Morgen- Ausgabe Nr.612 A301 49. Jahrg. 9?ebofMon und Verlag, Berlin SW 68. Lindenstr. 3 Fernsprecher VL � Ämr Dönhoff 292 bt» 297 Telegrammadresse- Sozialdemotrar Berlw BERLIN ER VOLKSBLATT DONNERSTAG 29. Dezember 1932 In Groh- Berlin 1» Pf. Auswärts....... 15 Pf. Vezuc.sbek'wgungen unb Anzeigenpreise siehe am Schluß beS redatttoncllen Teils Aentralovga« der Sozialdemokratischen Oavtei Deutschlands Eine Anfrage zum GA.-Fememord Die so�ialclemolrralisclre k'ralrtion im SacLsen-Lanäias kariert Beehensctmft T r e s d e n, 28. Tezember. Die sozialdemokratische Fraktion hat im Sächsischen Landtag zu dem Fememord an dem« A.- M a n n H e n h s ch folgen- den Antrag eingebracht: „Ter Nationalsozialist H e n h s ch ist einem Fememord zum Lpfer gefallen. I n b e st i a l i s ch e r Weise haben die national soziali st i scheu Mörder ihr Opfer angeschossen, den wahr- scheinlich noch lebenden 5lamcraden in Säcke gewickelt, mit Steinen belastet und dann in die eisigen Wassermassen der Tal- sperre Malter geworfen. Tie Pcfürchtun- gen der sozialdemokratischen Landtags- fraktion sind durch die eutsehliche Tat bel weitem übertroffen worden.(Wir haben seinerzeit die betreffende Anfrage ver- öffentlicht. Tic Red.) Tie grenzenlose „Harmlosigkeit" der untersuchenden Poli- zeibeamten wird durch den grausigen Fund in ein äufterst merkwürdiges Licht gerückt Tas unerhörte Verhalten der in Frage kommenden Beamten hat nicht nur die Flucht der Mörder b e- g ü n it i g t, sondern auch Sic recht- zeitige Aufdeckung des gemeinen jlamc- radcnmordrs verhindert. Ter Landtag wolle deshalb beschliesien, die Regierung zu ersüchen: 1. diejenigen Beamten, die durch ihre unverständliche Haltung die Mörder begünstigt haben. zur Rechenschaft zu ziehen; 2. dafür zu sorgen, daß keiner dieser Beamten an dem weiteren Ermitteluugsverfahren betelligt wird; 3. die Mörder energisch zu ver- folgen und 4. auch die intellektuellen Ur- Heber, die in den klreiscn der Dresdener Partei- und Standartenführer der NSDAP, zu suchen sein dürften, ohne Ansehen der Person zur Verantwortung zu ziehen." Die Morder in Italien? Die Kommunisten haben im Landtag zum Zoll h e n h s ch einen Antrag eingebracht, in dem die Regierung ousgesordert wird, sosort eine strenge Untersuchung gegen die Leitung der Dresdener Polizei und insbesondere gegen den K r i m i n a l r a t D o g e l wegen des dringenden Verdachts der Begünstigung bei der Untersuchung des Fememordes einzuleiten und Bogel bis zum Abschluß des Verfahrens vom Dienst zu suspendieren. Auch die„Dresdener Neuesten Nachrichtenwenden sich am Mittwoch gegen die Polizei und betonen, daß in der mangelnden lleberwachung des Bormannschen Grundstückes in Tharandt und der dadurch ermöglichten Flucht des houpttäters Schenk„der nicht zu rechtserligende Zehler der betreffenden Kriminalbeamten" liege. Alles deutet übrigens daraus hin, daß die Mörder in Mussolinis Reich geflüchtet sind. Amtliche Be»ch>vichtigiing»versiiche Die Aussindung der Leiche des erinordeten SA.- Mannes H e n t l ch und die Enthüllungen über die skandalöse Haltung der Dresdener Polizei haben in Dresden große Erregung hervorgerusen. Die amtlichen Stellen bemühen sich, die Erregung zu besänftigen. Am Dienstag hatten Landtags- abgeordnete verschiedener politischer Parteien in der Angelegenheit des ermordeten SA.-Mannes Hentsch beim Justizminister Dr. Mannsfeld und beim Innenminister Richter vorgesprochen. Beide Minister sicherten de» Abgeordneten strengste und beschleunigte Durchführung der Untersuchung zu. Der, Polizeipräsident versucht das Ver- halten der Polizei mit Gründen zu entschuldige». die niemanden zu überzeugen vermögen. Die Staatsanwaltschaft teilt mit: „Die Staatsanwaltschaft hat unmittelbar, nachdem ihr die Akten zugegangen waren, mit Nachdruck die Ermittlungen be- trieben, Haftbefehl gegen die mut- maßlichen Täter erwirkt und Steck- briese erlassen. Sie hat in Erfahrung ge- bracht, daß die Beschuldigten bald nach der Tat ins Ausland geflüchtet waren, und weiß seit längerer Zeit, wo diese sich jetzt im Ausland aufhalten. Seit der Aufsindung der Leiche ist außer dem Beschuldigten Bormann noch ein Bruder der Braut des flüchtigen Schenk, der 21 Jahre alte Maschinenschlosser Eugen Beyer in Coh- mannsdors, festgenommen worden. Die Sektion der Leiche findet heute statt." An dieser Erklärung ist manches merkwürdig! Wenn die Staatsanwaltschaft seit längerer Zeit den Ausenthalt der Mörder kennt, warum ist ihre Verhastung und Auslieferung nicht ver- anlaßt worden? Warum ist solange Stillschweigen über die der NSDAP, fatale Tatsache beobachtet worden, daß ein scheußlicher Fememord vorliegt? Beschuldigungen gegen I�azikührer Im Zusammenhang mit dem Mord werden schwere Beschuldigungen gegen den Nazilandtags- abgeordneten Dr. Brennecke erhoben, den Leiter des SA.-Spitzeldienstes, zu dem Hentsch früher gehört hatte. Der SA.-Führer im Gau Sachsen der NSDAP., der berüchtigte K i l l i n g c r. ist übrigens in der Zeit zwischen dem Mord und seiner Auf- deckung von Hitler nach Pommern versetzt worden. kleine Belohnung ausgesetzt! Dresden. 28. Dezember. Die Slaatsanwaltjchajt Dresden hat bisher auf die ßrgreisung der Mörder des Na- tionalsozialisten Hentzsch keine Bc- lohnung ausgesetzt. Kühlers Vertrauensmann Die deutschnationale Parteibuch» Wirtschaft Dieser Tage Hat der deutsch nationale Kommissar des Herrn Schleicher im preußischen Bolksbildungsministcrium durch Erlaß die Ver- setzung des pommerichen Landlehrers und deutschnationalen Landtagsabgc- ordneten Kickhöffel nach Berlin ange- ordnet. Wes Geistes Kind dieser K i ck h ö s s e l ist, er- gibt sich aus einem Schreiben, das er kürzlich als Mitglied der deutschnationalen Landtagsfraktion an das Volksbiidunosniinisteriuni gerichtet hat. Er führt darin Beschwerde über die Behandlung einer deutschnationalen Lehrerin und denunziert dann die Schulbehörden in Berlin und Branden- bürg in folgender Weise: „In Berlin und in der Provinz Brandenburg versucht man in letzter Zeit planmäßig, die nationalen Lehrer in immer stärkerein Maße zurückziisegen, von der Beförderung aus;»- ichließen, durch Versetzungen zu schikanieren. Die nationalen und christlichen Junglehrer und -lehrerinnen werden möglichst aus Berlin hin- ausgeschoben, um hier zu einem einheitlich links gerichteten Lehrkörper zu kommen." Das behauptet Kickhössel. ohne seiner Denunzia. tion auch nur einen einzigen Beweis beizufügen. Trotzdem hat die vorgesetzte Behörde seine Be- jchwerde geprüst und festgestellt, daß sie völlig unberechtigt ist: die Denunziation wurde deshalb in gebührender Form zurück- gewiesen. Was Herrn Kühler, den deutsch- nationalen Kommissar im Volksbildungsministe- rium, aber nicht hinderte, die Versetzung des deutschnationalen Bienenzüchters Kickhössel nach Berlin dennoch umzuordnen!! Der Fall Kickhössel zeigt, von welchem Gesichts- punkt aus der deutschnationale Professor Köhler den reaktionären Putsch in der preußischen Schul- Verwaltung betreibt. Kühler und Kickhössel— das ist der neue Geist! Landtagsw'ahl in Lippe Die erste Wahl im neuen Jahre wird die Land- tagswahl in Lippe-Detmoid fein, die am 15. Januar stattfindet. Für diese Wahl sind insgesamt neun Wahloorschläge eingereicht worden, die solgendcrniaße» lauten: Sozialdemokratische Partei, Deutsche Volkspartei, Deutschnationale Volkspartei, Landvolkpartei, Kommunistische Par- tei, Staatspartei, Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei, Kacholische Volksvertretung und Evangelischer Volksdienst Lippe. Um den Korridor Pranzösischer Milderungsvorschlag Eigener Bericht des„Vorwärts" Paris, 28. Dezember. Der Kongreß der framzösischen Liga für Menschenrechte wurde mit der Annahme einer langen Entschließung beendet, die Abänderung der Friedensverträge und des Völkerbundspakies, moralische wirtschaftliche und materielle A b- rüstung, als einzige Sicherheit für die Herstellung des endgültigen Friedens, Rückgabe der srüheren deutsche» Kolonien in Form vo» Mandatsgebieten, Selb st be stimmungsrecht Oesterreichs und Regelung des deutsch- polnische n Korridor-Kon- s l i k t s fordert, lieber diesen legten Punkt heißt es in der Entschließung: „Eine vollkommene Lösung ist nicht möglich, solange das Dogma von der absoluten Souveränität der Staaten besteht. Rur die„E n t w e r t u n g" der Grenzen im Rahmen einer europäischen Föderation könnte den Streitfall regeln oder genauer gesagt wertlos machen. Im gegenwärtigen Zustand Europas kann man die Konflikte nur durch Behelfsmittel abschwächen, nämlich durch lokale Grenzberichtigungen durch A b s ch a j- fung aller Erschwerungen für den Per- sonen- und Güterverkehr, durch wirtschaftliche Zusammenarbeit Deutschlands und Polens, durch eine Jniernationalisierung der Wasserstraßen und Schienenwege und durch gegenseitige Neu- tralijation der Grenzzone n." Bangende Mütter Der l�ameraden-Mord Die deutschen Schulbehörden verbieten ihren Zöglingen mit Recht die Zehnpfennig- hefte der Nic-Carter und Schauerromane. „Die blutige Hand an der Kirchhofsmauer", im Film dargestellt, wird von der Zensur für Jugendliche verboten. Wer rettet ober diese Jugend vor der Schundliteratur der Braunen Häufer, vor dem Blutdurst ihrer Presse und ihrer Agitatoren, vor„der Nacht der langen Messer", vor einem Goebbels, der in Bremen öffentlich verkündet:„gehängt wird doch!": vor einem Hitler, der als Zeuge vor dem höchsten deutschen Gericht ungestraft ausrufen konnte:.Köpfe müssen rollen!" Das ist die durch jahrelange Agitation ge- schaffene Atmosphäre, in der der Mord am politischen Gegner die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln ist. Bon dem Mord am politischen Gegner als nationale Heldentat bis zum Fememord am eigenen Kameraden. es ist nur ein einziger Schritt und es hemmt kein Gefühl und kein Erbarmen mit der Kreatur vor diesem grauenhaftesten aller Verbrechen. In Dresden haben, wieder einmal, drei Hitler-Leute einen SA.-Kameraden„um- gelegt". Im Preußischen Landtag existiert ein von der Nazifraktion geschaffener Unter- suchungsausschuß gegen die Polizei, dem Nazi-Goebbels den Namen„Chikago-Aus- schuß" gegeben hatte. Der Fememord in Dresden und das am zweiten Weihnachts- tage verübte Feme-Sprengftoffattentat in Stolberg beweisen, daß die Braunen Häuser die Konkurrenz mit den Verbrecherhöhlen und mit der Unterwelt Chikagos aushalten. Ja mehr! Die Verbrecher Chikagos sitzen nicht im Schutze einer Presse, nicht im Schatten von Landtagsfraktionen und zwei- hundert Rcichstagsabgeordneten, die Amnestien gegen politische Zugeständnisse er- kaufen. Die Gangsters von Chikago, die Komitatschis von Mazedonien und die Blut- rächer in Sizilien, Korsika oder Albanien nennen wenigstens Mord einen Mord, ge- stehen ihn, riskieren ihr Leben und büßen es ein. und es ist niemand, dem es einfiele, den Mord oder die Blutrache als„nationale Tat" zu preisen und zu verherrlichen. Diese Sitte ist erst in Deutschland im zwanzigsten Jahrhundert durch die Braunen Häuser eingeführt worden. Den gemeinen Meuchelmördern von Potempa, die nachts einen schlafenden Menschen aus dem Bett holen und zu Tode trampeln, diesen Bestien hat dieser Hitler am Tage nach ihrer Verurteilung ein Telegramm geschickt: „Meine Kameraden! Eure Freiheit ist van heute an die Ehre der Partei." Diese Führer, das find die intellektuellen Urheber dieser politischen Morde. Diese Nazi- Partei, diese Braunen Häuser, ihre Presse und die SA.-Kasernen. dort ist der Geist ent- standen, der zum politischen Mord und zum Fememord geführt hat Fememörder Heines, Fememörder Schulz, beide wegen Mord nach der Inflation zum Tode verurteilt, beide bekleiden heute hohe Aemter in der Nazipartei, beide sind heute Reichs- tags- und Landtagsabgeordnete der NSDAP. Gregor Straßer wurde von Hitler hinausgejagt, weil er sich erlaubte, eine andere politische Taktik zu empfehlen. Wer aber kuscht und„Herrchen die Hand leckt", der ist Freund und Kamerad und Würdenträger mag er sich mit dem Blut des politischen Gegners oder gar dem des eigenen SA-Mannes besudelt haben. In Potempa haben Nationalsozialisten der Mutter den Sohn vor den Augen er- mordet und den zerfetzten Leichnam vor die Füße geworfen. In Dresden wartete eine Mutter drei lange bange Wochen, Tag Komödie der Margarine Zmmgen Zum Edikt über die Schleicher-Margarine— Der arme Margarine-General und Nacht. Niemand antwortet auf ihre Fragen nach ihrem Sohn. Dann schreibt sie an Hitler, dann schreibt sie an Röhm, dem Stabschef der SA Nach Wochen erwidert Röhm:„Ihren Sohn, bedaure sehr, kenne ich nicht, weiß von nichts, wie soll ich der Hüter eines SA.-Mannes sein, wo wir hundert- tausend SA.-Männer haben!" Was jeder Offizier einer Armee sonst als seine höchste Pflicht betrachtet, über seine Truppen zu wachen und über jeden einzelnen Soldaten Rechenschaft zu fordern und abzulegen, was im Weltkriege Ehrensache der feindlichen Länder und Heere gewesen ist: die Namen der Gefangenen und der gefallenen Gegner dem jenseitigen Lager nach internationalem Brauch und Recht zu melden, im Hitler- Lager und bei den Erneuerern Deutschlands gilt es nicht. Jetzt endlich hat die Mutter Hentzsch ihren Sohn wieder. Im Sarg! Ein Spazier- gänger hat den Toten am Weihnachtstage entdeckt. Im Wasser, eingebunden in einen Sack, der mit Steinen beschwert in die Tal- sperre geworfen worden ist. Ein SA.-Mann, erschossen und ertränkt von den eigenen Kameraden. Die sind verborgen, ins Aus- land geschafft von Nazileuten. Wie lange wird es dauern und wieder bangt die Mutter eines SA.-Mannes um ihren einzigen Sohn, bis er eines Tages erschlagen aus dem Schlamm eines Tümpels gezogen wird? Helfen kann hier nur eins: die Schließung der braunen Mordzentralen. Erst wenn die Häuser nicht mehr sind, aus denen in den letzten Iahren so viel Elend über die Eltern verführter und hingemordeter Söhne ge- bracht worden ist, erst dann wird Deutsch- land wieder zur Ruhe kommen. Darum führen wir einen unerbittlichen Kampf nicht nur gegen die Insassen der Braunen Häuser als die Urheber der Menschenschlächterei in Deutschland, sondern auch gegen die, die diese Sorte Politiker in die„Staatspolitik" einreihen und sich ihre Unterstützung sichern möchten. Diese Leute, Herr Schleicher, die nicht einmal das Leben ihrer Nächsten achten, sind nur durch Kampf, durch nichts anderes zu überwinden!! Hitler und Gtraßer LtruLers ungsblicke öetjinxungen Die„Bayerische Etaatszeitung" beschäftigt sich in ihrem Leitartikel mit dem noch nicht ouzge- iragenen Konflikt zwischen Hitler und Straßer. Di« Verhandlungen zwischen beiden seien zwar noch nicht wieder ausgenommen, aber man werde doch gut tun, Ueberroschungen selbstgrundsätzlicherArtnichtvöllig außer Rechnung zu lassen. Hitler scheine die Notwendigkeit eingesehen zu haben, sich mit dem früheren Reichsorganisa- tionsleiter wieder zu versöhnen, weil bei einem endgültigen Bruche zu große Verluste drohten. Auch S t r a ß e r wisse, daß Hitler ihn brauche, und denke nicht daran, sich reumütig zu unter- werfen. Er habe Bedingungen gestellt, die aus nichts anderes hinausliefen, als auf die Forderung, Hitler van der politischen Verant- wortung zu entlasten, und ihm lediglich die propagandatechnischen und die re- präsentiven Ausgaben zuzuweisen. Bei einer derartigen vollständigen Neuorganisa- tion der Partei fordere Straher die Stellung einer Art Generalsekretär, der die Vollmacht besitze, mit den anderen Parteien und der Regierung ver- handeln zu dürfen. Wenn Straßer diese Wünsche durchsetzen könnte, wäre die politische Lage schnell geklärt: dennStraßerwürdeunbedingt mit Schleicher gehen. Aber auch wenn Hitler nicht nachgebe, sei es noch keineswegs sicher, ob die NSDAP, eine unbedingte Oppositions- stellung gegen den Reichskanzler einnehmen werde. Die Hündchenszene Otto Sraher hat in der„Schwarzen Front" eine Darstellung der Rührszene der national» sozialistischen Reichstagsfraktion mit Hitler ge- geben, die unter dem Titel„Hündchenszene" all- gemeines Aufsehen erregt hat. Als F r i ck deinen- tierte, blieb Otto Straher fest bei seiner Darstellung, er bot das Zeugnis von ZS Nazi- reichstagsabgeordneten für die Richtigkeit seiner Darstellung an. Eine tj-ll-Berichtigung druckte er nicht ab. Fr ick lieh nun mitteilen, daß er Strafanzeige gegen Straher erstattet habe wegen des Nicht- abdruckes der Berichtigung. Otto Straßer erklärt hierzu, die Hitler-Partei versuche mit diesem gerichtlichen Schritt die Sache auf das Formale abzulenken und sich einer Klage über die Richtigkeit der Darstellung zu entziehen. Die„Schwarze Front" halte daher nicht nur ihre Darstellung aus der Folge 4S des Blattes in vollem Umfange aufrecht, sondern werde durch viermalige Wiederholung in den nächsten Nummern eine sachliche Klage der NSDAP. Heraussordern l Die Reichsregierung hat den Inhalt der Not- Verordnung über die Butterbeimischung bekannt- gegeben, und der Staatsbürger wird im Reichs- gesetzblatt demnächst auch den Wortlaut vorgesetzt bekommen. Es ist alles ganz genau so geworden, wie wir gestern vorausgesagt haben: Der Herr Reichsernährungsminister hat wirklich nur«ine Ermächtigung bekommen, weil die Fach- kenntnisse und die Vorbereitungen der Herren Ministerialräte im Reichsernährungs- Ministerium zur Ausarbeitung eines Gesetzes nicht ausreichten. Man hat sich wirklich einfach darauf beschränkt, die alte Talg- und Schmalzbeimischungsoerord- nung vom Dezember 1930 zu ergänzen. Nichts steht in der Verordnung über die beizumischenden Mengen, nichts über die zur Beimischung be- stimmten Margarinequalitäten, über die Technik der Beimischung und über die Art der durchzuführenden Kontrolle. Die kürze könnte auch bei Notverordnungen Würze sein; hier aber waren nur Dilettan- tismus und Unfähigkeit der Büro- k r a t i e die Väter der Bescheidenheit. Es beweist auch nichts als nur mangelndes Selbstvertrauen der Reichsbehörden, wenn sich der Reichsernährungsminister zu einer E i n s ch r ä n- kung der Margarineerzeugung in Deutschland und zu einem Verwendungszwang von inländischen Oelsaaten hat ermächtigen lassen: denn wenn die Geschichte nicht klappt, was jeder Blinde voraussehen kann, dann muß es wenig- stens so scheinen, als ob die Einschränkung der Margarineerzeugung eine Absatzsteigerung für Butter herbeiführen könnte! Die ahxestrittene Verteuerung Man muß d!