Abend-Ausgabe Nr. 572 B 278 49. Jahrg. Redaktion und Verlag, Berlin 5XV 68. Lindenstr. 3 D�cnspreche?'«? Am, Dönhoff X2 bu 297 Selegtammabteffe, Sozlalbtmokroi B«rlw BERLINER VOLKS BLATT MONTAG S.Dezember 1932 In Groß> Berlin 10 Pf. Auswärts...... 10 Pf. Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise siehe Morgenausgabe Zentvatsegan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Nazis im Abstieg b,ehren einer �Vahl Die Thüringer Gemeindewahlen weisen gegenüber den Reichstagswahlen vom 6. No- vember eine bei weitem schwächere Wahlbeteiligung auf. eine bei Ge- meindewahlen nicht ungewohnte Erscheinung. die aber durch die allgemeine Wahlmüdigteit infolge der zahllosen Wahlen dieses Jahres wohl verstärkt worden ist. Die vier großen Parteien: Sozial- d e m o k ra t e n, Nationalsozia- listen, Kommuni st en. Deutsch- nationale haben sämtlich gegenüber der Reichstagswahl an Stimmen verloren. (Das Zentrum zählt im protestantischen Thüringen nur wenige Anhänger.) Die Ber- luste der Deutschnationalen sind schwer ver- gleichbar. weil bei den Kommunalwahlen Hausbesitzer-, Bürger- und Einheitslisten eine große Rolle spielen. Stellt man eine knappe Uebersicht auf, so sieht man, daß die Verluste dieser drei Parteien sich in sehr verschiedenen Ausmaßen halten. Während die Ver- luste der Sozialdemokraten und Kommu- nisten sich im Rahmen des allge- meinen Stimmrückgangs halten, zeigt sich bei den Nationalsozialisten deutlich weiter das Verebben der national- sozialistischen Welle. Wir haben die Resultate von zehn thüringischen Städten, nämlich von Altenburg, Arnstadt, Apolda, Eisenach. Gera, Greiz, Gotha. Jena, Sonnen- berg, Weimar, sowie die Stimmen des Land- kreises Gera zusammengezählt und folgendes Ergebnis erhalten, das, obwohl Teilergebnis, doch typisch sein dürfte: Stimmenzahl in 10 Städten und 1 Landkreis: Naz. Soz. Komm. am 6. Nov..... 107 650 85 428 57 055 am 4. Dez..... 83 292 71968 48505 Verlust: 24 358 13 460 8 550 Bei den Kommunisten sind die Ziffern insofern zu günstig, als im Resultat des 4. Dezember Stimmen der kommunistischen Opposition stecken, die aus Greiz und Jena nicht getrennt von den anderen kommunisti- scheu Stimmen gemeldet wurden. Errechnet man hieraus die prozentualen Verluste der drei Parteien, so ergibt sich: Naz. Soz. Komm. Stimmverlust in Proz. 22.5 15,8 über 15 Der Stimmenverlust der Nationalsozia- listen stellt sich also nicht nur absolut, sondern auch prozentual weit höher als der der Linksparteien. Während Sozial- demokraten und Kommunisten etwa rund ein Sechstel ihrer Wählerschaft verloren, haben die Nationalsozialisten nahezu ein Viertel eingebüßt. Dabei ist zu be- denken, daß schon der 6. November für sie in Thüringen ein furchtbarer Ader- l a ß gewesen ist. Gegen die Wahl vom 31. Juli hatten die Nationalsozialisten in Thüringen bereits 110 000 Stimmen, nahe- zu ein Fünftel, verloren, während die Sozialdemokraten sich fast behauptet, die Kommunisten sogar gewonnen hatten. Der neue fürchterliche Wählerabfall konnte auch dadurch nicht oerhindert werden, daß Hitler persönlich in den Wahlkanipf eingriff und mit ihm alle nationalsozialistischen Redner- größen das Land bereisten. Als politisches Stimmungsbarometer er- geben.die Thüringer Wahlen das weitere rapide Abebben der nationalsozialistischen Welle, und das in d e m deutschen Lande, in dem sie zuerst„an die Macht gelangt" waren. In Weimar und in E i s e n a ch konnten die Nationalsozialisten nicht einmal mehr d i e Stimmen aufbringen, die sie 1930 bei den Brüning-Wahlen erhalten hatten. Die Wahl als Wahrzeichen Erxetmisse der Gemeindewahlen in Thüringen Eigener Beridit des„Vonoärts" Weimar, 5. Dezember. Die Thüringer Gemeindewahlen. die am Sonntag ohne bemerkenswerte Störungen ihren Abschluß fanden, standen unter dem Zeichen einer besonders großen wahlmüdigkeit, unter der vor allem die großen Parteien zu leiden habeu. Nationalsozialisten, Sozialdemokraten und Kommunisten haben fast überall Stimmen eingebüßt. 3m Vergleich zu den Ergebuissen der letzten Reichstagswahl am 6. November haben ober die Nationalsozialisten die Haupt- Verluste erlitten. Sie haben trotz des ta gelangen Einsahes ihrer prominentesten Führer(einschließlich Hitler) stellenweise Verluste von über 20 proz. erlltten. Ein Teil dieser Stimmen ist zur bürgerlichen Mitte zurückgewandert. Die Wahlbeteiligung schwank» zwischen 5b bis S« pro,. Einzelergebnifse Wir geben im Nachstehenden die Ergebnisse der Gemeindewahlen aus den hauptsächlichsten Städten des Landes. Die Vergleichs- zahlen in Klammern betreffen die Reichs- tagswahl vom 6. November, soweit sie die Mandate betresfen, gelten die letzten Gc- meindewahlen, die zumeist schon iin Jahre 1928 stattfanden. Weimar NSDAP..... Soz...... KPD.-Opposition. KPD...... Handel u. Gewerbe DNVP..... BororUiste... Bürgerliche Mitte. Jentrum.... DVP...... (Stimmen 7 122(11 003) 3 347( 5 491) �77 2 704 lZs 3 914) 849(-) 2 272( 3 768) 398(—) 922(-) 619( 636) 1 250( 2 100) Mandat« 11( 4) 5( 7) 4{ 2) 1(-) 3(-) ( I) 1(-) 1(-) 2( 3) Ilmenau Stimmen Mandat« NSDAP.... 1 341( 2 555) 5( 1) Soz...... 2 038( 2191) 7( 8) KPD...... 1 148( 758) 3( 2) Bürgerl. Einheits- liste und Mitte 1 410(—) 4(4) Gotha Stimmen Mandat« NSDAP.... 7 565(10046) 14(12) Soz...... 1 327( 1 922) 2( 3) KPD...... 6153( 7 473) 11(10) DNVP..... 2 386( 2 845) 4( 4) DVP...... 1 919( 1 466) 4( 4) Apolda Stimmen Mandate NSDAP..... 4 430( 6 389) 9( 6) Soz...... 2 798( 3 478) 6( 8) KPD...... 2184( 2574) 4( 2) Bürgerliche Mitte. 2 788( 2 400) 6( 9) Greiz Stimmen Mandat« NSDAP.... 7 866(10 261) 13(—) Svz...... 5 644( 6 998) 9(12) KPD...... 2 602( 4 257) 4( 3) .KPD.-Opposition. 1 272(—) 2( 2) Bcrufsständische. 2 620(—) 4 s. Bürgerliche Liste. 1 775(—) 3 J" Jena Stimmen Mandate NSDAP.... 6 249( 8 420) 8( 1) Soz...... 7 479( 9 615) 9(11) KPD...... 6 513( 7 442) 8( 5) KPD.-Opposition. 604(—)—(—) DNVP... 1 864( 3 635) 2(—) Staatspartei.. 2 866( 2 005) 3( 4) Bürgerl. Liste.. 3 369( 2 648) 5(?) Unpol. Vorortsl.. 464(—)—(—) Bei der Kommunalroahl des Jahres 1928 waren in der Bürgerlichen Liste die DNVP., DVP.. Zentrum, Wirtschaftspartei und die Christ- lich-Sozialen mit 14 Mandaten vereinigt, Schleicher= Göring Abrede über die Reichstagstagung lieber die Besprechungen zwischen dem Reichskanzler von Schleicher und dem heute noch amtierenden Reichstagsprösidenten G ö r i n g wird halbamtlich mitgeleill, daß der Reichstag sich morgen konstituieren, also seinen vorstand wählen werde, und daß im übrigen der reibungslose verlauf dieses ersten Sihungslages gesichert sei. Da- gegen wird strenges Stillschweigen darüber beobachtet, was die Herren w a r m b o l d und von Braun miteinander ausgemacht haben, bevor sie ihre Ministerstellen wieder übernahmen. Der neue Reichskanzler ist. wie weiter versichert wird, jederzeit bereit und in der Lage, die Regierungserklärung vor dem Reichs- l a g abzugeben, wobei es jedoch möglich sei, daß er sich die Slellungnahme zu handelspolitischen Fragen, also auch den Kontingenten, vorbehalten werde. Ob diese RegierungscrNärung schon am Mittwoch oder erst in einigen Togen abgegeben werden wird, steht noch nicht fest. Bei der heutigen Verabschiedung Popens vom Reichspräsidenten erhielt er dessen Bild mit eigener Unterschrift al» Zeichen des Dankes. Der neue Reichsarbeilsminister Dr. Syrup ist vereidigt worden, was offiziell in der Form mitgeteilt wird, daß die Vereidigung gemäß der Vorschrift des Relchsministergesehes vorgenommen worden ist. Der Besprechung zwischen Schleicher imh Göring während diesmal in der Bürgerlichen Liste nur DVP., Zentrum. Wirtschaftspartei und Christlich- Soziale verbunden sind. Gera Stimmen NSDAP.... 13 804(16 577) Soz...... 17142(18 654) KPD...... 6 464( 8 805) KPD-Opposition. 1 403(—) Bürgerbund... 5424(—) Geraer Mitte.. 2 069(—) .Haus- u. Grundbes. 3 594(—) Mandat« 7(-) 9(16) 3( 1) 0( 2) 31 1 16 2 j NSDAP.. Sonneberg Stimmen 5147( 5 631) Soz..... 2 750< 2 732) KPD. Bürgerl.-nat. «lock 2 346( 2 470) 882( 1 140) Mandat« 10(10) ö( 5) 5( 4) 1( 2) Eisenach Stimmen Mandat« NSDAP.... 5 980( 7 996) 11( 1) Soz...... 3 759( 5 431) 6(13) KPD...... 5 751( 6394) 10( 4) DNVP..... 2142( 3 411) 3(—) Staatspartei.. 672( 505) 1( 5) Zentrum.... 475( 494) 1(—) Bürgert. Einheitsl. 