Abend- Ausgabe Nr. 570 B 277 49. Jahrg. Reboktlon und Verlag, Berlin SW 68. Cinbenftr. 3 5emfp«(f)et al 7 Am, Dönhoff 292 bU 297 Ttltgramm-ibr-si«- Sozialbemoln» Berlm BERLIN ER VOLKSBLATT SONNABEND 3. Dezember 1932 In Groß- Berlin 10 Pf. Auswärts...... 10 Pf. Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise siehe Morgenausgabe Jentvatovsa« der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Kasperle L,acher!!ehheit tötet nicht Deutschland ist das Land, in dem Lächer- lichkeit nicht tötet, sonst wäre die NSDAP. überhaupt nicht zur Welt gekommen, und ihr Führer, Adolf Hitler, wäre längst tot. Seit dieser am 8. November 1923 mit der Pistole in der Hand in den Lichtkegel der breiten Oeffentlichkeit trat, bis zum heutigen Tage, umwittert ihn ein Hauch unfreiwilliger Komik. Der Gendarm von Hildburghausen, der Regierungsrat von Braunschweig, der Marquis Posa vom 13. August, zuletzt der entführte Führer von Jena-Weimar— scheint es nicht, als ob dieser Mann über- Haupt nur für die Witzblätter geboren wäre? Der groteske Reklameschwindel, den seine Propagandachefs mit ihm treiben, ist nur ge- eignet, diesen Eindruck zu verstärken. Man tut, als wäre Adolf Hitler der Nabel der Welt. Alles blickt auf ihn und alles dreht sich um ihn. Er tritt sozusagen an die Stelle des lieben Gottes, ohne dessen Willen kein Sper- ling vom Dache fällt. Beispielsweise liest man jetzt im Kölner Naziblatt, dem„Westdeutschen Beobachter", unter der etwas viel- deuligen Ueberschrift„Die Verwirrung steigt ins Unermeßliche. Wo ist Hitler?" das Folgende: Die Tatsache, daß Adolf Hitler am Mittwoch nicht zur Aussprache mit Herrn von Schleicher nach Berlin kam, hat die Verwirrung ine Un- ermeßliche gesteigert. Mitlags erfuhr inan, daß der Führer in Weimar mit Straßer, Dr. Frick und Göring zusammengetroffen ist. Seitdem sind alle Augen nach Thüringen, nach dem Mann gerichtet, der in der Tat zur Zeit alle Trümvse in der Hand hat. von ihm und seinen Entschlüssen hängt allein das Gedeihen der Herren ocn Popen, von Schleicher und Meißner ab. nicht zuletzt das des Herrn Reichspräsidenten selbst, von dem heute wieder einmal, wie schon vor einigen Tagen, das Gerücht verbreitet wird. daß er amlsmüde sei. Pape«, Schleicher, Meißner und Hindenburg werden also in Zukunft ihr Nachtgebet an Adolf Hitler richten müssen. da ja ihr Gedeihen allein von i h m abhängt. Vielleicht ist er ihnen dann gnädig. Für einige von ihnen, wie besonders für Herrn von Schleicher, hat er ja sowieso schon immer eine Schwäche gehabt. Der nüchterne Zuschauer weiß freilich nicht, worüber er mehr staunen soll: über die Schmücke, die es fertig bringen, ein solches Zeug zusammenzuschmieren, über den „Führer", der geschmacklos genug ist, solche Schmockcreien zu dulden, oder über das treu- deutsche Publikum, das der ganzen Komödie mit Begeisterung folgt und ihren urkomischen Helden nicht nur ernst nimmt, sondern auch anbetet. Deutschland ist das Land, in dem Lächer- lichkeit nicht tätet. Bullerjahn freigesprochen Das Reichsgericht stellt das Recht wieder her Börse wartet ab �urüchhaltimg gegenüber Schleicher Dic Finanzwelt, die am Freitagmittag die Ztachricht vq>, der Ausschaltung Popens mit großer Erleichterung begrüßt hatte, verhielt sich an der heutigen Börse äußerst zurückhaltend. Es war nach dem Verlauf der vergangenen Börscnwoche geradezu auffallend, wie die Um- säge heute zusammengeschrumpft waren. Sowohl die Bankwelt, wie die berufs- mäßige Spekulation und auch das Publikum warten ab, was der neu« Mann im Reichskanzler- palais tun wird. I. E. Farben gingen nach anfänglicher Steige- rung bis auf Proz. wieder auf 97'/« zurück. Siemens verlor gegenüber seinem höchsten Lturs von 127 sogar 3 Punkte und wurde gegen K-l Uhr mit etwa 121 Proz. angeboten. Auch der Renten- markt war bei kle nstem Geschäft schwach. Pfand- briese waren im Durchschnitt um 1 Proz. gedrückt. Leipzig, 3. Dezember. Ter Strafsenat des Reichsgerichts der- kündete heute mittag folgendes Urteil: Ter Angeklagte Walter Buller- jahn wird unter Aufhebung des Urteils des 4. Strafsenats des Reichsgerichts vom l 1. Dezember 1925 auf Hosten der Reichs- kaffe freigesprochen. Nach der Urteilsverkündung erlitt die im Zuhörcrraum sitzende Mutter Bullerjahns einen Zusammen- b r u ch und mußte von dem älteren Bruder' des Angeklagten hinausgeführt werden. Der Begründung stellte der Borfigende, Senats- Präsident Dr. Bänger, dic Feststellung voraus: Die Freisprechung des Angeklagten ist mangels ausreichenden Beweises erfolgt, Der Angeklagte bleibt in nicht unerheblichem Maße verdächtig. * Der Freispruch Bullerjahns macht ein Unrecht gut, das das höchste deutsche Gericht in der Psychose nationalistischer Verblendung be- gangen hatte. Achnlich wie im Falle Fechenbach waren auch hier dic n a t i o n a l i st i s ch e n In- st i n k t e so hochgepeitscht, daß das Recht darüber zu Schaden kam. Die Zeit der Ruhrbesetzung spielte Hinein. Der Entwaffnungskommission war es gelungen, ein verhältnismäßig großes Lager mit verbotenem Material zu finden, allerdings leine Kanonenrohre, wie behauptet wurde, fon- dern nur das Rohmaterial dazu. Die nationa- listische Agitation, der sich das Reichsgericht be- denkenlos anschloß, behauptete, daß der Berrat dieses Lagers die Verlängerung der Ruhrbesetzung zur Folge gehabt habe. Heute steht fest, daß da- von nicht die Rede ist, aber es wurde blindlings geglaubt. Dieser Berrat erheischte Rache! Rechtsirrtümer sind auch in anderen Prozessen vorgekommen. Was aber diesen Rechtsirrtum so außerordentlich bedeutungsvoll niachte, war die Tatsache, daß das Reichsgericht, um verurteilen zu können, sich über einen Elementar- grundsatz des Rechts hinwegsetzte: daß nämlich der Angeklagte seine Belastungs- zeugen persönlich kennen, daß er ihnen gegenübergestellt werden und Gelegenheit erhalten muß, zu ihren Aussagen Stellung zu nehmen. Von diesem Grundsatz der Unmsttelbarkeit des Verfahrens wich das Reichsgericht in er- schreckender Weise ab. Es begnügte sich mit der von einem Kriminalbeamten vorgetragenen Aussage eines„ungekannten Gewährsmannes", der seinerseits wieder ausgesagt haben sollte, was ihm englische Mitglieder der Entwaffnungskom- Mission mitgeteilt hätten. Eine dreifach mittel- bare Aussage! Trotz allen Drängens erfuhr Bullerjahn in der Verhandlung nicht, wer der unbekannte Gewährsmann war, der ihn so schwer belastete. Es war der zu früh verstorbene Genosse Paul Levi, der als erster sich dieses Falles annahm und die Ungeheuerlichkeit des retchsgerichtlichen Vorgehens im Reichstag geißelte. Er Hai den Triumph der Sache, für die er mit all seiner tämpserischen Leidenschaftlichkeit«intrat, nicht mehr erlebt. Aber am Tage des Freispruchss Bullerjahns muß sein Name in erster Linie als eines Kämpfers um das Recht genannt werden. Aus den Verhandlungen ist unsern Lesern bc- kannt, daß als der unbekannte Gewährsmann der Direktor von Gontard festgestellt wurde. Es ist auch bekannt, wie seine Angaben bei kritischer Beleuchtung mehr und mehr zusammen- schrumpften, wie Herr von Gontard sich nicht einmal mehr der Namen seiner angeblichen englischen Gewährsleute erinnern wckllte. Wer das Verhör dieses Zeuge» verfolgt hat, dem graut bei der Vorstellung, auf welche Weise ein Mensch für fünfzehn Jahre ins Zuchthaus kommen kann durch „ungenannte Gewährsmänner". Bullerjahn hat fast die Hälfte dieser Strafe verbüßen müssen. Diese Tatsache kann auch die Wiederherstellung des Rechts nicht rückgängig machen. Der Fall Bullerjahn bleibt eine ewige War- n u n g für alle Gerichte, nicht aus irgendwelcher Leidenschaft und Verurteilungssucht heraus sich über die elementar st en Grundsätze des Rechtsverfahrens hinwegzusetzen. Was im Falle Bullerjahn einmal geschehen ist. dürste nie wieder vorkommen. Leider aber haben wir zur Zeit ein S o n d e r g e r i ch t s v e r f a h r e n, das ähnlichen Rechtsirrtümern Tür und Tor öffnet. Vr Wie die Deutsche Liga für Menschenrechle mit- tellt, kommt Bullerjahn mit dem Abendzug um 6.98 Uhr auf dem Anhalter Bahnhos an, wo er von der Deutschen Liga für Menschenrechte mit seinen Verteidigern empfangen werden wird. Ein« Veranstaltung über den Bullerjahn-Prozeß und seine Lehren findet im Rahmen einer Miglieder- Versammlung mit eingeführten Gästen am Diens- tag, dem 13. Dezember, im Langenbeck-Virchow- Haus statt. Schleicher bei Hindenburg �er am Sonntag .Abschieclssitznng des Papen-Kabinetts Reichskanzler von Schleicher hat sich heute vormittag um tt.Zo Uhr zum Reichspräsidenten begeben und ihm die vorläufige INinisterliste überreicht. Außer den bekannten fünf aus dem allen Kabinett wird die vorläufige Lifte enthalten: Dr. L r a ch t als R e i ch s i n n e n m i n i st e r, de» Präsidenten des Londesarbeitsamtes Iveflsalen in Dortmund Ordemann als Reichsarbeitsmini st e r. Ungeklärt ist noch die Frage des w i r t s ch a f I s- und Ernährungsministeriums. Doch soll die vollständige Ulinistcr- liste heute nachmittag fertig und vom Reichspräsidenten genehmigt sein. Um 12.39 Uhr fand die Schlußsitzung des alten Kabinetts statt. Um 12.45 Uhr traten die INitglieder des Kabinetts von Schleicher zu einer ersten Besprechung zusammen. Die Bekanntgabe der Ernennung dürste im Laufe des Nachmittags erfolgen. * Schleicher wünscht die gegenwärtigen Leiter dieser beiden Ministerien auch in sein Kabinett auszunehnien. Er hat daran jedoch die Voraus- sctzung geknüpft, daß sich W a r m b o l d und Braun über die bisher zwischen ihren Mini- sterien bestehenden Differenzen verständi- g e n. Die beiden Minister haben sich deshalb am Freitagabend zusammengefegt und oersucht, ein künftiges Wirtschaftsprogramm sertigzustellen. Wie es heißt, ist der Versuch gelungen, so daß nunmehr die legte Entscheidung darüber, ob das Wirtschaftsministerium und das Reichsernährungsministerium unter den alten Ministern weitergeführt werden sollen, l>«i Schleicher liegt. Dem Reichstag wird sich die Schleicher- Regierung er st Mitte Dezember v«rstellen. Zwar tritt der neue Reichstag bereits am Diens- lag der kommenden Woche zusammen. Schleicher hat aber den Wunsch, die Regierungsmaschinerie zunächst wieder ins Laufen zu bringen und dann ohne Ha st ein Regierungsprogramm zu formulieren. Er glaubt, mit diesen Arbeiten kaum vor Mitte Dezember fertig zu sein, so daß er dem nationalsozialistischen Reichstagspräsidenten Göring als dem Einberuser des neuen Reichs- tags den Vorschlag machen wird, am kommenden Dienstag die K o n st i t u i e r u n g des Parla- ments mit der Neuwahl des Präsidenten vorzunehmen und dann eine neue Sitzung etwa zum 14. oder 15. Dezember einzuberufen. Schleichers �nknahme im Ausland Die Ernennung Schleichers hat im Ausland in- sofern überrascht, als nach den letzten Meldungen eine Wiederbetrauung Popens erwartet wurde. Der neue Kanzler findet jenseits der Reichsgrenze eine relativ günstige Zlufnahme, da man von ihm eine Entspannung der Lage in Deutschland erwartet, während von einer Rückkehr Popens das Schlimmste befürchtet wurde. Allerdings steht man sowohl in Paris wie in London unter dem Eindruck, daß nunmchr ein General den höchsten Regierungsposten be- kleidet, eine Erscheinung, die in demokratischen Ländern nicht gerade angenehm berührt, weil sie mit dem Begriff..Militärdiktatur" verbunden ist. Dennoch sind die meisten Auslondsblätter, nament- lich unter dem Eindruck der Berichte ihrer Ber- liner Korrespondenten bemüht, das Mißtrauen ihrer Leser in dieser Hinsicht zu beschwichtigen. indem sie die Klugheit Schleichers rühmen und ihn als einen Fortschritt gegenüber Papen darstellen. Dos Berliner Sonnlagsweller wird nach einer Mitteilung des Amtlichen Wetterdienstes„leidlich" fein. Die Prognose lautet:„Wechselnde Bewölkung, zeitweise Aufheiterung, etwas stärkere Winde und leichte Abkühlung." Zm großen und ganzen ist es überall im Reich ziemlich milde. Zn der letzten Rächt lagen die Temperaturen allerorts über null Grad. Berlin hatte nachts 3 Grad Wärme. Um S Uhr früh wurden 4 Grad und mitlags 7 Grad Wärme gemessen. Aufsallend warm ist es an der Rordseeküste, wo die Temperaturen zwischen S und 9 Grad wärme liegen. Ein nördlich von Schottland liegendes Tiefdruck- gebiet wirb an seiner Südseite etwas kühlere Luftmassen nach Mitteleuropa senden. Stärkere Abkühlung wird das aber nur in den Bergen zur Folge haben, im Flachland wird der Tempe- raturrückgang nur