Morgen-Ausgabe Nr. 577 A283 49. Jahrg. Redaktion und Verlag! Berlin SW 68. Lmdenstr. 3 Fernsprecher,<3.1 Ami Dächoff 292 b(i 297 T-Iezrammebress-- Eozsalbemotra« B-rlw BERLINER VOLKS BLATT DONNERSTAG 8. Dezember 1932 In Groß- Berlin 1 D Pf. Auswärts....... 15 Pf. VeZugSb«btngungen und Anzeigen preiie siehe am Schluß des redaktionellen Teils Jsntrawvgan der Goziatdemokeatifchen Oaetei Deutschtands ampf gegen die Notverordnungen Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion fordert Hilfe für die Notleidenden Der Reichstag ist gestern am Spätnachmittag zu sachlichen Beratungen gekommen. Er hat zwei Stunden Zeil vertan durä) die Schuld der Natio- natfozialisten und Kommunisten. Die Nationalsozialisten wollten sich bei der Wahl Lobes zum Vizepräsidenten nicht beruhigen. Der national- sozialistische Abgeordnete Dr. F r i ek verdächtigte nun von der Tribüne des Reichstages Beamte des Hauses der Unzuoerlössigkeit und etliche seiner Fraktionskollegen riefen von Schiebung. Friek verlangte Wiederholung der Vizepräsi- dentenwohl. Dittmann antwortete ihm. daß die von den Schriftführern vorgenommene Zählung der Stimmen stets nur als vorläuiiges Ergebnis mitgeteilt wurde. Die amtliche Nachprüfung bringe das gültige Endergebnis. Darum brauche die Wahl nicht wiederholt zu werden. Frick beantragte nun, daß dos Haus in namentlicher Ab- ftimmung entscheide, ob sein Antrag auf Wieder- holung der Vizepräsidentenwahl zuläsiig sei. Das Ergebnis war eine schwere Niederlage der N a t i o n o l s o z i a l i st e n und ihres Prä- sidenten. AN» ZSS gegen 20! Stimmen bei SS Enthaltungen der Deutschootionolen entschied das haus, daß der Zricksche Antrag nicht zulässig sei. Mithin ist Lobe einer der Vizepräsidenten des Reichslages. Kaum hatte die Beratung über die Stellver- tretung des Reichspräsidenten begonnen, so kam es im Wandellgang zu einer wüsten Schlägerei zwischen Nationalsozialisten und Kommunisten. Gestern haben sie sich oerprügelt, morgen werden sie sich gemeinsam amnestieren! Dann endlich begannen die ernsthaften Vera- tungen. Mit erstaunlicher Offenheit ließ der Deutschnationale Freytagh-Loringhoven die deutschnaiionalen Staats st reich- pläne erkennen. Er beantragte, daß der Reichs- Präsident durch ein politisches Testament selber seinen Stellvertreter bis zum Ablauf der Amts- Periode ernennen solle. Alan erkennt sofort die Zusammenhänge mit gewissen Plänen um den E x k r o n p r i n z e n. Genosse Brenscheid stellte sofort fest, daß damit die deutschnationale üahe aus dem Sack gelassen sei. Der Geseßeiuwurf über die Stellvertretung des Reichspräsidenten wurde in erster und zweiter Lesung verabschiedet, der deutschnationale Antrag wurde abgelehnt. Das Haus trat dann in die Beratung der zahl- reichen Anträge ein, die zur Abänderung oder Aufhebung von Notverordnungen der früheren Regierung gestellt sind. Die Kommu- niste» beantragten mit Unierstützung der Sozialdemokratie die Herbeirusung des Reichskanzlers. Der Antrag wurde aber mit den Stimmen aller übrigen Parteien abgelehnt. Die National f o z i a l i st e n sind also vollkommen in die Schleicher-Zront eingerückt. Die Tolerierung des Reichskanzlers von Schleicher durch die Nationalsozialisten beginnt, während draußen noch die nationalsozialistische Presse ihr Geheul gegen „Primero de Schleichers" fonsegi. Der verdiente Sozialpolitiker und Führer der Arbeitsinvalide» Karsten begründete die sozial demokratischen Anträge. Er stellte fest, daß hut jeder Minderung der demokratischen Rechte und mit jeder Vermehrung der Dittaturparteien im Reichstag auch die sozialpolitischen Rechte mehr eingeschränkt worden seien. Weder Nationalsozia- listen noch Kommunisten könnten positiv etwas er- reichen. Es fei kennzeichnend, daß die Sozial- demokratie einen Volksentscheid gegen die Papen- Notoerordnungen betrieben habe, während die Kommunisten ihr Vertrauen auf das segige Parlament geseist hätten. Alls die Kommunisten rufen: „Streik! Streik!" antwortet chnen Karsten. ob denn etwa Invaliden- und Altersretuner, die Kriegsbeschädigten und Sozialrentner streiken sollten, lndern sie sich weigern, ihre paar Pfennige Unterstützung entgegenzunehmen! Die Kommu- nisten hätten gejubelt, als Hermann Müller ge- stürzt wurde. Sie seien verantwortlich für alles, was nachher geschehen sei. Karsten verlangte Brot. Fleisch und warme Stuben als mindeste Leistung für die Allasse der verelendeten Bevölkerung. Nach dieser Rede erlebte man ein trauriges Schauspiel. Der frühere Kommunist und jetzige Naziabgeordnete Börger und der Kommunist Pieck werfen sich gegenseitig Verrat an den BVG-. Arbeitern vor und überboten sich in wüster Dem agogie. Beide aber ichlcudcrten plumpe Verleumdungen gegen die Sozialdemokratie. Die sozialdemokratische Fraktion hat de» Kampf um die Rechte der Arbeiterschail. um die Verteidigung der Notleidenden gegen die Reaktion am- genommen— aber die Kommunisten wissen nichts Belieres zu tun, als sie zu beschimpfen! prugelszenen im Reichstag Kommunisten und Nazis prügeln sich im Wandelgang Am Dienstag haben Nazis und Kommunisten im»Reichstag gemeinsam die sofortige Haftent- lassung von faschistischen Totschlägern. Revolver- schützen und Bombenlegern beschlossen. Am Miti- wochvormittag haben sie engste Tuchfühlung zur Verabschiedung eines Amnestiegesetzes genommen. Am Mittwochnachmittag aber haben sie sich nach Kräften und mit einer Hingabe verhauen, daß die Fetzen flogen. Erfreulicherweise diesmal außerhalb des Sitzungssaales aus Treppen und in Wandelgängen, so daß die Vorliebe für außer- parlamenrarische Kämpfe aus ihre Kosten kam. Der Krieg aus tiefstem gegenseitigem Frieden entwickelte sich so: Der Reichstag ver- handelte den von den Nationalsozialisten einge- brachten Gesetzentwurs zur Stellvertretung des Reichspräsidenten. Die Antragsteller schwiegen. Dafür redete der Kommunist Schneller um so lauter und deutlicher. Er nannte den alten Hindenburg den Präsidenten des Staatsstreichs, der Ausbeutung de? arbeitenden Volkes und der Ausführung des Versailler Schandvertrags. Vizepräsident Esser erwiderte mit drei Ordnungsrufen und entzog dem Redner schließlich das wort, wildes Riedergebrüll der Kommunisten. Aus einer Tribüne stimmte ein kommunistischer preußischer Landlagsabgeordneler wiederholt in die Äiederruse ein. Ein Diener oersuchte ihn pflichtgemäß zu em- fernen. Aber es ging nicht. Nationalsozialistische Tribünenbesucher griffen daraufhin ein und drängten den Niederruser hinaus. Nun eilte» kommunistische Abgeordnete zur Hilfe auf die Tri- büne. Uniformierte TA.-Abgeordnete stürmten zum Gegenstoß heraui. Vizepräsident Esser un- terbrach die Sitzung. Der Kommunist H ö r n l e kam nach einigen Minuten mit blutendem Kopse in den Sitzungssaal zurück. Man hörte, daß draußen eine wilde nationalsozialistisch- kommunistische Schlägerei im Gange sei. Spuck- näpse wurden geworien. Telephonapparate wurden geschleudert. Mit Meisingstangen wurde ge- hauen. Schwere Tische gingen in Trümmer. Dennoch scheinen edlere Teile aus beiden Fronten der Heerscharen nicht verletzt worden zu sein. Der Aeltestenausschuß trat bald nach den Zwischen- fällen zur Beratung der Vorfälle zusammen. Es ist fraglich, ob die Untersuchung de» wirklichen Tatbestand klären wird. Tatsache ist, daß der Zwischenruf von der Tribüne gemacht wurde. was verboten ist. Was aber erst den Anstoß zur Prügelei gab, war das Verhalte» der SA.-Leute, die sich Hausgewalt anmaßten und den Besucher gewaltsam entsernen wollten. Die folgen der Prügelei Bei den Zusammenstößen zwischen kommu- nistischen und nationalsozialistischen Abgeordnete» im Reichstag sind verschiedene Personen ver letzt worden. Schwere Verletzungen haben insbesondere Kriminalbeamte er- litten, die sich mit ausgebreiteten Armen zwischen die Streitenden stellten. Ein Beamter hat eine tiefe Kapsverlegung und einer eine Beschädigung des Ellenbygengelents ossenbor durch Würfe mit horten Gegenständen davongetragen. Die beteiligten Abgeordneten scheinen mit leichteren Verletzungen davongekommen zu sein. Bestimmt weiß man nur. daß der preußische Landtagsabge- ordnete L o h s e(Natsoz.) und der Reichstagsabge- ordnete H ö r n l e(Kam.) blutende Kopsverletzun- gen erlitten. Im Aellestenrat ist über den Hergang bei den Zusammenstößen ausführlich geiprochen worden. ohne daß die Schuldfrage schon geklärt werden konnte. Amnetztiedehatte im Reichstagsausschuß Der Rechtsausschuß des Reichstages hat sich am Mittwochabend konstituiert. Den Vorsitz übernahm der nationalsozialistische Abg. Dr� Frank. Die erste Arbeitssitzung dieses Ausschusses findet am Dönnerstagnachmittag zur Beratung der vom Plenum überwiesenen A m n e st i e- A n t r ä g e statt. Nie Gchnftführerwahi Romödie um Hugenberg Zu Schriftführern des Reichstags sind gewählt worden: Von den Nationalsozialisten die Abgg. Dr. Decker-Potsdam, Börger, Kafche, Dreher, Kaufmann, Linder und Wigand: vom Zen- t r u m die Abgg. Frau Teufch. Schmarz-Frank- furt und Neysesi von den Deutschnationalen Abg. Dr. Hugenberg: von den Sozial- demok raten Abg. Frau Agnes. * Zu Beginn der gestrigen Reichslagsfigung teilie der Reichstagsprösident unter stürmischer Heiter- keit mit, daß Dr. Hugenberg mit ZSl Stim- men zum Schriftführer gewählt worden ist. Das Resultat erregte im Haus minutenlange stur- mische Heiterkeit. Diese Wahl war eine parlamentarische Rache der Nazis. Hugenberg weigerte sich, die Wahl anzunehmen. Die Mitteilung seiner Ablehnung erweckte aber- mals stürmische Heiterkeit Mordaufklärung Täter aus der Wuhlheide gefaßt llleberrajchend schnell ist es der Polizei gelungen, die nächtliche Bluttot in der Wuhlheide, bei der die tb Zahre alte Frau Emma So m merseld aus Biesdorf- Süd erschossen und deren Dochler schwer verletzt wurde, aus- zuklären. Der Täter, ein 4b Zahre aiter früherer Süchjen- machcr Heinrich Werner wurde gestern abend aus dem Boden eines Hauses In der Stendaler Straße bewußtlos ausgesunden. W. hatte einen Strick um deo hals und in der Hand hielt er einen Abschiedsbrief, wie sich ergab, hatte w. versucht, sich zu erhängen, der Strick war aber gerissen und er war besinnungslos liegen geblieben. Der TÄer Hot bereits S Zahre in einer Heilanstalt zugebracht. Adolf kann retten Aber umsonst tut er es nicht! Folgender sonderbarer Tatbestand mutz der deutschen Oeffentlichkeit unterbreitet werden: Es gibt einen Mann in Deutschland, der das deutsche Volk retten kann, aber es nicht tun will. Es gibt ein Rezept, dessen Anwendung dem kranken Vaterland Heilung verbürgt, aber es wird geheim gehalten. Deutschland muß rettungslos zugrunde gehen, weil— aber das kommt erst später... Der intelligente Leser hat schon bemerkt, daß der Mann, der das Rezept zur Rettung dos deutschen Volkes in der Tasche hat, kein anderer sein kann als Adolf Hitler. Dies wird auch vom„Angriff" des Herrn Goebbels bestätigt, auf dessen Autorität sich die solgenden Ausführungen stützen Am 29. November nannte der„Zlngrisf" den Brief, den Hitler am 2? desselben Monats an Hindenburg geschrieben hotte, ein „hochherziges Angebot zur unmittell- baren Lösung der surchtbarcn Rot hu deutschen Volte." Am 39. November las man in dem näm lichen Blatt: Das Volt fragt sich, tu a r u m diese schweren Erschütterungen iu diesem Winter, das Volk fragt sich, ob es denn teinen'Ausweg gibt, das Volt fragt sich immer wieder, welche duntlen Hintermänner es wagen dursten, das Angebot