Abend- Ausgabe Nr. 578 B281 49. Jahrg. Medaktton und Verlag, Berlin 8W 68, Lindensir. 3 017 Ami DSnhojl 282 bu 207 Selegtammobtcff«! Oejtütbtmoftot B«rlw BERLINER VOLKSBLATT DONNERSTAG S.Dezember 1932 In Groß- Berlin Ii) Pf. Auswärts... �. 10 Pf. Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise siehe Morgenausgabe Jentvalovga« der GozialdemoLvatischen Partei Deutschlands Sachliche Arbeit Verkassungsänäerung auf nationalsozialistischen Antrag lieber der Prügelei gestern im Reichstag soll man interessantere Dinge nicht rerg�ssen Prügeleien im Parlament sind ja leider nur das Gewöhnliche. Aber kann man sich etwas Ungewöhnlicheres vorstellen, als daß d i e Nationalsozialisten einen(3eseg- entwurf einbringen, den der deutschnationale Freytagh-Loringhovcn mit Recht als eine Maßnahme zum Schuß derRe- publik charakterisiert, daß der Sozial- demokrat B r e i t s ch e i d den schweigende» Antragsteller» die Mühe der Begründung abnimmt und daß dieser Entwurf, der eine Abänderung der Verfassung bezweckt, in erster und zweiter Lesung mit mehr als Zweidrittelmehrheit angenommen wird? Warum die Nationalsozialisten für die Be- stimmung sind, daß ein verstorbener oder an der Amtsführung verhinderter Relchspräsi- dent bis zur Wahl des Nachfolgers vom Präsidenten des Reichsgerichts vertreten wird, das kann man nur erraten; sie selbst haben es nicht gesagt. Warum die Sozial- demokratie als zweitstärkfte Partei und als Oppositionspartei dem nationalsozialistischen Vorschlag zustimmt, hat Breitscheid über- zeugend dargetan. Uns kommt es darauf an. den Sinn der Verfassung zu erfüllen und das Recht des Volkes, in freier unbeeinflußter Wahl den neuen Reichspräsidentelt zu wählen, sicherzustellen. Dieses Recht könnte eines Tages gefährdet werden, wenn ein abenteuerlustiger Reichskanzler nach dem Ausscheiden des Reichspräsidenten zunächst alle Macht in seiner Hand vereinigte. Die Gefahr eines monarchistischen Kom- p l o t t s wird entschieden verringert, wenn der Präsident des Reichsgerichts automatisch in die Stellvertretung einrückt. Der nationalsozialistische Antrag stellt also objektiv, was immer die Antragsteller bei ihm gedacht haben mögen, einen Gesetz- entwurf zum Schutz der Republik dar— und da die sozialdenwkratische Reichs- tagsfraktion gegenüber allen Anträgen, auch ihrer schärfsten Gegner, keine andere Stel- lungnahme kennt als die rein sachliche, war ihre Zustimmung von selbst gegeben. Tatsache ist, die Verfassung von Weimar wird in einem wichtigen Punkt geändert aus Vorschlag der Nationalsozialisten mit Zu- stimmung der Sozialdemokraten. Die An- Hänger Hitlers werden sich vielleicht eine Verfassungsänderung durch die National- sozialisten etwas anders vorgestellt haben— aber das ist ja nicht unsere Sorge. Wollen sie sich weiter als Schützer des „S y st e m s" betätigen, unserer Unterstützung können sie dabei stets gewiß sein. Aber, alle Ironie beiseite! Eines lehrt der Vorgang, und das ist das wichtigste: Die Nationalsozialisten werden nicht mehr be- haupten können, daß jede parlamentarische Arbeit nutzlos und unfruchtbar bleiben müsse. Sie werden sich nicht mehr daraus ausreden können, daß es für vernünftige Vorschläge keine Mehrheit im Reichstag gebe. Adolf Hitler wollte bekanntlich dem Reichspräsidenten binnen 48 Stunden e i n „kurzes P r o g r a m tn" unterbreiten, das alle Not und alles Elend„unmittelbar lösen" sollte. Er hat es in der Tasche behalten, weil er nicht Reichskanzler geworden ist. Wir fordern noch einmal Veröffentlichung dieses „kurzen Programms" und seine schleunige Einbringung im Reichstag. Hier ist Rliodus! Komm und zeige Deine Kunst! Hier wird getanzt! Oder trolle dich und schweige. Wenn du hier nicht tanzen kannst! 10 Millionen AntersMtzungsbedllrstige! Weit über zwei Millionen allein Wohlfahrtserwerbslose Die der veollche Städletag mitteilt, ist die Zahl der D o h I s a h r l s e r w e r d s l o s c n trotz der leichten Beiserung der allgemeinen Arbeitsmarkllage weiterhin stark gestiegen und Hot am Zt. Oktober mlt rund 2S00000 einen neuen Höchststand erreicht. Diese Zahl, die aus Grund der Slalistit des Städtelages ermillcll ist, umfaßt olle arbeitsfähigen Erwerbslosen, die von den Gemeinden lausend unterslühl werden müsien. Sie ist u m rund 400000 höher als die Ermilllungen der Arbeilsämler, die bekanntlich feil August lZZ2 nur einen Ausschnitt der Dohlsahrtserwerbslosen erfassen. Die Gemeinden betreuen augenblicklich über S0 pro;, oller unlerstühten Arbeitslosen. ★ Vach einer Milleilung des Deutschen Städte- tage? wird die Zahl der Dohlsahrtserwerbslosen für Ende Oktober mit 2 600 000 angegeben, während die amtliche Zählung nur 2 200 000 ergeben halte. An amtlicher Reichs- stelle ist man der Meinung, daß die Differenz von 400 000 daher kommt, daß die Gemeinden nach anderen Gesichtspunkten die Zählung vornehmen als die, die in der September-Votverordnung festgelegt worden sind. So hatten am Zl. Oktober die Bezirksfürsorgeverbände allein in Preußen 1 7ZZ 000 Wohlfahrtserwerbslose gemeldet, während die Reichsanstolt die Zahl mit k 42S 000 angab. Die Difserenz stammt daher, daß die Reichsanstalt einen Teil der Zölle nicht anerkannte, nämlich 2Zg 000, während 4S 000 Zölle noch schwebten. Zm Ganzen nimmt man an amtlicher Reichs- stelle an. daß die Zahl der Erwerbslosen zusammen mit den aus ösfenllichen ZNitleln unter» stuhlen Rentnern— Sozialrentner. Angestellten- Die Llnglücköflätte in Tremnitz 12 l'ote— Bergungsarbeiten eingestellt Die Untersuchung der furchtbaren