Morgen- Ausgabe Nr. 608 A299 49. Jahrg. Redaktion und Verlag, Verlin SW 68. Lindenstr. 3 5«mlpred)CT«ml DSnhoN 292 bli 297 �elegtommabreffei Sozt-Ib-moKa»-Lerldi BERLINER VOLKSBLATT DIENSTAG 27. Dezember 1932 In Groß- Berlin 1(1 Pf. Auswärts....... 15 Pf. Bezugibebwgunz«, unb Anz->g«np«ise tiebe am Schluß beb tebattioiuUcn Tnl» Jentratovsan der Sozialdemokrattsche« Partei Deutschlands Die Schule den Deutschnationalen! �/lalAreselunF von Sozialdemokraten in der Schulverwaltung/ Neues Jahr, neue Provokationen! Der Rachefeldzug der deulschnalionalen kommissarialeregierung iu PreuHeu gegen Beamte. die Mitglieder der Sozialdemokratie sind oder sich zu ihr bekennen, wird nach dem weih- nachtssest sortgeseht werden. Auch der neue 5etd- zug wird dadurch charakterisiert, daß die deutsch- nationalen Herren ohne Rücksicht aus Leistung und Verdienst gegen die einzelnen Beamten vorzugehen beabsichtigen. Sie schuhen diesmal nicht emmal mehr wie früher..Sparmahnahmen" vor. Sie bauen ab. um die sreiwerdenden Stellen in erster Linie mit rechtsstehenden Barteibuch- inhabern zu besehen, die seit Monaten aus Beförderung lauern. * Am 27. Dezember soll zunächst im Berliner Provinzial-Schulkollegium..ausge- räumt" werden, wie sich dieser Tage ein deutsch- nationaler Abgeordneter des Preußischen Landtags ausgedrückt hat. Der entsprechende Erlaß i st b e r ei t s fertig. An der Spitze der Berliner Schulverwaltung steht seit Iahren der frühere sozialdemokratische Landtagsabgeord- nete König, desien Fähigkeiten als Schul- spezialist und desien loyale Amtsführung selbst von dem Urheber des Zwickelerlasies und dem deutschnationalen Kommissar im Boltsbildungs- ministerium nicht bestritten werden können und nicht bestritten werden. Aber 5tönig bekennt sich zur Sozialdemokratie. Darum muß er ver- schwinden! Die deutschnationale Fraktion des Preußischen Landtags hat es so gewünscht. Wie sie beschließt, so tanzen die„überparteilichen" Preuheickommissare mit dem deutschnationalen Parteibuch in der Tasche. An Königs Stelle i m roten Berlin soll ein„überparleilicher" Nachfolger treten.„Ueberporteilich"— also deutschnational. Mit König sollen l2 höhere Beamte des Berliner Provinzial-Schulkollegiums in die wüste geschickt werden. Alles bewährte pflichttreue Beamte, gegen die nichts vorliegt, was ihrer Entlastung auch nur den Anschein der Berechtigung geben könnte. Unter ihnen befinden sich die bekannte Abgeord- net« des Preußischen Landtags Hildegard Weg- scheider, Regierungsdirektor Kummerow, als desien Nachfolger ein eingeschriebenes Mitglied der Deutschnationalen Partei mit großem Kops aber geringem Horizont aus Magdeburg in Aus- sicht genommen ist, und Studiendirektor Knolle. der sich ebenso wie Kummerow aktiv in der Sozialdemokratischen Porte, nicht betätigt hat. Macht nichts— auch die Mitgliedschaft muß ge- rächt werden. Das geschieht so, daß die zwölf Beamten am 1. Januar mil vollem Gehalt de- urlaubt und ab 1. April zwangsweise in den Ruhestand versetzt werden. Schließlich zahlt ja das Volk die Kosten für die„überparteiliche" Kommifsa- riatswirtschost mit schwarzweiß- rotem Vorzeichen. Mit den Mahregelungen von Sozialdemokraten und Staalsparteilern im Berliner Provinzial-Schulkollegium ist der Racheseldzug der deutschnalionalen kommissarialsregierung noch keineswegs beendet. Die Herrschaften wolle» noch zahlreiche andere Sozialdemokraten und Staatsparteiler in den preußischen Schulverwaltungen mit Neujahrs- geschenken„beehren". Es ist ihr Plan, möglichst alle Sozialdemokraten in den Schuloerwaltun- gen in die Wüste zu schicken. In Berlin foll damit am 27. Dezember, im übrigen Preußen am 1 Januar begonnen werden. Die Rache gegen etwa 75 anerkannte Schul- Politiker vollzieht sich unter dem Protektorat des Reichskanzlers von Schleicher als Reichs- kommissar für Prcuhen. Als Herr von Schleicher vor wenigen Wochen sein Amt antrat, ließ er als Z'cl seiner Regierung„Versöhnung mit Allen" oer- künden. Schon die Berufung des Herrn Bracht zum Reichsinnenminister hat gezeigt, was es mit dieser Versöhnung aus sich hat. Jetzt folgt eine neue Proooka- tion der Sozialdemokratie. GA.-Fememorö aufgedeckt LA.-I�Ianll von Kameraden erschossen/ Die Leiche in der Talsperre Eigener Bericht des„Vorwärts" Dresden. 26. Dezember. Am zweiten Zeierlag ist in Dresden ein Fememord der SA. ausgedeckt worden. Seit dem 4. November war der hiesige S A.- M a n n hentzsch verschwunden. Als die Polizei sich der Sache annahm, stellte sie fest, daß er an jenem Abend von drei SA.- Kameraden angerufen und zu einer Besprechung bestellt worden war. Einer der drei SA.-Leute gab zu- nächst an. henhsch seit Wochen nicht gesehen zu haben. Das stellte sich aber bald als unwahr heraus. Als die Polizei sich nunmehr mil den drei Leuten besaßte, verschwand einer nach dem anderen, teilweise unter Zrresührung der Kriminalpolizei. Einer der drei Mörder, der der Polizei den angeblichen Täter in die Hände liesern wollte, benutzte eine Autofahrt mit der Polizei dazu, um selbst zu verschwinden. Nachdem die drei Kameraden verschwunden waren, bestand eigentlich kaum noch ein Zweisel, daß hier ein Freundesmord vorlag. Merkwürdigerweise vermutete man bei der Polizei, daß henhsch noch lebe. Es trafen dann aber gewisse Anzeichen ein, die daraus hindeuteten, daß henhsch in der Nähe der Talsperre Maller erschossen und seine Leiche dann in die Talsperre geworsen worden war. Mehrsach wurde in und bei der Talsperre nach der Leiche gesucht. Man hatte selbst einen Taucher zu hitse genommen. Die zunehmende Kälte hat am zweiten weih- nachtrseiertog Licht in die Sache gebracht. Durch die Eisbildung senkte sich der Wasserspiegel der Talsperre so. daß man jetzt die Leiche des henhsch fand. Sie war in einen Sack gehüllt, der mit schweren Steinen belaste« war. Die äußere Be- sichliguog hat nach Mitteilung der Mordkommission gezeigt, daß henhsch durch einen Brust- schuß getötet worden ist. Nach amtlicher Mitteilung steht einwandfrei sest, daß henhsch einem Mord zum Opfer gefallen ist. Die Kriminalpolizei hat inzwischen mil der Staats- anwallschast eingehende Ermittlungen angestellt, die für die Aufklärung des Falles wichtiges Material ergeben haben. Im Interesse der Untersuchung werden von der Polizei Einzelheiten nicht bekanntgegeben. Als Mörder kommen die drei SA.-ceute Schenk, ein 27jähriger Funker aus einer kleinen Nachbargemeinde. Friedrich Fränkel, ein 22 Zahre aller Telegraphenbauarbeiter aus Dresden, und der berufslose 20 Zahre alte Waller w o i c i k aus Dresden in Frage. Die Angelegenheit erregte seit Wochen die ganze sächsische Oefsenllichkeit. Die sozialdemokratische Fraktion des Sächsischen Landtags hatte im Landlag eine Anfrage an die Regierung gerichtet. Der Minister des Innern antwortete daraus zum leb- hasten Befremden des ganzen Landtags, ihm sei von der Sache nichts weiter bekannt. Er versprach jedoch Anweisung zu geben, daß die Nachforschungen auss schärfste vorgenommen würden. Die Ermittlungen haben indessen in mehreren Wochen nichts ergeben und nur den Wirkungen der Natur hat man es zu verdanken, daß nun endlich der Fememord aufgedeckt wurde. Es wird nun vor allem Aufgabe der Polizei sein, die Schuld etwaiger Führer der Nationalsozialisten festzustellen. Denn es kann nach Angaben, die aus Nazikreisen stammen, als sicher gelten, daß die drei SA.