Morgen- Ausgabe Nr. 607 A298 49. Jahrg. 9?ebQfflon und Verlag, Berlin SW 68. Lindenstr. 3 5"ntt)r»Vie die Nazis Verluste zugeben Bei den hessischen Nazis gibt es jede» Tag neue Ueberraschungen. Jetzt wurde der Kreisleiter von Darmftadt, Heß, seines Postens enthoben. Er soll durch den Landtagsabgeordneten Ziirtz ersetzt werden. Den M i t g l i e ü e r s ch w u n d bei der SA. suchen die Nazis durch die Erklärung zu bemän- teln, daß ,chie Abgänge bei der SA. und SS. sich in durchaus normalen Bahnen halte n".— Noch vor wenigen Tagen las mans im Frankfurter Naziblättchen anders. dort wurden die Zlbmeldungen bei der hessischen SA. als ein insamer Schwindel der Judenblätter bezeichnet. Jetzt müssen die Nazis selbst zugeben, daß Abmeldungen bei der SA. erfolgt sind. Wisklichkeitsmut! Notwendige fugend des Sozialisten Von Oda Olherg Je trüber und aussichtsloser die Wirklich- keit ist, um so mehr versucht man, ihr zu ent- rinnen. Wir haben viel mehr Auswege aus ihr, als uns bewußt sind. Wie sich der Körper durch Kleidung vor der direkten Be- rührung der Lust schützt, so schützen wir die Seele vor der direkten Berührung mit der Wirklichkeit, und diese seelischen Schutz- hüllen sind mindestens ebenso mannigfaltig, wie die der Kleidung. In der sozialen Eiszeit, in der wir heute leben, würden wir alle seelisch erfrieren, wenn wir unsere Lebenswärme ungehindert ausströmten im Miterleben fremden Leides. Wie wir während des Krieges— wir, die Zuhausegebliebenen— die Vorstellung der Menschen im Schützengraben verdrängten, verdrängen mußten, so verdrängen wir heute die der sozialen Not— wir, die wir Arbeit haben und Obdach. Und wie wir uns durch Umhüllen der Seele mit einem schlechten Wärmeleiter, mit einem für das Mitgefühl wenig durchlässigem Material, vor seelischem Erfrieren schützen, so suchen wir auch unfern V e r st a n d vor einer allzu direk- ten Berührung mit der Wirklichkeit zu be- wahren. * Die W i r k l i ch k e i t s f l u ch t ist eine alte Begleiterscheinung der großen g e- schichtlichen Krisen. Da erscheint das Bedürfnis nach übersinnlichem Trost und steigt herab zu intellektuell sehr tiefen Stufen, bis zu Geisterbeschwörung und Wunderglauben. Es tun sich dem Intellekt die Notausgänge auf in die gewundenen Wege der Spezialforschung, die möglichst weit«vegführen von der Not der Zeit. Man flüchtet in die großen Reize und Spannun- gen der Gefahr, die eine prickelnde Emp- findung der Unwirklichkeit verleihen. Die Wenigen spielen das hohe Spiel mit sich selbst: die Vielen lassen es sich angenehm gruseln beim Wagnis der andern. Oder der Mensch sucht sein Traumland im Schnaps und feineren Rauschgiften, greift das Uebel da an, wo es Bewußtsein wird, im Gehirn, ändert die Welt nicht, aber trübt den Spiegel, in dem sich ihre Unvernunft spiegelt. Die meisten schließlich treten mitten hinein in die Wirklichkeit und schützen sich unbewußt vor ihr durch eine Rüstung wirklichkeits- fremder Vorstellungen, verengen sich den Blick durch das gesenkte Visier ihrer Schlag- warte. Daß sie das tun, ist ein Ausdruck des Be- dürfnisfes nach seelischem Schutz in dieser Welt des Unverstandes. Aus Schutzbedürfnis zieht man die Rüstung an und senkt das Visier. Wer griffe sonst so kritiklos nach standardisierten Vorstellungen und Schlag- warten? Die einen wollen die Welt erlösen durch Beseitigung der Juden. Sie denken die Erlösungsformel gar nicht zu Ende. Der Vorteil der Formel ist gerade, daß sie das Kopfzerbrechen erspart. Die andern wollen die Rückkehr zur„guten alten Z e i t". Abgesehen davon, daß sie vielleicht nicht so gut war wie sie alt ist, lassen sich in ihr keinerlei Kräfte entdecken, die die Krise bän- digen könnten. Sie steht als gute Zeit in der Erinnerung, nicht, weil sie die gesellschaft- lichen Kräfte besser lenkte, sondern weil diese ihre heutige Unbändigkeit noch nicht besaßen. Einen kleinen Löwen gibt man in den Kinderzoo, und die Kinder freuen sich an ihm. Ist einmal der Löwe groß geworden. so genügt der Kinderzoo nicht, um ihn wieder zu einem harinlosen Tierchen zu machen. Dasselbe ist mit dem kapitalistischen System', Der„Vorwärts als Prophet Voraussage über Hitler vor zehn Jahren es kann sich nicht zurückentwickeln. Man kann sich von ihm zurücksehnen in die Zeit der Zünfte, aber das sind Wunschträume. Sie haben nur insofern mit der Wirklichkeit zu tun, als man sich ihnen überläßt, um der Wirklichkeit zu entrinnen. » Sollen wir aber die Fähigkeit des Menschen, sein Gefühl vor Unerträglichem, seinen Verstand vor Unlösbarem zu schützen, nicht als einen Segen begrüßen, da wir dank ihrer besser mit dem Leben fertig werden? Stehen wir Sozialisten nicht auch mit der Rüstung unserer Ideen und unserer Ueberzeugung im Handgemenge der Wirklichkeit, wehrhaft und in gewissem oinne stichfest gemacht durch diese Rüstung? Mutet man uns etwa zu, uns nackt der ent- setzlichen Wirklichkeit auszuliefern? Einen größeren Mut und Willen zur Wirklichkeit, als dem menschlichen Schutz- bedürfnis entspricht, verlangt der Sozialis- mus allerdings. Wenn wir Sozialisten eine bewußte Be- herrschung der Wirklichkeit erstreben, ihr eine für uns sinngemäße Richtung geben wollen, dann müssen wir zunächst unser Be- wußtsein bis zum Rande des Erträglichen mit dieser Wirklichkeit füllen. Was wir nicht erleben, kann uns bewußt nicht beeinflussen. Die inneren Sicherungen des Individuums führen oft dazu, die äußeren Sicherungen der Gesellschaft zu vernachlässigen. Wenn der Mensch nicht die innere Sicherung der Stumpfheit, des Automatismus, des Rausch- zustandes hätte, wäre in unserer Zeit der Krieg nicht möglich gewesen; hätte der Mensch nicht die Gabe, schreckliche Erinne- rungen zu verdrängen, wäre er in Zukunft nicht möglich. Was ihn erträglich macht, das macht ihn möglich. * Aber als kämpfende Bewegung brauchen wir nicht nur Mittel. Unvermeid- liches zu ertragen, sondern mehr noch den Ansporn. Unerträgliches zu vermeiden. Es steht uns nicht an, zu unserm Schutz vor der Unmenge von Problemen das Visier unserer Schlagworte herabzulassen und uns den Blick auf die Wirklichkeit zu verengen. Daß die kapitalistische Wirtschaftsordnung periodische Krisen zeitigt, daß Marx das vorausge- sehen hat, daß die von der menschlichen Zwecksetzung entfesselten Produktivkräfte dem Menschen nicht länger gehorchen, daß einer vernunftgemäßen Gestaltung der Wirtschaft sich die Sonderinteressen bevorzugter Nutznießer entgegenstellen— das sind alles Wahrheiten, Linien zu Ge> dankenbildern. aber es ist nicht die erlebte Krise. Das wußten wir alles schon vorher. Wir dürfen nicht am Krankenbette der Ge- sellschaft stehen, wie die Aerzte des Mittel- alters, die Augen auf einen Text des Ga- lenus geheftet, anstatt auf den Kranken. Sie sei zehnmal vorausgesehen, in ihrer Rotwen- digkeit erkannt, in ihren gröberen Folgen statistisch erfaßt— es bleiben dem Wirklich- keitsmut noch unerforschte Erscheinungen, für die weder Fernrohr noch Mikroskop nötig sind, sondern menschlicher Blick für das Nächstliegende. Die wirkliche Krise könnte uns doch einiges zu sagen haben, was nicht voraus- gesehen war. Bringt sie uns nicht jetzt schon durch ihre lange Dauer das furchtbare Problem des Nachwuchses, das man in diesem Ausmaß nicht voraussehen konnte? Sieht man nicht heute unter dem Druck der Not gerade die intellektuell und sitt- lich höchststehenden Proletarier auf Kinder verzichten, aus der Sorge heraus, ihnen kein lebenswertes Dasein bieten zu können? Be- steht hier nicht die Gefahr einer nicht wieder einzubringenden Einbuße an revolutionärer 5kraft? Auch die Tatsache, daß die Krise aus allen Klassen Menschen fortspült und so einen entwurzelten Pöbel schafft, Lands- knechte, eine für fremde Zwecke manövrier- bare Masse, tonnte in ihrer ganzen anti- demokratischen Tragweite nicht vorher er- messen werden. Wir Sozialisten sollen von uns selbst den Mut zur Wirklichkeit fordern. Wir wollen ja umformen, was da ist, darum müssen wir es leben. Eigne und fremde Not, die man im halbdunklen Vorhof des Bewußtseins hält, ist umsonst gelitten. Geistig unbewäl- tigte Probleme entlaufen unserer Führung und stampfen verwüstend über unsere Saa- ten. Wir haben keinen Weg, seitab von Leid und Erkenntnis. Wir müssen mitten hindurch durch die Wirk- lichkeit und ihre Schrecken. Denn wirwollenjanichtineinTraum- land, sondern in«ine bessere Wirklichkeit. Ausgeschobene Butterverorbnung Die Butterpreise sinken— Nazis für Margarineteuerung! Wie die„Telegraphen-Union" meldet, konnte die Veröffentlichung der Notoerordnung über die Neu- regelung der Fettwirtschaft vor Weihnachten nicht mehr erfolgen. Man wird kaum an- nehmen dürfen, daß das Schleicher-Kabinett wegen der berechtigten Empörung der Verbraucher über die zu erwartende Margarineverteuerung den Großagrariern das Butterbeimischungs- g e s ch e n k einstweilen vorenthalten hat. Der Eindruck verstärkt sich, daß auch die Gegen- sätze im Reichskabinett zur Verzögerung der Butterbeimischungsoerordnung beigetragen haben. Der in der Butterbeimischung liegende volks- wirtschaftliche Unfug wird durch Vorgänge auf dem Buttermarkt in drastischer Weise unter- st r i ch e n. Gestern mußten in Berlin die Butter- preise um nicht weniger als 10 Mark pro SO Kilo gesenkt werden. Der von den Interessenten dazu herausgegebene Kommentar spricht ausdrücklich davon, daß die Hoffnungen auf eine Geschäfts- belebung vor den Feiertagen enttäuscht worden sind, und daß das Weihnachtsgeschäft außerordentlich schlecht gewesen sei. Die Herabsetzung der Notierungen hätte sich nicht mehr vermeiden lassen. * Man weiß wirklich nicht, wie man sich bei einer solchen Lage von der Butterbeimischung zur Margarine eine bessere Preisentwicklung für Butter versprechen kann. Die Butterpreise muhten natürlich gesenkt werden, weil es mit der Kauf- fähigkeit der verbrauchenden Massen in Deutschland immer noch so miserabel be- stellt ist. Mengt man nun der Margarine noch Butter bei und würde wirklich in den ersten Tagen eine leichte Preisbesserung für Butter erzielt, so wäre die selbstverständliche Folge, daß noch we- niger Butter gekauft werden würde, daß der Butterabsatz zurückgeht, und daß ein wachsender Teil der Verbraucher, wenn die Margarine teurer wird, zum Konsum der billigsten Margarinesorten übergehen würde. Man muß den Kops schütteln über eine Regierung, die derart einfache Zusammenhänge nicht zu begreifen vermag Wenn die Regierung gut beraten ist, dann sorgt sie zunächst für ausreichende öffentliche Arbeitsbeschaffung und für günstige Vor- bedingungen zur Belebung der Wirtschaft, ver- zichtet aber ein für allemal auf das törichte Pro- jekt der Butterbeimischung, mit dem den Bauern nur Sand in die Augen gestreut wird. Kommen mehr Arbeiter in Brot, dann kann auch von den Bauern mehr verkauft werden. Eine andere Lösung der Schwierigkeiten für die Ver- edelungsprodukte gibt es nicht. Im übrigen haben die Nazis von neuem bewiesen, wie sehr sie den Junkern zu dienen und die Nöte des Volkes zu verachten beflissen sind. Der„Völkische Beobachter" erklärt, daß eine 3- bis Sprozentige Butterbeimischung zur Margarine nach der Auffassung der National- sozialistischen Partei zu wenig wäre! Den Nazis kann also die Verteuerung der billigeren Volksfette nicht weit genug gehen! Zahlen über die Amnestie Die �bvviclclunssslrkrmmern in Tätigkeit Auf Grund der Amnestie sind in Preußen, wie amtlich mitgeteilt wird, bis zum Sonnabend, dem 24. Dezember, vormittags über 48<1l> Ge- fangen« aus der Haft entlassen worden, und zwar im Bereich des Strafvollzugsamts für den Kammergerichtsbezirk 742, in den Oberlandesgerichtsbezirken Königsberg 327, Marienwerder 169, Stettin 292, B r e s- lau 6S9. Celle 391, Kiel 262, Hamm 685, Düsseldorf 426, Köln 301, Frankfurt am Main 189, Naumburg 434, Kassel 46. * Die Haftentlassungstätigkeit der politischen Staatsanwaltschaft aus Anlaß der Amnestie ist so gut wie beendigt. Auch die Staatsanwalt- schaft III, die eine ganze Reihe besonders ver- wickelter Fälle zu prüfen hatte, ist mit ihrer Arbeit fast fertig. Die- Zahl der von ihr aus der Haft Entlassenen hat bereits IITD überstiegen. Sie hat sämtliche Entscheidungen selbständig ohne Anrufung des Gerichts getroffen i möglicherweise werden in zweifelhaften Fällen noch Anträge der Verteidiger aus weitere Haft- entlassungen folgen. Bei der Staatsanwaltschaft I lagen bereits mehrere solcher Anträge vor! die Entscheidungen der speziell zu diesem Zweck gebildeten Ab- Wicklungskammer unter Vorsitz des Landgerichts- direktor Dr. Tolk sind in den in Frage kommenden Fällen noch nicht getroffen. Unter anderem ist von den Verteidigern beantragt worden, den Kommunisten R u d a k o w s k i, der in Verbin- dung mit der Tötung des Polizeibeamten Viebig zu einer schweren Strafe verurteilt wurde, und dem in der Horst-Wessel-Sache verurteilten A l i H ö l e r auf Grund der Amnestie aus der Haft zu entlassen. Außer diesen beiden Sachen liegen der Kammer noch zwei weitere vor. Die sogenannte Ab- Wicklungskammer, die vorläufig nur für die Zeit bis zum 1. Januar 1933 gebildet worden ist, soll auch über die Strafvollstreckung in Sonder- gerichtsfachen über die Kürzung von Gesamt- strafen und Milderung von Strafen entscheiden, wie sie durch die neueste Verordnung zur Er- Haltung des inneren Friedens und zur Aufhebung der Sondergerichte vorgesehen sind. Die bei Wiederausnahmeanträgen gegen Urteile der Sondergerichte notwendig werdenden Cntscheidun- gen bleiben bei der 6. Strafkammer unter Vor- sitz des Landgerichtsdirektors Löschhorn. Jetzt ist auch schon eine Uebersicht über die Zahl der im Bezirk des Strafvollzugsamts Brandenburg Entlassenen möglich. Im ganzen sind 677 Männer und 39 Frauen bis- her entlassen worden. Weitere 49 Männer dürften noch heute ihre Freiheit wieder bekommen. Aus den» Zuchthaus in Brandenburg, das hauptsächlich Rückfällige beherbergt, sind nur fünf entlassen worden, dagegen aus dem Zucht- Haus in Luckau 69 Strafgefangene. Acht- undzwanzig Männer, die unter das Amnestiegesetz fallen, mutzten zurückbehalten werden, weil sie noch Anschlußstrafen zu verbüßen haben. Die Zahl der Entlassenen, die wegen Delikten aus wirtschaftlicher Not begangen, verurteilt wor- den waren, ist wider Erwarten nicht besonders groß. Das kommt wohl daher, daß die kleinen Strafen sehr oft nicht sofort angetreten werden oder ihre Verbüßung durch die Bewährungsfrist bis auf weiteres nicht in Frage kommt. Für die Entlassenen ist nach Möglichkeit gesorgt worden. Das Strafvollzugsamt hat die Strafanstalten besonders angewiesen, auch bei der großen Zahl der zur Entlassung Kommenden die übliche Sorgfalt bei der Prüfung der Bedürftigkeit walten zu lassen und alles Erforderliche zu tun, um die Leute über die erste Zeit hinwegzuhelfen. Wie wir hören, waren die Strafanstalten im Rahmen der Möglichkeit diesmal besonders großzügig in der von ihnen gewährten Unterstützung. Der Strafvollzugs- Präsident hat außerdem durch ein besonderes Schreiben an den Leiter des Landeswohlfahrts- amtes, Obermagistratsrat Kobrak, darum ersucht, die Wohlfahrtsämter auch am 3. Feiertag offen zu halten. BegnkuHgimgen in Sachsen Aus Anlaß des Weihnachtsfestes hat das Justiz- Ministerium des Freistaates Sachsen eine Reche von Begnadigungen verfügt, durch die in erheblicher Zahl Gefangene in Freiheit ge- setzt und im übrigen Strafen gemildert oder er- lassen oder Bewährungsfristen bewilligt worden sind. Angesichts der gegenwärttgen schweren Wirt- schcrftsnöte hat das Justizministerium— unbeschadet der infolge der Straffreiheitsgesetze vom 29. Dezember 1932 überdies eintretenden Amnestie- rungen— in besonderem Maße solche Fäll« be- rücksichtigt, die auf die allgemeine Notlage zurückzuführen sind oder in denen durch den Gnadenerweis einer besonders schweren Lage von Angehörigen Bestrafter abge- Holsen werden konnte. Die Zahl der ausge- fprochenen Gnadenbeweise liegt daher mit 626 sehr erheblich über der der Vorjahre. Empörend und beschämend I�eventlow gegen Mussolinikult Der nationalsozialistische Graf Reventlow schreibt in seinem„Reichswart": „In der gesamten europäischen Press« ist be- sprachen worden, daß, vor einiger Zeit, einige junge Nationalsozialisten am Faschismus-Denk- mal in Südtirol Mussolini eine Ovation gebracht haben. Man hat dem „Reichswart" Anfragen geschickt, was er dazu sage. Unsere Antwort ist sehr kurz: der Vorfall ist gang unerhört, schien auf den ersten Blick unglaublich, verdient— inzwischen bestätigt— schärfste Mißbilligung und findet dies« selbst- verständlich auch bei der Führung der NSDAP. Eine Verstiegenheit solcher Art, welche die Leiden der eigenen Volksgenossen in Südtirol vergißt. ist weder national noch sozialistisch. Es ist schwer, einen genügenden Ausdruck dafür zu finden, zum allermindesten ist es empörend undbeschämend!" Reventlow erinnert an die Artikel Farinaccis. sein kühles Urteil über den deutschen National- sozial ismus und empfiehlt auch gegenüber dem italienischen Faschismus mehr kritische Zurück- Haltung. Birovidjan -hitjensiedlnng im Fernen Osten In der Sowjetunion leben über drei Millionen Juden, zumeist im Westen des europäischen Ruß- lands und im Süden, wo sie unter dem Zarismus wie im Bürgerkrieg entsetzlich oft die Opfer„echt- russischer" und weißgardistischer Pogrome ge- worden sind. Weit über die Hälfte der jüdischen Männer waren Händler oder Handwerker in den Städten, als die Sowjetmacht aufgerichtet wurde und mit dem Jnterventions- und Bürgerkrieg die furchtbare Zerstörung einsetzte. Wie es heute mit den Juden in der Sowjet- union steht, darüber sprach vor Pressevertretern S. M. D i m a n t st e i n- Moskau, Vorsitzender der„Ozet"(Gesellschaft zur Landansiedlung werk- tätiger Juden in der UdSSR.), ehemaliger Kommissar für jüdische Angelegenheiten in der RSFSR. und Redakteur de» Organs de» Ratio« nalitätenrates der Zentralexekutive der Sowjet- union. Er berichtete, daß jetzt von den Juden 16,3 Prozent Industriearbeiter, 2,6 Proz. Genossen- fchoftsarbeiter und Angestellte, 2,6 Proz. Hand- werker und Händler, 11,1 Proz. Bauern, 3,3 Proz. Nicht-Werktätige, 