1 607(—) 3(—) Bei den Kreisratswahlen verschoben sich die Wahlzissern noch wesentlich zuungunsten der Nationalsozialisten. Sie mußten im Kreise Sonneberg einen Verlust von über 3000 Stimmen verbuchen, während die Sozial- demokratie einen Gewinn von rund 500 Stimmen hatte, und die Kommunisten rund 1300 Stimmen verloren. Im Kreise S ch l« i z verloren die Nazis rund 4000, die Sozialdemokraten dagegen 280, die KPD. 650. Im Kreise Weimar stellt sich der Verlust- anteil der Nazis auf 5000, der der Sozialdemo- kratie auf 900, der der KPD. auf 760! Im Kreise Gera büßten die Nazis gleichfalls 5000 Stimmen ein, die Sozialdemokratie 1800, die KPD. 1200 Stimmen! gingen bereits am Sonnabend Verhandlungen voraus. Der Sonntag galt der Fortsetzung dieses Gesprächs. Daß die Verhandlungen nicht bereits am Sonnabend beendet wurden, läßt den Schluß zu, daß die Nationalsozialisten eine Vertagung des Reichstags unter vorläufigem Verzicht auf alle Abstimmungen nicht grundsätzlich ablehnen. Das Zentrum wünscht ebenfalls die Vertagung, die Deutschnationalen und die Splittergruppen der Mitte sind auch nicht abge- neigt, für eine Vertagung zu stimmen. Vorläusig fragt sich, welcher Kaufpreis für eine derartige Vertagung geboten wird. In unterrichteten Kreisen verlautet, daß Schleicher die Nationalsozialisten durch eine um- tastende A m n e st i e für die Vertagung zu ge- winnen hofst. Sozialpolitisch wolle er insofern Entgegenkommen zeigen, als er auf die Lohn- abbaube st im münzen der Papeir-Notver- ordnung vom 5. September verzichten und auch sonst eine Reihe sozialpolitischer Maßnahmen ankündisen wolle, die angeblich den Wünschen der Gewerlschasten und der Sozialdemokratischen Partei entgegenkommen. Schleicher denke aber die Amnestie und die in Aussicht gestellten sozial- politischen Maßnahmen nicht von heute auf morgen, sondern in mehreren Wochen durchzuführen. * Di« s o z i a l d e m o k r a i i l ch c Reichs- tagsfraktion tritt heute nachmittag Z Uhr zur Erörterung der politischen Loge zusammen. Der Reichspräsident hat am Sonntag die Reichsminister W a r m b o l d und von Braun in ihren Aemtern bestätigt. Die„Verständigung" zwischen diesen beiden Herren über die künstige Wirtschaftspolitik dürste nur auf dem Papier stehen. Wie es heißt, soll sie daraus fußen, daß im Februar und Mär; 1933 die letzten Handelsverträge ablausen, die Bindungen für die Einfuhr landwirtschaftlicher Erzeugnisse enthalten. Offenbar besteht die Ab- ficht, im März nächsten Jahres wieder zoll- politische Auseinandersetzungen zur Vorbereitung von Handelsverträgen einzu- leiten. * Hitler, der sich seit gestern wieder in Berlin befindet und im vornehmsten Hotel der Reichs- Hauptstadt abgestiegen ist, wird heute die Ver- pslichtung der iiationalsozialisti- schen Rcichstagsfraktion iür die NSDAP, vornehmen. Rektoren gegen Klagges Eur Freiheit der Hochschulen Der Konferenz der Hochschulrcktoren, die am Sonntag in 5)alle tagte, erstattete Professor Dr. G a ß n e r, Rektor der Technischen Hochschule in Braunschweig, Bericht über die dreisten Ein- griffe, die sich Klagges in Braunschweig erlaubt hat. Es wurde solgende Entschließung angenommen: „Die Deutsche Rektoren-Konfcrcnz erklärt: Es liegt den deutschen Hochschulen tmd ihren Rektoren fern, der studentischen Jugend die Beschäftigung mit den Problemen des politischen Lebens zu ver» wehren. Sie erachten es vielmehr für fekbftver- stündlich, daß Lehrer und Studenten mit heißen» Herzen Anteil nehmen am Geschick des deutschen Volkes. Dagegen lehnen sie mit dem Nachdruck ihrer Verantwortlichkeit gegenüber Staat und Wissenschaft das Hineintragen der Partei- Politik in die Hochschulen grundsätzlich ab. Deshalb sprechen die in halle versammelten Rekloren dem Rektor und dem Senat der Technischen Hochschule Braunschweig ihren Dank aus für das mannhafte Eintreten gegenüber dem Eingrisf des braunschweigischen Volksbildungsministers in die Freiheit der Wissenschaften und die akademische Selbstverwaltung. Aus dem gleichen Grunde stellen sie sich einmütig hinter das Schreiben, in dem der Vorsitzende des Verbandes der beut- schen Hochschulen den Herrn R e i ch s p r ä s i- deuten um Schutz der bedrohten höchsten akademischen Güter angerusen hat." Wo bleibt der große Adolf? Kat�eujammerlicKe Stimmung in der NSDAP. In der NSDAP, geht es bunt durcheinander. Im„Völkischen Beobachter" veröfsent- licht A. Rosenberg einen bemerkenswert zurück- haltenden Artikel über das Kabinett Schleicher, in dem er oersichert, daß die NSDAP. Schleicher durchaus vorurteilsfrei gegenüberstehe. Katzenjammerstimmung kommt in der„Pom- merschen Zeitung" zum Ausdruck. Hier hält der Gauleiter Karpen st ein einen Epilog aus Papen: Kritische Lage in Genf Leginn der Funkländer-I�onkeren? Die Lage in Gens hat sich am Vorabend der Zünfmächtekonsereoz.zu der heute nachmittag auch Außenminister von Neurath einlrissl, erheblich verschärft. Jehl, wo kein ZNund- spihen mehr hilft, sondern gepfiffen werden muß, zeigt es sich, daß die Gewährung der Gleichberechtigung auf starten widerstand Frankreichs stößt. herriot besteht daraus, daß sein Plan zur Debatte gestellt werde, und bezeichnet die Gleichberechtigung Deutschlands als Ziel, aber nicht als Voraussetzung der Abrüslungskonserenz. Macdonalds Versuche, herriot zu überzeugen. sind bisher gescheitert. Die Amerikaner treten neuerdings dafür ein. daß zunächst nur ein Vorvertrag möglichst bald abgeschlossen werde, der lediglich die bisherigen— äußerst dürftigen— Ergebnisse der Konferenz enthalte, während die eigentliche Konferenz aus später, etwa l9Z6, wieder einberufen werden sollte! Seitdem er nicht wiedergewählt wurde, scheint h o o v e r s Interesse für Abrüstung stark nachgelassen zu haben. Zu alledem treten alte Schwierigkeiten in der Zlotlenfrage, z. B. zwischen Frankreich und Italien einerseits und zwischen Amerika und Zapan andererseits, wieder auf, so daß die Stimmung in Genf hinsichtlich des weiteren Schicksals der Konferenz außerordentlich pessimistisch ist. I�eon Blum gegen die„Unteilbarkeit" Eigener Beridä des„Vorwärts" Paris, 5. Dezember. Die großen Pariser Informationsblätter, die von Herriot inspiriert sein dürften, melden, daß die Aussichten auf eine Einigung in der Gleich- berechtigungsfrage gleich Null seien. Die Vor- besprechungen zwischen den Franzosen, Engländern und Amerikanern hätten ergeben, daß die An- sichten der drei Delegationen unvereinbar seien. Diese Tatsache sei vor allem daraus zurück- zuführen, daß Frankreich seinen Abrüstungsplan als ein unteilbares Ganzes ansieht, d. h., daß die Anerkennung der Gleichberechtigung nach der Ansicht von Herriot nur die Folge neuer Sicherheitsgarantien sein könne. L 6 o n Blum kritisiert im„Polulaire" die Haltung Herriots und bezeichnet die These von der Unteilbarkeit des französischen Plans als das hauptsächlichste Hindernis für die An- «rkennung der Gleichberechtigung und der Durch- führung der Abrüstung. Wie Kriegsschulden entstanden ZW Millionen Dollar 6er l�erenslll-l�eeleruns vorgeschossen „Hugenberg verstand es, eine Art Renaissance im preußischen Osten für Popens neue Herrlich- keit zu erzeuge». Einen Begeisterungstaumel in dem gesellschaftlich eng abgeschlossenen Kreis seiner Anhänger, der— man verzeihe uns— in Sprache und Gebärde viel Aehn- lichkeit mit der Blütezeit der Militärromane aufwies. Heute sind Hugenberg und seine pom- mersche Clique in die Enge laviert und Schleicher ist mit den Gewerkschaften einig ge- worden. Auf deutsch: Das Siedlungsprogramm im preußischen Osten erhält seine Richtung von Leipart und Genossen. Ein nicht ganz un- freiwilliger Treppenwitz. Wir sehen Herrn von Schleicher einen gefährlichen Weg wandeln." Da ist nicht mehr die Rede davon, daß„alles auf Hitler blickt"— bezeichnenderweise wird sein Name in diesem Artikel nicht einmal er- wähnt! Im„Westdeuten Beobachter" aber liest man die folgende Deklamation: „Die NSDAP, aber hat dank ihrer Orga- nisation die Möglick>keit, in einer Zeit, in der die Gegenseite auf dem besten Wege ist, Deutschland dem völligen Zusammenbruch ent- gegenzuführen, eine weitere gewaltige Propagandawelle über Deutschland zu treiben, die den nationalsozialistischen Ge- danken noch fester im deutschen Volk ver- ankern wird." Noch fester als am 6. November, noch fester als in Thüringen? Sie reden sich da selber Mut zu angesichts des nicht zu bestreitenden Abstiegs. Wer weckte ihn? Gering berichtigt Reichstagsabgeordneter Göring sendet uns fol- gende Berichtigung: Den in Nr. 565 des„Vorwärts" unter der Ueberschrift„Eine aufregende Nacht. Hitler, wie ihn keiner kennt" erschienenen Artikel berichtige ich wie folgt: Es ist unwahr, daß ich am Mittwoch, dem 30. November 1932. früh den Zug betreten habe, mit dem Adolf Hitler von München in Jena an- kam, und den Führer geweckt habe. Wahr ist vielmehr, daß ich zu dieser Zeit noch in Berlin war und hier erst um 8.50 Uhr abge- fahren bin. Göring, Präsident des Reichstags. Neuer Erfolg in Belgien Lei den Provin?ialrats>vabIen Eigener Bericht des„Vorwärts" Brüssel, 5. Dezember. Mit den Wahlen zu den Provinzialräten, die am Sonntag stattfanden, Ichlieht die Reihe der belgischen Wahlgänge ab. Abgesehen von den wichtigen Verwaltungsausgaben, die ihnen zu- fallen, sind die Provinzial-Parlamente vom poli- tischen Gesichtspunkt deshalb besonders wichtig, weil fast ein Drittel der Senatsmit- g l i e d e r von ihnen gewählt wird. Die Wahlen vom Sonntag zeigen im allgemei- nen das gleiche Bild wie die Parlaments- mahlen vom vorigen Sonntag: st a r k e r sozio- l i st i s ch e r Erfolg, ein zahlenmäßig etwas schwächerer katholischer Erfolg, empfindlicher Rückgang der Liberalen und hi« und da ein kleiner Fortschritt der Kommunisten. Aufsällig ist der starke Rückgang der flämischen Frontpartei, der am Sonntag viel empsindlicher in Erscheinung trat als bei den Parlamentswahlen vom letzten Sonntag. ?