Abend-Ausgabe Nr. 590 B287 49. Jahrg. RedokNon und Verlag, «Setiin SW 68, Clnbenftt. 3 Sttntpredm A? Ami DSnhos, 292 bU 297 Tclcgcomaabieff«! Sojlatbemotroi BERLINER VOLKSBLATT DONNERSTAG 15. Dezember 1932 In Groß««Berlin 1l) Pf. «Auswärts...... 10 Pf. Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise siehe Morgenausgabe Aentvatovgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Amnestie! Beichsrat, denk an Weihnacht! Die Arbeit der Sozialdemokratie hat den Erfolg gehabt, daß vom Reichstag am S. De- zember mit Zweidrittelmehrheit eine Amnestie für die politischen Gefangenen beschlossen wurde. Es gilt jetzt, diese Am- nestie so rasch wie möglich, und zwar noch vor Weihnachten durchzuführen. Der bayerische Ministerrat hat zwar festern beschlossen, im Reichsrat Ein- pruch gegen das Amnestiegesetz zu erheben. Die Reichsratsausschüsse haben gestern beraten, ohne freilich ein anderes Er- gebnis zu erzielen, als siäi aul den nächsten Dienstag zu vertagen. Das Amnestiegesetz kann also heute in der Vollsitzung des Reichs- rates noch nicht verabschiedet werden. Gewiß ist der Reichsrat kein unüberspring- bares Hindernis. Sollte er, was bei der be- jahenden Haltung des Preußenkabinetts Braun und zahlreicher Länderregierungen nicht anzunehmen ist, tatsächlich zu einer NichtVerabschiedung des Amnestiegesetzes kommen, so bedürfte es nur eines neuen, sehr rasch erfolgenden Zusammentritts des Reichstages, um mit der vorhandenen Zwei- drittelmehrheit den Einspruch des Reichsrates unwirksam zu machen. Notwendig ist aber, daß die Amnestie sehr rasch durchgeführt wird. Bei polizei- lichen Vernehmungen, bei richterlichen Vor- untersucbungen. bei Verhandlungen, in denen es um Tod und Leben, um höchste Zucht- hausstrnken oder Freibeit ging, ist in den letzten Monaten unter dem Druck der Anti- terrorverordnung sehr oft zu schnell und ohne die Wahrung unentbehrlichster Rechts- sicherheiten Anklage erhoben und verurteilt worden. Gerade deshalb darf die Am- nestie nicht auf die lange Bank geschoben werden. Sie darf nicht Opfer partikularistischer Sonderwünsche und einer langsam arbeitenden Bürokratie werden. Eine Amnestie, die verschleppt wird, hört auf. eine Amnestie zu sein. Gewiß ist eine Amnestie immer,.zuerst und besonders bei der Sondergerichtsjustiz, die wir in den letzten Monaten schaudernd er- lebten, eine Angelegenheit der Menschlichkeit. Wir wollen, um nur wenige Fälle zu nennen, daß die Mutter und Ehefrau Struck, die vom Berliner Sonder- gerichl wegen eines nicht einmal schlüssig be- wiesenen Steinwurfes am 1. Dezember zu anderthalb Iahren Zuchthaus verurteilt wurde/zu Weihnachten ihrer Fa- milie wiedergegeben wird. Wir wollen, daß die Arbeiter Bratengeier und Zander, Lösche und Weidemüller, Grocner und Hoffmann, die um eines Steinwurfes willen im Zuchthaus sitzen, zu Weih- nachten frei werden. Wir wollen, daß die Genossen Rothe und T e i ch m a n n. die auf Grund einer durch die Notverordnung beschränkten Beweisaufnahme zu hohen Zuchthausstrafen verurteilt wurden, zu Weihnachten frei werden. Wir wollen, daß die Arbeiter Schmidtke und Berger, Püschel und Kopper zu Weihnachten erfahren, daß die über sie oerhängte Strafe von zehn Iahren Zuchthaus gegen das Reichstabinett nicht die Gewähr dafür gegeben ist, daß mit Bildung der geplanten preußischen Regierung kein neuer Gegensatz zwischen Reich und Preußen und kein neues verhängnisvolles G e g e n e i n- ander der Reichsregierung und der preußischen Regierung wieder in Erscheinung treten würde.' ★ Der A e l t e st e n r a t des Preußischen Land- t o g s beschloß, von der vorgesehenen großen K u l t u r d e b a t t e, die in vier Abschnitten be- handelt werden sollte, die beiden Abschnitte Schulangelegenheiten und Kirche ab- zusetzen, so daß nur der Allgemeine Abschnitt und der Abschnitt Theater- und Rundfunk» angelegenheiten jetzt vom Landtag erledigt werden sollen. Das Landtagsplenum will diese Arbeiten vielleicht noch heute sonst am Frellag zum Ab- schluß bringen und sich dann voraussichllich bis zum 17. Januar vertagen. Präsident und Vg. Edelinge vom Hakenkreuz Eigener Berichi de»„V orwärit" Vraunschweig. 15. Dezember. Wegen einer Provokation des Naziabgeordneten Schneider mußte die heutige Landtagssitzung unterbrochen werden. Schneider hatte die Dreistig- keit, dem sozialdemokratischen Abgeordneten W o l- t e r, der einen Antrag aus Winterhilfe begründete, einen„scheinheiligen Lumpen" zu nennen. Die sozialdemokratischen Abgeordneten Hilgenberg läßt Hitler ablaufen verlangten in großer Erregung die Entser» n u n g des S ch i m p s b o l d e s. Als sich der Nazipräsident dagegen sträubte, wurde ihm von der Tribüne zugerufen, daß er ein parteilicher Präsident wäre. Es entstand ein großer Lärm. der schließlich zur Unterbrechung der Sitzung führte. Noch einer! Söslin, 15. Dezember. Bor der Großen Straskamnier als Berufungs- instanz wurde gegen den nationalsozia- l i st i s ch e n Kreisleiter Binder verhandelt, der am 11. Oktober den Chefredakteur Marwede in der Redaktion der deutschnationalen ,Lös- liner Zeitung" mißhandelt hatte. Binder ist da- mals im Schnellverfahren wegen Körperverletzung und Vergehens gegen die Terrornotoerordnung vom 14. Juli 1932 zu einem Monat Gefängnis verurteilt worden. Die Berufungsinstanz verwar' die Berufung des Angeklagten und erhöhtedie Strafe auf drei Monate Gefängnis. da die Tat mit besonderer Roheit ausge- führt worden sei. Während der Verhandlung kam Vorstufen... zum BurZerbloek 90 Lahre Zuchthaus! Straf antrage im FelsenecltproAeß Staatsanwollschastsrat Skenig stellte heute im Zelseneckprozeß die Strasanträge gegen die 25 Angeklagten. Er beantragte die Freisprechung des Nationalsozialisten Dorst und der Kommunisten G r a h und Düring. Gegen die übrigen süns nationalsozialistischen Angeklagten wurden Strasanträge wegen Raushandels in Tateinheit mit versuchtem Totschlag an dem Arbeiter Klemke gestellt, und zwar gegen die Angeklagten Knuth. Grosset je zwei Zahre sech Aionate Zuchthaus und drei Zahre Ehrverlust, gegen Schwarz und Strauch je zwei Zahre drei Alonate Zuchthaus und drei Zahre Ehrverlust und gegen villwock zwei Zahre Zuchthaus. Gegen die kommuiüstischen Angeklagten wurden folgende Strafen beantragt: Wegen Raufhandels in Tateinheit mit vollendetem und versuchtem Totschlag und wegen Waffenbesitzes gegen Andree acht Jahre einen Monat Zuchthaus und fünf Jochre Ehrverlust, gegen Rees und Fischer je acht Jahre Zuchthaus und fünf Jahre Ehroerlust, wegen Raufhandels in Tateinheit mit Totschlag gegen Schön sechs Jahre sechs Monat« Zuchthaus, fünf Jahr« Ehroerlust, gegen Ackert sechs Jahre es zu mehrfachen Zusammenstößen zwischen dem Angeklagten, dessen Verteidigung und dem Vor- sitzenden, der schließlich etwa 59 Nationalsozialisten aus dem Gerichtssaal entfernte. Hitlers Kommissare Er spielt Eapen in seiner Organisation Hitler, der vor der Nazireichstagssraktion er- klärt hat: die Partei bin ich!, hat nunmehr orga- nisatorische Verfügungen erlassen, die seine Führcrstellung verstärken sollen. In den Gauen der NSDAP, werden Kommissare eingesetzt, die nur aus Anordnung und im Auftrage Hitlers bandeln dürfen. Damit soll die absolute Befehls- gemalt Hitlers über die Bezirksorganisationen der NSDAP, sichergestellt werden. Bisher gab es Gauleiter und Landesinspekteure m der NSDAP, jetzt heißt es„K o m in i s s a r". zitier hat gedacht: was Papen kann, kann ich schon lange! Wenn Papen Kommissare in Preußen eingesetzt hat, warum soll ich nicht Kam- misiare in meinen Gauen einsetzen? Also ver- jügte er: die Gaue erhalten Kömmisiare. Der Möchtegern-Diktator spielt Diktatur in seiner eigenen Partei, weil er keine Chancen hat, jemals Diktatur im deutschen Volke zu spielen! Georgme"-Kvch Krach im Stadtparlament »» Eigener Bericht des„Vorroärls" Königsberg, 15. Dezember. In der Stadtverordnetenversammlung kam es am Mittwochabend zu ungeheuren, bisher nicht gekannten Lärmszenen, die schließlich zum Auf- fliegen der Sitzung führten. Den Anlaß dazu gab der o st preußische Naziführer und Reichstageatgeordnete Koch. Als er nach mehr- monatiger Abwesenheit wieder zur Sitzung der Stckdtoerordneten erschien, wurde er von den Kommunisten, die in ihm den intellektuellen Ur- Heber für die Mordtaten und Verbrechen des 1. August und der folgenden Tage sehen, mit lauten Rufen begrüßt. Als Koch dann versuchte das Wort zu ergreifen, wurde er niodergebrüllt. Rufe:„Solang« dieser Kerl im Hause ist, wird nie mehr Ruhe sein",„Verbrecher",„Mörder" usw., ertönten immer wieder. Es war Koch un- möglich, zu Wort zu kommen. Nach mehrmaliger Unterbrechung mußte die Sitzung geschlossen werden. sechs Monate Zuchthaus und fünf Jahre Ehr- verlusl, gegen Hirsch, Becker, Hohmann, Kaiser, Klepka und Wenzel je sechs Jahre Zuchthaus und fünf Jahre Ehrverlust, gegen Gatzky fünf Jahre Zuchthaus und fünf Jahre Ehrverlust. Wegen tzaufhandels in Tateinheit mit gefährlicher Kör- perverletzung wurden gegen Gentz, Hosmann und äteinhoff je zwei Jahre Gefängnis, gegen den lugendlichen Grolbert ein Jahr sechs Monate Ge- jängnis und gegen Adam wegen Schußwasfen- vergehen? ein Jahr Gefängnis beantragt. Ins- zesainl beantragte der Staatsanwalt also unge- ihr 199 Jahre Freiheit» st rase, näm- ich etwa 99 Jahre Zuchthaus und 19 Jahre Gefängnis. Außerdem wurden Haftbefehle gegen mehrere aus freiem Fuß befindliche Angeklagte deantragt. Die Verkündung