« Kühnheit bewundern, mit der die Ministerialbürokratie in der offiziellen Be- gründung der Notoerordnung von vornherein glaubt feststellen zu dürfen, daß eine V e r t e u e- r u n g der Margarine für den Verbrauch der breiten Masse» ausgeschlossen sei. Wenn wirklich nur die teuerste» Margarinesorten mit Lutter oermischt werden, und zwar ist nur die beste Markenbutter dazu geeignet, und wenn wirk- lich nur geringe Mengen beigemischt werden sollen. dann fragt sich der Laie nergebsich. weshalb überhaupt dieses jammervolle Experiment ge- macht wird? Wstd aber Butter in größeren Mengen beigemischt, dann muß auf alle Fälle eine er- hebliche Verteuerung eintreten, denn der Rohstoff Butter ist ja acht- bis zehnmal so teuer als die sonst für die Margarineerzeugung ver- wendeten Rohstoffe. Die fechleute wundern sich Die Reichsregierung leistet sich aber auch Witze gegenüber den Fachleuten. Mit dem Knüppel der Verordnung in der Hand spricht sie von ihrem dringenden Wunsch, die Ziele der, Verordnung in freiwilliger Vereinbarung mit der Margarine- und Oelmühlenindustric zu erreichen, so daß die Verordnung selbst gar nicht zur An- wendung gebracht zu werden brauche. Wieder fragt man, warum datln diese Verordnung? Und wieder ist die Antwort sehr ein- fach: Es mußte eben so scheine», als ob hier ein großes Werk, nicht aber eine technische und wirtschaftliche Pleite in Szene gesetzt würde! Es wäre ja so furchtbar einfach gewesen, anders zu verfahren. Als im Dezember 1930 die Talg- und Schmalzbeimischung angeordnet wurde, da war vorher zwischen der Reichsregierung und den INargarinefabriken jede technische Einzel- heil festgelegt worden. Damals hatte man in der Bürokratie ein relativ gutes Gewissen. weil man die Jochleute vorher gefragt hatte. Die Sache wurde zwar damals auch eine Pleite, denn statt der vorgesehenen SORl bis 10 000 Tonnen erstklassiges Tierfett konnten die deutschen Talgschmelzen schließlich kaum S000 Tonnen jährlich zur Verfügung stellen. Diesmal aber hat dos schlechte Gewissen allein die Regie gesührt. Alan traute sich gar nicht die Jachleute zu fragen, die sich jetzt im noch- hinein wundern dürfen! Der Witz mit der Lenzoesaure Das Allerlieblichfte aber ist die hochoffiziell von der Reichsregicrung vor aller Welt verkündete Ausrede mit der Benzoesäure. Die Reichsregierung hat gegen unsere Feststellungen von dem unvermeidlichen Ranzigwerden des Butter-Margarine-Gemijchs mit erhobenem Fin- ger feierlich behauptet, ein Ranzigwerden sei durch die Verwendung der Benzoesäure aus- geschlossen. Diese geheimnisvolle Benzoe» säure wird auch Benzelsäure genannt, ist ein seit Jahrzehnten bekannter Bakterientöter, der in den vielfältigsten Arten auch von jeder Hausfrau an- gewandt wird und in verschiedenen Beerensorten vorkommt. Die Margarineindustrie oerwendet sie seit Jahren als Konserpierungsmittel, wenn Fette mit Milch verarbeitet werden. Holland hol nun mit der Benzoesäure sür die Butterbeimischung die neuesten und letzten Ersahrungen. Selbst wenn die beste Martenbutter beigemengt wird, erfolgt auch bei An- wendung der Benzoesäure die Zersetzung bereits nach 17 Tagen, und es ist sestgestellt. daß auch bei Anwendung dieses Konservierungsmittels die Mischung von Butler und Margarine immer kurzlebiger ist als Bulter oder Margarine allein. Für die Beimischung von Bauernbutter gibt es in dieser Richtung überhaupt keine Ersahrun- gen. Man muß wirklich die Naivität einer Büro- kratie bewundern, die mit solchen Spiegelsech- tereien glaubt, die Oefsentlichkeit irreführen zu können. Wie dem aber auch sei: die Großagrarier haben ihren Willen durchgesetzt. Sie können landauf, landab sagen: Seht her ihr Bauern, das haben wir sür euch getan: wenn aber die neue Pleite feststeht, dann kann man ja wieder schreien, die Landwirtschaft steht vor dem Ruin. Wir beneiden Kapitel Eupen-Malmedy priestervertreihung aus Eupen-Malmedy Am Heiligen Abend wurde dem letzten deutschen Geistlichen in Eupen, dem Kaplan G i l l i s von der St. Nicolaus-Kirche, auf An- Weisung der belgischen Regierung der Aus- weisungsbefehl zugestellt. Während er in den Abendstunden Beichte hörte, erschienen beim Küster die Beamten und forderten ihn auf, den Kaplan aus dem Beichtstuhl vor die Kirchentür zu rufen. Sie übergaben diesem den Ausweisungs- befehl, der ein« Frist von nur24 Stunden zubilligt und jede weiter« gottesdienstliche Handlung untersagt. Gillis ist im n e u b e l g i s ch e n Raeren ge- boren. Er hielt sich in politischen Dingen außer- ordentlich zurück. Nach der„Kölnischen Volkszeiwng" ist dieser Geistliche Reichsdeutscher geblieben: ihm wird zur Last gelegt: bei einem Aueslug des Jünglingsoereins, dessen Präses er war, entfaltete einer der jungen Leute das„Grenzecho" und las den Reichskanzler General Schleicher nicht, dem durch feine Kollegen und Ministerialräte das Schicksal bereitet zu sein scheint, in die Geschichte als Margarinegeneral einziehen zu sollen. Die Bauern wollen selbst nicht Die Bauern haben selbst erkannt, daß chnen mit dem Butterbeimischungszwang zur Margarine im Dienst der großagrarijchen Volksverdummung nur Sand in die Augen gestreut werden soll. Der der oldenburgischen Landwirtschastskammer an- geschlossene Kontrollverein für die oldenburgischen Molkereien hat eine Protestentschließung gegen die Butter- beimisckung angenommen und der Reichsregierung übersandt. Die Oldenburger Ptolkereien fürchten, daß ihnen durch die Herstellung von Mischproduk- ten die Butterverbraucher verloren gehen, so daß«ine Verschlechterung der Butter- preise eintreten wird. Da für die Beimischung nur hochwertige Markenbutter in Frag« komnie, würde der Markt sür die Bauernbutter gefährdet und der Gesamtbuttermarkt schädlich beeinflußt. Selbst durch die grüne Front geht wegen der Butterbeimischung ein scharfer Riß. Der Führer der süddeutschen Bauern in der grünen Front, der ehemalige Landwirtschastsminister F e h r, ist ein ausgesprochener Gegner der Butterbeimischung, weil er sich ebenfalls nur Nachteile für die bäuerliche Wirsschaft daraus verspricht. aus ihm vor. Der Präses untersagte ihm das, da Politik nicht hierher gehöre. Ferner hat der Kaplan in einer Unterrodung mit der Leiterin einer neben dem Jünglingshause gelegenen Wasch- anstatt einem deutschen Seisenpulver vor einem belgischen den Vorzug gegeben! Nach belgischer Darstellung soll der Kaplan das„Grenzecho" als «in„schmutziges" Blatt bezeichnet haben, was die übergroße Mehrheit der Bevölkerung auch meint; serner soll Kaplan Gillis der Leiterin der Wasch- anstalt Vorwllrse gemacht haben, weil sie für ein belgisches Seisenpulver Reklame mache, obwohl die deutschen Erzeugnisse besser seien. Diese Dar- stellung wird aber mit Nachdruck bestritten. Das Ende seiner Herrlichkeit. Die Mitglieder der Northcliffe Newspapers Ltd. haben die freiwillige Liquidation des Unter- nehmen? beschlossen. Die Gesellschaft war 1928 ge- gründet worden, um in einer Reihe wichtiger Pro- vinzstädte Abendzeitungen heraus, ubrinoe'n, die in Redaktionsgemeinjchaft mit., Dolly Mail" und „Daily Mirror" standen. Das ordentliche Kapital hatte iVt Millionen Pfund betragen, die ausge- gebenen Obligationen 3 Millionen Psund. ... dann ist es aus! Der hleine Goebbels als großer Prophet Nach Ablauf des Burgfriedens will sich Pg. Joseph Goebbels zu herabgesetzten Preisen von 80 und 40 Pf.— Hitlerbillets vom Dezember werden außerdem in Zahlung genommen— wieder vernehmen lassen, vermutlich als Prophet für 1933. D«nn darin hat er Uebung, wenn auch gerade kein Glück. Am Beginn des Jahres 1931 ließ sich der große Prophet also vernehmen: „Das Ende des Jahres 1931 sieht uns ent- weder an der Macht oder im G e f ä n g n i s." Mit der„Macht� dos tvar etwas oorellfch da hat er sich geirrt, alltrdiilg» auch mit dein Ge- 1 sängni«. So behielt er Gelegenheit,?ch' weiter im Wahrsagen zu üben. In der Silvesternacht 1931 wurde auf dom Hause de,„Angriff" in d«r Hedemannftrahe eine schwarz« Fahne mit«wem weiß«» Fragezeichen und der Jahreszahl 1932 aufgezogen. Sie wurde im„Angriff" photographiert. Im Begleittert wurde die rätfelschwer« Fahne, die in der Neu- jahrsnacht gehißt worden war, erläutert, das Rätsel selbst gedeutet: „Weit sichtbar weht nun die neue Fahne, den Gegnern zum Trotz, den Parteigenosseij»>s Mahnung. Schwarz ist ihr Gewand, das Fragezeichen ein Zukunftssymdol mit der Jahreszahl des Sieges 1932." Zur gleichen Zeit wurde eine Sportpalastner- sammlung angekündigt mit dem Thema: „Das Jahr des Sieges." Kapell« Fuhsel spielt! Auch sonst fehlte es nicht an prophetischem Pathos. Gleichfalls im �Angriff" vom 4. Januar 1932; „1 932, das Jahr unseres endgül- tigen Sieges gegen Marxismus und Verrat— für Deutschlan d." In einem Bericht üb«r eine Versammlung, in der„vom Jubel umbraust" der kleine Goebbels sprach, heißt es(„Angriff" S. Januar): „Das Schicksal ruft den Menschen nur einmal, und wenn er diesen Ruf überhört, dann ist es ein für allemal vorbei. wenn wir dieses Dohr die Trumpskarte nicht ausspielen, dann ist es aus. Die Judenpresse meint: 33 Proz. der Volks- genossen könnten wir erfassen, mehr aber nicht. Wir werden zeigen, daß auch diese Rechnung unserer Gegner falsch ist... Dieses Jahr 1932 ■v sei das Jahr der Entscheidung... Schon haben zwn letz�x esttfcheidenden Schlag ausgeholt. Nur noch w e ni.g t AktUjate. und wir werden die Macht übernehme n." Am 2?. Fabruar 1932 erklärte er im Sport- palqst: „Ich weiß, ihr seid euch der Größe dieser Stunde bewußt. Ich weiß wohl, daß ihr mich v«rstehen werdet, wenn ich sage: Hitler wird Reichspräsident, und nicht vorausschicke. unser Kandidat. Wenn ich sage, er wird unser Kandidat, dann weiß ich auch, daß er unser Reichspräsident wird." Obwohl er auch diesmal wieder zuviel„gewußt" hatte, fuhr er am 3. Mai in einer Versammlung in Berlin-Tegel im Prophezeien fort: „Ich persönlich gebe Ihnen die Garantie, daß das Jahr 1932 das Jahr sein wird, in dem wir Nationalsozialisten nicht nur in Preußen, sondern damit auch im Reich unsere Macht entfalten werden. Ich garantiere Ihnen persönlich, daß dieses Jahr noch unser nationalsoziali st isches Reich bringen wird." Mit der persönlichen Garantie war es wieder nichts. Herr Goebbels wird zu den alt- testamentarischen Propheten in die Schule gehen müssen, damit es in Zukunft besser stimmt. Fraglich bleibt nur, wie viel Gläubige er für den nächsten Reinsall sür 1933 findet. Denn die Dummen werden bekanntlich nicht alle— immer- hin, es können doch weniger werden. Der heilige Geist Nieder Rollkommando im Arbeitslager Der Tote in der Talsperre (Zum Fememord am SA.-Mann Hentzsch) 5m Arbeitsdienstlager K o t t b u s wurde ein sugendlicher Arbeitsdien st williger, der den Nazis im Lager wegen seiner Gesinnung nicht paßte, von einem Rollkommando überfallen und blutig geschlagen. Der Ueberfallene gibt die folgende Schilderung: „In dem Lager sind zirkaSVProz. Nazis. Die übrigen Arbeitskräfte zählen sich zu den Links- pqxteien. Ich selbst zähle mich zu den letzteren. Das haben die Nazis in Erfahrung gebracht. Sic suchten deshalb einen Grund, mich los zu werden. Als am 23. Dezember einige Nazis meldeten, daß ihnen Geld aus der Tasche ver- Ichwnnden sei, untersuchte der Zugführer L a e st mein Bett, meine Taschen usw. Er fand aher nichts. Trotzdem verbot Loest mir das Be- treten des Lagers. Ich folgte feinem Befehl, ver- langte aber zuerst meinen Anzug. Diesem Wunsche wurde entsprochen. Loest schickte mich aus den Schlafraum. Zirka 2 5 Mann folgten mir. Als ich an der letzten Bodenstufe angelangt war, griff mich der Nazi Scheel von hinten an. Ich wehrte mich, worauf die übrigen Mannen auf mich mit Koppelriemen, Schulterriemen und anderen Gegen st änden einschlugen. Als ich bis zur Bewußtlosigkeit geschlagen wurde, schleifte mich der Zugführer Loest die Treppe her- unter bis in den Sanitätsraum. Der Sani- t ä t e r versuchte mir von den Stellen am Kopfe, an denen ich stark blutete, die Haare abzuschneiden. Ich wehrte mich dagegen. Darauf wurden die Wunden mit Jod bepinselt. Dann erst ließ der Zugführer mich laufen. Ich bemühte mich sofort zum Arzt, der mir folgende Bescheinigung aus- stellte: W. W., geboren 13. Januar 1915, erscheint zur Untersuchung mit der Angabe, er sei überfallen und durch Schläge schwer mißhandelt worden. H. weist am Halse zahlreiche Kratz- und Würgemale auf, die frisch verschärft sind. Die linke Ohrmuschel ist stark geschwollen und mit eingetrocknetem Blute bedeckt. An der Stirn-Haar- grenze, an der rechten Schläfe und unterhalb des rechten Ohres finden sich frisch verschärfte Wunden, die, nach den Blutspuren zu schließen, stark geblutet haben müssen. Der Befund läßt die Angaben des H. als mit höchster Wahrschein- lichkeit zu Recht bestehend erscheinen." Des weiteren erstattete ich sofort gegen die Nazis Anzeige, die dem Staatsanwalt überreicht wurde." Diese Fälle stimmen bedenklich. Man wird auf die Arbeitsdienstlager ein sehr genaues Augenmerk habe» müssen. Ein Scheinmanöver Di« Erböbung der Ausgleichssteuer für Benzin Durch eine Beiordnung des Reichssinanz- Ministers ist ab l. Januar bis auf weiteres die sogenannte A u s g l e i ch s st e u e r für Mineralöle, das heißt in der Hauptsache für Benzin, wieder auf 3,89 Mark je Doppelzentner erhöht worden. Die Reichsregierung hat im Zusammenhang mit ihren Winterhilfsmaßnahmen erklärt, daß ab 1. Januar die A u s g l e i ch s st e u e r wieder voll in Ansatz gebracht werden soll. Es besteht die Gefahr, daß diese Mahnahme, die jetzt durchgeführt worden ist, als Abbau jener 70 Mil- lionen Mark Subventionsgefchenke� erscheint, die der IG.-Farbentrust und die Schwerindustrie bisher durch den fehlende» Ausgleich der Benzin- zollbelastung erhielt. Die Wahrheit ist folgende: Je Liter ist eingeführtes Benzin mit Pf. belastet. Die Ausgleichssteuer betrug früher 3,80 Mark, zuletzt 1 Mark je 100 Kilo, also je Liter entsprechend weniger Pfennige, denn Benzin ist leichter als Wasser. Seit ihrem Tiefstand haben sich die deutschen Benzinpreise von 27 auf 39 Pf je Liter erhöht. Die Erlössteigerung auch der deutschen Produzenten beträgt je Liter gut 10 Pf. Wenn jetzt die sogenannte Ausgleichsabgabe wieder von 1 Mark auf 3,80 Mark erhöht wird, so werden bestenfalls 3 Pf. je Liter neue Aus- gleichsabgabe gezahlt. 11 bis 12 Pf. je Liter Benzin bleiben nach wie vor reine Subvention für JG.