Morgen- Ausgabe Nr. 591 A290 49. Jahrg. �Rehoftlon und Verlag, Verlin t�S. Lmdenslr 3 Fernw ecNer � 1 Qlmr Dönko'l U? dt» 2S7 Telegrammadresie: Sozialdemokrat Berlin BERLINER VOLKSBLATT FREITAG 16. Dezember 1932 In Groß• Berlin 1 0 Pf. Auswärts...... 15 Pf. Bezu ßbcMnaungen und Anze g-�vreise siehe am Schlutz bei cehaltioitetten Teil» Jentvalorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Das Programm des Kanzler-Generals lVIilitäriseke Betracktunsen über>Virtsebakts- ancl Sozialpolitik Es sprach: Herr General von Schleicher Einen neuen Reichskanzler hatte der Ansager im Rundfunk angekündigt. Ader als die Rede zu Ende war, sagte er:„Es fp.ach cherr General vo-n Schleicher." Das Entscheidende ist damit schon ausgesprochen. Papen, der nichts als den Herrenklub hinter sich hatte, berief sich immer aus die Vorsehung. Schleicher sprach niemals vom lieben Gott, desto öfter von seinen Bataillonen. Papen fühlte sich unsicher, darum neigte er zu Exzessen der Gewalt. Schleicher fühlt sich so sicher, daß er sich sogar den Luxus der Höf.ichkeit gestatten kann. Und nur, als wäre es ganz unabsichtlich, läßt er leise den Säbel klirren. Der General von Schleicher will als über- parteilicher Sachwalter der Interessen aller Tevölkerungsschichten angesehen werden. Aber so etwas gibt es nicht. Er. der weder zu den Kapitalisten noch zu den Sozialisten gerechne« werden will, hol sich mit größter Deutlichkeit für den kapitalistischen Weg entschieden. Er übernimmt Popens Wirtschaftsprogramm als geeignete Grund- läge Das ist die entschiedenste Ablaae an alle Pläne, die aus der Ueberzeugung geboren .sind, daß die tiefgehende Krise des Kapitalis- mus zu sozialistischen Lösungen drängt. Der Grundgedanke von Popens Wirtschafts- prcg.'amm ist die Wiederbelebung der Privatwirtschaft, die kapitalistische Offensive. Das bleibt, und Herr von Schleicher erklärt, daß er in engster Uebereinstimmung mit dem Reichsverband der Deutschen In- dustrie stehe Es bleibt die reaktionäre Agrarpolitik es bleibt der Versuch der agrar- politischen Absperrung Deutschlands, die künstliche Hcchhaltung der Preise der Agrar- Produkte, es bleiben die Widersprüche, die zwischen dem platonischen Bekenntnis zur Wiederbelebung des Binnenmarktes und dem Nachgeben gegenüber dem Drängen des Grrßaarariertums bestehen. Die Veränderung gegenüber dem Papen- Programm liegt im wesentlichen nur in der Verstärkung des Anteils der ö f f e n t l i ch e n Arbeitsbeschaffung. Herr von Scbleicher hat aus dem Papen-Programm die Teile weggelasten, dessen Versagen heute schon ganz eklatant hervorgetreten ist. Er hat statt dessen den Weg zur öffentlichen Arbeits- beschaffung eingefch'agen, der durch den Bankrott der Einftellungsprämie schon ganz klar oorgezeichnet war. Zugleich sollen die Teile des Papen-Pro- gramms fallen gelassen werden, die die kapi- taU' ische Offensive zur Provokation ge- macht haben Der sozialvolitische Teil der Notverordnung vom 4. September wie die Lohndriickoerordnung vom 5. September sind aufgehoben Der Reichskanzler erklärt nun. daß eine weitere Senkung der Löhne wirtschaftlich nicht zweckmäßig und sozial nicht erträglich sei Wir erblicken darin nicht ein soziales Zugeständnis eines„sozialen Generals"— es ist lediglich die Konse- quenz eines Zustande, der sich im Kampfe herausgebildet hat! So ist das Schleichersche Wirtschaftsprogramm ein Programm des Wiederaufbaus des Kapitalismus, ein Bekenntnis zu Methoden, die im Paven-Kabinett entworfen sind und im Hugenberg-Lager im großen und ganzen täglich gebilligt werden. Es ist Papen-Kurs im gemäßigten Tempo. Es ist kapitalistische Offensive, zwar nicht im Tempo des Herrenreiters, wohl aber im Tempo des systematisch vormarschierenden modernen Soldaten, der Respekt vor dem Gegner ge- lernt hat! Dieses Programm steht im strikten Gegen- satz zu den Plänen der sozialistischen Aktion. Es wird der grundsätzlichen sozialistischen Opposition der Sozialdemokratischen Partei begegnen! Herr von Schleicher hat weiter die Auf- Hebung der politischen Notver- ordnungen angekündigt: in welchem Um- fang, ist heute noch nicht sichtbar. Er hat diese Ankündiguno verbunden mit einer Drohung gegen Parteien, Verbände und Presse. Diese Ankündigung in dieser Form ließ erkennen, daß Herr von Schleicher dikta- torisch wirken will, nicht mit der offenen Dil- tatur, sondern zunächst mit der Androhung der Diktatur. Daß er sich dabei mit einseitiaer Schärfe gegen die Kommunisten wandte. obwohl die meisten und schlimmsten Gewalt- taten der letzten Monate von ganz anderen Leuten oerübt worden sind, ist mit seiner an- geblich überparteilichen Einstellung nicht ver- einbar. In der P r e u ß e n f r a g e ist von einer Rückkehr zu verfassungsmäßigen Zuständen nicht die Rede. Der Wille der Reichsregie- rung soll in Preußen Gesetz sein— erst dann sollen die Kommissare zurückgezogen werden! Mit Spannung haben die Erwerbs- losen und die Notleidenden den Erklärun- gen des Herrn von Schleicher über die Winterhilfe entgegengesehen. Was er ihnen bietet, ist wenig: Frischfleischverbilli- gung und Kohlenverbilligung. Seine Wen- dung gegen die Reichstagsausschüsse läßt er- kennen, daß die Erwerbslosen darüber hin- aus nicht viel mehr zu erwarten haben! In der Außenpolitik be'chränkle sich Herr von Sch'eicher aus eine tiefe Verbeugung vor Mussolini und eine kleine, etwas spötti- sche vor dem Völkerbund. Und damit kam er auf das Gebiet, das ihm am nächsten liegt: das militärische. Merkwürdig, daß er hier am stärksten doneben griff! Hätte Herr von Schleicher das wirkliche Leben im Felde kennengelernt, so hätte er nicht von der Kameradschaftlichkeit im alten Heer gesprochen! Dieser Slusspruch wird bei dem größten Teil der ehemaligen Frontsoldaten dem bitter st en Protest begegnen. Er wird viele, die der Landes- Verteidigung keineswegs absolut negierend gegenüberstehen, hellhörig und mißtrauisch machen Herr General von Schleicher, es hat keine Armee gegeben, die stärker aus dem System der Klassenherrschaft und des Kadavergehorsams beruhte, als die königlich preußische! Jeder Versuch, chren Geist in einer künftigen Miliz wieder aufer- stehen zu lasier., wird dem schärfsten Widerspruch aller begegnen, die nicht zum alten Obrigkeitsstaat zurückwollen. Es sprach— der General von Schleicher, der General des Bürgerblocks. Ihm kün- digt Herr Goebbels Opposition an— nach Weihnachten! Ob diese Ankündigung wahr gemacht wird, ist abzuwarten. Die Sozial- demokratie braucht ihre Opposition nicht erst anzukündigen. Sie macht sie schon, und sie bleibt dabei! Die«rogrammrebe Schleichers Der Reichskanzler äußerte sich am Donnerstagabend in einer Rundfunk- rede über das Programm der neuen Reichsregieruug. Schleicher begann mit der Feststellung, daß er gegen die Annahme des Kanzleranus„schwerste Beoenken" gehabt hätte. Einmal hätte er nicht der Nachiolger seines Freundes Popm sein wollen „dieses Ritters ohne Furcht und Tadel", serner rieche„der Wehrminister als Reichskanzler nach Militärdiktatur" und schließlich könnte„durch eine Verbindung der beiden Aemter die Wehrmacht zu stark in die Politik gezogen werden". Nur die Ueberlegung, daß eine solche Maßnahme den Ernst der Situation scharf kennzeichnen und aus gewisie Unruhestister abkühlend wirken würde, baß dadurch der tatsächlich« Einsaß der Wehrmacht verhindert werden könne ha e ihn zur Zurück. stellung seiner Bedenken veranlaßt. Schleicher fuhr dann fort: Ich glaube das um so medr sagen zu dürfen, als meme Anstchte'. üb r Militärdiktatur nickt erst von heute sind und allgemein bekannt sein dürsten. Ich habe es Ich.ni ver'ch'e�entlich zum Ausdruck aebrackt und wieder- hole es heute: Esptztsichschlechtousden Spitzen der Bajonette, d. b. man kann aus die Dauer nicht ohne breite Volksstimmung hinter sick regieren. Mein Programm begeht aus einem einzigen Punkt:„Arbeit schassen!" Alle Maßnahmen. die die Reichsreaierung in den nächsten Monaten durchführen wird, werden mehr oder weniger dieiem Ziel dienen. Ich habe mich in den letzten Wochen auf Fahrten durch die deutschen Lande davon über- zeugen können, daß die Deutschen oller Stände ausschließlich der eine Gedanke beherrscht:„gebt uns Arbeit und damit die choisnung zum wirtschaftlichen Wiederaufstieg!" Alles andere interessiert uns nicht, am wenigsten verfasiungsänderunoen und sonstige schöne Dinge, von denen wir nicht satt werden. Zch habe deswegen dem kierrn Reichsprösiden'en die Ernennung eines Ke'chskommissars für Ar- beitsbeschofsung vorgeschlagen. Das Programm muß in erster Linie auf die Instandsetzung der vorhandenen Produktionsgüter und auf ihre Berbesie- rung abgestellt werden, und die Vergebung der Arbeiten an Unternehmer ist der Ausführung in eigener Regie vorzuziehen Außerdem wird sicher- gestellt werden, daß die bereitgestellten Geld- mittel ausschließlich für die Finan- zierung dieser Arbeiten oerwendet wer- den. Entscheidend wichtig war es. daß für diese Finan.'ierung eine Lösung oefvnden w�rde die jede Inflation ausschließt. Dafür bietet die Mitarbeit des Reichsbaukpräsi- denken Luther, den man wohl als den Grals- Hüter der Währung bezeichne» darf, die sicherste Garantie. Die gegenwärtige Finanzlage Deutschlands kann man folgendermaßen charakterisieren: Wir werden im laufenden Etatsjahr im Reiche ohne neue Steuern und ohne weitere Kürzun- gen der Personalausgaben durchkam- inen. Da- Reich hilft Länceni und Gem-inden. deren finanzielle Verhältnisse zum Teil sehr schwierig liegen, durch organisatorische und sinon- zielle Maßnahmen. Mit der Frag? der Arbeitsbeschassung hängl die Siedlung eng zusammen. Ue er die ftotw-udlak.nt zu sied In. und zwar so schnell und so viel wie möglich, sind wir uns alle ein'g. In den Landbezirken Ostpreußen. Grenzmark. Pommern und Mecklenburg wird der Siedlung folgendes Land zugeführt werden: m Ostpreußen etwa 800 000 Morgen, in der Grenzmark etwa 100 000 in Pommern etwa 280 000, in beiden Mecklenburg etwa 120 000 Morgen. Es ist eamst zu recknen. daß sich diele Zahlen in der weiteren Abwicklung des Osth'Ifeverfahrens, die aufs äußerste beschleunigt werden wird, noch sehr er- heblich erhöhen werden. ?apen»?rogramm bleibt Ich bin ketzerisch genug, einzugestehen, daß ich weder ein Anhänger de- Kapitalismus noch oes Sozialismus bin, daß für mich Begriff« wie„Pri- val- oder Planwirtschast" ihre Schrecken verloren haben, ganz einfach, weil es diese Begriffe in ab- soluter Reinheit im Wirtschaftsleben gar nicht mehr gibt, auch gar nicht mehr geben kann. Und deshalb vertrete ich den Standpunkt, man soll in der Wirtschaft das tun. was im gegei encn Moment vernünftig ist unv aller Wahrscheinlich- keit nach zu den besten Resultaten führt. Die Regierung wird nach wie vor ihr Augen- merk in erster Linie auf eine Belebung des Binnenmarktes richten, der die stärksten Schrumpfungen aufweist Sie ist sich ober dar- über klar, daß auch die größte Belebung des Binnenmarktes nicht ausreicht, um für Brot und Arbeit zu sorgen Vom Binnenmarkt allein aus wird es nicht möglich sein im einenen Lande qe- nüaend Lrbeit-möalichkeiten bereitzustellen. Wir müsien vielmehr für einen erheblichen Teil un- serer Bevölkeruno Beschästiaurig dadurch schassen. daß wir Waren für da- Ausland erzenoen. Don trefer Gruv.deinstelluna aus hat die frühere Regierung ihr b-kanntes Wirtlchaflsvrogramm ausaebauit. Diese» W i r t s ch a s l s p r o- qramm hält auch d l e geaenwörHge Regierung In seinen wesentlichen Teilen für eine geeignete Grund- läge zur Lösung der wirischast' lichen Entwicklung. Agrarische Hochsckutzzollpolitik Noch wie vor besteht ein Mißverhältnis zwischen überhöhten Produktionskosten der Landwirtschaft und den Preisen der landwirtschastlichen Erzeug nisse. Hier muß ein Ausgleich geschaffen werden. Sobald hier die handelspoiitifchen Schwierigkeiten fortfallen und wesentliche Erleichte- Hingen eintreten, wird die Reichsregierung von ihrer Zollauwnomie im I n t e r e s s e der Land- w-rtschaft in dem erforderlichen Ausmaße Gebrauch machen. Außerdem wird sie der über- mäßigen Einfuhr ein'elner Waren auf dem handelspolitischen, jeweils geeigneten Wege ent- gegenwirken. Ihr ganz besonderes Augenmerk wird die Reichsreaierung aus die L e s e i t i g u n g der Vermischung von Staats- und Privotwirtschast richten. Es geht nicht an. daß große Unternehmungen alle Vorteile der Privatwirlschast g-nießen wollen, alle Räch- teile aber, vor allen Dingen also das Risiko, auf den Staat abwälzen. Für Betriebe, die in irgendeiner Form mit Slaatsgelde'n arbeiten, dürfen in Zukunft nur die Grundsähe für Staatsbetriebe Gellung haben. Zede andere Regelung bedeutet eine nicht zu rechlsertigende Bevor- zugung einzelner aus kosten der Allgemeinheit. Alle Maßnahmen, Arbeitsbeschaffung, Siedlung und Ankurbelung der Wirtschaft müssen aber erfolglos verpufsen, wenn das Vertrauen auf stabile Berhültnisse und der Glauben an eine bessere Zukunft fehlen.. Line Kriegserinnerung Es ist etwas viel verlangt, m dieser schweren Krisenzeit freudige— ich unterstreiche das Wort „freudige"— Mitarbeit zu verlangen und doch weiß ich, daß beim deutschen Volke auch dies möglich ist, wenn bei allen notwendigen Anord- nungen der soziale Gesichtspunkt be- rücksichtigt wird. Also ein sozialer General, höre ich manchem meiner Zuhörer mit zweifelndem oder sogar spöttichem Achselzucken sagen. Ja, meine Damen und Herren, es hat in der Tat nichts Sozialeres gegeben, als die Armee der ollgemeinen Wehrpflicht, in der Arm und Reich, Offizier und Mann in Reih und Glied zusamenftanden und in den Wundertaten des Weltkrieges eine Kamerad» schaft und ein Zusammengehörig» keitsgefühl bewiesen haben, wie es die Geschichte nicht seinesgleichen kennt Vor einigen Tagen ist mir eine Ausarbeitung vorgelegt worden. die sich mä dsr inneren Disziplin der Truppe im Wellfriege befaßt und die ein besonders eindrucke' Nolles Bild davon gibt, von welch' ausschlaageben« der Bedeutung für Disziplin und Geist der Truppe die soziale Einstellung der Führer aller Grade gewesen ist. Damals wie heute das Gefühl: Wir wollen für Volk und Land die größten und schwersten Opfer bringen, aber nur wenn diese Opfer allen Bevölkerungslreisen gleichmäßig auferlegt werden! Das ist die Zauber- sormel. Aus dem Gebiete des Sozialrechts ist eine ge- wisse Entspannung schon dadurch eingetreten, daß der Reichstag die Aushebung der weitgehenden Ermächtigung der Reichsregierung aus dem zweiten Teil der Verordnung vom 4. September l932 beschlossen hat. Ich nehme an, daß dieser Beschluß nach entsprechender Stellungnahme des Reichsrats schon in den nächsten Tagen Gesetzes- kraft erlangen wird. Die auf dieser Ermächtigung beruhende Verordnung zur Vermehrung und Er- Haltung der Arbeitsgelegenheit vom 5. September 1332, die starke Eingriffe in den Tarifvertrag ge- bracht hatte, ohne die in sie gesetzten Erwartungen auf dem Gebiete des Arbeitsmarkts zu erfüllen, Hot die Reichsregierung bereits aufgehoben. Die schwierige Lage unserer Wirtschaft und die weit- verbreitete Kurzarbeit hat die Arbeitseinkommen tief herabgedrückt Eine weitere allgemeine Senkung ist weder foziolerträglich noch Wirtschaft- lich zweckmäßig. �nlzursicksmle Winterhilfe Als besondere Winterhilfe wird von der Regierung folgendes veranlaßt werden: Sie wird vor allem die Z r i I ch f l e i f ch v e r b i l l i- g u n g verstärken und. wie Im Vorjahre, über die Hilfsmaßnahmen der Kohlenerzeuger und der Reichsbahn hinaus eine weitere Verbilli- gung der hausbrandkohle für die notleidende Bevölkerung auf Reichskosten vornehmen. Zerner wird sie den Kreis der Empfänger auch auf die alleinstehenden lln'erstühungsberechlig- ten, zu denen auch die Kleinrentner gehören, ausdehnen Ob es möglich ist, die Hilfsmaß- nahmen noch über diesen Rahmen hinaus zu erweilern, vor allen Dingen in der verbilligung von Milch und Brot, hangt von dem E r g e b- nis der Verhandlungen ab. die in diesen Tagen gepflogen werden. kleine �usnehmeverordnunsen— aber Drohungen! Die zur wirtschaftlichen Beruhigung notwendige Ausschaltung aller absichtlichen Störungen hat in der Vergangenheit leider eine große Zahl von Ausnahmebestimmungen nötig gemacht. Ich ge- stehe, daß ich es für verhängnisvoll halten würde, wenn wir in Deutschland au? die Dauer nicht ohne diese scharfen Beslimniungen auskommen könnten. Ich habe deshalb den Herrn Reichspräsidenten ge» beten, die zweifellos eingetretene Beruhigung zum Anlaß zu nehmen, um derartige Ausnahmebestimmungen aufzuheben um endlich einmal wieder zu normalen Rechtsverhältnissen zurückzukehren. Der Herr Reichspräsident will diesem Vorschlag im Vertrauen au? den gesunden Sinn der ordnungs- liebenden Bevölkerung entsprechen, hat dabei aber zum Ausdruck gebracht, daß er nicht zögern würde, eine scharfe Verordnung zum Schutze des deutschen Volkes zu erlassen, falls er sich in feinen Erwartungen getäuscht sieht. Ein Wort zur preuhensrage. Ich weiß sehr wohl, daß die Beseitigung des Dualismus Reich- Preußen de jure heute nicht zu erreichen ist. Ich weiß aber ebenso gut, daß die Gesahrenlage noch aus längere Zei» hinaus vorbanden ist. die die Einsehung eines Reichskommissars in prcu- ßen notwendig gemacht hat. Eine Aushebung des Relchskommisiariats kann also nur in Frage kommen, wenn diese Gefahren- lag« nicht mehr besteht oder wenn an Stelle des Reichskommissars andere ausreichende Garantien für eine übereinstimmende politische Führung in Reich und Preußen geschaffen sind. Eine Frage, die dem Wehrminister besonders am herzen liegen muß. ist die körperliche und geistige Ertüchtigung der Jugend. Das Kuratorium für Jugendertllchtigung und die Organisation des freiwilligen Arbeitcdienstes sind neben den staatlich unterstützten Sportvereinen aller Art die Früchte dieser Bemühungen. Die Winternot der erwerbslosen Zugend hat die Reichsregierung zum Rolwerk der deutschen Zugend veranlaßt. Die Reichsregierung wird ollen geeigneten Ein- richtungen, insbesondere auch freiwilligen Käme- radschasten jugendlicher Erwerbsloser öffentliche Mittel zur Verfügung stellen, wenn sie gewill: sind, den Teilnehmern gemeinsame Vervflegunq, körperliche Uebunaen und geistige Fortbildung zu verschaffen.