Morgen- Ausgabe Nr. 587 A 288 49. Jahrg. Redokiton und Verlag, Berlin SW 68. Lindenstr. 3 Jftrnieredwt<3 � Ami DSnhot, bi* 307 Setegrommabteliei SojuiQxmohat l3BeiIta BERLINER VOLKS BLATT MITTWOCH 14. Dezember 1932 In Groß- Berlin 10 Pf. Auswärts....... 15 Pf. 95e3ir ÄbeMrgungen und Dnze'g-nvreise stehe am Schluß des redarttonellen Teils Jentralovgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Zurück»um Tariflohn! Die Lohndruckverordnung Rapens fällt— Tariflöhne treten wieder in Kraft Die Papensche Lohndruckverordnung »om 5. September ist gefalle n. Sie gab dem Unternehmer die Möglichkeit, bei Neueinstellungen die Tariflöhne aller Beschäftigten für die 31 bis 40. Stunde bis zu SO Proz. zu senken. Gegen diese Verordnung hat sich Empörung und Kampf der Arbeiter gewandt. In vielen Fällen ist der Einbruch in die Tariflöhne im Kampfe abgewehrt worden. Nachdem der Reichs- tag den sozialpoluifchen Teil der Notverordnung vom 4. September ausgehoben hat, mustt« auch die Lohndruckverordnung beseitigt werden. Die Reichsregierung hat gestern im Haushalts- ausfchuß des Reichstags erklärt, daß sie die Verordnung vom 5. September aufhebt. Damit trete» die vereinbarten Tariflöhne in allen de« Fälle« wieder in Kraft, in denen ein Abbau auf Grund der Papen-Verord- uung erzwungen worden war! Das ist ein Erfolg des Kampfes gegen das Papcn-Rcgirne! Der Haushaltsausfchuh hat ferner beschlossen, daß die Notverordnung vom 14. Luni aufgehoben werden müsse, die die Kürzung der Sozialrenten emhäll Die Regierung weigert sich, ste aufzuheben. Sie kann zur Aufhebung nur durch da» Plenum des Reichstags noch seinem Iviederzusammeulritt gezwungen werden. A.alhebllBg der Lohndruckverordnung Zur Aufhebung der lohupoli- tischen Verordnung vom 3. S e P- tember 1332 berichtet der Abg. Auf. Häuser(Toz.) über die Beratungen des vom Reichsarbeitsministcrium im Haus- haltsausfchust gewünschten Unteraus- fchuffes. Di« Reichsregierung hat sich grundsäglich bereit erklärt, die Verordnung aufzuheben und ihre Absichten über die technische Regelung des Uebergangs dem Unterausschuh mitzuteilen. Die von der Regierung vorgesehenen Auslausfristen konnten durch den Unterausschuß wesentlich verkürzt werden. Die generelle Auslaussfrist wird nunmehr aus den 31. Dezember d. I. festgesetzt werden. In Einzelfällen, in denen ein Betrieb aus Grund der jetzigen Löhne Austräge vorliegen hat. aus deren Nichtausführung Schaden erwächst, kann aus Antrag beim Schlichter d i e Frist bis spätestens 31. Januar IS33 verlängert werden Der Antrag mutz bis spätesten» 31. Dez.'inbe, 1332 gestellt sein. Für die Fälle des zweiten Teils der Berord- nung, in dem es sich um die..gefährdeten Be- triebe* handelt, ist die Ausloufsfrist mit dem 31. Januar 1333 beschränkt. Die zur Verordnung vom S. September erlassenen Ausführungs- Verordnungen treten automatisch auher Kraft. Mit der Aufhebung der Verordnung werden die vereinbarten Tariflöhne wieder hergestellt. Der Haushaltsaus- schuh nimmt den Bericht zur Kenntnis. Die Finanzlage des Reichs Ein Vertreter des Reichsfinonzministeriums ant- wartet dann auf die in der vorigen Sitzung vom Abg. H e i n i g gestellten Haushalts- rechtlichen Fragen. Die Zufammenftellun- gen über Beteiligungen des Reichs. Subventionen, Kredite. Darlehen und Bürgschaften werden, wie verlangt, dem Haushaltsausschuß nach dem neuesten Stande umgehend vorgelegt Der Haus- haltsplan l 333/34 sei noch nicht so weit fertiggestellt, wie es normalerweise sein müßte Der Hauptgrund sei, daß die Arbeitsbe- schasfung in ihrer Wirkung auf den kommenden Haushaltsplan noch nicht übersehen werden könne. Der Abstrich an den Ausgaben im laufenden Jahre in höhe von 110 Millionen könne, im einzelnen ousg teilt zur, eil Im haushallsaus- schuh noch nicht mitgeteilt werden. Man wolle das aber nachholen. Abg. hlferdlng fSoz.) beantragt eine allge- meine Erörterung der finanzpolitischen Lage de» Reiches im Hauchaltsausschuß für den 9. oder 10. Januar vor Beginn der Etatsberatungen. Es wird jp beschlossen. (Siehe auch 2. Seite.) isterriols Äahlungsformkl Von den Ausschüssen abgelehnt— Beginn der Kammerdebatte Eigener Bericht des„Vormärts Paris. 13. Dezember. Die Regierung Herriot hat nach Kennt- uisnahme der neuen englischen Note au Amerika folgende State zum Schulden- Problem ausgearbeitet: „1. Die französische Regierung nimmt von der Antwort Stimsons vom 8. Dezember Kenntnis, in der die Regierung der Vereinigten Staaten die Möglichkeit zuläßt, alle Elemente zu prüfen, die den französischen Antrag auf Revision und seine Inbetrachtziehung durch den amerikanische» Kongreß und das amerikanische Volk betreffen. 2. Sie bittet um sofortige Eröfsuung von verHand lungen, die daraus yinzieleu, eia Regime zu revidieren, das unvereinbar mit der recht- llchen und tatsächlichen Lage ist. 3. Die französische Regierung wird am IS. De- zember 13 2S1 432 Dollar zahlen. Sie wird ver- langen, daß diese Zahlung bei dem neu zu ver- einbarenden Abkommen angerechnet wird. 4. Die französische Regierung hat die Ehre, die Regie- rung der Vereinigten Staaten davon zu unter- richten, daß Frankreich, solange die durch das Moratorium geschaffene Lage aufrechterhalten bleibt und wenn nicht eine neue ollgemeine Re- ge'ung der internationalen Schulden ersolgt, rechllich und tatsächlich außer Stande sein wird, von jetzt ab die Lasten eines Regimes zu tragen, das aufrichtig nur durch die B e- gleichung der Reparationen gerecht- fertigt werden kann* Dissen Text unterbreitete der Ministerpräsident dem Finan-�und dem Auswärtigen Ausschuß. die um 2 Uhr zu einer gemeinsamen Sitzung zu- sammentralen. Er begründete ihn nichl näher, sondern wies nur auf den ernsten Beschluß hin, den die Kammer zu fasten habe und aus die Vlög. llchkstt. dab ein? iZa�l-mg-ve'we neri'ng das Ende der Lausauner Abkommen zur Folge haben würde. Beide Kommissionen berieten darauf getrennt über den Regierungsentwurf. Der Auswärtige Ausschuß lehnte ihn mit 24 gegen 3, der Finanzaueschuh mit 22 gegen 3 Stimmen ab. Der Generalberichterstatier der Finanzkom- Mission, Lamoureux, und das Mitglied des Auswärtigen Aueschusses, Berge ry, wurden beaustragt, eine gemeinsame Entschließung auszuarbeiten, die der Kammer zur An- nähme empfohlen werden soll. Diese Entschließung war in verhältnismäßig kurzer Zeit fertiggestellt. Sie stützt sich in ihren wesentlichen Teilen aus die Entschließung, die am Montag die s o z i a l i- st i s ch e Fraktion angenommen hat, d. h. sie sordert die Regierung auf, im Einverständ- nismit England und den anderen Schuldnern Amerikas sofort die Einberufung einer int er- nationalen Konferenzzu beantragen, die allen Geldüberweisungen ohne Gegen- leistung eine Ende machen und d'e wirtschaftliche Lage sanieren soll. Bis zum Abschluß dieser Konserenz soll die am IS. Dezember fällige Zahlung aufgeschoben werde. Beide Kom- Missionen nahmen diese Entschließung an. Inzwischen Halle um drei Uhr die Kanunersitzung mit einer Rede des national, stischer, Abgeordneten Marin begonnen, der nach d«r Geschäftsordnung als einziger Redner zu der am Vortage von Herriot abc,:gebencn Erklärung Stellung nehmen konnte. Marin sprach sich gegen die Zahlung aus. suchte aber zu beweisen, daß damit die Unter- schritt Frankreichs unter dem Schuldenabkommen nicht geleugnet werde. Denn durch seine zahl- reichen Interventionen, die zum Abschluß des Moratoriums im Vorjahre und zu dem Lausanner Abkommen gesührt haben, habe Hoooer selb st die unterzeichneten Verträge hinfällig ge- mach/ Kein Mensch mit gesundem Verstand und kein Jurist könnt« jetzt oerlangen, daß die sran- zösischen Steuerzahler allein die sich aus den Abkommen ergebenden Lasten trogen. Frankreich verlange Achtung vor den Verträgen, aber diese Achtung bedeute auch, daß diejenigen, die die Durchfuhrung der Verträge unmöglich gemacht haben, sich nicht den Konsequenzen ihrer Jnitia- tioen entziehen. Nach einstündiger Unterbrechung der Sitzung, die dadurch notwendig wurde, daß die gemein- same Entschließung des Finanz- und Auswärtigen Slusschustes noch nicht fertiggestellt war, gaben die Vorsitzenden beider Ausschüste ihre Beschlüsse dem Plenum bekannt. Die Verlesung des von den Kommissionen abgelehnten Regierungsent- wurfs sand nur bei. einem Teil der Radikalen Beifall. Die übrige Kammer schwieg. Dagegen wurde die gemeinsame Entschließung der beiden Ausschüsse, die die Zahlung ablehnt, m i t großem Beifall ausc-enommen. Franklin-Bouillon. der als erster Redner für die Generaldebatte eingeschrieben war, verzichtete aufs Wort und bat die Übrigen Redner das gleiche zu tur. um josort ein einstimmiges Votum herbeizuführen und nicht einen Beschluß, der die Kammer spalte Im Namen des Aus- wärtigen Ausschusses begründet« darauf Abgeord- neter B e r g e r y die von den beiden Kom- Missionen ausgearbeitete Entschließung. kelsien verweigert Zahlung Brüssel. 13. Dezember. Die belgische Regieruug hat heute beschlossen, die Ratenzahlung an Amerika zu verweigern. und hat diesen vefchluh bereits offiziell dem amerikanischen Gesandten mitgeteilt. Im gleichen Sabinettsrat war der Rücktritt der Regierung im Anfchluh au die letzten Parla- mentswahlen beschlossen worden, aber der käuig hat. wie allgemein erwartet, den Rliulslerpräsi- denteu de Sroquevtlle mit der Bildung der neuen Regierung sofort Mieder betraut. Vressefrelheit! Lech» Monate Notverordnung Von Franz Neumann Am 14. Dezember 1932 ist die Verordnung gegen politische Ausschreitungen vom 14. Juni 1932, deren Adschnitt II das Pressenotrecht regelt, sechs Monate in Kraft. Damals er- blickten Optimisten darin eine Milderung der bisherigen Lorschriften. Wer aber das Wesen der Verwaltung kennt, der wußte, wie irrig diese weitgehend geteilte Meinung war und die Praxis hat alle Bedenken gegen die Optimisten bestätigt! Während der sechs Monate der Geltungs- dauer der Notverordnung sind sozial- demokratische Zeitungen innerhalb des Gebietes des Deutschen Reichs auf ins- gesamt 449 Tage verboten worden. Insgesamt sind 4Z Verbote ausgesprochen worden, 72 Zeitungen, einschließlich der Kopfblätter, sind von diesen 45 Verboten betroffen worden. Keine Verbote sind aus gesprochen worden in den Freistaaten Bayern, Baden, Württemberg. Die 43 Verbote verteilen sich mithin auf die übrigen Länder. Braunschweig hat zwei Verbote ausgesprochen, nachdem es unter der Herrschaft der alten Presseverord- nung von 1931 bereits dreimal den„Volks- freund" verboten hatte. Der Freistaat Anhalt hat dreimal die anhaltijche Presse verboten, Oldenburg zweimal, T h ü r l n gen nicht weniger als sechsmal, M e ck l e n- bürg- Schwerin zweimal. Der Rest entfällt auf Preußen. In dieser Liste sind Ver- böte uns nahestehender aber nicht offizieller sozialdemokratischer Blätter nicht enthalten. Die Beschwerde hat nur in ganz seltenen Fällen Erfolg gehabt, und zwar regelmäßig nur dann, wenn die oberste Landesbehörde bei Ausspruch des Verbots formelle Fehler begangen hatte. Da- gegen tritt das Reichsgericht der Beurteilung der Frage durch die oberste Landesbehörde, ob ein Aufsatz eine Beschimpfung oder eine böswillige Verächtlichmachung von leitenden Beamten des Staates, oder von Einrichtun- gen und Behörden und Organen enthält, regelmäßig bei. Es kann an dieser Stelle selbstverständlich nicht dargelegt werden, welche Aeußerungen in den verbotenen Blättern zu den Verboten Anlaß gegeben haben. Die Praxis zeigt jedoch, daß bei bösem Willen der Verwaltung nahezu jede Nummer eines parteigenössischen Verlages verbotsreif sein könnte! Die E m p--- f i n d l i ch k e i t sowohl der Verwaltung als auch des Reichsgerichts ist ungeheuer. Jede Jronisierung eines leitenden Beamten kann bereits Anlaß zum Verbot sein. Eine irgend- wie leidenschaftliche Kritik an Aeußerungen der Regierungen, ein Hinweis auf politisch zu bekämpfende Handlungen von Behörden. Einrichtungen und Organen des Staates kann, wenn auch nur im geringsten die Grenze überschritten wird, zum Verbot führen. Der Begriff der Beschimpfung ist ein typischerErmesjensbegriff, eben- so wie der der böswilligen Verächtlich- machung. Derartige Begriffe entziehen sich der exakten juristischen Bestimmung. Sie können nicht erläutert, sondern nur mit ande- ren Worten umschrieben werden. D i e V e r- botspraxis zeigt, daß eine Pressefreiheit nicht besteht. Sie hat bewiesen, daß die Pressefreiheit völlig in der Hand der Verwaltung liegt. Eine ebenso gefährliche Waffe wie dos Ver- bot ist die A u f l a g e n a ch r i ch t. zerfallend in die amtliche Entgegnung und in die amt- liche Kundgebung. In der amtlichen Entgegnung— amtliche Stellungnahme zu Tatsachen, die in einer Zeitung mitgeteilt werden— steckt an sich ein vernünftiger Gedanke: Zu verhindern, daß der Leserkreis einer Zeitung bewußt irreführend informiert wird. Die Hand-; habung der amtlichen Entgegnung aber ist schlechthin empörend. Die Ausübung des ver- waltungsmäßigen Ermessens grenzt an Miß- brauch. