Morgen- Ausgabe Nr. 616 A303 49.Jahrg. �RoboffJon und Verlag, Berlin SW 68. Lindenstr- 3 �emipredier A � Qlmt Dönhoff 292 blS 297 Telegrammadresie, Sozialdemokrat Berlin SONNABEND 31. Dezember 1932 BERLINER In Groß- Berlin 1 9 Pf. Auswärts....... 15 Pf. VOLKSBLATT BezuoabeMngungen und Anze'genpreis- liehe am Schluh des redaktionellen Teils Jentealorga« der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands ma Auch Reventlow rebelliert lVIit StöKr auk OreZor StraLers Spuren Eine der letzten Nummern der illustrierten Nazi�Wochenschrift mußt« eingestampft werden, well sie eine Verherrlichung Gregor Straßers enthielt. Jetzt überrascht der stets eigenwillige Gras Reventlow die Leser seines..Reichs- wart"— mit einer Verherrlichung Gre- gor Straßers. die zugleich em« eindeutige Verurteilung der bisherigen ossiziellen Politik der chillerpartei in sich einschließt. In einem Leitaufsatz„Die Frage an 1932 und 1933" setzt Reventlow auseinander, daß diejenigen unrecht gehabt hatten, die mit einer Vernichtung ' der bürgerlichen Parteien rechneten. Bei den N o- o e in b e r w a h l e n sei ein Teil des bürgerlichen Zuwachses der NSDAP, wieder dahin zurück- geslossen, woher er gekommen sei. Dann heißt es wörtlich weiter: Das Frühjahr brachte im Reichstag ein Er- eignis. dessen innere Bedeutung wohl meist nicht voll gewürdigt worden ist: die große programmatische Rede Gregor Straßers. Straßer entwickelte mit ebensoviel Kühnheit wie Besonnenheit den nationalsozia- listischen Standpunkt zur Frage der Arbeits- beschafsung und richtete im Anschluß daran die Ausforderung an die mit Arbeiterorganisationen verbundenen Parteien zu einer vorurteilslosen sachlichen Zusammenarbeit, damit möglichst schnell dem Erwerbslosenelend erfolgreich ent- gegengetreten werden könne. Bekanntlich fand dieses Anerbieten keinen Widerhall. Man hat sich weiter auf Reden und Schreiben und Kritik zurückgezogen. Viel hätte aber in dem seitdem vergangenen halben Jahre schon praktisch für die Behebung der Arbeitslosigkeit getan werden können, wenn der Partei st andpunkt überwunden worden wäre! Art von Herrentum und Führeranspruch unerbittlich zu Gericht geht". Das stimmt recht gut zu dem Bericht Otto Straßers, nach dem sich Reventlow in der sogenannten .�ündchenszene" an den byzantinischen Huldi- gungen für Hitler demonstrativ nicht beteiligt haben soll. Indes, wer noch immer nicht bemerken will, daß zwischen Reventlow und der NSDAP, etwas nicht stimmt, dem muß folgende„Antwort auf mehrere Anfragen", die in derselben Nummer des„Reichswart" enthalten ist, die Augen öffnen: Sie fragen mich, warum das Nationalsozia- lislischc Jahrbuch für ISZZ in dem Abschnitt: „Die Presse der NSD2lp." und auch sonst den„Reichswart" nicht nennt, auch in der Auszählung nalionalsozial stischen Schrift- tums keine meiner Schriften an- führt. Zu meinem aufrichtigen Bedauern kann ich Ihnen den Grund nicht angeben, obgleich ja nach dem Gesetz der Kausalität ein Grund, richtiger: eine Ursache vorhanden sein muß. Mitgliedergewinn. In Kiel allein konnte die Sozialdemokratische Partei die Zahl ihrer Mitglieder um 590 vermehren. halle, 30. Dezember. Die Zersetzung der Hitler-Jugend in Halle schreitet fort. Vor einigen Tagen trat ein Kommissar aus München an die Stelle des bis- herigen Jugendführers. Die Folge ist, daß sich die Hitler-Jugend in zwei Lager gespalten hat, die sich gegenseitig bekämpfen und schlagen Da auch die SS., die früher derartige Meinungsäußerungen „schlichtete", nicht mehr ganz zuverlässig ist, lief der Jugendbonze zur Kriminalpolizei. Reventlow steht also auch schon aus dem Index des Braunen Hauses. Wenn die letzte Nummer seines„Reichswart" nicht eingestampft worden ist, so wohl nur deshalb, weil Hitlers Arm soweit nichi reicht. Die Zersetzung Eigene Berichte des„Vorwärts" Frankfurt a. M.. 30. Dezember. Etwa zwanzig Nazis drangen in Franksurt in eine Anstalt für Fürsorgezöglinge, drehten das Licht ab, überfielen einen Erzieher, schlugen ihn nieder und demolierten die Einrichtung. Als der Direktor des Heimes erschien, floh die Nazimeute. Gegen verschiedene Teilnehmer des Ueberfalls konnte Anzeige erstattet werden. Am gleichen Tage holte dieselbe Gruppe von Nazis zwei Fürsorgezöglinge aus der Straßenbahn, die von ihrem Begleiter in eine Erziehungsanstalt außerhalb Frankfurts ge- bracht werden sollten. Die beiden befreiten Fürsorgezöglinge gehören der Hit- l c r p a r t e i an. Gegen ihre Uebersührung in eine außerhalb Frankfurts gelegene Anstalt hatte vorher der Scharführer der Hitler-Jugend pro- testiert. Offenbar ist diese„Ueberwindung des Partei- smndpunktes" der NSDAP, auch nicht ganz ge- langen. Darum läßt der frondierende Graf noch weitere verherrlichende Ausführungen über Gregor Straßer folgen, die mit der Erklärung schließen, der Gedanke der Einigung aller Arbeit- n e h m e r werde nicht wieder verschwinden, und die Arbeiterfrage werde alles überschatten. In einem anderen Aufsatz desselben Blattes macht der Reichstagsabgeordnete S t ö h r auf ei» neu erschienenes Buch Revenllows neugierig, das den Titel führt„Nationaler Sozialismus im neuen Deutschland" und das angeblich„mit jeder kiel, 30. Dezember. Dos Jahr 1932 geht in Schleswig-Hol- stein für Hitler und seine Partei unter den denkbarungünstigsten Aussichten zu Ende. Es kracht und bricht in allen Orts- g r u p p e n. In Kiel. Flensburg, Neumünster, Schleswig. Husum, Itzehoe, Elmshorn, in jedem Ort, in dem die Nazipartei auch nur geringen Ein- fluß besaß, ist es zur offenen Rebellion der SA. und SS gekommen Zudem stinkt es überall nach Korruption. Die Berichte über Unterschlagungen und Betrügereien der Naziführung nehmen kein End«. Im Gegensatz zu den Nazis entwickelt die So- zialdemokratische Partei eine Akti- v i t ä't. Ein« kurz vor Weihnachten abgeschlossene erste Werbeaktion brachte ihr nicht unbeträchtlichen Harburg, 30. Dezember. Auch in Niedersachsen hat die N a z i- dämmerung begonnen In Harburg- W i l h e l m s b u r g ist eine Garnitur von „Führern" still und leise in der Versenkung ver- schwunden Unwidersprochen konnte das sozial- demokratische„Voltsblatt" feststellen, daß Kassen- d i f s e r e n z e n die Ursache sind. In Lüne- bürg und Stade haben zahlreich« alte und bekannte Anhänger der NSDAP, die Partei ver- lasten. Neustrelitz i. RIeckl., 30. Dezember. Der nationalsozialistische Landtagsabge- ordnete Scheid n er, der kürzlich unter- dem Druck der nationalsozialistischen Parteileitung sein Mandat niederlegen mußte, hat seinen Austritt aus der NSDAP, erklärt und sich Otto Straßers „Schwarzer Front" angeschlossen. Bombenverfchwörung in Barcelona in den Donauslaalen nichts Ernsthaftes und Solides ohne eine endgültige Vereinbarung mit den zwei Großmächten aieseniager entdeckt— Anarchistische Umsturzpläne Barcelona, 30. Dezember. Durch die zufällige Auffindung eines großen Bombenlagers ist man einem a n a r ch i- stischen Komplott aus die Spur gekommen. Wie man hört, sind Dokumente gefunden worden, die daraus hindeuten, daß geplant war, den scinerzeitigeu Eisenbahnerstreik zu einer großen politischen Aktion auszunutzen. In diesen Dokumenten sollen auch 54 Rlitverschwörer»ameu'lich aufgeführt sein. Die Polizei hat bereits drei Personen festgenommen, und man erwartet noch weitere Verhaftungen. Aebrigcns hat sich gestern abend in einem großen Möbellager ein eigenartiger Vorfall abgespielt, dessen Hintergründe noch nicht aufgeklärt werden konnten Fünfzehn be- wassnele Männer drangen in den Laden ein, und zerstörten, während Komplicen von ihnen aus der Straße Mache hielten, das gesamte ün- venckar. Der Schaden wird auf 300 000 Peseten geschäht. Bombenlager der Syndikalisten, das neben über 1000 schweren Bomben auch 2000 Zünder. 50 Kilogramm Dynamit, zahlreiche Pistolen und Gewehre enthielt. Der Umsturzversuch sollte zusammen mitden Offizieren und Soldaten verschiedener Garnisonen in den nächsten Tagen vor sich gehe». Pläne von Kasernen sowie Ausstellungen über die Wohnungen von Truppenkommandeuren und Polizeioffizieren, die von den Syndikalisten ver- hastet bzw getötet werden sollten, wurden eben- falls von der Polizei ans Tageslicht befördert. geschaffen werden könne, die ebenso wie Frankreich dort interessiert sind. Unter diesen Vorbehalten, die zugleich auf die EinhaUung der b e st e h e n- den Verträge und die Vorbereitung einer den Notwendigkeiten der Entwicklung angepaßten Neuordnung hinziele», schlage die Kom- Mission vor, den Gesetzentwurf zu billigen. Der Finanzausschuß stellte die doppelle Bedingung, daß der Ertrag der sranzösischen Anleihe nicht zur Rückzahlung des Kredites der Bank von England diene und die neuen Titel nur an der Pariser Börse zugelassen werden, wenn die Modalität?» der Anleiheausgabe nicht im Widerspruch zu den in Frankreich üblichen Be- stimmungen stehen. ii4 „Sewstandigkett' Oesterreich am Gängelband Aus Grund der beruhigenden Erklärungen von Paul Boncour und Eheron nahm der Senat den Gesehenlwurs an. Anarchistisch-.militaristische Bundesbrüderschakt Wie ergänzend zu den Bombenfunden in Barcelona bekannt wird, Handelt es sich um ein Paris, 30. Dezember. Kammer und Senat sind in Ferien gegangen, nachdem auch der Senat die österreichische Anleihe mit 144 gegen 08 Stimmen gebilligt hatte. Die Berichterstatter machten Vorbehalte, mit denen sich die Regierung einverstanden er- klärte. Der Auswärtige Ausschuß ließ zum Aus- druck bringen, daß Die ordentliche Parlamentstagung beginnt am 10. Januar. Die Verfassung schreibt den Zu- sammentritt des Parlaments am zweiten Dienstag des Januar vor. Präsident Rkasaryk ist leicht an Grippe ertrankt. Der Präsident steht zwar im 82. Lebensjahre, ist aber gesunder und widerstandsfähiger Konstitution. Abschied von 1932 Bin Leidensjahr der Frauen Von Luise Schroeder Oft hörten wir vor einem Fahr die Prophezeiung: das Jahr 1932 soll ein be- sonders schweres werden. Und wir müssen eingestehen: selten ist eine Voraussage ein- getroffen wie diese. Schwer im persönlichen wie im allgemeinen, schwer in wirtschaftlicher wie in politischer Hinsicht war dieses Jahr, zu vergleichen in seinen Opfern lediglich den Kriegsjahren! Wie aber alles Leid am härtesten die Frau trifft, weil sie als Haus- frau und Mutter mit dem Manne und den Kindern leidet, oder weil sie als Allein- stehende die Einsamkeit in der Not doppelt spürt, so hat auch dieses Jahr die Frauen doppelt hart und doppelt schwer belastet. Für sie war Arbeitslosigkeit, Vergehen der Existenz nicht nur materielle Not! die Ver- zweiflung des Mannes, die Gefahr der Ver- wahrlosung arbeitsloser heranwachsender Kinder, die Vernichtung des mühsam aufge- bauten Heims— alles traf die Frau seelisch fast noch schwerer. Wie in Kriegs- und In- flationsjahren unzählige Frauen zusammen- brachen, so auch jetzt unter der Not der Gegenwart. Und doch: wir blicken mit Stolz zurück auf dieses Jahr! Denn welche ungeahnten Kräfte hat der Kampf gegen wirtschaftlichen Wahn- sinn und politische Reaktion auch in den Frauen gezeitigt! Am Anfang dieses Jahres stand die Gründung der Eisernen Front. Wir hatten erkannt: der Feind steht vor den Toren, Reaktion, Konterrevolution, Faschismus und Feudalherrschertum, zusammengeschlossen in der Harzburger Front, wollen die demokratische Republik zerstören. Da standen die Männer auf und schmiedeten den eisernen Block der sozialistisch, gewerkschaftlich, well- anschaulich verbundenen Arbeiterschaft gegen- über dem Mißgebilde einer Front von kapi- talistischen Egoisten und sich„sozialistisch" nennenden Anbetern der Diktatur. Aber mit den Männern kamen die Frauen, verspottet deswegen zunächst von politischen Gegnern. Doch es dauerte nicht lange, bis dieser Spott versiegte. Auch der Gegner � mußte bald erkennen, daß es sich bei der Tätigkeit der Frauen in der Eisernen Front nicht handelte um Spielerei beschäftigungs- loser und unbefriedigter Frauen, wie bei so manchen Hakenkreuzbegeisterten. Wir dürfen es heute ruhig aussprechen: Wenn trotz Millionennot, trotz unerhörter Verhetzung, trotz Terrors der Hitler- Gläubigen, trotz Verfolgung der Papen- Regierung die sozialistische Arbeiterschaft in ihrem Ringen um die demokratische Republik keinen Augenblick gewankt hat, so nicht zum mindesten infolge der treuen Kameradschaft der Frauen. Einerlei, ob die Frau durch Aufklärung von Frau zu Frau den Samen des Sozia- lismus säte, ob sie gerade in den vom Terror der Nationalsozialisten am schwersten ge- fährdeten Gebieten die unter dem Kleide ver- borgenen Flugblätter von Haus zu Haus trug, ob sie persönliche Opfer von unge- heurex Schwere auf sich nahm, weil der Mann, der Sohn sein Leben, seine Gesund- heit, seine Freiheit im politischen Ringen aufs Spiel setzte— immer sahen wir sie tapfer der Idee einer glücklicheren Zukunft dienen! In diesem Augenblick des Abschieds vom Kampf- und Leidensjahr, aber auch vom Heroenjahr 1932 wollen wir in erster Linie jener gedenken, die so tapfer die schwersten Leiden aus sich nahmen: der allen Land- arbeiter mutter auf dem flachen Lande Schleswig-Holsteins, der man de« jungen Sohn erstach, und die dem Besucher heute tapfer von ihrem Kinde erzählt— der F r a u i n S ch l e s i e n, die in dem Augen- blick, da ihr Mann ins Zuchthaus gehen mußte, seinen Platz in der Partei einnahm — der alten Witwe in Berlin an ihrer Strickmaschine, die auf den Augenblick der Befreiung ihres unschuldig zu fünf Jahren Zuchchaus verurteilten Sohnes wartet— und all der vielew vielen, die stumm und selbstverständlich wie sie leiden und wie sie ihre Pflicht tun. Zu ihnen treten die Proletarierinnen, die ihr Letztes hergeben, um geschlagene Wunden zu heilen, Not zu lindern. Nie ist die ein- fache Arbeiterin, die Hausfrau mehr über sich selbst hinausgewachsen wie in diesem Jahre. Da steht sie, die selbst nicht weiß, woher das nötigste nehmen, in den Volks- küchen, in den Küchen der Erwerbslosen- Selbsthilfe von früh bis abends, um den Hunger der Klassengenossen stillen zu helfen. Da näht sie, in deren eigenem Haushalt immer wieder Altes, Morsches genäht und geflickt werden muß, bis in die Nacht hinein, um fremden Kindern und Alten eine Weih- nachtsfreude machen zu können. Da sammeln sie, die um ihre eigenen Kinder bangen, junge Menschen um sich im Freiwilligen Arbeitsdienst, in Kursen für Erwerbslose, um die jugendlichen Arbeitslosen der Verzweif- lung, der Straße mit ihren Gefahren zu ent- reißen! Deshalb hinein mit neuem Mut in das Jahr 1933! Wir wissen, die Anforderungen dieses Jahres werden nicht geringer sein. Trotz der Verwirrung in der nationalsozia- listischen Bewegung, trotz der Beseitigung P a p e n s— der Kampf um unsere poli- 0 tische Freiheit ist noch nicht zu Ende! Ist Schleicher auch klug genug, die Papen- schen Pläne gegen das demokratische Recht ' der Arbeiterschaft, der Frauen vorläufig zu- rückzustellen— nun, so sind sie eben nur zurückgestellt und nicht beseitigt. An uns wird es liegen, den Gedanken des Ober- Hauses, den Gedanken des Pluralwahlrechts, also die Gedanken der Entrechtung ein für allemal zum alten Eisen zu werfen. Dazu heißt es, die von Diktaturgelüsten verwirrte Arbeiterschaft auf der einen, der national- sozialistischen wie auf der anderen, der kom- munistischen Seite, von ihrem Irrtum zu überzeugen, ihnen den Wert politischer Rechte klar zu machen, sie zu gewinnen für unseren großen Kampf, den Kampf um die Ueberwindung des Kapitalismus, für�den Sozialismus! Wir wissen, daß es keine endgültige Hilfe gibt in der Not der Gegenwart, solange der Egoismus des Kapitalismus uns beherrscht. der Weizen, Kaffee, Mais, Baumwolle und vieles andere lieber zugrunde gehen läßt, als es den Hungrigen, den Darbenden zu geben. Wir wissen aber auch, daß der Kapitalis- mus nicht freiwillig geht, daß seine Nutz- nießer alle Mittel des Kampfes, Verhetzung, Terror, Hunger. Entrechtung anwenden gegen die, die an den Festen einer über- wundenen Wirtschaftsform zu rütteln wagen. Deshalb dürfen wir das Heil nicht erwarten als ein Geschenk, das uns in den Schoß fallen soll. Je mehr wir Frauen erkennen, wie stark die kapita- listische Wirtschaftsordnung, die keine Orb- nung sondern mehr und mehr ein Wahnsinn ist, der uns vernichtet, gerade in unser Frauenleben eingreift, um so mehr gilt der Ruf unserer Vorkämpferin Klara Müller-Jahnke uns Frauen heute wie vor Jahrzehnten: „Dos neue Jahr bringt keine Wende, Kein Ruf erreicht ein gnädig Ohr: Aus Bxuderrecht und Segenspende Vertraut der hoffnungsfrohe Tor. Nur wer sich regt, dem wird es glücken, Die Freiheit hat, wer sie sich schafft— Erhebt das Haupt: auf eurem Rücken Tragt ihr die Welt! Ihr seid die Kraft!" Und so hinein in das Jahr 1933 mit dem Kampfruf des Jahres 1932: Freiheit! 