des Führers der Ratio- nalsozialijten in seinem Vricf an den Herrn Reichspräsidenten vom 23. November abzulehnen? Dieses hoch- herzige Angebot zur unmittel- baren Lösung der ungeheuren Wirtschaftsnot und des st e i g e n d e n Massenelends... Am 1. Dezember war wieder die Rede vom „uneigennützigen Angebot" des Führers, und am 5. Dezember entrang sich der gepreßten Brust des„Angriff" der Sckirei: Adols Hitler muß an die Rlacht, sein P r o g r a in m muß nun endlich von ihm in die Tat umgesetzt werden, soll nicht Volk und Land zugrunde gehen. Jedermann wird dem„Angriff zustimmen müssen. Ein Programm, daß„die ungeheure Wirtschaftsnot, das steigende Massenelend unmittelbar lösen kann", muß sofort in die Tat umgesetzt werden. Allerdings— man muß dieses Programm erst habe n. Drum schleunigst her mit diesem Programm! Mit ungeduldiger Hast nimmt man Hitlers Brief nochmals zur Hand und liest die bc- rühmten sechs Punkte seines Vorschlags an den Reichspräsidenten. Der erste lautet: Der Herr Reichspräsident fordert mich aus. von» Tage der Auftragserteilung an binnen 24 Stunden ein kurzes Programm über die beabsichtigten innen-, außen- und wirtschasls- polilischen Rllcißnahmen vorzulegen. Punkt 2 bis-! entHallen das Versprechen, daß dieses geheimnisvolle Programm mit Schleicher. Neurath und noch einigen anderen Papen-Ministern verwirklicht wer- den soll. Punkt 5 fordert Vollmachlen aus Zlrt. 6 und Punkt tj lautet dann wörtlich: Zch o e r s p r e ch e, daß ich unter vollem Einsatz meiner Person und meiner Bewegung mich aufopfern will für die Rettung unseres Vaterlandes. Das war. wie man jetzt noch jeden Tag in der Nazipresse lesen kann, höchst edel von Adolf Hitler. Aber was nun folgt, muß mit einem gelinden Ausdruck zum mindesten als ungewöhnlich bezeichnet werden. Hitler bekam den gewünschten Auftrag zur Regierun gs bikdung nicht—— und behielt infolge- Lessen sein Programm in der Tasche. Seit- dem sind kostbare Tage und Wochen ver- strichen, und das Rezept, nach dem die furcht- bare Not im Volke unmittelbar gelöst wer- den kann, istnochimmerunbekannt? Warum? Weil Hitler nicht Reichskanzler wurde! So liegen die Dinge nach der Darstellung der nationalsozialistischen Presse selbst. Und, wahrhaftig, man muh schon sagen: Da hört verschiedenes auf! Ein Mann besitzt ein unfehlbares Programm zur Rettung des deutschen Volkes, aber er rückt damit nicht heraus, solange ihm Hindenburg nicht oerspricht, er werde Reichs- kanzler werden! Es ist wirklich ein ganz ungewöhnliches Verfahren! Bisher hielten alle Parteien und alle Parteiführer— sie mochten noch so „vaterlandslos" sein— es für ihre selbstver- ständliche Pflicht, alles, was sie wußten, zu sagen und alle Ratschläge zur Besserung der bestehenden Zustände öffentlich zu er- teilen. Jetzt haben wir einen Parteiführer in Deutschland, der zwar ganz genau weiß, wie Wirtschaftsnot und Massenelend unmittelbar zu beseitigen sind— aber weil ihn der Reichspräsident nicht so gut behandelte, wie er gewünscht hat, spielt er die gekränkte Leberwurst und schweigt wie ein Fisch. Und wenn Deutschland auch zehnmal ver- recken mag, mit der Rettung fängt er nicht früher an, als bis die erste Anzahlung auf das Kanzlergehalt auf dem Tisch liegt? Jeden Tag reizt und lockt die nationalsozia- listische Presse mit dem„hochherzigen An- gebot" des großen Führers. Jeden Tag be- teuert sie, daß es einen sicheren Weg gebe, Deutschland zu retten-- und jeden Tag schweigt sie sich ebenso sicher über diesen sicheren Weg aus. Der wird erst verraten, wenn--- siehe oben! Wir fragen: Ist es erhört und ist es er- laubt, daß ein Mann ein Rettungsprogramm für Deutschland besitzt, es aber geheimhält, weil man ihn nicht zum Reichskanzler macht? Adolf Hitler hat Hindenburg versprochen, er werde dem Reichspräsidenten das bewußte „kurze Programm" binnen 48 Stunden über- reichen, wenn ihm das Kanzleramt zugesichert werde. Wir fordern hiermit, daß dieses' kurze Programm sofort veröffentlicht wird. Entweder dieses Programm existiert, und dann ist Hitler verpflichtet, es bekannt zu geben, auch wenn er nicht Kanzler wird. oder aber dieses Programm erigiert sich» r h«cht p t n i ch t, irnd dann war die be- rühmte Pariser Madame H u m b e r t mit ihren geheimnisvollen Koffern, die angeblich unermeßliche Werte, in Wirklichkeit aber nur alte Lumpen enthielten, an Adolf Hitler ge- messen eine e r n st zu nehmende Persön- lichkeit. Also, was ist mit dem Programm zur un- mittelbaren Lösung der Wirtschaftsnot und des Massenelends? Heraus mit diesem Pro- gramm! Keine Ruhe in Deutsch- land, solange Adolf Hitler nicht auch ohne Kanzlergehalt sein „ProgrammzurRettung unseres Vaterlandes" veröffentlicht hat! Der Weg zu Arbeit und Brot Planmäßige Arbeitsbeschaffung— Der Gesetzentwurf der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion Unter den Initiativgese U entwürfe n, die die sozialdemokratische Reichstagsfraktion dem Reichstag znge- leitet hat, kommt dem Entwurf eines Ge- setzes über planmäßige Arbeits- beschaffung besondere Bedeutung zu. Wir geben den Entwurf im Wortlaut wieder: Unter der Führung des Reichs wird eine plan- mäßige Arbeitsbeschaffung in Angriff genommen, für die eine Milliarde Reichsmark be- reitgestellt wird. Die Arbeitsbeschaffung soll ins- besondere umfassen: 1. Arbeitsbeschaffung durch das Reich(Reichszuschüsse für öffentliche Ar- bellen und Kleinwohnungsbau) und 2. Arbeits- beschaffung durch die Gemeinden.(Gemeinde- arbeiten, kollektive Selbsthilfe der Arbeitslosen, Schulung jugendlicher Erwerbsloser und Haus- reparaturen.) �rkeltsbescllskkung durch das Reich Zur Förderung der Arbeitsbeschaffung werden Reichszuschllsse für die Durchführung weiterer zu- sätzlicher öffentlicher Arbeiten bereitgestellt. Die öffentlichen Arbeiten sollen insbesondere umfassen: Kleinwohnungsbau, Verbesserung des Straßen- Netzes, Brückenbauten, Errichtung von Wasser- schütz- und Wassernutzanlagen, außerplanmäßige Erneuerungs- und Erweiterungsarbellen der Reichsbahn und der Reichspost. Die Reichszuschüsse für den Kleinwohnungsbau sind den Ländern zur Hergabe von zweiten Hypo- theken, notfalls auch von ersten Hypotheken, sowie von Zinszuschüssen zu überweisen. Alle Arbeiten, für die auf Grund dieses Ge- setzes Reichszuschüsse gewährt werden(einschließ- lich der Gemeindearbeiten), sind im Tariflohn auszuführen Die Vermitllung der Arbeitnehmer für diese Arbeiten hat ausschließlich durch die Arbeitsämter zu erfolgen. •ArheitsheschakkungdurchGemeinden Für die Zwecke der Arbeitsbeschaffung durch die Gemeinden, insbesondere für die kollektive Selbst- Hilfe der Arbeitslosen und für die Schulung jugendlicher Erwerbsloser werden 1. Bauholz aus staatlichen und kommunalen Forsten, 2. Gas, Wasser, Elektrizität und Brennstoffe aus öffent- lichen Betrieben verbilligt abgegeben. Gemeindearbellco. Die Gemeinden haben die Zuschüsse für die Gemeindearbeiten zur Durch- führung dringender Arbeiten zu verwenden, die sonst aus Mangel an Mitteln unterbleiben müßten. Dazu gehören auch größere Instandsetzungs- arbeiten an großen Gebäuden, Straßen, Brücken, Hafenanlagen usw. Solleklive Selbsthilfe der Arbeitslosen. Die Ge- meinden sind berechtigt, stilliegende Fabriken und Werkstätten für Zwecke der kollektiven Selbsthilfe der Arbeitslosen zu beschlagnahmen. In diesen Betrieben sollen Arbeitslose aus Grund freiwilli- ger Meldung und unter Gewährung von Unter- stützung nach den Sätzen der Arbeitslosenver- sicherung zu dem Zweck beschäftigt werden, Gegen- stände des täglichen Bedarfs, wie Schuhwerk, Kleidungsstücke, Wäsche usw. herzustellen. Die Er- Zeugnisse ihrer Arbeit werden an diese Beschäftig- ten und an die übrigen Arbeitslosen und Hilss- bedürftigen unentgeltlich verteilt. Schulung jugendlicher Erwerbsloser. Um allen jugendlichen Erwerbslosen den Erwerb, die Er- Haltung und die Weiterbildung ihrer Berufs- fähigkeiten zu ermöglichen, haben die Gemeinden umfassende Schulungsmaßnahmen durchzuführen. Zu diesem Zweck sind unter Zuhilfenahme be- schlagnahmter stillgelegter Betriebe Lehrwerk- statten einzurichten, die Schulungskurse auszu- bauen und das Berufsschulwesen zu erweitern. hausrepocaturen. Soweit Hauseigentümer ihre gesetzliche Verpflichtung, einen Teil der Miete zu Jnstandsetzungsarbeiten zu verwenden, nicht oder nicht voll erfüllen, haben die Gemeinden die Durchführung der Jnstandsetzungsarbeiten zu er- zwingen. Insbesondere sind sie berechtigt notfalls solche Jnstandsetzungsarbeiten aus Kosten der Hauseigentümer selbst vornehmen zu lassen. känanzsierunA Die zur Finanzierung der Arbeitsbeschaffung erforderlichen Mittel werden durch Auslegung einer Anleihe für Arbeitsbeschafsung aufgebracht. Zu diesem Zweck wird eine Prämienanleihe für Arbeitsbeschaffung aufgelegt. Für den Fall, daß der Erlös der Prämienanleihe eine Milliarde Reichsmark nicht erreicht, wird der Restbetrag durch eine Zwangsanleihe aufgebracht, auf die gezeichnete Prämienanleihe angerechnet wird. Zur Vorfinanzierung des Anleiheerlöses sind die Einstellungsprämien auf Grund der Notverordnung vom 4. September 1932 den öffentlichen Körperschaften zur Verwendung für öffentlich« Arbeitsbeschaffung zu überweisen. Die Verleumdung gegen Otto Wels Verhandlung vertagt— Die Angeklagten hoffen auf Amnestie Der bekannie italienische Rechtssachverständige Pilotii ist zuni Untergeneralsekretär des Völkerbundes ernannt worden. Pilotti dürfte gleichzeitig mit dem neuen deutschen Unter- generalsekretär Trendelenburg in der nach- sten Sitzung des Bölkerbundsrates, die am Don- nsrstag oder Freitag stattfindet, auf sein neues Amt verpslichtet werden. Kammerspiele Frantisek Langer: ,, Engel unter uns" Die sehr irdische Frage, ob der Arzt dem rettungslüs Kranken das Leben verkürzen dars, wird zugunsten des hilfreichen Arztes entschieden. Phantastik, Realistik und Uebersinnlichkeit werden durcheinander gemischt Trotz der vielen Bemühung stellt sich keine Theatersreude«in. M. H. In seinen Zeugenaussagen in dem B e l e i d i- g u n g S p r o z e ß, der wegen des Vorwurfs des Landesverrats augestrengt ist, fuhr Genosse Otto Wels am Mittwoch vor der Strafkammer fort: Zusammenfassend muß ich sagen: 3ch habe mich in England nur im Interesse Deutschlands bemüht. Der Vorwurf des Landes- verrats trifft mich in diesem Falle um so ewp- sindlicher, als ich im Einverständnis mit Brü- ning die Unterredung mit Henderfon gehabt habe. Der Vorwurf des Landesverrats gehört zum Wasfenarsenal unserer Gegner. Erst vor kurzem wurde wieder im„Friderieus" erklärt, der ganze SPD.