der Strafanträge rief bei den Angeklagten große Erregung hervor. Sowohl die Kommunisten als auch die Nationalsozialisten protestierten gegen die hohen Strafen, die be- antragt worden waren. Einer von den Kam- munisten rief zu Dr Stenig hinüber:„Die Stra- fen können Sie selbst absitzen." Schmähung einer Toten Euise Zietz öffentlich verleumdet Reichstagsabgeordneter Genosse Wilhelm Dittmann hat an die in Berlin erscheinende „Dammert-Korrespondenz"(Deutscher Presse- Verlag Dr Rudolf Dammertj folgenden Brief geschrieben, der an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig läßt: IneinerSerie„I9X buppz- ench Frauenschicksale dieser Zeit", bringen Sie unter „Vlll Analphabetin und Reichstagsabgeordnete" ein geradezu ungeheuerliches Pamphlet über die verstorbene Reichstagsabgeordneke-Luise Z t e tz, das von böswilligen und reaktionären Beschimpfungen und Verunglimpfungen geradezu strotzt. Die einfachsten biographischen Angaben, aiigefangeu von ihrem Mädchennamen, der Körner und nicht Zietz lautete, sind schon falsch. Was über ihre politische Tätigkeit gesagt wird, ist übelste reaktionäre Ver- leumdung. Sie soll„geheime revolutionäre Austräge" übernommen,.Unruhe und Meuteret in der Marine angezettelt", das„gemeine Ver- brechen des Hochverrats begangen" haben. Jedes Wort eine gemeine Lüge. Es wird das Märchen erzählt, daß sie bei..Eingeweihten"„die Sturm- glocke Spartakus" genannt worden sei, während sie nie Spartakistin war. Mit Hilfe eine» ftvvver will verhandeln Lrmäektlxuns 6urck I�onArelZ aber un�akrsckeinUck Mikrophons soll man ein(Besprach belauscht haben, das sie mit einem Kieler Matrosen führte, und ähnlicher Unsinn mehr Nach ihrer Verhaftung am 9. Oktober 19l7 sei ihr„die Todes- strafe sicher" gewesen, und cls die Revolution ausbrach, fei ihr„Hochverratsprozeh noch nicht zu Ende" gewesen. Dabei war das Untersuchung?- verfahren gegen sie bereits am 39. April 1918 vom Reichsgericht auf Antrag des Oberreichsan- walts eingestellt worden, weil ihr„eine landes- verräterische Handlung nicht nachzuweisen" sei. Sie soll„die Massen immer wieder zu Gewalt- tätigkeiten aufgehetzt" und„selbst vor dem Befehl zum Plündern nicht zurückgeschreckt" fem. Diese gemeine Verleumdung kennzeichnet den stock- reaktionären Charakter des Artikels. Als einer dersenigen, die in den Kriegs- und Reoolutionsjahren mit Luise Zietz aufs engste in gemeinsamer politischer Arbeit verbunden waren. halte ich mich berufen und verpflichtet, dieser Verleumdung einer Toten, die ihr Leben dem Proletariat und der Menschheit gewidmet hatte, mit Nachdruck entgegenzutreten. Da der Artikel in zahlreichen Provinzblättern nachgedruckt worden ist, ersuche ich, diese E n t- gegnung in Ihrer Korrespondenz abzudrucken. Unsere Genossen im Lande, die den Schmähartikel in heimischen Blättern gelesen haben, sollten darauf achten, daß auch die Nichtigstellung von ihnen veröffentlicht wird. Held protestiert gegen Amnestiegesetz Eigener Bericht des„Vormärts" München, 15. Dezember. Di« aus Sozialdemokraten, Kommunisten und Nationalsozialisten bestehende Mehrheit des Bayerischen Landtags hat beschlossen, die Staatsrcgierung zu ersuchen, den im Reichsrat beabsichtigten Widerspruch gegen das Amnestie- gesetz zurückzuziehen. Nach den Erklärun» gen, die Ministerpräsident Dr. Held im Ver- fassungsausschuß abgegeben hat, ist es jedoch fraglich, ob die Regierung diesen Beschluß berück- sichtigen wird. Sie begründet ihre Weigerung mit der angeblichen Pflicht der Wahrung der Länderrechte, da auf Grund der Justiz- Hoheit der Länder eine Reichsamnestie verfassungsmäßig ein Ding der Un» Möglichkeit fei! Seit Bestehen der Terror- Notverordnung wurden in Bayern insgesamt 52 Fälle abgeurteilt: in einem einzigen Falle wurde eine Strafe von 19 Jahren Zuchthaus ausgesprochen und in acht Fällen Strafen von 1 bis 6 Iahren Zuchthaus. Wann Reichstag? Was wird aus der Winterhilfe? Die Kommunisten fordern den Zusammen- tritt des Reichstags zum 19. Dezember. Auf die Tagesordnung sollen die Anträge des Haushaltsausschusses auf Aufhebung der sozial- politischen Notverordnungen, die Winterhilfe urtd ein Mißtrauens antrag gegen die Regierung Schleicher gesetzt werden. Ob und wann der Relchstagspräsident den Aeltestenrat zur Stellungnahme zu dem kommu- nistischen Antrag zusannnenrufen wird, steht noch nicht fest. Sicher ist jedoch, daß die Mehrheit des Reichstags einschließlich der Nationalsozialisten dem Verlangen nach Einberufung einer Sitzung noch vor Weihnachten nicht entsprechen wird. Die Sozialdemokratie, die sich bereit, in der letzten Reichstagssitzung gegen die lang« Ver- tagung des Parlaments ausgesprochen hatte, wird ihre Stellung zur vorzeitigen Einberufung des Reichstages in der Hauptsache davon abhängig machen, ob die Reichsregierung den Beschlüssen des Reichstags über eine Winterhilfe für Bedürftige entspricht. Theaterbrand in Worms Lrandstiftung vermutet Worms, 15. Dezember. Don einem schweren Brandunglück wurde da» wormser Städtische Spiel- und Fe st- h a u s betrossen. Gegen 9.30 Uhr ertönte Groß- seueralarm, und noch ehe die Feuerwehren angerückt waren, stand das Bühnenhaus in hellen Flammen. Der Brand war im Requisitenhaus ausgebrochen und fraß sich bis zum Dachstuhl empor, der krachend bald Sarauf«instürzte. Die Feuerwehr bekämpft« das rasende Element von allen vier Seiten und auch vom Zuschauerraum aus, der durch das Wasser stark in Mitleidenschaft gezogen wurde. Gegen 11.39 Uhr nachts konnte die Gr- fahr als endgültig beseitigt betrachtet werde». Während das Bühnenhaus vollkommen ausgebrannt ist, blieb der große Theatersaal vom eigentlichen Feuerschaden bewahrt. Als Brandursachs wird Brand st iftung oermutet. Es wurde festgestellt, daß in den Abendstunden ein Einbruch verübt worden war. Di« Diebe hatten es auf die Gelder abgesehen, die aus dem Kartenvorverkauf eingegangen waren. Sie fanden aber nichts vor, und allem Anschein nach haben Eigener Bericht des„Vorwärts" Washington. 15. Dezember. Wie verlautet» ist die Bundesregierung angesichts der Zchuldenkrise zu sofortigen Revisionsverhandlungen bereit. Hoover plant angeblich, in seiner bevorstehenden Botschaft an den Kongreß die Erteilung von Sondervollmachten und die Einsetzung einer sechsköpfigcn.Kommission von Ne- Präsentanten und Senatoren zur Führung solcher Verhandlungen mit den Schuldner- stauten vorzuschlagen. In erster Linie wolle man den ihren Tezemberzahlungcn nachkommenden Staaten entgegenkommen. Tie Zustimmung des Kongresses zu den Anregungen Hoovers ist jedoch unwahr- scheinlich. Vergeltung gegen kranhreieh New Jork, 15. Dezember. Die Erregung der Oeffentlichkeit über die Ent- wicklung der Schuldensrage hat sich noch nicht ge- legt. Regierung und Presse sind stark bemüht, das Publikum zu b e r u h i g e n. Sie weisen auf die Isolierung Frankreichs und Belgiens hin und betonen, vier Fünftel der europäi- fchen Gefamtschuiden würden pünktlich bezahlt werden. Wie verlautet, werden als Gegenmaß- nahmen gegen die Zahlungsoerweigerung die S u s p e n d i e r u n g der französisch- amerikanischen V e r t r a g s v e r h a n d- l u n g e n und die Einführung von V e r g e l- tungszöllen erwogen. Im Kongreß ist man Bei dem Reichsverband der Deutschen Luft- fahrtindustrie herrschten nicht gerade vorbildliche Zustände. Der Geschäftsführer, ein alter Militär, ei» Major von Tetens, verstand von kauf- männischen Dingen überhaupt nichts. Er besaß zwar Bankvollmacht, jedoch bekam ihn die Bank, mit der der Reichsverband arbeitete, nie zu Ge- ficht. Man kannte hier nur seine Unter- s ch r I f t, und der Herr Major begnügte sich da- mit, seine Unterschriften herzugeben. Die konnten aber nur allzu leicht gefälscht werden. Der eigentliche Geschäftsführer war der An- gestellte August Kern. Er besaß nur eine Post- vollmacht, besorgte aber nicht nur die Post, son- dern auch sämtliche Bankgeschäfte. Nur ihn kannte man in der Bank, er galt als Vertrauens- mann des Reichsverbandes. Diese Situation machte er sich zunutze. Der Reichsoerband der Deutschen Luftschiffahrt besaß bei der Depositen- lasse der Dresdener Bank in der Potsdamer Straße ein Bankkonto Bei derselben Depositen- kasse hatte auch Kern sein Effektenkonto. Durch erfolgreiche Börsenspekulationen war es bis auf 59 999 Mark angestiegen. Dann aber hatte er seinen Kredit überzogen, er konnte schließlich seine Schulden nicht abzahlen und war gezwungen, einen Offenbarungseid zu leisten. Seit 1928 ging das Konto auf den Namen seiner Frau. Kern befand sich in Geldverlegenheit. Was tat er nun? Er stellte unter dem Namen Tetens sie entweder aus Aerger hierüber absichtlich den Brand gelegt, oder er ist durch eine von ihnen weggeworfene Zigarette entstanden. Breslau. 