unerheblich sein. Diktatoren-Los Primos Mitarbeiter schwer verurteilt Madrid, 3. Dezember. Der Außerordentliche, aus Parlamentariern zu- fammengefetzte Gerichtshof zur Aburteilung der Verantwortlichkeiten der Mit- arbeiter der Diktatur Primo de Rivieras und Helfer bei dem Staats st reich vom September 1923 hat das Urteil gefällt. Danach werden verurteilt der im Ausland befindliche General Martinez Anido zu 24 Jahren Verbau- nung, Penfionsverlust mit Aberkennung der Fähigkeit zur Bekleidung öffentlicher Aemter, weitere vier Generäle, die in Madrid in Untersuchungshaft sitzen, zu 12 Jahren Ver- b a n n u n g. Der eigens zu diesem Prozeß von den Philippinen nach Madrid gekommene General S a r o wurde zu sechs Jahren Verbannung und Pensionsverlust verurteilt. Den Gene- täten, die Mitglieder der zweiten Dittaturregic- rung Primos waren, wurde die Fähigkeit zur Be- kleidung öffentlicher Aemter für 20 Jahre ab- erkannt. Die Zwilminister Prima de Riveras wurden mit Strafen zwischen acht und zwölf Iahren Verbannung belegt. Auch ihnen wurde die Fähigkeit zur Bekleidung öffentlicher Aemter aberkannt. Drei Admiräle und ein Zivilminister der gleichen Regierung werden innerhalb Spaniens verbannt. * Ohne Pension ins Ausland oerbannt, das dürste heutzutage bittere Not bedeuten. Ob A l- fons XIII., dem es dank monarchistischer Soli- darität, rechtzeitiger Geldoerschiebung ins Aus- land und Mitnahme gewaltiger Werte so gut geht. seinen getreuen Putschgenerälen Helsen wird? Die gute Kinderstube Briet eines ostelbischen Junkers Im Oktober dieses Jahre» entließ Gutsverwal- tung Haasenberg, Kreis Osterode in Ost- prenßen, einen Hofgänger fristlos. Der Deutschs Landarbeiter-Verband beantwortete die Entlassung mit einer Klage beim Arbeitsgericht. Der Guts- besitzer erschien vor dem Arbeitsgericht und er- klärte sich ohne weiteres zur Verhandlung bereit, dem entlassenen Hosgänger den zuständigen Lohn bis zum Ablauf der tariflichen Kündigungsfrist zu zahlen. Das Versprechen wurde jedoch nicht ein- gehalten. Der Deutsche Landarb eiter-Ver- band forderte deshalb den Gutsbesitzer schriftlich auf. den Lohn in einer bestimmten Frist zu zahlen. Es geschah das mit dem Hinzufügen, daß andern» falls eine neue Klage beim Arbeitsgericht veranlaßt werden würde. Der Hofgänger bekam nun den in Frage kommenden Betrag sofort ausgezahlt. Der Gutsbesitzer konnte sich aber seinen Zorn mcht verkneifen und schrieb deshalb an den Ange- stellten des Deutschen Landarbeiter-Verbandes einen Brief, der die Gesinnung des Schreibers und seiner Klassengenossen kennzeichnet. Der Brief lautet: „Haasenberg, den 21. November 1932. An den Gewerkschastssekretär Pallat Deutscher Landarbeiter-Verband Osterode, Ostpr. Sie haben die Unverfrorenheit, mir i» der Angelegenheit des von mir heraus- geschmissenen Hasgängers?). einen Brief.zu schreiben. Ich ersuche Sie, davon Kenntnis zu nehmen, daß ich aus Grün- den nationaler Selbstachtung und Sauberkeit mit Funktionären einer so m i n d e r w e r t i g e n P a r t e i wie der sozial- demokratischen nicht verkehre. Dr. K r a m e r- Haasenberg Reg.-Rat a. D., Rittergutsbesitzer." Das glaubt ein Angehöriger der angeblich„ge- bildeten" Kreise dem Angestellten einer freien Ge- wcrtschafr schreiben zu dürfen, der nichts anderes getan hat, als einem armen Hofgänger zu seinem Recht zu verhelfen. Der Brief kennzeichnet wieder einmal die geradezu krank- hafte Arroganz, die in erschreckendem Rtaße unter den'Angehörigen des ostelbischen Junkertums grassiert. Man muß die„Kultur" dieser Klasse, die di« Führung im Staate bcanspruchr. vor der Oefsentlichkeit anprangern! Raubmord in Tegel Ein Versicherungsagent getötet— 1000 Mark Belohnung ausgesetzt Vrügelszene in Moabit Die kommunistische Zeitung„Berlin am Mar- gen" behauptet, daß ihr Gerichtsberichterstatter Fritz Popper in einem Restaurant nahe dem Moabiter Gerichtsgebäude von dem Direktor der Berliner Verkehrs-Gefellschaft B r o l a t schwer verprügelt worden sei. Nach einer Darstellung, die uns von anderer Seite zugeht, soll es sich um eine geringfügige Rempelei gehandelt haben. Brolat ist von der Zeitung„Berlin am Morgen" in besonders gehässiger Art und Weise persönlich verfolgt worden. Neue Massenprozesse �irwebr wird bestraft Zhehoe. 3. Dezember. Vor zwei Sondergerichten hatte sich eine An- zahl von Arbeitern zu verantworten, die des ein- fachen bzw. schweren Landfriedensbruchs ange- klagt waren. In dem einen Falle handelt es sich in der Hauptsache um K o m m u n i st e n, die in einem Zusammenstoß mit Nationalsozialisten ver- wickelt waren. Dabei fand auch ein Kommunist den Tod. Das Gericht sah die Sachlage wesentlich milder an als der Anklagevertreter und erkannte auf Gefängnisstrafen wegen Raufhandels. Jas- gesamt sind zu Gefängnisstrafen von durchschnitt- lich zwei Monaten 27 Angeklagte verurteilt worden. In dem zweiten Prozeß waren die 18 Ange- klagten bis auf«inen sämtlich Reichsbanner- l e u t e aus Itzehoe, die am 29. Juli auf dem Wege von Friedrichskoog, wo sie den von Na- tionalsozialisten ermordeten Jung- bannermann Jäger beerdigt hatten, in Hochdonn von Nationalsozialisten be- schössen wurden. Mehrere Nationalsozialisten sind geschlagen worden: das Haus, aus dem ge- schössen wurde, ist ebenfalls in Mitleidenschaft ge- zogen worden. Der Staatsanwalt beantragte Gsiängnisf trafen von acht di» zwölf Ntonaten, Zn Tegel wurde heute vormittag der Ver- sicherungsagent Zohannes Bessert in seinem Büro in der Berliner Straße 12 in einer Blutlache tot a u s g e f u n d e n. Die Polizei vermutet, daß es sich um einen Raubmord handelt. Bessert hat in der Berliner Straße 12 seit langer Zeit eine Versicherungsagentur. Er vertritt eine Reihe von großen Versicherungsyejell- schaften. Zu seiner Unterstützung hat B. eine jüngere Büroangestellte. Ais das junge Mädchen heute vormittag gegen �11 Uhr das Büro betrat, sah es ihren Arbeitgeber in einer großen Blutlache tot vor seinem Schreibtisch liegen. Die Angestellte schlug sofort Lärm und die Polizei wurde benach- richtigt. Mehrere Schubladen waren aufgerissen und alles wies daraufhin, daß der oder die Täter in aller Eile die verschiedenen Behältnisse durchwühlt hatten. Bessert, der 42 Jahre alt war, lebte als Jung- geselle. Cr hatte im ersten Stockwerk des Hauses Berliner Str. 12 eine aus zwei Räumen be- stehende Wohnung. Ein Zimmer benutzte er als Büro, das andere war als Schlaf- und Wohn- räum eingerichtet. Die Angestellte, die heute vor mittag die Tat entdeckte, hatte Mühe, die Tür aufzuschließen. Der Kopf Besserts war völlig in Kopfkissen eingehüllt. Neben dem Toten war eine große Blutlache. Die Ermittlungen der Mordkommission haben ergeben, daß zwischen dem Täler und seinem Opfer sich ein heftiger Kampf abgespielt haben muß. Ueberall waren starke Blutspritzer erkennbar, ein Klavier war über und über mit Blut besudelt. In beiden Räumen herrschte die größte Unordnung. Von einem eichenen Stuhl war der Sitz abgerissen, er diente dem Mörder vermutlich als Schlagwaffe. Ob es fich um einen Raubmord oder um einen Racheakt handelt, bei dem nur ein Raub vorgetäuscht wor- den ist, wird die weitere Untersuchung ergeben. Die Kriminalbeamten haben eine Reche von Zeugen über die Lebensgewohnheiten des Er- mordeten befragt. Danach war er homosexuell veranlagt. Seine Besucher pflegten sich durch ver- abredete Zeichen bei ihm anzumelden. Sie klatschten z. B. auf der Straße dreimal in die hohle Hand, oder es ertönte ein bestimmtes Pfeif- signal. Bessert öffnete ihnen dann meist nur die Wohnungstür, weil er seinen Freunden Hausschlüssel gegeben hatte. Gestern abend zwischen k und KIO Uhr hatte er den letzten Be- such. Nach den Zeugenaussagen hat sich folgendes abgespielt: ein j u n g e r M a n n im grünen Man- tel kam aus der Wohnung des B und suchte die Toilette auf, die ein halbes Stockwerk tiefer liegt. Kurze Zeit danach folgte Bessert dem jungen Manne und beide gingen bis zur Haustür. Hier ist der Besucher fortgegangen. B. selbst trug Filz- pantoffeln und eine schwarze Samtjacke, wie er sie gewöhnlich auch im Büro anhatte. Ob dieser Besucher zurückgekommen ist, das haben die Zeugen nicht gesehen. Auffallend ist, daß der Hund der Nachbarn sich während der ganzen Nacht nicht gemeldet hat. Die Tat müßte also gegen zehn Uhr abends ausgeführt worden sein. Denn Bessert hatte sich noch nicht zur Ruhe begeben, als er von seinem Opfer angefallen wurde. Bessert war tätig für die Vereinigte Krankenkassenversicherung. Ein Schild an seiner Wohnungstür weist darauf hin, daß er auch für verschiedene andere Versicherungen gearbeitet hat. I�ark Belohnung ausgesetzt Der Polizeipräsident hat bereits heute mittag 1000 M. Belohnung für>die Aufklärung des Ver- brechens ausgesetzt. Personen, die zweckdienliche Angaben machen können, werden gebeten, ihre Wahrnehmungen der Mordkommission Ouoos- Dr. Schambacher mitzuteilen. Zweckloser Diebstadl Bin Unglücklicher vor Gericht Am 20. Dlovcmber erschien auf dem Polizei- revier ein SOjähriger Mann und übergab eine Papyrosrolle aus dem Museum für Völkerkunde und ein Stück Holz aus dem Postmuseum. Er habe versucht, die Papyrosrolle in Brot umzusetzen, es fei ihm dies nicht gelungen, er habe deshalb vorgezogen, sich der Polizei zu stellen. Also stand dieser arme Teufel vor dem Schnellschöffengericht wegen Diebstahls in zwei Fällen. Einst war er Dreher, arbeitete neun Jahre hintereinander bei Daimler. Im Jahre 1928 wurde er arbeitslos. Die Frau starb, die Kinder waren verheiratet, die Erwerbslosen- Unterstützung hörte auf, er arbeitete in den Bodel- schwinghschen Anstalten: am 20. November war seine Zeit in der Zühlsdorfer Anstalt um, m i t 60Pf. tamernachBerlin. Es war Sonn- tag. Der Weg führte ihn am P o ft m n f e u m vorbei. Der Eintritt kostete nichts. Er ging hinein, sah ein Stück Holz liegen, glaubte, es sei eine Antiquität, nahm es mit. Es war aber nur das Stück von einer Telegraphenstangc und sollte demonstrieren, wie solch ein Holz aussieht, wenn es lange unter der Erde liegt. Dann begab er sich in das Museum für Völkerkunde. Aus einem kleinen Raum holte er eine P a p y r o s- rolle. Daß sie einen Wert von ZOOO M. hatte, ahnte er wohl nicht. Da es Sonntag war und er sie doch nicht losschlagen konnte— so sagte er vor Gericht—, suchte er das Polizeirevier auf. Ob er Unterkunft zu finden hoffte, fragte ihn der Vorsitzende. Das kann ich nicht mit Bestimmtheit sagen, sagt der Angeklagte. Das Gericht verurteilte ihn wegen der beiden Diebstähle zu drei Monaten Gefängnis. Der Angeklagte, hieß es in der Urteilsbegründung, gehört zu den menschlichen Wracks, die auf dem Berliner Asphalt ohne Hoffnung und ohne Aussicht auf Arbeit herumlaufen. Was wird nun weiter aus dem Mann? Land- gerichtsdirektor Steinhaus beauftragte die So- ziale Gerichtshilfe, sich seiner anzu- nehmen. Mchtphotos, aberVorfchuß Hannemann schwindelte In der Binger Straße in Wilmersdorf wurde in der Person des 36 Jahre alten Friedrich Hannemann ein betrügerischer Photograph festgenommen, der mit einem besonderen und den- noch schr einfachen Trick arbeitete. Hannemann, der schon geraume Zeit von der Polizei gesucht wurde, hatte mal irgendwo«inen alten Pphotoapparat mit Stativ gesunöen. Er kauft« sich ein schwarzes Tuch und etablierte sich in den Straßen Berlins als„Häuserphoto- g r a p h". Er stellte sich auf dem Bürgersteig auf, richtete seinen„Apparat", der nicht mehr funktio- inerte, aus die gegenüberliegende Hausfront und machte allerlei großartig« Borbereitungen. Per- jonen, die am Fenster oder auf dem Balkon weil- ten, wurden aufmerksam und wußten bald, um was es sich handelte. Hannemann photographierte. Als die„Aufnahme" beendet war, winkt« er er- haben mit der Hand und ging jetzt ins Haus, um die Vorschüsse für die Photos zu kassieren. Er ließ sich gewöhnlich 1,50 M. anzahlen, hinter- ließ seine Adresse und verschwand. Die Opfer erhielten natürlich niemals Photos. Es liefen gegen ihn mehr als 80 Anzeigen ein, und gestern konnte Hannemann in der Binger Straße fest- genommen werden. wahrend das Gerickzi gegen neun Angeklagte auf Gefängnisstrafen von drei bis zehn Monaten er- kannte. Ein Mitangeklagter Nationalsozia- l i st, der auch geschossen hatte, wurde nur wegen unbefugten Waffenbesitzes zu 70 Mk. Geld- strafe oerurteilt! Die übrigen Angeklagten wi"'- den freigesprochen. Tod aus der Straße Verkehrsunglüek in Wien Wien, 3. Dezember. Aus dem währinger Gürtel stieß ein£ a st- a u t o. das in schnellem Tempo fuhr, gegen einen Strahenbahnzng. Bei dem Zusammenstoß wurde das Auto vollständig zertrümmert und drei Insassen getötet. Eine Passantin wurde so schwer verletzt, daß an ihrem Auskommen gr- zweiselt wird. Auch in dem Stroßenbahnzug. der erheblich beschädigt wurde, gab es mehrere Verletzungen, jedoch meist leichterer Ratur. Unfall beim 6-Tagerennen Köln, 3. Dezember. Die Berliner Filmschauspielerin Käthe von N a g y erlitt am Freitag einen eigenartigen Un> fall, sie feuert« den Startschuß zum Kölner Sechs- tagerennen ab. Dabei hielt sie unoorsichtigerweise den Zeigefinger über die Pistolen- mündung, so daß sie nicht unerheblich verletzt wurde. Im Krankenhaus wurde eine Hautüber- tragung vorgenommen. GE.Kapesteverunglückt 14 Mann verletzt Schwarzenberg(Sachsen), 3. Dezember. Auf der sächsischen Staats st raße Schwarzenberg—(Eiben st od verunglückte ein Lieferkraftwagen aus Plauen, auf dem sich 2 5 Mann der Musikkapelle der 7. nationalsozia- listischen SS.