-Farben und die deutsche Schwerindustrie. Was hier geschieht, isteinScheinmanövcr der Reichsregierung gegen die Sub- ventionspolitik. Wir fordern nach wie vor, daß die Ausgleichssteuer in voller Höhe der Zollbelastung von den inländischen Produzenten erhoben wird Wenn man eine kümmerliche Winterhilfe macht, sind solche Eubventions- geschenke, wie sie hier weiter gewährt werden, unerhört! Im übrigen kann auf Gras Schwerin von Krosigk, so sehr wir seine Fertigkeit als Bodenseereiter bewundern, nicht aus Dutzende von Millionen verzichten, die der Reichshaushalt dringend benötigt! Litzmanns Abschied vom Reichstag Als er an ihre Stelle gelangt war, erschöpfte sich seine Weisheit darin, die Kommunisten nach- zuahmen, indem er eine grob parteipolitische Er- öffnungsrede hielt, in der er obendrein den Reichs- Präsidenten Hindenburg recht taktlos angriff, wo- für ihm wieder von anderen„Kriegskameraden" im Generalsrang die Leviten gelesen wurden— so sorgte er für ein eindrucksvolles Kameradschafts- bild aus den Kreisen militärischer Führer. Mehr als zu einer komischen Figur hat er es also als Reichstagsabgeordneter nicht gebracht und daß er wieder verschwindet, ist das klügste, was er tun kann. Er wird nunmehr durch einen Ober- leutnant a. D. Friedrich Krüger-Berlin ersetzt, wo- mit die Nationalsozialisten ihre Eigenschaft als „Arbeiterpartei" erneut beweisen wollen. Waffenfund kommunistisches �Vaffenlager in Hamburg ausgehoben Hamburg, 28. Dezember. Polizeibeamte beobachteten gestern abend in St. Pauli, wie vier Männer eine schwere K i st e von einem Geschästsauto abluden. Da ihnen das Verhalten der Männer verdächtig vorkam, ließen sie die Kiste öffnen und stellten fest, daß sie mehrere Gewehre und Karabiner Modell 98, zahlreiche Pistolen, eine Granate', einen G r a n a t z ü n d e r, eine Kugel- Handgranate, acht geschliffene Seitengewehre sowie diverse Pistolenmunition enthielt. In einem in der Nähe gelegenen Keller wurden dann noch zwei Armeepistolen, Munition, ein Morseapparat, kommunistische Broschüren sowie zahl- reiche Flugblätter gefunden. Die Polizei nahm die vier Männer fest. Sie erklärten, der K o m m u- nistischen Partei anzugehören bzw. mit ihr zu sympathisieren. Im Laufe der Nacht wurden im Zusammenhang mit diesem Waffenfund noch mehrere Personen verhaftet. Hitler: ,, hiebe Frau, bei einer Organisation von 100 000 kann ich doch nicht wissen, was mit jedem einzelnen passiert." Japan wird blamiert Eine chinesische Widerlegung Genf, 28. Dezernber. In einer amtlichen Mitteilung an den Bölker- stund: antwortet die chinesische Delegation aus ge- wisse Erklärungen des japanische» Vertreters Matfuoka in der außerordentlichen Bölker- stiindsversammwng. Aus die Erklärung, daß Japan die Rückgabe der Mandschurei»n China nach dem russisch-japanischen Krieg mag- l i ch gemacht habe, antwortet China, daß der IISA.-Präsident Theodore Roosevelt in seiner Antwort auf das japanische Gesuch um seine Vermittlung bei den Friedensverhandlungen mit Rußland schon im'April 1 905 der Hofs- nung Ausdruck gegeben hatte, daß Japan der Politik der o j f e n e n Tür in der Mandschurei justiiiune und daß es deren Rückgabe zulasse» werde: Japan stimmte z u, und der Friedens- vertrag von Portsmouth wurde in diesem Sinne abgejchlossen, wenigstens ivas die Mandschurei betrifft. Raubüberfall im v-Äug Der Täter festgenommen Aus der Fahrt nach Berlin wurde die 40jährige Frau Anna Moller aus der köpenicker Str. 93/94 in einem Abteil dritter Klasse de«»Inges 33 zwi- schen den Stationen Leipzig und Thürow von einem etwa dreißigjährigen Mann überfallen und niedergeschlagen. Die Ueberfallene rief um Hilfe, und gerade als der Täter das Abteil mit der geraubten handlasche und einem Coup-kosser verlassen wollte, wurde er von Äegleitbeamten des Zuges gestellt. Nach heftiger Gegenwehr wurde der Bursche überwältigt und bei der Ankunft des Zuges in Berlin auf dem Anhalter Bahnhof der Polizei übergeben. Frau M. hatte mehrere twsfende Kopswunden davongetragen. Ueber seine Personalien verweigert der Täler jede Auskunst. Belgische Gteuervollmacht Brüssel. 28. Dezember. Di« Mehrheit der Kammer erteilte nach einer außerordentlich heftigen mehrtägigen Debatte die von der katholisch-liberalen Koalitionsregierung geforderte außeroroeytliche Vollmacht zur bejchleu- »igten Erhebung neuer Steuern. Vor der Abstimmung ließ die sozialdemokratische Frak- tian eine Erklärung abgeben, wonach sie die Ge- Währung dieser Bollmacht für v e r s a s s u n g s- widrig hält und sich deshalb zum Protest gegen dieses Verlangen aus dem Saale Mazedonische Morösucht Täglich Lchießerei in Sofia General und Alterspräsident Litzmann Hat mit Ende dieses Monats sein ReicHstaasmandot nieder- gelegt da er außerdem dem Preußischen Landtag angehört Er war nur fürs Reichsparlameüt auf- gestellt worden, um Clara Zetkin vom Platz des Alterspräsidenten zu verdrängen. Die Regierung Muschanoss ist zurückgetreten. Unmittelbar noch dem Besuch des Ministerpräsidenten beim König Boris hat es blutige Zusammenstöße gegeben. Als Muschanosf das Schloß verließ, stießen vor dem Schloß zwei Hanptgruppen der Mazedonier, die Michailoffistcn und die Protogcrofsistcn, aus- einander. Es entwickelte sich ein F c u c r g e f e ch t, in das auch die Gendarmerie eingriff. Dabei wurde ein Gendarm getötet. Die beiden mazedonischen Gruppen hatten sechs Schwer- verwundete, darunter den Hauptschriftleiter der Zeitung„Makedonia", E s t i m o s f. Er wurde beim Verlassen der Redaktion angefallen und ver- letzt. Die Angreifer hatten sich, um die Polizei irrezuführen, als Jäger verkleidet Bei der Verfolgung der Angreifer ist es dann zu dem Feuergefecht gekommen. Zwei Angreiser, Proto- geroff-Leute, sind verhaftet worden. Mit dem Rücktritt der Regierung hängen diese Bluttaten nicht unmittelbar zusammen, sie sind vielmehr eine gesteigerte Fortsetzung der nahezu schon täglich sich ereignenden Parteimorde der beiden maze- donischen Terrorgruppen gegeneinander. Ein weiterer Bericht lautet- Als Eftimoff den Schloßplatz überschritt, er- öffneten zwei Männer in Jägerkleidung ein Schnellfeuer aus Pistolen und Jagd- gewehren und verletzten E. schwer. Die Leibwache Eftimosss, die ihn stets begleitete, erwiderte das Feuer. In diesem Kreuzfeuer wurden vier zufällig vorübergehende schwer verletzt. Einer der Attentäter flüchtete in de» Stadtpark und schoß auf seine Verfolger, konnte aber fest- genommen werden. Ein weiterer Attentäter lief über den um die Mittagszeit stark belebten Boule- vard„Zarbesreier" und schoß wild um sich. Ein zufällig daherkommender Offizier brachte ihn schließlich zu Fall, wobei der Attentäter einen Revolver und zwei Handgranaten verlor. Schließlich wurde er von einem Polizisten durch zwei Schüsse nlederge st reckt und konnte in schwerverletztem Zustand verhaftet werden. Bei der Schießerei auf dem Schloßplatz erhielt ein Polizeibeamter einen Kopfschuß, durch den er sofort getötet wurde. Ferner wurde im benachbarten kriegsministerium ein am Fenster stehender Beamter durch eine verirrte Kugel in« herz getroffen, so daß insgesamt zwei Todesopfer und sechs Schwerverletzte das jüngste Ergebnis des mazedonischen Bruder- kampses ist. Die Angreiser waren Proto- gcroffisten. /* Der Rücktritt des Gesamtkabinetts ist daraus zurückzuführen, daß die Agrarier weitere Ministerien für sich fordern Das Schicksal der Regierung wird von den Fraktionen des linken Zentrums abhängen, die sich bei kritischen Abstimmungen oft spalten. entferne, um so der Regierung und den sie stützenden Parteien die ausschließliche Berantwor- tung für dieses Vorgehen zu überlassen. Mit den Sozialisten entfernten sich auch die f l ä m i- schen Frontparteiler und die K o m m u- nisten, also die gejanrte Opposilion. ff .Volksgericht" Ein Beitrag zur Geschichte der Revolution Noch vor einem halben Jahre wäre es unmöglich gewesen, Anhänger der Hitler-Bcwegung mit ge- schichtlichen Tatsachen und auch sonstwie zu über- zeugen,. Damals.befand sich die Masse ihrer An- Hänger in einem Zustand der religiösen Extasc und alle Belehrungsversuche waren von vornherein zum Scheitern verurteilt. Das war auch die Zeit, in der ein Buch er- schien, das wie kaum ein anderes geeignet ge- wesen wäre, das Schlagwort vom„November- verbrechen" als einen Massenbetrug zu entlarven. Aber der Zeitpunkt für eine solche Aufklärung war leider recht ungeeignet. szeute ist die Stimmung schon wesentlich anders. Die Zahl der blinden Anbeter, der bedingungs- losen Mitläufer jener größten politischen Scharlata- nerie der Gegenwart hat sich stark verringert. Unter den vielen ehemaligen Gläubigen des neuen Messias gibt es jetzt Ernüchterte, Zweifler, An- gewiderte, denen nur noch die überzeugende Auf- klärung not tut, um sie restlos aus dem Räume der national-hysterischen Phrase zu befreien. Dieses verdienstvolle Werk der Ausklärunq hat. mit einer überraschenden Fülle von historischen Tatsachen und mit darstellerischer Meisterhaftigkeit Dr. E u g c n F i s ch e r in seinem bei Rowohlt erschienenen Buch„V o l k s g e r i ch t" vollbracht. Eine Darstellung der Vorgeschichte und des Ver- laufs der deutschen Revolution. Dr. Fischer, seit einigen Jahren Bibliothekar des Reichstages, hat bereits durch seine„39 Tage" den Ruf eines objektiven Historikers erworben, der geschichtlichen Stoss in schriftstellerisch fesselnder Form zu verarbeiten vermag. Diesen Ruf hat er durch sein neues Werk bekräftigt. Hier ist er vielleicht mehr Schriftsteller als Historiker, jeden- falls aber nicht zum Nachteil des Lesers, der zuweilen glaubt, einen spannenden Roman zu verschlingen. Und auch nicht zum Nachteil des Staatsbürger», dem wertvollste Aufklärung zuteil wird. Einen breiten Raum widmet der Verfasser den Stimmungen und Erwägungen, die von 1914 bis 1918 die Politik der Sozialdemokratie, sowohl der Mehrheitspartei wie der Unabhängigen, be- stimmten. Das meiste, alles in allem, richtig ge- sehen, unparteiisch geschildert und selbst für den unmittelbar Beteiligten, ober erst recht für den Fernstehenden, plastisch wieder lebendig geworden. Meisterhaft die Darstellung der psychologischen Entwicklung im Volke und im Heere. Eine aus- gezeichnete historisch-literarische Ergänzung des Remarque-Buches und des Remarque-Films. Allein in dieser Kennzeichnung liegt die best« Empfehlung für weiteste Verbreitung unter den bisher Irrgeführten, besonders unter der Jugend. Manche Teile der Darstellung sind vielleicht etwas feuilletonistisch überspitzt, z. B. der Versuch, die Rolle Eberts in den Tagen des„Voltsgerichts" geschichtsphilosophisch zu untermauern. Auch sind die seelischen Kämpfe, die ein jeder Sozialdemokrat in jenen Jahren durchmachte, bei aller Objektivität der Absicht, etwas zu sehr von der Perspektive des nachträglich Analysierenden zergliedert. Aber dadurch gewinnt das Buch nur an Reiz, ohne an Wert zu verlieren. V. Sdu internationale Sozialpolitik Die Genfer Bilanz für das Jahr 1932 Die intenmiiunale öojialpolitit hat im OaHrc 1932 den Verlust ihres besten Kopses, Albert Thomas, z» beklage». Am 7. Mai d. I. wurde er gan.j unerwartet durch den Tod mitten aus seiner weltumspannenden Arbeil gerissen. Noch am 30. April hat er aus der 16. Internationalen Ar- beitskonserenz in einer meisterhaften Rede den Gedanken der internationalen öffentlichen Arbeitsbeschaffung oertreten. Er vcr- suchte Regierungen und Unternehmer von der Roi- wendigkeit einer planmäßigen Gestal tung der Wirtschast zu überzeugen. Dieses Werk ist zum Wohle der wirtschaftlich Schwachen aller Länder zu Ende zu führen, ist die organisierte Arbeiterschaft berufen und gewillt. In seinem Geist hat die Arbeitergruppe der Internationalen Arbeitsorganisation in diesem Zahre die Durchbruchsschlacht nm die internationale Regelung der Vierzig st unden-Ivochc geschlagen. Gegen den heftigsten Widerstand der Unter- nehmer und gegen die Winkelzüge zahlreicher Rc- gierungen ist es endlich— spät, doch hoffentlich nicht zu spät— gelungen, dos Verfahren für die Schaffung einer internationalen Vereinbarung in Gang zu bringen. Am 19. Januar tritt die Technische Vorkonferenz zur Beratung dieser Frage zusammen. Bei gutem Willen kann das Ueberein- kommen im Juli 1933 verabschiedet werden. Trog der Anzeichen einer langsamen Belebung der Wirt- schoft ist selb st bei bester Konjunktur nicht init einer wesentlichen Ler- ringerung der Arbeitslosigkeit zu rechnen, wenn nicht durch eine inter nationale Vereinbarung, deren Durchführung in den einzelnen Ländern unter dem Druck der or- ganisierten Arbeiterbewegung erfolgen muß, eine allgemeine gesetzlich vorgeschrie bene Verkürzung der Arbeitszeit stattfindet. Troß der schweren Krise ging das Werk der Internationalen Arbeitsorganisation seinen normalen Gang. Die Zahl der Uebereinkommen hol sich im Zahre 1932 um eines aus insgesamt 33 erhöht. Die 16. Internationale Arbeitskouscrenz bot ein Uebereinkommen über das Mindestalter für die Zulassung von Kindern zur Arbeit in nichtgewerb- lichen Berufen angenommen. Damit ist die letzte Lücke im internationalen Kinder- schutzrecht geschlossen worden. Im Jahre 1932 hat man viel von einer„K r i i e der internationalen Sozialpolitik" gesprochen. In seiner bereits erwähnten letzten Rede auf der 16. Arbeitskonferenz hat Albert Thomas selbst diesen Borwurf im Lichte der Tatsachen widerlegt. Die Zahl der Rätisitalionen der internationalen Uebereinkommen beläust sich zurzeit auf 199 gegen- über III im Dezember 1939 und 117 im Dezeni- der 1931. Den größten Anteil an diesen Ralilikatione» hat die junge spanische Republik. Das ist ein Beweis, daß nur dort in nennenswertem Maß mit einer Verbesserung der sozialen Verhältnisse zu rechnen>st, wo die A r- b e i t e r s ch a f t einen entscheidenden Einfluß aus die öffentliche Meinung und die Regierung auszuüben vermag. Spanien hat insgesamt 39 von 33 bestehenden internationalen Ueberein- kommen ratifiziert und steht somit an der Spitze der Länder, die sich verpflichtet haben, die in Gens vereinbarte» internationalen Vorschriften aus dem Gebiete des gesetzlichen Arbeitcrschuges durchzu- führen. Weit dahinter folgt erst Deutsch- l a n d mit 16 Ratifikationen Wenn auch unsere „autoritären" Regierungen sich der Notwendigkeit einer internationalen Mitarbeit nicht ganz ent- ziehen konnten, so haben sie doch nichts getan, um die Ratifikationen internationaler Ueberein- kommen zu vollziehen. Seit dem Ausschei- den des Sozialdemokraten Rudolf Wissen aus dem Reichsarbeits- Ministerium ist nicht ein einziges internationales Uebereinkommen ratifiziert worden. Deutschland kämpft zur Zeit, durchaus mit Recht, um den neu zu besehenden Posten des stellvertretenden Direktors im Internationalen Arbeitsamt. Ein stärkerer Dille zur praktischen verwirllichung der internationalen Rechtsnormen wäre hier zweissellos, vor allem auch in der Arbeitergruppe, die bei der Besehung dieses Postens ein gewichtiges Dort mitzureden hat, durchaus eine Empfehlung. Die Internationale Arbeitsorganisation hat im Berichtsjahr auch eine Reihe neuer Auf- gaben in Angriff genommen. So hat die 16. Arbeitskonferenz die Frage der Alters-, Invaliden- und Hinterbliebenenversicherung sowie die Frage der Aushebung der gewerbsmäßigen Stellenvermittlung in erster Beratung erledigt und beschlossen, beide Fragen zur endgültigen Verab- schiedung auf die Tagesordnung der Arbeits- tonferenz von 1933 zu setzen. Facharbeiter in Nußland liire wirldictie Lage nach russischen Angaben Der„T r u d"(Nr. 271 vom 27. November I932i berichtet folgendes: „Auf der W o t k i i» f k i- F a b r i k(Uralgebiet) sind über 299 Fachleute tätig. Unter diesen Fach-� leuten befinden sich zahlreiche hochqualifizierte Ingenieure und Techniker, die durch ihre Ratio- nalisierungsvorichläge und ihre aktive Arbeit der Fabrik Ersparnisse in Höhe von mehreren hun- derttausend Rubeln ermöglichten. Es muß offen zugegeben werden, daß die Betriebsleitung und die einzelnen Organisationen im Gegensatz zu allen Anordnungen der Parteileitung größte Räch- lässigkeit gegenüber den Bedürfnissen und Woh- nungsnöten der Fachleute an den Tag legen. Im Sommer und im Herbst dieses Jahres waren die Fachleute der Fabrik gezwungen, täglich stundenlang Schlange nach Brot zu stehen. Der Ingenieur Dawydow hat sich achtmal an den Borsland der geschlossenen Verteilungsstelle und zehnmal an die Betriebsleitung mit der Litte ge- wandt, einen eigenen Laden für die Ingenieure und Techniker einzurichten, jedoch blieben die Be- mühungen ergebnislos. Die Familienangehörigen der Fachleute waren sogar nicht in den Listen der Be, zugsberechtigten eingetragen. Es kam soweit, daß die Fachleute Brot als legte erhielte». Inge- nieur Efimow mit einer neunköpfigen Familie haust ii» einer Badeanstalt, da in seiner Wohnung die Oefen umgebaut werden sollten: mitten:n der Arbeit oerließen die Otensetzer indessen die