15. Dezember. In einer Kunst pappenfabrik brach am Mittwochabend ein Großfeuer aus. Da das Feuer auf eine der Fabrik benachbarte, noch im Bau de- findliche Kirche, überzugreifen drohte, mußte die gesamte Breslauer Wehr eingesetzt werden. Erst nach Swnden gelang es, das Feuer auf seinen Herd einzudämmen. Bei den Löscharbeiten erlitt ein Feuerwehrmann schwere Verletzungen. Der Potsdamer Letchensund Die l'ote noch nicht festgestellt Oer Potsdamer Blordtommissioa, die unter Leitung de» Kriminalrates Dcgener an der Aufklärung de» Leichenfunde» in der Parforceheide bei Nowawes feit Mittwoch ununterbrochen arbeitet, ist e» bisher nicht gelungen, die Tote zu identifizieren. An der Leiche der unbekannten Frau waren keine äußeren Verletzungen festzustellen und es muß deshalb das Ergebnis der Obduktion abgewartet werden. An einem E i t t l i ch k e i t s- verbrechen ist nach Meinung der Potsdamer Polizei nicht zu zweifeln, da der Frau die Kleider vom Leibe gerissen waren. Es sieht beinah« so besonders schlecht aus Frankreich zu sprechen. Man bezeichnet die französische Haltung als unklug und undankbar. ?olen ohne Antwort Eigener Bericht des„Vorwärts" Warschau, 15. Dezember. Die polnisch« Regierung hat aus ihre zweite Note nach Washington wegen der Stundung der heute fälligen Schuldenzahiung noch keine Antwort erhalten. Es ist vorläufig noch un- geklärt, welchen Standpunkt Polen nun«inzu- nehmen gedenkt. Ordre— Contreordre Paris, 15. Dezember. Der französische Botschafter in Washington, Claudel, war von der französischen Regierung beauftragt worden, dem Staatssekretär S t i m s o n auseinanderzusetzen, daß infolge des Votums der Kammer das Kabinett nur noch laufende Amts- gsschäfte zu erledigen hat und deshalb nicht mehr dazu qualifiziert ist, die Verhandlungen über die am 15. Dezember fälligen Zahlunzen fortzusetzen. In letzter Minute ist nun aber, wie der„Petit Parisien" aus Washington meldet, dies«„De- March«" wieder abgesagt worden. Die allgemein vorherrschende Ansicht über die Lösung der Kabinettskrise wird vom„M a t i n" treffend zum Ausdruck gebracht: Die Stunde für eine Konzentration sei noch nicht gekommen, noch weniger die Stunde für eine nationale Einigung. Die Formel eines K a- binetts auf radikaler Grundlage, das die Unterstützung der Sozialisten genießt, habe anscheinend die größten Aussichten Auftragsscheine aus und überwies aus dem Gold- pfandbriefdepot des Reichsverbandes bei der Danatbank, teils auf das Konto seiner Frau, teils auf das Konto des Reichsverbandes bei der Dresdener Bank die Wertpapiere des Geichs- Verbandes. Die Fälschung der Tetensschen Unterschrift war so vorzüglich, daß die Bantbeamten keinen Verdacht schöpften. Sie taten dies auch aus dem Grunde nicht, weil Kern des öfteren die Verbind- lichkeiten des Reichsverbandes durch Inanfpruch- nähme seines Kontos gedeckt hatte. Der Ge- schäfteführer, Major von Tetens, interessierte sich überhaupt niemals für den Zustand des Gold- pfandbriefdepots. Erst als sämtliche Wertpamere in Höhe von 87 999 Mark zur Dresdener Bank abgewandert waren, erfuhr er, daß bei der Danat- dank nichts mehr zu holen fei. Kern hatte näm- lich die Bestätigungsscheine kurzerhand vernichtet. Das gleiche Manöver unternahm Kern auch mit den Goldpfandbriefen des Vereins zur Förderung der Aerodynamischen Versucheanstalt Gottingen im Werte von 28 999 Mark. Kern hatte sich heute morgen vor dem Land- gericht II wegen Urkundenfälschung, Urkunden- beseitigung und Betruges zu verantworten. Das Gericht verurteilte den Angeklagten wegen Urkundenfälschung in Tateinheit mit Be- trug zu 1 Jahr 1 Monat Gefängnis. aus, als ob der Täter die Kleider mit einem scharfen Messer zerschnitten hat. In den heutigen Vormittagsstunden wurde der Tatort mit Polizei- Hunden nochmals genau abgesucht. lieber das Er- gebnis der Aktion ist noch nichts bekannt geworden. In der Nähe des Tatortes ist kurz vor Auf- sindung der Leiche ein Mann gesehen worden. Ob er mit dem mutmaßlichen Verbrechen etwas zu tun hat, muß die weitere Untersuchung ergeben. Der Tod des Rentners hford in der Perleberger Straße? Die Reservcmordkommifsion wurde nach der perleberger Straße 17 gerufen. 5a seiner Wohnung im zweiten Stock des Seitenflügels war der 7ö Jahre alte Rentner Karl Menzel tot aufgefunden worden. Seine 74 Jahre alte Frau ist schon seit Jahren irrsinnig und hatte bereits einige Tage an der Leiche ihres Mannes verbracht. Da die Todesursache völlig unNar ist, der Rentner soll einerseits vergiftet und nach einer anderen Version erwürgt worden sein, wurde die Mordkommission Dr. Ziese beauftragt, Ermittlungen anzustellen. Der 75 Jahre alte Karl Menzel war früher als Wächter tätig und wurde dann pensioniert. Am vergangenen Sonnabend war in der Wohnung ein auf Erfolg: denn das Ansehen Frankreichs mache die Aufrechterhaltung des Vertrauens, die schnelle Verabschiedung eines provisorischen Budgets für die ersten Monate des Jahres 1933 und eine energische Prüfung und Verabschiedung des end- gültigen Budgets notwendig. Ein einziger Um- stand könne die Bildung eines solchen Kabinetts unmöglich machen, nämlich der Abfall der Sozia- listen. Aber Leon Blum hat eine Erklärung abgegeben, die wohl als Versprechen einer neuen Unterstützung der Sozialisten ausgelegt werden dürfe. Der Weg für eine vielleicht provisorische Lösung der Krise scheine also offen zu stehen. Die Konsequenz der Sozialisten Leon Blum schreibt im„Populaire" über die Haltung der Sozialisten: Die Mehrheit von 499 Stimmen, die das Kabinett stürzte, umfaßt als die wichtigsten Elemente die Rechte unter Führung von Tardieu und Marin sowie die So- zialisten. Um diese Verbindung zu vermeiden, haben die Sozialisten in den letzten Tagen alle Anstrengungen zugunsten einer ver- mittelnden Lösung der Schuldenfrage unternommen, denn sie haben nicht mit Bor- bedacht diese Gelegenheit für den Sturz der Re- gierung gewählt. Zwischen der ehemaligen Rechtsmehrheit und den Sozialisten gibt es aber außer der gleichen Farbe der Stimmzettel nichts Gemeinsames. Die sozialistisch« Partei ist sich selbst konsequent geblieben, während die alte Rechtsmehrheit in zynischer Weise versucht hat, sich den Folgen ihrer Haltung zu entziehen. Dir alte Rechtsmehrheit ist dem nationalistischen Wutgeheul gewichen, während die Sozialisten sich in voller Gewissensruhe bemüht haben. ihr in noch wirksamerer Weise oen Weg zu ver- sperren. kleiner Ofenbrand ausgebrochen, der von der Feuerwehr aber schnell gelöscht werden konnte. Gestern hätte der alte Mann seine Rente abholen müssen. Da er heute morgen noch immer nicht auf dem Postamt erschienen war, begab sich ein Beamter in die Wohnung. Als er die Wohnung betrat, fand er den alten Rentner neben Ofen und Bett auf der Erde liegend tot auf. Er war mit Decken zugedeckt. Seine Frau hatte bisher neben der Leiche gesessen. Der Ofen war geheizt. Ein sofort herbeigerufener Arzt ließ die Frage offen, ob der alte Rentner einer Gasvergiftung erlegen rdsr etwa erwürgt worden sei, da sich am Halse Strangulalionsmerkmale zeigten. 6vc)00-Mar?-Gew!nn In der heutigen Vormittagsziehung der Preu- ßisch-Süddeutfchcn Klasseniotterie fiel ein 5 9 9 9 9- Mark-Gewinn auf die Nummer 152 643, und zwar wird dieses Los in der ersten Abteilung in Viertellosen in der Provinz Brandenburg und in der zweiten Abteilung in Achtellosen in Berlin gespielt. RANdbaualSMarithalle Arn Kingbahnhof Frankfurter Allee Am Ringbahnhof Frankfurter Allee wurde«ine neue Markthalle eröffnet. Auf einem unbebauten Terrain entstand binnen drei Mo- naten ein breitausladender klargegliederter Rundbau in einem Gesamtflächenausmaß von 1899 Ouadratmeter. An 185 Ständen, von 79 Händlern bewirtschaftet, kann man von der Kartoffel bis zum Gänsebraten, vom Kragen- knöpf bis zum modernen Wollkleid alles erstehen. Die Verkaufsstände sind übersichtlich gelagert, bequeme Durchgänge bieten dem Publikum Ge- legenheit, genauestens zu sichten und zu wählen. Die Preisgestaltung der Ware ist niedrig ge- halten, außerdem ermöglicht ein neuartiges Rabaitsyftem eine weitere Preisreduktion. Ohne Minderung der Qualität oder Heraufsetzung der Preis« erhält jeder Kunde an jedem Stand beim Einkauf von Ware im Betrage von 9,23 Mark eine Sparmarte: für 199 solcher Marken gibt es 59 Pfennig in bar oder in Waren. Neuzeitliche hygienische Ent- und Belüftungsanlagen, Kühl- und Lagerräume sorgen für gute Luft und beste Konservierung der Ware. Das Massivdach der Halle besteht aus isolierenden Hohlsteinen mit Korkplattenbelag, um die Einwirkung der Sonnen- strahlen zu verhindern. keim Autobrand schwer verletzt Bei Reparaturarbeiten geriet in einer Garage in der Belle-Alliance-Straße 92 ein Privatauto in Brand. Der Monteur, der gerade unter dem Wagen arbeitete, wurde von einer Stich- flamme erfaßt. Seine Klebdung geriet in Brand. Durch das Hinzukommen einiger Arbeiter, die durch Ueberwerfen von Decken die Flammen er- stickten, wurde der Verunglückte vor dem Schlimm- sten bewahrt. Die Feuerwehr brachte den Mann ins Elisobethkrankenhaus. Das Auto wurde trotz starken Wassergeben, ein Raub der Flammen. Wertpapiers, die Flügel hallen Oer fferr Major und der gerissene Geschäftsführer ... bis Versailles Kriegshistorie im Roman Bruno Brehms Buch:„Das war das Ende; von Brest-Litowsk bis Versailles lR. Piper u. Co., Verlag München)— der zweite Versuch eines aktuellen Geschichtsromans dieses österreichischen Schriftstellers— ist ein packendes historisches Monumentalgemälde: ein Gemälde, gemischt in allen Farben des letzten Kriegsjahres vom flammenden Rot bis zum Aschgrau und Tief- schwarz. Sie alle treten hinter den Kulissen hervor, die damals die Geschicke der Völker gelenkt haben: Ludendorff, verbissen, trotzig, verbohrt in die Wahnvorstellung eines Siegsriedens. Der müde Reichskanzler Hertling, der die Zügel gegenüber den gewalttätigen Militärs schleifen läßt. Auf der Gegenseite„Der Tiger"', 78 Jahre alt, aber von einer unbesiegbaren Lebenskraft, die er täg- lich durch seinen sanatischen Haß gegen den „Boche" auffrischt. Finster, gewalttätig, zynisch, geladen mit