wenn all dieser Fortschritt nur dahin führt, daß wir uns gegenseitig umbringen? Was dann, Herr Geheimrat?" „Es ist immer dasselbe, lieber Freund! Ihr olle läuft Idealen nach! Ihr verwechselt aber noch immer den Gang de? Geistes mit den sichtbaren Zeichen des Äommerzes! Wenn heute vieles anders ist, als es sein sollte, ist daran der Geist schuld oder der Kommerz. der diesen Geist verschachert?" „Das weiß ich nicht. Meister. Ich sehe nur dieses Europa." „Und ich sage euch: Es gibt kein Zurücks Ihr könnt nicht zurück!" „Vielleicht— möglich. Aber Ihr könnt nicht vorwärts!" Ein aller Mann, die Hände in den Taschen eines abgetragenen Mantels vergraben, schritt den steilen Bergweg hinan. Die Bäume waren entlaubt, immer wieder schien es dem Wanderer, als hätte der Wald sein Ende gefunden, aber die Leere des Forstes täuschte. Der Atem des Mannes ging kurz und schnaufend, er wollte ruhen, aber die Beine schritten eigenwillig aus. Die körperliche Müdigkeit vertrieb aufsteigende Gedanken, nur die Augen waren wach. Er kam aus einer großen Stadt und alles schien ihm wie unwirklich, die Sorgen, die ihn und andere umgaben, waren weggefegt, alle Lasten und Mühen waren in weite Ferne gerückt. Dieser Wald, diese Bäume, diese erstorbenen Blätter, die der Fuß achtlos zertrat— dies alles lebte dennoch und das Leben, das er hinter sich gelassen, Hupen der Autos, Ee- klinge! der Straßenbahn, Hasten der Men- scheii, Rufe der Zeitungsverkäufer, Brüllen der Maschinen— das war tot, unlebendig neben diesem Sterben des Waldes. Die Höhe war nun erklommen, eine Wiese breitete sich aus, im weiten Umkreis war alles ruhig. Der Wanderer fühlte frische Kräfte, seine Gestalt, bisher gebeugt, straffte sich, die Lungen sogen Luft ein, die Schritte holten weiter aus. der Gang wurde rascher und schwungvoller. Doch bald wieder kam Müdigkeit über ihn, er legte sich aus die Wiese hin, riß einen einsam stehenden Gras- Halm ab und ließ ihn spielend durch die Finger gleiten. Erinnerungen stiegen auf. Einmal, da lief er neben einem Mann einen solchen Weg hinan. Wer war der Mann? Einmal wanderte er mit jungen Menschen durch Wald über Höhen. Einmal, da ging er neben einer schlanken, jungen Dame über Wiesen und Felder. Wohin war dies alles? War es je Wirklichkeit gewesen? Waren diese Bilder nur Träume? Er erhob sich, schüttelte das Gras von seinen Kleidern und schritt aus. Der Weg führte einen sanf- len Abhang hinab, es wurde kühl und Dunkelheit kroch schnell und schneller heran. Sein Gang wurde hastiger. Irgendwo mußte er doch Obdach finden, die Jahreszeit war kalt. Endlich sah er von ferne etwas Weißes schimmern, ein einsam liegendes Bauerngehöft war erreicht. Ein Bauer öffnete und hatte auf die wort- karge Bitte um Unterkunft nur ein wenig verständliches Geknurre. Er erwies sich aber weit umgänglicher als sein Willkommengruß und gar bald saß der Wanderer in einer warmen Stube und aß aus einer großen Schüssel. Woher er denn komme? fragte der Bauer, und der Wanderer nannte seine Heimatstadt. Ja, der Name der Stadt werde jetzt oft genannt, meinte der Bauer, ob sich denn die Menschen immer noch nicht ver- trügen und ob die Arbeiter wirklich so schlecht seien, wie man immer in den Zeitungen schreibe, ob es denn wahr sei, daß sie alles kurz und klein schlagen wollen.— Ach, so schlimm sei das wohl nicht, meinte der Wanderer, die Arbeiter hätten eben keine Beschäftigung und da triebe sie der Hunger mitunter zu absonderlichen Gedanken— der Hunger wollte eben gestillt werden. Der Bauer nickte: Ja, was die Menschen da in den Städten treiben, das verstehe man auf dem Lande nicht, das müßten sich die Städter wohl untereinander ausmachen. Aber wie es denn komme, wollte er nach einer Weile wissen, daß nun für das Getreide so schlechte Preise gezahlt werden? Die Menschen hätten keine Arbeit und daher auch kein Geld, ont- wortete der Wanderer und betrachtete das zerfurchte Gesicht seines Gesprächspartners. Wer denn das Geld habe, fragte der, ob es nur die Reichen hätten? Auch die haben weniger, es gäbe gar nicht mehr so viele reiche Leute, wie man meine. Wer aber dann doch das Geld habe, forschte der Acker ge- wordene Mann. Ob es etwa der Staat be- sitze?