Abend- Ausgabe Nr. 584 B284 49. Jahrg. WefcofMon und Verlag, Berlin SW 68. Lindenstr. 3 5emlBt«(J)»i"3' Ami DSnhvl 292 bu 297 Ctlearammabitfici Sojtatbemotral B«rib> BERLINER VOLKS BLATT MONTAG 12. Dezember 1932 In Groß° Berlin 1l) Pf. Auswärts...... 10 Pf. Bezugsbedingungen und Anzeigenprekf« siehe Morgenausgabe Jeutealoega« der GozialdemokvatlfOen Oaetei Deutschlands GleichberechNgMg Die fo>nhorcüenkc>rmel von Genf In Genf ist die sogenannte Fünfmächte- konferenz, die Deutschlands Rückkehr zur Abrüstungskonferenz ermöglichen sollte, zu einem befriedigenden Wschlug gekommen. P a p e n hatte die Abrüstungskonferenz ver- lasien. weil sie nicht von vornherein Deutsch- lands Gleichberechtigung in der von Deutsch- lanb gewünschten Eindeutigkett anerkennen wollte. Schleicher kehrt nun zurück. nachdem eine den deutschen Wünschen genügende Gleichberechtigungssormel gefunden worden ist. Wir Sozialdemokraten sind selbswerständ- lich für Gleichberechtigung, und wir sind ebenso selbstverständlich für Deutschlands Rückkehr zur Abrüstungskonferenz. Das Ergebnis der Fünfmächtekonferenz kann uns darum nur willkommen sein. Jede Verminderung der internationalen Span- nungen, insbesondere zwischen Deutschland und Frankreich, erschwert das Handwerk der nationalistischen Völkerverhetzung und wird deshalb von uns begrüßt. Eine andere Frage ist es, ob das Sieges- geschpei berechtigt ist, das die Schleicher- Presse über das Ergebnis der Fünf- Wachtekonferenz anstimmt. Früher wurde von Frankreich die Gleichberechtigung als „3 i e 1" der Abrüstungskonferenz anerkannt. Wenn man letzt dazu gekonrmen ist. sie als „G r u n d ja tz" zu respektieren, so ist der Unterschied vielleicht doch nicht ganz so groß. wie manche Offiziöse es wahrhaben wollen. Unbedingt falsch ist es, wenn Uebereifrige die Dinge so darstellen, als ob Deutschland und seine ehemaligen Verbündeten jetzt schon aller besonderen Vertragspflichten ledig wären und rüsten könnten, wie sie wollen. An dem geltenden Völkerrecht hat die Fünf- Mächtekonferenz nichts geändert, sie hat nur für die Abrüstungskonferenz Ziele aufgestellt und Grundsätze entwickelt. Einst- weilen bleibt es, wie es bisher gewesen: Zu einer ernsten Aufrüstung fehll dem einen das Geld und den anderen fehtt jede Lust. aus geringen Meinungsverschiedenheiten über die Auslegung der Abrüstungsbestim- mungen einen großen Konflikt zu machen. Ueber die Bedeutung der Beschlüsse der Fünsmächtekonferenz wird man sich nun aus der Abrüstungskonferenz ausführlich unter- halten können, insbesondere über die Frage, wie die von Deutschland verlangte unbedingte„Gleichberechtigung" mit der „Sicherheit", die Frankreichs Herzens- wünsch ist. vereinbart werden kann. Es ist in Aussicht genommen, den Kriegs- Verzicht der Vertragsteilnehmer noch einmal feierlich zu bekräftigen— aber dieser Kriegsverzicht ist schon so oft erklärt worden, daß eine Wiederholung nicht mehr als Bekräfti- gung wirken kann. Mit allgemeinen For- incln ist auf diesem Gebiet ein Fortschritt überhaupt nicht möglich: erst wenn die Ver- Hältnisse zwischen Deutschland und Frankreich so geordnet sein werden, daß jeder Gedanke an Krieg auf beiden Seiten völlig verschwunden ist, erst dann wird ein neuer entscheidender Schritt zur Sicherung des Friedens getan sein. Das ist das Ziel der S o z i a l i st e n hüben und drüben. Der Frieden wird nicht durch beschriebenes Papier gesichert, sondern nur durch den Geist des d e m o k r a t i- schen Sozialismus. tluswärliger Ausschuß. Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Reichs- tags. Abg. Dr. F r i ck. hat den Ausschuß für Freitag, den lk. d. M., einberusen. Aus der Tagesordnung der Sitzung steht ein Bericht des Reich saußsnministers über die außenpolitische Loga. politische Einigung in Gens Gleichberechtigung— Abrüstung— Revision des Vertrages Am Lountagmlttag ist die Ff u n f• mächtekonferenz in Genf mit der Unterzeichnung einer Schlußerklä- ru ng beendet worden. In der Erelärung wird die Gleichberechtigungs- und Sicherheitöfrage geregelt, so daß Deutschland sofort in die Ab- rüstungskonferenz zurückkehrt. Der deutsche Text der Vereinbarungen hat folgenden Wortlaut: l. Tie Regierungen des Vereinigten Königreiches, Frankreichs und Italiens haben erklärt, daß einer der Grund- säße, die die Konferenz leiten sollen. darin bestehe» muß, Teutschland und den anderen durch Vertrag abgerüsteten Staaten die Gleichberechtigung zu gewähren in einem System, das allen Rationen Sicherheit bietet, und daß dieser Grundsaß in dem Abkommen, das die Beschlüsse der Abrüstungskonferenz ent- hält, verkörpert werden soll. Diese Erklärung schließt in sich, daß die Rüstungsbeschränkungen für alle Staaten in dem in Aussicht genommenen AbrüftungSabkonr- m c n enthalten fein müssen Es besteht Einigkeit darüber, daß die Art und Weise der Antvendung dieser Gleichberech- tigung auf der Konferenz erörtert werden wird. 2. Auf der Grundlage dieser Erklärung hat Teutschland seine Bereitwilligkeit ausgesprochen, an der Abrüstungskonferenz wieder teilzu- nehmen. 3. Tie Regierungen des Vereinigten Königreiches, Frankreichs, Deutschlands und Italiens sind bereit, gemeinsam mit allen anderen europäischen Staaten feierlich noch einmal zu bestätigen, daß sie unter keinen Umständen versuchen werden, gegenwärtige oder künftige Streitfragen zwischen den Unterzeichnern mit Gewalt zu lösen. Ties soll einer näheren Erörterung der Frage der Sicherheit nicht vorgreifen. 4. Tie fünf Regierungen der Vereinigten Staaten, des Vereinigten Königreiches. Frankreichs, Teutschlands und Italiens erklären, daß sie«ut- schlössen sind, auf der Konferenz ge- meinsam mit den anderen dort vertretenen Staaten darauf hinzuwirken, daß unver- züglich ein Abkommen ausgearbeitet wird, das eine wesentliche Herabsetzung und eine Begrenzung der Rüstun» gen herbeiführt und gleichzeitig eine künftige Revision zum Zwecke der»veiteren Herabsetzung vorsieht. Genf, den ll. Dezember 1932. gez.: I. Ramsay Macdonald, Vorsitzender. Norman H. Davis, John Simon, I. P. Boncour, C. von Neurath, Alois». Lchleieher-IGihinett einverstanden Tie Reichsregierung hatte in den frühen Morgenstunden des Sonntags dem in Genf weilenden Reichsaußen» minister mitgeteilt, daß das Kabi- nett die am Sonnabend in der Be- sprechung der fünf Grosnnächte ausge- arbeitete neue Regelung für die Gleich- berechtigungsfrage annimmt und damit Deutschlands Rückkehr in die Ab- rüstungskonferenz erklärt. kranhreich einverstanden Au» Paris verlautet, daß das französische kabiuclt ebenfalls vor Unterzeichnung der Sie Uniernalionale in �Berlin Im Panethaus der deutschen Sozialdemokratie in Berlin begann Sonntag eine auf zwei Tage anberaumte Beratung des Büros der Sozlalisti- schen Arbeiter-Internationale unter dem Borsitz von de Brouckere(Belgien), der den an der Teil- nähme an der Sitzung verhinderten ständigen Borsitzenden Vandervelde ersetzte. An der Sitzung nahmen teil: de Brouckere(Belgien), Andersen (Dänemark). Breitscheid. Crispien. Hilferding, Wels(Deutschland), Blum(Frankreich), Gilliee (Großbritannien). Wibaut(Holland), Bauer (Oesterreich), Abramowitsch(Rußland). Grimm (Schweiz), Soukup(Tschechoslowakei), van Roos- broeck als Kosiierer(Belgien), Adler als Sekrttär (Zürich). In der Sonntagssitzung wurde«ine General- debatt« über die allgemeine politisch« Lage geführt, Genfer Schlußerklärung seio Einverständnis zum Ausdruck gebracht hat. Ebenso wie Reurath mit seiner Regierung halte der sranzSsische Delegierte mit h e r r i o t vor der Unter- Zeichnung eine lange telephonische Unter- hallung. Lozialistische Offenheit Pari», 12. Dezember. Zu der Genfer Einigung findet der sozialistische „P o p u l a i r e" es bedauerlich, daß der Wortlaut der gemeinsamen Erklärung auf die»Sicher- h e i t" hinweise, hinter der sich der französische Plan verstecke. Dieser Plan sei jedoch nicht ge- eignet, die Abrüslungsarbeiten zu fördern: es sei im Gegenteil zu befürchten, daß er«in u n ü b e r- windliches Hindernis für jeden ernsten Versuch einer Abrüstung darstellt«. Man dürfe jedoch die Hoffnung nicht aufgeben, daß bis zum Beginn der Abrüstungsbcsprechungen die Regie- rung Herriot oder diejenige, die ihr folgen werde, endlich.zu verstehen beginne, daß die wahre Sicherheit nur in der allgemeinen und kon trollierten Abrüstung bestehe. Polen beunruhigt Warschau. 12. Dezember. Die gesamte polnische Presie bringt lang« Mel- dangen aus Genf, in denen jestzestelll wird, daß Deutschland die Gleichberechtigung errungen hat..Kurjer Warszawska" unter- streicht, daß die Gleichberechtigung Deutschland in einer voll kommen konkreten und definitiven Form zugesprochen worden sei, während die Sicherheits- frage erst in einem gemeinsamen System b«rück- sichtigt werden soll, das in der kommenden Ab- rüstungskonvention Ausdruck finden werde. Darin liege ein entschiedenes Zugeständnis zugunsten der deutschen These. Herr von Neurath — so schließt das Blatt— habe m G«ns einen vollen Erfolg davongetragen. pariser Krise Schuldenfalle für Herriot Pari», 12. Dezember. Bisher ist in Zrantreich eine Einigung zwischen Regierung und Parlament über die Frage der Schulden Zahlung an Amerika nicht zustande gekommen. Der Ministerrat ist zu Beschlüssen gelangt, die den von den ftam- merousschüsfen gestellten ullimativen Forderungen nicht entsprechen. Unter diesen Umständen kann die kommerdeballc am Montag einen sehr ernsten verlaus nehmen, und e» besteht die Möglichkeit, daß sie mit dem Rücktritt des Kabinett» herriot endet. an der fast olle Mitglieder des Büros teilnahmen. Die Debatte betras insbesondere die Probleme der Abrüstungskonserenz und des fron- zösischen Abrüstungsplans. Es wurde beschlossen, mit dem Znteraollonalen Gewerkschaslsbund in Verbindung zu treten, um die Gemeinsame Abrüstungskommission zu einem möglichst nahen Termin zu einer Tagung einzuberusen. Blum und Gillics erstatteten Bericht über die Frage der interalliierten Kriegsschulden. Brett- scheid und Bauer legten die politische Lage in Deutschland und Oesterreich dar. Wibaut gab einige Anregungen über wirtfchastspolttisch« Fragen. Di« Beratung wird heute zu Ende geführt Senf treibt Kurse doch fester.Alctien- und Rentenmarkt Di« Einigung in Genf hatte zum Wochenbegin» eine sehr feste Börsen st immung hervor- gerufen. Sowohl aus dem Aktien- wie auch aus dem Rentenmarkt waren durchweg K u r s st« i g e- r u n g e n zu verzeichnen. Auch die Tatsache, daß England und Frankreich am 15. Dezember die fälligen Kriegsschnidenralen zahlen werden und daß damit für eine künftige Kriegsschuidenkonserenz gewisse Vorbedingungen erfüllt sind, wirkten an- regend. Auf dem Aktienmärkte fiel besonder» die Kurssteigerung bei den„schweren Werten" ins Gewicht. IG.