2700000 in der Wohlfahrt! Nach Mitteilungen des Deutschen Städtetags gab es im November ZZ10 000„anerkannte" BJohl- jahrtserwerbslose(110 000 mehr als im Oktoberj. Dazu kommen 400 000 weitere, die dabei nicht be- rücksichtigt sind, nämlich über 60 Zahre Alle und früher Selbständige. Darüber hinaus erfordern noch 1 600 000 Armenpfleglinge. Sozialrentner, Kriegsbeschädigte usw. große Ausgaben aus den kommunalen Finanzen. Der schießende hochzeitspsarrer Dr. Kessel von der Nicolaikirche in Spandau ist, wie man aus den,„Angriff" entnehmen kann, ein„Pfarrer der Glaubensbewegung Deutsche Thnsten", also ein Nazi. Natürlich, was denn sonst? Ein GiMner-GkanbÄ Wissentlich falsche Anzeige des Senatspräsidenten In Nr. 611_bcs„Vorwärts" berichteten wir, daß der Senatspräsident am Oberver- waltungsgericht, G r ü tz n e r, gegen den Kammergerichtsrat Dr. F r ä n k e l eine leichtfertige Strafanzeige wegen vorsätzlicher Rechtsbeugung erstattet Hobe. Jetzt veröffent- lichen zu dieser Sachlage dos sozialdemo- kratische„Freie Wort" und die rechtsstehende „Telegraphen-Union" in allen wesentlichen Punkten übereinstimmende Darstellungen, die zu dem Schluß zwingen, daß die Straf- anzeige Grützners nicht nur leichtfertig, son- dern sogar wider besseres Wissen erfolgt ist. Folgender Sachoerhalt liegt vor: Im Oktober 1931 richtete Grlltzner an die drei rechtsstehenden Fraktionen des Preußischen Land- tags ein Schreiben, worin er gegen den Kammergerichtsrat Dr. Frankel schwere Vorwürfe erhob, die darauf hinausliefen, daß Frankel in dem Zioilrechtsstreit Lieblein gegen Sternberg de Armella das Recht gebeugt habe. Auf Grund dieses Schreibens stellte der Kammer- gerichtspräsident T i g g e s Ermittlungen an und, als diese die völlige Haltlosigkeit des Vorwurfs ergaben, richtete er gegen Grütznsr Strafantrag wegen Beleidigung des Kam- mergerichtsrats Dr. Frankel. Nach Einleitung des Strafverfahrens trat Grützner einen völligen R ü ck z u g an. Er gab in einem Schreiben die Erklärung ab, daß er in seinem Brief an die drei Fraktionen des Landtags lediglich eine Kritik an dem Kammergerichtsurteil vom 9. Juli 1929 üben, aber nicht den Vorwurf einer strafbaren Hand- lung habe erheben wollen. Besonders habe er nie den Gedanken gehab», den kammergerlchisrot Dr. Frankel einer Rechtsbeugung zu verdächtigen, ebenso wie es ihm völlig ferngelegen habe und auch jetzt noch fernliege, der richterlichen Tätigkeit des kammergerichtsrats Dr. Frankel feine Mißachtung auszusprechen. Daraufhin nahm der Kammergerichtspräsident von sich aus im Einver- ständnis mit Kammergerichtsrat Dr. Fränkel den Strafantrag gegen Senotspräsident Grützner zurück. Nunmehr griff die nationalsozialistische Presse die Sache auf. Der„Angriff" behauptete, daß der Strafantrag gegen Grügner zurückgenommen sei, weil Grützner vernichtendes Material(Ii gegen Fränkel gehabt habe. Darauf blieb dem Justiz- Ministerium nichts anderes übrig, als den Ab- bittebrief Grützners zu veröffentlichen. Nunmehr— wahrscheinlich aus Zorn hierüber— erstattete Grügner beim Oberstaats- anwalt förmliche Strafanzeige gegen Ka m m e r g e r i ch t s r a t Fränkel wegen Rechtsbeugung. Die nationalsozialistische Landtagsfraktion unterstützte die Strafanzeige durch eine Kleine Anfrage.— Nunmehr ist das eingeleitete Ermittlungsverfahren gegen Kammer- gerichtsrat Dr. Fränkel von der Staatsanwalt- schaft II eingestellt worden, da der Vorwurf der Rechtsbeugung gegen kammergerlchksral Dr. Frän- kel völlig unbegründek ist. Die Tätigkeit des Senatspräsidenten Grützner läßt sich also dahin zusammenfassen: er hat in einem Brief an die Fraktionen den Kam- mergerichtsrat Fränkel der Rechtsbeugung beschuldigt, auf das eingeleitete Strafver- fahren hin hat er den Borwurf der Rechts- beugung in aller Form zurückgenommen, ganz kurze Zeit darauf hat er den zurück- genommenen Vorwurf zum Gegenstand einer Strafanzeige bei der Staatsanwalt- schaft gemacht! Mit Recht bemerkt hierzu das„Freie Wort": Ein solches Boroehen läßt nur zwei Erklärun- gen zu: entweder Senotspräsident Grutzner ist geistig nicht gesund und jür seine Hand- lungen nicht voll verantwortlich— was man doch von einem aktiven Senatspräsidenten nicht ohne weiteres sollte annehme» können—, oder er hat eine wissentlich falsche Anschul- digung erstattet: denn derselbe Grützner, der diese Anzeige erstattet hat, hatte ja mehrere Monate vorher ausdrücklich erklärt, er hätte nie- mals daran gedacht, den Kammergerichtsrat Dr. Fränkel einer Rechtsbeugung zu verdächtigen. Es handelt sich um einen Iustizskandal ohnegleichen. Man darf mit Recht darauf gespannt sein, wie die Staatsregierung, wie die übrige Richterschaft auf dies beispiellos unqualifizierbare Verhalten eines Mannes reagieren werden, der schon vordem einige Proben einer mehr als seltsamen Charakterveranlagung gegeben hat. Ein Strafverfahren gegen Grützner wegen wissentlich falscher Anschuldigung er- scheint unabweisbar. llnsere Befreiten Ergreifende Begrüßungsfeier Aus Breslau wird uns geschrieben: Aus zehn schlesischen Gefängnissen, deren Kerker- tore sich für unsere Genossen in den Weihnachts- tagen öffneten, kamen die 127 Gefangenen, Ver- urteilten und Angeklagten, welche die Eiserne Front Breslaus, wie bereits kurz gemeldet, im Gewerkschaftshaus zusammengerufen hatte, um sie in der Freiheit und im Kreis der Mitkämpfer zu begrüßen. Die Verurteilten der Landfriedens- bruch-Prozesfe von Ohlau,.Breslau, Schweidnitz, Kanth, Heidersdorf, M a r f ch w i tz. die wenige Tage noch einzeln hinter den Giüerftärben ihrer Zellen gesessen, sahen sich plötzlich inmitten einer mehrtausendköpsigen Menge, umweht von einem Meer roter und schwarzrotgoldener Fahnen, tausend Hände strebten sich ihnen von allen Seiten entgegen. Brausender Jubel schwang sich über die weiten Säle, als sie hinter den Fahnen ihrer Ortsgruppen mir erhobenem Arm in den Saal schritten und der gewaltige Chor„Freunde, Brüder, seid ge- grüßt!" aus hundert kräftigen Männerkehlen ihnen entgegenschallte. foine Vorbestraften! Als die 127 Amnestierten nebeneinander auf der Bühne Platz genommen, wurde es erst äugen- scheinlich, welchen Schickschalsschlag für jeden einzelnen Verurteilung und Freilassung bedeuteten. Da saß in der ersten Reihe eine kleine abgehärmte Frau in den vierziger Jahren aus der kleinen Stadt Kanth, Genossin Kühl,— es hatte sich ein Gericht gefunden, das sie wegen„Anstiftung von Unruhen" zu einem Jahr Gefängnis ver- urteilte, von dem sie reichlich zwei Monate ab- gebüßt hatte! Da faß inmitten der Alten mit weißen Schläfen der kräftige Ohlauer Genosse Blech, dem das Brieger Gericht vier Jahre Zuchthaus zudiktiert hatte, der aber, von Polizei- dienern abgeführt, mit erhobener Faust und dem Rufe„Freiheit" den Gerichtssaal verlieh. Da saßen die Jungen mit den reinen weichen Ge- sichtern, die die unverschuldete Not der Wirt- schaftskrise aus der normalen Bahn auf die Straße geführt hat. Keine„Vorbestraften", keine „Rowdys", keine gewalttätige Naturen, schlichte Proletarierjungen, die sich in ihrem einfachen Sonntagsanzug fast besangen umblickten, als sie sich plötzlich aus der dunklen Zelle in das helle Bühnenlicht und die allgemeine Aufmerksamkeit gerückt sahen. freu zur Partei! Redner der Partei, der Gewerkschaften, des Reichsbanners riefen den Befreiten den Will- kommensgruß entgegen. Sie erinnerten an die vielen Verletzten und körperlich Geschädigten, die als Opfer der gleichen Kämpfe in den Sälen saßen, sie beklagten, daß es nicht gelungen sei, alle materielle Not von den Familien der Geschädigten fernzuhalten, und Bürgermeister Mache wies darauf hin: trotz alledem bleibt unser Bekenntnis „Nicht mit dem Rüstzeug der Barbaren", sondern mit Geist und Wissen kämpfen wir. nur not- gedrungen mußten wir uns der Gewalt von der anderen Seite mit den gleichen Mitteln erwehren. Genosse Löbe, selbst„vielfach vorbestraft" wegen politischer Vergehen, versicherte den Freigekomme- nen, daß sie sich niemandem gegenüber zu schämen brauchten wegen ihrer Verurteilungen, mit größe- rem Stolz als dem auf unverdiente Orden, die mancher herumträgt, dürften sie auf die Wunden blicken, die ihnen der Kampf sür ihre Ideale ge- schlagen. Mit schlichten Worten dankte der Landarbeller Strulik aus Ohlau der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion, daß es ihr gelungen war, das Befreiungsgesetz durchzusetzen, dankte den Partei- und Gewerkschaftsgenossen, dem Reichsbanner und den Sportverbänden, daß sie ihre Familien nicht im Stich gelassen und gelobte für die ganze Schar, die ihn umgab, daß sie morgen wieder Schulter an Schulter mit den Klassengenossen kämpfen würden. Unter den mächtigen Akkorden der Lieder:„Zu- erst muß noch die Kette fallen, in die das Kapital uns schlug" und„Brüder zur Sonne, zur Freiheit" trennten sich die Teilnehmer der Feier, die nicht nur denen in tiefer Erinnerung bleiben wird, denen sie in erster Linie gegolten hat. Amneflienachlese Die Beleidigungsverfabren Jede Amnestie hat ihre Kehrseite: sie muß eben mit in Kauf genommen werden. Die Kehrseite dieser Amnestie ist u. a. die Einstellung der politischen Beleidigungsoerfahren. Das schneidet den ungerecht Beleidigten die Möglichkeit ab, sich in öffentlichem Verfahren Genugtuung zu ver- schaffen. So wird jetzt das Verfahren gegen„F r i d e- r i c u s", der gegen die Genossen Landsberg, Crispien, Dittmann und Schmidt den Vorwurf des Landesverrats erhoben hat, gegen den Herausgeber des„Vorstoß", Dr. Fischer, der in der 1. Instanz wegen Beleidigung der Ge- nassen Wissel!, Stücklen, Hertz und Nooke zu SOO M. verurteilt wurde, gegen K a m e s und Zeig, die Wels verleumdet haben, usw. Nutznießer der Amnestie ist u. a. Dr. Goebbels, der wegen zahlreicher Beleidi- gungen im„Angriff" mehrer« Monate Gefängnis zu verbüßen und mehrere tausend Mark Geldstrafe zu zahlen hätte— und Moritz Zarn o w, der wegen Beleidigung von Nooke verurteilt wurde. Ob die übrigen Verfahren gegen ihn im Zu- fammenhang mit der„Gefesselten Justiz" einzu- stellen sind, soll noch geprüft werden. Zur Einstellung gelangen aber auch sämtliche Eigener Bericht des„Vorwärts" Dresden, 30. Dezember. Die Mutter des ermordeten SA.-Mannes H e n t s ch veröffentlicht folgende Todesanzeige: ..Herberk Morih Julius hentfch, geboren am 25. April 1906 zu Dresden, durch Mörder- Hand gestorben Ansang November 1932. Nachdem ich sieben Wochen große seelische Dualen der Ungewißheit über den Verlust meines lieben und einzigen Sohnes Herbert gehabt habe. erreicht mich die erschütternde Nachricht von dem bestialischen Mord. Ein nicht auszudenkender grauenhafter Mord ist an meinem innigstgeliebten Sohn verübt worden. Mit kalter, roher Hand e r s ch l a g e n. die Brust durchschossen, die Beine gebunden, der Körper in Säcke gehüllt, mit Steinen beschwert und dann von einer hohen Brücke in die Talsperre ge- morsen. So lag mein armer Sohn bald zwei Verfahren wegen Gotteslästerung, so auch das gegen Friedrich Wendel und den„Wahren Jacob". Eingestellt wurde das Verfahren gegen den Redakteur des„Tagebuchs", B o r n st e i n, dessen Prozeß in der Oeffentlichkeit mehr als Jorns-Prozeß bekannt war— er wurde dreimal verhandelt und endete schließlich mit Born- steins Verurteilung—, das Ver-ahren gegen Ge- nassen S e g e r, der wegen Beleidigung der Reichswehr oerurteilt wurde und ein ähnliches Verfahren auch gegen Lehmann-Rusbildt, ferner das Verfahren gegen den Redakteur des„8-Uhr- Abendblatts", Hirsch, der gegen seine Verur- teilung in der ersten Instanz wegen Beleidigung des Landgerichrspräsidenten S ö l l i n g Berufung eingelegt hatte. Eine wichtige Entscheidung hat die Abw cklungs- kammer unter Vorsitz des Landgerichrsdirektors T o l k getroffen. Sie hat die Anträge der Verteidigung auf Anwendung einer Strafmilderung auf Grund der Friedensnotoerordnung in den Fällen eiMreten zu lassen abgelehnt, in denen die Amnestie bereits in Anwendung gekommen ist. Diese Entscheidung ist z. B. von großem Interesse im Falle des Reichsbannermannes Klein, der wegen schweren Landfriedensbruches zu 10 Jahren Zuchthaus verurteilt worden ist. Auf Grund der Amnestie ist die Strafe auf 2% Jahre Gefängnis herabgesetzt. Die Friedens- Notverordnung besagt aber, daß in den Fällen, wo Verurteilungen auf Grund der Antiterror- Notverordnung stattgefunden haben, eine Straf- Minderung eintreten kann, wenn das Strafgesetz- buch als Norm eine geringere Strafe vorsieht. Unter normalen Verhältnissen hätte Klein vielleicht nicht mehr als 1 Jahr Gefängnis erhalten, nun hat er 2/H Jahre z� verbüßen. Es wäre nur recht und billig, wenn auch diese Strafe auf Grund der Friedensnotverordnung gemildert würde. Die Ber- liner Abwicklungskammer ist aber der Ansicht, daß die Friedensnotverordnung bereits die Straf- Milderungen durch die Amnestie berücksichtigt und eine weitere Strasmilderung nicht im Auge