— Nein, auch der habe es nicht, der könne nur existieren, wenn ihm von Zeit zu Zeit andere Staaten das notwendige Geld leihen.— Ob also diese anderen Staaten all das Geld hätten?— Nein, die hätten auch keinen Ueberfluß.— Aber, zum Teufel, irgendwo müsse doch das Geld sein, es könne doch nicht aus der Welt verschwunden sein! (Fortsetzung folgt.) Ton der QärinerkunU tin heHeres WapHel/ Ton Jiarel Capek Von Jezn Päulsthtm Geht erfüllt idiildert Karel Capek in«einem ..Dan Jahr des Gärtner«"( Bruno Canürcr Verlag, Berlin) mit Humor und mohlwollender Ironie die Freuden und Leiden eines Gartenltebhabers. IVir entnehmen dem B erk das nachfolgende Kapitel. Solange ich nur ein fernstehender und zer- slreuter Zuschauer fertiger Gärten war, hielt ich die Gärtner für Geschöpfe von besonders poetischem und seinem Geiste, die den Blumenduft züchten und dem Vogelsang lauschen. Jetzt, wo ich mir die Sache mehr aus der Nähe ansehe, finde ich, daß der richtige Gärtner nicht ein Mensch ists der Blumen züchtet, sondern ein Mann, der den Boden pflegt. Er ist ein Wesen, das in der Erde herumwühlt und den Anblick dessen, was über ihr ist, uns gaffenden Nichtsnutzen überläßt. Er lebt, in die Erde versunken. Baut sein Denkmal im Komposthaufen. Käme er in den Paradiesgarten. würde er berauscht herumschnuppern und sagen: „Mein Lieber, das ist ein Humus!" Ich glaube, er vergäße vom Obste de» Baumes der guten und schlechten Erkenntnis zu essen, eher würde er zu- sehen, wie er dem Herrn einen Schubkarren Paradieserde entführen könnte. Oder er würde bc- inerten, daß rund um den Baum der Erkenntnis eine ordentliche, fchüsselförmige Baumscheibe fehle: gleich begänne er dort zu graben, ohne zu wissen, was über seinem Kopfe hängt.„Adam, wo bist du?" riefe der Herr.„Gleich", würde der Gärtner über die Schulter hinweg antworten,„ich habe jetzt keine Zeit." Und würde weiter an seiner Baumscheibe arbeiten. Wäre der Mensch— Gärtner von Anbeginn der Welt, durch natürliche Auslese entstanden, hätte er sich wahrscheinlich zu einem wirbellosen Geschöpf entwickelt. Wozu hat der Gärtner über- Haupt einen Rücken? Wie es scheint, nur dazu, um sich von Zeit zu Zeit auszurichten und zu seufzen:„Mein Rücken schmerzt!" Was die Beine anbelangt, so lasse» sie sich auf verschiedene Weise zusammenlegen: man kann hocken, knien oder sie aus irgendeine Weise unter sich zusammenzwängen: die Finger bilden gute Pslöckchen, um kleine Gruben zu groben, die Fäuste zerbröckeln die Klumpen oder lockern den Boden auf, während der Kopf zum Einhängen der Pfeife dient. Rur das Genick gibt nicht noch, so sehr sich der Gärtner auch bemüht, es ordentlich zu biegen. Der Regen wurm im Karten Hot auch kein Rückgrat. Nach obenhin ist der Gärtner gewöhnlich durch das chinterteil abgeschlossen: Beine und Hände hält er gespreizt und den Kops, ähnlich einer weidenden Stute, irgendwo zwischen den Knien. Er gehört nicht zu jenen, die„ihre Gestalt, und sei es auch nur um eine Spanne, wachsen sehen möchten", im Gegenteil, er halbiert seine Gestalt, hockt sich nieder und verkürzt sie auf alle mögliche Weise So, wie ihr ihn zu sehen bekommt, ist er selten höher als ein Meter. Die Pfleg« des Bodens hängt einerseits von den verschiedenen Arten des Umgrabens, llmhackcns, Umfchollerns, Eingraben», Auflockerns, Ein- ebnen», Giatlmachens und Kräuselns ab, anderer- seits