-Farben konnten ihren Kursstand von 97'/» bis aus 99 erhöhen, der Siemens-Kurs sprang um 4 Punkte von 121 Vs auf 125K. Auch Montan werte waren bei steigenden Kursen ge- fragt. Harpener Bergbau hört« man um'/-! Uhr mit 85 gegen 83'/,: auch Mannesmann und Gelsen- kirchen lagen fest. Am Rentenmarkt herrschte gleichfalls eine recht freundliche Tendenz vor, wobei auch neue Publittunsaufträze in Erscheinung traten. Im Durchschnitt erhöhten sich die Kurse der festveyzins- lichen Wert« um etwa ein halbe« Prozent. Krach beim„Angriff" GoebKel» rüffelt einen Schriftleiter In der heutigen Nummer des„Angriff" erklärt Goebbels folgendes: „Im Kommentar des„Angriff" vom 9. Dezember 1.. Ausgabe ju dem Urlaub des Pg. Ztraßer waren einige taktlose Bemer- k u n g e n enthaltem die n i ch t m e i n e B i l l>- gung fanden� Da ich am ganzen Tag vom 'ruhen Morgen an im Reichstag beschäftigt war, habe ich sie erst zu Gesicht bekommen, als sie leider schon gedruckt waren und sofort veranlaßt, daß sie in der zweiten Ausgabe weg- blieben Dem dafür verantwortlichen Schrift- leiter habe ich eine scharfe Rüge erteilt." Die Erklärung schließt mit der Versicherung aller- untertänigster Ergebenheit an Hitler. Bürgermeisterwahl So�islciemohrat siegt in Elmshorn Elmshorn, 12. Dezember. Die Stadtverordneten wählten den sozial- demokratischen Stadtrat Petersen zum Bürgermeister. Die Wahl ist insofern be- merkenswert, als ihr Ergebnis nur möglich war, weil der kommunistische Reichstagsabgeordnete Iürgensen, der zugleich auch Stadtverordneter ist, im zweiten Wahlgang für den sozialdemokratischen Kandidaten stimmte und auf diese Weise Stimmengleichheit herbeiführte. Das Los entschied dann für den Sozialdemokraten. Würden die Kommunisten in anderen Städten ähnlich operiert haben, dann besäße Schleswig-Holstein eine ganze Reihe von Bürgermeistern, die ans der Arbeiterklasse hervorgegangen sind. Auf dem Rückzug KJagges gegen sieh selbst L raunschweig, 12. Dezember. Die sozialdemokratische Landtagsfraktion hat wegen des Hochschulstreits im Landtag einen M i ß b i l l i g u n g s a n tr a g gegen Klag- g e s eingebracht. Die V o l t s p a r t e i wollte diesem Antrag zustimmen, aber sie kann jetzt wieder umfallen, da Klagges eine Erklärung ab- gegeben hat, die einen Rückzug auf der ganzen Linie bedeutet. Klagges erklärt, bei allen seinen hochschul- politischen Maßnahmen habe ihm nur die Aus- rechterhaltung der Gleichberechtigung des natio- nalsozialistischen Studentenbundes mit anderen studentischen Korporationen vorgeschwebt. Alle seine Maßnahmen hätten mit p a r t e i p o l i- tischen Bestrebungen nichts zu tun gehabt! Es liege ihm völlig fern, seine Amts- gewalt zu einer parteipolitischen Einwirkung auf die Hochschule zu verwenden. Rektor und Senat seien auch nach wie vor im Besitz aller disziplinarischen Maßnahmen. Er habe nur die Anweisung gegeben, den nationalsozia- listischen Studentenbund nicht auf- zulösen und Verfahren aus diesem Anlaß nicht zuzulassen, bevor ihm nicht Bericht erstattet worden sei. Die Erklärung ist für die Oesfentlichkeit be- stimmt. Außerdem wird sich Klagges auch noch beim Rektor und Senat persönlich ent- sch u l d i g e n. Rektor und Senat haben also über Klagges gesiegt. Der sozialdemokratische Mißbilligungsantrag wird trotzdem am 14. De- zember im Landtag beraten werden. Aber nach- dem der Mann, der selbstherrlich gegen alle auf- trat, wieder einmal rechtzeitig zurückgesprungen ist, werden ihm die Koalitionsparteien sicher keine Schwierigkeiten mehr machen, obv"'' imit genug über ihn gezetert hatten. Flugzeug verbrannt 2 Tote auf der Marseiller Strecke Paris. 12. Dezember. Da, Verkehrsflugzeug der Strecke Marseille — Barcelona, da, seit Sonnabendmittag ver- mißt wurde, ist am Sonntag bei Earmague, zwischen Marseille und Perplgnan, vollkommen verbrannt ausgefunden worden. Cnt- gegen der ursprünglichen Annahme befand sich außer dem Führer nur ein Floggast an Bord. Winterhilfe den Notleidenden veratunxen im HausbaltsaussebulA— Sozialdemokratie führt! Vrügelnde Harzburger SA. überfällt Stahlhelm Altona, 12. Dezember. Zwischen Nationalsozialisten und Angehörigen des Stahlhelms kam es im Vorraum des H o t e l s K a i s e r h o f in Altona zu einer Schlägerei. Zwei junge Nationalsozialisten waren wegen politischer Auseinandersetzungen aus einer Weih- nachtsfeier des Stahlhelms verwiesen worden. In den frühen Morgenstunden erschienen daraus- hin im Vestibül des Hotels etwa 25 Nationalsozia- listen, die mit den Stahlhelmleuten in Streit ge- rieten. Bei der Schlägerei wurden fünf Per- sonen verletzt. Ein löjähriger SA.-Mann wurde festgenommen. Der Sachschaden ist erheblich. Der Haushaltsausschuß des Reichstags trat heute zu seiner ersten Arbeitssitzung zusammen, um über die ihm überwiesenen An- träge zu beraten. Abg. A u s h ä u s e r(Soz.) be- richtete über die Beschlüsse des Sozialpolitischen Ausschusses zur Winterhilfe, die auf der Grundlage des sozialdemokratischen Antrags auf- gebaut und einstimmig angenommen worden sind. Dabei machte er im Auftrage des Sozial- politischen Ausschusses darauf aufmerksam, daß der Reichstag bei der Aufhebung des so- ziälpolitischen Teiles der Notverordnung vom 4. September den Willen gehabt habe, damit auch die lohnpolitische Ausfüh- rungsverordnung vom 5. September m i t a u f z u h e b e n. Es feien Zweifel aus- getaucht, ob jener Beschluß von der Reichsregie- rung in diesem Sinne verstanden worden sei. Deswegen sei es notwendig, daß dazu eine Er- klärung durch die Regierung erfolge. Der Reichsarbeitsminister S y r u p antwortete darauf sofort, die Regierung sei grundsätzlich bereit, die tohnverordnung vom 5. September aufzuheben, die technische Durchführung erfordere aber noch eine Sonderberatung, die am besten noch heute durch einen Unterausschuß des Reichshaushalts- ausschusies erfolge. Abg. Grotewohl(Soz.) begründete einen so->al- demokratischen Ergänzungsantrag, der eine feste Umschreibung der Winterhilfe verlangt. Er beantragte die Lieferung von zwei Kilogramm Brot und einem halben Kilogramm Fleisch wöchentlich sowie mindestens zwanzig Zentner Kohlen für jeden unterstützungsberech- tigten Haushalt. Diese Mindestleistungen seien auch nötig, um der Zerstörung der Volks- gesundheit vorzubeugen. Das Ansteigen der Tuberkulose zeige dringend, wie nötig schnelle und sofortige Hilfe sei. Es müsse vor allen Dingen Sorge dafür getragen werden, daß die zur Ver- fllgung stehenden Mittel unmittelbar an die Ge- meinden geleistet würden, damit die Länder und andere Stellen durch künstliche Verzögerung der Auszahlung die unmittelbare Hilfe nicht in Frage stellen können. Es gelte das Wort:„Wer schnell hilft, hilft doppelt." Zur Debatte sprachen weiter nur ganz kurz je ein Vertreter der Deutschnationalen und der Kommunisten. Die Nationalsozialisten schwiegen! Ein Vertreter des Reichsarbeitsministeriums berichtete nochmals über die schon bekannten Be- mühungen, wie im Vorjahre die Produzenten, die Reichsbahn, Großhandel und Einzelhandel zur verbilligten Verfügungstellung und Transportie- rung von Kohle, Nahrungsmitteln usw. zu brin- gen. Es seien schon Zusagen, z. B. vom Kohlensyndikat, von der Reichsbahn usw., erfolgt. Wie weit und wie hoch diese Leistungen gehen könnten, müßte aber örtlich entschieden werden. Bei der V e r b i l l i g u n g des Fleisches für die Hauptunterstützungsempfänger aller Art werde das Reich selbst eingreifen, und zwar im Um- fange von zwei Pfund monatlich um je 29 Pf. unter dem Tagespreis. Köpfereiche Fa- Milien sollten das doppelte Quantum verbilligten Fleisches erhalten. Im übrigen werde die freie Liebestätigkcit, die im Vorjahr schon so erfolgreich gewesen sei, von der Reichsregierung weiter leb- Haft unterstützt werden Reichssinanzminister von Krosigk erörterte die sozialdemokratischen Deckungsvorschläge für die Winterhilfe, die vom Sozialpolitischen Ausschuß einstimmig angenommen worden sind. Er meinte, die angegebenen Finanzquellen reich- ten nicht aus(Aufhebung des Beimischungs- Zwanges für Treibstoffe und damit Mehr- einnahmen aus Treibstoffzöllen, Wiodererhebung der Auegleichsabgaben für Mineralzölle, Auf- rechnung der Steuerschulden des Kohlenbergbaues, Benutzung des Marktstlltzungsfonds des Reichs- ernährungsmmisteriums). Abg. Hertz(Soz. stellt demgegenüber fest, daß der sozialdemokratische Antrag bean- spruche für Brot 79 Willionxn Mark. kohlen 70 bis S0 Mill'oncn Mark, Fleisch 40 Millionen Mark. Die Deckungsvorschläge reichten für jene Aus- gaben aus. Die Regierung Hab« erst kürzlich wieder 199 Millionen Mark für R o g g e n st ü tz u n g zur Verfügung gestellt, sie solle entsprechend der Erklärung des Staatssekre- tärs Planck im Plenum endlich einmal sagen, wieviel Mittel sie zur Verfügung stellen wolle. Die Nationalsozialisten beantragten, die Mittel zur Winterhilfe dadurch aufzubringen, daß Bauern und Mittelstand ihre Steuern in Nahrungsmitteln usw. bezahlen dürften. Der Reichsfinanzminister zeigte am Beispiel Rothen- burgs, wo ganze 15 Proz. der Steuern auf diese Art eingegangen seien, daß derWegungang- bar sei, zumal jene Kreise nur wenig Reichs- steuern zahlen. Abg. Reinhardt(Rsoz.) meinte, wir hätten rund 899 Millionen Mark rückständige Steuern: wenn Bauern und Mittelstand in Naturalien zahlen dürsten, käme sicherlich doch genug für die Winterhilfe zusammen. Im übrigen erklärte er im Gegensatz zur Stellungnahme leiner Partei- freunde im Sozialpolitischen Ausschuß, daß die Nationalsozialisten jetzt für den sozialdemokrati- schen Antrag stimmen würden, der wöchentlich 2 Kilogramm Brot,% Kilogramm Fleisch und 29 Zentner Kohlen verlangt. Abg. Quaas(Dnat.) wirst den Nationalsozia- listen vor. daß sie erst Anträge zur Winterhilfe gestellt und der Vertagung des Plenums zu- gestimmt hätten. Die Deutschnationalen seien auch gegen die nationalsozialistischen Deckungsvor- schlüge. Bei Redaktionsschluß dauert die Sitzung noch an. Schweres Autounglück Drei Tote, zwei Schwerverletzte Wittenberge, 12. Dezember. Aus der p e r l e b e r g- W i tten b e rg e r Chaussee ereignete sich in der Rächt ein schweres kraflwagenunglück. Aus einer Schwarzfahrt, die der Chaufseur Otto Cölln aus Homburg mit dem Rlaybach-„Zeppe' lin"-wagen tibi 1112 des Margarinevertreters Hinrich Vcß am Hamburg unternommen hatte, verlor Cölln in der Kurve beim„Waldhaus" die Gewalt über den Kraftwagen. Der Wagen fuhr gegen einen Baum, nachdem er bereits eine ganze Reihe von Chausseebäumen gestreift hatte, und wurde vollkommen zertrümmert. Die Znsassen wurden herausgeschleudert. Drei von ihnen, darunter zwei junge perlebergcrinnen, wurden getötet. Der Chauffeur und ein anderer Mitfahrer, wurde in schwerverlehlem Zustande nach dem wettenbergcr Krankenhaus gebracht. Nach den Aussagen eines Motorradfahrers hatte der Maybach-Wngen eine Geschwindigkeit von mindestens 129 Kilometer gehabt. In der Kurve beim„Waldhaus" war der Wagen gegen die Bäume geraten. Auf einer Strecke von 159 Meter waren die Bäume zu beiden Seiten der Chaussee teilweise beschädigt, und die Spuren ließen erkennen, daß sich der Kraftwagen mehrfach um seine Achse gedreht hatte. Schließlich war das Auto gegen einen Chausseebaum gesaust, nachdem die linke Seit« der Limousine an einem anderen Baum vollständig aufgerissen worden war. Die Insassen wurden herausgeschleudert und flogen zum Teil 29 Meter weit die Böschung hinab. Zwei Tote lagen aus einer Wiese neben der Straße. Eins der Zungen Mädchen lag tot aus der Straße, und die beiden übrigen Insassen, der Chauffeur Cölln und der Kellner Venn aus Perle- bsrg, die beide schwer oerletzt waren, versuchten Hilfe herbeizuholen. Cölln kroch auf allen Vieren nach dem nahegelegenen Ausflugslokal„Wald- haus", während Venn sich nach dem Stellwerk Wik am Bahnübergang der Bcrlin-Hamburger Strecke schleppte. Dort hatte man bereits den Anprall des Autos gehört, da die sternklare Nacht den Schall weithin trug. Man benachrichtigte sofort die Polizei, die bald darauf an der Un- glücksstelle eintraf. 29 Proz. erhöhte. Nach dem neuen Tarif beträgt der Gaspreis bei einem Monatsoerbrauch von über 299 Kubikmeter allgemein 19 Pfennig pro Kubikmeter. Die Staffelung des Tarises ist beibehalten worden. Der Preis beträgt bei einem Verbrauch von 2999 bis 5999 Kubikmeter 9 Pf. und ermäßigt sich bei höherem Verbrauch bis aus 8,7 Pfennig. Beim Hausholstarif ist eine gestaffette Senkung der Grundgebühren be- schlössen worden. Der Gaspreis an sich beträgt,., hier auch weiterhin 19,2 Pfennig. Die Leiche des Führers war in der Ma- schine bis zur Unkenntlichkeit verbrannt, wäh- rend die des Fahrgastes mehrere Meter vom Flug- zeug entfernt ausgesunden wurde. Die sofort eingeleitete Untersuchung hat ergeben, daß der Führer infolge des dichten Nebels zunächst versucht hat, nach Marseille zurückzukehren. Er scheint aber schließlich aus unbekannten Gründen diesen Versuch aufgegeben und eine Notlandung an der Küste beabsichtigt zu haben. Hierbei stieß er gegen eine Baumkrone, das Flugzeug stürzte zu Boden und fing Feuer. Der Fahr- g a st sprang schon vorher ab, blieb aber mit zer- schmetterten Gliedmaßen liegen. * Amsterdam, 12. Dezember. Der Ballon„Stadt Düsseldor s", der am Sonntagmorzen mit vier Insassen von Dössel- dorf ausgestiegen war, erreichte bei gutem Ostwind um die Mittagszeit das in der Provinz Südholland gelegenen Westland. Beim Niedergehen setzte der Korb so heftig aus, daß der 28iährige O. G a n n i tz herausstürzte und sich ernste Verletzungen zuzog. Infolge der Verminderung der Tragtost stieg der Ballon noch einmal aus, ging aber unmittelbar darauf wieder zu Boden. Die drei übrigen In- fassen verließen den Korb, wobei sich ein weiterer Insasse, Dr. Karl Münch, leichte Verletzungen znzog. Arzt überfallen Hinausgelockt und niedergeschlagen Ein roher Ueberfall wurde— wie erst jetzt be- kannt wird— in der vergangenen Woche auf den praktischen Arzt D r. H i r s ch aus der Parkaue 14 in Lichtenberg verübt. Dr. Hirsch wurde in den späten Abendstunden zu einer Frau ge- rufen, die angeblich mit verbrühten Füßen in ihrer Laub« in der Kolonie in der Ritter- g u t st r a ß e liegen sollte. Das Telephongespräch wurde von einem jungen Burschen geführt. Als der Arzt später der Aufforderung nachkam, wurde er auf dem dunklen Gelände von zwei Burschen bereits erwartet und kurzerhand n i e d e r g e- schlagen. Unter dem Verdacht der Mittäter- schaft wurde der 21 Jahre alte Paul O. fest- genommen. Flucht aus Krankenhaus Die SchieVerei in Spandau Die Ausklärung der politischen Schießerei, die sich am Donnerstagabend vor einem KPD.