9 Proz. Stipendiaten(höhere Schüler und Studenten) und 3,2 Proz. Uebrige sind. Zu dieser Umschichtung kommt nun seit 1928 die Ansiedlung von Juden in Birobidjan(Ost- sibirien), einem Gebiet von rund 4 Millionen Hektar, davon die Hälfte Wald, mit ungeheuer reichem Vorkommen von Gold-, Kupfer- und son- stigen Erzen, aber mit einer Bevölkerungsdichte von 9,8 Menschen auf den Quadratkilometer! Von den zuerst Eingewanderten sind allerdings Taufende wieder nach den Städten Chabarowsk, Wladiwostok, nach Nordsachalin usw. gegangen, besonders auch, weil das Kombinat zur Herstellung von Typenhäusern statt im Juli erst im November d. I. zu arbeiten beginnen konnte. Für das neue Jahr ist beabsichtigt, 26 999 Iudenfamilien aus der Sowjetunion und 19 999 aus anderen Ländern in Birobidjan anzusiedeln und 1933 soll dieses Gebiet zur Jüdischen Sowjetrepublik erklärt werden, was bei anderen Völkern schon mit 89999 Seelen geschehen ist. postscheS-Nebeltopf Täter noch unermittelt Wien, 24. Dezember In der Untersuchung des Anschlags auf das Postsparkassenamt hat ein Kassenbeamter ausgesagt, daß aus zwei Brechbehältern eine etwa 39 Zentimeter hohe Flamme emporstieg, d'« sehr ruhig brannte. Gleich nach dem Erlöschen ver- dichtete sich der Rauch. Der Baukommissar der Polizeidirektion hat in seinem ersten Gutachten festgestellt, daß es sich bei den Rauchbomben um eine Art von Nebeltöpfen handelt, die mit Chemikalien gefüllt werden. Der Nebel war in seiner Zufammensetzung unschädlich, da er keinerl?! Gift, und eine ganz unbedeutende Reizwirkung hatte, die nach kürzester Zeit verschwand. Die behördliche Untersuchung über den Rauch- bombenanschlag im Postsparkassenamt hat bisher keine Anhaltspunkte für die Ermittlung der Täter ergeben. Der von der Polizei gestellte junge Mann, der an einem der sofort automatisch geschlossenen Ausgänge eine Scheibe eingeschlagen hatte und so ins Freie gelangen wollte, ist wieder freigelassen worden, da er seine Schuldlosigkeit nachweisen tonnte. Biirgerblock funktioniert Alle Schuld auf Nicole! Eigener Beridit des„Vorwärts' Bern, 24. Dezember. Das Schweizer Parlament hat nach drei- tägiger Debatte über die Genfer Ereig- nisse vom 9. November mit den Stimmen der bürgerlichen Parteien das Vorgehen der Polizei und des Heeres gebilligt. Eine Ent- schließung sagt, daß die Vorgänge aus eine „jahrelange zügellose Agitation" des sozialistischen Abg. Nicole zurückzuführen seien. Die Sozialisten hatten diese Entschließung und ihre Begründung aus das Entschiedenste, aber vergebens bekämpft. Im Verlaus der Debatte lieferte der Chef des Militärdepartements angeblich authentisches Material dafür, daß das Vorgehen gegen die Truppe in Genf auf Grund von Moskauer Regeln systematisch vorbereitet ge- wesen sei und daß von Moskau über Berlin Ver- suche zur kommunistischen Zellenbildung in der Schweiz im Gange seien. Der Chef des Justiz- departements teilte u. a. mit, daß nach Moskau berichtet worden fei, es wäre gelungen, die Trupp« zu entwaffuen. Nationale Weihnachtsbescherungen In Haus Doorn:„Zu Hilfe, zu In der SA,-Kaserne:„Und damit I m B r a u n e n H a u s:„Welch sinnige Bei Hugenbefg:„Endlich ein Hilfe! Polizeihunde her! Schon wieder ihr für nächstes Jahr zu leben habt, er- Ueberraschung! Gregor Straßer streng national-wehrfähiger Weihein Attentäter!" hält jeder eine neue Bettelbüchse." zu L e b k u c h e n eingestampft." nachtsmannl" Krieg zwischen Volk und Diktatur So sieht es zur Jahreswende in Jtalien aus! zu erhalten. Vom 1. Januar bis zum t. Juli des Jahres 1932 ist die Mitgliederzahl der Unter- nchmerverbände von 1 1S3 472 auf 1 040 087 zurückgegangen, die der Arbeitersyndikate von 3 732 930 aus 2 413 866 Dieser osfiziell zu- gegebene Rückgang übertrifft den gleichzeitig ein- getretenen Zuwachs in der Zahl der Arbeitslosen um mehr als das Doppelte. Am Jahresschluß zählt Jtalien rund eineinviertel Million Ar- b e l t s l o s e. Etwa ein Viertel erhält Unter- stützung. Die Bettelsuppen sind eine bau- ernde Institution des„kaiserlichen" Jtalien ge- worden. Der Versuch, eine Wohlsahrtsspende von den in öffentlichen Lokalen verzehrten Getränken zu erheben, um den Ertrag den faschistischen chilfs- komitees zu überweisen, ist an dem Widerstand i der Bevölkerung gescheitert Mehr als dem Stand der Staatsfiiianzen und der Syndikate vertraut der Faschismus den Schutz seiner cherrschasr dem Ausnahmegericht an. Dieses Hot im Laufe dieses Jahres zwei Todesurteile gefällt, gegen S b ardelotti wegen eingestandener Atlentatsabsichten, und gegen B o v o n e wegen der demonstrativen Bomben. Außerdem wurden im ersten halben Jahr über 300 Jahre Zuchthaus verteilt. Von der zur Zehn- jahresfeier erlassenen Amnestie sind alle eigentlich politischen Verbrechen ausgeschlossen. Dafür sind aber nahezu 20 000 gemeine Ver- brecher frei geworden. Die politischen Ver- schickten, deren Lage entsetzlich ist, werden nicht durch sie berührt. Abrüsten tann der Faschismus nicht, auch nicht zur Feier seines zehnjährigen Bestandes, denn mit der Abrüstung wären Feier und Bestand zu Ende. Innerhalb der Faschistischen Partei geht unterdessen die Zerklüftung ihren Gang. Seinem alten System folgend, keine Götter neben sich zu dulden, hat Mussolini im Jahre 1932 einen großen Teil seiner Mitarbeiter abgebaut, so G r a n d i und R o c c o: an den Verkehrsministcr C i a n e und den Luftschiffohrtsminister B a l b o wagt er sich nicht heran. Der frühere faschistische Generalsekretär Farinacci hat seinem Nach- folger Augusto Turati durch Veröffentlichung von Privatbriefen ein Bein gestellt, so daß Turati aus der Partei ausgeschlossen wurde. Ausschlüsse und vertuschte Skandale sind an der Tages- ordnung. Die Sozialistische Partei ist, wie alle antifaschistischen Parteien, in Jtalien verboten Aber sie lebt und arbeitet illegal. Es ist ihr Ziel, immer mehr die Erkenntnis in die Hirne zu hämmern, daß der italienischen Arbeiterschaft niemand helfen wird, wenn sie sich nicht selbst hilft und dos faschistische Joch abschüttelt. Muffolinis Gnade Noch 337 politisch Eingekerkert« Rom, 24. Dezember. Nach einer Mitteilung des Justizministers an die Minifterpräsidentschast ist bis heute auf Grund der Amnestie, des Straserlasses und der vielen königlichen Gnadenakte die Zahl der inhaftierten Antifaschisten aus 337 zurückgegangen. Hoffnungen in LlGA. Sparreserven verbraucht— Gewerkschaften glauben an neuen Aufschwung Der Stellungskrieg zwischen Volk und Diktatur in Jtalien hat im Jahre 1932 seinen Fort- gang genommen, ohne daß hüben oder drüben entscheidende Vorteile erlangt worden wären. Die Lage läßt sich mit den Worten kennzeichnen: der Polizeiapparat bewährt sich, der Wirtschasts- apparat des Regimes erweist sich mit jedem Tage als unzulänglicher. Daher bleibt der Faschismus weiter an der Macht, aber nur in dem Sinne, daß man ihm diese Macht noch nicht zu ent- reihen vermocht hat. Seine ganze Kraft geht für die Machtbehauptung drauf. Zur Durch- sührung irgendeines Programms bleibt nichts übrig. Was anderen Regierungen zum Verhängnis wird, die Krise der Weltwirtschaft, darin findet der Faschismus Deckung. Denn er hat längst vor der Weltkrise auf eigene Faust die italienische Wirtschaft geschädigt durch die wachsende Unredlichkeit seiner unkontrollier- ten Verwaltung, durch größenwahnsinnige Aus- gaben, durch Begünstigung eines beispiellose» Schmarotzertums seiner Partei zum Schaden des Ganzen: er hat sie geschädigt durch Wehrlos- machung der Arbeiter, die die Unternehmer schneller als irgend einem anderen Lande auf die schiefe Ebene des Lohndrucks getrieben hat, so daß die Kaufkraft schneller gelähmt wurde. Ehe die Krise anderswo Hereinbroch, war sie in Jtalien schon da.„Freie Bahn der privaten Jni- tiative!" war das Motto des Faschismus, als er zur Regierung gelangte. Was nachher kam, war Einmischung des Staates auf der ganzen Linie, Ueberschlltten der Wirtschast mit neuen Gesetzen, willkürliche Verteilung der öffentlichen Lasten und der öffentlichen Förderung. Wenn nicht die Weltkrise ihren Schatten über alles ge- senkt hätte, wäre das völlige Versagen der fa- schistischen Wirtschaftsmethoden, die Wohlstand, Frieden und Bevölkerungszuwachs bringen sollten, grell und beschämend zu Tage getreten. Aber heute gilt das einzig wirklich Faschistische, die aus Schritt und Tritt gegängelte Wirtschaft, die fast das Gehen verlernt hat, als Ergebnis der Weltkrise. Beweglich sehen wir das faschistische Italien nur in der Außenpolitik. Die alte Doppel- züngigkeit: Friedensschalmeien in Genf und Kriegsgebrüll zu Hause. Das Werben um den deutschen Nationalsozialismus ist schüchtern ver- stummt, seit dessen Aktien gefallen sind. Um so mehr blickt der Faschismus nach Osten. Arm in Arm mit Ungarn über Serbien herzufallen, mit einer magyarischen Monarchie und dem König- reich Albanien einen neuen Dreibund zu gründen, das sind Zukunftspläne einer faschistischen Vor- Herrschaft im Balkan. Aber mehr als Willen zum Kriege besteht beim Faschismus Wille zur Kriegsdrohung nach außen, zum Zweck der verschiedenen Erpressungen, nach innen zum Zweck der Ablenkung. Das Budget weist ein Defizit von an- nähernd drei Milliarden auf. Um eine Milliarde Tchatzschuldscheine, die im Frühjahr 1932 fällig wurden, einzulösen, hat man eine innere Anleihe von vier Milliarden Lire aufgenommen. Unter- dessen geht die lustige Finanzwirtschaft des Schuldenmachens weiter. Gleichzeitig hält man die Lira künstlich stabil durch Be- schränk u» g des Notenumlaufs, und dem beschränkte» Umlauf entspricht eine ver- hältnismäßig hohe Golddeckung. Trotzdem steigt die Kaufkrast des Geldes auf dem inneren Markt nicht, weil in zahllosen Formen zusätzliches Geld umläuft. Die faschistischen Syndikate, die die wich- tigste Verwirklichung des Regimes darstellen, oermögen ihren Bestand nicht einmal mit Gewalt New York. 24. Dezember. 3n dem Monatsbericht des amerikanischen Gewerkschaslsbundes wird erklärt, mehrere günstige Anzeichen der letzten Monate liehen daraus schließen, daß der T i e s st a n d d e r S r i s e erreicht sei. Der wiederausstieg hänge jedoch von der Bereinigung der Schuldensrage und der Bereinigung der übrigen polltischen Welt- wirtschastsprobleme ab. Der Gewerkschaslsbund fordert die beschleunigte Einberufung von internationalen Konserenzen zur Klärung dieser Fragen. Wie vernichtend die K r i s e in den Kreisen des amerikanischen Mittel st andes und der wer k- tätigen Bevölkerung gehaust hat, wird aus einer jetzt veröffentlichten Zusammenstellung über den Stand der amerikanischen Sparbanken erficht- lich. Danach ist die Zahl der Sparkonten in den letzten vier Jahren um 8 800 000 zu- rückgegangen, die Spartguthaben um über vier Milliarden, wovon allein 3,9 Milliarden auf die Jahre 1931-1932 entsallen. Die Gesamthöhe der Guthaben am 1. Juli 1932 war uni rund eine halbe Milliarden Dollar geringer als in 1926, was mit anderen Worten besagt, daß alle Ersparnisse der Jahre 1925—1929, der größten jemals in Amerika oerzeichneten Pro- speritätsära von der Wirtschaftskrise verschlungen worden sind. Während noch im Jahre 1929 die Sparguthaben durch die Zurückziehung zahlreicher Gelder aus den Spekulationsmärkten einen Aufschwung zu verzeichnen hatten, setzte im Jahre 1931 mit dem langsamen Verbrauch der Ersparnisse ein Erd- rutsch ein, der sich im letzten Jahre zu einer ver- nichtenden Lawine gestaltete. Die Zustände im Sparkassenwesen und die stetige Ver- Minderung der Sparreserven des amerikanischen Volkes sind bezeichnend, wie auch hierzulande die wirtschaftlichen Verhältnisse auf eine Lösung der sozialen Frage hindrängen. Hohenlohe-Märchen Paris, 24. Dezember. Zu der Verhastung einer Prinzessin Hohen- lohe in Biarritz wegen Spionage ist im Innen- Ministerium und bei der Kriminalpolizei nichts bekannt. Auch die Polizei von Biarritz be- richtet, daß keine Verhaftung vorgenom- men worden sei.„Le Journal" allerdings be- hauptet, daß diese Ausländerin verhaftet sei. Ihr« Bitte, gegen«ine entsprechende Kaution auf freien Fuß gesetzt zu werden, sei abgelehnt worden. In diesem Zusammenhang wärmen die Blätter ein« geheimnisvoll« Geschichte auf, die schon vor eini- gen Wochen in einem kleinen Boulevard-Wochen- blatt erschienen ist. Danach sei die Pariser Woh- nung der Prinzessin vor einem Jahr versteigert worden. Bei dieser Gelegenheit habe ein Möbel- Händler einen wertvollen Schreibtisch erstanden. Bald darauf habe sich bei ihm ein Käufer einge- funden, der nach dem Schreibtisch gefragt habe. Während der Möbelhändler den Tisch diesem Käufer genau zeigte, ha�.« er zufallig ein Ge- h e i m s a ch geöffnet, in dem sich verschiedene Schriftstücke befunden hätten; ein Scheck über eine große Summe, ein ausführlicher Schrift- Wechsel, verschiedene Uebersetzungen auf vorge- druckten Bogen eines ausländischen Spionage- dienst es und Photographien. Diesen uner- warteten Fund habe der Möbelhändler dem Innenministerium übergeben, durch dessen Ver- mittlung auch die Botschaft des Landes von dem Inhalt einiger Schriftstücke Kenntnis erhielt, gegen das sich die Tätigkeit der ursprünglichen Besitzer!» des Schreibtisches gerichtet haben soll. Dem Möbelhändler seien später mehrfach Kaufgebote für diese Papiere gemacht worden. U. a. habe ein Russe nicht weniger als 200 000 Franken für sie geboten. Die ganze Geschichte klingt reichlich verworren. Gehaltskürzung in praz Kadau im Parlament Prag, 24. Dezember. Das Abgeordnetenhaus hat die Regierungsoör- läge über die Personalsparmaßnahmen(Kürzung der Gehälter und Pensionen) mit einigen von den Koalitionsparteien beantragten kleinen Aenderun- gen im Dringlichkeitsverfahren angenommen. Die Abstimmung vollzog sich unter lärmendem Widerspruch der Kommunisten und einiger deutschen und madjarischen Chauvinisten und einem heftigen Pultdeckelkonzert. Sin Gcheidebrief Pfrimer rückt von Hitler ab Wien, 24. Dezember. Die von den ehemaligen Putschführern Dr. Pfrimer und Karl O t t o m a r geleiteten st eiermärkischen Heimatschutzform a- t i o n e n haben Hitler einen Scheidebrief geschrieben und den Pakt mit der Nazi- Partei gelöst. Sie begründen diesen auf- sehenerregenden Schritt mit der Taktik Hitlers und seiner österreichischen Unterführer. Deren Politik und Taten seien mit den österreichischen Verhältnissen so unvereinbar, daß sich die Steier- märker nicht mehr an die mit Hitler getroffenen Abmachungen verpflichtet fühlen. Mit anderen Worten: es sind wieder einmal auf beiden Seiten alle Schwüre und Versprechun- gen gebrochen worden. Hitlers Stern ist auch in Oesterreich im Sinken, noch ehe er richtig auf- gegangen war. Zweifellos hat bei der Absage der Steiermärker der Vorrat der Nazi- Partei an Südtirol und ihre erbärmliche Kriecherei vor Mussolini eine wichtige Rolle ge- spielt. Die Oesterrelcher haben ihren„Habs- burger" Hitler schneller durchschaut. poelzig an Stelle Pauls. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, ist Professor Bruno Paul von der Leitung der Vereinigten Staatsschule» zurückgetreten. Im Einvernehmen init der Akademie der Künste wurde Professor Paul die Leitung eines akademischen Meister- ateliers für Architektur übertragen. Mit der Leitung der Vereinigten Staatsschulen hat das Ministerium Prof. Hans Poelzig komm! sa- risch beauftragt. Wilhelm unter verstärktem Schuh. Der Ex- kaiser hat»ach dem Zwischenfall der vorver- gangene» Woch� ver stärkte» Polizei- s ch u tz erbeten. Statt eines Wächters tun künftig drei Wächter init Polizeihunden nacht, im Park von Doorn Dienst. Für Verkürzung der Arbeitszeit Internationale I�ampaFne— Unwiderlegbare Argumente Am 10. Januar wird in Genf die vom Internationalen G e w e r t f ch a f t s- b u n d feit langem geforderte Konferenz der drei Parteien(Unternehmer. Arbeiter und Regierungen) zur Prüfung der technischen Pro- bleme der Arbeitszeitverkürzung zusammentreten. Ihre Schlußfolgerungen sollen der am ZI. Mai anberaumten 17. Internationalen Arbeitskonferenz unterbreitet werden und zum Abschluß einer Konvention führen. Diese Schlußfolgerungen können nur dahin lauten: mit und ohne Krise ist eine beträchtliche Verkürzung der Arbeitszeit eine Zlaturnotwendigkelt! Wenn diese Tatsache im Rahmen der von der Gewerkschaftsinterna'ionalc seit Jahren geführten Kampagne zugunsten der Verkürzung der Ar- beitszeit nicht schon so oft bewiesen worden wäre, so würde allein schon die jetzt vom Kongreß des Amerikanischen Gewerkschaftsbun- des(A..?. of L) angenommene Entschließung genügen, um alle Zweifel zu beseitigen. In dem Beschluß, der im Mittelpunkt der Besprechungen der Tagung der A. F. of L,. stand, heißt es wörtlich: „Die technischen Verbesserungen, insbesondere durch automatische und halbautomatische Ma- schinen. sind soweit gediehen, daß Arbeitslosigkeit auch dann nicht vermieden werden könnte, wenn in der ganzen Wirtschast die kürzeste Arbeitszeit und der höchste Lohn der Zeit vor der Krise All- gemeingültigkeit erhielten." Die gleiche Entschließung gibt sür diese Tal- sache zahlenmäßige Belege: Schon im Jahre 10 2 9 als die Wirtschaft den höchsten Grad der Produktivität erreichte, gab es 2.-1 Millionen Ar- beitzlose. Im Vergleich zu 1919 war damals die Produktion um 42 Proz. gestiegen, die Zahl der Arbeiter in Fabriken war jedoch im Vergleich zu 1919 bereits um 2 41 000 ge- s u n k e n Die Eisenbahnen transportierten größere Menge» von Gütern, halten jedoch 362000 Arbeite>- entlassen. Die Kohlengruben hatten 1 2 2 0 0 0, die L a n d- Wirtschaft 800 000 Arbeiter abgc- baut! Die A. F. of L. verlangt: 1. Das Parlament soll die Arbeitszeit in Staats- diensten auf höchstens 30 Stunden per Woche festsetzen(davon würden 1 Million Ar- beiter betroffen). 2. Die Eisenbahner sollen 6 Stunden per Tag arbeiten. 