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, daß die amtliche Entgegnung in weitaus der größten Zahl von Fällen schika- nös angewandt wird. Einer Bürokratie, der das Verständnis für Wesen und Bedeutung der Pressefreiheit so wenig aufgegangen ist wie der deutschen, die in der Presse vor- wiegend eine unangenehme, neugierige, ihr Selbstgefühl, ihre Eitelkeit und ihre Sicher- heit störende Einrichtung erblickt, darf das amtliche Entgegnungsrecht, auch wenn in der Einrichtung ein vernünftiger Kern stecken sollte, unter keinen Umständen eingeräumt werden. Mit dem Wesen der Pressefreiheit über- Haupt nicht vereinbar aber ist die a m t l i ch e Kundgebung, deren Veröffentlichung die oberste Landesbehörde nur im Einvernehmen mit dem Reichsminister des Innern verlangen kann, die inhaltlich aber schlechthin unbegrenzt ist: der Inhalt der amtlichen Kundgebung kann beliebig durch die oberste Landesbehörde im Einoernehmen mit dem Reichsminister des Innern bestimmt werden. So kann die amt- liche Kundgebung durchaus zu politischen Zwecken mißbraucht werden. Es kann die oberste Landesbehörde im Einvernehmen mit dem Reichsminister des Innern sich auch der gegnerischen Presse zur Propagierung ihrer eigenen politischen Ansicht bedienen— und braucht nur dann etwas zu zahlen, wenn die amtliche Kundgebung SOO Worte übersteigt. Die amtliche Kundgebung stellt sich heshalb als eine schlechthin nicht zu rechtfertigende Verletzung der Pressefreiheit dar. Es ist sogar im höchsten Maße zweifelhaft, ob die amtliche 5tundgebung überhaupt mit dem Art. 118 der Reichsverfassung vereinbar ist, oder ob nicht das amtliche Kundgebungsrecht, weil es sich gegen die Meinungsfreiheit richtet, weil es geradezu Sondergesetz gegen die Meinungs- freiheit ist, als verfassungswidrig anzusehen ist-. Die letzten 6 Monate haben erneut ge- zeigt,— wenn wir es inzwischen vergessen haben sollten—, wie ein.hohes politisches Gut die Meinungsäußerungs- und damit die Pressefreiheit ist. Der Kampf für die Wiederherstellung der Freiheiten, die notwendige Grundlage für den politischen Befreiungskampf der Arbeiter- klaffe sind, darf nicht nur juristisch geführt werden, er muß politisch verbreitert werden. Da das Pressegesetz und die allgemeinen strafrechtlichen Normen genügend Handbaben für Eingriffe der Verwaltung und Justiz in die Pressefreiheit geben, kann das Ziel der Sozialdemokratie nur fein: Aufhebung des 2. Abschnittes der Verord- nungvom14. Juni193 2. Haushaltsausschuß gegen Notverordnungen Die I�exierims will die Verordnung über Rentenkürzungen nicht aufheben Die Bürgschaft Verbürgt nach Schiller Zu Wilhelm, dem Exmonomarchen Schlich Fuecker. den Dolch im Gewände. So'n Wüterich, so eine Schändet „wag wolllest du mit dem Dolche, sprich?" Jragt Wilhelm, und zwirbelt den Schnurrbort sich Steilauf mit nervösem Gezucke.— „Ich?— Gar nichts. Auch Ich bin meschugge." fonatban. Der ungeladene Besucher von kiaus Doorn ein Mjährigcr Heinrich Fuecker ober Feder aus Neuß ist als Geisteskranker der deutschen Grenzpolizei übergeben worden. Vor seiner Festnahme am Montag war er auch schon am Sonntag einge- drangen und soll da behauptet haben, eine Bot- s ch a s t von Hitler zu überbringen. Fuecker ist wegen Eisenbahndiebstählen mit 1ö Jahren Zuchthaus vorbestraft wovon er über die Hälfte verbüßt hat: vor«inioen Monaten wurde«r bis 193S mit Bewährungsfrist begnadigt l'A Jahre war er in der Irrenanstalt Dül- ken zur Untersuchung. Elfriede Ryneck begeht heute ihren 60. Geburts- lag. Eine geborene Sozialdemokratin— schon ihre Mutter, Genossin Stägemann, hatte unter dem Sozialistengesetz für die Partei gekämpft—. hat sie von früher Jugend bis zum heutigen Tag« unermüdlich für die Befreiung der Arbeiterklasse durch den Sozialismus gewirkt. Seit vielen Jahren Mitglied des Parteivorstondes und Landtagsabge- ordnete, ist sie nicht nur agitatorisch, sondern auch — besonders in der Arbeiterwohlfahrt— organi- fotorisch tätig. Die Partei, in der sie sich wie wenige einer unumstrittenen Wertschätzung und Beliebtheit erfreut bringt ihr zum heutigen Tage die herzlichsten Glückwünsche. vrachls Nachfolger. Die Essener Stodtverord- netenoerfammlung wählte den bish«r>q«n Bürger- meister Schäfer als Nachfolger Dr. Bracht» zum Oberbürgermeister. Der Hausholtsausschuß des Reichstags be- schäftigte sich gestern zunächst mit der Notoerord- nung vom 3. September und mit Finanzfragen (Siehe 1. Seite.) Die Rentenkürzung vom 14. Juni Dann begann die Beratung von 14 A n t r ä> gen über ganze oder teilweise Aufhebung der Notverordnungen vom 14. Juni, 4. September und 5. Dezember 1932, die dem Hauehaltsausschuß vom Plenum vor dessen Per- tagung überwiesen worden sind. An der Spitze stehen die sozialdemokratischen An- träge, ganz klein und schüchtern steht weit hinten ein einziger nationalsozialistischer Antrag auf teilweis« Aushebung der Notverordnung vom 4. September. Ter Arbeitsmini st e-r Zhrup erklärt: Tie Reichsregierung sei durch- aus bereit, die Härten der sozialpoli- tischen Notverordnungen zu beseitigen, eine völlige Aufhebung könne gar nicht durchgeführt werden, weil damit das gesamte Gebäude der Sozialgesetzgebung zusammenbrechen würde. Abg. Karsten(Soz.): Keine der vielen Notver- ordnungen der letzten Jahr« hat eine solche Em- pörung hervorgerufen wie die Notverordnung vom 14. Juni 1932, durch welche alle Leistungen der Sozialversicherung stark gekürzt wurden. Die Not der Sozialversicherung darf nicht dazu führen, die sehr kleinen Renten weiter zu kürzen. Die Regierung hat sich die Sanierung sehr leicht ge- macht, sie hat den Rentnern einfach zugemutet. den Hungerriemen enger zu schnallen Auch Be> züge aus Versicherungen sind gekürzt worden, die keine Finanzschwierigkeilen haben.— Die Re- gierung muß die Mittel für die Sanierung zur Verfügung stellen. Zm Reichelag wird sich, wenn die Nazi» aus ihrem Standpunkt beharren den sie im Plenum eingenommen haben, eine Zweidrillclmehrheit gegen die Rotverordnungen ergeben. D°e Sozialdemokratie kann die Papen-Rolverordnung unter keinen Umstanden passieren lassen. Der Abg. Lille(Soz.) segle sich im besonderen mit den Deutschnationalen auseinander. Die sozialdemokratischen Anträge auf rechtzeitige Sanierung der Invalidenversicherung seien von den Deutschnationalen stets bekämpft worden. Abg. Reinhardt(Nsoz.) sprach in scharsen Worten gegen die Juni- Notoerord- nung, dann erklärte er aber, daß seine Fraktion sich noch nicht entschieden habe, ob sie der Aufhebung dieser Notoerordnung zustimmen werde oder ob sie einen eigenen Gesetzentwurs als Ersatz für jene Notverordnung einbringen würde Seine Entscheidung werde er bei Schluß der Sitzung mitteilen. Erling(Z) betonte, daß seine Partei keine allgemeine Aufhebung der Notverordnung wolle, sondern ihre Aenderung und Verbesserung im Einoernehmen mit der Regierung. vor Beginn der Abstimmung über die Anträge zur Aushebung der Zuni-Rowerordnung erklärte der Vertreter de« Reichsarbeitsministeriums, daß ein solcher Beschluß des Haushaltsausschusses nicht durchgeführt werden könne, weil damit die Garantie für eine geordnete Arbeitslosenhilfe dann nicht mehr gegeben sei. �.usscduL beschließt Aufhebung Infolge dieser Stellungnahme erklärte das Zentrum, daß es sich, obwohl es bei dem Beschluß des Haushaltsausschusies sich noch nicht um eine Stellungnahme des Reichstagsplenums handeln werde, an den Abstimmungen nicht beteilige. Tarauf wurde der sozialdemokratische Antrag, der verlangt, daß der Reichstag beschließen solle, die Iuni-Notverord- nung 1932 außer Kraft zu setzen, mit den Stimmen der Sozialdemokra- t e n. der Kommunisten und der Nationalsozialisten angenom- men. Tie übrigen Parteien beteiligten sich an der Abstimmung nicht. Die Beratungen wurden abgebrochen und damit die Anträge zu den Notoerordnungen vom September und Dezember für die nächste Sitzung zurückgestellt. Auf der Tagesordnung der heutigen Sitzung des Haushaltsausschusies steht außerdem noch ein Antrag wegen des Unglücks in Premnitz. Japan brüskiert auch England Vermittlungsvorschlag abgelehnt— Kriegsdrohung gegen Rußland Im Auftrag der britischen Regierung hatte ihr Botschafter in Tokio in freund- schaftlichen Vorstellungen dringend gebeten. in die Einsetzung eines Ausschusses zur Beilegung des Mandschureikonfliktes einzuwilligen, wie er in Genf vorge- schlagen worden ist. Tiefe Vermittlung ist— wie Tokio meldet— vergeblich ge- Wesen. Tie Regierung hat ihre Delegation in Genf angewiesen, nicht an den Sitzungen des Ausgleichsausschnsses teilzu- nehmen. Die Vorbehalte Japans hinsichtlich einer Ver- Weisung des Mandschure. konfliktes an den Neun- zehnerausschuß sollen sich auch aus die Kommission erstrecken, in der Vertreter der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion sitzen, da diese nur einen erweiterten Neunzehnerausschuß darstellen würde. Im Gegensatz zu den aus englischer Quelle stammenden Nachrichten wird m Tokio ver- sichert, daß die Meldung über die Wiederausnahm« der russisch-chinesischen Beziehungen in Japan nirgends besonderes Aufsehen erregt habe. Man sei überzeugt, daß Rußlands Haltung zur Mandschureifrage sich dadurch nicht ändern werde. Japan sei auf eine Wiederannäherung Sowjetrußlands und Chinas längst gesaht gewesen und habe, durch bittere Ersahrungen gewih'gt, die not- wendigen Vorbereitungen zur Erhaltung des Friedens(!!) im Fernen Osten bereits getroffen. Japan habe nicht vergessen, daß der russisch- japanische Krieg von 1905 eine Folge d-s russisch-chinesischen Gehelmoertrages von lS9b gewesen sei. Russische Regierungsstimme INoskau, 13. Dezember. Die Wiederanknüpfung der diplomatischen Be- Ziehungen zu China ist laut„Jswestisa" ein Beweis, daß man auch im Fernen Osten die Bedeutung normaler Beziehungen zur Sowjet- union besser zu ermessen beginne Die Verbindung zwischen der Sowjetregierung und China sei 1927 unter Einwirkung von Kräften abgebrochen wor- den, die beiden Staaten feindlich ge- wesen seien. Das Regierungsblatt sagt wörtlich: Die Vertiefung der Krise und die Politik der I m p e r i a l i st e n hat die leitenden Kreise Chinas offenbar zu der Erkenntnis gebracht, daß der Ausfall normaler Beziehungen zur Sowjetunion ein Faktor ist, der die außenpolitisch« Lag« Chinas nicht etwa befriedet, sondern im Gegenteil schwierig macht. Vom Abschluß der Nichtangriffs- pakte mit den westlichen Nachbarn der Sowjetunion und mst Frankreich zu norinalen Beziehun- gen mit China: Das sind die Etappen sowjetistischer Friedenspolitik in der letzten Zeit. Wie oerlautet, beabsichtigt die chinesische Re- gierung, den ehemaligen Außenminister T s ch e n zum Gesandten in Moskau zu ernennen. Tschen hat in Moskau gute Beziehungen, da er dort mehrere Jahre lebte. Die Kinder Tschens sind in russischem Geiste erzogen. prsußen für Amnestie! Kein Einspruch im Reichsrat wie das Rachrlchtenbliro des VDZ. erfährt, hat die preußische Staatsregierung in ihrer heutigen kabinettssihung beschlossen, gegen dag vom Reichstag angenommene Amneftiegeseh im Reichsrat keinen Einspruch einzulegen. Betrug im Strahenhandel. In den Straßen Berlins wird wieder einmal ein Blättchen ver- kauft, das sich unter Mißbrauch des..Vorwärts"- Kopfes als„Organ der ovpositionellen Sozial- demokraten" beze-chnet, in Wirklichkest aber nichts anderes als ein kommunistisches Lügenprodukt ist. Für die kommunistische Propaganda ist es kenn- zeicknend. daß sie vor gemeinem Betrug nicht zu- rückschreckt, um ihre schmutzigen Produkte unter die Leute zu bringen. Letzte Nachrichten Um 1 Uhr nacht» liefen folgende ergänzende Meldungen zu verschiedenen Berichten ein, die an anderen Stellen des Blattes stehen: Die Rachtsihung der französischen Kammer Ist mit der Begründung der eingebrachten Anträge eingeleitet worden. Gegen 1 Uhr galt der Sturz der Regierung Herrlot als unvermeidlich, da sie bis dahin kaum 150 Abgeordnete für ihren Zahlungsbeschluh zählte. Die entscheidende Ab- stimmung wurde sedoch erst zwischen zwei und drei Uhr morgens erwartet.(S. 1. Seite). Die Zahl der Toten bei dem Eisenbahn- u n g l ü ck i n L u z e r n hat sich durch das Ab'eben von drei Schwerverlehlen auf neun erhöht, aber es werden noch vier Personen vermißt, so daß man mit einer Gesamtzahl von dreizehn Todesopfern recktet.(Siehe 1. Beilage.) ver Führer der belgischen Liberalen Ist an den soziol-stischen Führer Vandervelde mit der Frage herangetreten, ob er mit der neu zu bildenden Regierung de S'oqucville zusamm-m- arbeiten wolle. An der Ablehnung dieses An- gebols ist nicht zu zweifeln.(Siehe 1. Seile.) Rote Fahne erscheint wieder Verbot um drei Tage abgekürzt Das durch Verfügung des Polizeipräsidenten vom 25. November 1932 ausgesprochene Verbot der„Roten Fahne" ist um drei Tage ab- gekürzt worden. Die Zeitung„Die Rote Fahne" darf mit dem heutigen Tage wieder er- scheinen. Die interalliierten Schulden Dämmert es endlich in Amerika? Rem Port, 13. Dezember. Zahlreiche Mitglieder des Kongresses geben ihrer Ueberraschung darüber Ausdruck, daß viel- fach die Meinung vertreten wird, die Schulden- Zahlungen vom 15. Dezember könnten ernste wirtschaftliche Störungen noch sich ziehen. Sie beginnen unter dem Eindruck zu stehen, daß auch die Dereinigten Staaten unter diesen Störungen leiden werben. Mehr und mehr bricht sich daher die Ueberzeugung Bahn, daß die Schuidenzahluirg vom 15. Dezember di« legte sein wird. I�ac Fadden, der wilde Mann Washington. 13. Dezember. Im Repräsentantenhaus wurde heut« ein An- trag des republikanischen M�c Fadden, Präst- denten Hoover in Anklagezustand zu setzen, mit 361 gegen 8 Stimmen abgelehnt. Mac Fadden der als e'ngeichwori-nel Gegner Hoooers bekannt ist, hatte semen Antrag damit begründet, daß der Präsident di« Pereinigten Staaten daran hindere. Zahlungen in Empfang zu r e h m e n.