-Vorstand mit Ausnahme von E b e r t, fei während des Krieges käuflich ge- wesen. In Wirklichkeit hat niemand in so hohem Maße wie gerade die Sozialdemokratie den Begriff wahrgemacht:„Das Vaterland steht über der Partei." Denn sie hat für das Vaterland selbst das letzte hingegeben: die Einigkeit der Partei selbst, iiidem sie wegen ihrer Stellung zum Vaterland sogar die Spaltung der Partei ertragen mußte. Wenn ich in diesem Falle den Weg der Klage gegangen bin, so deshalb, weil es nicht so weitergehen kann. Di« Herren sollen endlich einmal die Beweise für ihre Behauptungen erbringen, daß die Sozial- demokratie Landesverrat betreibe. Es handelte sich hierbei nicht um meine Person, sondern um meine Partei. Landgerichtsdirektor L ö s ch h o r n richtete an die Angeklagten die Frage, ob sie nicht in diesem Stadium der Verhandlung angesichts der eidlichen Aussagen des Zeugen Wels eine Erklärung abzugeben bereit sein würden, die die Angelegen- heit aus dem Wege des Vergleichs aus der Welt zu schaffen geeignet wäre. Rechtsanwalt Dr. E o« r l i n g erbat sich eine Pause, um sich mit seinem Mandanten zu besprechen. Nach Wiedereröffnung der Sitzung erklärte er, daß der Fall des angeklagten Schriftleiter» der„Deutschen Zeitung", Zeitz, von dem Fäll des Hauptschrist- leiters des Deutschen Schnelldienstes, K a m e s. hinsichtlich eines Vergleichs getrennt zu behandeln sei. Da der letztere in seinem Artikel in der Hauptsache die Staatsführung kritisiert habe, sei er bereit, aus Grund der Auesage des Zeugen Wels eine Erklärung abzugeben. Anders liege der Fall ,.D e u t s ch e Z e i t u n g" Die Aussage des Herrn Wels habe ja nur bestätigt, daß das, was im Artikel geschrieben stehe, der Wahrheit entspreche. Herr Wels habe auch bei seiner Unter- rcdung mit Henderson diesem zu verstehen ge- geben, daß seine Partei gegen den Bau des Panzerkreuzers sei. Es könne deshalb auch nichts von dem Artikel zurückgenommen werden. Es folgte ein langwieriges Hin und Her wegen des Inhalts der von dem Angeklagten Kames ab- zugebenden Erklärung. Landgerichtsdirek- tor Löschhorn machte den Vorschlag, dem Vergleich die Erklärung zugrunde zu legen, die Kames in dem„Deutschen Schnelldienst" ver- össentlicht hatte, als der Reichsanwall das auf seine Anzeige hin eingelellete Verfahren wegen Verdachts des Landesverrats eingestellt hat. In jener Erklärung hieß es, daß der„Deutsche Schnelldienst" nun alle Folgerungen, die er aus dem angeblichen Verdacht des Landesverrats gezogen habe, fallen lasse. Der Angeklagte Kames müßte in seiner jetzigen Erklärung noch zum Ausdruck bringen, daß er sich nach der Vernehmung des Zeugen Wels davon überzeugt habe, daß der in der Frageform gegen diesen erhobene Vorwurf des Landesverrats, sofern er als solcher aufgefaßt sein sollte, nicht ausrechlerhallen werden könne und daß er sein Bedauern darüber zum Ausdruck bringe, daß er so verstanden war- den sei. Mit einer solchen Erklärung wollte sich Herr Kames nicht zufrieden geben, er schlug ganz unklare Wen düngen vor, mtt denen sich Wels wieder nicht einverstanden erklären konnte. Dr. Everling meinte, dann würde eben die Sache durch eine Amnestie gelöscht werden, worauf Wels replizierte: Amnestie war ja das erste Wort, das ich in der heutigen Verhandlung gebraucht habe. Everling: Aber eine Erklärung wäre ja in Ihrem Interesse. Wels: In meinem Interosss? Pteine Ehre steht so hoch, daß derartige An- würfe an sie nicht heranreichen. Es handelt üch hier um meine Partei, die für Deutschland die größten Opfer bringt und trotzdem von gewissen Kreisen immer wieder beschimpft wird. Ich ver- trete hier nur die Interessen meiner Partei. nicht die meiner Person. Da die Verhandlung abgebrochen werden mußte, um Wels, Landsberg und auch Everling die Mög- lichkell zu geben, an der Reichstagssitzung tellzu- nehmen, so vertagte man die weiteren Erörterun- gen über die Erklärung bis zum nächsten Termin, am Freitag, dem 16. Dezember. Zu diesem Termin soll auch Rechtsanwalt Dr. Euer- ling seinen Antrag auf die Vernehmung Brünings schriftlich formulieren. Die Großmächte drücken sich Nur die Kleinen treten mutig für Chinas Recht ein UNSER NEUER ROMAN ist der NORDISCHE PREISROMAN, der den ersten norwegischen Romanpreis und den großen Preis der drei nordischen Länder xugleieh erhielt: und cwildtec VON SIGURD CHRISTIANSEN HEINT AB SONNTAG IM»VORWÄRTS« E R S C . j. Genf, 7. Dezember. In der Vollversammlung de» Völ- k e r b u n d e s hat sich am Mittwoch wiederum gezeigt, daß die Großmächte im Mandschurei- konslikt keinerlei Risiko eingehen wollen. Zuerst hörte man noch einmal klare und ehrlich« Worte von Madariaga- Spanien. Er sprach Japan den guten Willen ab und rief dem Völkerbund zu, er werde an einer tödlichen Krankheit sterben, wenn er zugebe. daß die chinesische Mandschurei ein japanisches Mandfchukuo werde. Spanien sei für die unveränderte Annahme des Lytton-Berichts. Motto- Schweiz stellte zwar noch fest, daß Japan nicht in legitimer Verteidi- gung gehandelt habe, schlug aber nur eine neue Verständigungsprozedur vor. Ebenso plädierte P o l i t i s- Griechenland für direkte Verhandlungen zwischen den Parteien. B e n e s ch s fundamental« Frage, ob sich ein schwacher Staat in Gefahr aus den Schutz de» Völkerbundes verlassen könne, wurde von den Großmächten indirekt mit einem glatten Rein be- antwortet. Paul Boncour- Frankreich machte den Ansang mit vielen Worten über Mithilf« des Völkerbundes zu einem internationalen Ausgleich. Sir John Simon- England wies die Unter- schetdung zwischen großen und kleinen Mächten im Völkerbund zurück. Die Großen hätten nur mehr Verantwortung und das Risiko. Sie könnten sich nicht in scharfen Redewendungen ergehen, die so leicht zu sagen seien. Er schlug direkte Verhandlungen zwischen den Parteien und die Einladung Amerikas und Rußlands für die Verftändigungsberatungen der 19. Kommission vor. Simon wie Aloisi-Italien verlangten eine Lösung aus der Grundlage der Tatsachen. Der deutsch« Außenminister von Neurath zog sich aus der Affäre mit der Redewendung, inon müsse einen konstruktiven Plan finden, der den Streit endgültig aus der Well schaffe. Der natürlichen Richtung der Entwicklung von Völkern dürfe sich der Völkerbund nicht ver- schließen, doch müsse er den Einsatz militärischer Machtmittel endgültig überwinden. Zu diesem Zweck müsse ein völliger Ausgleich der militari- schon Machtmittel aller Staaten stattfinden. Dieser Ausgleich sei die erste Voraussetzung für eine wirksame Sicherstellung friedlicher Streit- schlichtung, ohne deren Verwirklichung alle juristi- scheu Mittel problematisch blieben. Neurath schloß mit der Unterstützung der Einladung von Amerika und Rußland. Die Aussprache geht am Donnerstag weiter. Spanien, Irland und die Tscheche» slowakei haben den Antrag eingebracht, fest- zustellen, daß Iapan nicht in legitimer Verteidigung gehandelt habe, sein Vorgehen nicht in Uebereinstimmung mit den Verträgen stehe. ZNandschukuo kewe freiwillige Gründung sei und USA. und Ruhland einzuladen seien. Notverordnungsdebatte Sozialdemokratie fordert Aufhebung und Winterhilfe Kommunistische Frontentheorie Der Kommunist:„Wie— du Sozialdemokrat willst den Faschismus bekämpfen? Unmöglich! Nach meiner Theorie hast du doch auf der Seite des Faschismus zu stehen! Geh hinüber— oder ich bekämpfe dich wegen unbe- befugten Kämpfens gegen den Faschismus!" In der zweiten Sitzung des neuen Reichstages waren schon zu Beginn verschiedene Regienmgs- Vertreter erschienen Präsident Göring begann mit der Bekanntgabe des Ergebnisses deF Schriftsührerwahl. Ms zweiter Schristführer ist ch u g e n v e r g gewählt, was große Heiterkeit heroorrust Darauf teilt der Präsident das amtliche Ergebnis der Wahl des dritten� Vizepräsidenten mit. wonach Löbe mit einer Stimme Mehrheit gewählt ist. Abg. Dr.(Rsoz.) beantragt, wegen der Unklarheit und der Möglichkeit eines Versehens die Wahl zu wiederholen. Abg. Dillmann(Soz.) widerspricht unter Heranziehung der Geschäftsordnung, die eine solche Wiederholung nicht kennt. Der Reichstag würde damit eine Praxis beginnen, die ihm noch leid tun könnte. � Abg. Torgler(Komm.) spricht im gleichen Sinne. Abg. Dr. Frick(Rsoz.) verwahrt sich gegen die Andeutung Torglers, als hätte er einen Beamten des Hauses"verdächtigt. Dem Schnstsiihrer Laverrenz sind verschiedene Stimmzettel auf den Boden gefallen, da kann einer übersehen wor- den sein. Präsident Göring: Kein Beamter des Hauses wird verdächtigt. Abg. Dr. Deicht(Bayer. Vp.): Der Präsident hat das amtliche Ergebnis mitgeteisi, das muß doch schon endgültig sein.(Heitere Zustimmung.) Bor der Abstimmung über den Antrag Frist fordert Abg. Dr. Deicht(Bayer. Vp.), daß über die Zulässigkeit eines solchen Antrages auf Wiederholung einer Abstimmung entschieden werde. Darüber beantragt nun Frist nament- liche Abstimmung. Die Zulässigkeit des Antrages aus wieder- holung der Abstimmung wird mit 283 Stimmen der Linken und der Mitte gegen 201 Stimmen der Rationalsozialisten und der Deutschen Volkspartei bei 57 Enthaltungen verneint. (Eine blaue Karte— Enthalte mich— hat auch Abg. Löbe abgegeben.) Auf die Frage des Präsidenten, ob er die Wahl zum Bizepräsidenten annehme, antwortet Abg. höbe(Soz.): Nach dem gestern abend festgestellten Ergebnis hatte ich stark« Zweifel, ob ich das Amt des Bizepräsidenten annehmen kann. Nachdem nun durch die gütigen Bemühungen des Herrn Dr. Frist die Zweifel beseitigt sind und der Reichstag durch die eben erfolgte Abstimmung die Abstimmung zweifelsfrei gestattet hat, sowie in der Hoffnung, daß kein neuer Zählsehler passiert ist. nehme ich die Wahl an.(Hesierkesi und Beifall.) Daraus werden die Msiglieder des Reichsrates und der ReichsragZausschüsse, sowie d�e Vertreter ö°r Fraktionen in verschiedenen össentlichen Körperschaften bekanntgegeben. Unter den vielen Anträgen auf Zulassung von Privatklagen gegen Abgeordnete ist auch ein Per» ioncen auf Strafverfolgung eines nationalsozia- listiichen Abgeordneten wogen Körperverletzung und eine Beleidigungsklage des„Herzogs" Alfred Friedrich von Mecklenburg gegen einen kom- munisiischen Abgeordneten. Totenehrung mit Skandal Bor Eintritt in die Tagesordnung teilt Wg. hell-Brandenburg(Komm.) msi, daß in Premnitz durch eine Explosion in einem JH.- Farbenbetrieb zeh nArbeiter getötet worden sind und etwa dreißig andere noch unter den Trum- mern liegen. Die Abgeordneten aller Parteien erheben sich zum Zeichen der Trauer von den Plätzen. Sofort geht der Redner dazu über, eine Agito- tionerede im üblichen Kommunistenton zu halten. worauf sich die Abgeordneten mit Ausnahme der Kommunisten wieder setzen. Aus der Mitte er- tönen laute Pfuirufe Vizepräsident Effer ent- zieht dem Redner das Wort: dieser redet aber weiter und erklärt schließlich: Wir oerlangen sofortige Beratung eines Antrages auf parlamsn- tarische Untersuchung dieser Katastrophe, Zahlung von je 2lX> M. monatlich an alle Witwen, minde- stens bis zum Abschluß dieser Untersuchung, von je 50 M monatlich an die Familien der Verletzten und strengste Bestrafung der Verantwortlichen. Vizepräfldent Esser gibt seinem Bedauern dar- über Ausdruck, daß die Mitteilung über ein so erschütterndes Unglück in solcher Weise ausgenutzt worden ist. Der Antrag soll als letzter Gegenstand der heutigen Tagesordnung beraten werden. Es beginnt nun die Beratung des Nazi-Gesetzentwurfs über die Vertretung des Reichspräsidenten im Falle seiner Behinderung oder seines Todes. Als Regierungsosrtreter sind u. a die Ministertal- dtrektor'en Gotthciner(Reichsinnen) und Olfcher (Reichsfinanz) erschienen. Die Antragsteller verzichten aus da» Wort. Abg. Schneller(Komm.): Das Reichsgericht steht an der Spitze der faschistischen Klassenjustiz. Bezeichnend genug ist, daß die Verfolgung wegen der Boxheimer Dokumente eingestellt" worden ist. Zahlreiche Mitglieder und Senatspräsidenten des Reichsgerichts sind Nazis, daher dürfte auch der nächste Präsident des Reichsgerichts ein Haken- kreuzler fein. Darauf spekulieren die Nazis mit diesem Gesetzentwurf. Hindenburg ist der Beaus- traate des Monopolkapitals, Hindenburg heißt Salzsteuer Hindenburg heißt ungeheuerste Massenausbeutung und Ausplünderung.(Pfui- rufe— Ordnungsruf.— Gegenrufe der Kommunisten, die ein dreifaches„Nieder mit Hindenburg" ausbringen.