-Leute nicht aus eigenem Antrieb gehandelt haben. Warenhaus ausgebrannt kiesenkeuer in Barcelona Barcelona, 26. Dezember. In den Mittagsstunden des ersten Feiertages brach im größten Warenhaus Barcelonas„El«igt o" ein Brand aus, der bei dem herrschenden starten Wind bald riesige Ausmaße annahm. Die Löscharbeiten wurden dadurch außer- ordentlich erschwert, daß der Wasserdruck der Feuerspritzen sich als zu schwach erwies. Das ganze riesige Gebäude brannte bis auf die Grundmauern nieder. Der Sachschaden beträgt etwa 36 Millionen Peseten. Bei der Be- kämpfung des Brandes wurden acht Per- sonen verletzt. Ueber 1666 Angestellte sind durch das Brandunglück brotlos geworden. Als Ursache des Brandes wird angeiionimeu, daß von einem elektrisch betriebenen Spielzeug, das in einem Schaufenster ausgestellt war,«in Funke auf die leicht entzündbaren anderen Gegenstände der Fensterdekoration übersprang. Der Schaufensterbrand dürfte sich dann mit rasen- der Geschwindigkeit erweitert haben. Grubenkatasirophe 32 Bergleute verschüttet New Jork. 26. Dezember. Aus der Z0C)-Meler-Sohle des Kohlenbergwerkes M oleaqua im Staate Illinois ereignete sich am Sonnabend eine Explosion, durch die 5 2 Bergleute verschüttet wurden. Es entwickelten sich giftige Gase, die sich fast über das ganze Bergwert verbreiteten und die Rellungs- arbeiten außerordentlich erschwerten. In den Stollen spielten sich entsehliche Schreckensszenen ab. Bisher konnten neun Leichen geborgen werden. Man befürchtet, daß auch die übrigen 4Z Bergleute durch einstürzende Gesteins- Massen oder durch die giftigen Gase den Tod gefunden haben. Die deutschen Christen Kreuz und Hakenkreuz „Das Christentum hat seinen Namen von Christus, der Nationalsozia- l i s m u s wird in die Geschichte eingehen als die Idee Adolf Hitler s". („Angriff". vom 12. Dezember.) Der Antrag der preußischen Nazifraktwn, der das Verbot der Freidenker for- dert, und der in diesen Tagen zur Verhand- lung kommende Prozeß, der eine Karikatur verfolgt, die auf die religiöse Blasphemie der Wotansjünger zielt, geben Gelegenheit fest- zustellen, daß, woran schon neulich hier er- innert worden ist, niemand mehr als die Hitlerianer die christliche Religion und deren Einrichtungen verhöhnen und verwerfen. Die beste Auskunft über die Stellung der Ratio- nalsozialisten zum Christentum gibt immer noch Alfred Rosenberg, Chefredakteur des„Völkischen Beobachters" und prominen- ler Vertreter der nationalsozialistischen Welt- anschauung, in seinem umfassenden und von den Hakenkreuzlern angebeteten Werk„Der Mythos des 20. Jahrhunderts." Kurz und bündig ist das Gesamturteil Rosenbergs: „Das kirchliche Christentum katholischer Fori» und protestantischer Abart liegt heute als gefchicht- liche Erscheinung vor uns; Ansang und Ende lassen sich klar überblicken. Nun ist die Erstarrung ein- getreten... Der treuherzige Bibelglaube der Pro- testanten ist heute ebenso unwiderbringlich dahin, wie einst der Glaube an die„göttliche Berufung der Kirche"." Rosenberg sagt ferner, daß die römische Dogmen- und Kirchengeschichte nichts anderes fei als eine Geschichte der zauberhaft-dämo- nischen Weltauffassung des Medizinmannes. wie er aus Asien gekommen ist; der Papst habe es verstanden, sich der Nachprüfung solcher Zauberei, als da sind der Ablaß, die letzte Oelung und dergleichen, raffiniert zu entziehen, indem er die Wirkung des Zaubers ins Jenseits versetzte. Der Protestantismus kommt bei Rosenberg kaum besser weg: „Der Protestantismus hat religiös versagt, weil er an die Stelle des römischen das jerufaleinitische Zentrum setzte: das Herrscherrecht des Buchstabens ... Die Bibel wurde Volksbuch und die alttesta- inentliche Prophetie Religion. Damit war die Verjudung und Erstarrung unseres Lebens um einen neuen Schritt vorwärtsgetrieben, und es ist kein Wunder, daß fortan blonde deutsche Kinder allsonntäglich singen muhten:„Dir, dir, Jehova. will ich singen"." Das Christentum beider Konfessiouen wird von den Nationalsozialisten als j ü d i s ch und darüber hinaus als ägyptisch, vorder- asiatisch, syrisch, afrikanisch ver- warfen. Jesus behält eine gewisse Geltung. aber nur darum, weil er blonder Abstam- mung ist:„Die Amoriter gründeten Jerusa- lem, sie bildeten die nordische Schicht im späteren Galiläa, aus der einst Jesus hervor- gehen sollte." Jesus ist gewissermaßen im Verlauf der großen nordischen Wanderungen nach Palästina gekommen, aber gleich nach seinem Hinscheiden wurde, so lehren die Nazis, seine geschichtliche Persönlichkeit„mit allem Wust des vorderasiatischen, des jüdischen und afrikanischen Lebens beladen und ver- schmolzen... Jesus ist hinausgedrängt, der syrifch-etruskische Aberglaube, der sich um seine Persönlichkeit rankte, ist als apostolische Ueberlieferung an seine Stelle getreten." Im besonderen wird Paulus für die Verbaftar- dierung. Verorientalifierung und Verjudung des Christentums verantwortlich gemacht: „Seine Lehren bilden bis auf heute, trotz aller Rettungsversuche, den jüdisch-geistigen Grundstock, gleichsam die talmudistisch- orientalische Seite der römischen, aber auch der lutherischen Kirche..., der volklosen Ruhige Feiertage in Berlin Betrieb nur bei der Feuerwehr— Hundert Alarmierungen Weltkirche, einer mit Knechtseligkeit durch- zogencn Religion." Nur in dem rasselosen wüsten Rom der verkommenen Antike konnte das Christentum sich zur Weltmacht ent- wickeln, wobei es von der Fälschung profi- tierte(sagt Rosenberg), daß Petrus der Fels der Kirche sein sollte. Sämtliche Hauptdogmen und alle wichtigen Lehren des Christentums werden van den Nationalsozialisten als unwürdig der weißen Rasse und des deutschen Mannestums gebrandmarkt. Vor allem der Kern der christlichen Anschauung: die Liebe zu den Brüdern:„Eine Herde und ein Hirt, das ist die klarste Kampfansage an den germanischen Geist gewesen. Hätte dieser Ge- danke restlos gesiegt, so wäre Europa heute nur ein viele hundert Millionen zählender charakterloser Menschenhaufen, regiert mit Hilfe hochgezüchteter Furcht vor Fegefeuer und ewiger Höllenqual." Die paulinischen Briefe, die weder Juden noch Griechen, weder Knechte noch Freie, sondern allein den Bruder gelten lassen wollen, werden als Nihilismus, der alles Organische leugnet, verspottet. Von dem späteren Christentum heißt es:„Eine Form, einen Zwangsglaubenssatz, eine Sprache und einen Ritus, einheitlich für nor- dische Menschen, Levantiner, Nigger, Chinesen und Eskimos..." Das ist den Nazis ein Greuel; als besondere Abscheulichkeit nennt Rosenberg den eucharistischen Kongreß von Chikago im Jahre 1926, wo„Nigger- bischöfe die Messe zelebrierten". Auf diese christliche Nächstenliebe führt Rosenberg die ihm nicht minder verhaßte Humanität zurück, das„Mitleid mit Krüppeln, Kranken, Minderwertigen und Verfaulten". Und auch hier wiederum sind die Katholischen und die Evangelischen in der gleichen Verdammnis. Die Heilandsidee, die Lehre von der Jung- frauengeburt, die Dreieinigkeit, die Auf- crstehung, die Himmelfahrt, die Heiligen, das alles find für die nationalsozialistische Auf- fassung Ideen, die sich bei vielen Völkern des Mittelmeerbeckens und der Südsee vorgefun- den haben, persischen oder sonstigen asiati- schen Ursprungs, entstellt durch