gefährlichen Erplosivstosfen. Und dazwischen die Söhne Albions auf diesem höllischen Kontinent, den sie nie richtig begreifen werden. Lenin Im Kreml, Trotzki und Joffe in Brest- Litowsk den auitrumpfenden Siegern gegenüber: der Zar im sibirischen Jekaterinburg interniert, bis die Weißen nahen und die Nacht der Exekution hereinbricht. Und im Hintergrunde dieser atem- losen Begebenheiten krümmt sich Europas Erde unter den Donnerschlägen der gewaltigen Entschei- dungsschlachten. Der letzte Aufbruch des hun- gernden deutschen Heeres mit einer verhungernden Heimat im Rücken hat begonnen. A m i e n s! Panikstimmung im Lager der Entente. Potain will Paris retten. Der Engländer Haig denkt nur an die Küste. Schon trägt er sich mit Ein- schiffungsgedanken. Das Loch von Amiens tut sich auf. Cltmenceau und Lloyd Georg« greisen in zwölfter Stund« ein. Foch erhält das einheitliche Oberkommando. Die Krise ist behoben. Chemin des Dames! Zweite schwere Krise. Paris in höchster Erregung. Rettung durch das„amerikanische Wunder" an der Marne. Und dann Krisenwende bis zum deuffchen Zusammen- bruchl Der Abfall der Bundesgenosien. Waffen- stillstand und Friede. Wilson sieht seine Ideen der Bölkerbeglückung in diesem haßglühenden Hexenkesiel Europa dahin- schmelzen. Nichts bleibt übrig von seinen Ideen. Sein Land rebelliert! Müde und matt wehrt er sich gegen den„Tiger": bald sekundiert ihm Lloyd George, bald fällt er ihm in den Rücken. Per- zweiseltes Deutschland— letztes Aufbäumen, dann Durchringen zu dem schweren Entschluß der Unter- schrist von Versailles. In einem kann man dem Autor nicht zu- stimmen.„Wird sich Deutschland zu dem Reiche der Deuffchen finden?" fragt Brehm am Schluß seines dichterisch beschwingten Buches. Werden sich Deutschland und Frankreich und da- mit Deutschland und Europa finden? Das find die Fragen, die angesichts der noch offenen Wunden des Weltkrieges alles andere überschatten. UoU Latlrs. van Nazi Kufitschka Dsr österreichische Landespressechef der Nazis— ein Dieb, den man laufen ließ Kinder und Tiere Theater mit Diskussion „D er Kampf der Tertia" hat als Buch und als Film seinen Weg gemacht. Sogar gegen alle neunmal klugen Voraussagen der Herren aus der Filmindustrie, die behaupteten, kein Mensch interessiere sich sür Schüler, die weiter nichts tun, als sich über ein paar Katzen aufregen. Die mutigen Tertianer aber kämpfen weiter. Sie wurden so beliebt, daß jetzt Ren�e S t o b r a w a den Roman dramatisieren und im Deutschen Künstler-Theater zur Aufführung bringen konnte. Bei allen lobenswert Herausgearbeiteten Gedanken des notwendigen Zusammenschlusses und des Eintretens für die Schwächeren, bleibt natürlich Speyers bürgerliche Ideo- l o g i e. Für kleinere Kinder ist das Stück nur teilweise verständlich. Man muß überhaupt die Sorgen einer Tertia kennen, um mit jedem Beteiligten fühlen zu können. Renee Stobrawa ist vorbildlich gewissenhaft in ihrer Arbeit. Sie lädt nach der Ausführung chre Zuschauer zu einer Aussprache ein. Die gestaltete sich sehr interessant. Wenn man olle die wichtigen Aeußerungen zusammenzieht, ergibt sich für die jugendlichen Zuschauer folgendes Bild.„Wenn wir im Leben etwas erreichen wollen, müssen wir uns fest zusammenschließen"„Wir sollen gut zu den Tieren und zu allen Schwachen sein."„Nicht der Sporttyp soll unser Führer sein, sondern der Mensch, der denkt." Zwischendurch hörte man dann noch Aeußerungen wie„Schulen und Klassen sind sehr verschieden: wenn bei uns auch jemand mit überwältigender Mehrheit zum Führer ge- wählt würde, meckern täten sie dennoch." In diesem Stück, das keine Fahrt ins Märchenland sein will, sondern ehrlich bemüht ist, der Wirklichkeit recht nahe zu kommen, wird von Menschen und Tieren vorzüglich gespielt. Die Stobrawa gesiel als temperamentvolle Daniela und Kurt Pulvermacher als gemächlicher, kluger Großer Kurfürst. Ebenso war Hans Richters Borst eine erstaunlich abgerundete Leistung. Bon den Kinder-Kritikern sagte einer über ihn:„Er machte dämliche Witze, ohne däm- lich zu sein, und er war komisch, ohne selbst zu lachen." e b. D-z Theater am Nlexanderplatz. Tirctüon Erwin Piegel, eröffnet am 21. Dezember, mit Hasenclevers Echaufpiel„Ein besserer Herr". Raimund Kusicka(sprich: Kufitschka), ein wasch- echter Tscheche, betätigt sich führend in der Wiener Hitlerei Er tobt gegen„das rote md jüdische Verbrechergeflndel", er will Wien wieder zu einer deutschen Stadt machen. Alles mit dem Namen Kusicka? Aber nein! Pan Nazi Kusicka nannte sich als Hitler-Mann schlicht und einfach:„P g. R a i m u n d". Er hatte gute Gründe! Im Oktober 1928 war Pan Nazi Kusicka von einem jüdischen Leopoldstädter Kauf- mann fristlos entlassen worden weil er mehrere tausend Schillinge unterschlagen hatte. Kusicka beschwor den Bestohlenen brieflich,„mit aufgehobenen Händen und kniefällig", ihn nicht anzuzeigen, er wolle alles bezahlen. Der Dcfrau- dant wurde pardoniert. Er zahlte nicht, dafür oer- schwand er unter dem Decknamen Pg. Raimund. P g. Raimund wurde ein großes Tier bei der Wiener Hitlerei. Er kandidierte an aussichts- reicher Stelle für den Gemeinderat. Vorsichtig klopfte er bei dem bestohlenen Kaufmann an. Wie tat er das? Sein Anwalt forderte den„Herrn Juden" auf, Herrn Raimund Kusicka das an- geblich vorenthaltene Gehalt für die Kündigungsfrist nachzuzahlen, widrigen- falls... Auf diese Unverschämtheit hin wurde dem Nazianwalt reiner Wein eingeschenkt, worauf er klein beigab und im nächsten Brief zu feilschen anhub. Inzwischen kam der 2i. Mai, der Wahltag, und Raimund Kusicka wurde Nazigemeinderat. Am 2S. Mai erschien seine Mutter bei cherrn V. und teilte mit, daß ihr Raimund zum Gemeinderat ge- wählt wurde und sprach die Erwartung aus, daß Herr V. dies gebührend würdigen werde. Herr V. soll nun geantwortet haben, daß er über die Karriere seines früheren Angestellten hocherfreut sei, zumal da er nun hoffe, endlichzu seinem Gelde zu kommen. Von dieser Intervention und von den Schrftten des Nazianwaltes hatte die Gauleitung der Nazis Kenntnis. Den vollen Schaden ihres diebischen Gemeinderates gutzumachen, hatte sie wenig Lust: aber bevor die Sache nicht bereinigt war, schien es doch zu riskant, den Pg. Raimund ins Rathaus zu entsenden. Der Nazianwalt erhielt Auftrag, dem„Juden" ein paar tausend Schilling abzuhandeln: inzwischen frei- lich mußte der frisch gebackene Gemeinderat auf sein Mandat„aus Gesundheitsgründen" oer- z i ch t e n. Pg. Raimund verschwand. Pan Ku- sicka verschwand. Der Anwalt, der mit dem Betrogenen verhandelt, bedauert, daß sein Klient dauernd krank und verreist sei. Aber am Wiener Nazihimmel tauchte ein neuer Stern auf: Landespresse chef Raimund H a i n tz donnert in Wiener Bersammlungen gegen die jüdischen Kausleute! L a n de s p re ss e che f Raimund Haintz ist niemand anderes als Pg. Raimund alias Raimund Kusicka, ein überwiesener Dieb und Defraudant, überreif für das Landesgericht, von einem jüdischen Kaufmann aus Gutmütigkeit pardoniert! Aber die österreichische Hitlerei hält ihn nach wie vor— er paßt zu ihr! Der Terror von Lörlitz: Die ersten zwei von insgesamt über 3 9 Terrorakten, die in den Nächten vom 9. und 19. August in 17 Ortschaften des Land- gerichtsbezirkes Görlitz verübt wurden, sind in zweitägiger Verhandlung vor dem Sondergericht in Görlitz abgeurteilt worden. Von sieben an diesen Anschlägen beteiligten Nationalsozialisten wurde der Hauptangeklagte wegen Vergehens gegen das Sprengstoffgesetz zu einem Jahr 7 Monaten Zuchthaus verurteilt. Die übrigen Mitangeklagten erhielten nur geringfügige Gefängnisstrafen. Der Angeklagte, der dem Täter die Handgranaten verschafft hatte, wurde sreige- sprachen. Die Verhandlungen ergaben einwandfrei, daß in einer„Besprechung" der SA.-Sturmfllhrer im Braunen Haus in Görlitz am 9. August die An- ordnung zu„negativen Demonstrationen"— dies ist ein neuer Begriff für das, was man sonst Terror nennt— gegeben worden ist. Die„nega- tiven Demonstrationen" hatten den Zweck, der nationalsozialistischen Forderung auf Auslieferung der Staatsmacht an Hitler wirksamen Nachdruck zu verleihen. �iazii-Tanzivergnügen mit Keilerei Der Führerkrach im Hillcr-Lager beginnt sich nach unlen forlzusehen. hier aber in der Art, wie es gelehrt wurde und wie es sich für SA.-Leute geziemt. 3n Gladbach-Rheydt platzte das An- wetter mitten in einen Nazi- Unterhaltung s- abend. Statt zu tanzen, wie es verordnet war. diskutierten die Helden des Dritten Reiches über Hitler und Slraßer. Geistige Argumente sind aber stets die schwache Seite der Hitler-Zünger gewesen und deshalb versuchten sie die Straher-Anhänger mit Stuhlbeinen zu überzeugen. Der Standarken- sührer ließ zwar„Das Ganze halt!" blasen, jedoch diesmal mit dem Erfolg, daß die„Diskussion" erst richtig einsetzte. Die Polizei mußte kommen und den Saal räumen, aber aus der Straße ginge munter weiter. Es gab zahlreiche Verletzte. SA.- Helden ins Zuchthaus Marburg. 