(!) die ihnen ge» schuldet würden, und in der Kriegsschuldenfrag« schimpfliche Verhandlungen(!) mit den Vertretern der auswärtigen Mächte führe. * In den Augen Mac Fadden, der übrigens als ein nationalistischer Fanatiker berüchtigt ist, ist es also schon ein Derbrechen, daß Hoover sich auf einen Notenwechsel mit England und Frankreich überhaupt eingelassen hat. Wie würde er sich erst gebärden, wenn Hoover wirkliche Zugeständnisse den Schuldnern Amerikas gemacht hätte! Englische Hoffnungen Im Laufe eines der üblichen Frage- und Ant- Wortspiele im Unterhaus erklärte Schatzkanzler Neville Ehamberlain u. o.: 1. daß England ernsthaft hoffe, daß«in« neue Prüfung der Schuldenfrage im Zusammenhang mit der Erörterung der Wettwirtschaftslage eine Ratifizierung des Lausanner Ab- kommen» ermöglichen werde: 2. daß Frankreich sich bereit erklärt habe. 12 Millionen sährlich an England zu zahlen, unabhängig davon, ob Frankreich von Deutschland Zahlungen erholte: 3. daß bisher kein« gemeinsame Front der Schuldner gegenüber Amerika bestehe und daß England eine separat« Regelung mit der USA. erstreb«. Harzburger streiten sich wieder Lna»i!llun?vn über Vstslbfor— Sozialdemokraten ergänzen einen Naziantrag Erfolgreiche Schnorrerei Im Hauvtauäschuß des Preu» nischcn Landtags, der am Montag und Dienstag tagte, stand das V e r> hältnis der Harzburger unter- einander wieder einmal im Vorder- grund der Debatte. Die Nationalsozialisten beschwerten sich in einem Antrag über den Düsseldorfer PolizeiprSsidenten, der ohne stichhaltige Begründung sämtliche natio- nalsszialistischen Wablveriamwiungen verboten habe, und zwar sei dies zugunsten der Deutsch- nationalen geschehen Die ganze Politik von Dr. Bracht und seiner Heiter in Preußen gehe daraus hinaus den Deutschnationalen zu helfen. Die finanzielle Untrrstnpung der Deutsch- nationalen durch Mittel des Reiches und des Staates entziehe stch vorläufig noch der Kenntnis des Volkes. Es stehe aber fest,„daß eine ganze Anzahl deutschnationaler Großgrundbesitzer im Wahlkreis Frankfurt/Oder Millionen er- halten habe. Aus diefe Weife lei der letzte Wahlkamps finanziert worden Man habe diese Gelder unter der Bezeichnung Ostoilfe und Um- schuldung gezahlt und so die Pnrteikassen der Deutschnationalen Voltsparte' gefüllt. So seien allein an drei Großgrundbesitzer im K r e> s L e b u s. die der Deuticknotionolen Volks- parte! angehören, rund gäüOOO Mark g e- zahlt worden. Es handele sich um die Groß- grundbesitzer von Flemming. Gras von Horden- berg und von Stüntzner-Karpe." Mit diesen Begründungen beantragten die Nationalsozialisten, daß die Behinderung des Wahlkampfes durch die Polizeiorgane des Herrn Dr. Bracht künftig verboten und unter Straf« ge- stellt werde, daß die gesamte Finanz- gebarung der Herrenklnbr. gierung im Reich und in Preußen, foweit sie den Miß- brauch der Osthilfe und der llmschuldungcmittel betreffe, einer strengen Untei suchung unterworfen werde und die schuldigen Polize'beamten sowie die Polizeipräsidenten von Berlin und Düsseldorf ihrer Aemter enthoben und gerichtlicher Bestrafung wegen Amtsmißbrauch zugeführt werden. Im Verlauf der Beratungen schwächten die Natlonalsozlallsten ihren Antrag wesentlich ab. Sie ver- langten jetzt, daß die Handlungsweise des Polizei» Präsidenten in Düsseldorf nachträglich zum Gegen- stand einer eingehenden Untersuchung gemacht. daß die Finanzgedarung des Kabinetts von Papen nachträglich in dem Sinne einer Untersuchung unterworfen werden solle, ob Osthilfe- und Um- schuldungsmittei für Zwecke der Wahlpropagando verwandt worden seien und daß jede Behinderung von Wahlkämpsen durch parteiisch eingestellte Be- amt« künftig unter besondere Strafe gestellt werde Aus die Einwendungen der Sozialdemokraten. daß jetzt die Behauptung der Unterstützung deutschnationaler Grundbesitzer nicht mehr als feststehend angesehen werde, sondern die Frage so zu stellen sei. ob überhaupt solche Mittel für die deutschnationale Propa- g a n d a verwandt worden seien, bemerkte ein Nationalsozialist, daß diese von ihm angeführten Behauvtungen wahr seien. Er fügte hinzu, daß der Großgrundbesitzer von Dohna-Schlobitten 540 000 M. und der frühere Landwirtschaft«- und Ernährungsminister Gras Könitz 500 000 M- Unterstützung aus der Osthilfe erhalten hätten. Die Untersuchungen über die Geldzuwendungen an die Deutschnationalen müsse die Schleicher« Regierung vornehmen. Aus die Untersuchung dieser Geldverschwendung durch einen Unter- suchungsausschuß verzichteten die National« sozialisten. Ihr Antrag wurde schließlich anqe« nommen'. desgleichen der Antrag, daß die Be- Hinderung von Wahlkämpsen durch parteiisch eingestellte Beamte künftig bestraft werden soll. Die Abstimmung über den Antrag gegen den Polizeipräsidenten in Düsseldorf führte bei den Nationalsozialisten zu einem kleinen p o l i t i» schen Betriebsunfall. Der Antrag lautet: „Die Handlungsweise de» Polizeipräsidenten in Düsseldorf gelegentlich der Abhaltung nationalsozialistischer Versammlungen ist nach. lräglich zum Gegenstand einer eingehenden Untersuchung zu machen." Die Sozialdemokraten beantragten hinter„ist" einzufügen:„gemeinsam mit der will« kürlichen Behinderung sozialdemo- kratischer Versammlungen durch nationolsoziali st ische Mini st er in Braunschweig und Anhalt". Dieser An- trag wurde gegen die Nationalsozialisten ange- nommen und damit die preußische Staatsregierung auigefordert. aus die Retchsregierung einzuwirken. daß die Willkür ,n Braunschwetg und Anhalt ebenfalls untersucht wird. Die Nationalsozialisten stritten diese Willkür in Braunschweig und Anhalt gar nicht ab Der Vorsitzende Hinkler erklärte vielmehr, daß die Nationalsozialisten nach dem Rezept handeln würden..Haust du meinen Juden. hau ich deinen Juden". Aus die Frage, warum es immer ein Jude sein müsse, aus den die Nationalsozialisten lo-hauen müßten, stammelten die Nazivertreter einige unverständliche Ausreden. Sie mußten aber mit süßsaurer Miene hinnehmen. daß ihre Anträge, vor allem die die frühere preußische Regierung treffen sollten, sich jetzt gegen die nationalsoziaii st ische Polizeiwillkür in Klaggestan und Anhalt richten. Antrick spricht weiter! Eine Erinnerung an 1902 Im Dezember 1002 beriet der Reichstag die „große Zolloorlage", die eine ganz exorbitante Zollerhöhung bei unzähligen Positionen des da- maligen Tarifes brachte. Die 56 Mann starke sozialdemokratische Fraktion setzte dem Gesetzent- wurf gemeinsam mit 13 Abgeordneten der Frei- sinnigen Vereinigung den kräftigsten Widerstand entgegen und benutzten dabei auch die in deutschen Parlamenten selten geübte Obstruktion durch Häufung von namentlichen Abstimmungen und längliche Reden. Am Sonnabend, dem 13. De- zember. sollte der Zollraub endlich in die Schauer gebrocht werden und die Abgeordneten hatten sich zur Abreise in die Weihnachtsferien gerüstet. Nachmittags um iVt Uhr erhielt der sozialdemo« kratische Abgeordnete A n t r i ck das Wort, um sich, wie man bald merkte, in letzter Stunde noch einmal gründlich mit der Materie zu befasien. Die erste Stunde seiner Rede galt dem R e i s z o l l, die zweite dem Leinöl, die dritte dem Holz» zoll, die vierte dem S p e ck z o l l— und noch war kein Ende abzusehen. Kein Gebrüll, kein Ge- schwafel, mehr aus die Sache eingehend, mit souveräner Beherrschung des Materials, so daß der Präsident nicht einmal in d'e Lage kommt, ihn zur Sache zu rufen, setzte er seine Rede sort. Die Abgeordneten der Mehrheit zogen entsetzt zwischen dem Sitzungssaal und dem Restaurant hin und her, die Präsidenten lösen sich ab. die Kohlenstifte der Lampen wurden ausgewechselt, an der Tür wurde eine Sperre gegen ausbrechende Abgeordnete eingerichtet.— Antrick sprach frisch und munter weiter! Ueber Schinken, Blumen. Gemüse. Buchweizen, Obst und lebendige Esel. Es wird 10, II. 12 Uhr, neugierig blinzeln die Reichs- boten durch die Türen: Antrick spricht wei« ter! Er hoffte auf die Heiligung des Sonntags, er rechnete mit dem Zentrum, das noch niemals den„Tag des Herrn" durch profane Politik ent- helligt hatte— aber darin täuscht« er sich. Di« Frommen beider Konfessionen waren nicht gswlllk» sich wegen solcher Bedenken den Raub aus den Fingern reißen zu lasten. Um Kl Uhr beendete Antrick seine Rede, sie hatte genau acht Stunden gedauert. Frisch und munter, von seinen Genosten beglückwünscht, kletterte er von der Rednertribüne herunter und im Hause kol- portierten die Gegner das empörte Scherzwort: „Der scheußlichste Trick der Sozialdemokraten ist der Antrick." Und sie rächten sich! Sie stimmten über sämtliche Paragraphen des Gesetzes und über 300 Positionen des Tarifes in einer einzigen Ab- stimmung ab— nach einer stürmischen Geschäfts- .Melde gekorsamst: wir haben den Betrag deiner Kaiserhof-Rechnung zusanunengefochten, hoher Osaf!" ordnungsdebatte, in der sich selbst Singer drei Ordnungsrufe holte Um 4.40 Uhr morgens wurde die Sitzung geschlosten, ein für damalig« Verhält- niste unerhörter Vorgang. Antricks rednerische Leistung ist. soviel wir wisten, nur ein einziges Mal übertroffen worden. Der Deutfchfortschrittler Lecher hat einmal ifti österreichischen Parlament 12 Stunden hintereinander gesprochen. Für Deutschland aber blieb Antrick für Jahrzehnte das Schreckenskind und mit Entsetzen wurde es ausgenommen, wenn der Prä- stdent ihm wieder einmal das Wart erteilte. Klagges in Nöten Erwerbslosensturm gegen Naziminister Eigenar BtrUht des„VorrairUT Lraaaschwelg, 13. Dezember. Die Fartsetzung der heutigen Landtagsfltzung, über deren Leginn wir schon berichteten, gestaltet« sich außerordentlich stürmisch. Aus den Tribünen hatten zahlreiche Erwerbslose Platz ge- nommen, die besonders das Schicksal der von der sozialdemokratischen Fraktion gestellten Anträge auf Schaffung von Arbeitegelegen- h e i t und auf Gelpährung einer Winter« Hilfe mit Spannung oerfplgten. Als Minister Aus Feme-Heines Wirkungskreis S.A.'Eührer zu Zuchthaus verurteilt— Femedrohungen gegen SA.-Mann Eigener Bericht des„Vorwärts" Gleiwih, 13. Dezember. Das Sondergericht in GIeüvitz oerurteilte nach viertägiger Verhandlung den nationalsozia» listischen SA.«Trupp führer Roll« wegen Verbrechen gegen§ 214 des StGB, zu 7 Jahren Zuchthaus und den SA.-Mami Drobtonka wegen Beihilfe zu 4 Monaten Ge- f ä n g n i s. Die Verurteilten waren in der Nacht zum 4. August d. I. aus einem Motorrad nach Gleiwitz-Sosnica geiahren. Als sie dort von einer Polizeistreife angehallen werden sollten, gab der SA.»Mann Rolle auf die zwei Beamten aus einer 08-Pistole sieben Schüsse ab. Ein Beamter erhiell einen Bauch- schuh und schwebte mehrere Monat« in Lebens- gefahr. Der zweite Beamte erhielt einen Unter- schenkelfchuß. Roll« leugnete die Tat bis zum Schluß der Verhandlung und gab an. daß ein Kommunist der Täter sei.-Erst unter erdrückender Beweislast legte er im Schlußwort ein Geständnis ab. Während der Verhandlung bezeichnete er seinen Kameraden Drobionka, der von vornherein geständig war. als«ine» gemeinen Lumpen. Drobioicka ersuchte In einer Eingabe an die SlaatsanwaUschaft um Schutz nach seiner EntHaftung, da er befürchten müsse, daß man ihn umbringen werde. Sein« Ehefrau sagte als Zeugin aus, daß man auch sie seitens der SA. bedroht, und erklärt habe, daß ihr Mann erschossen würde. Rolle ist wieixrholl mit dem Gesetz in Konflikt gekommen, hat vor Jahren seine sechs« köpfige Familie verlassen und mehrfach Betrug verübt und gilt als ein streitsüchtiger Mensch, mit dem außer der SA. niemand etwa» zu tun haben wollte. In der Urteilsbegründung erklärte der Sonder« gerichtsvorsttzende, daß das Gericht als straf« oerschärfend angesehen Hab«, daß Roll« in öffentlicher Sitzung seinen geständigen Kameraden als einen Lumpen bezeichnet Hab«. In der V«r- Handlung wurde von Kriminalbeamten als Zeugen bekundet, daß nach vertrauenswürdigen Mit» tellungen von Nationalsozialisten in den August- lagen die Ermordung von mehreren höheren P o l ize i b e a m t e n durch Na- tionalsozialisten geplant gewesen sei. Klagges in einem Zwischenruf bei der Red« eines KPD.-Abgeordneten von„oerhegten Er- werbslosen" sprach, kam es aus den Tribünen zu lebhaftem Widerspruch Rufe wurden laut wie: „Nieder mit Klagges.