den jüdischen Messiasgedanken. Mit besonderer Heftigkeit stürzt sich Rosen- berg auf das Priestertum und die im Papst gipfelnde Organisation der römischen Kirche: „Di« Ausnutzung des einmal gezüchteten Glau- bens an Jesus, den Christus, für die Machtpolitik eines sich selbst vergötternden Priesterbundes, macht ebenso das Wesen Rom aus, wie es, unter anderem Namen, das Wesen der Priesterpolitiker in Aegypten, in Babylon und Etrurien gewesen ist. Die Sakramente der katholischen Kirche sind für die Nationalsozialisten„die letzte Ausschaltung menschlicher Eigenständigkeit zugunsten eines schemenhaften Amtes." So erklärt es sich, daß die Nazis auch mit der Kirchengeschichte wenig Rühmliches anzu- fangen wissen; Konstantin, der erste christliche Kaiser, wird nachdrücklich als„Sohn eines Schankmädchens aus Bethynien" erniedrigt, die Christenverfolgungen werden als verhält- nismäßig harmlos hingestellt. Vom nizäischen Glaubensbekenntnis heißt es:„Mit Stim- menmehrheit von Mönchen beschlossen, die zum Teil nicht lesen noch schreiben konnten". Andere Lehrsätze der Kirche sind„zustande- gekommen auf Räubersynoden, auf denen mit Stockhieben religiöse Fragen entschieden wurden." Das Schlimmste aber wohl, was die Ratio- nalsozialisten dem Christentum nachsagen, ist, daß es sich aus denselben Wurzeln entwickelt habe, aus der später der Talmud und dann Karl Marx gewachsen sind.„Die triebhafte Statistik des Marxismus bildet auch das Rückgrat der römischen Kirche." Die Nazis wollen das Christentum durch das Mysterium des nordischen Blutes über- winden und ersetzen. Mit triumphierender Befriedigung wird festgestellt, daß Wotan und der alte Glaube des glühenden Ratio- nalismus allen Verwünschungen und Ver- folgungen der Kirche getrotzt hätten: „lieber die Urkraft nordischer Ueberlieferung, die auch Bonifazius und seine Nachfolger bis auf den heutigen Tag nicht vernichten konnten, ist man in Rom(auch in Wittenberg) tief empört." Dies also sind: die deutschen Christen, die den Freidenkern vorwerfen, daß sie die Reli- gion lästerten! Weihnachtssrieden zwischen Bolivien und Para- guay war tönend verkündet. Tatsächlich haben, einer Mitteilung des bolivianischen Kriegs- Ministeriums zufolge, bolivianische Kriegsflugzeüge einen erfolgreichen Bombenangriff auf die paraguayanische Stadt Bohia Negra ver- übt. Seeabrüstung. Anfang Januar werden ein neues japanisches Minenboot mit 1400 Tonnen Wasserverdrängung und ein Zerstörer, 900 Tonnen groß, in Bau' gegeben. Die Kriegsschiffe sollen 1934 in den chinesischen Gewässern«ingesetzt werden. Die beiden weihnachlsseiertage mit dem milden und größtenteils heiteren Wetter sind in Berlin völlig ruhig verlaufen, sogar die politischen Radikalinskis haben diesmal von Auseinandersetzungen abgesehen. Die Polizei hatte wirkliche Feicrkagsarbeit, kein Word, kein schweres Verbrechen rief die Kommissare an ihre Arbeil. Lediglich bei der Berliner Feuerwehr herrschte an beiden Tagen ein recht slotter Betrieb und in zweimal 24 Stunden wurde die Feuerwehr nicht weniger als t00mal alarmiert. Mit den üblichen Weihnachtsbaum- und Gor- dinenbränden am Heiligabend begann es— dann setzten eine Unmasse von böswilligen und Falsch- alarmen ein. In etwa zwanzig Fällen mußten die Feuerwehrsamariter bei Gasvergistungen Hilfe leisten. Zum größten Teil handelte es sich hier um Selbstmorde und Selbstmordversuche. Zehn Lebensmüde konnten noch rechtzeitig gerettet werden. In der Alexandrincnstraße vergiftete sich der 4t Jahre alte Buchdrucker Erwin M. durch Gas. Als Angehörige die Tat entdeckten, war M. bereits tot.— Bor dem Portal Iii des Berliner Doms am Lustgarten wurde in den ersten Morgen- stunden des 1. Feiertages von Schupobeamten ein etwa 39 Jahre alter Mann mit einer Schrß- wunde in der Schläfe tot ausgefunden. Nach dem Befund liegt zweifellos Selbstmord vor. Die Waffe lag noch neben dem Toten. Die Kriminalpolizei ist bemüht, die Personalien des Lebensmüden zu er- Mitteln.— Ein junges Mädchen, die 29jährige Erika von P. aus Halensee, vergiftete sich mit Verona!. Die jugendliche Selbstmörderin wurde noch lebend ins Martin-Luther-Krankenhaus Iber- führt, wo sie aber wenige Stunden später trotz aller Rettungsversuche starb. Das Motiv zur Tat ist unbekannt. k�auküberka!! am Heilisslzeiicl Am Heiligabend wurde aus den S2 Jahre alten Seisengrossisten Friedrich K. ein verwegener Raubübersall verübt. Der Kaufmann hat seine Geschäfts- und Wohnräume in der Kalck- reuthstraße 16. Kurz vor 19 Uhr erschienen zwei junge Burschen unter der Maske von harmlosen Kunden. Plötzlich zogen die vermeintlichen Käufer Pistolen hervor und drohten K. mit Er- schießen. Der Wehrlose wurde dann von den Banditen gefesselt und geknebelt. In aller Eile durchsuchten die Täter sämtliche Behältnisse und rairbten 999 Mark bares Geld. Dem Ueberfallenen zogen sie dann noch einen Brillantring ab und raubten die goldene Uhr mit Kette. Als bald darauf der Kaufmann in seiner Lage- itdeckt wurde, waren die Täter längst über alle Berge. Nach ihrem ganzen Vorgehen müssen sie mit den Gepflogenheiten des Geschäftsmannes genau ver- traut gewesen sein. 1\)clesopker des Verkehrs Der Straßenverkehr hat am ersten Feiertag ein Todesopfer gefordert. Gegen 4 Uhr morgens wollte der 61 Jahre alte Otto M o st aus der Steinnietzstraße 51 in Neukölln an der Ecke Belle- Allionce und Baruther Straße den Fahrdamm überschreiten. In diesem Augenblick kam in rasen- der Fahrt ein Auto herangebraust. M. wurde von dem Wagen erfaßt und mehrere Meter mit geschleift. Ohne sich um den Schwerverletzten zu kümmern, raste der gewissenlose und schuldige Fahrer weiter und suchte sein Heil in der Flucht. Bisher konnte der Bursche noch nicht ermittelt werden. Most wurde in das Ilrbankrankenhaus übergeführt, wo er am zweiten Feiertag seinen schweren Verletzungen erlegen ist. fenstersluns in der Trunkenheit In der Höchst«straße wurde der 23 Jahre alte Willi W. ein Opfer der Trunkenheit. W. lehnte sich aus dem Fenster der im zweiten Stock- werk gelegenen Wohnung hinaus, verlor dabei das Gleichgewicht und stürzte kopfüber in die Tieke. Mit einem doppelten Schädelbruch blieb der Ver- unglückte bewußtlos liegen. Durch die Feuerwehr wurde der junge Mann ins Krankenhaus am Friedrichshain gebracht. Sein Zustand ist sehr ernst. Demokratie im Kampf Line I�ede Alhardas Eigener Beridit des„Vorwärls" Amsterdam. 