-Standarte Plauen befanden. Die Kapelle war auf der Fahrt von Plauen nach Anna- berg, wo sie ein Konzert geben wollte. Bei dem Unfall wurden 14 Mann oerletzt, davon fünf bis sechs schwer. Bei zwei Personen besteht Le- bensgefahr. Die meisten haben Gehirnerschütte- rungen bzw. Kopfverletzungen davongetragen. Der Unfall soll daraus zurückzuführen sein, daß auf der abschüssigen Straße plötzlich die Bremsen versagten. Todesopfer deöTheaterbrandes Das Brandunglück, das sich am vergangenen Dienstag bei einer„Faust"-Probe im Staat- lichen Schauspielhaus am Gendarmen- markt ereignete, hat ein Todesopfer gesordert. Der zwanzigjährige Schauspieler Erich Schwarz, dessen Kostümierung beim Anzünden einer Zigarette in Brand geriet und der am ganzen Körper schwere Brandverletzungen erlitt, ist trotz aller Bemühungen der Aerzte in der Charits seinen Wunden erlegen. Wie noch nachträglich bekannt wird, war das Feuer weit gefährlicher, als es zuerst den Anschein hatte. Die Flammen hallen nämlich aus zahlreiche Garderoden übergegriffen, die wie Zunder brannten. Lediglich dem geistes- gegenwärtigen Eingreifen mehrerer Angestellten, die sofort einen Hydranten in Tätigkeit setzten, ist es zu danken, daß größeres Unheil verhütet worden ist. Wie wir bereits mitteilten, wird das Rauchverbot nach dem traurigen Vorfall durch genaue Kontrollen besonders scharf durch- geführt._ Nep-Wiebecholung Freihandel mit Getreide Rloskau, 3. Dezember. Wie die Telegraphen-Agentur der Sowjetunion meldet, ist eine Verordnung des Volkskommissaren- rates und des Zentralkomitees der Kommunisti- jchen Partei erschienen, durch die den K o l l e k- tivwirtschaften und Einzelbauern des Mostauer Gebietes und der T a t a r i- s ch e n Sowjetrepublik der Freihandel mit Getreide und G e t r« i d e p r o du k t e n gestallet wird. Diese Erlaubnis wird damit moti- viert, daß diese Gebiete den Getreidebeschasfungs- plan vorzeitig erfüllten und Saatgut für die Frühjahrsaussaat bereitstellten. Gin Obergenchtsvollzieher Durch Trunk verkommen Der Fall des ObergerichlsvollzieHers kothc. der das Gericht schon einmal beschäftigte, kam vor der Großen Strafkammer des Landgerichts Ii zur Aburteilung. Kothe war feit 1928 im Amtsgerichtsbezirk Schöneberg als Obergerichtsvollzieher tätig und hatte von Mitte 1931 bis Februar 1932 schwere Amtsverbrechen begangen, indem er Gelder in Höhe von mindestens 10000 bis 15 000 M. unterschlagen und zur Verschleierung dieser Verfehlungen falsche Protokolle angelegt halle. Es hatte sich ergeben, daß K. in den letzten Jahren vollkommen der Trunksucht oerfallen war. Tage und Nächte hindurch hatte er in den verschiedensten Lokalen gezecht. Wo die Gelder geblieben, wollte er nicht wissen. Er bezeichnete es als wahrscheinlich, daß ihm der größte Teil der Belläge, die er nach den Versteigerungen bei sich trug, in seiner sinnlosen Trunkenheit abgenommen worden seien. Das Gericht hatte eine frühere Verhandlung vertagt und die Untersuchung des Angeklagten in einer Heilanstalt angeordnet. Auf Grund einer sechswöchigen Beobachtung kam Oberarzt Dr. Blume aus Wittenau zu dem Ergebnis, daß der Angeklagte erblich belastet sei, da er aus einer Trinkerfamilie stamme. Durch die alkoholische Vergiftung sei er im Laufe der Jahre moralisch und seelisch voll- kommen heruntergekommen, so daß vom medizinischen Standpunkt aus Zweifel an seiner Zurechnungsfähigkeit bestehen. Diesem Gut- achten gemäß sprach die Strafkammer Kothe auf Kosten der Staatskasse frei und ordnete seine Haftentlassung an. Einen Kammermusik, und Liederabend ver- anstaltet das Bezirksamt Kreuzberg am Freitag, dem 9. Dezember, 20 Uhr, im Friedrich- Realgymnasium Mittenwalder Str. 37. Ein- trittspreiz 0.75 M. für Erwachsene und 0,50 M. für Jugendliche. Eintrillskarten im Vorverkauf im Volksbildungsamt Kreuzberg. Ter 9. Bezirk des Teutschcu Arbeiter-Zängerbwlde«, 6!au Berlin, bestehend au-i 15 Einzelchören, gibt Sonn lag, 4. Dezember, vornnllags 10 Uhr. um« Leitung von Georg Oskar Schumann und Ludwig B e- l i s c r im großen Saal der„Neuen Welt" in der Hasenhcidc ein Konzert aus Anlap der vor 40 Jahren erfolgten Gründung der Liedergemeinschaft de« Deutschen Arbeiter-Sängerbundes. Eintritt 30 Pf. Filmneuigkeiten Bühnenschau und Wiener Schmarren Außerordentlich unzüchtig ist zur Zeit die Lag« der Tonfilmindustrie. Sie leidet unter der Welt- Wirtschaftskrise und den eigenen Sünden, chat man doch in aufreizend blecherner Manier derartig viel Schlager gesungen, daß man sich das anspruchs- volle Publikum hinausgröhlte. Nun soll der lebende Mensch mit seinen Darbietungen— eicht absichtlich und erschreckend rücksichtslos ver- drängt— rettend einspringen. In bedeutenden englischen Tonfilmtheatern hat man den Film ganz ausgeschifft und spielt jetzt Non Stop Variete von mittags bis Mitternacht, in Amerika bucht man allerorts artistische Akte als Bei- Programm. In Berlin führte ucher den Ufatheatern das Universum die Bühnenschau wieder ein. Einst mußten die Akte bei Orgelbegleitung arbeiten. aber jetzt ist unter Herbert Strauß' Leitung ein lebendiges Orchester vorhanden, und nun ist die Bühnenschau unter allen ihr gebührenden Ehren wieder eingezogen. So fanden die beiden Tänzerinnen Alice Uhlen von der Städtischen Oper und Gertrud Rau von der JuUa-Klamt- Schule für ihre beifällig ausgenommenen Dar- bietungen einen würdigen Rahmen. In der A l h a m b r a erlebte„Der Traum von Schönbrunn", seine Uraufführung. Man hätte auch sagen können, seine huüdertste Vorstellung: denn die„liebreizende" Prinzessin, die einen ungeliebten, unbekannten Prinzen heiraten soll und sich zum Schluß in chn verliebt, wurde schon als verstorbene Klamotte aus dem stummen Film übernommen. Diesmal spielt Martha Eggert(gut bei Stimme) die Prinzessin und Hermann T h i m i g mit vergnüglich stimmendem dummem Gesicht den Prinzen. Der Regisseur Johannes Meyer lebt nämlich nur vom schon mal Dagewesenen.-. b. Naziseuche Die ewige Rundfunkkrankheit Auf der Jagd nach irgendeiner hörenswenen deutschen Rundfunksendung dreht man an der Skala des Apparates. Es lohnt sich nicht. Drei Sender bringen die gleiche langweilige Reportage „Vom Fischdampfer zur Fischküche", die Berlin verbreitet. Selbst dieser doch wahr- haftig bildhaste Stoff wird sterbenslangwellig be- Handell, well die Reporter zwar einiges von der Hochseefischerei wissen, aber unfähig sind, naiv zu sehen: selbstverständlich wissen sie auch wieder nicht genug, um durch wirklich fachkundige Mit- teilungen die Hörer zu fesseln. Die Hochseefischerei im Eismeer, miserabel entlohnter, gefahrvoller Beruf, wurde von einem im Hafen liegenden Schiff aus oberflächlich angedeutet, aus der Per- spektive des Mannschaftsraumes, der„sehr gemüt- lich" ist, nach dem Bericht des Reporters: er braucht sich ja nur einige Minuten lang darin auszuhallen. Bier Sender oerbreiteten die gleiche Veranstal- tung„Alte und neue Tänze", zwei das gleich« Pfitzner-Konzert. Nach 9 Uhr konnte man vom Leipziger Sender«ine kleine, echt deutsche Funkrosine pflücken: der Thüringer Naziminister Sankel sprach über„Thüringens Not". Er benutzte das fürchterliche Elend der Thüringer Heimindustrie zu einer Nazipropaganda, Geld stinkt nicht! Adolf befiehlt die Moral des Dritten Reiches— Ueberzeugungswechsel gegen Inserate Die Nazipresse hat jahrelang einen Feld- zug gegen den deutschen Zigarettentrust Reemtsma-Neuerburg geführt. Im„Völ- tischen Beobachter", aber auch in allen sonstigen Naziblättern wurden die schwersten Vorwürfe und Beschimpfungen gegen die Geschäftsmethoden dieses Konzerns und seine leitenden Männer erhoben. Es fehlte natürlich nicht die Anprangerung. ' daß dieser Konzern gleichfalls unter dem Ein- fluß des„jüdischen Finanzkapitals" stünde. Um die Jahreswende trat dann ein« plötz- liche Wandlung«in. In der gesamten Nazi- presse erschien ein ausführlicher Artikel, geschickt als Nachwort zu einem der Reemtsma- Prozesse drapiert. In diesem Aussatz wurde dem Zigarettentrust attestiert, daß er«ine rein deutsche Unternehmung wäre, also zu der Ka- tegorie der schaffenden Kapitalisten gehöre. In denselben Blättern, in denen noch eben eine maßlose hehe getrieben und die schwersten Anschuldigungen gegen den Konzern erhoben wurden, hieß es auf einmal, daß der Konzern nach den solidesten Geschäftsprinzipien arbeite. daß er durch feine Angliederungspolitik eine große volkswirffchoftliche Leistung vollbracht Hobe. Den Lesern wurden in diesen Artikeln einzeln die rein deutschen Zigarettenmarken des Konzerns genannt: kurzum, das Kriegsbeil wurde begraben und ein klarer Propa- ganda-Artikel für den Konzern ging durch die ganze Nazipresse. Die früheren regelmäßigen Hetzartikel wie über- Haupt jede Behandlung von Fragen der Ziga- rellenindustrie im redaktionellen Teil unterblieben, stall dessen fand man im Inseratenteil der Nazipresse regelmäßig Riesenplakate des Zigareltentrusts. Wir sind nun m der Lage, nähere Einzel- in der er die Rundfunkhörer auffordert«, nur in christlichen Geschäften zu kaufen und die„Schmutz- lonkurrenz" zu meiden. Hörergebühren von Juden und Dissidenten nimmt, wie wir verraten können, der Rundfunk auch künstig. Die Dar- bietung fft für die Zustände am Leipziger Sender charakteristisch. Er hat bereits vor einiger Zeit ein„Hörspiel" gebracht, das eine sehr eindeutige Hetze gegen die Konsumgenossenschaften darstellte: es wurde ihnen darin nichts geringeres nachgesagt als der Verkauf verdorbener Ware. Auf die Proteste der entrüsteten Hörer entschuldigte man sich nachträglich: es sei nicht so gemeint gewesen. Musih der Woche Kammerkonzert neuer Musik. Die erste öffentliche Veranstaltung der„Inter- nationalen Gesellschaft für neue Musik" in dieser Saison, ein Kammerkonzert, brachte zwar neue Werke, aber keine neuen Köpfe— neue Musik, aber keine neuen Musiker. Lothar von Knorr, Alexander Jemnitz, Ernst Krenek— lauter altbekannte, weltbekannte Namen: selbst B e r t h o l d G o l d s ch m i d t, der Jüngste wohl von allen, hat sich durch seine Oper„Der gewaltige Hahnrei" viel Beachtung errungen. Sein„Scherzo für Klavier und Bläser op. 19" war übrigens so ziemlich das schwächste Stück des Abends, eine flüssig erfundene, geistreich gemachte, nicht sehr substanzreiche Sache aber, die freilich den relativ größten Publikumserfolg einheimste. Knorr s Bläserkammermusik für Saxophon, Trompete und Fagott, dem Willen und der Wirkung nach ver- edelle Unterhaltungsmusik, ist gelegentlich ihrer Uraufführung an dieser Stelle berells gewürdigt worden. Bleibt von Jemnitz' Älaviersonate zu reden, einem dreisätzigen, strengen, charaktervollen Stück, dessen konzentrierten Ablauf Fritz Thöne zu eindrucksvoller Darstellung brachte: und K r e- n e k s„Gesänge des späten Jahres", die, zehn an der Zahl, den zweiten Teil des Wends füllten. „Gesänge des späten Jahres"— Herbstlieder also, Lieder von Traum und Tod, um es roman- tisch zu sagen: Gesänge der Trauer und des Unter- gangs. Stimmungsbeladene Worte, die in der Musik aufgehen: und doch in merkwürdigem Gegensatz zu ihr bleiben. Denn die lebt in ihrem eigenen Raum, so daß das Glichende wie durch eine musikalische Isolierschicht hindurchschimmert. das Schlicht-Gefühlsmäßige preziös wird, das Menschliche durch seltsamen, aber starken und an- sprechenden Stil gebrochen wird... A, M. T o- p i tz sang die unsagbar schwierigen Lieder mit unvergleichlicher Musikalität, den Klavierpart ver- mittelte der Komponist. Philharmonische Konzerle. Das Bestreben, die sogenannten populären Helten über diesen frappanten Stimmungs- Wechsel der Nazipresse wie der gesamten Nazi- parte! zu geben, indem wir der Oeffentlichkeit den Auszug aus einem Rundschreiben der parteiamtlichen Nationalsozialist!