— Fort mit der Hunger- regierung Klagges!" Die Sttzung wurde unter- brachen. Der nationalsozlaliststche Präsident ordnete die Räumung der Tribünen an. Die Nationalsozialisten selbst konnten sich vor der Liebe ihrer eigenen Anhänger nicht retten. Zahlreiche Parteifreunde von ihnen waren in das Fraktionszimmer der NSDAP, gedrungen. Da der Präsident Zörner nicht anwesend war. wandten sich die Zlaziabgeordneteu in ihrer Je- drängnt» an den sozialdemokratischen Vizepräsidenten Rieke mit der Bitte, die Entfernung der Eingedrungenen zu veranlassen. Genosse Rieke lehnte diese Zumutung jedoch ab. Nach Wiederaufnahme der Sitzung wurde Klagges durch dsn sozialdemokratischen Abg«» ordneten Rohloff überführt, di« Umvahi» heit gesagt zu haben Klagges hat nämlich die Behauptung aufgestellt, daß d'e„marxistischen Landräte" in d«n Braunschweig benachbarten preußischen Kreisen niedrigere Richtsätze für die Wohlfahrtsempfänger angeordnet hätten als er in Braunschweig. Diese unwahre Behauptung wurd« widerlegt. In Gandersheim, so führte der sozialdomokratisch« Redner unter lebhaften Hört- hört-Rufen der Linken au», haben nationalsozia« listische Funktionäre ihr« Aemter im Fürsorge» ausschuß zum Protest gegen den unsozialen Kurs des Herrn Klagges niedergelegt. Die Nicht« fätz e stehen auf dem Papier. Diele Ge- meinden in Braunschweig sind durch Klagges g«» halten, Sätze auszuzahlen, bei denen die Erwerbs- losen verhungern. Der Naziminister versuchte sich damit heraus- zureden, daß die Reichsregierung für sein eigenes Versagen verantwortlich sei. Solange di« National- sozialisten nicht im Reich für eine kräftige nationale Wirtschaftspolitik sorgen könnten, sei an eine Besserung der Verhältnisse nicht zu denken. Er könne auch nichts anderes tun. als immer und immer wieder aus das Reich einwirken. Dieses Bankrottgeständnis wurde von der Linken sofort festgehalten. Hitlers Berater Wir«rhallen folgende Berichtigung: Es i st unrichtig, daß die agrarpolittsche Abteilung des Braunen Hauses von den Herren Darre, Reifchle und mir geführt wird. Richtig ist vielmehr, daß ich mit der agrarpolitischen Abteilung in keinerlei Bindung stehe. Es ist unrichtig, daß ich wegen falscher Bilanzführung. Kreditmißbrauch usw. im Sommer 1931 als Direktor der Gärtnerbank fristlos«nt- lassen worden bin Richtig ist vielmehr, daß ich meinen nebenamtlich geführten Posten als Vorstands« Mitglied der Gärtnerbank von mir aus auf Grund eigener Entschließung im Einverständnis mit dem Aussichtsrat bereits im März 1931 aus anderen Gründen abgegeben habe. Kurt Fachmann. Verkoat»oweil Schöne und praktische Mengenabgabe vorbehalten Geschenke. K Trikot-Oberhemden, ß_ Elnhand-Feuerzeu�e Q. für Herren, mit mod. Einsatz,�. 1/95 mit Silborraantel....... 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Zugeirhuersummluug Referat:.,Aurpfuschertttm". Er. scheine» tjt Pflicht. Dentjch-Fzan/ösilche Hesellschast. Donnerataa, 13. Dezember, M?A Uhr, Bor. traJösaal. Bayerischer Plag 2, Borlragsabenh ilbsr„V Argot rel gu'on le parle" (Dial ge änuitant). ge AatusaiU). O....... s...... J>....,1, ftaats Thratcr Mittwoch, den 14 Dezember staatsoner unter den undan 20 Uhr B o h 6 m e staatliches scliauspieiftaus 19 übt Faust I. Teil VOLKSBÜHNE Theater am BQf owpra» Norden 6656. Täglich S�4 Uhr Das neue Paradies von«Uloi Hey Reite: Heinz Hilpert Maurus. Wohlbrück, Dahlk«, Homey ■M.yinter� 8ufiri5.Gapfch 5 Drei Codcnas 6 von d.Stsatsoper! \altfo*M• H BnJ cOib| An�oly*» usw. �onoab�nd und Sccrta' auch 4 Uhr zu kl. Preisen| Flora 3434 Rauchen er. Das fMhrenacVkmel'e Plattdentsche Dottraae oö« Liläb-ma»» Äslhelm Stessen, Wilhelpt' Malinowski »am Plattdeutsche» Peres»„ö'ots Dibucliiis" In SüJSUn:„Plattdeutsch". Zoarralucrdand der Arbeits iuoatidc» uad Witwe» Deutichlando. Donnerstag, 13. Dezember. 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Gäste willkommen »> ichov Eng ish Dcbaiine Club. Bülcws t Il.4 Heue abend,>.< Uhr, spricht Mrs Alice Behrend über das Thema:„Memoirs of a Mmisteis Wife1' Qäsie willkommen. Deutsches Theater Weidend. 5201 Täglich 8 Uhr Harmonie von FranrMolnai Insren. .Max Reinhardt Max Callenberg. Kar:weis.Etlinger. V.Hemm. Hertha Thiele. I etwin Lore Mosheim iaiumsrspieie Tätlich k ühr iDgelBDlBiünf vod Fractisak Laoger Reg; Rudolf Beei Paul HSrbigsr, fhni Bessal. Liebeaelner. Meiner, Mainzer. Hürrmann. Behal c h Ul b r SIMi.Opcr Charlotteabur«- Fraunhofer 0231 Turnus l 20 ühr Martha Ptah. Zador, Pa;aky, And.foen Dirigent. L dwig .TDeaier l.o.— itresemannstr. Täglich si.,Uh. nur bis 17. vor !« waH MülMMss v Q. B. Shaw tloissl. von Thell- mann, Benens. Evans.Otto,Sima. Wiemann. Deppe Fischer Theater des Wesiens Steinp. 5 2l Täglich 8*4 Uhr Hella KQrty in Das maae! aus oaimatieu Lichensiein. Lornng. Haase. Coliam Heute.Minwoch 4>/. Uhr fänrel unl fitetel {ose- itiearei Qroae Fianlffurlßr StraSe 137 Id. 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Die R e t t u n g s a r b e i t e n in dem dunklen und engen Tunnel sind sehr schwierig. Die Ursache des Zusammenstoßes soll darin liegen, daß der Züricher Schnellzug bei der Signalstelle S e n t i m a t t das geschlossene Einfahnsignal überfuhr und dadurch in die auf den Gotthard- schnellzug gestellte Ablenkungsweiche hineinfuhr. Di« beiden Lokomonven rasten dann gegen- einander. Glücklicherweise hatten sie noch nicht das volle Tempo, sonst wäre das Unglück ein noch viel größeres geworden. Der Eisenbahnverkehr voll und nach dem Bahnhof Luzem ist voUsiäirdig untc-rbrochcn.... EOulexperimente In einer Beranstaltung der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Lehrer sprach ein russischer Schillmann über die Entwicklung des Sowjetjchul- wesens innerhalb des Fünfjahresplans. Die Gegensätze der Stalinisten und Trotzki- anhänget führten gerade hier zu ganz radikalen Umstellungen innerhalb kürzester Zeit. Der ursprüngliche Entwurf des Fünfjahresplans fußte auf der bis 1928 eingetretenen Stabilisie- rung im russischen Schulwesen, die in der Haupt- fache durch einen gewissen„bürgerlichen" Triumph innerhalb der Pädagogik bedingt war und eine ruhige Entwicklung mit rein praktischen Zielen voraussah. 1933/34 sollte die allgemeine Schul- pflicht für die vierjährige Schul« durchgeführt sein. Es waren bereits Erfolge zu verzeichnen. die sich namentlich in einem Anwachsen der statistischen Zahlen zeigte, als gewisse Mißerfolg« unter anderem in der„Klassenauslese" die linke Opposition zu einem Vorstoß führte, durch den es ihr gelang, den„Stalinisten" ihr Programm aufzuzwingen.— Ein Kulturfeldzug durch die Sachverständigen ergaben jedoch, daß die neue schwere Eisenkonstruktion von den bis- herigen Fundamenten nicht getragen zu werden vermochte, so daß in dem Mitteltrakt des Palais erhebliche Verstärkungen vorgenommen werden mußten. Gegenwärtig ist man dabei, auch die Dachkonstruktion der beiden Seitenflügel auszu- bessern, hier beschränkt man sich allerdings dar- auf, die schadhaften Holzteile durch neue zu er- setzen. Ferner wird das Reichspräsidentenpalais einen Fahrstuhl erhalten, und weiter werden auch die im Obergeschoß liegenden Fremdenzimmer und Dienstbotenräume, die sehr winklig verbaut waren, von Grund auf erneuert und neu eingeteilt. Die Baupolizei hat schließlich auch die Erneuerung einiger Treppen angeordnet, die den Sicher- heitsvorschriften infolge ihres Alters nicht mehr entsprachen. wird organisiert, das Tempo der Eni- Wicklung bedeutend beschleunigt. Es wurde versucht, das Schulwesen mit der wirt- schaftlichen Produktion zu verschmelzen, alle Schu- len werden einzelnen Wirtschastskörpern. Fabri- kcn usw. unterstellt. Ein weiteres sehr wesentliches Moment dieser Schulpolitik war die Eingliedenmg der Schule in die A r m e e. Jeder Schüler wurde also nicht nur Arbeiter, fondern Mitglied'des Wehr- a pparates des Staates, Aber auch starke Mißerfolge stellten sich ein. Es fehlt« beson- ders an ausreichenden Schulräumen und ausge- bildete» Lehrern. Die Lage zwang 1931 zur abermaligen Aenderung des Schulprogramms. Es erfolgte ein Ruck nach„rechts", und die Anhänger und verantwortlichen Leiter der abgetanen Politik kamen genau so nach Sibirien, wie sie ihre vor- maligen Gegner verschickt hattest. Arbeitszeit im Hospital Antrag im StadtgememdeausschuK Im Stadtgemeindeausschuß, der gestern im Rathaus zusammengetreten war, haben die Sozialdemokraten den folgenden Dringlichkeitsantrag eingebracht: „Trotzdem der Stadtgemeindeausschuß in seiner Sitzung vom 24. November 1932 be- schlössen hatte, daß die ungeteilte sechsstündige Arbeitszeit des Pflegepersonals in den Hospitälern B u ch- M i t t e und B u ch- O st auch weiterhin bestehen bleiben soll, ist nach uns zugegangenen Mitteilungen zum 1. 1. 1933 in obengenannten Anstalten die geteilte Ar- beitszeit verfügt worden. Zugleich wurden 6 Schwestern im Hospital Buch-Mitte gekündigt. Der Stadtgemeindeausschuß beschließt dalier er- ncut: Die Arbeitszeit des Pflegepersonals in den Hospitälern Buch-Mitte und Buch-Ost, die ausschließlich einer halbstündigen Pause 8 Stunden beträgt, bleibt bestehen. Die zum 1. 1. 1933 ausgesprochenen Kündigungen von 6 Schwestern werden zurückgenommen." Der Antrag wird in einem besonderen Aus- schuß durchberatcn werden.— In den Fragen der Bekämpfung der spinalen Kinder- l ä h m u n g und der Vereinheitlichung der Or- ganisation der B e z i r k s- W o h l f a h r t s- und-Jugendämter wurden die Beschlüsse der verschiedenen Unterausschüsse bestätigt. Der Stadtgemeindeausschuß erledigte dann noch ver- schiedene Porlageis.. über Fluchtlinienpläne. (in..■:i Haus Wiwelmstraße 73 Reichspräsidentenpalais im Umbau Die Umbaut«» am Reichspräsidenten- palais, die Anfang des Sommers begonnen haben, werden voraussichtlich Ende April nächsten Jahres beendet sein. Bei den Umbauten am Palais handelt es sich bekanntlich um eine Erneuerung der hölzernen Dachkon st ruttion, die vom Schwamm befallen und durch Käferfraß zum Teil zer- stört worden war und durch eine eiserne Dach- konstruktion ersetzt werden mußte. Die Prüfungen Ehrung Emil Wutzkzcs Die gestrige Fraktionssitzung der so- zialdemokratischen Stadtverordnetenfraktion be- gann mit einer Ehrung des aus dem Berliner Magistrat ausgkfchiedenen Stadtrates Genossen Emil W u tz k y. Der„Vorwärts" hat die hohen kommunalpolitischen Verdienste Wutzkys aus An- laß seines sechzigjährigen Geburtstages bereits gewürdigt. D«r Vorsitzende der Fraktion Erich F l a t a u und Franz Künstler als Vorsitzender der Berliner Sozialdemokratie sprachen dem ver- dienten Kommunalpolitiker, der bereits 1899 kom- munalpolitisch arbeitete, den D a n k d e r P a r- t e i aus. Flatau gab der Hoffnung Ausdruck, die außerordentliche Arbeitskraft und wertvollen Kenntniss« Emil Wutzkys auch nach seinem Ans- scheiden aus dem Magistrat der Berliner Kom- munalarbeit erhalten zu sehen. Die Fraktions- Mitglieder unterstrichen die Worte ihres Vorsitzen- den mii dreifachem Freiheitsruf. Der so Geehrte dankte in bewegten Worten auch für ein äußeres Zeichen der Verbundenheit, ein Aquarell Krom- mers„Spreeufer an der Brommybrücke", das ihm überreicht worden war. eaft» .. paijCnt"-jeikie 50 jen" Sab*■miib . ua.Qi3 5:>un In wenig Worten Der SA.-Truppführer Thomas Kroll, der am Montag mit einem Schläfenschuh auf der Landstrahc bei Rehna tot aufgesunden worden war, hat, wie die Untersuchungen der Staatsan- waltfchaft und des Landeskriminalamts sowie der Gauleitung der NSDAP, einwandfrei ergeben habe», Selbstmord verübt. Nach Gerüchten soll Kroll die Tat aus Liebeskummer begangen haben. Als Mörder des greisen Ehepaares K ü ch und seiner Tochter in R o m c y k c n bei Cydtkuhnen wurde der.83 Jahre alte Melker Karl W i st o t ermittelt. Der Verbrecher, ein geborener Russe, wurde in dem jetzt zu Litauen gehörenden Tau- roggen verhaftet. * Sechs Mädchen im Alter von lö bis ö Jahren brachen auf dem Altrhein beim Schlittschuhlausen ei». Nach etwa einstündigen Rettungsarbeiten konnten alle Verunglückten Kinder nur als Leichen geborgen werden. Am schwersten von dem Unglück betroffen wurde die Familie des erwerbslosen Schlossers Jakob Weintz. die allein fünf Mädchen bei dem Unglück verlor. * Der deutsche Weltsliegcr Bertram nahm auf seinem Heimsluge eine Zwischenlandung in Lima tSundainsel Sumbawa) vor und setzte dann den Flug nach Surabaya fort. ★ Im Untertagebetrieb der Bochumer Zeche „B i s m a r ck" wurden zwei Bergleute von einein Steinzug, dessen Signale sie überhört hatten, überfahren. Einer der Verunglückten erlag nach kurzer Zeit seinen Verletzungen. regung, doch ist es zu Zwischenfällen nicht g«> kommen. Das Bezirksamt Neukölln beabsichtigt übrigens, im Zentrum des Ortsteils, in der Wah- mannsdorser, Bornsdorfer und Saltykowstrahe, einen neuen Wochen markt einzurichten, der am Dienstag und Freitag jeder Woche von 8 bis l3 Uhr geöffnet sein soll. Die Einrichtung dieses Marktes soll im Interesse der minderbemittelten Verbraucherkreise getroffen werden. Markthalle ohne Acht Polizeilich geschlossen Die sogenannte„Neuköllner Zentral- Markthalle", ein Privatunternehmen, das sich auf dem der Firma Karstadt gehörenden Grund- stück in der Bergstrahe 89/S0 in Neukölln be- findet, wurde gestern nachmittag gegen 5 Uhr polizeilich geschlossen, weil plötzlich in allen Räumen der Hallenanlage das elektrische Licht erlosch, Die Markthalle, die von einer Firma Landau u, Lehniann gepachtet ivorden ist, bezieht ihren Strom von der eigenen Kraftanlage der Firma Karstadt, die auf dem Nachbargrundstück einen Einheitspreisbetrieb besitzt. Soviel man hört, war die Markthallenverwaltung mit der Bezahlung der Slroingebühren im Rückstand, so dah Karstadt sich schließlich, nachdem Mahnungen nichts gefruchtet hatten, zur Einstellung der Strom- bclicferung entschloß. Die Händler, die dort ihre Stände haben, bemächtigte sich eine große Er- Pistolen im Butterladen In die Buttersiliale der Firma Gebrüder M a n s in Tempelhof, Hohenzollernkorso 7, dran- gen gestern abend kurz vor Ladenschluß IS junge Burschen ein, von denen einige mit Pistolen bewaffnet waren. Während die Bewaffneten die Verkäuferinnen in Schach hielten, raubten die anderen Komplicen Lebensmittel und verstauten die Beute in Rucksäcken. Die Täter flüchteten in Richtung