- Verkehrslokal in der Brllckenstrahe in Spandau ereignete, wobei zwei Nationalsozialisten und ein Kommunist mehr oder weniger schwer verletzt wurden, stellt die Politische und die Kriminal- Polizei vor eine sehr schwierige Aufgabe, da sich bisher nur sehr wenig Zeugen bei Kriminal- kommissar Gundlach gemeldet haben. Die bisher vernommenen Zeugen konnten nur sehr wenig tatsächliche Angaben machen. Eine unerwartete Wendung hat die Angelegenheit da- durch genommen, daß in der vergangenen Nacht einer der Verletzten aus dem Krankenhaus Spandau heimlich entwichen ist. offensichtlich um sich den weiteren Vernehmungen und sonstigen Folgerungen durch die Flucht zu entziehen. Gerade gegen diese Person, deren Name mit Rück- ficht auf die weitere Untersuchung noch nicht be- kanntgegeben wird, besteht erheblicher Tatverdacht. Der gestern festgenommene vermutliche Schütze, der zwar selbst die ihm zur Last gelegte Tat bestreitet, wird im Laufe des heutigen Tages dem Vernehmungsrichter zwecks Erlaß eines Hakt- befehls vorgeführt werden. Leo Trohki ist wieder auf der türkischen Prinzeninsel. Die Reise über Frankreich— Italien oerlies nicht ohne einige unpolitische Zwischen- fälle. Trotzki will über diese Reise nach Kopen- Hagen und zurück wieder ein Buch schraltoui. Gaspreis gesenkt Fiir die Kleingewerbetreibenden Der Aufsichtsrak der Städtischen Gas- werke beschloß heute mitlag eine Senkung des Gastarises, die allerdings nur den Kleingewerbetreibenden und nicht den Haushaltungen zugute kommt. Die Berbilligung wird von den Inhabern von Plättereiea, Schneidereien und Schlosserwerkstätlen begrüßt werden. Bisher erhielten die Kleingewerbetreibenden bei einem Monatsverbrauch von über 599 Kubikmeter einen Rabatt von 19 Proz., der sich bei einem Verbrauch uau über 1.4999 Kubikmeter auf ,, Kinder helfen Kindern." Die Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde Groß-Berlin veranstaltet in diesem Jahr vom 12. bis 29. Dezember täglich in der Zeit von 19 bis 22 Uhr im Hause des Metallarbeiter- Verbandes, Alte Iakobstrahe Ecke Gitschinerstraße eine Ausstellung der in den Kindergruppen ge- bastelten Spielzeuge unter dem Motto:„Kinder helfen Kindern". Anläßlich dieier Aus- stellung findet am Montag, dem 12. Detember, 18 Uhr, eine Eröffnungsjeier statt. zckißglückles Attentat in Kairo. An dem Amts- gebäude des englischen Oberkommissars in Aegypten explodierte eine Bombe. Sie zerstörte nur eine Fensterscheibe. Sonst entstand kein Schaden. Die Polizei hat einen Juden, der angeb- lich englischer Bürger ist und zur Zeit der Ex- plosion in der Nähe des Amtsgebäudes war, verhaftet. Kündigungsschutz Entschließung des Butab Das„G e s e tz" über die Fristen für die Kündi- gnng von Angestellten" vom 9. Juli 1926 ist seit geraumer Zeit Gegenstand ständiger plan- mäßigerAngrisseder Unternehmerverbände und der ihnen gefügigen Presse. Es wird so dargestellt, als ob das Gesetz unerträgliche Be-> lastungen und Behinderungen, ja den Zusammen- bruch von Betrieben bewirkt und den Angestellten selbst statt Nutzen Schaden durch vorsorgliche Kün- digungen und Nichtwiedereinstellung von älteren Angestellten und Aehnliches gebracht hätte. Der Vorstand des Bundes der technischen Angestellten und Beamten stellt dieser Kritik am Kündigungsschutzgesetz gegenüber fest: Das Gesetz ist geschaffen worden, weil sich immer stärker ErBafce-LtralAer Die Diktatur säubert „?arte!reini8UN8" in Rußland— Neue Schwierigkeiten auf dem Lande Der Mann ist noch viel„schlagkräftiger". zeigte, daß die Notlage der älteren Angestellten durch das allgemeine Streben der Arbeitgeber, bei Einstellungen jüngere, billigere und gefügigere Kräfte zu bevorzugen, dringend ein Eingreifen erheischte. Die Forderungen der Angestelltengewerkschaften: Meldepflicht für offene Stelleu, Beschäftigungs- verpflichtung, Anspruch aus Abkehrgeld, Beseitigung der Mißstände im Anzeigenwesen und in der Lehrlingshallung find vom Gesetzgeber nicht erfüllt worden. Lediglich der Kündigungsschutz und auch dieser bei weitem nicht in dem erforder» lichön Ausmaße, wurde durch das Gesetz vom 9. Juli 192« geschaffen und damit wenigstens für einige Monate Schutz vor der Vernichtung der Existenz durch die Stellenlosigkeit, Zeit zur Um» stellung der Lebensführung und zum Versuch, stch eine andere Erwerbsmöglichkeit zu erschließen, gewährt. Alle in der Zwischenzeit, insbesondere in der Krise, gesammelten Ersahrungen zeigen, daß das Gesetz diese seine einzige bescheidene Aufgabe auch erfüllt und sich darin bewährt hat. Der Vorstand des Bundes der technischen An- gestellten und Beamten erwartet deshalb von den gesetzgebenden Körperschaften, daß sie diese günsti- gen Wirkungen des Gesetzes und die Ersahrungen der von ihm Geschützten würdigen und jedem versuch einer Verschlechterung entgegentreten. Darüber hinaus muß der Schutz der Angestellten vor der Willkür und der hemmungslosen Abbausucht des Unternehmertums durch wirksame Maßnahmen gemäß den gewerkschaftlichen Forderungen ergänzt und durchgeführt werden. Schwindler am Werk Achtung,„Vorwärt8"-Abonnenten! 3a Steglitz versuch« ein älterer Mann mit umgehängter Geldtasche unberechtigt das B e- z u g s g e l d für den„Vorwärts" zu kassieren. Auf die Miltellung. daß für die laufende Woche schon an die Botenfrau bezahlt sei, erwidert er, es müsse jetzt immer für den vollen Monat bezahlt werden. Vor diesem Schwindler wird gewarnt. Klassische Monologe. Ludwig W ü l l n e r ist es, der sie spricht. Goethe. Schiller, Shakespeare und Hölderlins Empedokles— es ist ein Fest der wunderbaren Worte, von überlebensgroßem Pathos geordnet uitb geformt. Pathos als Stil, was wäre uns ferner, wäre uns verdächtiger als dies? Bei Wüllner aber, aus Seherweisheit und ewig junger Begeisterung geboren, ist es noch einmal vollkommen und echt geprägte Form, eine„kristallne reine Schale" die ihres Inhalts Kostbarkeiten auf ihre Weije(mögen uns andere auch näher fein) gültig überliefert. Eine Zchauspieler-Nachtvorstevung der Operette „Glückliche Reife" von Kimnecke findet Tienstoa. 11.45 lllir, im Tbeaier am Kursürstendamm statt. Webers„Frestchütz" wird in der Städtische» Oper unter Regie von Carl Eberl und unter Leiiung von Fritz S t i e d r v n c u e i n st u d i c r t. Die Premiere ist für den 17. Dezember angesetzt. Moskau, 12. Dezember. Das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei der Sowjetunion hat, wie bereits kurz gemeldst, angeordnet, daß im Laufe des Jahres 1933 eine sogenannte„T s ch i st k a", eine Säuberung und Revision des Mitgliederbe st an- des der Kommunistischen Partei sowie der Anwärter für die Parteimitgliedschaft durch- geführt wird. Weiterhin wird von heute ab eine Ausnahmesperre sowohl für die Mitglieder- als auch die Parteianwärterschast für das Gesamt- gebiet der Sowjetunion in Stadt und Land ver- hängt. Dieser Beschluß beruft sich auf die Be- stimmungen, die vom 16. Parteikongreß über die „Tschistka" im April 1929 angenommen wurden. Derartige Parteisäuberungen haben hier wieder- holt stattgefunden. Richtunggebend für die'Art ihrer Durchführung war die allgemeine„Tschistka", die unter Lenin im Jahre 1921 vorgenommen wurde. In den Jahren 1922 bis 1928 fand eine laufende Ueberprüfung des Personalbestandes der Partei durch Kontrollkommissionen statt. Rund 260 000 Personen schieden in diesen Jahren aus der Partei aus. Im November 1928 beschloß das Zentralkomitee eine neue„General-Tschistka", von der besonders die Anhänger der Trotzki-Opposition erfaßt werden sollten. Die Durchführung dieser Säuberungsaktion, die bis zum Jahre 1930 an- hielt und auf Grund der Richtlinien der Partei- konferenz vom April 1929 erfolgte, traj praktisch besonders die Rechteopposition, die inzwischen zu einer neuen Gefahr angewachsen war. Die heute angekündigte Generalsäuberung soll wiederum oppositionelle Einflüsse zurückdämmen und durch hartes disziplinarisches Durchgreifen den Gehorsam der Varleimassen gegenüber der obersten Führung sichern. Die„Prawda" kommentiert in ihrem heutigen Leitartikel eingehnd die von der höchsten Partei- instanz angeordnete„T s ch i st k a". Diese neue Reinigungsaktioi» der Kommunistischen Partei wird mitder politischen Lage auf dem flachen Land begründet. Der Klassen- kämpf im Dorf, so wird ausgeführt, habe neue Formen angenommen! gegenwärtig werde nicht eine Agitation für den Austritt aus den Kollek- tioen getrieben, sondern der Widerstand gegen die Landkollektive, die „Kolchosen", werde von innen heraus organisiert. Diese Sabotage werde insbesondere durch Leute betrieben. die an wichtigen Stellen al» Buchführer, Vlagazinverwalter und Hilss- inspekloren ständen. Die„Prawda" nennt diese Saboteure„vielgewandte, mit guter Schulbildung ausgerüstete Kulaken" und klagt diejenigen Parteiorganisationen an.„in denen Parteisreuade sähen, die sich hinler ihrem Parteibuch versteckten". Dabei Handels es sich um Vertreter der rechts- oppositionellen Strömungen. Die vorgeschriebene Getreideablieferung an die Staatsorgane fei mancherorts von Leuten sabotiert worden, die „ein Parteibuch in der Tasche führten". Ein solcher Feind, so meint die„Prawda", sei gefähr- licher als ein offener Gegenreoolutionär und müsse mit der ganzen Strenge der revolutionären Gesetze bestrast werden. Diese Bemerkung der„Prawda" bezieht sich auf Urteilsvollstreckungen, die letzthin im Nordkaukasusgebiet vollzogen wurden. Heinnc� Vogeler Zu seinem 60. Geburtstag Um die Jahrhundertwende begann sich in Deutschland eine eigentümliche Reaktion gegen die aus Frankreich kommende rein naturalistische und impressionistische Kunstauffassung durchzusetzen. Eine durchaus nicht stur reaktionäre Heimatskunst entstand, die in Dachau und ganz besonders in Worpswede ihren künstlerischen Mittelpunkt hatte. Unter den durch ihr beschauliches Erleben ausgezeichneten, ganz der stimmungsvollen Land- schaft hingegebenen Künstlern in Worpswede nahm Heinrich Vogeler eine besondere Stellung ein. Er stammt aus einer Bremer Kauf- mannsfamilie, hatte in Düsseldorf studiert und anschließend in Worpswede ein« Kunstwelt ge- schaffen, deren Eigenart ein formglückliches Zluf- gehen in Sagen und Märchen ist. Wenn auch Vogeler in der Vorkriegszeit durch die Begründung einer Werkstatt für Wohnungs- kunst und als Kunstgewerbler weitreichenden praktischen Einfluß ausübte, so stand er als Mensch den realen Lebenstatsochen doch voll- kommen fremd gegenüber. Schwere Familien- schicksale rüttelten ihn plötzlich aus diesem unbe- schwerten Künstlerdasein auf. Mit 42 Jahren zieht er zudem als Kriegsfreiwilliger ins Feld. Als Soldat sieht er bald eine andere Well, und bald auch kämpft er auf seine Art gegen den Kriegs- wahnstnn. Schließlich kommt er nach Bremen in elne Beobachtungsstelle für Geisteskranke. Als er dort nach Kriegsende entlasten wird, wird er ganz zum Gegenteil dessen, was er früher war. Er bekennt sich zum Kommunismus und schreibt und spricht