— Vizepräsident Esser droht mit schärssten Maßnahmen.) Die Präsidentschaft Hin- denburg, die den Staatsstreich in Preußen vom 20. Juli veranstaltet hat, ist die Präsidentschaft des Staatsstreichs.(Vizepräsident Esser läutet, die Kommunisten brechen in Händeklatschen aus und rufen im Sprechchor nochmals dreimal„Nieder mit Hindenbur g".— Unmittelbar darauf ertönt auch ein dreifaches„Nieder" von der Publikumstribüne auf der rechten Seite des Saales.) Hindenburg hat mitgeholfen bei der Durchführung des Verfailler Vertrages... UnteHbredmng Während der Redner in dieser Weise noch fort- spricht, Vizepräsident Esser ihn zu unterbrechen sucht, was aber immer wieder zu stürmischem Beifall der Kommunisten und zu Sprechchören gegen Hindenburg führt, ist der Niederrufer von der Publitumstribüne durch Beamte des Hauses entfernt worden, nicht ohne Widerstand gelesicet zu haben. Kurz darauf kam es zu der schweren Schlägerei, über die wir an anderer Stelle be- richten. Vizepräsident Esser hatte bei Beginn dieser Vor- gänge seinen Plag verlassen und damit die Sitzung unterbrochen. Der Aeliestenrat tritt zusammen und um lß Uhr eröffnete Vizepräsidevl Esser die Sitzung wieder mit fol- gender Ansprache: Die tief bedauerlichen Vor- gänge. die zur Unterbrechung geführt haben, sind veranlaßt worden durch Störungen auf der Tri- büne. Leider haben sich Mitglieder des Hauses hinreißen lassen, einzugreifen. Der Präsident wird nachher das Ergebnis der Untersuchung mitteilen. Ich bitte dringend, alles zu tun. um unsere Ver- Handlungen vor weiterer Störung zu bewahren. Gegen Störungen auf der Tribüne wird sofort scharf vorgegangen werden. Abg. Torgler(Komm.): Wir erheben auf das entschiedenste Protest dagegen, daß dort hinten (gemeint ist der Umgang hinter dem Präsidium) SA.- und SS.-Leute als Hilfspolizisten im Auftrage des Präsideuteu sich bewegen.(Der Vorsitzende klingelt andauernd, Drohrnfe der Nazis— Gegenrufe der Kommunisten.— Abg. Dr. Frick, der das Wort hierzu nicht erhält, bezeichnet die Darstellung Torglers als niederträchtige Lüge.) Ms nächster Reder zur Tagesordnung spricht Wg. Dr. v. Zreylagh- Loringhoven(Dnat.). Er wendet sich gegen die Vorlage und empfiehlt den Antrag seiner Partei, wonach der Reichs- Präsident selbst seinen Stellvertreter im Falle der Behinderung bestimmen solle. Abg. Dr. Lreitscheid(Soz.) stellt zunächst fest, daß die Nazis ihren Antrag nicht begründen: Man darf annehmen, daß sie mit diesem Gesetzentwurf ein Hindernis für die Er- langung des Reichskanzlerpostens durch einen der ihrigen beseitigen wollen. Hindenburg hat ja u. a. einen Nazikanzler nicht berufen, weil im Falle des Todes oder der Behinderung des jetzigen Reichs- Präsidenten dem Nazikanzler der Oberbefehl über die Reichswehr und die Ernennung und Entlassung von Offizieren und Beamten zu- fällt. Die Sozialdemokratie hat natürlich andere Gründe, wenn sie für den Gesetzentwurf stimmt. Für sie kommt in Betracht, endlich einmal eine Dauerregelung zu schaffen, wie sie auf die verschiedenste Art in anderen Republiken vorhanden ist.. Unannehmbar ist der deutschnatio- nale Vorschlag, daß der Reichspräsident selbst feinen Stellvertreter ernennen soll. Dadurch würde ermöglicht, daß ein Reichspräsident etwa den frühe- ren Kronprinzen oder einen anderen Thron- Prätendenten als Reichsverweser einsetzt. Gerade um solche Treibereien zrs verhindern, stimme die Sozialdemokratie für die gesetzliche Regelung der Stellvertretung.(Lebhafter Beifall der Soz.) Wenn der Vorredner die Eignung des Reichs- Gerichtspräsidenten zur vertretungsweisen Aus- ubung des Reichspräsidentenamtes damit be- zweifelt hat daß der R«ichsgericht»vräsident in seiner Eigenschaft al» Lorsitzender de» Staat»- gerichtshofes immer mehr in politische Dinge hin- eingezogen werde, so kann man als Beweis dafür doch nicht, wie Herr von Freytag-Loringhoven»« getan hat. das Leipziger Urteil über die Vorgänge in Preußen heranziehen. Allerdings hat das Leip» ziger Urteil einen Zustand geschassen, de» der Vorredner mit dem Ausdruck„Komödie" noch viel zu milde bezsjchnet. Dieses Urteil ist gewiß schlecht unter juristischen und unter politischen Ge- sichtspunkten. Aber dieses eine Urteil kann uns deshalb nicht veranlassen, den Präsidenten des Reichsgerichts nicht als geeigneten Anwärter auf die Stellung des Reichspräsidenten anzusehen. Gewiß ist die Stellung des Reichsgerichlspräfidenten bereits im gewissen Grade politisiert dadurch, daß er zugleich Vorsihender des Staats- gerichtshofs ist: als solcher kann er in Umstände geraten, unter denen er nicht immer mit vollem Erfolg seine politische Neutralität aufrechterhalten kann, näm- lich dann, wenn das Urteil des Staatsgerichtshofs nicht nur rein juristischen Charakters ist, sondern von politischen Erwägungen, mögen sie berechtigt oder unberechtigt sein, mit beemflußt ist. Wir haben also schon jetzt im gewissen Grade eine Politisierung des Amtes des Präsidenten des Reichsgerichts. Ich kann mir nicht vorstellen, wenn Sie nicht gerode auf der testamentarischen Erbfolge bestehen, daß es nicht möglich sein sollte, irgendeinen Beamten zu finden, der in dieser Be- Ziehung nicht größere Garantien böte, als der vorliegende Gesetzentwurf vorsieht. Wir werden dem Gesetzentwurs zustimmen, weil wir ihn besonders deshalb für notwendig halten, um große Gefahren abzuwenden, die in der letzten Zeit unter dem Einfluß der Freunde des Herrn v. Freytagh- Loringhoven keine ganz unbeträchtliche Rolle ge- spielt hoben, sondern für das deutsche Volk und die deutsche Revublik akut geworden sind.(Lebh. Beifall', der Soz.) Wg. Dr. Bredt(Wp.) begrüßt die Vorlage, die vom Wg. Torgler(Komm.) bekämpft wird. Auch er nennt hen Reichsgerichtspräsidenten den Expo- nenten der faschistischen Diktatur gegen die Ar- beiterklasse. Damit schließt die erste Lesung: in der zweiten Lesung werden deutschnationale Anträge auf Ausschußberatung und auf Vertreterbestimmung durch den Reichspräsidenten selbst abgelehnt, wobei das Verlangen der Antragsteller nach nament- sicher Abstimmung scheitert, da sich nicht 50 Mit- glieder dafür erheben. Die Vorlage wird gegen die Kommunisten und die Deutschnationalen angenommen, der sofortigen dritten Beratung widersprechen die Kommunisten. Notverordnungsdehatte Es folgt die erste Beratung der Anträge des Zentrums, der Sozialdemokraten, der Komm»- nisten und der Nazis auf Aenderung bzw. Auf- Hebung der sozialpolitischen Bestimmungen der Notverordnungen vom 14. Juni und vom 4. Sep- tember sowie auf Schaffung von Winterhilfe und Arbeit. Abg. Torgler(Komm.) beantragt die Herbei- rufung des Reichskanzlers, was jedoch abgelehnt wird, da nur die Kommunisten und die Sozial- demokraten dafür stimmen.- Abg. Karsten(Soz.) bringt zunächst mit ein paar kräftigen Worten kommunistische„Begrüßungsruse" Zum Schwei- gen. Er wendet sich dann de» Papen-Vcrord- »ungen zu: Pape» hat seine Tätigkeit mit dem außerordentlich bezeichnenden Satz begonnen, das Volk müsse sich anpassen an die Armut der Nation. Seine Praxi» hat gezeigt, daß er darunter nichts anderes versteht, al» auf die Volkerechte zu pfeifen, und daß da» Volk Hunger und Elend gleichgültig ertragen müsse. Die Notoerordnung vom 14. Juni ist das Schlimmst«, was wir in der Nachkriegszeit erlebt haben. Den Unfallbeschädig- ten wurden die Renten bis 15 Proz. gekürzt, den Kriegsbeschädigten die Renten um 50 Millionen, die Arbeitslosenunterstützung um 500 Millionen herabgesetzt, den Arbeitsinvaliden ö bis 7 Mark von ihrer höchstens 36 Mark betragenden Mo- natsrente genommen, den Knappschaflsinvaliden, die viele Jahre unter der Erde gearbeitet haben, 12 Mark von ihrer Pension gestrichen. Auch die Angestelltenoersicherungsrenten wurden gekürzt. Außerdem wurde noch verordnet, daß der Ertrag aus der Beschästigtensteuer den Gemeinden nur zufließt, wenn sie die Wohlsahrtsunterstützungen vorher entsprechend gekürzt haben. Wir haben von Anfang an diese Rotverord- nungen bekämpft, wir haben schon im vorigen Reichstag die Aufhebung der Verordnung vom 14. Zum beantragt, aber der Reichstag wurde vorher ausgelöst. Daraus haben wir einen Volksentscheid beantragt, der erreichen sollte, was in dem arbeitsunfähigen Reichstag nicht erreicht werden konnte. Niemand außer uns hat den Kamps aufzunehmen versucht.(Gegenrufe der Kamm.) Die Kommunisten haben außerordentlich scharf gegen unseren Volks- cnlfcheid polemisiert. Sie haben kein Vertraue» zum Volke, Sic haben viel mehr Vertrauen zu diesem Reichstag, wo Sie die Aufhebung der Notverordnungen be- antragen.(Rufe der Komm: Streik!) Aeußern Sie sich doch näher, wie Sie einen Streik der Arbeits- invaliden und Kriegsbeschädigten machen wolle», die schon sehnsüchtig daraus warten, daß sie am Ersten des Monats ihre Unterstützungen holen können.(Dauernde Unterbrechungen der Komm.. von denen einer zur Ordnung gerufen wird.— Zuruf: Was hat die Hermann-Müller-Regieryng getan?) Die Hermann-Müller-Rsgierung hat trotz der schwersten wirtschaftlichen Schwierig- keilen die Renten der Arbeitsinvaliden erhöht. Was nach dieser Regierung gekommen ist, dafür sind Sie verantwortlich.(Sehr gut! bei den Soz.) Dabei sind die Notoerordnungen in einer Weise zusammengestoppelt, wie kaum jemals eine Ge- fctzgebungsarbeit. So ist es dahin gekommen, daß beim Zusammenfall bereits gekürzter Renten die Summe noch einmal gekürzt wird und dadurch eine Gesamtkllrzungüber 50 Proz. so- gar über die Grenze der Verordnung hinaus ein- tritt.(Hört! Hört! bei den Soz.) In den Ge- meinden mußten selbst die besten Verwaltungen auf Gebot der Regierung die schlimmsten Kür- zungen vornehmen, weil sonst überhaupt kein Geld mehr von der Regierung gekommen wäre, um überhaupt Unterstützungen auszahlen zu können. Der Redner trägt mehrere Beispiele des fürch- terlichen Notstandes der Gemeinden vor und fährt fort: Gerade auch in den Ländern wo die Nazis regieren, steht es am schlechtesten mit der so- zialen Fürsorge. In Dessau hat der iliazi-Minister Freyb«rg ver- juxt, was unsere Genossen an Reserven ange- häuft hatten, in der Stadt Koburg beschweren sich die Arbeitsinvaliden Uber die vollkommene Verständnislostgteit der Verwaltung. Das ist ja auch kein Wunder. Wenn man die Augen nach oben auf die Burg gerichtet hat, sieht man natür- lich nicht, wie es unten aussieht.(Sehr gut! bei den Soz.— Zurufe rechts: In Berlin wird noch mehr gehungert!) Ja, weil hier eine Regierung fitzt, für die Sie verantwortlich sind.(Sehr gut! links.) Der Redner schildert unter dauerndem Geschrei der Nazi« die Rentenquetscherei in Braunschweig. Ein Kommunist sekundiert den Nazi» durch eine Pauschalbeschuldigung gegen die sozialdemokra- tischen Landräte, obgleich es diese ja kaum mehr gibt. Karsten fährt fort: Erst unter der Regie- rung Klagges sind Ernährungssätze von 45 bis 16 Pfennig täglich eingeführt worden! Die von uns geschaffene Arbeitslosenversicke- rung ist durch die Papen-Regicrung zu Wasser geworden Bereit» nach sechs Wochen tritt die Bedürftigkeitsprüfung ein. Die Arbeitslosen hungern und darben, die Reicheanstalt aber macht allmonatlich Heber- schüsse von 60 bis 80 Millionen Mark. (Hört! Hört! links.) Für all das ist die Regierung Glatt wie ein Aal durch die schaumreiche Igemo-Rasiercreme s-»;1 �opcit verantwortlich: die nur unwesentlich ver änderte Regierung Schleicher wird Klarheit geben müsse», ob sie den Arbeitslosen Helsen will, wie wir es sorder» und beantragen. � Als der Redner Brot und eine warme Stube mr die Arbeitslosen fordert, ruft ein Nazi:„Die haben Sie ja ihnen g e n o m in e n!" Der Redner lehnt es ab, auf solche„dummen Redens- arten" einzugehen. Abg. Karsten appelliert an die anderen Partsien, den sozialdemokratischen An- trägen zuzustimmen und schließt: Der sozialen Gesetzgebung und den Hilfsbedürftigen kann am besten gehoffen werden, je mehr sich im Volk die Erkenntnis verbreitet, daß die kapitalistische Miß- Wirtschaft beseitigt werden muß� Wer das will, muß dafür sorgen, daß die So-zialdemo- tralie an die Herrschaft gelangt.