Wohnung und kamen nicht wieder. Die Ingenieure Vogin, Dobrowolskj und Dawydow erhielten Woh- nungen mit nicht instandgesetzten Oefen. Diese drei Ingenieure haben sich fünfmal beschwerde- führend an die Betriebsleitung gewandt, ledach blieben auch diesinal ihre Bemühungen ergebnis- los. Eine Reihe von Fachleuten hat die Fabrik wegen dieser Mißstände verlassen. Der Abgang der qualifizierten Ingenieure und Techniker hat die Betriebsleitung und den Be- triebsra! indessen in keiner Weise beunnchigt. Alle zuständigen Organisationen und Organe wissen um diese unerhörten Zustände Bescheid, rühren jedoch keinen Finger, um sie zu beseitigen." Der„T r u d"(Nr. 282 vom 6. Dezember 1932> bringt Auszüge aus Briefen von Ingenieuren und Technikern. Aus W e st s i b i r i e u wird geschrieben, daß auf dem Kedrowski-Sowjetlandgut „Swinowod" die Räume, die für sechs Fachleute bestimmt waren, von eineni Verwandten des stellvertretenden Direktors des Sowjet- londgutes bewohnt werden. In der gleichen Zeit hausen in einem Zimmer, das aur für eine Person beslimml ist, sechs Techniker. Der Direktor des Sowjetlandguts interessiert sich in keiner Weise für das Wohlergehen der Fach leute, hat ober für sich selbst ein großes kom- fortables Haus gebaut. Auf Grund einer Ver- ordnung der Sowjetregicrung sollten in der Stadt Kamenskoje im Gebiet Dnjepropetrowsk(Sow- jetukraine) 199 Wohnungen für Fachleute im Lause der Jahre 1932/33 gebaut werden.. In Äamenskoje, wo viele Eisen- und Stahlwerke, Kokereien, Kraftwerke und andere Großanlagcn vorhanden sind, leiden zahlreiche Fachleute unter der Wohnungsnot. Indessen sind die Bauarbeiten erst im Anfange, obgleich die Bausaison zu Ende gegangen ist. Aus M i l l e r o w o wird geschrieben, daß die dortigen Behörden zwar einen Laden nur für Fachleute eingerichtet haben, in diesem Laden seien aber nur Puder und einige Büchsen schlechten Kafsees zu finden. Ab und zu gibt es Brot. Die Fachleute und ihre Frauen müssen täglich Schlange stehen Der„Trud"(Nr. 281 voni 9. Dezember 1932) schreibt unter der Ueberschrist„Die Klagen der Ingenieure und Techniker bleiben unbeantwortet", daß der Leiter des Ladens Nr. IS, der für Fachleute bestimmt ist, sehr oft grob zu den Käufern wird. Das Beschwerdebuch des Ladens Ist mit Klagen überfüllt. Allein im Oktober gingen 11 Klagen ein. In diesen Beschwerden wird über die Unordnung im Laden, unhöfliche Behandlung durch die Verkäufer, das Schlangeslehen usw. ge- klagt. Die meisten Klagen bleiben unbeantwortet. Allein schon diese wenigen Beispiele zeigen, wie es um die wirkliche Lage der russischen Fachleute bestellt ist. Es wird immer wieder auf die große Arbeitslosigkeit unter den Ingenieuren und Technikern des Auslandes, vor ollem Deutschlands, hingewiesen und es wird die Lage der Fachleute in Ruhland gepriesen. Nun handelt es sich in alle» Fällen, in denen Klage» russischer Techniker und Ingenieure laut werden, nicht um Arbeitslose, sonder» um voll beschäftigte Fachleute, die vielfach als K a p a z i t ä t e n auf ihrem Gebiet gelten und dementsprechend auch von den über- geordneten Sowjetinstanzen durch Orden, P r ä m i e n und dergleichen mehrfach ausgezeichnet worden sind. Nie Ahnungslosen Lin Nazi wird belehrt Der aus den urteutsche» Namen Adamczyk hörende Nazi, Mitglied des Preußischen Landtags, hat in einer Kleinen Anfrage bemängelt, daß Finanzminister Klepper eine Verfügung erlassen habe, wonach in die slaatlichen Betriebe nur solche Personen als A n g e st e l l t e ein- gestellt werde» dürften, die vorher gleichfalls ichon in staatlichen Betrieben beichäsrigt waren. Darauf ist dem Abgeordneten der auchsozialistischen Nichrarbeiterpartei von Finanzminister Klepper folgende Belehrung zuteil geworden: „Die Frage der Einstellung von Angestellten in die preußische Staatsverwaltung ist t a r i f v e r- t r a g l i ch, und zwar durch die§8 8 bis 12 des preußischen Angestellten-Tarifvertrages geregelt. Danach sollen— bei der Annahme gleicher Leistungen— ehemalige Angestellte der preußischen Staats- oder einer Reichsverwaltung Vorzugs- weife berücksichtigt werden. Eine Abweichung hiervon gäbe den örtlichen Betriebsvertretungen ein Einspruchsrecht. Durch Runderiah ist lediglich die im§ 12 des preußischen Angestellten-Tarifoertrages vorgesehene B e- nugung der Arbeitsämter ausführlicher geregelt. Dieser Runderlaß... hält sich im Rahmen der tarifvertraglichen Abmachungen. Die Angestelltenorganisationen haben seiner Her- ausgäbe z u g e st i m m t. Eine Aufhebung des Erlasses ist nicht beabsichtigt." Ob bei dem Naziabgeordneten, der über Dinge redet, von denen er offenbar keinen Schimmer hat, diese Belehrung fruchten wird, müh man be- zweifeln. Sie stellt jedenfalls in ein helles Licht, wie bei den Nazis Arbeiterrechte ausgehoben sind. Dänischer GroßkonslM Kopenhagen, 28. Dezember. Wie bereits gemeldet, sind die tohntarise der Seeleute vom Reedereioerband gekündigt worden, wovon 8000 Mann betroffen werden. Jetzt wird bekannt, daß darüber hinaus so gut wie alle Tarife zum 1. April 1933 gekündigt wurden, so daß sich die Zahl der Betrossenen auf 150 000 Mann erhöht. Allerdings sind davon mindestens 50 000 Arbeiter zur Zeit ohnehin erwerbslos. Ale Lohnsteuer Ein Arbeitsloser wundert sich In einer Zeit, in der alle Kreise der„Wirt- schalt" über Steuerdruck und soziale Lasten klagen, sind es die Arbeiter und Angestellten, die allein pünktlich ihre Steuer zahlen, ohne Abzug, ohne zu murren. Die Steuer wird ihnen einfach vom Lohn oder Gehalt abgezogen. Während früher wenigstens die während eines Jahres zuviel abgezogene Lohnsteuer wieder zurückgezahlt wurde, ist auch damit Schluß gemacht worden. Demgegenüber erscheint es geradezu als grotesk, daß selbst erwerbslose Arbeiter die Lohnsteuer zahlen müssen, wenn sie auch nur ein- mal ausnahmsweise an einem Tage nicht erwerbslos, sondern aushilfsweise beschäftigt sind. Gesetzlich ist das allerdings ganz in der Ordnung, wie die Lohnsteuer überhaupt. Dennoch bezweifeln wir mit dem Kellner, der uns sein Erstaunen darüber bekundet, daß eine solche Ord- nung richtig ist. Am 1. Mai wurde der Mann abgebaut. Ii» Oktober bekam er eine Aushilfsarbeit von vier Tagen und im Dezember bekam er schon wieder eine Aushilft von drei Tagen In acht Monaten hat der Kellner an sieben Tagen gearbeitet, er muß also für die sieben Tage Lohnsteuer bezahlen Ein lächerlicher Betrag für den Fiskus, den er wieder herauszahlen müßte, wenn er nicht vor Herauszahlung gesichert wäre. Ob die Verbitterung, die durch solche Steuer- einzieherei geschaifen wird, den Zteuerbetrag wert ist, das steht auf einem anderen Blatt. Im Ernst: es ist zu fordern, daß A u s h i l f s- arbeiten lohn steuerfrei sind, wenn sie eine bestimmte Anzahl von Arbeitstagen, in einem Monat etwa acht Tage, bis zu 61 Tagen im Jahre nicht überschreiten. Wer nur ein Jahreseinkommen an soviel Tagen hat, ist steuerfrei. Schon als eine gewisse Kompensation für die verweigerte Rückzahlung zu viel gezahlter Lohnsteuer, wäre eine derartige Freigrenze für Aushilfsarbeit Erwerbs- loser angebracht. Musterarbeitsordnung Eür Heer- und Marineverwaltung Der Reichswehrminister hat eine Arbeits- ordnung für die Arbeiter der Heeres- und Marineoerwaltung unterzeichnet, die mit dem Hauplbetriebsrat vereinbart wurde. Sie ist als Musterarbeitsorhnung in 2590 Excm- plaren an sämtliche Dienststellen des Heeres und der Marine versandt worden Die örtlichen Dienststellen sind verpflichtet, unverzüglich mit ihren Betriebsoenretunge» diese Arbeits- ordnung zu vereinbaren. An dem Abschluß dieser Arbeitsordnung haben der Hauplbetriebsrat und die gewerkschaftlichen Organisationen schon seit Jahren gearbeitet. Die Musrerarbeitsordnung erfüllt nicht alle Wünsche der Gewerkschaften: immerhin ist sie eine Basis für die Herstellung des notwendigen Kontaktes zwischen Belegschaft und Verwaltung. Der Ab- schluß stellt eine» gewerkschaftlichen Er- folg dar: denn bei den Verhandlungen waren große Widerstände bei einem Teil der Vermal- mngsstelle» und im Ministerium selbst zu über- winden. Die Widerslände lagen, wie schon die Tatsache des Abschlusses zeigt, nicht beim Reichs- wehrminister und auch nicht bei dem Sach- bearbeiter in der Abteilung Heer: im Gegenteil: diesem ist ein gut Teil des positiven Ergebnisses der Verhandlungen zuzuschreiben. Man darf nun wohl erwarten, daß draußen die Dienststellen der Haltung des Ministers Rechnung tragen und die neue Arbeitsordnung nicht nach bisher vielfach geübten Mechoden sabo tieren Für die Arbeiter in den Betrieben des Heeres und der Marine zeigt der Abschluß der Arbeitsordnung von neuem, wie notwendig die gewerkschaftliche Organisation ist. GefHäftemaPer >Vir warnen Der Ertrinkende greift nach einem Strohhalm und so ist es verständlich, daß jedes Inserat, in dem Arbeit angeboten wird, eine Fülle von Zuschriften nach sich zieht. Diesem versränd lichen Drang nach Arbeit hat sich eine Firma K. E. Skowronek.„Versandtgeschäf t", G u h r a u. Bezirk Breslau, zunutze gemacht und in einer Anzahl von Provinzblättern unter der Rubrik„Stellungsangebote" Annoncen eingesetzt, in denen angezeigt wird, daß durch Adressenschreiben und Klebearbei- t e n Geld verdient werden könnte. Als sich nun ein Kleinrentner aus diese Annonce meldete, bekam er nachfolgendes, vervielfältigtes Rundschreiben zugesandt: „Ihre Bewerbung gelangte in meinen Besitz und teile ich Ihnen mit, daß ich laufend Bedarf an Klebearbeiten habe, und zwar handelt es sich um die Aniertigung von Bildern und Wetter- karten. Ihre Beschäftigung bei der Wetterkarte z. B. würde darin bestehen, je zwei Karten zu- sammenzukleben, aus welchen eine Figur mit einer von mir mitgelieferten Lösung bestrichen wird. Bei den Bildern ist der Arbeitsgang fast der gleiche. Die fertigen Karten werden dann noch zu je 25 Stück abgezählt, mit einem Streifen Papier umklebt und mit Ihrer Adresse versehen an mich zurückgesandt. Sie erzielen hierbei leicht einen Stundenverdien st von 19 bis 69 Pf. Wo weitere Familienmitglieder mithelfen, erhöht sich der Verdienst entsprechend. Da Sie Interesse für eine jäeimarbeit haben, werde ich Ihnen nach Ablauf von 3 Tagen, wenn ich nichts Gegenteiliges von Ihnen höre, meine Hei m arbeits mappe zum preise von 2,50 M. per Nachnahme zusenden. Die Arbeits- manpe enthält außer genauer Arbeitsanleitung nebst Mustern für obige Arbeiten noch folgende Anleitungen.' Adressenschreiben als Hauptberuf. Nebenverdienst durch schriftliche Heimarbeit, Abfüllen von Ehampoon und Tee in kleine Beutel, leichte Näharbeit für Frauen und Mädchen, die im Be- sitz einer Nähmaschine sind. Alle Arbeiten, d i e von mir vergeben werden, werden von mir zurückgenommen und bezahlt. Arbeift- Material wird geliefert. Auszahlung erfolgt für olle bis zum 19. abgelieferten Arbeiten am 15. und für alle bis zum 25. abgelieferten Arbeiten am 1. des folgenden Monats. Kapital oder Vorkenntnisse sind nicht erforderlich, sondern die Ar- beitern können sofort nach Eingang der Anleitung nebst Mustern begonnen werden. Der Arbeitslose, der»ach 2,59 M. Hai. tut gut daran, sie für etwas Besseres auszugeben als für die„Lzeimarbeitsmappe." Hierzu 2 Beilagen Dcr..Uotmorls" ectcheint wochenlagüch zweimal,»du, Haas unö Monlags einmal ölluitrtcele Sonnlagsbeilage Volt and Zeil", Bezagspleite: SachenIIich 75 Pf., manalllch 3,2.5 SB(boDon S7 Pl monallich rüt ZalteUung in? Haust ,m voraus zalilbar. Pastbezag 3.37 M einschließlich 80 PI Pastzeilung. and 72 Ps. Poslbeslellaebiihren.-ZlaslandsatiDnnemeni 5,3.5 M pro Ronal: für Länder mit ermäßigtem Druftfachenporio 4 6.5 M. Bei A siall der Lieferung wegen Iishecer Sewalt briteln kein Anspruch der Abonnenien aa! Ersaß, i Zl» zeigenpreise: Sie einspaltige Millimeterzeile 33 Ps. Retlamezeile 1.50 M.„Kleine Anzeigen" das iettgebruckte äSori 23 Pf jedes weitere Wo« 10 Pf Rabat' taut Tarif Sorte Uber 15 Buchstaben zählen für zwei Warte Ardeifsmarkt Millimeterzeile 25 Pt. Familienanzeigen Millimeterzeile 16 Pf. Anzeigenannabme im Haaptgeschä't Lindensir. 3. wochentäglich non SVi bis IV Üb Der Verlag behält sich das Recht der Abl-Hnung nicht genehmer Anzeigen aar. I Berantwortlich für Palitit: Rudolf Brendemirhl; Virtichaft: S. älingethüf«! Gewerkschaftsbewegung: 3, Steiner: Feuilleton:.Herbert Lepe«; Laiales und sonstiges: Friß Starstädr: Anzergen: vtta Hengst; sämtlich in Berlin./ Verlag: Barwärts-Berlag E. IN. b. H., Berlin. Druck: Barwärts-Buchdruckerei und Berlagsanstalt Paul Einger u. Ca., Berlin EW. 6b, Lindenftr. S. ERSTE BEILAGE DONNERSTAG, 29. DEZ. 1932 Die„große Zeit" der Reichspost Arbeit für 370000 zwischen Weihnacht und Neujahr Weihnachten unö Neujahr sind für die Beamten und Angestellten der Post Tage hoch st er Beanspruchung. Da werden ständig Leistungen von jedem einzelnen gefordert, die ivcit über das alltägliche Mah hinausgehen. Nur das Bewußtsein kann sie sur diese Arbeitslast entschädigen, Mittler zwischen den Menschen zu sein. Grüße und Nachrichten als gern gesehene Bolen von Haus zu paus zu tragen. Oer reitende Bote Was wissen wir eigentlich von der Post? Sie arbeitet so reibungslos, so unnunällig selbstvcr- ständlich, daß wir sie erst dann vermissen, wenn Mlr sehnsuchtig irgendeine Sendung erwarten, oder irgend etwas zufällig einmal nicht klappt. Rund 370090 Menschen arbeiten in ihrem und unserem Dienst. Ein weit verzweigtes Reg von Poslanstalten, Telegraphenanstalten und Fern- sprechstellen steht zu unserer Verfügung. Aus etwa 7600 Einwohner kommt eine Postanstalt, auf rund 114.? je ein Telegraphen- oder Fernsprechamt. Und kein Hilfsmittel bleibt ungenutzt, wenn es gilt, Briefe, Pakete, Telegramme und anderes in den entferntesten deutschen Winkel zu befördern. Man glaubt sich zurückversetzt ins Mittelalter, das den reitenden Postboten als eine selbstver- ständliche Erscheinung kannte, wenn man erfährt, daß er seit der Landpostoerkrastung wieder hier uitd da in Erscheinung getreten ist, da die Inhaber der in großer Zahl geschaffenen Poststellen den Zustelldienst versehen müssen und sich hierbei auch des Reitpferdes bedienen. So sieht man im inhaltsreichen Reichspostkalender für 1033 einen solchen reitenden Boten aus dem 20. Jahrhundert wie er in Poppenhagen, Köslin-Larid, mit Paketen und Briefen bepackt, hoch zu Pferde seine Arbeit tut. Aber auch der primitive Schlitten ist noch nicht im Dienste der Post ausgestorben. In Gebirgsgegenden, die dem Kraftwagen den Dienst unmöglich machen, ist auch heute nach das einfachste Verkehrsmittel das sicherst«. Wenn in ein- samen Gebirgsdörfern die Weihnachtsbäume brennen, dann ist der Postbote oft noch a u f Schneeschuhen unterwegs, um Freude in die Hütten zu bringen, in harter, veraMwortungs- bewußter Arbeit. I�Ierlwiirdixes vom Kraftpostdienst Viel wäre zu berichten über den Krastpoftdienst. Wer weiß z. B., daß die Führer der Postkraft- wagen wegen der sich häufenden Raubüberfälle mit Schußwaffen ausgerüstet wurden, und daß sie in der Führung der Waffe ausgebildet werde»? Der normale Kraftpostverkehr ist ja all- gemein bekannt, aber daß die Kraftpost auch Feucrwehrdienste leistet, dürste ein Kuno- sum sein, das Beachtung verdient. Gar nicht weit von Berlin entfernt liegt in der Neumark das Dorf Altkarbe. Hier wird zur Beförderung der Motorspritze und der Bedienungsmannschaften ein Kraftomnibus der deutschen Reichspost benutzt. Di« Motorspritze und der Schlauchwagen laufen als Anhänger, und die Stcigeleiter wird auf dem Ver- deck verstaut. Ein anderer Postautobus hat die Aufgabe, an Sonn- und Feiertagen den Posaunen- chor und die Kirchgänger vom Postamt Melle zur weit entfernten Kirche zu befördern. Damit aber sind die Sonderdienst« der Kraftpost bei weitem nicht erschöpft. Sic hat unter anderem aus Antrag die Arzneiversorgung auf dem flachen Lande zu übernehmen. So übergibt z. B. ein Landar.st dem Kraftfahrer einen Brief mit Rezepten, den dieser an der ersten Apocheke zur Erledigung abliefert, und die nächste Post nimmt die Arzneien mit und liefert sie den Empfängern aus. Im ganzen verfügt die Reichspost über mehr als 12 000 Kraftfahrzeuge aller Art. NaturseLutz:— Zwergenpostamt Bei der Post ist scheinbar kein Ding unmöglich. Sie treibt, wie der Kalender van 1933 oerrät, so- gar Naturschutz. In dem Städtchen Rötha bei Leipzig harte sich ein Meisenpaar einen Briefkasten ausgerechnet als Brutstätte erwählt. Was tat die lierliebende Post? Sie brachte während der wichtigen Meisengeschäfte einen Aushilfsbrieskasten neben dem bebrüteten an und warnte die Brief- kastenbenutzer, die