26. Dezember. Anläßlich einer sozialdemokratischen Kund- gebung am ersten Weihnachtstage wies Partei- Vorsitzender Genosse A l b a r d a auf die gegen- wärtige Notlage in den Niederlanden hin, die dazu geführt hat, daß mehr als eine Million oder ein Siebentel der Bevölkerung auf öffentliche Unterstützung angewiesen ist. Das heutige System der Kontingentierungen, nur um die kapitalistische Produktionsweise zu er- halten, müsse zu den Zuständen vergangener Jahr- hunderte zurückführen, wenn sich nicht di« Ar- beiterklasse aller Länder zu ein- wütigem Kampf dagegen erhebe. Das sei auch eine der nachteiligen Folgen des Ver- sailler Vertrages, der jetzt seiner schädlichen Wirkungen wegen größtenteils vernichtet sei, da die Sieger von ISIS jetzt einer reaktiv- nären deutschen Regierung zugestehen mußten, was sie früher der demokratischen deutschen Regierung verweigert haben. Alle Diktatoren Europas sollten daher endlich be- greifen, daß die geistigen Kräfte auf die Dauer stärker seien als die Gewalt. Albarda sagte weiter: Jetzt ist die Ab- rüstungskonferenz in eine entscheidende Phase getreten, der nur die Alternative bleibt, daß entweder Deutschland wieder ein Militärstoat wird oder alle anderen Staaten auch abrüsten. Hier geht es um Krieg oder Frieden, um Untergang oder Rettung der europäischen Knltur. Deutsch- land selbst muh wissen, was Militarismus be- deutet. Aber auch in den Niederlanden sollten die Waffen für den Massenmord endgültig weg- geräumt werden. Der Glaube an die Gewalk ist eine Folge der politischen Zerrüttung durch den Wellkrieg. Aber darum ist in drei Vierteln von Europa, die unter Diktatur seufzen, der demokratische Gedanke nicht erloschen. Unter diesem Gesichtspunkt der Behauptung der Demokratie ist di« niederländisch« Parla- m e n t s w a h l von 1933 von großer internatio- naler Bedeutung. Wenn indessen bestimmte Gruppen in den Niederlanden eine nationale Regierung mit Einbeziehung der Sozialdemokratie erstreben, so muß die Sozialdemokratische Arbeiter- partei es ablehnen, in einer solchen Kombi- nation die Verantwortlichkeit für die Politik einer Mehrheit von Gegnern zu übernehmen. Die deutsche Agrarpolitik Eigener Beridit des„Vorwärts" Amsterdam. 26. Dezember. Die Regierung richtete im Hinblick auf den am 31. Dezember 1932 ablaufenden Zoll- und Handels- vertrag mit Deutschland aus dem Jahre 192S an die deutsche Regierung die Anfrage, ob sie zu neuen Unterhandlungen und zu unverän- derter Verlängerung des bisherigen Vertrages während der Dauer der Unterhandlun- gen bereit sei. Die deutsche Regierung erklärte sich daraufhin zu Verhandlungen über einen neuen Vertrag im Januar 1933 bereit, lehnte aber die Beibehaltung der geltenden Zoll- sätze ab, soweit sie nicht durch andere Handels- Verträge gebunden sei. Gleichzeitig teilte sie mit, daß die Zollsätze für zahlreich.- Erzeugnisse der Landwirtschaft und des Gartenbaues mit Wirkung vom 1. Januar 1933 bedeutend erhöht würden. Groener lobt Schleicher Fast wie— Brüning! Der Reichswehrminister a. D. General Groener beschäftigt sich in der„Vossischen Zeitung" mit dem Fünfmächteabkommen, wobei er Herrn von Schleicher fleißig lobt. Er schreibt: „Die deutsche Regierung hat hohe p o l i t i» sche Weisheit gezeigt, als sie dem Abkam»- men ohne Zögern zustimmte. Der neue Reichskanzler ist damit in die Fuß» tapsen von Dr. Brüning getreten, und man darf wohl annehmen, daß er bei seiner vorsichtigen Art in außenpolitischen Fragen die weitere Verständigungsmöglichkeit nicht etwa durch vorzeitige Schritte wieder erschüttern wird. Es muß eben doch einmal zu dieser Ver- ständigung zwischen Deutschland und F-ankreich kommen, nicht etwa im Tempo der leichten Kavallerie, sondern im Schritt- maß der Weisheit. Der neue Reichskanzler ist dafür der geeignet« Mann, so wie es auch Dr. Brüning gewesen wäre, mit dem er in geijti- ger Beziehung manche Aehnlichkeit hat." Eine Darstellung der geistigen Aehnlichkeit zwischen Brüning und Schleicher müßte eine hoch- interessante Studie sein, die eine ganz besondere Kunst des Suchens und Findens voraussetzen würde! Das Lob Groesters für Schleicher wie der Vergleich Schleichers mit Brüning deckt das zwischen den Zeilen stehende Urteil über den Nadelstiche Die Thüringer �kaztiregierung auf dem Kriegspfad Das Thüringische Innenministerium hat die sol- gende Verfügung erlassen: Thüringisches Ministerium des Innern III E. 6 699— Weimar. An die Thür. Landesheil- und Pflegeanstalt Hildburghausen. Betr. das Auslegen von Zeitungen. Das Auslegen von kommunistischen, s o- z iald e m o kratisch e n und freige- werkschaftlichen Zeitschriften und Zeitungen in den Räumen der Anstalt wird hiermit verboten. Wir ersuchen umgehend, das Erforderliche zu veranlassen, gez. S a u k e l. Vorstehende Verfügung des Thür. Ministe- riums des Innern wird hiermit zur genauesten Beachtung bekanntgegeben. Die Direktion der Thür. Landesheil- und Pflegeanstalt, gez. Dr. M e n ch e. Nationalsozialistische Zeitungen und Zeitschristen dürfen natürlich ausgelegt werden. Mit dieser Nadelstichpolitik wird die thüriger Naziregierung die ohnehin auf dem letzten Loche pfeift, wrder der Sozialdemokratie noch den freien Gewerk- schaften Abbruch hm. Kavalleristen Papen und seinen Wehrminister Schleicher. Groener redet von Brüning, um nicht von sich selber zu reden. In Wahrheit sagt er: lieber Sohn, du hast mir zwar den Dolch in den Rücken gebohrt— aber jetzt kannst du auch nichts anderes tun, als was ich dir vorgemacht habe! Die fliegende Bettelbüchse Hitlers Fliegerei schreit nach Geld Das sogenannte Nationalsozialistische Flieger- korps, an dessen Spitz« der Reichstagspräsident Göring steht, erläßt einen geschwollenen Aufruf. Man müßte danach annehmen, daß die NSDAP. nichts geringeres vorhabe, als eine Luftflotte zu bilden. Man liest darin: „Knopp und klar: Wir brauchen das mas- sige Fundament von sagen wir 19 999 Sportfliegern! Hat's euch noch nicht zu denken gegeben, wenn ihr in den Zeitschriften und in den Wochenschauen der Kinos die Luft» gefchwader der Polen oder der Fron» z o s e n gezeigt bekommt? Habt ihr euch nicht ge- schämt, als ihr dort die sowjetrussischen Fliegersch wärme zur Feier des 1 Mai in musterhafter Ordnung über den Kreml hinziehen saht? Ahnt ihr nun, wie groß und wie gewaltig unser aller Aufgabe ist? Wißt ihr jetzt, welchen Vorsprung wir alle«inzuholen haben? Narr, wer auf Hilfe von außen hofft! Hilf dir selbst, so Hilst dir Gottl„Freiheit und Brot!" heißt unsere Parole. Auch die Freiheit fällt uns nickst als Him- melsgefchenk in den Schoß— wir müssen sie er- ringen. Eins der wichtigsten Kampfmittel hierzu aber ist die Fliegerei. Unser Führer Adolf Hitler hat das klar erkannt und— wie das nun mal sein« Gewohnheit ist!— sich nicht auf diese Erkennt« nis beschränkt, sondern gehandelt. In der SA. waren neben den Einheiten zu Fuß auch schon Reiterstürme und Motorstürme formiert worden. Jetzt wurden auch Fliegerstürme ausgestellt. Aber damit ist es noch nicht getan. Wohl kämpfen in unseren Reihen, vom Haupt- mann Göring, dem letzten Kommandeur des Jagdgeschwaders v. Richthofen angefangen bis zum kleinen Flugwart bei der Fliegerabteilung 17, viele alte Kriegsflieger und Fliegersoldaten,— aber ihre Zahl genügt bei weitem nicht. Außer- dem: Soll denn die best« deutsche Jugend, die sich danach sehnt, fliegen zu dürfen,' einfach aus- geschloffen bleiben? Mögen die Herren, die jetzt noch in der Macht sitzen, mit dem Kopf wackeln — Adolf Hitler will den deutschen Jungen? schon jetzt zum Fliegen ver- helfen." Klingt das nicht ganz martialisch nach Lustauf- rüstung von Hitlers Gnaden? Im Grunde aber geht es um etwas ganz anderes; denn nach diesen kriegerischen Deklamationen liest man: „Es ist eine alt« Weisheit, daß zum Krieg- führen dreierlei gehört: Geld, Geld und noch- mal Geld. Aber die eingehenden Gelder langen natürlich weder hinten noch vorne zu." Auf das Geld kommt es an, das in der NSDAP, hinten und vorne knapp ist! Die SA. steht mit den Bettelbüchsen an den Straßenecken, und das Nazifliegerkorps bettelt auf seine Weise. Wie wäre es zunächst einmal mit einer fliegen- den Bettel büchse? In der USA.