3. Es soll eine große Kampagne zugunsten der Füns-Tage-Woche und des Sechs-Stunden-Tages in der Privokindustrie eingeleitet werden, wobei, wenn nötig, in gewaltsamer Aktion vorgegangen werden soll. Es soll evtl. ein Verband bezeichnet werden, der in dem kommenden Kampfe als Stoß- trupp Dienst tut(Als im Jahre 1897 in USA. die Parole des Acht-Stunden-Tages ausgegeben wurde, wurde diese Rolle vom Verband der Schreiner übernommen. D. R.) 4. Mit der Verkürzung der Arbeits- zeit soll eine Erhöhung der Löhne gefordert werden. Die A. F. of L. jagt mit ihren Forderungen keiner Utopie nach. Schon unter der Regierung Hoovers ist aus ihr Antreiben hin in den Staats- betrieben mit der Verkürzung der Arbeitszeit ein Ansang gemacht worden. Die Demokratische und die Republikanische Partei haben sich in ihren kürzlich abgehaltenen Jahresversammlungen ent- schieden sür die Verkürzung der Arbeitszeit aus- gefvrochen. Die USA., ein ganzer Kontinent, fordert Ver- kürzung der Arbeitszeit. Die Arbeiterorganisationen aller Länder und Richtungen stehen auf dem gleichen Standpunkt. Kein ernst zu nehmen- der Wissenschaftler steht in dieser Kampagne abseits. An die Vorbereitende Technische Konserenz in Genf wendet sich die Stimme einer ganzen Welt. Sie erwartet von ihr eine eindeutige Antwort! Blinder Alarm RGO. sucht Agitationsstoff Von den„roten" Betriebs- und Arbeiterräten im Siemens-Werner-Werk hat man während ihrer jetzt fast zweijährigen Tätigkeit weiter nichts gehört, als daß sie bei dieser oder jener Gelegenheit durch gehässiges Gekläff ihre zahlenmäßige und geistige Unterlegenheit gegen- über ihren sreigewerkschastlichen Betriebs- und Arbeiterratskollegen zu kompensieren versuchen. Da jetzt aber der Termin zur Neuwahl der Betriebsvertretung immer näher heran- rückt und man die Quittung der Beleg- s ch a f t sür ihre Unfähigkeit zu ihrer wirksamen Interessenvertretung fürchtet, wird man ein wenig „aktiv". Wenigstens in der Verbreitung von saust- dicken Lüge» und Verleumdungen über die frei- gewerkschaftlichen Mitglieder der Betriebsver- tretung. Man sorgte dieser Tage im Betriebe für die Verbreitung des Gerüchts, das Werner- werk>1 mit über 2000 Arbeitern und Ar- beiterinnen solle in nächster Zeit st i l l g e l e g t werden. Dann beantragte man, um sich bei der Belegschaft wichtig zu machen, die Einberufung einer Betriebsralssitzung. In der Sitzung des Betriebsausschusses wußte die„rote" Betriebsrätin Gläser von einer beabsichtigten Stillegung des Wernerwerts M nichts mehr, sondern wollte nur noch etwas von der Absicht größerer Arbeiterentlassungen gehört haben. Die Mitteilung der sreigewerkschastlichen Be- triebsräte, daß nach ihren Feststellungen in ab- lehbarer Zeit mit größeren Entlassungen im Wernerwerk M nicht zu rechnen sei, beruhigte diese „rote" Betriebsrätin, die sich sonst bei VerHand- lungen mit der Direktion durch beharrliches Schweigen auszeichnet. Mit ihrer Unterstützung kam auch ein ein st immiger Beschluß des Betriebsausschusses zustande, keine Be- triebsratssitzung einzuberusen, weil es sich ledig- lich um Arbeiterfragen handelt, sondern den Arbeiterrat mit der nochmaligen Nachprüfung der Gerüchte zu beauftragen. Da gestern im Werner- werk nicht gearbeitet wurde und die Betriebsaus- schuhsitzung erst am Freitag war, konnte der Arbeiterrat natürlich noch nicht zusammentreten. Aus dieser ganzen Angelegenheit wird in der gestrigen„Raten Fahne" ein knalliger Artikel aus der Titelseite, wonach Siemens die 2000 Arbeiter des lvernerwerks M aus die Straße werfen wolle und die sreigewerkschastlichen Be- triebsräte der Direktion die Unter- st ü tz u n g bei dieser Stillegung anbieten. Der Artikel ist von Anfang bis Ende eine A n e i n- anderreihung von Lügen. Man muß sich nur über die Kühnheit wundern, derartige Lügen einer Belegschaft aufzutischen. die sie sofort als Schwindel erkennen muh. Das ist aber auch ein Beweis dafür, wie be- schränkt die„roten" Betriebsräte im Siemens- Wernerwerk find, und daß es h ö ch st e Zeit ist, ihnen bei den nächsten Betriebsratswahlen den Laufpaß zu geben. Kampsausschuh Aschinger Die Drücheherger melden sich Wie erinnerlich, haben die Berliner Gastwirts- angestellten in der Urabstimmung den S ch i e d s- I p r u ch des Schlichtungsausschusses angenommen. Im A s ch i n g e r- K o n z e r n, wo die kommu- nistischen Betriebsräte die Führung haben, ver- anstaltete ein anonymer„Kampsausschuß" eine Sonderabstimmung. In dieser Abstimmung ist an- geblich mit überwältigender Mehrheit der S t r e i k beschlossen worden. Der Zentralverband der Hotel-, Restaurant- und Cafü-Angeslellten ließ die Leute von der RGO. gewähren. Sie sollten zeigen, was sie leisten können. Und was haben sie geleistet? Am Morgen nach der Abstimmung sollten alle Betriebe, Bierquellen und Konditoreien von Aschinger st i l l g e l e g t werden. Am Morgen nach der Abstimmung waren alle kommunistischen Betriebsräte, alle Mitglieder des„revolutionären Kampf- ausschusses" auf dem Posten— allerdings nicht auf dem Streikposten, sondern auf ihrem A r- b e i t s p o st e n. Zum Glück haben sich unter der Belegschaft Dumme nicht gefunden, gtm auf den kommunistischen Schwindel hereinzufallen. „N achexcrzicren!" kommandierte die RGO.-Zentrale. Am Dienstag nach dem Streik — der Streikenden sollte noch einmal eine große Delegiertenkonferenz die endgültigen, definitiven und allerletzten Kampsmaßnahmen beschliehen. Diese große Konferenz war eine große Pleite. Die revolutionären Kämpfer glänzten in der großen Mehrheit durch Abwesenheit. Es war wieder nichts. Die„revolutionären" Betriebsräte im Aschinger-Konzern hatten sich entlarvt als Sprücheklopser, die nur die Haut der anderen riskieren, selbst aber weder den Mut haben, zu ihren Worten zu stehen, noch die Fähigkeit, für die Interessen der Angestellten einzutreten. Nun stehen die Betriebsrätewahlen bevor. „Aschinger-Kampfausschuß ruft", überschreibt die „Rote Fahne" einen schwulstigen Artikel, über dessen dumme Verlogenheit kein Wort zu verlieren ist. Er„ruft"— wozu? Zum Kamps?— Bewahre!— Zur„Wahl von roten Betriebs- räten". Wir sind überzeugt, daß die Belegschaft von Aschinger den feigen und unfähigen Drückebergern nunmehr den verdienten Fußtritt geben und nur sreigewerksckiastlich organisierte Betriebsräte wählen wird. Schneidertarif in Kraft Am 10. Dezember war, wie bereits gemeldet, in Leipzig für die Herren- und Damenmaß- ichneider ein Schiedsspruch gefällt worden, der den Reichstarifvertrag mit einigen Abänderungen für das Jahr 1933 wieder In Kra-t setzt. Der Reichstarisoertrag, der die allgemeinen Arbeitsbedingungen im Herren- und Oamenmaß- ichneidergewerbe regelt, war von den Unter- nehmern zwecks allgemeiner Verschlechterung ge- kündigt morden. Gleichzeitig wurde in Leipzig durch einen zweiten Schiedsspruch bestimmt, daß die örtlichen Lohnvereinbarungen wieder in einem zentralen Lohnabkommen vereittizt werden sollen, wie es bis zum Dezember d. I. der Fall war. Diese beiden Schiedssprüche sind nunmehr von den freigewerkschasllich organisier- ten Herren- und Domenmatzschneidern in ge- heimer Abstimmung angenommen worden. Auch die Unternehmer haben den Schiedssprüchen zugestimmt. Das zentrale Lohnadkommen tritt ebenso wie der Reichstarifvertrag am 1. Januar in Kraft. Während der Reichstarifvertrag jedoch bis zum 31. Dezember 1933 gilt, ist das Lohn- abkommen nur bis zum 30. April 1933 befristet. Für die Orte, in denen zur Zeit keine örtliche Lohnvereinbarung besteht, müssen die Tarif- Parteien bis zum 8. Januar solch« Vereinbarungen herbeizuführen oersuchen. Dort, wo diese'Ver- suche fehlschlagen, entscheidet ein vereinbartes Schiedsgericht über die Festsetzung der Löhne endgültig. Bvm Schlachthof Zu unserem Gerichtsbericht in Nr, 594 des „Vorwärts" mit der Ueberschrist:„Unerfreuliches vom Schlachthof" läßt uns die Verwaltung des Lieh- und Schlachthofes folgendes mitteilen: „Die Oeffnungszeiten des Schlachthofes haben mit den Arbeitszeiten der Gesellen nichts zu tun. Beweis hierfür ist die Tatsache, daß der Schlacht- hos wöchentlich 80 Stunden geöffnet ist. Diese langen Oeffnungszeiten sind wegen des Treibens der Tiere, des Fütterns der Tier«, des Schlach- tens und des daraufsolgenden Transportes des Fleisches unbedingt nötig. Die achtzigstündige Arbeitszeit hat aber natür- lich mit der Arbeitszeit der einzelnen Gesellen nichts zu tun. Das Personal des städtischen Vieh- und Schlachthofes arbeitet ja auch wöchentlich 44 Stunden. Die Verlängerung der Schlacht- Zeiten am 30. Juni d. I. erfolgte nur aus dem Grunde, weil am 1. Juli die Schlacht st euer in Kraft trat und infolgedessen am 30. Juni noch sehr viel Schlachtungen vorgenommen wurden. Die Verwaltung des Vieh- und Schlachthofes mußte diesen berechtigten Wünschen der einzelnen Schlächter selbstverständlich Rechnung tragen,«ie hat also durchaus nicht„so schnell und leicht den Wünschen der Unternehmer auf Schlachtzeitver- längerung Rechnung" getragen. In dieser Zuschrift wird bestätigt, was wir aus der Gerichtsverhandlung berichteten. Eine Ver- bindung der Arbeitszeit der Gesellen mit den Schlachtzeiten besteht zweifellos. Daß am 1. Juli die Schlachtsteuer in Kraft trat, war sicher vor dem 30. Juni auch im Schlachthof bekannt. Des- halb erscheint uns die Verlängerung der Schlacht- zeiten an diesem Tage weniger„selbstverständ- lich" als der Verwaltung. Für die Tatsache, daß weder bei den Grohschlächtern noch bei den übrigen Schlächtern wenig Neigung besteht, die gesetzlichen Arbeitszeitbestimmungen einzuhalten, haben wir die Schlachthofverwaltung nicht verantwortlich gemacht, sondern ihr nur nahegelegt, es nicht als ganz selbstverständlich zu betrachten, den Wünschen der Unternehmer auf Verlängerung der Schlachtzeiten nachzugeben, zumal die damit verbundene Arbeitszeitverlängerung zu gericht- licher Bestrafung der Meister führen kann, wie es das Urteil der Strafkammer erkennen läßt. Dachdeckerwrif verlängert Ltarhe Gewerkschaft behauptet sich Nach längeren Verhandlungen haben sich die Tarisparteien im Dachdeckergewerbe dahin verständigt, den Reichstarifvertrag zum 31. März nicht zu kündigen. Der jetzt geltende Reichstarif ist damit bis zum 15. März 1934 verlängert Die Unternehmet im Dachdeckergewerbe hatten die Verlängerung von einigen Bedingungen ab- hängig gemacht. Es gelang aber die Vertrags- Verlängerung lediglich mit einigen redaktionellen Aenderungen herbeizuführen Gleichzeitig mit dem Reichstarifvertrag find auch alle Orts- und Bezirkslarise im Dachdeckergewerbe bis zu dem gleichen Termin verlängert. Dieser Beschluß der Tarifinstanzen der Dach- deckermeistcr und der Arbeiter des Dachdecker- gewerbes kommt nicht von ungefähr. Er ist in der Hauptsache darauf zurückzuführen, daß die Unternehmer auch in der schwersten Kriscnzeit die gewerkschaftliche Kraft der im Deutschen Bau- gewerksbund organisierten Dachdecker respektieren müssen. Für öle Kriegsbeschädigten Gehobene Fürsorge Durch Erlaß vom gestrigen Tage hat der Reichs- arbeitsminister auf Antrag des Reichsverbandes deutscher Kriegsbeschädig'en und Kriegshinler- bliebenen sowie des Reichsbundes der Kriegsbeschädigten. Kriegsteilnehmer und Kriegerhinterbliebenen angeordnet, daß für die Krisenunter st lltzung von Personen, denen nach den Reichsgrundsätzen über Voraussetzung, Art und Maß der öffentlichen Fürsorge gehobene Fürsorge zusteht, nicht der Richtsatz der allge- meinen Fürsorge, sondern der der gehobenen Für- sorge, obere Grenze im Rahmen der Sätze der Arbeitslosenversicherung, sein soll Der Erlaß tritt mit Wirkung vom 9. Januar 1933 in Kraft._ Vorbedingungen zum Wiederaufstieg Eigener Beridit des„Vormärts" New York. 24. Dezember. 3n dem Monatsbericht des amerikanischen Gewerkschastsbundes wird erklärt, mehrere günstige Anzeichen der letzten 2No- nole liehen daraus schließen, daß der Tief- stand der Krise erreicht sei. Der wiederausslieg häng? jedoch von der De- reinigung der Schuldenfrage und der Bereinigung der übrigen politischen Wel'wirt- schaftsprobleme ab. Der Gewerkschaftsbund for- derl die beschleunigte Einberufung von i n t e r- nationalen Konserenzen zur Klärung dieser Zragen. Zur„EinheitSfrvn!" Zu der Berichtigung des KPD.-Mannes Willi H o t o p im gestrigen Abendblatt wird uns ge- schrieben, daß Hotop die Reise aus Kosten der Staatstheater gemacht hat. Die Konferenz in Darmftadt schien ihm allerdings zu trocken ge- wesen zu sein, weshalb er deren Verhandlungen möglichst gemieden hat. Dadurch erwuchsen ihm jedoch tzrößere Ausgaben als vorgesehen, doch fand sich zum Glück ein Gewerkschastsangestellter. der Hotop das Geld zur Rückreise nach Berlin leihen konnte. Weihnachtsurlaub Im freiwilligen Arbeitsdienst gibt es drei Tage Weihnachtsurlaub. Die Ansprüche der Beurlaubten sollen davon nicht berührt wer den, oh aber Fahrgeld oder wenigstens eine Kost- geldentschädigung für die Urlaubstage gewährt wird, geht aus der uns vorliegenden Verlaut- barung nicht hervor. Ohne jegliche Beihilfe be- deutet der Weihnachtsurlaub eine recht gemischte Freude. Opfer des Kapitalismus. Im Organisations- gebiet des Keramischen Bundes sind 130 000 Ziegler. 12 000 Zementarbeiter, 13 000 Kalk- und Gipsarbeiter, 20 000 Schamottearveiter, Tausende von Sand- und Kiesgrubenarbeiter. 40 000 Glasarbeiter und 20 000 Porzellanarbeiter Opfer der Krise. Dazu kommen noch Zehn- taufende, die kurzarbeiten. Für das Lithographie- und Steindruckgewerbe war vom Schutzvcrband deutscher Steindruckerei- besitzer das Lohnabkommen gekündigt und außer einigen anderen Verschlechterungen ein Abbau der Löhne um 10 Proz. verlangt worden. Bei den Verhandlungen im Reichs- arbeitsministerium bestritten die Gehilsenvertreter die Rechtmäßigkeit der Kündigung. Der Vertreter des Reichsarbeitsministers teilte die Ansicht der Gehilfenvertreter. daß die Kündigung frühestens am 30. Dezember wirksam werden könne. Er ver- tagte die Verhandlungen bis zum Januar, womit auch das Lohnabkommen zunächst bis Ende Januar verlängert ist. Hierzu 3 Beilagen � � m h„i", �ch?n>ag!l»> a.l'.I?°n",a|Ä uuB'Jlontigs-inmat dllustrUtte Sonnlagsdeilage Polt und Zkil",«, z u g s p l e, 1 e: Wöchcnttlch lo P,.. monatlich 3.2.i ik,(davon 87 P, monaUich(Ut Zustellung INS Haus» tm voraus zahibar. Postbezug 3.9/ M etnschltehlich 60 Pf. Postzeltung. und 72 Pf. Postbestellgebuhren.-Auslandsabonnemcnt 5,65 M. pro Monat; für Länder mit ermäßigtem Drucksachenporto 4 6.� M. Bei A Sfall dkc Lieferung wegen 'an,, r K�n � Äorte Arbeltsmarkt MrUrmeterzerle 25 Pf. FamUrcnanzeigen Millimeterzeile 16 Pf-Anzeigenannahme im Sauptgefchä't Lindenftr. 3. wochentäalich LJL.?' Jl. I£0;i,,lalt*£$ D-25 � �5. Ablehnung mcht genehmer Anzeigen vor. I Verantwortlich für Politik: Rudolf Breademühl; Wirtschaft: G. Aliagelhöfer; Gewertschaftsbewegung- 3. Steiner; Feuilleton: HcrWt utfoles und Sonstige�. Zrrtz Sarftäftt; Anzeigen: Otto Hengst; samtlich in Berlin./ Verlag: Vorwärts-Lerlag S. m. b. H.. Berlin. Druck: Lorwärts. Buchdruckerei und Berlagsanstalt Paul Singer u. Co.. Berlin SZL. 68. Lindenftr. 3. SONNTAG, 25. DEZ. 1932 I LAG E II eim im II inier ein Fremder diirdi II' er d e r geht, madit sogar es(eriuaeni)®ro§=3erIiii Einfendungen für diese Rubrik nur an das Iugendf-kretaria» Berlin SW 08 Lindenstraße 2, vorn l Treppe rechts. Gruppe Sportpalast: Gcnthincr Str. 47. Dienstag, 19 Uhr, Wintcrsonncn- wendscicr. J Gewerkschafts Jugend Berlin Heute Weihnachtsfahrten der Gruppen: Frankfurter Allee nach Mclchow» Urdcrsee: Neu-Lichtcnbcrg naäi Fürstcnwaldc.Raucn.Pctersdors: Ost. ende nach Tcupiß.KIeiN'Köris: Landsberger Platz nach Fürstenwaldc-- Rauensche Berge: Eiidwesten und Freiheit nach Buckow-Märkische Schweiz: Südosten und Schlestschcs Tor nach Bernau-Uctzdorf: Tcmpelhof nach Fürsten- waldc. Nauen: Gcwcrkschaftshaus nach Kloster Lehnin: Schönebcrg nach Lüdersdorf: Treptow und Hcrtzbergplatz nach Lüdersdorf: Hermannplatz: Rund um Freicnwalde a. d. s.: Neukölln nach Fürstenwalde-Berrcirdrüet: Flughafen nach den Rauenschcn Bergen; Humboldt und Arkonaplatz nach Buckow-Märkische Schweiz: Reinickendorf: Rund um Freicnwalde a. d. O.i Gesundbrunnen nach dem Drcihäuserdorf Pia»: Spandau-Rcustadt nach Lübben- Sprcewald: Köpenick nach Buckow-Märkische Schweiz: Iugcndgruppe des Gcsanitvcrbandcs: Auf nach Klein. Köris. Köthen-Unterspreewald.— Dienstag, 19' r Uhr, tagen die Gruppen: Arkonaplatz: Jugendheim Schule Elisabcthkirch- straßc l9: Die Frau im Kampf um die Gleichberechtigung.— Steglitz: Jugend- heim Flemmingstr. 14b: Schallplattcnkunterbunt.— Moabit: Jugendheim Bremer Str. 09/70: Signal auf Fahrt.— Spandau-Wilhelmstadt: Jugendheim Sportplatz, Secburgcr str.: Henry Reiff und fein lustiges Programm.— Pan- low: Jugendheim Kifsingenftr. 48, Zimmer ö: Es spukt rn Pankow.— Treptow: Jugendheim Elscnstr. 2 tam Bahnhof Treptow): Kunterbunt.— Landsberger Platz: Jugendheim Diestelmencrstr. 0: Bunter Abend.— Lichtenberg: Jugendheim Dosscstr. 22: Bunter Abcnd.— Ncu»Lichtenberg: Jugendheim Gunterstr. 44: Ausspracheabend— Wcihnachtsfahrt.— Oftenbe: Iugcndbeim.Karlshorst, Tres- kowallre 44 iKantfchule): Sruppenabeitd fällt aus.— Adlershof: Jugendheim Adlcrshof, Bismarckftr. 1: Liederabenb und Gesellschaftsspiele.— Ofthascn: Jugendheim Goslcrstr. 01(Rotes Zimmer): Heitere Fahrterlebniffc. Iuqendqruppe Seö Zentralverbandes der Anaestellten JSfjl Am Dienstag, dem 27. Dezember, findet folgende Beranstaltung statt: Nordwest: Jugendheim Lehrter Straße 18—19. Gedanken zum Jahres- Wechsel. Vorträge, Vereine und Versammlungen Reichsbanner„Schnmrz-Rot'Gold". Geschäftsstelle: Berlin S. l4. Sebastiunstr 37— 38. Hos 2 Tr. Achtunq! Das Gaubüro bleibt am 3. Feiertag gesäilossen.— Vor- .. �. trupp Schwarz.-Rot-'Gold: Montag, 26. Dezember, große Weihnachts» fcicr im S6)ultheiß-Ausschank, Hasenheide 22/31. Beginn 16',.. Uhr. Eintritt 2.', Pf. Alle Freunde unserer Sache sind herzlichst eingeladen.— Wedding (Ortsverein). Die Kameraden werden ersucht, siäi an der Weihna6)tsfeier der 21. Abt. der SPD., die am 1. Feiertag in der Hochschulbrauerei statt- findet, recht zahlreich zu beteiligen. Beginn 17 Uhr. Karten inkl. Tanz und Steuer 50 Pf.— Vortrupp: Dienstag, 27. Dezember, 17 Uhr, Heimabend, Seestr. 57. Filmvortrag über technische Ausbildung. Referent: Kamerad Freitag.— Prenzlauer Berg(Iungba). Dienstag, 27. Dezember, Zusammen- kunft an bekannter Stelle.— Fricdrichsham(Vortrupp), Mittwoch. 28. Dezember, 19% Uhr, Jugendheim Ebertpstr. 12.