von einer Ausbeuterklasse, ohne sich über die tieferen materiellen Ursachen klar zu sein. In Worpswede überläßt er seine Besitzung Barken- Hof einer kommunistischen Kinder- s ie d l u n g und verfemt pathetisch jeden und ganz besonders die Künstler, die sich nicht gleich ihm zum Bolschewismus bekennen. Er selbst hat als Künstler fast jeden Boden unter den Füßen ver- loren. Während der expression'stischen Zeit ver- suchte er sich in wilden Ausdrucksformen, deren Kennzeichen heute schon weiter nichts als eine maßlose Leer« ist. Schließlich war er daru-m be- müht, als Maler und Zeichner möglichst einfach und allgemeinverständlich zu wirken, außerhalb aller auch künstlerischen Gesichtspunkte Eine solche Ausdrucksform aber hat man oder man hat sie nicht; erzwingen läßt sie sich nicht. Bei Vogeler wirkt sie meistens erzwungen. Das Leben und Wirken des jetzt sechzigjährigen Heinrich Vogeler ist eins der tragischsten Künstler- schicksale unserer Zeit. Ein wahrhaft begabter Künsller, aber ein mit nebulosen Vorstellungen einer Weltverbesserung behafteter Mensch schlägt sich zu einer politischen Partei, die ihn vorläufig noch als belächeltes Paradepferd mitschleppt. Ein Eropagancisiihn Unsere Zukunft liegt in Deutschland Die D e g e t o führte Sonntag in ihrer Morgen- Veranstaltung im Capital den Film von W i e s m o o r auf. Der Vorsitzende Dr. Johannes E ck a r d t hielt einen Begleitoortrag dazu, der nicht nur diesen Film erläuterte sondern ein ganzes Siedlungsprogramm entwickelt«. Deutsch- land hat an 5 Millionen Hektar Oedland, wovon ein großer Teil Moor ist. Der F'lm zeigt nun, wie es durch eine Kombination von Technik und Landwirtschaft gelingen kann aus einem Moor nicht nur die Kraft für eine elektrische Zentrale zu gewinnen, sondern gleichzeitig auch große land- wirtschaftliche Kulturen zu betreiben und aus dem neugewonnenen Boden Siedler anzusetzen Wies- moor ist das bekannte Kraftwerst das 1907 mitten in dem großen Mocrgebier Ostfrieslands mit Reichsunterstützung eröffnet wurde und heute ganz Ostfriesland und einen Teil Oldenburgs mit Elek- trizität versorgt. Der Film zeigt, wie unter Bs- Nutzung von eigens hierzu konstruierten Ma- fchinen der Torf gewonnen und der darunter liegende feste Boden der Kultur zugeführt wird. In großen Gewächshäusern werden besonders To- maten und Gurken zu einer Zeit gewonnen, wo sie im Freien nicht mehr gedeihen. Es ist die vollendetste technische Landwirtschaft, die sich denken läßt. Die Arbeiter siedeln sich zum Teil im Moore an und machen es selbst urbar. So steht neben der hochentwickelten kapitalistischen Wirtschaft die primitivste Form der Boden- bearbeitung. So iMeressant diese Kombination von Kraft- gewinnung und hoch qualifiziertem Gemüsebau auch ist, so läßt sich dieses Beispiel doch keineswegs verallgemeinern. Es wird auch nicht deutlich, ob die Landwirrschaft hier nicht bloß Nebenbetrieb ist, die erst rentabel wird durch die Kraftleistung. Als Ziel wird hingestellt, daß Deutschland seine gesamte Einfuhr an Butter, Vieh und Gemüse— jährlich an 700 Millionen Mark— selbst erzeug«. Das wäre mir zu erreichen— in langen Jahren natür- lich—. wenn Deutschland seine Zollpolitik grund- legend ändern würde. Denn gerade der Bauer leidet ja unter den hohen Schutzzöllen aus Futter- und Mastmitlel. Dann das Problem, wie Deutsch- land seinen industriellen Export aufrechterhalten kann, wsnn es den landwirtschaftlichen Ländern nichts mehr abnimmt. Alle diese Fragen be- handelte der Bortragende nicht. Der von Hubert S ch o n g e r hergestellt« Film ist mit der bei ihm gewohnten Akuratess« und dem Feingefühl für die Landschaft gearbeitet. r. Reportagen Anschauliche Hörbilder Eine Sendung der Funkstunde„Menschen vor d e m B e r u s" brachte eine Unterhaltung, die Dr. Reinhard Krauh mit jungen Ver- käufern führt«. Das Gespräch war klar um wenige Kernpunkte gruppiert. Es gab so ein anschauliches, wenn auch durchaus unvollständiges Bild von der geistigen und räumlichen Welt junger Verkäufer. Dr. Krauß bemühte sich, seine Auswahl sinnvoll zu begründen und fehlende Momente dem Hörer zum eigenen Durchdenken anzudeuten. Die einzelnen Menschen gewannen Gestalt. Erschütternd war das Lebensbild einer jungen Verkäuferin. Auch der Sonnabend überraschte die Hörer der Berliner Funkstunde mit einer Veranstaltung, die— bis auf den Schlust— den Anforderungen entsprach, die man an eine Hörreportage stellen kann. Sie führte in eine heilere Welt.„D a s Mikrophon hat Ausgang"— unter dieser Devise reihten sich Ausschnitte aus Varietäs und Kleinkunstbühnen aneinander, vortrefflich aus- gewählt und konferiert. Nur der Bericht von Ringkampfoeranstaltungen, obgleich er vielleicht sehr fachgerecht war, zerriß das einheitliche Bild. Glücklicherweise stand er am Schluß und konnte infolgedessen nicht allzu störend wirken. Iz. „Familie Selicke" Rose-Theater Es ist nicht einzusehen, warum das Rose-Theoter »ie gestrige Morgenaufführung des ersten früh- naturalistischen Dramas als Gerhart-Hauptmann- Nachfeier gedacht hat. Sie ist eine Ehrung für den voriges Jahr dahingeschiedenen Dichter Arno Holz und den heuer siebzigjährig gewordenen Jo- Hannes Schlaf, die mit diesem Werk seinerzeit ein« Richtung begründeten, ohne die man sich die ge- samte deutsche Dramenproduktion der letzten dreißig Jahre kaum denken kann.„Familie Selicke" ist mehr als ein literarhistorisches Dokument Das tragische Schicksal der Berliner Proletarierfannli« steht uns vielleichi gerade heute wieder näher als irgendwann. Und wenn es auch quält, es erschüttert heute wie damals und appelliert yn unser soziales Gewissen. Di« Aufführung unter Paul Roses Regie bot bestes Lolkstheater. So ein« geschlossen« Ensembleaufführung finden wir sehr selten noch aus einer Berliner Bühne Lotte von Syrow, ein« ergreifende Frau Selicke, und alle anderen dienten dem Werk mit wahrer tünst» lsrischer Hingabe und erzielten Wirkungen ganz großen Formats. Die dankbare Zuhörerschaft, ge- packt und erschüttert, spendete am Schluß lauten und anhaltenden Beifall. F. L. Wigmann-T anzgruppe „Der Weg" Mary W i g m a n. die von der Not der Zeit gezwungen war, ihre alte Tanzschar aufzulösen, hat sich nun eine neu« Gruppe geschaffen. Sie stellte sich mit ihr vor in einer Morgendar- bietung im Ufa-Theater am Zoo mit dem Tanzzyklus„Der Weg" Man kann diese Tanzschöpfung nicht an dem messen, was die Wig- man heute an tänzerischer Vergeistigung in ihren Solotänzen bietet. Dieser„Weg" hat zwar Tiefen- und Höhepunkte, di« an jene beseelte, kristallklare Kunst gemahnen: in sehr vielen Bildern aber überwiegt der Schau-Emdruck das innere Erlebnis. Mit wunderbarer Präzision arbeitet die Gruppe zusammen; in Ihren Bewegungen gliedert, formt sich der Raum zum lebendigen Körper Die an östlich« Motive erinnernden Tanzszenen sind immer eine Freuds für das Auge, eine Freude auch für den Verstand, der das unerhörte Können hinter diesem vollendeten Kunsthandwerk sieht. Doch nur im drttten und vierten Tanz, in den „Traumvögeln" und den„Schatten", wird Tiefstes aufgerührt. Diese beiden Szenen sind von erschütternder Gewalt. Hier strahlt das Tanzerlebnis der Meisterin auf die Gruppe über, erlöst sie aus ihrer technischen Präzision, zwingt sie zum Gegenspiel. Aus Spannung und Locke- rung, aus Bewegung und Gegenbewegung wachsen Solistin und Tanzgruppe zur Einheit zusammen. Magische Bezauberung steigt aus aus dem in ver- wirrender Harmonie verfließenden, sich zusammen- ballenden Chaos der„Traumvögel", strömt aus von den schwingenden, leblos-lebendigen Schatten. Diese Tanzbilder ergreifen den Hörer im wärt- lichen Sinn, mit der Kraft aller großen, echten Kunst. Schön, aber in dem Zyklus völlig abwegig, war die sechste Szene„P a st o r a! e". die in ihrer bunten Heiterkeit eine ihm durchaus wesensfremde Einschaltung war. Empfindlicher als die kühle Stilifiercheit der ersten Bilder störte der mit dem Einsatz dieses sechsten Bildes beginnende matte Schluß, der trotz der formalen Anknüpfung an den Ansang kein Ausklang, kein Zusammenklang, son- dern eben nur ein Ende war. S— z. Bruno Easfirer, der Berliner Verleger, wird heute 60 Jahre. Cassirer, der vor nun 35 Jahren zusammen mit seinem Vetter Paul die Berliner Kunsthandlung in der Viktoriastrahe begründete, hat sich später mehr dem Kunstverlage zugewandt. Als literarischer Verleger lange Zeit von Christian Morgenstern beraten, hat er Wedekind und viele der besten Jungen von heute verlegt, dann die großen Ausländer: Galsworthy und Gorki, als sie noch nicht berühmt waren. Bei ihm sind die grvhe Kant-Ausgabe und die Ar- betten Hermann Cohens und Ernst Cassircrs er- schienen. Vor allem hat sich Bruno Cassirer er- folgreich für den Impressionismus eingesetzt, dem er in„Kunst und Künstler" das literarische Organ schuf. Bei ihm erschienen die kunsterzieherischen Schriften Alfred Lichtwarks und Karl Schefflers und eine lange Reihe der Werke über alte und neue bildende Kunst. Besondere Verdienste hat sich Bruno Cassirer um das illustrierte Buch er- worden, in dem er Slevogt sein reichstes Schaffensgebiet eröffnete. Dr. Charlotte Weldler führt im Kunftllub, Mciileke- straße 27, Momag, 9 Uhr, Lichtbilder von einer Afrika- reise vor:„Wie europäischer Gel st afri- k a n ts ch e Kultur v c r m a n s ch t." Eintritt frei. Die Bollsbühne veranstaltet zugunsten ihres Hilfz- fonds auch am zweiten Weihnachtstag, vormittags 11.30 Uhr, im Theater am Bülowploh eine Kaha- rett-Matinee. Loskarten für Mitglieder 1 M. Syrups Nachfolger Da der bisherige Präsident der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenoersiche� rung, Dr� S y r u p, zum Reichsarbeitsminister ernannt worden ist, wurde der Präsident des Landesarbeitsamts Südwest, K ä l l i n, mit der Leitung der Reichsanstalt kommissarisch bc- austragt. Die freigewerfschastlich organisierte Arbeiter- schaft steht Herrn K ä l l i n einstweilen mit großer Reserve gegenüber. Hossentlich gelingt es ihm, sich wenigstens in die bisher von Dr. Syrup ein- gehaltene Linie eines loyalen Ausgleichs zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern hineinzufinden. Bis jetzt hat Källin es nicht oerstanden, mit der Arbeiterfckast in Fühlung zu kommen. Im übrigen haben wir jetzt den merkwürdigen Zustand daß m der Leitung der Reichsanstall Preußen, das größte Land nicht v e r- treten ist. Großfeuer im Oftseebad Hotel und Kino niedergebrannt Seebad Ahlbeck, 12. Dezember Im Kurpark-Hotel in der Dünenstraße brach am Freitagabend Feuer aus, dos sich sehr schnell aus das anliegende Strandkino ausbreitete. Obwohl die einheimische Feuerwehr rasch zur Stelle war. brannte das Hotel bis auf einen Seitenteil nieder. Das Strand kino wurde völlig eingeäschert! nur ein geringer Test der Möbel konnte gerettet werden Die Ur- fache des Brandes ist nach unbekannt. Rundfunk der Woche Randbemerkungen zum Rundfunkjahrbuch Die Regie/ungstätigkeit Herrn von Popens und seines Kabinetts bestand nicht zuletzt im Halten von Rundfunkreden. Das neue Rund- junk-Iahrbuch gibt darüber Auskunft. In Ssr„Stunde der Regierung" und ihren Schallplattenwiederholungen hörten wir Herrn von Papen 1 8 m a l. den Reichst nnen- in i n i st e r d e s Innern. Herrn von G a y l. und den R e> ch s m i n t st e r für Ernährung und Landwirtjchast je 8 mal: andere Reichsvcrtreter sprachen 3 2 m a l, Vertreter der Länterregieru ngen 2 4 m a l. Auch sonst ist die'es Jahrbuch, wenn man zwischen den Zeilen zu lesen versteht, recht ousichlußreich. Gleich im Einleltungsartikel stößt man au' diese Sätze:„Es kann dicht bestritten werden, daß der übliche Sommerstillstand in der Teilnehmer- bewegung— verbunden mit laisonmäßigen Abmeldungen— in diesem Jahr bis in den Monat Oktober gedauert hat. Die Gründe hierfür — dos hat eine Erhebung über die Abmeldunae,. erwiesen— liegen in überwiegendem Maße aus wirtschastlichem Gebiet." Aus diese zarte Weise werden die Auswirkungen der freihcrrlichen Scholz- Aero umschrieben. Selbstverständlich wird nicht mitgeteilt, daß all« Abmeldungen, die ohne Angabc von Gründen erfolgen, auf das Konto„wirtschaftliche