-Präsidcntenwahl haben noch amt- licher Mitteilung erhalten R o o s e v e l t 22 813 786 und H o o v e r IS 759 266 Stimmen. Die Stim- inenzahl für Norman Thomas, den Kandi- baten der Sozialisten, fehtt in dieser Meldung. Die von der Landstraße �Ve!tinacKten im tluxendwancieiHheim— Junge Menschen ohne Ziel To sieht die Landstraße im Winter aus: Regen, Nebel, Feuchtilikeit und Kälte. Nur zwischendurch die Sonne, ihre Strahlen wärmen kaum, die Dun- kelheit bricht srüh an. Die dürftige Kleidung der Tippelbrüder schützt nicht gegen Kälte, die dünnen Sohlen lassen Nässe durch, die handschuhlosen Finger finden in den Taschen nur wenig Schutz. Dos Uebernachtcn auf den Heuböden ist unmög- lich: der Nachtfrost ist der schlimmste Feind. Nur geringe Strecken kann man im Lauf« des Tages zurücklegen. Die Herberge mit ihrer Wörme und der Suppe ist der einzige Hoffnungsstrahl... Wer im Winter die Landstraße entlang tippelt, dem geht es bestimmt nicht gut. Es sind die Landarbeiter ohne Bleibe, die arbeitslosen Bur- schen. deren erwerbslose Väter von der Wohl- fahrtsunterstützung ihre großen Jungen nicht durchhalten können oder ihnen immer wieder wegen ihrer Untätigkeit Vorwürfe machen. Dann gehen die Burschen lieber los. Tie klappern die Landstraße ab, von Herberge zu Herberge, ohne Lust und Freude. Das einzige, was sie sich nicht nehmen lassen, das ist der Galgen- Humor. So seiern sie auch Weihnachten in der Fremde... Im Charlottenburger Jugendwander- heim waren es 50 junge Burschen, viel Bayern, Rheinländer, Saarländer, Schlesier, Sachsen, Ost- und Westpreußen. Im Jugendheim saßen sie auf lange» Bänken, sangen Weihnachlslieder vor dem Tannenbaum und sahen sich zwei Theater- stücke an, die von den Jungens aus dem Jugend- heim gespielt wurden. Es war ein schöner Abend sür diese vom Lebe» enttäuschten jungen Men- sckxn und sie tauschten später noch lange ihre Er- lebnisse von den Märschen auf endlosen Straßen aus. Und alle hatte» sie nur die eine Sehnsucht: Wie die andere», denen es besser geht, daheim bei den Angehörigen unter dem Weihnachtsbaum sitzen zu können, ahn« am nächsten Tag« wieder ins Ungewisse hinaus die Landstraße entlang- tippeln zu müssen. Fest der Gemeinschaft In dem Gebäude des jrüheren Chemischen Laboratoriums aus dem Gelände der alfen Span- dauer Pulverfabrik, wo einst die Versuche für Explosivstoffe gemacht wurden, Hot der Soziale Dienst für seine im Freiwilligen Arbeitsdienst tätigen Kameraden ein Heim ge- schassen, das als mustergültig zu bezeichnen ist. In dem großen Gemeinschaftssaal wurde«ine Weihnachtsfeier durchgeführt, die besondere Er- wähnung verdient. Die Feier wurde mit dem Gesang:„Wenn wir schreiten Seit' an Seite"«ingeleitet. Der stell- vertretende Leiter des Lagers Genosse P e h l a begrüßte die anwesenden Gäste, von denen als Der- tretcr des Bezirksamts Bürgermeister Stritte, vom Arbeitsamt Direktor Taub man» und Stadtrat Genosse B e r g e m a n n erschiene» waren, und dankte ihnen mit herzlichen Worten für die bisherige weitgehende Unterstützung. Selbstverständlich fehlte nicht die Bescherung der 80 Kameraden. Mit strahlenden Augen und innerer Freude wurden die Geschenke entgegen- genommen. Der Vorsitzende des Sozialen Dienstes, Genosse Lück, gab«inen Rückblick auf die Eni- stehung des Weihnachtsfestes und ermahnte zur inneren Verbundenheit. Kameradschaftlichkeit und Einigkeit. Allen wurde so das Weihnachtsfest als Fe st der Gemeinschaft, der Solidarität und der Kameradschaft nahe gebracht. In wenig Worten Eine furchtbare Entdeckung machte die Poriser Polizei in einem kleinen Dorf in der Nähe von C a h o r e. Die Bewohner der Ortschaft Hutten seit Mittwoch eine 72 Jahre alte Bauernfrau nicht mehr zu Gesicht bekamen und deshalb die Polizei benachrichtigt. Als sie in das offenstehende 5?aus eindrang fand sie die unglückliche Frau, von Schweinen angefressen, in ihrem Wohn- zimmer vor. Neben ihr lagen in buntem Durch- einander sämtliche Wertpapiere, so daß man ner- mutet, daß die Unglückliche das Opfer eines Ver» brechens geworden ist. * Wie die Schweizerische Erdbebenwarte von Neuenburg habe» auch die Seismographen der Jentralanstolt für Meteorologie und Geody- »amik in W i e n gestern ab ll Uhr 15 früh mittel- europäischer Zeit ei» überaus heftiges Fern» bebe n verzeichnet, dessen Herd in einer Eni- fernung von etwa lv!M Kilometer liegen dürfte. Man nimmt an. daß er wahrscheinlich in Nord- china zu suchen ist. * Bon unbekannten Tätern wurde am Heiligen Abend gegen ll Uhr nachts durch ein Fenster der Wohnung des Pfarrers Fischer in Saatfeld eine mit Salzsäure und Karbid gefüllte Flasche geworfen, die mit lautem Getöse explodierte und in, Zimmer große Verwüstungen anrichtete. Ver- letzt wurde niemand. Eine zweite Aetzbombe gleicher Art wurde nach der über der Pfarr- wohnung gelegenen Wohnung eines Polizeiober- inspektors geworfen, prallte aber am Fensterkrcuz ab und explodierte auf der Straße. Tragödie am Fest Vom öallcon Aeeturirt Eigener Bericht des„Vonvärts" Liegnih, 26. Dezember. Eine furchtbare Tragödie spielte sich am Vormittag des zweiten Feiertages in der Wohnung des Oberregierungs- und Baurats Dr. S ch i l l i n g in Liegnitz ab. Die 49 Jahre alte Ehefrau Kate Schilling hatte sich an den Ofen gestellt, um sich zu wärmen. Plötzlich singen die Kleider Feuer. Die Frau rannte brennend und laut schreiend im Zimmer umher. Ein im gleichen Hause wohnender Arzt war sofort zur Stelle und brachte die erste Hilfe. In ihrem Schmerz und in der Erregung rannte sie jedoch, ehe der Arzt und die gleichfalls anwesende Vedienungssrau es verhindern konnten, durch die offene Balkontür und stürzte sich von dem Balkon im dritten Stockwerk in die Tiefe. Sie war sofort t o t. Raubübersall aus Ll-Bahn Geistesffexenwart der Beamtin Am ersten Feiertag gegen Mitternacht kam am tl-Bahnhof Friedrichstadt ein junger Mann die Treppe herunter, der sich auffällig nach allen Seiten umsah. Als er glaubte, unbeobachtet zu sein, sprang er auf das S ch a l t e r f e n st e r zu. Er schlug die Scheibe ein und griff nach Fahr- karten und den einkassierten Geldern. Die erschreckte Verkäuferin rief laut um Hilfe. Sie hatte soviel Geistesgegenwart, die Hände des Mannes festzuhalten. Zufällig war in dem Augen- blick des Ueberfalles ein Zug in den Bahnhof ein- gelaufen. Einige aussteigende junge Leute hörten die Hilferufe und rannten auf den Räuber zu. Der hatte sich inzwischen losgerissen und flüchtet«. Er wurde aber verfolgt und tonnte in der Putttammerstrahe eingeholt und verhaftet werden. Brand im Irrenhaus In einem Pavillon des Irrenhauses in Heiloo in der Provinz Nordholland brach am Morgen des ersten Weihnachtstages ein Brand aus. In dem Pavillon befanden sich IM Kranke, derer sich größte Erreg.mg bemächtigte. Den Be- mllhungen des Pflegepersonals sowie der Feuer- wehr gel mg es jedoch sämtliche 166 Personen i» Sicherheit zu bringen. Der Pavillon brannte voll- ständig nieder 8. Abt. Mittwoch, 28. Dezember. Die Mitglieder- Versammlung fällt aus. Die Bezirksführer rechnen von 26—22 Uhr ab bei Rickert, Steinmetzstr. 36ä. Wetter für Berlin und Umgebung: Abgesehen von Morgennebel meist heiter, nachts leichter Frost, am Tage Temperaturen wenig verändert. Leichte südöstliche Winde.