<>wei» sich augenblicklich übersehen läßt, ge- Winnen die Kozial-sten im ganzen 16 Wandate, Eigener Bericht des„Vorwärts" Washington. 5. Dezember. Das Bundes-Staatsdepartement hat dieser Tage zahlreiche offizielle Dokumente aus der Zeit der russischen Kerenski-Regicrung in Buch- form veröfsentlicht, die ein bezeichnendes Licht auf die Haltung Amerikas gegenüber Ruß- l a n d in den beiden letzten Kriegsjahren werfen. Waren die Bemühungen, Rußland unter allen Umständen bei der Stange zu halten, schon früher bekannt, so enthüllt sich erst jetzt in vollem Aus- maße die großzügige Kreditgebarung Amerikas, mit der man die Russen in der alliierten Front zu halten hoffte. Allein von Mai bis No- vember 1917, also während der Amtsdauer der provisorischen Regierung, wurden mehr als 300 Millionen Dollar Kredite be- die Katholiken 15, die Kommunisten 5. während die Liberalen 25 Wandate, das heißt mehr als ein Viertel ihres Bestandes verlieren und die Frontpartei ein Fünftel ihres Bestandes einbüßt. Besonders stark ist der sozialistische Fortschritt in der Provinz Antwerpen und der Provinz W e st f l a n d« r n. Die Sozialisten gewinnen überall Mandate mit Ausnahme der Provinz Lüttich. wo sie«in Mandat zugunsten der Kam- m u n i st e n«inbüßen. Was die Rückwirkung auf die Zusammensetzung des Senats anbetrifft, so ergibt sich noch kein klares Bild. Soviel ist ober sicher daß die Sozia- listen im Senat wesentlich stärker vcnreien sein werden als bisher und sogar verhältnismäßig günstiger stehen werden als in der Kammer, wo das Wahlsystem sie diesmal benachteiligt hat. Böser Wochenbeginn Di« Festigkeit des englischen Pfundes, die sich in der zweiten Hälfte der vergangenen Woche bemerkbar gemacht hatte, war nur vorüber- gehend. Bei Wochenbeginn setzte ein neuer schwerer Rückschlag«in, der den Kurs des Sterling von 13,45 Mark bis auf 13,31 Mark zurückdrückte. Derartig gewaltige Kursschwankun- gen sind für die außerordentliche Unruhe, die zur Zeit den internationalen Pfundmarkt beherrscht, kennzeichnend. Di« Berliner Börse reagierte aus den Pfundoerfall sowie auf andere Nachrichten, wonach in Deutschland die Auflegung einer Zwangsanleihe geplant sei, sehr verstimmt. Auf dem Aktienmarkt waren teilweise recht beträchtliche K u r s r ü ck- g ä n g e zu verzeichnen: u a gingen Siemens von 123� aus 120. JG.-Farben von 97'!- auf 96 Proz. zurück. Rentenwerte blieben überwiegend unverändert. Hitlers Vrligelgarde Zusammenstoße im Westen Eigener Bericht des„Vorwärts" Essen, 5. Dezember. An der Grenze Hamborn-Oberhausen kam es am Sonntag bei Holten zu einem schweren Z b- sammenstoß zwischen National- sozial! st en und Reichsbannerleuten. 200 Nationalsozialisten stießen mit 150 Reichs- willigt, die in der Hauptsache zur Bezahlung von Material und Munitionslieferungen und zu geringerem Maße zu Lohnzahlungen an die„unzu- friedenen Soldaten und Seeleute" dienten. Es waren die amerikanischen Lieseranten, die in erster Linie von diesen Krediten profitietten. Eine Emp- fehlung des amerikanischen Botschafters in Petro- grad, der Kerenjky-Regierung weitere 100 Mil- lioncn Dollar.zur Aufmunterung der Stimmung im Lande" vorzuschießen, kam zu spät und wurde durch die siegreiche bolschewistische Revolution zu- Nichte gemacht. Unzweifelhaft werden diese Summen trotz der formalen Aberkennung der russischen Staatsschulden durch die Sowjets eine entscheidende Rolle bei der künstigen An- erkennung Sowjetrußlands durch Washington spielen. bannerleuten zusammen. Es entstand eine schwere Schlägerei, bei der mit Stöcken, Steinen und Hiebwaffen gearbeitet wurde. Sieben Reichsbannerleute wurden schwer verletzt ins Krankenhaus geschafft, einer hat einen Oberschenkelsteckschuß, die anderen haben Hiebverletzungen erlitten. Von den National- sozialisten wurden sechs Anhänger verletzt, und zwar erhielten drei Schußvcrletzungen und drei Hiebverletzungen. Die Schußverletzungen dürften auf die Nationalsozialisten selbst zurückzuführen sein. Drei Reichsbannerleute und drei National- sozialisten wurden verhaftet. In A l t e n e s s e n kam es am Sonntag zu einer Schlägerei zwischen Kommuni st en und Nationalsoziali st en. Ein Kommu- nist wurde schwer verletzt. Acht an der Schlägerei beteiligte Personen wurden vorüber- gehend verhaftet. In der Ramschstraße in Alten- essen wurden Schutzpolizeibeamte, die einen kommunistischen Umzug auflösen wollten, mit Flaschen und Steinen beworfen. In der Not- wehr gaben die Beamten Schüsse ab. Frauen niedergefchoffen! Nächtlicher Ueberfall in der Wühl» beide Unweit des Bahnhos» Wuhiheide aus der Chaussee noch Blesdors-Süd wurde in der vergangenen Nachl aus zwei Frauen von einem unbekannten etwa 50 bis 60 Jahre allen Wann ein rälselhasler Uebersall verübt. Der Fremde schoß die beiden Frauen, eine 46 Jahre alte Emma Sommerseld und deren 2ZIährige Tochter Helene nieder und slüchlete dann querfeldein. Die Verletzten fanden im St.-Antonius- Kronkenhaus in Karlshorst Aufnahme. Frau S., die sofort operiert werden muhte, schwebt in Lebensgefahr.. Die beiden Frauen trafen mit dem 1-Uhr-Zug auf dem Bahnhof Wuhlheid« ein und benutzten die Chaussee, um nach Biesdorf zu gelangen. Zu ihnen gesellte sich plötzlich ein älterer Mann, der nach einer Straße und einem Lokal in Bies- darf fragte. In einem Abstand von etwa 10 bis 15 Meter ging der Fremde den Frauen voraus. Zwei Kilometer vom Bahnhos Wuhlheide entfernt, blieb der Fremde auf einmal stehen und ließ die Frauen an sich herankommen. Er zog, ohne ein Wort zu sagen, eine Pistole hervor und schoß sechs- bis siebenmal auf die völlig Ahnungs- losen. Frau Sommerfeld wurde von drei Kugeln getroffen, ein Geschoß durchschlug die Lunge. Die Tochter, die sich beim Aufblinken der Waffe ge- bückt hatte, kam glücklicherweise mit einem Schulterstreifschuß davon. Aus die Hilferufe der Ueberfallenen eilte ein Wächter der Wach- und Schließgesellschast hinzu. Der Täter war in- zwischen geflüchtet und im Dunkel der Nacht verschwunden. Das Motiv zu der Tat ist noch völlig ungeklärt. Kriminalkommissar Lipik hat die Aufklärung des Falles übernommen. Der Täter war etwa 1,50 bis 1,60 Meter groß, untersetzt und trug schwarzen Mantel sowie scharze Glocke. Eine andere nächtliche Schießerei, deren Ursachen noch unbekannt sind, spielte sich in der Nacht zum Montag in der S y l t e r Straße am N o r d u s er ab. Gegen 4 Uhr ertönten in der Gegend mehrere Schüsse und einige Zeit später fanden Passanten dicht an der Uferböschung einen jungen Mann mit einer Schußverletzung bewußtlos auf. Der Verletzte wurde ins Virchow- Krankenhaus gebracht, wo die Aerzte einen Lungenschuß feststellten. Der Angeschossene, ein 26 Jahre alter Arbeiter Mar B r i e n aus der Feldzeugmeisterstraße 3, konnte bisher noch nicht vernommen werden. Mietsgelbraub Palscbe Kriminalbeamte am Werk Ein verwegener Raubzug wurde am Sonn- abend abend von zwei bisher noch unbekannten Tätern in der Landsberger Straße 22 unter- nommen. Zwei Männer, die sich als Kriminalbeamte ausgaben,„beschlagnahmten" bei der Ver- walterin des Hauses, einer Frau Winsch, 300 M. Mi et gelder, mit denen sie dann entkamen. Sie veranlaßten den Bruder der Verwalterin, einen Mann Ausgang der Fünfzig, an die Wand des Zimmers zu treten, hielten die Verwalterin in Schach und fanden das Geld in einem Wäsche- schrank. Dann verschwanden sie. Sie werden be- schrieben als etwa 40 und 55 Jahre alt. Sie müssen mit den Verhältnissen der Verwalterin ziemlich vertraut gewesen sein, da sie nicht erst lange in der Wohnung suchten, sondern sofort an den Wäscheschrank herantraten. Das benach- richtigte Raubdezernat hat Ermittlungen ein- geleitet. Nazzia! 40 Peraonen festgenommen In einem Lokal in der Alten Schönhauser Straße, in dem fast ausschließlich Ausländer verkehren, wurde von der Polizei eine über- raschende Razzia vorgenommen. Zwischen Kisten versteckt, wurden zahlreiche Ausweis- papiere gesunden. Offenbar handelt es sich um gefälschte Ausweise und Urkunden, derey� sich die bisherigen Inhaber beim Austauchen der Polizei noch schnell entledigen konnten. Mehrere vor dem Lokal stehende Autos wurden beschlag- nahmt, da der Verdacht besteht, daß es sich um gestohlene Wagen handelt. Insgesamt wurden 40 Personen ins Polizeipräsidium gebracht, wo sie einem eingehenden Verhör unterzogen und ihre Papiere genau nachgeprüft wurden. Eine Reihe von Festgenommenen bleibt in Hast. Rußland gegen England Um den persischen Gelkonflikt Die Kündigung der englischen Oelkonzession in Persien, hinter der sowjetrussische Einflüsse ver- mutet werden, veranlaßt die„J-westija" zu einen» Kommentar, in dem es heißt, daß dieser Schritt Persiens als ein k ü h n e r A k t angesehen werden inllsse, der beweise, daß das britische Welt- reich in Asien heute nicht mehr die Rolle von ehedem spiele. Die Weltkrise habe auch hier ihren Einfluß ausgeübt. Unabhängig von dem Ergebnis der bevorstehenden Verhandlungen zwischen Per- sie» und England beweise der Konflikt einen ernsten Einbruch in die britische Kolonial- Politik, dessen Widerhall in den Ländern des Ostens unbedingt zu einer weiteren Vertiefung des Risses führen müsse, der sich