- schen Anzeigenzentrale übergeben, in dem es wörtlich heißt: „Nationalsogialiftische Anzeigenzentral«.' Fi/Wü. München 2 NO., den 12. September 1932. Ihr an den Cher-Verlag gerichtetes Schreiben vom 2. September wurde uns zur Erledigung überwiesen. Wir machen Sie höflichst darauf aus- inerksam, daß die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei im Punkt 13 ihres Programms nicht den Kampf gegen die Konzerne, sondern die Verstaatlichung der Großbetriebe fordert. Die Reemtsma-Zigarettensabriken sind zum weitaus überwiegenden Teil im deutschen Familienbesitz. Der Jude David Schnur ist der Tabakein- käuser der Firma. Es gibt keine Zigaretten- fabrik, deren Einkäufer kein Jude oder sonsli- ger orientalischer Mischling ist. Vor Aufnahme der Reemtsma-Anzeigen in die natio- nalsozialistische Presse wurde die Angelegenheit Reemtsma ein halbes Jahr lang von mehreren Instanzen geprüft: insbesondere von der Rechts- abteilung der Reichsleitung. Die letzte Entscheidung fällte unser Führer Adolf Hitler nach einer persönlichen Aussprache mit Herrn Philipp Reemtsma. Die Reemtsma-Anzeigen sind auf Befehl Adolf Hitlers in die nationalsozialistische Presse auszunehmen. Wir hoffe», Ihnen mit unseren Ausführungen gedient zu haben, und wir empfehlen uns Ihnen mit deutschem Gruß Nationalsozialistische Anzeigenzentrale E. Finkenzeller. Der„oberste Führer" Adolf Hitler hat also höchst persönlich die Sache geführt. Um den Kaufpreis eines riesenhaften In- sertionsauftrages— Fachleute beziffern das Objekt auf 4 Millionen Mark— wurde ein bis dahin auf das maßloseste beschimpfter und befehdeter Konzern nicht bloß rehabilitiert, nein, es wurden sogar Propaganda-Artikel für den Kon- zern geschrieben, jedwede Kritik verboten, und Hiller gab einen persönlichen Befehl heraus. daß die Zeitungen die Reemtsma-Jnferate auf- nehmen müssen. Die lächerliche Begründung dieses Umfalls und dieses Befehls des obersten Führers zeigt die ganze inner« Unwahrhafllgkeit dieser Bewegung. Diese Formulierung ist natürlich absichtlich ver- schwömmen und vieldeutig gehalten. Aber eins ist sicher, daß der Zigarettenkonzern Reemtsmaa-Reuerburg, der zeitweilig 85 bis 90 proz. der deutschen Ziga- rettenproduklion beherrschte, ein solcher bereits vergesellschafteter Setrieb ist und mit Recht der Zigaretten t r u st genannt wird. Anläßlich eines Insertionsaustrages in mehrfacher Millionenhöhe versichert nun die Naziführung, daß ihr einziger sozialistischer Programmpunkt nicht gegen die Konzerne sich richte sondern nur die Verstaatlichung der Großbetriebe fordere. Auch das ist natürlich ein neuer lächerlicher Schwindel. Die Sozialdemokratie hat sich niemals an der .Hetzkampagne gegen den Zigarettentrust und seine Leiter beteiligt. Sie vertritt aber seit Iahren die Forderung, daß das Privatmonopol des Ziga- rettentrusts beseitigt werden müßte, und daß aus volkswirtschaftlichen, finanzpolitischen wie konsu- mentenpolitischen Erwägungen ein Staats- Monopol für Zigaretten- und Rauchtabak ge- schaffen werden muß. Es ist dem Reemtsmo-Konzcrn nicht zu ver- argen, daß er sich bemüht hat, Angriffe gegen seinen Konzern zu unterdrücken und es sich auch einige Millionen kosten läßt, daß er die Nazis richtig einschätzt. Daß aber die Nazis, dazu noch der„Führer" Adolf Hitler höchst persönlich, ihr den Massen vorgetäuschtes Programm in einer derartig unverfrorenen Weise käuflich prt!>-s«be'i. ist wert, festgehalten zu werden. Zwischen Puppenspiel und Oper „Faust" im Staatstheater Mary Aigmon mußte sich wegen einer Blutvergiftung einer Operation an der Hand unterziehen. Tic kann deshalb morgen in der Tanzmatincc' der Volksbühne nicht auftreten. An ihrer Stelle wird Frau P a l u c c a auftreten. Tic gelösten Karten behalten chre Gültigkeit, werden aber auf Wunfä» auch zurückgenommen. Tic Matinee der. Wigman-Gruppe im Ufa-Palast am 11. Dezember wird voraussichtlich stattfinden können. Philharmonischen'Konzerte abwechslungsreicher zu gestalten, um von festen der Dirigenten und Pro- gramme her dem wachsenden Mangel an Interesse zu begegnen, ist außerordentlich zu begrüßen. Neben P r ü w e r und zu seiner Entlastung standen bereits Melichar, Lert, Selmar M e y r o w i tz, Wilhelm Groß an solchen Abenden an der Spitze des Orchesters. Das legte Dienstagskonzert wurde von Frieder Weiß- mann geleitet, der einem klassisch-romantischen Teil moderne Werke folgen ließ: Debussys„La mer" insbesondere. Bei all den durchschnittlichen Qualitäten, über die er verfügt, ist er keineswegs der Mann, dieses Orchester zu faszinieren, zu enthusiastischer Gefolgschaft mitzureißen: was sonst aber wäre die Aufgabe des Dirigenten? Man braucht nur an Furtwänglers populäre Abende zu denken— in ihnen ist die gleiche Spannung und Jtenfität wie in seinen ausverkauften Sen- sationskonzerten. Deren drsttes übrigens eine in ihrer Art unüberbietbar vollkommene Wiedergabc Bruckners vierter Symphonie brachte: in einer Art freilich, die(wie jede verselbständigte Interpreta- tionsvollkommenheit) dem Werk Gewalt antat. ihm die Frische, Natürlichkeit und Kraft raubte und es von einer übersteigerten und nerve»- inordenden Geistigkeit aus aufbaute. Flesch und Milslein. Karl F l e s ch s Geigenabend— Sas war, wie wir hören, ein Wschied vom Podium, vom Ko» zert. Er kann zu dieser Weisheit rechtzeitigen Verzichts, die so wenigen eignet, nur beglück- wünscht werden: so wird der große Lehrer auch als Virtuose unvergeßlich sein. Zwei Tage später steht an der gleichen Stelle, an der der alle Meister den Bogen gleichsam aus der Hand gelegt, im Beethovensaal, ein junger. ein aufgehendes Gestirn: N. M i l st e i n, dessen starker, gleichmäßig schöner Ton, dessen wunder- volle Sicherheit in Vitalis Liaconns, in Brahms O-Moll-Sonate berechtigte Triumphe feierte. K.W. Eine Aufführung des Goechejchen„Faust" ist immer ein Wagnis und bedeutet stets einen un- gewöhnlichen Aufwand an Arbeit und Geld. Besonders dann, wenn man den Prolog im Himmel(Szene über den Wolken, da Gott, der Herr— im weißen Rübezahlbart—, mit den Erzengeln leibhaftig spricht und mit Mephisto um Faustens Seele streitet) nicht meidet und die Walpurgisnacht(von der meist nur ein Hexen- ballest, diesmal gar eins mit Feuerwerk und Kanonenschlag übrigbleibt) riskiert. Warum Hai Lothar Müthcl, der sich wohl an einer nach trabenden goethejahrlichen Ehrenpflicht berauschte, nicht die Erfahrungen der letzten Jahrzehnte genutzt, warum hat er sich nicht auf die menschliche Tragödie von Faust und Margarete beschränkt und darauf, das Ueberirdische nur tönen und leuchten zu lassen, nicht aber als Maskenschwall zu demonstrieren? Ja, warum nicht? Sollten da etwa das teutoromantische Pathos gegen den kulturbolschewistischen Naturalismus und die Re- verenz vor spätwagnerischem Philisterium spuken? Wäre es nicht Goethescher, sich mit dem Wesent- lichen zu begnügen, den Kern zu geben, statt die Schale bengalisch zu beleuchten? Allerdings, auch dann hätte ein Faust zur Stelle sein müssen: Werner Krauß, dieser drei- mal herrliche Schauspieler, vermag sich weder an dem alten Geisterbcschwörer noch an dem ver- jüngten Lebensfresser zu entzünden. Er bleibt— und dafür sei ihm Dank— nun einmal, was er ist: der mit Hirn und Blut glutvoll denkende Mensch skeptischer Gegenwart. Sein Faust ver- sstickt sich in den Schatten der sprechenden Analyse, er oerschwindet in einem milden Dunstkreis keusch wägender Zurückhaltung, au« dem nur wenige Gewitter der Leidenschaft hervorbrechen. Krauß hat es um so schwerer, als Gustaf G r ü n d g e n s, die„bessere Rolle" des Mephisto nutzend, ihn an die Wand drückt, ihn überrennt, überspringt, übcrpurzelbaumt. Ein tibetanischer Mönch als satanischer Akrobat, mit unanständig nacktem Schädel und einer penetranten Elastizität des quieksingenden Teufelsmauls. Die jünfslündige Revue begann als jahrmarkt- bndiges Puppenspiel, derb austragend, in eckigen Kontrasten. Dann entfaltete sich etwas Opern- Haftes, besonders schwungvoll in dem gepaukten Gegensatz zwischen der als Totenmesse zelebrierten Kirchenszene und dem Blocksbergtrubel. Diese Opernatmosphäre vergiftete das von jeher durch Solos gefährdete Grellein: Käte Gold begann mit backfischhafter Naiostät, ging dann zu Arien über und endete in einem Virtuosenschau- stück klinisch verzweifelten Wahns. Wobei Werner Krauß beinahe zum Statisten wurde. Waller F r a n ck bewährte seine geschlossene, ganz inner- liche Männlichkeit als Valentin, Soldat und brav. Else Wagner räkelt« mst geriebener Alters- koketterie das kupplerische Weib. Nicht ganz be- griffen wurde, warum die Bühne so verbaut, zer- hackt und zugestellt war, daß die Schauspieler zwischen Fußangeln swlpern mußten, warum Gretchen in einem Unterstand schlief, warum die Topographie der Zimmer und der Landschaften das Spiel nicht erhellte, sondern verwickelte. Und das ist längst nicht die einzige Frage, zu der diese mühevolle Ausführung zwingt. R. Lr. Konzert im Filmtheater Schon längst sind in die Tonfilnstheater wieder die B a r i e t e k ü n st l e r eingezogen, und einige größere Theater haben auch bereits wieder das eigene Orchester eingeführt. Einen neuen Weg schlägt jetzt das Marmorhaus ein:«- will ein richtiges kleines Konzert in sein Programm aufnehmen, das jeweils nur fünf bi- zehn Minuten dauern und künstlerisch wertvolle gesangliche und musikalische Beigaben bieten Gestern abend wurde die erste Prob« vor- genommen. Fritz von B o r r i e s spielte mit glänzender Technik eigene Komposstionen am Flügel, und dann sang Charlotte Boener, früher an der Staatsoper in Berlin, mst einem nicht sehr großen, aber klangvollen Organ, Nummern aus ihrem Opernrepertoire. Das Publikum schien großen Gefallen an dem kleinen Konzert zu finden Die Frage des Programms ist natürlich noch nicht gelöst: es muß irgendwie in Beziehung zu dem Film des Abends gebracht werden oder doch sonst eine einheitliche Note bekommen. t) knacker zu verdanken, der den bescheidenen Knus- per aus dem Felde, schlägt und Rosinchen davon- führt vom Weihnachtsmarkt in ferne Abenteuer- länder. Da aibts allerhand verblüffende Trick-, Tänze und Gesänge, bis man ins Land der Autos kommt. Hier kann der Nußknacker noch schwindeln, alles gehöre ihm: aber als er das auch bei den Indianern versucht und gar da- Wigwam des Großen Adler unbefugt beststt, da muß er an den Marterpfahl. Fast wäre es mit dem Bleichgesicht schlecht ausgegangen, aber da es doch auf Wechnachten zugeht, kann ja nur ein gutes Ende kommen. Jubelnd wird es aufge- nomine» und leuchtenden Auges gehts hinaus auf den Heimweg. Heute:„Erste Gala-Ziacht" der Dacho im Winter- gortcn um Il.ÄI Uhr abend«. Ernst Lubitsdj an der Spitze von 93 prominenten Mitwirkenden. > Nsa-Sinsonieorchefter wird in der am Sonntag, Uhr, im Ufa-Palast am Zoo stastsindenden Äon- Aussckließlich „Rojiucheus wunderbare Reise" im Großen Schauspielhaus ist dem breitmäuligen Nuß- Da« 11.30 WM. :crtmatinee von Leo Blech geleitet. Wagnerwerke. Tie Tegeto zeigt Sonntag, vormittags 11.30 Uhr, im C apiwl den Film„Kanada, so groß wie E u r o p a". Ueber„Mädchen" lesen Erich Kästner. Peter Flamm, Ernst Gläser und Axel Eggebrecht Montag im Bechfteinsaal, Vraktische Arbeit Für jugenclliche Erwerbslose 3n Berlin wird zur Zeil in einem ehe- maligen Berwaltungsgeliäude des Gesamtverbandes ein größeres Wohnheim für jugendliche Erwerbslose eingerichtet. Das Wohnheim entsteht mit der Hilfe des„Sozialen Dienste s", den die Gewerkschaften ins Leben gerufen haben, und von dem heute bereits etwa 3 0 000 Jugendliche erfaßt werden. Der Grundgedanke des Erwerbslofe.i-Wohnheims besteht, wie die„G e w e r k f ch a f t s z e i t u n g", das Organ des Allgemeinen Deutschen Gewerk- schastsbundcs. in ihrer soeben erschienenen neuesten Ztummer betont, vor allem darin, den jugendlichen Erwerbslosen, der kein Zuhause hat oder dessen Angehörige ebenfalls erwerbslos sind, aus einer verzweifelten materiellen und seelischen Notlage herauszuführen. In einer Gemeinschafts- wohnung, die etwa 15 bis 20 Erwerbslose um- faßt, könne der einzelne über mehr und besseren Wohnraum verfügen als in der Schlafstelle. Diese loste mindestens 3,50 bis 4 M. die Woche, während z. B. nach den in Breslau gemachten Erfahrungen der Wohnungskostensaß eines Wohn- Heims 0 M. monatlich einschließlich Licht, Heizung, Waschen der Bettwäsche und der Hand- tücher(reines Mietaufkommen 0 M.!) betrage. Die Wohngemeinschaft umfasse auch eine gemein- same Wirtschaft Im Breslauer Wohnheim zahle jeder monatlich 20 M. für die Ernährung (drei Mahlzeiten am Tag) Den Wohnheimen sollen, wie die„Gewerk- schaftszeitung" weiter mitteilt, Werkstätten angegliedert werden, in denen die Jugendlichen Gebrauchsgegenstände für die Heime anfertigen sowie Reparaturen für bedürftige Erwerbslose ausführen. Wenn für die angliederte Werkstätten- arbeit die Förderungssähigkeit im FAD. durchge- setzt werden könne, werde es möglich fein, die Heime auf eigene Füße zu stellen. Der Streik in Athen HIeue Verschärfung Athen. 