15. Dezember. Die Strafkammer verurteilte den Schriftsetzer Klee, den Elektriker Hilberg und den Buchhändler Salzer wegen gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung aus politischen Beweggründe» zu je einem Jahr Zuchthaus unter A b- lehnung von Bewährungsfrist. Ein vierter Angeklagter, der Ingenieur Bodenstein, wurde mangels genügenden Beweises frei- gesprochen. Die Verurteilten, die der SA. an- gehören, hatten in der Nacht zum 19. Oktober den ä7jährigcn Former Logan aus Marburg so schwer verprügelt, daß er besinnungs- l o s liegen blieb und drei Wochen das Bett hüten mußte. „�.Hes um Liebe" Goethe-Sendung der Funkstunde Es war kein schlechter Gedanke, Goethes „Stella" auf der Hörbühne zur Aufführung zu bringen. Es fehlt diesem Werk die eigentlich dramatische Substanz, es fehlt ihm auch die gra- motische Straffheit und Geschlossenheit der Form. die für die Bühnenwirksamkeit unerläßlich ist. „Stella" ist geboren aus der Werthsrstimmung, die sich in dem Worte der Titelheldin„Alles um Liebe" ausdrückt. Die Liebeswirren und Liebes- quälen der drei Hauptpersonen des Dramas sind Wortführer der Gefühle des jungen Goethe. Aller- dings wurde„Stella" von der Funkstunde in der heute gebräuchlichen Fassung aufgeführt, die Goethe dem Werk dreißig Jahre später gab, und die statt des versöhnenden Ausklanges einen tra- zischen Schluß bringt. Aber darauf kommt es in diesem Werk im Grunde überhaupt nicht an: das„Himmelhoch jauchzen, zu Tode betrübt", die Melodie der um Liebe werbenden Seele des jun- gen Goethe gibt der Dichtung den Inhalt. Die Funkstunde hatte mit Helene Thimig, Agnes Straub. Käthe Haack und Paul Hartmann die denkbar beste Besetzung für das Werk gefunden. An diesen Künstlern lag es nicht, wenn es trotz- dem den nicht literarisch interessierten Hörern wenig zu sagen hatte. Die Breiten in Worten und Stimmung sind auf der Hörbühne störender Ballast. Unter der prosesioralen Dichterverehrung, die für die Sendcaufführung nichts von dem Wert opfern wollte, zerbrach die Rolle der Stella: die Warte wurden nicht mehr für das Mikrophon geformt. Im Aufschreien, Schluchzen, Lochen, denen die ausgleichende Haltung fehlte, erschien Stella schließlich beinahe als hysterisches Geschöpf. — lz. Eine Eulenspiegelei UT. Kurfürstendamm Wenn die Dergnügungsindustrie, die der Film heutzutage seinem Wesen nach ist— da er ja nun einmal die uns angehenden wichtigen Dings nicht behandeln will—, ihrer Ausgabe gerecht würde, so müßte sie oersuchen, uns über die Nöte der Zeit hinwegzutäuschen. Und das will sie ja auch, aber leider meist mit unzulänglichen Mitteln. „Im Bann des Eulen spiegele" möchte uns auch durch eine im Zerrspiegel gezeigte Jagd nach dem Gelde aus der Wirklichkeit heraus- reißen, wie es etwa Rens Clair mit seiner „Million" gemacht hat. Aber w:der die Dreh- buchverfasser noch der Regisseur Frank Wys- bar finden den Weg dazu.„Je toller, je bester" müßte es heißen, und die Hetzjagd nach dem in einem Spiegel mit Eulengcstcht versteckten Gelde müßte in einem Tempo vor sich gehen, daß einem Hören und Sehen vergeht. Aber bei manchen guten Ansätzen und«inigen guten Einfällen ver- bleibt ee. Und schließlich ist das Publikum der Geprellte dieser Eulenspiegelei, denn es lernt nicht, die Zeit zu vergessen. Gut sind einig« Milieuschilderungen getroffen, und in dem Kol- lektio machen sich einige Darsteller bemerkbar Neben dem bekannten Hugo Fischer-Köppe und Hedwig Mangel etwa Franz Weber, Ursula Grabley, Oekar Karlweiß— sie sind das Liebespaar— und Till K l o k o w. Der Hauptfehler dieses Films ist, daß«r nicht den Mut zur Persiflage hat, und nicht die Phantasie, sich über die platte Wirklichkeit zu erheben, r. Großer Slaatspreis für Maler. Der große Staatspreis der Preußischen Akademie der Künste für Maler wurde dem Maler Alfred Kitzig in Charlottenburg verliehen. Die Wettbewerbsarbeiten find in den Ausstellungshallen der Akademie der Künste vom 15. bis 21. Dezember von 9 bis 4 Uhr ausgestellt. Abbruch der Eooent Garden Opera. Im nächsten Jahr soll Londons berühmtes Opernhaus, der Cvvent Garden, niedergerissen und durch einen modernen Markthallenbau ersetzt werden. Das Haus, das auf einem der riesigen Terrains des Herzogs von Bedfond liegt und zu den akustisch besten Opern gehört, fäll/ in erster Linie dem AU- Wechsel der Gegend um Lowstreet zum Opfer: denn diese Gegend wird heute durch ihren Marktbetrieb charakterisiert. Das Haus hat seit 74 Iahren als Oper gedient, und zwar nur auf zehn Wochen in jedem Jahr, also während der Londoner Season. Die übrige Zeit wurde meistens mit Kinooorfüh- rungen ausgefüllt. Die Deutsche Gesellschaft zum Studium Ost- europas veranstaltet in ihren Räumen vom 16. bis 21. Dezember eine Ausstellung:„Die schöne Literatur der Sowjetunion" mit Ein- führungsvorträgen. Di« Deuisch-Oesterreichische Filmwerbung zeigt Sonn- tag um 11.15 Uhr im ttino Puhlmann, Schönhauser Auee 148, den Film.„W inter in Deutschland". Die RiichSdruckcrci zeigt in der Staatlichen Kunst- bibliothek, Prinz-Albtecht-Str. 7 A, eine W e i h- nachtsaus st ellung von Reichsd rucken. Die Ausstellung umfaßt originalgetreue Nachbildungen von Kupferstichen, Solzschniitcn und Zeichnungen alt- deutscher Meister,'sie ist werktäglich frei geöffnet von 10 bis 20 Uhr. Di« Kamera zeigt ab Freitag ein Russenprogramm: „Ter Mann, der das Gedächtnis verlor" und„Turlsib". Musik der Deutschen Welle Rückblick und Vorschau Für den gestrigen Presteempfarg im Funk- Haus, bei dem die vergangene und zukünftige musikalische Arbeit der Deutschen Welle charakterisiert werden sollte, hatte wohl die sür den 1. Januar bevorstehende Umwandlung eben der„Deutschen Welle" in den„Deutsch- l a n d s e n d e r" den Anstoß gegeben. Davon aber, wie von Professor S ch u b o tz' einleitendeck Worten(für Literatur und Vortragswesen wurden ähnliche Rechenschaftsberichte angekündigt), wird an dieser Stelle in funkeigenem Zusammenhang die Rede sein. Nicht um Gesamtgliederung oder Eingliederung der Musik also geht es hier, ledig- lich viel mehr um Art und Aufbau der musika- tischen Bestrebungen selbst, die, wie Prof. M e r s- mann auseinandersetzte, dem bisherigen Wesen der Deutschen Welle entsprechend vor allem päda- gogische waren und sein mußten. S e n d e z i e l war Ueberwindung der beim Rundfunk besonders gefährlichen Passivität, war Aktivierung des vor- erst unbekannten, schwer zu erfassenden und zu gruppierenden Hörers. Ein Ziel, dem die Konti- nuität des Wochenplans(„Einheitlichkeit im ganzen, Vielheit im einzelnen"), dem vor allem die Sendeformen zu dienen hatten. Von ihnen hat sich das„Musizieren mit dem un- bekannten Partner", haben sich Arbeitsgemein- schastcn verschiedenster Art, Sendungen alter und leichter ersaßbarer neuer Musik, Reihensendungen schließlich und Zwiegespräche über musikalische Probleme besonders bewährt. Der„Deutschlandsender" frellich wird über den Rahmen de« Musikpädagogischen weit hinausgehen, wenn er dessen erfolgreiche Formen. Früchte mühseliger und dankenswerter Aufbau- arbeit, auch wird beibehalten müssen. Programm- auflockerung durch Musik(wie nachmittägige „Hauskonzerte"), pädagogisch unbelastete Abend- konzerte, Schallplattensendungen, musikalische Kinderstunden u. a. sollen dafür Sorge tragen. Innerhalb der oerständlicherweise noch unsicheren Konturen des Zukünftigen wurde viel Begrüßens- wertes angedeutet:„Gemischte Sendungen zum Beispiel, eine Art Querverbindung unter den Künsten: Studioaufführungen, in denen Altes und Neues zu Wort kommen soll: früh- deutsche Opern, Strawinskys„Oedipus". Mahlers „Lied von der Erde". Verdi als Liederkomponist. Wie man sich zur Deutschen Welle auch stellen mag: in Mersmann, einem Historiker von Rang, besitzt sie einen musikalischen Leiter, der da» Neue unablässig fördert, die Erkenntnisse moderner Pädagogik in Praxis umzusetzen be- müht ist, an der Ueberbrückung des Gegensatzes von Volk und Kunst leidenschaftlich arbeitet— und erreicht, was innerhalb eines Spezialgebiets und im Rahmen der Gesamtstruttur heutigen Funks erreicht werden kann Seine Leistung ist ein sehr beachtenswertes Aktivum innerhalb der Bilanz der Deuffchen Welle, der traurigen Ge- samtbilanz des Funkbetriebs überhaupt. Kein Wunder, daß er in der seinen Ausführungen folgenden Diskussion, die sachlichen Auseinander- setzungen dienen sollte, von einem berufsmäßigen Deutschtumsbewahrer aufs unsachlichste an- gegrisjen wurde. Was nach Art und Inhalt des Vorgebrachten alle, die nicht gerade Reaktionäre von Profession sind, im Glauben an den Wert seiner Arbeit nur bestärken konnte. w, Rundfunk am Abend Donnerstag, 15. Dezember Berlin. 16.15 Meine Kinder laden ein... fEsther v. Kirdibach). 16JW Orchesterkonzert 17.30 Adventsgesdiiditen. 17.45 Die junge Generation. 184)5 Orchesterkonzert 18.25 Weihnaditslieder zum Mitsingen. 18.55 Die Funkstunde teilt mit. 19.00 Reichskanzler v. Sdile.icher spricht 20.10 Vom Berliner Weihnachtsmarkt(A. Braun) 20.45 Scherze mit Schallplatten. 21.15 G. Mahler. 22.10 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Tanzmusik, 24 00 Wiederholung; Opernprobe. Oper v A. Lortzing. Königs Wusterhausen: 16.00 Pädagogischer Funk. 17-30 Das deutsche Sudetenland. 18.00 Musikalischer Zeltspiegel. 18.30 Die Wendung in der Dichtung der Gegenwart. 18.53 Wetterbericht. 19.00 Stunde des Landwirts. 19.20 Für und Wider. Wegweiser durch die Zeit. 19.30 Aus dem Gewandhaus Leipzig: Konzert 20.40 Tages- und Sportnadr richten 20.50 Spiel vom Sündenfall. 21.30 Musikalische Ad ventsfeier. 