des nahegelegenen Laubengeländes, wo einer von ihnen von den verfolgenden Polizei- beamten fcstgenonimen werden konnte. Helft den Gefangenen! Weihnachten mahnt Bald soll der Weihnachtsbaum wieder brennen. Es ist die Zeit, da sich ein jeder»och einem bißchen Wärme und menschlicher Ver- bundenheit sehnt. Das weiß und fühlt auch die „Mutter" all der jugendlichen Strafgefangenen, die Fürsorgerin der Jugendgerichtshilfe am Landesjugendamt. Das ganze Jahr über sammelt und bettelt sie fleißig um Zeichenpapier, Buntstifte, Kunstdruck- bilder aus Zeitschriften. Rätselausgaben und Radiergummis. Das sind die Wünsche, die ihrer großen ZWköpsigen Schar in Kottbus und in der Lehrter Straße am meisten am Herzen liegen. Alle wollen sie zeichnen und Rätsel raten In ihren wenigen Freistunden fitzt dann die Für- sorgerin zu Hause und klebt und bastelt und schneidet aus. Durch einen Aufruf im Vorjahre hat sich eine liebevolle Helferin gesunden, die der Für- sorgerin 30 schöne, selbstverfertigte Zeichenmappen beisteuerte. Aber 3V und vielleicht 30 Mappen sind noch lange keine 300, und die fürsorgende Der Prinz fährt nach Lugano Und die Witwe des Aufsehers kann inzwischen verhungern „Bartsch gegen Prinzen Friedrich Leopold von Preußen" ruft der Beamte auf dem Potsdamer Arbeitsgericht aus. Als Klägerin tritt die t>7jährige Witwe des prmzlichen Villenaufseher? und Verwalters Bartsch auf llskon bei Sahnitz, Frau Marie Bartsch, auf. Beklagter ist Prinz Friedrich Leopold von Preußen. Der Mann der Klägerin hat dreißig Jahre lang die prinzlichen Häuser auf Uskan verwaltet. Nach seinem Tode im Juli 1932 haben sich die Erben des Prinzen Leopold um diese Witwe nicht mehr gekümmert uno ihr bis heute keinen Pfennig Pension gegeben, die monatlich auf 59 M. fest- gesetzt war. Alle Mahnungen, Pfändungsaufträge blieben ohne Erfolg, da einmal der Prinz,«in andermal die Hausgutsverwaltung bzw. das Erb- gut die Verpflichtung gegen die alte Frau ab- lehnten. Immer wieder trat die Frage auf: Wer hat für sie nun zu sorgen? Der Sohn der Klägerin, der seine Mutler vertritt, erklärte dem Potsdamer Richter: Ich habe alles versucht, um Geld zu bekommen. Ich bin bis zum Auflösungs- amt am Kammergericht in Berlin gegangen, alles hat nichts genutzt, jetzt soll das Potsdamer Ar- beitsgericht meiner Mutter helfen. Ein Vertreter der prinzlichen Hausgutsverwaltung erklärte, daß diese keine flüssigen Mittel habe. Oer Vorsitzende, Amtsgerichtsrat Hirschfeld, meinte:„Besteht denn nicht mehr soviel Vertrauen zu den prinzlichen Erben, daß Sie Hau-gutsverwaltung die eingeklagte Summe von etwa 900 M. der alten Frau Mutter möchte doch so gerne wenigstens einem größeren Teil chrer Schützlinge ein bißchen Zeichenmaterial zukommen lassen. Leider schmllzt der kleine Spesenfonds von Jahr zu Jahr wie Schnee in der Märzensonne. Hinzu kommt die Magensrage. Schmalz und Aepsel. das ist die traditionelle Weihnachtsgabe, die heißbegehrt wird. Und der„Weihnachtsmann" grübelt und grübelt: woher nehmen? Auch hier kann man wieder lange nicht so wie man möchte, denn es gibt etwas noch Dringlicheres, hinter dem alles andere zurückstehen muß. Im Frauengesängnis Moabit und in der Barnimstraße fehlt es vielfach an der aller- notwendigsten Kleidung und Wäsche. Der Winter bringt Kälte und fordert hier ein Paar warme Strümpfe, dort warme Wäsche, ein dickeres Kleid oder einen Mantel. auszahlt?"„Es ist ja nichts mehr da!" ruft ein gegnerischer Anwalk. Vors.:„Die alte Frau aus Uskan muß doch Geld bekommen, sie kann doch nicht verhungern. Es wird noch so weit kommen, meine Herren, daß beide Teile, Haus- gut und Erbgut, für die alte Frau haften müssen. Wo ist eigentlich Prinz Friedrich Leopolos Sohn zu erreichen?" Ein Anwalt erklärt darauf, daß dieser von Potsdam nach Lugano gereist sei Das Potsdamer Arbeitsgericht vertagte die Sache auf den 20. Dezember d. I., bewilligte aber vorher der allen Frau aus Uskan das Armen- recht, damit sie gegen de» Prinzen, der nach Lugano gereist ist, klagen kann. Querulant freigesprochen Der erheblich vorbestrafte Kaufmann Eugen Mendt in Berlin hatte seit Jahren einen ununterbrochenen Kampf gegen alle Behörden ge- führt, mit denen er zu tun hatte, und hatte sich nicht gescheut, die unglaublichsten Behauptungen und ungeheuerlichsten Beschuldigungen gegen die in Frage kommenden Beamten— Kriminal- und Schutzpolizeibeamte sowie Beamte der städtischen Wohlfahrtseinrichtungen— zu erheben. Die Be- weisaufnahme ergab, daß alles aus der Lust ge- grifsen war. Wegen Unzurechnungsfähigkeit wurde Wendt jetzt freigesprochen. ReichSwebrsoldat erschossen LA.-I�ann als Mörder Schwerin, 13. Dezember. Vor dem Schwurgericht hotte sich der Zlljährige S A.- M a n n Ernst Kruse wegen Totschlags an einem Reichswehrgefreiten aus Schwerin zu verantworten. Den Hintergrund der Bluttat bildet eine Liebes- geschichte. Kruse und der Reichswehrsoldat hatten mit dem gleichen Mädchen ein LiebesverMtnis. Als das Mädchen sich im Juni dieses Jahres von dem SA.-Mann lossagte, käm es zu einer Eifer- suchtsszene vor ihrer Wohnung, in der sich gerade der Reichswehrgefreite aufhielt. Kruse trat die Türfüllung ein und schoß mit einem Revolver in das Zimmer hinein. Der Reichswehrgefreit« er- hielt einen Bauchschuß, an dessen Folgen er einige Tage später starb. Das Gericht billigte dem" Angeklagten wegen seiner Jugend mildernde Umstände zu und verurteilte ihn wegen Totschlags und wegen Vergehens gegen das Waifengesetz zu drei Jahren vier Moiraten Geiängnis.— Ein mehr als mildes Urteil! Pilmmatinee für Wohlfahrtslotterie Im Rahmen der Wohlfahrtslotterie veranstaltet die Berliner Arbeiterwohl- fahrt mehrere öffentliche Vortrags- und Film- abende. So wird am Sonntag, dem 18. Dezem- der, in Tempelhof eine Filmmatinee vormittags 11.30 Uhr in den Tioali-Lichffpielen, Friedrich-Karl-Straße und Berliner Straße, durchgeführt. Der C h a p l i n- F i l m„L i ch- ter der Großstadt" wird laufen und Paula Kur goß wird über„Erwerbslosenhilie" sprechen. Der Eintritt ist nur gegen den Abschnitt eines Arbeiterwohlfahrtsloses wog- lich. Jugendliche haben � Zutritt. Im Januar sollen weitere Veranstaltungen ähnlicher Art folgen. S!i>cht>MBl>«ii»B durch die»eraegen«» viuiel Alt- Berlins. Die nächste Wanderung veranstaltet das BkUrls. amt öchöneberg am Riltwoch, I«. Dtjlrmber, unter Leitung Georg Bamdergers. Treffpunkt 20 Uiir im Evhraimdau», Poststr. 16, Site Milstlendamm. Teilneymergebilyr 1 M. Etulenduugrn für ütrf« Rubrik stnd Berti» SB«6. Lindenftraste i. Groß-Berlin stet« a» da» Bezirksietretartat i. S-f. 2 Treppen recht», zu richte» Beginn aller Veranstaltungen liliö Uhr. sofern keine besondere Zeitangabe! Bektion blinder Parteigenofsen. Freilag, 16. Dezember, 20 Ul>r, Persammlung bei Scholz, Ädalberistr. 21.„Unsere Arbeit im neuen Reichstag", Referent: Äottlieb Reese. Alle Mtalieder müssen pünktlich erscheinen. 2.»reis. Donnerstag, IS. Dezember, 10 Uhr, Zusammenlünsle erwerbsloser Parteiinitalieder an folgenden Stelle»: Putbusser Str. 22, Referent: Genosse »echt: Willdenowstr. ö,„Literatur vom Fernen Osten:, Referent: Oswald Zienau. l>. ttrei». Donnerstag, 15. Dezember, 16 Uhr, Erwerbslosenzusammenkunft bei Will, Martin-Luther-Str. 0S.„Zkonfumgenossenschaft", Referent wird in der Veranstaltung bekanntgegeben. l6. tlrei». Donnerstag, 15. Dezember, 15 Uhr, Zusammenkunft erwerbsloser Parteimitglieder an bekannter Stelle.„Wie erhalten die Arbeitslosen ihre Rechte in der Sozialversicherung", Referent: Genosse Varlhaus. 2l. Abt. Freitag 10. Dezember, 20 Uhr, Bunter Elternabend im Schrader-Saal, Malplaquetstraße, ausgeführt von Weddinger Roten Falken. :I0. Abt. Heute Zahlabende in den bekannten Lokale». 20. Abt. Donnerstag, 15. Dezember, Akontozahlungen auf Sammellisten bei Danzke. 12. Abt. Zahlabende in den bekannten Lokalen. 52. Abt. Freitag, 10 Dezember, 20 Uhr, bei Marsand,„Heidekrug", geselliger Abend mit politischem Kabarett. Die Ziachbarabteilunge» sind eingelade». 72. Abt. Heute, 20 Uhr, bei Rosenau, Varziner Ecke Lauoacher Etrasie, Mitgliederversammlung.„Unsere Arbeit im neuen Reichstag", Referent«»rt Bleu. Die Funktionäre treffen sich um IS Uhr, 710. Abt. Freitag, 10. Dezember, 20 Uhr, bei Stockmann, Machnower Str. 2. „Politische Lage", Referent: Willi Sä>neider, Dl. Abt. 11. Bezirl: gohlabend heute bei Lbffler, Fontane. Ecke Mahlower Strasse. Reserent: Storl Schoodt. Alle übrigen Zahlabende falle» im Dezember aus, 121a. Abt. Heute Mitgliederversammlung. Referent Genosse Tietgens. 1:19h. Abt. Freitag, 16 Dezember, 20 Uhr, Mitgliederversammlung im Scholle». krug, Hermsdorfer Straße.„Iustizkrise", Referent Dr. Günther Joachim. Zrauenvcranstaltungen. 2.»reis. Donnerstag, 15. Dezember, IH'i Uhr, Funktionärinnensitzung in der Nähstube der A.-W., Putbusser Str. 2, v. 2 Tr. 1. fttci». Heute, pünktlich 18 Uhr, wieder Arbeitsgemeinschaft im Zimmer 1 des Bezirksamtes Prenzlauer Berg. Bezirksausschuh für Arbeiterwohlsohrt. 12. Zlrei, lempelhof. Maricxdorf, Marienscldc, Lichtenrade. Freitag, 10. De. zember, 20 Uhr, Sitzungszimmer 1, Dorfstr. 12, Sitzung der Arbeiterwohl. fahrt. Wichtige Besprechung.— Alle Lose der Funktionäre der Arbeiter. wohlfohrt sind dortselbst unbedingt abzurechnen. Arbeitsgemeinschaft der ftindersreundc. Die Ausstellung der Ztivdelficundc„ginder helfe» Bindern" ist bis j zum 20. Dezember täglich i» der Zeit oon 10 bi» 22 Uhr geöffnet. : Steife und Gruppen, die die Rachmittogsveranstaltunge« besuchen : wollen, müssen sich»orher schriftlich ober telephonisch in der Gr- ! schaftsftell« anmelden. i Heute spielt der Kasper um 1614 Uhr in der Ausstellung„Das t Flaschenteufelchen". Tädlich 20 Uhr Elternversammlung in den Ausstellungsräumen. Achtung, Ordner sllr die Ausstellung! Heut« ist der strei» Reutölln»er- � Mitte, Abt. Ernst Toller: Achtung, Falten! Ab heute befindet sich unser Heim Zcbdenicker Str. 17, Schule. Zeit und Heimtag« bleiben wie bl,her. Heute erscheinen alle Falken zur Probe für die Sonnenwendseier. Eharlottenburg: Morgen, Donnerstag, 20 Uhr, Elternabend im Heim Rostnenstratze. Sonnabend, 17, Dezember, findet unsere Sonnenwcndfcier im Wablfahrtssaal,.stönigin.EIisabeth.Str. 0, statt, Beginn 18 Uhr. Unkosten 20 Pfennig. Treptow: Am Freitag, i2. Dezember, in der Zeit von 18 di» 17 Uhr, rechnen alle Abteilungen bei dem.streiskassicrer ab. Fatkenkalendei und„Sozialistische Erziehung" sind abzuholen. Neukölln: Am Sonnabend. 17. Dezember, Paritandssitzung mit Gruppen» fuhrern um 20 Uhr im streisheim. Der Sportabend der Gruppen 1. 8 und 0 fällt heute. Mittwoch, ans. Spicltruppe: Wir üben heute, I7>.!, Uhr, die Reger, 1814 Uhr die Ehincfen im Kreisheim. Achtung. Restfalkcn! Wir treffen uns zum Besuch der Ausstellung am Freitag. 10. Dezember, 1551 Uhr, Rathaus Reu. köll»! am Sonnabend, 18. Dezember, 1411 Ubr Hcrrfurthplatz und llts Uhr Karl-Marr-Schule. 15 Pf. mithringen. Abt. Junavolt: Donnerstag. l.>. De- zember, 20 Uhr, Elternoerfammlung in der Karl.Marx.Schule. Rcinickendarfi Sonnabend, 17. Dezember. Fahrt nach Neu.Pchlefanz zur Sonnenwendfeier. Treffen>0 Ubr Bhf. Tegel. Instrumente»nd Decken mit. bringen. Am Dienstag, 20. Dezember, haben wir in der Ausstellung Ordner. dienst. Jede Gruppe muh Helfer stellen. Meldungen fafori. Hohenschönhaufe»: Heute sind alle Nestfalken van l7>- bi» 19>7 Uhr im Alten Schloß. Morgen kommen alle Roten Falken ebenda zusammen. Jeder muß erscheinen. Montag, 19. Dezember, gehen wir alle zur Ausstellung„Kinder helfen Kindern". Wir fahren um läli Uhr von der Siedlung ab. Abt. Bohnsdori: Sonntag, 18. Dezember. 17 Uhr. Sterbetafel der Groß-Berliner Partei-Oraanifation 5. Abt. Durch Freitod ist der Geuosse Fritz Jung au» dem Leben ge- schieden. Ehre seinem Andenken! Beerdigung heute. 11. Dezember, 15>7 Uhr, auf dem Kirchhof der Markns-Gemeinde in Hohenschönhausen, Berliner Eiraße. 18. Abt. Sonnabend. 10. Dezember, verstarb unscr früherer Abteilungslcilcr Franz Müller, der jahrzehntelang in treuer Pflichicrfülluna der Partei angehörte. Ehre seinem Andenke»! Einäscherung heute, lOrz Uhr, in Baumlchulcnweg. Rege Beteiligung wird erwartet. 25. Abt. Unser langjähriger Genosse Franz Müller, Bötzowitr. II, ist verstorben. Ehre seinem Andenken! Einäscherung heute, l9o. Uhr, in Baum, schulcnweg. Um rege Beteiligung wird gebeten. 42. Abt. Unser alter Genosse Rudolf Word» ist im 72. Lebensjahre verstorben. Ehre seinem Andenken! Die Beisetzung findet am Dannerstag, 15. Dezember, um l2> j Uhr, auf dem Zentralsricdhof Friedrichsselde statt. Rege Beteiligung erwartet die Abteilungsleitung. >02. Abt. Sonntag. II. Dezember, verstarb unser alter Genosse Karl Günther, Baumschülenstr. 92. Ehre seinem Andenken! Traucrfeier Frcitaa. 16. Dezember, 1814 Ühr, im Krematorium Baumschnlenweg. Um restlose Be- teiligung der Mitglieder wird gebeten. Sozialistische Meiterjugend Groß-Verlin Einsendungen tür diele Rubrik nur an da» Jugendi-kretariai Berlin SW 68 Lindenstraß» 2. vorn l Treppe recht» Abteilungsleiter, sorgt dafür, daß wir den Berichtsbogen und dos Januar. Programm delommen, daß die aussiebenden-Abrechnungen noch in diesem Monat erledigt werden. Berbilliqicr Weid»acht»»ertauf im Buch, und Warenoertrieb der SA?., SW.. Belle-Allianee�Plotz 8, vorn 2"'--. 19 Uhr. Tr. Geöffnet Mittwoch» und Freitags bis heute, Mittwoch. 