— Schöncberg-Fricdenau(Orts. verein). Dienstag, 27. Dezember, 20 Uhr, Verkehrslokal Schmidt, Ebersstr. 18. Sitzung der Pressekommission. Alle Kameradschaften reichen Programme dort ein.— Lichtenberg(Ortsverein) Montag, 26. Dezember, 19 Uhr, Weihnachts- feier bei Bartz, Möllendorf- Ecke Rittergutstraßc. Alle Kameraden sowie deren Angehörige sind herzlichst eingeladen.— Wittenau«Kameradschaft). Dienstag, 27. Dezember, 17 Uhr, Weihnachtsfeier bei Schulz, Hauptstr..'»6. Arbeitpr-Radio-Bund Deutschlaads E. B., Ortsgruppe Groh-Berlin. Lichten- berg. Bibliothek Weichselstr. 28. Freitag, 30. Dezember. 20 Uhr. Der Verstärker. — Reukölln. Linus Klamt, Berliner Str. 100. Dienstag, 27. Dezember, 18 Uhr. Proletarische Weihnachtsfeier mit Kinderbescherung. Wir bitten diejenigen Abteiluagsführerinnen, die die Fragebogen für den Jahresbericht noch nicht ausgefüllt zurückgesandt haben, dies umgehend zu er- ledigen. Das Frauensekretariat. ßttatt Ttteafer Staatsoper Unter den Linden Montag, 26. Dez. 19 Uhr Sonntag, 25. Dezember 19'/« Uhr Aida Die meister- smger uon nurnDerg Staatliches Schauspielhaus Sonntag, 25. Dezember 19 Uhr Faust I. Teil Montag, 26. Dezember 19 Uhr Faust I. Teil SCAW TSfllich 5 und 8� U. Barbarossa 9256 » jNSvrben« Tanz-Pantomime von Ernst Matray mit MARIA SOLVEG, KATJA STERNA Gastspiel Ree! Hauptdarstellerin aus dem Film„TABU" und das große Fest-Programm Das urtdecuste Madttii I. Feiertag II. Feiertag III. Feiertag 4 0. U.8U.I5 4 Uhr Kleine Preise Ein wahres Festprogramm! VOLKSBÜHNE Theater am Btllewpiatz Täglich S Uhr D 1 Norden 6536 Oliver Cromwells Sendung i. Walter Gilbricht Regie Heinz Hilpen. Grosses Schauspielhaus nnnnnng y Die grosse bunte Kinderrevue � § imtitfitHe-ßweii' TtiHfa p a i- t~j I Nächste Aufführung: g| III. Feiertag. 27. Dez.. 4 Uhr a G G G G letzte flufführungen: Donnerst., d. 29. Dez.. 4 Uhr nachm. Sonnab., d. 31. Dez., 3'? Uhr nachm. Q ÖHZin Kleine Preise SO Pf. bis 2,50 Mk. UUJCSß Montag, den 26. Dezember (2. Feiertag) nachmittags 1 34 Uhr ilZbe Sdiles. Bhf. n.B". Slgs.Z, 5.!I5U. E 7 Weichsel 4031 Der letzte waizer Schiller Blsmarckstr.(Knie) Steinpl.(Cl) 6715 Täglich SlU Uhr über 60 mal Robert und Bertram Senia Söneland, Paul Heidemaim 1. Weihnacntsiag 25. t)z.,nachm 41', Gastspiel der Deutschen Musikbühne Hansel u.Grelcl Romantische Oper von E. Huraperdinck Kleine Preise 2.Weihnachtsfeiertag 26 Dez., vorm. HVs Heitere Matinee JoKef Plaut Kleine Preise nachmitb 4 Uhr: Or.Dolitftles Abenteuer mitAlh-edBraan Kleine Preise! KurfQrst8nd.-Tir. Kurfürstendamm 209 Tel Bism. 1400 ZTeiertastu, Bill). Sil»Bter 7 Uhr Oliddiüie Reise von Bertudi und Sdiwabadi Musik: Künneke Regie: Peokert Hans Schindler mit seinen Jazz-Symphonikern Vorverkauf ununterbrochen Theater im Admlralspaiasi Merkur 9901 Ab 25 Dezember wieder tägl. 89« U. Hans Albers L i Ii om 1 u 2. Feiertag 4 Uhr Die verkaufte Braut CASINO-THEATER Lothringer Slrafje 37 iiiiiiiiniliiMmiiiiiiiiiiiiimiiiMiiiiiiuiiiiiiniiiiiiiiniinHiiiinnii t Feier1, 2 Vorstellungen Nachmittags 4 und abends SV* Uhr. In beiden Vorstellungen Alles um Lotti Posse miSGesangundTanz von Arnold und Bach, Musik von Walter Kollo. Großes Sdiauspieltmus An beiden Feiertagen 8 Uhr auch nachm. S'/s U.fkleine Preise) Ball im Savoy mit Gitta AI oar SlädhOper Charlottenbure Fraunhofer 0231 Sonnlag, 25. Dez., außer Abonnement 19 Uhr Lohengrin Wörle a G., Friedrich, Amerling Rode. Andrdsen, Heyer Dirig Breisach Montag, 26. Dez., außer Abonnement 20 Uhr Martha Pfahl, Zador Pataky, Andidsen Pechner Dirigent: Ladwig Stetfiner Sänger Reichshallen-Th.. Dönhoffpl. 8.1S ii. beido Feiertage 3.30 zu ermäßigten Preisen Das Weiimadits- programm An beiden Feiertagen Dönhoff-Brettl Variete— Tanz Charlottenstr. 90 Dönhoff 625 Zu wahr um schön zu sein Komödie von Shaw Ho!»!.*. Thellmann, Ems, Bertens. Otto, Sine. Gronau. PlUL 26. 4VnU. Gespenster mit Moissi, Terwin Joachimstraße 20, am Rosenthaler PI.(Bht. Börse) Weihnachtsball ar allen 3 Feiertagen Kabarett- Schwlmni- u, Spring-Vorführungen Silvester am Lido Eine Nacht in Venedig 3» B. B. Beadows Bunte Bühne Kottbusser Straße 6 Oberbaum 3300 „von A-Z" r&glich 8'/« Uhr Sonnt, nachm. 3>/; SÄ Kabarett für Alle 14 Uhr Täglich 2� 9 Vhr Das sensationaUe Kabarett-Programni Abendpreise I— 3 Mk. Nachm. GedecK 1,25 Jeden Sonnabend 1 1 34 Uh r: Nachtvorstelhmfi Deutsches Theater Weidend. 5201. Täglich 8 Uhr Gott, Kaiser und Bauer Sdiausp'itl tod J. Kay Insztii.; K. H. Martin Kortner, Melzer, Wegener, Wiemann, Hart, Kaiser Kanuuerspiete Täglich 8 Uhr Hans Moser Essig und Gel v.Geyer u. Frank Musik von Robert Katscher Inszenierung: O L. Preminecr itntii Engel ufer 24:25 Konzert /Angenehmer Famiiien- aufenthalt/ Gepflegte Küche Getränke jeder Art zu zeitgemäßen Preisen Am 2. Feiertag Morgensprache unter Mitwirkung des Ebert- Manz- Quartett 31. 12. Große Silvester-Feier Lessing Theater Heute 8 Uhr Premiere Ab2.Feierttgl.8i4 Silvester 7 Uhr Grete Mosheim Brausewetter Der Liebling von Paris Musik von Offeiibadi Regie: Homolka Theater des Westens Steinpl. 5121 Heute 8 Uhr Premiere Ab 2. Feiertag täglich 89« Uhr Silvester 7 Uhr Max Pallenberg Der brave Soldat Schwejk S Fei er tag, nachm 4 Unr zu klelneu Pr. Wein- Werbe- Wochen 1932/33 Deutsches Künstler-Th Nürnberger Str. Tel Bavafia 6466 hi beiden Weihnachtsfeiertag und tägl. bV: Uhi Silvester 7 Uhr Leopoldine Konstantin in: Die Nacht zum 17. April Schroth, Steinbeck. Gebühr, Brionne, Wolle, Picha � ÜHEeTdam» beim Deutschem Wein und Deutschem Tanz Großes Eröffnungs- Programm Eintritt 50 Pf. Am 31. Dezember Großer Silvesterball Eintritt 1.50 M, Vorverkauf 1.— M netropoi-Theaier Weihnachten 25., 26., 27. Dez 3 Abschiedsvorstellungen Srifci Massary Eine Frau, die weiß, was sie will! 1. u. 2. Feiertag nachm. 5 Uhr ZareviticD Siadllheatei Neukölln, Bergstraße 147 Gastspiel der „Deutschen MusiHbühne" Qesamtleitung: Erbprinz Reuß an den beiden Weihnachtsieiertagen, abds. SUhr „Die Hechzelt des Figaro» Komische Oper von W. A. Mozart am Dienstag, dem 27. Dezember, abends 8 Uhr „Hänsel und Gretel» Romantische Oper von E. Humperdinck Eintrittspreise.- Numerierte Parkettplätze von 50 Pfennig an Das ist unsere Zigarette! aMchl� AKTIVITÄT 2V2 FREIHEIT 3� DISZIPLIN 5 Die Zigarenen der Eisernen From Hergestelb aus den edelsten Orienttobaken Mi» Bilderbeilagen aus der Arbeiterbewegung Auslieferungslager für Berlin: Mörsch, Engelufer 25(Gewerkschaftshaus). Weihnachten »m Theater im Admiralöpalast 1. und 2. Feiertag nachm. 4Llhr zu kleinen Vreisen: Die verkaufte Braut wieber täglich Mr: Hans Albers tlv8e- l liesler GnBe Frankfurter Straüp 132 Tel. Weidisel E7 3477 I. Feiertag 5.15 und 8.30 Uhr; Böhmische Musikanten 11.45 U. Nachtvorst OleunoekURteEva 2. Feiertag 11.30 vormittags Familie Seliße 2 30 Uhr Goldliärdieiis Uinmielfahrt 5.15 und 8 30 Uhr: Böhmisdie Muslkanlen Hnsecate Im A Vorwärts lichem Erfolg! XWIÜiKüilZllZ Sciüllb.uerdamm 25 teil! 7 Ueill.»04-113 Täglich 814 Uhr Das Haus dazwischen von Sdiiffer und Joediinnon Musik: Spoliansky Inszeniening: Barnawsky Adalbert, Ander. Tiedtke Th.d. Schauspieler IMer am Sdnffbauetnamni AVeidendamm 3300 Ah 24 Dezember täglihh 814 Uhr ilulonialenbülett Komödie von A. Gmeyner mit Agnes Straub, Kölker. Heilinger. Gnas. Trenk-Trebitsch. Odemar. BETRIEB A KEMPINSffllv Vorstadtleqende von Franz Molnar Liliom �v�v�k�t�uttu�tt��r� Musik von Theo Mackeben ZWEITE BEILAGE SONNTAG, 25. DEZ. 1932 Sin 9imä ipieU unterm WelhnachSsMum beobachtet und erzählt- Ton Viurt Sclimellser � wer dem Weihnachtsbaum stand eine große bunte Schachtel. Valentin hatte erst lange damit zu tun, sie anzu- staunen und das bunte Bild, das aus den Deckel geklebt war. zu betrachten. Es stellte ein Haus dar von Bäumen umgeben, davor hielt ein Wagen mst Pferden. Ein Mann war aus der Haustür getreten mit einem Jungen an der Hand, und sie verabschiedeten sich von einer Frau, die ein Pind aus dem Arm trug und in der Haustür stand Ei» Hund sprang kläffend um den Wagen und konnte die Zeit nicht erwarten, bis die Reise losging „Du kannst die Schachtel auch ausmachen und sehen, was drin ist", sagte Valentins Mutter. Daran hatte er noch gar nicht gedacht, so gut hatte ihm das Bild gefallen. Der Deckel faß ziemlich fest, der Vater mußte helfen, ihn loszu- schieben, aber dann- vergaß Valentin den Lichterbaum und überhaupt, daß heute Weih- nachten war und alles. Da lag in der Schachtel wirklich das Haus, das auf dem Deckel abgebildet war� Valentin konnte es ausstellen und Bäume rundherum pflanzen. Da war auch der Wagen mit Pferden, da war die Frau mst dem Kind aus dem Arm. von der sich der Mann und der Junge verabschiedeten. Auch der Hund fehlte nicht. Man konnte sie auf den durch die ganze Stube, die Leute auf dem Wagen hatten also lange zu fahren. So hatte Valentin Zeit, das Dorf aufzubauen: Häuser und Ställe, ein Wirtshaus und eine Kirche, einen Teich aus Wagen setzen und losfahren— wert fort von dem Haus, in die Welt hinein. Denn es war ja noch viel mehr in der Schachtel: da war eine Schafherde mit dem Schäfer und einem anderen Hund, der die Schafherde bewachen helfen mußte. Natürlich kläffte der Spitz vom Wagen her den Schäferhund an, und es hätte wahrscheinlich eine blutige Beißerei gegeben, wen» der Schäfer nicht gerufen hätte, denn ein Schäfer- Hund muß ja aus die Schafe aufpassen, daß sie nicht in alle vier Winde laufen. Der Wagen rollte weiter und kam in einen Wald, da roch es wunderschön nach Lack, mit dem die Bäume gestrichen waren, daß es nur so glänzte. „Ach, sieh doch mal", rief der Junge aus dem Wagen,„sieh doch Vater, da im Walde steht ein Hirsch!" „Richtig'" sagte der Vater.„Und da drüben kommt ein Jäger mit der Flinte auf dem Rücken!" „Hirsch! Hirsch' verstecke dich!" rief der Junge. Und der Hirsch versteckte sich hinter den Glas mit Gänsen, die darauf herumschwammen, Leute, die auf der Straße hin und her gingen und wieder viele Bäume, so daß das Dorf hübsch im Grünen stand. Aber dann schrie Valentin geradezu los vor Vergnügen: da war ja ins Dorf gerade eine Menagerie gekommen! Wagen, an denen man die eine Seite herunterklappen konnte, so daß ein Gilter zu sehen war, und dahinter Löwen und Tiger und Bären und Hpänen. Auch einen Elefanttn und ein Kamel gabs, aber die Bären waren so zahm daß man sie frei herumlausen lassen konnte. Und die Leute auf dem Wagen ahnten noch gar nicht, daß sie das alles bald zu sehen kriegen würden! Nicht einmal der Jäger wußte es. Aber dann kamen sie ins Dorf, spannten vor dem Wirtshaus die Pferde aus, und während der Bater die Futterbeutel zurecht machte, durfte der Junge die durstigen Pferde an den Dorsteich führen und tränken Hernach setzte sich der Vater mtt dem Jäger zu einem. Glase Bier und der Junge strömte im Dorf herum. Unt» da entdeckt« er ja dann die Menagerie. Natürlich lief er und holte den Bater und der Jäger kam auch mit, und dann staunten sie die wilden Bestien an, während sie der Wärter mit Fleisch fütterte. Nach- her durfte der Junge auf dem Elefanten reiten, und der Spitz kläffte an dem Rtesentter empor. Aber davon wurde der Elefant scheu, und ehe sich's die anderen versahen, raste er mit dem Jungen davon. Der Vater schrie, der Jäger schrie und der Wärter schrie, aber der Elefant galoppierte schon wett mit dem Jungen aus seinem Nacken und schwenkte wild mit dem Rüssel durch die Luft. Da stieg der Wärter auf das Kamel und ritt hinttrdrein und der Vater des Jungen lief in das Dorf, spannte die Pferde ein und fuhr gleichfalls schnell in der Richtung, die der Elefant genommen hatte. Der war inzwischen in den Wald gekommen und zwischen den Bäumen mußte er wohl lang- samer gehen Aber der Junge mußte doch mächtig aufpassen, damit er von den Zweigen nicht herab- gestreift wurde Plötzlich stand da der Hirsch, den er vorher vor dem Jäger gewarnt hatte. „Spring auf meinen Rücken! Spring auf meinen Rücken!" schrie der Hirsch. Der Junge nahm die Gelegenheit wahr, sprang, als der Elefant gerade an dem Hirsch vorbeikam, und landett glücklich auf dem Hirsch. „Das ist mein Dank, weil du mich vorhin ge- warnt hast" sagte der Hirsch.„Wo soll ich dich denn nun hintragen?" „Am liebsten in das Dorf dort hinten, wo mein Vater mit dem Wagen ist, wenn du so freundlich sein willst", antwortete der Junge. „Weit aus dem Wald möchte ich freilich nicht gerne", meinte der Hirsch.„Aus freiem Felde ist mir's zu gefährlich aber bis an den Waldrand will ich dich gerne bringen." Damit trabte er los. Am Waldrand trafen sie den Wärter auf dem Kamel, und während ihm der Junge Bescheid sagte, wohin der Elefant gelaufen war, verschwand der Hirsch. Aber nach einem Weilchen hörte der Jubge Räder rollen und Hufe klappern, und es kam fein Vater, und die Freude war groß. Nun mußten sie freilich noch einmal nach dem Dorfe fahren, denn sie wollten ja Kartoffeln für den Winter kaufen. Dann luden sie im Dorf die Säcke aus den Wagen, und als er voll war, fuhren sie aus einem anderen Wege wieder heim, denn sie wollten dem wilden Elefanten, wenn ihn nun der Wärter zu- rückbrachte, nicht gerne noch einmal begegnen,— und dann hatte Valentin in der Spielzeugschachtel ja auch noch eine Brücke und ein Schiff und eine Eisenbahn gesunden. Ueber die Brücke mußten sie natürlich fahren und ins Wasser hinuntersehen, wo das Schiff vorüberschwamm. Dann kamen sie an eine Eisenbahnüberfllhrung und muhten warten, da die Schranke geschlossen war. Und dann brauste der Zug vorbei, die Schranke ging hoch, und sie konmen weiterfahren. So kamen sie endlich nach Hause. Die Mutter mit dem Kind aus dem Arm kam ihnen entgegen und freute sich, daß sie endlich glücklich wieder daheim waren, der Spitz kläffte vom Wagen herunter, die Pferde wurden ausgespannt und in den Stall gebracht, die Karwffelsäcke abgeladen und... „Und nun ist es Zeit, daß du schlafen gehst, Valentin", sagte seine Mutter.„Sieh mal, die Wechnachtskerzen sind schon ganz herunterge- brannt. Morgen ist auch noch ein Tag zum Spielen." „O— och!" sagte Valentin betrübt- Aber dann packte er doch alles wieder in die große Schachtel: die Eisenbahn, das Schiff, die Brücke, die Menagerie samt Elefanten und Kamel, das Dorf mit dem Teich, den Wald mtt Hirsch und Fuchs, die Schafherde, das Haus mtt den Bäumen drum- herum, die Frau mit dem Kind, den Mann, den Jungen und zuletzt Wagen und Pferde und den Spitz. Und d«t>» wurde die große bunte Schachtel zu- gemacht, Valentin gab Vater und Mutter einen Kuß zur guten Nacht, die Lichter am Weihnacht?- bäum durste er noch auspusten, dann ging er ins Bett und träumte davon, wie er am nächsten Tage die Welt einrichten wollte aus seiner Spielzeugschachtel. ffieelhoven irrt durch die Weihnacht... StiUoriiche tlovellelle- Ton Qerharl Jtcrrmann Itloilar Bäumen, er legtt sich einfach auf den Boden, und der Jäger konnte ihn nicht finden. Da war der Hirsch gerettet. Im Walde waren noch viele Tiere: Wildschweine, ein paar Rehe und auch ein Fuchs. Der Fuchs lief deni Jäger grade über den Weg— rumps! schoß der mit seiner Flinte, und der Fuchs mußte fem Leben lassen. Danach kragte der Jäger, ob er mit seinem er- legten Fuchs mitfahren dürfe ins nächste Dorf. Dagegen hatten nun die Leute aus dem Wagen nichts einzuwenden, aber der Hund knurrtt den toien Fuchs böse an Darüber mußte der Junge lochen. Und der Hund schämte sich, weil er so dumm gewesen war, einen toten Fuchs anzu- knurren. Er klemmte den Schwanz ein und ver- kroch sich im Stroh, das aus dem Wagen lag. Der Weg ins Dorf war ziemlich wett, er führte „Am 16. Juni 1822 dem Küchenmädchen auf- gesagt. Am 19. Juli die Küchenmagd eingetreten. Am 28. August die Küchenmagd ausgetreten. Am 6. September das Mädchen eingetreten. Am 5. Oktober abends ist die Küchenmagd entflohen. Am 12. Dezember ist das Küchenmädchen ein- getreten." Beethoven überflog unter störrischen Brauen diesen sorgsam geführten Kalender seines häus- lichen Kummers— dann packte er mit wütendem Griff die Feder und fügte hinzu:„Am 24. De- zember dem Küchenmädcheil aufgesagt." Und dann, besinnungslos fast in Zorn und Einsamkeit, setzte er darunter:„>liser et pauper sum." „Arm und unglücklich bin ich", wiederholte er sehr laut und lauschte scharf hin, ob er seine eigene Stimme hallen höre im weitest, ungeordneten Zimmer, aber er hörte sie nicht—„unglücklich und arm, taub und einsam, und ohne Hllfe wieder einmal!" Er segle mit fahriger Geste ein Buch vom Tisch, hob es unmutig wieder auf— es war der Ka- lender— überlas seine letzte Eintragung von heute und dachte, daß es nun so weiter gehen werde, der Kampf um die Größe des Gedankens, das Anrennen gegen die Mauer im Ohr und der viel widerwärtigere Kamps mit der Kleinheit des Wirklichen— immer so weiter, heute, morgen, bis ans Ende... Er sah sich im Raum um: zerstreute Papiere, unabgelragene Eßresle, staubige Möbelplatten, der Ose» schweigend, dunkel und katt— was wollte er hier? Er trat ans Fenster: jäher Tau nach drei Tagen Schnee, Nässe lief grau über die Steine. Nässe lief selbst von blinden Fenstern, Wind warf Schnee wie mit Schaufeln von mißfarbenen Dächern, unmutig und widerwillig glomm das spärliche Licht des Winterabends— häßlich, liebelos, einsam, morsch das alles, aber doch Natur, freier Weg ohne Wände, un- belauschter Steg ohne wisperndes Menschen- gewürni: plötzlich hatte er die Tür ins Schloß ge- worfen, war er die schiefe Treppe hinunter, schrttt er mtt harten, hastigen Tritten die Gasse hinab, irgendwohin.. Er hatte den Mantel vergessen und den Hut, sein Rock war offen, die Nässe klebte sein wirres Haar zu dicken, unförmigen Locken, der Wind zauste sie wieder auseinander i er merkte all das gar nicht, er fror nicht, er hielt den mächtigen Kopf geneigt, rempelte die wenigen späten Passanten an und knurrte eine widerwillige Entschuldigung, die geballten Hände stieße» vom kurzen und doch gewaltigen Körper weg wie von Explosionen geschleudert— so kam er an den Kanal. Der Kanal war nicht mehr gefroren und noch nicht vom Tauwasser geschwellt, er kroch grau, schmierig, langsam und lichtlos hin wie ein ver- pfuschtes Leben. Beelhoven gesellte sich ihm zu, wanderte an seinem viel zu geraden, unschönen