gehabt habe. Dieser Standpunkt kann nicht als richtig anerkannt werden. Monate in den kalten Fluten! Ein grauenvollerer Tod. ein noch bestialischerer Mord läßt sich wohl kaum noch erdenken. Und wer sind diese elenden Mör- der? In den Reihen seiner eigenen Kameraden, seiner Varteigenossen, werden sie gesucht! welch' eine Roheit! Und welch' eine gesunkene Mensch- heit hatte meinen Sohn in seiner jahrelangen Parteiarbeit bei der NSDAP, umgeben!... Ich bedauere unendlich, daß ich mein liebes Kind nicht gewarnt habe, in diesen Kreisen zu verkehren. Allen Müttern möchte ich in meinem unaussprechlichen Schmerz zurufen:„Schützt eure Kinder vor derartigen Elementen!" In großem Herzeleid Frau Klara Bochmann verw. gewesene henlsch." Eine Abordnung, die die Dresdener NSDAP. zu der Mutter geschickt hatte, war von dieser nicht empfangen worden. Sine Mutter klagt an! Lcbüt�t eure Söhne vor der SA.! Gemeinden an der Jahreswende I�ommunsle Lilki» 1932— Das Problem der Umschuldung Theaterskandal Die Wirkungen der Wirtjchajtskriie werde» in L>aushalt und Arbeit der Gemeinden am schmerzlichsten nerspurt Unter dem würgenden Druck der Arbeitslosigkeit steigen die Zisfern der Wohlfahrtsausgaben von Monat zu Monat Die Schrumpsung der Einkommen, der Rückgang der gewerblichen Tätigkeit, die Ver- Minderung des Warenumschlages und der Absturz der Preise prägen sich in den Steuereinnolimen der Städte auf das deutlichste aus. Unter der Ein- schränkung der Konsumkraft der Bevölkerung leidet der Absatz an Gas, Wasser, Elektrizität, die Folge ist eine empfindliche Verringerung der für den Etat bedeutsamen Werksüberschüsse. Die Still- lcgung von Fabriken die Kurzarbeit und der all- gemeine Abbau von Arbeitskrästen entziehen den Verkehrsunternehmungen zahlreiche Fahrgäste, so dah oft hohe Zuschüsse erforderlich werden, um den für die Großstadt erforderlichen Verkehrs- betrieb aufrechtzuerhalten Dieser Bedrohung von der Ausgaben- und Ein- nahmenseite konnten die Städte nicht ausweichen. Ihre Pflicht zur Fürsorge für hilfsbedürftige ist gesetzlich festgelegt und muß angesichts de» namenlosen Massenelends vor allen anderen Ausgaben gesichert werden. Die Erhöhung der G e m e i n d e st e u« r n ist zum Teil aus gesetzlichen Gründen nicht zulässig, zum Teil wegen der Ueberbelastung der betroffenen Bevölkerungsschichten praktisch unmöglich. Die notwendige hilf« von Reich und Land blieb in den ersten Jahren der Krise vollständig aus. So- weit sie jetzt ersolgt, ist sie angesichts der Größe der an die Gemeinde gestellten Anforderungen unzulänglich und in keiner Weise aus- reichend, um die täglich zunehmenden städtischen Finanznöte erfolgreich zu bekämpfen. Unter diesen Umständen blieb kein anderer Aus- weg als der Versuch, durch stärtste E i n s ch r ä n- k u n g e n im Gemeindehaushalt einen Ausgleich zu schassen und die Erfüllung der dringlichsten Ausgaben sicherzustellen. Diese Sparmaßnahmen haben keinen Teil der Gemeindearbeit unberührt gelassen. Herabsetzung der Gehälter und Löhne, Droste- lung der Sachansgaben, Einschränkung der städtischen Leistungen in Schulen und Anstalten. Unterlassung notwendiger Unterhaltungsarbeiten im Straßenbau, bei den Gebäuden und technischen Einrichtungen sind die Mittel, mit denen die kom- munalen Ausgabezissern gewaltsam herabgedrückt wurden. Gegenüber der Steigerung der Fürsorge- aufwendungen und der Verminderung der Steuer- eingänge aber reichten diese Mittel in den meisten Städten nicht aus. Einstellung des Zinsendienstös oder stockende Leistung gegenüber den Gläubigern, Zurückbehaltung von Staatssteuern, Nichtbezahlung von Rechnungen, Kreis- und Prooinzialabgaben und ratenweise Auszahlung der Beamtengehälter kennzeichnen den abschüssigen Weg, den zahlreiche Stadtverwaltungen während des abge- laufenen Jahres gehen mußten. Von Woche zu Woche inußtc sich unter diesen Verhältnissen der bedrohliche Zustand in den deutschen Gemeinden verschärfen. Angesichts dieser Entwicklung der Gemeinde- finanzen, deren Erschütterung für die Oesfentlich- keit immer offenkundiger werden mußte, hat das Vertrauen in die Fähigkeit der Städte, ihre Verpslichtungen zu erfüllen, ständig nachgelassen. Die Erlangung neuer Kredite wurde dadurch un- möglich, aber auch die Beteiligung der Gemeinden an irgendwelchen Arbeiisbcschaffungs- maßnahmen außerordentlich erschwert. Darüber hinaus hat die kommunale Not ihre empsindlichsten Rückwirkungen auf weiteste Kreise der Wirtschaft ausüben müssen. Die nichtbezahlten Lieferanten- rechnungen erschweren die Dispositionen der mit den Gemeinden arbeitenden Gewerbetreibenden in empfindlichster Weise. Die Stockung in der Zahlung von Zinsen und der Abtragung von Krediten wird für die beteiligten Banken und Kreditinstitute immer unerträglicher. Die Ausschaltung der Kom- munen als großer Auftraggeber auf den ver- schiedenen Gebieten hat für große Wirtschaftszweige zum Teil geradezu ruinierende Folgen. Gegenüber diesen offenkundigen Notständen des Gemeindehauehalts, der ein entscheidender Teil des öffentlichen Gesamthaushalts ist, hat sich der Gesetz- geber auch in diesem Jahre mit unzureichenden und im Erfolg unbefriedigenden Teilmaßnahmen begnügt. Das System der Ausgleichs- und Hilfsfonds ist ständig we'ter ausgebildet worden, dagegen ist jeder Versuch einer organischen zukunstweisenden Neuordnung unterblieben. Dar- unter leiden nicht nur die Städte als finanzielle Kostgänger dieser von allen Seiten bekämpften Fonds, sondern vor allem der Geist der Selbstverwaltung und der Selbstverantwortung. den zu stärken in dieser Krisenzeit besondere Ver- anlassung ist. Es besteht bei dem gegenwärtigen Stand der Gesetzgebung die Gefahr, daß dieser unerträg- liche Zustand sich auch im Jahre 1933 fortsetzt. Daß auch im nächsten Jahre der Versuch unter- bleibt, durch eine Neuordnung der Arbeitslosen- Hilfe, einen sinnvollen Finanzausgleich und einen angemessenen, auf objektiven Merkmalen aufge- bauten Lastenausgleich die Grundlagen einer ge- ordneten gemeindlichen Haushaltsführung zu schaffen. Dah vor allem das Problem der Umfchuldung der drückenden kurzfristigen Kommunalkredite, das bereits in der Notverord- nuüg vom.Oktober 193.ll angepackt wurde, weiter ungelöst bleibt, und dadurch' die Aufrechterhaltung des kommunalen Eigentums an den großen Ver- sorgungsbetrieben, eine gemeindliche Lebens- frage, auf das höchste gefährdet wird. Der Theaterterror ..Allerlei Nachspiele Der unerhörte und in keinem Fall vorauszu- sehende Erfolg, den die Theaterierroristen mit ihrem Radau und ihren Drohungen im Deutschen Theater erzielt haben, hat die Urheber der Provokation in Sieges- stimmung versetzt. Sowohl die Zentrums- wie die Nazipresse buchen das Resultat als ihr Werk. Die„Germania" spricht jetzt sogar den frommen Wunsch aus, daß das Stück endgültig auch von den Bühnen im Reiche, die es gleichzeitig zur Aufführung brachten, verschwindet. Auch das bischöfliche Ordinal Berlin hatte nach dem Zentrumsblatt schärfsten Einspruch gegen die Aufführung des Stückes„wegen der schamlosen Verzerrung der historischen Wirklichkeit" usw. er- hoben. sDie historische Wirklichkeit kann man in jedem Geschichtsbuch, sogar in katholischen, fest- stellen.) Der„Angriff" schreibt triumphierend: „Selbstverständlich wird sowohl das Polizei- Präsidium als auch die Direktion des Theaters die Auffassung energisch dementieren, daß man lediglich auf Grund der Auslassungen des „Angriff" so schnell zu einer Bereinigung dieser üblen Affäre kam. Wir sind jedoch der Ansicht, daß auch heute noch keine Klärung herbeigeführt wäre, wenn wir es nicht unternommen hätten, die Dinge einmal beim rechten Namen zu nennen." Mögen die merkwürdigen Brüder es unter sich ausmachen, wer den größeren Anspruch auf diese Kulturtat hat, wer mehr dazu beigetragen hat, die Freiheit des Theaters zu erdolchen. Uebrigens nehmen sich die Nazis recht erbaulich aus, wenn sie sich als Schützer der mittelalterlichen Kloake aufspielen, die in Konstanz so prächtig zum Ausbruch kam, wenn sie diese verfaulte Ge- fcllschaft der Kaiser und Päpste als sakrosankt er- klären wollen. Den übereifrigen Anwälten des Zentrums geben wir aber zu bedenken, was aus ihrer religiösen und sonstigen Freiheit wird, wenn politische Machtmittel darüber entscheiden dürfen, was das Licht der Oeffentlichkeit erblicken darf. Haben sie die Lehre» der maigcsetzliche» Zeit bereits völlig vergessen und glauben sie, daß eine Naziherrschast, wenn sie ans Ruder käme, nicht .Meine Herren, warum die Aufregung? Das Stück spielt doch im Mittelalter." „Eben das lassen wir nicht schlecht machen, wo wir dahin zurück wollen!" noch ganz andere Angriffe auf die Kirche zulassen würde? Es sieht leider so aus, als ob die Sozial- d e m o k r a t i e noch die einzige Partei in Deutschland wäre, die bereit ist, ohne Rücksicht auf ihre speziellen Interessen, die Freiheit der Kunst und Wissenschaft zu ver- t e i d i g e n. Eine liberale Partei von politischer Bedeutung, die diese Aufgabe übernehmen könnte, gibt es ja nicht mehr, und diejenigen, die an erster Stelle berufen wären, die Freiheit des Theaters mit allen Mitteln hochzuhalten, nämlich die Theaterdirektoren selbst, scheinen die Vorsicht für den besseren Teil der Tapferkeit zu halten. Wenigstens geht aus einer Erklärung des Direktors Beer hervor, daß das Deutsche Theater nicht einmal daran denkt,„Gott, Kaiser und Bauer" in geschlossener Vor- st e l l u n g mit der Erörterung für und wider aufzunehmen. Cr macht sogar das Zugeständnis, daß es mitbestimmend für die Absetzung des Werks war, daß es sich in ihm nicht um eine Idee, sondern um eine rein historische Darstellung handelte. Mit dieser rabulistischen Unterscheidung kann man schließlich jede Forderung auf Absetzung eines Stückes motivieren.— Weniger schnell scheint der Verfasser des Dramas, Iulius hay. nachgeben zu wollen. Er hat merkwürdigerweise erst aus den Zeitungen erfahren, daß fein Stück abgesetzt wurde. Die Theoterdirektion hat es nicht für angebracht gehalten, ihn zu der Rücksprache mit der Polizeidirektion zuzuziehen. Infolgedessen hat der Rechtsvertreter des S.- F i f ch e r- V e r- l a g e s, der den Vertrieb des Stückes hat, die Direktion des Deutschen Theaters aufgefordert, das Werk wieder in den Spielplan aufzu- nehmen und ordnungsgemäß im Spielplan auszunützen Er macht zugleich das Theater für jede Benachteiligung, die der Autor durch die Absetzung des Stückes erleidet, verantwortlich. Man erfährt zu guter Letzt, daß der Stein des Anstoßes, an dem die politischen Parteien ihre Macht erproben, bereits in Breslau mit großem Erfolg und ohne dah es zu Zwischenfällen kam, aufgeführt ist. Auch hat ein Teil der Rechtspresse in seiner Kritik dem Drama Gerechtig- keit widerfahren lassen. Brich Trumpeldor Dementierte 8A.-Instrukteure Der„Vorwärts" hat am 28. d. M. einen Be- richt des„Politischen Pressedienstes" wiederge- geben, wonach die jüdische Weberorganisation „B r i t h Trumpeldor" Instrukteure einstelle, die früher Offiziere der Hjtler-Arme« gewesen seien. Die Landesleitung des Brith Trumpeldor er- klärt in der„Jüdischen Telegraphen-Agentur" diese Mitteilung als falsch: nur Juden seien In- strukteure und diese ganze Organisation diene lediglich der Verteidigung Palästinas und der Ab- wehr antijüdischer Pogrome. Der Ladusen-prozeß Endlich zum 14. Eebruar 1933 Im Sommer 1931 wurde jener Konzernskandal aufgedeckt, der unter dem Namen„N o r d w o l l e" eine so traurige Berühmtheit erlangt hat. Schon kurze Zeit nach den ersten Enthüllungen zeigte es sich, daß die Machthaber in der Nordwolle, die Bremer Patrizier Gebrüder Lahusen, sich schwerste kriminelle Verfehlungen hatten zuschulden kommen lassen. Es dauerte aber noch«ine ganze Zeit, bis unter dem Druck der Oeffentlichkeit sich die Bremer Staatsanwaltschaft zu einer Verhas- tung der Brüder Lahusen entschloß. Seit anderthalb Iahren hat die Oeffentlichkeit in Deutschland vergeblich auf die Festsetzung des Prozeßtermins gewartet. In England hat die Untersuchungsbehörde auch bei den schwierigsten Wirtschaftsprozessen der letz- ten Zeil, so zum Beijpiel bei dem Fall des Mnlti- Millionärs Lord Kylsant, in drei, höchstens vier Monaten das gesamte Anklagematerial zu- sammengehabt, und unter dem frischen Eindruck .NeujahkSwüusche' Reichsanstalt an die Angestellten rr" Zu jedem Jahreswechsel spricht der Präsident der Reichsanstalt den Beamten und Angestellten der Arbeitsämter den Dank für die hingebungsvolle Arbeit aus. Dieser Dank hat in diesem Jahr be- sondere Formen angenommen. Bei den neun Arbeitsämtern Berlins ist etwa Süll A n g e- stellten am 15. und 23. Dezember ein G e- Haltsabzug von 39 bis 199 Mark monatlich gemacht worden. Am 31. Dezember sollen außerdem auf Anweisung des Präsidenten des Landesarbeitsamtes Brandenburg bei gleich- bleibender Arbeit etwa 199 Angestellte herab- gruppiert werden, um einen weiteren Ge- Haltsabbau von monatlich 39 bis 59 Mark vornehmen zu können. Durch diese Mahnahme sollen„Unzuträglich ketten" vermieden werden, außerdem werden Zeithilfen„eingespart", d. h. entlassen. Dah die Angestellten der Arbeitsämter durch solche Mahnahmen aus das äußerste erbittert werden, scheint den anordnenden Personen, die mit der Masse der Arbeitslosen keinerlei Be- rührung haben, gleichgültig. Verfügungen über Verfügungen zum Schaden der Angestellten werden erlassen. Eine dem Personal auferlegte Schweige- pslicht über dienstliche Vorgänge soll außerdem verhindern, dah diese Maßnahmen der Oesfentlich- keit bekannt werden. Der Herr Reichsarbeitsminister ist zum Schweigen' nicht verpflichtet. Statt des üblichen Neujahrswunsches erwarten die Ange- stellten, dah die angeordneten Maßnahmen sofort rückgängig gemachj werden. der Korruptionsajfären den Prozeß gegen Wirt- schaftsverbrecher verhandelt. In Deutschland ist das anders! Als der Prozeß gegen die betrügerischen Direk- toren der F a v a g ein Jahr noch der Ausdeckung der Betrügereien stattfand, erinnerte sich nur noch ein kleiner Teil der Oeffentlichkeit bei der Schnell- lebigkeit unserer Zeit dieses ungeheuerlichen Skan- dals. Genau so ist es mit den Lahusens, obwohl die Taten dieser„Wirtschaftsfllhrer" weit über Deutschlands Grenzen hinaus gewirkt und die be- reits im Gange befindliche ausländische Kapital- abwanderung aus Deutschland zur Kapitalflucht verdichteten. Die Praxis der Bremer Justizbe- Hörde im Falle Lahusen hat bisher noch wenig Vertrauen in der Oeffentlichkeit erwecken können Die Oeffentlichkeit wird daher um so mehr ver- pflichtet sein, mit scharfem Auge den Verlauf dieses Monsterprozesses im Interesse einer Reinigung unsere» öffentlichen Leben» zu überwachen. Die Silvesternacht Sonderdienst der Schupo Die Polizei Hat alle Maßnahmen gelrossen. die einen ruhigen verlaus der