Erplosions- kotastrophe in Premnitz wird von der Staats- anwallschaft Potsdam und dem Amtsgericht Rathenow geführt. Dabei sind bisher folgende Feststellungen getroffen worden: Die Arbeiten, i» deren Verlaus sich das Unglück ereignete, wurden in einem Teil des Fabrikgebäudes vorgenommen, der feit zehn Jahren nicht mehr benutzt worden war. Cs handelte sich darum. ständigen ist es aber ausgeschlossen, daß selbst bei der Explosion von insgesamt drei Sauerstofflaschen eine so entsetzliche Wirkung, wie in diesem Fall. hätte eintreten können. Man geht deshalb noch anderen Ursachen dieser furchtbaren Katastrophe nach. Es standen in diesem lange nicht benutzten Arbeitsraum aste Zentrifugen, von denen eine sich in nächster Nähe der Stelle befand, wo die Schweißarbeiten durchgeführt wurden. Diese Metallträger durchzusch weihen, und zwar war mit dieser Arbeit der Schlossermeister T h i e aus Rathenow mit drei Gesellen beschäftigt. Fünf Minuten vor der Explosion Höne ein Ar- bester, der durch den Raum ging, den Meister sagen:„Nanu, da hat man mir ja eine leere Flasche geliefert. Aber das macht nichts, ich habe mir ja andere Sauerstofflaschen mitgebracht." Von diesen Angaben eines Zeugen wurde bei der Untersuchung der Trümmer ausgegangen. Man fand von der für die Schweiharbeilen benuhtea Sauerflofflasche nur uoch ganz kleine Teile. außerdem aber zwei Sauerstosslaschen, deren Perschluß beschädigt war und die beide leer waren. lo daß damit gerechnet werden muh, daß die von d-m Meister für leer gehauene Flasche doch gc- füllt war und daß chr Jnhall zusammen mit dem der anderen noch aufgefundenen Flasche in die Lust gegangen ist. Nach Ansicht der Sachver- renlner, Kleinrentner, Kriegsbeschädigten— rund 10 Millionen beträgt! Die Not der Arbeiter Der Reichspräsident empfing heute vormstiog eine Abordnung des Gesamtverbandcs der ch r i st- l i ch e n Gewerkschaften, die ihm die Not- läge der Arbeiterschaft vor Augen führt« und Vorschläge zur Linderung der Not unter- breitete. Der Reichspräsident sagte die ckingehende P r ü s u n g dieser Lorschläge zu. Zentrifuge ist mitexplodiert und in- solgedessen nimmt man an. daß in ihr noch irgendein Gasgemisch enthalten war, dessen Explosion die eigentlichen verheerenden Wirkungen zur Folge gehabt hat. Welcher Art diese Gas- Mischung war, hofft man vielleicht bei der heute stattfindenden Obduktion der sieben ge- borgenen Leichen, die zum Teil schwer verbrannt sind, sestzustellen. Von den übrigen vier Opfern sind bekanntlich nur noch ganz wenige Teile und Kleidersetzen gesunden worden. Mit Schießbaum- wolle ist, wie weiter betont wird, in dieser Fabrik nie gearbeitet worden, auch nicht mst Säuren, die Dämpfe hätten erzeugen können. Durch den unter dem Explosionsherd gelegenen Raum führen lediglich Abflußrohre für Schwefel- säure, die aber nach Auffassung der Sachver- ständigen mst der Explosion Überhaupt nichts zu tun haben können. Die Wache im Reichstag Nicht I�riminalbeamte, sondern Schupos in Zivil Gegenüber Meldungen, die besagen, daß bei den gestrigen Zusammenstößen im Reichstag Kriminalbeamte tätig ge- wesen seien, erfahren wir aus dem Berliner Po- ltzeipräsidium, daß Kriminalbeamte im Reichstag überhaupt nicht anwesend waren und sind. Es handelte sich um Schupobeamte in Zivil, die die sogenannte Präsidialschutz wache bilden, und von denen einer in dem Handgemenge zwischen nationalsozialistischen und kommunistischen Abgeordneten eine schwere Kopfver- l e tz u n g erhielt. Diese Wache hält sich ständig in dem Raum hinter dem Präsidentensitz auf und ist, wie man annimmt, gestern vom Präsidenten um ihr Ein- greisen ausdrücklich ersucht worden. Scbrikttührerin Bohm-Schuch Hugenberg hat die Wahl zum Schriftführer des Reichstages abgelehnt. An seine Stelle ist mm- inehr Genossin Bohm-Schuch gewählt worden. Nicht sehr iromin Vor der Eröffnung des Reichstags haben Gottesdienst« für katholische und evangelische Abgeordnete stattgefunden. Von der evangelischen Zeremonie im Berliner Dom liegt ein« Photographie vor. Es nahmen daran teil der Reichspräsident, Regierungsvertreter und Abgeordnete. Das Bild zeigt etwa 30 Teilnehmer. Zieht man die Begleitung des Präsiden- ten und die Regierungsvertreter ab, so bleiben etwa zwei bis drei Dutzend Abgeord- n e t e. Es hat also noch nicht einmal die deutsch- nationale Fraktion daran geschlossen teilgenommen. Der Reichstag scheint also— trotz allem Geschrei nach einem christlichen Kurs von rechts— nicht sehr fromm zu sein. Auch nicht auf der Rechten. Werkjahr a. D. Bin Papen-Bian gefallen? Der frühere Reichskanzler von Papen halle seinerzeit in seiner Rede in Münster und in West- falen den Gedanken eines W e r k j a h r e s in die Oefsentlichkeit gebracht, wonach Studenten zwischen der Reifeprüfung und ihrem Uebergang an die Universität ein Jahr lang eine Art Arbeitsdienst leisten sollten. Hierzu wird jetzt„von zuständiger Stelle" er- gänzend bemerkt, da gerade in der letzten Zeit die Frage des Werkjahres erörtert worden ist, das zum ersten Male am l. April 1933 in Erscheinung treten würde, daß dieser Papensche Gedanke ja noch in keiner Form in irgendeiner Notverordnung seinen Niederschlag gesunden habe. Wenn auch die Reichsregierung abschließend zu dieser Frage noch nicht Stellung genommen hat, so kann man wohl doch jetzt schon sagen, daß sie den Gedanken des Werkjahres endgültig fallen gelassen hat. Man hofft, daß die sozialen Gesichtspunkte, die mit dem WerkZahr verfolgt werden sollten, vielleicht aus andere Weise verwirklicht werden könnten, zumal durch das Werkjahr eine starke finanzielle Belastung des Reichsetats er- forderlich wäre. Büdimx wird eingeschnürt Der Reichskommissar für das preußische Kultus- niinisterium hat an d>e Fakultäten der preußischen Universitäten eine Verfügung gerichtet, die eine versuchsweise Einführung eines numerus clausus an den Universttäts- instituten gestattet, um der Uebersüllung der Hoch- schulen Herr zu werden. Die Leiter der einzelnen Kliniken, Institute usw. dürfen die H ö ch st z a h l der Studenten bekanntgeben, die dort eine geordnete Ausbildung erhalten können, und die darüber hinaus sich meldenden Studenten ab- weisen. Drei Kinder erstickt TVagodie im Siedlerheim Eigener Bericht des„Vorwärts" Breslau, 8. Dezember. 