im schwankenden Ge- bäude des britischen Reiches zeige. Duplizität der Ereignisse. Fast zur selben Stunde sind zwei fremde Botschafter beim Quiri- nal(römischen Hof) gestorben, und Zwar beide während eines Urlaubs in der Heimat und beide an Herzschlag: der französische Botschafter Graf de Beaumarchais in Paris und der polnische Botschafter Graf Przezdzieeki in Warschau! >?sksrentsnrusammöni wägbaren in Physik und Chemie". Eintrittskarten beim Pförtner(Unter den Linden 38). Rudolf K. Binding liest Mittwoch, 8.13 Uhr, im H ander Ingenieure, Friedrich-Ebcrt-Str. 27, auf Einladung des Groß-Berlincr Vortrags-Bundes aus eigenen Werken. Rundfunk der Woche Gayls verhinderte Rundfunkpraxis Vor einigen Tagen janü im Berliner Haus des Rundjunks eme Konferenz aller deutschen Rundfunkintendanten und-direkioren statt. Sie war anscheinend aus Wunsch des Freiherrn von Gayl einberufen worden, der mit dem neuen Reichsrundfunkkommissar Dr. Conrad auch an dieser Tagung teilnahm. Inzwischen ist der Reichsinnenminister von Ganl seiner rechten Hand in Rundfunksragen in die Versenkung nachgefolgt. Seine Erklärungen auf der Konserenz erhellten noch einmal schlaglichtartig die Katastrophe der letzten Rundfunkmonate. Die Tagung war nicht öffentlich. Aber für die Worte des Herrn von Gayl und Dr. Conrads fand sich ein Weg ins Freie. Der Protest der Inten- danken und Direktoren gegen die ohne die Mitarbeit von Fachleuten ausgestellten Richtlinien sei ihm, so erklärte Herr von Gayl, erst zur Kenntnis gekommen, als die Richllinien bereits endgültig beschlossen waren. Er habe selbstverständlich an- genommen, daß sie vorher mit Fachleuten beraten worden seien. Er hob dann hervor, datz diese Richllinien keinesfalls wörllich ausgelegt werden sollten, sondern dah es lediglich darauf ankomme, sie den Absichten der Reichsregierung gemäß zu erfüllen. Ja, Herr von Gayl versicherte sogar. datz diese Richllinien nicht unabänderlich seien, wenn die Praxis die Notwendigkeit von Aenderungen und Milderungen erweise. Der Rundfuilk-Zchwanengesang des Reichsinnen- Ministers kündigte dann auch noch den neuen „R e i ch s s e n d e r" an, der allmählich in Tätig- keit tritt. Er stellt vorläufig nur ein Provisorium dar, da man sich für seinen Ausbau, wie Herr von Gayl sagte, erst von der Praxis belehren lassen wolle. Vorläufig also bleibt Professor S ch u b o tz, der Leiter der Deutschen Welle, als Leiter des Reichssenders. Die Abenddarbietungen dieses Senders sollen vorerst an einigen Abenden der Woche probeweise dmch- geführt werden, und zwar im Einoernehmen mit der Berliner F u n k st u n d e und den übrigen Tendern. Für die übrigen Abendveranstaltungen, die von anderen Sendern herangeholt werden. bleibt wie bisher der Intendant C H r i st e a n verantwortlich. Soweit der Inhalt von Herrn Gayls Ausfüh- rungen. Sie zeigen, wie restlos sich die Perspek- tiven des Rundfunkreformatars Erich Scholz und feines Herrn deckten. Deutlicher hätte Herr von Gayl es gar nicht darlegen können, datz ihm jede Berechtigung fehlte, irgendwie in die Gestaltung des Rundfunks einzugreifen und eingreifen zu lassen. Seit neun Jahren hat der deutsche Unter- Haltungsrundfunk sich stetig entwickelt: seit neun Iahren haben sich hier Fachleute herangebildet, die ihre Ersahrungen sammelten und sie zum Nutzen des Rundfunks verwerteten und bereit hielten. Jetzt fiel aus freiherrlichen Höhen ein neugeborener Minister herab, der den Rundfunk als Regierungs- grammophon und geistiges Futter für den Plebs endeckte. Forsch befahl er einem gesinnungstüch- tigen Untergebenen, den richtigen Zug in die Sache zu bringen. Nun stehen Kartenhäuser, wo einst ein solides Fundament des weiteren Ausbaus harrte: es wurde von den tüchtigen Reformatoren bis auf die Grundmauern eingerissen. Die„Ver- einheitlichung" des deutschen Rundfunks hat damit geendet, datz Bayern noch unabhängiger als bisher seinen Sender regiert. Mit diesem Zugeständnis wurde Bayerns Protest gegen die Scholz-Aktionen abgedrosselt, der anfangs sehr krästig laut wurde. Die„Richtlinien", auf die Freiherr von Gayl in seiner Ansprache hinwies, sind nur die pro- grammtechnischen. Sie können allerdings nicht „befolgt" oder„eingehalten", sondern wirklich nur „ausgelegt" werden,„austragsgeinäß", um mit Herrn Beumelburg zu sprechen. Sie sind eine Art Kautschukmasse, die sich formen läht ent- sprechend den„Absichten der Reichsregierung"— und ihrer jeweiligen Stützen. Do diese Richt- linien keine eigene Struktur haben, können sie auch nicht wesentlich geändert, sondern höchstens durch sinnvollere ersetzt werden. Der kurzfristige Minister, der, wie aus seiner Rede hervorgeht, seine Rundfunkpraxis in der Zukunft zu finden gedachte, ist von der Bühne abgetreten: der Freiherren-Rundfunk lebt vorläufig weiter. Es hat auch vorläufig nicht den Anschein, als ob sich hier in nächster Zeit eine merklich geistige Wandlung vollziehen werde. Die meisten Intendanten haben sich den hohen Herren übereifrig untergeordnet und ihnen zu Gefallen bereitwillig jahrelange Programmaufbauarbeit vernichtet. Das peinliche Schauspiel hat wohl bei den meisten Hörern einen nachhaltigeren Ein- druck ausgelöst, als es den Sendeleitern auf die Dauer lieb sein dürste, die heute ihr Programm statt für die Hörer für ihre Vorgesetzten zu- jammenstellen. Nun soll am l. Januar offiziell der Reichs- fender starten. Noch der Entwicklung, die in den letzten Monaten die Deutsche Welle durchgemacht hat, haben wir keinen Grund, ihm irgendwelche Erwartungen entgegenzubringen. Er wird, wie die Deutsche Welle das jetzt schon restlos tut, die „Absichten der Reichsregierung" erfüllen. Das „B i l d u n g s p r 0 g r a m m" der Deutschen Welle soll erhalten bleiben, das heißt, die eigentlich charakteristischen Darbietungen, aus denen dieser Sender seine Existenzberechtigung schöpft: aller- dings ist hier aus politischem und kulturpoli- tischem Gebiet auch bereits ungehemmter Einbruch der Reaktion zu verzeichnen Daneben soll jetzt ein eigenes gehobenes Unterhaltungsprogramm ausgezogen werden. Wir haben bereits Abendprogramme von neuen Sendern in Deutschland, die zum größeren Teil nichts oder nicht viel taugen. Der Austausch von Sendungen sorgt dafür, datz an den schlechten Darbietungen möglichst viele Hörer teilnehmen. Die Millionen, die von den Hörern aufgebracht werden, gehen für die Freiherren-Beamten drauf. Wenn jetzt dem n e u-e n R eich s sen d er ein jährlicher Etat von einer Million zugebilligt wird, so ist an sich gegen diese wirklich Programmzwecken dienende Ausgabe nichts zu sagen. Aber man mutz sich doch verdutzt fragen, weshalb der neuernannte„Reichssender" ein eigenes Unterhaltungsprogramm entwickeln soll. Es wäre doch wohl zweckmätziger gewesen, für Hebung der übrigen Senderprogramme Sorge z» tragen und dann die jeweils wirkungsvollsten und geeignetsten Darbietungen über den„Reichs- sender" zu leiten. Nach diesem Prinzip wurde bisher der Deutschlandsender oerwaltet, und er hatte in der vor-freiherrlichen Zeit eine, wenn auch nicht voll befriedigende, so doch beachtens- werte und entwicklungsfähige Programmgestal- tung. Damals war der Deutschlandsender wirklich Reichssender: sein Wochenprogramm war ein Querschnitt aus den Leistungen aller deutschen Sender. Er hatte so auch eine wichtige repräsen- tative Bedeutung. Heute allerdings hat der deutsche Rundfunk nichts mehr zu repräsentieren: wie einst wegen seiner Hochwertigkeit ist er heute wegen seiner Ungenietzbarkeit im Ausland berühmt. Auf jeden Fall aber wird mit einem eigenen Abendprogramm der„Reichssender" das nicht sein, was sein Name ausdrückt, sondern eben ein Sender mehr unter vielen. Hoffent- lich entwickelt er als solcher wenigstens einigen Ehrgeiz, der dem heutigen Programmstumpfsinn etwas zu Leibe geht. De-s Umbau 5er Wirklichkeit Drei Bücher— drei Städte— und ein Thema: Der Umbau der Wirklichkeit, hervorgerufen durch den Einbruch zersprengender Gewalten, lieber die Stadt Anatol(Bernhard Kellermann „Die Stadt Anatol", bei S. Fischer) kommt die Technik wie ein gefährliches Unwetter, als eines Tages ein Ingenieur Oelquellen ent- deckt. Die Bohrtürme der großen Oeltrusts reißen die kleine Landstadt aus ihrem schläfrigen Dasein. Spekulationsjucht und Geldgier, geweckt durch die Aussicht auf mühelosen Gewinn, zerstören die alten Verhältnisse und vernichten die Menschen, die an sie gebunden waren. Ueber Nacht wächst ein neues Anatol mit Hochhäusern, Kinos und Bars. Aber Kellermann skizziert nur die wirt- schaftlichen Vorgänge und verletzt das Haupt- gewicht auf die Darstellung privaten Schickials, das Menschen der Stadt als einzelne erleiden. Anders der Rüste Alexander Peregu- dorn. In seiner„P o r z e l l a n st o d t" (B ü ch e r g i l d e G u t e n b e r g), sind die Haupt- perionen die Träger eines allgemeinverbindlichen, kollektiven Schicksals. In einfachen Vorgängen schildert Peregudow den Wiederaufbau eines Jndustriewerkes, das von seinem Besitzer beim Ausbruch der Revolution zerstört wurde. Es gelingt ihm, den russischen Menschen, seine Leidensfähigkeit, sein naives Vertrauen zu sich selber, seine,, Heroismus zu zeigen. Hier erscheint die Technik nicht mehr als die Hybris der Zer- störung, des Unterganges und der Verwirrung: sie wird vielmehr zur Helferin des Menschen. Der Schauplatz des dritten Buches, Rudolf Daumanns„Streik"(ebenfalls bei der Büchergilde Gutenberg erschienen), ist das Waldenburger Elendsland. An einer geschicht- lichen Episode aus den sechziger Iahren demon- striert Daumann nicht nur die Veränderung der Wirklichkeit durch den einbrechenden Hochkapita- lismus, sondern auch die damit verbundene Wand- lung ich Bewußtsein des Bergarbeiters, die von den ehemals königlichen Bergmännern immer mehr auf die Stufe des Grubenkumpels absinken. Antreibersystem, Willkür der Unternehmer, hinter dem schützend die Polizeigewalt des States steht, treiben sie zur Abwehr, zum Streit, wecken in ihnen Klassengefühl und Solidarität. Daumann zeichnet, erinnernd an Zolas„Germinal", in eindrucksstarken Szenen, ohne jedoch immer die Gefahren der Schwarzweitztechnik zu vermeiden, die Menschen um Waldenburg. Er macht einen interessanten Abschnitt aus der frühesten prole- tarischen Bewegung sichtbar: den Einbruch der sozialistischen Ideen in die Vorstellungswelt des Arbeiters. Kaliban. Rundfunk am Abend Montag, den 5. Dezember 1932 Berlin: 16.15 Wir machen eine Treibjagd mit(E. v. Kapherr). 