Notlage" gebucht werten. Daß die Krise grundsätzlich gerade eher der Ab- Meldung des Rundfunks entgegenarbeitet, bestätigt dieser selbe Artikel wenige Zeilen später. Es beißt dort:„Es gilt noch immer dos, was eine-Zeitung kürzlich vom Rundfunk schrieb: „Rundfunk schlägt Wäsche! Es ist bezeichnend, Stroh, das nicht brennt In Magdeburg wurde einem Kreis von Fach- leuten aus allen Teilen Deutschlands in Platten- form gepreßtes Stroh, sogenanntes Solomit, vor- geführt, das sich aus keinerlei Weise in Brand setzen ließ. Durch ein besonderes Preßverfahren ist dem Stroh— ohne jeglichen chemischen Zu- satz— die Feuergefährlichkeit genommen worden. Das Gerüst eines provisorischen Daches brannte vollkommen aus. während die Solamitplatten un- versehet blieben. daß vor kurzem so etwas wie Hochkonjunktur'ür Sperrholz war, weil all die vielen Arbeitslosen basteln. Um der Beschäftigung willen. In diesen 'Beschästigungs- und Baft-.lsektor sälll auch der Rundfunk. Er scheint nicht nur krisenfest, sondern sogar krisenprositicrend. Was wurde gekauft im letzien Jahr? Di« Forschungsstell« siii den Hairdel hat in einer ausgezeichneten Unter- suchung solgenkes scstgeilellt: Nimmt man d'e Umsätze des Vorjahres mit lllll an. so ergibt sich. daß Möbel eine Steigerung aus löll Proz.. Kleidung aus 146 Proz., Schuhe von 120 Proz. aufwiesen! dann kommt Rundsunkgerät mit 100, und alles andere bleibt nun— zum Teil weit— zurück. Auch Wäsche, von anderem gar nicht zu reden___" Dos Rurrkfunk-Iahrbuch klagt darüber, daß die Gebührenbefreiungen bereits jetzt den Monats- durchschnittsfag des zahlenden Hörers von 2 M. auf 1,80 M. herabdrücken, oder, auf den Tag lerechnet, von 6,6 auf 6 Pi., wobei sestzustellen ist, daß der Rundfunk für diese aus den Tag be- rechnete gering« Summe eine Fülle von Dar- bietungen gibt. Jeder zahlende Rundsunkhörer sollte sich täglich vor Augen halten, daß er für einen Arbeitslosen. Kriegsbeschädigten oder Blin- den 20 Pi. zahlt: vielleicht wird dann das Bestreben nach Senkung der Rundfunkgebühren eiwas nachlassen." Dieser Appell klingt.zweifellos sehr rührend Aber mich 1,80 M. �m Monat sind viel zu viel: sie stellen immer noch die weitaus höchsten Rund- tunkgebühren der Well Dar. Außerdem ist diese Rechnung ini Rundfunk Hexerei: wenn man den Rundfunkeinnahmen mit den Grundregeln der Arithmetik zu Leib« geht, ergeben sich wesentlich andere Zahlen. Die rund 4 Millionen Rundfunk- Hörer erbrachten, wenn man kurzfristige Abmel- düngen während der Sommerreis« usw. in Abzug bringt, über 90 Millionen Jahres ein- nähme. Der Ausfall durch Gebührenbefreiungen beträgt laut Rundfunk-Iahrbuch etwa 1,6 Millionen Mark, also ungefähr 1% Proz.— und nicht 10! Von den zwei Mark Monats- gebühren kommen also ganze 3K Pf. den erwähnten wohltätigen Zwecken zugute! Bon den Hörergebühren erhält das Reich zum Ausgleich anderer Etats den größeren Teil: immerhin blei- ben für den Rundfunketat noch 43,9 Millionen Mark, davon wieder für die Rundfunkprogramme 18,8 Millionen. Man sieht, es wird mit den Hörergeldern großzügig gewirtschaftet, wenn auch selbstverständlich das Rundfunk-Iahrbuch psticht- schuldigst anderer Meinung ist. Sehr wichtig ist der Schluß dieser durchaus offiziell zu wertenden Etatbetrachtungen im Rund- funt-Jahrbuch. die mit diesen Sätzen schließen: „Wenn alle diese vorstehend geschilderten Dinge unverfälscht(!) dem Hörer und Nichthörcr bekannt werden, dann wird, glaube ich(Ministerialrat Leberke), manche abfällige Kritik verstummen und das Vertrauen zum Rundfunk neu gestärkt wer- den. Dann wird ihm die feste Grundlage jeder gesunden Wirtschaftsführung,«ine gesicherte Ein nähme, erhalten bleiben, und«r wird seine Kul- turaufgabe dem deutschen Volk gegenüber weiter wie bisher erfüllen können." Das heißt, in schlichtes Deutsch übertragen: die maßgebenden Stellen denken nicht daran, di« Ge- bühren zu senken. Sie haben zweifellos für die einkommenden Riesenbeträge gute Ber- wendung. Das Volk aber kann und will sie nicht mehr aufbringen. Die außerhalb des Programm- emts verbrauchten Summen sind bei dem heutigen Stand der technischen Einrichtungen viel zu hoch. und auch der Programmetal kann reduziert wer- den bei belferen Leistungen und ohne daß ob? Kleinverdiener am Rundfunk geschädigt werden. Die Hörcrgebühren könnten heute bei weitestem Entgegenkommen an alle Arbeitslosen winde- stens auf 1.50 M. im Monat gesenkt werden, wenn mit dieiem Geld« richtig gewirt- ichasiet wird. Sonst ist an diesem Rundfunk-Iahrbuch noch bemertenimert, daß es durch Abbildung und Namensnennung für einen— Hellseher Reklame macht. Es hat„seine Kulturaufgab«" erfaßt! Tes. Rundfunk am Abend Montag, 12. Dezember Berlin: 16.13 Die Feier der Einsamen CH. Nowack). 16,30 Unterhaltungsmusik. 17.30 Die neue Geselligkeit der kleinen Gelegenheiten. 17.30 Büdier der Luftfahrt(J. Groll- mann). 18 10 Unterhaltungsmusik. 18.53 Die Funkstunde teilt mit 19.00 Stimme zum Tag. 19.10 Wir dürfen auch beute noch Feste feiern. 19.30 Unterhaltungsmusik. 20.00 Der Ruf(Funkdichtung). 21.00 Wir erinnern an. 21.10 Orcbesterkonzert 22.10 Wetter-, Tagesund Sportnadiridüen. Tanzmusik. 24.00 Wiederholung: Douaumont Königs Wusterhausen: 16.00 Pädagogischer Funk. 17.30 Die Geschichte und der deutsche Mensch der Gegenwart(Dr. M. K rammer). 18.00 Musizieren mit unsichtbaren Partnern(Dr. H. Just). 18.30 Die Wendung in der Dichtung der Gegenwart. 18.53 Wetterbericht 19410 Stunde des Landwirts. 19.23 Viertelstunde Funktechnik(Ob.- Ing. Nairz). 19.40 Zeitdienst 20.00 Aus Hamburg; Orgelkonzert 20.30 Adventslieder. 21.00 Tages- und Sportnachrichten. 21.10 Aus Hamburg: Heldische Flucht 22-23 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. 22.43 See- Wetterbericht Aus Wien: Abendkonzert. Sonst; Berliner Programm. Vollständiges Europaprogramm im„Volksfunk", monatl. 96 Pf., durch alle„Vorwärts"- Boten oder die Postanstalten. 127. Abteilung. Achtung. Mitglieder! Die Ge- nossinnen und Genossen beteiligen sich nicht an der heutigen Versammlung, da dieselbe nicht von der Konsumverwallung, sondern von uns un- bekannter Seite einberufen worden ist welker in Berlin: Fortdauer des beständigen Wetters mit mäßigen bis frischen südöstlichcu Winden.— 3n Deutschland: Ueberall trockenes. vielfach heiteres Frostwetler. Berantworllich für Politik: Rudolf Brendemühl: Wirtschast: G. Klingelhöser:(Zcivcrlschasl-.be- wegung: I. Steiner: iceuilleton: Herbert?«> V b r e: Lokales und Sonstiges: stritz Sarltädt: Anzeigen: Otto Hengst: lämtlilli in Berlin Ber- log: BorwärtS-Berlap G m. b H. Berlin. Truck: Borwärts-Buckdruckerei u. Berlogsanstali Paul Singer u. Co., Berlin SW. 68, Lindenftr 8 i Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise werden in jeder Morgen-Ausgabe des„BorwärtS" veröffentlicht .Hierzu l Beilage. WWW! Montag, den 12. Dezember Slaatsoper unter den unden 20 Uhr Der fliegende Holländer Es gelangt nur eine beschränkte Anzaht Kar en zum Verkauf staatliches Schauspielhaus 19 Uhr Faust I. Teil «uuhr CflSinO-THEATEH»Hin» Lothringer Slrafje 57 imiiMimiimmiitfinmiiiiiiiiiiiniiHiiiiiiiiimiiiiitMtifimitiniii Sonntags aoeh nachmittags 4 Uhr Schlager- Posse Alles um Lotti mit Gesang und Tarn Fßr die Leser Ouischein I— I Personen- Parken nur OSO. Fauieuil nur 0.75. Sessel 1 25 M Auch Sonniags abends VOLKSBUHNE i riieatcr am Bdlowpia iz Norden«49«. Täglich 8zi Uhr Das neue Paradies von Jalios Hay Regle: Heine Hilpert Maurus. Wohlbrfick, Dahlke. Horney Stettiner Sänger Reichshallen-Theater Ddnhorrpiau Direktion Heysrl 8.15 Sonntag 3.30 1 zn ermaß. Preisen. GelMClit MDarscialt und das neue Weihnachtsprogramm. Nur noch 8 Tage! Sonntag nachm. 3 Uhr bllL Preise HädMper Cbariotrenburp Fraunhofer 0231 Montag, 12 Defc. 19 30 Uhr Volksvarstellung Verk. 4 R?. Undine Nettesheim, Burg- wiMcel, Schirach, icital, Gombeit, Kandl, Baumann Müller. Pechner Dil ig Breisach Deutsches Theater Weidend. 5201 Täglich 8 Uhr Harmonie von Franz Molnar Inszen. Max Reinhardt Max Pallenberg, Karlwcis.Etllnger. Viillemin, Hertha Thiele, Tctwin Lore Mosheim Ksmmersüieie Täglich gi Uhr .MI MW" m Frmtisrt Uajer Reg: Rudoll Beer Pial Hirtlitr. Rimi Beul, UibeiitiMr. Mnrnr, Itiim. Hirnnm. 8ekil rneaier im 4iimlralspa.asi Merkur 0901 Täglich 8«i| Uhr Hans Afbers Liliom 'S c h hl I e r Shinarcksfr.(Knie) Steinpl.(C l) 67k 8� Zeitungsnotizen Heute 4 Uhr Alfred Braun Or. Do Uttels Abenteuer Dienstag, den 13. nachm. 4;a Uhr Astspid d;r Dsotsdiin tesikPOfme Dia Hochzeit des Figaro Rofflnd»tO?eri3 4Aktw vun Ä. A. Miiurt Kleine P.eise KorfUrstend.-1v. Kurförstendamra 209 Tel Bism. 140j Tägl. fsh* Uhr fiiöddldit! leise von Bertscfe cd SAwatodi IHosIk. Kfinoeke Regie Peokert Kans Schindicr mit seinen Jazi-Symphonikern Vonrertwi UMaterb'odter Theater des Westens Steinpl. 5 21 Täglich 8% Uhr Hella KOrty in Das mddei aus Oasmaiien Uch'ensrein. Lorring. Haase, Collam Deutsches Künstler-Th Mimherger Str. Tel Bararia 6456 Täel>>/, Uhr auch Weihnachier Laoroldlne Konstantin in: Die Nacht zum 17. April Schi oth, Steinbeck Gebühr, Brionne, Wolle, Picha Theater i d.-, Stresemannsir. Täglich Si.Uhr nur dl» 17. 0«x. o«M. üenaissancs- in. Steinpl. 6740 Täglich S'm Uhr Trapp« l»:il Die maasetaiie ii v. G. B. Shaw \Aoissi. von Thell- mann, Bertens. Evans,Oito,Sima, Wiemann. Deppe, Fischer ihtPODOimeaier Täglich 814 Uhr j tndi wemnaoiM Kntzt Massary Eine frwi, die weifi, Ii was sie will! Lüstspielhaus Attentat in San Francisco Inserate im � Vorwärts sichern Ccfolgl !1SÄ Kabarett für Alle 4 Uhr TZirltch 7' V Uhr Du ssnsaHone'.le Kibsrett-Programn Abendpreise I— S Mk. Nachm. GrdaeK 125 Jtden Snr.nabtnii ll�Uhr: hachtvorttehone uernauie msDsi Kose• i neaiei Grill« Fnnkhrto Strsh 137 Id. Wddul V 3iZ2 8.15 Uhr Böhmische Musikanten B. B. B. Beadows Bunte BOhne Kotibosser Straöe 6 Oberbaum S500 „von A-Z" Titflidi 81« Uhr $oiini. nachm. 31/, Schwerhörig- — aber doch gut hören MAcfalen Sie das wieder 7 Wollen Sie Ihrem Beruf uneehemmt nachgehen, an allen Freuden von Wort, Ton und MusIK wieder teilnehmen? SIeherlleul „Original- Akustik" mit seinem neuen Tonfilter-, Mikrofon und dem Oo dknonfhörer, kleiner als ein Pfennig, bringt|r nen das große Geschenk wieder hören zu können. Fordern Sie Prospekt D 16. Deifsdie Akustik Gesellsdiaft n. d. H. Aelteste u. führende Spezialfabrik Oegr 1905 Verkauf u Vorführung: eeriiR-wnmersiior'. KtizKr. 43 Eernn, Kiosterstr. 43 f.emie'enitcr•osi. Br enzer Str.« Geöffnet tag ich von 9— 5 Uhr Vertreter in a ien Großstädten AufWunsch Zahlungserleichterunc Patentmotran»» .Primisstmu' auf» togemnfratzen Me- taHbcttcn Chaise» fonguta. 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Unnerdindliche kostenlos» Prob»- stund«.» MONTAG, 12. DEZ. 1932 BEILAGE WMrts 3)er&J13). in der Praxis Gefahren, AbwehrmiHel, Ausfichien Das quantitative Wachstum des FAD.— zirka 2S0l)00 junge Erwerbslose sind gegenwärtig von ihm ersaßt— sagt noch nichts aus über die sozial- pädagogische Wirkungskraft dieser modernen pro- duktioen Fürsorge für die erwerbslose Jugend. Die schwerwiegende ökonomische Problematik des FAD. aber kann nur ausgeglichen werden da- durch, daß man seine sozialpädagogische Produktivität sichtbar macht. Die Gesa.hr der Militarisierung des FAD. ist nach wie vor groß. Der Stahlhelm schließt diejenigen Arbeitsfreiwilligen, die sich über das Esten be- schweren wegen„unmilitärischen Verhaltens" aus dem Lager aus. Der nationalsozialistilche„Verein zur Umschulung" bestimmt im§ 3 seiner Dienstordnung:„Dem ständigen Vorgesetzten gegenüber gibt der Arbeitssreiwillige seine Achtung äußerlich durch strammen Gruß Ausdruck." Nach Z 7 darf„bürgerliche Kleidung nur mit Genehmigung des Abteilungsführers angelegt" werden. Eine Reihe der jetzt eingerichteten Führerschul u n g s k u r se widerspricht in chrem Ausbau durchaus dem pädagogischen Charakter des Arbeitsdienstes. Gewiß: bei Gruppenbewegungen kann man den Befehlston nicht entbehren. Was soll man aber dazu sagen, wenn in einem Führer- schulungskursus der Lehrer von einem„Führer- anwärter" mit zusammengeschlagenen Hacken, Hand am Mützenschirm, begrüßt wird:„Melde gehorsamst, KS Mann zum Unterricht angetreten!" Einer unserer Genosten, der sich aus einer solchen Führerschule befindet, die einer schlechten Unter- offiziersschule verdammt ähnlich sieht, saßt sein« Gedanken in dem Satz zusammen:„Wenn wir solchen Leuten den FAD. überlasten, so ist das die größte Unterlastungssünde, die die Arbeiter« dewegung sich jemals geleistet hat." In der Tat: die aktive Betätigung der zuständigen Organisationen der Arbeiterbewegung im FAD. ist die beste Abwehr der Militari- sierungsgefahr und der Arbeitsdienstpflicht. Mit der Gründung des„Sozialen Dienstes" --uor einigen Monaten-hat unsere aktive Mitarbeit in breiter Front eingesetzt. Unsere erwerbslose Jugend hat in ihrer großen Mehrheit diesen Schritt mit viel Berständnis aufgenommen. Schon jetzt sind zirka 30 000 Arbeitsdienst- willige unter unseren Fahnen im FAD. be- ichäftigt, und zwar in vorbildlichen sozialpädagogischen Formen. Das folgende Beispiel aus der Praxis— eines unter vielen— mag das bezeugen.