Silveslernachl ge- währleisten. Den Silvestergebräuchen der Berliner Bevölkerung wird weitestgehend Rechnung ge- tragen, jedoch soll davon abgesehen werden, dort Feuerwerke abzubrennen, wo Menschen gefährdet werden könnten. Die Schutzpolizei ist für die Silvesternacht angehalten, den Dienst mit besonderer Zurück- Haltung auszuüben: alle Vorkehrungen sind aber getroffen, u m A u s w ü ch f e mit der notwendigen Schärfe zu unterdrücken. Das Abschießen von Raketen und Leuchtkugeln sowie anderen peinlichen Feuerwerkskörpern ist polizeilich verboten. Für die Abend- und Nachtstunden ist ein verstärkter polizei- licher Streifendienst eingesetzt. Ganz besonders wird daraus hingewiesen, daß die Verkehrsampeln während der Nacht nicht in Betrieb sind. Im Zentrum der Stadt werden sie um 19.39 und im Westen um 21.39 Uhr außer Betrieb gesetzt. Der kommunistische Reichstagsabgeordnete Schehr, der kürzlich wegen Verrats militärischer Geheini- nisse festgenommen worden war, ist jetzt aus der Haft entlassen worden. Die Entlassung erfolgte, weil auch die Schehr zur Last gelegte Straftat unter die vom Reichstag beschlossene Amnestie fällt. Die französischen Senatoren Zourdain, Schra- weck und viellard sind in die Steuerbetriigeaftäre der Basler Handelsbank verwickelt. Sie hatten die Aufhebung ihrer Jmmuität verlangt, doch hat dies der Senat mit 122 gegen 116 Stimmen abgelehnt. Arbeitsbeschaffung ober Subvention �Vie sich Herr von Schleicher entschieden hat Dos Organ des Allgemeinen Deutschen(Hemers- schaftsbundes, die„Gewerkschaftszeilung", de- spricht in seiner heutigen Htummer eingehend das Programm des Reichskommissars Dr Gereke und kommt zu solgenden Schlußsolgerungen: Leiüer entspricht der R u tz e f s e t t dieser Aktion dem Aufwand an sinanziellen Mitteln nicht. Ein Teil der Mittel ist bereits heraus- gegeben und verpulvert, ein anderer Teil wird wahrscheinlich nicht ausgenutzt bleiben: große Beträge werden sür die Zwecke verwendet, die keine neue Arbeitsgelegenheit schaffen(z. B. Ankauf von Grundstücken bei den Siedlungen u. a. m.); bei der Erteilung von Auf- trägen der Reichsbahn, Reichspost u. a. m. besteht die Gefahr, daß sie zum Teil aus den Lagervor- raten der Betriebe, ohne Mehremstellung von Arbeitskräften, erfüllt werden. Die Unzulänglichkeit der bisher eingeleiteten und hier noch einmal zusammengefaßten Maß- nahmen tritt am deutlichsten daran in Erscheinung, daß die Regierung imstande ist. wohl die erösf- neten Kredite auszuzählen, ohne jedoch die zwei wichtigsten Fragen beantworten.zu können: l. Wieviel Arbeiter sind dank dieser Kredite wiederbeschäftigt worden? 2. Wetche neue Kauskrast, die der Ankurbelung der Wirtschast dienen muß. ist aus der Aktion entstanden? ... Was die eigenlliche Finanzierung betrifft, so fehlt es in dieser Hinsicht den Aus- führungen des Reichskommissars an Klarheit. Weder die Gesellschaft für öffentliche Arbeiten noch die Rentenbankkreditanstalt sind imstande, aus eigenen Mitteln den Trägern von öffentlichen Arbeiten Hunderte von Millionen Reichsmark zur Verfügung zu stellen. Sie kommen lediglich als Vermittler zwischen den Darlehnsnehmern und der Reichsregierung bzw Reichsbank in Frage. Es handelt sich also, um eine Kredit- s ch ö p f u n g. deren Einzelheiten zunächst im Dunkel bleiben, von der aber das eine und das Wesentlichste bekanntgegeben wird: sie beruht auf Die Zeit ist reif für«inen entscheidenden Schritt im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit. Dazu gehört auch die Verkürzung der Arbeitszeit. Die ganze Welt sieht mit Spannung der Vor- konferenz in Genf zur Klärung des Arbeits- zeitproblems entgegen. Die Haltung der deutschen Regierung auf dieser Konferenz wäre wahrschein- lich erschlossener ja in Deutschland wäre mau in der Arbeitszeitfrage sicherlich schon längst ein gut Stück wetter wenn nicht der größte Unter- nehmer. die Deutsche Reichsbahngesell- s ch a f t, sich gegenüber allen Argumenten der Gewerkschaften als absolut unbelehrbar ge- zeigt hätte. Der Arbeits, eikskandal bei der Reichsbahn wird immer unerträglicher. Wohl halten die maßgebenden Stellen des Reichs- arbeitsministeriums noch immer nur eine i n t e r- nationale ArbeitszeitvAttürzung für einen gangbaren Weg, aber immerhin sehen doch wenigstens auch sie, daß der Weg zur-lO-Stunden- Woche beschritten werden muh. Die Reichsbahn ober bleibt bockbeinig, obwohl bei ihr schon durch Herabsetzung der unverantwortlich langen Arbeits- zeih die im Betriebsd'enst für etwa 3(50 000 Menschen immer noch 54 bis 57 S'unden mit Schicht- Zeiten von 72 bis 95 Stunden in der Wache beträgt, auf 48 Stunden mit sehr geringen Mehrkosten sofort etwa 3 0 0 0 0 Ar- b e i t« r mehr beschäftigt werde» könnten. Für die Herabsetzung der Arbettszeit bei der Reichsbahn haben sich auch zahlreiche Arbeits- gerichtsbehörden ausgesprochen. Sie haben sich zum Teil auf den Standvunkt gestellt, daß die Massenentlassungen nicht durch die Verhälrnisse der Reichsbahngesellschait bedingt sind und du'-ch Kurzarbeit vermiede» werden können. Ein anderer Teil hat in seinen Entscheidungen— so ;. B das Londesarbeitsqericht D a r m st a d t durch Urteil vom 17 Dezember— zum Ausdruck ge- bracht, es müsie dafür gesorgt werden,„daß sich auch die Reichsbahn und gerade die Reichsbahn, die als öffentliches Unternehmen sozialpolitisch vor- bildlich sein soll, in das auf Entlastung des Ar- beitsmarkts gerichtete sozialpolitische Programm einaeqliedert". Die Haupwerwaltung der Reichsbahn hat jedoch bisher allen noch so wohlgemeinten Ratschlägen und auch der oft sehr scharfen Kritik der Arbeits- gericbtsbehörden wie der Oeffentlichkeit zum Trotz an ihrem ablehnenden Standvunkt stur fesige- halten. Die Reichsbabnaelellschast sucht ihre Haltung die sich mit sachlichen Gründen nicht rechtfertigen läßt, mit allerhand Scheingrün- der Zufaiiimenardeit der Reichskxrnk mit den Z»- ständigen öffentlichen Stellen... Nach der Erfahrung der letzten Monate sind wir soweit, daß das Problem der Kreditaus- Weitung für uns von seinem mystischen Schleier völlig befreit ist. Wir wissen nämlich ganz genau, welche Kreditausweitung die unbestechliche» Vertreter der Wirtschaft und wachsamen Hüter der Währungssicherheit für zulässig halten und welche sie wegen Jnslatwnsgefahr mit allen Mitteln bekämpfen: zulässig und verniinstig ist die Kreditausweitung, sofern die geschöpften Kredite in die Taschen der Kapitalisten als. Subventionen, Prämien und einfache Liebesgaben fließen: verderblich und entsetzlich ist dagegen jede Kredit- ausweitung, die dem Wohl der A l l g e- m e i n h e i t, der Volkswirtschaft, der Arbeiter- schaft dieitt. Die„öffentliche Meinung" hat der Papenschen Kreditauswettung zugejubelt. Sie wird mit einem trockenen und einem feuchten Auge der neuen Kreditausweitung zustimmen, da auf diese Weise der Prämienfonds für die Interessenten gerettet wird. Aber um so heftiger wird sie sich der Ausweitung der Aktion bis zu einem volkswirtschaftlich vernünftigen Umfang wider- setzen. Bisher wurde der Prämienfonds nur sehr schwach beansprucht weil die Wirtschaftsankurbe- lung durch das Papen-Programm keinen Erfolg hatte. Jetzt aber werden Arbeiter wiederbefchäf- tigt. Oben haben wir berechnet, daß man— im günstigen Fall— mit der zusätzlichen Beschäfti- gung von etwa 500 000 Mann rechnen kann. Da treten die mächtigen Interessentengruppen aus und erklären: Wir können diese Aktion nicht anders als gegen eine Belohnung von 400 X 500 000— 200 Millionen Mark genehmigen. Und dieser Preis wird ihnen zugesagt. denn die Reichsregierung läßt den Prämienfonds den und absolut unhaltbaren Bebüuptungen zu l echtfertigen. Wer die Arbeilslosigkeil in Deutschland ernsthaft bekämpfen will, kann an dem Arbeitszeit- skandal bei der Reichsbahn nicht achtlos vorübergehen. Es wird sich daher bald zeigen müssen, ob der „soziale General" und sein Kabinett den M u t aufbringen, sich gegen den sachlich unbegrün- deten Wider st and und die sozial- wie staatspolitisch unerträgliche Halsstarrigkeit der ver- antwortlichen Stellen der Reichsbahn in der Ar- beitszeittrage durchsetzen. Der Generaldirektor der Deutschen Reichsbahn- gesellschaft Dr. Dorpmüller steht in der vom Inter- nationalen Arbeitsamt geführten Kampagne für internationale Arbeitsbeschaffung an führender Stelle. Die Frage der internationalen öffentlichen Arbeiten ist gewiß nicht dasselbe wie die Arbettszeitfrage, aber Arbeitszeitverkürzung i st auch Arbeitsbeschaffung. Jedenfalls macht es einen merkwürdigen Eindruck, wenn ein Unternebmen, an dessen Spitze ein Mann wie Dr. Dorvmllllcr steht, dem man zur Be- kämvfung der Arbeitslosigkeit in Genf ein wichtiges Amt anvertraut hat, nicht eine Svur von Verständnis für die Bedeutung der Arbeitszeitver- kürzung im Kamvf gegen die Arbeitslosigkeit er- kennen läßt. Muß in Gens erst das Ausland dem Generaldirektor der Reichsbahn sagen, daß das größte Unternehmen der Welt bei der Ent- lastunq des Arbeitsmarkts mit gutem Beispiel vor- anzugehen hat? Zehn Forderungen krampt eier Arbeitslosigkeit Der Deutsche Musikerverband hat dem Reichskommistar für Arbeitsbeschaffung zehn Forderungen zur Behebung der ungeheuren Arbeitslosigkeit im Musikerberuf unterbreitet. Der Verband verlangt in erster Linie ein Verbot jeder nebenberuflichen Musiktätigkeit aller in öffentlichen Diensten stehenden Personen, Anrechnung jedes Musikverdienstes auf alle aus öffentlichen Kassen bezahlten Pensionen und Warte- gelder, durchgreifende Maßnahmen geaen Schwarz- arbeit und Doppelverdienerei, scharfe Beschränkung der Arbeitsaenehmigunq für ausländische Kavellen in Kaffeehäusern, Hotels und sonstigen Umer- haltunqsstätten. Me'de zwang für freie Stellen im Musikerberuf. Gewöbrunq von Be-Hilsen an solche Städte, die eigene Theater oder Orchester unter- halten mit der Zwanqsverpflichtung. durch Neu- unberührt, hält ihn zur Auszahlung bereit, und versucht, sich anderswie die für die Arbeiten not- wendigen Mittel zu verschaffen! Es wird stillschweigend anerkannt, daß auch sür die Austräge im Rahmen der öffentlichen Arbeitsbeschaffung den Unternehmern Mehreinstcllungsprämien ausgezahlt werden. Es wird dabei völlig übersehen, daß der Zweck der Prämien-Steuergutscheine kein anderer ist, als den Absatz durch die Senkung von Ge- stehungskosten zu fördern. Wen» ein Unternehmer sür die Ausführung eines öffentlichen Auftrages neue Arbeitskräfte einstellt und dementsprechend soundsoviel 1000 M. an Steuer- gutscheinen erhält, ist er oerpflichtet, diesen Be- trag vom Preis des Auftrags abzusetzen. Wenn er ehrlich ist, kann er also von der Prämie keinen Rnhen haben. Die Aufrechterhaltung des Prämiensystems ist also sür die Unternehmer nur insofern von Bedeutung, als sie sich von vornherein entschlosien haben, den Prämienbetrag bei der Erhalmng von Aufträgen nicht abzurechnen, d. h, den Staat zu be- trügen. Und da Dr. Gereke feierlich erklärt hat, daß die Gemeinden sämtliche Aufträge den Privatunternehmern übergeben müssen. daß sie kein Recht haben, die Arbetten s e l b st auszuführen, sind sie gegen Mißbräuche seitens der Privatunternehmer schutzlos. Zeht wird die„Wirtschaft" den Trägern der öffentlichen?lrbeiten ihre Bedingungen diktieren und dafür sorge», daß die Aktion möglichst mehr an Prioalprofiten abwirft und der L o h n a n t e i l an den herausgegebenen Mttteln möglichst niedrig bleibt. In dieser Hinsicht bringt das Arbeitsbeschaf- smigsprogramm der Reichsregierung Konzessionen an den Besitz, die seinen Wert sowie seine Erfolgs- avssichten ganz erheblich beeinträchtigen. einstellung von Musikern die abgebauten Kultur- orchester wieder auszufüllen, Einwirkung au> die Rundfunkgesellschaften, stärker als bisher Kapellen arbeitsloser Musiker zu beschäftigen, Verkürzung der Arbettszett auf 6 Stunden. Beseitigung der Berechnung der Lustbarkeitssteuer nach der Zahl der beschäsligten Musiker, Steuermilderung bei Beschäftigung arbeitsloser Musiker und Einwirkung auf den Musikerschutzverband, bei nachweislicher Beschäftigung arbeitsloser Berufsmusiker eine erhebliche Ermäßigung der Musikaufführungs- gebühren eintreten zu lasten. Der Deutsche Musikerverband betont ausdrücklich, daß er sich mit seinen Forderungen durchaus i m Rahmen des Möglichen gehalten habe. „Mobilisierung" Lei Ascbinger Was der RGO. auf den ersten Hieb nichl ge- lungen ist, einen Streik in den A s ch i n- ger- Betrieben durchzuführen, das will sie jetzt nachholen. Die Klage der Direktion auf Amts- enthebuno eines roten Betriebsrats, der nicht einmal ,chcr Richtige" für die RGO, zu sein scheint, Der Borstand des Allgemeinen freien A n g e st« l l t e n b u n d e s hat der Reichsregie- rung sowie den gesetzgebenden. Körperschaften und anderen öffentlichen Stellen«ine Denkschrift über sozialpolitische Gegenwartsford«- r u n g e n der Angestellten überreichl. Wir ent- nehmen der Denkschrift folgende bemerkenswerte Feststellungen und Forderungen: Ueder eine halbe Million Angestellte der ver- schiedensten Berussgruppen ist im Jahresdurch- schnitt 1932 ohne Arbeit gewesen. Davon erhält über ein Drittel überhaupt keine Untersttitzung. Alle bisherigen Versuche, eine Entlastung des Arbeitsmarktes der Angestellten herbeizuführen, sind gescheitert. Die Tarifgehälter der Angestellten sind fürchterlich gekürzt worden. Selbst die Ge- Hölter der vollbeschäftigten Angestellten liegen heute um rund 40 Proz. unter dem Gehalts niveaudesJahres 19 2 9. Durch die Rechtsprechung des Reichsarbeilsgerichts wurde de» Angestellten der Anspruch aus ihre vollen Monatsgehälter im Falle von Kurzarbeit genommen. Nach den Erhebungen des AfA-Bundes arbeilet gegenwärtig ein Driuel aller Angestellten diem als Vorwand nir die neue Aktion. Nach Aufzählung der„Schwächen bei der Kampsorganisation" und der Erwähnung eines„s ch w e- r e n Fehlers" infolge der„überaus großen Schwächen der roten Betriebsräte", wird den roten Betriebsräten aufgegeben, „den von ihnen begangenen Fehler vor der Belegschaft offen einzugestehen, der Belegschaft klar ,zu sagen, daß sie ihre Pflicht als rote 8• Belcicbrräle vernachlässigt haben, als sie den Abschluß der Ol-stündigen Arbeitszeit tätigten, ohne vorher die Belegschaft zu befragen. Ihre Selbstkritik und ihr offenes Bekenntnis müssen sie erhärten durch die Bekanntgabe der Maßnahmen, die sie jetzt mit der Belegschaft orga- »isieren, um den Fehler auszumerzen, die vor- hergehende Arbeitszeit zurückzuerobern und jede Entlassung zu verhindern." Es folgen genaue Anweisungen für den „Kampfausschuß", der der Direktion ultima- t i v die Forderungen zu unterbretten hat. bei deren Ablehnung der Streik zu beschließen ist. Die fortgeschrittensten Quellen müssen als erste ohne Schwankungen in den Streik treten. Wenn dabei etliche'Arbeiter ihren Arbettsplatz verlieren, was kümmert das die RGO. Sie will ihr« mißlungene Streikankurbelung bei Aschinger noch einmal probieren. Das Bezeichnende an dem langen Artikel dieses- RGO.