16.30 Orchester- konzert. 17.30 Gegenwartsfragen der Sozialpolitik(W Pohl). 17.45 Mit 30 000 gegen \\ ien(W. Kohlmey). 18.05 Balladen für Klavier. 18.30 Das neue Buch. 18.40 Dürfen wir Ihnen raten? 18.55 Die Funkstuude teilt mit. 19.00 Stimme zum Tag. 19.10 Unterhaltungsmusik. 19.55 Aus der Philharmonie: Jubiläumskonzert. 21.35 Mir erinnern an: Ferdinand Lassalle( J. Schinkel). 21.50 Wir vor der Rampe. 22.20 Metter-. Tages- und Sportnachrichten. Tanzmusik. 24.00 M ieder- holung: M'aldiriedeu(Lustspiel von L. Thoma.) Königs wüste rhausen: 16.00 Pädagogischer I unk. 17.30 Die, Geschichte und der deutsche Mensch der Gegenwart (Dr. M. Kramtner). 18.00 Musizieren mit unsichtbaren Partnern(Dr. IL Just). 18250 Der Volksgedanke im„Wilhelm Teil" (Dr. Freyhan). 18.55 Wetterbericht. 19.00 Stunde des Landwirts. 19.25 � iertelstunde Funktechnik(Ober-Ing. Nairz). 19.40 Zur 175. Miede, kehr der Seid acht bei Leuthen. 20.00 Unterhaltungskonzert. 20.55 Einakter. 21.35 Tages- und Soort nach richten. 22.45 See- Wetterbericht. M etter-. Tages- und Sportnachrichten. Aus Wien: Abendkonzert. Sonst: Berliner Programm. Vollständiges Europaprogramm im„\oIks- funk", monatl. 96 Pf., durch alle..A orwärts"- Boteu oder die Postanstalten. 16. Abi. Genosse Paul F u k a s, VoUastr. 12, ist im 57. Lebensjahre verstorben. Ehre seinem Andenken! Einäscherung Dienstag. 6. Dezember, 11 Uhr, im Krematorium Gerichtstraße. Abi. IZSa— Freie Scholle. Unser Genosse Adolf Schreiber, Egidystr. 43. ist im Aller von 62 Iahren, am 2. Dezember verstorben.— Ehre seinem Andenken.— Einäscherung am Dienstag, dem 6. Dezember, nachmittags 3.15 Uhr. auf dem Tegeler Friedhof.— Wir bitten um recht rege Beteiligung.— Die Abteilungsleitung. Weiler für Berlin: Wolkig bis heller, nachts stellenweise Nebel, Nachtfrost, schwache Winde.— Für Deutschland: Im Westen, Süden und Süd- osten heiter und trocken mit Nachtfrost. In Mlltel- und Nordostdeutschland noch vielfach wolkig oder nebelig. Nachts ebenfalls Frost. To recht gemütlich Ist's doliem, erst in der bequemen und warmen Kausjacke. Darin siistlt man sich wohl, wenn man abends müde und abgespannt nach pause kommt. Die Firma Leineweber am stollnischen Fiichmarkt zeigt diese praktischen Jacken, die jeder Mann im Hause tragen sollte, in überaus hübsche» Farben und Mustern. Ein besonders günstiges Zlngebot ist dabei die Hausjacke 33, die'kus molligem Flausch-Cheoiot in bester Verarbeitunq nur 9,89 Mark tostet. Verantwortlich für Politik: Rudolf Brenden, übl; Wirtschaft: 0). Klinge lhöfer; Gewerkschaftsbewegung: I. Steiner: Feuilleton: Herber, Le- p s r e; Lokales und Sonstiges: Friß Sarstädl: Anzeigen: Otto Hengst: sämtlich in Berlin' Verlag: BorwärtS-Berlag G. ur. b H.. Berlin., Druck: VorwärtS-Buchdruckerei u, VerlagSanstalt Paul Singer u. Co., Berlin SW. 08, Lindenstr 3< Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise werden in jeder Morgen-Ausgabe des„Vorwärts" veröffentlicht. Hierzu I Beilage. Hin sehmorzensreichss Leiden hat den I.ebensatem meines geliebten Mannes, unseres guten Vaters. Schwiegervaters, Grollpapas und Onkels, des Polizeipräsidenten i. R. Paul Friingel im 60. Lebensjahr erlöschen lassen. Dies zeigen in tiefer Trauer an Anna FrQngel, geb. Leßmaun. und Angehörige. Havelberg, Schöneberger Str. 104(.,-p..,. Danzig. Itemscheid 1 4- Dezember 1032, Einäscherung: Mittwoch, den T. Dezember, 12 Uhr. in Berlin, im Krematorium Baumschulenweg, KiefholzstraUe. ffftats Theater Montag, den 5. Dezember staatsoper unter den Linden 20 Uhr Slzlifanisdie Vesper staatliches scnauspiemaos 19V. Uhr Faust I. Teil VOLKSBUHNE Theater am BUlowpiatx Norden 6i36. Täglich 814 Uhr Das neueParadies von Jnllnt Har Regle: Heinz Hilpert Stadl. Oper Charlottenbure Fraunhofer 0231 iMontag, S. Dez. 20 Uhr Volksvorsteliung Verst. 4. Rg. Rigoletto Bergei, Cavara, Reinmar. Zador, Baumann. Qonszai, Dirigent: Landeker Kurülrstend.-Ti'. Kuriürstenilamm 209 Tel Bism. 140o Tägl. H'/t Uhr lii&ddidie Reise ?on Bwtnch wd Sdroabadr IKosik: Künnekc Regie Peukcrt Hans Schindler mit seinni Jm-Sympbonikeni Vurverkaaf DnBirttrbrotJim Schiller Bismarckstr.(Knie) Steinpl.(CD 6715 8*4 Zum 54. Male Robert und Bertram UM Brom. Pnl«fide- Siiin, Sinti Usthnd Sonniag II. Dez 4 Uhr Alfred Braun Dr. Oollttels Abenteuer Theater öuhris Garßen � Rose-Theater Mi Fmklirtr itnli IZ ■il. Wcidutl E � 3(2? 8.15 Uhr Premiere Böhmische Musikanten Die Codonas Die Könige der Luft Die 6 von der Staatsoper [ in neaen Tänzen und Kostümen fl usw. I Flora 3434. 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Steinpl. 67Z0 Täglich 8'lt Uhr Truppe 1931 Die mausefaiie Mitfw. il Sonnat). 4 Uhr Schoeewjtlchen Deutsches Theater Weidend. 5201 Täglich 8 Uhr Harmonie von Franz Molnar Inszen. Max Reinhardt Max Paiienberg, Karlweis.Etlinger. Vallemin. Hertha Thiele, Terwin Lore Mosheim Kammerspieie Heute geschloss Am 7 Dez. 8 Uhr Erstaufführung „EDgelDnterDDs" nn Fnntiirt Ijrjr Reg: Rudolf Beet Pul HSithti. Buni Beirl. lilbniinir. Iiiiw. Kiioitr. Härnrrnn. Brtal Stettin er Sänger Reichshallen-Theater Dönhoftplatz Direktion Meysd 8.15 Sonntag 3.30 zu ermäßigten Preisen. Gefährliche Nachbarlchan and das neue Weihnachtsprograrani Komömentiaüs Schiffbauerdaimn 25 Tel. D2 Weid. 6304-05 Täfflieh H L'hr Gestern und heute metronoi-Theaier I Täglich S'h Uhr 1 Sriijt Massary Iin 1 Eine Frau, dir weift. Ii was sie will! Deutsches Künstler-Th Nürnberger Str. Tel Bavaria 6466 Tägl Uhi Leopoldine Konstantin in: Die Nacht zum 17. April Schroth.Steinbeck GeMihr, Brionne, Wolle. 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Jllfred Xmifer Zu b«n wenig bekannten Gebieten Europas gehört auch Bessarabien, obschon es nach dem Weltkriege und besonders während der letzten Wochen in Verbindung mit den Bcrhand- lungen zwischen Rumänien und der Sowjetunion über den Abschluß eines Nichtangriffspaktes in der Tagesgefchichte oft genannt worden ist. Diese zwischen dem Schwarzen Meer, Dnjestr, Pruth und der unteren Donau gelegene Provinz, die am Ende des Krieges von Rußland abgetrennt und zu Rumänien geschlagen wurde, ist der südöst- lichfte Teil des zwischen Ostsee und Schwarzem Meere sich hinziehenden Länderstreifens, der heute vielfach als Zwischeneuropa bezeichnet wird. Bor der Reise nach Bessarabien vernahm ich immer wieder den wohlgemeinten Rat:„Seien Sie nur recht vorsichtig, damit Sie nicht hopp- zenommen werden, denn dort drüben befehlen die Militärs, die nicht viel Federlesens machen." !1m für alle Fälle gewappnet zu sein, verschaffte «h mir neben den zahlreichen xmal beglaubigten Ausweispapieren, die man in diesem Teil Europas tunlichst immer bei sich hat. noch ein amtliches Empfehlungsschreiben, das ich wie einen kostbaren Schatz verwahrte. Angesichts der endlos langen und beschwerlichen Bahnfahrt von B u k a r e st noch K i s ch i n e w, der Hauptstadt Bessarabiens, die einen vollen Tag währt, wählte ich den Luft- weg, da das Flugzeug die gleiche Strecke in nur dreieinhalb Stunden zurücklegt. Uebrigens dürften auch die Flugpreise der rumänischen Lustverkehrs- gefellschaft die billigsten in Europa sein Kostet doch das Flugbillett Bukarest— Kischlnew nur 615 Lei(etwa 15 M.), während sich die Fahrkarte dritter Güte Personenzug aus 655 Lei stellt. Und darüber hinaus: Di« rumänischen Fluglinien, die vor drei Jahren eingerichtet wurden, sind bisher trotz täglichem Verkehr mit 106 Prozent Sicherheit beflogen worden. Es ist ein schöner, warmer Spätherbstmorgen. Ueber dem Bukarester Flugplatz B a n e a s e üben zahlreiche Maschinen der Militärfliegerabteilung. Die Wintermonate stehen vor der Tür und man scheint es mit der Ausbildung neuer Kampf- flieger sehr eilig zu haben. Das Passagierflugzeug, das uns nach Kischinew tragen soll, ist noch nicht startbereit. Der Flugkapitän sitzt vor der Kantin« und stärkt sich für die ihm bevorstehende An- strengung mst einem Schapen feurigen Draga- schöner Weines. Auch hier in Rumänien gilt das orientalische„Iawasch- Ja wasch": immer langsam voran! Inzwischen bemächtigt sich die Flug- Verwaltung meines Photoaparates, der vorsorg- lich eingepackt, versiegelt und im Gepäckraum ein- geschlossen wird.