22.15 Wetter-. Tages- und Sportnachrichten 22.43 See- Wetterbericht. Aus Hamburg: Tänze von 1900— 1932. Sonst: Berliner Programm. Jleue Geschaskstelle des BezIrkeivoHlsaHrtsamts Dedding. Um den Hitfsbedürft gen im Bezirks- wohlfahrtsami Webding die zum Teil weiten Wege zu ihren Abfertigungestellen zu ersparen, wird eine Aenderung im Abfertigungsverfahren in der Form durchgeführt werden, daß nicht mehr der Name, sondern der Wohnort die Au- stZndlgkeit der Unterftlltzungsabteilung bestimmt Die vom Bezirksami zur Entlastung der vor- handenen Abteilungen in der L y n a r st r. 5— 6 neueingerichtete Stelle soll nach dem neuen Ber- fahren arbeiten. Die Vereinigung der Freunde von Religion und völkersriedeo veranstaltet Sonnabend, den 17. Dezember, 19>- Uhr, in der Aula der Kaiser-Friedrich-Schulc. Churlottenduro. Knesebeckstraße, am Savignypiatz ihre Weih- nachtsfeier mit künstlerischen Darbietungen. Pfarrer Bleier hält die Rede- Warme Stube für laubstumme. Der lhilss- verein für die jüdischen Taubstummen in Deutfch- land E. B. eröffnet in der Rosenchaler Straße 19, Hof links parterre, eine„Warme Stube" tür Taubstumme. Die Stube ist täglich von 12 Uhr mittags bis 8 Uhr abends geöffnet Wetter in Berlin: Meist trübe und etwas milder, ohne erheblich« Niederschläge. Auf- frischende südwestliche Wind«.— 3o veulfchland: Im Nordwesten einzelne leichte Niederschläge. windig. Im Osten und Süden Fortdauer des ruhigen, trockenen. Weiters. Die füllst zu schenke». Es gebört nur ein wenig Liebe dazu. Nicht einmal viel Geld braucht man, um auf dem„Weihnachtsmarkt bei Leineweber" das richtige Geschenk auszusuchen. Anregungen gibt es dort in Hülle und Fülle— soviel wertvolle Gaben, die schön und billig sind. Für jedes Portemonnai und für jeden, der be- schenkt werden soll, ist das Richtige dabei! Und es macht fcfrn soviel Svaß. durch die reizende, von weihnachtlicher Stimmung erfüllte Ausstellung zu schlendern, die die Firma Leineweber in ihren Räumen am Köllnischen Fisch- markt geschassen hat. Hierzu 1 Beilage. Verantwortlich für Politik: Rudolf Brendemühl: Wirtschaft: G. K l i n g e l h S f e r: Gewerkjchastzbeweaung: I Steiner: Feuilleton: Herbert Severe: Lokales und Sonstiges: Fritz Kar stöbt: Anzeigen: Otto Hengst: fäuetlich in Berlin./ Verlag: Vorwärts-Verlag©.m.b.H.. Berlin. Druck: Vorwarts-Buchdruckerei und Berlagsanstalt Paul Singer u. Co., Berlin SW 68, Lindenstraße 3./ Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise werden in jeder Morgen-Ausgabe des„Vorwärts" veröffentlicht. � ßgfehäft#-JbtSäggr eenussen. OnteraiU.zi Bnre eigenen Betriebet Deckt Euren Bedarf a Urnen u.Grabdenkmäte-n nur in d rioinmotihitto 0,m,im>t»lii, o. Md.», Zzumi-Su 'Itlilulüllll JIIK, Kial.iolestr, gegonuaar dem Ktamatorlum. Tel.: Fi Obersoree 1685. Lieferung nach alten Friedhöfen in QroB-Berlin. Bitfi af die Finas«ebta. Suntigi riJUnh Intlf onrh- Gerlchlslr. 46, gegenüber Kremat. JcUI ÜUlll. Seestr. 59, geganüb. 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Nur in dem sogenannten roten Tiesseeton, der die meisten Tiesseegründe bedeckt, leben mikroskopisch kleine Lebewesen. Aber in Tiefen von 1000 bis 3000 Metern leben Geschöpfe von bizarrer Eigenart und Schönheit. In diesen Lagen herrscht völlige Finsternis. Jede Bewegung des Wassers hat aufgehört. Mögen über dem Meere Stürme toben, mag die Oberfläche des Ozeans ein wogender, brüllender, schäumender Kampf sein, in diese Abgründe dringt nicht ein Hauch davon. Unbeweglich und dunkel stehen die unendlichen Wassermenzen der Tieffee. Do so mannigfaltig ist die Natur und in ihren Möglichkeiten so unbeschränkt, daß sie es vermag, selbst in dieser grausigen Oede Geschöpfe bestehen zu lasten. Hm und wieder durchbricht ein unwirkliches Licht das schwarze Nichts. Ein weißgrünlicher Schimmer entsteht, der sich bald oerstärkt. Lautlos gleitet eine Reihe von merkwürdigen Fischen heran. Sie sind, wie die meisten Tiesseetiere, nicht mehr als fingerlang und in der Form einem Karpfen nicht unähnlich. Nur der Kopf ist stärker und die Stirn bedeutend mehr gewölbt. Das grüne Licht, das diese stillen Wanderer begleitet, geht aus von einer Reihe kleiner Punkte, die an den beiden Seiten der Fische bis zur Schwanzwurzel entlanglausen. Außerdem hat jeder Fisch ein« sehr starke Lampe vorn an der Stirn. Und so, sich ihren Weg erhellend, ziehen sie, wie eine Reihe von Bergleuten durch die Dunkelheit der Stollen wandert, durch die Einsamkeiten der Meeres- tiefen Es gibt Raubfische in diesen Regionen, die in erster Linie aus Rachen bestehen. Der übrige Körper sieht aus wie eine lange Peitschen- schnür. Am Ende hängl «ine Lampe. Außerdem bedecken viele kleine Lampen das ungeheuerliche Maul und den lächerlich dünnen Körper. Flott gleitet so ein Unhold heran. Kommt er in die Nähe kleinerer Leuchl- fische, macht er ruckarlige. schnelle Bewegungen, der Schlund tut sich auf und stülpt sich über einen der Fische. Ein Ruck nach vorn. und ein zweiter Fisch ver- schwindet im Rachen. Unter- halb des dünnen Fischleibes bildet sich ein dünnhäutiger, durchsichtiger Sack, in dem deutlich sichtbar die eben noch so munteren Leuchtfische verschwenden. Eine kurze Zeit glüht ihr blaues Licht noch durch die dünne Wand des lebendigen Sarges, in eigenartigem Kontrast zum rötlichen Schein, in dem ihr Vertilger strahlt. Eine andere Form hat einen gewölbten Kopf und einen mächtigen Rachen. Auch der übrige Körper ist kräftig und gedrungen. Ein eigen- artiges Muster von Leuchtorganen be- deckt den Kopf. Aus der Mitte der Stirn ragt ein ziemlich longer Stiel in die Höhe, an dessen Ende ein großer Leuchtkörper sitzt, der ein inten- sives weißes Licht ausstrahlt. Ein gräuliches Gebiß hat dieser Fisch. Wie Dolche ragen die langen, spitzen Zähne, abwechselnd große und kleinere. Scheinbar friedlich zieht der Räuber dahin. Strahlend umgibt ihn der weiße Schein seiner Leuchtorgane. Doch plötzlich steht er still. Die Laternen verblassen, bis sie nur noch einen ganz schwachen Schimmer geben. Regungslos verharrt der Leuchtfisch. Aus der Finsternis nähert sich ein gelbes Licht. Als es im Näherkommen stärker wird, zeigt sich ein läng- sicher Fisch, etwa in der Form einer Forelle. Nur ist das Maul mehr den Tiefseeoerhältnisten ange- paßt. Gefährlich krümmen sich die Zähne über den Rand des Rachens. Unten am Kinn hängt eine Lampe an einem dünnen, nicht zu langen Stiel. Auch die Flanken und der Kopf sind mit Lsuchtorganen versehen. Arglos schwimmt der Fisch, der ebenso wie der andere, ein Raubfisch ist, heran Zu spät wird er den abgeblendeten Licht- schem seines Gegners gewahr. Die Flosten stemmen sich gegen das Wasser, der Forellen- ähnliche hat die Ueberlegenheit seines Gegners erkannt. Seine Lichter erlöschen. Cr will zurück in die schützende Nacht. Doch er kommt nicht zum Wenden. Wie ein Geschoß schießt der andere aus sein Opfer los. Den Rachen weit aufgerissen, wieder im weißen Licht strahlend, erreicht er den Gegner. Auch dessen Lampen leuchten jetzt grell in sattem Gelb Ein kurzer Kampf. Ein Sprühen und Funkeln der durcheinanderwirbelnden Flam- men, dann trifft ein Biß der grausamen Kiefern den langen Dünnen. Zweimal Schlucken und Würgen und das gelbe Licht ist für immer er- loschen. Mit einem Bauch wie eine Trommel ent- schwindet der übersatte Sieger, seine Leuchtorgane schimmern matt. Die Tiefseetiere haben ihre Lampen in erster Linie, um sich in der Paarungszeit zu finden. Nicht nur Fische sind es, die in diesen Tiefen leben und leuchten. Auch die verschiedensten Formen von Polypen kommen dort unten vor. Sie weichen in der Form etwas von der uns bekannten Art ab. Einzeln« erinnern in der Form des Rumpfes an ein Torpedo. An den Seiten haben sie flügelähnliche Flossen. Born sind die Arme ähnlich angeordnet wie beim Tintenfisch. Bemerkenswert ist das große von Leuchtorgancn umgebene Auge. Auch die Fangarme haben Leuchtpunkte. Auch eine K r e b s a r t, deren Scheren ver- kümmert sind und auf langen Stielen sitzen, lebt in diesen Tiefen. Sehr feine, verästelte Fühler hat der Krebs, die mit winzigen Leuchtorganen besetzt sind. Wie Scheinwerfer strahlen seine Augen und die unter dem Körper sitzenden Lampen. Das Tier ist so zart, daß seine Organe durch die hautdünne Schal« schimmern. Er lebt von Tieren, die nicht größer als Wasser- flöhe sind. Von Zeit zu Zeit entsteht in der dunklen Oede der Tiefsee eine Orgie von Leben und Bewegung. An der Oberfläche, ein paar Tausend Meter höher, zog ein Viehdampfer vorüber. Bei starkem Sturm ging eine Kuh über Bord Kaum 300 Meter tief gesunken, war von den zwölf Zentnern nur noch die Hälfte übrig. In der kurzen Zeit hatten die Haie mit ihrem starken Gebiß gute Arbeit geleistet. Dann mußten sie die Tasel aufheben, da der Wasser- druck ihnen zu stark wurde. Andere Hungrige stellten sich ein. Fische, die in dieser Tiefe zu Hause sind, rissen und zerrten a» dem Kadaver, um nur recht schnell ihren An- teil zu bekommen. Je tiefer so ein Körper sinkt, desto lancisamer wird seine Reise. Es wird sogar behauptet, daß in Achttausend- bis Zehn- tauscndmetertiesen Schifss- rümpfe überhaupt nicht auf den Grund sinken, sondern nach ein paar tausend Metern schwebend ver- harren. Die Kuh ist allmäh- sich in der Tiesseercgion ge- landet. Es dauert nicht lange, bis einige Lampen- träger die Reste finden. Un- ruhig gleiten die hellgrünen Lichter um das sleifchjetzen- iehanr«ne Gerippe. Aus den Wenigen wird im Hand- imdrehen ein Tohuwabohu rller Arten. Ein fort- vährendca Hin- und Her- schießen, ein Flammen in Weiß, Blau, Grün, Rot und Gelb. Und zu guter Legt— die Mahlzeit wurde knapp— fallen die Festgenossen überein- ander her. Ueber die Mechanik der Lcuchtorgane ist man sich noch nicht klar. Jeden- falls wird das Licht nicht durch Phos- p h o r hervorgerufen. Man war lange Zeit der Meinung, daß den Tief- seetieren die inneren Or- gane platzen müßten, wenn sie an die Meeres- oberfläche kämen. Ich sprach mit einem Wisien- jchaftler, der am Mittel- mecr mit Ticfseenetzen ge- arbeitet hat. Tagelang hatte die Expedition kei- nen nennenswerten Er- folg. Eines Nachts sah der Wissenschaftler zu sei- nem Erstaunen hellblaues Funkenspviihen an der Wasseroberfläche. Er fischte mit einem Käscher danach und hatte einen kleinen Tiefscetintenfisch im Netz, der wild mit seinen Fangarmen um sich schlug, so daß die Leuchtorgane blaue Flammen- ringe sprühten. Man nimmt an, daß diese Tiefseebewohner insolge einer unbekannten Funktion ihres Or- ganismus nachts automatisch empor steigen. Die Frage ist aber noch nicht geklärt, wie über- Haupt über die Lebensgewohnheiten und Eigen- heilen der Geschöpfe der Tieisee Dunkel herrscht. 