von den Zusätzen. Kein Pudding kann kam- plizierter sein als die Zubereitung der Gartenerde: sowest ich es verfolgen konnte, mengt man Dünger, Mist, Guano, Lauberde, Rasenerde. Ackererde. Sand, Stroh, Kalk, Rainit, Thomasmehl, Kinder- mehl, Salpeter, Hornmasse, Phosphate, Abfälle, Kuhfladen, Asche, Tors, Kompost, Wasser, Bier, den Inhalt ausgeklopster Pseisen, abgebrannt« Zündhölzer, tote Katzen und noch viele andere Substanzen bei. Dies alles wind ständig gemischt, eingegraben und zugesalzt. Wie gesagt, der Gärtner ist nicht ein Mensch, der an der Rose riecht, sondern von der Borstellung verfolgt wird, „daß der Boden noch ein wenig Kalk benötigt", oder daß er schwer sei(wie Blei,- sagt der Gärtner) und„mehr Sand verlange". Die Gärtnerei wird zu einer Art Wissenschaft. Heutzutage dürste das Mädchen nicht nur singen:„Unter unsern Fenstern, da wächst ein Rosenstrauch". Sie sollte lieber singen, daß man unter unseren Fenstern Salpeter und Buchenasche, sorgfältig gemischt mit feinem Häcksel, streuen möge. Die Rosenblüte ist sozu- sagen nur für die Dilettanten da: die Freude des Gärtners wurzelt tiefer, tm Schöße der Erde. Nach dem Tode wird der Gärtner nicht zu einem Schmetterling, der von Blumenduft berauscht ist, sondern zu einem Regenwurm, der von allen dunklen, stickstofshaltigcn und würzigen Ergötzlich- keiten der Erde kostet. Im Frühjahr lockt es die Gärtner, wie man sagt, unwiderstehlich in den Garten: kaum haben sie den Suppenlössel hingelegt, sind sie auch schon bei ihren kleinen Beeten, das Hinterteil zum wundervollen Himmel emporrcckend. Hier zerreiben sie zwischen den Fingern einen warmen .Klumpen, dort stecken sie ein verwittertes, kost- bares Stückchen vorjährigen Mistes näher zu den Wurzeln, da reißen sie Unkraut heraus, und hier klauben sie ein Steinchcn auf, jetzt lockern sie die Erde, um die Erdbeeren herum aus, und nach aus dem Maule des Hydranten: das Wasser rauscht im silbrigen, tönenden Strahle, der lockeren Erde entströmt der duftende Atem der Feuchtig- kcit. jedes Blättchen ist gleichsam üppig grün und glänzt in schmackhafter Freude, daß man es am liebsten aufessen möchte.„Also jetzt hat er genug". Vs*f> einer Weile beugen sie sich, die Nase am Boden, vor einigen Salatsetzlingen und kitzeln verliebt das zarte Wurzelbüschel. In dieser Lage genießen sie den Frühling, während über ihren Lenden die Sonne ihren berühmten Kreislauf vollführt, die Wolken ziehen und sich die himmlische Vogelwclt paart. Schon öffnen sich die Kirschenknospen, die jungen Blätter entfallen ihre liebliche Zartheit, und die Amseln lärmen wie verrückt: da richtet sich der echte Gärtner auf, macht das Kreuz hohl und sagt schwermütig:„Im Herbst werde ich es ordentlich düngen und ein bißchen Sand dazu- geben." Aber einen Augenblick gibt es, wo sich der Gärtner ausrichtet und zu seiner vollen Größe emporreckt: das ist dos Stündchen am Nachmiltag. in dem er feinem Garten das Sakrament des Bespritzen» erteilt. Dann steht er, ausrecht und gleichsam erhaben, da und leitet den Wasserstrom flüstert der Gärtner selig: damit meint er nicht den mit Knospen besäten Kirschbaum noch den purpurfarbenen Johannisbeerstrauch: er meint den braunen Gartenboden. Und wenn dann die Sonne untergeht, sagt der Gärtner auf dem Gipselpunkt der Zufriedenheit: .Heute habe ich mich was geplagt!" MlaWiche ZPItilofophen .Tlolin(205-2«» II. Chr.) Warum ist, wenn das Gute, so auch das Böse eine Notwendigkeit? Etwa deswegen, weil im Weltbild die Materie vorhanden sein muß? Dieses Weltall besteht ja notwendig aus Gegen- fützen, und ohne die Materie wäre es überhaupt nicht vorhanden. Es ist also die Natur dieser Welt gemischt aus Geist und Notwendigkeit, und was von Gott in sie gekommen ist, das ist gut: das Böse aber stammt