(Lebh. Beiiall der Soz.) Abg. Börger(Nsoz.) zählt sozialpolitische Zar- derungen her, die von jeher das Gegenwart-- Programm der Sozialdemokratie gebildet haben. Abg. Pieck(Komm.) redet gegen die Sozial- remolratie, der es mit ihrer Opposition gar nicht Ernst, gegen Leipart, der in seinem„Ercelsior"- Interview für Schleicher eingetreten sei, und schließlich gegen die Hiller-Partei, die Meisterin des Kuhhandels. Abg. Dr. Schmidl(Dual.) behauptet, das Massenelend komme von der Erfüllungspolitik, und Hugsnberg sei der Retter.(Heiterkeit.) Abg. Schwarzer(Bayer. Bp.): Wenn die neue Regierung ein besseres Verhältnis zum Volk haben will als ihre Vorgängerin, dann kann sie nichts Besseres tun, als die verheerenden und auf- reizenden Bestimmungen zu beseitigen. Die Besprechung wird abgebrochen. Die Am- ncslieanträge werde» dem Rechtsausschuß über- wiesen. Die Mitteilung, daß Hugcnberg die Wahl zum Schriftführer abgelehnt hat, wird mit großer Heiterkeit aufgenommen.> Freitag 1t Uhr: Rest von Mittwoch, Amnestie. Schluß WA Uhr. Mengenabgaba vorbehalten TägL6u.8y,l Märchen MAREK WEBER u.ll.gr.Fesl-Prograiimi! iGssinn Tiieaier ragiieh sri i"ir: öreteMosheim Oskar Homolka in Pygmalion Nähe Schies. Bhf. »n.fl14, Stgs.2. 5.B15U. E 7 Wtittod 4031 Musikantenmade! r-iheater i.d.- Stresemannslr. Täglich SV« Uhr :ii rtf, isinseii! v. G. B. Shaw Sloissi. von Thell- mann, Bertens, Evans,Otto,Sima, Wiemann. Deppe. Fischer iWeihnachts- Lotterie Ziehung 29. u, 21. Dezemb. 135 516 Gewinne und 2 Prämien L Werte v. KM 450000 Los 2L3i> Pfg. Glücksbriel K r m. 10 Losen sort. B u aus versch.Taus." tu Porte und Liste 39 PL w allen d. Plakate kecnU. VerkaiilssteQen onJ darch s M8MM8iL cv Berlin C2, Königstr. 51 F���rccfafcr��JBejoUnaW�T� »uuhr CflSIHO-THEATER»uuhr Lothringer Strafe 37 iiiiiiinmiiiiiiiinimiiiiiiiiiiitmiiiiiiiiiiiuiniiiiniruiiiitmiinni Sonntags anefa nachmittags 4 Uhr Schlager-Posse Alles um Lotti mit Gesang und Tanz Für die Leser Gutschein 1— t Personen. 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Dezember, abends 7 Uhr: Äitpinj der Mittlere« Lrtsver- waltuno. nie Oriivervalfsng. Theater des Westens Stempi. 5121 Freitag, 9. Der. 7t<» Uhr Das Rlädei aus Da!matien Kürty, Lichtert- stein. Lorring. Haase, Coilani Komtidientiaus Schiffbauerdamm 25 Tel. D 2 Weil 6304-05 TKatlU-h 8 Uhr Heute zum 100. Male Gestern und heute Deutsches Theater Weidend. 5201 täglich 8 Uhr Harmonie von Franz Molnar Inszen. Max Rainhardt Max Palienberg. Karlweis.Etlinger. Vallentin, Hertha Thiel«, Terwin Lore Mosheim Hatnmerspieie Täglich 8 Uhr „WIMM" nn Frantisei langer Reg: Rudolf Bee: Panl Ho.-biqer. Ehmi Otttal litbenaiur. Meiner. fflainur. Hirmaoo. Bchal Ela 3a 3a Bendows Bunte Bühne Kotthasscr Straße 6 Oberbaum 3500 ..von A-r Täglich SlJi Uhr Sonnt, nachm. 3V* Rsnaissance-Th. Steinpl. 5780 Täglich 8'» Uhr Truppe 1931 Die Mausefalle Sonntag, 4 Uhr Raikoppffleas Weincadmiifpjffl m. Gesang u Tanz Kietropoi-Theater I Täglich SZr uhr 1 Sritz. 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Es sind auch verschiedene norddeutsche dabei, aber— sagten Fachleute— der kleine Waldbesitzer scheidet als Lieferant von Weihnachtsbäumen aus. Dabei kann der„kleine" Walldbesitzcr mit einer Wirtschast von rund 2000 Morgen ein gewichtiger Mann seini die Weihnachtsbäume jedoch stammen aus den ganz großen Forsten. Entweder kommen sie aus den Wäldern des preußischen Staates oder aus riesigen Privat- forsten, wie den Schastgottschen in Schlesien, den Noßlaschen in Thüringen, den ehemals Fürftl. Stolberg-Wernigeroder oder den ehemals Herzog!. Braunschweigischen Forsten. Nur'solche Wald- besiger sind in der Lage, den alljährlichen Masten- bedarf an Weihnachtsbäumen zu decken. Man muß hierzu noch bedenken, daß der übliche Weihnachtsbaum bereits füns bis acht Jahre alt ist, die größeren Bäume sogar 15— 20 Jahre. Aufmarsch der Händler Mit diesen größten Forstbesigern Deutschlands haben die rund 100 Weihnachtsbaum-Großhänd- ler feste Berträgc über die Lieferung von Weih- nachtsbäumen. Teilweise wird auch Bayern als Liefergebiet herangezogen— die Boralpenländer liefern besonders schöne Bäume—, aber Bayern und Württemberg decken im wesentlichen doch den Bedarf Süd- und Westdeutschlands. Wenn noch gar nicht an Weihnachten zu denken ist, haben die Großhändler bereits ihre Dispositionen ge- troffen, also ähnlich wie beim Spargelhandel, wo ja auch die Ernte zu festen Preisen an die Konservenfabriken verkauft wird, wenn noch gar kein Spargel zu sehen ist. Nach den 100 Großhänd- lern kommen nun in Berlin etwa 3000 Kleinhändler angerückt. Je nach ihrem Gelde werden sie sich cm, zwei oder mehr Schock nehmen. Je nach Größe bezahlen sie hierfür Die Katastrophe Zehn Tote!n Rathenow? Wie ergänzend zu dem schweren E x- plosionsunglück in Premnitz tSlreis Westhavelland) verlautet, werden noch drei Arbeiter vermißt, von denen man annimmt, das« auch sie unter den Trüminern begraben wurden und nicht mehr am Leben sind. Die Zahl der Toten würde sich dainit auf zehn er- höhen. Von den sechs«chwerverlehten schweben vier in höchster Lebensgefahr. Durch die heftigen Detonationen wurden kilometerweit die Häuser erschüttert. In Premnitz selbst sielen vielfach Gegenstände von Tischen und Regalen zu Boden. Man konnte sich den ohren- betäubenden Schlag in den ersten Sekunden nicht einen Durchschnittspreis, und nun müssen sie jeden Baum auskalkulieren, die besten für einen Taler und den kleinsten womöglich für drei Groschen. Vom Reichsverbond ambulanter Straßenhändler wird uns hierzu gesagt, daß die Mehrzahl der Berliner Weihnächte baumhändler bereits seit Jahrzehnten ihre feste Ecke hat, an der sie Jahr um Jahr stehen. Die erhebliche Minderheit allerdings sind Männer aus anderen Berufen, die das Weihnachtsgeschäft mitnehmen. erklären in panikartigem Schrecken glaubten die Leute an ein Erdbeben. Erst die wild aus- heulenden Alarmsirenen der gefährdeten Fabrik und laute Hilferufe„Die Kunstseiden- sabrik ist eingestürzt!" schafften Klarheit. Nach wenigen Minuten war das Fabrikgebäude von Hunderten, unter ihnen besorgte Angehörige der im Werk Beschäftigten, umlagert. Freilich konnte den verzweifelten Wartenden vorerst immer nur wieder gesagt werden: Zahl und Namen der Opfer stehen noch nicht fest. Schließlich versuchte die Fabrikleitung durch eine Verlesung von Namenslisten festzustellen, wieviel Opfer noch zu suchen seien... (Weitere Ausführungen im Gewerkschaftsteil.) * Von der Pressestelle der ZG.-Farben wird mitgeteilt, daß der Betrieb vorläufig stillgelegt ist. Am Tonnerstag oder Freitag soll die Arbeit wieder anfge- nommen werden. sie wenig oder viel Bäume auf den Markt bringen werden. Das Ende rwm Lisde find dann am ersten Feiertag die traurig anzusehenden Reste von übriggebliebenen Bäumen. Es ist das bare Geld des Händlers, das dann auf der Straße liegt Denn der Trubel von 1925 kchrl so leicht nicht wieder. In jenem Jahr war bereits drei Tage vor Weihnachlcn kein Baum mehr in Berlin ani- zutrciben oder iür einen elenden Strunk wurden „Fürst Sapieha" Ende eines Hochstaplers von der Kriminalpolizei ist ein langgesuchter Hochstapler festgenommen worden. Es handelt sich um den 45 Jahre allen Polen Stanislaus TV o y. der unter dein Namen«Fürst Sapieha" als Abslamm eines alten polnischen Adelsgeschlechts großangelegte Schw'ndrleien beging, die ihm Zehntausende eingebracht haben. 'Als„Fürst Sapieha" trat er mit einem Ber- liner Makler, der ein Schloß in Luxemburg für 130 000 M. verkaufen wollte, in Verbindung. Der Hochstapler machte seine Opfer so sicher, daß nie- wand an feiner Identität zweiselr«. Es kam zum Kausabschluß, ahne daß Woy alias Sapieha auch mir einen Pfennig gezahlt hatte. Als ihm von einem Luxemburger Notar sogar die Kausurkunde übersandt wurde, war der neueste Streich restlos gelungen. Mit der Urkunde gelang es ihm, von vielen Seiten große Summen zu erhalten. Jeoer half dem„Fürsten", der angeblich wegen der Devisenbestimmungen Schwierigkeiten hotte, sich genügend Gelid aus Polen schicken zu lasten, mit größeren Belrägen aus. Dabei verschmähte „Sapieha" auch das Geld mehrerer Frauen nicht, denen er die Ehe versprochen hatte. Schließlich schöpfte doch jemand Verdacht, und als Kriminalkommissar Dr. Wächter gestern zu- orisf, erkannte er einen alten Gauner wieder, der aus dem ganzen Kontinent als„Internationaler" bekannt ist. Herr Studienassessor Nehenhei Devisenschieber Wenn über diesen Fall von Devisenvergehen be- richtet wird, so nicht wegen der Höhe der ver- schobenen Effekten. Was sind schon Effekten im Werte von lumpigen 150 000 Mark: da hat man in Moabit wahrlich schon ganz andere Dinge er- lebt. Aber ein Studienassessor als De- Visenschieber ist wirklich nichts Alltägliches! Herr Dr. Richard Schönebeck war von Hause aus Volksschullehrer. Er besaß viel Ehrgeiz, machte seinen Assessor und wurde schließlich Lehrer an einer Oberrealschule. Er heiratete, seine Frau brachte ein wenig Geld mit. Der Studienassessor befaßte sich„nebenbei" mit Grundstückspekula- tionen, seine beiden Bankkonten wuchsen zusehends an. Als mit Grundstücken nichts mehr zu ver- dienen war, um so mehr aber mit Esfekten, da legte er sich auch aus diese Art Geschäfte. So geschäftstüchtig der Studienassessor im Leben mar, so töricht und eigenartig benahm er sich vor Gericht. Die erste Verhandlung gegen ihn mußte verlagt werden. Seine Angaben konnten nicht stimmen: als man sie zur zweiten Verhand- lung nachprüfte, da ergab es sich, daß van ihm Esfekten nicht im Werte von 00 000 Mark ver- äußert worden waren, wie die Anklagebehörde ursprünglich angenommen hatte, sondern im Werte von 180 000 Mark. Seine Aussagen mußten aus ihm einfach herausgepreßt werden, der einfachsteii Daten aus seinem Leben wollte er sich nicht mehr erinnern. Der Sachverständige Dr. E v e r s gc> wann jedoch in höherem Maße den Eindruck, eine« Simulanten vor sich zu habe» als eineil Irren. Das Gerich, verurteilte den Studienassessor zu acht Monaten Gefängnis, 0000 Mark Geldstrafe und Beschlagnahme des Vermögens, der Hastbefehl wurde aufgehoben. Morb in Shaflottenburg? Die Ällordkoinmifsion wurde in den gestrigen späten Abendstunden nneh der Sophie-terschöi»eweide, Berliner Straße 31. Karben zu 30 und 50 Pf. sind an der Abendkasse erhältlich. Einsendungen siir diese Ziubril sind Berlin SW 8», Liadenstraße 3. parteinachrichten Groß-Berlin stet« an das Pezirtsseeretarin. i. Hos, 2 IrcpBcn rechts, zu richte» Am Sonnabend, dem Id. Dezember, KK. Uhr, sindet im Sewerlschastshaus, Engeluser 24—25 sqroger Saal), eine Versammlung der Mitglieder«nd Heiser der Zeitungslommission Sr»ü-«erlin statt. Es sprechen: Franz stiinstler, Paul Lobe, Friedrich Etampser. Mitgliedsbuch legitimiert. Beginn aller Veranstaltungen 1934 Uhr, sofern keine besondere Zeitangabe! 