— Für Deutschland: Im Nord- osten des Reiches Wetterbesserung, im sMicken und südöstlichen Deutschland noch vielfach neblig- trübe bei Temperaturen um Null. Im übrigen Reiche vielfach heiter, im Küstengebiet jedoch stellenweise nebelig. Die Not der Jugend Das Notwerk der Reichsregierung Reichspräsident und Reichsregierung teilen in einem Aufruf mit, daß ein„Notwerk der beut- schen Jugend" geschafsen werden soll. Der Aufruf lautet: „Die Not der Arbeitslosigkeit lastet schwer gerade auch auf der deutschen Jugend. Weder Arbeitsbeschaffung noch Arbeitsdienst können ver- hindern, daß mit dem Anbruch des Winters Hunderttausende von jungen Deutschen mit dem Schicksal der Erwerbslosigkeit und der Untätigkeit zu ringen haben. Darum rufen Reichspräsident und Reichsregierung das deutsche Volk am Weih» nachtstage zum Notwerk der deutschen Jugend auf. Das Notwerk soll der arbeitslosen Jugend Gelegenheit zu ernsthafter beruflicher Bildungsarbeit bieten und ihr sonstige sinnvolle geistige und körperliche Betätigung ermöglichen. Es soll ihr in Verbindung damit täglich eine gemeinsame warme Mahlzeit sichern. Gemeinsinn und Hilfsbereitschaft aller Teile der Bevölkerung müssen in diesem Notwerk zusammen- wirken, um die arbeitslose Jugend körperlich und geistig gesund und lebenstüchtig zu lrhalten und ihren Willen zu kameradschaftlicher S e l b st h i l f e zu stärken. Die freiwilligen An- strengungen der Bevölkerung werden die plan- mäßige Unterstützung des Reichs erfahren. Die Reichsregierung stellt allen geeigneten Einrich- tungen, insbesondere auch freiwilligen Kamerad- schasten junger Arbeitsloser, die sich in den Dienst des Notwerks stellen und es praktisch verwirk- lichen, Beihilfen zur Verfügung. Sie sollen vor allem die vorgesehene Verpflegung ermög- lichen. Dazu werden die folgenden amtlichen Er» läuterungen gegeben: „Das Notwerk der deutschen Jugend, zu dem Reichspräsident und Reichsregierung aufrufen, wird auf Anordnung des Reichsardettsminifters durch die Re ich sonst alt für Arbeits- Vermittlung und A r b e i ts lo s e n v e r- s i ch e r u n g durchgeführt. Für das Notwerk stehen aus Reichsmitteln in dem laufenden Haus- haltsjahr 9MillionenMarkzur Verfügung. Hieraus dürfen Beihilfen solchen Einrichtungen und insbesondere auch solchen freiwilligen Kameradschaften gewährt werden, die allein oder im Zusamenwirken mit anderen Stellen junge ArbeitsloseimAlterbiszu 25 Jahren außer zu gemeinsamer Mahlzeit durchschnittlich mindestens vier Stunden am Tage zusammenhalten. Hiervon sollen nach Mög- lichtest zwei Stunden der beruflichen Fortbildung dienen, die übrige Zeit soll sportlicher Betätigung und geistiger Bildungsarbeit gewidmet sein. Die Beihilfen sollen so berechnet werden, daß höchstens je nach den örtlichen Verhältnissen 1 5 bis 25 Pfennig für jeden Teilnehmer gewährt werden. Sie haben regelmäßig zur Vor- aussetzung, daß sich auch andere— private oder öffentliche— Stellen mit eigenen Mitteln an der Verpflegung und den sonstigen Aufgaben des Not- werks beteiligen. Die Reichsanstalt für Arbeits- Vermittlung und Arbeitslosenversicherung wird die hiernach erforderlichen Maßnahmen im engsten Einvernehmen mit den Körperschaften, Ber- bänden, Vereinigungen und allen sonsttgen Stellen einleiten und durchführen, die sich nach ihrem Aufgabenkreis mit der Hilfe für die arbeitslose Jugend befassen. Zur Förderung des Notwerks sollen unverzllg- lich in den Bezirken aller Arbeitsämter Arbeitsgemeinschaften gebildet werden. Sie sollen unter Vermeidung über- flüssiger Organisationsarbeit alle Stellen zu- sammenfassen, die sich der arbeitslosen Jugend an- nehmen: Neben dem Arbeitsamt vor allem die Gemeinden(Jugend- und Wohlfahrtsämter, Be- rufsschulen), die freie Wohlsahrts- und Jugend- pflege(insbesondere die Winterhilfe), die Geist- lichkeit und Lehrerschaft, die Jugendverbände aller Art, die Berufsverbände der Arbeitnehmer, Arbeitgeberveremigungen usw. Der Reichsarbeitsminister hat sich an lämtliche Landesregierungen sowie an die in Betracht kommenden Spitzenverbände mit der Bitte nm Unterstützung des Notwerks gewandt." Krise schlingt weiter Nun auch>Vhite-Ltar London, 26. Dezember. „Sundoy Expreß" zufolge befindet sich die eng- lische White St a r- Dampfschiffahrtsgesellschaft in finanziellen Schwierigkeiten. Zu Beginn des neuen Jahres werde ein Vierer-Ausschuß ein- gesetzt werden, um die Interessen der vier Haupt- gläubiger der Gesellschaft einschließlich des eng- lifchen Schatzamtes und der nordirischen Regierung zu wahren. Die Lage der White Star Line sei ein großes Problem für die englische Regierung und die übrigen Gläubiger. Ein stück- weiser Verkauf der Flotte würde angesichts der Schiffahrtskrise einen größeren Verlust bedeuten, andererseits sei zu befürchten, daß bei einem Verkauf im Ganzen, die Flotte in die Hände der ausländischen Konkurrenz übergehen könnte. Großfeuer verhütet Mißglückte Brandstiftung Durch einen raffiniert angelegten Plan sollten gestern nachmittag die beiden Dachstühle des Hauses Schinkestraße 22 in Neukölln eingeäschert werden. Lediglich einem Zufall war es zu danken, daß die v r a n d sl i s t u n g im letzten Augenblick verhindert wurde. Auf einem Bodenverschlag, dort wo die Dach- stühle des Vorder- und Hinterhauses aneinander grenzen, hatte der Verbrecher einen Sack Holz- s p ä n e ausgeschüttet und mit Benzin über- gössen. In die Mitte gieses Scheiterhaufens hatte der Bursche ein Licht gestellt und es angezündet. Wäre das Licht unbemerkt ganz her- untergebrannt, hätte der ganze Boden und der darüberliegende Nachstuhl im Nu in Flammen ge- standen. Zufällig begab sich ein Mieter des Hauses, der in einem Verschlag Tauben züchtet, nach oben um nach dem Rechten zu sehen. Der Mann entdeckte das Verbrechen, löschte das Licht und alarmierte unverzüglich die Kriminalpolizei. Strenge Opposition Breitscheid üher die Haltung der Sozialdemokratie Paris. 26. Dezember. Breitscheid veröffentlicht am heutigen Montag im„Populaire" einen Artikel, in dem er die Hast tung der Sozialdemokraten gegenüber der Regie- rung von Schleicher darlegt. Breitscheid oerwahrt sich gegen die Ansicht, daß die Reichsregierung von den Sozialdemokraten unterstützt oder auch nur geduldet werde. Der erbitterte Kampf, den er und seine Freunde gegen das Kabinett Papen geführt hätten, habe im Ausland die Meinung aufkommen lassen, als ob sie sich mit dem Kabinett Schleicher abfinden würden. In Wirklichkeit nehme die deutsche Sozialdemokratie jedoch eine streng oppo- sitionelle Haltung«in. Die neue Re- gierung unterscheide sich zwar in verschiedenen Punkten von der Papens. Sie sei vor allem wesentlich geschickter und habe für die Notwendigkeiten der Gegenwart ein viel größeres Verständnis. Sie wisse, daß sie großen Schwierigkeiten begegne, die man nicht einfach aus dem Weg räumen könne, sondern die umgangen und vernichtet werden müßten. Wenn Schleicher deshalb im Augenblick darauf verzichte, das Pro- gramm der Verfassungsänderung durchzuführen, so bedeute dies nicht, daß er«in überzeugter Demo- krat sei, sondern daß er die bestehenden Schwierig- leiten nicht noch durch neue verschärfen wolle. Der Beiname„sozialer General", den ihm die bürgerlichen Parteien gegeben hätten, sei jedoch ebenso unverdient, wie wenn man einen Offizier loben würde, da er für Unterbringung und Ver- pflegung seiner Soldaten sorge, um die Moral der