aus der alten Natur, worunter Piato die zugrunde liegende Materie versteht, die noch nicht durch die Ideen(Formen) geordnet war... Ist es so, so kann man mit Recht sagen, das Böse könne niemals zugrunde gehen... Man kann aber die Notwendigkeit des Bösen auch fol- gendermaßen begreifen: Da das Gute nicht allein existiert, so muß infolge des Heraustretens aus ihm oder, wenn man sich so ausdrücken will, in- folge des steten Hcrabsteigens und Fernerrückens das Letzte entstehen, nach dem nichts mehr ent- stehen konnte, und dies ist das Böse. Nach dem ersten muß notwendig etwas kommen, also das letzte. Das aber ist die Materie, die nichts mehr von ihm(d. h. dem ersten) hat. Also ist das Böse notwendig. � Das Hcyideln geschieht um des Schaucns und der Anschauung willen. Darum ist auch für die .Handelnden das höchste Gut das Schauen, und was sie aus geradem Wege nicht erlangen können, da« suchen sie nun aus Umwegen zu erioiigwi. Denn auch wenn sie ihren Zweck erreichen, besteht dieser offenbar in dem vorgesetzten Ziel des Schauens, dem sie nicht zustreben, um es nicht zu erkennen und als gegenwärtig in der Seele zu schauen. Denn sie handeln ja auch um de» Guten willen, aber nicht, damst sie es außer sich oder gar nicht haben, sondern um das aus ihrer Hand- hing entspringende Gute zu besitzen. Wo ist aber dieses? In der Seele! So schlägt das Handeln wieder in das Schauen um. Denn was es in der Seele, die Vernunft ist. ergreift, was sollte das anderes sein als schweigende Vernunft? Die Verluste im Hoesch-Konzern Der Hoesch-Konzern veröffentlicht jetzt als drittes westdeutsches Montanunternehmen Jahresabschluß und Geschäftsbericht für das am 30. Juni beendete Geschäftsjahr 1931/32. Das Bild ist das gleiche wie bei Klöckner und Haniel. Produktions- und Umsatzschrumpfung, Bclegschastsabbau und Lerlustausweis. Bei Hoesch tritt der Verlust des letzten Jahres allerdings nicht in Erscheinung, weil dieses Unternehmen als erster Montankonzern eine Bilanzbereinigung vorgenommen hat. 1930/31 1931/32 (olles tu Millionen Mark) Umsah........ 151 105,8 Rohgewinn....... 7,5 0,68 Abschreibungen aus Anlagen. 10,7 11.08 Die Umsatzsenkung ist im letzten Jahr mit knapp 30 Proz. erheblich geringer als bei dem Stahlverein(38,5 Proz.), erreicht aber gegenüber dem Jahr 1929/30, in dem die Eisen- konjunktur ausklang, mehr als 50 Proz. Den verringerten Einnahmen stehen aber auch e r- hebliche Kostensenkungen gegenüber. Der Belegschaftsabbau von 25 774 aus 18 960 Mann drückte mit den Herabgesehlen Löhnen die Sozialbeiträge von 9,28 auf 6,51 Millionen Mark herunter. Die Steuern sanken auf 4,91 gegen 8,22 Millionen Mark, da hohe Beträge wegen des Vorjahrsverlustes zurückerstattet wurden und die Verwaltungskosten konnten um etwa 750 000 Mark verringert werden. Nach Wzug sämtlicher Unkosten verbleibt ein Rohgewinn von 0,68 Millionen Mark, so daß nach Vornahme von 11 Millionen Mark A b- s ch r e i b u n g e n auf die Werksanlagen ein V e r l u st von etwa 10,3 Millionen entstanden ist. Durch Auflösung von Reserven und Einziehung von 40 Millionen Mark Vorratsaktien, die bisher Vorneühnie einer Reinigungsaktion als Kreditunterloge bei Schweizer Gläubigern lagerten, stehen der Gesellschaft jedoch Buch- gewinne von fast 31 Millionen zur Ver- sügung, womit nicht nur das entstandene Defizit gedeckt, sondern auch noch eine Sonder- abschretbung von 20,2 Millionen Mark— hauptsächlich aus Beteiligungen vorgenommen werde» kann. Vorweg wurde noch die Krisen- rücklage aufgelöst, so daß die Gesamt- abschreibungen 39 Millionen erreichen. Seit Juli ist, wie die Verwaltung mitteilt, eine merkliche Besserung eingetreten. Die Kosten- senkung hat dazu geführt, daß bereits seit Februar dieses Jahres wieder ohne Verlust gearbeitet wird. Der Umsah