3n Beschine bei W i n z i g im kreise wohlau in Schlesien ereignete sich Ia der Familie des An- siedlers Ger lach ein schweres Unglück. Gerlach halte am Dienstagabend holz zum Trocknen hinler den Osen gelegt. Zn der Rächt begann das holz zu glimmen. Die Rauchentwicklung wurde so stark, daß die im gleichen Zimmer schlafenden drei Kinder erstickten. Die Kinder standen im Aller von?, 4 und ö Jahren. AlexanberFröhlich gestorben Nach längerer schwerer Krankheit ist im Alter von 74 Jahren unser Genosse Stadtrat a. D. und Stadtältester Alexander Fröhlich ge- st o r b e n Mit ihm ist einer der Alten, die bereits unter dem Sozialistengesetz treu zur Partei standen, dahingegangen. Der ihm angeborene soziale Sinn hat Fröhlich, der aus dem bemittelten Bürgertum stammte, schon in jungen Iahren die Nöte der Arbeitelschaft erkennen lassen. Bereits in seiner Vaterstadt Katscher hat der junge Kauf- mann als Stadtverordneter für die Ideen des Sozialismus gewirkt. Anfang der neunziger Jahre kam er»ach Berlin und wurde im damaligen 3. Wahlkreis bald einer der Genossen, die nicht nur mit gutem Rat, sondern auch mit starken materiellen Opfern der Partei dienten. Vom Jahre 1912 ab war er als Stadtverordneter, von 1919 ab als unbesoldeter Stadtrat für die Gemeinde Berlin tätig Nach der Neugestaltung der Stadt- gemeinde im Jahre 1929 wurde er mit dem Amte eines unbesoldeten Stadtrats für den Be- zirk Prenzlauer Berg betraut. Als er 1926 seines vorgerückten Alters wegen aus den Diensten der Stadt ausschied, dankte ihm diese für seine treue Arbeit durch die Ernennung zum Stadtältesten. Die Partei wird Alexander Fröhlich für die ihr allzeit erwiesene Treue ein ehrendes Andenken bewahren. Die Beisetzung findet Freitag, 9. Dezember, 12 Uhr, auf dem Jüdischen Friedhof, Weißensee. Neue Halle, statt. Geisteskrank? lvein Geständnis des Wuhlheide- Mörders Der unter dem dringenden verdacht des Rlordes an der 46 Jahre allen Frau Emma Sommerfeld festgenommene frühere Büchsen- macher Heinrich Werner ist noch in der Nacht einem kurzen Verhör unterzogen worden. Die Vernehmung muhte alsbald abgebrochen werden, da w. auf die Fragen des Mord- kommissars nicht reagierte. Die weiteren verhöre müssen sehr vorsichtig geführt werden, da man es bei Werner offenbar mit einem g e i st e s- kranken Menschen zu tun hat. w. Hai bereits 8 Jahre in einer Heilanstalt zugebracht. Die Polizei ist der Meinung, daß an der Täter- schaft Werners kein Zweifel besteht. Als die Be- omten gestern in der Wohnung des Mordverdäch- tigen in der Stendaler Straße erschienen, war Werner nicht anwesend. Daraufhin wurde der Keller und der Boden durchsucht. Ein Boden- verschlag war von innen mit einer alten Matratze verstellt. Als die Beamten das Hindernis beseitigt hatten, fanden sie den Gesuchten auf. Er lag offenbar bewußtlos auf der Erde und hatte einen Hanf strick um den Hals. Starke Strangu- lationsmale am Hals lieferten den Beweis, daß Werner versucht hatte, sich zu erhängen. Der Strick war aber so dünn, daß er gerissen und der Selbstmordkandidat bewußtlos zu Boden ge- funken war. In der Hand Werners wurde ein Abschiedsbrief gesunden, über dessen In- halt sich die Mordkommission noch ausschweigt. Bei der Durchsuchung der Wohnung fanden die Beamten den grauen Marengomantel, die schwarze steife Glocke und den gelben Spazier- stock, den W. bei der Tat bei sich geführt hatte In einem Kasten lagen 9 Patronen von demselben Kaliber, mit dem die Frauen unweit des Bahn- Hofes Wuhlheide niedergeschossen worden waren Die Pistole, die Werner noch wenige Tage vor der Wahl im Besitz hatte, ist verschwunden. Vsarrer, Gras und der Sprengstoff Aufsehenerregende Verhaftungen in Schlesien— Der„Standartenpfarrer" in Haft Waldenburg, 8. Dezember. Tie Vernehmungen der bisher in der Kynaner Spreng st offdieb st ahls- angelegen heit Verhafteten ergaben, daß neben dem Baron von Zedlitz und Neukirch, feiner Hausdame Zydow und dem Förster Tietze noch andere Personen in die Angelegenheit verwickelt sind. Wie die Fustizpressestelle Breslau mitteilt, wurden daher gestern Pastor Fuchs in Dittmannsdorf sowie der Land- Wirt des Gasthauses„Zur Brauerei" in Kynau, Franke, polizeilich festge- n o m m e n und dem Gericht zugeführt. Pastor Fuchs war Standarten- Pfarrer bei der SA. und ist als Zeuge im Reichenbacher Atten- tatSProzest vernommen worden. Gr wurde, wie erinnerlich, damals nicht vereidigt, da der Verdacht der Be- günftigung bestand. Dorf in Waffen Ergehnisse einer Durchsuchung Gleiwih, 8. Dezember. Im nahegelegenen Schönwald wurden in letzter Zeit mehrere Spreng st offanschläge ver- übt. U. a. wurde in den Vorgarten des Hauses eines Polizeibeamten ein Sprengkörper geworfen, der aber nicht explodierte. Infolgedessen ordnete der Polizeipräsident eine Durchsuchung sämtlicher Gehöfte nach Sprengmaterial, Waffen und Munition an. Die Aktion begann am Mittwoch früh unter Einsatz erheblicher Kräfte der Schutz- und Kriminalpolizei. Bei der Durch- suchung wurden folgende Gegenstände gesunden: zwei Gewehre 98, vier Karabiner, fünf Pistolen, sechs Trommelrevolver, fünf Teschings, ein Taschentesching, 1984 Gewehrpatronen, 339 Pi- stolenpatronen, 192 Teschingpatronen, 16 Jagd- Patronen, 9 Gummiknüppel. 