3. Dezember. Die Angestellten der Autobus-Gesellschaft haben die Arbeit wieder ausgenommen. Die Straßenbahnen sehen dagegen den Streik fort. Inzwischen sind auch die S ä ck e r g e h i l f e n in den Streik getreten. Die Brotversorgung gilt jedoch als gesichert. Zn der Nacht zum Sonnabend haben die Eisenbahner und P o st b e a m I e n beschlossen, gleichfalls die Arbeit niederzulegen. Die Regierung beabsichtigt, nötigenfalls die streikenden Eisenbahn- und Postbeamten, soweit sie dienstpflichtig sind, zum Militärdienst einzuziehen und den Eisenbahn- und Postbetrieb militärisch zu organisieren. Dadurch würde die Regierung die Möglichkeit hoben. Streikende aus Grund des Militärstrasgesehes zu verurteilen. Diese impulsive Streikbewegung ist der Aus- druck des Protestes und der tiefen Unzufriedenheit gegen die sozialreaktionären Unternehmen, die die neue Regierung angekündigt oder durchgeführt hat. Es handelt sich dabei vornehmlich um einen allgemeinen Lohnabbau und um den Abbau der Sozialfürsorge, besonders in der Arbeitslosenhilfe. zulegen und den Buchgcwimi zu Sonder- abschreibungen und zur Bildung einer außerordeMlichen Reserve zu verwenden. Die Schuhfabrik Heß A.-G. in Erfurt hat mit dem Schweinfurter Unternehmen Silberstein u. Neumann ein Abkommen getroffen, das eins fabrikatonsche Zusammenarbeit der beiden Schuh- fabriken vorsieht Lc!mKka.Izri!c Lingel saniert Günstige Umsatzentwicklung Die Erfurter Schuhfabrik Eduard Lingel A.-G. hat das letzte Geschäftsjahr 1931/32 mit einem Gewinn von etwa 170 000 M. abschließe» können. Auch in der Zeit vom Juli bis September war die Umsatzentwicklung günstig. Mengenmäßig konnte der Umsatz sogar noch erhöht werden und wertmäßig hielt er sich trotz erheblicher Preissenkungen auf dem Stande des Vorjahres. Für den Lebensstandard der breiten Massen ist bezeichnend, daß die Ge- scllschast— wie viele andere Schuhfabriken— die Produktion überwiegend auf billige und billigste Schuhe umstellen mußte. Trotz des im letzten Jahr erzielten Ueberschusses schlägt die Verwaltung der kommenden General- Versammlung vor, das Kapital von 3,8 auf 1,9 Mill. Mark im Verhältnis 2: 1 zusammen- Von Feder bis Thälknann .Arbeitsbeschaffung durch Inflation Es Hat den Anschein, als ob jetzt eine entschei- dende Phase in der Frage einer wirksamen Ar- beitsbeschaffung eintreten würde. Der Brief unseres Genossen Leipart an Herrn v. Schleicher, in dem er die Forderunzen des ADGB zusam- menfaßte, hat die Frage der Arbeitsbeschaffung in den Vordergrund der öffentlichen Diskussion gestellt. Es ist also nur zu natürlich, daß die kom- munistische Presse jetzt mit besonderer Wut über den ADGB. und über unseren Genossen Leipart herfällt. Das kommunistische„Volks-Ccho" für die Pro- vinz Brandenburg hält es daher für geboten, die alten Lügen über die Querverbindungen von Leipart zu Straßer und Hitler wieder aufzu- wärmen. Ueber die Querverbindungen der KPD. -zu Hugenberg und Hitler schweigt das Blatt lieber. Das kommunistische Blatt schreibt u. a., die Vor- schläge des ADGB. liefen daraus hinaus:„Ar- beitsbeschaffung mit Mitteln, die den Arbeitern durch Steuern abgepreßt werden, durchzu- führen. Arbeitsbeschaffung als Zwangsmaßnahme, ohne Tariflohn. Arbeitsbeschaffung durch Lohn- abbau infolge der Arbeitszeitverkürzung auf vier- zig Stunden ohne Lohnausgleich.." Diesem angeblichen Programm des ADGB. stellt das„Volks-Echo" das Programm der KPD. entgegen. Und dieses lautet folgendermaßen:„Ar- beitszeitverkürzung ohne Lohnausgleich! Die Millionen und Milliarden für Kriegsrüstun- gen, Militär, Polizei und Justiz für die Ar- beitsbeschaffung zur Verfügung gestellt, das find die Kampsforderungen..." Niemals hat der ADGB. die Vierzigstunden- wache ohne Lohnausgleich gefordert! Wir finden es unerhört, daß die KPD. jetzt diese Parole ausgibt und damit den Gewerkschaften in den Rücken fällt. Ihr Scheinprotest gegen die Ar- beitsbeschaffung„mit Mitteln. d'S den Arbeitern durch Steuern abgepreßt werden", enthüllt sich in seiner ganzen Unwahrhaftigkeit, wenn die KPD. hinterher fordert, daß die Millionen und Milliarden, die für Kriegsrüsiungen, Polizei und Justiz aus Stcuermitieln ausgebraucht werden, für die Arbeitsbeschaf'ung dienen sollen. Wenn die KPD. Steuermittel nicht zur Arbeits- beschaffung verwenden will, dann bleibt nur die „autoritäre Geldschöpfung" der Nazis, dos Feder- Geld, die Inflation JÜ die KPD. schon soweit? Der Arbeitgeberverband Deutscher Tagelglas- Hütten hat den L o h n t a r i f für die deutschen Farbenglashütten zu Ende Dezember gekündigt. Cr will einen weiteren Lohn- abbau. Wetter für Berlin: Wieder etwas kühler. wechselnd bewölkt, ohne wesentliche Niederschläge. Winddrehung auf West bis Nordwest.— 3n Deutschland: Im Süden und Osten noch größten- teils trocken und regnerisch, im übrigen Deutsch- land veränderlich mit etwas Abkühlung, an der Küste windig._ Theater der Woche vom 4, bis 12. Dezember Volksbühne. Zhcater am Bülowplatz: Das neue Paradies. Staatstheater. Städtische Oper, Charlottenburg:?. Rigoletto. 6., 1». Martha. 7. Petruschta. Gianni Sckncchi. 8. Maskenball. 9. Macbeth. 11. Tannhäuser. 12. Undine. Staatsopcr Unter den Linden: Msistersinger. 5. Si- zilianische Vesper. 6. Rigoletto. 7. Wozzek. 8. Boheme. 9.. 11. Fidelio. 19. Rosenkavalier. 12. Der fliegende Holländer. Staatliches Schauspielhaus:-1-, 5., 7., 8., 19., 11., 12. Zaust l. 6., 9. Matrone v. Ephesus. Schiller-Theater: Robert und Bertram. 4. III 2 Uhr. Zeitungsnotizen. Theater mit festem Spielplan. .«lurfürstcndamm'Theater: Glückliche Reise.— Deutsches Theater: Harmonie.— Sommerspiele: 5., fi. geschlossen. Ab 7. Engel unter uns.— Deutsches StünstlertHeater: Die Rächt zum 17. Avril.— Tbeater in der Stresemannstraße: Zu wahr, um schön zu sein!— ZOmodicnhaus: Gestern und heute.— Mctropol-Theater: Line Zrau, die weiß, was sie will!— Theater des Westens: Bis 8. Katharina. Ab 9. Das Mädel aus Dalmatien.— Theater im Admirals- palast:. Liliom.— Komische Oper: Musik um Susi.— Großes Schauspielhaus: Der Studcntenprinz.— Lessing- Tbeater: Pigmalion.— Theater am Schiffbauerdamm: Ab 6. General Suter.— Die Tribüne: Die heilige Flamme.— Renaissance-Theatcr: Truppe 1931.— Die Mausefalle.— Theater in der Behrcnstraße: Bargeld lacht. — Rosc-Thcater: Böhmische Musikanten. 10. 23'� Ubr. Die ungeküßtc Eva. 11. 11'.. Uhr. Familie Selicte.—. Easino- Tbeater: Alles um Lotti.— Plaza: Das Musikanten- mädel.— Skala. Wintergarten: Internationales BarieK. — Reichshallen-Theater: Stettiner Sänger. Nachmsttagsvorstellungen. Deutsches Künstlerthcater: 4., 11. 15 Uhr. 7. Iii Uhr. Rotkäppchen. 4., 11. 17 Uhr. Kai aus der Kiste. 19., 1«i Uhr. Kampf der Tertia.— Komödicnhaus: 4. Porstadttragödie. — Mctropol-Theater: 4.. 11. Gin Walzertraum.— Theater des Westens: 4., 11. Försterchrist'l.— Komische Oper: 4.. 49., 11. Schneewittchen.— Großes Schauspielhaus: 4., 11. Der Studentenprinz.— Rcnaissance-Theater: 4., 19., 11. Schneewittchen.— Rofc-Theatcr: 7. /I?'. kUhr. AI: 17'/) Uhr. Böhmische Musikanten. 10. 17 Uhv. Aschenbrödel. 11. 14i'n Uhr. Frau Holle.— CafiNo-Theatcv: 4%, IL Alles um Lotti.— Plaza: Das Musikantenmädel.— Skala: Internationales Variet6.— Wintergarten: 4., Kl./ II. Internationales Variete.— Reichshallen-Theater: 4., 11. Stettiner Sänger. Erstaufführungen. Montag. Theater am Schiffbauerdamm: General Suter.— Rose- Theater: Biihmifche Mrisi- taiucn:— Mittwoch,»ammcr spiele: Engel unter uns.— Freitag. Theater des Bestens: Das Madel aus Dalmatien.— Staatsoper: Fidelio. Rundfunk am Abend Sonnabend, den 3. Dezember 1932 Berlin; 16.05 Blasordiesterkonzcrt. 16.53 Zehn Minuten Sport. Blasorchesterkonzerl. 18.00 Deutsches Sprachgut(F. Ege). 18.20 Film-Manuskripte, die es nie erreichten... 18.33 Operettengesänge. 18.55 Die Funkstunde teilt mit. 19.00 Stimme zum Tag. 19.10 Ketzerei am Wochenende. 19.20 Klaviermusik. 19.50 Tages- und Sportnachrichten. 20.00 Auftakt uncT feierliche Eröffnung des Weihnachtsmarktes Berliner Künstler. 22.13 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten Tanzmusik. Königs Wusterhausen: 16.00 Dichter- slunde. 16.3« Aus Hamburg: Xachmittags- konzert. 17.30 Viertelstunde für die Gesundheit. 17.50 Bücherstande 18 03 Musikalische Wochenschau. 18.30 Deutsch für Deutsche (Dr J. Günther). 18.55 Wetterbericht. 19.(10 Französischer Sprachunterricht. 19.49 Stille stunde. 22 43 Deutscher See-Wetterberich(. Sonst; Berliner Programm. Sonntag, den 4. Dezember 1932 Berlin- 6.15 Funkgymnastik. 6.35 Aus Hamburg: Hafenkonzert. 8.00 Mitteilungen für den Landwirt. 8.53 Morgenfeier. 10.05 Wettervorhersage. 11.30 Reichssendung: Aus Leipzig: Bach-Kantate. 12.00 Aus Stettin Hörbericht vom 8.' Kunstturnen. 12.15 Aus dem Wintergarten: Funkmatiuee. 14.00 Der W eihnachtsmaun deckt sich ein. 14.39 Märchen (Maria Janke). 13.30 Populäres Orchesterkonzert, 17.30 Menschen vor dem Beruf. 18.00 Kammermusik. 18.45 50 Jahre Philharmoui- ■-cher Chor(H. Oppenheim). 18.50 Advents- Kantate. 19.25 Marienlegenden(R. Christian). Sportnac lensportfest des Verbandes Branden- burgischer Athletikvereine(Wachspl.). Tanzmusik. Königs Wusterhausen: 11.00 Dichterstunde. 12.00 Zehn Minuten Lyrik(O. L. Brandt). 14.00 Soll der Abiturient studieren? (Dr. K. Jeserich). 14.30 Der Lebenskampf der Ostmark(H. Kyser). 17.30 Reich und Preufientum(Dr. W. Stapel). 18.45 Junge Generation spricht. 19.30 Konzert am Kur- pfälzischen Hofe um 1750(F. Fendler). 20.00 Aus Saarbrücken; Funkfahrt ins Blaue. 22.20 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. 22.45 See-Wetterbericht. 23.00 Vorn Weihnachtsmarkt Berliner Künstler: Die Fledermaus auf dem Weihnachtsmarkt,(Dir. F. Kiinneke). Sonst: Berliner Programm. Verantwortlich für Politik: Rudolf BrendemüHI: Wirtschasi: G. KlingelHöfer: Gewerkschaslsbe- wegung: I. Steiner; sreuillelon: Herben Le- Pore: Lokales und Sonstiges: Fritz Karslädt; Anzeigen: Otto Hengst: sämtlich in Berlin' Bei» log: Borwäris-Berlag G. m. b H.. Berlin. Truck: Porwärts-Buchdrilckerci u. Verlagsanstolt Paul Singer u. Co., Berlin SW. 08, Lindenstr 3< Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise werden in jeder Morgen-Ausgabe des„Vorwärts" veröffentlicht. Hierzu l Beilage. KinderSand 1933 Das beste und billigste Weihnachtsbuch für unsere Kinder ist neu erschienen. Der Preis ist in diesem Jahr herab« gesetzt von 1.50 RM auf 1.00 RM Es ist bei allen Zeitungs. boten, Vonvärts»Abgabe» stellen und Parteibuch» Handlungen oder direkt bei der Vorwärts Buch» druckerei, Berlin SW68, Lindensfraße 5, zu haben Kaan Thtafer Sonnabend, den 3. Dezember itaatsoper unter cen Linnen 20 Uhr Der Troubadour staatliches Schauspielhaus 19 Uhi Faust I. Teil VOLKSBÜHNE Theater am BOBowpsaiz Norden 6$36. Uraufführung 8 Uhr Das neueParadies von Jalino Hay Reale: Heinz Hilpert SläftoOper Ciiarlouenbur� Fraunhofer 0231 Sonnabend, Z. Dez. 19.30 Uhr Turnus III Undine Nettesheim, Schirach Burfi- winkel. Müsch, Oombert, Kandl, Baumaim, Pechner, Müller Dirigent: Bteisach Schiller Bismarckstr.(Knier Steinpl.