� Die Unterstützung soll ein Anreiz zur Hilfe aller Schichten des Volkes sein und den Ver- bänden und Bünden ein großes Feld segenbringen- den Dienstes in Verbindung mit Staat und Selbst- verwaliung�eröffnen. Die Erfahrungen von Bün- den und Stadtverwaltungen beweisen, daß dos Notwerk in großem Ausmaße erfolgreich gestaltet werden kann. Verbeugung vor Mussolini Das Schicksal der Abrüstungsfrage wird. da-'über ist sich alle Welt einig, auch für das Schicksal des Völkerbundes und damit für unsere weitere Mitarbeit im Völkerbund von maßgebender Bedeutung sein. Was die Aufrüstung anbetrifft, so habe ich immer wieder betont und tue das auch heute, daß wir bereit find, unsere Wehrmacht nur noch mit Messer und Pappschild auszurüsten, wenn unser« Nachbarn desgleichen täten. Das sieht nicht gerade nach Aufrüstung aus. Ich habe allerdings auch mit aller Deutlichkeit ausgesprochen, daß das deutsche Volk nicht gewillt sei. sich wehrlos den hals abschneiden zu lassen, daß seine Wehrmacht ihm also dieselbe Sicherheit garantieren müßte, wie jedem anderen. Ein Volk, das in der Wehr- frage unter Ausnahmerecht steht, ist nicht souverän und der italienische Regierungschef. der unsere» Anspruch auf Gleichberechtiguno in . jeder Vcrhandlungsphast w ärmsten« unterstützt hat. wofür ihm das deutsche Volk Dank weiß, hat ganz recht, wenn er in diesem Zusammenhang ,/Sie Mamelucken kuschen" Ltraßer enthüllt den Hitler-Betrieb Zern Im Süden verbringt Gregor Slraher feinen JItlaub". Die Razipresse kennt ihn nicht mehr, und ,chie meuschgewordeue Eiche*, dem die Tit. 51 der Raziillustrierten fünf bebilderte Seiten widmete, ist samt den 80 000 gedruckten Exemplaren eingestampft worden. Gregor der Große schien verschollen, plötzlich schallt aber fem Echo in dem Berliner Raz«oppofitionsblatt von Dr. Otto Straher, dem vor Zahren aus der hitter-partei ausgeschiedenen Bruder von Gregor. Was die„Schwarze Zronl* in ihrer letzten Ausgabe dem Oberofaf und seinen„kuschen- den Mameluken* ins Gesicht schleudert, ist die Ab- rechnung eines ehemaligen Razimanns, der die letzte Hoffnung auf eine Aenderung im Razilager aufgegeben und deshalb die letzte Brücke hinter sich abgebrochen hat. * „Die Hitler-Partei muß sterben, daß der Nationalsozialismus lebe*, ist die Balken- Überschrift dieses Artikel, der sich über drei Seiten erstreckt. Daß hier durch Otto Straßer von Hitler und seinen Speichelleckern und damit von der Nazipartei entworfene Bild, stellt alles in Schatten, was die Fernstehenden bisher von diesen Scharlatanen nur ahnen konnten. „Der Dank des gerissenen und charakterlosen Habsburgers* nennt Otto Straßer das Verhalten Hitlers, dem die starke, immer mehr an Popu- larität unter den Nazis gewinnende Person von Gregor Straßer schon lange ein Dorn im Auge gewesen sei. So habe Hitler schon längst einen Grund zur Entfernung Gregors gesucht. Mit dem Kuhhandel um die Preußenregierung war er gefunden: „G-egor erkannte in seiner nüchternen Art, daß Hitlers Legalitätspolitik die Par- tei in eine Sackgasse geführt hatte, aus der nur durch vorsichtiges und geschicktes Manövrieren herauszukommen war. Gregor Straßer wies Hitler in der Auseinandersetzung darauf hin, daß die Partei eine Schuldenlast von etwa 12 Millionen Mark habe und dal, er einfach einen neuen Wohlkampf finanziell nicht durchführen könne. Straßer wies bei seiner Darlegung noch aus die höhnische Drohung Schleichers gegenüber Göring hin, bei Verweigerung der„Anlauffrist* alle Finanz- quellen für die Hitler-Partei zu sperren, und verlangte faktisch eine Annahme des Schleicherichen Ullimatums, um Zeit zu gewinnen, eine grundsätzliche Kurs- anderung der Partei durchzuführen." Das waren nach der Darstellung Otto Ztraßer? die Beweggründe der Taktik seines Bruders Gre- gor, zugleich aber war es auch für„die Prima- dsnna Hitler" der längst gesuchte Borwand, Gr«- gor loszuwerden. Und die Unterführer Hitlers und Kameraden van Gregor? Straßer sagt:„Die Mamelucken kuschen.' Er fährt dann fort: „Aber es erfüllt einen mit unsagbarem Ekel, zu sehen, wie sich diese Menschen, die Gregor Straßer meist Amt und Würde, Einkommen und Stellung verdanken, die in Hunderten von Gesprächen mit ihm über die falsche Politik und die Unzulänglichkeit Hitlers sich einig waren und immer wieder mit Schwur und Handschlag ihm ihre E r< gebencheit und ihre Freundschaft zu- sicherten— wie diese feigen Burschen sich nun in„Treueerklärungen* gegenüber Hitler überschlugen, um ihre Mandate, ihre Autos, ihre Rieseneinkommen zu sichern. Vielleicht reizt es uns. eines Tages Gestalten wie Wilhelm K u b e, Gottfried F e- der. Heinrich Löhs«, Hans hinkel, Karl Kaufmann und viele andere nackt zu zeigen — wenn wir dem deutschen Volk« nicht doch den Anhlick solcher Jammerlappen empören wollen, heut« begnügen wir uns mj| der kurzen Tchsachenschilderung daß alle Btvizen und Bönzchen gngstvoll um die F u t t x r- k r l p p e dranMN und Herrchens h ä n�e leckten, der die Tröge süllt!.,.«chabe. daß sich kein Maler sand. der den Ausdruck der Angtz vor Ungnade und der Wer nach Futter in den M:enen" dieser„wackeren Helden" sestgehalten hat die Photomontag«.menschlicher Nieder- trocht wäre um eine neu«, vizoolle Einzelheit vermehrt worden." Einer ist es vor ollem. Hein die Peitsche Straßers ins Gesicht knallt, Joseph Goebbels, der mit der„Rachsucht des Krüppgls" feit Jahr und Tag nachgesonnen Hobe, wie Krpaor Straßer gestürzt werden könne. Gregor und Sftz'eph, einer hatte den anderen gleich lieb, und das gipiche Ver- hältnis erweiterte sich im Dreieck zu hitlerl Einer haßte den anderen, aber für Goebbels übpxtraf der haß gegen Gregor selbst den hes„klump- füßigen Verräters" gegen Hitler. Goebbels ertrug von hiller'jede Kränkung. iede Ohrfeige, jede Demüligung, olles zu dem Zweck, seine Rache an Gregor zu kühlen. Goebbels genießt sie jetzt und Otto Straßer er- zählt, sein Bruder sei von der Hinterhältigkeit Hitlers und der Feigheit der„Freunde" derart angeekelt und niedergedrückt, daß er die Absicht habe, sich völlig aus der Politik zurückzuziehen. Das ist das Kontersei Hitlers und seiner Bewe- gung. gezeichnet von einem Mann, der hinter hie Kulissen gesehen hat. Das find„die Er- neuerer Deutschlands" und„die Erretter des deutschen Volkes": das ist„die revolutionäre, sozialistisä-? Arbeiterpartei" und ihr Diktator und Führer Hitler! Wo aber solcher persönliche Egois- mus die Triebkraft des Geschehens ist, was kann und muß eine Bewegung sein und eine Partei, die von derartigen Kreaturen gelenkt, geleitet und bestimmt wird? Am Tage danach... Der Ltreit um die Auslegung beginnt pari«. 15. Dezember. haoas veröffentlicht eine längere Auslassung aus Genf, die vermutlich von dem französischen Delegierten M a s s i g l i ausgeht und die in der deutschen Presse am 12. Dezember erschienenen Auslegungen der Einigungsformel der fünf Mächte als„zumindest tendenziös" bezeichnet: In der Havas-Auslassung heißt es: 1. Don deutscher Seite sei gesagt worden, h e r r, o t habe sich im Juli geweigert, in Verhandlungen über die grundsätzliche Gleich- berechtigung einzutreten. Richtig sei aber, daß herriot sich damals geweigert habe, in eine Dis- kusfion dieses Grundsatzes als Vorbedingung für die deutsche Mitarbeit an der Abrüstungskonferenz einzuwilligen. Zum Beweis wird auf die Rede herriots vom 22. Juli vor dem Haupt- ausschuh verwiesen. Das Abkommen der fünf Möchte, heißt es weiter, lasse übrigens die Be- willigung der Gleichberechtigung zugunsten der durch den Versailler Bertrag entwaffneten Länder nur innerhalb eines Regimes zu, das für alle Nationen die S i ch e r h e i t in sich schließe. Man könne also gar nicht klarer daraus hinweisen, daß die Gleichberechtigung in gleicher Weise, wie da» Sicherheiteregime verwirklicht werde, und die Gleichberechtigung ein Ziel, aber nicht e'n Ausgangspunkt fei. In diesem Punkte habe sich also die franzö» fisch« These nicht geändert, ebensowenig übrigens auch hinsichtlich der grundlegenden Verbindung mit der Sicherheit. 2. Die deutsche Presse begrüß«, daß die Durch» führungsmodalitäten des Gleichberechtigungs- grundsatzes im Berlaus« der Konferenz bestimmt werden sollen. Die deutsche Denkschrift vom 23. August habe nicht nur den Grundsatz der Gleichberechtigung, sondern vor allem gewisse praktische Durchführungen oerlangt, zum Beispiel die Gleichheit bezüglich der qualita- tiven Abrüstung oder den Grundsag, daß dqs Abkommen für alle Signatare die gleiche Dauer haben werde. Die Erklärung der fünf Möchte vom Ii. Dezember enthalte keine derartige präzisierung mehr. Die Durchführungsmodaliläten würden also aus der Konferenz erst noch zu erläutern sein. 3. Der Text des Bälkerbundsbeschlusie« vom 2,5. September 1928, auf den stch die deutsche Note berufe, obgleich sich der deutsch« Delegierte bei der Abstimmung darüber der Stimme ent- halten habe, rechtfertige kaum die Interpret!«- rung, wonach die Sicherheit nur durch einheitlich« Begrenzung der Rüstungen erzielt werden könne. 4. Gewisse deutsche Kommentare erklärten, daß einer der wesentlichen Vorteile der Genfer Er- klärung in der Revision der militärischen Klauseln des Versailler Vertrages besteh«. Es sei-r i ch- t i g, daß Teil V des Bersailler Vertrages durch das neue Abkommen e r s e g l werden solle. Aber Teil V werde er st gestrichen, wenn nach Unterzeichnung und Ratifizierung durch alle Signatare des Versailler Vertrages dos Genfer Abkommen in Kraft gesetzt sein werde. Anmerkung des WTB.: Die bevorstehenden Ausführungen kennzeichnen sich als Versuch, die Genfer Aereinbarunq als übereinstimmend mit den alten französtschen Thesen in der Abrüstungsfrage hinzustellen Es ist nicht nötig, hierauf näher einzugehen, da der Wortlaut der Dereinbarung für f> ch selbst spricht, zumal wenn man ihn mit der bekannten französischen Rote vom 11. September vergleicht, die an der deutschen Gleichberechtigungssorderung noch voll- ständig vorbeiging. Anmerkung de«„vorwärts": Diese offiziöse französische Luslasiung und die oftiziöse Anmerkung hierzu beweisen nur, daß die Genfer Einigungsformel nur notdürftig die tiefen Gegensätze überbrückt hat, die noch wie vor in der Frage der Gleichberechtigung bestehen Das „dicke Ende" kommt noch, nämlich der Kampf um die praktisch« Ausführung der allgemein formulierten Grundsätze, der zuqVich ein Kampf um die Auslegung der Genfer Cinigungs- forme! fein wird. Dieser Kampf ist am gestrigen Tage eröffnet worden und verspricht wie man aus diesem Ge- plänkel ersieht, recht spannend zu werden... Kabinett Ehautemps? Herriot bat endgültig abgelehnt Eigener Beridil de»„Vorwärts" Paris, 15. Dezember. Der Präsident der Republik hat herriot am Donnerstag die Neubildung des Kabinetts ange- boten. Herriot hat dieses Anerbieten a b g e- lehnt und erklärt, daß er auch keinen Minister- poften in dem neuen Kabinett annehmen werde. ganz gleich, welche Persönlichkeit an der Spitze des Ministeriums stehen würde. Daraufhin hat der Präsident den bisherigen Innenminister Ehautemps mit der KabineUÄ>ildung b e- auftragt. Ehautemps erklärte zunächst, er mache die Annahme des Auitroges davon abhän- gig, daß Herriot Außenminister bleibe. Dann scheint er sich besonnen zu haben, denn er nahm den Auftrag im Prinzip an und setzte sich nach seiner Rückkehr aus dem Elise« sofort mit Person- lichkeiten in Verbindung, die er in sein Kabinett auszunehmen gedenkt. Er hofft im 2«ufe des Freitag dem Präsidenten der Republik«in Ministerium oorstelleu zu können. Die sozialistische Kammersraktion hat am Donnerstag beschlossen, keinesfalls einer Regierung das Vertrauen zu gewähren, die stch nicht aus die aus den letzten Wahlen hervorgegan- gsne Linksmehrheit stützt. Die Fraktion fordert von der neuen Regierung ein k ü h n« s R e f o r m- und Friedensprogramm. * Ehautemps war schon einmal Mnister- Präsident, allerdings nur wenig« Tage: das war im Jahre 1923 unter der vorigen Kammer, die seinen Versuch, ein« Linksregierung zu bilden, mit seinem sofortigen Sturz gleich in der ersten Sitzung beantwortete. Damals galt Ehautemps als«in Vertreter des linken Flügels der Radikalen Partei. Indessen gehörte er im vergangenen Frühjahr. nach den Neuwahlen, zu den radikalen Führern. die für ein«„Konzentrationsregierung", d. h. für «ine Anlehnung an die Recht«, größere Neigung zeigten als für«ine Linksregierung. einmal äußerte, daß das Gewehr stir den Deutschen ein Symbol bedeute, daß Symbol des freien Mannes auf freier Scholle. Das deutsche Volk wird als freie, gleichberechtigte und geachtete Nation tm Kresse der Völker den Platz einnehmen, auf den es nach seiner Größe, seiner Vergangenheit und seiner Leistung?- sähigkeit Anspruch hat. Um diesen Anspruch zu verwirklichen, wird die Reichsregierimg in ruhiger Entschlossenheit und Stetigkeit än die großen Aus gaben herangehen, die sich aus der augenblicklichen Loge ergeben. Sie weiß, daß den deutschen Lebensinteressen, di, hierbei aus dem Spiel« stehen, nicht mit gewagten politischen Experimenten, nickzt mtt abenteuerlichen polnischen Kombinationen gedient sein kann." Schleicher richtete dann einen Appell an die Wehrmacht und die Beamtenschaft zur lieber- Parteilichkeit. Die Verbände. Gruppen und Par- teien mahnte er. daran zu denken, daß sie nicht Selbstzweck seien und ihr« Daseinsberechtigung verlieren würden, wenn sie sich der Mitarbeit am Staate entziehen. Er schloß:„Denen, die da meinen, eine autoritäre Staalsführung könne des Rückhalts im Volke entbehren, die darüber hinaus sogar jede Zusammenarbeit mtt einem Parlament ablehnen und die Regierung in einen Kon- sliit hineintreiben wollen, möchte ich entgegen- halten, daß Wille und Mut allein zum Regieren nicht genügen, daß auch Verständnis für das Empfinden des Volkes und das Er- kennen des psychologischen Momentes dazu ge- hören."