(Es handell sich um eine Arbeitsdienst- maßnahm« des Arbeiter-Samariter- Bundes.) Walter Pähl. Sias£ager am See Das Arbeitsprojekt bestand aus Uferarbeiten, Entladungsarbeiten. Regulierung eines Abfluß- grabens und Verbreiterung des Badestrandes an zwei Seen. Ferner Ausbau eines Heimes(ehe- maliger Netzschuppen), Bau einer Küche, Errich- tung von Zäunen, Erweiterung der Abortanlage und Schassung eines Spielplatzes. Träger der Arbeit und Träger des Dienstes war eine Ar- beiterorganisation Die Seen drohten zu ver- landen, die Ufer glichen einer unwegsamen afrikanischen Wildnis, der Abflußgraben war total vermodert, die Zäune waren eingefallen. Das Arbeitsamt genehmigte die Ausführung dieser Arbeiten in der Zeit von 14Wochen mit 26 Arbeitswilligen. ■Sie tageselnleilung Ein Trompetensignal weckt alle Lagerinsasten aus dem Schlos. Der Tag beginnt. Hinunter geht's zum See zur M o r g e n w ä s ch e und G y m n a st i k. Hinterher noch ein Bad, und jede Müdigkeit ist spurlos verschwunden. Jetzt schmeckt das F r ü y st ü ck doppelt gut. Mehlsuppe gibt's und Brötchen. Zwei Trompetenstöße verkünden den Beginn der Arbeit. Jeder nimmt sein Werkzeug zur Hand, und dann geht's kolonnenweise zur Arbeits- stelle. Die eine Kolonne zum Wald Bäume fällen, die nächste zum Wegebau, und eine andere fährt mit dem Kahn„zur See", um Entiandungs- oder Userarbeiten zu oerrichten. Im Lager bleibt der Zimmermann zurück denn immer wieder bricht ein Harkenstiel, ein Beilhelm oder ein Ruder, und der Schaden muß schnell repariert werden. Zu rück bleibt auch der Küchendienst und der Stuben- dienst. Letzterer hat bis zum zweiten Früh- st ü ck sämtliche Räume gesäubert. Es ist um 10 Uhr fällig Etwa die Zeit, wenn sonst ein Arbeitsloser auffteht. Hier aber wurde gearbeitet. und wer arbeitet, der hat ein Recht zum Esten. Sechsundzwanzigmal vier Schnitten Brot liegen bereit, und daneben stehen zwei Eimer mit dampfendem Kaffee. Es schmeckt allen. Wer hat zu Hause wohl noch belegte Brot« von dieser Güte? Doch mancher wird auch von„viere" nicht satt. Schnell dem Lagerleiter eine abgeknöpst, denn es ist bekannt, daß er nie seine Portion schafft. Mit zufriedenen Gesichtern geht es wieder an die Arbeit. Reichliche und gute Verpflegung isi die Vorbedingung für das Gelingen der Arbeit und für eine gute Stimmung im Lager. Nun stehen sie wieder bis zum Knie im Waster und holen Stück für Stück von dem zähen Zeug heraus. das vom Land aus in den See wächst, um ihn zu vernichten, oder sie karren Sand und planieren. damit ein Weg um den See entsteht. Unterdesten haben die.Lüchenbullen" das Mittagessen bereitet. Wer will es wem ver- denken, wenn zwei Züge nicht ausreichen, noch ein dritter oder vierter„nachgesoßt" wird. Ein- einehalbe Stunde dauert die Mittagspause, gut die Hälfte wird verschlafen. Wanim auch nicht, der Tag ist noch lang. Zweieinehalbe Stunde soll noch gearbeitet werden. Dann will man baden, es kommt die V e s p e r z e i t und hinterher eineinehalbe Stunde Borträge oder Arbeitsgemeinschaften. Am beliebtesten sind die Arbeitsgemeinschasten. Die Themen er- geben sich aus der eigenen Situation.„Woher kommt die Arbeitslosigkeit",„Wie kann die Ar- beitslosigkeit beseitigt werden?". Wahrhaftig Stoss genug für die Dauer des Lagers, denn der Mechanismus des Kapitalismus und sein Ver- sagen, die deutsche Wirtschaft und die Weltwirt- schast, Reparationen und Autarkie, und schließlich der Umbau der Wirtschaft müsten besprochen Der seelischen Versasiung einer besonderen Gruppe in der erwerbslosen Jugend, nämlich der junger Angestellten, nachzugehen, war der Zweck von Fragebogen, die der Zenlralver- band der Angestellten in einem 14tägigen Er- werbslosenkurlus beantworten ließ. Einunddreißig junge Angestellte beiden Geschlechts aus Orten der Provinz Brandenburg und aus Berlin stellten immerhin in ihrer Zusammensetzung ein Material dar, das«inen ziemlich umfassenden Ueberblick auf die Umstände in der Klein-, Mittel- und Groß- stadt bietet. So gestattet das Ergebnis der Um- frage«inen Schluß auf die allgemeinen Verhält- niste und auf die Verfassung der arbeitslosen kauf- männischen Jugend. Di« Fragebogen ergeben folgendes Bild: von den männlichen Teilnehmern befanden sich im Alter von 17 18 19 20 21 24 2K Jahren 3 4 10 2 1 1..... 1 während die weiblichen Teilnehmer sich zusammensetzten im Alter von 17 18 19 Jahren 2' 4 3 Die Dauer der Arbeitslosigkeit betrug 1 2 3 S K 7 8 10 12 mäanl. Teilnehmer 3— 31322 1 3 4 >» eiblich-.— 2— 113 1—— 1 lieber die Hälfte der Teilnehmer war also über 7 Monate erwerbslos: unter den über 12 Monate arbeitslosen Jungen befand sich einer mit einer Erwerbslosenzeit von 29 Monaten. In den Familien der Jugendlichen waren weitere Angehörige o r b e' t s I o s 1 2 3_ 4 Familienmitglieder bei den Jungen in K— 1 1 Fällen „„ Mädchen ,42-- Ein Blick aus die Unter st ützungsbezüge der Jugendlichen zeigt, daß von den am Kursus beteiligten 22 männlichen Teilnehmern nur 7, und von den weiblichen 9 Teilnehmern nur 3 Unter- itützungen erhalten, das sind von beiden Gruppen ein Drittel. Die Unterstützungsbeträge schwanken zwischen 3,50, 4. 5, 6, 6.50 und 8,05 Mark für die Woche. Um die ganze Schwere einer solchen Situation zu begreifen, fei hervorgehoben, daß der Jugendliche, der bereits 29 Monate erwerbslos -st, überhaupt kein« Zuwendung mehr erhält. Bei einer derartigen Sachloge, langandauernde Arbeitslosigkeit, Erwerbslosigkeit der Familien- angehörigen. ohne Unterstützung, darf es nicht wundernehmen, wenn die seelische Ver- f a s s u n g dieser jungen Menschen ver- zweifelt und v e r z a g t ist. Die Stimmung erhellt am besten aus der Beantwortung der ge- stellten Frage:»Wie wirkt die Arbeitslosigkeit auf werden. Von besonderen Referenten werden Arbeitsrecht, Sozialpolitik, Verfaisungsfragen und Geschichte behandelt. Wöchentlich einmal erscheint auch der Arzt zur Gesundheitskontrolle. auch er findet mit feinem medizinischen Thema „Die Geschlechtskrankheiten, die Tuberkulose usw immer ein aufmerksames Publikum. Mit der geistigen Kost ist es etwas andere? wie mit Esten und Trinken. So manchem fäll! es schwer, dem Gang der Dmge zu folgen. Es ist ja auch gar nicht verwunderlich, denn sie haben sich nie intensiv mit solchen Dingen beschäftigt und bringen keinerlei Grundlagen mit. Ausgenommen einige aus der FGJ. und SAI. Hier merkt man doch die Erziehungsarbeit dieser Organisation Aber als Leiter konnte ich mich doch darüber freuen, daß mit der guten lörperlichen Entwick- lung auch die des Geistes Schritt hielt. Sie wurden geistig ausgeschlossener, stellten Fragen und diskutierten. 'ilach der Arheil Mittlerweile ist es 7 Uhr abends geworden und Zeit zum Abendessen. Wieder gibt es vier belegte Schnitten Brot, dazu Tee und manch- mal auch Kakao. In den Sommermonaten war nach dem Abendessen noch genügend Zeit zu Abendwanderungen, Badetouren, Kahnpartien, Handballspielen oder sonstigem Sport.(Für Sport stand auch der Mittwochnachmittag zur Ver- fügung.) Als die Abende länger wurden, muhte der Lagerleiter an ihre Ausgestaltung denken. Borlesungen, Lieder, Radiodarbietungen. Gesell- schafts- und Brettspiele, und einmal in der Woche die Lagerversammlung gaben den Abenden Inhalt. Di« Lagerversammlungen mit Punkt 1 der Tagesordnung„LagerangeiegenHeiten" werden immer sehr interessant. Denn sie hatten un 1. und 2. Obmann eine..Betriebsvertretung" und nahmen regen Anteil an der Entwicklung des Lagers. Auch das Programm der F e i e r st u n d e, dip jeden Sonntag alle Lagerinsaste» versammelte, wurde hier beschloste», desgleichen der Besuch von anslaltungen der Arbeiterorganisationen in der Nachbarschaft und ein wohlgelungenes„Strand- fest". Aus der Mitte der Lagerversammlung kam so manche wertvolle Anregung, deren spätere Aus- tührung für das Lager von Nutzen war. „Der Lagerleiter führt die Aufsicht im Loger. und seinen Anordnungen ist Folge zu leisten" So bestimmt es die Lagervrdnung. Diese aber ist die V e r s a s s u n g des Lagers, und ihi» Paragraphen haben innerhalb des Lagers fetzeskraft. Es ist auch für den Lagerlefter gut so. denn ohne Autorität geht es nicht, sie braucht aber nicht auf militärischem Kadavergehorsam auf- gebaut werden. Die Lagerversammlung wird mit einem Lied geschlossen. Es ist 10 Uhr und der Lagerlefter bietet„F e i e r a b e n d". Im gemeinsamen Schlafraum auf hartem Feldbett ruhen im ge- suuden Schlaf der Jugend bald sämtliche Lager- insasten. So ging es 1 4 W o ch e n(zwei Wochen wurden noch nachbewilligt). Dann war es aus. Sie mußten gehen, sie wollten nicht. Eine Abschluß- feier wurde organisiert. Im Mittelpunkt eine gemeinsame Wanderung um den See, der Stätte unserer Arbeit. Er hafte ein anderes Gesicht be- kommen. Unser Wert. Der Tröge? der Arbeft konstatiert: Arbeitsleistung sehr gut. Doch die geleistete Arbeit ist nicht das Wesent- liche, nicht der Zweck, sondern die Wirkung. Viel wichtiger ist die Tatsache, daß jeder Kollege ge- sundheftlich gefestigt und geistig aufgeschlosten das Lager verläßt. Sie haben wieder einen inneren Hall bekommen. I�arl Kaetel. AngeflelUenjugend will 3)as Ergebnis einer Stundfrage/ Ton Walter Efchbach dich ein?" Die nachstehenden Antworten einiger Jungen und Mädchen sind der Grundton fast aller Aeußerungen. 1. Ein seit 7 Monaten erwerbsloser 19 Jahre alter Teilnehmer schreibt:„In der ersten Zell machte ich mir weiter nichts draus. Da ich keine Unterstützung bekam, ging ich zum sre i willi- gen Arbeitsdienst. Hier gefiel es mir ganz gut. Ich war der größten Sorgen enchoben und konnte wenigstens Kostgeld zu Hause geben. Nach 20 Wochen mußte ich aufhören. Nun bekam ich auch öfter Krach mit meinem Vater, da ich kein Kostgeld geben konnte. Mir war nun alles egal, ich wurde abgestumpft, ließ nuch selten zu 5iause blicken und trieb mich auch lange in den Nächten überall herum Manchmal sah ich einen ganzen Tag befreundeten Kollegen bei der Arbeft zu. Ich bekam dabei so die rechte Lust und Liebe zu meinem Beruf. Ich habe nichts weiter als den sehnlich st en Wunsch, in meinem Beruf wieder arbeiten zu dürfen. Aber nirgends findet sich eine Stelle. Ich werde versuchen wieder beim freiwilligen?lrbeitsd!enst anzukommen. Ich sehe den Arbeitsdienst nur als einen Notbehelf an. Lust zu dieser Arbeit habe ich jetzt nicht mehr." 2. Ein gleichfalls 19 Jahr« alter Teilnehmer, der seit 18 Monaten erwerbslos ist, formuliert: .Lch bin in der Zeit meiner Arbeitslosigkeit sehr st u m p f s i n n i g geworden. Man döst den ganzen Tag herum und macht sich nur Gedanken. weil man doch keine Aussicht auf eine Stellung' hat. Es ist um so trauriger, da die Sachen all- mählich abreißen und man sich von den Pfennigen Unterstützung nichts anschaffen kann." 3. Der 29 Monate erwerbslose Junge schreibt: „Ich werde hierdurch meiner Fortbildung in be- ruslicher sowie materieller Beziehung entzogen, habe daher keine Aussicht auf eventuelle„Existenz- Möglichkeit". Durch langjährige Arbeitslosigkeit werde ich auch weiterhin seelisch abgestumpft und in anderer Beziehung vielleicht etwas ober- f l ä ch l i ch." 4. Schließlich noch die Aeußerung eines Jungen, der 17 Monate ohne Beruf und Erwerb ist:„Man lebt wie solch Einsiedler, man weiß nicht mehr ein und aus. Die Sehnsucht nach Arbeit geht schon so well, daß man jetzt schon die schlechteste Arbeit annehmen muß, um dem traurigen Dasein von zu Hause zu entrinnen." Einige Mädel beantworten die gestellte Frage wie folgt: 1.