Ufer hin— es war ja von Menschen gebaut und nicht von Gott. Längst hatte er den Wiener Vor- ort Baden, wo er um diese Zeit wohnte, ver- lassen, längst war die Umgebung ihm unbekannt. längst hatte er vergessen, welche Richtung er ein- geschlagen hatte. Niemand begegnete ihm: und selbst die Gestalten seiner Erinnerungen gingen nicht neben ihm, sondern schritten drüben auf der anderen Seite des Kanals, gelrennt durch die wte Flut von ihm wie seine Töne durch die unüber- steigbare Mauer im Ohr: da glitt ini Uferncbel drüben die schöne Zauberin Komtesse Giulietta Guicciardi, in ihrem Schritt war der Takt der Lis-Moll-Sonate, sie verlosch mit ihrem Klang: an ihre Stelle trat Therese Brunswik, die unsterbliche Geliebte, die Waldsteinsonatc umrauschtc sie und versank: da war der gemessene Gang des Großen aus Weimar, in dem der Einsame einen Dichter gesucht und einen Geheimrat gesunden hatte, die Egmontmusik wehte bettelnd a» des Olympiers Ohr, er wehrte sie ab mit erhabener Gebärde— es kam und ging noch mehr an Ge- stalten und Tönen, und es stieg immer höher die Schlammflut des Wassers, und es wuchs immer höher um ihn der Turm der Taubheit, der ihn einschloß und abschloß von Vergangenheit, Gegen- wart, Zukunft, von Hören und Erhörung... Es war sehr dunkel geworden, er erkannte den Weg nicht mehr, stieß schmerzhaft an eine Mauer. Er kehrte jäh um, schrttt zu— und stand nach wenigen Tritten am Wasser, die Feuchte um- klomm schon seinen Fuß. Weitergehen? Ein- gehen in die ewige Stummheit, ewige Taubheit? Da hob er de» Kops: er hörte etwas... Glocken! Glocken vernahm er noch zuweilen, weil» sie sehr nahe schwangen und sehr mächtig waren. Er mußte dicht bei einer Kirche sein. Warum läuteten sie? Gleichgültig. Er trank den Klang, ließ ihn einrauschen in seine Leere, durstig wie ein zu Tode Erschöpfter. Lieber Gott, der du deine Glocken klingen lässest dem gleichgültigsten Ohr noch: warum hast du mir, niir,— mir das getan...? Beethoven trat zurück, er folgte dem Klang wie emem Zauber. Die Glocken lockten ihn weg vom Wasser. Führten ihn an dunklen Gassenwänden hin in breitere Straßen. Und hier, hier war auch Licht. Es kam aus allen Fenstern. Kein lautes Licht, ein still flackerndes Leuchten. Was war denn, daß diese innige Helle war überall? Da war ein Vorgarten mit offener Tür: Beethoven trat hinein und blickte in ein Fenster zu ebener Erde. Ein Vater saß da am Spinett, eine Mutter entzündete Kerzen, Kinder umstanden den Vater und sangen: der Einsame draußen sah nur die kleinen Münder, wie sie sich öffneten und schlössen, er sah die Tasten niedersinken und sich heben unter der Hand, die über ihnen schwebte, aber er hörte nichts— und mit einem schwieg die Glocke auch... Weihnachten! durchfuhr es ihn... Er stand lange am Fenster, die Nässe kletterte an ihm hin- auf, der Tau tropfte vom Dach in sein Haar. Er preßte das Gesicht gegen die Scheibe wie ein Kind, wie damals in Bon», als sie den kleinen Ludwig seiner schwarze» Haare und seines braunen Antlitzes wegen den„Spangol" nannten. .. Es war aber da drin im Zimmer alles noch so wie damals in Bonn, nur in ihm war es ver- gangen, versunken, verwest... Was sangen sie da, was spielte der da? Nein, er vermochte es nicht zu erkennen, aber er sah wohl, daß es etwas Helles, Gläubiges, etwas Freudiges sein mußte... „Freuide..?" fragte er sich laut. Freude..?" Da sah eines der Kinder zum Fenster hin. er- schrak, wies auf ihn, alle sahen nun aus ihn, er- Tragödie der SEeit Sine �Berliner Skizze/ Ton Qüniher tßirkenfctd schreckend vor der Vcrzerrtheit, der Zerrissenheit des wirrhaarige» Antlitzes draußen... Das Kleinste weinte auf. der Vater sprang hoch, lies gegen das Fenster... Ehe er's aufgerissen hatte, war Beethoven ent- flohen. Er hielt nicht inn« im Laufen, er blieb ein Gehetzter, bis ein Mann in Uniform sich ihm entgegenstellte, ihn festhielt, als Beethoven ihn beiseite schieben wollte. Der Mann fragt« etwas, Beethoven hörte es nicht: er suchte nach seinem Korrespoirdenzbuch, das lag zu Haufe in Baden: dann begriff er, daß der Mann nach seinem Namen fragte.„Beethoven!" antwortete er inrwirsch. Er sah den Mann grob lachen, sah, wie die Palizistenaugen das lodernde Haar, das nasse Gesicht, den unordentlich wehenden Rock, die »»geschickt baumelnden Hose» hinuntergtitten, bis zu den nassen Fiißen, fühlte seinen derben Griff ans der Schulter und folgte ihm... * An diesem heiligen Abend saß im Lokal„Zum Schleifer" vor den Toren von Wiener-Neustadt der Maler und Kupferstccker Blasius Höfel. Auch der Polizeikommisfar von Wiener-Neustadt befand sich in der Runde der Männer, die der Weihnachts- abend nicht in ei» eigenes Heim lockte. Spät in der Nacht kam ein Polizeidiener: „Herr Kommissar, wir haben jemand arretiert, der uns keine Ruh gibt und immerfort schreit, daß er Beethoven sei. Ein Lump ist er, hat keinen Hut, einen alte» Rock, keinen Ausweis. Er gibt keine Ruh. Den Herrn Musikdirektor Herzog sollen wir rufen! Und, Papier und Bleiseder hat er sich geben lassen und malt Noten, lamentiert, laust hin und her und singt..." Blasius Höfel sprang auf:„Es wird nicht not tun mit dem Herrn Musikdirektor. Ich weiß, wie er ausschaut, der Beethoven!" Und er ging mit dem Polizeibeamten. Der Kommissar und die Freunde schlössen sich an. Beethoven hatte das Papier mit Notenlinien überzogen, saß, sprang auf, lief hin und wider, taktierte, sang und schrieb.„Laßt mich allein!" fuhr er seine Befreier an, und nach einer halben Stunde, in der sie im Schatten des Raumes war- teten:„Heut krieg ich's nicht. Aber ich weiß es, ich weih es jetzt." Der Wagen des Neustädter Bürgermeisters, schnell herbeigeholt, fuhr Beethoven im geliehenen Mantel nach Baden zurück. * Ein paar Tage später erschien Hösel bei Beethoven. Ins Korrespondenzbuch schrieb er die Frage:„Hatten Sie sich am Heiligen Abend verirrt?" Der Taube antwortete lächelnd: „Freilich, Herr Hösel— und wieder auch nicht!" Und nun. etwas zaghaft, schrieb Hösel die Frage:„Woran haben Sie in der Polizeistube komponiert?" � Beethoven packte Höfel beim Oberarm? „Ich hatte vergessen, daß Weihnachten war. Aber dann Hab' ich Kinder singen sehen vor Freude... Kennen Sie das Gedicht von Schiller — das von der Freude...? Das war's, aber ich Hab' noch nicht das Richtige, ich wills verwenden in größerem Rahmen.— Freude... Freude...!" Und Beethoven schwieg und lächelte wieder. iKarl tßröffer: Ereignis an derSlempetf leite Verschabt die Röcke, zerfranst die Hosen, stehen und warten die Arbeitslosen in Gruppen an ihrer Stempelstelle. Gewesene Meister, Lehrling, Geselle, Angelernte und Ungelernte und alles Verzweifelte und Entkernte. Sie reden und reden alle Tage die gleichen Worte der gleichen Plage und ballen in heißem Zorn die Hand. Einer steckt den andern in Brand. Am grauen Haus, das sich endlos dehnt, hat ein Mann sich mlid' an die Mauer gelehnt. Einer— das zeigt der erste Blick—» unter Ihrem Gesetz und ihrem Geschick. Verschabt der Rock, die Hose zerfranst, mit hohlem Gesicht und leerem Wanst. Es geht ein Raunen im ganzen Kreis, ob einer Bescheid um den Zugang weifi. Doch niemand hat vorher den Fremden gesehn. Ihm ist wohl wie Tausend andern geschehn. Bis endlich ein lunger In keckem Ton die Frage stellt nach der Profession. Der Fremde, erwacht wie aus einem Bann, antwortet einfach:„Zimmermann!" Die Stempler stoßen sich In die Seite. „Mensch, das Ist aber eine Pleitel Da kannst du noch oft an den Schaller hier laufen und dir, wenn es reicht, einen Hering kaufen." Ein LScheln den Mund des Mannes verschönt. „Genossen, ich bin an das Warten gewöhnt. Man nennt mich sonst den Herrn Jesus Christ. Ich bin so all wie der Hunger Ist. Der Hunger nach Brot, der Hunger nach licht, der aus Jedem von euch gewaltig spricht. Aus unsrem Hunger, aus unsrer Not ersteht der Welt als erstes Gebot; Den Bruder zu suchen, der Uberall Ist, wo du ein Mensch unter Menschen bist. Zweitausend Jahre such ich Ihn nun. Er Ist erweckt und wird nie mehr ruhn. Die Zelt der Satten Ist bald vorbei..." Da springt einer zu von der Polizei und nimmt den Spreeher so verdöchtiger Sache mit auf die Wache. Noch vor wenigen Wochen traf>ch ihn auf der Straße. Sein Name braucht nicht genannt zu werden. Denn er ist in allem einer von vielen. Nennen wir ihn Karl. Im ersten Augenblick er- kannte ich ihn nicht wieder, so grau und alt war er geworden, so versallen. Als er vor Jahren.n der Volkshochschule mein Hörer gewesen war, strotzte er nur so von Gesundheit und Kraft,— ein Mann in den besten Jahren. Wir gingen in ein Cafe. Karl erzählte. Er sprach schwer und stockend, so als müßte er mit jedem Wort gegen eine kaum überwindliche Scham ankämpfen. Dennoch war deutlich zu merken, daß es ihm wohltat, sich aussprechen zu können.— Damals hatte er mit seiner alten Mutter und mit einer jüngeren Schwester zu- sammen gelebt, hatte ihnen zuliebe auf seinen einzigen Lebenswunsch, auf ein eigenes Heim mit Frau und Kind, Verzicht geleistet. Mehr als drei Personen konnte das kleine Gehalt, das er. als HUfsarbeiter einer Reichsbehörde bezog, unmög- lich ernähren.— Die Mutter war im Herbst 1�29 gestorben, und die Schwester hatte sich verheiratet. Karl war nun frei für seinen Lebenswunjch. Im November 133» heiratete er eine Dierundzwanzig- jährige, von der er sagte, daß sie ein guter und lieber Mensch sei. Vier Monate nach seiner Ver- heiratung wurde er abgebaut.„Also Stempel- bruder", murmelte er verquält,„einer von den vielen, die man nicht mehr braucht, auf die's nicht mehr ankommt, die nur noch eine öffentliche Last sind. Dafür also hat man vier Jahre draußen im Dreck und zweimal hart am Tode gelegen! Dafür hat man mit aller Liebe seinen kleinen Posten versehen! Um jetzt mit Bettelpfennigen abgespeist zu werden! Sagen Sie, wozu ist unser- eins noch auf der Welt?" Er sank in sich zu- sammen und schwieg lange. Ich dachte an den Karl von einst, an den kraftvollen, pflichtfreudigen Mann. Wie stolz war er auf seine Stellung ge- wesen! Mochte sie auch noch so untergeordnet sein, so durfte er sich doch nützlich und einbezogen fühlen in das große gemeinsame Werk. Und ,ch blickte aus den Karl von heute. Er sah aus wie ein unheilbar Kranker, wie einer, dem das de- mütigende Gefühl, zu nichts mehr nutze zu fein, gleich Krebs am Lebensmark frißt. „Aber dies alles ist noch nicht das Schlimmste", begann Karl nach langer Pause wieder,„das Schlimmste... das ist das mit meiner Frau. Sehen Sie, sie ist jung und so ganz Frau, sie ist gesund und kräftig, alles in ihr verlangt so un- gestüm nach einem Kinde. Und ich? Ich bin ein solch elendes Nichts, daß ich ihr das versagen muß! Man hat doch noch einen letzten Rest von Gewissen, nicht wahr. Würden Sie in dieses Elend ein Kind setzen? Nur damit es auch wieder ein Paria wird, zu dem man spricht: Scher dich fort, wir können dich nicht brauchen!" Und dumpf fügte«r noch hinzu:„Das Furchtbarste aber ist, daß Herta nicht klagt und mir nicht einmal zürnt. Sie wird nur immer stiller und schwer- wütiger.— Ich kann ihre Augen nicht mehr sehen, diese sanften Augen, die unentwegt ins Leere starren!" Ich bemühte mich, Karl zu ermutigen. Ich wagte ihm zu raten, daß er einmal, ein einziges Mal nur alle Gewissenhaftigkeit verachten und der Natur gehorchen sollte. Ich sprach von dem unschuldigen Leichtsinn des Tieres, das sich ja auch nicht darum bekümmert, ob seine Jungen auch leben können. Worte, armselige Worte! Sie hören sich ganz gut an, so lange man nicht vor einer solchen letzten Entscheidung steht. Wie lächerlich, hier an das Tier zu erinnern. Wußte ich doch daß ein Mann wie Karl nie und nimmer gegen sein Gewissen handeln könnte. Dies grade war ja sein Adel, der Adel eines echten Menschen. So schüttelte er auch zu all meinen Redensarten nur mutlos den Kopf und meinte:„Sie würden es auch nicht über sich bringen." Und später, tia«n verständlich sagte er noch dies« Worte: „Ich müßte beinah wünschen, daß ein Anderer sich fände, der diesen gliickUchen Leichtsinn besitzt. Anders ist mir um Herta bange.— Vielleicht ist er schon da. Seit einigen Tagen ist sie so sonderbar unruhig und scheu." Karl hatte sich nicht getäuscht. Tage hindurch hatte ich vergeblich darüber nachgedacht wie ihm zu raten oder zu helfen sei. Ich fand nichts. So sollte er wenigstens wissen, daß ich mT seinem Schicksal teilnahm. Ich fürchtete für ihn. Also fuhr ich zu ihm hinaus. Er war nicht da, war auf seinen« ständigen Passionswege von Beiverbung zu Bewerbung. Aber Herta war da, seine Frau. Zuerst war sie mißtrauisch, ja mehr noch: unfreundlich. Ich ließ inich nicht beirren und sprach von meiner Sorge um Karl. Natürlich erroähnte ich nichts von den Dingen, die sie betrafen. Während ich noch sprach, warf Herta, plötzlich aufschluchzend, das Gesicht in die Hände. Nachdem sie sich etwas beruhigt hatte, sagte sie:„Es ist wohl doch gut, daß Sie gekommen sind. Karl hat mir von Ihnen erzählt. Ich habe ja sonst niemand, zu dem ich mich aus- sprechen kann.— Ich möchte Ihnen etwas am vertrauen. Sie müssen mir raten. Ich weiß ja nicht mehr aus und ein. Aber. Karl darf nichts davon erfahren. Das müssen Sie mir ver- sprechen." Ich versprach es. „Also hören Sie: Am Dienstag vor zwei Wochen bin ich hier mit dem Ausräumen der Stube beschäftigt, als es draußen mehrfach klingelt. Das kann doch nur der Geldbriefträger sein! denke ich in einer törichten Hoffnung, die Ihnen verständlich sein wird, und gehe zur Tür. Vor mir steht ein junger Mensch, blond, hübsch und gut gewachsen. Er ist bleich und keucht. Erst jetzt sehe ich, daß er einen Revolver in der Hand hält und ihn unversehens auf mich richtet.„Ihr Geld, oder...!" ruft er wie gewürgt.„Sie können mich ruhig totschießen!" antworte ich. „Ja, ich«väre Ihnen sogar dankbar dafür. Geld habe ich leider nicht." Er läßt den Revolver sinken, murmelt etwas, das wie eine Entschuldi- gung klingt, und will davonlaufen.„Sie brauchen auch nicht gleich fortzurennen", rufe ich hinter ihm drein,„kommen Sie etwas herein, wenn Sie wollen." Wie willenlos folgt er mir in die Küche. Ich wärme ihm Kaffee und streiche ihm ein Brot mit Margarine. Dann spreche ich mit ihm. Er stottert und schämt sich sehr und weint zuletzt.— Ich fühlte mich wie die Mutter dieses armen dummen Jungen, ja, ich konnte einfach nicht anders: uh mußte seinen Kopf an meine Brust ziehen und ihm durchs Haar fahren. Natür- lich war das sein erster Versuch gewesen. In einem Anfall von irrsinniger Flucht vor seiner Verzweiflung, vor der trostlosen Zukunft eines zwanzigjährigen Arbeitslosen, war er mit dem Revolver seines Bruders in das erste beste Haus gerannt, das etwas vornehmer aussah als die anderen in dieser Gegend.„Sehen Sie mal", sagte ich zu ihm,„wenn Sie nun nicht zufällig an mich geraten«vären, die man nicht erst noch totzuschießen braucht, dann hätten Sie jetzt viel- leicht einen Menschen aus dem Gewissen und könnten Ihr Leben lang im Zuchthaus sitzen."— „Wenn schon", erwiderte er stumpf,„dann wüßte man doch wenigstens, wohin man gehört! Sitze ich denn hier in der sogenannten Freiheit nicht genau so wie im Zuchthaus, nur daß ich nicht iveiß, wohin mit mir? Das Schrecklichste ist doch, daß ich mir jetzt immer noch vergebliche Hoff- nungen machen kann!" Ja, so saßen wir und sprachen miteinander,— sein Kopf lag schwer in meinem Arm—, zwei Verzweifelt«, zwei, die nichts mehr zu hoffen hotten, zwei, die in dieser entsetzlichen Leere nur noch sich hatten und die sich plötzlich, einfach nur durch dieses Beieinander, irgendwie beschenkt fühlten. Ich sagte zu Heinz, so heißt der Junge, daß er wiederkommen könnt«, wenn er wieder mal so gar nicht au» und ein wüßte. Im Stillen wünschte ich, daß er schon bald wiederkäme, schon morgen. Und er tan«. Und fortan täglich. Er liebt mich. Und, ja. ich liebe ihn auch. Er ist so jung, so stürmisch, so wundervoll bedenkenlos,«etzt in der Liebe we früher in der Verzweiflung.— Sagen Sie, was soll ich denn nun bloß tun? Lange kann ich den« Jungen nicht mehr widerstehen, das iveiß ich ge«iau. Schon iveim ich nur an«hn denke, so ist das wie ein unsagbar süßer und weher Krampf." Was sollte ich sagen und raten? Das Schicksal hatte seine Fügungen getroffen, hatte diese drei Menschen unter ihr Verhängnis gestellt, einen jeden unter sein eigenes. Keiner von ihnen konnte zurück oder hinaus, sie tonnten nur weiter und «veitergel�en, zum dunklen oder lichten Ende. Um nur überhaupt etwas zu jagen, riet ich, was ein jeder geraten lstitte. Aber ich wußte von vorn- herein, wie töricht mein Vorschlag«oar. Und Herta hatte das Recht, überlegen und schon ein «venig spöttisch zu lächeln. Es blieb noch ein Letztes. Sinnlos auch dies. Aber ich wollte nichts unvcrsuchl lassen. Ich bat Karl zu«nir und bemühte mich, ihn mit aller mir zu Gebote stehenden Beredsamkeit davon zu überzeugen, daß er Hertas Wunsch ersllllen müsse, ja, daß er dazu verpflichtet sei, so un- verantuwrttich es auch erscheinen möge. Ich sprach von der brutalen Gewissenlosigkeit der Natur, die nicht danach fragt, ob ihre Früchte auch leben »ich gedeihen können, die vielmehr nur mit grandioser Verschwendungssucht fort und fort gebärt und unter Millionen von Keimen nur in wenigen sich ausreift und fortentwickelt. Es gäbe Stunden, so sagte ich, in denen diese kosmische Unvernunft, die in einem tieferen Sinne die schöpferische Vernunft ist, möchtig, ja gewalttätig werde über unseren armseligen Menschenverstand. Dann bliebe uns nichts anderes übrig als zu gehorchen. Natürlich überzeugte ich Karl auch diesmal nicht. Er war gläubig und sprach jetzt von Gott. Nein, es könnte nicht Gottes Wille sein, gegen die innerste Stimm« in der Brust zu handeln und eine offenbare Grausamkeit zu begehen. Denn ein Kind in solche Lebensverhältnisse zu setzen, das wäre barbarisch. Wenige Tage später erhielt ich von KaN einen Zettel mit nur diesen Worten:„Ich habe erfahren, was Sie mir neulich so freundschaftlich ver- schwiegen. Herta ist im Recht. Und Heinz ist im Recht. Sie gehorchen ja nur. Ich konnte es nicht und gebe ihnen den Weg frei." Zwei Tage später meldeten die Zeitungen, daß die Leiche eines Karl..... im Rummelsburger See gefunden worden sei. Die Motive des Frei- todes wurden als unbekannt bezeichnet. Ton Diünittern und fo Der Ausweg Ein Kunsthändler hatte schon seit langer Zeit fünf Statuetten in seinem Laden stehen, die er nicht loswerden konnte, fünf weibliche Aktfiguren in graziöser Bewegung, verschieden moduliert. aber einander ziemlich ähnlich. Er überlegt hin und her, wie er sie endlich, möglichst alle fünf auf einmal, loswerden könnte. Schließlich findet er einen Ausweg: er setzt den Preis noch einmal herab und bietet sie dem nächsten Kunden an: „Die fünf Sinne." Der hat aber schon an einer von den fünfen genug, vier bleiben zurück. Aber der Händler hat gelernt: der nächste Käufer kommt. „Die vier Jahreszeiten." Wieder wird er eine los: beim nächsten: „Die drei Grazien." Wieder geht eine fort: bleiben ihm noch zrvei: „Tag und- Nacht." Und so hat er schließlich nur noch eine: „Einsamkeit." H. Sch. ttlax tßnrihel: Schlagt den fflammer auf den Jammer! Mit dem Hammer 180t sieh e schmieden, Aus dem Hammer springt Gestalt, Hammerschlag ist Krieg und Frieden, Ist Erlösung und Gewalt! Schlagt den Hammer Auf den Jammer, Daß sich Andre unsre Zeit: Seid bereit, seid bereit, seid bereit! Mit dem Hammer bleibt verbunden, Aus dem Hammer blUht die Kraft, Kämpfend haben wir gefunden Unsrer Freiheit Bruderschaft. Sehlagt den Kammer Auf den Jammer, Daß sich Andre unsre Zeit, Seid bereit, seid bereit, seid bereit! Hammerschläge braucht man viele, Daß ein Werk vollendet sei, Hämmert euch den Weg zum Ziele: Volksgenossen, macht euch frei! Sehlagt den Kammer Auf den Jammer, Daß sich ändre unsre Zelt, Seid bereit, seid bereit, seid bereit! 