_ her- Franz von Popen kehrt dahin zurück, wo- her er gekommen ist. Er wird heute i m Herrenklub die Tischrebe zum Iahresessen de, Deutschen Herrentlubs halten. Landwgsunwst der Nazis nieder Xrrc�en» un6 ZekuItrsZen»oll im �.sntltsg nicht geredet werden Der Weltgläubiger Auf gutes Zureden hat der Landtags- Präsident Kerrl sich dazu verstanden� wenigstens am Donnerstag den Ael testenrat zusammenzuberusen. Dabei ist denn auch klar- geworden, warum er damit gezögert hat. Es steckten keine hochpolitischen Gründe dahinter: die Nationalsozialisten beabsichtigten, am Abend des Donnerstags in einer grötzerev Weihnachtsfeier ihren politischen und agitatorischen Kummer zu vergessen un� wollten deshalb am Donnerstag nur bis 5 Uh,; und am Freitag erst ab 1 Uhr tagen. (Sie sagten, sie hätten am Freitagvormittag eine autzerg>rdenLlich wichtige Fraktionssitzung.) Der dadurch beengten Zeit wegen haben sie die A n- t�-age zu Kirchen- und Schulfragen im Einverständnis mit dem Zentrum von der Be- ralung in diesem Tagungsabschnitt a u s g e- schlössen. Worauf denn der Kommunist Kasper hinter diesem Verzicht(mit Rücksicht auf die Weihnachtsfeier) eine neue Teilaktion der Re- gierungsbildung witterte: die Absetzung der Kirchen- und Schulfragen beweise klar, daß die Nationalsozialisten sich bereits völlig unter Zentrumsdiktat gebeugt hätten. Die National- sozialisten zogen es vor, auf diesen Vorwurf nicht zu antworten, dieweil sie keinen Wert darauf legten, den wirklichen Zusammenhang näher zu erläutern. Aber sie nahmen die Anklagen Kaspers mit um so verständnisinnigerer Heiterkeit auf, a(s sie noch dem neuesten Korb von Hugen- bevg mit ihren Regierungsverhandlungskünsten wieder einmal völlig am Ende sind. In her somit nicht allzu lang ausgedehnten Donnerstagsitzung kam es zunächst zu einer D e- batte über Bergwerks st illegungen. Genosie TJogl-Bochum zeigte an dem Bei- spiel der Zeche Sachsen bei Hamm, wie wenig die kapitalistische Zerstörungswut gegenüber wertvollen Produktionsanlagen und Arbeits- platzen mit Produktivität und Rentabilität zu tun hat. Lediglich die Kuxenspekulation zwischen der Mansseld A.-G.. Otto Wolfs und der Familie h a n i e l haben zu dem Plan geführt, die Quote dieser technisch und wirtschaftlich gleich hervorragenden Zeche auf die Hanielschen Pe- sitzungen am Niederrhein zu übertragen. Mit vollem Recht legte der Landtag dagegen Verwahrung ein. Das nächste Verhandlungsthema war eine von der Sozialdemokratie beantragte Hilfsaktion für die Privatschiffer auf der Oder. Sie gab dem Nazi-Germanen Adam- cziz k Veranlassung, eine Nazimusteragitations- rede Schema? zu halten: 13 Jahre lang habe die Sozialdemokratie regiert, habe liberalistisch- kapstalistisch die Wirtschaft ruiniert und jetzt be» schwere sie sich noch über die Folgen ihrer eigenen absoluten Untätigkeit. Dem guten Adamczyk passierte dabei in seiner völligen Ahnungslosigkeit das Malheur, daß er die Sozialdemokratie ver- antwortlich macht für das Grohwerden jüdischer Kohlenhandelssirmen wie Cäsar Wollheim. Das ist ungefähr so gescheut, wie wenn man be- haupten wollte, die Sozialdemokratie habe Bleichröder großgemacht: denn die Glanzzeit von Bleichröder und Cäsar Wollheim fällt genau in die gleiche Zeit, in den Anfang der siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts, in die ersten Gründerjahre des geeinten Deutschland. Aber Genosse Simon-Reusalz und der Zentruwsabgeordnele Sawahki halten schon recht mit der Bemerkung, daß es völlig aus- fichkslos ist, einen dieser geistig minderwertigen .Naziagitatoren mit ihren einstudierten hetz- Phrasen über die Zusammenhänge der wlrt- schastlichen Wirklichkeit aufklären zu wollen. So beschränkte sich Genosse Simon auf eine wirkungsvolle Zusammenstellung dessen, was in den Jahren sozialdemokratischer Mstregierung gerade auch für die Oderschiffahrt ge- leistet ist. von der großen Odertalsperre bei OUmachau an bis zur neuen Oderbrücke bei Neusalz. Ein gleiches Maß von Unwissenheit wie hier die Nazis, mußten bei dem nächsten Tagesordnung-- gegenständ die Kommunisten an den Tag legen. In Ostfriesland bestehen seit Jahrhunderten uralle. völlig überHolle, sehr verwickelte P a ch t v e r- h ä l t n i s s e. Wiederholt hat der Landtag ein- gegriffen, den Pachtbauern zu helfen, aber die Verschlechterung der allgemeinen Wirtschaftslage hat sie in immer neue Nöte gestürzt. Nun kamen die Retter: Am 28. November nahmen Nazi und Kozi im Landtag ein Gesetz an, das alle rück- ständigen Pachtzinsen einfach strich. herrliche Radikalkur! Nur nutzt sie den Pacht- dauern nichts, weil ein solches preußisches Gsletz gegen Reichsverfassunq und Reichsrecht verstößt! Die Nazis hatten das inzwischen kaviert und sich vor Erlaß auf die juristisch mögliche und durchsetzbare Stundung zurückgezogen. Aber die Kommunisten tobten weiter und beschimpften alle weaen Feighell und Verrat, die nicht nach ihrem Willen ein neues ungültiqes Gesetz be, schließen wollten. Gerade in diesem ungültiaen Gesetz fand der Kommunist R a u einen Ve- weis der wachsenden revolutionären Kraft des Proletariats, wäbrend Genoste B u b e r l in einer ausge- zeichnet klaren Rede das Tasten unnültiger und rech'sunwirkfamer Beschlüste vielmehr für eine« Beweis der geistloien und lelchsterl'nen SWi'der- arbeil der hakenkreuz-Sowselstern-Blehrheit ansah. Aber nachdem heute ein kommunistischer Ab- geordneter der Welt verkündet hat, Marxismus sei, daß die Arbeiter raubten und plünderten, was ihnen fehlt, darf man sich ja wohl über nichts mebr wundern. Am Freitag stehen die Kulturanträge auf der Tagesordnung, soweit sie sich auf Theater. Rund- funk und allgemeine Fragen beziehen. Dann will der Landtag bis zum 17. Januar in die Weihnachtsferien gehen. SchmShung einer Toten Wir veröffentlichten gestern einen Brief, den der Rcichstagsabgeordnete Genoste Wilhelm Dill- mann an die..Dammert-Korrespondsnz"(Deutscher Presseverlog Dr. R. Dämmert) gerichtet hat. Herr Dr. Rudolf Dämmert billet uns, festzu- stellen, daß die Serie, die die Verleunidung un- serer verstorbenen Genossin Luise Zietz enthält, nicht in den von ihm herausgegebenen Pressediensten erschienen ist, sondern in dem von Herrn Dr. Hugo Buschmann geleiteten„Deut- schen Presseverlag Dr. R. Dämmert". mit dem Herr Dr. Rudolf Dämmert nichts zu tun hat. 8hzdsc!t:„Wollen Sie aus diesem Buch ersehen, verehrter Unkle Sam, daß es nicht immer gut ist, auf seinem Schein zu bestehen." Reichsrat ohne Amnestie Ltellvertretungsgesetz rechtskräftig Die Vollsitzung des Reichsrats am Donnerstag- abend leitete zum ersten Male der neue Reichs- innenminister Dr. B r a ch t. Er stellte sich dem Reichsrat mit einer kurzen Ansprache vor, auf die Ministerialdirektor Dr. Brecht erwiderte. Der Reichsrat beschäftigt« sich dann mll dem vom Reichstag beschlossenen S t e l l v e r- tretungsgesetz. Wie der Berichterstatter, der preußische Ministerialdirektor Dr. B a d t mllteille, war schon vorher in den Ausschüssen der Vorteil der neuen Regelung gegenüber dem früheren Zustand eingehend erörtert worden: früher war der Reichskanzler Stellvertreter des Reichspräsidenten und bei längerer Verhinderung war ein Reichsgefstz notwendig. Es Habe also die Gefahr bestanden, daß in einem Augenblick, wo der Reichstag nicht versammelt war, eine Notverordnung hälle gemacht werden müssen. Jetzt sei für alle Fälle vorgesorgt, indem der Präsident des Reichsgerichts als Stellvertreter eingesetzt sei. Gegen wenige Stimmen beschloß der Reichsrat. gegen dieses Jnitiativgesetz keinen Einspruch zu erheben. Auch das vom Reichstag beschlossene Gesetz, das diesozialpolitischeErmächtigungder Reichsregierung in der Notverordnung vom 4. September wieder aufhebt, wurde mit der Maßgabe vom Reichsrat endgültig verabschiedet, daß das Gesetz mll dem Tage der Vertündung in Kraft treten soll. Weiter nahm der Reichsrat eine neue Finanzgerichtsordnung an. Ein Eni- wurf dafür war schon am 1. Februar vorgelegt worden. Inzwischen Halle sich jepoch die Not- wendigkeit herausgestellt, die Reichsabgabenord- nung in einigen Punkten zu ändern. Die Be� setzung der Bewertungsausschuüsse mit sieben Mitgliedern, und zwar zwei Reichsbeamten, einem Landesbsamten und vier ehrenamtlichen Mit- gliedern, hatte zur Bildung zu großer Ausschüste geführt. Jetzt wird die Möglichkeit geschaffen, die Zahl der Ausschußmitglieder auf fünf herab- zusetzen. Unveränderte Annahme fand auch eine Ver- ordnung über die Zerlegung der Einhellswerte und über die Verlängerung der Geltungsdauer von Vorschriften des allen Reichsbewertungs- gesstzes. Zum Schluß kündigt« Minister Dr. Bracht die nächste Vollsitzung des Reichsrats jür D i e n s t a g n a ch m i t t a g S U hr an. Er fügte hinzu, er nehme an. daß bis dahin die Frage des Amnestisgesetzes innerhalb des Reichsrats geklärt sei. Ei« Aahnenslüchtiger. Nach einer Mitteilung an die Press« hat der Landrot des Kreises B u n z- lau, K ö h n e, seinen Austrill aus der Sozial- demokratischen Partei erklärt. Bestellungen überZM unter F6 Baerwold 0012 »»».!«! Ml«11 Ausiugrnenij r.o. tu.. i,«ü, i.i». I.ud Weizenpuder............. pw. MO Sultaninen....... pfd. o.m, o,m. 0.24 Korinthen.................. ptd. 0.48 Rosinen.................... pfd. 0.42 Mandeln büter pfd. uo, süß Ptd, 1.15 Zitronat, Orangeat......Ptd. 0.85 Haselnußkerne........... 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LeOer wurst. ca. i.ao Damptwurst............ ptd. 0.75 Jagdw u. Landleberw...Pfd 0.84 Feine Leberwurst......... ptd. 0.96 Hambg Gekochte........ Ptd. 1.20 Speck, mager Ptd. fJS, fett Ptd. 0.64 Gekochter Schinken Pfd. 0.28 Schinkenspeck........... ptd. 1.15 Nußschinken......■...... Ptd. I."" Cervelatwurst 1 j Salaml.holstelnUcha Ptd.'■" Karpfen f) RR eh�nde.an Ptunc FRISCH-FLEISCH! OBST UND GEMUSE■ GEFLÜGEL UND WILD■ FISCHE, RAUCHERW. bisbem onne apitzbein.nd. Md Suppenfleisch.......... an rfd. 0,46 Hammel-Keule............ ptd. 0.78 Rinder-Rouladen...... an rtd. 0.88 Kalbkoteiett............. pfd. 0.82 Koßler, mild......... an Pfd. 0.66 Schweine Schinken m. B. ptd 0.68 Rückentett, bratfertig ptd. M8 Apteisrnen an 3 na, b.3� Mandarinen............ 3 Pfd. 0,64 Wal- u. Haselnüsse...an rtd. 0Ll Para-Nüsse............... ptd. 0.45 Kranzfeigen.............. ptd. 0.20 iafeläpfel(Rosmarin)...Pfa. 0.30 Weißkohl, Grünkohl..3 Pfd. 0.10 Sellerie.................... Pfd 0.06 t-nsch. auppenhühnet an na. U.ba Deutsche Mastgänse.. an Pfd. 0.70 Gänsestückenfleisch..an Ptd, 0.70 Gänsekeulen.......... an Pfd. 1.10 Rehblätter........... an P d. 0.78 Wildschweinblatt..... an Pfd. 0,80 Hirschblätter........... an Ptd.'.60 Hirschkeule o. Kn...... an Pfd. 1.20 Edenkobener n CR � 10 Liter 6 00...Liter"•"W Tarragona n QR 10 Liter 9.0O Liter liiiiinniiiiiimiiiniiiiiinminminiininininmnninninunniiiiinniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiMiiiiiiiinniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiuiiiiiiii� | Im 2. Stock Weihnachtsmarkt| - Prominente Künstler von Bühne und Film geben Autogramme- fimiriiiiiiiiiiiiiittiiiiiiiiimiiiiiiiiiMiuMiiiiiiiiniiiiiiiuiiHiiniiniiMiuiiiiiiMiiiniHiiiniiiiiiniiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiMiiiiiiiinininiiiiiiT IN DEN DACHHALLEN SPIELEN DIE KAPELLEN MAREK WEBER Peelachs O.K. i. ganz. onra. l.14 Kabeljau u. kotbar» oh. K..an Ptd. 0.22 Brafschollen.......... an 3 Ptd. t.28 Grüne Heringe...... an 3 Pfd. 0.34 Bücklinge, engl............ Ptd.>.26 Seelachs, geräuch...... vPfd. 0L6 Sprotten........ ,.ea. 1 Pfd. Kit. 0.28 Stückenlachs...... Zj Pfd n.M. 0.35 Niersteiner f) QR Oomtal. 10 Ltr. 9 OO, Ltr. w» w Amarantis 1 Afl spanischer Süßwe n, Ltr." . OTTO KERMBACH Ü-BHLHERMANNPLAIZ- DER KARSTADT-8HF. Für das Recht der Gemeinbearbeiter (■ieseteeutwurk der SPD.— Unfähigkeit der KPD. Seif Erlaß der Notverordnung vom S. I u n i 1 9 3 J geht bei Kampf um die Löhne der Gemeindeardeifer und kommunalen Straßenbahner Diese Notverordnung verlangt bekanntlich die Zlngleichung der Löhne für diese Arbeit- nehmergruppen an die Löhne der Reichsarbeiter, obwohl rechtsgültige Tarifverträge abgefchloffen find� Dank ihrer straffen gewerkschaftlichen Or- ganisation konnten die Gemeindearbeiter bisher die restlose Angleichung oerhindern. Trotzdem ist eine Beunruhigung in den öffentlichen Betrieben eingetreten, die nicht nur im Interesse der Betriebe unerwünscht, sondern staatspolitisch gesehen auf die Dauer unerträglich ist. Schon heute sind durch den Druck der Notoerordnungen die Löhne soweit gekürzt, daß die Existenz für diese Arbeitnehmer- gruppen in Frage gestellt ist. Die Situation wurde werter verschärft durch die Notoerordnung vom 4. September 1932, die in ihrem Kapitel VI ein dauerndes Ausnahmerechf für die Arbeitnehmer öfsentllcher Betriebe schafft Nach dieser Verordnung sind die„B e a n- standungsstellen" für die Löhne der Arbeit- nehmer in öffenllichen Betrieben vorgesehen. Diese Im Berliner Handels- und Verkehrsgewerbe ist zum 31. Dezember eine ganze Anzahl Kündi- gungen von Tarisen erfolgt, die größten- tells der Gesamtoerband allein oder zu- sammen mit anderen Verbänden abgeschlosien hat. So ist vom Berliner Apotheker- verein der Manteltarif für die chandelsarbeiter in den Apotheken gekündigt worden der bereits seit dem 13. September 1919 in unveränderter Form besteht. Da von den Apothekenbesitzern schon im Mai die Tariflosigkeit In der Entlohnung ihrer chandelsarbeiter herbeigeführt wurde, und auch bis jetzt noch keine Forderungen zur Abände- rung des Manteltarifes eingereicht worden sind, ist anzunehmen, daß die Apothekenbesitzer Berlins gegenüber chren Handelsarbeitern von allen tarif- lichen Bindungen überhaupt freikommen wollen. 'Für die Arbeiter der Berliner Getränke- industrie läuft der Manteltarifverlrag infolge der Kündigung durch die Unternehmer zum Jahresschluß gleichfalls ab. Von diesen Unier- nehmern liegen auch noch keine Forderungen vor, doch ist hier anzunehmen, daß sie ihre im vorigen Jahre nicht erfüllten Abbauwünsche wiederholen werden. Die Arbeiterschaft der Getränkeindustrie ist cntschlosien, allen Verschlechterungsbestrebungen chrer Unternehmer schärfsten Widerstand entgegen- zusetzen Die A s ch i n g e r A.- G. hat für die Arbeiter in ihrer Zentrale den Lohntaris zum 31. Dezember gekündigt, aber noch keine Forderungen bekannt gegeben. Sollte hier der Versuch gemacht werden, die schon mehrfach gesenkten Löhne nochmals ab- zubauen, dann ist mit dem Ausbruch eines offenen Konfliktes zu rechnen. Die bekannte Fischmarinadenfirma M o r t e n s e n, die zeitweise bis zu 259 Personen, Veanstandungsstellen können von Amtswegen oder auf Antcag der Arbeitgeber oder ihrer Verbände die Löhne und Gehälter der Arbeitnehmer ösfem- licher Betrieb« aus die Bezüge der bei der Reichs- Verwaltung beschäftigten Arbeitnehmer herab- setzen. Eine Mitwirkung der Vertragsparteien ist nicht vorgesehen. Diese Löhne gelten dann als Tariflöhne. Die Anrufung der Schhchlungs- inftanzen oder der Arbeitsgerichte ist aus- geschlossen. Die sozialdemokratische Reichs- tagsfraktion hat gemeinsam mit den Ge- werkschasten seit jeher d'esen unmöglichen Bestimmungen aus den Notoerordnungen den stärksten Widerstand entgegengesetzt Um endgültig mit den Angleichungs- und Lohnadbaubestimmungen Schluß zu machen, wurde von der sozialdemo- kratischen Reichstagsfraktion am 9. Dezember em Gesetzentwurf eingebracht, der die entsprechenden Bestimmungen der Notverordnungen vom 5. Juni, 24. August, 6. Oktober und 3. Dezember 1931 und 4. September 1932 außer Kraft setzt. Es han- dell sich hier ausschließlich um solche Derord- nungen. die in die Rechte der Gcmeindeorbe'ter und kommunalen S'.raßenbahner direkt eingreifen oder die Landesregierungen zu solchen Eingriffen ermächtigen. Der Sozialpolitische Auslcbuß muß zu diesem Gesetz Stellung nehmen. Es bleibt meist Frauen, beschäftigt und seit dem 39. April die Löhne ihrer Arbeiterinnen und Arbeiter schon zweimal gesenkt hat, verlangt ab 1. Januar wiederum einen Lohnabbau, obwohl die Löhne in diesem Betrieb schon unerträglich niedrig sind. Die vom Gesamtverband mit der Firma ge- führten Verhandlungen sind ergebnislos ge- blieben. Die Organisation ist fest entschlosien, jedem Lohnabbau die Spitze zu bieten. Die M a r k t H a 1 l e n s p e d i t e u r e, die in dem Lohnabbaureigen nicht fehlen wollen, fordern, wie es in ihrem Kündigungsschreiben heißt,„um auch nur einigermaßen eristenzsähig zu bleiben". � einen Lohnabbau für ihre � Kutscher und Chauffeüre u m 14 P r o z.l Daß auch Ihre Arbeiter existenzfähig bleiben Müssen, ist den Herrfchaften offenbar gleichgültig. Behaupteter Export �uVenhaiuZe! im November Die deutsche Handelsbilanz im November weist gegenüber dem Vormonat nur unwesentliche Ver- Änderungen aus. Sowohl die Einsuhr als auch die Ausfuhr sind nahezu stabil geblieben. Auch der Exportüberschuß hat sich mit rund 82 gegenüber 84 Millionen Mark auf den Stand des Oktober behauptet. Bei den verschiedenen Einfuhrposten sind größere Verschiebungen dadurch eingetreten, daß die R o h- st o f s e i n f u h r um rund 8 Millionen Mark auf insgesamt 214,6 Millionen Mark g e st i e g e n ist. während bei den Lebensmitteln ein Rückgang um abzuwarten, wieweit die Dorschläge unserer Reichstagssraktion von den Nationalsozia- l i st e n und Kommunisten unterstützt werden Tritt die Reichsregierung dem Beschluß des Sozialpolitischen Ausschusses nicht bei, dann muß der Reichstag selbst die Aushebung der Rotoerordnung im Sinne der von der sozialdemo- kralischen Reichstagsfraktion gestellten Anträge beschließen Auch bei dieser Gelegenheit dürfte es interessant sein, festzustellen, wie sich die Bundes- genossen beim BVG.