„Sie steigert nicht nur die nvrtjchastliche Notlage, sondern man ist auch an der Weiterbildung gehindert. Sie zwingt uns sogar soweit jede Ar- beit, ganz egal welcher Art. auszuführen." 2.„Die Arbeitslosigkeit bedrückt mich sehr. Trotzdem ich den Dekorationskursv» besucht habe, ist es mir bis jetzt noch nicht gelungen, Arbeit zu finden. Da die Zeiten immer schlechter werden, seh« ich mich gezwungen, mich noch irgendeiner anderen Arbeft umzusehen." 3.„Seftdem ich ans der Schule bin. habe tch noch keine Stellung gehabt. Meiner Mutter hat die Zlusbildung sehr viel Kosten verursacht. Es ist traurig, daß ich jetzt noch meiner Mutter zur Last fallen muß. Sie selbst hat auch keinen Aerdienst. Auch verlerne ich wieder alles, da ich keine Fortbildung mehr habe" Aus diesem Rahmen herausfallend sind ledig- lich zwei Beantwortungen, von denen die erste lautet: 5. Der 24jährige Teilnehmer, seit 12 Monaten erwerbslos, schrieb:„Außer in materieller Hin- ficht hat mich die Arbeftslosigkeit noch nicht belastet. Im Gegenteil, ich habe ausgiebig meinen persönlichen Neigungen Rechnung tragen können und jede Gelegenheft ausgenutzt, mein Wissen zu erweitern. Besonders intensiv beschäftige ich mich mit Gewerkfchasts- und Parteiarbeit." 6. Der 20jShrige Teilnehmer, ebenfalls seit 12 Monaten erwerbslos, schreibt:„Ich habe nicht die Hoffnung, jemals in den Wirtschastsapparot wieder«ingeschaltet zu werden und arbefte des- halb für einen Aüfbau der proletari- fchen Organisationen, um dadurch«inen Ilmbau der Wirtschaft und der Gesellschaft zu er- möglichen." Aus dieser Formulierung ist die stärkste innere Konsequenz zur kapitalistischen Wirtschaftsunord- nung zu entnehmen. Bon diesem System wird nichts mehr erhofft, eine Einstellung übrigens, die bei vielen Jugendlichen anzutreften ist, wenn sie auch nicht in den Fragebogen d'rekt ausgesprochen wurde. Es ist überflüssig. d«-m noch viel hinzu- zufügen, denn die klaren Aeußerungen sprechen für sich selbst. Nur soviel sei gesagt, daß die leelische Not bei dem Teil der Jugend, die keiner Organisation angehört, vielfach noch größer ist: denn die Organisation bietet durch die Gemein- ichaflsarbeit immerhin eine Bindung an Freunde, Genossen und an geistige Betätigung. Siulturfo&iologie? Unter dem Titel„Die Gegenwartsauf- gaben der Soziologie" veröffentlicht der Frankfurter Soziologe Karl Mannheim(I. C. B. Mohr, Tübingen) eine Schrift, aus der man sich über die gegenwärtig« Problemlag« der sozio- logischen Forschung ausgezeichnet unterrichten kann. Mannheim entwickelt die L e h r g e st a l t der Soziologie. Soziologie kann als Spezialwisien- schail gelehrt werden, als Soziologie der einzelnen Disziplinen, und schließlich als Lehre vom gesell- jchastlichen Charakter der Kultur, ihrer Entwick- lung und dem Gesamt.pisammenhang des Werdens der kulturellen Einzelgebieft: mit einem Wort als Kultursoziologi«. Da die Wissenschast der Sozio- logie gegenwärtig noch keineswegs abgeschlossen ist, ist die Ausbildung der Lehrgestall der Soziologie von besonderer Dringlichkeit. J. F. M. Sport in Kürze Die Geraleiurner aus dem ganzen Gebiek des Arbelter-Iurn- und Sporkbundes gaben sich am Sonnabend im Saalbau Friedrichshain ein S!ell» dichein zum Welkkampf Berlin— Thü- ringen— Chemnitz. Cs war eine Schau bester Leistungen. An die Z000 Zuschauer sahen Thüringen mit SSS Punkten, Sieger vor Chemnitz mit 325 und Berlin mit SgS Punkten. Die Ber- liaer sehen sich vor der Aufgabe, in ihren Leislun- gen fester zu werden, sonst werden sie gegen die Besten aus dem Reich auch in Zukunft kaum be- stehm können.— Die Turnsparte des aus einer Verschmelzung aller Arbeitersportoereine in Weihen- se« hervorgegangenen„Volkssport weihe u- see" hatte gestern zu einem werbefesl eingeladen, das, soweit die Leistungen in Frage kommen, gut gelang. Rur hätte der Kreis der zu Gewinnenden gröhpr sein können.— Bei den Arbeiter- suhballern erlebte man eine Enttäuschung: hnnsa und Rord konnten in ihrem Spiel nicht entscheiden, wer Rordgruppenmeisler werden soll. Die Leistungen der Spieler waren so mangelhast, dah als einzige Freude die Taksache bleibt, dah der Gruppcnmeister nun erst am kommenden Sonnlag entschieden werden wird.— Der bürgerliche Fuhballverein Minerva, der bisher als Spitzenkönner galt, muhte sich gestern von Rorden-Rordwes» 4:3 schlagen lassen. Das ist die zweite Riederlage in einer Woche; erst am ver- gangenen Sonntag bezog Minerva von herlha- BSC. eine l0:l-packung.— Es schien, als ob mit dem kalten Wetter auch der richtige Eislausfport in Berlin eingekehrt ist: das, was die Wiener Kunstläufer am Sonnabend und Sonnlag im Sportpalast zeigten, war ganz grohe Klasse. Das Haus raste vor Begeisteruug— nur schade, dah für die grohe Masse der Werktätigen Sportpalast- preise immer noch unerschwinglich sind.— Zn den Räumen des republikanischen ReichsautoNubs wurde einm Skikameradschafl aus der Taufe gehoben, die die Absicht hat. olle republi- kauisch gesinnten wintersportler und solche, die es werden wollen, zu erfassen. Man will in die nähere und weitere Umgebung Berlins st-'-en und Skikurse abhalten. Arbeitersportler als Kunsttumer Thüringen im Städtekampf Sieger mit 958 Punkten Diesmal Weißensee Eine weihnachtliche Werbung Es war ein Fehler, dah der„Volkssport W e i H e n s e e", der neue Zemralverband aller Arbeitersportler in diesem nordöstlichen Teil der Stadt, die Schau seines Uebungsbetriebes so kurz vor Weihnachten angesetzt hat; die schöne Turn- Halle in der Parkstrahe war nur schwach besetzt, man hätte der Veranstaltung gern einen stärkeren Besuch gewünscht. Was die Turner und Turne- rinnen zeigten, war in der Absicht zusammen- gestellt, den Zuschauern das Alle einmal anders zu zeigen. Das mag nicht leicht fein, denn letzten Endes bleibt Gymnastik und Turnen eben Turnen und Gymnastik. Wer ein findiger Regisseur ist schliehlich in jedem Verein aufzutreiben. Unser Ringen nach Gesundheit und Lebensfreude — so betitelte sich die Gesamtoeranstaltung— brachte neben verschiedenen Gymnastikübungen der Männer und Frauen, die immer bei den Zu- schauern in vorgerückterem Lebensalter den Wunsch auslösen, es auch so machen zu können, sehr ansprechendes Geräteturnen. Das Riegenturnen steigerte dann die Geräteübungen bis zu kunst- turnerischen Vorführungen. Was unter der Be- zeichnung„Spiel und Späh" im zweiten Teil gezeigt wurde, sollte denen, die gern mitmachen möchten, wirklich Anlaß sein, sich selbst aus den Weihnachtstisch das Versprechen zu legen, vom nächsten Jahr ab zu den Arbeitersportlern zu gehen. Das trifft für Kinder und Jugendliche ebenso zu wie für die Erwachsenen, selbst wenn sich das Bäuchlein schon etwas gerundet hat(was bei den Arbellern in der heutigen Notzeit einiger- maßen selten sein soll!) oder Mutler schon etwas komplett geworden ist. Für alle findet sich ein System, nach dem Gymnastik bei den Arbeiter- sportlern getrieben werden kann. Und billig ill d�e Geschichte dazu! Ncuscl außer Gefecht Wie der Manager von Walter Neusel mitteilt, bat der Bochumer Schwergewichtler sofort nach seinem 5tampf mit chans Schönrath die Berliner Universiläts-Augenklinik aufsuchen müssen. Dort stellte Professor Eomberg eine ausgedehnte Entzündung an der Oberfläche des linken Augapfels sowie an beiden Augen schmerzhafte Reizungen der Bindehaut fest. Neusel ist durch diese Ver- letzungen, die er sich übrigens schon in den ersten Runden des Kampfes zugezogen haben soll, vor- läufig außer Gefecht gesetzt. Daraus kann man ersahen, dah der Sieg Neusels über Schönrath wirklich ein sehr glücklicher gewesen ist. denn genau so gut wie der Krefelder, aus dessen Riß- wunde an der Augenbraue reichlich Blut floß, hätte er selbst vom Arzt aus dem Ring genom- men werden können. Bei den Ringkämpfern im Zirkus Busch werden in dieser Woche die Schlußkämpfe ausgetragen. Gestern trennten sich die beiden Schweren Wolke und Fernstanoff nach drei Gängen unentschieden. Weinura brachte Grikis nach 39 Minuten auf beide Schullern und Luppa-Berlin konnte Krause- Rheinland nach Ili Minuten durch einen blitz- schnellen.Luftzug werfen. Die erste Begegnung der Mittelgewichte Pohlfuh gegen Mosiz verlief erstmalig völlig offen, und der starke Paßmann entledigte sich Kautski-Breslau in 17 Minuten. Weit ist der Glaube verbreitet, das Geräte- t u r n e n sei so gut wie ausgestorben. Am Sonnabend wurde man allerdings eines anderen be- lehrt. Wer den Weg zum Saalbau Friedrichs- Hain einschlug, um dem K u n st t u r n e n der Bezirksmannschasten von Thüringen, Ehem- n i tz und Berlin der Arbeitersportler beizu- wohnen, hat bestimmt erwartet, einen mäßig gefüllten Saal zu finden. Wie groß war aber das Erstaunen, als bereits eine Stunde vor Beginn der Veranstaltung kein Platz mehr zu haben war. Und diejenigen, die gekommen waren, werden den Abend nicht bereuen. Um es kurz zu sagen: es war schön in jeder Beziehung! Das, was die einzelnen Turner boten, grenzte an Artistik. In der Hauptsache waren es die Thüringer, die immer wieder zu wahren Bsstalls- stürmen mitrissen. Wenn der mehrfache Bundes- meister Rödel- Greiz an ein Gerät ging, so war alles gespannt, wie er seine Kunst zeigen würde. Aber noch mehr waren die Nerven ge° spannt, wenn der kleine Baron von der Freien Turnerschaft Groß-Berlin turnte; wie er die Uebungen hinlegte, das war staunenswert. Aber noch staunenswerter waren dann die bekannt- gegebenen Punkte. Es ist zu begreifen, daß die Zuschauer beim Bekanntgeben der Resultare ein Pfeifkonzert anstimmten. Man sollte doch be- stimmt erwarten, daß bei einer so großen Ver- anstaltung nicht erst das Schiedsgericht zusammen- treten braucht; von den einzelnen Kampfrichtern mutz man schon ein gerechtes Urteil erwarten können. Zu bedauern ist nur, dah gerade die Berliner die Leidtragenden bei dieser ganzen Sache sind. Damit sollen aber nicht die Leistungen der Thüringer und Chemnitzer herabgesetzt werden. Im Gegenteil, es gibt nur ein Urteil: die Mann- fchaften waren im allgemeinen besser als die Ber- lmer, ober doch nicht soviel, wie es die Wertung ausdrückt. Wie schnitten die einzelnen Wettkämpfer ab? Der beste Einzelturner war Rödel. Wenn er bei 189 zu erreichenden Punkten 179 erhält, dann muß er schon ein großer Könner sein. An allen Geräten war er in seinen Leistungen gleich. Und hier sitzt auch der Fehler bei den meisten Geräteturnern. Es ist kein gutes Zeichen, wenn ein Turner wie Würfel-Chemnig an dem einen Gerät 53 Punkte und an dem anderen nur 43 erzielt. Aber noch schlechter ist es, wenn Blümel-Berlin es sogar am Pferd, das sonst zu seinen besten Geräten gehört, nur 39 Punkte erzielt. Und dieser Turner war auch ausschlaggebend für die Niederlage Berlins. Dem Berliner Meister Mielke schien seine Krankheit noch in den Knochen zu stecken. Er kam nie aus seine sonstige Punktzahl. Im großen und ganzen kann der 1 Kreis als Veranstalter mit dem Erfolg zufrieden sein Zu hoffen wäre es nur, daß dieser Abend recht bald wiederholt wird, damit gerade dieser Zweig der Körperübungen wieder mehr gezeigt wird. Der Publikumserfolg und noch mehr der Sporterfolg dürften anregend wirken. An den Geräten wurden folgende Punkte erziell: Ehcmiiig: Würfel: Barren M, Pferd Reck 53, insgesamt 146; Dnrkdardt: Barren 50, Pferd 48, Reck 48, insgesamt 146; Thiele: Barren 49, Pferd 54, Reck 32, ins- gesamt 155; Niegel; Barren 49, Pferd 50, Reck 52, ms- ackamt 151; Echllppel: Barren 53, Pferd 53, Reck 53, insgesamt 161; Nerbcrt; Barren 54, Pferd 34, Reck 58, ins. gesamt 166.— Thüringen: Tetzner: Barren 51, Pferd 48, Reck 55, insgesamt 154; veorgi: Barren 53, Pferd 53, Reck 52, insgesamt 158; Kilmnann: Barren 48, Pferd 51, Reck 31, insgesamt 150; Limburg: Barren 54, Pferd 56, Reck 55, insgesamt 165; Rahnfeldt: Barren 49, Pferd 52, Reck 53, insgesamt 155; Rödel: Barren 59. Pferd 57, Reck 58, insgesamt 174.