20 Uhr. Gewertschaftihau»: Besuch der Mitgliederversammlung der 3. Parteiabtei. lung. Gesundbruniren RF.! Koloniestr. 22: Ausspracheabend.— Bolienplatz: Tilsttcr Str 1—5: Prob» zur Wintersonnenwendseier.— Franksurter Viertel: Frankfurter Allee 307: Schallplattenabend.— Pctersburger Viertel: Gbertn- straßc 122 Burschcnabend.— Barschauer Viertel und RF.! Litauer Str. 18: Drache Marxismus, I.— Spandau, Aelterc: Lindenufer 1: Arbeitsgemeinschaft. — Ablcrihos: Bismarckstr. I: Was will die SPD?— Bohnsdorf und Falke». bcrg: Gomeinschattshaus: Da» Pragramm des Zentrums.— FrieftrichiHageu: Fricdrichsir. 97: Karl-Schräder. Abend.— Lichtenberg-Mitte: Zahlabc nd der III. Parteiabteilung.— Lichteuberg-Rcu: Gunterstr. 14: Filmlicsprechung.— Lichlcnbero Rord: Gunterstr. 41; Zahlabend der varlei.— Mahltdors: Mclanch. thonstr. 68: Sesellschaftzspiele.— Reinickenbors-Weft: Zahlabenb.— Kor»«: Zrundsbergstr. 9: Funttionarkursus. Werbcbezirk Reukölla: All« erwerbslosen Genossen beteiligen sich an der EW.. gusammenkunit der Partei ab 15 Uhr im Heim Kanner Straßc. Sprechstunde 181, Uhr Ganghoferstraße. Morgen. Donnerstag. Werbebezirk Wedding: Iiiuqcrcnkursus 20 Uhr Putbusser Str. 22.— «elterenkursus 20 Uhr Koloniestr. 22.- Freilag. 1914 Ubr. Mitgliederve'. sammlung, Vezirisvcrordneten.Sttzungssaal, Rathau«. Müllerstr. 146—147.„Die politische Situation", Referent: Genosse Iohansen. «erbebezirk Müggelsee- 1914 Uhr Borstandssstzung im Parteiheim Köpenick. Werbebezirk Lichtenberg: Borstandssstzung, Gunterstr. 14. Erscheinen sehr wichtig.— Freitag Mitgiiederversammlung cbendort. Werbebezirk Pankow! Porstandsfltzung am Freitag. Wedbinq RF.: Freitag, 20 Uhr, Bunter Elternabend im Schrader-Saal, Mal- plaquetfiraß». .�reie Gewerkschafts-Zugend Berlin Heute, Mittwoch, 14. Dezember, um 19', Uhr, tagen die Gruppen: Süd- Westen: Jugendheim tlorckst:. LI(Zabrilgedäude).„Als Maschinist nach Amerika."— Schöneberg: Jugendheim Hauptstr. 15 lGartenhausl. Fricdel Hall lonimt.— Spandau-Rcustrdt: Jugendheim Llndcnufrr 1. Tucholsii- Abend.— Rardring: Jugendheim Sonnendurgcr Str. 20. Wcrbeabend.— Wcißcnsce: Jliaendheiin Wcißcnscc, Cafelcr Str. 2.„Einführung in de» Sozia- lisnius."— Arnswaldcr Pia»: Jugendheim Schönlanker Str. 11, Baracke 0, rechter Eingang.„Wirtschaktskrise und Weihnachten."— Rcukölln: Jugendheim Bcrgstr. 29-Hofi.„Der Weg zum Sozialismus."— Flughascn: Jugendheim Flughafenstr. 08-U-Bahn Boddinstraßel.„Wie geht es»eti Arbeitern in Ruß. land?"— Humdoibthaiu: Jugendheim Putbusser Str. 22. Lichtbildervortrag: „Das neue Weltbild im Spiegel der Literatur."— Schillerparl: Jugendheim Schule Schöningstr. 17. Kösiner-Abend.- Bauwschulcnwcg: Jugendheim Baum. ichulenweg, Ernststr. 16.„Umbau der Wirlschait."- Eharl«tt«»burg: Jugend- heim Pestalazzistr. 40.„Kameradschait— Liebe— Ehe."— Kreis Oberspree: Jugendheim Ernststr. 16. Kreiskursu»:„Umbau der Wirischast." §�uaendorupve des �entralverbanSes der Anaestellten Heute, Mittwoch, finden folgende Veranstaltungen statt: Britz! Gemein- schastshaus in der Hannemannstraße der Bau- und Sparaenossenschafl „Ideal". Aussprache:„Die Welt der werltätigen Jugend". Letter: Bieder- mann.— Schönhauser Vorstadt: Jugendheim der Schule Kastanienallee 81. Aus- ivrache:„Zugend und Kirche" Leiterin: Hanni Moosdors.— Nordost l: Jugend. heim Danziger Str. 62 tBaracke 21. Arbcitsaemeinschast:..Vorkämpier tür den vozialismu»! Lassalle und Bebel".— Rcinickeudors! Jugendheim Lindauer Straß« 2 t Baracke». Vortrag:„Die Bedeutung der freie» Gewerkschaften". Re. lerent: Derkow, Köpenick! Jugendheim Dahlwigei Str. 15 sGazanstalt am Badnhof Köpenickl. Vortrag:„Belgien— Land und Leute". Referent: Dr. LewinIIi— Reukölln: Jugendheim Böhmisch» Str. 1—4, Eck« Sonnet" Straße. Arbeltsoemeinschaft(6. Abend):„Wir wissen einen Aulweg aus her Krise— da» Mrischaftsumbauprogramm der freien Gewerkschaften". Leiter: Krebs.— Südwest: Jugendheim Parckstr. 11(2. Hai, Ouergebäube Aufgang l, Zimmer 3).------'---- MMMT---"-----"■----" gebäude. Sack Herpid.—#1____________„ I_______. „Berufsauffassung und Arbeitsfreude im Zeüalier de» Hochkapitalismus" Leiter: Huhn.— Spandau: Jugendheil» Lindenutcr 1. Vorbesprechung und llebungsabend für unsere Weihnochtsseier Potedam.Rowawes: Jugend Herberge Rowawes llebungsabend der Scheinfirma.— Die Vcrsichcrungsäcse». fchast„Sorgenfrei" A.-S. tagt heute von 17 bis 19 Ilhr im Verbandshaus, Hede. mannftraße 12. Dreizehn Flaschen Sekt Abenteuer mit ernstem HinterxrimcJ In diesen lagen hat sich in Berlin in einem eleganten Lokal am K u r f ü r st e n d a m m etwas zugetragen, das heiler anmutet, aber doch eine ernste Seite hat, Es saß da ganz in der Nähe der Capelle ein hübsches junges Mädchen, das Geschäftsführer und Kellner als„gut bürgerlich" taxierten. Die Schöne bestellte sich ein Abendessen und trank einige Glas Pilsener dazu. Dann gab sie sich ganz dem Genuh der Musik hin, Sie bestellte ihre Lieblingsstücke und traktierte dafür die Musikanten mit Bier, Schließlich lud sie den Kapellmeister ein. an ihrem Tisch ein Glas Sekt mitzutrinken. Der sagte nicht nein, meinte aber, daß auch seine Kollegen ein Gläschen nicht ausschlagen würden. Aus dem Gläschen wurden 13 Flaschen, die um 3 Uhr. bei der Polizeistunde, geleert neben dem Stuhl der fröhlichen Zecherin standen, Nun kam der Kellner mit der Rechnung, die 200 M, bereits überschritten hatte. Die„Dame" ließ sich aber in ihrer Stimmung nicht stören, sondern verlangte nach einer Taxe, um in dein chotel im Zentrum, wo sie wohne, Geld zu holen. Zufällig habe sie nicht genügend bei sich. Der Kellner und ei» Musiker schlössen sich der Expedition an. Beim Portier des Hotels freilich erfuhr man, daß die„gütige Gastgeberin" dort völlig unbekannt sei.„Nun, dos ist nicht schlimm", sagte sie,„wir fahren zu meinem Freund, dem Bankier, der wird mir ausHelsen." Schon auf der neuen Taxifahrt versuchte sie mehrmals zu türmen, und am Potsdamer Platz sagte sie, jetzt verbiete sie sich jede weiter« Herren- beglcitung, sie wolle allein nach Hause fahren. Der Kellner war freilich nicht einverstanden, sondern holte einen Schutzpolizisten. Auf der Wache stellte sich heraus, daß es sich um eine wohnungslose Else L. handle. Die Vernehmung gestaltete sich allerdings dadurch schwierig, daß Else über starke Kopfschinerzen klagte und nur noch zu lallen ver- mochte. Sic wird dem Schnellrichter zugeführt werden. Die Sache klingt sehr lustig, aber sie hat eine ernste Seite. Gewiß mag man dem Kellner allzu große Gutgläubigkeit vorwerfen. Er hätte, als die Zeche immer mehr anschwoll, sich über die Zahlungsfähigkeit seiner Kundin unterrichten müssen. Aber jetzt heißt es für ihn gegenüber der Geschäftsleitung des Lokals: Wer zahlt die rund 200 M.? Wird er hostbar gemacht, so kostet ihm das zumindest ein gutes Stück seines Monats- Verdienstes. Der Heringsraub Statin mit dem Blindenabzeichen Bor dem Schnellschöffengericht steht ein Mann mit einer Augenklappe aus dem rechten Auge und dem Blindenabzeichen auf dem rechten Arm. Noch minderjährig, hatte er für einen Diebstahl eine Gesängnisstrase von zehn Tagen erhalten: aus Scham vor Eltern und Bekannten unternahm er einen Selbstmordversuch. Er blieb am Leben, verlor jedoch das rechte Auge und auf dem zweiten Auge fast alle Sehkraft. Die Blinden- fürsorge besorgte ihm Dauerarbeit, im Jahre 1920 heiratete er. Der Steckschuß verursachte ihm zeit- weilig heftige Schmerzen, in seinen Anfällen zer- schlug er dann alles, was in seiner Nähe war, seine Arbeit mußte er mitunter monatelang aus- setzen. So war es auch am 19. November. Er hatte wieder heftige Schmerzen und blieb zu Hause. Am 22. November hielt es ihn aber auch nicht mehr in der Wohnung. Bor rasenden Schmerzen irrte er durch die Straßen, gegen Mittag ver- spürte er H u n g e r: er klopfte in der Sedanstr. 82 an eine Wohnungstür, sie blieb verschlossen. Im selben Augenblick sah er eine Frau mit einer Handtasche die Treppe hinaufgehen Er riß sie ihr von. hinten aus der Hand und lief zur Haus- tür. Er wurde von der Frau«ingeholt, versetzte ihr«inen Schlag mit der Handtasche gegen das Gesicht, daß sie zu Boden stürzte und lief weiter. Cr wurde von Passanten gestellt, die Frau erhielt ihre Tasche wieder— es waren darin grüne Heringe, ein Päckchen Salz, das Portemonnaie mit 3 Mark und die Hausschlüssel.— Der Mann flehte, man möchte ihn lausen lassen, er durste gehe». Ein Hausbewohner verfolgte ihn aber weiter und ließ ihn verhaften. Bor Gericht tonnte der Mann eigentlich keinen rechten Grund sür seine Tat angeben Er hätte ja zu Hause etwas zu essen finden können. Er wiederholte nur immer wieder, er habe„Kohl- dampf" gehabt und sei wie irre gewesen. Das Gericht verurteilte ihn aus dem schweren Dieb- stahlsparagraphen, der den Täter mit Zuchthaus bedroht, wenn er sich der Festnahme mit Gewalt zu entziehen versucht, unter Zubilligung mildern- der Umstände zu einem Jahr Gejängnis. Die unbegreijliche Tat des Angeklagten erscheint aber in ganz anderem Lichte, wenn man berück- sichtigt. daß er genau Buch führte über seine Betteltourcn. Zwar hatte er auskömmliche Arbeit und ein Zuhause. Er litt keine Not, nutzte aber sein Gebrechen und nahm die Mildtätigkeit der Mitmenschen in Anspruch. Mag sein, daß er an dem Tage seinen„Rappel" hatte. Als aber die Tür, an die er geklopft hatte, verschlossen blieb. wird er wohl aus Wut und Aerger, weniger aus „Kohldamps", der Frau die Handtasche mit den grünen Heringen entrissen haben... diesmal der Zug 14, Steglitz, der Berliner Feuerwehr eröffnet. In den Nachmiilag-stunden fanden sich über 30 Kinder in der Wache ein. denen unter dem im Lichterglanz strahlenden Weihnachtsbaum einige schöne Stunden bereitet wurden. Der Weihnachtsmann trat in Aktion, die Feuerwehr- kapelle spielte schöne Weihnachtsweisen und dann wurde den Kleinen außer einem bunten Teller«in großes Paket mit Kleidungsstücken usw. über- reicht. Die dankbaren Gesichter und die leuchten- den Augen der Kinder waren den Feuerwehrleuten höchster Lohn für ihr Wohltätigkeitswerk. In nächster Zeit werden noch andere Feuerwehr- wachen, wie auch in den vergangenen Iahren. ähnliche Weihnachtsfeiern zugunsten armer Kinder durchführen. Greisentragödie Der l'od durch Gas 3n der wendensir. 4 wurde gestern die Tragädie eines greisen Ehepaares entdeckt. Im dritten Stockwerk wohnt dort der 74 Jähre alte Renteneznp.fänger Ernst Protz mit seiner um zwei Jahre jüngeren Frau Minna. In letzter Zeit kränkelte die alte Frau und das hat ofsenbar in dem greisen Ehepaar den Entschluß reifen lassen, gemeinsam aus dem Leben zu scheiden. Am Montagabend wurde das Ehepaar von Haus- bewohnern zum letzten Male gesehen. Als sich Dienstag mittag auf dem Treppenflur starker Gas- geruch bemerkbar machte, wurde die Feuerwehr alarmiert. Die Beamten verschafften sich Einlaß und in dem völlig mit Gas erfüllten Schlaf- zimmer fand man die Lebensmüden regungslos auf. Die Rettungsversuche der Feuerwehr waren ohne Erfolg. Bon der Stadtbahn getötet Aus den Gleisen der Stadtbahn zwischen den Stationen Friedrich st raßc und Lehrter Bahnhof ereignete sich gestern nachmittag ein folgenschwerer Unfall. Bei M o n ta g e a r b e i- t e n wurde der 49 Jahre alte Richtmeister M a- l i tz k i aus Deutschkcisel bei Grünberg in Schle- sien von einem Stadtbahnzug der Strecke Spandau— Grimau ersaßt und schwer verletzt. Der Verunglückt« wurde in bewußtlosem Zustande in die Chqrite gebracht, wo bei seiner Einlieserung aber schon der Tod«ingeireten war. Die Leiche ist beschlagnahmt worden. Kleintierzüchter-Arbeit Line wohlxehmxene Ausstellung In diesen Tagen hielt der Bezirksverband Neu- kölln-Treptow E. V.. Mitglied des Provinzialver- bandes der Kleingärtner E-V. der Provinz Brandenburg sein« 10. große Jubiläumsgesiügel- u n d K a n 1 n ch e n a u s st e l l u n g in Glogers Festsälen in Treptow ab. Auf der Ausstellung waren alle Rassen von Kaninchen oertreten. Unter den IIS Bewerbern errangen die Schwarzloh- kaninchen den ersten Preis. 135 Hühner nebst 42 Zwerghühnern vertraten dos kleine Feder- voll, hinzu kamen noch einige Puten. Die Tauben präsentierten sich in der stattlichen Zahl von 107 Stück. Auch hier siel die Vielfältigkeit der Rassen auf. Man bewunderte eine Sonder- klasse der Bries- und Flugtauben. Das ganze Bild der Ausstellung wurde durch die Dekoration, welche in liebenswürdiger Weise vom Gartenbau- amt Treptow unentgeltlich gestellt war, im Verein mit dem Banner der Kleingärtner in har- monische» Farben dargestellt und der Vorsitzende des Bezirk-vcrbandes, Korch, konnte in seiner Eröffnungsrede dem Protektor Bürgermeister Scholz und dem Ausstellungsleiter Gustav Krüger für den glänzenden Aufbau der Aus- stellung danken. Feuerwehr als Weihnachtsmann Alljährlich veranstalten eine Reihe von Berliner Ieperwehrwachen Weihnachtsfeiern, bei denen arme Kinder aus den Bezirken mit nütz- lichen Dingen bedacht werden. Den Reigen dieser anerkennenswerten Weihnachtsbescherungen Hot Wie wird das Wetter? In Berlin; Schwach wolkiges bis heiteres 'Wetter, nachts nur noch ganz leichler Frost, am Tage ziemlich mild bei schwachen südlichen Winden.