-Streik. Kommunisten und Nationalsozialisten, zu diesen positiven Anträgen der sozialdemokratischen Reichstagssraktion stellen. „Die Rote Fahne" veröffentlicht am Donnerstag einen Antrag der KPD., der die �tufhebuog des BVG.-Lohnabbaues" fordert. Hier werden die Dinge, so hingestellt, als sei die Lohnkürzung bei der BVG. auf Grund der Verordnung vom 5. September erfolgt. Damit ent- hüllt die 100 Mann starke kommunistische Frak- tion, daß sie keine Ahnung von den Dingen hat, über die sie redet. Der kommunistische Antrag ist ein L u s t h i e b. Die Arbeit der Kommunisten war allerdings nie von Sachkenntnis getrübt. Auch die Einreichung dieses Antrages, der außer- dem wieder eine Woche hinter den AMrägen der Sozialdemokratie herhumoelt, charakterisiert d i e Unfähigkeit der KPD. bei allen Wirtschaft- lichen und gewerkschaftlichen Fragen. rund 12 Millionen Mark eingetreten ist. Aller- diegs waren hier im Vormonat die Einfuhrziffern infolge der Technik der Lagerabrechnung über- höht. Die Gesamteinfuhr ist mengenmäßig um rund lA Proz. gest'egcn, wertmäßig dagegen um etwa 1 Proz. von 398.2 auf 393,4 Millionen Mark im Vergleich zum Oktober gesunken. Auch die A u s f u h r ist von 481,8 auf 47S,2 Mll- lionen Mark, also um annähernd 7 Millionen zurückgegangen. Ausfallend ist. daß der Export von Fertigfabrikaten mit 371,1 Millionen Mark stähst geblieben ist, obwohl regelmäßig nach der saisonmäßigen Steigerung der Exporte im Herbst im November ein Rückschlag eintritt. Dieser Rückschlag betrug im vergangenen Jahr 13,5 Proz. und im November 1930 rund 12 Proz. Diese Stabilität des Fertigwarenexports tonn daher als ein kleiner Lichtblick angesehen werden. Einschließlich des Ausfuhrüberschusses im No- vember(82 Millionen Mark) erreicht der gesamte Exportüberschuß Deutschlands im Laufe dieses Jahres 1012 gegen 2624 Mil- lionen Mark in der entsprechenden Zeit des Vorjahres. Konflikt in den Mörtelwerken In den drei Berliner Mörtelwerken Gebrüder Tabbert, Gustav Weidner und Vereinigte Berliner Märtelwerke A.-G. ist ein ernster Konflikt aus- gebrochen. Die drei zu einer Tariigemeinschaft zusammengeschlossenen Firmen haben wegen ihr« reakt.onären Lohn- und Tarifpolitik in letzter Zeit schon wiederholt die Oesfentüchkeil beschäftigt. So ist auch der jetzige Konslikt wietei durch das dik- tatarische Vorgehen der Leitungen aller drei Be- triebe entstandcn Sämtlichen Arbeitern ist zum 15. Dezember das Arbeitsverhältnis aufgekündigt, ihnen aber ab 16. Dezember die Weiterbefchästi- gung in Aucsicht gestellt worden jedoch zu Löhnen. die um 11 Proz. Niedriger sind als die augenblicklichen Löhne, die seit dem 20 Mai bestehen. Der Belegschaften der diei Betriebe hat sich selbstverständlich eine ungeheure Empöiung bemächtigt. Der Gesamioerband hat sofort alle Schritte eingeleitet, um dieses Lohnabbaudiktat abzuwenden. Afbeitsamt Berlin-Nord AbsdellunZ von MiSständen Dom Direktor des Arbeltsamts Berlin-Nord wird uns geschrieben: „Es ist richtig, daß tn letzter Zell an manchen Tagen die Beheizung der Büro- räume in den Morgenstunden unzureichend war. Die Amtsleitung hat sich dieserhalb sofort mit dem Vermieter in Verbindung gesetzt und um Abstellung der Mänael ersucht. Einen Tag vor Erscheinen Ihres Artikels vom 14. Dezember er- hielten wir von dem Vermieter die Nachricht, daß sofort eine Nachprüfung und Ergänzung der Helzungsanlage vorgenommen werden würde. Die Lichtanlage war zu schwach abge- sichert und ist aus unsere Beanstandung hin schon vor einiger Zeit in Ordnung gebracht worden. In der Frage der Abortanlagen müssen wir d'e Angaben in Ihrem Artikel berichtmen. Es sind für das Personal nicht 2. sondern 5 Aborte für männliche und 3 für weibl'che Angestellte vor- handen. Desgleichen stehen den Arbessslosen nicht 2, sondern 7'Aborte für männliche Personen und 3 für weibliche Personen zur Verfügung. Wenn die Sauberkeit in den letztangesührten Aborten zu wünschen übrig läßt, so ist dies auf die Ver- schmutzung durch Besucher zurückzuführen. Im übrigen bemerken wir, daß wir bei der Auswahl der Räume auf eine geeignete Unter- bringung der Arbeitslosen sow'e des Personals unser besonderes Augenmerk gerichtet haben. Der Erfolg dieser Bemühungen ist augenscheinlich." Neue Kontrollstelle Das Arbeitsamt Berlin-Nord gibt we'ter bekannt: Das Arbeitsamt Berlin-Nord eröffnet am 19. Dezember 1932 für die arbeitsuchenden Einwohner aus Tegel, Schulzendorf, Tegelort, Iörsselde. Konrodshöhe und H e i l i g e n f e e eine Kontrollstelle in Berlin-Tegel, Schöne berger Str. 34. Die Kontrollstelle ist für kontrollvstichssgc Arbeit- suchende des Arbeitsamtes Berlin-Nord ulld der Fachabteilungen des Arbeitsamtes Berlin � Mitte während der Zeit Ihrer Ueberweisung an diele Kontrollstelle eingerichtet. Eine Zählung findet in der Kontrollstelle nicht statt: zur Zählung haben sich alle Arbeitsuchenden bei chrer Vermittlungsstelle einzufinden. Sonderkontrollen der Facharbeiter finden ebenfalls nur nach Anweisung der Fachabteilungen statt. Die Abfertigung aller Arbeitsuchenden mit den Anfangsbuchstaben A— I erfolgt jeden Montag von 12— 15 Uhr für männliche Personen, jeden Montag von 15— 16 Uhr für weibliche Personen: mit den Anfangsbuchstaben K— Z jeden Sonnabend von 8— 12 Uhr für männ'iche Personen, jeden Sonnabend von 12— 13 Uhr für weibliche Personen. Diese Kontrollzeiten sind vünkss'ch innezuhalten, da eine Abfertigung außerhalb der Kontrollswnden nicht erfolgt. Hierzu 2 Beilagen „Weihnachtöftieöen Tarifkündigungen am laufenden Band Der.jjorwäns" ertcheinl vrchenläglich zweimal,«onnluas aul> Manlags einmal Illustrierte Sonniagsdeiiage Lotl und geif i Bezugsprerle: Köcheniiich Pi., monatlich M(davon 87■Ol monatlich tili Zustellung ine Saust im voraus zahlbar. Postbeziia 3.9- M einschließlich S» Pi Postzeitung, und 73 0>. Postbestellaebithren-Zluslandsadonnement ä,65 M pro Monat: fllr Länder mit ermäßigtem Dructsachenporlo t M Bei S stall d-i Lieleiung wegen höherer Gewalt besteh: k-in Änsvrulh der Abonnenten aus Erlaß Anzeigenpreise: Die einivultig» Millimeterzeile Zt> Ps Retlam-zeilc lzlli M„Kleine Anzeigen" das tettgedruckle Wort 3l> Pi jedes weitere W.rt IN Pf Siabatl laut Tarn Worte iiber>b Buchstab-n zählen lllr zwei Worte Arbeitsmartt Millimeterzeile 25 Pf. Kamillenanzeigen Millimeterzeile 16 Pf Anzeigenannahme im Hauptg»IchS-l Lindenstr 3 wochenläglich von ßth bis>7 Uhr Der Dtrlag behSIl sich das Recht der Ablehnung nicht ginehmer Anzeigen vor./ Verantwortlich fllr Politik: Rudolf Brendemühl! Wirtschaft: S Klingclhäfer: Sewertlchaftsbewegung- Z. Stcincr: KeuiUiton: S'rbcrt Vcv'ttx Lokales und Sonstiges: Kriß Sarftädt: Anzeigen: Ott» Hengst: sämtlich in Berlin. I Perlag: Borwärtz. Verlag©. m b. S. Berlin Druck: Borwärts. Buchdruckerei und Berlagsanstall Paul Singer u Co Berlin SW 68 Lindenstr 3. Billige Lebensmittel WERTHEIM Zusendung von 5M aa Obsh Gemüse u.ieichf veraerbliche Artikel werden nicht zugesandt. Soweit Vorrat: Frisches Flefsdi Ochsen-Suppenfieisch 0.48 Ochsen-Scnmortle sch 0.6b Ochsen Rouiace...Pfd 078 Hamme-Vorderfieisch 0.48 LammrücKen....... Ffd. 0.68 Lammkeule o.Bnla«. Pfd. 0.78 Kalbsksmm u Haxa Pld. 0 36 Kamsbrustu.RückenPfd.O 44 Kalbskotelett...... Pfd. 0 9i Schweineko.ele t..Pid. i.53 Kaßler in-cr. geräuch., Pfd. 0.66 Ochser talg ttugcl...Pfd. 0.24 Fr 8lut- u. Leoeiwurst.0.48 Schweine» K® Schinken Pfd. 3 ö Pf. Schweine- 4SA bauch o. Big VA Pf. Obst Hasel- u. Walnüsse Pfd. 0.30 Paranüsse......... kfd 0 45 Manda- nen....... Pld. 0.22 Apfelsinen....... 3 P.'d 0.38 Jaffa-Orangen....3 Pfd. 0 70 Bananen......... 3 Pf J. 0 62 Fe gen........ Pfd 0 20 0 24 Datteln...Karton od. Pfd. 0 38 Zitronen.......... Dtid. 0.30 Kiachmandeln..... Pfd 0.55 Traubenrosinen____ Pld 0.t8 Ananas i Gana.. friacS, Pfd 0.68 Tafeläp el verachied Sort. 0.22 Amenkan. Äp el..3 Pfd 0,58 Ka dorn Äp el...3 Pfd 1/0 Räucherwa ren BücKnnge........ Pfd 0.26 Sprotten.. Kis« 0.28 Pld. 0.26 Spickaale....Pfd von an' 2'> Oe sard nen 5 Dosen» an 0.78 Fisdie Seelachs«. K.. f- F- pfd 0.14 Sc.iellfisch........ pfd 0.16 Rotbars«. K.. g-na. F_ Pld 0.22 Kabeljau». IC. ft. F.. Pfd 0.22 FlSChf i et.... Ffd von an 0 26 Bra schollen.....: P.'d 0 28 Grüne Heringe...3 Pfd 0.3' He Ibutt im Garnen..Pfd 0.15 Zander im Gänsen...Pfd. 0 38 Leb. Spiegelkarpfen an 0.65 GefHteeMVIld Hühner rüch...Ffd 0.68 0.78 Brathühner... Pfd 0.8 U 4 Junge tnten...Pfd. 0 80 0.9D Hasen re»tr.o.ana;ew. 0.68 0.78 Kaninchen.._ Pfd. 0.64 0.74 Wild- Blatt Rück. Keule schwein». an 0.70 0.30 1.08 Hirsch Pfd T.an 0.60 0.66 0.84 Reh Pfd eon an 0.78 1.03 1.23 Käse u. Fett Camember.»olltet» Sctd. 0.24 Camembert»»i f., 6 Por. 0.48 Harrerkäsoo-i-Pfd-Pat. 0.25 Limourner halb ett..Pfd U.4j Blockkäse Tlle ter- and Emment a er Art) 2 0'.0, Pfd. 0.46 Bnenäse Tollfett____ Pfd. 0.64 Tllsltsr volliett...... Pfd 0.68 Holländer, Edamer»ollf. 0.72 Bagr. Hcchalpkäsevollf 0.86 Schwe zerbayr.. rollt Pfd 0.88 Geheimratskäse-ollfet» 035 Schmalz 0.46 mit Gr eb 0.52 Margarine....... 3 P.'d 0.74 Kokosfett........ 3 Pfd. 0.83 Molkereibutter Pfd 1.18 1-34 Ma- en u. Dän r-utter 1.42 Frische Gänse Pfund# WPf. BadCartlkel Olgmpia-Meh s-Ptd-Btl. 1.18 Rauhreif-Mehl....5Pfd. 1.3 Weizenmehl....... Pfd. 0.18 Auszugmehl....... Pfd. 0.24 Kartof elmehl..... Pfd 0.18 Sultaninen....P'd 0.24 0.44 Ros nen....... Pfd. f. 42 0 58 Korin en..... Pfd 0.46 0.58 Ziiron t Orangeat..Pfd 0.95 Mandeln efi«..Pfd 1.15 1.48 Mandeln bitter.Pfd 1.30 1 45 KokOSniiB t raepclt..Pfd 0.35 Mohn we-l? u. blau....Pfd 0.48 Vanll.in-Zucker a Beutel 0.20 Wurst Blut-. Leber-, Sülzw Pfd 0.58 Dampf. Speck- u Fleischwurst....Pid 0.75 Landleoer-u Jagdwurst 0.84 Met wursi(B Arti.0.81 0.88 Feine Leberwurst. 096 1 Oo Zervelai u ba am 1 OB l.lv eewu ist ferne u.gro�c Pfd 113 Speck fett. Pfd 0 84 mager 0.96 Konserven 1;0os, Junge drechbohnen... 1. 6 Gemüse-Erbsen....... 0.50 Erbten Kaie r... 1.20 fein J 38 Leipzig AI enei 0.72 f-,n 1 10 Br.-sparge mtl 1 2i dünn 0 90 Sig.-t pa'gei«.1.65 m tt 1 iQ Pflaumen u.SOAp elmusO 3, Erdbee en............ 0. 0 Mirabellen............. 0 95 Reineclauden......... 0.98 Pfirsiche Kalif V, Frucht 1.10 Ananas...... 1.05 exm 1.25 Wein XX 31 Obeim seier....... 0 75 30 Nlers e ner...... 0 93 29 Sodenh ßurgweg...1.20 31 Ze.tmge' Kuch ay...l.50 31 Oeidesh Sti Natur..160 iO Brauneb Bürgersl..1 65 28 Chä La Fieur Marg 175 8 Hai t Sau ernes..... I.1 0 21 Chä La Lagune..... 1 30 We Bwem Ltr 0.80 s Ltr 3.75 Scan Ro w 1'0 S Ltr 5 r5 FREITAG, 16. DEZ. 1932 Tumultszenen im Gtadtparlament Line kommunistische Auktion: Frauen stürmen in den Sitzungssaal Ju der Berliner Stadtverordnetenver- sammlung. die eine nur knappe Tagesordnung zu erledigen hatte, kam es gestern zu Tumult szenen, wie man sie selbst im Berliner Rathaus noch nicht erlebt hat. Während der Beratungen drang plöblich eine Anzahl Frauen in den «ibungssaal. Tie Frauen stürmten gegen das Rednerpult vor und begannen A n- sprachen zu halten. Soviel mau in dem allgemeinen Lärm, der alsbald entstand. vernehmen konnte, handelte es sich um Frauen, die sich unter der tatkräftigen Mithilfe kommunistischer Stadtverordne- ter zu Sprecherinnen der Erwerbslosen gemacht hatten. Sie verlangten die Liefe- ruug von Kartoffeln, Kohlen und warmer Kleidung. Ter Borsteher war gezwungen. die Sitzung zu unterbrechen. Geraum« Zeit vorher hatte man schon kommu- nistische Stadtverordnete mir den sich anmeldenden Besuchern verhandeln und debattieren sehen. Die ganze Aktion roar b e st e l l t e Arbeit, so wie die Sladtoerordnetenoersammlung schon öfter solche Demonstrationen über sich hat ergehen lassen müssen. Kommunistisch« Stadtverordnete unterstützten die Demonstranten dadurch, daß sie sie aus die sozialdemokratischen Magistrat- mit- glieder besonders aufmerksani mochten init den, Hinweis darauf„daß es der Kämmerer Asch und der Bürgermeister Lange waren", die sür die Nol der Erwerbslosen verantwortlich zu machen seien. Die Schreckensanträge Lt&atsaimslt im Felseneck-Prozeß Di« ungeheuerlichen Strasanträge im Felseneckprozeß können nicht stillschweigend hingenommen werdeni sie waren nur möglich, weil der Staatsanwalt in seinem Anklagepathos im Falle Felseneck jeden Wirllichkertssinn verloren hat. 90 Jahre Zuchthaus, davon allein 68 Jahre Zucht- haus sür den erswchenen Nationalsozialisten Schwarz! Rufe» wir uns deshalb die Ereignisse jener blutigen Nacht in aller Kürze ins Ge- döchtnis zurück. Nach Beendigung einer Versammlung marschiert die SA. in Stärke von etwa 150 Mann unter. Polizeibegleitung nach Hause. Sie macht dabei den durchaus unnötigen Umweg über die kam- munistische Kolonie Felseneck. Die Kommunisten haben am fraglichen Abend die Nachricht erhalten, daß gegen die Kolonie etwas geplant sei. Die Kolonisten werden aus dem Schlaf geläutet, es kommt zu Zusammenstößen. Als e r st e r fällt, von einem Schuß getroffen, der K o m- m u n i st K l e m k e. Bald darauf liegt auch der Nationalsozialist Schwarz mit tätlichen Stichen da. Es werden mehr Kommunisten als National- fvzialisten verhaftet. Während der Verhandlung läßt der Staatsanwalt gegen die National- sozialisten die Anklage wegen Totschlags fallen. hält sie gegen die Kommunisten ausrecht. Wer der Messerstecher war, konnte nicht festgestellt werden. Die Staatsanwaltschaft hat deshalb elf Kom- munisten, die am Raufhandel beteiligt waren, die Schuld an dem Tod des von einem einzigen Täter Erswchenen zugeschoben, gegen alle elf Daß aber die Notoerordnungen der deutjchnatio- nalen Regierung Pape» den Erwerbslosen die schon geringen Unterstiitzungen noch unerhört ver- kürzt haben, das übersahen die Demonstranten sowohl wie die kommunistischen Stadtverordneten mit Fleiß. Schließlich gelang es dem Vor- steher Haß, die Eindringlinge durch gutes Zu- reden zum Verlassen des Saales zu bewegen. Später empfing dann Bürgermeister Longe eine Abordnung, die ihm ihre Wünsch« vortrug. In einer Ausschußsitzung war gestern darüber verhandelt worden, wie man den Erwerbslosen billige K a r t o s f e I n zukommen lassen kann. Von den Sladtgütern stehen einige hundert- tausend Zentner Kartoffeln zur Verfügung, die aber der Magistrot bei der unerhört angespannten Finanzlage nicht kostenlos abgeben kann. Die sozialdemokratischen Mitglieder des Ausschusses beantragten daher, daß der Magistrat prüfen solle, ob er diese Kartofseln nicht zum Selbst- kostenpreis an die Erwerbslosen abgeben kann. Der Magistrat wird diesem Verlangen sicher nach- kommen, so daß in kürzester Zeit die Erwerbslosen zu