1 Totschläger, 16 Seitengewehre, 1 Dolch, 4 Gasmasken, 8 Stahlhelme, 3 Eierhandgranaten, 1 Stielhand- granate, 3 Sprengkapseln, 9 Elektrozünder, 3,39 Meter Zündschnur, 1 Artilleriegeschoß, 2 Granatzünder, 1 Vernebelungsgranate, 1 Ma- schinengewehrkasten mit Gurt und 195 Schuß, außerdem Maschinengewehr- und Maschinen- pistolenzubehör und noch andere Stücke, die der Beschlagnahme nach dem Kriegsgerötegesetz ver- fielen. Drei Personen wurden wegen Spreng- stoff- und Waffenbesitzes festgenommen. Sie ge- hören der Nationalsozialistischen Partei an oder stehen ihr wenigstens nahe, wie das ganze Dorf stark naziverseucht ist. Während der Durchsuchung wurde auch die Mordkommission alarmiert, weil in einem Gehöft eine Leiche gefunden war. Es wird aber angenommen, daß der Aufgefundene nicht ermordet wurde, sondern daß Selbstmord vor- liegt. Gin Menschenleben — 372 Jahre Gefängnis Essen, 8. Dezember. Das Sondergericht Essen verurteilte am Mitt- woch den Nationalsozialisten Werner aus Buer, der an einem Iulimorgen den R e i ch s- bannermann Schlenkhoff aus Buer durch einen Herzschuß getötet hatte, wegen Totschlags zu Jahren Gefängnis und fünf Jahren Ehrverlust. Werner war an dem fraglichen Morgen aus Reichsbannerleute gestoßen» und hatte nach einem kleinen Wortwechsel ge- schössen. Die erbitterten Reichsbannerleute ver- absolgten ihm daraus eine Tracht Prügel, von der er sich erst im Krankenhaus erholte. Der An- geklagte befand sich bis zur Fällung des Urteils auf freiem Fuß! Mildes Gondergericht ?ol!tilr— Is nich! B unzlau. 8. Dezember. Vor dem Liegnitzer Sondergericht hatten sich der 21jährige SA.-Mann Friedrich Euler und der 18jährige Nazi Herbert Rosenblatt wegen schwerer Körperverletzung aus politischen Motiven, schweren Hausfriedensbruchs, Waffen- mißbrauch?. Sachbeschädigung usw. zu verant- warten. Die Nazis hatten am Abend des 39. Juli, also am Vorabend der Wahl, in Alt-Warthau, Kreis Bunzlau, wo sie zu Hause sind, auf der Straße den Reichsbannerkamerade» Fleischer Willi Iautze angehalten und so mit der Faust geschlagen. daß er in den Straßengraben fiel. Vor der Ueber- macht flüchtete Iautze in seine Wohnung. Die Nazis verfolgten ihn und oersuchten die Tür auf- zubrechen. Dies gelang nicht, da die Türklinke abbrach. Nun riß Euler aus dem Gitter des Fensters einen Eisenstab heraus und kroch durch das Fenster, Rosenblatt hinter ihm her. Dann bearbeiteten beide den Kameraden in viehischer Weise mit einer Stahlrute oder einem Gummi- knüppel und den Fäusten. Der Reichsbanner- kamerad mußte ärztliche Hilfe m Anspruch nehmen. Der Arzt stellte schwere Verletzungen am Kopf und am ganzen Körper fest. Das Sondergericht erkannte wegen dieses brutalen Ueberfalls gegen Euler nur auf vier Monate zwei Wochen Gefängnis und gegen Rosenblatt gar nur auf zwei Monate Ge- fängnis. Dabei hieß es beschönigend in der Urteilsbegründung, politische Motive seien bei dem Naziübersall nicht erwiesen! Gtudeni verstecke! Bevor die Bolissei kommt Eigener Bericht des„Vorwärts" Braunschweig. 8. Dezember. Der„Volksfreund" hatte kürzlich einen D i e n st- plan der Nazistudenten an der hiesigen Technischen Hochschule veröffentlicht, aus dem her- vorgeht, daß sich die jungen Parteifreunde des Herrn Klagges statt zu studieren mit der Aus- bildung im MG.- Schiehen und im Ge- brauch der Schußwaffe ausbildeten. Die Polizei nahm infolgedessen in den Räumen der Hochschule eine Waffensuche vor. die jedoch zu spät kam. Die Nazistudenten hatten ihre „Studienobjekte" in Sicherheit gebracht. Der Mord um 5 Mark Der 23 jährige Mörder der Sprachlehrerin vor Gericht 10! Es ist ebenso grauenhaft wie mühevoll, den 23jährigen Stuttgarter Friedrich Stark, den Mörder der italienischen Sprachlehrerin Frau Ella Carl, geborene B r u s c a t o, anzuhören. Sein Schwäbisch bleibt meist unverständlich, er stößt die Sätze ruckweise hervor, in größter Hast, macht starke Bewegungen mit den Händen, schneidet dabei Grimassen, gibt trotzig gereizte Antworten. Wird er vom Vorsitzenden, der ihn nicht verstehen kann, angeschrien, so schweigt er, als könne er nicht weiter, um dann wieder in sein hastiges Schwäbisch auszubrechen. Es ist ein krankhafter, verbitterter Fürsorge- zögling, der in seiner früheren Jugend viel Streiche gemacht, das Gefängnis kennen gelernt, den Bater zuletzt auch bestohlen hat; als ihm das Elternhaus verboten wurde, fuhr er im August nach Berlin, um sein grausiges Verbrechen zu be- gehen. Er fand Arbeit als Zeitungsverkäufer in einem großen Verlag. Eine Woche später war er ohne Arbeit, erhielt sechs Mark W o h l f a h r t s- Unterstützung und besorgte sich eine Stempelkarte. Er trug sich mit dem Gedanken, nach Stuttgart.zurückzukehren, in einem Brief bat er seinen Freund, ihm 29 M. zu schicken, damit er sich eine Fahrkarte kaufen könne. Seine Wäsche, seine Anzüge hatte er bis auf den Smoking ver- kauft. Er hatte auch zwei seiner Bekannten be- stöhlen, war aber immer wieder ohne Geld. Der verhängnisvolle Besuch Am 7. September suchte er die Sprachlehrerin B r u s c a t 0, Tempelhofer User 32. aus, weil er gelesen