— Berlin: felöter: Barren 49, Pferd 48. Reck 48. insgesamt 145; Bliimel: Barren 48. Pferd 39, Reck 49, insgesamt 136; Kähne: Barren 48, Pferd 45. Reck 50, insgesamt 143; Lenthold: Barren 51, Pferd 50, Reck 56. insgesamt 157; Baran: Barren 55, Pferd 50, Reck 55. insgesamt 160: Mielke: Barren 53. Pferd 52, Reck 52, insgesamt 157.— Endergebnis: Thüringen 958, Chemnitz 925, Berlin 898 Punkt«. Ein kalter Spielsonntag Die Serienspiele der Arbeitersportler Wann wird im Nordbezirk die Entscheidung im Fußball kommen? Erwartet wurde sie aller- dings schon gestern im Spiel Hansa gegen Nord. Glaubte man doch, daß es Nord gelingen würde, den Hanseaten die Punkte zu nehmen. Es kam aber anders; die Vereine zeigten ein Spiel, daß man am ganzen Fußball verzweifeln möchte. Leide Mannschaften, der Sieger und der Besiegte, zeigten so wenig, daß man sich überhaupt wun- dern mußte, daß es noch zu Torerfolgen reichte. Und dabei gab es deren sogar fünf. Nord' legte in der ersten Halbzeit ein Tempo vor, daß es aussah als würde Hansa in Grund und Boden gespiell werden. Immer wieder wurde Nords Sturm dem gegnerischen Torwart gefähr- lich. Bald kam der Ball von links, bald von rechts, ohne jedoch den Torwart passieren zn können. Oft wurden die Verteidiger zu Rettern erst im letzten Augenblick. In der 29. Minute spielte sich endlich die Mitte Nords durch und mit einem Bombenschuß fegte der Ball ins Netz. Bon da an glaubte man Nord in Front. Doch das erste Tor war das Signal für Hansa. In der 31. Minute wurden denn auch die Bemühungen belohnt: Nords Torwart fiel auf dem glatten Boden hin und über ihn hinweg sandte Hansa zum Ausgleich ein. Dann wieder längeres Mittel- feldspiel. Schon glaubte man, daß es bei diesem Resultat bleiben würde, als eine kurze Drängelei vor dem Nordtor zu einer Reihe von Kopfbällen führte, deren Endergebnis der Führungstreffer für Hansa war. Wurde man schon in der ersten Halbzeit nicht warm(der Witterung und dem Spiel nach!), so sollte es nach dem Seitenwechsel noch schlechter werden. Zur großen Ueberraschung der Zuschauer wurde das Spiel nun reichlich hart. Und hier waren es einzelne Spieler von Nord, die den Mangel an Technik und Ausdauer durch Unfairneß ausgleichen wollten. Sehr zum Scha- den der eigenen Mannschaft. Hansa wurde dadurch etwas überlegen, so daß es auch bald zum dritten Tor kam. Als dann noch ein Elfmeter gegen Nord verhängt wurde, war den Hanseaten der Sieg beim Stande von 4:1 nicht mehr zu nehmen. Ueberzeugend war dieser Sieg allerdings nicht. Man mußte sich nur wundern, wie es Hansa ge- lang, eine Woche vorher gegen Adler zu ge- winnen. Durch den gestrigen Sieg stehen sich beide Mannschaften punktgleich. Die Entscheidung wird erst am kommenden Sonniag im Treffen Adler gegen Vorwärts-Wedding fallen. Im 4. Bezirk ist endlich die Bezirksmeisterschaft entschieden worden. Hertha hatte, nach dem 1. Spiel zu urteilen, die größeren Aussichten. Die Hoffnungen wurden auch nicht enttäuscht, allerdings waren in dem sehr flotten Spiel die Luckenwalde? bis zum Wechsel tonangebend. Nachdem beim Sieger im Sturm eine Umstellung erfolgt war, konnte die Mitte in 19 Minuten den Ausgleich und die Führung erringen. Lucken- walde V war nunmehr am Ende feiner Kraft. Die Schwäche kostete noch zwei Tore. Nickers yczcn Oft 3-1(1:1). In der flotten erften Hälfte geht Bst IN Führung, aber Kickers kann durch Elfmeter ausgleichen. Nach dem Wechsel kommt ez längere Zeil zu keiner Entscheidung, bis endlich der Angriff von K. ls- bendiger wir» und Ost zwei Ueberraschu'ngstore ins Netz jagt.— Rst.Bcih gegen B-lkswirt-Weitzensee 1:1(1-1). Weißense- bat anfangs die ssührung des Spiels, muß üe aber nach dem Wechsel an die Gastgeber abgeben. Bas Ergebnis entspricht dem Spielverlauf.— Einigkeit. Staaten gegen Dallgow 5:1(2:1). Staaken ist ersatzgeschwäckt. spielt aber trotzdem überlegen. Das Spiel war gut, litt aber unter dem schlechten Platz.— Vorwärts-Wedding gegen Sintracht-Rcinickendors 4:1 f0 t). Das Halbzeitergebnis zeugt van dem Eifer Reinickendorfs. Borwärt-, die Punkte schon vor dem Evicl in der Tasche, übt sich im „ltzummeln".— Normaania gegen«chäneberq?.«<0:01. Ein ruhige» Spiel, dem man den„Silbernen Sonniag" ansah.— Blau-W-iß arge» BS®. Neukölln 5:1 f-ni. Mehr noch alz bie Barschau andeutete, ging Blau-Weiß aus sich beraus.— Pankow g-aen Blan-Gelb 4'd(0:0). Stärker als be! wlchtia-ren Spielen zeiate sich Pankow dem Bi ndesneul>ng aea-nüber.— llichtenberg oeaen Werliee 3'«(3:0). Di« Lichtenberger nabmen dos Spiel von der leich-en Seite und siegten desbolb verhältnismäßig knapp. — Einteacht-Spandan g-oon Rvnpin-e Bpoetkcennde 2:2 (0:1). Ruppins neue Mannschaft führt« sich auf UN- gewohntem Platz gut«in.— Teltsw gegen Alemannia 22 2:2. Eine Ueberraschung für die Sreisstädter, die sich die Alemannen schwächer vorgestellt hatten. Jugend: Lichtenberg gegen Normaunia 0:1(—>.— Bot- wärts.Webding gegen Alemannia 1:2 1:1). Schüler: Hansa 1 gegen Vorwärts-Wedding 1 2:1(—). — Porwäris 31, 1 gegen Wilmersdorf 1 2:1(—). Hockey Der Serienkampf zwischen Tennis Rol und dem Freien Hockeyklub Spandau endete unentschieden 1:1. Die Spandauer hatten in ihrem Mittelläufer die treibende und beste Kraft, während bei Tennis Rot die Stürmer jede einheitliche Leistung ver- missen ließen. Der Arbeitersportverein Rot-Weiß gewann gegen den Berein für Leibesübungen Ostring eindrucksvoll mit 8:1. Mit dem gleichen Resultat siegten die Freien Turner Groß-Berlin- Tempelhof gegen die Freie Sportvereinigung Pankow 8:9. Der VfL. Ostring 2 gewann gegen den ASV. Wedding knapp mit 3:2. ASV.Schöne- berg und der Sportverein Moabit 2 spielten im- entschieden 9:9. ASV. Rot-Weiß siegte in über- legenem Spiel gegen den Männer-Turnoerein Bernau 4:9. FTGB. Tempelhof gewann gegen Rot-Weiß 3 mit 4:3. Bei den Werbespielen in Reinickendorf-Ost gestalteten die Freien Turner Groß-Berlin ihr erstes Spiel zu einem beachtens- werten 4:3-Sieg über die FSV. Pankow 2. Das Hauptspiel der Veranstaltung zwischen Voltssport Neukölln-Britz gegen Athletit-Sportklub gewann der Meister nach guter Leistung mit 8:1. Handballresultate Der FTGB. Süden 2 wurde durch Nowawes 1 mit 2:3 eine neue Niederlage in der 1. Klasse be- reitet. Jedoch hätte es leicht umgekehrt kommen können, denn Süden war besonders in der zweiten Halbzeit überlegen. Hennigsdorf gewann verdient mit 8:2(3:9) gegen FTGB. Osten. Osten war zwar, besonders in der ersten Hälfte, die technisch bessere Mannschaft, aber Hennigsdorf schoß die Tore. In der Abteilung L war der Spitzenreiter Süden 1 mit 11:1(6:1) Mahlsdorf vollkommen überlegen. 1. Bezirk: FTGB. Oberspree 1 gewann gegen Ober- spree 2 sicher mit 7:1(3:1) und Strausberg 1 schlug Rehseide 13:3 17:0).— 2. Bezirk: FTGB. Reinickendors- Ost 1 gegen ASB. Wedding 2 6:0(5:0).— Hennigsdorf 2 gewann mit 4:3(1:0) gegen Tegel 2.— Im 4. Bezirk ichlug die FSV. Fichte l ihren Gegner FTGB. Friedenau 1 mit 6:1(4:1) und die FTGB. Süden 3 gewann über- legen gegen Wilmersdorf 2 mit 10:2(4:1) Toren. Arbeiter- Wasserball Die fälligen Serienspiele der Spitzenklasse des Berlin-Brandenburger Kreises, die am Sonnabend und Sonntag im Wellenbad zum Austrag kamen, nahmen wiederum einen ansprechenden Verlaus. Die Freien Schwimmer Berlin 12 zeigten sich seit langem wieder einmal in guter Form und holten sich durch einen klaren 4: 9- Sieg gegen die schnelle Mannschaft von Hellas II wertvolle Punkte. Berlin 12 hatte in seiner Hintermannschaft seine stärkste Stütze, die sich der Aufgabe, den schwimmerisch überlegenen Gegner abzuwehren, recht geschickt entledigte und dabei die Angriffsreihe mit brauchbaren Vorlagen bedachte. Trotz steter leichter Feldüberlegenheit gelang es den Stürmern jedoch im ersten Teil des Spiels nicht, einen sichtlichen Vorsprung zu er- reichen, wobei die ausgezeichnete Arbeit des Hellas-Tormannes jedoch in Rechnung zu stellen war. Erst knapp vor dem Seitenwechsel glückte Berlin 12 nach guter Kombination der erste zähl- bare Erfolg. Mit Wiederbeginn legte sich Hellas scharf ins Zeug, konnte jedoch nicht verhindern. daß der Gegner mit einer sauberen Verlängerung weiter in Front ging. In der Folge war Hellas redlich bemüht, dos Resultat für sich günstiger zu gestalten, doch alle Angriffe scheiterten teils an der aufmerksamen Gegenwehr der Verleidiger und zum anderen an mangelnder Berständigung tm Sturm. Derschiedentliche Einzelgänge der Hellenen endeten meist mit Fehlschüssen. Das an sich verdiente Ehrentor blieb der Hellas-Mann- schaft oersagt, dagegen holte sich Berlin 12 durch einige gut« Leistungen im Stellungsspiel zwei weitere Erfolge, die den Sieg sicherten. Die Gruppe Neukölln der Freien Schwim- wer Groß-Berlin behielt im Spiel am Sonntag gegen die zweite Mannschaft der Freien Schwimmer Charlottenburg mit 6:3, Halbzeit 8: 9(!) Toren die Oberhand. Nach den letzten Leistungen der Charlottenburger hatte man mit einem ausgeglichenen Kampf und einem knappen Ende gerechnet. Es kam aber einmal anders. Beide Mannschaften hatten Umstellungen vorgenommen, die sich bei Neukölln vortellhaft, bei Charlottenburg jedoch ungünstig auswirkten. Neukölln legte gleich zu Beginn scharf los und tonnte den in der Abwehr nicht mit gewohnter Sicherheit arbeitenden Gegner bis zur Pause ein- fach überrennen. Die Verständigung zwischen Verteidigung und Sturm kam in diesem Spiel- abschnitt bei den Charlottenburgern nur schwer zustande. Erst nachdem die Seiten getauscht waren, kam Charlottenburg allmählich ins Spiel und gestaltete dann das Treffen mit zunehmender Spielzeit für sich überlegen, zu spät allerdings, um der Niederlage zu entgehen. Guten Eissport zeigten die Wiener im Sportpalast Im Sportpalast gab es am Sonnabend und Sonntag wieder einmal richtigen Eissport zu sehen. Aus Wien war eine ganze Kolonne von Kunstläufern und Hockeyspielern eingetroffen. Sie fanden in Berlin nicht die Beachtung, die sie verdient hatten, was wohl auf die vorweihnacht- liche Zeit zurückzuführen ist. Am Sonnabend waren die Eisläuser durch das unerhört schlechte Eis stark behindert. Man kann der Verwaltung des Sportpalastes den Vorwurf nicht ersparen, daß sie solche Veranstaltungen zu wenig ernst nimmt und offenbar nur finanzielle Vorteile im Auge hat. Um 8 Uhr, ein« Viertelstunde vor Beginn, war die Eisfläche noch pudelnaß, das heißt, das Eis befand sich nur in einer dünnen Schicht über den Kühlröhren. Große stumpfe Flecke auf der Bahn waren für den Eislauf absolut ungeeignet, die Läufer stürzten nur so über sie hin. Ein gerechtes Urteil über die Wiener Kunstläufer zu fällen, war deshalb, soweit der Sonnabend in Frage kommt, nicht möglich. Dafür brillierten aber am Sonntag auf der einwandfreien Bahn der junge S ch o l- d a n und Liselotte L a n d b e ck ebenso wie auch die österreichische Meisterin Hilde H o l o o s k y und das Meisterpaar Frau G a i l l a r d und Petter. Es gibt Leute, die die Holovsky über Sonja Henie stellen; das ist aber zum großen Teil Geschmackssache und bei dem Gleichstand der Kunst der beiden wahrscheinlich nur von einem un- parteiischen Schiedsrichterkollegium zu entscheiden. Glänzend eingespielt das Kunstläuferpaar, das seine Figuren in einer Vollendung zeigte, wie man sie im Sportpalast selten zu sehen bekam. �In den Eishockeyspielen siegte am Sonnabend der Wiener Eislaufverein gegen den Berliner Schlittschuhklub mit 9:9 Toren; am Sonntag lautete das Resultat 3:9(3:9, 1:9, 1: 9) für Berlin. Dikkerenzcn im Sturmvogel Wie ein Teil der bürgerlichen Presse berichtet. sind im„Sturmvogel". Flugverband der Wert- tätigen, Differenzen ausgebrochen Eine Zwei- drittelmehrheit der Vorstandsmitglieder verlangt den Rücktritt des Vorsitzenden Walter Binder und hat eine am Sonnabend abgehaltene Vorstands- sitzung demonstrotio verlassen. Die Meinungsverschiedenheiten haben ihren Grund hauptsächlich in der Finanzzebarung des'Verbandes. Wir können nur dringend wünschen, daß der Streit recht bald zum Vorteil für den Verband beigelegt wird.