billigen Kartosfeln kommen werden. Daß es den Kommunisten mit der Not der Erwerbslosen nicht ernst ist, daß sie im Gegen- teil mit der ungeheuren Not nur ein« billige Agi- tation betreiben, beweist ihr Verhalten bei dem dann verhandelten Tagesordnungspunkte. Es handelle sich um die Zustimmung zum Verkauf von Bauland in Steglitz. Hier sollten nach den Dispositionen des vorberatenden Ausschusses so- sort 240 Wohnungen gebaut werden, die etwa 500 Bauarbeitern einschließlich der dabei notwen- digen Nebenberufe sür die Saison Arbeit gegeben hätten. Alle Fraktionen der Versammlung waren sich in der Bewilligung des Verkaufs einig. Nur die kommunistische Fraktion erhob gegen die so- fortige Verabschiedung der Vorlage Einspruch. Es ist also festzustellen, daß dieselben Kom- munisten. die vorher von den Erwerbslosen die Demonstration ausführen ließen, die sofortige Beschäftigung von 500 Bauarbeitern verhinderten! Ehe die abschließende Beratung stattsinden kann, werden sechs bis acht Wochen ins Land gehen. Stadtverordneter Loewy(Saz.) hielt den Kom- munisten vor, daß sie zwar schlechte Theateroor- stellungen arrangieren könnten, daß sie aber nicht in der Lage sind,'Arbeit für die Erwerbslosen zu schaffen. Die Kommunisten haben sich das gleiche Verbrechen an den Erwerbslosen schon einmal im Sommer vergangenen Jahres gestattet. Damals handelte es sich um die Fortsetzung des Baues des Arbeitsamts Südost in Neukölln, wobei sie die Bewilligung der Mittel sür den Weiterbau in der Stadtverordnetenversammlung verhin- derten. So sieht die Hilse der Kommunisten für die Erwerbslosen in der Praxis aus. Die Vorlage des Magistrats wegen der Sen- kung der Standmieten in de» Zentralmarkt- hallen wurde angenommen, ebenso auch die be- kannte Vorlage, die den Oberbürgermeister er- möchtigt, mit dem Magistrat und den zuständigen Deputationen Verhandlungen zur 5) e r b e i- sührung einer Prolongation früher ausgenommener Anleihen zu führen. Schluß der Sitzung gegen 201- Uhr. sie die Wohnungstür tüchtig mit Salmiak. Da machte sich schon wieder jemand am Schlitz zu schaffen. Frau Klein füllte eine Tasse mir Salmiak und goß de» gefährlichen Inhalt durch den Briefschlitz. Im selben Augenblick ertönte ein Aufschrei, Frau Schulze hatte die ganze Flüssigkeit ins Gesicht bekommen. Sie büßte das eine Auge ein. Frau Klein mußte aber vors Gesicht wegen' gefährlicher Körperverletzung. So gab es vor der Strafkammer des Land- gerichts III eine endgültige Abrechnung zwischen Mieter und Portier. Man kann wohl sagen: Alle Mieter gegen Portier Schulze. Frau Schulze behauptete aber, die Neujahrskarte sei von Frau Klein gewesen, sie habe ihr die Karte zurückgeschickt, sie wiederbekommen, und, als sie gerade dabei war, die Karte zum zweitenmal in den Kleinschen Briefschlitz zu stecken, sei sie von der ätzenden Flüssigkeit getroffen worden. Frau Klein erhiell 5 Monate Gefängnis. Nach Verbüßung von drei Monaten, soll ihr aus den Rest ein« Bewahrungsfrist zugebilligt werden. BenkfchriftohneAntwort Rritik an der Tiefbauverwaltung Einige technische und wirtschaftliche Sachverständige hatten auf Wunsch des Oberbsirgermeisters vor einem halben Jahr ein Gutachten über die Skadlentwässerung in Berlin ausgearbeitet. Seltsamerweise hat die Verwaltung dieses Gutachten der Oesfentlichkeit bisher vorenthalten. Es scheint seht, als ob die Geheimhaltung ihren besonderen Grund darin hat, daß in der Denkschrift schwere Angriffe gegen die Tiefbauverwallung enthalten sind. In dem Gutachten wird Kritik sowohl an der Personalpolitik wie auch an den Auf- Wendungen der Tiesbauverwaltung geübt. Noch Ansicht der Sachverständigen ist die Tiefbau- Verwaltung im Berliner Magistrat personell über- besetzt. Es wird weiter in zahlreichen Fällen die Aufstellung von Rechnungen bemängelt und fest- gestellt, daß am Tage der Prüfung rund 40 Bau- stellen aus dem Jahre 1929 noch nicht endgültig abgerechnet waren.'Auch die Verbuchungen der Kosten größerer Bauvorhaben, so besonders der Kläranlage Stahnsdorf, sollen nicht korrekt vor- genommen worden sein. Schließlich wird bei einer Prüfung der Denkschriften des Stadtbaurats Hahn aus dem Jahre 1928 festgestellt, daß nach Ansicht der Sachverständigen die Summen, die in der Stüdtiniwässerüng für notwendig erklärt werden, weit geringer zu veranschlagen sind. Die Oesfentlichkeit darf verlangen, daß die Ber- liner Stadtverwaltung umgehend die Einzelheiten des Gutachtens bekanntgibt. Ivo 000 Mark gezogen Am Donnerstagnachmittag wurde in der dritten Klasse der Preußisch-Süddeutschem Klassenlotterie der 100 000-Mark-Gewinn gezogen. Er siel auf das Los Nr. 135 845. Dieustjubiläum im Rathaus. Bürodircktor Paul Hesse, der Dienststellenleiter der zentralen Hauptverwaltung der Stadt Berlin, feiert am Freitag, dem!b. Dezember 1932, sein vierzig- jähriges D i e n st j u b i l ä u ni. Direktor Hesse ist bereits seit 30 Jahren in der Hauptverwallung Früher Ceneralbüro) tätig: er steht im 65. Lebensjahr. Herr Emil Gebauer, Jasmunder Str. 3, der seit dem Jahre 1889 ununterbrochen die sozialdemo- kratische Parteipresse bzw. den„V o r w ä r t s" liest, feiert heute am 16, Dezember seinen 70. Geburtstag. deshalb Zuchthausstrafen beomragt und so den ungeheuerlichen Strasantrag zustande gebracht. Diese juristische Konstruktion, mag sie formell richtig sein, ist psychologisch eine pure Unmöglich- keit. Wie sollte nachgewiesen werden, daß sämtliche elf Angeklagten den Borsatz gehabt haben, Schwarz zu töten? Das Gericht wird den Anträgen des Staatsanwalls nicht stattgeben, es wird unser seinen Umständen eff Angeklagte auf viele: Jahre, ins Zuchthaus schicken können. Es wäre aber bester, wenn diese ungeheuren Srrof-- anträge unterblieben wären. Verfahren gegen Dr. Huth Leine Romplizin flüchtig Im Zusammenhang mit dem im März d. I. er- folgten ÄonkursderFirma„Signalbau- Huth" ist von der Staatsanwallschaft I gegen Dr. Erich Franz Huth, gegen die gleichfalls an dem Unternehmen beteiligte Frau Erika Neuner und gegen einen weiteren Mitarbeiter der Firma ein Verfahren wegen Untreue und Konkursvergehens eingeleitet worden. Huth soll der mit ihm befreundeten Frau Neuner aus Betriebsgeldern die runde Summe von 1 Million Mark verschafft haben, mit der Frau Neuner nach der Schweiz geflohen ist. Wegen dieser Angelegenheit ist gegen sie Steckbrief erlassen worden, ohne daß bisher ihr Aufenthalts- ort ermittelt werden konnte. Dr. Huth liegt augenblicklich infolge eines Nervenzusammenbruchs im Krankenhaus. Mit Salmiak geblendet Fortier Lchulze gegen alle In einem Hause im Norden Berlins tobte er- bitterler Kamp' zwischen dem Portier Schulze und seinen Mietern. In gänzlicher Verkennung seiner Pflichten und seiner eigenen Interessen bedrohte. Schulze die Mieser und wurde sogar tätlich;-uich seine Kinder mischten sich in den Streit. Befonders schlimm ging es zwischen dem Portier und dem Mieter Klein zu. Den Anlaß zu dieser erbitterten Feindschaft bot eine Beschwerde beim Hauswirt: Der Trocken- boden möge endlich einmal tüchtig gesäubert werden.„Wat, den Trockenboden soll ick reene machen? Seit 25 Jahren is da nich uffjeräumt worden!" Frau Klein erhielt von Frau Schulze einen Stoß, daß sie zu Boden stürzte. Als Herr Klein in seiner Speisekammer war, warfen Schulzes Kinder einen Stein durchs offene Fenster. Frau Portier Schulze stand breitbeinig da und lachte. Immer wieder klingelt es an der Tür der Kleinschen Wohnung. Wenn man nachschaute, war niemand da. Hin und wieder klebte an der Tür ein Zettel unflätigen Inhalts, befestigt mit einem unaussprechbaren Klebestoff. Auch sonst klebte bald dies, bald jenes an Mieter Kleins Tür, das eigent- lich an eine ganz andere Oertlichkeit gehört. Silvester brachte die Katastrophe. Frau Klein erhielt eine Karte, deren Inhalt sie als Beleidi- gung empfand. Der Schreiber konnte niemand anders als der Portier sein. Sie schickte die Karte zurück: sie landete wieder bei ihr. Sie schickte sie zum zweitenmal zurück. Zwischendurch scheuert« Gefahren für die Äugendherbergen Das deutsche Jugeiedherbergswert ist eines der ganz wenigen Gebiete praktischer deutscher Kultur- arbeit, auf dem man im großen ganzen ein fried- liches förderndes Zusammenarbeiten aller Kräfte von links bis rechts feststellen kann. Hier ist in der Tat ein Werk zustande gekommen, das wegen seiner Einheitlichkeit und Geschlossenheit im Aus- land großes Aufsehen erregt hat und bereits Nachahmung gefunden hat. Es scheint nun aber, daß, wenn sich in Deutschland irgendwo und irgendwann einmal so eine Art Einheitsfront zur Durchführung eines gemeinnützigen Werkes bildet, sich alsbald auch eine gegnerische Front bildet, die das schöne Werk zu stören sich anschickt. Auch gegen das deutsche Juzendherbergswerk macht sich jetzt eine Gegnerschaft bemerkbor. Diese Gegner sind merkwürdigerweise unter den deutschen Gast- Wirten zu suchen, richtiger im Deutschen Gast- wirtsverband. Die Gründe der Gegnerschaft der Gastwirte bzw. der Hoteliers liegen darin, daß man in diesen Kreisen annimmt, daß die Jugendherbergen über ihre Aufgaben und Ziele, den jugendlichen Wanderern ganz billige Unterkunft und Ver- pslegung zu gewahren, bereits hinausgegangen �eien, weil sie angeblich in steigendem Maße auch älteren Wanderern Unterkunft und Verpflegung gewähren und aus diese Weise dazu beitragen, den Gastwirte» und Hoteliers«ine höchst unliebsame Konkurrenz zu bereiten. Auf dem Deutschen G a st w> r t e t a g in M ü n st e r im September dieses Jahres hatte bereits de. Bayerische Gast- wirteoerband einen Antrag eingebracht, der die Forderung aufstellte,„den aus staallichen und sonstigen öffentlichen Mitteln subventionierten Jugendheimen auf das strengste zu untersagen, andere Uebernachtungsgäste aufzunehmen als jugendliche Wandergesellschastsn und ihre Führer". Begründet wurde dieser Antrag wie folgt:„Die Jugendheime und Jugendherbergen haben sich zu scharfen und zum Teil unlauteren Konkurrenten des Gasthofs- und Hotelgewerbes ausgewachsen, indem sie wahllos allen Leuten Quartier gegen Bezahlung bieten und ein Geschäft aus der Be- Herbergung machen. Es muß deshalb festgelegt werden, daß die Jugendheime und Jugend- Herbergen nur jugendliche Wanderer und ihre Führer zur Beherbergung aufnehmen dürfen. Und der Prooinzialoerband Nheinland hatte in einem ähillich gearteten Antrag sogar eine„Unter- bindung der Konkurrenz" verlangt, die„dem Wühlarbeit ihrer Gegner Eastwirtegewerbe aus dem uiigesetzlichen Treiben der Jugendherbergen erwachsen". Ueber die Gründe, weshalb die Gastwirte bzw. ihre Organisationen mit einemmmal gegen das allgemein beliebte und wohlgelittene Jugend- Herbergswerk vorgehen, dürste man im klaren sein. Die Wirtschaftsnot brennt den Gastwirten ebenso sehr auf den Nägeln wie allen anderen Berufs- und Erwerbskreisen und sie suchen nun »ach der Ursache ihrer Not und glauben, eine dieser Ursachen darin zu finden, daß Touristen und Wanderer, die eigentlich in chre Häuser gc- hörten, statt deren die Jugendherbergen aufsuchen. Eine solche Annahme wäre, vom Standpunkt der um ihre Existenz besorgten Gastwirte, immerhin zu untersuchen. Wenn man dann aber, wie jener Antrag des rheinischen Verbandes, sich dazu hin- reißen läßt, glattweg von ungesetzlichem Treiben der Jugendherbergen zu sprechen, wenn das Fach- rrgan„Das Gasthaus" sich Behauptungen wie diese leistet, daß vor den„Jugendherbergen die Autos vorführen wie vor einem Hotel", dann hört die Gemütlichkeit ganz und gar auf. Jeder nur einigermaßen im Jugendherbergs- werk Erfahrene weiß ganz genau, daß dieses Werk eine Konkurrenz gegen die Gastwirte weder war noch sein wird oder sein kann. Die Jugend- Herbergen, soviel sollten die Gastwirte doch schon wissen, nehmen zum weit überwiegenden Teil nahezu unbemittelte Jugendliche auf, die ohne diese Uebernachtungsstätten niemals eine Mög- � lichkeit hätten, ein Stück ihrer deutschen Heimat kennenzulernen. Mal im Heu beim Bauern zu schlafen, ist ganz schön und interessant, aber die schlichte Sauberkeit der Massenquartiere In der Jugendherberge wird von den Jugendlichen selber schließlich doch vorgezogen. In der Jugend- Herberge können sich die Jungen und Mädels ganz nach eigenem Wunsch und Geschmack ihren „Pamps" kochen, und sie geben dafür einen Bruchteil dessen aus, was ihnen ein ähnliches Essen im Gasthof kosten würde. Die Jugend- Herberge ist weiterhin alkoholfrei und nikotinfrei, und das ist nun mal eine kulturelle Errungen- schast, die wir der Jugend unter ollen Umständen erhalten wollen. Die Gastwirte zwar meinen, daß es die älte- ren Wanderer sind, die eigentlich in die Herbergen nicht hineingehören und sich ihre Vor- teile doch zunutze machen. Auch das trifft nicht zu. Es gibt sehr viele Jugendherbergen, die Ein- zelwanderer gar nicht aufnehmen können. Die Wanderer sind also an jenen Orten ohne weiteres auf das Gasthaus angewiesen. Ferner aber sind die Bestimmungen der Jugendberbergen so ge- laßt, daß alle eigentlichen Jugchidwanderer samt ihren Führern den Vorrang haben. Das geht sogar soweit, daß ältere Einzelwanderer, die sich vielleicht vorher angemeldet haben, sofort zurück- treten müssen, wenn sich nach ihnen eine Gruppe jugendlicher Wanderer mit Führern anmeldet. Fest steht jedenfalls, daß das Unterkommen von Einzelwanderern niemals und nirgends die Regel ist, sondern fast immer nur eine Ausnahme. Aller- dings würde mancher ältere Einzelwonderer froh sein, wenn er in der Jugendherberge unter- kommen könnte und wenn die Bestimmungen darüber nicht so streng wären. Die von keinerlei Trink- oder Nerzehrzwang eingeengte bescheidene H e i m g e m ü tl i ch k e it der Jugendher- berge sagt ihm mehr zu als die nun einmal von Bier- und Tabakdünsten durchzogenen Räume einer Gastwirtschaft. Andererseits gibt es noch immer genug Touristen, die die Behaglich- keit der Gast st übe wiederum mit keiner Jugendherberge tauschen möchten. Die Gastwirte würden also in ihrem eigenen Interesse gut tun. ihren Zorn nicht gegen die Jugendherbergen zu kehren, sondern ihre Sympathie mit der großen deiktschen Reise- und Wanderbewegung dadurch zum Ausdruck zu bringen, daß sie entlich anfangen. ihre Häuser mehr als bisher als„Touristen- Hotels" und„Wandererheime" einzu- richten. Dann werden ihnen die Touristen und Wanderer von ganz allein zuströmen, sobald sie nämlich wissen und feststellen, daß sich diese Häuser, wie heute schon manche Sporthotels, auf ihre besonderen touristischen Bedürsnisse eingestellt haben, besonders auch hinsichtlich der Preise Unsere schöne Jugendherbergsbewegung aber soll man in Ruhe lasten. kasse und wollte mir gerade den Restbetrag her» ausgeben, da stürmten plötzlich zw«! Herren m den Laden und beschlagnahmten die Kasse. Es war der Gläubiger und ein Gerichtsvollzieher, die ein« Kassenpfändung oornahmenl Meine Ein» Wendungen, daß es mein 20-Mark-Schein sei, wurden nicht beachtet. Gerichtsvollzieher und Äläubiger weigerten sich, mir mein Geld heraus- zugeben, obwohl der gekaufte Gegenstand noch auf dem Tisch stand und obwohl meine Angaben vom Inhaber, seiner Frau, seiner Angestellten und anderen Zeugen bestätigt wurden Die erste schriftliche Einwendung beim Amtsgericht wurde als nicht begründet und nicht be- wiesen abgelehnt. Ich war gezwungen, folgende Schritte zu unternehmen: 1. Antrag auf Einstellung des Verfahrens und gleichzeitige Einreichung der Klage, 2. Schreiben an den Gerichtsvollzieher mit Antrag aus Hinter- legung, 3. Schreiben an den Gläubiger aus Frei- gäbe meines Geldes Mit vielen Scherereien er- hielt ich endlich nach 3 Wochen meine 13 Mark, jedoch mit dem Bescheid, noch 2M Mark Gerichts- kosten zu zahlen. Dazu kommen noch eigene Un- kosten für Porto, Schreidgebühren, Fahrgelder von etwa 3 Mark. Dies jedoch war noch billig, weil mir als Rechtsunkundigen ein Rechtskundiger kostenlos half. Das Ganze aber war um so schmerzlicher, weil ich selber stellungslos bin. Also nicht nur Aerger, Aufregung, Verdruß, sondern auch noch Kosten!" Zweifellos ist dies ein vereinzelter Fall, und das arme Opfer hat ein ganz besonderes Pech gehabt. Es wäre aber wünschenswert, wenn das Gericht der Betroffenen aus Villigkeitsgründen die Kosten erließe und wenn sich der übereilige Gerichtsvollzieher dazu verstünde, der Stellungs- losen die gehabten Unkosten zu ersetzen. Wenn einer Jech hat WilderKampf um einen20-M.