— Zn Deulschland: In ganz Deutsch- land fonschreitende Erwärmung, sonst wolkig bis heiter. Strichweise, besonders in Süddeutschland, Nebelbildung. Nieterschläge von Bedeutung werden nirgends fallen. Beim Geschirraufwaschen genügt ein Teelöffel(0) für eine normale Aufwaschschüssel. So ergiebig ist es) vor(& Leisfung/ Das sagen auch Sie, wenn Sie seine stark fettlösende Kraft an Hunderten der schwierigsten Dinge erprobt haben. Dann werden Sie die Begeisterung verstehen, die@ täglich aufs neue erweckt. Mit welch unzulänglichen Mitteln sich die Frauenwelt bisher abmühen mußlel Mit einem Schlage hat hier(jw) Wandel geschafft Reinigungssorgen gibts nicht mehr- wo@das Zepter schwingt Ufö Reinheit lacht— hat(w)Pate gestanden, tum Aufwaschen, Spülen, Reinigen, für Geschirr und alles Hausgerät Hergestellt in den Fersilwerken. ItinH Z°chi»au. Zachingen hilft cn vielen macht Da« altberühmte Heilwaffer Staatl. W.... den Fällen mit zum Sesunden und esunde widerftandasähiger gegen da« cirkranke». Der erste Erfolg ?apen-?rosmmm erledigt— Und nun Arbeitsbeschaffung! 3n Verfolg des Beschlusses des Reichstags, wonach die Notverordnung der Regierung Pape» vom 4. September außer Kraft ge- setzt ist, hat sich nunmehr die Reichsregierung bereit erklärt, daß gesamte„A n k u r b e- l u n g s p r o g r a m m" der Regierung Pape», das darin bestand, durch Lohndruck und Ein- stellungsprämien die Unternehmer zu subventio- nieren, außer Kraft zu setzen. Im allge- meinen wird am 31. Dezember schensrau; und wie du es dir gefallen liehest, wenn die Tierfrau mit zarter Nase dich in das hohe Gras stieß, um dich zu schützen, so ließest du dir das Aufheben vom Boden mit den schützenden, schmalen Armen der Menschenfrau gefallen. Ja, es war so, daß Elisabeth deine Mutter war, deine richtige und rechte Mutter. Du ver- ziehest es ihr, daß sie dir nur eine kalte Glas- flasche und einen häßlich riechenden Gummi- pfropfen reichen konnte, und daß die Milch derb und schwer war, denn sie kam von des Groß- dauern ungeschlachter Kuh. Unter Schmerz und Schwäche überwand dein winziger Magen den jähen Wechsel der Nahrung; Saft aus zerkochter Eichenrinde, vom alten Förster emvfohlen, gaben wir dir als Medizin, und du lebtest. Oh. was fandest du doch für einen Empfang bei den Tieren unseres Hauses, mein Reh! Die weißen, neugierigen Tauben vergaßen ihren ewi- gen Zank und schlangen um dich einen hellen, friedlichen Kranz. Der große Schäferhund leckte dir ritterlich das festhaarige Fell, und die graue Katze, derentwegen wir um dich gefürchtet hatten, weil sie Junge hatte, zog die bösen Krallen ein, legte sich vor dir nieder und bot dir ihre winzig kleinen Zitzen zum Saugen, denn die ängstliche Mutter ahnte das geängstigte Kind über Art und Unterschied der Größe hinweg. Und wenn deine Zähnchen nicht zu groß und scharf gewesen wären iür das zarte Rosa der Katzenbrust, wahrhastig, du wärest ein K�tzenkind geworden Wie klein warst du doch. Wirklich, du warst Neiner als der Kater, der als einziger dich mit Vorsicht und Mißtraue» betrachtete, bis er gewiß war, daß du auf Mäuse und Maulwürfe keinen Wert legtest. Und wie groß und unförmig waren doch wir! Meine großen Füße traten leise auf und suchten nur die Spitzen der Zehe» zu be- nutzen, wenn sie auf dich zugingen, und doch muß dir zumute gewesen sein wie einem Menschen- säugling, der unter indischen Elefanten aufwächst. Aber deine witternde, schwarz blitzende Nase wußte sehr wohl Elisabeths schmale 5)ände zu unterscheiden von anderen Händen, die dir dein Essen reichen wollten, und auch meine Pranken erkanntest du mit leiser Zurückhaltung als ge- rade noch zureichend an. Ich vermerkte es mit Stolz. Dann waren wir roh zu dir, kleines Reh. Wir verweigerten dir die Milch. Du klagtest sehr, es war schwer anzuhören, denn deine Stimme war sehr laut geworden; aber wir blieben hart. Und nun frißt du uns schon lange alle sorgsam ge- pflegten, mit teuren und unverständlichen Namen behafteten Stauden des Gartens auf und läßt nur das Unkraut gewissenhaft stehen, und wir haben schmerzende Rücken vom Sammeln der Eicheln und Kastanien, und beim Frühstück erscheinest du und holst dir die dir zukommende Schnitte Brot. Pilze sammelst du dir im Wald und kommst zu- rück zum Haus, wenn wir dich rufen und du zu- fällig Hunger hast, deine großen Mandelaugen haben das weiche Schwarz tiefer Weiher im Mittagsschatten, dein« Hufe, deren jeder einen sorgsam gespitzten gotischen Bogen bildet aus schwarzem Marmor, haben gelernt, auch auf Teppiche und Dielen zu treten, durch den Garten Muri 3)oberer: 3)er Sehrauhenautomat Hämisch schnurrend hockt ein schwarzes Untier da im Saal und seine ölverschmierten Kiefern knacken. Es frißt Metalll Aus seinem Maule tropft der heiße Seifenschaum. Am scharfen Zahne krümmen sich die Späne und kräuselnd steigt der weiße Dampf um glatte Backen. Das Vieh spuckt Schrauben aus wie Apfelsinenkerne Es schnurrt so hämisch, weil es weiß, daß dieser magere Mann den Viertelmillimeter nicht gesehen hat, als er die Schrauben prüfen kam. Nun spuckt es sie wie Kerne aus den Zähnen, es quietscht dabei: zu kurz, zu kurz— fräst hastig die Gewinde, Gang um Gang. Zehn— hundert— tausend Schrauben sind zu kurz! Schnell, tückisch eilend frißt das Ungetüm Metall und kichert leise vor sich her: sind hin— zu kurz— zu kurz— sind hin— Doch niemand hört den bösen Unterton in der Maschine hartem Schall. jagst du in Sprüngen, die Täler und Hebungen hoben in rhpthmischein Wechsel wie eine braune Welle vor einem weichen Wind, weiß schimmert der Spiegel wie Schaum, und die großen, schlarr ken Lauscher spielen i» der Lust wie Blätter einer seltsam schönen Pflanze-- Und heute Nacht habe ich sogar geträumt vo» dir, mein Reh. Ich träumte, du wärest ein Mensch geworden und durchlebtest dein kleines Schicksal als Mensch. Als ein Mädchen, weißt du, schmal, gar zu schmal fast von Gelenken, dunkelgroß von Augen lang von Wimpern, sein und srenid in einer groben Welt. Diese Welt be- wunderte dich, liebte dich abgöttisch, sprach viel, viel zu viel Lob aus, photographierte dich, wie sie es ja wirklich tut, auch da du ein Tier bist. Aber sieh, du verstandest all das Lob, und es machte dich stolz. Und du sähest aus deine Schön- heit und wolltest, daß alle draus sähen, und deine Bewegungen wurden geziett, und deine kindliche Seele ward kindisch. Und schließlich kam ein dicker Mann aus Berlin und„entdeckte" dich und holte dich zum Film, und du konntest die Feine, Zarte. Keusche Selbstverständliche. Adlige spie- len, weil du es ja gar nicht mehr warst, und du gingest nach Hollywood und wurdest ein großer Star, und die Leute sahen dein Aeußeres und lasen in den Zeitungen vom Schmutz deines Inneren und jubelten du zu, und Elisabeth und ich weinten bitterlich.. Aber dann wachte ich auf heute morgen, und es war Tag und Klosterheide und kein Kino wett und breit, und du warst gottseidank ein Tier- mädchen und kein Menschenmädchen und holtest dir deine Frühstücksschnitte und aßest sie graziös und kautest sie lange w>eder, nicht weil wirs schön fanden, sondern weil dirs schmeckt«— und ich entdeckte in den Tiefen des Unbewuhteir meinen ganz leisen Märchenwunsch nach deiner Verwand- lung ins Menschliche, und ich freute mich zum allerersten Male, daß es Wunder nicht gibt, und nannte dich dankbar und mit Elisabeths Worten mein Töchterchen— weil du ein Tier warst... Und zum ersten Male auch war ich einverstan- den mit dem, was kommen wird Es wird ein Jahr dauern oder zwei, mein Reh— dann wird aus dem Beekebruch, das nicht fern ist. die kurze, herbe Stimme des Rehbocks rufen. Und mit einem großen sehr schönen Sprung wirst du über den Zaun setzen und vor unseren Augen im braunen Wald verschwinden, eine braune, weiß schäumende Welle des Glücks, der wir nur noch- sehen können, weil wir ja Menschen sind, du aber bist ein Tier, trotz der zwei Jahre. Der � Wald hat dich uns gegeben, der Wald wird dich uns wieder nehmen. Und am Rande des Beeke- bachs wird der Bock dich erreichen nach langer Angst zu todkurzer Erfüllung, wie er deine Mutter erreichtr und du wirft tragen und nagen und darben und Kitze haben, eines oder zwei, und vielleicht wirst du sie großjaugen dürfen; und einmal wird wieder ein Knall sein, spitz und bellend wie naher Donner, und es wird, wenn das Geschehen des Todes Tier und Mensch ge- meinsam sein sollte vielleicht noch einmal vor deinen schwarzen Augen unser weißes Haus sein-- Aber es ist Abend geworden. Geh auf deine Streu, mein Reh Ich habe heute frisches Heu dafür geholt kauimn FUI haltet. Neu heitern fry />»/?* /?„U-bllng- m Fr* Wv&Uvwl 18*"31 NtuiiO.' rÄ'ri-: .jUr.bllng" Viel» Zehnteue.' im Gebreuch FneOnchstr. 143. am StaOtbht. 163, Ecke Behrenstr. W.EokeMohrenetr. LelpngerStr.113. Ecke Mauerstr. Tauentzienetr, 4, a. Wittenbgpi, Spitteimerkt IS, Goldfinkeck» Friedrichstr. 74. Ecke Jagerstr. Fwufrexnaderpm Besitzsubventionen statt Winterhilfe Schöne Worte und unwirksame Beschlüsse Die Argumente des Herrn von Krosigk Man muß die Dlnge sehen, wie sie wirklich sind: die Koalition zwischen Schleicher, den Nazis und den übrigen bürgerlichen Parteien ist faktisch schon gebildet, das Zusammenspiel funktioniert schon ausgezeichnet. Der beste Beweis dafür sind die Vorgänge anläßlich des s o z i a l d e m o- kratischen Vorstoßes für die Winter- Hilfe. Alle Parteien heucheln zwar Sympathie für die Winterhilfe, sa selbst chr Umfang wurde »am chaushaltsausschuß des Reichstags nach dem sozialdemokratischen Antrag(20 Zentner Kohle und wöchentlich 2 Kilogramm Brot und% Kilogramm Fleisch) bemessen. Aber als man an die Kernfrage herankam. an die Frage der Bereitstellung der Mittel, da zeigte es sich, daß alles nur echt bürgerliche Heuchelei war. In einem raffinierten Zusammenspiel zwischen dem Finanzminister Krosigk, den Nazis und den übrigen bürgerlichen Parteien wurden die sozial- demokratischen Deckungsanträge abgelehnt und damit der Wmterhilfebeschluß des Haushalts- ausschusses selbst völlig illusorisch gemacht. Dabei zeigte sich klar, wie schwer es ist. einen Unterschied zwischen Papen und Schleicher herauszufinden. Die Stellung, die der Finanzminister Krosigk einnahm und mit der er im holden Verein mit den Nazis und den Übrigen bürgerlichen Parteien die sozialdemokratischen Deckuugsvorschläge zu Fall brachte, unterschied sich in nichts von der Haltung der Papen-Regierung zu sozialen Fragen. Krosigk behauptete erstens, daß die sozial- demokratischen Deckungsvorschläge unzureichend find, und zweitens, daß sie undurchführbar sind. Bei der ersten Behauptung machte sich Krosigk die S a ch e sehr l e i ch t. Er ging bei der Ab- lehnung der erforderlichen Aufwendungen von den allerhöchsten Preisen aus und bediente sich bei den Decklingsvorschlägen des Porwands, sie bloß auf die kurze Zeit bis zum Ende des Rechnung«- jahres zu beziehen, statt auf ein ganzes Jahr. steberdies vergaß er auch dabei noch einige wichtige Deckungsposten. In Wirklichkeit sieht aber die Deckung«- rechnung folgendermaßen au?: Für die vier- monatige Belieferung der hilfsbedürftigen mit Kohle, Brot und Fleisch würden Kosten von tSO bis 190 Millionen entstehen. Dabei wird vorausgesetzt, daß die Kohlen zu Exportpreisen berechnet, frachtfrei geliefert und von den Unterstutzungsberechtigten vom Bahnhof abgeholt werden; beim Brot müsien Müller und Bäcker auf einen Teil der Handelsspanne verzichten, was chnen um so eher zugemutet werden kann, als es sich um einen zusätzlichen Absatz Handell; beim Fleisch soll eine Verbilligung für die Unterstützung?- berechtigten um 30 Pf je Pfund eintreten. Diesen Mehrausgaben stehen folgende Deckungsmittel gegenüber: Zollmehr- einnahmen infolge Aufhebung des Bei« Mischungszwanges von 31 Millionen Mark, die heraufsetzung der Ausgleichsabgab« für inländische Treibswffe auf die höhe des Zoll- latzes würde 70 Millionen Mark bringen, die Ein- fetzung der M a r i t st ü tz u n g s m i t t e l des Reichsernährungsministeriums S4 Millionen und die Anrechnung rückständiger Steuern des Kohlenbergbaus für Kohlenlieferungen aller- mindestens 20 Millionen; das ergibt also zu- sommen winde st ens 185 Millionen Deckungsmlltel, also genau den Betrag, der für die Winterhilfe gebraucht wird. wen« also Krosigk behauptet, daß die Deckungsvorfchläge ungenügend sind, so ver- hüllt er damit in MrNIchkelt nur seine eigentliche Absicht: an den ungerechtfertigten Subventionen für den vesih nicht zu rütteln. Charakteristisch dafür ist feine Ein» stellunq zur Ausgleichsabgab e. Er hat es schon als«in großes Zugeständnis hin- gestellt, daß die Ausgleichsabgab«, die die Inländischen Mineralölerzeuger zum Ausgleich für die Zollbelastung der ausländischen Erzeuger zu zahlen haben, wieder auf die ursprüngliche höhe heraufgesetzt wird. Dabei stellte die willkürliche Herabsetzung der Ausgleichsabgabe durch dos Reichssinanzministerium eine in jeder Bezichung ungerechtfertigte Subvention an d i e JG. und an die Schwerindustrie dar, und auch die setzt angekündiate herauf- fetzung ist völlig ungenügend, denn in- Bin Projekt und ein Dementi Dm Reich, ICL-Farben und Gelsenkirchen Seit das Reich durch Herrn Flicks Pleite die Gelsenkirchencr Bergwerk»- A.