hatte, daß bei ihr ein Zimmer zu ver- mieten sei. Er brauchte eigentlich keins, weil er im Männerheim Unterkunft hatte. Man wurde handelseinig, er zahlte 5 Mark an. Einige Stunden später kehrte er zurück und wollte die 5 Mark wiederhaben Ueber das. was nun geschah, erzählt er in seinem Schwäbisch noch einmal alles, was schon durch die Voruntersuchung bekannt geworden ist. Es sei zu einem Kampf gekommen. Die Frau habe sich sehr gewehrt:„Sie hat mich dann in den Daumen gbtsse. Ich hatte schreckliche Schmerzen. Hab geschriee, sie solle loslassen, sie hat immer weiter gbisse, da Hab ich ihr die Luft abgeschnitte." Nach der Tat ging er in» andere Zimmer, zog sich bei dem Mieter der Frau Bruscato um. fand ihre Handtasche, entnahm ihr 6 Mark, kehrte zu Frau Bruscato zurück. Diese stöhnte immer noch. „Da verlor ich die Gduld, ich könnt' das Gstöhne nit ertrage, nahm einen Fetze von ihre Kleid und habe es ihr um den Hals gebunde. Sie hat ruhig sein müsse." Er packte in«inen Kojser die Sachen des Mieters, schloß sämtliche Türen ab und ging davon. Die Sacken verkaufte er und besuchte noch am selben Abend ein Kino. Am nächsten Abend wollte er noch eine Mondschein- fahrt machen und fuhr nach Stuttgart. Hier wurde er bei einem Freund verhaftet. Gasiarisfenkung? Vor den Mitgliedern des Vereins Berliner Hotels und verwandter Betriebe sprach Bürger- meister Elsas über„Gemeindefinanzen unter Berücksichtigung der Beziehungen der Wirtschast' zu den Gemeinden". Der Redner schilderte noch einmal die katastrophale Lage der Berliner Finanzen, die durch die dauernd steigenden Wohl- sahrtslasten bei sinkenden Steuereinnahmen ein- getreten ist. Er richtete an das Reich einen neuen Appell, die lange versprochene Hilfe für die Reichshauptstadt endlich zu gewähren. Zur Frage der T a r i s p o l i t i k der Gemeinden sagte Bürgermeister Elsas: Aus den Betrieben der Gemeinden sei nichts mehr herauszuholen, denn an Tariferhöhungen oder an weitere Rationalisierungen könne nicht gedacht werden. Unter lebhaftem Beifall versicherte der Bürgermeister, daß im Gegenteil schon für den Januar an eine erhebliche Senkung der Gastarise für gewerbliche Zwecke gegangen werden solle. Die BVG müsse unter allen Umständen in öffentlichem Besitz bleiben. Und deshalb müßten auch für die nächste Zeit alle Maßnahmen bei diesem Unternehmen nur von dem Gesichtspunkt der finanziellen Verantwortlichkeit, getroffen werden. Krifenluft in Paris Mißtrauen gegen Herriot in der Schuldenfrage Paris, 8. Dezember. Die Verwirrung, die in Paris Über das Schuldenproblem herrscht, hat sich am Mittwoch- abend bis ins Groteske gesteigert. Alle Ver- p s l i ch t u n g« n, die der Ministerpräsident am Nachmittag für sein Erscheinen vor den zuständigen Kommissionen und für die Anberaumung einer öffentlichen Kammerdebatte übernommen h�tte, sind am Abend wieder umgeworfen worden. Nach einer längeren Unterredung, die Herriot am späten Nachmittag mit den Vorsitzen- den der Finanz- und Budgetausschüsse der Kammer und des Senats sowie mit dem früheren Ministerpräsidenten Lavai hatte, erklärte der Ministerpräsident, daß er den Donnerstag für seine Besprechungen mit den Engländern benötige. Er könne daher die Kommissionen e r st am Freitag oder Sonnabend über die Hai- tung der Regierung in der Schuldenfrage unter- richten, so daß die Debatte im Plenum frühestens am Montag stattfinden könne. Diese erneute Vertagung hat in parlamentari- schen Kreisen großes Mißfallen erregt. Man verdächttgt die Regierung, daß sie die Debatte absichtlich so weit wie möglich hinausschiebe, um die Kammer in der Nacht zum 15. Dezember vor vollendete Talsachen zu stellen. Es ist daher nicht ausgeschlossen, daß die Kammer noch in dieser Woche über das Datum der Debatte einen Beschluß fassen wird, bei der die Regierung leicht in Schwierigkeiten geraten kann. Das ist um so eher möglich, als die Regierung, wie der „P o p u l a i r e" mitteilt, schon einen prinzipiellen Beschluß über die am 15. Dezember einzunchmende 5ialtung gefaßt haben soll, der allerdings nach den Verhandlungen mit Macdonald und Chamberlain noch geändert werden kann. Nach dem„Populaire" will die Regierung den Betrag der Schuldenrate, etwa 599 Millionen Franken, bei der hiesigen Depositenkasse der französischen Sparkassen hinterlegen und festlegen und, wenn die amerikanische Regie- rung aus der Zahlung besteht, ein Verfahren vor dem Haager Gerichtshof einleiten. Ueber die Bedingungen, unter denen dieses Ver- fahren in die Wege zu leiten ist, hat am Mitt- wochabend im Quai d'Orsay eine Beratung statt- gefunden, an der äußer mehreren Ministern eine Reihe bekannter Juristen teilgenommen haben. ftvlland-Deutschland Keine Arbeiterhilfe Eigener Bericht des„Vorwärts" Amsterdam, 8. Dezember. Seit langem wird in Holland über rigoroses Vorgehen der deutschen Behörden gegen Holländer geklagt, die in Deutschland seit vielen Jahren ihren Wohnsitz haben, nunniehr aber arbeite- los geworden sind. Die niederländische Regie- rung hat sich daher vor kurzem mit der deut- sehen Regierung ins Benehmen gesetzt, um ein Gegcnseitigkeitsob kommen für A r- b e i t s l o s e zu tressen, wonach niederländische Arbeiter in Deutschland ohne weiteres der deutschen und umgekehrt deutsche Arbeitskräste in Holland der niederländischen Arbeitslosenunterstützung teil- hastig werden sollen. Die deutsche Regie- rung erklärte, die in den beiden Ländern be- stehende Regelung sei so verschiedenartig, dost sie sich an dem Abschlug eines solchen Gegenseitig- keitsad kommen? nicht