Zuli bis Oktober erreichte 11 gegen 16 Millionen Mark in der gleichen Zeit des Vorjahres. Damals ober wurde mit Verlust, jeht bereits mit Gewinn gearbeitet. Neu eingestellt wurden bisher etwa650 Mann. Obwohl Hoesch erheblich günstiger dasteht als der Stahlverein— ein Drittel des Umsatzes bei Hoesch entfallen auf den weniger von der Krise betroffenen Bergbau— hält das Unternehmen jetzt eine größere Bilanzbereinigung für notwendig. Dabei hat Hoesch seine An- lagen weit stärker abgeschrieben als andere Montankonzerne. Im Vorjahr waren es 6,7 Proz. und diesmal sogar 7,3 Proz. des Anlagewertes. während der Stohlverein im Vorjahr nur 4 P r o z. von dem Anlagewert abschrieb. Auch die Zinskosken belasten den Umsah bei hoesch knapp zur halste so stark, wie dies bei dem Stahlverein mit 5.6 Proz. im Jahr 1930/31 und mit schätzungsweise 10 Proz. im letzten Jahr der Fall gewesen ist. Diese für den Stohlverein niederschmetternden Vergleiche hindern aber nichi, daß die Großaktionäre unter Führung von Fritz T h>> s s e n jede Notwendigkeit einer Sanierung ableugnen. Wird die Bilanzbereinigung bei 5ioesch den vom Reich eingesetzten Revisor bei dem Stahlverein. Herrn von Flotow, nicht etwas bedenklich stimmen? ZtimmunAsmae�e Stahlverein meldet Reingewinn Die Stimmungsmache der privaten Groß- aktionäre des Slahlvereins gegen eine Sanierung — neben forcierten Börsenkäufen— geht weiter/ sie nimmt groteske Formen an. Ein Korre- spondenzbüro meldet, daß im Monat Oktober seit langer Zeit wieder ein Reingewinn erzielt worden sei. Die Beschästigungslage werde im Stahloerein recht zuversichtlich beurteilt. Eine solche Nachricht kann nur von den Jnter- essenten stammen. Sie ist irreführend im höchsten Maß. Der Laie setzt Reingewinn und Betriebs- gewinn, setzt die wenigen noch beschäfligten Werks- teile mit dem ganzen Betrieb gleich. Tatsächlich wird zur Zeit— außer den besten Zeiten— fast nurdas Hambvrner Werk beschäftigt, das hochprozentig ausgenutzt wird. Tatsächlich sind nur die nackten Betriebskosten ge- deckt, d. h. Material- und Lohnaufwand. Ab- schreibungen, Sleuern, Generalunkosten sind zum größten Teil nicht, Zinsen überhaupt nicht be- rücksichtigt. Es handelt sich also um die plumpe sie Irreführung, die man sich denken kann. Sie steht freilich aus dem Niveau der privaten Großinteressenten im Ruhrtrust selbst. Die �eidwlzan� Neuer Rückgang der Kredite Der Reichsbankausweis vom 30. November zeigt einen neuen Rückgang der oon der Reichs- dank gewährten Kredite. Die zum Monatsschluh gegenüber der Vorwoche wie immer gestiegene Kreditgewährung liegt erheblich unter den Ziffern vom Oktoberende. Die gesamte Kreditgewährung nahm in der vierten Novemberwoch« um 351 aus 3367,7 Millionen zu/ das ist aber ein um rund 90 Millionen niedrigerer Stand als am 31. Oktober. Die Wechselbestände wuchsen um 202 auf 2731,2 Millionen(sogar 130 Millionen weniger), die Schatzwechsel um 28,1 aus 34,6 Mil- lionen und die Lombarddarlehen um 121 auf 207 Millionen. Zinslose Girogelder sanken um 11 auf 418,1 Millionen Mark. Der Notenumlauf stieg gegen die Vorwoche entsprechend um 224,9 auf 3531 Millionen, bleibt aber im Verhältnis zu Ende Oktober w e i- tcr rekordmäßig niedrig. Ilmlaufende Rentenbankscheine wurden um 19,9 aus 409,1 Mil- lionen vermehrt. Die Devisenbilanz war wieder aktiv. Einer Vermehrung der Golddeständ« um 8,6 aus 827,2 Millionen steht eine Verringerung der Devisen um nur 5,1 Millionen auf 109,7 Millionen gegenüber. Die Notendeckung bleibt mit 26,5 gegen 28,2 Proz. in der Vorwoche weiter relativ g ü n st i g. Von einer Wirtschaftsbelebung durch neue Reichsbankkredit« ist nach wie vor keine Rede. Die aufgegebene Hortung so hoch einzuschätzen, daß sie den Rückgang der Reichsbankkredite über- kompensiert, liegt kaum