-Bezirksausschuises ist die Art, wie die KPD.-RGO. mit den„roten" Betriebsräten umspringt. Eine eindringliche Mahnung, sowohl bei den Neuwahlen der Ortsverwallungen als auch bei den Betriebsrätewahlen keine RtSO.-Lente zu wählen, die nicht ihren Wählern, sondern der KPD. und ihrer RGO. verantwortlich sind, unter deren Fuchtel sie stehen. Beigelegter Konflikt In rlen Berliner Mörtelwerken Der Lohnkonflikt bei den drei Berliner Mörtelsirmen Gebrüder Tabbert, Gustav Weidner und Vereinigte Berliner Mörtelwerke A.-G. ist durch einen Vergleichsvorschlag beigelegt worden, den der Vorsitzende des Berliner Schlich tungsausfchustes. Gewerberat Körner, in einer Verhandlung am 28. Dezemb«r gemacht hat. Der Vergleich sieht eine Neuregelung der Löhne, die die Unternehmer selbscherrlich um 11 Proz. heruntersetzen wollten, bis zum 31. März 1933 vor. Sowohl die Firmenleitungen als auch die Belegschaften der drei Betriebe haben dem Vergleichsvorschlag zugestimmt. Bei den IG.-Farben geht es Allerdings nur in der Verwaltung Im Verwaltungs betrieb der JG.-Farbenindustrie A.- G. wird ab 1. Januar die Fünftage-Arbeitszeit ohne Gehaltskürzung eingeführt. Der Sonnabend bleibt dienstfrei. An den übrigen Wochentagen wird von 8.30 Uhr bis 17 Uhr ge arbeitet. Bisher dauerte die Arbeitszeit in der Woche von 8.30 Uhr bis 16.30 Uhr. Wir möchten hoffen, daß dies nur der erste Schritt ist und daß die Arbeiter auch bald an die Reihe kommen. ver Reichstarif im Dankgewerbe ist, wie uns vom Allgemeinen Verband der Bankangestellten mitgeteilt wird, von keiner der vertragschließenden Parteien geknüdigt worden und bleibt somit bis Mitte nächsten Jahres unverändert in Kraft. kurz: die Lebenshaltung der von der Kurzarbeit Betroffenen ist unerträglich gesenkt. Der AfA-Bund fordert die unbedingte Sicherung, der geltenden Kündigungsfchutzbestimmungen gegen jeden Versuch einer Verschlechterung oder Umgehung, Einführung eines'Abkehrgeldes sowie der Melde- und Einstellungspflicht, ferner gesetzliche Verkürzung der Arbeitszeit auf höchstens 40 Wochenstunden, äußerste Emschiänkung jeder Ueberarbeit, gesetzliche Festsetzung hoher Ueber- stundenzuschläge zugunsten der Arbeitslosen, Ver- bot der Doppelarbeit durch Beamte und Bezieher auskömmlicher Pensionen, Verbot eines Gehalts- kürzung im Falle von Kurzarbeit vor Ablauf der Kündigungsfristen für den Angestellten und Zu- lässigkeit von Kurzarbeit nur auf tariflicher Grundlage. In der Frage des Arbeitslojenschuges schließt sich der AfA-Bund den Forderungen der frei- gewerkschaftliche» Arbeiterorgamialionen an. Einen besonderen Abschnitt der Denkschrift nimmt die A n g e st e l l t e n v e r s i ch e r v n a ei». Hierzu 2 Beilagen Reichsbahn und Arbeitszeit Wie lange noch Durchkreuzung der Regierungspolitik? Forderungen des Afa-Bundes Denkschrift zur Lozialpolitik $c:■P'v.�ärts- ecldpctn» wochrnlaglich«wennal. Eonnlags Uttil Montag» einmal Illustrierte Sonntagsbeilage Volk und Kell" t Bezugspreile: Biichrnllich 7b Pt., monatlich z,2n M ldavon S? P> monatlich IUI Zustellung ine Saus) im„.raus zahlbar, vostbezug 3.fl7 R einschließlich Bfl Pt Postzeitung. und 7Z Ps. Poftbestellaebsthreii. Auslandsabonnement M pro Monat: iüi Länder mit ermäbigtem Druiisachenporio>6.7 M Bei-II Stall der Lieleiung wegen höh-rer lbewalt best. I kein-Anspruch der-Abonnenten aus Ersatz., Anzeigenpreise: Sie einspaltige Millimeterzeilk ölt Ps. Reklumezelle l,ä0 M..«kleine-Anreizen" das iettgedruitte Wort 20 P» jedes weitere SiSoi* Ifi Ps Siabau laut Tarts Worte über lö Buchstaben zählen tür zwei Worte Arbeitsmarkt MillimeterzeUe A Pt. sZamilienanzeigen Millimeterzeile 16 Pf Anzeigenannahme im»auptgeschä-I Lindenstr. 3. roochenläalich von 6H- I? Uhr Der Brrlag br-häli Ich das Recht der-Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor. I Berantwortlich für Politik: Ziubols Brenbemnhl; Wirtichast:®. SUngelhöter; Gewerkschaftsbewegung- 3. Steiner; Feuill.ton: Sordert Lepdre;„olaaeS umi Eoristrges-. Fritz lkarstäbt; Anzeigen: Ott» Hengst: sämtlich in Berlin.] Berlag: Borwärts.Bbrlag®. rn. b. H., Berlin. Druck: Borwärts. Buchdruckerei und Verlagsanstall Paul Singer u. Co.. Berlin SD. 68, Lindenstr. Z. SONNABEND, 31. DEZ. 1932 ER STE BEILAGE Das schmale Trinkgeld Auch Neujahrsgratifikationen kürzt die Krise Am 1. Zannar mirö das Neujahrsgeld elwos ichmal ausfallen. Bereits in den vorigen Jahren wurde es immer weniger, wer früher dem Briefträger, dem Hauswart oder der Zeitungsfrau ein Silberstück gab, beschränkte sich aus ein paar Kupfermünzen. So haben es die Schornsteinfeger und die Bl ü l l- k u t f ch e r ohnehin schon aufgegeben, zu Neujahr zu grawliereu und bei den Hauswarten wird sich in einigen Fällen sogar das Arbeitsgericht mit dem Neujahrsgeld zu beschäftigen haben. Es emmsl Die größte Einbuße haben wohl die Brief- träger erlitten. Es hat in der engeren Berliner City einige Bombenreviere gegeben, in denen manchmal an 300 Mark für den Briefträger an Neujahrsgeld zusammenkamen. Es existierten in früheren Zeiten Großfirmen, die allein schon dem Postboten 20 Mark gaben Das war einmal. Bereits im vorigen Jahr kamen die Briesträger kaum noch auf lOO Blarf Neujahrsgeld, wenn sie in diesem Jahr SO Mark erhalten, wollen ste zu- frieden sein. Die Briefträger können nämlich so ungefähr tarieren, weil einige Firmen statt des Neujahrsgeldes dem Briefträger etwas zu Weih- nachten schenken, z. B. gibt ein Bäcker eine Stolle oder ein Herrenartikelgeschäft gibt eine Krawatte. Diese Geschenke zu Weihnachten sind in der vorigen Woche fast ganz ausgeblieben und so machen sich die Briesträger für Neujahr so gut wie keine Hoffnungen. Neben den Geschäftsrevieren gab es früher allerdings auch Reviere mit PrivatHäusern, wo der Briesträger einen erheblichen Betrag an Neujahrsgeld bekam Hier dürften es in diefsm Krisenjahr nicht einmal mehr 50 Mark werden „Denn— erzähst ein Briefträger— wir wissen doch am besten, wie es unseren Kunden geht. Wir haben doch die eingeschriebenen Mohnbriese aus- zutragen, wir wisten, wer van fe-nem Amtsgericht einen Zahlungsbefehl bekommt und wie oft passiert es uns, daß die Leute nicht einmal das Strafporto haben, wenn sie einen ungenügend frankierten Brief bekommen. Wie sollen wir da auf Neu- jahrsgeld rechnen können." Man mag hierzu noch berücksichtigen, daß die Reviere der Briefträger ja durchaus nicht halbe Straßen umfassen, sondern. Räch mehrere» Probefahrte» fand gestern eine Press efahrt»ach Hamburg mit dem neuen Schnelltriebwage» statt. Ter Plihzng fuhr sahrplanu lästig um 15.05 Uhr wieder in Hamburg ab. Cr traf pünktlich 17.35 Uhr auf dem Lehrter Bahnhof ein. Ter Zug hat die 280 Kilometer lange Strecke Hamburg- Berlin in 2 Stunden 30 Minntcu zurückgelegt und seine Fahrzeit vom Bortage, an dem er eine Anzahl von Bertrctern der Behörden beförderte, um fünf Minuten unterboten. Die Turchschntttsgeschwindig- kcit betrug 130.Kilometer. Auf freier Strecke wurde eine S t u n d e u h ö ch st- gcschwiudigteit von 105 Kilometer cutwickelt. Ter Schnetttriebivagen ist 28 Proz. schneller gefahren als der übliche D-Zug, der eine Stundendurchschnittsgeschwindigkeit von 97 Kilometer zu verzeichnen hat. Ter Zug hat so neu bewiesen, dast er zur Zeit der f ch n c l l st c C i s c» b a h n z u g der Welt ist. Der Schnelltriebwagen erlitt bei der Pressefahrt eine unnorhergeiehene Fahrtunterbrechung in der Nähe von Grabow in Mecklenburg, nahe des Kilometersteins lt>0.3, infolge eines plötzlichen Ber- fagens der automatischen Bremse, die sich selbst. tätig auslöste und"en Zug aus freier Strecke zum Halten zwang, ia daß ein unoorhergeiehencr Aus- enthalt von 6— 3 Minuten entstand. Der uiworhergejchene Schoden zeigte, daß die Sicherheitsvorrichiungen des Wagens gut funkttonieren. Dabei wirkte die Bremse so sonst wie beim normalen Hallen eines Zuges. Es fohrl sich auch bei Höchslgeichwindigkeiton des Triebwagens nicht anders als im k'l) Zug. Nur die kaum hörbaren Schläge, wenn die Schiene». nähte überfahren werden, iolgen schneller. Bei rund 40 Meiern Sckundengelchwindigkeit kommen fast drei solcher Schläge a ni die Sekunde und man gewöhnt sich so schnell daran, daß man ein vorübergehendes Herabgleiten der Geschwindigkeit sofort dem rkt. Ein ielbsttänges Bremsen des Zuges leyi ein, ivenn der W igennihrer plößlich aus irgendeinem Grunde ausfällt sowie beim lieber- fahren eines Haltsignals. Zu diesem Zweck ist der Schnelliriebwagen mit einer selbsttätigen, induttio durchschnsttlich 10 bis 15 Häuser. Und aus diesen wenigen Häusern können unmöglich ein paar hundert Mark an Neujahrsgeld heraus- kommeil. Auch die Zeitungsfrauen winken ab, sie haben noch ihre Erfahrungen vom vorigen Neu- jähr.„Ja— sagt eine Zeitungsfrau— vor Jahren, als wir noch mit dem Kinderwagen früh- morgens loszogen und etwa 300 Kunden hatten, da kann ich mich erinnern, einmal lOO Mark an Neujahrsgeld erhallen zu haben. Aber das ist dach vorbei. Der Kinderwagen ist m die Ecke gestellt und unsere 100 Zeitungen, die wir noch auszu- tragen haben, bekommen wir auch in der Tasche weg Wie vielen Kunden müssen wir dann und wann schon das wöchenlliche Zeitungsgeld stunden, da können wir nicht mehr erwarten, daß man der Zeitungsfrau Neujahr eine Mark gibt. Wenn wir durchschnittlich von jedem Kunden 20 Pfennige er- halten, dann würde es zu diesem Neujahr für ein«» Zwanzigmarkschein langen Mehr aber auch nicht." Dann kommt natürlich noch die Gegend hinzu. Es ist ein großer Unterschied, ob ein« Zestungs- frau auf dem Wedding oder in Wilmersdorf ihre Zeitungen austrägt. VersekwuHdene Zylinder Di« Schornsteinfeger haben mit stleusahr nichts mehr zu tun. Sie waren vor dem Krieg die lustigsten Gratulanten in Berusskleidung und mit dem Zylinder auf dem Kopf standen ste vor der Wohnungstür. Das hat die preußische Regierung seit 1317 verboten. Denn, erzählt uns der Zentralverband der Schornsteinfegergesellen, es wurde zuviel Unfug und Betrug mit dem Gratulieren der Schornsteinfeger getrieben. Irgend jemand malle sich ichwarz an, fetzte sich einen Zylinderhut auf den Kops und ging nun kassieren. Wenn dann nachher der richtige Schornsteinfeger kam, halle der unter Umständen zu gewärtigen, als Schwindler verhaftet zu werden So verbot man 1917 den Schornsteinfegern das Gratulieren gänzlich. Der Zenllalverbond sagt dazu, das war letzten Endes richtig. Denn es gab früher genug Fälle, in denen Schornsteinfegergesellen mir für Trinkgeld arbeiteten. Dazu noch das Geld für das Fegen der Kochmaschinen, das im einzelnen 25 Pf. bellug, so daß es schon anging, für Trinkgeld stall Hamburg — Der schnellste Zug der Welt wirkenden Zugbeeinflussung ausgerüstet, durch die die Bremsen ausgelöst und die Dieselmotoren still- gelegt werden. Bei der Fahrt erregte der Schnelltriebwagen überall auf den von ihm durchfahrenen Stationen und auf freier Strecke sehr großes Aufsehen, und Srfie Itinlerireuden Das Frostioelier der letzten Tage hat nun dndi die Seen und Gewässer audi in der Umgebung Bit! ins mit Eis bedeckt. Die Berliner Jugend stürzt sieb selbstventändlicb sofort auf die willkominene Winter) reude. H o es sich um kleine stehende und nicht tiefe Gewässer handelt, wie auf unserem Bilde der malerische üorfleich in Berlin- Buckow, da mag es nndi angehen, wenn die Gefahr des Eisbelrelens nichts weiter als höchstens ein paar nasse Füße bringt Zur größten Vorsicht aber ist tu raten, daß die Jugend nicht leidüferiig die dünne Eisdecke unserer Berliner Seen und Flußläufc belrill. ehe die Polizei diese F.isßärhen freigegeben hat. Es wäre bedauerlich, wenn sich Unglücksfälle, wie sie oon besonderer Schwere bereits aus verschiedenen Teilen des Reiches gemeldet wurden, in Berlin wiederholen. Lohn zu arbeiten. Die Organisation der Gesellen kämpfte aber gegen dietes unwürdige Trinkgeldfystem an. Lohn sollten die Meister zahlen und die Gesellen nicht mehr zu den Kunden schnorren gehen So hoben denn auch heute die Schornsteinfegergesellen ihren Festlohn von brullo 55 Mark und klopfen nicht mehr zu Neujahr an die Wohnungstüren. Das Schönste passierte aber einem Schornsteinfeger 1322. Das Verbot des Gratulierens hatte das preußische Handelsministerium erlösten und obwohl dieses Verbot bereits fünf Jahr« in Kraft war, stand der Schornsteinfeger immer noch auf der Liste der- jenigen, denen das Handelsministerium«in Neu- jahrsgeld überreichte Und so gab man dem Mann einen Zwanzigmarkschein. Der Schornsteinfeger sagte zu dieser ministeriellen Aufmerksamkeit nicht nein. Bei den Portiers— heute Hauswart genannt— war das Neujahrsgeld übrigens schon von jeher eine umstrittene Sache. In den Arbeiter- Vierteln kennt man es so gut wie gar nicht, zu Neujahr dem Portier Geld zu geben, in manchen Häusern des Westens geben bester gestellte Mieter etwas dem Portier und in den herrschaftlichen Häusern gibt mitunter der Hauswirt einiges dem Portier. Aber hierfür eine Norm aufzustellen, ist völlig unmöglich. Mancher Hauswirt war nobel und gab früher einen Fünfzigmarkschein, ein anderer rückte noch keinen Taler heraus. Für zwei feiner Mitglieder hat der Gefamtvsrband vor dem Arbeitsgericht einen Prozeß wegen Fortzahlung der Neujahrsgrattfikation angestrengt. Diese beiden Hauswarte hatten in jedem Jahr Neujahrsgeld be- kommen, nur diesmal nicht. Die Organisation steht hierzu auf dem Standpunkt, daß es sich um ein gewohnheitsmäßiges Recht handle und deshalb die Klage. Bei den übrigen Berusen ist es entweder nicht üblich, ei» Neujahrsgeld zu geben oder man ist u» Laufe der Zell gänzlich davon abgekommen, wie z. B. bei den Müllkutschern. Hier gaben früher die Hauswirte erwas für die pünktliche Abholung des Mülls, eine Siste, die heute nicht mehr üblich ist. Und schließlich kommt hinzu, daß viele Einwohner von Berlin, die von auswärts .zugezogen sind, die Sitte des Nsujahrsgeldes gar nicht kennen. überall standen die Menschen Spalier, um dem neuesten, modernen Berkehrsmillel begeistert zu- zuwinken. Die Fahrt, die eine Geschwindigkeit von 150 Kilometer und darüber hinaus erreichte. ging glatt vonstatten. Die durch das Persngeii der Bremsen verursachte Verspätung konnte im welleren Verlauf der Fahrt wieder ausgeholt werden, so daß der Zug nur mll 3 Minuten Ver- spätung nach einer Fahrzeit von 143 Minuten auf dem Hamburger Hauplbahnhof eintraf, wo der Empfang durch die„Rorag" in einer Rundfunk- reportoge gesendet wurde., Der Schnelltriel wagen, der auf der Strecke Berlin— Hamburg jetzt die fünfte Probefahrt gemacht hat, wird vor Einsetzen in den sahrploninäßigen Berkehr noch weitere Probefahrten unternehmen, da man vor allen Dingen auch unter anderen Witterungsbedingungen fahren muß, um