beteiligen könne. Die eingeleiteten Verhandlungen wurden nicht fort- gesetzt. Das ist nicht nur für die arbeitslosen Holländer in Deutschland, sondern auch sür Tausende deutscher Arbeiter und Angestellter in Holland«ine schwer« Enttäuschung. Man sollte meinen, dag sich trotz aller Ver- schiedenartigkeit der Unterstützungsverhältnisse hüben und drüben doch bei etwas gutem Willen ein Weg zu einer loyalen und sozial«» Unier- stützungeregelung finden ließe. Mit dem bloßen Rein-Sagen ist den Arbeitslosen nicht gedient. Ueberdies dürste in Holland nach dem Scheitern der Verhandlungen nun di« Flucht aus der deutschen Staatsangehörigkeit in verstärktem Umfang einsetzen, und in Holland arbeiten mehr Deuriche als Holländer in Deutsch- land. Aber so war es ja von jeher: wenn es sich um Hllfe sür die Kleinen handelte, wurden die Auslandsdeutschen vom Reich noch immer im Stich gelassen. Trotzkiö Rückreise Ueber Italien abgeschoben Eigener Bericht des„Vorwärts" Paris, 8. Dezember. T r o tz k i, der in der Nacht zum Mittwoch in Marseille eingetroffen und sofort an Bord eines italienischen Dampfers gebracht worden war, hat diesen Dampfer mit Genehmigung der Polizei nach einigen Stunden wieder verlassen, da er in- folge der Geräusche, die die Ladekräne ver- �Veckssl im„Innern INNENMINISTERIUM <( Eroberer im Änkareich Große Erfolge der deutschen Anden-Expedition Bor sechs Monaten reiste in aller Stille eine kleine, aber ausgewählte Truppe von Wissen- jchaftlern und Bergsteigern unter Führung des bekannten Alpinisten Dr Borchers nach Peru, um dort di« bisher von Weißen kaum betretene Cordilliera Bianca zu durchforschen. Die besten Bergsteiger der Welt, darunter der berühmte Erwin Schneider aus Innsbruck, gehörten dieser Expedition an. Es nahmen ferner teil der Heidelberger Privatdozent Dr. K i n z l als Spe- zialist für Gletscherkunde, ein Kartograph, ein Arzt, und nickst zuletzt hatt« Prof. Regener, der hervorragende Forscher der kosmischen Strahlen, seinen Assistenten H o e r l i n entsandt, der aus den Gipfeln der Cordillieren Messungen der Höhenstrahlungen vornehmen sollte. Alles, was die Expedition sich vorgenommen hatte, ist geglückt. Dr. Borchers und Erwin Schneider, die soeben mit dem Schiss in Hamburg angekommen sind, berichten, daß die Expedition 5 Berge übet 6000 Btelcr und an die 15 Gipfel über 5000 Zfieler bezwungen hat. Sie konnte als erste den 67Z0 Meter hohen Huascaran ersteigen, und sie hat auf der Rückreise, weil es am Wege lag, auch noch den höchsten Berg Amerikas, den A c o n- c a g u a, bewältigt. Aus der mühsam erkämpften Spitze des Huascaran konnten sich die Bezwinger nur wenig« Minuten aufhalten. Ein Orkan von Windstärke 10 bei 11 Grad Kälte oertrieb sie wieder. Eine besondere Leistung von Hoerlin sind seine fünftägigen Messungen kosmischer Stroh- l e n in mehr als(300l) Meter Höhe. Solche lang- andauernden Beobachtungsreihen sind gerade für die Höhenstrahlung weit wichtiger als einzelne Messungen gelegentlich von Ballonaufftiegen. Hoerlin sitzt zurzeit mit seinen Meßinstrumenten in 5000 Meter Höhe, nur betreut von zwei In- dios, um noch einige Wochen seine Messungen fortzusetzen. Eine große archäologische Entdeckung gelang auf der Suche nach dem sagenhaften Quittaracsatal, das bisher von Europäern über- Haupt kaum betreten wurde. In 4000 Meter Höhe auf einem schmalen Sattel fand man eine Bergstadt aus der Znkazeif Zunächst blieb es den Forschern rätselhaft, wie sich hier oben, in einem wasserlosen Felsgebiet, eine so große Siedlung hatte erhalten können. Die Lösung fand sich mit der Entdeckung eines genial angelegten Hangkanals, der von einem entfernten Gletscher das Wasser an den Felsen entlang bis zur Stadt leitete. Noch heute, nach vielen hundert Iahren, führt der Kanal Walser. Von dieser alten Festung aus glückte der Expe- dition der Abstieg in das sagenumwobene Tal, wo noch zahlreiche weitere Jnkasicdlungen ge- sunden wurden. Wohlerhaltene Reste, Jahr- hunderte alte Staatsstraßen und Spuren eines kunstvollen Bewässerungssystems zeugten von der großartigen Kultur, die vor nunmehr 400 Jahren durch Pizarro vernichtet wurde. Auch die geographischen und geologischen Ent- deckungen der Expedition sind wertvoll. Dr. Kinzl fand in mehreren Tälern zahlreiche Spuren eiszeitlicher Berglelscherung. Was das bedeutet, erkennt man, wenn man be- denkt, daß dieses Gebiet nur einige 100 KUometer vom Aequator entfernt liegt. Man muß an» nehmen, daß die Erdachse ihre Lage vollkommen verändert hat oder mit Alfred Wegener eine Ver- schiebung der Kontinente voraussetzen, so daß etwa Südamerika ursprünglich mst dem antarkti- schen Kontinent zusammengehangen hat. Lonckerbericstt von T. K. v. Gayl:.. imcl äußerstenfalls; der nackte Machtstandpunkt." Bracht:„Jedoch: mit Verfassungszwickel und angeschnittenen Paragraphenbeinen." ursachten, nicht schlafen konnte. Cr hat mit Frau und Begleitern die Nacht unter starker Bewachung in einem Hotel verbracht. Am Mittwochmorgen erklärte er. daß er auf die Weiterreise mit dem vorgesehenen Dampfer verzichte und den nach st en Schnell», dampfet abwarten wolle. Die französische Regierung widersetzte sich diesem Plan und verlangte, daß Trotzki bis Mittwoch abend Frankreich verlasse. Um eine schnelle Abreise zu ermöglichen, bat sie die italienische Regie- rung, Trotzki die Durchreise durch Italien zu er. lauben. Nachdem die italienische Regierung die Genehmigung erteilt hatte, mußte Trotzki am Mittwochabend mit der Bahn Marseille verlassen. Legende in den Kammerspielen