Vögel zu stören. Ja, sie hielt durch einen Sperrhaken die Seitenkloppe des Vogelnestkastens auf, um dem Mcisenpaar die Arbeit zu erleichtern... Ein anderes Kuriofum leistete sich die Post in Berlin, ohne daß es hier in der Vicrmillionenstadt sehr bekannt geworden wäre. Im Frühjahr 1932 hatte sich ein Zwergenvölkchen im Südosten Berlins in kleiner selbstgebauter Wohnstadt von dreißig Häusern niedergelassen. Die Deutsche Reichspost verstand Spaß und richtete den Liliputanern ein eigenes M i n i a t u r p o st o m t mit richtigem Dienstbetrieb ein. Selbst der diensttuende Post- beomte war einer der Zwerge. Ein besonderer Briefstempel zeichnete es außerdem aus. Kein Wunder, daß das seltsamste Postamt, das Berlin je gehabt hatte, sich eines regen Zuspruchs erfreute. Berlin besitzt noch eine andere postalische Kuriosität. Die Auskunjtsstelle des Haupttele- g r a p h e n a m t s, die Auskünfte über alle Fragen des Telegramm-, Fernsprech-, Funk-, Post- und Posischeckverkehrs erteilt, ist von sprachenkundigen Beamten besetzt, die in nicht weniger als 2 3 Sprachen Auskünfte erteilen können. Nicht jeder spricht natürlich alle 23, aber wir dürften es hier mit der Stelle zu tun haben, die am meisten an das babylonische Sprachengewirr erinnert. * Zum Schluß sei noch ein Kuriosum der Reichs- post erwähnt: Das höchste deutsche Post- a m t. Es liegt auf der Z u g s p i tz c und zwar im Schneefernerhaus der Zugspitzbahn, 2650 Meter über dem Meere. Sic wird von einem Angestellten der Zugspitzbahn verwaltet und dient vor allem den Glücklichen, die der Großstadt entsliehen können, um Ausspannung und Abwechslung in den Hochregionen der Alpen zu suchen. Nicht nach Abefsinien Warnung vor Auswanderung Di« furchtbare Arbeitslosigkeit in Deutschland und den meisten europäischen Ländern hat die Blicke der Erwerbslosen auf Länder gelenkt, die von der Wirtschaftskrise nicht in gleicher Weise in Mitleidenschaft gezogen sind oder gezogen scheinen. Viele glauben, in Abefsinien ein solches Land gesunden zu haben. Diese Annahm« ist leider nur scheinbar richtig. Wenn die Folgen der die ganze Erde um- spannenden Wirtschaftskrise in Aethiopien wem- ger in Erscheinung treten, so liegt dies zum größten Teil an der Anspruchslosigkeit der Mehrheit der Bevölkerung des äthiopischen Reichs. Diese durch die Gunst des Klimas ge- förderte außerordentliche Bedürfnislosigkeit erlaubt es den Einheimischen, die Krise leichter zu über- winden als Völker mit höheren Ansprüchen Diese größere Widerstandskrast gegen die Folgen der Krise darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, daß die Konsumkraft auch hier gesunken ist. Für den einwandernden Arbeitsuchenden äußert sich diese verminderte Konsumsähigkeit der einge- borenen Bevölkerung in der Unmöglichkeit, Ver- dienst zu finden. Die wenigen Fremden im Lande, durch die Krise schwerer getroffen als die Abefsinier selbst, sind nicht in der Lage, für die geschwun- dene Kaufkraft der Landeskinder Ersatz zu bieten. Nur zu viele sind selbst ohne Verdienst. E r- werbslosensürsorg« gibt es nicht. Es ist ferner zu bedenken, daß die tropischen Gebiete Aethiopiens für körperliche Arbeit der Europäer ungeeignet sind und besonders im Hochland— die Hauptstadt Adis Abeba liegt 2450 Meter hoch— die Höhenluft die Arbeitsfähigkeit des Einwan- derers beeinträchtigt. Praktisch bestehen für Zuwandernde, von ganz wenigen Ausnahmen wie z. B. Aerzten abgesehen, nur zwei Verdienstmöglichkeiten in diesem Lande, zum mindesten im Anfang, Arbeit im D i c n st e der Landesregierung oder als A n g e- stellter von Fremden(Kausleute, Techniker, Handwerker usw.). Beide Möglichkeiten smd zur- zeit nur in verschwindendem Maße gegeben Deutsche, oie die Absicht haben, in Aethiopien er- werbstätig zu sein, werden dringend davor ge- warnt, auf gut Glück nach dort zu reisen. Die Enttäuschungen könnten recht bitter sein. Zur Einwanderung nach Abefsinien kann nur geraten werden, wenn der Einwandernde im Besitz eines festen Kontraktes mit einem als zuver- lässig bekannten Arbeitgeber im Lande ist. Auch in diesem Falle empfiehlt es sich, vor der Ausreise Erkundigungen bei der deutschen Gesandt- schast in Adis Abeba einzuziehen. Neue Straßennamen Mit Einwilligung des preußischen Staats- Ministeriums hat der Polizeipräsident folgende Straßenumbenennungen im Polizeibezirk Berlin vorgenommen: Im Ortsteil Wilmersdorf ist die Privatstrahe zwischen dem Südwestkorso und Feuerwehr griffen in die Bekämpfung des Brandes mit drei Schlauchleitungen ein. Die eine Straßen- feite der Hermannstraße mußte für jeden Verkehr polizeilich gesperrt werden, um die Löscharbeilen nicht zu behindern. Straßenbahnen, Autos und Fuhrwerke wurden etwa zwei Stunden lang über die Berliner und Wißmannstraßc umgeleitet. In der verkehrsreichen Gegend hatten sich bald Tausende von Schaulustigen eingesunden, obgleich es von dem eigentlichen Brandherd nichts zu sehen gab. Der Schaden soll sehr hoch sein. der Kreuznacher Straße in Barnaywcg ge- tauft worden, und zwar nach dem bekannten Schauspieler Ludwig Barnay, der der Begründer der Genossenschaft Deutscher Bühnenangehöriger ist, die kürzlich ihr bOjähriges Bestehen feierte. Im Ortstell Reinickcndorf-Oft wurde die Privatstraßc zwischen dem Mariabrunner Weg und der Stargarder Straße in Eisbärcnweg umbenannt. Diese Straßenbenennung ist in An- lehnung an die im Volksmund geläufige Bezeich- nung„Eisbären" für die Männer, die dort aus einem in der Nähe befindlichen Teil im Winter Eis gehauen haben, erfolgt. Feuer im Kino! Gekätirlioker Brand in Neukölln In dem Neuköllner„R o l l k r u g- L i ch t- s p i e l t h e a t e r" in der Hermannstraße 257/258 entstand in den gestrigen Nachmittagsslunden ein gefährlicher Brand. Ein großer Teil des Zuschauerraumes wurde durch Feuer- und Wasserschaden schwer in Milleidenschast gezogen. Nachmittags waren mehrere Handwerker in den Kellerräumen unter dem Kino mit Schweiß- arbeiten an einer Dampfheizungsanlage be- schäftigt. Dabei ist offenbar nicht mit der not- wendigen Vorsicht verfahren worden. Mehrere Fensterverschalungen und die Decke gerieten in Brand und von hier nahmen die Flammen un- bemerkt ihren Weg in den Zuschauerraum des Lichtspieltheaters. Die Sitze und die hölzerne Wandbekleidung boten den Flammen reiche llkahrung. Mehrere Löschzügc der alarmierten Wieder Tunnelunglück Fiink Tote bei Cordoba in Spanien Madrid, 28. Dezember. Nachdem in den letzten Tagen der Schnellzug Madrid— Barcelona zweimal ohne schwere Folgen entgleiste, und bei San Sebastian eine Lokomotive insolge falscher Weichenstellung aus den Schienen sprang, ereignete sich am Dienstagabend ein neues und folgenschweres Eisenbahnunglück bei E o r- dabo. Zn einem Tunnel entgleisten 32 wagen eines Güterzuges. Aus dem riesigen Trümmerhausen wurden fünf Tote und sechs Verletzte geborgen. Neue Friedrichfir. 99 Die Wobnbölle soll verschwinden Die Sozialdemokralen haben im Preußischen Landtag folgenden Urantrag eingebracht: Das Gebäude Neue F r i e d r i ch st r. 99 droht in sich zusammen zu fallen(im„V o r w ä r t s" Nr. 593 wurde darüber ausführlich berichtet. D. R.). Rund 50 Menschen, die in dem Gebäude Hausen, sind damit der ständigen Lebensgefahr ausgesetzt. Eng zusammengepfercht sitzen die Familien in den dunklen Höhlen. Selbst am Tage bei hellem Sonnenschein muß in diesen Löchern künstliches Licht gebraucht werden. Soweit über- Haupt eine Lichtleitung vorhanden ist, gehört sie den Mietern. Die Mieter, die keine eigene Licht- leitung besitzen, behelscn sich mit Petroleumlampen oder Kerzen. Die Feuchtigkeit und Kälte dringt nicht nur durch die völlig versallenen Fenster und Türen, sondern auch durch die Spalten des alten brüchigen Mauerwerks. Der Hausbesitzer hat auf dem Hofe zwei Klosetts auf- gestellt, die von den Bewohnern des ganzen Hauses, einschließlich der ersten und zweiten Etage und des Dachgeschosses, benutzt werden müssen. Das Gebäude ist von Ungeziefer aller Art verseucht. Die Wasser- und Abfluß- leitungen sind nicht in Ordnung. Die alten brüchigen Abflußrohre lassen die stinkenden Ab- wässer durchsickern in die Wohnungen. Eine Wasch- küche ist nicht vorhanden Die Mieten für die Be- Nutzung dieser Wohnlöcher reichen beinahe heran an die Neubaumietsätzc. Der Hausbesitzer hat aus dieser alten Ruine eine monatliche Gesamtmietein? nähme von 450 bis 500 M. Wir beantragen daher: Der Landtag wolle beschließen, das Staatsmini- sterium zu ersuchen: 1. Die Polizeiorgane anzuweisen, im Hause Friedrichstr 99 ihres Amtes zu walten, das Ge- bäude sofort zu räumen und für eine anderweitige Unterbringung der Mieter Sorge zu tragen. 2. Bis zur Durchführung dieser Maßnahmen den Vermieter anzuhalten, o) die in den Mietver- trägen festgesetzten Mietsätze ganz erheblich. mindestens um 50 Proz. herabzusetzen! b) bereits eingeleitete gerichtliche Verfahren gegen einzelne Mieter rückgängig zu machen „Die Generäle der Republik." Im Rahmen eines Sonderabends spricht aus Einladung der„Deut- scheu Liga für Menschenrechte" Wilhelm Herzog am Freitag, dem 6. Januar, 20.30 Uhr, im Plenarsaal"des Reichswirtfchaftsrates, Bellevuc- strahe l5, über das Thema„Die Generäle der Republik"(eine historische Parallele). Borsitz: Heinrich Mann. Karten an der Abendkasse. I— ä 1# ♦ ä» A■■ O O 1% � n Ick Co fl von®,nem lOtel Liter an xu Orie'nalpreisen und Kostproben gratis In allen mit* flclii � VtJIIi r*X. II versehenen Geschäften— ächtung: t Liter enthält ca. mehr als eine plasche S LR U k4: •N, Brunnenjtriße 42 *N. Müllerstraße 144 •N, Chausseeatraße 76 O, Koppenstraße 87 •N. Prenzlauer Allee 50 •N. Schlvelbeiner Str. 6 •O, Petersburger Str. 42 •SO. Grünauer Str. 15 •SO, Köpen IckerStr.l 34/5 •SW, Bergmannstr. 11 •W,Martin-Luther-Str.86 •NW. Gotzkowskystr. 31 •NW Wilsnacker Str. 25 •Steglitz: Schloßstr. 121 •Charlotten bürg;Wilmer$ hänzig machen. N. erklärte aber: ich fühle mich vollkommen gesund. So, und was ist denn das für«in Stempel?, fragt« ihn der Richter. Das ist der amtliche Stempel des anarchistischen Pereins. Und was ist das für ein Verein? Dar- über verweigere ich die Aussage. Der Mann wurde zu einem Jahr Gefängnis verurteilt.„Ich möchte lieber ins Zuchthaus", sagte er noch zum Schlug... Untersuchungsgesängnis Moabit zu diesem Zwecke für geraume Zeit in einer öffentlichen Irren- a n st a l t internieren zu lassen. Die Verteidiger Hintzes vertreten den Stand- punkt, daß er den tödlich ausgegangenen Reoolveranschlag auf die Sängerin in einem un- zurechnungsfähigen Zustande infolge Geistes- g e st ö r t h e i t verübt habe. Der Untersuchungs- richter hat infolge des Antrages Medizinalrot Schlegel als medizinischen Sachverständigen mit der Erstattung eines Gutachtens beauftragt. In wenig Worten In einem Anfalle von Verfolgungswahn erhängte sich gester» in ihrer Wohnung in der B a r b a r a st r a ß e 194 in Berlin-Lankwitz die 40 Jahre alte Frau Gertrud S t e! n b e r g. Als die Tat von Angehörigen entdeckt wurde, war der Tod bereits eingetreten. Die Leiche ist beschlog- nahmt worden. •k Ein Berliner Gericht entschied, daß der Finder eines gestohlenen Autos 1 Proz. des Wertes des herrenlos aufgefundenen Wagens als Belohnung zu beanspruchen habe: für diesen Be- trag hat nach der Meinung des Gerichts die zu- ständige Versicherungsgesellschaft aufzukommen. * Diebe drangen in die Potsdamer Villa des früheren Vorstandsmitglieds der Dresdner Bank, Hermann G u t t in a n n, ein. Sie ent- wendeten für etwa 10 000 Mark Wertsachen. ★ Der bewährte Leiter der Literarischen Abteilung des„S ch l e I i f ch e n Rundfunks", Dr. Engel, wurde durch den bisherigen Leiter der Evangelischen Presse st elle, Mirbl, abgelöst. * Zwischen den Bahnhöfen Ettlingen und Bruch hausen(etwa 10 Kilometer von Karls- ruhe) wurde am Mittwochabend ein Kraft- wagen von einem Personenzug erfaßt, etwa 100 Meter mitgeschleift und völlig zermalmt. Die Insassen, der Viehhändler Müller aus Grötzingen und sein Sohn, wurden getötet, die Ehefrau lebensgefährlich verletzt. * Aul dem Naumannschen Gutshoi in Mahl- winkel(Kreis Wolmirstedt), auf dem eine Sprit- brennerei betrieben wird, ereignete sich eine Explosion. Der große Kessel, der zum Dämpfen der Kartoffeln dient, platzte plötzlich auseinander. Die Explosion war so heftig, daß die Wände des Brennereigebäudes eingedrückt wurden und das ganze Haus zusammenstürzte. Der Brennmeister Führer wurde unter den Trüm- mern begraben.und erlitt schwere innere Ber- legungen. Ein Knecht wurde leichter verletzt. * Die New Porter Staatspolizei, die kürzlich das Berliner Polizeipräsidium von dem Eirtweichen des berüchtigten Hochstaplers und Scheckbetrügers Vasil Murgulescu aus Albany telegraphisch benachrichtigte, hat jetzt mit- geteill, daß der Betrüger aus einer der Haupt- straßen von Mexito-City gefaßt werden konnte. Der Betrüger arbeitete— wie berichtet— mit gefälschten Travellerschecks und hat dabei ver- schiedene Banken in Köln und Berlin geschädigt. * In New Port wurde mit festlichen revueartigen Darbietungen, bei denen u. a. die deutsche Sänge- rin Vera Schwarz und der Tänzer Harald Kreutz- berg von der Berliner Staatsoper mitwirkten, das 6200 Sitzplätze fassende Roxy-Theater und das ungefähr gleichgroße R o x y- K i n o eingewecht. Beide Theater bilden einen Bestand- teil von„Radia-City". Es soll in„Radio-Eity" keine kahlen Dächer mehr geben, sondern mehrere übereinander gelagerte Dachgärten, deren große Rasenflächen mit Bäumen, Büschen, Statuen, Springbrunnen und sogar einer Nachbildung des Niagarafalls geschmückt werden sollen. In der Verwirklichung dieser Pläne sehen Enthusiasten „das achte Weltwunder". * Die ungarischen Justizbehörden sind von Oester- reich verständigt worden, daß der Eisenbahnatten- täter M a t u s ch k a, der in Oesterreich eine sechs- jährige Straje verbüßt, demnächst den u n g a r i- schen Gerlchtsbehörden zur Aburteilung zur Verfügung gestellt werden wird. Oesterreich hat an die Auslieferung zwei Bedingungen ge- tnüpft: Erstens soll Matuschka nach seiner Ber- urleilung den österreichischen Gerichtsbehörden wieder zurückgegeben und zweitens soll ein etwaiges Todesurteil an ihm nicht vollstreckt werden Bekanntlich haben die deutschen Be- Hörden aus die Auslieserung Matuschkas verzichtet und zugestimmt, daß er wegen des Iüterboger Eisenbahnanschlags ebenfalls in Ungarn abgc- urteilt wird. * Vor der Pariser Strafkammer begann noch monatelanger Borunteriuchung die VerHand- lung gegen den französischen„Goldmacher" Dunikowsti, der zahlreiche französische und eng- lifche Kapitalisten um beträchtliche Beträge geschä» digt hat. Dunikowski behauptete, eine Maschine, durch die reines Gold hergestellt werden könne. erfunden zu haben. Als er den Zaul'erapparat feinen Geldgebern vorführte, funktionierte er auch— die Anklag« meint: mlt Hilfe betrügen» scher Tricks. Bor gerichtlichen Sachverständigen arbeitete die Maschine nicht.., Der Mann mit der Brandfackel Erpresserhriefe am laufenden Band Die Konsumwahlen 1933 Wählt Liste Genossenschaftsaufbau 2Im 15. Januar 1933, von 9 bis 14 Uhr, finden die Wahlen der Vertreter zur Generalver- sainmlung der Konsum-Genossen- s ch a f t Berlin und Umgegend statt. Noch nie ist gerade van feiten der Kommunisten, der„revolutionären Genossenschafts- opposition", mit soviel Lügen und Gemeinheiten gegen die Verwaltung der Genossenschaft gearbeitet worden wie zur bevorstehenden Wahl. Man glaubt auf jener Seite, die ungeheure Not und Ver- elendung breitester Volksschichten ausnügen zu müssen, um die Massen gegen die„reformistisch- faschistisch verseuchten" Führer der Genossenschafts- bewegung mobil zu machen. Alle bereits seit Iahren in Wort und Schrist widerlegten Anwürfe und Verleumdungen nicht nur gegen die führenden Genossenschaster, sondern auch gegen jeden ehren- amilichen Funktionär, der sich zur Sozialdemo- kratischen Partei bekennt, werden immer wieder aufgetischt, um auf diese Art und Weise Stimmen- sang für die kommenden Wahlen zu üben. Dieselben Kommunisten, die Jahre hindurch in den Generalversammlungen der Genossenschaft jedem Neubau, jedem Grundstückserwerb, jeder Errichtung einer neuen Verteilungsstelle zuge- stimnit und selbst derartige, noch weitergehende Anträge gestellt haben, spielen sich heute als Propheten aus und behaupten, daß sie schon längst die Krise und ihre Folgen vorausgesehen und „warnend ihren Finger erhoben" hätten. Not und Elend werden ausgenutzt, um die davon am ineisten Betrossenen in die„Einheitsfront der proletarischen Genossenschastsopposition" hineinzu- treiben. Diese„proletarische Genossenschafts- opposition" hat ja durch ihren Einspruch beim Amtsgericht erreicht, dah all den bedürftigen aus- }J(>cwfats''-li(ltt»te»ret-tl-. 