auf alle dadurch hervorgerufenen Zufälligkeiten gefaßt z» sein. So wartet man bei der Reichsbahn auf Schnee und Nebel, um auch unter diesen Umstanden den Schnelliriebwagen oerkehren zu lassen. Feuer in einer Brotfabrik In einer Brotfabrik in der Maxstraße im Norden Berlins brach am Freitag in einem hol- zernen Kohlenbunker Feuer aus, dos sich schnell ausbreitete und aui den D o ch st u h l des Ge- bäudes übergriff. Die Feuerwehr war mll vier Löschzllgen zur Stelle und löschte den Brand in kurzer Zeit. Der Schaven ist erheblich. Di« Ent- stehungsursoge des Brandes ist nach nicht bc- kannt. Feuerüberfall in Lehlendorf In der Nochi zum 27 Dezember wurde, wie berichtet, in Zehlendors an der Ecke der Berliner und Winfriedstraße ein mit etwa 46„Fichte"- Sportler» besetztes Lastauto, dos noch Braun- schweig von einem Wettspiel>» Eberswalde zurück- kehren wollte, befchosten, wobei drei Insassen zum Teil schwere Berletzungen erlitten. Die Ermiti lungen der Politischen Polizei haben aus die Spur eines Alotorradfahrers geführt, der möglicherweise als Täter in Frage komnu. Es ist weiter fest- gestellt worden, daß der Ueberfall von einer jungen Dame»nd einem jungen Herr» beobachtet worden ist, die möglicherweise wichtige Angaben zu dem Fall mache» können. Diese Augenzeuge» werden gebeten, sich bei Kriminalkommissar Geißlcr im Polizeipräsidium Zimmer 278, Telephon Berolina 0023. Hausanruf 477, zu melde». Alle Angaben werden auf Wunsch vertraulich behandelt. Wegen des Ueberfalls auf das Nazwerkehrs- lokal in der Landwehrftraße, der sich in der Rocht vom 28. zum 23 Dezember ebgefpiett Halle und bei dem 40 Personen festgenommen worden waren, wurden zehn Personen am gestrigen Freitag dem Vernehmungsrichter im Polizeipräsidium vor geführt. Gegen alle zehn ist Haftbefehl wegen schweren Landfriedensbruchs erlassen worden. Nie gefährdete Brücke „Schritt" suk der Stössenseehriiche An der S t ö s s e n s« e b r ü ck e, die im Zuge der Heerstraße über die seenartige Sellenbucht der Havel hlNwegsührt, scheinen sich abermals Schäden herausgestellt zu hoben. Zur Zeit wird die täglich von Tausenden von Fahrzeugen befahrene Brücke einer genauen Prüfung aus ihr« Tragfähigkeit unterzogen. Von amtlicher Selle wird mit der Ptöglichkell gerechnet, daß die Tragfähigkeit für schwere Losten nicht nichr ausreicht uird aus diesem Grunde ist schon jetzt vorsorglich für all« Fahr- zeuge Schrittgeschwindigkell angeordnet worden. Wie der„Vorwärts" bereits vor einiger Zeit mll- teilte, hall« sich die Brücke auf der„Berliner Seite" etwas gesenkt, was mll de» morastigen Untergrund zurückgeführt wurde, auf dem die Fundamente der Brücke vor Jahren errichtet wurden. Bitte ber WinterhUse An die Rostscheckkcmto-J.nhkher Die Berliner Winterhilfe wendet sich zum Jahresschluß im Einverständnis mll dem Reichspostminister an die Inhaber von Post- scheckkonten. An jeden van chnen geht die schrislliche Bllte, sich damll einverstanden zu erklären, daß von seinem Postscheckkonto für die Monate Januar, Februar und März 1333 je 30 Ps. abgebucht und dem Konto der Berliner WinterhUse gutgeschrieben werden. Der Postminister hat verfügt, daß die damit verbundene Verwallungsarbeit des Post- scheckanlles Brelin gebührenfrei durchgeführt wird. Dem Schreiben der Berliner Winterhilfe ist eine ovrgedruckte Antwortkarte beigefügt, die lediglich vom.Inhaber des Postscheckkontos zu unier- schreiben ist. Es ist zu hoffen, daß diese neue gute Idee der Berliner WinterhUse ebenso erfolgreich sein wird, wie die bisherigen Sammelmaßnahmen. Halb und Halb Brcimspiritus mit Wasser Wer genügend Kapital hat, kauft sich einen Flip, znweUeii auch mehrere. Arme erwerbslose Teufel können weder das eine noch das midere. Den Jungens muß geholfen werden, dachte sich eine Seifenhändlerin in Berlin- Charlottenburg, die nebenher viel Brenn- spiritus verkaufte und dabei auffälligerweise immer um Wasser gebeten wurde. Für jeden Kunden, der einen Mundvoll ver- gällten Monopolsprit brauchte, um sich in der Misere etwas künstlich hochzupumpe». stand fürderhin gratis die Wasserkanne bereit. Nicht gerade Mampe halb»nd halb— jedenfalls wurde es warm im Magen. Still und froh schlichen die armen Schlucker aus ihrer feudale» Bar---, bis, ja bis der immerwache Staat ein fürchterliches Attentat auf seine gehet- ligten Schnapsnwnopolrechte und die schwerste Disfamierung des Lebensmittelgesetzes wittert. Man jagt die wenig kesje, aber menschlich um so warmherzigere Barmaid durch zween hochgelahrte Instanzen Berliner Richter wissen, wie das Groß- siadielend aussieht— und was ein ordentlicher Schnaps kostet. Sie sprechen frei, den» Brennspirttus gelte gemeinhin nicht als Genuß- inillel Im Reichsgericht jagt mau zwar„Wohl bekomms!", hebt aber llotzdem das freisprechende Berliner Urteil aus. Die Barkeeperin wird sicherlich wegen Vergehens gegen das Lobensmittelgesetz verdonnert werdeii. Denn„Stoffe, di» nicht schon oon vornherein Lebensmittel sind, können dadurch zu solche» werden, daß jemand, der die tatsächliche Möglichkeit hat, über ihre künstige Verwendmig zu verfügen, die Absicht faßt, sie dem menschlichen Genuß zuzusühren und diese Absicht irgendwie nach außen hervortreten läßt".— Noch Mnterreise mit weihuachlsrückfohrkarie. Die billige Weihnachtsrücksahrkai ie kann auch jetzt noch zu einer kurzen Winterreise benutzt werden. Ihre Gelllingsdauer läuft noch bis zum 10. Januar. Die Hiniahn muß spätestens am 1. Januar 24 Uhr beendet sein, und zur Riickiahn gilt die Karle an jedem Tage bis zum 10. Januar. Am 10. Januar muß auch die Rückfahrt bis 21 Uhr beendet jein. Zm Blitzzug nach Hdchstgeschvindigheit 165 Stundenkilometer DerWeisheitletzterGchluß:Gesängnis! Junge Menschen in Not— So werden sie zu„Verbrechern" D'« ÄC m it e st i« hat für die„Verbreüier"«ms mirtfdjaftrWK-t Not die GesänZnistore geöffnet. Das Leben geht setne» nnerbütlichen Gang weiter, das wirtschaftliche Elend fordert immer neue Opfer. die Gefüngnistor« schließen sich wieder hinter den Menschen in Not. * Ein junger Mensch steht vor Gericht,«eine Eltern sind geschieden, die Mutter ist tot, Hans, ein feingliedriger, zarter Junge, schlägt sich recht und schlecht durchs Leben Er geht zur See, hat mehrmals Glück, daim aber findet er keine Arbeit mehr. Er ist erwerbslos, klappert als Tippelbruder die Landstrahe ab. sie führt den jetzt Zt jährigen nach Berlin: er übernachtet in der Palme und lernt hier den Karl kennen, wie er A Jahre alt. Das gleiche Schicksal verbindet sie schnell. Zluch Karls Eltern sind geschieden, auch seine Mutter ist tot, einst war er in Fürsorg«, später hotte er gearbeitet, dann wieder nicht, jetzt ist er obdachlos. Weder Hans noch Karl haben(ich je an fremdem Eigentum vergriffen, beide sind unbestraft. Sie fechten sich in Berlin durch, so können sie sich wenigstens einigermahen satt essen. Am 16. Dezember haben sie Pech. Mit dem Satt- esien ist diesmal nichts. Der Magen knurrt, er In wenig Worten Bei der Kriminalpolizei in Weimar erschien der 27 Jahre alte arbeitslose Stellmacher Artur H e i n i ck e und beschuldigte sich selbst der Tötung (einer 23 Jahr« alten Ehefrau und seiner Kbjährige.n Schwiegermutter. Er gab an, die beiden Frauen mit einem schweren Handhammcr in ihrer Wohnimg niedergeschlagen zu Haben. I» der Wohnung wurden die beiden Frauen blnt überströmt mtt schweren Schädelverletzungen,«iber lebend angetroffen. Der Täter, der erst seit vier Monaten verheiratet ist, lebte mit seiner Frau und seiner Sihwlegernmtter in Unfrieden. Erst vor kurzem erregte die Tatsache Ausschen. daß sich der Kommandant der Warschauer städtischen Feuerwehr. Prokopp. an der hiesigen Universität durch eine Dissertation den Dottortitel erworben hat. Nun ist die zweite Ueberraschung erfolgt. Prokopp wurde wegen finanzieller Schiebungen in Anklage- zustand versetzt. Ein norwegischer Seemann namens Alfons Hansen verließ im August dieses Jahres in einem 36 Fuß langen Segelboot Oslo, um m Ausführung einer Wette am Weihnachtsabend Miami an der Küste von Florida zu erreichen. Er ist pünktlich ans Tag und Stunde in M:ami eingetroffen Seine..Bsgleitung" bestand aus einem Hund und einer Katze, die die Ueberquerung des Atlantik sehr gut überstanden haben. Das Dorf T o m a t l a n in der mexikanischen Provinz Jolisco wurde, wie erst setzt bekannt wird, am 19. November durch«in verheerende? Erdbeben zerstörtt 2 7 Personen wurden ge- tätet und 50 verwundet. Durch einen Kammerjäger, der in einer Wohnung des Hauses Landauer Straße 9 in Wilmersdorf Wanzen durch Schweseldämpse vernichten wollte, wurden zwei Frauen in ernste Gefahr gebracht. Die Dämpfe nahmen ihren Weg in die darüberliegende Wohnung und betäubten die Wohnungsinhaberin und deren Hausangestellte. Durch die alarmierte Feuerwehr wurden die Verunglückten ins Leben zurückgerufen. Die Patienten des Rudolf-Nirchow- Krankenhauses hotten am Weihnachtsfeier- tag auch eine besondere Freude. Der Bandonion- Musikverein„Andante 1939" veranstaltete mtt seinem über 39 Atann starken Orchester unter der Stabführung des Dirigenten Walter Fischer im Krankenhaus ein auf hohem künstlerischem Niveau stehendes Konzert. Am die Gemeindehilfe �ammunnlpolitisetls Forderungen In dem neuesten Heft der Halbmonatsschrift für sozialistische Arbett in Stadt und Land„D i e G e m« i n d e", die im Dietz-Verlag erscheint, wird eine für jeden Komnumal Politiker wertvolle Zusammenstellung der kommunalpolitischen For- derungen der Partei gegeben. In dem leitenden Artikel„Die Sozialdemokratie fordert Gemeinde- Hilfe" setzt Alfred B r a u n t h a l- Berlin nackz einer Kennzeichnung der Lage der Gemeinden den Arbettsbeschafsungsantrag der Partei ausein- ander, der die Bereitstellung von einer Mlliarde Mark durch dos Reich vorsieht. Der Verfasier kommt zum Schluß seiner Arbeit noch besonders aus den Antrag der sozialdemokratischen Reichs» bringt die Burschen aus dumme Gedanken Wie wäre es mtt einer Handtasche, meint der eine. Du bist wohl doi, erwidert der andere. Wollen wir es nicht doch oersuchen, kommt es nach einer Welle zögernd aus dem Munde des ersteren. Und sie versuchen es. Die Neue Königftroße ist spät abends wenig belebt. Eine einzelne Frau kommt des Weges. Die beiden Burschen hinter ihr her. Mtt Blitzesschnelle greist einer nach der Hand- tasche, die Frau dreht sich um. schrett um Hilfe, die Burschen laufen davon, sie werden verfolgt und gefaßt. Bescheiden, unerfahren, niedergedrückt, stehen sie vor dem Schnellschöffengericht. Raub — besagt die Anklag«. Wegen Diebstahls— sie hallen ja der Frau nichts getan— beantragt der Staatsanwatt je ein Jahr Gefängnis. Sie erhallen je 6 Monate Gefängnis: nach Verbüßung von 3 Monaten soll ihnen für den Rest Bewäh- rungssrist zugebilligt werden. Weshalb denn nicht Bewährungsfrist für die ganze Sttafe? Man soll doch nttlit unbe st raste und im Grunde noch unverdorbene Burschen für kurze Zeit ins Gefängnis stecken! Die Gefahr des Verderbs durch- das Gefängnis ist in solch einem Falle größer als der mögliche Nutzen. Diesmal sind es vier Burschen im Aller von 24 bis 31 Jahren.'Alles ungelernt« Arbeiter. Aus Gelfenkirchen, Wattenicheidt, Stendal und Köln. 2ttlr der Kölner ist wegen Eigentumsdelikten mehrfach vorbestraft. Alle vier kamen nach Berlin, um hier Arbett zu suchen, zwei von ihnen erst vor sieben Wochen Sie wohnen in derjeiben Gegend, ttafen sich in der Kneipe, besprachen ihre elende Loge. Die Erwerbslosenunterftützung reichte wie immer kaum für das allernotwendigste, die herannahenden Feierlage waren eine große Verlockung. Erinnerungen stiegen auf an besser« Weihnachten. Gibt es nicht genug schöne Sachen in den Schau- fenstern der Lebensmittelgeschäfte? Und so begaben sie sich zu einer Filiale von Thürmann. Ei» Schlag gegen das Schaufenster: Wurst, Schinken, mehrere Flaschen Kognak wandern in die Allen- toschen, man besteigt die Elektrische im Vorgeschmack der ungewohnten Genüsse. Es sollte nicht dazu kommen. Der Schaffner bemerkt« an der Hand des einen Blut, er schöpfte'Verdacht, alarmierte die Polizei, der Schinken, die Wurst und der Kognak waren Zeugnis genug gegen die Vier, Das Schnellschöffengericht oerurtcille den Kölner zu 1 Jahr 2 Monaten Gefängnis, einen von den dreien zu ö, die übrigen zwei zu je 4 Monaten Gefängnis. Wäre nicht für die völlig Unvorbestrasten eine B e w ä h r u n.g s f r i st am Platze gewesen? togsfraktion zu sprechen, der die Erleichterung der Kosienschwierigkeiten der Gemeinden zum Ziele hat. Für eine Mietenllaftung setzt sich in einem Artikel Erich R i n n e r ein. und die Abälcderun- gen der Dürgersteuer werden in einem Aussatz von Bruno N c u m a n n behandett. Gemeinsamer Flammentod FKepasr im Bett verbrannt Alemel, 39, Dezember, In der Nacht zum ersten Feiertag ereignete sich hier, wie erst jetzt bekamtt wird, ein furchtbares Unglück. Das Ehepaar Barkowsky ist in seinem Schlafzimmer verbrannt. Die Eheleute hatten wohl nachts beim Schlafengel)en im Bett geraucht. Dabei muß die Bettdecke Feuer gefangen haben. Als die Feuerwehr erschien, schlugen die Flammen beretts aus den Fenstern heraus. Beim Ein- dringen in die Wohnung fand man das Ehepaar von den Flammen bis zur Unkenntlichkeil verstümmelt vor. Das Fsicer konnte bald gelöscht wenden. Slullgact. L9. Dezember. In B i tz im Oberamt Balingen brannten am Heiligen Abend drei Wohnhäuser und zwei Scheunen nieder. Das Feuer gefährdet« zettweis« die ganze wettere Umgebung. Fünf Familien sind obdachlos geworden. Der Schaden ist sehr erheblich. Die Handels- und höhere Handelsschule Steglitz, das Bezirksjugendamt und der Ortsausschuß für Leibesübungen und Jugsndpsleg« veranstalten für erwerbslos« kaufmännische Angestellte F o r t b i l- dungskurse zur Erhaltung und Vertiefung der beruflichen Kenntnisse, Teilnehmen können er- werbelose männliche und weibliche Angestellte im Alter bis zu ZZ Jahren, soweit sie bei einem Ar- beitsamt gemeldet sind. Die Tellnahme ist unent- geltlich: die Lernmittel sind ebenfalls frei, And wieder Brüder Gaß Die beiden grolÄen Schweiger 3m Hause Trebbiner Str. 11 bemerkten Haus- bewohaer in der Nacht zum Freitag verdachtige Gestalten. Sie riefen dos Ueberfallkommaodo. uud nach längerer 3agd gelang es. zwei jüngere Männer festzunehmen, die jede Angabe über ihre Personalien verweigerten. Beide wurden dann im Lause des Nachmillags dem Polizeipräsidium ein- gelieferi, dem Erkennungsdienst vorgeführi und als die Brüder Saß enilarol. Es waren wieder einmal Erich uud Franz Sosz. Sie befolgen ihre olle Taktik und schweigen. Man darf gespannt darauf sein, was die beiden Brüder wieder für Ausreden gebrauchen werden. Nach den Feststallungen am Tatort und nach ihrem ganzen Gebaren sind sie des ver- suchten Einbruchs überführt. Vor Gericht erklärten beide stets, daß sie all- völlig hormlos« junge Leute anzusehen seien. Sie betrieben mtt einem Auto ein kleines Unternehmen. 