2. streis. Kursus Denicke findet wegen der Kreismitgliederoersammlung nicht statt. Nächster Kursusabend Donnerstag, 15. Dezrinber. 3. Kreis. Zusainmenkünfte erwerbsloser Parteimitglieder Donnerstag,». De- zember, ab Ib Uhr, Putbusser Str. 22. Referent: Genosse Floerke. Winde» nowslr. 5, Referent wird in der Beranstaltung bekanntgegeben. Thema: Probleme der Auhenpolitik.....» II. Kreis. Freitag, 9. Dezember, 19 Uhr, erwelterler Kreisvoritand bei Lau- d-hn, Luisenuf-r 52.....,, 7. Are,«. Donnerstag, 8. Dezember, 15 Uhr, Zusammenkunft erwerbslmer Parteimitglieder im Jugendheim Roflnenstr. 4. Politisch- Lage. Reserenl: 2». JUeis� Donnerstag Zusammenkunft erwerbsloser Parteimitglieder a» fol. «enden Sl-llen: io Uhr Schule Hoppestraße. Reinickendorf-Oft. Vortragender Genosse Lüh. Musik und Rezitotionen. Rrinickendorf-Best 15 Uhr ,m Volks. hau, Scharnwederstr. U4. Reifedeschreibungen. ReserentM: Senonin Dllsing. Wittenau Ifi Uhr. Genosse Schinz. Tegel im Jugendheim schone. berger Str. 3. Reierent: Genosse iklewih.— Freitag, 9. Dezember, Der- fauimlunq aller itleingärtner im Voikshaus, Scharnweberftr. 114. Mit- gliedsbi.ch mitbringen.• 39. Abt. Freitag. 9. Dezember. Funktionär, ihung bei Pohst. 34. Abt. Freitag, 9. Dezember, erweiterte Funktionarsitzung bei Gaul,«ox. 38. Abt�Freilag' i!.' Dezember, 20 Uhr, Funktionärsitzung bei Bartuich. Frieden. 52. Abt'.�Freitag, 9. Dezember, 2« Uhr, Funktionärsitzung bei Wolter. Zkoiserin- Augnita-Alle- 52. Erscheinen aller Funktionäre dringend. 77. Abt. Freitag, 9. Dezember, wichtige Funktionarsitzung � 78. Abt. Freiraq. n. Dezember, 20 Uhr, Funktionitrsitzung bei ochiNldt, Ebers- strasje 18, Vorftandswahl.....,,,. m 79. Abt. Freitag, 9. Dezember, 20 Uhr, Funktlonarv-riaminlnng her Reimann, 85. Abt" Freitags 9, D-zember, 20 Uhr. erweitert-«orstandssitzung bei Pomme- renina. �.. m. 90. Abt. Freitag, 9. Dezember, Funktionarsitzung... � �. 92. Abt. Freitag, 9. Dezember, 20 Uhr, Funktionarsitzung bei Wolfs, Kaiser. 102. Donnerstag, 8. Dezember«onsummilgliederoersainmlung der 283. Abgabestelle im Reu-Tivoli.....,, 108. Abt. Freitag, 0. Dezember. 20 Uhr, Funktionarversammlung bei»rllger. Schänerlinder Str. 5..,.„ 129. Abt. Freitag 0. Dezember, Funktionarntzung an bekannter Stelle. 125. Abt. Ulk Parteimitglieder beleilige» siäi an der Ausstellung„Junge Er< werbsloie schaisen" am Donnerstag, dem 3. Dezember, IM Lnzeum. Park. 1"9. Abt. FniVßct" 0 Dezember, 20 Uhr. Funktionärsitznng im Tllrkiichen Zelt. Ibii Uhr Vorstandssitzung. Mitgliedsbllcher mitbringen. 3 rauenveranstallungen: 2. streis. Freitag, 9. Dezember, sirrisfrauenabenb in der Schulaula Waldenser- slrahe unter Mitwirkung de: Pinderfreunde, Proaramnl lO Pf. 29. Preis. Die Konsumfllhinng findet Nicht stott.�?9f>ir Modenschau am Frei- ,aa dem 9. Dezember im Schlltzenhaus Reinickendorf.ON, Restdenzstrasie. 129. Abt. Sannabend, 19. Dezember, lä'.. Uhr. Märchennachmittag auf dem Reichsbunnerfchicüvla« Treskowallce, Uopstallweg. N> Uhr gemeinsames Palicetrinken.>7 Uhr Märchen für Grosi und Plein no» Margarete Fichtner. 139. Abt. Freitag,!> D-zeinbet, 20 Uhr. im FugendheiN! eachänkb-rqer Str. 3, Zniammenkunst aller �enossinnc». Oertliche Angelegenheiten,>0 Uhr Funktionärinnensitzung. Vezstksausjchufz für Arbeiierwohlsahrl. Qrtislfiier, ftrctslcttctinncn! der(beschaftssiplle. Lindenftr. sind so tedn-a wi- mdali» die neurn Lottrrifvrosr-'ktf od�ubolen. Gos-zrnqe Ber- breitung— k-lne«»— Um reckt».«?itio? Rü6aabe der nutzt vlirkauslichen ni»' moanw vis neurn iioiuvriivoirctrc no*unun:ii. wi:ju«.hhv rnuft erfolgen— Um rechtzeitig? Rückgabe der nutzt verkäuflichen Lose wir'' gebeten. Letzter Rückgobetermin für die Greife: 19. Dezember, sonst feste Rechnung. Arbeiisgemeinschast der Sinderfreundc. l Sslidaritätshilie! Ablieferung des Spieizeugs fllr die Ausstellung ! Ninder helfen«lindern" ini Äusstcllungsrainn Metallarbeiter-Per. »B- bandshauo Alle Fakod- Ecke Gilfchincr Straße lRähe Hallcfches 'rnv Tori ab Diciistan, li. Dezember, in der Zeit oon 15 bis 19 Uhr. ■st',.if«jclilct Abiicierungitermi» 9. Dezember. K.;Mi\' Sic Ansstellnnq der Solidaritätshilse„hindcr helfen hinbcrn" MAKM findet ab lZ. bis 20. Dezember im Hause des Metnllarbeiter Per- bände«. Alte Zakab. E-ie Gitschiner Straße, statt,.,., �. «reuzbera. S-nte, 18 Uhr, kommen alle Z-ltungsobi-ute im Heim Porck- straße 11 Zusammen. Achtung. Abteilungsl-il-r! Wer seine g-nan, Adressen. liste nicht bis spätestens Freitag beim Kreisleiter abgegeben hat, scheidet schon von vornherein aus dem Wettbewerb aus. Zehlcndors. Am Sonnabend, dem 10. Dezember, 20 Uhr, veranstalten die Zkinderireunde und die Arbeiterjugend eine Eonncnwendfcier in der ginnow- Waldschule. Aus dem Programm: Sprechchar— Märchenspiele— Musik und Gesang.__ Sohenschän Hause». Margen, von TTVi bw Uhr. kommen alle Roten Falken ins Jugendheim Hauptstraße. Nachdem, gehen wir aeschlossen zur Aus, itellung vom Bezirksamt„Junge Menschen schafsen"»ach Weißensee. Am 18. Dezember steigt unsere Sonnenwendscrer. Haltet euch diesen Tag frei und kommt alle hin. Reinickendorf. Srute Gruppenleitersttzung in Wittenau, Am Hllgel 7. Bc» ginn lOu Uhr. Jede Gruppe muß vertreten sein. Reukiilln. Die Spieltrupve llbt heute ab 18 Uhr im streishcim. Die Chinesen. und Rcacrrollen werden erst am Sonnabend geprobt. Fricdrichshain. Die zu heute angesetzte streisvorftandssitzung wird auf Montag verschoben. Freitag, 18 Uhr, areis.Rote.Falken.Vollversammlung in der Litauer Straße 18.— Abt. Landsberger Platz. Heute, 20 Uhr, Eltern- Versammlung Diestclmenerstr. 5—6. .zuoendaruppe des'Zentralverbandes der Angestellten Sterbetafel der Groß-Berliner Partei-Organisation t Freie Gewerkschafts-ZugenO Berlin Heute, Donnerstag, b. Dezember, 19>, Uhr, tagen die Gruppe»: Sud- osten: Jugendheim Reichenbcrqcr Str. 60. Aktuelle Tagcssragcn.— Tempelhas: Jugendheim, Lnzeum Scrmaniastr. 4—6. Der Zugang erfolgt durch den Eingang Gotzstraßc, aus der Hinteren Seite der Schule. Hose. mann bringt: Streifzllac dllrch die Sächsische Schweiz und sächsisch» Literatur. Moabit: Jugendheim Lehrter Str. 18—19. Die Wunder des Weltalls.— Staaken: Jugendkeim dec 17. Volksschule, Gartensiadt, Ztrchplatz. Endhaltestelle Autobus 31. Der BVG..Streik.- Schönhauser Tor: Jugendheim Tieck. __________. w.......... tanai — Jugendgruppe de« Verbandes der Nahrungsmittel,"und Getränkcarbeiter: Berlin N. 54, Schönhauser Str. 4—5. Vortrag: Arbciterillhrer der Vergang«». heit und Gegenwart.— Gesundbrunnen: Jugendheim Rote Schule, Sotenburger Straße 2..«kämpf der Frau.— Schöneweide: Jugendheim Laufcner Str. 2 lRotes Zimmer). Bade».— Köpenick: Jugendheim Grünauer Str. 5 lNahc Pahnhof Spindlersfelh). Signal auf Fahrt.— Schlesifches Tor: Manleutfel. iirciße 7. Ein Marsch durchs Wattenmeer.— Sewerktchaftshan»: Engetufer 24�2.>, Saal II. Heimdesprechnng. Vretispiclc.— Zeppelinplaß: Turincr Ecke eoec-- straße. Bekommen wir noch eine Lehrstelle, ober sollen wir Arbeitsbnrsche werden?— Osten: Frankiurler Allee 307 Ei» Jahr Gruppe Osten. SPD..zraktion der AfL-Arbeitcr beim«ez>rt«amt Prenzlauer Berg. Sonnabend, 10. Dezember, 19 Uhr, im Altersheim Danziger Sir, 62, Fraftions- Versammlung, Die neue Rcichsicgicrung»nd wir. Referent: Dr. Otto Friedländer. l3l. Abt. Im Alter von 7l Iahren starb am Sonnabend, dem 3. Dezember, unser Genosse Wilhelm Herrman», Blankenburg er Str. 20. Ehre seinem An- denken. Die Einäscherung findet am Freitag, dem 9. Dezember, 10 Uhr, im Krematorium Berichtstraße statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet die Ab- teilungsleitung. il»Sozia!ijiWeArbettm'ugendGroß-Verlm Einsendungen für diese Rubrik nur an das Iugendj-kictariai Berlin SW K8. Lindenstraße 2. vorn l Trevve rechts. Proletarisches Orchester der SBI., Gruppe v. Probe heute, 20 Uhr, Neu- kölln. KMS., Zeichensaal. Nabarett-Matince der Volksbühne am 26. Dezember(2. Feiertag), 11' j Uhr. Karten zu 1 M. sind im Sekretariat erhältlich. heute, Donnerstag. 20 Uhr: Arnswaidcr Platz ll: Schönlanier Str. Ii, B. 3. Eeruclle Fragen.— Falk- platz l: Sonnenburger Str. 20. Leseabcnd.— Humannplatz: Gleimstr. 33— 35. Die rulsische Rcvoiulio».— Rordost ll: Danziger Str. 62, B. 3. Mache» Männer die Geschichte?— Hallesche« Tor: Porckstr. 11. Liederabend.— Hasenheide: Wassertorstr. 4. Liederabend.— stottbusscr Tor, Urbanstr. 167. Mitgliederver- sammlung.— Nöpcnickcr Viertel: Manteusfclstr. 7. Mitgliederversammlung.— Südwest: Lindcnstr. 4, vorn I. Arbeitsgemeinschast.— Schönebcrg III! Haupt- straße 15. Bunter Abend.— Sharlottcnburg.Nord: Kaiserin. Augusta-Allee 97b. Heimabend.— Westend: Sportplatz Westend. Der Marsch auf Rom.— Zchlen- dors-Dahlem: Zinnowwaldschule. Arbeitsgemeinschaft.— Schöneweib« I: Ver- liner Str. 31. Lcseadend.— Tegel: Schönebcrger Str. 3. Probe.— Buch: Lindenhosstraßc Mitgliederversammlung.—. Karow: Frundsbergstr. 9. 10- Minuten-Referatc.'' Werbcbczirk Tiergarten: Beteiligung an der Kreismitaliedcrversainmlung der Partei um 19>,a Uhr in den Armininssälcn. Portrag: Wehrsport und Partei. Werbcbczirk Wedding: Pioniergruppe um 10 Ubr Putbusser Str. 22.— Jungerenkurius:„Politische Schlagwörter" um 20 Uhr cdendort.— Aeiteren- iursüs:„Jdeengcfchichte des Soziaiismus" um 20 Ubr Koloniestr. 22. Werbcbczirk Ncntölln:„Der Querschnitt" probt 191,5 Uhr Steinmetzstr. 114.— Werbeausschuß um 20 Uhr Ganahoferstraßc. Alle Gruppen müssen vertreten sein. Werbebezirk Lichtenberg: Alle Gruppenleiter kommen zu einer vorläuflgcn Abrechnung um 19', Uhr zum Heim Gunterstr. 44. deute, Donnerstag. linden folgende Veranstaltungen statt: Rordost ll:. _ Jugendheim Schönlanker Etr. II. Ärbcitsgcmeiiischaft Nr. 3: Das Kam)" inuüistlschc Manifest.— Norden: Jugendheim Putbusser Straße sAlte Schule). Arbeitsacmcinschnst: Der Weg zum Soziqliomus. Leiter: Ludwig Diederich,—- Osten: Jugendheim der Schule Litauer Str. 18. Arbeitsgemeinschaft: Einführung in die sozialistische Gedankenwelt<5. Abend). Leiter: Rachow.— Stralau: Jugendheim Dosscstraße(Zimmer 3). Eigene Kurzgeschichten— Treptow: Jugendheim Elsrnslr. 3 lPrioathaus). Abend eigener Ausgcstallung: B. Travcn und seine Werke.— Schöncberg: Wir besuchen die Versammlung des Werbe. dszirks Schöneberg.— Spandan: Wir beteiligen uns an der Versammlung des Berbcbezirks. Vorträge, Vereine und Versammlungen Reichsbanner„Schwarz-Rot-Gold". G e i ch ä f t s st r I l e: Berlin S. l4 Sebostionstr. 37—38 Hol 2 Tr. w Tiergarten. 3. Kameradschaft. Freitag, 9. Dezember, 20 Uhr, Käme. .•* radschaftsversammlnng bei Rickcrt. Steinmctzsir. 36,. Nefer.it. Buch» Ivntrollc.— Lichtenberg. Freilag, 0. Dezember, 20 Uhr, Mitglicdervcisannn. lungcn: Kameradschaft Gustav Tempel des Bartz, Nollendorfstr. 43. Vortrag des Kameraden Blaschke.— Kameradschaft Boxhagen bei Stobcr, Jungflr. U8. Vortrag des Kameraden Bebert über: Reichsbanner und allgeineinc Wehrpflicht.— Berliner Gcscllschast für öffentliche Gcsnndheitspslcge c. V. Sitzung am Dienstag, dem 13. Dezember, 20 Uhr, im Zngienischen Institut der Universität Berlin, Dorothcenstr. 28». l. Demonstralionen. Prof. Dr. Strauß: Neuer Apparat zur Milchfettbestimmung. 2. Dr. Borinski: Transportablrr'Apparat zur Bc» stimmnug von Kohlenoxnd in Luft und Gasen. 3. Vorirag Prof. Dr. Schütz: Grundsätzliches zur natürlichen und künstlichen Beleuchtung. Gäste willkommen. Deutscher Fricdcnsbnnb. Donnerstag, 8, Dezember, 2011, Uhr, im Vegc. tariichcn Restaurant, Käthener Str, 46(nahe Potsdamer Platz), spricht Herr Prof. Dr. Quidde. Thema: 1. Bisherige Entwicklung der Äbrusdungsirage. 