2. Hof, 2 Treppen recht», zu richten Z. 2«. 2». Z». 52. 8». ivi. Iii«. t2z. «. M. 4. Vegrnn aller Veranstaltungen Uhr, sofern keine besondere Zeitangabe! tteei«. Di- Erwerbslosenzusainmintünste heute. Donneestng,'allen aus. Nächste gusammentunst Donnerstag, Ii. Januar, an betannten(stellen. »reis. Der heulige Erwerbslosenuachiuittag fällt aus. Nächste Zusammen- tunfl Donnerstag, ä. danuar, an den betannten Stelle». Abt. Wir feiern Silvester mit den„Freien Wasserfahrern Aufwärts" im Moadiier SchUheuhaus, Nordufer 28. Eintritt 50 Pf., erwerbslose Genossen Abt! Die BeKrtsfährer rechnen Donnerstag und Freitag mit dem Ab- teilungslasiierer Marlen und Sammellisten ab, eventuell Berireter schilten. Abt. Freitag, 50. Dezember, 10 Uhr. bei Lux, Porstandssitzung mit de» Z-hl-bendleitern. 20 Uhr Sihung sämtlicher Zunltionäre ebenda. Abi. Freitag, 00. Dezember, 20 Uhr, eripeilert« Vorstandssthung bei Pommerening. Abt. Freitag. 10'- Uhr. bei Richter, Pnnz.Hairdiern.vtr. Z, auKerordent- »che Zuuttionärsstzung.... und 100s. Abt. Die Genossen und Genossinnen beteiligen nch an dem der Ärdciterwohlsahrt. Arbeitsgemeinschaft der kinderfreunde. »reu, berg: Achtung! Die neue Hclscrinformatio» ist von de» Ab. . irjlungsl'itern abzuholen.— Berichtigung des Silvefterschreibens! i Wir tr-sfeii uns zum..Lustigen Jahresende der Kreuzberger Helfer" i nicht um 15 Ubr sondern UM>7 Uhr im Heim OZarttstr. i I. Jeder J, brtngi wenigstens ei» tleincs Pflichtgeschent zum stultlapv mit. Abt. Köpenick! Heute. Donncrsiag, 17 Uhr, Kinder-Zille-Fest im WZ grossen Saal des Stadttheaters Abpenick. Ende 10 Uhr. Eintritt Pf., Kinder und Erwerbslose 10 Pf. 57. Abt. Unser Scilossc S ch r r m a ch c r, Wielandstr. 1«, ist nach längerem Leiden am Mittwoch verstorben. Ehre seinem Andeuten! Trauerfcier Freitag, 12'- Uhr,.nreniatoriuni Wilmersdorf. Zahlreiche Beteiligung erbeten. »8. Abt. llichtcnrade. Am 25. Dezember ist unser Genosse Johann Wufike gestorben. Ehre seinem Andeuten! Die Bestattung findet am Freitag, 11 Uhr, auf dem Friedhof in Lichtenrade statt. Um rege Beteiligung wird gebeten. ll» Sozialistislhe Arbeiterjugend Groß-Verlin Einsendungen fstr diese Bubrit nur an das Jugendsetretariar Berlin CW 68. Lindenstraße 2, vor» 1 Treppe rechts. Proletarisches Orchester der SA?.. Gruppe vt Heute, 20 Uhr, Prob« in Reu. Be- irtsausichussfahrt am 21. Dezember. Trefspunlt IS Uhr Bhf. Erkner s Bahnsteigs. Die jüngeren Genosse» treffen sich um 16H1 Uhr pltnttlich vor dem Schlesischen Bahnhof«Wriezener Bahn). � «bteiluagsleiter! Sorgt dafür, daß die Bescheinigung ,»r die Fahrpreis. ermässigung auf der Reichsbahn für das Jahr 1988/84 abgeholt wird, da dieselbe für eventuelle öiivestcrsahrten unbedingt benötigt wird. syeute, Donnerstag. 20 Uhr: Sumboidthain: Putbusser Str. 22: Funktionärversammlung.— Schillcrpart: Schöningstr. 17: Lustiges Jahresende.— Araswalber Plag II: schijnlanter Sliiass« 11: Lustiges Jahresende.— Faltplat, l: Sonnenburger Str. 20: Bunter Abend.— Humonaplaz! Gleinistr. 33—35: Lustiges Monatsende.— Nordost 11: Danziger Str. 62, B. 3; Hchallplahtenabend.— Hallesches Tor: WrUstr. u; Uustiae» Jahresende.— Hafenheil)«: Vassertorltr. 4: Funktionärversammlung.— stottbiisier lor: Urbanslr. 167: Lustiges Jahresende.— Südwest: Lindenstr. 4: Tagesoolitit.- Westend: Sporiplass Westend: Lustiges Jahresende.— Friedrich». bogen: Friedrichstr. 30: Sezuelle Fragen.— Tegel: Schöneberger Str. 2: Lustiges Jahresende.— Buch: Ksimobeno fällt wegen der Schulferien aus.— Reu. lälln lll: Heimabend, Eanghoferstrasse.— Nenkülln IV: Attivgruppe, Gang» hoferstrasse. Werbcbczirl Wedding: Der Aelterenkurfuo fällt aus. �reie Gewerkschafis-Iuqend Berlin I Heule. Donnerstag, 20. Dezember, um ID'-i Uhr, tage» die Gruppen: Schlcsilches Tor: Jugendheim Manteuffelstr. 7. Lustiges Jahresende.— Südosten: Jugendheim Zieichenberaer Str. 60(Feuerwehrhau,). Lustiges Jahresende. Sewcrllchastshaus: Saal 11 des Gewerkschaftshauses, Engel- Ufer 24—25. Wir kieken in da» alte Jahr.— Tempelhoft Jugendheim Sermanla. strasse 4—6(Lnzcumi. Wir halten einen Rückblick in Wort und Bild auf das alte Jahr.- Moabit: Jugendheim Lehrter Str. 13- io. Fahrtcnklatsch.— »iipcnick: Jugendheim Grünauer Str. 5(Nähe Bahnhof Spindlersfeldi. Bolks- tanzabcnd.— Schoneweide: Jugcndhci», Laufencr Str. 2. Die FG?. und die andere» Jugendoiganisativiic».— Schönhauser Tor: Jugendheim Tieckstr. 13 (Feuerwehrhaus). Lustiges Jahresende.— Zeppelinplah: Jugendheim Turinrr Ecke Seestrassc, Eingang Turiner Strasse.— Gesundbrunnen: Jugendheim Rote Schule, Gotenburqci Str. 2. Lustiges Jahresende.— Osten: Jugendheim Frank. furter Allee 307(Lönsziminer). Lustiges Jahresende.— Rcu-Lichtenberg: Jugendheim Gunterstr. 44. Jirchenlreuz und Hatentreuz.—Lichtenberg: Jugendheim Dossestr. 22. Alfred Gutheit bringt uns etwas Neues.— Landsberger Platz: Jugendheim Ebertpstr. 12. Distufsion über Artikel in der Gewerlfchafts. oder Tagespresse.— Staaken: Jugendheim>7. Bolksschule, Gartenstadt,»irchplatz, Autobushaltestelle 31. Gruppenabend fällt aus.— Iugendgruppe des Verbandes der Nahrungsmittel, und Getränkcarbeitcr: Jugendheim Neue Schönhauser Strasse 4—5. Besuch der Sternwarte in Treptow, 20 Uhr.— Iugendgruppe des Belieidungsarbeiteroerbandes: Jugendheim Eebastianstr. 37—38. Ei» Weihnachts- abend. @LuaenVqruppe des Zentralverbanoes Oer Anaeste Ilten Heute, Donnerstag, finden folgende Veranstaltunaen statt: Nordost U: Jugendheim Schönlanker Str. II.„Fort mit den Grillen"(lustiges Jahresende).— Norde»: Jugendheim Putbusser Strasse(Alte Schule). Et» Rück- blick auf das Jahr 1032.— Osten: Jugendheim der Schule Litauer Str. 18. Zahrcsendfeier.— Stralau: Jugendheim Dosscstrasse(Zimmett 3). Rückblick auf das zu Ende gehende Jahr— Ausblick auf das Jahr 1033.— Treptow: Jugend- heim Elseiistr. 3 iPrivathau»). Lustiges Jahresende. SPD..Zrattion der Afü-Arbeiter Staaken. Donnerstag, 20. Dezember, 20 Uhr. bei Wittschuh, Petersburger Str. 5, Sitzung der SPD.-Froktion. Vorträge, Vereine und Versammlungen Reichsbanner„Schwarz-Rol-Gold". G c i ch ä 1 1 s st» l I«: Perlin s 14 Sedastionftr 37—38 So' 2 Tr Steglitz lOrtsverrin): Unser stamerad Hermann Schulz, Pirkbusch. strasse, ist verstorben. Antreten zur Bcerdiaung heute, Donnerstag, 2». Dezember, 15 Uhr, auf dem Parkfriedhof Lichterseide. Bundeskleidung.— Ortsverein: Der Turnabend am Donnerotag, 29. Dezember, fällt aus. Rächster Turnabend Donnerstag, 3. Januar. 20 Uhr.— Ortsverein Mitte, Jungbanner: 3. Kameradschaft am Donnerstag, 20 Uhr, Vollversammlung, Ecwerkschaftshaus, Saal 11. Ardeiter. Stenographenverein Gross. Berlin, Ortsgruppe des Arbeiter.Stcno- graphenverbandes für das deutsche Sprachgebiet. Ansängcrkurse in Einheits- iurzschrist beginne» in der 2. Januarwoche iii alle» Stadtteilen. Ucbungsabcnde in Bertchrs. und Debatteschritt lauten ständig im Rorden, Nordosten und in Neukiilln. Auskunft erteilt der Vorsitzende: Otto Wenghocfer, Velten(Mark), Dilhelmstr. ißt, Ferngas als Arbeitsbeschaffung? Hier würde gutes Geld schlechtem Geld nachgeschmissen Man hätte sich murtbcrn müssen, wenn bei den neuen Versuchen zur Arbeitsbcschassung nicht wieder für die Durchführung van Zweifel- haften Projekten Stimmung zu machen versucht worden wäre. Wo öifentliche Gelder zur Verfügung gestellt werden, haben ja privatkapitalistische Kreise nie eine Hemmung, Vorteil davon zu ziehen So ist es auch jetzt wieder bei dem neuen Gereke-Programm. Die„Deutsche Bergwerks-Zeitung" und andere, der Schwerindustrie nahestehende VläUer haben sich dafür eingesetzt, daß von den für die Arbeits- bsschaffimg aufzubringenden Mitteln auch Gelder zum Bau von Aerngasleitungen abgezweigt werden. Man hat schon davon gesprochen, daß eventllell die Riesenleitung Hannover— Berlin ge- baiet werden könnte: mit besonderer Bestimmtheit wird aber der Plan vertreten, eine Leitung von Siegen nach Darmstadt zu bauen, und es wurde sogar auch die Summe von 7 M i l l i o n e n Mark genannt, die dafür auszuwenden wäre. Man hat diese Bauten damit begründet, daß die an der Strecke liegenden Gemeinden einen nicht unerheblichen Teil ihrer Arbeitslosen auf diese Weise in Arbeit bringen und ihre Wohlfahrtsetats entlasten könnten. Ein besonderes Interesse an diesem Projett haben die R u h r g a s A.- G„ eine von den Ruhrzechcn beherrschte Gesellschaft, und die Hessische Kommunale Gas A.-G.(Hekoga), eine ge- mischtwirtschaftliche Gesellschaft, an der die Ruhr- gas A.-G. in großein Umfang? beteiligt ist. Seit vielen Iahren hat die Ruhrgas A.-G. versucht, nach Süddeutschland mit der Gaslieserung vor- Mehr denn je beherrschen Interessentenhaufen die internationale Handelspolitik. Das am Mitt- woch im Auswärtigen Amt in Berlin unter- zeichnete Zusatzabkommen zum deutsch- französischen Handelsvertrag van lllZ? bietet sür diese Totfache ein klassisches Beispiel. Diese Feststellung gilt in gleichem Maße für beide Vertragspartner. In Frankreich wird der Zustand inlernationaler Arbeitsteilung nach wie vor zugunsten der einheimischen Interessenten- gruppen, in erster Linie der Industrie, unter- bunden, und auf deutscher Seite hat man auch in diesem Vertrag wichtige Interessen der deutschen Exportindustrie zugunsten einer Befreiung von agrarischen Zollbindungen preisgegeben. Der Worllaul dieses Zusatzabkommens wird erst am 2ll. Dezember veröffentlicht. Das Ziel der französischen Unterhändler war, die in dem alten Vertrag von 1g27 mit Deutschland vereinbarten Z o l l b i n d u n g e n zu lösen. Da in dem Vertrag mit Deutschland von den zirka SOOÖ französischen Zollbindungen mehr als 70 Proz. verankert waren, wollte Frankreich durch die Auf- Hebung dieser Bindungen freie Hand gegenüber seinen anderen Handelsvertragspartnern erhalten, da bei Anwendung der Meistbegünstigungsklausel alle übrigen Vertragspartner Frankreichs in den Genuß der an Deutschland gewährten Zollbindun- gen gelangt waren. Soweit bisher Einzelheiten über das neue Ab- kommen durchgesickert sind, haben beide Länder in diesem wichtigsten Punkte ein für Deutschland allerdings sehr teures Kompromiß geschlossen. Ein Teil der alten Zolldindungen soll mit sofor- tiger Gültigkeit ausgehoben werden und der Rest mit nur noch lltägiger Frist kündbar sein. Dieses starke Zugeständnis an Frankreich, das jetzt die Möglichkeit zu zahlreichen industriellen Zollerhöhungen erhalten hat, ist zweifellos nur aus dem Grunde erfolgt, um von den agrarischen Zollbindungen gegenüber Frankreich, von denen die wichtigsten die Bindungen sür Gemüse und Obst sind, freizukommen. Der Einfluß der agrarischen Jnteressentenhaufen wirst hier bereits seinen Schatten auf die bevorstehenden Handelsvertragsverhandlungen mit Holland. Wenn nach der Lösung der wichtigsten Zoll- bindungen mit Frankreich der alte deutsch-franzö- fische Bertrag von 1027 in seinem Rahmen er- halten bleiben soll, und auch das Prinzip der Meistbegünstigung aufrechterhalten wird, so'st dies nach der Wiedererlangung der französischen Zollautononne leider nicht mehr als ein nennens- werter Erfolg zu bewerten. Es kommt hinzu, daß Frankreich an feiner K o n t i n g e n t s p o l i t i k — es sind im Laufe der letzten zwei Jahr« rund llOO verschiedene Warengruppen-Kontingente eingeführt worden— nach wie vor grundsätzlich festhält. Dem Zusatzvertrag ist ein Deoisenabkom- men beigefügt, dessen wichtigster Punkt die Er- leichterung der deutschen Devisenzwangswirtschaft im Interesse französischer Worenimporte ist. Ein abschließendes Urteil über diesen Bertrag läßt sich erst nach Veröffentlichung des Wortlautes fällen. frovisomcke» Kanada-Abkommen Zwischen Deutschland und Kanada ist jetzt ein vorläufiger Vertrag zustandegekommen, der Zoll- erleichterungen für beide Länder schafft. Da zustoßen. Das ist ihr bisher nicht gelungen, weil die Ferngaslieferung nach Süddeutfchland privat- wirrfchaftlich eine Pleite und volkswirtschaftlich unzweckmäßig ist. Aus jenen Zeiten existiert noch die Hekoga, die heute nichts ist als ein leerer A k t i e n m a n t e l, und die trotz größter An- strengungen bisher nur Lieferungsverträge iür noch nicht eine Million Kubikmeter Gas sicher- stellen konnte: das ist eine Gasmenge, die dem Jahresverbrauch einer Kleinstadt entspricht und für die eine Ferngasleitung zu bauen einfach lächerlich wäre. Das ganze Bhein-Main-Gebiet bietet für Fcrngaslieferungen überhaupt keine Chance. Die großen Städte Frankfurt und Darmstadt scheiden aus, weil sie ohnehin höchst moderne Gaswerke haben. Das Vcrbrauchsgebiet Mainz und Wiesbaden ist neuerdings zusammengeschlossen worden und kann von dem modernen Werk in Mainz mehr als versorgt werden. Jndustriegas- lieferung kommt nicht in Frage, weil das Gas gegenüber der Kohle immer noch viel zu teuer ist. Aus volks- und privatwirtschaftlichen Erwägungen dürfte die Ferngasleitung Siegen— Darmstadt so niemals gebaut werden, und der einzige Grund für das Borwärtstreiben dos Projektes ist darin zu erblicken, daß die Ruhrgas A.-G. jetzt billiger zum Legen der Leitungen käme und später einen Druck auf die Gemeinden zum Ferngasbezug aus- üben könnte, mit dem Hinweis daraus, daß die Leitungen ja nun einmal da seien. Die voltswirtschaftliche llnsinnigkeit des Baues von großen Ferngasleitungen ist auch ganz klar vom Reichswirtschostsrat erkannt und ausgesprochen worden, als dieser sich mit der zwischen diesen beiden Staaten bisher noch kein Handelsvertrag abgeschlossen worden ist, würden vom 1. Januar lgZ3 ab die Iniporte der beiden Länder mit den besonders hohen Zollsätzen des kanadischen Gcneraltariss bzw. des deutschen Obertarifs belastet werden. Beide Regierungen haben daher beschlossen, bis zum Abschluß eines Handelsvertrags sich autonom die gegen- seitigc Meistbegünstigung zu gewähren. Gesebrnrnpkter Welthandel Der amerikanische National Foreign Trade Council berechnet den Gesamtumsatz im inter- nationalen Handel für die e r st e n 10 Monate 1932 auf Grund der Durchschnittswerte des Jahres 1913 auf rund 16, SS Milliarden Dollar gegen 21,06 Milliarden in der gleichen Periode des Vor- jahres. Der Welthandel ist somit im ablaufenden Jahre um etwa 2 l Proz. zusammengc- schrumpft, während er im Jahre 1931 gegenüber 1930 einen Rückgang um lOl-.! Proz. aufzuweisen hatte. Es wird darauf hingewiesen, daß sich die Schrumpfung des Ausfuhrhandels der V e r- einigten Staaten, der 1931 einen nahezu doppelt so starken Rückgang wie die Exporte der Viel Interessantes über die Wirkungen der Krise enthalten die nüchternen Zahlen, die soeben in einem Berichtdes staatlichen Finanzamts in New-Port vorgelegt werden und die den Rückgang der Einkommen im Jahre 1931 dartun. Das Einkommen lSteuern usw.) der öffentlichen K ö r p e r s ch a s t e n mit 3110,6 Millionen Dollar war das niedrigste seit den Iahren vor dem Kriege. Verglichen mit 1930 zeigte es einen Rück- gong um 2S16,6 Millionen Dollar, mit dem Jahr der höchsten Blüte 1929 eine Abnahme um 8543,2 Millionen Dollar. Dos Einkommen von Einzelpersonen war aus 13 231,3 Millionen Dollar gegenüber 17 220,7 Millionen Dollar im Jahre 1930 und 25 226,3 Mil- lionen im Jahre 1928 zurückgegangen. Seit dem Jahre 1924 waren nicht mehr so wenige Einkommen von einer Million Dollar und mehr zu verzeichnen. Es sind heute nur ungefähr 75, gegenüber 150 im Jahre 1 930, 513 im Jahre 1929 Nur süns Personen haben Einkommen von 5 Millionen gegenüber acht im Jahre 1930: sieben Einkommen von 3 Mil- lionen bis 5 Millionen gegenüber zehn im früheren Schätzungsjahr: zwölf solche zwischen 2 und 3 Millionen, gegenüber einundzwanzig: drei- zehn zwischen 1!