ein Anlaß vor. O e s s e n t- liche Arbeitsbeschaffung bleibt nach wie vor Ausgabe und Problem. Tilgung des Notenbankkredits Der ausländische Notenbankkredit von 90 Millionen Dollar ist bis z u in 5. M ä r z v e r l ä n- g e r t worden. Da die Reichsbant feit August ihre Währungsreserve vermehren konnte, und zwar um rund 12 Millionen Mark, wird eine R ü ck z a h l u n g s v e r p f l i ch t u n g auf den Kredit fällig. Sie soll sich aus 3 Millionen Dollar belausen, also ungefähr der Bestandsmehrung entsprechen. Ueberschuß hat auch saison mäßige Ursachen, da im September regelmäßig der Export oon Getreide der neuen Ernte einsetzt. Es bleibt also abzuwarten, wie lange die Aktivität des russischen Außenhandels anhält. In den ersten neun Monaten dieses Jahres betrug die Einsuhr 552 Millionen Rubel gegen 804 Millionen Rubel zur gleichen Zeit des Vor- jahres: die Ausfuhr ist weniger stark, von 594 auf 411 Millionen Rubel, zurückgegangen, so daß der Einfuhrüberschuß während dieses Zeit- raumes von 210 auf 141 Millionen Rubel sank. Die Konkurse im November. Nach Mitteilung des Statistischen Reichsamts wurden im Monat November 1932 durch den..Reichsanzeiger" 449 neue Konkurse und 267 eröffnete Vergleichs- verfahren bekannt gegeben. Die entsprechenden Zahlen für den Vormonat stellten sich auf 459 bzw. 262. Die amerikanische Brauindustrie. Der Haus- Haltsausschuß des amerikanischen Repräsentantenhauses hat die Brauindustriellen um einen Bericht über den Stand der Brauindustrie und um Vor- schlage über die Behandlung der Bier- frage ersucht. Forderungen des ADGB. voran! Vergebliche nazd-komnuinistische Sabotage Rußlands Außenhandel Seit September Ausfuhrüberschuß Rußlands Außenhandel verzeichnete seit Jahren einen Einfuhrüberschuß, weil zum Auf- bau der russischen Industrie große Mengen von Eisen, Stahl und Maschinen und früher zur In- tensivierung der Landwirtschaft viele Traktoren und landwirtschaftliche Maschinen eingeführt wur- den. Die Ausfuhr von Rohstoffen(Erze, Hotz. Erdöl) und Getreide brachte immer geringere Devisenbeträge, da die Weltmarktpreise dauernd sanken. Die Sowjetunion ist infolgedessen in diesem Jahre zu einer planmäßigen Drosselung der Einfuhr geschritten, derzufolge zum ersten Male im September«in Aussuhrüberschuß von 5,5 Millionen Rubel zu verzeichnen war. Der Der nationalsozialistische„Angriff" und die kommunistischen Blätter„Berlin am Morgen" und die„Welt am Abend" sind höchst unzu- frieden darüber, daß der Allgemeine Deutsche Gewerkschaftsbund bei Herrn von Schleicher die sofort durchzuführenden Forderungen der Gewerkschaften angemeldet hat. Der„Angriff"— in völliger Uebereinstimmung mit den kommunistischen Blättern— behauptet. der ADGB. habe einen„neuen Lohnraub vor- geschlagen". Nämlich weil der ADGB. die Forderung aufstellt:„Die Verkürzung der Ar- beilswoche auf 40 Stunden muß unverzüglich als gesetzliche Maßnahme durchgeführt werden." Die Frage des Lohnausgleichs hat der ADGB. dabei nicht angeschnitten. Bei der Durch- sllhrung dieser Forderung würde es sich heraus- stellen, daß man in vielen Fällen um einen Lohn- ausgleich nicht herumkommt. Die 40-Stunden- Woche von vornherein mit der Frage des Lohn- ausgleichs belasten, hieße— zumal bei dem gegenwärtigen politische» Kräfteverhältnis— sie zum Scheitern verurteilen und die Arbeits- losen der Verzweiflung überlassen. Aber das wäre der nationalsozialistisch-kommunistischen Ein- heitsfront gar nicht so unangenehm. Beide leben ja von der Verzweiflungsstimmung der Massen. Während die kommunistischen Blätter sich damit begnügen, die Gewerkschaften herunterzureißen. macht der„Angriff" sozusagen einen„praktischen" Vorschlag, wie man die 40-Stunden-Wache ein- führen könne ohne Lohnausgleich und ohne Lohnsenkung! Jawohl. „Das