„Photographiercn aus dem Flugzeuge streng verboten!" ist überall an- geschlagen. Wie überall im Südosten Europas grassiert auch in Rumänien das Spionendelirium. So mancher arme Teufel wanderte schon hinter schwedische Gardinen, obwohl er mst einem Spion so wenig gemeinsam hatte wie ein Araber mit einem Bess-Araber... Endlich, mit anderthalbstündiger Verspätung, hebt sich unser Riesenvogel in die Lüfte und reckt seinen Hals in nordöstlicher Richtung, der unteren Donau zu. Bukarest bleibt, links im bläulichen Herbstdunste, liegen. Unter uns dehnt sich weit die walachische Tiefebene. Flachland, nichts als Flachland, friedlich und schmucklos. Nirgends ein Hügel, nirgends ein Wald, selten ein Baum und Strauch. Die Linienführung der Landschaft ist von peinlich genauer und geradezu geometrischer Gleichförmigkeit. Doch das Auge hat keine Langeweile. Die schrägen Strahlen der Morgen- sonne zaubern auf der weiten, unübersehbaren Fläche ein Farbenspiel von berückender Schönheit vor. In zarten Pastelltönen wechselt das Silber- grau der herbstlichen Stoppelfelder mit dem satten Braunrot der gepflügten Aecker. Darüber hinweg streichen die tiefblauen Schatten vereinzelt treiben- der Wolken, die sich vor dem mächtigen, phan- tastisch geformten Wolkengebirge vor uns losgelöst haben. Der Pilot reckt sein wetlergebräuntes Gesicht über die Schutzscheibe und mustert die gewaltige Wolkenwand. Noch ein Blick auf Kompaß und Barometer, und seifte Hände ziehen langsam das Höhensteuer an: 1266— 1500— 2000 Meter. Endlich ist es geschafft. Der schneeige Koloß vor uns ist erklommen, und wir glesten jetzt über einem leuchtend weihen Wolken- meere dahin, das von gewaltiger Pracht ist. Eine neue Welt von wunderbarer atmosphärischer Er- scheinung offenbart sich dem Auge. Zu schnell rast die Maschine, um dieses herrliche Erlebnis tief, für imnier, in sich auszunehmen. Hier und da auftretende Wolkenlöcher lassen einen Durchblick der Orientierung aus die dem Geiste bereits weit entrückte Erde. Zahllose Wasserrinnen, Seen und Sümpfe zeigen uns, daß wir bereits über dem Donaudelta sind. Plötzlich verstummt der wilde Gesang des Motors, und wir stoßen durch ein Wolkenloch hinunter. Heftige Böen zerren an den Tragflächen, doch das Flugzeug zwängt sich trotzig und unbeirrt seinen Weg durch die links und rechts aufragenden Wolkenberge. Dicht vor uns taucht ein Hällsermeer auf, eingerahmt von Flußläufen. Es ist G a l a tz, der größte Donau- Hafen Rumäniens, der zwischen den Mündungen des Sereth und Pruth liegt. Nach kurzer Zwischenlandung und Uebernahmc neuer Passagiere startet das Flugzeug nach Das Liebespaar. Der Auwbus rumpeft durch die nächtlichen Straßen des Nordens. Die drei Fahrgäste im Obergeschoß schlafen. Vorn der kleine dicke Herr mit Filzglocke, und Aktentasche schnarcht aus. wohligem Rausch und läßt den Kopf hin und her pendeln. Und hinten sitzen ein junger Bursche und ein Mäochen, dicht aneinandergeschmiegt und mit wse verschränkten Händen. Die Schläfe des Mädchens ist an die Schulter des Freundes ge- funken, wie liebkosend spreitet sich ihr mattblondes Haar um seinen Arm. Und er lehnt seine Wange — obgleich im Schlummer der Erschöpfung— nur leicht an chren Scheitel. Der Schaffner kommt, gehl noch vorn zu dem kleinen Herrn und rüttelt ihn.„Fahren Sie nicht zu weit'?" Der Dicke bleibt in seiner vorgebeug- ten Haltung, rülpst melodisch, tastet mit schwer- fälliger Hand an Rock und Weste herum und streckt schließlich sein Abonnement ins Ungefähre —„Aber nicht doch!" meint auflachend der Schaff- ner,„wie weit wollen Sie denn?" Der kleine Dicke hält abermals sein Abonnement hin und brummt aus seiner Tiefe:..... ein anständjer Bürjer... ein anständjer Bürjer, Herr Rat!" Achselzuckend geht der Schaffner nach hinten, hält inne und betrachtet die beiden Liebesleute. Dabei lüftet er seine Dienstmütze und wischt die Hitze aus dem ergrauten Haar. Das Mädchen hat ein schinales. langes Gesicht. Ihre Lider sind rot und verschwollen, das billige Waschkleid ist zerknüllt. Im Haar stecken nach einige Tannennadeln.— Der Junge trägt nur Kischinew. In niedrigem Fluge überquert es den Bratescu-See, dahinter die ehemalige russische Grenze und hält sich dann in nördlicher Richtung immer über dem muldenförmigen Pruthtale, das. soweit das Auge reicht, versumpft ist. Die Landschaft zu beiden Seiten des Tales ist hügelig mrd unruhig. Sie zeigt jene Formen die für den größten Teil Bessarabiens typisch sind: langgestreckte, schmale Riedel, deren Rücken nur selten größere ebene Flächen aufweisen. Hier und da kleben an den Abhängen kleine, unregelmäßig gebaute Dörfer, die meistens einen trostlosen Eindruck machen. Solche armseligen Ortschaften habe ich nur noch in den wolhynischen Sümpfen und in Anatolien gesehen. Da die Maschine wegen der niedrig treibenden Wolken in kaum 50 Meter Höh« dahinfliegt, bieten sich dem Auge die große Armut und Priinitioüät der Bevölkerung dieses Grenzlandes in voller Nackt- heit dar: kleine ungetünchte Lehmhütten, nur wenige Meter hoch und mst Strahschindeln bedeckt. Lange Baracken, oft mit halb zerjallenem Mauer- werk, dienen als Scheunen und Ställe. Riesig breite, grundws« Dorfstroßen, mst unzähligen Wassertümpeln bedeckt, lassen erkennen, daß wohl nie eine pslcgende Hand an sie gelegt worden ist. Trotz dem reichen Boden haust die bessarobifche Bauernbevölkerung in elenden Verhältnissen. Gewiß, die russischen Großgrundbesitzer und rumäniichen Bojaren haben den größten Teil ihrer riesigen Ländereien bei der Bodenreform abtreten müssen: doch den Bauern war mit der Land- Zuteilung wenig geholfen. Es fehlte der landwirtschaftliche Kredit, und der Bauer lieferte sich Hemd und Hose. Er sieht verquält aus. in ker Stirn und um den Mund sind herb« Falten ein- gekerbt. Nur die Lippen widersprechen dieser Maske eines Verzweifelten, sie sind trotzig vorge- wölbt. Immer inniger werden die Schlafenden voin Stoßen und Schwanken des Wagens aneinander. gedrängt. Tiefer rückt der Kopf des Mädchens vor die Brust des Freundes. Sein Atem streift über ihren dünnen Nacken hin. Di« Züge des Mädchens scheinen jetzt zu lächeln, als raunte der Freund zärlliche Worte in ihr Ohr. Aber seine Lippen verbleiben trotzig aufeinandergepreßt. Der Schaffner zögert, ihren Schlaf zu stören. Zlber es ist dies der letzte Wagen, zurück fährt keiner mehr. Sollen die beiden, übermüdet wie sie sind, etwa noch einen weiten Weg zurücklaufen müssen? So tippt er den Jungen behutsam auf die Schuller.„Wie weit wollen Sie?" Der Junge, noch völlig vom Schlaf gebannt. zuckt zusammen, stößt die rechte Hand, die über dem Knie hing, in die Hosentasche und um- klammert dort etwas Der Schaffner, einer Eingebung folgend, sagt streng:„Na, nu geben Sie mal her!..." Der Junge reißt die Lider auf. starrt, noch schlafbesangen und nicht verstehend, auf den Mann mit der Dienstmütze und mit den fünf Messing- knöpfen, reißt die Hand aus der Tasche und schleudert etwas durch dos halbgeöffnete Fenster. Druisten ein harter metallischer Aufschlag. „Wie weit wollen Sie denn?" wiederholt der Schaffner jetzt mit einer gönzlich veränderten Stimme. MONTAG, 5. DEZ. 1932 wucherischen Geldgebern und damit einer neuen Sklaverei aus, in der er heute mehr denn je schmachtet. Jede Ortschaft, die wir überfliegen, trägt den Stempel tiefster Armut, trotz den viel- fach prunkvollen Kirchen, die sich hoch über den Elendshütten erheben... Dicht vor dem Städtchen L e o w a kreuzen wir eine uralte Landmarke, den Oberen Trajanswall, der sich vom linken Pruth- zum rechten Dnjestr- ufer erstreckt und unter der Herrschaft des römischen Kaisers Hadrian angelegt wurde Ab- teilungen römischer Legionen, so der V. Mazedo- nische», hatten hier ihren Standort. Auch dieser mächtige und über 100 Kilometer lange Wall legt Zeugnis dafür ab, daß Bessarabien von jeher ein Grenz- und Durchgangsland gewesen ist und stets einen Zankapfel gebildet hat. Auch heute wieder ist die„bessarabische Frage" eins der größten Schmerzenskinder der rumänischen Außenpolitik, deretwegen erst vor wenigen Wochen eine Rc> gicrung gestürzt wurde. Hinter Leawa verläßt das Flugzeug den Fluß- lauf des Pruth und wendet sich in scharf nordöft- licher Richtung dem nahen Kischinew zu, dessen hellrote breite Dächer bald sichtbar werden. In weitem Bogen wird die Stadt nnt ihren zahl- reichen Kirchen und kerzengeraden, endlos langen Straßen überflogen, und nach einigen engen Spiralen, in denen der neben mir sitzende Passagier, der während des ziemlich böigen Fluges schon recht bleich dreingeschaut hatte, zu guter Letzt noch zur„Nottüte" greift, setzen wir leicht federnd auf dem Fluggelände aus. Die Junkers- Maschine hatte trotz dem bockigen Wellcr hinter Galotz vorzügliche Arbeit geleistet, ebenso auch ihr stämmiger Pilot. Wohl deshalb, weil beide gut„geschmiert" waren. Und noch während des Fluges, als ich die sichere Steuerung des Appa- ratcs verfolgen konnte, hatte ich dem Piloten den nicht kleinen Humpen Wein von Bancasa längst verziehen. Der Junge blickt erst durch das Fenster, dann feindselig und stumm aus den Schaffner, lind sagt in einem unheimlich gsdchntcn Tonfall zu der Freundin, die erschrocken emporgefahren ist und flehentlich seine Augen sucht:„Na wat denn, wnt denn. Schlaf nur weiter. Wir haben noch Zeit. Wir haben ja nischt mehr z» versäumen!"