- und 2 Millionen gegenüber vier- undzwanzig und neununddreißig zwischen 1 und 1J4 Millionen Dollar gegenüber sechsundachtzig. Feststellung von Plänen für die Arbeitsbeschaf- sung befaßte. Der Reichswirtschaflsrat hat klar erkannt, daß die technische Zweckmäßigkeit von Ferngasleitungen noch eine völlig ungeklärte Frage ist, daß über- flüssigerweise neue Arbeitslosigkeit erzeugt wird, wo städtische Gaswerke stillgelegt werden, und daß es sich in aller Regel in der Ferngaswirtschaft auf lange Strecken um unrentable und unproduktive Neuanlagen handelt, weil der Preis für das über weite Strecken bezogene Gas gegenüber der ört- lichen Erzeugung und auch gegenüber der gebiet- lichen Gruppenversorgung nicht vorteilhast sein kann. Wir halten es für notwendig, alle mit Ferngas- Plänen im Rahmen der Arbeitsbeschaiiung befaß- ten Stellen auf das nachdrücklichste vor Experimenten auf diesem Gebiete zu warnen. Mögen im Rahmen der gebietlichen Gruppengasversorgung hier und da kleinere Fern- gasleitungen auch unter Wirtschaftlichkeits- und Rentabilitätsgesichtspunkten gebaut werden können. Wir wissen, daß einige solcher Lokalprojekte schweben. Es ist aber kein Zweifel darüber, daß man gutes Geld schlechtem Gelde nach- werfen würde, wenn man etwa an den Bau der Ferngasleitung Siegen— Darmstadt herangehen würde, oder gar noch größere Projekte ins Auge faßte. Wir sind gewiß weitherzig bei der Prüfung von Projetten zur Arboitsbefchaffung. Aber wenn keine Spur von Wirtschaftlichkeit dabei zu erblicken ist und nur dem Herrschasts- und Ausbeutungs- willen schwerindustrieller Kreise durch solche Ar- besten Vorschub geleistet werden soll, dann müssen wir Fehlprojekten mit unserem schärfstem Protest begegnen. anderen Länder aufzuweisen haste, im laufenden Jahre mst 21 Proz. der Entwicklung des gesamten Welchandels ziemlich genau anpaßt. Die Exporte Deutschlands. Frankreichs und Japans sind im laufenden Jahre um je 24 Proz. und die Exporte Großbritanniens und Kanadas um je 20 Proz. gesunken. (»utes Wasser gescbäft Höhere Gewinne bei Charlottenburger Wasser Der vorjährige Abschluß der C h a r- l o t t e n b u r g e r Wasser- u nd Industrie- werke A.- G. brachte eine große Ueberraschung: der Dividendenvorschlag mußte von 7 auf 4 Proz. ermäßigt werden, da sich herausstellte, daß die Millionenguthaben des Unternehmens bei der Verwaltungsbank(Joseph Goldschmidt u. Co.) eingefroren waren. Damals kauften die Charlottenburger Wasser- werke von der Bank drei Millionen Mark eigene Aktien zu 60 Proz., um einen Teil der Forde- rungen zu verrechne«: von diesen Aktien ist in diesem Jahre eine Million mit Gewinn verkauft worden. Für die R e st f o r d e r u n g e n von 2,4 Millionen Mark wurden im Vorjahr 2 Mil- lionen Mark und in diesem Jahr noch einmal 0,4 Millionen Mark zurückgestellt.' Im übrigen zeigt der Abschluß vom 30. Sep- Gewinne aus Spekulationen von Einzelpersonen, die im Jahre 1929 2239,7 Mil- lionen Dollar erreicht haben, sind in diesem Jahre wiederum auf 283,3 Millionen Dollar gesunken. Dagegen spricht man von Spekulations- Verlusten in Höhe von 1043,6 Millionen Dollar im Jahre 1931. Bei diesem Rückgang aller Einkommen und Vermögen erhebt sich die Frage: Welches sind heute die reichsten Männer der Vereinigten Staaken? Das Geheimnis, das über dem Vermögen Henry Fords liegt, ist niemals gelüftet worden. Sieht man von ihm ab, so dürsten als die zehn reichsten Männer mit folgenden Zahlen umgerechnet m Mark onzu- führen sein: Der jüngere John Rockefeller mit 2380 Millionen, George Baker mit 560 Mil- lionen, Charles Schwab mit 350 Millionen, S i d n e y Mitchell mit ebenfalls 350 Mil- lionen, Edward Harkniß mit 280 Millionen Vincent Astor mit 238 Millionen. Edward H a r r i m a n mst 224 Millionen. I. P. M o r g a n mit 210 Millionen. Arthur Curtis James mit 196 und Payne Whitney mit ebenfalls >96 Millionen. Die Mitteilungen über die Höhe der Einkommen im Jahre 1932 werden im März des nächstenJahres erfolgen und werden voraus- sichtlich ein„noch trüberes Bild" bieten. Arme Dollarmillionäre! tembsr, ein wie glänzendes Geschäft die Wasser» Versorgung ist. Die ordentlichen Abschreibun- gen wurden von 0,8 auf 1,2 Millionen Mark erhöht, trotzdem stieg der Reingewinn von 2,4 auf 3,4 Millionen Mark, so daß die Dividende auf das umlaufende Kapital von 58 Millionen Mark von 4 auf 5 Proz. erhöht werden konnte. Die W a s s e r a b g a b e hat sich um 3 Proz. erhöht, bei 1736 Neuanschlüssen. Mit der Ge- mcinde Groß-Machnow wurde ein neuer Wasser- liefernngsvertrag abgeschlossen. Das Unternehmen rechnet bei Besserung der Konjunktur mst einem starken Anwachsen des Wasierbedaris— und einem entsprechenden Ansteigen der Gewinne! Wasser- werke sind Monopolbetriebe: sie gehören daher in die öifentliche Hand, damit die Ge- winne aus so lebensnotwendiger Versorgung der Allgemeinheit zugute kommen, damit die Tarif- Politik— und über die der Charlottenburger Wasserwerke ist häusig geklagt worden— nach sozialen Gesichtspunkten festgesetzt, die aus- reichende Versorgung gesichert wird. Erbebte Spareinlagen Auch im November günstige Entwicklung Nachdem im Monat Oktober zum erstenmal seit der Bankenkrise des Sommers 1931 ein echter Einzahlung süberschuß bei den Spar- kassen festzustellen war, hat sich diese Entwicklung auch im November fortgesetzt. Die Einzahlungen betrugen 349,3 gegen 399,5 Millionen Mark im Vormonat, während die Rück- Zahlungen 339,5 gegen 384,2 Millionen Mark er- reichten. Der Einzahlungsüberschuß im November beträgt damit rund 9,8 Millionen, zu denen noch an Zins- und Aufwertungsgutschristen 13,4 Mil- lionen Mark hinzukommen. Der Gesamt- b e st a n d der Sparkasseneinlagen, der im Oktober von 9730 auf 9759 Millionen gestiegen war, hat sich damit Ende November auf 9782,8 Millionen erhöht. Die Schrumpfung bei den Ein- und Aus- Zahlungen im November gegenüber dem Vormonat ist auf jahreszeitliche Gründe zurückzuführen. Bankpleite in Brandenburg Das Bankhaus Müller u. Ca. in Branden- bürg a. d. H. hat am Mittwoch seine Zahlungen eingestellt. Das Bankhaus ist durch den Konkurs der Brandenburg Allg. Bersicherungs-A.-G. in Mitleidenschaft gezogen worden, da es zur Nach- Zahlung auf übernommene Aktien dieser Gesell- schaft im Werte von mehr als 100 000 Mark vsr- pflichtet war. Die Bank hat ihre Zahlungen bei Fälligwerden dieser Forderung eingestellt, itm nicht ihre sämtlichen Gläubiger durch die Deckung dieser hohen Einzeliordcrung zu schädigen. Zur Durchführung der Abwicklung wird von dem Banthaus ein Moratorium von einem Jahr gefordert._ Das Massenelend Fleischverbrauch sinkt rapide Bis zur Iahresmitte konnte der Fleischkonsum trotz der ungeheuren Arbeitslosigkeit einen ver- hältnismäßig st a b i l e n Stand bewahren, da das starke Angebot besonders an Schweinefleisch eure fühlbare Senkung der Preise herbeigeführt hatte. Aber schon im dritten Quartal zeigte sich ein Rückgang des Verbrauchs von 11,8 auf 10,9 Kilo- gramm je Kopf der Bevölkerung im Vergleich mit der entsprechenden Zeit des Vorjahres. Während aber regelmäßig in den Wintermonatcn der Fleischkonsum steigt und sich im vierten Quartal 1931 auf 14,2 Kilogramm je Kops er- höhte, ist der Konsum von Oktober bis Dezember 1932 auf 10,5 gegen 10,9 Kilogramm im vorher- gehenden Quartal geschrumpft. Das bedeutet, daß in den letzten drei Monaten d. I. der Fleisch- verbrauch um in ehr als 27 Proz. unter dem Konsum der entsprechenden Vorjahrs- monate liegt. Die Verelendung der Massen hat also einen Grad erreicht, daß nicht einmal die billigsten Fleisch- sorten mehr erschwinglich sind. Diese Tatsache wirft ein Schlaglicht aus die Winter- Hilfe des Schleicher Kabinetts. Was soll den verelendeten Massen die Fleischverbilligung nützen. wenn sie überhaupt nicht in der Lage sind, sich ein Stück Fleisch zu kaufen? Unter diesen Umständen bleibt die Wimerhilse nur ein soziales Schein- manöver. Für die Durchführung der sozialdemo- kratischen Anträge auf unentgeltliche F l e i s ch l i e f e r u n g an die Erwerbslosen aber wollte der Finanzminister Graf Schwerin-Krosigk angeblich kein Geld übrig hoben. 70 Jahre Adam Opel. Die A d a m O p e l A- G. in R ü s s e l s h e i m a. Rh. begeht jetzt chr 70iähriges Firmenjubiläum. Aus diesem Grunde haben die ehemaligen Familieninhaber wie die Gesellschaft eine Stistunq von Iii Millionen Mark err'cknet. aus deren Einkünften lanqjähriae Werks- angehärige die wegen Alter oder Invalidität aus- scheiden muhten, eine Rente erhalten sollen. ZOO AUllionen Franken für französische Prels- sltiht'na. In einer Nachtsitzung hat die Kammer den Gejegentwurf angenommen, der dem Land- wirtschaftsminister einen Betrag bis zu 300 Mil- lionen Franken(50 Millionen Markj zur Stabi- lisierung der Getreideprcise, Finanzierung der nächstjährigen Ernte und Anlage von Geireide» vorratslagern zur Verfügung stellt. Htandelspolitißekes Zwielicht Der neue deutsch-französische Vertrag Die armen Dollarmillionäre Amerikanische Großvermögen in der Krise ZWEITE BEILAGE DONNERSTAG. 29. DEZ. 1932 Lüdersen machte nämlich linksum kehrt und verließ den Salon ohne ein Wort. Rognos sah ihm nach, erregt, aber unbe- weglich. Hinter ihm aber erhob sich eine lange und gerecht« Lehrerinnengestalt.„Pfui!" sagte sie. „Pfui, Herr Rognos!" Da wandte er sich um, und man sah, daß er totenblaß war vor nervöser Ueberreizung. „Das hätte ich nicht von Ihnen gedacht", sagte sie.„Ich will Ihnen mal was sagen: Ein Mann, der auf seinem Posten fällt, wie Lüdersen, der ist ein Held!" Rognos warf den Kopf rasch und hitzig zurück:„Oder ein Hornochse", fagte er. „Sie sollten sich was schämen! Das finden wir alle!"— Sie wandte sich zu den andern: „Nicht wahr? Herr Engelhordt, können S i e denn nicht?— Sie find doch ein Mann—" Engelhardt ließ das Buch sinken und wurde rot. Aber er nahm sich zusammen und räusperte sich.„Doch—. selbstverständlich". sagte er,„selbstverständlich—" Aber die Worte gerieten ihm gleichsam in die falsche Kehle, und es kam nichts mehr. Da übernahm Fräulem Larfen selbst die Straf- Handlung. „Denken Sie mal an Berger", sagte sie. „Daß ein Mann sich so wenig männlich auf- führen kann. So gänzlich ohne Pflichtgefühl. Fänden Sie es nicht richtiger, den anzu- greifen?" Aber Rognos sah sie spöttisch an.„Der war der einzig Vernünftige", sagte er.„Der war gescheit.— Und dann hat er mich nie mit einer Heldenbandage geärgert."— Er wandte sich ab und ging hinaus. Und weder er noch Lüdersen zeigten sich mehr im Laufe des Abends. Lüdersen nahm den Verband erst am Montagmorgen ab. eh« er zum Frühstück ging. Cr hatte es gleich an demselben Abend versucht, aber es wurde nichts daraus. Und als er sich jetzt wie«in ganz gewöhn- sicher Mensch zu Tisch setzte, hatte er das beschämende Gefühl, daß die Zeit seiner Größe vorbei sei. Nachts hatte er wachgelegen und an den Austritt gedacht. Er konnte es einfach nicht fassen. Absolut nicht. Weder, daß Rognos wirklich meinte, was er sagte, noch daß er sich dazu hatte hergeben können, es zu sagen. Als er ins Zimmer kam. saß nur die Handarbeitsdame am Tisch. Sie berichtete ihm von der Zurechtweisung und versicherte ihm. alle wären einpört gewesen. Auch„Ingenieur Engelhardt", sagte sie. „Denken Sie doch, er war so indigniert, daß er kein Wort herausbekam. Und sonst fällt ihm das doch weiß Gott nicht schwer." Kurz darauf kam indessen Ingenieur En- gelhardt herein und strafte leider ihre Worte Lügen. Er betrachtete Lüdersens zwilen Kopf mit einem Lächeln, dann zog er er- staunt und belustigt die Augenbrauen hoch. Er war schon an sich häßlich genug! und es wurde eine adscheuliche Grimasse daraus. „Gratuliere!" sagte er mit einer leichten Der- beugung. Dann setzte er sich und fing an. von anderen Dingen zu sprechen. Sie kamen einer nach dem andern. Rur Rogno« zeigte sich nicht. Alle dachten das- selbe, aber keiner erwähnte es, um Lüdersen zu schonen. Die Damengruppe war jeden- falls zufrieden damit. Als jedoch Lüdersen zurückkam, um Hut und Mantel zu holen, saß Rognos im Zimmer und wartete auf ihn. Er erhob sich in sichtlicher Verlegenheit und nicht wenig nervös und reichte ihm die Hand.„Ich wollte Sie nicht beleidigen", sagte er. Lüdersen nahm unwillkürlich die dargc- reichte Hand, ehe er noch überlegen konnte. ob er es eigentlich wollte. Als es geschehen war, genierte er sich und Iah weg.„Das dachte ich mir", sagte er. „Ich war bloß gereizt. Vermutlich, well es mich immer so wahnsinnig aufregt, wenn jemand von Krankheit und Berstümmelung redet,— So bin ich nun mal. Von Sterben und Verderben mag ich nichts hören.— Sie verstehen das, nicht wahr?" „Selbstverständlich." Es war ein magerer Trost Aber Lüdersen nahm ihn doch mit. trotzdem er ihn auch wieder ärgerte Und auf dem Wege zum Büro, während er seinen Verband permißte, stellte er fest: Jedenfalls hat die ganze Sache mir Ansehen gegeben. Kein gleichaltriger Molleg« wird mich jetzt so leicht überholen. III. Der Held und die Ge- s ch l a g e n e n. 1. Das gräßliche Derbrechen blieb unaufgc- klärt. Die Berbrecher waren wie von der Erde verschlungen. Sogar die Sachoerstän- digen für Fingerabdrücke standen machtlos. An den Kassen und den Schlüsseln fand man teilweise erhaltene Abdrücke, aber die deut- lichsten stammten vom Personal. Die anderen waren nur Bruchstücke und an Hand der Sammlungen nicht zu identifizieren. Der leise Verdacht gegen Berger wurde von selber hinfällig. Auch hier war nichts u beweisen. Cr war zu schwach begründet. n fast zwanzigjähriger Dienstzeit war Berger stets ein ungewöhnlich gewissenhafter und ehrlisbender Beamter gewesen. Einzig und allein sein Verhalten beim Ueberfall hatte den Gedanken eurer möglichen Beteiligung aufkommen lassen Da war nichts zu machen. Dos Verfahren mußte aufgehoben werden. Nur zwei waren da. die würden es ihr ganzes Leben lang nicht aufheben: Berger und Lüdersen. Keiner von beiden zeigte es dem anderen im täglichen Büroleben. Auch keinem der Kollegen wäre etwas aufgefallen. Die beiden aber wußten es. Sie behiesien sich sozusagen im Auge, wie um sich unterrichtet zu halten, wieviel von dem Geschehenen der andere noch mit sich herumschleppte. Es wurde nicht deutlich zur Schau getragen, aber doch war der eine über den anderen völlig im reinen. Dies hatte wiederum die Folge, daß beide so wenig wie möglich miteinander zu schassen S haben wollten Berger mied Lüdersen und Lüdersen ließ es geschehen, da der andere ja ohnehin keine Person von Belang mehr war. Es versteht sich von selbst, daß Berger die tiefsten Wundmale trug. Für Lüdersen war und blieb das Ganze eine Sache der Eitel- keit. Berger hingegen fühlte sie als einen Klecken und eine Demütigung, die kein ehr- ebender Mann auf sich sitzen lassen konnte. Er lebte in einer fortwährenden schweigen- den Opvosition gegen die Auffassung, die alle die anderen sich angeeignet hatten. Der eigentllche Feind aber war ihm Lüdersen. In ihm war diese Auffassung inkarniert. Ihn hatte sie zum Helden erhöht. Mit seinem schlichten, stillen, fast tnaben» hasten Wesen hatte Berger zum Querulanten wenig Anlage. Er suchte sich im Gegenteil, solange es ging, den Glauben zu erhalten. daß die meisten Menschen es mit ihm hallen würden, wenn er sie sich nur einmal ordent- lich vornehmen könnte. Zu einem solchen linternehmen hatte er allerdings weder Ge- legenhell, noch Freimut genug. Aber all» mählich gewann er doch einen bestimmten, wenn auch nur recht schwachen Eindruck von den Menschen, mit denen er in Berührung kam. Und er entdeckte zu seinem bittersten Staunen, daß er fast ganz allein stand. Wir sind zwei Parteien, stellte er zuletzt fest, ein kleiner Junge und ich auf der einen, und alle andern, mit dem Helden Lüdersen an der Spitze, auf der andern Seite. In Wirklichkeit ist Helene auch bei denen brühen, wenn sie auch nicht mehr davon spricht. Ein schlichter, einfacher Alltagsmensch und ein kleiner Junge von fünf Iahren gegen die ganze übrige Menschheit, das ist eine Unter- legenhell, schlimmer als sich ertragen läßt. Für den Jungen war es ja das Natürlichste. daß ein Bater am Leben zu bleiben hat, einerlei, wie er es fertigbringt. Er dachte über eine so selbstverständliche Sache gar nicht weiter nach. Cr vergaß sie ganz einfach. (Fortsetzung folgt.) Wozu verführt» srüher den und jenen nicht die Eitelkeit,»inen Orden zu besitzen und sich damit dem Volke zu zeigen! Di« Geschichte der Orden ist zum grötzten Teil die Geschichte der menschlichen Eitelkeit. Die folgend« Erzählung, die ein er- heiternder Beitrag zu dieser Geschichte ist, stammt aus dem Jahre 19tö Im Auswärtige» Ami in der Wilhelmstraße gab es einen Ministerialrat M., Sekretär des Geheimen Rats R, der sich durch ein außerordentlich großes Seibilluwußtsein bemerkbar gemacht hatte. Wer ihn kannte, der wunderte sich nicht, daß dieser Sekretär nachdem eine völlig unwichtige Angelegenheit mit Brasilien. die er selbst erst durch leine Korrespondenz aus- gsbauicht hatte, erledigt worden war, das ganze Verdienst der diplomatischen Beilegung für sich in Anspruch nahm. Sein Kolleg» E. war das Gegentell des Sekre- tärs M.. ein Spaßvogel und sür den Beamtenberus eigentlich nicht ernst genug. Als E. einig« Zeit darauf von einer Ballieitiichteit mit einem Ordensstern aus silberglänzendem Zeug nach kzaus« kam. dachte er an seinen Kollegen M., und wie er ihn