(Cl) ö?Ia �14 Zum S2. Male Robert und Bertram Alfred Braun, Paul Heidemanit, Senta jöneland S g 4 Dez, 11V: lilerariidies Matinee Zeiiungsnoiiren von E- Kalkowska Garten* 5>ie Codonas Die Könige der Luft Die 6 von der Staatsoper | in neuen Tänzen und Kostömeii j usw. ionnabend and Sonntag I | auch 4 Uhr zu kl. Preisen| ' Flora 3434."nuchen er'.' Das führende Variete Stettiner Sänger Reidishallen-Theater Dönhoffp.atz Direktion Meysel 8.13 Sonntag 3.30 zu ermäßigten Preisen. M Gefährliche Nachbarlchaft und das nene Weihnachtsprogramm »v.uhr OASinO- THEATER»".U6. Lothringer Mrane 37. ■lumuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiuniiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiH Sonntags auch nachmit,»ags 4 Uhr Schlaa:pr- Posse ASIes um Lotts mit G.sang und Tans Für die LeserOutschein 1—4 Personen. Parkett nur 0.50. Fauteuil nur 0.75, Sessel I.2S M. Auch Sonntags abends. Deutsches Theater Weidend. 52UI räglich 3 Uhr Harmonie von Franz Molnai Inszen. Max Reinhardt Max Pallenberg, Karlweis, Etlinger, Vallemin, Hertha Thiele, Teiwin Lore Mosheim KamiRerspieie « Uhr Nur heut- und morgen Paula Wessely in Rose Bernd 1 iTELA DER UNZERSTÖRBARE NEUZEITL FASERSTOFF SCHAFFT GESUNDE, BEHAGLICHE WOHNRÄUME IM KLEINSIEDLUNGS- U.LAUBENBAU DURCH ISOLIEREN DER WAMDFLÄCHEN,DECKEN,VBg| M DÄCHER, FUSSBODEN MIT I ELM ANFRAGEN U. UNTERLAGEN BEREITWILLIGST DURC1 EMIL ZORN A.G.23,3ERLIN-HEINERS:0RF KMioiiennaus Schifibauerdamm 25 0 2 Weidend. 6304—03 8V4 Uhr Kasimir und Karoiine Ab Montag täglich 8 Uhr bMn und IM Sonniagnachm 4U. Vorsladttiagöilis ■(ose- 1 neiller irele frinkfortn Slralc 132 Id. Wsidnti 1 1 3422 5 Uhr Frau Holle 8.15 Uhr Der Zigeunerbaron 11.30 Uhr die iiMMs Eva 4 Uhr Täglich 2>- 9 vdr | Dassensationelle Sabareit-Fro grimm| Abencipreise 1— 3 Mk. Nachm. GodecK 1 25 | Jeden Sor rabenü 1 1 Yt U�r: N?ehtvorsteltong| Bei Bedarf in Auflagematratzen fordern Sie nurdieweichgepolsterte „1WW (mit garant. neuem Material gefüllt). Zu haoen in a I:n einsculägigen Geschäften v 3- «< IQ td' 3 «/>' n Matralzen u-RelarniniüeiMen bekannter Marke Siebenschläfer sind ideal Im Gebrauch. Fordern Sie in allen Betten- und M.belgeschärten ausdrücklich nur die bewährte M.a r k e «i 9« Siebenschläfer HklsS 3. SB« Ein 3endov;s Ban.e'Buhn: Koubasser Siraße ü Oh erbau m 3500 „fonfi-F* iägltch&'« Ubr Sonnt, naefam. Z. Sonnlao, den 4. Dezember nadim.iVz Uhr Gerade der Optiker führt geschmackvolle Artikel, die als Weihnachts'-abeFreude bereiten. Optiker M.TrilSCh ; Dresdener Str. 131. am Kotb. Tor j Lieferant Ihrer Krankenkasse ! Qocnnirtapc jidu die kleüi'h Amücn tfcauiiucio ia der Gesamt afiag? M|hil I ta.yorwarts" uod öetzdem aviere.'devll� uilliy I X BEILAGE WWörjZ SONNABEND, 3. DEZ. 1932 MicM den frieden, fondern das..: Offener tBrief an 9£ochnürden/ Don Werner 3£egeniann An die Herren Generalsu perintendent der Kurmark Prof.D.Dr.Dibelius; Lan-desbisdiof der eo.- Luther. Landeskirche von Sachsen Geh. Kirchenrat D. Dr. Ihm eis, Magnifizenz; Wirkt. Geheimer Oberregierungsrat D. Dr. f. Conze, Präsident des Evangel. Bundes; usw., usw. hochaeehrte Herren! Sie haben sich vereint zu „Grüßen und Glückwünschen im Geiste G u st a v Adolf« für ein neues Deutschland".„D e r Neichsbote", der Ihre gemeinsame Kundgebung verösfenilichte, hat sich auch erlaubt. meine bescheidene Veröfsentlichung über Gustav Adolf(im„Vorwärts" vom 14. November und „Die Weltbllhne" vom 13. November 1932) eine „unglaubliche Boshaftigkeit" zu nennen. Hochgeehrte Herren! Ihr„Neichsbote" be- hauptet, Gustav Adoli sei kein Mord- b r e n n e r und kein Raub er gewesen und tischt mir wieder das alte Märchen auf, daß wenigstens„zu Lebzeiten Gustav Adolfs bei seinen Truppen Zucht und Gottesfurcht geübt wurden". Ist es Ihnen unbekannt, daß Gustav Adolf während seines Raubzuges durch Deutschland an seinen Kanzler Oxenstjerna(Juli 1631) schrieb: „Wir haben euch oft genug unseren Zustand .zu erkennen gegeben, daß wir mit größter Armut, Beschwerde und desoräre(Unordnung) uns und der Armee diese Zeit durch- geholfen habe», indem wir einzig ex rapto(vom Raube), zu Schaden und Verderben aller unferer Nachbarn den Krieg führen mußten, was bis auf diese Stunde continuirt(fortdauert», fo daß wir nicht haben, die Leute damit zu conteiitiren(bc- friedigen), außer was sie selbst mit unleidliche!» Plündern und Rauben usurpire»(an sich reißen)?" Daß Magdeburg von Gustav Adolf(also nicht von Tilly) in Brand gesteckt wurde, hat der protestantische Geschichtsschreiber Hans Del- brück schon zugegeben. Vielleicht bewundern Sie diese kriegerischen Greuel und berufen sich(mir scheint zu Unrecht!) auf das Wort Ihres Religionsstifters I e s u s: „Ich bin nicht gekommen, den Frieden zu bringen, sondern das Schwert?" Wenn Sie aber Verehrer des Schwertes find, ist Ihnen bekannt, daß Napoleon(am 8. Juni 1817) erklärt hat: „Dieser große Gustav Adolf! In acht zehn Monaten hat er eine Schlacht gewannen und eine verloren und ist in der dritten umgekommen. Sein Ruhm, war wirklich allzu billig erworben... Tilly und Wallenstein waren bessere Generäle als Gustav Adolf. Er hat sich durch keine einzige militärische Bewegung von Wert ausgezeichnet. Er verließ Bayern, gezwungen durch die Manöver Tillys und ließ sich Magdeburg vor der Nase wegnehmen. Ein netter Ruhm!"(?) Hochgeehrte Herren! Wenn Sie aus protestan- tisch-religionspolitischen Gründen verpslichtet sind, die militärischen Leistungen Gustav Wolfs und seine Brandschajzung Deutschlands zu bewundern, halten Sie es dann auch für statthaft, daß ein deutscher Reichsminister, wie Herr von G a y l es getan hat, an den Feiern zu Ehren Gustav Wolfs teilnimmt? Rankes Feststellung, daß Gustav Adolf auf die Veranlassung des Kardinals Richelieu in Deutschland ein- gebrochen ist und von ihm bezahlt wurde, werden Sie nicht bestreiten. Ist Ihnen auch folgendes bekannt? Hermann Stegemann erklärt in seinem soeben erschienenen, in nationa- listischem und wahrscheinlich von Ihnen gebilligten Sinn« geschriebenen Buche„D e» t s ch l a n d u u d Europa"(Deutsche Vcrlags-Anstalt Stuttgart, 1932. S. 232): „Gustav Adolfs siegreiche Fekdzüge haben den Boden ausgebrochen, in den Richelieu die französische Saat st reute. Mit dem Kardinal Richelieu betrat der größl« französische Staatsmann die Bühne... Er hat den Schwede» die Last des Krieges überlassen, bis sie ihm die geängstigten rheinischen Reichsstände in die Arme trieben. Da schlug Frankreichs Stunde. Wieder kam es nicht unzerusen, wieder mar das formale Recht aus seiner Seite und die Gefahr gering. Richelieu halte seinem König diese Politik in einem Schristsag klargemacht:„Man muß womöglich bis Straßburg vordringen, um ein Eingangstor nach Deutschland zu gewinnen: das muß sehr allmählich mit großer Diskretion und auf sehr angenehme und verdeckle Art geschehen." A r i st i d e B r i a n d, der bis dahin legte und begabteste Schüler des großen Kardinals, hätte das nicht zarler ausdrücken können... Der Tod Gustav Wolfs in der Schlacht bei Lützen nahm die größte Gestalt oo» der Bühne Schweden kehrte von der europäischen zur schwedischen Politik zurück... Auch diese Politik ging aus die Behauptung der im deutschen Lebensraum er- rungcnen Stellung aus. Sie hat aber trotz der Scroilüt. die sie Deutschland aufbürdete,»ich: so untergrabend und entmächtigend gewirkt wie dü' französische Politik am Rhein, denn sie war(nach dem Tode Gustav'Adolfs) nicht kontinental ge- richtet. Schweden ist in den Kontinent eingetreten, um die Ostsee zu beherrschen, Frank- reich ist an den Rhein vorgerückt, um die überragend« Stellung aus dem Kontinent zu gewinnen." Hochgeehrte Herren! Halten Sie diese Angriff« gegen Briand, der zusammen mit Stresemann für den europäischen Frieden kämpfte, für berechtigt? und halten Sie Gustav Adolf, der sicher nicht den Frieden wollte, sondern Pommern von Deutschland trennte, Geinäldc von Äürer, Cranach und Grünewald aus deutschen Kirchen raubte und nach Schweden sandte und ganz Deutschland plündeond durchzog, für verehrungswürdiz? Ist es Ihnen bekannt, daß in dem neueste» Versuche einer Ehrenrettung Gustav Adolfs durch Professor I o h s. Paul(der dafür im September 1932 znni Ehrendoktor der theologischen Fakultät Greifs- wald ernannt wurde) sich die Worte finden: „Noch heule erblickt die herrschende Meinung der protestantischen Gsschichtsschreibung in Gustav 'Adolf wobl den Retter der Glaubensfreiheit, zu- gleich aber auch de» gefährlichen Feind unseres Vaterlandes, dessen recht- zeitiger Tod e i.n Glück für ganz Deutschland war?" Halten Sie es für schicklich, daß angesichts dieser herrschenden protestantischen Geschichtsauffassung der Reichsminister von G a y l und der Chef der Reichswehr von H a m m e r st e i n neulich die Feiern zu Ehren Gustav Adolfs,„des gefährlichen Feindes unseres Baterlandes", mitgefeiert haben? Qerharl Aken? mann Wloflar: Srlebles aus Oberbayern ftell contra Schiller In einem bayrischen Dorf gab es eine äußerst heftige Auseinandersetzung zwischen Wilhelm Teil und Friedrich, Schiller.... Der fremde Herr mit der Hornbrille ist im„Gast- Hof zum guten König Ludwig" abgestiegen. Ins Fremdenbuch hat er hinter feinen Namen mit deutlicher Schrifl seinen Beruf geschrieben. Trotz- dem zerbreche» sich Wirt, Wirtin und Kellnerin die umfangreichen Köpfe darüber, was der Fremde wohl vorstellen möge. „Egt tu du amol lesn dahier", sagt der Wirt zur Zen,zi.„I bin heit not recht beieinand. I les immer(und er buchstabiert) groß R— c— nach» an p, glaab i— und am End schö deutli— porter." Zenzi buchstabiert ihrerseits.„F�eili, Wirt, freili! Dees haaßt si Re— por— ter. Dses sieght a jeds Kind sieght dees." Aber die Wirtin schüttelt noch immer Kopf und Kropf.„A Reborder? Söll gibls ja sei gor nöt. Fuchzch Jahr bin i alt und mit dö Herrn Bürger- moaster und Dukter und Brosessor hob i Umganz habt. Aber a Reborder, dees kenn i nimmer." „Wird fcho so vaner vom Finanzamt san, dö Steuern ham immer so spinnete Namen—" In diesem Augenblick tritt der Herr mit der Hornbrille ins Gastzinmier, und dreifach herzliche Begrüßung schallt ihm entgegen: „Grüeß Eahna Gohtt, Herr Reborder...1" * A r der Herr Reporter ist sichtbar schlechter Laune. Her und hin ist er gerast in diesem Kaff, aber nichts Interessantes fand sich für die Zeitung. Auch nicht dreißig Zeilen. Er vertieft sich ins Kursbuch. Inzwischen sind zwei schnurrbärtige Dörfler ein- getreten. „Ro? A Maß, Friedrich? A Maß. Wilhelm?" fragt der Wirt. Und Zenzi bringt zwei Maß: „Bütscho, Herr Tell! Bittschö. Herr Schiller!" Zwischen zwei Nervensträngen im Reporterhirn schlägt der Funke über. Ulkig, ganz ulkig das— zwanzig Zeilen immerhin. In der Not frißt der Redakteur Anekdote».„Schiller trifft Tell in 'Itiederbayern" oder so. Die Ueberfchrift machts. Der Reporter sitzt schon am Tisch der beiden, obwohl nicht einmal seine Bestellung auf drei Enzian deren tiefes Mißtrauen zu überwinden vermag.'Aber der Reporter interviewt drauilos. „Also Sie heißen wirklich Wilhelm Tell?" „Freili hoaß i so. Wofür soll i nöt so hoaßen hö?" „Und Sic heißen Friedrich Scksiller...? Son- dcrbares Zusammentreffen, wie?" „Woans? Woans is dös nacherl sonderbar, hö? Mir san nöt sonderbar, mir zwoa, Herr!" „Natürlich nicht, meine Herren... Zenzi, drei Maß! Nur das Zusammentreffe», meine Herren, das Zusammentreffen! In einem Dorf! Ein Dichter und seine unsterblichste Gestalt an einem Tisch!" Der Dichter und die unsterbliche Gestalt glotze» sich fassungslos an. Soll man gleich dreinhaun dahier au! den Saupreußen, oder soll man erst noch weitere Maßtrüge abwarten..? „Ja, wissen Sie denn nicht, Herr Schiller, daß Sie der Namensvetter eines berühmten Dichters sind?" „A Vetter vo woas?— Vo a Düchter, info No. i heb ka Düchter in dera Verwandtschaft nöt. I Hab a durchaus a anstündige Verwandtschaft. versteh» S im. So...?" Der Reporter begreift, daß es hier Aufklärungs- arbeit gilt. Kulturarbeit, Literaturgeschichte. Er unterzieht sich ihr. Er erzählt von Schiller, dem richtigen, von Tell, dem gedichteten. Der Wirt, Zenzi. die Herren Schiller 2 und Tell 2 hören zu und begreisen so langsam. So bei der sechste» Maß nickten sie mit den Kopsen. Sie haben's weg. „A so is dees, a so!" meint Schiller.„Rachha san mir vo Rechts wegen berühmt, mir zwoa? Zenzi, zwoa Maß für mi und moanen Herrn Tell!" „Sie werden wenigstens bald berühmt werden", bringt sich der Reporter zur Geltung und bestellt seine Maß allein.