— Zieht sie an sich, streckt die Beine aus und schließt wieder die Augen. D e r D i p l o m a t. Wilhelm hat sich von seinem Stenipelgeld einen Leierkasten zugelegt. Auf Stottern natürlich. Ihr werdet sagen: welcher junge Arbeitslose kauft sich denn heute noch einen Leierkasten! Die kaufen sich Klampfen oder Geigen, aber keine Leierkästen. Wilhelm wird euch beweisen, daß auch ein Leier- tasten noch seinen Mann ernährt. Man darf es natürlich nicht wie alle anderen machen, man mutz etwas Besonderes bieten, muß ein« Idee haben. Was also tat dieser Wilhelm? Er zog auf die Hinterhöfe in den vornehmeren Stadttellen. Und orgelle zunächst einmal das Deutschlandlied. Dann streckte er den rechten Arm steil in die Luft und drehte das Horst-Wessel-Lied. Als drille Nummer ließ er, die Rechte flach nach vorn gestreckt, die Internationale ertönen. Hier sang er leise mit Aber das hörte niemand. Und zuletzt nahm er feinen verwitterten Filzhut ab, setzte chn feierlich wieder auf und rief zu den teils dieserhalb, teils jenerhalb erfreuten Gesichtern in den Fenstern empor:„Und zum Schluß etwas für die Herr- schaften, die hier auch noch ein Recht haben!" Und spielte... was? Die jüdische Tempel- Hymne ,Lol Nidre". Bei jeder neuen Hymne ärgerten sich diejenigen, die für die vorige einen eingewickelten Groschen heruntcrgeworfen hatten. Zu spät. günlher HHrkenfeU: l so— nun wird's gemütlich! Fabelhaft, was das ausmacht: Mit der Hausjacke rieht man gleich einen anderen Menschen an. Die mollige Leinewebcr«lacke ist aber auch wundervoll— so bequem und warm, daß man sie gar nicht mehr ausziehen möchte. Man fühlt sich richtig wohl darin! Und Frauen mögen doch so gern gut gelaunte Männer! Die neue Hausjacke 33 aus schwerem Flausch»Cheviot, gut geschnitten u. mit breiter Verschnürung kostet nur Mk. 9.80 Wer vieles prüft, kauft schließlich doch bei LEINEWEBER! Leineweber Das Haus das Jeden anzieht Köllalscher Fischmarkt 4-6• Brunnenstraße 171 Sehen Sie sich die Ausstellung„Weihnachtsmarkt bei Leineweber in ÄluQerlin"«oi Von den Spielfeldern Zwei Fußballmeister ermittelt— Handball: Nordring gewinnt knapp Der gestrige Sonntag stand im Zeichen der Fußball-Bezirksmeister im 3., 4. und 5. Bezirk des 1. Kreises des Arbeiter-Turn- und Sport- dundes. Beinahe wäre im 3. Bezirk noch ein Entscheidungsspiel notwendig geworden: No- wawes, der Meister der Berliner Gruppe, mußte sich gegen den chaoelmeister Rathenow-Süd mehr anstrengen, als es das knappe 3: 1-Ergebnis be- sagt. Ja, Rathenow lag sogar bis 30 Minuten vor Schluß mit 1:0 in Führung. Und das kam so: gleich in den ersten Minuten unternahm der Rathenower Sturm einen seiner gefährlichen Angriffe. Der Torwart von Rowawes lief dem Ball entgegen, verfehlte ihn aber und ungehindert konnte Rathenow zum ersten Treffer, der auch der letzte fein sollte, einsenden. Trotz aller Tor- versuche der„Nudelberger", verstanden es die Rathenower, die Führung zu halten. Nach der Pause änderte sich das Bild vollkommen. No- wawes drückte immer mehr, die Verteidigung Kurz und gut Sogar gestern, kurz vor Weihnachten, war allerlei Betrieb im Sport. Die Arbeiter- Wasserballspieler sahen einen Revanchekamps zwischen dem derzeitigen deutschen RI eisler Yannover-Linden und dem Berliner„Hellas" mit Spannung entgegen. Mit 7: b Toren konnte Hannover siegreich bleiben, nicht zuletzt deshalb. weil„Hellas" ersahgeschwächt antrat. Einer der besten deutschen Arbeilerschwimmcr E r n st Grün- Echarlottenburg verbesserte in Brandenburg a. d. h. die Zeit für ZOO-Rieter-kraul- schwimmen auf 2,28 ZNinuten und stellte damit eine neue Bundesbestzeit aus. Sein Bruder Franz stellte aus demselben Schwimmfest mit 3,01 Minuten eine neue Bundesbestzeit im 200-RIeter-Brustschwimmen aus,— Bei den Arbeiterfußballern wurde Ttawawes im Kampf gegen die Rathenower Meister des dritten Bezirks mit 3: 1 Toren.— 3m Arbeiter- Handball gelang es der in der ersten Klasse an zweitbester Stelle liegenden FTGB.-Rordring nur mit Mühe die Bowaweser 6: 4 zu schlagen.— Bühnen- und hallenvorsührungen zu Werbezwecken veranstalteten der Arbeiter- sporlverein Wedding mit seinen Kindern und Tugendlichen in den Germania-Feslsälen und der Arbeitersportverein Neukölln mit leichtathletischen und gymnastischen Vorführungen in der Turnhalle Weisestraße. Tegel warb für die Vergrößerung seiner Frauenabteilung.— Bei den bürger- lichen Fußballspielern gab es eine Riesenüberraschung: Hertha BSC. schlug Minerva unerhört hoch mit 10: 1 Toren. Eine deutsche Fußball-Auswahlmannschaft mußte sich von einer solchen aus Holland in Düsseldorf 2: 0 schlagen lassen.— Das große h a l l e n s p o r t s e st der bürgerlichen Leichtathletitvereine im Sportpalast sah bei riesiger Zuschauerbeteiligung die Teil- nähme sehr bekannter Spitzenkönner. Rathenows konnte sich der Angriffe nicht mehr erwehren und in der 14. Minute der zweiten Halbzeit war der Ausgleich hergestellt. Im Sturm der Nowaweser klappte es von da an be- deutend besser. Nach guter Kombination erzielte der Mittelftürmer die Führung, um dann durch den Halbrechten, der einen glänzenden Allein- gang durchführte, den Sieg Nowawcs' mit 3: 1 sicherzustellen. Im 4. Bezirk müssen Luckenwalde V und Hertha noch einmal spielen. da die Luckenwalder ihrem Gegner Jüterbog mit 3: 2 eine knappe Niederloge bereiten konnten. Der S. Bezirk hat wieder in Britz 2 S seinen Bezirksmeister Biel Ausregung gab es im Tressen Adler 08 gegen Hansa 31. Adler 08, die bisher keinen Spielverlust zu verzeichnen hatten, wurde von Hansa mit nur einem Tore Unterschied 3:6 ge- schlagen. Rormaunia— Spielverciniguaa Ost S: l(3: 1). Nor- mannia ist bei haricm Spiel stark überleben.— Britz S8 gegcir Eiatracht-Rahlsdors 3: 0(2: 0). Britz hat von An- sang an mehr vom Spiel und kann infolge besserer Aus- bauarbcit und guter Hintermannschaft den Eifer der Mahlsdorfer zur Erfolglosigkeit verdammen.— Nord gegen Blaugelb 4:1(2:«). Nvrd ist technisch sehr gut und kann stch in dem ebenfalls sehr harten Spiel deswegen er. folgrcich durchsehen.— Borsigwalde— Saronia 3:2(0: 1). Saxonia war dle bessere Mannschaft, verlor aber infolge grober Torwiichterfehler.— Lichtenberg— Eiche-Köpenick 4: 2 <1: 1). Lichtenberg spielte, nachdem der Wechsel uncnt- schieden endete, reichlich unschön.— Pankow— Zchdenick 3:0(1: 0). Pankows'Seife lag unter ungünstigem Stern. Dennoch kann die ersatzgcschwachte Mannschaft mit ihren neun Mann beide Punkte retten.— Teltow— Zossen 0: 1 (3: 0). Bei stets llberleaenem Spiel kann Teltow auch ein zeitweiliges starkes Drangen des Gegners nach Halbzeit erfolgreich überstehen.— Butab— Blauweih 3:4(3:1). Butah kann durch genaues, flaches Spiel ständig über- legen bleiben, gibt aber durch übertriebenes Zuspiel viele Gelegenheiten aus der Hand. Kurz vor Schluh können die Neuköllner sogar drei Tore hintereinander schieße».— Einigleit-Staaken— Vorwärt« 3! Z: 4(5: 1). Einigkeit ist anfangs recht schlecht, kann dann aber iuiicrhalb von 20 Minuten alle Z Tore erzielen.— BSV. 3l— Eintracht 32 3: 2(X: X). Bei gleichmäßig verteiltem Spiel können die Baumschulenweger erst nach dem Wechsel einige Torgelegen. heite» verwerten. Eintrachts Kampfgeist erzwingt wenig- stcns ein knappes Ergebnis. Jugend: Teltow— Alemannia 22 1: X(X: 0>, Nowa- wes 04— Borsigwalde 4: X. Schüler: Nowawes— Alemannia X: X, Zehdenick gegen Pgnkow 2: X lX: 0). Normannia— Saxoina 4: X(3:0), Borwiirts-Weddinq l— Mahlsdorf X 2: 2(1: 1), Vorwärts- Wedding 2— Mahlsdorf 2 2:2, FTGB.-Südoft X— Berlin X2 7:2 (4: X), Kaulsdorf 2— FTGB.-Buch 7: 4, Neinickendorf t gegen Neukölln B 3 XX: 2, Reinickendorf 2— Selmsdorf X 3: 2, Südost 2—Eiche. Köpenick 3 3: l, Osten 3— Lichten- derg 3 3:2, ASE. 2— SV. Möwe 2: 7, Wcdding ä gegen Moabit 4 2X: 4. Hockey Der Meister Volkssport Neukölln-Britz blieb im Spiel gegen den Sportverein Moabit weiter un- geschlagener Sieger mit 3: 1 Toren. Dieser ver- hältnismäßig hohe Sieg war aber weniger ein Verdienst auf Grund seiner Leistungen, als viel- mehr einer geradezu leichtsinnigen Spielweise des Moabiter Sturms. Der Freie Hockeyklub Spandau brachte einen neuen achtunggebietenden Sieg über den VfL. Ostring mit 4: 3 Toren auf seine Seite, nachdem es zehn Minuten vor Schluß noch 3:2 zu seinen Ungunsten stand. Tennis-Rot beherrschte jederzeit sicher den Athletiksportklub mit 4: 6. Auch der ASV. Rot-Weiß konnte mit einem wei- teren Sieg über den VfL. Ostnng 2 aufwarten. Bei den Fraue» triumphierten der ASV. Rot- Weiß über Tennis-Rot mit 1:0, ihren stärksten Widersacher. Den Pankower Sportlerinnen ge- lang ebenfalls ein 1: 6-Sieg über den VfL. Ost- ring. Die Volkssportlerinnen Neuköll>x-Vritz be- zwange» Tennis-Rot 2 mit 3: 6. Weitere Resultate: FSpV. Pankow gegen ASV. Rot- Weiß 2 4: 2, Volkssport Reukölln 2 gegen SAB. Rot. Weiß 3 mit 3: 2, FHE. Spandau gegen die FTGB.