einmal zum Narren halten könne Er ver- schaffte sich alles, was er brauchte, fälschte, siegelt« und schrieb einen Brief der brasilianischen Negie- rung. wonach M. zum Dank sür die große» Ber- dienst« um Brasilien zum Ritter des Südtreuzes ernannt worden l-i. Der Briciumschiag war portugiesisch gejchriebeni das Siegel hätten auch Kenner aus den ersten Blick für echt gehalten. Unglücklicherweise traf der Arie' mit dem Orden in einem Augenblick bei M»>n, ai» sein Chef, der Geheime Rat R. hinter ihm stand R. war kein gemütlicher Ehes. mißtrauisch und unnahbar. Er sah die offiziell» Adresse bat um Oesfnung des Brieses in seiner Gegenwart und mußte nun sehen, daß d>» brasilianisch- Regierung iernem Sekretär «ine Auszeichnung gesandt hatte, die auf alle Fälle ihm selber zugekommen wäre Weder der Geheime Rat nach sein Sekretär hatren Witterung für Scherze: keiner von beider wagtr angesichts des blitzenden Sterns an einen ichiimmen Scherz zu denken: keiner durchschaut« d>c durchsichtige Mnsiisikation. Ai» der Ehes da» Zimmer oeriletz. ohne seinen Sekretär zu beglückwünlchen. wußte M.. was di» Glocke geschlagen hatte, doch e» be- unruhigte ihn nicht. Die Auszeichnung, wenn auch nach fo unerwartet war verdient, und Stolz drückte sich in feinen Mienen aus. als er den Stern probeweise einmal am Knopfloch befestigte. Inzwischen wurde e» dem guten Spaßvogel C. doch etwa» unbehaglich: der Scherz droht» gesähr- liche Dimensionen anzunehmen Der Geheime Rat fand keinen Trost in der Hoffnung, binnen kurzem mit einer noch höheren Auszeichnung be- dacht zu werden. Cr besaß keinen ausländischen Orden, und nun erhielt sein Sekretär einen— das verstieß gegen alle guten Sitten! Es mar nicht nur«ine Berkennung seiner Verdienst«, sondern auch ein» Beleidigung! Iawoll« Eine Stunde später begab sich der Geheime Rat zu einem Kollegen aus dem gleichen Flur und zog ihn in» Vertrauen. Dieser Kollege betrachtet« die Sache ruhiger und erklärte sie von vornherein als glatte Unmöglichkeit. Es konnte unmöglich ein« Regierung wie die brasilianische»inen solchen Ver- stoß gegen die ungeschriebenen Gesetze riskieren. Ganz ausgeschloffenl Noch eine Stund« später war der gute Spaß- vogel E. im Büro de» Geheimen Rats und der Chef fühlte sich bemüßigt, auf die Auszeichnung de» Sekretär» zu sprechen zu kommen. Da E. be- reit» gemerkt hatte, daß die Ordensauszeichnung schlimme Folgen haben würde, entschloß er sich zum Geständnis und bekannte den Sachverhalt. Zum Schiusie bemerkt« er, daß ihm die Sache selbst höchst peinlich geworden sei: er habe natür- lich keine Sekunde gezweifelt, daß der Scherz sofort erkannt werden würde. Es war fein Glück, daß er diesen Schlußsatz zu seiner Enffchuid>gung vorbracht,. Der Ehes war außerdem froh, daß die Sache so hgrinlole Auf- klärung fand, und ließ den Sekretär kommen. Dieser Halle schon die ganze Zeit hindurch gewußt, daß es dem Chef sehr urnngenehm wäre wenn er den brasilianischen Orden annähme, und erwartet« 3todaXoda:Sehiväiikeromä}allain Du folg-nd« fldiic Hctchichic eindämmt dem achten ÄaiU» der„Ernogorc!" dc» Aicun Pavieevic. Di« Beleidigung. Irgendwie war Zank an der Grenz« ent- standen cm Montenegriner au» Podgoritza unterfing sich, Pein großen Batzo Kurta, albani- schen Wojwoden. in« Gesicht zu schlagen. Die Folgen konnten surchlbor fein, e, muhte Blut in Strömen fliehen. So zogen denn die angesehensten Führer der V«yend zu Batzo Kurta und beschworen ihn. Friede» zu hatten.— Er weigerte sich rundweg. Berzweisell kehrt« Mark Djelosch. Führer jener Absejondten, von Batzo Kurta zurück. Sein jüngerer Bruder aber. Nif vjelnsch,«in ichlichter Schafhirt, sogt«: „Wär ich nicht ein jo gemeiner Mann, und könnt« ich sür«inen lag I», von meiner Herd«: ich weih, wie d«r Wojwod« zu oersöhnen wäre." Darauf antwortete ihm Mark Djelosch: „Ich will an deiner Stell« einen Tag di« Scho»» hüten— geh und oersuch dein Glück! Gut, nächsten Morgen ging der Schafhirt. Er wurde, jeinem Bruder zuliebe, vom Albaner gast- nicht, anderes, als dah man ihn bewegen wollte, den Orden abzulehnen Deshalb sagte er auch gleich, bevor der Chef den Scherz enthüll?» konnte, er werde di« Auszeichnung ablehnen, weil die hohen Herren offenbar dagegen seien. Darauf er- widert« der Eh«' nichts weiter als:„Wir wallen darüber nicht weiter reden Schicken Sie da» Ding zurück!" Ob der Sekretär den Orden wirklich zurück- geschickt hat, darüber ist nichts bekannt geworden. lich empjangen. Und eine,» Nachmittag und«ive ganz« Nacht bat er Batzo, den Backenstreich un- gesühnt zu lassen— Bergebens. Beim Abschied auf der Schwelle de» Hauses, als si« einander die Hänbe reichten, jagte der Schafhirt noch: .Hör«, Batzo Kurta! Glaubst du. dah es einen vernünftigen Menschen gibt, der an deinem- Mut Zweifelt? Wenn nicht, so hilf durch dein Vorbild dazu, daß Menichenleben in Zllbanien gerettet werden. Für all« Zukunft werden sich geringere und weniger tapfere Leute als du bist, aus dich berufen können— dein Andenken wird im Voll fortleben in einem Satz: Wenn Batzo Kurta einen »ackenstreich verzeihen konnte, dürfen wir»s auch." Batzo horchte aus: ..Wiederhol dein« Wort«. Rikal" Der Hirt tat es Da otm«te Batzo tief auf und fproch: „Nita. du host mich besiegt Ich will oergesien." ..Dein Ehrenschild leucht« immerdar", ant» wartet« Riko und umarmte ihn. Heule noch erzählt man sich unser den Albanern von diestm selten«» Beispiil das Edelmuts und Heidentum«. 3)er Schafdieb Sine Sr&ähhmy am Tirol/ Ton Qg. Ticlor meMel �och oom Drtlcr I)cr pfiff der eisige Südwind durch den Neschenpaß und jagte ununterbrochen dicke Waltenbäuke am Piz Lat norbei ins Nauderer Tal und um die Ecke ins llnterengadim Ein ungemütlicher Herbsttag Schon stier unten im Tal. Aber um wieviel ungemütlicher doch noch droben auf den Iöcherin die stinüberfüstrten noch Neu- Italiem Selbst die berggcwostntcn Schafe dräng ten ihre fchmarzen oder gescheckten stelle dicht an die groben Steine, ja, sie stiegen sogar tiefer hinab in die Region der niederen Krüppelföhren und Kranewittstauden, um Schutz zu suchen gegen den zermürbenden Sturm und den eisigen Regen, der erbarmungslos auf die armen Tiere peitschte. .Kläglich blökten die jungen, kaum erst hier droben geborenen Lämmer. � Denn schlimmer als das Ädlerpaar vom Saadcrer Joch, das sonst wostl täglich seinen Tribut aus der Herde holte, weit schlimmer war ja dieser Rcgensturm im Iochwind. Plötzlich wurden die Schaf« unruhig. Irgend etwas Feindliches mußte sich nähern. Erst stoben «in paar Schneehühner auf und burrten eilends bergan. Und dann fegte ein ganzer Schwärm Dohlen kreischend den Hang hinauf. Aber erst als der Nußhäher ununterbrochen und aufgeregt kreischte, war es ganz sicher: da nahte ein Mensch! Jetzt, so spät noch ein Mensch! Die beiden jungen Hirten waren längst wieder abgestiegen nach Naudsrs, wie jeden Abend in dieser Jahres, zeit. Denn selbst diese abgehärteten Menschen hätten eine Nacht hier droben nimmer aushalten können. Es war auch nicht ihr vertrauter, flinker Schritt. Diese Schritte hier klangen matt, müde und irgend- wie schleichend. Unheimlich! Mit einem Satz waren die Tiere auf und sicherten nach unten. Wirklich, es war ein Mensch! Ein Mann, ärmlich, in dünner, verschlissener Kleidung, durch die der Wind pfiff, so daß der Mann zitterte, trotz der Erwärmung des an- strengenden Steigens. Aber keines der vielen Schafe kannte ihn. Freilich, der Handl-Luis hatte ja weder Rind noch Geis, weder Schwein noch Schaf. Ein armer szausweber war er. Aber seit die Bauern nun auch fertige Webwaren kauften, statt der aus selbstgesponnenem Flachs und Wolle, da stand auch der alte Webstuhl fast immer still. Und die sechs Kinder wollten doch ejjen, brauchten Kleidung und nun zum Winter auch Schuhe. l)a, seit die geprüfte» Bergführer im Ort waren, da hörte auch der Nebenverdienst auf. de» früher der Luis gehabt statte, mit Fremdenfüliren auf olle die Berge ringsum. Nur das Bissel Bar- geld kam. ei», das die Frau mit Wäschewaschen noch verdiente— solange die Fremden da waren. Jetzt im Herbst war es auch damit zu Ende, lind nim zum ersten Male ging der Weber unrechte Wege, ging stehlen aus bitterster Not. Ueber tausend Schafe trieben sich hier herum. Und wenn sie im Winter endlich eingetrieben wurden, dann sohlten regelinäßig viele Stücke, die sich verlaufen oder verstiegen hatten, die abgestürzt waren oder die der Adler gegriffen hatte, lieber lausend! Was machte es da wohl aus wenn der Luis sich eins fing? Irgendeinen fetten Hammel, der Fleisch gab auf Wochen hinaus--- Den ganzen langen Tag schon hatte er die Herde geiucht. Er durfte die Hirtenbuben ja nicht fragen, wo sie stand. Und jeden Tag waren sie doch anderswo: mal aus dem Tschegjoch, mal auf dem Ochsenkops oder gar in den Wänden des großen Schaf topf. Nun erst, kurz vor einbrechender Nacht. halle er sie entdeckt. ,, Tschut, tschut, tschut!" lockte er mit den zärtlichsten Tönen und streckte die Linke aus mit dem groben, grauen Salz Aber die Schafe waren holt mißtrauisch. Wohl wagte mal das eine oder andere sich ein Stücklein vor. nie ober weit genug, um das köstliche Salz in Wille- rung zu bekommen, nach dem sie doch alle so sehnlich hungerten den ganzen Sommer lang. Immer im letzten Augenblick sprangen die dummen Tiere wieder fort von der Hand, die so bedrohlich nach Mensch rarst! „Tschut, tschut— Tuifel no amol einer!"— Ja, der Luis fluchte. Scheu waren die Bestien ge- worden, fast wie die Rehe und Hirsche. Kein Wunder. Seit beginnendein Frühjahr waren sie ja nun schon draußen in Wind und Welter und sahen kaum andere Menschen, als die zwei Hirten- buben. Und nun zogen sie sich gar in das steilste Geröll hinauf, direkt unter den Iochgrot, von dem der Wind herunterbließ, daß der Luis gradweg erstarrte in seinem dünnen, schäbigen Janker. Und kmmer dunkler wurde es dabei. Kaum daß er nach die Schafe von den Geröllftemen unterscheiden konnte. Berzweifell machte er Sprung auf Sprung, unsicher schon im Blick und au» den klanimen, müde gewordenen Beinen Und hieb jetzt mit voller Kraft auf solch einen Steinbrocken auf, gerade mit dem Kopf! Das Salz fiel ihm aus der Hand und verstreute sich über die dürre Grasnarbe, während er betäubt liegen blieb. Ein dünner Blutftreifen rieselte von der sorgen- durchfurchten blassen Stirn, Aber der Luis merkte nichts davon. Wie tat lag er, ein graues Etwas, zwischen den grauen Blöcken. Erst Stunden später erwachte er und blinzelte verwundert in die kalte Sterncnprocht über sich. Wo war er denn? Hun- dcrte von dunklen Schatten drängten.sich uni ihn. stießen sich gegenseitig fort und rissen an seiner Kleidung. Herrgott, die Schafe! Und wie gierige Teufel zerrten sie an dem Janker, auf dessen Tasche der Luis lag. Ja, nun statten sie das Salz ge- wittert. Erst hatten sie wohl jenes abgeleckt, das ins Gras verstreut worden war. Und nun, in ihrer Gier, dck fürchteten sie sich auch nicht mehr vor dem stillen Mann da zwischen den Steinen. Zumal sie rochen, was da in der Jankertasche noch ruhte an köstlichster Näscherei! Mühselig richtete der Luis sich am. Ganz steif halle der Frost und Wind ihn gemacht. Und um ein Haar hätten die drängenden Schafe ihn in den Abgrund gestoßen, so klomm und schwach war er. Ganz unheimlich war es. Diese vielen, vielen drängenden Gestalten, vor denen man sich nicht retten konnte: dieses Blöken und Schreien, und dazu eine Finsternis, daß man nicht sehen konnte, wohin man die Füße setzte! Ja, nun hätte man nur zuzugreisen brauchen. Fleisch mar geiiug ringsum. Warmes, blutdurchpulstes Fleisch. Der Hunger ließ einem ordentlich den Speichel uiüer der Zunge zusanimenlousen. Ganz schwindlich und übel wurde dem Luis. ?lb«r in der Tasche mit dem Salz hotte er ja auch noch einen Kanten Brot. Hastig griff er da- nach. Durch den Sturz war die Tüte mit dem Salz zerrissen und das grobporige Brot mar förmlich durchtränkt damit. Er wollte es abklopfen, Aber ichon halle eins der Schafe es ihm entrissen und kämpfte nun mit aller Gewall um den Herr- lichen Leckerbissen. Wie ein Verzweifelter wollte der Luis ihm nachstürzen.„Himmelherrgotts Sak', du Loder! Mei Brat gibst her da!" schrie er. Aber im gleichen Moment waren die Tiere auch schon an der Tasche mll dem Salz. Ihre stumpfen, langen Bleckzähne packten den Stoff, und je mehr der Luis fortstrebte, desto fester stielten die Schate ihn. Mit einem gräßlich»« Fluch gelang es ihm npch einmal, sich loszu- reißen. Aber nun rieselte aus einem gerissenen Loch im Janker dos Salz heraus. Da gab es kein Hatten mehr für die Tiere. Wie ein ungeheures Rudel hungriger Wölie preßte und drängte ihn die wirbelnde Moise bergan. Willenlos mußte der Luis sich treiben lassen von de» sinnlos gewordenen Tieren, Oii stürzte er. Aber immer wieder riß er sich aus, ichreiend vor Angst, taumelte weiter, hieb um sich, trat und pmfte in die wollige Masse, lllrd be- kam mit einem Male Luit. Denn er'ah ja nicht, was die nachtgewohnlen Augen der Tiere sahen: den gähnenden Abgnind dicht unter seinen Füßen. Lull, endlich Luft! Er rannte, rannte über, Ge- röll und glatte Grasnarbe, lind stürzte! Sllirzte über die Wand hinaus— und blieb zerschmettert unten liegen,,,. Ton!Kiin$t1ern und fo Vor dem Kriege Bernhard P l o ck h o r st. der Moler, war oft bei der alten Koiseun August« zu Gaste ge- laden.' Eines Tages, als er wieder einmal von der Hoftafel nach Haufe gekommen war, sagte er zu seiner Frau:„Was ich nur habe, wie mir bloß ist. ich weiß gar nicht— so ein komisches Gefichl im Rücken als fehlte mir da was." Plötz lich geht ihm ein Licht auf:„Ach ja, jetzt weiß ich'?: Der Lakai!" Der Kultusmini st er Ein berühmter Kunschistoriker zeigte einem Kgl. Preußischen Kultusminister sein bekanntes Werk über persische Fayenco-Molerei, Der M> nister wendet schweigend Blall um Bloll: es fällt kein Wort. Schließlich kommt die Abbildung einer schönen Fayence in Weiß und Blau, Der Minister ist sehr erfreut „Ah. die Farben der Göttinger Borussen!" Definition An der Grenze beim Zoll wird ein Reisender angehallen, der eine schöne alte Schale verzollen soll. Es gibt Strell: handell es sich nun um einen Kunstgegenstand oder nicht? Der Zollbeamte entscheidet:„Ein Kunstwerk ist ein Gegenstand, der zu nichts zu brauchen ist." kl. Sell. WM MüMWWM Vctvaltune&stclle Berlin Todes-Anzeige Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Hobler Theodor Lufter geb. I. November 1870, am 27. Dezember gestorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Einäscherung findet am Sonnabend, dem 31. Dezemner, 13z', Uhr, im Krematorium Gerichtstraße stat». Rege Beteiligung erwartet Dir Ortsverwaltan* Achtung! Adilung! Venvaltungsmilglicder! Freitag. den 30. Dezember, keine Sigung der Mittleren Örtsnerweltiiug. Die Orftvcrwalhiiig. ff (> ( Theater, Lichtspiele usw. Sinais Thealer Donnerstag, den 29. Dezember staatsoper unter den Linden 20 Uhr Der fliegende Holländer staatliches Schauspielhaus 10 Uhr Faust I. Teil « Nur noch 3 Tage Hl die Sensation Berlins: Drei Codonas 6 v. d. Staatsoper Naitto's• 3 Baldors usw. 71(1.8 UhrlS- Flor, 3434- RaiKiien eri, i Großes Muspiellms I Bali im Savoy «Snia Slwav Rosy Barsony. Cöfar Tuncs Si-S"- Alived Rotier CASINO-THEATER 8"i Lothringer Straijc 37 81/ tiiiiiiiiHiiiiiiiiirHitMi uitimuiimiHii Sonntag:« auch 4 I hr Nur noch wenige Aufführungen Alles um Lotti Posse mit Gesang und Tanz Qutschein 1— I Personen; Parkett nur 0,50. Fauteuil 0.75. Sessel 1.25 -MkAÄM- Araoli Sdiolz— U-Bahn Heraiannplatz— Huenheiite 108-tU. 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Thorborg, Berger, Paiaky. Keintnar. Destal, Ditter. Dirigent: Fritz Busch a G. Tagt, ä u. ay, Uhr Letzte 3 Tage .Märchen rrd t Emst Matmy Solvtif* Stoma «MpielSlM Hsuptdsrs tellerin aus d- Film„Tsbu" o. weit. Aitrittfeao! PLAZA ia.«". Stp. 2. S, l'-U. Xnr noch :t T a c e! Der letzte uiaizer netropol-Theater Freitag, 30. Dez. 1 Premiere 1 m Hansen lOOMeterGlück Optrsihrm Spalinttf mit Erika von Thellmann Regie: Robert Hein. Theater des Westens Stcinpl. 5121 Täglich 8V« Uhr Silvester 7 Uhr Max Pallenbers Der brave Soldat Schwejk Theater im AdihirBlspaias! Merkur 9901 Täglich 8-4 Uhr: Silvester Beginn 7 Uhr Hans Albers Li liom sorcertairf intinterbr. Deutsches Theater Weidend. 5201 Täglich 8 Uhr Gott, Kaiser und Bauer Stebiel von J. Hey losieo.; K. H. Martin Kortner.Wegener. Wiemann. von Fortenbach. Hart. Kaiser Kammerspieie Täglich 8 Uhr Essig nndOel v.Geyer u. Frank Musik: Robert fütsdur Inszenierung O. L. 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