Truppe zu heben. General von Schleicher sei zwar nicht aus demselben Holz geschnitzt wie der ehemalige Reichskanzler von Papen. Das Holz stamme aber aus demselben Walde. Wenn Schleicher das Wirtschaftsprogramm seines Vorgängers ubernehme, so bedeute das nicht einmal, daß er auf die kapitalistische Lösung verzichte, die sein Vorgänger angestrebt habe, und die von den Sozialdemokraten immer wieder zurückgewiesen worden sei. General von Schleicher habe keinerlei Unterstützung von den Sozialdemokraten zu erwarten. Wenn er seine Bemühungen zur Herstellung einer parlamentarischen Grund- lag« von Erfolg gekrönt sehen wolle, so werde er sich an die Nationalsozialisten wenden müssen. Der Mohr kann gehn... Wie Nazigrößen ihre Werkzeuge behandeln In Glauchau in Sachsen arbeitete die Orts� gruppe der NSDAP, mit den wildesten Verleum- düngen gegen die Sozialdemokratie. Namentlich der Fraktwnoführer der Nazis un Stadtparlament Schubert, tat sich dabei hervor. Gegen die Verleumder wurde gerichtlich vorgegangen. Nun stellt sich heraus, daß sie i in Auftrag v e r- l e u m d e t haben, und daß die Drahtzieher ihre Werkzeuge im Stich lasien. Der Fraktionsführer der NSDAP im Glauchauer Stadtparlament hat dem Gauleiter der NSDAP, in Sachsen, dem Fabrikanten M u t s ch m a n n, den folgenden Brief geschrieben: „Glauchau, den 28. Nov. 1932. Einschreiben. Herrn Martin Mutschmann, M. d. R., Plauen i. B. Es ist Ihnen nicht unbekannt, daß ich in meiner früheren Tätigkeit als Fraktionssührer der NSDAP, im hiesigen Stadtparlament und als Ortsgruppenleiter mir drei Beleidigungs- klagen von politischen Gegnern zu- gezogen habe Im Reichstogswahlkampf 1930, als es hart auf hart ging, habe Ich das mir von Parteigenossen übergebene Material gegen SPD.-Angehörige in Flugblättern verarbeitet, die ich verantwortlich zeichnete. Die Flugblattentwürfe haben seinerzeit der Gauleitung vorgelegen und sind von Zhrem Herr» Dr. Falsch genehmigt worden Während es sich hier um zwei Fälle handelt, liegt im dritten Fall eine von mir in einer Stadt- verordnetensitzung vorgelesene Erklärung zugrunde, die sich gegen den links eingestellten S t a d t b a u- direkter S. richtete. Die Erklärung hatte ich den anderen Fraktionsmitgliedern vorgelegt. Die Unterlagen Halle ich von dem jehioen Orks- gruppenleiter der NSDAP.. Dr. Villmann, erhalten. Obwohl mir Dr. W. die Angelegenheit als wahr hinstellte und übrigens, bevor er mir die Mitteilung machte, den Vorfall dem Bau- meister St. mitgeteilt hatte, beauftragte ich chn trotzdem, genaue Erkundigungen bei städtischen Amtsstellen einzuziehen. Dr. W. gab mir kurze Zeit darauf die Erklärung, sich beim Wasser- Werksdirektor R., im Gaswerk und auf dem Rathaus erkundigt zu haben mit dem Erfolg, daß die Sache, so wie sie mir Dr. W. vorher gelch'ldert hatte, in Ordnung gche. Der nationalsozialistische Stadtverordnete Vogel machte Mir zu dieser Sache aus diensllichem Wege ergänzende Angaben. Er wurde von mir eben- falls darauf hingewiesen, daß ich die Angelegen- heit als Fraktionsführer im Stadtparlament vor- bringen würde und deshalb die Angaben einwand- frei sein müßten. Es stellte sich aber heraus, daß Dr. Vitlmann und Vogel die Angaben aus der Lufl gegriffen halten. Vogel, der in der ersten Instanz als Zeug« von mir verlangt worden war, kam der Vorladung nicht nach. Da ich mit meiner Freisprechung rechnete und bei einer evtl. Verurteilung die Ab- ficht hatte, Berufung gegen das Urteil einzulegen, so verzichtete ich auf die zwangsweise Vorführung des Vogel. In den Prozessen, die lange Zeit nach meiner unberechtigten Absetzung als Orts- gruppenleiter und Fraktionsführer der NSDAP. stattfanden, wurde mir von der Porlei kein Verteidiger gestellt. Die nationalsoziali st ischen Zeugen zeigten wenig Lust, aus sich herauszugehen und litten an Vergeßlichkeit. In einer Sache legte ich Berufung gegen das Urteil des Schöffen- gerichts Glauchau ein. Obwohl ich mich hier auch ohne Verteidiger beHelsen mußte und deshalb mein Rechtsmittel nur auf die Strafhöhe beschränkt Halle, erzielte ich einen Erfolg. Die Geldstrafen von 1S0 M und 100 M. wurden aus 70 M. und 30 M. herabgesetzt und die Veröffentlichungs- befugyis des Urteils wurde wesentlich eingeschränkt, auch die Ersatzsreiheitsstrafe wurde von 50 auf 10 Tage zurückgesetzt. Sie sind über diese Prozesse und über Glauchauer Parteiangelegenheiten von mir und von anderer Seite stets hinreichend unterrichtet worden. Ich verweise u. a. aus die schrislliche und mündliche Intervention des Herrn Pfarrer Krieger, E s ch e f e l d Es war aber alles für mich er- folglos Da ich nicht in der Lage war, die Strafen zu bezahlen, und da ich auf eine Amnestie rechnete, habe ich die Abbüßung der Ersatzfreiheitsstrafe durch Gesuche an das Amtsgericht und an das Justizministerium hinauszuschieben versucht. Nach der zweiten ablehnenden Antwort des Justiz- Ministeriums erbat ich vom Amtsgericht noch eine kurze Frist zur Einreichung eines Gnaden- gesuches an den Reichspräsidenten. Im Begriffe, dieses Gesuch abzusenden, besuchte mich der verantwortliche Leller der hiesigen Orts- gruppe der NSDAP., Dr. W i t t m a n n. Er er- klärte mir, daß er mit einer höheren Gerichts- person Rücksprache genommen hätte und ersuchte mich, die Wsendung des Gesuches zu unterlassen. Er forderte mich auf, sofort einen Teilzahlungs- Vorschlag bei dem hiesigen Amtsgericht einzu- reichen. Die Teilzahlungen in Höhe von 10 Mark monatlich würde die Orts- gruppe übernehmen. Der von mir eingereichte Teilzahlungsvorschlag wurde genehmigt. Die Ortsgruppe zahlte daraus- hin zwei Raten und blieb den Rest schuldig. Ich wurde nun vom Amtsgericht aufgefordert, die Restsumme in der ersten Sache von 55 M. bis 2. Dezember 1932 zu bezahlen oder die Ersatz- sreihellsstrase von 11 Tagen anzutreten. Ich erwarte deshalb von Ihnen, Herr Mutsch- mann, als verantwortlicher Gauleiter der NSDAP., daß Sie dem hiesigen Ortsgruppenleiter Dr Will- mann sofort anweisen, daß die Strassummen von insgesamt 275 M. durch die Ortsgruppe getilgt werden.(Zunächst die vom Amtsgericht verlangten 50 M. in Sachen 1 StB. 117/31.) Es ist dies von mir kein unbilliges Verlangen, da berücksichtigt werden muß, daß ich als Prozeß- unterlegener auch die Gerichtskosten und die Rechts- anwaltskosten der Gegner bezahlen muß. So hat mir der Sächsische Fiskus allein zwei Sicherungshypotheken auf ein Feld- qrundstück eintragen lasien in Höhe von 135,01 Mark und 91.34 M. Den Schaden, den ich mir durch meine öffentliche Betätigung für die NSDAP. geschästlich zugezogen habe, können Sie mir sowieso nicht ersetzen. Es ist Ihnen bekannt, daß ich jähre- lang für die NSDAP, in vorderster Front ohne die geringste Entschädigung als Idealist gekämpft habe. Ich erwarte Ihre bestimmte Antwort bis spätestens 1 Dezember 1932. Hochachtungsvoll Robert Schubert." Der Nationalsozialist S ch u b» r t hat selbst- vorständlich keine Antwort von seinem Gau- leiter erhalten. Der Nlohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann gehen! Die Nazis in Glauchau sind wie anderwärts kuriert Sie reißen aus wie Schafleder. Untreue schlägt den eigenen Herrn! Ungarische Wahlreform hlantel geheim— Inhalt plutokratisch Budapest, 26. Dezember. „Magyarorszag" erfährt aus einer Quelle, die dem Ministerpräsidenten G ö m b ö s sehr nahe stehen soll, Einzelheiten über die grundlegenden Richllinien des neuen Wahlgesetzes, das der Minister- Präsident dem Parlament vorzulegen beabsichtigt. Zunächst soll die Zahl der Abgeordneten von 245 aus rund 200 herabgesetzt werden. Der Grundsatz der Geheimwahl soll durchgehend zur Gel- tung gebracht werden 10 Proz. sämtlicher Ab- geordneten sollen die Abgeordneten selbst geheim zuwählen, um einzelne ganz hervor» ragende Mitglieder des Parlaments von den Wahlkämpfen zu befreien! 