2. Bericht Uber die Hamburger Tagung der Friedensbund. Gruppen. Zuiritt für jedermann. Gäste willkommen. Polizeilportvercin Berlin c. B., Abteilung Einhcitslnrzschrift. Regelmäßige Ucbungsabende an allen Wochentagen außer Sonnabends von 19(4 bis 21 1, Uhr im Polizcischulgcbäudc, Hannoversche Str. 28—30, 2. Stock, Zimmer lO, An» fängrr-, Forthiidung«. und Redcschriftknrsc. Auch für Zivile. Monatsdeitrag 1,50 M. Auskunft erteilt Erich Zwickcri, Neukölln, Pannicrstr. 18. Der neue „Villiger" hat zwei besondere Vorzüge: Er ist mild und rassig zugleich. Diese seltene Erscheinung ist auf die ausgesuchten Ueberseetabake der hervorragenden 1930er Ernte zurückzuführen. Noch nie waren l> unsere Lagerhäuser mit so prächtigen Tabaken bis zum Bersten angefüllt. Unsere Hauptsorge, die stets gleichbleibend gute Qualität ist damit auf lange Zeit hinaus behoben. Villiger-Stump�n sind etwas Besonderes! Preislagen 8. 10 und 15 Pfg. Fabrik-Lager Hedemannstr.Zi Bergm. 2370, Wir kämpfen weiter um neue Arbeit! Die Sozialdemokratie— der T räger des Arbeitsbeschaffungsgedankens Es ist gut, sich heute, da das Wort Arbeits- beschafsung in aller Munde ist, daran zu er- innern, dah Sozialdemokratie und freie Gewerkschaften jahrelang mit ihrer Forderung nach planmäßiger Arbeits- beschaffung allein auf weiter Flur gestanden haben. Sämtliche bürgerliche Parteien— mit Ausnahme der Nationalsozialisten— vertraten den Standpunkt, alle versügbaren Mittel müßte t zur Belebung der Privatwirtschaft verwendet werden, öffentliche Arbeitsbeschaffung hingegen stelle eine Vergeudung von Kapital dar. Die Nazis aber mißbrauchten den dank der unermüdlichen Aufklärungsarbeit der Sozialdemokratie und der freien Gewerkschaften allmählich populär gewordenen Gedanken der Arbeitsbeschaffung nur dazu, um ihre alten In- f l a t i o» s p l ä ri e wieder aufzuwärmen. Die Ä 0 in in u n i st e» schließlich taten ursprünglich unsere Arbeitsbeschasfungssorderung als r e f o r- in i st i j ch e ii Versuch zur Rettung des Kapita- lismus ab. Später freilich, als sie zu ihrem Schrecken bemerken mußten, daß diese„reformistische" Idee in den Gerzen der durch die Krisen bedrängten Arbeiterschaft Wurzel ge- schlagen hatte, stellten sie sich um und bemühten sich, den finanziell wohlfundierten Arbeits- befchaffungsantrag der sozialdemokratischen Fraktion(vom Februar 1932) durch phantastische Ziffern und sinnlose Deckungsvorschläge zu übertrumpfen. Allerdings hinkten sie damit dem sozialdemokratischen Arbeitsbeschaffungs- antrag um ein halbes Jahr nach. So lange dauerte ihre Umstellung zum„revolutionären Re- formismus". Inzwischen hatte sich im ganzen Volk die Ueber- zeugung durchgerungen, daß die S o z i a l d e m o- k i a t> e im Bunde mit den freien Gewerkschaften den richtigen Weg gewiesen hatte, und daß umfassende staatliche Maßnahmen zur Arbeits- beschafsung nicht mehr zu vermeiden sind. Wenigstens in diesem einen Punkt lehrte die Not denken Schließlich gab auch die Regierung B r ü- n i n g dieser Strömung nach und ließ sich vom Reichstag die Ermächtigung zur Auflegung der von der Sozialdemokratie geforderten Arbeits- beschaffungsanleihe geben. Inzwischen wurde sie aber gestürzt, und die Regierung Pape» hatte nichts Eiligeres zu tun, als die ganze Arbeitsbeschaffungsaktion fallen zu lassen. Ihre Sorge galt ausschließlich den Interessen der Besitzenden, und so fälschte sie den Ge- danken der Arbeitsbeschaffung in eine Gewinn- beschaffung für die Besitzenden in der Form der Steuergutscheine um. Die Sleuergulscheine, dieses kostspieligste und nühloseste Geschenk, das jemals ein Staat den Besitzenden gemacht halte, erwiesen sich sehr bald volkswirtschaftlich als ein hundertprozentiger Zehlfchlag, wie es von der Sozialdemokratie von Anfang an vorausgesagt worden war. Es war nicht zum geringsten der Eindruck dieser Niederlage, der Papen zum Rücktritt zwang. Aber wenn auch sein Nachfolger Schleicher gewandt genug ist, um die Oeffentlichkeit so lange als möglich über seine wahren Absichten im un- klaren zu lassen,— und die in„grundsätzlicher Opposition" stehenden Nazis sorgen dafür, daß er dieses Spiel fortsetzen kann—, so ist doch schon jetzt offensichtlich, daß er die Steuer- g e s ch e n k e an die Besitzenden in voller Höhe aufrechterhalten will. Damit wird aber der Spielraum für die Arbeitsbeschaffung selbst so gut wie völlig in Anspruch genommen, wenn man sich nichi in gefährliche Nähe der Inflation begeben will. Deshalb mußte die Sozialdemo- tratie, nicht nur, um der Vergeudung öffentlicher Mittel und der Bedrohung der Staatsfinanzen durch nutzlose Steuergeschenke an die Besitzenden ein Ende zu machen, sondern auch um der Arbeits- beschaffung willen verlangen, daß die Ausgabe der Steuerscheine sofort eingestellt wird. Das wird mit dem Antrag bezweckt, daß nicht nur der sozialpolitische Teil der Notverord- nung vom 4./5. September(Lohnabbau!), sondern die ganze Notverordnung auf- g e h o b en wird. Es muß aber nicht nur der Unsinn weggesegt, sondern auch Positives für die Arbeits- beschassung getan werden. Und auch dabei er- weift sich die Sozialdemokratie wieder als der verläßliche W e g b a H n e r. Sie hat aufs neue einen Arbeitsbeschaffungsantrag eingebracht. der dem Umfang der Ausgabe wie den finanziellen Möglichkeiten aufs sorgfältigste angepaßt ist. Unser Antrag verlangt für die planmäßige Arbeitsbeschaffung die Bereitstellung einer Milliarde Mark. Zu ihrer Beschaffung soll endlich der noch immer nicht beschriitene Weg der A r b e i t s b e- f ch a f f u n g sa n l e i h e(in Form einer Prä- mienanleihe) beschritten werden. Aber auf die Freiwilligkeit allein kann eine so bedeutungsvolle Maßnahme angesichts der Größe des erforder- lichen Betrages nicht mehr abgestellt werden. Die „Gebefreudigkeit" der Besitzenden muß unter den Druck einer drohenden Zwangs- a n l e i h e gestellt werden. Wer nicht von selbst seinem Vermögen entsprechend Anleihe gezeichnet hat, muß zur Zeichnung der Zwangsanleihe ver- pflichtet werden, bei der natürlich die Anleihebe- dingungen für den Zeichner wesentlich ungünstiger sind. Berücksichtigt man, daß die Vermögenssteuer, obwohl sie nur einen minimalen Bruchteil des steuerpslichtigen Vermögens wegsUuerl. selbst in aiesem tiesiten Krisenjahr ungeiähr 300 Millionen bringen dürste, so kann die Aufbringung einer Milliarde auf dem in unserem Antrag ge- forderten Weg gar nicht zweifelhaft sein. Des- halb kann auch ohne Bedenken verlangt werden, daß für die kurze Zwischenzeit von der Annahme des Antrages bis zum Eingang der Anleiheerlöse eine Vorfinanzierung der Arbeitsbeschaffung auf ähnliche weise durchgeführt wird, wie sie heute schon für die Arbeilsbeschaffungskredite üblich ist. In dem Maße, wie die Anleiheerlöse eingehen, würden die Zwischenkredite zurückgezahlr werden. Jegliche stärkere und längere Belastung der Reichs- dank würde damit vermieden und doch erreicht werden, daß die Arbeitsbeschaffung so- fort in Angriff genommen werden könnte. So gründlich wie die Finanzierungssrage ist im sozialdemokratischen Antrag auch die Frage der Objekte der Arbeitsbeschaffung durchdacht. Es sind ausschließlich allerdringlichsle und daher allerproduktivste Arbeiten, deren Durchführung verlangt wird. Der Klein- Wohnungsbau ist, angesichts der Dringlich- keit der Nachfrage nach Kleinwohnungen zu er- schwinglichen Mieten und angesichts des ständigen ungeheuren Zuwachses an Haushaltungen eine so- ziale und volkswirtschaftliche Notwendigkeit erster Ordnung. Oeffentliche Arbeiten(Straßen-, Brücken-, Wasserbauten), soweit sie für die Auf- rechterhaltung des Verkehrs und des Wasser- schutzes unumgänglich sind. Gemeindear- b c i t e n, die die in tiefste Not geratenen Ge- meinden instand setzen sollen, wenigstens die allerdringlichsten, wegen der Finanznot unter- lasienen Reparaturen und Erneuerungsarbeiten durchzuführen. Kollektive Selbsthilfe der Erwerbslosen, die— unterstützt durch die Berechtigung der Gemeinden, stilliegende Bc- triebe zu beschlagnahmen— den Hilfsbedürftigen wenigstens zu ganzen Schuhen und Kleidern ver- Helsen soll, die die Gemeinden ihnen vielfach heute nicht mehr sichern können. Produktive Ar- beitsschulung der jugendlichen Er- w e r b s l o s« n, die den Zusammenhang mit dem Arbeitsleben völlig verloren, ja vielfach noch gar nicht gewonnen haben: für diese Volkswirt- schaftlich wie sozial lebensnotwendig st en Zwecke und nur für sie sollen nach unserem Antrag die Arbeitsbeschasfungsmittel zur Ver- fügung gestellt werden. Aber so wohldurchdacht und einleuchtend unser Arbeitsbeschaffungsantrag auch ist und so brennend die Not, die nach seiner Durchführung ruft, so wollen wir uns doch nicht der Illusion hin- geben, als ob damit das ganze Arbeits- l o s e n e l e n d aus der Welt geschafft werden könnte. Arbeitsbeschaffung ist nur einer der vielen Wege, die zusammen beschritten werden müssen, soll die Welt vom Elend der kapitalistischen Krise erlöst werden. Die Sozialdemokratie ist frei von allen „Retter"-Jllusionen, die in phantasiereichen Ar- beitsbeschaffungsprojekten das Allheilmittel für die Nöte unserer Zeit sehen. Sie weiß vielmehr, daß nur im Klassenkamps aus allen Fronten der Politik und letzten Endes im Kampf um den völligen Umbau der Wirtschaft der Ausweg gefunden werden kann. Der Kampf um die Arbeitsbeschaffung ist von diesem Blickpunkt aus nur ein, allerdings wichtiger Abschnitt im großen Ringen der sozio- listischen Arbeiterschaft um ihre Befreiung. Lind jetzt Getreidekatastrophe? Leichtfertige Stützungspolitik— Was soll werden? Das Institut für Landwirtschaftliche Markt- forschung an der Berliner landwirtschaftlichen 5)ochschule beschäftigt sich in einem Artikel r e i w i l l l- genArbeitsdienste». Er führte dann u. a. folgendes aus: Es ist selbstverftändlich, daß beim Arbellsdienst die Arbeit im Mittelpunkt stehen muß. Dabei hondelt es sich um eine körperliche Primi- t i v a r b e i t, die von jedem Arbeitsdienstwilligen nach kurzer Eingewöhnung verrichtet werden kann. Alle Erfahrungen zeigen, daß die Jugend nach einem derartigen Einsatz ihrer aufgespeicherten Körperkräste verlangt. Die Arbeiten sollen auch möglichst aus dem Lande auegeführt werden, um die Jugend wieder stärker mit der Natur zu ver- blnden. Notwendig ist es, L e i st u n g s e r g e b- nisse zu erzielen, sedoch weniger ausgesprochene Spitzenleistungen— etwa durch Gewährung von Prämien. Die Erfüllung dieser Forderung ist in Frage gestellt, wenn bei Regwarbeite» nicht aus den Erfolg der Arbell gesehen wird, sondern der Arbellsdienst als«ine willkommene Be- schäftigungsgelegenheit für Wohlfahrtserwerbslofe, also als eine Entlastung von wohlsahrlslosten betrachtet wird. Bei derartiger Einstellung wirkt der Arbeitsdienst schädigend für die Arbeitsmoral. Weiter müssen die Arbeiten gemeinnützig sein. Endlich müssen die Arbeiten zusätzlich sein. Sie sollen den Arbeitsmarlt nicht noch weller einengen, sondern Maßnahmen sein, die weder jetzt noch in absehbarer Zell ohne Einsatz des Arbeitsdienstes vorgenommen werden können. Aus einer solchen grundsätzlichen Einstellung heraus erwächst auch die Pflicht, allen Bestrehun- gen öffentlicher Körperschaften entgegenzutreten. ihre Pslichtoutgabe im Wege des frei- willigen Arbeitsdienstes zu erfüllen. Sodann wandte sich der Reichsarbellsminister der Finanzierung des Arbeitsdienstes zu. Die starke Entwicklung des freiwilligen Arbeits- dienftes habe dazu geführt, daß die dem Reichs- kommisiar zur Perfügung gestellten Mittel von -Sä Millionen Mark in den nächsten Wochen erschöpft seien. Mit Zustimmung der Reichs- regierung hat die Reichsanstall für Arbeitsver- mllllung und Arbeitslosenversicherung jedoch weitere 25 Millionen Mark zur Ber- fügung gestellt. Für jeden Arbeitsdienstwilligen und jeden Werktag wird im Durchschnitt ein Betrag b i? zu 2 Mark zu.