-Schein Von einer weiblichen Stellungslosen erhallen wir folgende Zuschrift: „Auf dem Wege zu einer Geburtstagsfeier be- trat ich ein kleines Blumengeschäft, um eine Blume zu kausen. Der Blumentopf wurde aus- gesucht und stand eingewickell auf dem Ladentisch. Ich reichte dem Inhaber einen 2 l>- M a r k- Schein hin und hatte Ig Mark herouszubekom- men. Der Inhaber tat den Schein in seine Laden- Ls war hein Mord Der Tod des 76jährigen Rentners Karl Menzel aus der Perleberger Straße 17 konnte berells im Laufe der gestrigen Nachmittagsstunden einwand- frei geklärt werden. Der Greis wurde, wie l>«- richtet, zwischen Bett und Osen auf der Erde tot aufgefunden. Die schwachsinnige Frau des Renk- ners hockte neben der Leiche. Verdächtige Strangulationsmale ließen den Verdacht auf- kommen, daß der alte Mann erwürgt worden war. Wie sich bei der gerichtsärztlichen Unter- suchung jedoch herausstellte, handelte es sich um T o t e n f l e ck e. Menzel ist vermutlich schon vor einigen Tagen gestorben. Zum Echmuck-ästchk» wird auch das schlichteste Heim, wenn Sauberkeit aus jedem Eckchen strahlt. Und wie leicht und billig hat man's mü Hentels Ata, diesem un- übertresflichen Valkspudmittel. Doppelt beguem, doppelt sparsam durch das praktische Streusteb. Zudem tostet die vergrößerte Flasche jetzt nur noch 18 Pfennig. Etaiendungen iur bieje Rubrit sind Berlin ZW«8. uindenitraße 1 parteinachrichten für Groß-Berlin stets au da»»ezirksselretarun 2. Hns. 2 Treppen-echt», zu richten Beginn aller Veranstaltungen Uhr, sofern keine besondere Zeitangabe! Beltion blinder Parteigenosten. Heute, 20 Uhr, Versammlung bei Schulz, Adalbertstr. 81.„Die Partei vor neuen Aufgaben." Referent: Gottlieb Reese. Neuwahl der Settionsleitung. Alle mllssen pünktlich erscheinen. Z.»reis. Sonnabend. 17. Dezember, äußerst wichtige Lersammlung aller SPD.-Kleingärtner de» Weddings bei Heintze, Barfusstr. 17. Mitgliedsbuch ist mitzubringen. 17.»reis. Montag, IS. Dezember, 18 Uhr, Frattionssttzung. Die Pezirtsver- ordneten und Bürgerdeputierten treffen sich im Zimmer 38 des Rathause«, PtöUendorsfstr. 8. 8. Abt. Sonnabend, 17. Dezember, pünktlich 19 Uhr, Zuntlionärlonfereni. 17. Abt. Sonnabend, 17. Dezember. 18 bis Ig Uhr, im Kristallsaai, Sellerstr. 3t, Sonnenwendfeier für unsere Kinder unter Mitwirkung der Kinderfrcunde, SAN. und der Einggemeinschaft am Bedding. Ab IS Uhr gemütliches Bei- sammeusein. SO. Abt. Heute, 20 Uhr, bei Gllrlich. Begasstr. 1, Funktionärsttzung. 08. Abt. Sonnabend. 17. Dezember, 20 Ubr, Bunter Abend der jüngeren Parteimitglieder in der Zdealhalle, Snmvathistcrcnde stnd«ingeladen. 103. Abt. Alle Parteimitglieder und Intcressterenden werden zum Sonntag, 18. Dezember, bei Katerbaum, Sedanstr. 3, zu der Bücherausstellung des Dietz.Perlages, der Büchergiidc und des Büchertreijes eingeladen. 1t2. Abt. Sonnabend, 17. Dezember, 20 Uhr, Zahlabend im Loral Tetner, Rahns. dork Fürstenwalder Allee, Bortrag des Genossen Bärkel:„Die neuen Maßnahmen der Konsumgenossenschaft".— Sonntag, 18. Dezember, ver- anstaltct unsere Kindersreundegruppe zusammen mit Partei und Reichs- banner eine Wintersonnenwende im Fcstsaal der Soz, Arbeitsgemeinschaft Ost, Siedlung Ulmenhof, Wilhelmshagener Str. Iii. Beginn 18 Uhr, Ein- tritt frei. Alle Parteimitglieder werdrn aufgefordert, sich daran zu be- teiligein 117. Abt. Eintrittskarten für Eonnabend zu der Nachtvorstellung stnd noch bis Sonnabend, 14 Uhr, beim Genossrn Klose zu haben, 110. Abt. Sonnabend! 17. Dezember, 10 Uhr, wichtige Vczirkstiihrerbejprechung bei Bartz, 127. Abt. Zwecks Teilnahme o» der Kreismitgliederoerlammlung trcsfen sich die Parteimitglieder heute, 10 Uhr, Berliner Ecke Orankestraße. Sterbetafel der Groß-Berliner Partei-Organisation Bezirksansschuf; für Arbeiterwohlfahrt. n 13. Kreis Tempclhas, Mariendors, Moeicnseldc, Lichtenrade. Am S W Sonntag, IS. Dezember, ll'i Uhr, findet in den Tivoli-Lichtspielen, D 7-i Tcmpclhos, Friedrich-Karl-Straße lEcke Berliner Straße), eine Film- '1 Matinee stati. Gespielt wird„Lichter der Großstadt" mit Cbarlie I? Chaplin. Vortrag der Genossin Paula Kurgaß über„Erwerdslosenhilie"- Eintritt nur gegen Abschnitt eines Arbeiterwohlfahrtsloses, Jugendliche � 4 haben Zutritt. W � .' F- � F l I 1 Iii Arbeitsgemeinschaft der kinderfreunde. Ordncrdienst In der Ausstellung heute Kreis Pankow. Der Kasper spielt heute„Hotus— Pokus— Bautz". Die Ausstellung der Kindersreundc im Metallarbeiteroerbaadshans. , Alle Iakobltraße'. ist bis zum 20. Dezember täglich geossnet ip der Zeit von tO bis 22 Uhr. B' Mitte: Sonntag, 18. Dezember, treffen sich bis 13 Uhr alle Gruppen >- in der Ansstelluno- Montag, 10, Drzember, Helfersitzung im Jugend. beim Zebdeiniker Straße. Frip Wille: Alle Reslsalken treffen sich heute. 18 Uhr,| in der Wohnung Reandersir. 33, vorn 4 Treppen, bei Erna Beckhoier. Prenzlauer Berg, Abt. Piktor Adler: Ounglalken heute, 18:8 ühr. Sonnen» wsnhleie: in der Baroese. fttruzberg: Die Falkenzeitnng der Abteilungen Vorworts und Bergmann sind noch nicht abgebclt.— Abi. Vorwärts: Montag treffen wir uns i:; vhr >ur. Kalperl-vorilellung an der Raten Ecke. Mittwoch. 21, Dezember, 17 c-, 1!hr, Winterfonnsiuvendfeier im He-m Manteusselftr, 7. Spandau: Unsere Ciemeinschastsseier findet am Sonntag, lOu� Uhr, im Jugendheim Andenufer> statt. Lichtenberg, Abt. Mablsdorf: Wir fahren zur Ausstellung mit dem Autobus 13 Uhr an der Greifswalder Straße. Neukölln: Für unsere Veranstaltung am Montag weisen wir alle Helfer darauf hin. daß für all« Falken der Ausweis nvlwenbia ist. Am Sonntag, 10 Uhr, Gefangsvrobe, Bergstraße. Leitung: R. Bartbel. Um 18 Ubr Gesangs, probe der Spieltrupps im Kreisbeim. Alle dazu notwendigen Sachen müssen MtMebracht werden.— Abt. Lichtkämvler: Heute Gemeinschastsstunde für Jung» und" Rote Falken 171, h usir im Kreisbeim. Reinickendorf: Sonnabend, 17. Dezember, Fahr! nach Neu-Veblesanz zur Sonnenwendieier, Treffen 18 Uhr Bhl. Tegel. Instrument« mitbringen. Am Dienstag, 20, Dezember, haben wir in der Ausstellung Srdnerdiensi, Jede Gruppe muß Helfer stellen. Unser Parteigenosse Gustav Rhode, Schlosser, Neukölln, Allerftr, 8—9, ist am 13. Dezember verstorben. Ehre seinem Andenken! Einäscherung findel am Sonnabend, 17. Dezember, 181., Uhr, Krematorium Baumschulenweg, statt. Rege Beteiligung erwartet die Abteilungslcitung. Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Verlin Einlendunaen für diele Rubrik NU! an das Zugendi-kiekoriat Berlin EW 88 Lindenstraße 2 oorp I Trepp» recht» Achtung, SSG.-Leiter! Der„Rote Schüler", Dezember-Nummer, kann abgeholt werden, Proletarisches Orchester der SAS,, Gruppe A: Probe 1948 Uhr im Heim Lindenstr. 4. Waudcrauskunft heute geisssnet von 17 bis 19 Uhr Heim Lindenstr. 4, v. I. Ränchen-Helsen-Kursu« morgen, pünktlich 19 Uhr. im Heim Lindenür, 4. Reserentenschulc Pros, Dcnecle und Pros. Rosenbcrg morgen, pünktlich 18 Uhr, im Raum der Arbetterdildungsschule, Lindenstr. 8, 2, Hos, 2 Tr. Heule. Zreikag, 20 Uhr. Arionaplatz: Elisadethkirchstr. 19: Das Mädel in der Arbetterjugend,— Gewerlschastshans: Achtung, wir tagen im Gewcrlschaftshaus, Saal 11! Sozialismus. y. Teil.— Roienthaler Vorstadt: Schul« Zehdenicker Str. 17— 18; Dil Frau und der Sozialismus— Zcnirilm: Waisenstr. 18: Vortragsabend.— Hansa: Bochum cr Str. 8b: Die Politik der SPD in der Republil.— Moabit l: Waldenserst,. 20: Die politische Versassung Spaniens.— Moabit U: Bremer Straße 70: 10 Jahre Faschismus In Italien.— Sportpalast: Genthiner Str. 17: Kultureittwicklunq.—, Gesundbrunnen II: 19 Uhr Baer.— Humboldthain: Treifpunkt zur WB.-Milqliederversammlung 19 Uhr Roie'Allee.— Arnimplag: Sonnenburger S:r, 20: Kameradschaftsehe.— Arnswalder Platz I: Lchönlanter Straße ll, B 3: Politischc Satire.— Balkan: Mandelstr. 8: Bunter Abend mit Schallplatten,— Faliplatz U: Sonnenburger Str. 20: Sozialistischer Aufbau in der Sowjetunion,— Hohenichönhaulca: Hauvtstr. 44: Die Frau im beutiaen -Rußland,— Nordost I: Danziger Str. 62, B. 3: Die Arbeit der Partei seit 1918,— Senesclderplatz: Kastanienallee 82: Konzentration der Industrie,— Aeißensee: Casclcr Str. 2: Politische Satire.— Franlsurter Viertel: Frank. kurter Allee 307: Politische Tagesfragen.— Fricdrichsbain: Diestelmsnerstr, 3—8: Weihnachten einst und jetzt.— Petersbnrger Viertel: Eberl,, str. 12: Seruclle Fragen, IV,— Stralaucr Viertel: Goßlerstr. 81: Schallplattenabend.— War- schöner Viertel». NF,: Litauer Str. 18: Drache Marxismus, ll.— Luiienstadt: Wasserlorstr. 4: Probe für die'Weibnachtsseier.— Reickienberger Viertel: Man- teuffelstr, 7: Gruppenabend.— Friedenau: Sssenbacher Str. 3s: Arbeiterdichtung,— Scböncberg I RF.: Lauptstr. 13: Iulklapp.— Slbönebera ll: Der Weg der Arbeiterklasse zur Macht.— Charlottenburg: Rossnenstr. 4: A. G. — Cbarlottcnburg.Süd: Pestalozzistr. 40: Vortragsabend.— Spandau, Zünqer«: Lindenufer 1: Warum arbeitslos?— Lankwitz: Annaftr. 12: Schallplattcnabend. — Lichtcrfclde: Albrechtftr, 14!>: Wje kommen wir zum Sozialismus?" III.— Maeiendorl: Dorssrr. 7: Jugend und Sozialismus.— Britz: Schule Parchimer Allee: Arneitsgenieinichaft.— Reukölln I: Sander- Ecke Hobrecküstraße: Tages- poliiik.- Neukölln Iii: Steinmetzsir. 94: Heimabend.— Neukölln Ii; Kanner Ecke Böhmische Straße: England— Indien.-- Renttzlln 311: KMS.: Erlebnisse aus Südamerika.— Reukölln IX: schule Mariendorser Wea: Kampfliederabend. — Neukölln XI: FlugHaiensir. 68: Der Weg ins Leben.— Rndaw: Schule Neu. köllncr Sirasie: Bunter Abend.— Banmlchulenwea: Ernftstr. 18: Die Orqani. laiio» der Arbeitcrklassc, III.— Zohannislbal: Rathaus: Probe.— Schöne- weide ll: Berliner Str. 31: Geübichte der Arb-iterbewegunq, l.— Zr'otaw: Eilenstr. 8: Familie im sozialistischen Staat.— Adl-r°bas: Bismarckltr. 1: Arbeitsgemeinschaft.— Bohnsbors und Faltend ra- Pressebesnch.— Köv-nick I: Grünauer Str. 3: Weg und Ziel der NSDAP.— Köpenick 17: Dablwitzer Str. 13: Schallplattenabend.— Hcrmsdors: Roonssi-aße: Fragekaktenabend.— Lübars: Schule Dortstratze: SowsetnGIanb.— RR ickenbork-vst: Lindaner Straße: Alkohol und Nikotin.— R-inickendorf-West: Seidelstr. l: D-.e Parteien in I'evtichland. IV... Teg-I: Schänebew Str. 3: Nrabe,—'Witten««: Hauot- siraße>3: Zraniösskche Revolution.— Karow: Frundsbergitr. 9: Boden hei A. Koch.— Nicder>chän->»usen: Lindenstr. 47: SA?, und moderne Gelellkchost. Werbebezirk Wedding! Milgliederversomminng im B-zirksverordneten, Sitzungssaal, Rathaus. Mllllerstt. 148— 147, 194i Ilhr.„Die politischc Situation." Referent: Genosse Iohansen.» Werbebezirk Kreu-berg: Bilbungsobleutesttzung 1944 Uhr Urhanlir. 187. Berbebezsei Neukölln- Alle rrwerbslasen Genassen beteiliaen sich an de« EW., Zusammenkunft der Partei ab 13 Uhr im Heim Kanner Straße. Werbebezirk Lichtenberg: Mitgliederversammlung im Heim Sunteritr. 44. Werbebezirk Pankow: Porstandssstzung im Heim Kilssngenstr. 48. Bastelkeller. Wedding RF.: Bunker Clicraabeud um 20 Uhr im Schrader-Saal.— Malolaouetiiraße.'= Sumboldthaiu: Morgen, Sonnabend, 20 Uhr. Sozialistische Feier, s stunde, Schulaula Putbusser Str. 22. Luiseuftadt: Morgen, Sonnabend, 20 Uhr, Weihnachtsfeier mit be» � sonterem Programm, im Dresdener Garten. Werbebezirk Prenzlauer Berg: Sonntag, 944 Uhr, Funktionärkouferenz im Altersheim, Danziger Str, 82, ,,Die politische Situation und die Aufgaben der Jugend". Referent: Erich Schmidt. Interessierte Genossen haben Zutritt. Mitgliedsbuch mitbringen. Gewerkschafis-�uoenö Berlin Heute, Freitag, 18, Dezember, um 104h Uhr, tagen die Gruppen: Frei- bcit: Jugendheim Wassertorstr. 4. Brettspielabend.— Charlottenburg: Jugendheim Spreestr. 30. Fritz-Reuter-Abend.— Rordriag: Jugend- heim Schule Sonnenburger Str. 20. Schallplatten— alte und neue Musik.— Hcrmaanplotz: Iuaendheim Sanberstr. 11. Ecke Hobrechtstraß«,„Merkst« wat," — Franksurter Allee: Jugendheim Litauer Str, 18.„Die Gewerkschaften al» gesellschaftlicher Machtfaktor",— Zcppelinplatz: Jugendheim Turincr Ecke See- straßc.„Mir ist so zwickelig,"— Reinickendors-Ost: Jugendheim Lindauer Straße iBaracke).„Bub und Mädel."— Adlerebos: Jugendheim Adlershof, Bismarckstr. 1.„Rund um Weihnachten."— Hertzbergplatz: Jugendheim Treptower Str. 28. Der Abend gehör: uns.— Flugdöfcn: Jugendheim Schul» Mariendorfer Weg 89—70.„Umbau der Lirtschaft."— Prenzlauer Berg: Jugendheim Gleimstr, 33.„Betriebsrätegesetz", ll.— Wedding: Jugendheim Willdenowstr. 3, 2 Tr, Unsere Mädel haben das Wort. .�uoendoruppe des �entralverbondes der Anoestellten beute, Freitag, finden folgende Veranstaltungen statt: Südwest: � Jugendheim Borckstr. 11(2. Hof, Luergebäude Aufgang ll, Zimmer 4). Fritz Weisstcck übt mit uns neue Lieder,— Unsere Sprech, und Sviclgemcin. schast übt heute von 20 bis 22 Ubr im Jugendheim Schönlankcr Str. 11.— Die Pbotogrnope tagt ab 1841 Uhr im Iugendhetzm Frankfurter Allee 307, Luergebäude 2 Treppen.— Die Berliner Druckerei» und Berlagsgesellschaft m. h. H. kommt von 20 bis 22 Uhr im Berbandshaus, Hedomanniir. 12, zu. sammen. Vortrage, Dereine und Versammlungen Reichsbanner„Schwarz-Rot-Gold". K e I ch 2 k t s st« I l e: Berlin S>4 Sehastionftr 37— i38 Hol 2 Tr. Wedding iCrtsverein). Sonntag, 18. Dezember, 17 Uhr, Weihnacht?. feier für die«rwerbslalen Kameraden im Saalbau der Hrchschul» drauerei, Amrumer Str. 31. Bundeskleiduug, Buchkcntrollc.— Pankow iOrtsvcrein). Sonntag, 18. Dezember, 8 Uhr. Antreten an bekannter Stelle. Die Außenbezirk« gemäß besonderer Einladung.— Kameradschast Baumschule». weg. AiA-Hos: Kamerad Karl Günther ist plötzlich verstorben. Einäschc. rung beule, 1844 Uhr, im Krematorium, Kiefholzstraße, Dozu ergeht folgcude Anordnung: AnSreten der Ehrenwache und der Fahnendelegation zur festgesetzten Zeit. Kommando für Ehrcuwoche hat Zue.sührer Krüger,— Prenzlnurr Berg, Vortrupp: Freitag, 18. Dezember,>881 Uhr, Schar Ludwig Frank, Baracke 8, Danziger Str 82.— Treptow, Vortrupp: Freilag. 18. Dezember, 18 Uhr, Lieder. abeud des gesamten Vortrupps im Jugendheim Baumschulenweg. Ernststr. 8.— Köpenick. Lrtsvcrein: Freitag, 18. Dezember, 20 Ubr, Mitgliiderveriammlung im Kokal Kaisrrhof, Reiereni: Kam. Stieglitz,— Pankow, Ortsverein: Frei. tag. 18. Dezember. 20 Uhr. Iungbanner im Iuaendheim Pankow. Görscb. Ecke Rettigstraße. Reierol:„Italien unter dem Faschismus". Kam. Apel. Ferner Neuwahl. Freireligiöse Gemrinde. Sonntag. 11 Uhr, Pappelallee 13, Vortrag des Herrn H. Alf!«»:„Di- iathoNschc Kirche und ihre Sozialpolitik in Theorie und Praxis". Gäste willlammen, Arbeiter- Zindio-Bund Deutschland, E. B., Ortsgruppe Groft-Jrrll». Unter. »ruppc Fritzdrichshuia: Tagungslokal Dertalla, Hchenlr.hcstr, S. Montag, 19. Dezember 20 Uhr, Fortsetzung des Barrrages:„Die Röhre und ihr Wirkungskreis".— Untergrunpe Lichtenderg: Tagungslokal Bibliothek Weichsel- ltraße 28. Donnerstag, 22. Deecmbcr. 20 Uhr. Das Audion.— Unterarnppe Neukölln: Tagungslokal Reukölln. Linus Klemt, Berliner Str. 100. Freitag, 23, Dezember, 20 Uhr. Kulturoortrag, Rrkercnt Gen-sse Segall.— Unter- oruppe Prenzlauer Berg: Tagungslakcl Klug. Bcrlin NO. 33. Danziger Str. 71. Dienstag. 20 Dezember. 20 Ubr. v-nbrabte ich einen Empfänaer.— Unter- grnvve Krev-berg-Te-npelhol: Toq-a.gslotnl Restaurant Thiel«, Fürbringerftr. 0. Freitag, 22, Dezember, 20 Uhr, Gruvnenabend.— llat-rarnppe G-inndbrnan-'n: Tagungslokal: Kleines Gewerkschaflsbau», Stettiner Strc-sie. Freitag, 23, Do- zember, Gruppenabend.— Untergruppe Spandau: Anschrikr: Oskar Sinke. Spandau, Eschenweg 10. Ziiher-Clnh 1897 Neukölln. sDiriaent: Adolf Wollenlchläger.) Jeden Freitag Uebungsstunde im Restaurant Meißner. Kaiser-Friedrich. und Anzengruber. straßen-Ecke. Beginn 20>4 Uhr. Zitherspieler und Gäste herzlich willkommen. Typographische» Orchester. Dirigent: Erich Gutzeit. Uebungsstunden jeden Freitag, 2044 bis 2244 Uhr, im Jdeal-Kasino. Neukölln, Weichselltr. 