„Achten Sie mal auf die näch- sten Nummern der„Münchener Neuesten Nach- richten". Da werde ich über Sie schreiben." Zenzi Um den„Xeu Wir erhalten folgende Zuschrift: Der Artikel„Redaktion hinter Git- lern" in der Beilage zum Abend-Vorwärts vom 21. November brachte eine Schilderung der Arbeit in der Redaktion des für die Strafgefangenen be- stimmten„L e u ch t t u r m", der früher in der Strafanstalt Wohlau und jetzt in Plötzensee her- gestellt wird. Als langjähriger Leser des„Leuchtturm" aus fachlichem Interesse muß ich leider der Darstellung in jenem Artikel entschieden entgegen- treten und das Urteil als völlig unzutrefsend be- zeichnen, daß der„Leuchtturm" durch diesen .Klimawechsel" aus einem„farblosen, harmlos altertümlich aufgemachten Blättchcn" zu einer interessanten bunten Zeitung sich entwickelt habe. Eo ist gewiß keine leichte Aufgabe, der aus sehr verschieden gearteten Elementen zusammengesetzten Leserschaft in unseren Strafanstalten in allen Teilen völlig gerecht zu werden. Im Vorder- gründe muh jedenfalls die bildende Aufgabe sein, die den Gefangenen mit für ihn späterhin ver- wertbaren Kenntnissen versieht und ihn für den Lebenskampf geeigneter und tüchtiger macht. Eine „G o e t h e- N u m m e r" mit literarischen Er- innerungen an Lessing, Herder, Jean Paul und Shakespeare und einem Dutzend anderer Namen, die kaum einem Gefangenen et- was bedeuten, ist jedenfalls völlig ungeeignet und erfüllt diese erste Ausgabe nicht: sie mutet wie ein bürgerliches Familienblättchen an. In derselben Nummer Nachrichten über den Pianisten Eugen d'Albert und den Diebstahl(!) eine? Königs- Mantels in der Göttinger Universität! Was sollen weiter für Gefangene Artikel wie„Die Jagd im November": der Schlußrus„Weidmannsheil" klingt fast wie Hohn, wenn er nicht gar Ermuti- gung ist sllr Wilddiebe. Was sollen Artikel über Ferien-Sonderzüge, und in derselben Nummer über vier Spalten:„Wie man Spargel ißt". (Gesangenenkost?) Das ist wirklich Ver- höhnung! Bedenklich ist auch die Erörterung von Fragen über das Perpetuum mobile, was für einen nicht geringen grübelnden Teil der Ge- fangenen geradezu schädlich werden kann. Was soll der wörtliche Abdruck einer Notverordnung ohne jedes erklärende Wort? Wir vermissen überall eine Führung, eine Anleitung für den Leser. Die Beispiele für ungeeigneten Leseswsf lassen sich beliebig aus der letzten Zeit vermehren. Im Großdruck teilt die Redaktion ruhmredig die Zunahme um 35 Abonnenten in Plötzensee mit: das leider starke Wachsen der Belegungszahl läßt sie dabei unberücksichtigt. Zum Schluß vergleiche man die Versassungs- nummer des„Leuchtturm" 1931 unter der alte» Redaktion mit der diesjährigen. Im vorigen Jahr eine eingehende Würdigung der Bedeutung der Verfassung im Leiter, dazu Artikel von Rad- b r» ch. den Abdruck von Wußerungen des Zen- trumsmqnnes Bell, des Staatspräsidenten Hummel, des Kultusministers Grimme. In diesem Jahr sucht man vergebens nach einem der Verfassung gewidmeten Artikel: nur auf der zweiten Seite findet sich eine Ileberschrift:„Ein Bei- trag zur Verfassungsfeier", in der zwar von Goethe und dem Freiherrn von Stein die Rede ist, nichts aler von der Verfassung steht Das ist die wahre Veränderung und die wir k- l i ch e Bedeutung des„Klimawechsels". Die neue Redaktion ist sehr verwandt mit Reaktion! Die Gcrechtigkest verlangte diese Richtigstellung. „So! Also a Zeitungsschreiber son Sö!" ist erlöst. „Es ist ja durchaus möglich, daß Ihre Vor- fahren, Herr Schiller, aus Schwaben und die Ihren, Herr Tell, aus der Schweiz eingewandert sind, und daß Sie wirklich von jenem Helden der Tat beziehungsweise von jenem Helden des Geistes abstammen." „Dees kann scho sei, dees. Dees war nöt Mi- mögliä», dees!" Beide sind jetzt doch sichtlich stolz — und der Reporter, artikelschwanger, ent- fcrnt sich. * Eine Weile sitzen sich Schiller und Tell stumm gegenüber und trinken aus ihren jungen Ruhm. Dann aber meint Schiller langsam:„Dees, was der Herr da gsvgt Hot vo dero Abstammung vo Dur, Wilhelm— dees koa do fei goar nöt sein. Dees is doch'nöt möglich is dös." „Woans?" fragt Tell mißtrauisch.„Mei Abdämmung is a so guet als wie dei Abstammung!" Schiller schüttelt den Kops.„Schau amol a, i war da a Düchter, nöt woahr? lind weil i a Düchter war, drum hob i a Kumedi geschrieben. In dera Kumedi kommt so a Mo vor. soll hoaßl der Tell, nöt woahr? Also: hvab i di doch erst ersunde» gwissermoaßen, nöt woahr? No, und vo a erfundnen Menschen, moa» l, da kann do ka rüchtiger lebendiger Mensch Mtammen, stioan i...?" Aber Tell hat was einzuwenden, etwas lallend freilich schon:„A na! Du bist do durch mi erst berühmt worden, Friedrich! Weil dö Kuinedi. wo i dö Hauptperson san tu, so arg guet gfalln hat den Leitn!" „Dees mo scho sein. Wichelm Aber derawegn warst du do goar nöt auf der Welt dahier, bal i di nöt erst gmacht hätt sozusoagn, nöt woahr?" „Also jetzt werds heiter! Du willst mi gmacht hoabn, du? Haha, hehe hoho! Nachert willst du goar der Berühmtere san vo uns zwoa, woas...?" „Freili! Dees wüll i goar nöt sein, dees bün i! I bün halt der Schiller'" „Und i bün der Tell! Und etzt wüll i dir woas foagn. Der Schiller, dees hoat dr Herr selbst er- zählt, dees woar oan ganz kranker Mansch woor dees, a Hungerleider, dö Schwindsucht hoat er ghoabt, der Schiller, der hundsheiterne Uhu der hundsheiterne. Aber der Herr Tell, dees woar a starker Mo, a tapfrer Mo. a schöner Mo, a Höld woar dees! Da bün i do liader a Höld!" „Freili woar dees a Höld, der Tell. Aber a Höld vo Schiller, du dalketer Schraumdampfer du dalkcter! Vo Schiller, der wo a Goist ghoabt Hot, a Goist soag i! Der wo a Mönsch gwesn is aus Fleisch un Bluet! Vo den stamm i ab, Hot dr Herr gsoagt, drum bün i a richtgcr Schiller, a echter Schiller, verstehst mi. hö? Aber du, wenn der Schiller a so toan bot, als war der Tell a kräftiger Mo— du bist nix als wie a Kumedi- iigur, als wie a Gspenft, a Gspenst bist, soag i!" Jetzt aber wirds Tell zuviel—„wäre er besonnen, hieß er nicht der Tell" Er springt aus. „So...? A Gspenst bün i? Nacha werd i di moal zeig», was dees is, a Gspenst. Nacha sollst mal sehgn, ob i der echte Töll bin, du damischer Schiller du damischer. A Düchter, hoho, a Düchter! Mit an Düchter wird er scho no serti, der Töll!" Der„Miesbacher Anzeiger" berichtete später, daß unglückseligerweiie ein eisernes Rohr und ein Holzscheit in der Nähe lagen. Beides ergriff Tell,., Schiller war bei seinen Abwehrmaß- nahmen auf die Maßkrllge angewiesen Und wie es den kampfungewohnten Dichtern schon geht— sie steh» in jeder Weise hinter ihren Gestalten zurück, Schiller trug eine lebensgefährliche Ver- lctzung am Kops davon— ausoe'-eck'net an der Körperstelle. in der Tell erzeugt worden war... Der Reporter selbst konnte leider keinen Bericht schreibe». Er wurde, ebenfalls laut„Miesbacher 'Anzeiger", bewußtlos ins Krankenhaus Miesback» eingeliefert. Friedrich Schiller und Wilhelm Tell hatten sich wieder geeinigt und ihn gemeinsam verdroschen..« Arheitersportler, werde hart! Nicht Wehr- sondern Gegen Wehrsport ist not! Im„F u ß b a l l st ü r m e r". dem modern aufgemachten. sehr aktuell eingestellten, viel zu wenig gelesenen Spartenblatt des Arbeiter-Turn- und Sportbundes, nimmt Fritz W> l d u n g das Wort zur Wandlung des Sportgeistes im bürgerlichen Lager. Der Verfasser weist nach, wie nicht nur in der Deutschen Turnerschaft, sondern vor allem auch unter den„Studenten" der Deutschen Hoch- schule für Leibesübungen die Sportgesinnung eine andere geworden ist. Unter der Einwirkung der Hakenkreuzpropaganda ist nach Wiederzulassung der Parteiuniform in der bürgerlichen Jugend an den höheren Schulen und den Hochschulen«ine Landsknechtspsychose ausgekommen, die bereits tragikomische Formen angenommen hat. Es ist im bürgerlichen Sport eine Rebellion gegen den egozentrischen Geist des Rekords ausgebrochen Was aber an die Stelle dieses altgepflegten Un- geistes gesetzt werden soll, ist noch größerer Un- geist, geboren aus einer nationalen Haßpsychose, die von einer planmäßig vorgehenden Reaktion tagtäglich von neuem aufzupeitschen oersucht wird. Man beachte nur, was auf diesem Gebiete der Rundfunk anrichtet! Herr Neuendorfs, der trog der Aufhebung der Preußischen Landesturnanstalt in Spandau immer noch den Ton anzugeben scheint, sordert ganz offen die Einführung einer fa- s ch i st i s ch e n Miliz. In den„Leibesübungen", einer bisher vornehm geleiteten Zeitschrift, läßt er sich also vernehmen: wkd. Paris, Ansang Dezember. Am gleichen Ort, im Grand Palais, wo vor einigen Wochen die internationale Automobil- industrie ihre neuesten Modelle zeigte, findet gegen- wärtig wieder einmal der Pariser A e r o- Salon statt. Jahrelang eine Ausstellung, die vornehmlich dazu diente, die neuesten Kampf-, Bomben- und Schlachtflugzeuge zu zeigen. Nur vereinzelt fand man in früheren Jahren einmal ein Zivilslugzeug. Das ist diesmal ganz, ganz anders. Der Salon wird vom Zioilflugzeug beherrscht. Gewiß schließt das nicht die Anwesenheit der Milirärslugzeuge aus, die hier ebenfalls in einer ganzen Reihe von Exemplaren in den verschiedensten Ausführungen zu finden sind. Aber schon der erste Rundgang vermittelt dem Besucher doch den Eindruck, daß der Pariser Aero-Salon diesmal nicht den Zweck hat. zu zeigen, welche mörderische Instrumente den Frieden, den man hier in Frankreich ganz frag- los sehnsüchtig wünscht, bedrohe». Nachdem die jahrelange Prototypenpolitik— immer neue Typen zu bauen— elendiglich Schiffbruch erlitten hat, scheint man hier jetzt das Geld der Steuerzahler auch besser anzuwenden, als es nur in Form von Subventionen der Luftfahrzeug- industrie zufließen zu lassen. Nicht daß die Suv- ventionierung dieses Kriegsrüstungszweiges auf- gehört hat, man hat aber erhebliche Abstriche ge- macht, die Austräge sind ganz wesentlich kleiner geworden, und allerwärts wurde in den Fabriken ein Abbau vorgenommen. Allerdings fehlt auch hier so ziemlich ganz das ausgesprochen billige Sportslugzeug. Man hat sich da mehr aus die mittleren Typen von Touristikslugzeugen konzentriert und dabei sich vielfach die in jeder Hinsicht famose englische „Puß-Moth" zum Vorbild genommen. Allerdings weih man heute noch nicht, ob die Maschinen von Caudron, Farman, Potez, Sasa, Mureaux u. a. auch hinsichtlich ihrer Leistungen dem englischen Original ebenbürtig sind. Tatsache ist aber, daß die französischen Maschinen teilweise als außer- ordentlich preiswert bezeichnet werden müssen, be- sonders gut sind die Ausführungen, die über drei- und vierfitzige Kabinen oerfügen. Teilweise findet man da recht nette Konstruktiondetails. Nieuport-Delage oersucht sich mit einem schwanzlosen Zweisitzer-Touristik-Kabincnflugzeug, über dessen Flugeigenschaften man allerdings noch nichts näheres weih. Und Liore u. Olivier ist in der Entwicklung des Autogiros insofern einen Schritt weitergegangen, als man eine Lizenzaus- führung in Gestalt eines zweisitzigen Kabinenflug- zeugs sieht, bei der das Hintere Höhenruder in Fortfall kommt, dafür aber die Höhensteuerung der Rotorflügelblätter erfolgen soll. Ganz auf- fallend große Verbreitung hat der Metallbau gesunden. Kaum eine französische Firma, die sich nicht mst chm befaßt. Und zwar bei allen Flug- zeugarten. Die Franzosen verwenden da durchweg Duralumin als Baustoff, während die „... Ich kann mir denken, daß in nicht allzu- serner Zeit jedem jungen Menschen etwa zwi- schen 18 und 24 Iahren durch Gesetz der w o h l- tätige Zwang auferlegt wird, einem na- tionalen Turn- und Sportverein oder Wehr- verband anzugehören. Ich wünsch«, daß ein solches Gesetz kommt. Es wird dann durchaus nützlich sein, daß die Führung der Wehrver- bände in den Händen von Berusssoldaten liegt..." Und in einem offenen Briese eines Herrn Hagen in einem akademischen Blatt« wird die Maske vollends abgeworfen. Dort heißt es zum Schluß: „...Wenn es nicht um militärische Ertüchti- gung geht(die versteht sich am Rande und nicht als'Zentralproblem), sondern um den Staats- sinn, den Mannescharakter der deutschen Iu- gend, dann können organisatorische Maßnahmen nur wenig nützen. Wenn sie aber getrofsen werden, so ist ,zu fordern: Die Zerschlagung aller liberalen unbündischen Jugendverbände lZweckverbände), die Unter st ützung aller b ü n d is ch- so ld a t i sch e n Verbände, die Leitung von Organisationen nicht durch Mi- litärs, sondern durch die bündischen Menschen der jungen Generation aus allen Lagern..." Deullicher kann es nicht mehr gezeigt werden, wohin es der natwnal« Irrsinn unserer Zeit ge- bracht hat. Dieser akademische Amokläufer ist nicht mehr zufrieden mit der