3)ie MauplUadt der Stäwber Qenrebilder aus Charbm/ Von ilalhun Qurdus Charbin ist die europäischste Stadt der Man- dschurei, mit europäischen Prachrstraßen und amerikanischen Hotels. Charbin rühmt sich, daß es die beste Polizei des Ostens habe und daß die Ordnung auf den Straßen beinahe preußisch sei. Und doch ist Charbin tatsächlich eine Stadt, die ganz in den Händen einiger Räuber- banden liegt. Die großen Paläste aus den Hauptstraßen stehen heute leer oder sind bevölkert von den Generalstäben der verschiedenen man- dschurischen Räuberabteilungen. Die Polizei ist wirklich sehr ordnungsliebend, ganz europäisch treibt sie Ordnungspolitik. Jedes Auto, das zu schnell fährt, wird ausgeschrieben, jeder Passanr, der aus der Hauptstrahe Papier wegwirft, be- kommt seine Strafe, aber geschieht irgendwo ein Ueberfall, dann ertönen auf der Straße Polizei- signale, damit— kein Beamter den Räubern in den Weg läuft! Ja, die Polizei wird vor den Uebersällen verständigt, damit sie rechtzeitig den betreffenden Platz räumen kann. Die Räuber regieren. Charbin war auch in der Zarenzeit der Sammelpunkt der Chunchusen, der chinesischen und mandfchurischen Räuber, die von Uebersällen und Entführungen leben und deren Existenz- dasein sich nach Fertigstellung der großen chine- fischen Eisenbahn bedeutend erweitert hat. Aber solange die Mandschurei von der japanischen Kriegsparade verschont war, konnte man in. öiharbin leben. Die Stadt hatte durch den Handel mit China ihre wirtschaftlichen Möglichkeiten und das Räuberhandwerk war noch nicht so an der Tagesordnung wie jetzt. Der Krieg hat Hundert- tausende brotlos gemacht, und viele Verzweifelte wurden wider ihren Willen in die Reihen der Räuberbanden getrieben: auf der Flucht vor dem Hungertode. Japan gibt vor, die Militärinter- oention richte sich nicht zum geringsten gegen die Banditen. Aber erst Intervention und Krieg haben das Banditenwesen zur höchsten Blüte gebracht. Niemals war Charbin in dem Maße die Haypt- ftadt der Räuber wie heute unter der Militär- besatzung. Wenn die Räuber Charbin regieren, so können sie das nur mit der stillen Einwilligung einiger Militärbehörden, die dadurch einen Grund für ihr Verbleiben haben. Die Charbiner Polizei bekommt ihre Prozente von den Räubern, das ist ein offenes Geheimnis in der ganzen Mandfchurei. Bezeichnend ist es, daß jetzt einer der Räuber- s ü h r e r, ein sehr prominentes Mitglied des „großen Bandenrates"(so nennt man das Räuberparlament, das ganz offen in Charbin tagt— auf der Hauptstraße hat diese„Behörde" 5 eigene Bllrohäuser, und jeder Char- biner weih, daß er da Läsegeld zu bezahlen hat bei Entführung Verwandter) vom Polizeipräsi- deuten Charbins zum Polizeikommissar ernannt wurde. Die Freundschaft zwischen Bon- dilen und Behörden dehnt sich auch allzuoft aus die Militärleitung aus. Der leidende Teil ist natürlich die friedliche Bevölkerung. Aber auch der kleine mandschutische Räuber lebt so kärglich wie ein Kuli, denn der Gewinn bleibt bei den großen Führern, die in Automobilen umhersahren und die besten Villen Charbins erworben haben. Das japanische Militär schießt manchmal auf die Räuber, aber natürlich nur auf die kleinen zer- lumpten Räubersoldaten. Die Mandschurei ist heute ein arme» Land und Charbin eine notleidende Stadt. Es lohnt sich nicht mehr, den mandschurischen kleinen Bürger zu berauben. Es lohnt sich aber auch nicht mehr, die reichen Kausleute zu überfallen, denn der Mandschure hat entweder sein Geld verloren oder ins Ausland gebracht. Die Banden wenden sich deshalb immer mehr dem„europäischen Geschäft" zu. In Charbin besteht eine ziemlich große amerikanische und europäische Kolonie. Hier lohnen sich Entführungen noch. Hat der Europäer selbst kein Geld, so ist seine Regierung bereit, das Lösegeld zu zahlen. Das erklärt die vielen Ent- führungen europäischer Frauen und Kinder in letzter Zeft. Bei einem Ueberfall in Charbin setzte sich die Frau eines amerikanischen Beamten zur Wehr, um ihre Kinder zu schützen. Der An- sührer der Räuber erschoß daraufhin Mutter und Kinder. Ganz Charbin kennt den Namen des Banditenhäuptlings, eines früheren Offiziers, nur die Polizei hört und sieht nichts. So weit ist es gekommen, daß die Eitern ihre Kinder nur unter bewaffneter Eskorte zur Schule schicken. Die Kindergärten werden von bewaffneten Wächtern beschützt, und es fällt nicht aus diesem Rahmen, wenn ein Kinderspielplatz in einem Park inmitten der Stadt durch sieben Maschinengewehre gesichert wird. Diesen Selbst- schütz organisiert die friedliche Bevölkerung. Man erzählt sich in Charbin, daß neulich bei der Ent- führung eines kleinen Kindes die Eltern den Abgesandten der Räuberbande kein Lösegeld be- zahlen wollten, weil sie Angst hatten, nicht den richtigen Bandenvertreter vor sich zu haben. Daraufhin sagte der Banditenhäuptling ganz ruhig:„Kommen Sie zum Polizeirevier, man wird Ihnen bestätigen, daß ich der Vertreter der Bande bin!" Für Charbin gibt es nur eine Rettung: Auf- Hebung des Militärzustandes und Aushebung der Militärgrenzen, damit es wieder arbeiten kann. Dann werden die Räuberhäuptlinge vergebens nach Soldaten suchen, denn der mandschurische Söldner hat schon lange das Räuberdasein satt, aber die Banden geben wenigstens Wasier und Brot. Es scheint auch, daß die Führer der Banditen, dir alle hohen und höchsten Osfiziers- ständen angehären, eine andere Entwicklung in der letzten Zeit befürchten. Jedenfalls beginnen sie ihr verdientes Geld nach dem Auslände abzu- schieben. Aber solange der Krieg wütet, wird auch Charbin seine Räuber haben, die nur eine Begleiterscheinung des Krieges sind! Aus dem anderen Lager Nazi-Neuendorff fordert den Heldentod für die Jugend ! Dr. Neuendorfs, der Mann, der jahrelang als Leiter der Preußischen Hochschule für Leibes- Übungen in Spandau von der Republik sein Ge- halt nahm und wohl auch jetzt noch eine gute Pension zu verzehren hat ist nun endlich und offiziell bei den Nationalsozialisten gelandet. Im„Völkischen Beobachter" vom 7. Dezember veröffentlicht der 2. Vorsitzende und Iugendwart der Deutschen Turnerfchaft«inen langen Artikel unter der Ueberschrift„Eine Lebensfrage des Volkes: Neue deutsche Leibes- Übung!" Daß Herr Dr. Neuendorfs nationalsozialistische Bedankengänge hat. konnten wir schon öfter fest- stellen. Nunmehr verbreitet er sich im„Völkischen Beobachter", dem Zentralorgan Hitlers, mit aller Deutlichkeit darüber, wie er sich dos Turnen und die Leibesübungen im Sinne nationalsozialistischer Politik vorstellt. Weg mit den Turnhallen, weg mit den Sportplätzen, dafür Kosernenhöfe, das ist die Losung Dr Neuendorffs.„Vom individualistischen Sport zum völkisch-sozialen Turnen müsse die Losung für d'e Leibesübung der Zukunft fein", sagt er in seinem Artikel,„dann werde dem jungen Menschen auch W e h r w i l l« und W e h r s ch a f t des Gemütes kommen, die sich schließlich im gesunden Jungen und Mann von selbst zur Wehrfähigkeit steigern. Der junge soziale Nationalismus wisse, daß nur ein wehrhaftes Volkstum Zukunft hat. Das sei die gesunde Reaktion gegen den Individualismus des Sports und die Zuchtlostgkeit und Formlosig- keit unseres Lebens. Die Wehrpflicht werde hoffentlich wiederkommen, denn sie entspringe dem natürlichen Bedürfnis unserer Jugend!" Das Fehlen der Wehrpflicht ist Dr. Neuendorfss größter Aerger. Das ist verständlich, wenn man weiß, daß er schließlich sich nicht mehr auf Ka- sernenhöfen kujonieren lassen braucht und einen künftigen(von ihm sicher sehnlichst herbeige- wünschten) Krieg höchstens noch in der Etappe mitzumachen braucht. Es hat unzweifelhaft etwas Erhebendes, die Jugend für sich den Heldentod sterben zu lasten, selbst aber dann mit dem E. K. I geschmückt in allerlei Ausschüssen für Leibesübun- gen herumzufunktionieren. Dann kann man auch wieder Leiter einer echt preußischen Schule für Leibesübungen werden und dort Rekorde im Hand- granatenwerfen aufstellen lasten. Das Ideal Herrn Dr. Reuendorffs und seiner nationalsozialistischen Borgesetzten ist dann erreicht. * Die in Süddeutschland gegründete Berufs- f u ß b a l l g e f« l l f ch a f t, die sich rühmt, eine ganze Anzahl Vereine hinter sich zu haben und in allernächster Zeit mit dem Spielbetrieb beginnen zu können, hat jetzt ihr geistiges Oberhaupt, den Baurat Ludwig Kraus, aus Starnberg nach Berlin geschickt, damit er hier das Feld für V«° rufsfußballspiele sondiere. Er ist voller Hoffnung, obschon selbst in Süddeutschland der Berufsspieler- gesellschaft noch