'ttaUherQ, Ofehileirfki:(£C�6Vläß Vom Libanon sprang der Abend in den vorüberstUrzenden Tag. Die Zedern klangen wie Harfen, und in den Wolken lag Eine weiße Taube, die der Hand des Bergs entflog Und dann an einem siJOen Oelblatt sog. Aus Judäa kam Jesus an das Galliläischc Meer; Petrus und Andreas fischten, die Bäume bluteten sehr; Volk, das aus den Dörfern und Städten kam, folgte ihm nach. Auch die Tochter Zions, Jerusalem, und Jesus sprach: „Ich will euch wieder lehren, was feurig ist und weit, Was euch nicht knechtet, nicht verfolgt, was euch befreit! Doch schließet die Gärten und Tempel allhier im Land, Gelt, nur ein Mensch unter Menschen, braucht keine Wand, Hinler der die Händler noch den Speichel vergeben. O Töchter des Weizens, Kinder Israels im lande der Reben: Mein Werl, das durch das Fleisch wie Wein und Brot gegangen, Sei euch der Ruf, danach die Armen langen. Eine Fackel, ein Gewitter, das aus Städten und Wäldern loht, Signal zu den Herzen der Brüder, eine heilige Fahne in Rot!" von picfu/ä Christiansen Eine halbe Stunde danach kam Helene wieder ins Wohnzimmer und setzte sich, um die Zeitung zu lesen. Berger wanderte noch immer langsam und grübelnd auf und ab. Er sah, wie sie gleich die Notiz über Lüdersen suchte, und er lächelte schwach, ein müdes und nachsichticjes Lächeln. Sie sah auf.„Machst du dich etwa über mich lustig" Tr schüttelte entwaffnet den Kopf.„Nicht über dich— über alles und alle." Darauf erwiderte sie nichts. Sie sah noch- mals flüchtig die Zeitung durch. Dann faltete sie das Blatt langsam zusammen und legte es langsam vor sich auf den Tisch. Dabei sagte sie, und es klang wie ein bittrer und vergrämter Seufzer:„Ach ja— manche ernten Ruhm— und manche Schande." Da blieb er stehen und sah sie an. Sie hatten den Tisch zwischen sich.„Bist du wirk- lich nicht imstande, die Sache richtig anzu- sehen?" Ohne ihn anzublicken, antwortete sie:„Ich sehe nur das eine: daß es schrecklich ist, ent- ehrt zu sein.— Nicht auszuhalten ist das. So ein Esel wie dieser Lüdersen, der immer weit hinter dir zurückstand, ist dir plötzlich über, und nie kannst du ihn wieder ein- holen!" „Du bist also ehrgeizig in meinem Namen?" Da flammte sie auf. aber ihr Gesicht blieb bleich:„Natürlich bin ich das. Und ich kann's und kann's nicht fassen, daß es gerade dir passieren muß. Du, der pflichttreueste von allen." Sic lachte in bittrem, hilflosem Hohn.„Die Kasse ganz einfach hergeben. Irgend was hättest du wohl auch tun können." Er stand da. scheinbar gefaßt. Aber sein schmales, unregelmäßiges Gesicht hatte einen vergrämten und verwundeten Zug, aus dem sie mit einer Art wollüstigem Grauen ersah, daß sie getroffen hatte. Und sie erwartete seine Entgegnung. „Ja", sagte er.„Ich hätte zum Beispiel meinen Arm heben können. Da glitt die Härte von ihr ab und wich einer Verwirrung. Sie sah ihn an. ohne zu verstehen.— Dann fragte sie:„Ja also— und weshalb hast du's nicht getan?" „Weil ich fand", antwortete er,„daß es nicht lohnte, meinen Arm dazu zu ge- brauchen." „Nicht lohnte?" „—da ich ihn nachher zu was Besserem gebrauchen konnte, wenn ich's jetzt bleiben ließ." Er wandte sich ab und nahm seine Wan- derung wieder auf. Sie aber hatte mehr auf dem Herzen. Er sah es an der Blässe ihres Gesichtes, wie es in ihr wühlte. Wie sie mit etwas rang, dessen sie sich schämte, das zu verschweigen sie aber schon nicht mehr im- stände war. Und doch war es ihm über- raschend, als es kam:„Du kannst dich fein rausreden", sagte sie.—„Und dann gestern der Auftritt am Grabe. Wie ihr beiden eure Rührszene aufführtet— und ich dabeistand wie ein dummes Schaf. Und jeder konnte es mitansehn. Als hätten, sie uns drin in der Kapelle nicht grade genug angeglotzt. Da kochte es in mir, sag ich dir." Er war dunkelrot geworden. Und er fragte hart:„War das meine Schuld?" Als sie nicht antwortete, fügte er mit leichtem Spott hinzu:„An dem Abend, als du von dort kamst und alles miterlebt hattest, da warst du weicher, da jammertest du. Aber da wußtest du noch nicht, daß ich Feinde hatte, mit denen du gemeinsame Sache gegen mich machen konntest."— Er hielt einen Augenblick inne.—„Ich will dir mal was sagen: Wäre ich es gewesen, den sie da zu Grabe trugen, du hättest bestimmt dieselbe Rührszene aufgeführt wie Esther Ouisthus. Und hätte Quisthus es gemacht wie ich. dann hättest du zu ihm gesagt— oder doch wenigstens gedacht: Ach Arne— warum hat er's nicht gemacht wie du!" „Und Esther? Hätte sich die auch be- nommen wie ich gegen dich?" „Ja", antwortete er.„du bist ja nicht schlimmer als andre." Da stand sie auf und rückte den Stuhl, als wolle sie gehen Aber indem sie ihn unter den Tisch schob, sagte sie, immer noch mit derselben Empörung, die sie vergebens zu beherrschen suchte:„Mag sein. Aber eins bleibt ihr wenigstens erspart, in was i ch mich finden muß. Weißt du, was deinem Jungen heut passiert ist, kurz eh' du nach Hause kamst? Er kam weinend angelaufen, und als ich ihn fragte, was er denn habe, sagte er, die Iungens hätten gesagt, sein Vater wäre ein Feigling." Er sah, daß sie in demselben Moment das Wort bereute. Und er fühlte sich selber er- bleichen. Keiner Antwort mächtig, stützte er sich mit zitternden Händen auf die Tisch- platte.-- Da entstand eine Bewegung im Schlaf- zimmcr. Schluchzend und ganz außer sich stand das Bübchen in der Tür.„Pfui. Mutti", sagte er.„Pfui, Mutti. Du hast mir versprochen, daß du's nicht wiedersagen willst. Hast ver- sprachen--" Der kleine Kerl mochte ein so herzzerreißend erschrockenes Gesicht, daß dem Vater eine sanfte, weiche Wärme durch die Glieder rann. Ohne die Mutter anzu- sehn, ging er auf den Kleinen los und hob ihn auf den Arm, um ihn wieder ins Bett zurückzutragen. Zwei Aermchen schlangen sich leidenschaftlich um seinen Hals. „-- Wirklich wahr, Vati." „Ja, mein Junge. Wein' nicht mehr. Es macht ja nichts." Er streichelte ihm beruhigend den Rücken und trug ihn hinaus, glücklich und reich, trotz allem.— Im Dunkel des Schlafzimmers schmiegte ein nasses Bäckchen sich tröstlich an sein Gesicht. Und als er den Jungen in sein Bettchen legte, hielten zwei Arme ihn fest umklammert.„Vati", flüsterte er,„mach dir nichts draus." Und gleich darauf:„Du, Vati, ich bin ja so froh." Der Vater streichelte ihn noch einmal. „Worüber bist du denn froh, mein Junge?" „Weil du ihnen die olle Kasse gegeben hast. Ich will lieber dich, Vati." Berger preßte die feuchte Kinderhand fest in der seinen. Dann richtete er sich aus, sagte noch einmal Gute Nacht und ging ins Zimmer zurück. Da stand Helene, hart und verschlossen. und sah ihn an. Er ging auf sie zu. stellte sich dicht vor sie hin und sagte, fester als vorhin:„Irgendwas hättest wohl auch da tun können, sagst du.— Ja— ich hätte den Jungen vaterlos machen können und dich zur Witwe und mich zu einer Leiche." Als sie nichts sagte, sondern sich nur auf die Lippen biß. fuhr er fort:„Ich gehe jetzt. Aber das sage ich dir: Du tust gut, jetzt Schluß zu machen. Ich verlange nicht, daß du jemals einsehen lernst, daß ich das einzig Richtige tat— um deinetwillen und noch mehr um meiner selbst willen. Ich verlange bloß, daß du jetzt Schluß machst. Daß du mich dies armselige, wertlose bißchen Leben in Frieden leben läßt. Gute Nacht." Stundenlang lief Berger durch den ein- samen Abend. Er kam durch das Stadt- viertel der kleinen Leute hinaus auf die Landstraße. Kein Gedanke wühlte mehr in ihm, wie er da ging. Nichts als eine ein- jame empörte Stimmung. Er sehnte sich nach Menschen, nach dem Leben. Es peinigte ihn, daß er so psötzlich und unvermutet ausgestoßen war. Es empörte ihn und erbitterte ihn. Es war nach Mitternacht, als er heimkam. Helene lag noch wach, und als er sich hin- gelegt und das Licht ausgelöscht hatte, kam sie reuig und unglücklich zu ihm herüber. Sie streichelte ihn wieder und wieder und er fühlte ihre Tränen auf sein Gesicht fallen. „Verzeih mir", sagte sie endlich.„Es war schlecht von mir, aber mir war so elend zumute." � Und er nahm sie hin mit der demütigen Freude des Ausgestoßenen über eine dar- gebotene Hand. Wenn er auch ahnte, wie bald sie sich ihm wieder entziehen würde. (Fortsetzung folgt.) Minler WeihnacMskulifien in USJl. ffierichl aus dem Xeben/ Ton Mansfürgen Weidlich Während ich in einem billigen Restaurant meine täglichen Frühstückshaserflocken esse, lese ich die Morgenzeitung. Zum Donnerwetter! da ist doch wieder kein einziges Stellenangebot. Und ich muß endlich Arbeit finden. Es ist schon November. Wie soll der Winter werden—? Was soll ich bloß tun—? Von Pittsburgh wegzugehen, hat keinen Zweck. Wer hier keine Arbeit bekommt, bekommt im ganzen Lande kein«. So heißt es überall in Amerika. Ich blättere die Zeitung noch eimnal durch. Lokales. Politik. Reklame.„Heute Eröstnung der Spielwarenabteilnng. Der Weihnachtsmann in feinem Eispalost. Flughafen mit fliegenden Aeroplanen. Elektrische Hochbahn... Eltern, bringt eure Kinder zu Fleckensteins Kaufhaus..." Ja. Menschenskind! die brauchen doch sicher... Um 9 Uhr bin ich im.Personalbüro.„Jawohl, Sie können sofort ansangen. Als Lagerjunge. tft Dollar die Woche, lieberstunden werden nicht bezahlt. Dafür gibt es 75 Cents Abendbrotgeld." Sicher! Ist ja nicht viel! Aber, Mann! Arbeit! Ich inelde mich im elften Stock beim Lager- meister.„Ist gut, Häns. Zieh's Jackett aus. Binde dir diese Schürze vor. Hier ist eine Sack- karr«. Dort hinten im Gang stehen 34 Import» listen. Schaff sie ins Lager. Die müssen heute noch ausgepackt werden." Gegen 19 Uhr habe ich sämtliche Kisten in einer Reihe aufgestellt. Mit einem Beil schlag« ich die Deckel los. Brrruch..., brrruch, brrruch! Erste Kiste. Zweite Kiste. Dritte. Viert«. Brrruch... „Häns! Ich habe Orders auf 19 Puppenwagen. In diesen Kartons sind sie. Du mußt sie sofort zusammensetzen." Hammer. Zange. Schraubenzieher. Wagen eins. Wagen zwei. Wagen drei. Ich klopf«. Ich schraube. Ich öle. Rur schnell! Wenn man mich als guten Arbeiter erkennt, werde ich vielleicht fest angestellt. „Aber, Häns! Bist du denn immer noch nicht fertig?! Beeil' dich mal ein bißchen!" Meine Arme, meine Hände, meine Finger rennen, hetzen, jagen. Immer schnell. Immer schnell. „Ra, bist du nun endlich fertig?!— Klettere mal aufs Bört und gib mir die Schaukelpferde runter. Wisch' sie aber erst sauber. Da.... da' hast du ein Staubtuch." Pfui Teufel! ist das ein Dreck! Mein« Hände kleben vor Schmutz. Ich atme Staub. Der reine Staubsauger bin ich. „Und nun bringst du mit diesem Kastenwagen 15 Dutzend Puppen ins Erdgeschoß. Nach dem Mitteltresen. Da haben wir heute einen Sonderverkauf für Puppen. Zieh' aber deinen Rock an. Ohne Jackett dürfen dich die Kunden nicht sehen." Ich stapele Puppen. Ich rase mit dem Fracht- fahrstuhl abwärts. Ich schiebe den Wagen zur Eingangstür des Verkaufsraumes. Eine Verkäuferin empfängt mich.„Wir warten schon seit'ner Stunde. Warum kommst du denn jetzt erst? Unser Lager ist leer. Und wie viele Kunden wir haben— 1 Was?! Du willst doch nicht etwa mit dem Wagen an die Tresen fahren? Das ist verboten. Du mußt die Puppen tragen. Und nun mal schnell!" Zwölf Kartons vorm Bauch. Tür auftreten. „Achtung! Vorsicht!" Die Kunden drängen mir förmlich entgegen. Daß sie mir nur nicht den Stapel umwerfen! „Nur schnell hier Hinfetzen. Und nun die nächsten. Schnell!" Schnell. Immer schnell. Weiß ich doch. Tu' ich doch. Renne doch. Zweites Duftend. Drittes Dutzend. Puppen. Puppen. Zehntes. Elftes. „Die letzten unter den Tresen." Ich hocke in der Kniebeuge zwischen den trippeln- den Beine» der drei Verkäuferinnen. Ich schwitze derart, daß mein Rock im Rücken schon ganz naß ist. Durch die Tresenöfsmmg sehe ich in der Mitte der Halle einen Weihnachtsbaum mit brennenden Lichtern. Jedesmal, wenn im Publikumsgedränge eine Lücke entzieht, kann ich eine elektrische Eisen- bahn sehen, die im Kreis um den Baum fährt. Kinder jubeln vor Freude. Kaum bin ich wieder auf dem Lager, fällt der Meister schon über mich her.„Wo warst du denn so lange?! Gottverdammt nochmal! Unser Ab- teilungschef selber packt jetzt schon die Kisten aus, weil du so langsam bist. Hopp! lauf' mal hin und hilf ihm beim Wegstellen der Sachen." Ich krieche in Kisten. Ich klettere in Börte. Ich stoße mir ein« Beule an den Kopf. Ich reiße mir die Hände blutig. Weiter. Weiter. Ich hämmere. Ich stapele. Ich hebe. Ich stemme. Immer schnell Spielzeug. Spielzeug. Arbeit. Arbeit. Um 3 Uhr komme ich endlich zu meiner Mittags- pause. Eine dreiviertel Stunde. Ich esse in der Kantine. Dann setze ich mich in den Erholungs- räum. Ein Kollege weckt mich. Ich habe ge- schlafen. Die Schusterei geht weiter. Auspacken. Mon- tieren. Stauben. Schleppen.„Häns, dieses Fahrrad sofort in die Abteilung. Kunde wartet." —„Häns, faß' eben mal an die Kiste mit an. Hier oben auf die anderen drei. Einen... Ruck!" —„Häns, mit dieser Wagenladung marsch, marsch zum Packraum. Bring' den leeren Wagen wieder mit. Mach schnell!"— Häns, tu' dies. Häns, tu' das. Häns hier. Häns da. Häns... Häns... Um 6 Uhr ist Geschästsschluß. Ich gehe zum Essen. Nach einer Stunde bin ich zurück. Ueber 14 Wagen werden mit Spielzeug bepackt. Wir drei Lagerjungen müssen sie in die Abteilung bringen. Müssen die Sachen auspacken, sortzeren, unter die Tresen verstauen. Danach das Lager ausräumen und ausfegen. Nach 11 Uhr sind wir fertig. Ziemlich erschöpft gehe ich an den Schaufenstern vorbei.„Erlösung Dornröschens durch den Prinzen."—„Parade der Spielsoldaten."— „Felix, der Kater, im Kreise seiner Familie."— „New York im Jahre 2999."—„Galavorstellung im Zirkus Fleckenstein." Wie nett das hier aus- sieht. Und da oben—. In der Straßenbahn schlafe ich sofort ein. Nur an den Haltestellen wache ich jedesmal auf. Und wundere mich, daß wir noch nicht weiter sind. Ich habe schon so viel geträumt inzwischen. Sowie ich zu Hause bin, leg« ich mich ins Bett. Ei» Arbeitstag ist vorbei. Endlich mal wieder ein Arbeitstag! Wenn er auch anstrengend war. Die nächsten Tage werden genau so. Tag für Tag gleich schwer. Anderthalb Monate lang. Ohne Pause. Auch Sonntags müssen wir arbeiten. Durchschnittlich werden es in der Woche 85 Arbeits- stunden. Heiligabend fangen wir schon morgens um 9 Uhr mit der Arbeit an. Bis zum Abend müssen die Spielsachen in der Wteilung unter de» Tresen weggeräumt und aus dem Lager verstaut sein. Ich arbeite, arbeite. Ich schuft«, schufte. Damit wir so früh wie möglich fertig sind. Nur heute keine Ueberstundcn. Heute ist Weihnachten. Aber die Spielsachen aus den Tresen dürfen erst um 6 Uhr weggeräumt werden. Und als das getan ist, muß die gesamte WeihnachtsoussteUung abmontiert und auf den Boden gebracht werden. Und dann... Und dann.... Es ist 3 Uhr nachts. Ich liege auf einer Couch iin Möbellager und ruhe mich etwas aus. Aber da fällt mir ein: Wenn man mich hier entdeckt, dann ist alles vorbei. Dann werde ich niemals fest angestellt. Und die ganz« Schufterei hat weiter keinen Zweck gehabt, als daß ich sechs Wochen habe leben können. Leben—? Sofort bin ich wieder bei der Arbeit. Ich sortiere die beschädigten Spielsachen für de» Aus- verkauf nach Weihnachten aus. Ich helfe bei dem Aufbau der verkleinerten Sprelwarenabtcilung in einein anderen Stockwerk. Ich hels« bei dem Umzug des Teppichlagers, das den von der abgebrochenen Weihnachtsausstattung gelassenen Leerraum einehmen soll. Ich trag« Teppiche. Ich schlepp« Tresen. Daß alle Vorgesetzten, alle Mit- arbeiter nur auch sehen, wie ich mich anstrenge. Wie nützlich ich ihnen bin. Um 9 Uhr vormittags pumpe ich mich in einem kleinen Restaurant mit schwarzem Kaffee voll und esse ein paar Früchte. Dann arbeite ich wieder. Der Weihnachtsbaum im Erdgeschoß muß weggeschafft werden. Die Schaufenster müssen aufgeräumt werden. Ueberall muß ich helfen. Nachmittags um 5 Uhr fege ich das letzte Schaufenster sauber. Ich bin so müde, daß ich den Besen nicht mehr halten kann. Immerzu fällt er mir aus der Hand. Und heute ist der erste Weihnachtslag. Der erste—? Der einzige. Einen zweiten Festtag gibt es hier drüben ja gar nicht. Schade, nun bin ich doch um mein« Weihnachten gekomnien. Wenn es sich nur gelohnt hat. Denn diese Ueber- stunden werden ja auch nicht bezahlt. Nach 39 Stunden durchgehender Arbeit gehe ich nach Haus«. Schlafe 12 Stunden. Und bin am Tage nach Weihnachten um 9 Uhr früh wieder im Spielwarenlager. „Nanu", sagt der Meister.