5) in und wieder machten sie Fuhren und ernährten sich damit recht und' schlecht. Die„Fuhre" nach der Trebbin«? Straß« allerdings ist mißglückt. l-ehrgänge für Erwerbslose Das Jugendamt Schö neberg ladet zur Teil- nähme an folgenden Kursen ein: I. Lehrgang f ü r S ch n e i d e r n. Ort des Lehrgangs: Jugend- heim, Hauptstraße 15/16(Gartenhaus), Beginn: 9. Januar. Dauer: 8 Wochen(16 Wochenstunden an 4 Tagen), Lehrstoff: Ausbessern und ändern eigener Kleidung. Anfertigen von neuer Kleidung(Stosseinkauf, Zuschneiden, Schnittmuster, Maschinennähcn, Bügeln, Materialkunde, Kalku- lation). Toglich wird ein warmes Mittagessen verabreicht. Meldungen sind sofort an die Geschäftsstelle für Jugendpflege, Berlin-Schöne- berg, Rathaus, Rudolph-WIlde-Platz, Zimmer 41/42, zu richten. U. Lehrgang für Hauswirtschaft: Ort des Lehrgangs: Pestalozzi- Fröbelhaus in Schöneberg. Beginn: 16. Januar. Dauer- 17 Wochenftunden an 5 Tagen, insgesamt 6 Wochen(dreimal vormittags und zweimal nach- mittags). Lehrstoff: Kochunterricht, Schneidern, Reparaturen im Haushalt. Ansertigung von nützlichen Gegenständen, Lauf- und Turnspiele, Gymnastik, praktische Gestmdhettslehre und Kinderpflege, Lebenskunde Täglich wird ein warmes Mittag- oder Abendessen gewährt. Meldung wie bei Lehrgang I. Für Jünglinge werden folgende Kurse einge- richtet: I. Holzbearbeitung(Gelernte und Un- gelernte). Beginn 3. Januar. II. Ausbildung zum Büroboten und Packer Beginn 19. Januar. III. Kaufmännische Fortbildung(Jünglinge und Mädel, nur Fortgeschrittene), Beginn: 19. Januar. Der Mngling ohne Anzug Da kommt ein Neunzehnjähriger, nett und sauber gelleidet, und fragt mtt verzweifelnder Ge- bärde:„Können Sie mir nicht zu einem Anzug verhelfen?"„Nanu, Sie sind doch ordentlich ge- kleidet" erwidert man ihm erstaunt.„Ja, wenn das Zeug bloß mir gehörte." meint er. Und nun erzähtt er in kurzen Worten seine lange Leidensgeschichte. Im Mai hatte er sich in P r a g, seiner Heimat- stadt, auf die Bahn gesetzt, well es w der Heimat fett Jahr und Tag keine Arbett, also auch kein Esten gab. Er hat kein Zuhause mehr: der Vater ist im Krieg gefallen, die Mutter ist ebenfalls tot. So wollte er es im fremden Land oersuchen. Die Gelder reicksten aber bloß für eine Bahnsteigkarte und mtt dieser ausgerüstet, bezog er seinen Sitz» platz— auf der?l ch s e I Dreiviertel gerädert und von Kopf bis Fuß dick mtt Ruß geschwärzt, kam er tn Berlin an. wo er als höchst unwill- kommener blinder Passagier der öffentlichen Ge> rechtigkett dirett m die Arme lief. Sieben Mo- nate Gefängnis gab es für Pahoergehen. Als der junge Mensch sein« Strafe hinter sich hatte und nach der Heimat abgeschoben werden sollte, da bat er so flehentlich und stellte sein Elend so ergreifend dar, daß man ihn— auf jederzettigen Widerruf— hier bleiben ließ. Nun hieß es: Wohin? Do fand sich ein netter Kamerad, der meinte:.Komm man zu uns nach Hause, vielleicht kannst« da ein bißchen Batern helfen und kriegst dafür was zu essen!" Glücklich schob er mtt, die fremde Mutter gab ihm Essen, der Vater Arbeit und der Sohn pumpt« ihm einen Anzug. Ein Dach über dem Kopf und was Warmes im Magen. Herrgott, ist dos fein! Aber jetzt will der Junge feine Kleider wieder- haben.„Mensch, nun guck mal. daß du wo ne Kluft erwischst," fordert ihn der edelmütig« Spen- der auf. Ja, das ist leichter gejagt als getan. Auf dem W ohlfohrtsamt hat er. als Orts- fremder, nichts zu suchen, kennen tut er keine Menschenseele in der fremden Stadt, wer sollte ihm also zu Kleidern verhelfen?„Ich wills ja gern zurückzahlen, wenn ich was verdiene," meint er treuherzig,„mein Meister wird mir ja später vielleicht doch auch ein bißchen Geld geben können, Vorläufig bin ich ja glücklich und zufrieden, daß er mich überhaupt aufgenommen hat.",.. Sensationelle Moröaufklärung Die Aufzeichnungen des Täters 3a der Mariannen(frage verüble gestern, wie berichlel, aus offener Straße der 39 3aHre alte Arbeiter Eugen Pieper Selbstmord durch Er- schießen, um seiner polizeilichea Festnahme zu entgehen. P. sollte wegen eines Einbruch- diebstahls festgenommen werden. Bei der Per- folgung durch einen Schupowachtmeister uud mehrere Passanten feuerte P. mehrere Schüsse auf seine Verfolger ab und lötete sich unmittelbar daraus selbst durch einen Kopsschuß. Von der Kriminalpolizei wurde in den gestrigen Nachmtttagsstunden die Wohnung Piepers durch- sucht. Dabei machten die Beamten eine s e n s a- t i o n e l l e F« st st e l l u n g. Es wurden Auf- Zeichnungen Piepers vorgefunden, aus denen hervorgeht, daß er an dem Mord an dem ChaufseurSarnowsti, der am 9. Oktober bei einer Fahrt bei G r ü n b e r g in Schlesien erschossen wurde, in heroorogendem Maße be- telligt war. Der ermordete Chauffeur wurde in den späten Wendstunden in Neusalz a. d. Oder von zwei Unbekannten zu einer Fahrt nach Grün- b»g in Schlesien gemietet Unterwegs wurde der Krastwagenführer, ein Besttzerssohn aus Neusalz, hinterrücks erschossen und ausgeraubt. Die Staatsanwaltschaft setzte damals 1909 Mark Belohnung für die Ergreifung der Täter aus, das Verbrechen blieb zunächst aber ungesühnt. Bei der Obduktion des ermordeten Chauffeurs wurden zwei Kugeln, Kaliber 6,35 Millimeter, aus dem Körper entfernt Es Handell sich um dasselbe Kaltber, mtt dem Pieper seinem Leben ein Ende gesetzt bat Wie die wetteren Er- mittlungen der Kriminalpolizei ergeben haben, stammt die Freundin Piepers aus der Umgebung von Grünberg. Sie ist erst im August aus Schergendorf bei Grünbcrg nach Berlin gekommen, wo sie bald nach ihrer Ankunft P. kennenlernte. Es ist nicht ausgeschlossen, daß der ganze Raub- plan von der Frau, die mit den örllichen Ber- Hältnissen genau vertraut war. inszeniert worden ist. Die Freundin des mutmaßlichen Mörders und Selbstmörders ist gestern im Polizeipräsidium ein- gehend vernommen worden. Sie hat bereits ein Teilqeständnis abgelegt und zugegeben, mtt Pieper in den ersten Tagen des Oktober nach Neusalz gefahren zu sein Die Polizei ist nach dem bisherigen Untersuchungsergebnis fest davon überzeugt, daß Pieper als Mörder des Chauffeurs Sarnowski in Frage kommt und seine in Ge- wahrsam befindliche Geliebte an dem'Verbrechen teilgenommen hat * Die Nachforschungen der Kriminalpolizei werden aus den Freundes- und Bekanntenkreis Piepers ausgedehnt Flugverkehr nach Südamerika Die Deutsche Lufthansa beabstchtigt durch die Verankerung des zum Flugstützpunkt umge- bauten Dampfers„W e st f a l e n" versuchsweise die Einrichtung eines Flugverkehrs zwischen Europa und Südamerika. Die„West- falen" soll etwa auf halbem Wege im Atlantischen Ozean stationiert werden. Die Lusthansa wird die bei Tiefseeonkerungen des Marineoermessungs- fchiffes„Meteor" gemachten Erfahrungen ver- werten. Auch bei 5999 Meter Tiefe und bei Windstärke 5 und 6 genügten für den„Meteor" zwei kleine Anker von je 199 Kilogramm Gewicht. Für eine derartige Verankerung waren 6999 Meter Trosse nötig, weil etwa 1999 Meter Trosse auf dem Meeresboden lagen und durch ihre Reibung am Grunde die Unbeweglichkett des Schiffes herbeiführten. Im ganzen war das Ankerseil des „Meteors" bei einem Gewicht von über 5 Tonnen 7599 Meter lang. Es lasten sich ohne weiteres auch noch stärkere Stahltrossen herstellen. Die neueste Nummer der.3RZ der Illustrier- ten Republikanischen Zeitung, I ringt interestantes Material zu der Frage der Silbsthllfeorganisa- tionen der Erwerbslosen durch eine Sonderseite: „Wir Helsen uns selbst!" Die wertvolle Artikel- serie„Nie wieder Hohenzollern" wird sortgesetzt. Eine lustige Vilderreihe ist der Silvesternacht ge- widmet. Hochaktuell« Bilder und Beiträge ver- vollständigen die umfangreiche Nummer. Die „JRZ.", die im Dietz-Verlag erscheint, ist überall für 29 Pf. zu haben. Trauerseier für Eduard Bernstein. Anläßlich des Hinlcheiden- Eduard Bernsteins, der dem io- zialilttschen Zionismus und dem Werk der palöfti- nensifchen Arbeiterschaft seine wärmste Sy"'pc:thi« entgegenbrachte und die tatkräftigste Unterstützung zuteil werden ließ, veranstallet die Sozialistisch- Zionistische Vereinigung Poale Z'nu Hapoel Hazair eine Trauerfeier, die am Mittwoch, dem 4 Januar, 2ßl4 Uhr im Vortragssaal des Synagog« Fa» fanenftraße 79 89 stattfinden wird. Ansprachen halten Alfred B e r g e r und Fritz N a p h t a l i. Beamte inLebensgesayr Zur Frage der Ueberfalle auf Geldbriefträger Es ist bekannt, daß die Verbrecher sich im all- gemeinen nicht durch grüße Ersindungsgabe aus* zeichnen. Gewähnlich arbeitet einer mit einem bestimmten Trid den er unverändert in un- zähiigen Fällen zur Anwendung bringt. Ebenso gibt es auch gattungsmäßige Verbrechertricks, die nicht einmal der einzelne sich auszudenken braucht. sondern die ohne weiteres immer wieder über- nommen und weiter oersucht werden. Manchmal kommt es allerdings vor. daß den bekannten Der- brecherknifjen wirksame Abwehrmaßnahmen entgegengesetzt werden Das geschieht überall dort, wo große Geldwerte aus dem Spiele stehen, z� B. im Kamps mit den Bankeinbrechern, die manch« mal noch eine gewisie Eigenartigkett im Aus- denken von neuen Mttteln aus chren Plünde» rungszügen bekunden Hier fehlt es nicht an den wirksamen Gegenmitteln, die natürlich nicht immer, aber doch m der Regel sich als wirksam erweisen. Cl» Fall, der sich immer wiederholt, ist der derRoubansälle und Mordversuche aus Geldbriesträger. Hier wird s st immer derselbe Trick verwendet: Der Raublustige mietet sich irgendwo, am besten an einem etwas ent- legenen, wenig bewohnten Ort« ein und zahlt sllr sich selber einen Betrog ein, den der Geld- briesttäger in die Wohnung bringen muß. Dabei wird er dann übersallen, etwa mit einem schweren Gegenstand niedergeschlagen, von hinten er- drosiett. auch einmal niedergeschosien und der- gleichen. Das pflegt sich so gleichartig zu voll» ziehen, daß man als einfacher Zeitungsleser kaum mehr imstande ist, die einzelnen Fälle voneinander zu trennen. Gibt es da wirklich kein wirksames Abwehr» mittel? Müssen diese Menschenopfer an Pflicht- getreuen Beamten sich immer weiter, ohne jede Abhilfe vollziehen? In B a y e r n war früher der Geldbriefträger, der das Geld ins Haus brachte. unbekannt. Der gewöhnliche Briefträger brachte die Anweisung und der Empfangsberechtigte holte sich dann gegen Ausweis sein Geld aus der Post ab. Unbequem, aber durchaus sicher, wenigstens für die Beamten. Will man der Bequemlichkeit; und der Zeit der Empfänger zuliebe nicht so weit gehen, bleibt noch die Möglichkeit, statt einen Beamten deren zwei gehen zu lassen. Dann wird der Verbrecher sich hüten, da er gegen zwei Mann einen schweren Stand, auch immer einen Zeugen seiner Tat zu gewärtigen hat. Natürlich kostet die Stellung eines zweiten Beamten Geld. Aber das muß für den Zweck des Lebensschutzes. der zu den selbstverständlichen Pflichten eines Reichsbetriebes gehört, vorhanden sein. Noch sicherer wird es fein, wenn der oder die Beamten von einem Polizeihund begleitet werden. Schließlich könnte man auch, falls man aus irgendwelchen �Gründen sich nicht zur Ein- führung des zweiten Bestellmanns entschließen kann, zunächst wenigstens einmal den Hund bei- geben. Es würde sich ja dann zeigen, wieweit: schon dadurch den Verbrechen begegnet würde. Jedenfalls hat man sich gegenüber diesen Schandtaten gegen pflichttreue Beamte, meist Familienväter, viel zu lange untätig verhalten. Es ist höchste Zeit, daß Abhilfe geschaffen wird. S.K. Wie wird das Wetter? 3n Berlin: Meist heiter, südliche Winde, Tagestemperaturen um Null, nachts mäßiger Frost.— Zn Deutschland: In West- und Mitteldeutschland Eintrübung, im Nordwesten Regenfälle, sonst wenig Aenderung. Die Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Deutisten hielt eine stark besuchte Versammlung ab, in der Genosie Dr. Julius Moses über „Faschismus und Sozialversicherung" sprach. Di« Versammlung faßte den einstimmigen Beschluß, den Reichsverband Deutscher Dentisten zu er- suchen, mit allem Nachdruck zu fordern, daß bei der Beratung der setzt im Relchsarbeitsministerium ur Entscheidung gelangenden Fragen über die liegelung der Beziehungen der Krankenkassen zu den Zaynbehandlern die Rechte des Dentisten- standes gewahrt werden. Um die in Aussicht ge- nommene Bildung von Ortsgruppen der Arbeits- gemeinschast sozialdemokratischer Dentisten in allen größeren Städten tatkräftig durchzuführen, werden alle in der Sozialdemokratie organisierten Dentisten gebeten, ihre Anschrift dem ersten Vor- sitzenden der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokra- tischer Dentisten Genossen Bernhard Buch holz, Berlin-Rummelsburg, Rupprechtstr. 6 l, baldmöglichst mitzuteilen. Der llllntergarten überrascht im Januar mtt einem ungewöhnlichen Programm. Außer im In- und Ausland bestens bekannten Star- nummern bringt er allein füns in Berl>n noch nicht gezeigte Neuheiten. An der Spitze dieser Neuheiten marschiert Mario Guido mir seinen 20 konzertierenden Wienerinnen, die das neue Jahr schwungvoll und sroh- sinnig mtt einer Flut rassiger Melodien einleiten. Die Firma Teppich-Bursch, Deutschland» grShte» Sperialhaus fiir Tepaichc, Gardinen und Möbelst, fse, Berlin£. 