25 Proz. der Gesamtzahl der Abgeordneten sollen von den Interessenvertretungen gewählt wer- den, ebenfalls geheim. Vorher soll das Interessen- Vertretungswesen neu organisiert werden. Die übrigen'Abgeordneten, also zwei Drille! der Ge- samt.zahl, sollen durch Wahlmänner bestellt werden. Die Beibehaltung des indirekten Wahlsystems(durch Wahlmänner), wie die Vergebung eines großen Teils der Mandate an die„Jnter- esienvertretungen", d. h. an die Handels- und Gewerbekammern u. dgl. m., bedeutet die Auf- rechterhaltung der politischen Geld- sackherrschast und der Entrechtung des städtischen und ländlichen Proletariats. Von einem solchen Parla- ment wird nicht zu erwarten sein, daß es Ungarn von der Schande befrell ohne Arbeits- losenunterstützung dazustehen. Der Vasseaschmugael an Hollands Grenze. Von der Gemeindepolizei des holländischen Grenzortes Hoensbrock bei Heerlen wurden im Hause eines Grubenarbeiters auf dem Dachboden 200 Pistolen und 5900«chuß Munition gefunden. Man ninunt ab, daß die Waffen aus Belgien eingeführt wurden und später nach Deutschland ausgeführt werden sollten. Die Waffen wurden beschlagnahmt, jedoch sind der Bergarbeiter und sein Bruder noch nicht oer- haftet worden. Varschau-Moskau-Pakl in Kraft. Am Freitag erfolgte in Warschau der Austausch der Ratisizierungsurkunden des Nichtan- griffsvertrags zwischen der Sowjetunixm und Polen, der damit in Kraft getreten ist. IVindkralUurm auf dem iDönhoffplalst llarh ürn Väneu dp» Jmvnieurt Honnef wurde das nnlurgelreue tllodell eines neu- arilgen ItindkrafHurmes erbaut, das auf dem•Olinhoffplali aufgeilelll werden toll. ■Das neue IViiidkra.liverk arbe(et nach dem itltidinllhlenprlnzip und foll die iHrafi des It Indes in f'leklrlv'läi umwandeln ®cr.Bvrwitrls"-rlchrinl wocheatägltch zweimal. Eonnlags lind Montags einmal. Illustrierte Sonntagsbeilage Bolt und Zeit" i Sezugspreite: Wöchentlich 75 Pt., monatlich 8,25 St.(dooon 87 Pt monatlich tllr Zustellung ins haus) im voraus zahlbar. Postbezug 3.», M einschließlich 60 Pt Postzeitung, und 72 Pf. PostbesteUoebilhren. Äuslandsabonnement 5,65 M. pro Monat: für Länder mit ermäßigtem Drucksachenporto 4 65, M.?ei A stall d-r Lieteiung wegen höherer Sewalt besteht l-in Anspruch der Abonnenten aus Ersaß., Anzeigenpreise: Die einspaltig- Millimeterzeile Zl> Ps ReklamezeUe l,50 M„Kleine Anzeigen" das fettgedruckte Wort 20 Pt jedes weitere Wort ll> Pj Rabatt laut Taris Worte Uber>5 Buchstab-n zählen für zwei Worte Ardeitsmarlt Millimeterzeile 25 Ps. Familienanzeigen Millimeterzeile l6 Ps. Anzeigenannahme im Sauptgeschö-t Lindenstr. Z. wochentäglich um 8>/e bis 17 Uhr Der Prrlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht gcnehmcr Anzeigen vor. I Perantwortlich für Politil: Rudolf Breadcmühl: Wirtichast: S. Klingclhöser: Grwertschastsbewegung- Z. Steiner: sseuill.ton: H.rbcr« iiepore: Lokales und Sonfttges: Friß Karstadt: Anzeigen: Otto Kragst: sämtlich in Berlin l Perlag: Vorwärts. Berlag E m b. K. Berlin Druck: Borwärts. Buchdruckerei und Berlagsanftalt Paul Singer u Co Berlin SW 68 Lindenstr 8. ftfif'jt hM»V/ 1 Jiy iv'i tlUl WOgtamm T nur 0,25 Tabletten nurOylO | Ihealet Lidtlspiele usw j w/_«OH. l-"■j'JfiX.-'i. ll. J- Staat» Theater Dienstag, den 27. Dezember siaatsopsp unter den Linden 20 Uhr Rigoletto staatliches Schauspielhaus 20 Uhr Nora movifFTh Tiol. S und 8% Uhr Märchen mit Ernst Hatray Solv«c• St er na GifispieiReri Hauptdamellcrin aus d. Film„Tabu" «alt. tttnldimeil Me Stilles. M. ».zu Ssts. 5. 8'M' E 7 ifdAitl 1031 aar iitzte waizer BUmarckstr.(Knie) Steinpl.(CD<>7l. läglich S'o Uhr Zum 64. Mal Robert un Reichshallen-Tti., Dönhoffpl. 8.15, Swm- u. Feiertage 3.30 zo ermäUigten Preisen Das Weihnadits- programm rbtropoMheater Heute S1;« Uhr I Zum letzten Malz Srihi Masfary I eine hrau, die weiß. I was sie will' itose- 1 tiearei Grete Fmkfgrtir stiebe 132 Tel. Wiidisel E7 3422 5 Uhr Goldlürdieiis BioimeKatir! ».15 uhr Böhmische Musikanten B. B. B. Sendows Bunte Bübne Kottbnsscr Straße 6 Oberbanm 3500 „von A-Z" Idglich 8-4 Uhr 5onni. nachm. 5Vr Theater im Aiimlralspa.ast Merkur 9001 Täglich 8% Uhr: Hans Albers L i 1 i o m I Großes Mlispielims| BaUmSavvy I Gttta Mpav- St»sq Barsony/ Qatar Xtnei 1, xtgu: Lllfved Rottes| i JlK tftltKtMsal{ rfmdmi BETRIEB KEMPINSKIt> Komooientiaus Schiffbauerdamm 25 Tel. 0 2 Wcid. 6304-05 Täglich 8�4 Uhr Das Haus dazwischen von Sthiffer und Joadiimson Musik: Spoliansky Inszeoiemng: Barnowskj Adalbert, Ander, Tiedtke Deutsches Theater sVeidend. 5201 Täglich 8 Uhr Gott, Kaiser und Bauer Sdnuspiel von J. Ha; Inszeo.: K. H. Marth Konner, Melzer. Wegener, Wiemann, Hart Kaiser iammärspieie Täghch 8 Uhr Hans Moser Essig und Uei v. Geyer u. Frank AlUuik von 'obert Kutscher Inszenierung O L Premin er Deutsches Künstler-Th Nürnberger Str. Tel Bavaria 6466 Täglich Nr- Uhr: Silvester 7 Uhr Leopoldine Konstantin in Die Nachi xum 17. April Schroth, Steinbeck. Gebühr, Brionne. Wolle, Picha Th.d. Schauspieler Dieater jm Sdr ffbaoiiiamm Weidendamm j30u läglich 8% Uhr Automaleflüett Komödie von A. Graeyner mit Agnes S raub. Köiber. Heilinger. Gnas. Trenk-Trcbitsdi. Oderaar. Lessing Meater Täglich Wi Uhr Silvester 7 Uhr Grete Mosheim Brausewetler Der Liebling von Paris Musik von Offenbadi Wb: Homolka Kurtürslenl-T Kurfürstendamm 209 Tel Bism. 140 1 . u. 2ieiertag 4 n. 8�. 0. Silvester 7 Obr ö.üddiüis Reite von Bertudi und Sdiwabadi Musik Känoeke Regle Peakcrt Hans Schindler mit seinen Jazz-Symphonikern Vorverkauf ononterbfochcr Biumenspeimen jeder Art uefert prelswarl Paul Golletz •onnals Robert Meyo« CASINO-THEATER Lothringer Sirabc 37 •niniiiuniiiiiiiiitiiiiiiiiiiitiiiii» Heule, 3. Feiertas. 2 Vorstellunoen Nachmitiags 4 und abends öVa Uhr. Alles um Lotti xosse mitGesangund Tanz Gutschein 1— 4 Personen Parket nur 0,50, Fauieuil u.75. Sessel 1,25 uerKame Tapeten szrllai. aolonre. straße 0. MSUll! tdarlannanstr. Obarbaua 130-» TeilzaHtnag. Schlaizirnmer,»äpet. Teilzahlung Schlaszimmer, »Üchen,(tinzelmö. bei. Biüigstc Preise. Schreier, Eisäster- straße 03, Rosen- thaler Platz.» »süie Radloanlagca. alle Morsen gegen lleinfte Monats. sezimmer. Küchen, raten. Portührung ' cktnzelmijbcl, billige iostenlas vstsuni ijPreise, niedrige Ra- Szilufi Reandcr. "''' 16 «H besonder» virftsair md trotzdei» Blagen- Telephon Iannowitz 0435- Irn. Thau."Große strotze siranksurtcrstr 66.' geschä! 3m Marstall- gedäude Breite. Itratze 36. gebrauchte Möbel spottbillig.� Speisezimmer In aer iie»umtauttoae, 175,— bis>50,—. de-.Vonveru" und BUcherschränEe 28,—. Möbelbcizwerl- stätlen Möbeigrotz. Ohne lager Kamerling, Sinlchrcibeaeld Kastanienallee 56 oermiltell Woh. Menr nllllt-! llEcke.Zchrbelliner. nungsheld Reu« ,�»1 Kanaver. i siönlqstratze acht. kauf, auch Teilzah. unddreißig direkt long.»jAleianderplatz.»