„Was willst du denn noch hier? Wir brauchen dich nicht mehr. Hol' dir nur von der Personalabteilung dein letztes Gehalt." Eine Stunde später stehe ich wieder aus der Straße. Auf der Straße der Arbeltslosen. ßfein Feuerversicherungsbeitrag für 1933«>--->» (Ei-sttisiko- und Einheits- Feuer- und Einbruchdiebstahlversicherungen— F.K. E.-) in Groß-Berlin und den Städten der Provinz Brandenburg Der Verwaltungsrat der Sozietät hat in Ansehung der allgemeinen wirtschaftlichen Verhältnisse besdilossen, die aufgesammelten Ueberschüsse der Vorjahre aus diesen Hausratversicherungen zur Zahlung der Schäden und Unkosten im kommenden Rechnungsjahr für diese Versicherungsgruppen zu verwenden, so daß sich die Ausschreibung eines Beitrages für das Jahrl933 bei ihnen erübrigt. o.. u OS rw.rr.K.r 1932 Feuerso»ietÄt der Prowliii Brandenburg Berlin, den 25. Dezember 1932. Der Generaldirektor. Dr.Vatke. Allen Fieunden und Bekannten die tiaurigc Nachr cht, daß unser liehet Vater, Großvater, Schwie- Servater und Urgroßvater, det Tischler-Invalide Albert Müller z. I. Hufeland-t-los ital. im Alter von 80 Janren am 22. Dezember sanft entschlafen ist. Die trauernden Hinterbliebenen Alfred Miiifer Feroinand Müller ocbsl Angehörigen. Die Einäscherung findet am Mittwoch, dem 2k. Dezember, abends 7 Uhr. im Krematorium Gerichtstraße statt Am 23. Dezember verstarb noch kurzen, schweren Leiden mein inniggeliebter Mann, der Korrektor Gustav Rose im 78 Lebensjahre. Im Namen der Hinterbliebenen Anna Rose. Die Einäscherung findet am Mittwoch, dem 28 Dezember, nachmittags 4 uhr, im Krematorium Wilmersdorf statt Am 21. Dezember 1932, abds 1 ob Uhr, verschied unser guier Vater und Großvater Hermann Zimmer im 78. Lebensjahre, Im Namen der Hinterbliebenen Gustav Zimmer und Gertrad Jache geb. Zimmer Die bnftsthtrung findet am 21. Derenber 1932. oedim. 3 Uhr. im Krematorium Baumsdiulenveg. statt uanksagaog Für die uns aus Anlaß des H n- Scheidens meines lieben Mannes, unseres guten Vaters, erwiesene Teilnahme sagen wir allen Rar ei- genossen der Abteilungen 32 und 102, dem Bezirk Baumscnulenweg, sämtlichen beteiligten Vereinen undVerbänden unddemFreidenker- Verband unser n herzlichsten Dank Anna Pladek. geb. Herzberg Betlin-Baumschulenweg Hermann Pladek und Familie Hamotirg Wllhe o» Pladek und Familie Berlin- Britz Glaswaren 1 Ufer'V, Wer 2 Lb.>"»>' Krug«'ll5 o(85 0,95 weisses Glas 0,03' 0, OO blaues Glas 0,7»' 0,20 Bowlengläser-Henke,'S Ost0dlo.85 Bowlenlänel tortleile form.n [Weingläser �i». � � � Rotweingläser gio" «-kroläser Zw»••••• Weinrämer out a'""61" Fu" •_rjimer versdhiedene Farben. r- s-b—. Grogg>äser 3«», Z--"«"..... Grogt läser klein, gepr«....... Groggläser g«*"««"......... Groggläser gi°"-............... Wassergläser a°P'«'.......... Bowlensätte � 30 1 U»eilig/ m,t xusammen m 7 Löffel I Löffel................ Wirtschaftsartikel Ko kenileher-- 0,25 ».»__ wm � fVc 61* A.& ä Ko Kenne—..... 5,VB- von 0,25 Nussknocker•••'" sioav. 0,45 TeeglashalterM � von 0.25 Sa atbestecke �...... � yoI| o,95 Geflügelseheren von 5,75 Alpaka mo�rÄ-«»»' tss- od. Dessertbestecke � z 50 mit rostfreier Klinge............... s,ü» 1,25 ksslä-fel.................... stodt 0,65 Kaffeelöffel Alp .Stüde 0,1 5 .Stüde 0,28 Stüde 0,1 5 Stüde 0,1 8 .Stüde 0,1 2 Stüde 0,1 2 Stüde 0,1 5 .Stüde 0,1 2 .Stüde 0,35 Stüde 0,25 Stüde 0,08 Stüde 0,06 .Stüde 0,06 pvst e Deifkaresren Apfels nen........... p,d- 0,25 Joffe Oranren............ f 0 33 Mandarinen........... P'd' 0 68 Krachmand In............. e5 Hoselnüsse.............° 5' 3 J nanas frisrh............. Pfd P'd 2'33 1_......... rfd. von 0,68 ÖJsj Japankrebs n—- Kronenhummer■ ,Ds. 3,«,] 33 'iSSSFSf-■■'"V'"o°f Appel tsl'd........ n0" 0'63' 0-0 Oelso.-dinen.......... d/ 0,6' O.SO Roflm£r,'n Remou'0 Oos® TAs. 0 95 F'tlhfrf m Remou ode D°- 0 85 0 65 fetthennge in lomolen..... 2 o' n Räucheraat0.......... � yon''20 ( WieT.er Wursfche n U�eins• Spirituosen Preise ohne Flatehe." /VWoa0?do �o'komm.O.RS 8 00 Rbtü t'"0' e'n 1 00 9 so Roter Tarragono j nn be MaMiner Sehloss-' 31e'Edig9ererR;e.(ing 1,'25 12 OQ ? 8 i i§ 129a Hau. Sautemes 2.75 rts, k. B O W l E"------ Rbempfälz.Weissw. Slfr. in guter Quohtöt O 85 d nn �avpowrrTä.�;85 f'°° jtrim-Rotwe.n kernig l.OO 4 3,75 kyer«hro,n,'wiu«t«r a modern..«••••' DANKSAGUNG! Für die vielen Beweise herzlicher Anteilnahme anläßlich des Hin- Scheidens meines liiben, unvergeßlichen Mannes, unseres guten Vaters, sagen wir hierdurch unsero herzlichsten Dank. Marie Wellingbausen und Kinder #\■ � rss. od Dessertbestecke " rostlrei« Kling«.............. 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Zahlreicher Besuch wird erwartet, Die Orisver svallung. ?�uWweÄnd...§'9|".sb Jam..Rum.Ver5chnitt�)3,753�C0 1 Un-'ere Speiialrlöten; I Verschrnttdo"1' 5l'r Deutscher Weinbrand*'in to'PP !ßUru9nüH Aer-' Rjm- , und Arrok- Punsch- Extrakte '"■3 3,25„ 175 Schöne Kränze liefen preiswert Blumen- Meier Prenzlauer Allee 222 Tel Humboldt 065? � Gemeinsctiaftsgruüpe DeufschGr HypothehenSianHen Blumen iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiillilii Paul Golletz Mariannenstr. 3 F8, Oberbaum 1303 Zu kaufen gesucht: Vorwar.s, 19l9—i93l kompl. u einz., des ,919—1922 ROie Fahne, alle Jahrgänge bes. 1919, 1921— 1924, auch unvollständige Jgge. u. einz Nummern Rote fiewerlifchaiH-lniernalionole 1921— 1929, bes. Einz.-Nrn. a. d. Jggn I, 2, 6 u. 7 Jahrg. 8— 9 komplett l'reisofferte oder Nachweis erbet, an l. Franz a Co., Leipz.ä C 1, Hohesirahe 35 aianthBariRirler. Rüde weiß mit ichroac�cn Ficcten, Jung. Diene lag. den 20. 12. nach- mittags von Dahlem Wiederbringer er- hält hoheBeiohnung. Abzugeben:»und. 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Westdeutsche Bodenkreditanstalt Pfandbrief-Bank Aktiengesellschaft, Preußische Pfandbrief-Bank, Preußische Centrai-Bodenkredit- Aktiengesellschaft, Preußische Boden-Credit-Actien-Bank, Preußische Hypotheken-Actien-Bank, Deutsche Grundcredit-Bank, Gotha, Roggenrentenbank-Aktiengesellschaft, Landwirtschaftliche Pfandbrief-Bank (Roggenrentenbank), Schlesische Boden-Credit-Actien-Bank, werden mit folgenden Zinsbeträgen für einen Kapitalnennbetrag von je GM.RM 100,— eingelöst, und zwar bei einem Zinsaufdruck von 6, 7, 7>/z und 80/0................... mit jetzt 6% p.a.— RM 3,— 10 0/0(Westdeutsche Bodenkreditanstalt Em. VI).... mit jetzt 7l s0 0 p.a.— RM 3,75 4V30/o(Liquidations- u. Mobilisierungs- Goldpfandbriefe) mit jetzt S'/a'Vo p.a.— RM 2,75 — für einen Kapitalnennbetrag von je GM 50,— der(jetzt 5�/z �/p) Goldpfandbriefe werden gezahlt......... RM 1,38 der Mobil.-Goldpfandbriefe Em. XVII der Westdeutschen Bodenkreditanstalt RM 1,37 Die weiteren 9 und 100/p igen Emissionen aller Banken sind bereits früher zur Rückzahlung aufgerufen. Die Zinsscbeine aller übrigen Goldmark- und Reichsmark- Emissionen werden mit dem aufgedruckten Betrage eingelöst. Die Umrechnung für die Roggen-Emissionen ist besonders bekanntgegeben. Die Einlösung der Zinsscbeine erfolgt kostenfrei vom Fälligkeitstage ab an den Kassen der sechs Banken und ihrer Niederlassungen sowie durch alle Banken, Bankiers und Sparkassen. Einreichungsformulare stehen unentgeltlich zur Verfügung. Berlin, im Dezember 1932. GemeinschatfsgrupiiE Deutscher Hypothekenbanken M Kinderland 1933 Das beste und billigste Weihnachtsbuch für unsere Kinder ist neu erschienen. 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DEZ. 1932 Die große Wirtschaftswandlung Wir schreiten kämpfend den Weg zur neuen Welt— Von Alfred Braunthal Die Tage ües Festes sollen öiesinol mehr als je mich Tage der Besinnung und Ausschau sein. Nicht nur deshalb, weil ein unseliges Wirt- schastssystem Millionen von Menschen durch bitter st es Elend von diesem Fest der Liebe ausschließt, sondern auch deshalb, weil der Ze't- Punkt gekommen ist, wo sich die Bedeutung des Geschehens unserer Zeit deutlich vom Wechsel der Tagesereignisse abzuheben beginnt. Das Institut für Äonjunkwrsorschung, die wirt- schaftlichc Wetterstation Deutschlands, glaubte in seinem letzten Wochenbericht feststellen zu können. daß„der Konjunkturabschwung been- det und jene Talsohle erreicht ist, nach deren Durchquerung ein neuer Anstieg beginnen kann". Nehmen wir an, daß dieser Befund und die Vor- aussage richtig ist, wodurch, wird mancher fragen, unterscheidet sich dann die gegenwärtige Wirtjchastsepoche von allen vorhergehenden, die die kapitalistische Wirtschaft durchlausen hat? Gewiß ist diese Krise die schwerste, die der Kapitalismus jemals erlitten hat, aber schließlich ist ihr Verlauf doch theoriegcrecht: einer beispiel- lasen Ausdehnung, die alle Merkmale des Heber- jchwangs der kapitalistischen Hochkonjunktur auf- wies, folgte eine schwere Produktions- und Kre- ditkrise, ein Rückschlag von einem Ausmaß und einer Hartnäckigkeit, wie es nie vorher erlebt worden war. Aber schließlich verlangsamte sich das Tempo des Abstiegs doch, ging allmählich in einen Stillstand über, und irgend einmal mag auch aus dieser tiefen Talsohle, um das Wort des Konjunkturforfchungs-Instituts zu gebrauchen, die Wirtschaft wieder den Weg nach aufwärts sindcn. Was hat sich also im Grunde Welt- erschütterndes ereignet, was berechtigt uns, von einer Wandlung zu sprechen, über die uns heute nachzudenken geziemt? Es mag sein, daß sich den, oberslächlichen Be- trachter keine ticfergehende Veränderung erschließt. Wer mit marxistisch geschultem Auge die Wirtschafts- und Gesellschaftsstruktur beobach- tct, wird zu einem anderen Urteil kommen. Er wird in erster Linie die tiesgehenden Wandlungen bemerken, die den Mittelstand betrossen haben. Es kann kein Zufall sein, daß sich im Mittelstand eine vollständige Revolution der Parteien st r u ktur vollzogen hat. Der Marxismus hat uns gelehrt, daß hinter solchen radikalen politischen Veränderungen Verschie- Hungen in den wirtschaftlichen Ver- Hältnissen verborgen sein müssen. Und in der Tat können sie dem aufmerksamen Beobachter nicht entgehen. Es ist keine gewöhnliche Konjunkturkrise, in der sich der Mittelstand befindet, keine Krise, der wie- der ein mehr oder minder schneller Aufstieg folgt. Die Krise des Mittelstandes reicht viel tiefer. Der Mittelstand befindet sich— im Grunde gcnom- n,cn schon seit dem Krieg— nur eine Zeitlang durch die Hochkonjunktur der Wiederausbauperiode verdeckt— in einem unaufhaltsamen Ver- armungsprozeß. Der gewerbliche Mittelstand(Handwerk und Handel) leidet dar- unter, daß die mangelnde Ausnahmesähigkeit der Industrie für Arbeitskräste immer mehr Menschen in die„Selbständigkeit" abdrängt. Daher die Ueb-x-setzung des Kleingewerbes, daher die über- höhten Handelsspannen, die doch nicht verhindern, daß infolge oer niedrigen Umsätze die Lebens- Haltung dieser Schichten sinkt. Der landwirt- s ch a f t l i ch« Mittelstand aber leidet unter der agrarischen Weltllberproduktion, die wegen des abnehmenden Bevölkerungszuwachses und der steigenden Ergiebigkeit der landwirtschastlichen Arbeit auch bei einem starken Aufschwung der in- dustriellen Konjunktur nicht zu beseitigen ist. Wir wissen, daß der Mittelstand auf diese schmerzliche Entwicklung sehr eigenartig reagierte. Er ist zwar antikapitalistisch, aber nicht sozia- listijch geworden, und diese sonderbare psychische Einstellung hat einen noch änderbareren politi- schen Ausdruck im vorübergehenden Aufstieg der nationalsozialistischen Bewegung gefunden. Aber wie immer auch die politische Entwicklung des Mittelstandes noch weiter laufen mag, der Mittelstand hat aufgehört, eine feste Stühe des kapitalistischen wirtschoslssystems zu sein. Und das wird sich letzten Ende- bei den wachsen- den Bestrebungen aus der Seite der Arbeiterschaft, einen Umbau des kapitalistischen Wirtschaftssystems zu erkämpfen, fühlbar machen müssen. Aber nicht bloß bei den Zwischenschichten, auch im Zentrum der kapital! st ischen Wirtschaft sind entscheidende Wandlungen eingetreten. wir stehen am Ende eines Jahres, in dem ein tiefgehender Eingriff des Staates in die Wirtschaft dem anderen folgte. Ueberoll mußte der Staat Stützen und Strebepfeiler bauen, um das Gesüge der kapitalistischen Wirtschaft noch zusammenhalten zu können. Von der Dczembcr-Notverordnung 19Zl an- gefangen, die mit rauher Hand in alle Wirtschafts- beziehungen— Preise, Löhne, Zinsen. Mieten— eingriff, über die Bankensanierung im Frühjahr, die mit einem Schlag den Staat zum unfreiwilli- gen Beherrscher der Großbanken machte, über die maßgebende Beteiligung des Reichs bei der Schwerindustrie bis zur Subventionspolitik größten Stils, die Popen trieb, und zu den Ar- beitsbeschosfungsversuchen Schleichers, immer wieder zeigte es sich, daß die P r i v a t w i r t- schaft heute keinen Schritt mehr machen kann, ohne sich der Hilfe und Mitwirkung des Staates zu ver- sichern. Gewiß stehen alle diese Aktionen im Zeichen der Sanierung und Subvenlionierung der kapi- talistischen Wirtschast. Aber lassen sich solche Bin- düngen einfach wieder abstreifen, wenn die Sa- nierungsperiode vorbei ist? Ist es nicht vielmehr unvermeidlich, daß die Sindungen zwischen Staat und Wirtschaft dauernd so eng bleiben werden, wie in keiner vorhergehenden Wirtschaftsperiode— vom Merkantilismus des 18. Jahrhunderts abgesehen. Wo ist die viel- besungene Wirtschaftsfreiheit ge- blieben, von der ihre Lobredner behaupten, daß sie uns immer herrlicheren Zeiten entgegen- führen müsse? Sie hat uns zwar immer nur eine eigenartige Mischung von Glanz in den Palästen und Elend in den Hütten von glänz- vollen Hochkonjunkturen und Elendsperiodcn der Krisen gebracht. Aber wie auch immer man zu ihr stehen mag, der greise Werner Sombart hat recht, wenn er aus jene Periode den Refrain des Schlagers anwandte:„Das gab's nur ein- mal, das kommt nicht wiede r." So wie der große griechische Philosoph Heraklit erklärte:„Du kannst nicht zweimal in denselben Fluß steigen"(weil immer neues Wasser noch- strömt), so könnte man heute sagen: Der Kapitalismus, der am Ende der Krise stehen wird, ist ein ganz anderer, als der Kopitalismus, der an seinem Ansang stand. Und wenn auch diese Wirtschast noch Kapitalismus sein wird— obgleich mit stark staatskapitolisti- schen Zügen— und wenn auch der Staat, mit dem diese Wirtschaft auss engste verflochten sein wird, nicht von der Arbeiterschaft, sondern gc- rode von diesen selben kapitalistischen Schichten beherrscht wird, die ihre Wirtschaftssreiheit dahin- gegeben haben, um ihre Existenz als Herrenschicht zu behaupten— so wird es doch für die Ar- beiterschaft viel leichter sein, die Herr- fchast über diese in den Staat verflochtene, van staatlichen Direktiven abhängige Wirtschast zu er- obcrn als über die Wirtschaft der früheren Zeit. Und wie im Mittel- und Oberbau, so ist auch im Unterbau der Gesellschaft eine große Wandlung vor sich gegangen. Die Verschiebungen, die sich in der Wählerzahl innerhalb der sozialistischen Parteien bemerkbar gemacht haben, sind sicher nur vorübergehend und spiegeln nur das Anwachsen der Arbeitslosigkeit und der Berzweislung innerhalb der Krisenperiode wider. Viel bedeutungsvoller aber ist der S t i m- m u n g s w a n d c l, der den Kern der Arbeiter- bewegung, die sozialdemokratisch und freigcwerk- schastlich organisierte Arbeiterschaft erfaßt hat. Diese Kerntruppe hat aus den Wandlungen, die sich im Bau der Gesellschaft vollzogen haben, wie aus dem jammervollen Versagen der kapital!- stischen Wirtschaft bei ihrer stärksten Feuerprobe die Lehre gezogen, daß es keine dringlichere Aufgabe, kein wichtigeres Kampsobjekt mehr gibt, als den sozialistischen Umbau der Wirtschast selbst. Und dies« Kerntruppe ist daher keinerlei U t o p i s- mus verfallen. Ganz im Gegenteil. Wir find uns durchaus dessen bewußt, daß der Umbau der Wirt- schaft uns nicht als reife Frucht in den Schoß fallen wird und auch nicht von einem Tag zum anderen erkämpst werden kann. Aber wir haben erkannt, daß die Wandlungen, die sich heute vollziehe», den Kampf um den Umbau dringlicher machen als je vorher und daß die objek- tioen wirtschaftlichen Verhältnisse für ihn reifer sind a l s j c. Deshalb ist der Umbau der Wirtschaft für die sozialistische Arbeiterschaft aus einer mehr oder weniger nebelhaften Zukunstsvorstelluiig zu einer gegenwärtigen Aufgabe geworden. Heute, in einer Periode schrecklichster politischer Verwirrung, können wir an ihr praktisch nur so arbeiten, daß wir unsere Ideen den Massen vorantragcn und, soweit sie noch i» anderen Logern stehen, mit unserer Idee um ihre Gefolg- schaft ringen. Wachsen unsere Erfolge in diesem Kampf— und sie müssen wachsen, wenn wir ihn mit dem Einsatz aller unserer Kräfte und mit glutvoller Ucberzeugung führen, denn die Zeit ist mit uns—. dann können wir den Kamps um den Umbau auch an die Schwelle des Staates herantragen und ihn unmittelbar Position um Position führen, und brauchen an unscrm Sieg nicht mehr zu zweiseln. So zeigt uns ein tieferes Eindringen in die Vorgänge, die sich in dieser Periode in Wirtschast und Gesellschaft abspielen, daß trotz allen Dunkels, das uns in diesen Festtagen umgibt, doch gerade die Wandlungen, die diese Periode mit sich führt, uns zur f e st e n Zuversicht auf eine lichte Zukunft berechtigen. Und es bewährt sich auch in all diesen Wandlungen die Sieg- haftigkeit des Geistes jenes großen Mannes, unter dessen Zeichen das nächste Jahr für die sozialistische Welt stehen wird: Karl Marx, dessen SO. Todestag wir im nächsten Jahre feiern werden. Denn Marx hat wie kein anderer die Notwendigkeit der Wandlungen der kapitalistischen Wirtschast vorhergesehen, die Richtung ihrer Entwicklung klar erkannt, die Entivicklungsnotwendigkeit der Erreichung des sozialistischen Zieles nachgewiesen und der Ar- beiterschaft, als sie noch schwcich und ohnmächtig war, die große'Aufgabe zugewiesen, die sozia- listische Umwandlung der Gesellschaft allen kapi- talistischen Mächten zum Trotz zu erkämpfen. Wirtschaftsfreiheit! Kiemhürgerei gegen Einheitspreisgeschäfte Die Kleinbürgerei in Deutschland Hat einen neuen Erfolg zu verzeichnen. Obwohl die so- genannten Wirtschaftsführer ebenso wie die mittel- ständlerischen Organisationen das Wort„Wirt- schastsfreiheit groß schreiben, ist der G e i st