8, Bläser und Streicher willkommen. Gerammte Steine 200 Jahre Berliner Steinsetzerbewegung vV,\\v.v>%v.V.v.vXv; mm Flaschenqualität ist fein/ Zur raschen und mühelosen Säuberung aller Geräte aus Holz, Glas, Metall oder Stein ist Ata in der praktischen Streuflasche die unübertreffliche, sparsame Putz- u. Scheuerhilfe. Aia eignet sich wegen seiner besonderen FeinheU und Schaumkraft auch zur Säuberung schmutziger Hände hervorragend. strahlende Reinheit« Sparen Sie beim Scheuern und Putzen fiJAabefim Paket ist die grobe Qualität/ Wo aber von groben Dingen, wie gußeisernen Pfannen, Herdplatten. Kübeln usw.. starker Rost oder Schmutz entfernt werden sollen, da packt Ata im Paket kräftig zu, um Platz zu schaffen für hygienische Frische und Unlängst konnten die Berliner Stein- fetzer das Jubiläum des SviZjährlgen Bestehens ihrer Bewegung begehen Während in den meisten anderen Berufen zwischen Zunft- zeit und Eintritt in die moderne Gewerkschafts- bewegung eine brette Lücke klafft, läßt sich bei den Berliner Steinsetzern der ununterbrochene Zusammenhang für die letzten zwei Jahrhunderte dokumentarisch nachweisen. Im August 1732 erhielt der Steinsetzer Daniel Schmidt von dem damaligen Preußenkönig das Privileg zur alleinigen selbständigen Ausübung des Steinsetzgewerbes in Berlin. Dagegen er« hoben eine Anzahl anderer Steinsetzer, darunter auch die bei ihnen beschäftigten Gesellen, Einspruch Die Gesellen bjldeten zwei Parteien und die Gegensätze steigerten sich soweit, daß man sich aus den Baustellen unter den Augen des Publi- kums oerprügelte. Das waren die ersten„Re- gungen" der Berliner Steinfetzerbewegung. Der Protest hatte den gewünschten Erfolg: Das dem Schmidt erteilte„Monopolium" wurde zu- rückgenommen, im übrigen ober das Gewerbe für zunftmäßig erklärt. Bereits im Jahre 1748 sind die Sleinsetzergesellen im Besitz einer G e w e r k- s ch a f t s l a d e, was aber nach den geltenden gesetzlichen Bestimmungen oerboten war. Sonst hört man in dieser Zeck wenig von chnen, da sie ihre Zusammenkünste geheimhalten mußten. Wir erfahren nur von gelegentlichen Beschwerden ver- fchicdener namhaft gemachter Gesellen wegen „Pfuscherei", die übrigens noch in den vierziger Iahren des vorigen Jahrhunderts mit Geldstrafe und Arrest geahndet wurde. Auch die Auftrag- geber mußten Geldstrafe zahlen. Im Jahre 18l)S erfolgte eine weitere Verschärfung, mdem an die Stelle des Arrestes Gefängnisstrafe gesetzt wurde. Die in der Tat sehr häufigen Uebertretungen lasten daraus schließen, daß die Löhne, 12 Silber- groschen Tagelohn bei zwölfstündiger Arbeitszeit (24 Silbergroschen— 1 Tolerf, zum Leben durch- aus unzureichend waren. Die monatliche Miete für eine selbst nach damaligen Begriffen beschei- dene Arbeiterwohnung betrug l'A bis 2 Taler. In den zwanziger Jahren scheint— trotz noch immer geltendem Verbot— ein reges Gewerts- leben geherrscht zu haben. In den dreißiger Jahren wird den Steinsetzern von der Polizei ihr Gewerkssiegel weggenommen, das sie bis dahin verbotswidrig geführt hatten. Sic.Handwerken" trotzdem weiter. Wiederholt folgen polizellich« Vernehmungen wegen Erhebung unzulässiger Auf» nahmegebühren(Lossprechgebühren) bei der Auf- nähme in die„Brüderschaft"— man läßt sich da- durch nicht stören. Das Jahr 1848 sieht die erste richtig« Lohnbewegung der Berliner Steinsetzer. Er- folg: zehnstündige Arbeitszeit und 22� Silber« groschen Tagelohn. Auch eine schwarzrot- goldene Fahne wird angeschafft, die heut« noch vorhanden ist. Die andere Errungen- schaft hat nicht so lange angehalten, denn noch vor Ablauf des Jahres 1848 diktierten die Meister die alten Lohn- und Arbeitsbedingungen— trotz Androhung eines Abwehrstreiks, zu dem es nicht kam. Erst Anfang der siebziger Jahre erlangten die Steinsetzer die zehnstü.�>ige Arbeitszeit wieder. Im Jahre 1867 trat mit dem Altgesellen Louis Stalte ein Mann an die Spitze der Berliner Steinsetzer, der das alte, innerlich längst abge- storbene Zunftwesen noch einmal zu einer hohen Scheinblüte führte. Auf seine Initiative wird im Jahre 1882 das 150jährige Jubiläum der„Berliner Steinsetzer-Gesellenbrüderschaft" mit beinahe mittelalterlichem Pomp gefeiert. In seinem Ge- such um Genehmigung des Fest,uges an das „Königlich Preußische Polizei-Prösidium" betonte der Altgeselle Stalte ganz besonders, daß sich die Berliner Steinsetzergesellen.bisher von ollen sozialistischen Bestrebungen ferngehalten haben". Noch bis zum Jahre 1890 stand dieser Mann an der Spitze der Bewegung. Dann trat er zurück, weil er merkte, daß nun doch auch unter den Ber- liner Steinsetzergesellen der gewerkschaftliche und sozialistische Gedanke langsam Wurzel zu fasten begann. 1892 trat auch äußerlich der Umschwung ein. Zwar kam es hin und wieder noch zu Rück- fchlägen, ober dennoch ging es unaufhaltsam vor- wärts, und die Berliner Steinsetzer haben seitdem in jeder Einsicht ihren Mann gestanden: in ge- werkschaftlicher Hinsicht hoben sie in der Vor- kriegszeit vielfach sogar ganz Hervorragendes ge- leistet und in wenigen Iahren nachgeholt, was sie vorher-versäumt hatten. Opfer feiner Vrahlerei Diebesbancle am Werk Durch die gestern erfolgte Festnahme zweier Einbrecher ist eine Diebstahlsasfäre nunmehr aus- geklärt worden, die sich Ansang November in der Birkenslraße in Moabit abgespielt hatte. Unter dem Verdacht, den früheren Srauerciarbciter k. um dreizehntausend Mark bestohlen zu hoben, wurden der Z0 Jahre alle Schlächter Gustav Z l l m e r aus der Lübecker Straße und der ZS Zahre alte Schlosser Paul Z a n k o w s k y, genannt„Muhlicke", von Beamten der Ja- spektion II. 1 ermittelt und verhastet. Seide legten nach anfänglichem Leugnen ein umfassendes Geständnis ab. Der frühere Brauereiarbeiter haste sich mit den Jahren ein recht beträchtliches-LZermögen erspart und erzählte davon jedem, der es hören wollte. Er bewahrte in einer Holztruhe in seiner im Erdgeschoß des Gartenhauses gelegenen Wohnung mehrere tausend Mark auf. Der Mann wußte selbst nicht einmal, wie hoch die Summe war! Da er immer mit seinem Gelde geprahlt hatte, erfuhren davon auch Jllmer und Jankowsky. Iankowsky, der>>> einem Obdach wohnte, ging sozusagen mit dem Tip direkt hausieren und fragte hier und da, ob sich jemw-d beteiligen wolle. „Der Alke ist fertigzumachen. Wer macht mit?", so fragte er fast jeden anderen Insassen. Schließ- lich führte er mit dem Schlächter die Tat aus. Keutfchland-Brasilien RegelmäLiger Luftverkehr möglich Im Rfichsverkehrsministerium sprach gestern abend Dr. Hugo Eckener über den„Ber- kehr mit L u f t s ch i f s e n", besonders nach Südamerika. Dr. Eckener sagte zunächst, daß er die Fahrten mit dem Zeppelin nicht aus Lust an Abenteuern durchgeführt habe, sondern um zu ergründen, ob mit dem Luftschiff ein sicheres und auch Wirtschaft- liches Verkehrsmittel entstanden sei. Der Beweis dafür ist aus den vvrschiedenen Fahrten, die er unternommen hat. erbracht worden. Die Regierungen von Brasilien und Spanien haben ihre Bereitwilligkeit gezeigt, Anlagen zu erbauen, die einen regelmäßigen Verkehr zwischen Deutschland und Brasilien mit einer Zwischenlandung in Spanien ermöglichen sollen. Es ist geplant. hinwärts Barcelona und rückwärts Sevilla an- zulaufen. In den Wintermonaten wird der Bc- krieb aus meteorologischen Gründen von Spanien aus erfolgen müsten, da die gebirgigen Teile Süd- deutschlands die F-ahrten sehr erschweren. Selbstverständlich sind stiese Fahrten sehr teuer, aber Dr Eckener glaubt, daß nach dem Grundsatz: Zeit ist Geld! dex Geschäftsmann auch einen höheren Fahrpreis bezahlen werde, wenn er die Möglichkeit hat, an Zeit zu sparen. Man denkt an einen Fahrpreis von etwa 1800 M. pro Person. Da außerdem noch aus größer« Einnahmen aus Postbeförderungen gerechnet wird, glaubt Dr. Eckener einen ständigen Südamerika- verkehr durchaus rentabel gestalten zu können. Dr. Eckener, der seinen Vortrag durch eine Anzahl Lichtbilder von der Weltreise des„Graf Zeppelin" gut illustrierte, betonte besonders, wie sehr diese Fahrten Deutschlands Ansehen in der Welt befestigt haben Es seien also nicht nur wirtschaftliche, sondern auch große ideell« Momente, die bei der endgültigen Regelung der Zeppelin-Fahrten zu berücksichtigen seien. In wenig Worten In der Gänseschlachterei Gerda Smich in der Kastanienallee 43 in Berlin wurden bei einem Einbruch Gänse und Geflügel im Werte von 2000 Mark gestohlen. * Bei einem Fußballspiel in Lichtenow im Kreis Niederbarnim stürzte der 23jährige Herbert T h e w s aus Berlin so unglücklich, daß er einen Schädelbruch erlitt. Vier Stunden später starb er im Kreiskrankenhaus Kalkberge. * In New Jork überfielen fünf maskierte Gang- sters eine Zweigstelle der Manhattan Trust Com- pany, drangen blitzartig in die Büros ein, hielten die Angestellten mit Maschinenpistolen in Schach und zwangen den Leiter des Unternehmens, den Tresor zu öffnen. Etwa 15 000 Dollars rissen die Räuber an sich und entkamen, trotzdem die Polizei sofort die Verfolgung ausnahm. * Auf der Straße von I g l s nach Innsbruck stürzte nachts ein Kraftwagen, der inst dem 22jährigen Studenten Günther Engelmann aus Kassel und der 21jährigen Studentin Helene S ch m ö l f e r s aus Stade bei Hannover besetzt war, infolge eines künstlich errichteten Hiadernisies über den Straßenrand. Der Wagen blieb an einem Baume hängen. Beide Insassen wurden hinausgeschleudert und schwer verletzt. Wie wird das Wetter? In Berlin: Leicht zunehmender, südwestlicher Wind, wechselnd bewölkt, vereinzelt nur geringe Niederschläge, dunstig, etwas milder— In Dvalschland: In Norddeutschland stärker aus- srischende, südwestliche bis westliche Winde, wechselnd bewölkt, strichweise etwas Niederschlag, ziemlich mild, im übrigen Deutschland leicht zu- nehmende südwestliche Winde, allgemein etwa, milder, besonders in Süddeutschland Nebelbildung. sonst dunstig, nur vereinzelt unbedeutenoer Nieder» schlag. wie alle, die Henkel s Ata benutzen! AlM /32 b Nehmen Sie zum Aulwaschen, Spülen und Reinigen Henkels(0) Verteuerte Margarine! Neuer Anschlag— Butterbeimischungszwang Reichskanzler von Schleicher kündigte in seiner gestrigen Rundfunkrede auch die„Lösung des F e t t p r o b l e m s" im Interesse der Landwirtschast an. Durch einen Beimischungszwang für deutsch« Butter ist eine Verteuerung der Margarine zu erwarten. Die Butterkontingentierung und die Zollerhöhung haben die B u t t e r p r e i s e in Deutschland hoch über den Weltmarktpreis getrieben. Während im vorigen Jahr der Unterschied zwischen den Butterpreisen in Berlin und Kopenhagen Ii M. je Zentner betrug, ist er jetzt aus 3S M. gewachsen. Die deutsche Landwirtschaft kann ihre Butter mit Hilfe des Zollschutzes zu einem Preise absetzen, der 30 Proz. über dem Weltmarktpreis liegt. Man sollte meinen, daß die Landwirtschaft mit diesem Opfer, das die Verbraucher auf sich nehmen, zufrieden wäre. Aber weit gefehlt. Daß es unmöglich ist, die Butter direkt noch weiter zu verteuern hat die Landwirtschaft zwar selber eingesehen, denn der Wsatz ginge noch mehr zurück. Ist aber aus geradem Weg keine Preis- erhöhung zu erreichen, so versucht man es über die wichtigste Konkurrenz, die Margarine. Daß eine gänzliche Verdrängung der Margarine möglich ist, glaubt natürlich die Landwirtschast auch nicht. Aber sie will entweder den Margarine- verbrauch durch eine Extrasteuer versteuern oder die Margarine-Industrie verpflichten, durch Er- richtung eines Rohstoff- bzw. Fettmonopols oder durch einen Beimischungszwang von Butter zur Margarine deutsche Rohprodukte mehr als bisher zur Margarinefabritation zu verwerten. Diese Ab- sichten scheint das Schleicher-Kabinett durchführen zu wollen. Das Reichsernährungs- Ministerium hat ein Programm über die künftige Gestaltung der deutschen Fettwirtschaft verfaßt, das in der letzten Kabinettsitzung erörtert wurde. Die Margarinesteuer scheint man endgültig auf- gegeben zu haben, ebenfalls denkt man nicht an die Kontingentierung, also Drosselung der Einfuhr von Rohprodukten für die Margarineindustrie, weil hierdurch wieder handelspolitische Verwicklungen entstehen würden. Man will aber die Margarine- Industrie zwingen, Butter der Margarine bei- z u m i s ch e n. um damit den Butterabsatz zu heben und auf diese Weise die Preise in die Höhe zu drücken. Ohne jegliche Rücksichtnahme aus dos niedrige Einkommen der großen Mafien des Volkes wird versucht, die preise in die höhe zu treiben und dabei immer wieder außer acht gelassen, daß der Landwirtschaft hiermit gar nicht geholfen wird, weil kein Mensch mehr kaufen kann, als er Geld hat. Wie hoch würde nun die Beimischung von Butter zur Margarine letztere verteuern? Im Großhandel tostet die geringste Sorte Butter 97 M. je Zentner, die erste Sorte Kübelmargarine 36 M. und die 4. Sorte 26 M. Schon eine lüpro- zentige Butterbeimischung würde die Preise für die bessere Margarine auf 60 M., für die geringer wertige aus 33 M. erhöhen. Also gerade die ärmsten Schichten, die zum Berbrauch der billigen Margarine gezwungen sind, würden für sie 23 Proz. mehr bezahlen müssen, wäh- rend die teure Margarine nur um 7 Proz. im Preise erhöht zu werden brauchte. Die Landwirtschaft hat dabei gor kein tatsächliches Interesse an dem Butterbeimischungszwang. Wird nämlich die billige Margarine verteuert, so trifft das in erster Linie die Arbeitslosen. Das Einkommen dieser Schichten ist aber so gering, daß jede Verteuerung der Margarine entweder zu einer noch weiteren Einschränkung des Margarine- Verbrauchs oder zu einem Verzicht auf den Konsum von anderen Nahrungsmitteln, wie Fleisch, Zucker oder Milch führen würde. Die Verteuerung der besseren Margarinesorte, die von etwas kaufkräftigeren Schichten der Be- völkerung gegessen wird, führt aber dazu, daß nunmehr auch dies« Schichten vom Butterkonsum noch mehr Abstand nehmen und noch mehr zum Margarinetonsum übergehen werden. Verzehrt z. B. die Familie eines voll in Arbeit stehenden Arbeiters bisher 3 Pfund Margarine zu je 7l) Pf. und 1 Pfund Butter zu 1,36 M.. so werden insgesamt 3,40 M für die Fettversorgung ausgegeben. Wird die Margarine durch den Bei- mischungszwang um 30 Pf. je Psund verteuert, so kosten die 3 Pfund Margarine nunmehr 3 M. und es bleiben nur 40 Pf. zur Beschaffung des vierten Pfundes übrig. Und dieses eine Pfund Fett wird nicht in Form von Butter sondern von billiger Margarine oder von Fett konsumiert werden. Die Landwirtschaft würde also durch den Bei mischungszwang einen noch größeren Absatzverlust als bei dem Haushalt des Arbeitslosen erleiden. wir warnen daher die Reichsregierung auf das eindringlichste, diesen weder von sozialem Gefühl für die Verbraucher. noch von Verantwortung für die Volksernährung getragenen Vorschlage des Reichsernährungs- Ministeriums durchzuführen, Bankenaktion Vor Gründung zweier Hilfsinstitute Gestern sind die Vorverhandlungen abgeschlossen worden, die zur Gründung zweier bankmäßiger Hilssinstitute führen sollen, nämlich der„Deut- schen Finanzierungsinstitut A.- G." und der„Tilgungskasse für gewerb- l i ch e K r e d i t e". In beiden Fällen handelt es sich um Maßnahmen, die den Banken die dies- jährige Bilanzaufstellung erleichtern, die Flüssig- keit der Banken verbessern und die Industrie- sanierung fördern sollen. Das ist wenigstens der Zweck, der offiziell angegeben wird. Bei der Deutschen Finanzierungsinftitut A.