kann nur oerhindert werden, wenn das nationalsozialistische wirlschastsprogramm m i t autoritärer Geldschöpfung durchgeführt wird." Jedermann Milliardär. Wie zu den unseligen Zeiten der Inflation. Ist der„Angriff" ulkig, mit seiner„autoritären Geldschöpfung", so sind die kommunistischen Blätter nur dumm, wenn sie sich auch bemühen, die Dummheit zur Gemeinheit zu steigern. Natürlich unterlassen beide Blätter den Abdruck des Briefes an Schleicher. Die Leser könnten sich ja dann selbst einen Vers dazu machen. Das koinmunistische Morgenblatt skizziert den Inhalt des Brieses zunächst insofern richtig, als es an- führt, daß die Notverordnung vom 5. September über den Lohnabbau außer Kraft gesetzt werden soll.(Das kommunistische Abendblatt dagegen behauptet, es werde nur ihre Revision verlangt.) Am Schluß des Artikels des kommu- nislischen Blattes wird dann aber behauptet, daß der ADGB.„nirgendwo die Aufhebung der Papenschen Notverordnungen vom 14. Juni und vom 5. September fordert". Und dann folgt ei» schreckliches Kraut-und-Rüben-Durcheinander. Es wird in die Verordnung vom 4. September hineingedichtet, was nie drin stand. Und dann wird„festgestellt", daß die Gewerkschaftsführer „das alles" gesetzlich anerkennen. Also: Erst heißt es, man oerlange die Aufhebung dieser Not- Verordnung, dann ist diese Forderung„ein nach- trägliches Einschwenken in die Papensche Not- Verordnungspolitik". Wie gesagt: das Blatt will gemein sein/ es ist aber nur dumm. Sich mit der„Welt am Abend" auseinander- setzen, lohnt nicht. Von den wirtlichen Forde- rungen der Gewerkschaften bringt das Blatt kein Wort. An dessen Stelle veröffentlicht es ei» Sammelsurium von Dummheit und Gemeinheit, das eine Erwiderung nicht wert ist. Nur einige Proben. Der ADGB. habe„nichts einzuwenden gegen die Brüningschen und Papenschen Notver- ordnungen", er verlange den„Ausbau der Ar- beitsdienftpflicht"— die nicht besteht und also nicht„ausgebaut" werden kann: er verlange „einen weiteren Lohnabbau".„Auf dieser Grund- läge würden die Gewerkschaften Schleicher tolerieren." Diese Häufung von Dummheit und Gemeinheit in der nazi-tommunistischen Einheitsfront, weil der ADGB. den psychologischen Augenblick erfaßt hat, um einen Vorstoß zugunsten der Arbeitslosen zu machen, beweist zweierlei: 1. daß der ADGB das rechte Wort zur rechten Zeit aus- gesprochen hat/ 2. daß seine Forderungen im Vordergrund des ö f s e n t l i ch e n Jnter- e s s e s st e h e n. Niemand wird sich ihnen mehr offen zu widersetzen wagen. Sie müssen durchgeführt werden! Mieder„Entlarvung" Kommunistische Rhantasien In dein kommunistischen Morgenblalt„Berlin am Morgen" vom 1. Dezember werden unter der lleberschrift„DMV.-Arbeiterrat-oorsitzender als Ilnternehmerfpitzel" wüste Phantasien über angeb- liche Verbindungen des ZdA., des Butab und des DMA. mit einer angeblich exiftiereniden Unter- nehmerspitzelorganiiation verbreitet. Wir ver- mögen nichl zu untersuchen, inwieweit der dort behandelte Brief echt ist, auf Bestellung geliefert wurde oder eins der in der kommunistischen Presse gewohnten Phantasieprodukte ist. Die an diesem Schmutz Beteiligten müssen sich hierüber den Kopf zerbrechen. Nach Rückfragen bei den beteiligten Verbänden stellen wir hier nur fest, daß keiner Instanz dieser Verbände irgendwelche Beziehungen zu den in dem Brief genannlen Stellen bekannt ist. Es gibt in den Leitungen der genannten Verbände über- Haupt niemanden, der dieses sogenannte „Sozialwissenschaftliche Rednerarchiv" auch nur kennt. Die sprichwörtliche Unzuoerlässigkeit sogenannter kommunistischer Funktionäre liefert den freien Gewerkschaften fortlaufend so tiefe Einblicke in die kommunistische Arbeit, daß sie es wahrlich nicht nötig haben, sich der hinterlistigen Methoden zu bedienen, die