nicht ein einziger Platz zur Ver- sügung steht, weil die vereinseigenen wie auch die städtischen Plätze den Berufsspielern ver» weigert werden. Kraus meint, daß im Januar bestimmt der Spielbetrieb beginnt, auch wenn keine Einigung mit dem Deutschen Fußballbund zustande kommt. Zunächst ziert sich der bürgerliche DFB. immer noch. Er hat bisher eine klare Msage an die neuen Berufsfußballspieler nicht gegeben, man hat sich darauf beschränkt, die neuen Leute hinzuhalten. Erst kürzlich hat ein prominenter Führer der DFB. der Befürchtung Ausdruck gegeben, daß die in den ersten Mannschaften spielenden Fußballer kaum geneigt seien,„andere Götter neben sich zu dulden", das heißt nicht mehr und nicht weniger. als daß die Fußballkanonen den Ruhm für sich allein beanspruchen. Vielleicht hat man auch einige Furcht davor, daß die Berufsspieler die guten Ein- nahmequellen zu sich lenken könnten. Wie es aber im Deutschen Fußballbund bisher immer gewesen ist, so wird es auch jetzt wieder kommen: Man wird sich nach langem Hin und Her schließlich auf Irgendeiner Basis auch niit den neuen Be- rufsspielern einigen. Die Arbeiter-Kegler Schluß der Klubserienkämpfe Mit dem Rückkampf zwischen„Frei Holz"- Spandau und„Rührige Mannschaft" haben die Klubserienkämpfe 1332 des Gaues Berlin- Brandenburg im Deutschen Arbeiter-Kcglerbund ihr Ende erreicht. Für„Rührige Mannschaft" war der Kampf auf den Heimatbahnen von„Frei weg" eine aussichtslose Sache und und er mußte mit einem Plus von 88 Holz den Spandauern den Sieg überlassen, wobei Gauvorsitzender Schil- fing,„Frei weg", mit 73g Holz bester Cinzelkegler wurde. Die fünf Vereinsbesten waren: R. M.: l. Wieland 720 S.l 2. Wörvel 709 S: 3. Hilde- brandt 706 4. Bcfi 700 5.; ö.' Kraule 700 S.; ins. «elamt 3533 H.- Frei Holz: 1. Schilling 736 S.; 2. Tliiele 723 H.; 3. Schick 723 6.; 4. Maoni 722 5. Morgenrotb 714 insgesamt 3623 H. Das Gesamtergebnis der Klubserien- kämpfe nach Vor- und Rückkämpfen zeigen die Tabellen: G r u v v e K: �. jBP'dc gew verl. Punkte Frei»ol,. Spandau... 3 6 2 4-12— 4 Barwärto....... 8 ö 8+i«— 6 Rübrtge Mannschaft.. 8 3 5 4-6—0 »noclc......... 8 3 5 4. 6—10 Fiel roeg-Brandendurg.8 3 5 4- 6— iu ® r u o p e B: Spiele gew. verl. Punkte 8u lptg........ 4 3 I 4-i—2 frei weg 1925..... 4 2 2 4-4—4 rei-Sciimimme.-Spanö. 4 13 4-2—« Aampshähne...... 0———— Arbeiter- Wintersport Neue internationale Wettkampfregeln Der Wintersportfachausschuß der Sozialistischen Arbeitersportinternationale(SASJ) hat die internationalen Wettkampfregeln den neu- zeitlichen Verhältnissen angepaßt. Der Slalomlauf ist international zugelassen worden. Für die zu- sammengesetzten Läuse wurden neue Berechnung»- tabellen beschlossen. Als kombinierte Läufe können in Zukunft ausgeschrieben werden: Langlauf 15 Kilometer und Sprunglauf, Abfahrtslauf 8 Kilo- meter und Sprunglauf, Slalom- und Abfahrts- lauf. Lang-, Abfahrts- und Sprunglauf. Der Ab- fahrtslauf bis 8 Kilometer ist auch als Einzelwett- kämpf zulässig. Dauerläufe als Mannschaftswett- kämpfe wurden abgelehnt. Die Höchstgrenze für Frauenläufe wurde von 1l) auf 5 Kilometer herabgesetzt. Die von Oesterreich vorgeschlagenen Regeln für Eisschießen sind in die internationale Weit- tampsordnung aufgenommen worden. Jnternatio- nale Wetikchnpfe im Sprunglauf dürfen künftig nur auf Sprungschanzen ausgetragen werden, die von den Landesverbänden genehmigt worden sind. Achtung, Klingenthal! Für das große mitteldeutsche S k i f a h r e r- treffen der Arbeitersportler und Naturfreunde Weihnachten in K l i n g e n t h a l hat die Reichs- bahn zwei Sonderzüge mit 50 Proz. Fahrpreisermäßigung bewilligt. Die Züge fahren: Ab Leipzig am 24. Dezember um 17.55 Uhr: ab Allen- bürg 18.38: ab Werdau 1S.15 Uhr: an Klingenthal 21.57 Uhr. Ab Dresden 17.22 Uhr: ab Chem- Nitz 1S.30: an Klingenthal 22.48 Uhr. Fahrpreis ab Leipzig 6, 3g M., ab Allenburg 4,50 M., ab Dresden 7,7g M., ab Chemnitz 4.40 M. Die Rückfahrt erfolgt am 26. Dezember für Leipzig um 18.43 Uhr, für Dresden um 18.24 Uhr. Die Be- stellung der Fahrkarten kann für d'e Abfahrt von Leipzig durch die B.indesleitung für Wintersport, Leipzig L 3. Fichtestr. 32— 34, erfolgen. Bei der Bestellung ist der Betrag mit einzusenden. Für die anderen Zusteigeorte wendet man sich an die Fahrkartenausgabestellen. Wer sich an der Massen- jpeisung, 40 Pf., beteiligen will, muß Eßgeschirr mitbringen. Ringkämpfe im Zirkus Busch. Am Mittwoch- abend gab es bei den Berufsrtngkämpfen im Zirkus Busch gleich vier Entscheidungskämpse. Der Favorit im Mittelgewicht Grüneisen konnte den Letten Krummin nach einem von K. lange völlig offen gehaltenen Kamps erst in der 50. Mi- nute durch einen plötzlichen Schleuderzug über- raschen. Badurski siegte über den herkulischen Paßmann in der 18. Minute. Bei den Schweren siegte Weinura über Luppa in 34 Minuten durch Armzug, und Pietro-Scholz verlor gegen den schwersten Grikis in der 18 Minute durch Ein- ' drücken der Brücke. Heut« stehen wieder vier Entscheidungen aus dem Programm. Der Berliner Voxklub 1932, Mitglied des Arbeiter-Athletenbundes, veranstaltet Freitag. 16. Dezember. 20 Uhr, in der Turnhalle, Köpenicker Straße 2. einen Werbeabend bei freiem Eintritt. Freie Wasscrsahrer Köpenick 1924. Sonnabend, 17. De- zember, 19 Uhr, im Bootshaus« erweiterte Porstandssitzunq. Sonntag, 8. Januar, 15 Uhr, UN Bootshause General- Versammlung. Anträge bis 17. Dezember an den Bor. stand. 25. Dezember im Bootshaus« Sonnenwendfeier. Deginn 17 Uhr. Tegel. Adler 08 sucht lausend Spiele silr 2. und 3. Männer- Mannschaft. Angebote an H. Totzeck, Wadzeckstr. 20. Touristcunerein„Die R-tursrenude». Ortsgruppe Berlin. Pslichtveranstllltuna Sonntag, 18. Dczemoer, 17 Uhr, Wintersonncnwendfeier im«irandschlotz Tegel. Unkosten. Bergstr. 29.— Photoarbeitsgemeinschast Osten: Frankfurter Allee 307. Lichtbildervortrag— Sirdost: Manteuffelstr. 7. Die Abteilung Südost„einst und jetzt in Lichtbildern.— Faltbootabteilung: Johannisstr. 15. Politische Tageskragen. — Cbarlottendurg: Spreestr. 30. Modernes Weltbild und die Kirche.— Treptow: Elsenstr. 3. am Bahnhof Trevtow. Verstehen und Begreifen.— Britz: Feslsaal der Ideal- stedlung, Hannemannstraße. Arbeitsgemeinsibaft.— Mustk. arbeitsgemeinschaft, 1. Abteilung. Friedrichshatn: Bei Ch. Schönrok, O. 17, Paul-Singer-Str. 50, I.— Musik. arbeitsgemeinschaft, 2. Abteilung. Humboldthaiu: Im Mu» s-kzimmer des Jugendheims Lortzing. Ecke Kraunstraiie.— Montag. 1«. Dezember. Malgemeinschaft: Manteuffelstr. 7. — Vhctostammabteilung: Johannisstr. 18. Lustiger Jahres. abschlug. Solidarität, Radfahrer. Touren für Sonntag, 18. De. zember: Abt. Kreuzbcrg: Fußtour durch Alt-Berlin. Start: 14 Uhr Brirdecstr. 16, bei Lohonn.— Abt. Vrenzlauer zol......»W»»> Fränzcl, Reinickendorfer Str. 42.— Abt. Steglitz.Lichler. selde: 16 Uhr Weihnachtsfeier im Bercinslokol. Steglitz, Birkbulchstr. 90.— Heimabende der Jugend: Abt. Fried. richshoin: 20. Dezember. 20 Ubr, Jugendheim Ebsrtvstr. 12. — Abt. Neukölln: 21. Dezember. 191p Uhr. Ein lustiger Ighresquerschnitt. Fluahafenstr. 68.— Abt. Kreuzberg: 19. Dezember. 20 Uhr. Jugendbeim Wassertorstr. 4.— Mo». tag. 19. Dezember. Berwalwngssttzung bei Lobann. AST. Hockey. Sitzung Donnerstag. 15. Dezember, 20 Uhr, bei Iufchkat, Hohenlohe» Ecke Goßlerstraßc. Zur Bernoll- ständigung der 3. und der Iugendmannschaft werden noch Ritglieder ausgenommen. l-rxend ein kleines, gar nicht tettresGesdienk macht oft am meisten Freude. Aber was?— Schlendern Sie einmal gemütlich durch den„Weihnachtsmarkt bei Leine weber": Er gibt Ihnen so viele Anregungen! Und Sie selbst werden den größten Spaß daran haben, in der stimmungsvollen Um« gebung das richtige Weihnachtsgeschenk za wählen! Diese Geschenkpackungen« werden ganz bestimmt Freude machen: Ein eleganter Binder, und hübsdie Locken aus haltbarem Flor Mk. ein farbiger Wollschal, und Socken in modernem Jacquardmuster Mk. ein reinwollener Pullover mit einem schicken sportlichen Wollbinder Mk. V| Dtzd. Taschentücher aus feinem Mako, u. reinwollene Socken Mk. ein PopelinC'Oberhemd, sehr geschmackvoll, u. ein eleg. Binder Mk. eine Gamit. Unterwäschei 2. Feiertag 4 Uhr Die RrkaDfte Braut Itaafi ineafer Donnerstag, den 15. Dezember sraarsoner unter den Linden 20 Uhr 2. Sinfonie-Konzert Leitung: Olfo Klcmocrer Solist: Walter Gieseking siaaiiicnes scnauspieinaus 19 Uhr Faust I. Teil VOLKSBÜHNE 1 Theater am BfiSewpraiz 'Morden 6536. Täglich 8�4 Uhr Das neue Paradies von loliD« Hat. Regie. Heinz Hilpert Maurus. Wohlbrück, Dahlke, Horney Auch Sonntag nachmittag JW Uhr in P r« m i e r e n d e s e t z u n g Kleine Preise Drei Codonas 6 von d. Staatsoper j i Valtto's• 8 Balitorn| Angoly's usw. >onnabcnd und Sonotar I auch 4 Uhr zu kl. Preisen Flora 3434. Rauchen erl. 1 Dos führende Varie+c siüdisOper Chariotienbura Fraunhofer 0231 Turnus I 20 Uhr Madame Butterfly Berger, MQUer. Cavara, Hüsch, Qombert, Kanal, Sieier Dirigent: Ladwig 8a Ba Ba ßendows Laote Böhne Xotibnuer Strade 6 Obcrbanm 3599 ..von A-Z" riglich»»,« Uhr Sonnt, nachm. SVt Knrlüfslenfl.TD. kockörstnuleoim 299 Tel Bism. I40u Tägl.*- rstenc I Urs Unr; ktcbtwetellurc Restaurant Paul WelO Schönhauser Allee 100 Ecke Bornho�merStr. Verkehrslokal der Partei wirksam sind<19 KLEINEN ANZEIGEN in der Gesamtauflage Am„Varwäru-* w* treude» 1 Die sparsame Haustrau bevorzugt RECO Emaille-Geschirr Ole bekannte gute Harke Zu haben In allen elnschläg. Geschäften