-G vor der Zahlungseinstellung retten und mit der Herrschaft über Gelsenkirchen auch die über den Stahlverem übernehmen mutzte, wird mit aller Gewalt daran gearbettet, das Reich aus seiner herrschastsstellung wieder herauszudrän- gen. Di« Sache hat ihren haken; denn es fehlt das Geld, dem Reich die 125 Millionen Gelsen- Aktien abzukaufen. Die 100 Millionen Mark, die das Reich ausgegeben hat, einfach den schwer- industriellen Interessenten zu schenken, dafür fehlte aber auch der autoritären Papen-Regierung der Mut. Zu der Unzahl der in dieser Sache bereit» lancierten Projekt» kam gestern ein neue», b e» sonder» interessantes Projekt. W a r m d o l d verhandle für die Reichsrcgierung mit dem IG-Farben-Konzern, dem die Rhein- stahl-A.>G. gehört, ein großer west.icher Zechen- kcnzern Rheinstahl besitzt 71 Millionen nominell Stahlveroinsaktiev. Rhslnstahl wolle dem Reich diese Stahlpereinsaktien überlasien, wenn das Reich seinerseits von seinen 125 Millionen Gelsen- kirchen 50 Millionen an Rheinstahl, d. h. IG- Farben übergebe. Pikant ist die Sache, weil hier Warmbold als früherer IG-Vorstand gewissermaßen mit sich selbst verhandelt hätte. Das macht es wohl auch erklärlich, daß mit seltener Prompthett von der Reichsregierung ein kategorisches De- m e n t> losgelassen wurde, das lautet: Die Meldung eines Berliner Mittagsblattes über an- gebliche Verhandlungen des Reiches mtt der IG- Farbenindustrie über den Austausch von Gelsen« tirchenaktien gegen Stahloereinsaktien ist voll- kommen au? der Luft gegriffen. Wir wollen hoffen, daß nicht nur die be- haupteten Verhandlungen, sondern auch da» Prosekt selbst und sedes Interesse des Reiche» an einem solchen Projekt„vollkommen aus der Luft gegriffen" sind. Dementi» sind nicht immer die zuverlässigsten Wahrheitsquellen gewesen. Wäre die Sache nämlich wahr, wäre sie ein großer Skandal. Da» Reich hat die Gelsenkirchenaktien nämlich enorm überbezahlt. Das hatte noch einen gewissen Sinn; denn die mit der Gelsen- kirchenherrschast verbundene Beherrschung von 453 Millionen Stahlvereinsaktien bedeutete auch die Mehrhettskontrolle übe' die Vereinigten Stahlwerke. Gäbe das Reich jetzt 50 Mill-onen Gelsenkirchenaktien an den Stahlvevein, so hatte «K, obwohl es an sich schon ein schlechtes Tausch- geschäst macht, bei Gelsenkirchen nicht mehr allzu viel und im Stahloerein fast gar nichts mehr zu sagen. Das Reich hätte statt zwei Majori- zwischen ist der Benztnpms unter Mitwirkung der JG. durch monopolistischen Machimißbrauch aus«ine übermäßige ftöhe htnausgetrieben worden, die segliche Subventionterung der inlön- dischen Treibstofferzeugung völlig überflüssig macht. Es mutz darum gefordert werden, daß die Ausgleichsaboabe aus die volle Zollhöhe herausgesetzt wird. Selbst dann würden die inländischen Treib- stpsserzeuger noch von den Kartellpreisen prvfi- neren, solange die Reichsregierung chre Pflicht, das Kartell zur Herabsetzung der Benzinpreisc zu zwingen, vernachlässigt. Ebenso ungerechtfertigt ist die Bei- beHaltung des Beimischungszwanges von Branntwein zu Benzin, an dem die Regie- nmg Schleicher festhalten will. Damit wird der Staat einer wichtigen Einnahmequelle be- raubt und der Kraftverkehr gedroflelt. bloß um -.ine volkswirtschaftlich überflüssige, unrationelle und kostspielige Form der Subventionierung der Großagrarier aufrechtzuerhalten. Es wurde von sozialdemokratischer Stile schon wiederholt der Weg gezeigt, wie bei voller Wahrung der Interessen der östlichen Landwirtschaft die Branntweinwirtschaft erfolgreich umgestellt, wesentlich« Einsparungen gemacht und auf den Beimischung?- zwang verzichtet werden könnte. Es bleibt also als Ergebnis des sozial- demokratischen Vorstoßes zugunsten der Aermften der Armen, daß die Regierung Schleicher im trauten Verein mit den Nazis und allen anderen bürgerlichen Parteien für das durch die Winter- n o t so oerschärfte Schicksal der Krisenopser genau so wenig Verständnis zeigt wie die Regierung Papen. Genau so wie die Regierung Papen zeigt sie aber das wärmste Verständnis für die Aufrechterhallung aller volkswirtschaftlich unbe- rechtigten und finanziell kostspieligen S u b v e n- t i o n e n an die Besitzenden. Befitzsubventionen statt Winterhilfe— gibt es einen krasieren Aus- druck für die Grausamkeit bürgerlicher Wirtschaits- polttlk und ein« schärfere Form der Selbst- entlarvung sowohl der Nazis wie der angeblich sozial gesinnten Regierung Schleich«? täten zwei Minoritäten, mtt denen sich nichts an- fangen liqtzs. Die R e p r t o a t i f i« r u n g de» Stahloereins wäre größtenteils vollzogen, IG- Farben, Thyssen, L>tto Wolfs u?ären die cherr»n, und das Reich, da» 100 Millionen geopfert hat. wäre mtt den Steuexzahlern der Betrogene. Da» Geschäft märe ein absolut einseitiger Ge- w t n n f ü r I G,- F a r b e n. da» in Gelsenkirchen über eine neue ausgezeichnete Kohlenbasis ver- fügen und zugleich den riesigen Ruhrkohlen- komplex noch viel entscheidender als bi»her mit- beherrschen würde, und die Ruhrherren wären im Stohlverein wieder unter sich. Mag da» Reich über die Sache noch nicht ver- handelt haben: sicher ist das Projekt für die I®.- Farben ernst und für weite Ruhrkreise ist hixr der Wunsch der Vater des Ge- d a n k e n s, Generaldirektor 5)aßl->chsr von Rheinstahl hat in der Sevtember-Gsneralver- sammlung von ähnlichen Interessen der IG ge« sprachen und e» mußte auffallen, daß der Stahl- Vereinskurs sich in den letzten Monaten auf über 30 Proz, verdoppelt und sein Umtauschverhälnti» zu Gelsenkirchenaktien außerordentlich verbesiert hat. höchste Ausmerksomkeit der Oettentlilbkeit ist also geboten. Diese Aufmerksamkeit ist um so mehr geboten. als man von löerrn von Fl o to w» famosem Bericht über Ge'fenfirrfien und den Stahloerein nach immer nichts hört. Keut« ist ,n Eistn die Generalversammlung der Gelsen- kirckener Bergwerksgelellschaft. fierr von Flatow wird wahrscheinlich das Reich vertreten. Auch diei» Generolvsrsommlunq w'rd wieder die Weisheit verzapft bekommen, daß„der" Flvww-Bericht fder w'ep'elte?, l'eat nicht schon wieder ein neuer vor mit ettvo» Waistr im Thysien-Wein?! noch nicht fertig fei und daß über die Sanierung de» St-'ö«ve''-!ns nach n'chts gefoat werden könne. Wir sind der Meinunq. daß den b o ch n o l i- tischen Schiebereien um das Scbicklal des Stah'verein» endlich durch die Veröstenitichung der Flotow Berichte ein Ende und mit der ernsthaften öffentlichen Diskussion ein Aniang gemacht werden ni"ß. Das Halbdunkel Zwilchen der Ruhr und den Berliner Geheimratskabinetien bekommt weder dem Ansehen des Reiches noch dem Stahlperein selbst. Ltillhslte'Konfersn? einberufen Noch Beendigung der Londoner Vvrverhanb- lungen hat der Darstqende de» Ausschusses für das Deutsche Kreditabkommen von 1932, Albert H. Wiggin, die Konferenz zur Revision Belehunx bei der Pest Sonderaufträge 7-KiIo-Pakete als Postgut Der Lerwaltungsrat der Reichspoft be- schäfligte sich, wie vom Reichspostminisierium mtt- geteilt wird, in seiner Dienstogsigung im wesent- lichen mit lausenden Angelexienheiten Der Reichs- poftminister konnte feststellen, daß vom Sep- tember ab in den meisten Dienstzweigen«ine über die Saisoneinslüsse hinausreichend« kon- junkturell« Bertehrsbelebung de- merkbar sei. � Der Berwattungsrat wurde dann über den Stand des Arbeitsbefchafsungspro- g r a m m s unterrichtet. Do die Anleihesroge noch nicht gelost ist. hat die Reichspasl bekannllich aus dem Geiamtprogramm von 60 Millionen einstweilen Zusatzausträge in chöhe oon 34 Millionen herausgegeben. Von diesen «mfallen 17 Millionen auf den Aemterbau. 10 Millionen aus die Kabelindustrie, etwa S Mtt- Ronen auf Hochbauten und Gerät« aller Art und etwa 2 Millionen au! die Fahrzeugfabriken. Der Berwaltungsrat genehmigte sodann ein« Verlängerung der Fristen für die erleichtert« Wiedereinrichtung gekündigter Fernsprech- o n s ch l ü s s e. Danach kann ein Teilnehmer, der feinen Anschluß bis zum 31, Dezember 1933 in- lolge wirtschaftlicher Notlage kündig?. die Wiedereincichtung des Anfchlsiss innerhalb eines Zeitraums von zwei Iahren ohne erneute Entrichtung der Einnchtnngs- und Apparategebühren beantragen Ferner bracht« die Verwaltung zur Kenntnis, daß über die Frage der Beseitigung des Wett- hewerbs auf dem Gebiet« des Sleingutoer- kehrs zwischen Reichspost und Reichsbahn nunmehr ein Uebereinkommen getroffen worden ist. Dai-och werden die vergleichbaren Tarife beider Berwaltungen so gestaltet, daß für Ten- düngen bis zum Gewicht von 7 Kilogramm ein- fchlietzlich die Tarife der Reichspoft, für schwerere Sendungen die Tarife der Reichsbahn billiger sind Der Postpakeltarif ändert sich dadurch nicht. In diesem Zusammenhang kündigte der Reichs- postminister an, datz die Post für den Massen- paketverkehr zwischen großen Orten eine gegenüber dem Postpaket etwas verbilligte Kleingulsendung bis zum Höchstgewicht von 7 Kilogramm einführen wolle, die die De- zeichnung..Postgut" erhalten soll. Zustellgebühren werden nicht erhaben. Die neue Versendungsart soll zunächst versuchsweise eingeführt werdsn. sobald die Dorberettungen beendigt sind. l-.andvnrtschaft in USA. Halbierter Produktionserlös Das amerikanische Landwirtschaftsministerium schätzt den Bruttoproduktionserlös der Land- Wirtschaft in USA. für das laufende Jahr auf insgesamt 5,24 Milliarden Dollar gegen 6,96 Milliarden 1931, 9,41 Milliarden 1930 und 11,95 Milliarden 1929. Die gegenüber 1929 zu verzeichnende Schrumpfung des Jahres- erlöses um 6,71 Milliarden Dollar oder um 5 6 Proz. wird sowohl auf den scharfen Preis- stürz der letzten Jahre als auch auf die im Ge- folge der Weltwirtfchaftsdepression eingetreten« Drosselung des Konsums zurückgeführt. Im ein- zelnen haben sich die Bruttoerlöse der wichtigsten landwirtschaftlichen Produktionszweige wie folgt entwickelt: 1929 1931 193? in Mill. Dollar des Bertrage» auf den 80. Januar 1933 nach Berlin einberufen. Da» bisherig« Abkommen läuft am 28 Februar 1933 ab. Es handelt sich bei der bevorstehenden Konferenz um die Per- kängerung der Stillhastung von rund 4 Milliarden kurzfristiger Auslandskredite bei gleich- zettiger Lockerung der Stillholtebedingungen im Interesse der Gläubiger. �euSBersmann- Verluste Stabilisierung des Auftragseinganges In den ersten neun Monaten dieses Jahres tonnte die Bergmann-Clektrizitätswerk« A.-G. chr« finanziell« Lag« durch Abdcckung von Schul- den, Lagerabbap und Unkoftenfenkung wesentlich entlasten. Wie auf der Aufstchtsratstagung am Dienstag aber mitgeteilt wurde, sind zu den 26 Millionen Verlust de» vergangenen Jahre» neu» B« r- lust« hinzugekommen. Die Sanlerungsvorfchläg« und der Umfang des Kapitalfchnitte» werden im kommenden Frühjahr mtt dem Iohr«»abichluß für 1932 verösfenllicht, In den letzten Monaten hat sich der A u f- tragshestand m den Spezialgebieten, die Bergmann als Fabrikationegediet von feinen jetzigen Beherrschern Siemen« und AEG, gelassen wurden, nicht mehr verschlechtert. Ueber den Stand der Belegschaft, die im Frühjahr noch 2500 Mann umfaßte, wird nicht» gesogt. Sie dvrii« aber nicht mehr 1000 Mann betragen. Getreide Obst, Früchte, Nüffe Gemüsebau... Baumwolle... Tabak.... Biehwirtschaft.. Geflügelzucht,. Molkereiprodutte. 1 288 455 391 715 476 397 1 128 736 632 1 389 529 397 286 156 130 2 807 1 688 1 122 1 254 812 608 2 ZZ3 1 617 1 180 Ueber die Entwicklung der Ausgaben der Landwirtschast sind für das laufende Jahr noch keine Erhebungen veranstallet worden. Räch An- ficht des amerikanischen Handelsministeriums dürsten die Unkosten auch in diesem Jahre weiter gesentt worden sein, und zwar hauptsächlich durch Einsparungen in der Düngerverwendung, bei Maschinenanschaffungen und bei Jnstandsetzungs- arbeiten. Die Ausgabensenkung dürfte jedoch keineswegs ausreichend sein, um die Schrumpfung der Brutwerlöse aufzuwiegen, so daß mit einer wetteren empfindlichen Rentabili- tätsoerschlechterung in der amerikanischen Land- Wirtschaft gerechnet werden muß, Arbeitshesdbakkunx Will Gereke anfangen? Zwischen dem Reichskommissar für Arbetts» beschaffung, Gereke, und dem Präsidenten de» Landkreiewges fand ein« eingehende Besprechung der mtt der Arbeit»beschafsung zusammenhängen» den Fragen statt. Das Ziel, die unerträglich« finanzielle Belastung der Bez.rksfürsorgeoecbände durch Senkung der Wohlfahrtserwerdslysenzifser fühlbar zu oermindern, kann nur durch direkt« öffentliche Arbeitsbeschaffung er- reicht werden Man war sich darüber einig daß x schnellstes Handeln unbedingt geboten fei, wenn dieser Zweck erreich« werden soll Durch heschleu- »igte Arbeitsbeschaffung aus dem Wege über Der- gebung öffentlicher Aufträge wird nicht nur den Gemeinden und Kreisen Erleichterung gebracht. sondern die dadurch hervorgerufene größere B«- schäftigung der Prioatinduslrie läßt weitere fühl- bare Erleichterung auf dem ollgeineinen Arbeits- markt eintreten. Das Reichstabinett soll in diesen Tagen zur Arbeitsbeschafsung Stellung nehmen. Verspäteter Zecheuabschlvß. Die R i c b a g, Niederichlesische Becgdau-Akt.-Ges. in Waiden» bur� verösientilcht jetzt erst ihren Abschluß sür das am 30, September beendete Geichäftsjahr 1931/32- Der Rohüberlchuß erscheint mit 7,2 gegen 9,5 Millionen Mark Bei erheblich gesenkten Steuern und Sozialabgaben von 5,65 Mil- lionen Mark, erhöhten Zinsen und Abschreibungen bleibt ein Verlust von 3,73 Millionen Das Aktien» kapital beträgt nach wie vor 40 Millionen. Rekorderale in Argentinien. Nach Ansicht de» Landwirlschasrsmlnijleriums har Argentinien dis größte Ernte an Hafer. Gerste und Roggen zu erwarten, die das Land je gehabt hat.