im kommunistischen Lager üblich sind. Die Spigelriecherei>d«r Komniunisten mag daran liegen, daß man im kommunistischen Lager gewohnt ist, mit diesen Methoden zu arbeiten. Man soll nicht oon sich auf andere schließen! Ein kleiner Fortschritt Der Verwaltungsrat der Reichsversicherungs- anstatt für Angestellte hat am 29. November eine Satzung beschlossen, die die Altersgrenze für den Bezug oon W a i s e n r e n te und Kinder- Zuschüssen voni 15. aus das 18. Lebensjahr erhöht. Voraussegung hierfür ist Schul- und Berufsausbildung des Kindes. Die höhere Altersgrenze gilt auch dann, wenn das Kind infolge körperlicher oder geistiger Gebrechen außerstande ist, sich selbst zu erhalten. Diese Leistungserhöhung, zu der die Selbstverwaltung der Angestelltenversicherung auf Grund der Juni- Notoerordnung ermächtigt war, erstreckt sich auch auf die Ersatzkasfen der Angestelltenversicheruiig und tritt rückwirkend ab 1. Oktober 1932 in Kraft. Der Reichsarbeitsminister hat die gesetzlich vor- geschriebene Zustimmung zu diesen Mehrleistungen bereits erteilt. Diese Mehrleistungen werden nur aus An- trag gewährt. Anträge sind zu richten an das Direktorium der Reichsversicherungsanstalt für Angestellte, Berlin, Ruhrstraße 2. An den Arbeitsämtern I�ehr Arbeit— Entlassungen Seit Monaten ist der Vorstand der Reichsonstalt beschäftigt, um eine Umänderung der Per- sonalbemesfungsgrundlage herbeizuführen. Durch die Zuni-Notverordnung ist eine Reu belastung des Arbeitsamlsperfonals u m 3 0 D r og. eingetreten. Diese AeststeUung hat in Verlin der Sonderbeauftragte des Landesarbeitsamtes Dr. L ö n i n g, Direktor des Arbeitsamtes Bertin-lvest, durch persönliche Nachprüfungen in den Berliner Arbeitsämtern getroffen. Die hauptstelle der Reichsanstalt hat die Höchstbelastungszahl um etwa 15 Proz. gesenkt. Die Berliner Arbeitsämter haben erwartet, daß nun auch eine entsprechende Vermehrung des Personals eintritt. Die Bürokratie Hot aus dieser Anordnung, die N e u e i n st e l l u n g e n zur Folge haben sollte, in Berlin Entlassungen veranlaßt, die sich am Z. Dezember durch Ausscheiden von rund 150 Angestelt- t e n zeigen. Wir warnen in letzter Stunde, die Geduld der Arbeitslosen und des Arbeitsamtspersonals nicht einer Belastungsprobe auszusehen, die unerträglich ist. Am die Organisation! Mahnungandic Berliner Buchdrucker Die Berliner Buchdrucker stehen vor wichtigen Entscheidungen. In den Bezirks- Versammlungen am Sonntag und Montag müssen die Neuwahlen der Bezirksleitungen und in sechs Bezirken auch noch die Delegierten- wählen für das Jahr 1933 vorgenommen werden. Der Ausgang dieser Wahlen ist von größter Bedeutung für die künftige Entwicklung des Gaues Berlin des Buchdruckerverbandes»na damit für das Schicksal der Berliner Buchdrucker. Bon den K o in m u n i st e n werden die größten Anstrengungen gemacht, um bei den Berliner Buchdruckern Einfluß zu gewinnen. Zu diesem Zweck haben die Kommunisten unter rücksichtsloser A u s n u tz u n g d e r Notlage der Arbeits- losen mit allen zu den freien Gewerkschaften irgendwie in Opposition stehenden Gruppen eine sogenannte„Einheitssront" gebildet. Die Kom- munisten sind in verschiedenen Bezirken sogar von Haus zu Haus gegangen, um Buchdrucker zur Kandidatur auf den„oppositionellen" Listen zu bewegen. Für die Kommunisten ist also weniger die Tätigkeit des einzelnen für die Organisation und seine persönliche Befähigung, als vielmehr die Feindschaft zu den freien Gewerk- s ch a f t e n maßgebend. Das zeigt deutlich, wohin der Weg gehen soll. Deshalb ergeht an alle Berliner Buchdrucker der freigewerkschaftlichen Richtung die dringende Mah- nung, die kommenden Bezirksversammlungen voll- zählig zu besuchen, um eine ordnungs- mäßige Durchführung der Wahlen zu ermöglichen.