lächerlich klein, mit dem diesem kapitalisti- schen Ideal gedient wird. Bisher bestand schon ein Verbot, und zwar nach der Notverordnung vom 9. März 1932, wonach in Städten von weniger als 100 000 Einwohnern Einheitspreisgeschäfte nicht mehr gegründet werden dürfen. Das Schleicher-Kabinett hat es für richtig gehalten, durch eine im„Reichs- anzeiger" erscheinende Verordnung die bisher nur für Städte unter 100 000 Einwohner geltende Sperre jetzt auf alle Städte in Deutsch- land auszudehnen. Die neue Verordnung gilt vorläufig bis zum 1. April 1934. Es werden auch die Betriebsvorschriften für die Einheitspreisgeschäste verschärft, nämlich hinsichtlich des Verkaufs von Waren zu anderen als Einheitspreisen. ffeinrich Grünfeld geht auch Die Hauptgemeinschaft des beut- schen Einzelhandels, die durch das Aus- scheiden des Verbandes deutscher Waren- und Kaufhäuser und das Ausscheiden der Filial- geschüfte sehr viel von ihrer früheren Bedeutung verloren hat, verliert jetzt auch ihren lang- jährigen Präsidenten. Heinrich G r ü n s e l d von dem bekannten Leinen- und Wäschehaus, der sünfzehn Jahre die Haupt- gemeinschaft geleitet hat, hat von dem unter dem Einfluß der Nationalsozialisten die Hauptgemein- schast beherrschenden„neuen Geiste" die Nase voll. Er hatte sich schon früher gegen die mittel- ständlerische Kleinbürgerei in der Hauptgemein- schaft ausgesprochen und die Niederlegung des Vorsitzes angekündigt. Er scheidet zum Jahresende aus und behält vorläufig nur seine Mitgliedschaft im Reichswirtschastsrat bei. schaft nicht ergeben. Bei den Großbanken wie bei sämtlichen Privatbanken ist sowohl die Summe der fremden Gelder als auch der Um- fang der ausgeliehenen Kredite weiter zurück- gegangen. Bei den Berliner Großbanken sanken die Kre- d i t o r e n um 94 auf 7307, bei sämtlichen Privat- banken um 79 auf 8993 Millionen. Die W e ch s e l b e st ä n d e gingen bei den Großbanken um 43 aus 1631, bei sämtlichen Banken um 28 auf 2208 Millionen zurück. Die Vorschüsse auf lagernde und schwimmende Waren sanken um 28 auf 1030 Millionen bei den Großbanken, um 26 aus 1145 Millionen bei sämtlichen Banken. Die ungünstige Bewegung wird dadurch endgültig charakterisiert, daß auch die laufend aus- geliehenen Kredite bei den Großbanken um 10 auf 4606 und bei' sämtlichen Banken um 17 auf 5642 Millionen sich verringerten. Be- merkenswert bei dieser Entwicklung ist der schärfere Rückgang bei den Groß- banken als bei der Gesamtheit der Banken, mit anderen Worten das bessere Abschneiden der Banken in der Provinz. G ü n st i g geblieben ist die Entwicklung allein bei den Girozentralen. Dort nahmen die fremden Gelder auch im Monat November noch weiter zu, und zwar die Gesamtsumme der Kreditoren um 90 auf 2018 Millionen Mark. Auf der anderen Seite nahmen auch die aus- geliehenen kurzfristigen Kredite weiter zu, nämlich um 47 auf 1493 Millionen, während die lang- fr i st i g e n Ausleihungen— ein Beweis, daß die Rückzahlung von Kommunalkrediten all- mählich wieder in Gang kommt— um 71 auf 3041 Millionen abnahmen. Der Vertrag mit Holland Deutschland zeigt die kalte Schulter Sinkende Wirtschaftskredite Die von der Reichsbank für Ende November veröffentlichten Bankenbilanzen zeigen eine Ent- wicklung gegenüber Ende Oktober, die zu den un- günstigen Verhältnissen aus dem Arbeitsmarkte paßt. Auch nach den Bankbilanzen hat sich im November eine Belebung der Wirt- Der im Juni 1925 zwischen Deutschland und Holland geschlossen« Handelsvertrag läuft am 31. Dezember d. I. ab. Wie von zuständiger Stelle mitgeteilt wird, hat die niederländische Regierung der deutschen Regierung vorgeschlagen, möglichst umgehend die Verhandlungen über den Abschluß eines neuen Vertrages aufzunehmen. Zugleich hat die holländische Regierung angeregt, während der Dauer der wirtschastspolitischen Ver- Handlungen die bisher bestehenden Zoll- bindungen provisorisch zu verlängern. Während die deutsche Regierung dem ersten Borschlage Hollands zugestimmt hat und die neuen Verhandlungen bereits am l. Januar ein- leiten will, hat sie die Anregung Hollands wegen einer provisorischen Verlängerung der Zoll- bindungen abgelehnt. Diese Ablehnung gibt der deutschen Regierung die Möglichkeit, bereits vom 1. Januar ab die Einfuhrzölle für eine größere Anzahl holländischer Produkte zu erhöhen. Gegen diese Maß- nähme des Kabinetts Schleicher muß schärfster P r o t e st erhoben werden. Es wäre eine Kleinig- keit gewesen, dem holländischen Wunsche zu ent- sprechen und für die Dauer der Verhandlungen die bestehenden Zollbindungen aufrechtzuerhalten Ein derartiges Entgegenkommen hätte in holländi- schen Wirtschostskreisen, bei denen die schwere Verärgerung wegen der unter dem Papen-Regime geplanten Kontingente immer noch nachwirkt, sehr guten Eindruck gemacht. Schließlich ist und bleibt Holland einer der besten Kunden Deutsch- lands, auf den unsere Exportindustrie heule weniger denn je verzichten kann. Wenn aber da» Kabinett Schleicher schon in der Frage einer Ver- längerung der Zollbindungen Holland die kalte Schulter zeigt, muß zum mindesten gefordert werden, daß die Meistbegünstigung während der Dauer der Verhandlungen in Kraft bleibt, damit wenigstens die dritten Staaten gegenüber bestehenden Zollbindiingen auch sür Holland Geltung behalten. Ein Weihnachtsgeschenk Auf den Tisch der Großagrarier Im„Reichsanzeiger" vom 24. Dezember wird ein« vom Reichsernährungs- und Reichswirtschafts- minister unterzeichnete Verordnung bekannt- gegeben, wonach mit Wirkung vom 1. Januar 1933 die Einsuhr von Rundholz und von Schweine- schmalz verboten bzw. nur noch mit besonderer Genehmigung gestattet ist. Für Schweineschmalz füllt diese Bestimmung vom 16. Februar 1933 ab wieder fort. Diese Einsuhrverbote stellen Zwijchenkontingente dar, die vor der Heraufsetzung der Zölle sür die genannten Produkte eingeführt werden, um größere Deckungskäuse zu verhindern.— Nachdem sich die von der Hugenbergschen Telegraphen- Union in die Welt gesetzte angebliche Unter- Zeichnung der Verordnung wegen zwangsweiser Butterbeimischung zur Margarine als Schwill- del erwiesen hat, will man den erbosten Großagrariern noch schnell dieses Geschenk aus den Weihnachtstisch legen. Cinlcn&ungcn für üt«)e Rudrit ftnB C( 1 1 i B SB 68, LixdenitraK« 3, parieinachrichten���fur Groß-Berlin stets an das Beztrlssetretarial i. Hof, S Treppen rechts, zu richtea Am Dienstag, 27. Dezember(3. Weihnachtssciertagf, bleiben die Büros des Bezirlsvcrbandcs Berlin der SPD. geschlossen. Das Bezirksselretariat. Arbeiterbildungsschule. Die Bibliothek, Lindenstr, Z, 3. Hof rechts II, ist in dieser Woche nur am Donnerstag, abend» oon 6 bis» Uhr, geöffnet. Beginn aller Veranstaltungen WA Uhr, sofern keine besondere Zeitangabe! Ebcrt. Siedlung. Mieterfraktion, Donnerstag, 29, Dezember, 19% Uhr, Versamm- tung im Selben cool der Hochschnlbrauerei, Vortrag des Genossen Gustav Bauer, Leiter unserer Daugcscllschaft„Eintracht". Jeder Genosse hat mit Gattin zu erscheinen. 14.»reis. Das Büro bleibt zwischen Weihnachten und Neujahr geschlossen. 17. Abt. Die Bczirksfllhrer werden gebeten, die Sanimelliftcn und Marken- bestünde umgehend beim Gen. Höhne abzurechnen. Montag, 26. Dezember(2. Aeiertag): 1c,. Kreis. 11 Uhr veranstalten die Arbcitersünger des Bezirks im Parkrestau- rant Güdende eine Weihnachtsinorgenfeicr. Di« Parteimitglieder werden gebeten, sich daran zu beteiligen. Eintritt frei. 33. Abt. Wanderung nach der grossen Krampe lNaturfreundchütten). Treff- Punkt 7?, Uhr Bahnhof Treptow. Dienstag. 27. Dezember(Z. Feiertag): 1. Kreis. Brbeitcrwohlfahrt. Das Erwcrbslofenheim bleibt am 3. Feiertag geschlossen. 3. Abt. Im Grossen Saal des Eewcrkschaftshanscs, Engelufcr 25, Winter- fonnenwendfeier unter Mitwirkung namhafter Künstler. Konzert, Borträge, Tanz. Eintritt SV Pf. Arbeitslos« und Iimendliche 30 Pf. Beginn 19 Uhr. Der Reinertrag ist für die erwerbslosen Parteimitglieder bestimmt. 85. Abt. Weihnaüstsfeier in den gesamten Räumen des seebads Mariendorf, Ullsteinstrassc. Beginn IS Uhr. Vortragender Theo Morct. Kasperle- Theater. 19l. Abt. 18 Uhr Weihnachtsfeier bei Pictsch, Am Treptower Park. Eintritt inkl. Tanz 30 Pf. Erwerbslose gegen Ausweis 19 Pf. 197. Abt. 17 llhr Weihnachtsfeier im Gemeinschaftshaus für die erwerbslofen Partciaenossen und die Kinder. Alle Genossen und Genossinnen ssnd herz. lichst eingeladen. 199. Abt. Im Grossen Saal des Restaurants Bellevue am Miiggelse« Weihnachtsfeier. Konzert, Gesang, Rezitationen. Ansprache des Genossen Stadt- rat Horliss, turnerische und gnninastischc Darbietungen, Kinderspiele. Nach Abschluß des Programms Bescherung der Kinder und Tanz. Beginn vüntt- lich 19 Uhr. Eintritt 59 Pf. Miltwoch, 2S. Dezember: 14.»reis. 15 Uhr Zusammenkunft erwerbsloser Parteimitglieder im Heim Kanncrstr. 42.„Eine Stunde mit Schallplatte und Buch." Vortragende Genossin Schinz. 19. Kreis. Krcisvorstandssstzung init den Wohlfahrtspflegern des Kreises. 1, Abt. Abrechnung der Beitragsmarken. Freiheitsopfer und Drei-Pfeile- Radeln spätestens 28. Dezember beim Genossen Dittman». 2. Abt. Diskutierabend bei Lohan, Brliderstr. 19. Leiter Dr. Treitcl. 24. Abt. Mitgliederversammlung im Altersheim Danziger Etr. 92.„Christen- tum und Sozialismus". Referent Dr. Gotthard Ebcrlein. 28. Abt. Zahlabende aller Gruppen mit Ausnahme von Gruppen 5 und 9. In Gruppe 2 Referent Genosse Wille.„Die französische Revolution". Achtung, Bczirksfiihrcr! Die Iahresmitglicdervcrsammlung muss umständehalber doch schon an, Mittwoch. II. Januar, stattfinden. 33. Abt. An Stelle der Mtlgliedcroersammluna„Zillc"-Abcnd in der Alten Taverne, All-Stralau 23/29. Ab 17 Uhr Kaffcckochcn. Mitgliedsbuch mit- bringe». Die Funktionäre des Stralaucr Viertels treffen sich bereits um 18'! Uhr. 48. Abt. Die Mitgliederversammlung fällt aus. 54. Abt. 19 Uhr im Jugendheim, Rosinenstr. 4. Vorftandssissung mit den Gruppenleitern. 29 Uhr dortselbst Versammlung sämtlicher Funktionäre. 74» Abt. 29 Uhr Mitgliederversammlung bei Schneider, Potsdamer Str. 25. Referent Willi Schneider. I 117. Abt. Abrechnung vom 4. Duartak auch der SammcMsscn und Freihclts- opfermarkcn 18 Uhr bei Klose. 131. Abt. 29 Uhr Zusammenkunft jüngerer Parteimitglieder in der„Wolfs- schlucht", Trcskow- Ecke Blüchcrstrasse.„Streifzug durch die Dichtung der Gegenwart". Vortragender Dr. Walter Gross. 139. Abt. Mitgliederversammlung im„Alten Krug", Hauptstr. 23.„Die Ber- liner Verwaltungsreform". Referent Genosse Kassenstcin. Achtung, Funktio- näre! Funktionärsitzung eine Stunde vorher, 18%. Uhr, im gleichen Lokal. Donnerstag. 29. Dezember: 4. Kreis. Sitzung des engeren Kreisvorstairdes mit Abteilungsleitern. 5. Kreis. Kreisvorftandssttzung mit Abteilungsleitern. Kadiner Str. 10. 3. Abt. Ab 19 Uhr bei Borlik, Sebastianstr. 38, Abrechnung sämtlicher Bezirksführer. Freitag, 30. Dezember: 1. Kreis. Freitag, 39. Dezember, 29 Uhr, Kreisbildungsausschuss-Sitzung bei Lohan, Brüdcrstr. 19, Die Abteilungsleiter sind zu dieser Sitzung ein- geladen. 14. Krei». 15 Uhr Zusammenkunft erwerbsloser Parteimitglieder. Unter- Haltungsnachmittag im Heim Kanner Strasse. 89. Abt. 18'/- Uhr Borstandssitzung bei Gürlich. Pegasstr. 1. Anschliessend 20 Uhr Funktioiiärsitzung. Alle Funktionäre müssen erscheinen. -l- 28. Abt. Unser Genosse Metallarbeiter Richard Hirsck, feierte sein vierzig- jähriges Parteijubiläuni. Wir wünschen dem alte» Kämpen noch lange Gesundheit und Frische! Frauenveranstattungen: Wir bitten dicjcnigea Abteilungsleiterinncv, die die Fragebogen für den Jahresbericht noch nicht ansgefüllt zurückgesandt haben, dies umgehend zu er- ledigen. Das Franenselretariat. * 6. Kreis. Mittwoch, 28. Dezember. 191. Uhr, geselliges Beisammensein der Funktionärinncn in der Wohlfahrtsschulc der Arbeiterwohlfahrt, Belle- Alliancc.PIotz 7/8, vorn 3 Tr. Lichtbildervortrag über de»„Immcnhof". Rezitationen der Genossin Margarete Fichtncr. Der erweiterte Krcisoor- stand ist hierzu herzlich eingeladen. Montag, 2ö. Dezember(2. Feiertag): 104. Abt. 17 Uhr im Logenhans Johannisthal, �riedrichstr. 61, gemütliches Beisammensein aller Genossinnen und Genossen mit ihren Familien.„Nach der Wahl was anderes mal." Portragender Pnggi Muck. Erwerbslose der eigenen Abteilung erhalten Kaffee und Kuchen gratis. Dienstag. 2S. Dezember(3. Feiertag): „Ernstes und Heiteres." Vortragende 29. Abt. Bei Wende, Kalaniestr. 147. Genossin Lutz-Haedrich. 27. Abt. 19 Uhr im Sportrestaurant Tantioiistrasse. Heiterer Abend. Portragende Elfricd« Wollmann. Buchtontrollc. Kuchen mitbringen. 29. Abt. Bei Klug. Danziger Str. 7l. Heiterer Fraucnabcnd mit gemütlichem Beisammensein. Kucken bitte mitbringen. 39. Abt. Bei Pohst, Lpchcner. Ecke Stargarder Strasse, gemlltlickes Bei- f ammenfein. 41. Abt. 17 Uhr bei Schult, Maricndorfer Str. 5. Heiterer Abend mit den Kinderfrcmiden. Portragender Genosse Hans Fuhrmann. 79o Abt. 29 Uhr im Ledigenheim Lindcnhof, Fraucnfcierswnde. Ansprache der Genossin Lisa Albrccht. 137. Abt. Im Bolkshaus Scharnwebcrstr. Il4. Heitere Vorträge der Genossin Anni Wcilhammcr.„Eine Stunde Zeitgeschichte." Mittwoch, 28. Dezember: 12. Abt. Heiterer Abend bei Schmidt, Wiclcfstr. 17. Portragende Martha Jahn. 15. Abt. Bei Lenz. Demmincr Str. 19. Heiterer Abend. Portragcndc Friede! Hall. 19. Abt. 19 Uhr Politisch-satirischer Abend bei Bcrner. Etcttincr Str. 47 Ecke Bcllermannstrasse. Vortragender Henry Reiff. Anschliessend gemütliches Beisammensein. 33. Abt. Ab 17 Uhr in der Alten Taverne gemütliches Beisammensein mit den Angehörigen. Lichtdildcrvortrag der Genossin Erika Riedel.„Heinrich Zille." Darbietungen der Kinderfrcunde. Gelegenheit zum Kaffcekochen. Mitgliedsbuch als Ausweis mitbringen. 34. Abt. Im Jugendheim Tilsiter Str. 4/0. Heitere Stunden zur Sonnenwende. Vortragender Genosse Franz Hoscmann. 52. Abt. 29 Uhr bei Wolter. Kaiferin-Augusta-Allec 52.„Eigenunternehmungen der Arbcttcrschafi". Referent Walter Rone. 89. Abt. 29 Uhr bei Wolf, Rubensstr. 49 sfrühcr Lehn).„Eine Stunde mit Schallplatte und Buch." Vortragende Genossin Schinz. R-nwahlen. 88. Abt. 20 Uhr bei Rohrmann. HUbertftr. 19. Bunter Abend. Bortragende Genossin Klara Brat. 92. Abt. Gemütliches Lciiammcnsci» mit Kasfcckochen im Iugc»dhcim Kanncr Strasse. Heitere Borträge des Genossen Lutz. 95. Abt. Im„Kleinen Jäger", Hermann- Ecke Leykcstrassc. Weihnachtsfeier. Rezitationen der Spieliruppc„Der Querschnitt". Musik, Tanz. Ansprache Genone Raumann. 97. Abt. Bei Kutzki, Leine- Ecke Hermannstrasse. Konsumangelegenheiten. Refc- rcntin Genossin Becker._ 114. Abt. 20 Uhr Weihnachtsfeier im Tivoli, Weichsclsir. 9. Vortragender Theo Marct. 119. Abt. 29 Uhr bei Schade, Rusche- Ecke Normannenstrassc. Bunter Abend. Bortragende Eenoyin Lutz-Haedrich. 124.1 Abt. 29 Uhr bei Draber. Uhlandstr. 18. Bunter Abend. 131. Abt. 19 Ubr bei Laudohn. Trcskowstrossc Ecke Uhlandstrasse. Neuwahlen. Ferner„Ernstes und Heiteres aus der proletarische» Literatur." Bor- tragender Hans Fuhrmann. 143. Abt. 29 Uhr bei Schmischke, Waidmannstr. 4, Wcihnachtsstundc. Vor- tragende Elfricdc Bollmann. Bezirksausschuß für Arbeiterwohlfahrt. 14. Kreis Neukölln. Die für Mittwoll). 28. Dezember, anclcsetzte Sitzung im Parteibüro. Fuldastraße(wegen Esscnskartcn), findet nicht statt. Arbeitsgemeinschaft der kindersreunde. Mitte. Abt. Gilbelm Liebkneüit. Dienstag, 27. Dezember, im Jugendheim Waisenstraßc gemeinsamer Gruppenabend um 18 Uhr. Alle Teilnehmer der Neujahrsfahrt müssen erscheinen. Krcuzberg. Abt. Wasscrtorstraße Wir treffen uns am 2. Feier- | tag zur Fahrt nach der Großen Krampe um 8 Uhr Prinzen- Ecke J Gitschiner Straße. Essen und 50 Pf mitbringen. Nächster Gruppen- W& abend am 28. Dezember, 17'� Uhr. Wassertorstraße. Rote Stürmer. 27. Dezember, 17 Uhr, Funktionärversammlung. Steglitz. Abt. Albrechtstraße. Dienstag, 27. Dezember, 17 Uhr, Nachfeier. Köpenick. Abt. Köpenick. Alle Falken kommen zur Generalprobe am Mitt- woch um 10 Uhr ins Stadttheater. Abt. Buch. Unsere Wintersonnenwendfeier findet am 27. Dezember bei Göpfcrt, Parkschloß. statt. Einlaß 18 Uhr. Beginn 19 Uhr. Alle Eltern und Freunde sind eingeladen. Treffen der Falken um 18 Uhr. Sterbetafet der Groß-Verliner Partei-Organisation 7. Abt, Unser alter Parteigenosse K a p h a m m e l, Vergstr. 23, ist»ach langer Krankheit im Alter von 89 Iahren verstorben, Uebcr 59 Jahre war er treues Parteimitglied, Die Einäscherung cfolgt am Dienslaa, dem 27. De- zembcr, nachmittags 2 Uhr, Krematorium Eerichistrasse, Rege Brteilignng erwartet die Abteilüngslcitung, 33. Abt. Unsere Genossin Hertha G o l i s ch, Morkgrafcndamm 8. die treue Lebensgefährtin unserrs BezirtsfUhrrrs, ist im Alter von 24 Iahren verstorbc», Ehre ihrem Andeuten! Trauerfeicr findet am Mittwoch, 28, De- zcmber, 17 Uhr, in Baumschulenweg statt. Um rege Beteiligung wird gebeten. 33. Abt. Unser langjähriges Mitglied, der Gastwirt Gustav Ho ff mann, Friedcnsallcc 17, ist verstorben. Ehre feinem Andenke»! Einäscherung Dienstag, 27, Dezember, 15': llhr, im Krematorium Baumschulcnweg, Um recht rege Beteiligung ersucht der Borstand. 88. Abt, Räch kurze»! Krankenlager verschied unser Genosse Albert L i» bald, Falkcnstcinstr, 12, Ehre seinem Andenken! Trauerseier am Mitt- woch. 28, Dezember, 13 Uhr. im Krematorium Boumschulcnwcg. Um rege Beteiligung wird gebeten. 9«. Abt, Am 29, Dezember verstarb unser Genosie Tischlermeister Ernst Wolf, Neukölln, Weichselplatz 9. im 54. Lcbensjabre. Ein überzeugter Kampf- gcfährtc geht mit ihm dahin. Ehre seinem Andenke»! Beerdig»»» am Dienstag, 27. Dezember, 13Vi Uhr, auf dem Neuköllner Friedhof, Maricndorser Weg, Rege Beteiligung erbeten. 134, Abt. Unser langjähriger und stets rühriger Gcnossr August Bitte ist verstorben. Ehre feinem Andenken! Beerdigung Dienstag, 27, Dezember, 12'/» Uhr, auf dem Anftaltsfriedhof in Buch. Rege Beteiligung wird erwartet, Uletne Anzdigen* unrkungsv0li und btUtg. Uberschriftswort 20 Pf-, Textwort 10 Pf. Wiederholungsrabatt: 5 mal S"',, 8mal 7!<%, 12 mal lO",:; 1000 Worte Abschluß 10?Z, 2000 Worte'\Snt, 4000 Worte 20%, lOOOO Worte 25%. 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