Frantisek Langer:„Engel unter uns" Von Zeit zu Zeit schickt der Herr der himm- lisch«» Heerschoren eine Studienkommission, ge- bildet aus zuverläsiigen und erfahrenen Engeln, zu uns auf die Erde. Der greise Weltemnonarch isr�offenbar schlecht über das informiert, was bei uns zugeht. Nachher fordert er seine Beobachter zum Bericht. Das Stück beginnt. Die Engelsbotcn mischen sich unter uns, indem sie inkognito allerhand nütz- liche Berufe ausüben— als Straßenbahnschaffner, Polizist und Gefängnisgeistlicher. Andere wieder benehmen sich wie Mitglieder eines unternehmen- den Rollkommandos, etwa jener Schuhfabrikant Bata, der im Stücke den ordentlichen Klein- schustern das Brot wegnimmt, um die Völker der Erde mit seiner billigen Maschinenware zu über- schwemmen. Der legte dieser Engelsboten führt bei seiner heutigen Wiederkehr den Namen Dr. Mise. Er erfüllt seine Sendung als Arzt, und schon früher hat er zahlreich« Missionen auf der Erde ausgeführt. Doch jedesmal erging es ihm hienieden sehr schlecht. Bei den alten Aegyptern wurde er als Jude von den Fron- vögten gepeitscht. Später verbrannt« man ihn auf dem Scheiterhaufen. Darum fürchtet der Engel sich vor dem Schmerz. Da er sich als Arzt bewährt, macht er sich zur Pflicht, den unrettbar Leidenden Schmerz und Leben zu oerkürzen. Ein Wunder ist es nicht, daß er bei dieser edlen Be- tätigung verdächtigt, als Massenmörder verurteilt, endlich geköpft wird. Dieser Leidensweg ist Hauptthema der tragischen Legende. Das Stück ist in niedriger Alltags- sphäre gehalten. Es spielt auf dem Boden der Stadt Prag, wo der Engel Dr. Mise untertaucht. Zwei Parteien bilden sich, eine für, die andere gegen den Arzt. Die vollkommen Gelähmte, die er durch starken Trank dem ewigen Bergesien entgegenführt, ist ein rührendes Wesen. Reißende Untiere sind aber die Vertreter der offiziellen Gerechtigkeit, sowohl die Kriminalspitzel wie die Geschworenen, die den Arzt verurteilen, auch der Henker, der nur wünscht, der Deliquem möge sich brav unters Beil legen und ihm keine Unannehm- lichkeiten machen. Ein kleines Ballettmädchen, das in dem gute» Doktor eine zweite und göttlichere Natur ahnt, tobt in wildem Schmerz an der Gefängnismauer. Der Engel schreitet zum Sckstiffott. Doch im Name,, des Mitleids, der Gerechtigkeit und der Liebe bringen Menschen Blumenkränze zur Stätte des Gerichts. Jetzt schallen himmlische Posaunen. Es erkennen sich die Abgesandten Gottes, und sie grüßen sich mit dem sanften Klange Halleluja. Das Legendenspiel entgleitet oft in Dreigroschen- billigkeit. Die Satire wirkt nur schal. Was die Menschen plagt, wird nicht bis zur letzten Tiefe ergründet. Der menschliche Märtyrertod des gütigen Engels wühlt nicht sehr stark auf, weil der Engel wenig von dem hergibt, was als Himmelsweisheit ersehnt wird. Der Mangel an dichterischer Klugheit schafft denn auch das Minus an dramatischer Kraft. Doch die Aufführung unter der Regie des Direktors Beer bringt feine Schauspielerleistun- gen. Die gesunde Schlichtheit, die gewinnende Zärtlichkeit, ein offenbar bei österreichischen Men- schendarstellern häufiger Zug des töricht Göttlichen spielt aus Paul H ö r b i g e r. Wenn er fein Herz für die rettungslos Kranke hergibt und den Wer- bungen der ihn umschwärmenden Crdenbraut hilf- lose Weltfremdheit entgegensetzt, dann ist wirklich himmlische Lauterkeit spürbar. Ehmi B e s s e l, eine junge Schauspielerin, ganz Bewohnerin unserer Erde, hat ihm zu sekundier«». Lüstern soll sie sein und doch zugleich keusch. Die junge Künstlerin spielt mit Körper und Seele gleich ge- winnend und entzückt. Die Rolle einer Sorgen- mutter ist mit Frau P a g a y herrlich besetzt. Behal, Mainzer, Liebeneiner, Kronburger spielen ihre Episoden so, daß die dramaturgischen Schwächen des tschechischen Dramatikers ver- schleiert werden. Ernst Schütte? Bühnenbilder passen vorzüglich in den phantastischen Stil. m. b. �VinterlieLe Arbeitslose für Arbeitslose Vor dem Mikrophon der Berliner Funk- st u n d e sprach Paula Kur gaß über«A r- b e i t e r w o h l f a h r t in der Winter- Hilfe". Der Vortrag war für 10.10 Uhr abends angesetzt: er fand gegen 11 Uhr statt, da die Funk- stunde vorher endlos Tagesnachrichten durchgab. Auf diese Weise wurde er gründlich kalt gestellt Der schlichte Bericht war ergreifend: er erzählte von der Selbstverständlichkeit, mit der im Rahmen der Arbeiterwohlfahrt Arbeitslose sür Arbeitslose sorgen und arbeiten, immer bereit, dem beizu- stehen, dem es noch schlechter geht. Sogar Arbeitslose bringen noch entbehrliche Kleidungs- stücke: Arbeiterfrauen nehmen Kinder aus bc- sonders notleidenden Familien als Gäste auf. In Nähstuben. Küchen, Werkstätten sind freiwillige Helfer im Dienste der Arbeiterwohlfahrt tötig. Die 32 Beratungsstellen in Berlin sind zum Teil in engen Arbeiterwohnungen mit untergebracht. Da die Organisation der Arbeitcrwohlsahrt heute in ihren Reihen sehr viele Arbeitslose zählt, sind die Mittel besonders knapp. Wenn man planvoll helfen, nicht nur hier und da milde Gaben austeilen will, muß nach einem klar durch- dachten System das Hilfswerk geleitet werden. Das Auguft-Bebel-Erholungsheim hat noch im vergangenen Monat eine Kinderschar für den kommenden Winter gekräftigt: der„Jmmenhof" sich ein neues Heim, um dem Kinde ein« frohe Jugend zu sichern. Zum Schluß findet dann die Aussöhnung statt. Das Manuskript bewegt sich abseits all' unserer Tagessorgen. Aber gespielt wird vorzüglich und der Regisseur William B e a u d i n e bringt uns die Schauspieler