Unterdrückung der Arbeitersportbewegung: er will sogar den bürger- lichen Sport ausrotten und dann aus Deutsch- Engländer chrer bewährten Ganzstahlbauweise treu geblieben sind. Ja. der Metallbau geht bis zu den Touristikslugzeugen. So stellen beispielsweise Marcel Bloch. Kellner-Bechereau, Mureaux und die polnische PZL. Touristikmaschinen in Ganz- metall aus, obwohl man bei dieser Art Flugzeuge zumeist mit dem Holz- bzw. Gemischtbau aus- kommt. Eine Flugzeugart von großer Zukunst ist srag- los das A m p h i b i u m, mst dem man sowohl auf dem Wasser wie aus dem Lande starten und landen kann. Caudon und Bleriot stellen zwei recht nette Touristik-Amphibien aus. Unter den ausgestellten Verkehrsflugzeugen sieht >nan zum Teil bekannte Baumuster wie die drei- motorige Wibault-Penhoet, SPCA., die italienische Eaproni, die übrigens während des Salons in Brand geriet, und andere. Daneben eine neue, als viersitziges Kabinenschnellflugzeug gebaute Maschine von Bleriot, die über ein während des Fluges einziehbares Fahrgestell verfügt. Die ausgestellten Motoren geben keine Ant- wort auf die Frage, ob sie wasser- oder luftgekühlt bevorzugt werden, beide Arten halten sich in den verschiedensten Ausführungen die Waage, wobei«s allerdings keinem Zweifel unterliegt, daß für Sport- und Tourenflugzeuge ausschließlich der luftgekühlte Motor in Stern- und Reihenanord- nung Verwendung findet. Deutlich erkennbar ist aber die große Ueberlegenheit des englischen Motorenbaus. Mit luftgekühlten Motoren haben sie bereits die 8lX>-?8-Grenze überschritten. Grund- sätzlich neue Wege findet man hier aber nirgends: vielleicht, daß der von Potez zusammen mit Rateau entwickelte. Luftgekühlte Zwölfzylinder sZylinder in zwei Reihen gegenüberliegend) mit einem Turbokompressor einen neuen Weg an- deutet. Im Dieselmotorbau ist man nicht weitergekommen. Man sieht lediglich den Iun- kers, hergestellt von der französischen Lizenz- nehmerin und erstmals mit Kompressor versehen, sowie die beiden Clerget-Sternmotoren von Z/4l>ll und 500/600 PS, die von Hispano-Suiza gebaut werden. Mit Ausnahme von drei Zubehörfirmen glänzt Deutschland durch Abwesenheit. Dieses Fern- bleiben von der bedeutendsten europäischen Luft- sahrtausstellung ist niemand verständlich. Die deutsche Industrie hat dach sicher Absatz und Arbeit nötig. Serien ringkämpfe Alt-Wedding besiegt Nordost Der gestern ausgetragene Serienring- kämpf der beiden L-Mannschaften von Alt- W« d d i n g und Nordost brachte sehr schönen Ringkampfsport. Di« noch junge Nordost-Stasfel zeigte bei ihrem zweiten Start in dieser Serie bereits«ine erhebliche Verbesserung, muhte aber der stärkeren Mannschaft vom Wedding diesmal land einen einzigen Kasernenhoj machen. Prächtige Erneuerer des nationalen deutschen Geistes sind diese Herren. Ob Herr v. Schleicher, den man ja wohl als den Er- wecker des neuen Wehrgeistes ansprechen kann, wohl ungetrübte Freude an diesen Früchten haben wird? Es kann angesichts dieser Entwicklung wohl nur unterstrichen werden, was W i l d u n g am Schlüsse seines Artikels sagt: ..... Ich bin jetzt für stärkere Betonung des Wehrsports, den ich unter anderen Berhältnifsen abgelehnt habe. 3ch sehe ihn aber nur als Gegenwehrsport an, als Aktivisierung unserer Massen gegen den nationalen Bergrutsch im bürgerlichen Lager. Auch wir müssen moralisch ausrüsten, und wenn es ein Wettrüsten mit der Reaktion wird— es bleibt uns nicht erspart. Insoweit gibt es auch für uns eine Wandlung des Sportgeistes, härter werden, kampsbereiter und marschbereiter. Die Zeit, wo wir aus Abneigung gegen alles Soldatische selbst das Marschkommando verpönten und unsere Leute nur„gehen" ließen. ist vorbei: wir müssen wieder marschieren, daß der Boden dröhnt. Es herrscht dicke Lust im Lande, da ist nicht die Zeit zum Schönheitsuchen. Treiben wir also G e g en w e h rsp o r l auf breiter Zront!" noch einen 11:3- Punktsieg überlassen. Die im Frühjahr auszutragende Rückrunde wird be- stimmt ein anderes Ergebnis bringen. Im Zlicaengcwicht(UgU Heiden-AW. Uber Nleinges-NO. bereits auf der Waage. Der Bantamgewichtler NUHIHorn- AW. tonnte gegen Krause, NO. durch Sindrucken der BrUcke zwei wettere Punlte erkämpfen. Die Federgewichte Klug.AW. und Müller NO. zeigten schone Technik im Bodenkampf, erreichten aber nur ein Unentschieden. A. NUnnkc-AW. und Kamrad-NO. rangen recht kraftvoll, in der 8. Minute gewann N. das Treffen. B. NUnuke-NO. mußte gegen Bräünia.AW. wegen einer Sednenzerrung aufgeben. DM Salbschwere Sellwig verschuldet« gegen Kast.NO. seine Niederlage selbft und im Echluislreffen' trennten sich Schuler, AW. und Brunitowski-NO. mit einem Unentschieden._ Boxende Polizei Das große internationale Turnier Einen großen Erfolg hatte der Polizeisport- verein mit seinem gestrige» internationalen Box- lurnier im Sportpalast. Ein überflllltes Haus, im Ring schöne, saire Kämpfe, so verstanden es die Boxer der Polizeien der verschiedensten Länder, sich die Sympathien zu erwerben. Im Einladungskamps der Leichtgewichte siegte Meister Donner über den ungarischen Ex- europameister Szabo nach Punkten und im Welt- gewichteherausforderungskampf setzte sich der Po- lizist M i e t s ch k e dank größerer Ausdauer gegen Lütke(Heros) nach Punkten durch. Das Turnier der Mittelgewichtler ergab den stürmisch bejubelten Endsieg von Hornemann- Berlin, der dem englischen Meister Mallin in einem sehr schnelle» und an Schlagwechsel reichen Kampfe das Nach- sehen gab. Borher hatte Hornemann den guten, aber anscheinend nicht aus der Höhe seiner Form befindlichen Italiener Liani knapp ausgepunktet, während Mallin über den Ungarn Czigeti I ins Finale gekommen war. Als bester Mann der Halbschwergewichtler erwies sich nicht, wie man nach den Vorkämpfen erwarten konnte, der Ungar Czissar, sondern der Wiener Zehetmayer. Nach einem mit großer Erbitterung durchgeführten Gefecht behielt Zehetmayer, der vorher knapp gegen den Leipziger Pietsch gewonnen hatte, über Czissar die Oberhand. Der Ungar war im Vor- kämpf dem brandenburgischen Meister Senft der- art überlegen, daß der Ringrichter den Kampf nach einem schweren Niederschlag des Deutschen schon in der ersten Runde stoppte. Im Schwer- gewicht endlich blieb der Engländer T i t m u s Sieger. Nach seinem Vortampfsieg über den Berliner Surma erhob sich ein stürmischer Protest gegen da- Urteil, aber zu Unrecht, denn der ewig lächelnde Engländer hatte verdient gewonnen. In der Endrunde zeigte sich dann der Londoner „Bobby" auch dem Italiener Caponi nach Punkten überlegen, der seinerseits in der Vor- runde den Saarländer Leis-Mittelbexbach hatte schlagen können. Solidarität, Kraftfahrer. Touren für Sonntag, 4. Sc. zcmbet: Abi. llRitlc: Nuirdfahrt Mittcnwalde— Zossen. Start: 10 Uhr Engelufer 25.— Bcrsammlunacn: Abt. Norden: 2. Dezember. 20 Uhr, Sccstr. 02.— Abt. Char- lottenbura: 1. Dezember GrUnstr. 9—10.— Abt. Mitte: 7. Dezember, 20 Uhr, Sugelufer 25. Radfahrer Solidarität. Touren sUr Sonntag, 4. Dezember: Abt. Tiergarten: Wardmannslust,„Krgelheim". Start: 18 Uhr BUlowstr. 55.— Abt. Kreuzberg: Fahrt ins Blau«. Start: 12 Uhr Dieffenbachftr. 86a.- Abi. Mitte: Kirschgarten. Start: 18 Uhr Mariannenplatz.— Abt. Wedding: Streife, durch Schulzendorf. Start: g Uhr Rettel. beckplatz lTankstelle).— Abt. Prenzlauer Berg: Ziel am Start. Start: g Uhr Oderberger Str. 31.— Abt. Fried richshain: Ziel am Start. Start: 18 Uhr Petersburger Platz.— Abt. Neukölln: Ziel am Start. Start: 13 Uhr Kohenzollernplatz.— Heimabende der Jugend: Friedrichs- Hain: 6. Dezember, 20 Uhr, Jugendheim Ebertpstr. 12.— Neukölln: 7. Dezember, lOtj, Uhr, Ausspracheabend im Jugendheim Flughafensir. 68. Minerva 28 Neukölln, sucht sUr die 1. und 2. Männer- futzballmannschaften sUr den 4. und 11. Dezember, sowie sur den 18. Dezember auf Gegners Platz Spiele. Anruf V 2 Neukölln 9772, Schröder, oder an W. Zier, Neukölln. Weferstr, 53._ Der Sportsonntag Bewegung und Spiel— das Leben des Kindes! Die Wahrheit dieser Worte wird morgen der Arbeltersportverein Voltssport Wedding im Großen Saal der Germaniosäle, Ehausseestr. 110, unter Beweis stellen. Dieser Elternabend hat durch die Feier des 25jährigen Bestehens der Mädchenabteilung noch erhöhte Bedeutung. Ueber 200 Kinder bringen ganz neue Bühnendar- bietungen, keine eingepaukten und mühselig ge- übten Vorführungen werden gezeigt, sondern Lust und Freude der Kinder an Bewegung und Spiel in Verbindung mit Musik und Gesang wird den Gästen die Notwendigkeit ungezwungener, freier Betätigung des Nachwuchses vor Augen führen. Einige Bilder aus der Zeit der Gründung der Mädchenabteilung im Jahre 1907 wer- den die grundsätzliche Umstellung der körperlichen Erziehung der Kinder veranschaulichen. Die Ver- anstalwng beginnt um 17 Uhr. Die Eintritts- preise sind sehr niedrig, nachher geselliges Bei- sommensein. Der Reinertrag wird für Ferien- Wanderungen verwendet. Die Turnerinnen der Frauen- und 3ung- Mädchenabteilung des Arbeitersportvereins Neu- kölln, die bei größeren Veranstaltungen schon wiederholt hervorragende Gymnastik ge- zeigt haben, veranstalten morgen um 16 Uhr ein Werbeturnen in der Turnhalle Neukölln, Weisestr.(Nähe Steinmetzstr.). Da wiederum da? Beste gezeigt wird, sollten alle Freunde des Ar- beitersports die Veranstaltung besuchen. Schon in der Zeit ab 14 Uhr herrscht reges Leben in der Halle, da die Kinder des Vereins mit mun- terem Spiel den Reigen des Tages eröffnen. Im Passagepalast, Bergstraße, anschließend geselliges Beisammensein. Frauenwerbelurnen in Tegel. Anläßlich des zweijährigen Bestehens der 2. Frauenabteilung (Frauen über 25 Jahre) veranstaltet die Freie Sportvereinigung Tegel 1899 am Sonntag von 15 bis 17 Uhr in der Turnhalle der Humboldt- schule Tegel, Steinbergstr., eine Werbeveranstal- lung. Zur Aufführung gelangen Tänze, moderne Gymnastik und Geräteturnen. Alle Parteigenossen. Freigewerkschaftler und Freunde des Vereins sind zu dieser Veranstaltung herzlich eingeladen. Als Werbeoeranstaltung gedacht, ist der Eintritt frei. Filmsonnlag beim ASKö.-Brih. Zwei große FUmvorstelluiigen werden morgen im„Linden- park", Britz, Ehausseestr. 18, verairstaltel. Um 15 Uhr(Einlaß 14'A Uhr) beginnt die Kinder Vorstellung mit ausgesuchte»! Programm: Jugendherbergsfilm„Ich fahr in die Welt" und der Letp- zig« Bundessilm„Die Leibesübungen des Kindes", dazu noch zwei Einakter. Eintrittskarten: 25 Pf. für Kinder, Erwachsene 45 Pf. In d« Abend- Vorstellung— Einlaß 18� Uhr, Beginn 19 Uhr— lausen außer dem Einakter„Das Märchenland im Norden" und„Turnen, Spiel und Sport im Dienste der Volksgesundheit". Eintritt 45 Pf., Erwerbslos« 25 Pf. Arbeiker-Schwimmfest in Brandenburg. Zu ihrem 3. Hallenfchwimmfest haben die Freien Schwimmer Brandenburg eingeladen. Die Anzahl der Meldungen ist enorm, aus Berlin sind neben sechs Abteilungen der Freien Schwimmer Groß-Berlin noch Freiheit, Schöneberg-Friedeaau. und die Freien Schwimmer Charlottenburg am Start. Hinzu kommen die Vereine der näheren Umgebung und aus Magdeburg. Hallenbadweihe in Braunschweig. Die Einweihung des ersten Hallenschwimmbades in der Stadt Braunschweig wird am Sonntag durch den dortigen Arbeiterschwimmverein„Delphin" vorgenommen. Der Veranstalter hat sich für die sportlichen Wettkämpf« ein« ausgezeichnete Beteili- gung aus dem Bundesgebiet des Arbeiter-Turn- und Spartbundes gesichert. So werden u. a. die Freien Schwimmer Groß-Berlin und der Arbeiter- schwimmverein Hellas mit Auswahlmannschaften an den Start gehen. Im Rahmen des Programms findet auch die erste Nevanchebegegnung der dies- jährigen Endfpielgegner uin die Biindesmeifter- schalt im Wasierballspiel statt. Freier Wasser- fport Hannover-Linden schlug bekanntlich im August dieses Jahres in Westfalen den ASV. Hellas, Berlin, mit 9: 5 und wird nun beweisen müssen, daß der damalige Sieg kein Zufallssieg war. Trabrennen zu Mariendors. Die erste Winter- Veranstaltung wird morgen Sonntag, 13,30 Uhr. in Mariendorf mit einem inleresianlen, dem Ge- stüt Klein-Helle gewidmeten Programm fortgesetzt. Pariser Flugzeugsalon Unser Korrespondent schreibt; All« Arb«ll«r und Angmlallt« haben das Rächt auf Bafralung von dar Mltelledschalt bal einer Ptllchticrankenkasae(IB17RVO.) durch Übertritt sur Kranken- u. Sterbekasse für das Deutsche Reich Auskunft und Prospekte kostenlos und unverbindlich durch die HauptvRrwallung: Barlin H 24, Oranienburger Straße 67