- Verfügung gestellt. Nach den bisherigen Erfahrungen ist damit zu rechnen, daß in dem nächsten Hauzhallsjahre mll einem durchschnittlichen Eins atz von200 OOO Arbeitsdienstwilligen gerechnet wird. Dies bedeutet, daß dem Reich»ko>nmislar e i n Betrag von 120 Millionen Mark zur Verfügung gestellt werden muß. Ferner werden die Träger der Arbeiten aus ihren Mitteln weitere 80 Millionen Mark aufzubrin- gen haben. Insgesamt bedeutet dies also eine Auswendung von 200 Millionen Mark. Würde man die Einberufung eines ganzen Jahrganges unserer männlichen Jugend n Betracht ziehen, so bedeutet das nach einem Ab- zug der körperlich Untauglichen einen Einsatz von mehr als 500 000 junger Leute und mithin eine Gesamtaufwendung von rund 500 Millionen Mark. Diese Zahlen lassen schon von der finanziellen Zelle her er- kennen, daß die Forderungen aus Einführung der Arbeitedienstpflicht nicht leicht zu erfüllen sind. ohne daß der privaten Wirtschast erneut große Geldmittel entzogen werden. Hiernach nahm der Reichsarbeitsminister noch kurz Stellung zu der Frag« „Freiivlillger Albeitsdicnst oder Arbcit»- dienstpsUcht". Hier sei vor allem die Frage«illscheidend:„Ist die ideologische Grundlage des Arbeitsdienstes, die eine andere als die der früheren Wehrpflicht ist. trotz der Bewegtheit und polllifchen Zer- jplitterung unserer Jugend so stark, daß die praktische Durchführung der zwangsweisen Arbeits' dienstpflicht ohne Gefahr schwerer inne- rer Spannungen unter den Dienstpflichtigen erfolgen kann? Wird der Geist der Kameradschaft und der Gemeinschastsgedanke in dsn Arbells- lagern nicht durch widerstrebende Dienst- Pflichtige, deren Dienstleistung durch staatliche Zwangsmittel gesichert wer- den muß, beeinträchtigt?" Der Reichsarbeit-- minister betonte, erst dann, wenn man in vollem Bewußtsein der Verantwortung für unsere Jugend diese grundlegende Frage bejahe, könne man in weitere Erörterungen über die Arbeit»- dienstpflicht«intreten. Der Reichsarbeitsminister hat nicht Stellung genommen zu der Frage freiwilliger oder Z w a n g s d i e n st. Er hat nur die Argumente angeführt, die gegen den Zwangsdienst sprechen. Die finanziellen Schwierigkeiten dürften noch größer sein, alz sie vom Reichs- arbeitsminister gesehen werden Denn daß bei einem groß aufgezogenen Zwangsdienst ein kost- spieliger Leitungsapparat unterhallen werden müßte, ist einleuchtend. Daß man als Arbeitskleidung nicht abgetragene Reichs- wehruniformen liefern könnte, ist gleichfalls klar. Und schließlich könnte die Frage nie gelöst wer- den. ein Heer von 250 000 Arbeitern jahraus. jahrein mit zusätzlichen Arbeiten zu be- schäftigen, das heißt mit Arbeiten, die weder den freien Lohnarbeitern noch der Privatwirtschaft Konkurrenz machen. Tariflohn zahlen! �uoh für Notstandsarbeiten Durch langwierige Verhandlungen ist e» der Baugewerkschast Berlin gelungen, die Zahlung der vollen Tariflöhne für die Asphalt- und Tiefbauarbeiter zu erreichen, die auf Grund der nych von Brüning erlaljenen Rot- vcrgrdnung bei öffenllichen Notslandsarbeiten im Rahmen des Brüningfchsn Arbeitsbeschaffungs- Programms beschäftigt werden. Solche Arbeiten werden zur Zeit im Berliner Straßenbau und am Spandauer Schifsahrtskanal beim Saatwinkler Damm und bei der Hinkeldey-B rücke verrichtet. Für derartige ildotstandsarbeiten kaim nach dem Arbeitslosenversicherungsgesetz ein Lohn festgefetzt werden, der nicht dem Tariflohn der entsprechen- den Zlrbeiterkategorie zu entsprechen braucht. Beim Straßenbau mit Hilfe von Reichsmitteln sollten die Berliner Asphaltarbeiter l 0 Prozent unter i h ite m Tarif entlohnt werd-ii. und bei den Notstandsarbeiten am Spandauer Schiffahrtvkanal die Tiefhauarbeiter! o Z ä r l 5 Prozent unter dem Tiefbauarbeiterlohn, also mit 61 statt 72 Pfennig pro Stunde. Für die Asphaltarbeiter ist auf Grund der Bemühun- gen der Baugewerkschast Berlin die untertarif- liche Entlohnung sofort und für die Tiefbau- arbeiter im Berliner Wasierstraßenoou gestern durch eine abschließende Verhandliiiig mit den zu- ständigen Stellen im Reichsarbeilsmiiiisterium abgewendet worden. In beiden Gruppen wird für Notftandsarbeiten im Rahmen des Ar- Keitsbefchaffungsprogramms also der volle Tariflohn gezahlt. Dieser Erfolg, von dem etwa 1000 Arbeiter profitieren, ist in stiller aber zäher Arbeit?m Verhandlungstisch erzielt morden, ohne daß davon in der Oeffentlichkeit Aufhebens gemacht wurde. Bon der REO. wäre sicherlich erst eine Weile „Streiknorberellung" betrieben und dann eine wilde Streikbewegung„auageiöst" worden, die mau dann nach«iiiigen Wochen hätte absacken lassen müssen. Es ist aber gar nicht ausgeschlossen. daß der kommunistische„Einheitsverband" für das Baugewerbe diesen Erfolg für sich noch reklomierl. da es ihm zur Zeit an jeder Art von„Aktionen" gebricht. Gegen Arbeitslosigkeit Der Kongreß des Avstralijchen Eewerkfchasts- bundes hat sich u. a. besonders eingehend mll dem Problem der Bekämpfung der Arbeits- l o f i g k e i t befaßt und Forderungen aufgestellt. Nach ist der FAD. in jeinem Anfangs- st a d i u m und schon häufen sich die Klagen über die Beschäftigung von Arbellsdienstwilliven bei Arbeiten, die weder zusägllch noch gemein- nützig sind. Nicht nur den Bauarbeitern nimmt man die geringe Leschäftigungsmöglichkeit. «pgar als F i l m k o m p a r f e n werden Arbeits- dienstwillige mißbraucht! Der Arbeitsdienst, auch der freiwillige, ist bestenfalls ein, N o t b e h e l f. Er ist teuer. Er mutz ersetzt werden durch eine großzugige öffentliche Arbeitsbeschaffung. Für Arbeitsbeschaffung französische Regierungsvorschläge Auch in Frankreich will man der Arbeits- lofigkeit durch Ausführung großer öffentlicher Arbeiten steuern. Der von der Regierung zu diesem Zweck eingebracht« Ge- segentwurf steht in der Kammer zur Zeit zur De- batte. Der Entwurf beansprucht«inen Kredit von 7,8 Milliarden Franken(13 Milliarden Mark), die durch Anleihen aufgebracht werden die an Deutlich kell nichts zu wünschen übrig lassen. An Hand dar zur Annahme gelangten Entschlie- ßiuigen geben die Presfenachrichten des IAD. die wichtigsten Programmpunkte wieder: „Der Kongreß stellt fest, daß das Problem der Arbeitslofigkell unter dem gegenwärtigen kapi- taliftifchen System nicht gelöst werden kann. Er fordert die Gewerkschaften auf, in gemeinsamer Anstrengung die kapitalistische Wirtschast durch eine Gesellschaftsordnung zu ersetzen, die die Sozialisterung aller Hllfsquellen und Pro- duktionsmittel sowie die Abschaffung der Lohn- sklaverei herbeiführt"... Der Kongreß forderte weller, daß den L o h n h e r a b s e tz u n g e n ein End« gesetzt werden muß. Alle eingeführten Lohn- Herabsetzungen sollen rückgängig gemacht werden. Der Kongreß forderte darüber Hinaus die Einführung der 5>Tagt-Woche(30 Stunden) sowie ein« 2Sprozentig« Her- aufsetzung der Lohnsätze." Weiter wird gefordert: Unterhall aller Arbell»- Die E x p l o s i o n s k a t a st r o p h« aus dem Fabrikneubau der I. G. Farbenindustrie in Prem- nitz bei Rathenow, über die wir bereite in unserer gestrigen Abendausgabe berichtet haben, hat sich nach neueren Meldungen folgendermaßen zu- getragen: Di« Schlosserarbellen auf dem Fabrikneubau sind dem Schlosiermeister T i» in Rathenow übertragen warben. Gestern war nun der Sohn de» Schlossernieisters, unterstützt von drei Lehr, l> n g« n. damit beschäftigt, einen Träger zu durchschneiden. Zwei Lehrling« brachten«in« Sauerstoffslosche heran, dies« entglitt ihren Händen, siel zu Boden und explodierte. Eine solche Sauerftoffflafche wiegt nahezu e i n« n Z e n t n e r. Es ist also mindestens ein« grob« Leichtfertigkeit, mit deren Transport zwei fchipache.Lehrlinge zu beauftragen. Untersucht müßte auch werden, wie es möglich ist. daß mll der Ausführung solcher Arbellen, die Fachkenntnisse er- iardern und auch sonst keineswegs leicht auszu- rühren sind, ein junger Mann mit vre« Ü« h r l i n g e n beauftragt wird. Di« drei unglücklichen Lehrlinge, die dabei ums Leben kamen, sind vielleicht Söhne von Vätern. die müßig zu Haufe sitzen, weil sie keine Arbell haben. Billig, immer noch billiger sollen Arbeiten ausgeführt werden. Ob die Ar- bellen auch sachkundig ausgeführt werden und welche wirtschaftlichen Folgen dieser uferlose Druck auf die Löhne haben muß, danach fragt niemand. Wie teuer aber unter Um- ständen dieser Lohndruck werden kann, da» zeigt erschreckend die Explostonekatastrophe von Premnitz. Es wird zu untersuchen sein, ob der Schlosser- meister, der diese Arbeiten auszuführen hatte, die gewerblichen Vorschriften eingehalten hat. Wir halten es für absolut unzulässig, daß Lehrlinge mit dem Transport von so schweren und so gefährlichen Gegenständen beauftragt werden. Es ist auch die Frage zu untersuchen, ob in Rathenow nicht ein« Beschränkung In der Zahl der Lehr« l i n g« im Verhältnis zur Zahl der Arbeiter be- steht, und ob diej« Vorschriften auch«ingehalle» worden sind. Kostbare Menschenleben smd vernichtet worden. Der materielle Schaden, der durch die Explosion»» katastrophe angerichtet worden ist. dürfte auch schwer in» Gewicht fallen. Wer auch die Schul- digen sein mögen: es liegt auf der Hand, daß die unmittelbare Ursache der Katastrophe ein« Lehr» lingsausbeutung ist, die nicht geduldet werden kann. Die eigentliche Ursache aber ist jener uferlose Lohndruck, der dazu führt, die Arbeiter möglichst umsonst zu bekommen. Halb« Kinder werden dem Tode überantwortet, während ihre Väter zur Arbeitslosigkeit verdammt sind. Ausschank direkt vorn Faß, Kostproben gratis, BERLIN; *N. BrunnenstraBe 42 »N, MüllerstraSe 144 *N. Chausseestraße 76 O. Koppenitraßa 87 •N, Prenzlauer Allee 50 *N. Schlvelbeiner Str. 6 »O. Peteraburger Str. 42 »SO, Grünauer Str. 15 *SO,KöpenlckerStr.134/5 •$W, Bergrnannitr. 11 •W, Marti n• Luthe r-St r. 86 •NW. GotikowakyKr.31 •NW. WllsnackerStr. 25 »Steglitz: Sehloßstr. 121 Lankwitz: Charlottenatr. 34 *Charlottenburg:WilmersdorferStr.157 •Neukölln: Berliner Str. 12, Hermann- Straße 27 und Bergstr. 66 •Schöneberg, Kolonnenstraße 7 •Obersehönew.:Wilhelmlnenhof»tr 40 •Spandau; Potsdamer Straße 23 ♦Welßonsee: Berliner Allee 247 •Tempelhof: Berliner Straße 15? ♦Pankow; Wollankstraße 98 •Lichtenberg: Wltmarplatz! Reinickendorf: Markstraß« 45 Sehmargendorf: Berkaer StraBe 5 Potsdam: Charlottenstraße 69 •Oranienburg: Berliner Straß# 1 SimtliclM»ftti« okne Glw. Erstklassiger süßer Apfelwein, Dessert, 12/14% Deuert-Johannltbearwein das Feinste. 12/24% Dessert-Klrschweln„tzdelklasse".... 12/14% Deutscher Wermyt............. 16% Echt«panlscherTarragooe„unverschnttten" 16% Echt spanisch. Malaga.„unvertchnitien" 16% Echt IUI. Dessertwein, gold,. 18% Echter Original Insel Samot,....... 18% Echter Douro-Portweln. eigener Import. 20% Echt spanischer Rotwein, tiefdunkel....... Echter weißer süßer Bordeaux, Original.... 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