-Osten 2: 9, Tennis-Rot 4 gegen den Athletit-Sportklud 2 3: l. SV. Moabit 2 gegen Tennis-Rot 2 X: 0. Großmütter— konnten sich recht eindringlich davon überzeugen, daß ihre Kinder in unseren Sportvereinen sehr gut aufgehoben sind, ja, daß sie in diesen Bereinen des Lebens Notdurft, soweit die Körperpflege in Frage kommt, vollauf be- friedigen können. Wer hat zu unseren Zeiten daran gedacht, uns schon mit vier Jahren an allerhand einfachen Geräten üben zu lassen. Wenn es bei uns hoch kam, so kriegten wir in der Schulturnstunde einen besenstielähnlichen Stab in die Hand gedrückt, mit dem wir Kniebeugen machen mußten, die oft als Strafe empfunden wurden. Jetzt ist es iin Schulturnunterricht anders, und was hier noch nicht gemacht werden kann, das holen die Sportvereine nach. Das sah man gestern alles auf dem Elternabend. Wunder- voll und rührend zugleich, wie die ganz Kleinen völlig unbefangen auf der Bühne herumsprangeni sehr lustig eine Szene, in der die Aeltere» dar- stellten, wie Volkssport Wedding vor 23 Jahren seine Mädchenabteilung gründete und dabei über ein bißchen Umhergehopse in langen Pluderhosen und niedlichen Matrosenjacken eigentlich auch nicht herauskam. Oeffentliche Vorführungen gipfelten damals meist in einem Vlumenreigen, recht süß und kitschig dargestellt. Das ist jetzt alles anders geworden, die Kinder tummeln sich in leichter lustiger Kleidung und stärken dabei Körper und Geist. In Tegel führte die dortige Freie Sportverein!- gung 18 99 in der Halle der humboldtschule einen Frauenwerbetag durch. Es galt, der zweiten Frauenabteilung eine stärkere Mitgliedschaft zu bringen. Die sehr gut besuchte Halle dürfte auch den Zweck erfüllt haben. Volke- und Gruppen- tänze für Frauen, moderne Gymnastik und Ge- räteturnen losten sich gegenseitig ab. Den größten Beifall hatte» die Tänze, hier zeigte es sich, daß gerade neben der Gymnastik diese Art moder- nen Uebungsstoffes für die Frauen am zweck- mäßigsten ist. Keine Ueberanstrengung des Kör- pers, keine krampflzaften Bewegungen, und trotz- dem sind sie körperbildend. weitere Kraulstafsel, die über 36, 166, 136, 166, 36 Meter ging, wurde gleichfalls eine Beute der Hellenen, die hier in 3,22,1 Min. vor Hannover- Linden und Freie Schwimmer Groß-Berlin er- folgreich waren. Mit großer Spannung sah man auf die Revanchebegegnung der diesjähri- gen Endspielgegnsr um Sie Bundesmeisterfchaft im W a s f e r b a l l s p i e l, Freier Wassersport- Hannover-Linden und Hellas-Berlin. Hellas mußte auf die Mitwirkung zweier ausgezeichneter Spieler verzichten. Das Spiel endete fo mit einem Sieg der Hannoveraner 7:6, die das Spiel allerdings sehr hart führten. In einem weiteren Wasserballspiel behielt die Mannschaft der Freien Schwimmer Groß-Berlin über Braun- schweig leicht mit 7:3 die Oberhand. Einige Resultate: Lagenstaffel 4XX00 Meter: X. Hanno- ver-Linoen in ö:X9P Min.:-■ Hellas(Berlin) in ä:X2,2.— Kraulschwimmen der Jugend X00 Meter: X. Preuß(Hella«) und Flammersfeld(Hannover) in X:X2,7.— Kunstspringen der Männer: X. Weichselbaumer lHalle) mit 29 Punkten: 2. Köhn(Freie Schwimmer Groß-Berlin) mit 23 Punkten. Am Sonnabend vor der offiziellen Weihe des Bades fanden, getrennt voneinander, Borführun- gen bürgerlicher und Arbeiterschwimmer vor ge- kadenem Publikum statt. U. o. führt« die bürger- liche Deutsche Lebensrettungsgesell- s ch a f t einen Tauchapparat vor. Durch Fahr- lässigkeit in der Handhabung des Gerätes wurde der Schwimmer, der dabei als„Objekt" diente, be- wußtlos aus dem Wasser gezogen. Bezeichnender- weise war es ein Arbeiterschwimmer, der dem Bedauernswerten zur ersten Hilfe beisprang! An maßgebenden Stellen sollte man derartigen Bor- kommnissen mehr Beachtung schenken. Für die positive Arbeit am Werk der Rettung vor dem Tode des Ertrinkens scheint uns der Arbeiter- Wasserrettungsdienst mit seiner erfolgreichen Tätigkeit die zuständige Organisation zu sein. * Iin Brandenburger Frisdrich-Ebert-Bad wickelten am Sonntag die Freien Schwimmer Brandenburg vor rund 1666 Zuschauern und mit etwa 236 Teilnehmern ein gut zusammengestelltes Schwimmfest ab. Vereine der näheren Umgebung, Magdeburg und neun Berliner Vereine waren am Start. Neben der Kraulstasette 6X36 Meter und der Lagenstasette 6X36 Meter als Mann- schaftskonkurrenzen verdienen die Einzelkonkur- renzen der Männer besondere Beachtung. 3n dem Kraulschwimmen 200 INeker gelang es dem Charlottenburger Ernst Grühn, die Bundcszeit um mehr als 4 Sekunden auf 2,2S ZNinuten herabzudrücken. Das gleiche Vorhaben gelang Franz Grühn im 266-Meter-Brustschwimmen, dem eine Verbesse- rung auf 3,61 Minuten glückte. In den volks- tümlichen Programmnummern sah man neben Springen und und Tauchvorführungen einen Rei- gen der Rathenower Frauen. Am Schluß gab es ein W a s s e r b a l l f p i e l, in dem Charlotten- bürg und Magdeburg aufeinander trafen. Leider konnten die Magdeburger dem Spiel von Char- lottcnburg nicht folgen und Charlottenburg ge- wann nach einem halbzeitstand von 6: 2 mit 16: 6 Toren. Kraulstafsel tzxöo Meter: X. Charlottendurg in 3:XK,2i 2. Magdeburg in 3:25,5.— Lagenstaffel 6X50 Meter: X. Eharlottenourg in 3:43,7; 2. Magdeburg in 3:48,8.— Kraulschwimmen der Männer 200 Meter, Klasse.4: X. F. Grühn in 2:28; 2. Brauer in 2:38.(Beide Essarlottenburg». — Kraulschwimmen der Männer X00 Meter, Klasse A; I. F. Grühn in 1:05,4: 2. Brauer in X:08.(Beide Ehar- lottendura).— Brustschwimmen der Männer 200 Meter, Klasse A: I. F. Grühn in 3:0X,Z: 2. Brüssow in 3:X4,8. lBeide Eharlottenburg.)— Brustschwimmen der Männer X00 Meter, Klasse A: 1. Geral iBrandenburg) in X:24: 2. Meinert(Frirdrichshain) in 1:24,2.— Brustschwimmen der Frauen 100 Meter: X. Frohn(Neukölln) in X:4I,2.— Kraulschwimmen der männlichen Jugend 100 Meter: X. Klebar(Eharlottenburg) in X:X3.— Lagenstaffel der männlichen Jugend 3x50 Meter: X. Eharlottenburg in 1:52,8; 2. Neukölln in 1:55 Min. Was zu berichten ist Die bürgerlichen Leichtathletikvereme hatten gestern ihr großes hallensportfest im Sportpalast, bei dem, wie auch sonst immer, die bekannten Sportkanonen herausgestellt wurden. Dr. Peltzer beschränkte seine Mitwirkung auf den 1666-Meter-Laus, den er in 6: 33,6 Min. sieg- reich beendete; den Sprinterlauf in drei Abtei- lungen zu je 66 Meter holte sich Jonath in je 6,6 Sekunden(für den ersten Lauf brauchte er 6,9 Set.) und«r ließ dabei den Holländer Berger hinter sich. Großes Interesse erweckte die 3x1666Meter-Staffel, die der Turnverein Witten- berg in 8: 66,6 Min. vor dem Sportklub Char- lottenburg(8: 64,2 Min.) gewann. Einwandfrei geschlagen mußte sich Berlin vor Bochum in der 3 x 266-Meter-Stafsel bekennen, die die Westdeut- schen mit Borchmeyer, Buthe und Jonath in 1: 11,9 Min. nach Hause führten. Hercha-BSC. schlägt Minerva 10: 1. Ein sür die bürgerlichen Oberligamannschaften kaum glaubliches Resultat gab es gestern im Fußball- spiel zwischen dem Altmeister Hertha-BSC. und dem vorjährigen Abteilungsmcister Minerva. Wenn Hertha sicher und jederzeit überlegen mit 16: 1 gewonnen hat, so zeigt das Ergebnis, daß zwischen beiden Mannschaften mehr als ein Klassenunterschied besteht, Hertha ist eben der Meister, der sich immer wieder nach oben spielt. Schuld an der hohen Niederlage hat hauptsäch- lich der Torwart Minervas, der durch sein un- sicheres Spiel seiner Mannschaft jeden Rückhalt und jedes Interesse nahm. Fußball Deutschland gegen Holland 0: 2. Das gestern im Düsseldorfer Stadion ausgetragene Spiel war für den deutschen Fußballbund eine große Enttäuschung. Seine Ländermannschaft spielte so mangelhaft, daß die Zuschauer ihr Urteil darüber durch laute Pfiffe kund taten. Die Nieder- läge der DFB.-Mannschaft war verdient. Schmeling wird Schloßherr. Max Schmeling verhandelt zurzeit um den Ankauf des bei Poll- now in Ostpreußen gelegenen Schlosses Vettrin. Zu dem Schloß gehören 3266 Morgen Wald, was den Exweltmeister bei seiner Jagdpassion beson- ders reizen dürfte. Daß Schmeling sein Geld irgendwie anlegen will, ist schließlich verständlich. Schloß Vettrin ist sehr gediegen ausgestattet und enthält nicht weniger als 86 Zimmer. Schwarzes Brett 1. Bezilk, Spielleiter und Bericheerftatter für Handball. Alle Spielleiter werden gebeten, dafür Sorge zu tragen, daß die erste Zusammenkunft der Berichterstatter Freitag, 9. Dezember, 20 Uhr, von fedem Berein- im Vorwärts- Bootshaus besucht wird. Fehlen darf kein Berliner Verein, einschließlich der Vereine Erkner, Bohnsdorf, Kaulsdorf und Mahlsdorf. Fahrverbindung: S-Bahn bis Baum- fchulenweg, dann Uebersetzen zum Bootshaus. Eintracht-Mahlsdorf— Fußballabteilung— sucht Spiele tür X. und 2. Mannschaft am XX. Dezember auf Gegners Platz. Eilangebote bis Donnerstag an Otto Rademacher, Mahlsdorf, Lindenstr. 27. Halle und Bühne