-G., an der neben den privaten Banken die Golddiskont- dank, die Akzeptbank, die Bank für Industrie- obligationen beteiligt ist, sollen die Banken Ge- legenheit haben, in der Hauptsache Aktien von bereits sanierten Unternehmungen, die aber noch unter den Buchkursen der Banken notiert worden, vorübergehend unterbringen und auf diese Depots aus Kredite in Anspruch nehmen zu können. Di« Tilgungskasse für gewerbliche Kredit« soll Außen st ände von Banken zur Verwaltung er. halten mit dem Zweck, daß ihre ruhige Abwicklung abgewartet und das Risiko aus eine längere Reihe von Jahren vertellt werden kann. In der Haupt- fache handelt es sich um eingefrorene Kredite von Unternehmungen, bei denen die Sanierung ins Auge gefaßt oder bereits durchgeführt ist. In den nächsten Tagen soll eine N o t v e r» o r d n u n g erscheinen, die die entgegenstehenden handelsrechtlichen Bestimmungen entsprechend ab- ändern soll. Wir kommen auf diese wichtigen Gründungen noch zurück. Krack bei Engelhardt Im Engelhardl-Brauerei-Konzern, der von dem sehr selbstherrlichen Generaldirektor N a ch e r ge» leitet wird, hat es einen Krach gegeben. Der langjährige Austichtsratsvorsitzende Bodenhei» in e r hat am 7. Dezember seinen Auffichtsrats» Vorsitz niedergelegt, und die Engelhardtverwaliung erklärt dazu, daß der Anlaß nicht sachliche, son- dern persönliche Differenzen zwischen ihm und dem Vorstand der Engelharbtbrauerei gewesen ieien. Diese Erklärung der Engelhardtverwaliung war nötig, weil in der Presse Andeutungen ge» macht worden waren, daß vielleicht auch im Engelhardtkonzern wirtschaftliche Fehldispos tio- nen vorgekommen seien Um dieses Gerücht zu entkräften, wird weiter gesagt, daß die Engel- Hardtbrauerei wieder eine Dividende ver- teilen werde, und es wird von 3 Proz. gegen 8 Proz. im Vorjahr gesprochen. Eage im Maschinenbau Der Novemberbericht des Vereins Deut- scher Maschinenbau- An st alten läßt noch keine Besserung in der Maschinenindustrie erkennen. Der Beschäftigungsgrad ist sogar noch von 31 auf etwas über 30 Proz. gesunken. Die Arbeitszeit ging auf 39,4 Stunden wöchentlich zurück. Zum Weihnachfsfest verkauft große Trau ring«Fabrik direkt an Private fugenlose Trauringe garantiert massiv, vollkarStig I Ring 333 gestemp. nur 4.JO bis 7.S0 Mk. I„ 585„ leicht 8—„ I„ 585„ mittel 11.40„ I„. 585 schwer 18,74, I., 000„. leicht 14.40 .. I... Wo....minei 70.80„ Katalog gratis i..«wo-„-schwer 77.—.. 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Mit zitternder chand stieß er den Stuhl hart auf den Boden, wandte sich und ging von chr weg. So ging er ein paarmal auf und ab, heiß erfüllt. Dann sah er sie jedesmal an, wenn er an ihr vorbeikam. Sie kauerte noch immer blaß und fröstelnd unter dem Schal und wieder und wieder sah er sie an. Nachdenklich und scheu, grübelnd und voller Angst. Plötz- sich blieb er stehen und fragte gan? gerade- aus und so eindringlich, als ob das Wort ihm keinerlei Beschwerde mache:„Liebst du mich?" Sie fuhr zusammen. Dann starrte sie ihn furchtsam und forschend an, ohne zu ant- warten, ohne zu begreifen. .Liebst du mich? frage ich. Antworte doch! Machst du dir was draus, daß ich lebe?" Da begannen sie.zu begreifen und sie streckte die eine chand nach ihm aus und zog ihn dicht zu sich heran.„Ja, Erik." Und sie brach in Tränen aus, den Kopf an feine Schulter oelchnt. Er stand aufrecht und gerade, ohne sie anzusehen. Und ohne es selber zu willen, ließ er den einen Finger am chalsavsschnitt ihres Kleides entlanggleiten. Dann sagte er still, als ob damit alles auf- geklärt sei:„fjötte ich sie ihnen verweigert. wäre ich jetzt tot." N Kreise im Wasser. Ein neuer Tag kam' aber nicht rein und unbefleckt wie sonst: Schon von früh an stig etwas Böses und Feindliches in der Luft. Als Erik Berger die Augen aufschlug, war er so- fort hellwach. Er richtete sich im Bett hoch und sah, daß auch chelene nicht schlief. Sie sahen einander fragend an und Berger sagt:„Jetzt ist er wohl tot." Ihr Blick mied den seinen, wie w Angst. Da mußte auch er die Augen niederschlagen. Sobald er sich ausgekleidet hatte, ging er hinunter, um zu telephonieren. Als er zurück- kam. konnte Helene ihm sofort ansehen, daß es geschehen war, daß es vorbei war. Er blieb an der Tür stehen und lehnte sich an die Wand.„Ja", sagte er nur,„ja."— Dann meldete sich die Berufspflicht, es hieß. sich zusammennehmen Beim Frühstück wechselten sie kein Wort. Mehrmals verfiel Berger in tiefes Sinnen und vergaß das Essen. Er gab es dann plötzlich ganz auf, er- hob'sich, ,zog den Ueberzieher an, drückte Helene heftig die Hand und ging ohne ein weiteres Wort. Im Büro waren bereits sämtliche Spuren der Katastrophe entfernt Aber die Gemüter waren noch stark davon hingenommen. Ber- ger fand die Kollegen gruppenweise in eifri- gem Gespräch stehen. Ja, sogar das Schalter- personal war eifrig dabei, mit den Kunden das Ereignis zu besprechen. Alles das fand er erklärlich. Es war selbstverständlich. Warum aber wurden alle still, als er herein- kam? Und warum grüßten sie chn so scheu? Ich bin wohl selbst geradeso dachte er. Der Abteilungsvorsteher kam ihm entgegen.„Der Herr Postdirektor hat nach Ihnen gefragt. Sie sollen sich sofort bei ihm melden." Dort saß schon Lüdersen. Er hatte den Kopf im Verband, sah aber sonst aus wie immer. Genau fo brummig und verdrossen. höchstens wm heute ein bißchen mehr Leben in ihm. Bergers Gruß erwiderte er etwas verlegen Als das erledigt war. sah er er- wartungsooll zum Postdirekwr hinüber der zurückgAehnt in seinem Schreibt ilchstuhl saß und mit der Hand auf die Tischplatte trom- melte Er wot ein Mann von füniundsechzig Jahren, kurz, gedrungen, init Stiernacken und Froschaugen. Das bartlose Gesicht war barsch und roh. Der Postdirekwr fing Lüdersens prüfenden Blick auf und sandte ihn an Berger weiter. „Na", saate er.„bitte nehmen Sie Platz und geben Sie Ihre Erklärung ab." Berger blieb unsicher stehen.„Meine Erklärung „Ja.— Scheint Ihnen das so merkwürdig? Sie waren bei der Geschichte docb sozusagen mit dabei— Wenigstens als Zuschauer." Die Ironie dieses Zusatzes machte Berger stutzig. Er sah hilflos zu Lüdersen hinüber und fing ein schwaches, schmales Hohnlächeln auf. Da wurde er flammend rot. Und in demselben Augenblick kam ihm ein sinnloser und halbvergessener Auftritt in den Sinn. Jener Auftritt gestern vor dem Polizeiamt. Das bewirkte, daß er sich zusammennahm. „Ja", sagte er.„als Zuschauer. Es wäre zu wünschen, daß auch Quisthus als Zuschauer dabeigewesen wäre." Dem Postdirekwr stieg die Mte in die SUrn. Sie stieg bis unter die Haarwurzeln. „Bewerfen Sie der. Town auch noch mit Schmutz?" fragte er.—„Ich muß sagen, Erich Sachfenröder: ich wundere mich überhaupt mehr und mehr über Sie." Berger schüttelte den Kopf, wehrlos ob der überraschenden Wendung.„Schmutz?" sagte er,„nein, aber ich war der beste Freund von Quisthus Und ich habe nur den einen Wunsch, daß er nicht tot wäre" „Darin stehen Sie wohl kaum allein." „Mir scheint es fast so. Hätte Quisthus das- selbe getan, wie ich. dann lebte er jei>t noch — dann wäre er fetzt besser dran. Andrer- scits aber gewinne ich den Eindruck, als wäre es ein Unrecht, daß ich am Leben geblieben bin." Der Postdirekwr räusperte sich gereizt.„So ist das nicht aufzufassen." Bergsr sah ihn erstaunt an.„Dann irre ich micb also", sagte er.—„Wie ist es denn auf- zufassen?" Eine kleine Pause entstand. Der Post- direkwr saß da und starrte ihn mißbilliaend, beleidigt und beinahe wütend an. Endlich sagte er, hart und schneidend:„Darüber wer- den wir uns schon einigen. Vorläufig möcbte ich wissen, was Sie zu erzäheln baben. Es wäre interessant zu hören, ob Ihr Bericht sich mit dem von Herrn Lüders deckt.— Aber das wird er natürlich." Verger erzählte mit kurzen Worten, etwas lingefprochene Worte Sie saßen sich schon eine Weile gegenüber ohne zu reden. Die bösen Worte waren gesprochen und ließen sich nicht mehr unvergessen machen. Sie schwebten gleichsam in der Luft und bildeten eine feindselige Wand zwischen chnen. durch die es keine Verstärrdigung gab. Ihr« Nerven vi- brierten, das Blut pochte m den Schläfen und rief einen stechenden Schmerz hervor. Hellwachen Sinnes vernahmen sie jeder des anderen Gedan- ken. Traurig, und doch mit selbstquälerischer Genugtuung fühlten sie. daß sie sich schmerzlich verwundet hallen. So sehr, daß es kein Zurück mehr gab. Vielleicht doch—? Ja, wenn man reden könnte. Man müßte das sagen, was man längst schon hätte sagen sollen. Daß es nicht möglich fei. in dieser Enge weiter zu leben. Daß man Leid irrtd- Unglück wohl allein ertragen könnte, aber■> nicht, zuzusehen und die jämmerliche llnjähigkell.; nicht helfen zu können, spüren. Der Mann saß starr und zerbiß eine Zigarette. Er wollte sagen� La, ich verstehe dich. Du willst Freude, aber Freude wird nur. gegen Bargeld abgegeben Du möchtest, ich soll dich ausführen, aber wir können immer nur denselben Weg um den alten Park gehen, vorbei an den weit leuch- tenden Reklamen der Kinos. Manchmal möchte ich sagen..Heute gehen wir hinein", aber ich denke doch immer noch daran, daß wir dann nichts zu essen haben werden. Siehst du. deswegen kann ich nicht mehr froh sein." Er sagte es nicht, aber er meinte doch, die Frau müßte ihn verstanden haben Die Frau saß zusammengebeugt. Sie dachte daran, daß er einst gut zu ihr gewesen war. Sie lächelte leise in der Erinnerung. Sie wollte ja nichts von ihm. sie sagte niemals etwas von ihren heimlichen Wünschen, daß sie wieder einmal Musik hören und in jener zauberischen Welt der Träume der Dichter leben möchte. Aber nie sagte sie das. und sie dachte jetzt nur. wenn er doch wieder sein wollte wie früher— man könnte auch dieses Leben ertragen. Lautlos führten sie dieses Gespräch miteinander. Ihre Gedanken woben hinüber und herüber, leise, langsam näherten sie sich einem Verstehen, jeder für sich dachte:„Wenn ich es sage—", aber sie fürchteten sich beide, zu sprechen, zurückgezogen in ihr verwundetes Innere erlaubten sie sich nicht die geringste Nachgiebigkeit, ihren Gedanken Aus- druck zu geben, denn sie fürchteten jeder die ab- weisende Härte des anderen. Aber jeder wartete auf ein Wort des anderen Wartete, daß der andere beginnen möge, die Mauer von Haß und Bitterkeit der bösen Worte zu zerschlagen. Der Manu wollte sprechen. Er wollte das sagen, was er füh'te, als er die zusammengesun- kene Frau sah. Er wollte ihre Hände nehmen und sie leise streicheln und sie trösten wie«in Kind. Cr suchte nach Worten, die eine Fort- setzung ihres lautlosen Gespräches sein könntem Statt dessen sagte er und es klang kalt und hart: „Nun gut ich werde gehen", aber er dachte dabei. nun müßte sie ihm sagen:.Bleib". Di« Frau sann über ein Wort, das ihn halten sollte. Aber sie konnte es nicht aussorechen Und sie sagte wider ihren Willen unter dem Zwange der bösen Stunde, abweisend: La, es ist besser so—" Als er ging, wollte sie ausspringen aber ihre Füße waren gelähmt, erst als unten die Tür schlug, ging sse ans Fenster. Erst jetzt wußte sie. daß er sie verließ. Kam er nichl wiedw� Warum hatte sie nichl ge- sprachen» Hatte lie denn mchts gesagt—. Hatte er ihre Gedanken nicht verstanden, nicht gefühlt. daß sie heimlich zu chm sprach? Und nun ging er, dieser unausgesprochenen Worte wegen—. Und sie fühlte jetzt deutlich, daß er nie zurück- kommen würde. Dann weinte sie lautlos, weil er nicht gehört hatte, daß sie chn rufen wollte. 3)er Sinn unferes Seins Der echt volkstümliche Schrifssteller Bruno Bürgel, der bekanntlich, aus Arbeiterkreisen stammend, sich schon früh eifrig mit Sternkunde beschäftigte und sich zu einem nicht unbedeutenden Astronomen entwickelte, hat die Ergebnisse der astronomischen Wissenschaft in mehreren gemein- verständlichen Schriften sehr weiten Kreisen nahe gebracht.' Darüber hinaus hat er über alle wich-. tigeren Fragen des Lebens und feiner Rätsel'- eifrig nachgedacht und ist zu einer gefestigten Lebens- und Weltanschauung gelangt, wovon mehrere seiner Bücher beredtes Zeugnis ablegen In feinem jüngst erschienenen Buch*) stellt er zunächst das astronomisch« Weltbild dar, wie es sich auf Grund der neuesten Forschungsergebnisse gestaltet, und erweitert es dann durch ein Bild des Mikrokosmos(Welt des Klemen und Kleinsten). Er führt unz zum Werden und Vergehen der Sternenwelten, der Erde und alles auf Erden sich Entwickelnden einschließlich des Menschen Der Zweck des Buches ist jedoch weit umfassender, wie schon der chm als Motto vorausgesetzte Ausspruch Kants andeutet:„Die größte Angelegenheit des *) Bruno H. Bitrgel. Die Weltanschauung des modernen Menschen. 21ö Seiten. Verlag Ullstein. Ber» lin. 1932. Preis: broschiert 8 M., Ganzleinen 4,50 M. verwirrt und sprunghaft, das wenige, was er wußte. Wie er durch Lüdersens Ruf auf- eschreckt worden sei. Wie es ibm einge- allen fei, erst die Kasse in Sicherheit zu bringen. Wie er das aber wieder auige- geben habe, um lieber zu Hille zu eil-n, als er den Schrei und den Fall hörte. Er berichtete von dem Mann mit dem Revolver und der heruntergerissenen Maske. Und von dem letzten Auftritt mit dem zweiten Verbrecher'„Tatsächlich, mir blieb keine Wahl", sagte er.„einerlei, ob er auf mich geschossen hätte oder nicht, die Kasse hätte er auf alle Fälle geplündert. Warum sollte ich mick da ersckießen lassen?" Der Pastdirektor dachte einen Augenblick nach.„Sie sind also ganz sicher, daß Sie die Kasse nicht hätten retten können?" „Ja." „Auch nicht durch einen plötzlichen Gegen- anariff?" Perm deutete mit einer Bewegung auf den Verwundeten. „Herr Postdirektor sehen selbst, wie es Lüdersen erging." „Ganz recht, aber der hat es eben gewagt." Berger nickte. (Fortsetzung folgt.) Menschen ist. zu wissen, wie er seine Stelle in der Schöpfung gehörig und recht verstehe, was man fein muß, um ein Mensch zu sein." Bürgel gcht auf die tiefsten unzelösten und viel- leicht unlösbaren Fragen ein, und im letzten Ka- pltel„Der Sinn des Lebens und unsere Ausgabe" bekennt er, daß die Frage nach dem Sinn des Weltganzen für uns unbsantwortbar ist und offen bleiben muß. wir können nur nach dem Sinn des menschlichen Lebens fragen. Dieser liegt nun für den einzelnen Menschen und für die große Masse in erfolgreicher Arbeit, nur durch Saat und Ernte erhält das einzelne Leben einen Sinn. Von einem solchen sinnvollen Zustand für alle sind wir aber heute noch weit entfernt, das Leben vieler Mil- lionen ist bei der gegenwärtigen„Ordnung" mit ihrer unerhörten Arbeitslosigkeit, durch welche vielen, vielen Millionen iede Teilnahm« an den Freuden des Lebens und das Ausziehen froher, gesunder Kinder unmöglich gemacht wird, geradezu sinnlos geworden. In bezug auf die Massenwtung im Kriege meint Bürgel, unser Zeitalter wird man später einmal als das. einer„gemllderten Barbarei" bezeichnen und„am merkwürdigsten wirtr es den Gejchichls- schreiber späterek Tage berühren, daß es in unserer dach in vielen Beziehungen so fortgeschrittene» Zeit noch gebildete Menschen gibt, die diese Blut- orgie verteidigen, ja ihr ethische Bedeutung bei- messen". Er schließt:„Wenn der sterbliche Mensch überhaupt eine Aufgabe hat. ist es die. ein aufrechter Kämpfer zu sein für die Vollendung des Menschentums, für Mcnschenrecht und Menschen- würde, für Wahrheit und Gerechtigkeit. Kultur- wille, das ist sein untrügliches Kennzeichen!" Das Buch, das eine Fülle anregender Gedanken enthält, von denen hier nur einige wenige ange- deutet werden konnten, gehört tn jede Arbeiter- und Vvlksbibliothek. die ja einen schwachen Ersatz bieten können für die in den Einzelhaushalten heute so vielfach fehlenden kleinen Büchereien. Or. ßruno Rorchardt, ELEFANTEN- HARKE Spez!al-Backfisch-Stiefel für Strasse und Eislauf! . Braun Mastbox Gr. 36 40 9,90 Schwarz Mastbox das Schuhparadies der Berliner Jugend Kaläskamm und Haxen____ Pfd. von Kalbskeule»>«« ml oder genilt....Md. 0,58 Mengenabgabe vorbeholten— Verkauf soweit Vorrat- Preise nur Freitag und Sonnabend- Lebensmittelzusendungen vonM.5,00an Kalbsschnitze! i Afi Pfd. von oM Rückenfett bratfertig....... Pfd. rm Kassler Vi!«'........ Pfd von 0,66 Rasen genreu im anscewi). en...... Pfd. vor 0.68 HlrschrUcken 0.66 WeShnqchtskerter. Mo ard extra pa. Stearinkerzen «er«er 12er. I-Pfd■ Paket 0,90 Motard extra pa.Stearln-B8onilichtB.„ 12er 15er'.iOer'la-Pfd Karton 0,55 Riebeck- Blabaster- Kronen-Kerzen... «er*er 12er, I-Pfd Paket 0,48 Riebeek-Blabaster-Baumllcltte 12er Ißer 24er Pf d Karton 0*30 Rauchtisch- u.Bursleuchter Kerzen. rot and orange Stück. 8, 0,14, u.10, OpOl Fast- und Geburtstagslichte mit IVkO'.. Steck 0,08, 0,06, 0,04 Kerzen»kc? 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