menschlich nahe. Leon I a n n e y ist ein prächtiger frischer Junge. Gespickt mit tausend guten Vorsägen, die bei der ersten Ver- suchung zusammenbrechen. Er ist nie gewollt un- gezogen, jedoch schliddert er in alle nur möglichen verfänglichen Situationen hinein. Lewis S t o n e war bislang für uns der Offiziers- d a r st e l l e r. Er ist es eigentlich auch jetzt, obwohl er keine Uniform trägt. Er ist es in Gang, Hallung und Lebensauffassung. Irene R i ch ist eine Mutter echt amerikanischer Manier. Und ganz herrlich ist ein unbekümmerter Neger- junge. Der Film, der englisch gesprochen wird, ist mit deutschen Texten versehen. e. b. „Preußische Baukunst." Im Verkehrs- und Baumuseum in der Invalödenstraß« wurde Mill- woch eine Ausstellung der staatlichen Hochbauverwaltung eröffnet. Sie um- faßt Bauentwürfe aus der Zeit vor und nach Schinkel. Die Ausstellung eröffnet einen Ein- blick in die preußische Baukunst von der Wende des 18. und 10. Jahrhunderts an bis zur Grün- dung des Deutschen Reiches. Tas KonzerthauS Clou veranstaltet zum Besten de» „Tagcsschulheims" Donnerstag, 8. Dezember. 8 Uhr, einen groß angelegten musikalischen Abend. Außerdem „Querschnitt durch die Fledermaus". Das letzte Austreten von Sigrid Onegin vor ihrer Amerikatournee erfolgt Freitag rn der Städtischen Oper als Ladv Macbeth. Hans R e i n m a r singt die Titelpartie, Jvar Andresen den Bangue. in der Lüneburger Heide dient Müttern als Er- holungsheim. In Kinderhorten werden täglich Kinder gespeist und betreut: sie müssen in diesem Winter auch all« warm eingekleidet werden. Die Gesuche um Hilfe durch die Arbeiterwohl- fahrt enthüllen entsetzliche Zustände, die aber oft von der Wirklichkeit noch überboten werden. Alles irgend Verpfändbare ist versetzt, es fehlt an der notwendigsten Nahrung, an Heizung, Kleidung und Wäsche. Paula Kurgaß schloß ihren Bericht mit einer Bitte zur Unterstützung der Winterhilfs- mahnahmen.— 1z. „Der Lausbub" UT. Kurfürstendamm Die Amerikaner haben ein fabelhaftes Talent, filmgeeignete Kinder industriell auszunutzen. Aber sie machen es nie so auffällig wie die Deutschen. Sie vertuschen es und geben all' solchen Filmen einen rein familiären Anstrich, und wir haben immer das Gefühl, das Kind spiele mehr zu seiner eigenen Freude als zu unserer. Diesmal lassen sie sogar das Famllienleben als einzige Handlung gelten. Im Mlltelpunkt steht der Lausbub, den wir alle kennen, alle gern haben und fürchten, sobald er in einem näheren ver- wandtschafllichen Verhällnis zu uns steht. Der Filmoater kann nicht kindfroh fem, und darum trennt sich die Mutter vom Mann. Sie gründet Rundfunk am Abend Donnerstag, 8. Dezember Berlin: 16.13 Björnstjerne Björnson(zürn 100. Geburtstag des Diditers, P. Graßmann). 16.30 Kammerorchesterkonzert. 17.30 Die Er- sthließung einer in der Wüste verschollenen Altkultur(L. Frobenius). 17.30 Eine lustige Fahrt auf dem Rio de la Plata(F. F. Hesse). 18.10 Heitere Musik. 18.30 Die Polizei— unser Freund. 18.53 Die Funkstunde teilt mit. 19.00 Stimme zum Tag. 19.10 Orchesterkonzert. 20.00 Schallplattenrückblick auf den Monat November(Dr. F. Knöpfke). 20.30 „Der Bankrott" von Björnstjerne Björnson. 22.00 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Zeitfunk. Tanzmusik. 24.00 Wiederholung: Heitere Unterhaltung. Königs Wusterhausen; 16.00 Pädagogischer Funk. 17.30 Die Geschichte und der deutsche Mensch der Gegenwart (M. Krammer). 18.00 Musikalischer Zeitspiegel. 18.53 Wetterbericht. 19.00 Stunde des Landwirts. 19.20 Für und wider. Wegweiser durch die Zeit(Dr. R. Pechel). 19.40 Graf Spees Sieg und Untergang. 20.10 Aus der Messehalle am Kaiserdamm: Bunter Abend der Genossenschaft deutscher Bühnenangehöriger. 22.13 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. 22.43 See-Wetterdienst. Aus Hamburg: Deutscher Tanz von 1900 bis 1932. Sonst: Berliner Programm. Vollständiges Europapropamm im„Volks- funk", raonatl. 96 Boten oder die Postanstalten. alle„Vorwärts" Im Schauspielhaus beginnt die„Faust"-Borstell>ing heute bereits um 10 Uhr. Wetter sür Berlin: Wolkiges Weiter, Temperaturen nahe bei Rull. Nördliche Winde. Nur geringfügige Niederschläge.— Für Deutschland: Im Nordosten noch vielfach Schneefälle. In Mittel- und Südostdeutschland wolkig, nur geringfügige Schneefälle. Im Westen und Süden trocken und zeitweise heiter. -Jlnseiger �=> z w S I Ui z et u I- z D D < CO CO CO o q: O u. < I o CO et i 2 U 5 ui CD BAVHVYTC BERUM omsH Fensler- und Gebäude Relnlgungs Gesellschaft ni.b.H. Berlin S036,SchlesischeStr.42 Fernruf: F8, Oberbaum 3553-54 Billigste und zuverlässigste Ausführung aller Reinigungsarbeiten/ Bohner- uno Oelmaschinen/ Staubsauger/ Vertreterbesuch jederzeit unverbindlich BERLIN S 14/ WALLSTRASSE 63 FERNSPRECHER: F 7. 6771 Kaoii Siaubsauder im Konsum-Warenhaus fflaierhotie Berlin G.m.b.H. VORMALS MALEREIQEN0SSENSCHAF1 GEGRÜNDET 191 N018, LANDSBERGER ALLEE38-39 FERNSPR. E 4 ALEXANDER 5628— 3C ALLE MALERARBEITEN MOEBEL- UND AUTOLACKIERUNG Großgarage Nordbahnhol (. Maximilian Janischewski C n■ 1 UI Ekl CO Ebmwalder Str. 14— IS/ I Minute vom El C 1% m I W I»» w CS 9 Odcrbcrger Strafe 19 l Nordbahnhof Garagen:: Tankstellen:: Werkstatt Ta|{ und Nacht fcöfhic- Teleohon: O 4. Humboldt 2887 VOLCK& GNÄDIG Reparatur- Werkstatt mit eigener Schwe ßan age iür graph. Maschinen Rotations-, Tiefdruck- und Offsetmaschinen Umzüge kompletter Druckereien Berlin SW 61, Gitschiner Str. 15 Tel.: F l, Mpl. 36 77.— Nachtanruf: G 5, Südring 0323 F 2. 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