2, Spandauer Str. 82, wllnlcht allen ihren viele» treuen Aunden Elltck ja IN neuen Jahr. Mit dem neue» Jahr beginnt bei der Firma Teopich-Bursch der berühmt« Inventur. Berkaui, der von vielen tapsenden Berliner» erlvartet wird und der in diesem Jahr wie in jedem der - �reunllen ein W,. »«sii-dehzA- vergangenen Jahr» außergewöhnliche Angebrte bringt. Ea ist laum zu beschreiben, welche Mengen in diesem gröhten Spcziathou» ausgestopelt liegen und e» grenzt an» Wunderbare zu deuten, da�. diese Mengen van Quäle. L" Firma Tevvich-Bursch den größten Erfolg. Das System Breitner in Wien Wie eine sozialistische Stadtverwaltung in der Krise wirtschaftet A. L. Dien, Ende Dezember 1932. Es IM manchen Sozialisten des Auslandes sicher mit einiger Bestürzung ersülll, als er vor kurzem vernahm, chugo Breitner. der zum Symbol gewordene Finanzreferent des roten Wien, lege sein Amt nieder. Di« Wiener Genossen aber, so sehr sie auch diese Nachricht berührte, muhten, daß der Scchzigsährige sich seit dreizehn Jahre» keinen Urlaub gegönnt, daß er täglich durch alle die Jahre vom frühen Morgen bis spät in die Nacht gearbeitet hatte. Sie wuhten auch noch etwas anderes: nicht nur, daß Genosse D a n n e- b e r g der denkbar würdigste Nachfolger Hugo Breitners fei, sondern daß das„System Breitner" bei aller Schöpferkraft dieses Mannes nicht bloß eine individuelle Leistung, sondern die Verkörperung der kommuoalpolitischen Ideen der Diener Sozialdemokratie sei. Hätte es noch eines Beweises dafür bedurit — der Boranschlag der Gemeinde Wien für das Jahr 1933 liefert ihn eindeutig. Mit Enttäuschung stellte in der Budgetdebatte der Chnstlichsoziale Kunschak fest,„daß sich im Finanzreferat mir ein Personenwechsel und kein Systemwechsol vollzogen hat". Freilich konnte die zermürbende W i r t s ch a f t s- k r i s e auch am Wiener Gemeindehaushalt nicht spurlos vorübergehen. Noch bis 1931 konnte die Gemeinde von Äassenbeständen zehre». die Breitner in besseren Jahren trotz allen Ge- zeters der Bourgeoisie in weiser Boraussicht anye- sammelt hatte. Als aber die österreichische Dauer- krise durch den Zusammenbruch der internationalen Wirtschast ins Ungemessene verschärst wurde, als beim Finanzausgleich von 1931 der bürgerliche Staat der verhaßten roten Stadt nahm, was er konnte, mußten die Reserven allmählich aufgezehrt werden. Der Voranschlag für 1933 tan» also mit keinen Zuschüssen mehr aus früheren Rücklagen rechnen. er muß wollkommen ausgeglichen fein; und gerade unter dieser Voraussetzung zeigt sich erst der v o l l e Wert der von Breitner begründeten Finanzpolitik. Obgleich die Einnahmen infolge der Wut- ichaftskrise und des neuen Finanzausgleichs nur noch mit 332 Millionen Schilling angesetzt sind, hält die Stadl Wien auch im kommenden Zahr ihre sozialen Leistungen unvermindert ausrecht. Kl Millionen, somit gegen 30 Proz. des ganzen Budgets, sind Wohlsahriszwecken im engeren Sinne gewidmet, den» eine sozialistische Ber- waltung muß gerade in der schwersten Krise darauf bedacht sein, die Folgen des kapitalistischen Wirtschaftssystems so weit nur möglich zu linder»: daher ist zumindest die relativ« Bedeutung der Sozialausgaben ständig gestiegen. Gibt es doch heule in Wien 23 000 Kinder, die von ihren Eltern nicht mehr erhalten werde» können! Daß die Stadt Wien bemüht ist, aiuh in der Wirtichaitskrise den sozialen Fortschritt nicht ganz stillstehen zu lassen, zeigt ihre Absicht, im kommenden Jahr zu den bestehenden 2 3 Kinder- frei b ädern(die 1932 von 1 288 000 Kindern besucht warens noch ein vierundzwanzigstes hiitzuzubauen. Muhten gerade infolge der Massenarbeitslosig- keit die sozialen Leistungen unvermindert erhalten bleiben, so ist dies bei der komnuinalen wohnbautätigkeit nicht in gleicher Weise möglich, obgleich der Wohnungsmangel immer noch sehr fühlbar.st und die private Baulätigkcil fast völlig ruht. Wurden noch 1931 etwa 90 Millionen Schilling für Wohnbauzweckc ausgegeben, so werden es 1933 nur 33 Millionen Schilling sein können, von denen über 40 Millionen Schilling für Neubauten bestimmt sind: dieser Betrag wird durch die sozial gestaiselte Wohnbausteuer sMietzinszuschlag) aus- gebracht und reicht bei sparsamer Baufühning immerhin für 4 00 0 neue Wohnungen. Was die städtische Wohnbautätigkeit von« Gesichtspunkt produktiver Arbeitsäie- schaffung dedeutet, liegt auf der Hand. So furchtbar die Arbeitslosigkeft in Wien ist— die Folgen der Weltkrise und der unfähigen bürgerlichen Staatspolitik kann keine Stadioerwaltung gutmachen—, so ist es doch gelungen, das Ansteige» der Arbeitslosigkeit gegenüber den anderen Teilen Oesterreichs auf einen Bruchteil zu beschränken. Insgesamt werden in Wien im Jahre lS33 etwa 4? Millionen für Investitionen aller Art ausgc- geben: dazu kommen mehr als 60 Millionen für Erhaltung von Gebäuden. Kanälen, Wasser leitungen, außerdem 21 Millionen wertvermehrende Anlagen der städtischen Unternehmungen(Gas- werk, Clettrizitätswert. Skraßenbahn). Welche bürgerlich verwaltete Stadt kann in einer Zeit der Massenarbeitslosigkeit noch i'olche Betröge für produktive Zweck« ausgeben? Zun» Vergleich dien«, daß der österreichische Staat heute in der Hohestsverwaltung überhaupt nicht mehr, in den Betrieben u»ld Monopolen nur verschwindende Beträge für Investitionen übrig hat. Ein anderes Hauptkopitel der Wiener Finanz- Politik betrifft die Schule. Für Schulzweckc sieht das neue Gemeindebudget fast 76 Millionen Schilling vor. was einem Fünftel aller Ausgaben entspricht. Für Dahlfahrls- und Schulwesen zusammen werden 51 Proz. des gesamten ftaushalkes ausgegeben! Auf jedes Wiener Schulkind entfällt im Durch- schnitt ein Betrag von 467 Schilling. In» kom- Menden Jahr sollen trotz aller Sparmaßnahmen noch zwei neue Kindergartenabtellungen, je eine weitere Schulzahnklinik und Mutterberatungsstelle errichtet werden. Wien soll die Stadt des Kindes bleiben! Bon den städtischen Umernehimtngen erhalten sich das Gaswerk und das E l c k t r i z i t ä t s- werk trotz billiger Tarife selbst, was nicht zuletzt der großzügigen Propaganda und der Erleichte- rung der Strom- und Gos.zuleitung auch in alte Wohnungen in den letzten Jahren zu verdanken ist. Dagegen haben die Straßenbahnen ein Defizit von etwa 8 Millionen infolge des Per- kehrsrückganges aufzuweisen: vor dem Krieg brachten sie etwa 4 Millionen Gewmn, aber dafür kostet jetzt zum Beispiel eine Kinderiahrkarte 5 Groschen(3 Pfennig) gegen durchschnittlich 17,28 Groschen in der christlichsozialen Zeitz Früh- sahrscheine für Arbeiter waren damals um 41 Proz. teurer als jetzt. Ueber die Einnahmequellen der roten Stadtverwaltung ist nicht viel Neues zu sagen. Neben den staatlichen Steueranteilen, die ihr durch die Gesetzgebung vorgeschrieben sind, verbleibt das System der Vrettuer-Slenern uawtänderi wenngleich auch der neue Finanzreferent Dr. Danneberg erklärt hat, bei einer Besserung der Ber- hällnisse Steuersenkungen ebensowenig abgeneigt zu sein wie Brettner. Eine interesiante Ergänzung der Wohnbausteuer ist für das kommende Jahr geplant: Es gibt in Wien eine große Anzahl leer st eh ender Privatwohnungen, die von den Hausbesitzern aus spekulativen Gründen nicht vermietet werden. Diese Wohnungen sollen nunmehr mit einer sehr hohen Wohnbau- st euer belegt werden, was ihre Vermietung bc- schleunigen und zugleich der Gemeinde zu einer neuen Einnahme verhelfen soll. Daß mit den alten, überdies jetzt weniger er- giebigen Einnahmequellen das Auslangen gesunden werden kam», ist in erster Linie dem Umstand zu verdanken, daß die Stadl Dien keine wesentlichen Schulden hat. Schon in der guten Zeit bestand die ganze Weisheit der bürgerlichen Opposition in immer wieder vorgebrachten Anleiheplänen, namentlich für Wohnbauzwecke. Aber Breitner gab nicht nach und nahm nur ein einziges Mal eine Anleihe zu produktiven Investitionen auf Daher braucht Wien in einer Zeit, in der so viele Großstädte unter der Last ihrer Schulden zusammeirbrechen, weniger als«in Proz. ihrer Ein- nahmey für den Schuldendienst oufzu- wenden. Die Wiener Genossen haben im übrigen niemals einen Zweifel darüber offen gelassen, daß sie alle die Leistungen der Gemeinde Wien nur als eine kleine Abschlagszahlung auf die großen sozialistischen Ziele bettachten Hoffen wir, daß die Arbeiter von Wien sich auch weiterhin die Einigkeit erholten, die erst diese Leistungen ermöglicht hat. bringen. Um die Finanzierung diele? Restes zu «leichtern, wird die Deutsche Bau- und Boden dank A.-G. aus der Grunölage der dem Hausbesitz zustehenden Steuergutscheine sürdie Grund st euer, sowett diese 1934 und 19.35 fällig werde», entsprechend« Kredite gk- währen. Gegenüber der Deutschen Bau- und Bocenbank ist die R e i ch s b ü r g s ch a f t für diese Kredite übernommen worden. havag Nummer II Toller Versicherungsskandal aufgedeckt— Der hilflose Aufsichtsrat Bei der Kölnischen R ü ck v e r s i ch c- r u n g s A.-G. sind jetzt Zustände an das Licht der Oefienttichkeit gekommen, die eine verzweifetts Aebnlichkeit mit jenem berüchtigten Konzernikandal der Favag(Frankfurter Vcrsicherungs A.-G.) auf- weisen, mtt dem bei Einsetzen der Krise die großen wirrschasllichen. Korruptionsasfären in Deutschland ihren Anfang nahmen. Was sich hinter den Ku- Isssen der Kölnischen Rückversicherungs A.-G. seit Jahren abgespiell hat, gleicht fast auss Haar den Ereignissen, die zum Untergang des ehemals so mächtige» und blühenden Favag-Konzerns geführt haben, sowohl bei den Verfehlungen der Direktoren wie bei der ans Lächerliche grenzenden Hilflosigkeit der Aussichtsräte. Noch aus der Gsneralversammlung im Juni dieses Jahres schlug die Verwaltung die Vertei- lung einer Dividende von 6!'- Proz. vor. Jetzt, nach knapp 6 Monaten, sind die Aktionäre zu einer außerordentlichen Generaloer- sammlung einberufen worden, und man verkün- deie den völlig Ueberrumpelten, daß eine s o i o r- tige Sanierung des Unternehmens und eine Zusammen st reichung des Kapitals von 10 auf 2 Millionen Mark, also im Verhältnis 3: 1 nicht mehr zu umgehen sei. Den Aktionären, die heftig gegen diese Streichung von vier Fünftel» ihres Vermögens protestierten, setzte die Verwaltung die Pistole aus die Brust, indem sie erklärt«, daß bei Nichtannahme der Sa- nierungsbeschlüsse de� Zusammenbruch des Unter- nehmens nicht mehr aufzuhalten sei. Die Debatte aus der Generalversammlung sör- dertc tolle Vorgänge zutage. Während man»och vor wenigen Monaten hohe Dioidendenbeträge ausgeschüttet hat, zeigte sich jetzt, daß nicht nur zahlreiche verlustbringende Verträge vorhanden, sondern daß auch die Daueranlagen bei weitem überwertet waren, in den Forde- nmgen zahlreiche u»bereinigte Posten steckten und zugleich die dringende Notwendigkeit iür Auftüllung der Reserve» vorlag. Der bekannte Kölner Bankier Pserdmenges mußte als Vertreter des Aufsichtsrols dessen völlige Hilflosigkeit eingestehen. Der Aufflchtsral habe feit Jahren zwar geahnt, daß etwas nicht stimmt, habe aber nicht durchgreifen können, well ihm jegliche Fachkenntnis gefehlt habe. Die Direktoren hätten die Aufsichtsräle durch falsche Erklärungen getauscht, und seil drei bis vier Zahren seien die Bilanzen objektiv falsch gewesen. Das aber habe der Aufsichtsrat nicht wissen können! Ein herrliches Stilleben kapttalistischer Wirt- schaitsiührung, das sich hier eitthüllt. Direktoren. die die Aussichtsräte betrügen und sett Jahren -die Bilanzen sälschen: Aussichtsräte, die sich wie Hiislose Greise benehmen, dosür aber die hohen Tantiemen einstecken, und schließlich die überrumpelten Aktionäre, die eines Tages aufwache» und vier Fünftel ihres Vermögens verloren haben. Das Ganze ein nur zu charakteristischer?lusschnitt aus einem kranken und korrupten Wirtschotts- system. Sicheres Mühlengeschäft Erhöhter Reingewinn bei der deutschen Mühlenvereinigung Die deutschen Mühlen sind von der Krisennot kaum berührt worden. Das beweist auch >d«r'Abschluß der Deutschen Mühlen- vereinigung A.-G., Berlin, vom 30. Juni dieses Jahres. Vom 10-Millionen-Mark-Kapttal dieser Dachgesellschaft befinden sich 70 Proz. im Besitz der Getreide-Jiidustrie-Commission A.-G. und 30 Proz. im Besitz der Deutschen Renten- bank-Kreditanstatt und der Deutschen Zentral- genossenschaslskasse. Das Unternehmen wird also mittelbor von der öffentlichen Hand be- herrscht, Die Deutsche Mühlenvereinigung unterhält selbst keine Betriebe. Sie beherrscht eine Reihe der bedeutendsten deutschen Mühlen, so die H e f f t s ch e K u n st m ü h l e A.-G., Mann- heim, die R o s i n y- M ü h l e und die Witte- n e r Walzmühle in Duisburg, die K r e f e l d e r Mühlenwerke, die Weizenmühle Karl Solomon u. Co., Berlin, und andere, die bis auf die letztgenannte Dividenden von 3 bis 7 Proz. verteilten. Wenn sich auch der Reingewinn der Mühlenvereinigung von 0,3 auf 0,46 Mill. Mark erhöhte, so wirü doch keine Divimende ge- zahlt, da 0,3 Mill. Mark zu Abschreibungen aus die Betelligungen und 0,1 Mill. Mark zur Ans- füllung der Reserven verwandt werden. Eörderung von Hausreparaturen Die Hausbesitzer haben neben dem von» Reich zugeschossenen Fünftel bei Hausrcparakuren und der vom Reich getragenen Hälfte bei Wohnung? umbauten den entsprechenden Rest selbst auszu- Konflikt mit Argentinien Die argentinische Regierung hat durch Ge- uxihrung von zollpolitiiäfen Simdervergünsti- gungen an andere Staaten, die sie Deutschland nicht zuerkennen will, das im Handelsvertrag ver- ankerte Meistbegünstigungsprinziv durchbrochen. Die Gründe für dieses Vorgehen find um so weniger ersichtlich, als die deutsch- argentinische Handelsbilanz für Argentinieit st o r k a k t i o ist. Auch nach dem erheblichen Em- fuhrrückgang in» letzten Jahre gehört DeuftchlanÄ nach wie vor.zu den größten Abnehmern Argen- tinie»lS. Deutschland hat jetzt Gegemnaßnahmen durch Streichung Argentiniens von der deutschen MeistbegünsligungsUste sowie Vergeltungszölle durch Anwendung des Obertorifs angedroht, falls der bisherige Zustand nicht wiederhergestellt wird. Die Entscheidung ist bis zum 10. Januar vertagt. Bin Wähnmgskuriosiim Rätselraten um Sudafrikas Goldstandard Die Regierung der Südafrikanischen U n i o n hat am 27- Dezember durch Verordnung die Cinlösepflicht von Banknoten gegen Gold- münzen aufgehoben. Diese Bestimmung sollte dem Hamstern von Goldmünzen und Devisen, mtt dem eine rege Kopttalflucht ver- knüpft war, ein Ende bereiten. Seit diesem Erlaß hat in der in- und aus- ländischen Presse ein großes Rätselraten begonnen, ob Südafrika damtt den Goldstandard ausgegeben hat, wie seinerzett England, oder ob es nur die Einlösung von Roten durch Gold- münzen gesperrt hett, nicht ober die Abgab« von Goldbarren b,zw. die Ausfuchr von Gold in den Fällen, wo der Goldexportpunkt bei dein Devisen- kurs der südafrikanischen Währung überschritten ist. Das Settsame an der währungspolttischen Lage Südafrikas»var, daß noch am dritten Tag nach dem Regierungserlaß weder im Inland noch im Ausland Klarhctt darüber bestand, ob der Gold- ftandard in Südaftila noch aufrechterhalten war oder nicht. Erst am Donnerstag bat der Finanz- minister in einer amtlichen Erklärung mitgeteilt, daß die Südafrikanische Union ihre Währung tot- sächlich vom Goldstandard gelöst hat. Die Reichsbank hat an den letzten beiden Tagen das südafrikanische Pfund Sterling nicht gehandelt. da reale Bewertungsgrundlagen fehlten. In London setzte aus die neuesten Meldungen hin ein scharfer Kurssturz des südafrikanischen Pfundes um etwa 25 Proz.(!) ein. In Marl um- gerechnet, entspricht dies einem Wert von 15,50 Mark für das Pfund. Die Eebenshaltung im Dezember Das Stattstische Reichsamt ieitt mtt: Die Reichsindexziffer sür die Lcbenshallungs- kosten(Ernährung, Wohnung. Heizung, Beleuch- mng, Bekleidung und„Sonstiger Bedarf") ist im Durchschnitt des Monats Dezember 1932 um 0,3 Proz. aus 118,4(gegenüber 118V im Vormonat) zurückgegangen. Es haben noch- gegeben die Indexziffern für Ernährung um 0,5 Proz. auf 109,0, Bekleidung um 0,7 Proz. quf 112,4,„Sonstiger Bedarf" um 0,5 Proz. auf 163�. Die Jndexzisser für Wohnung ist mtt 121,4 unverändert, die Indexziffer für Heizung und Beleuchtung mit 136V nahezu unverändert ge- blieben. Resserung bei Zinseingängen Die Preußische Landespsandbries» A n st a l l in Berlin ieitt mtt, daß sich die Wtt- kungen der allgemeinen Wirtschaftskrise aui den Eingaug der Zinsen- und Tilgungsraten im Lauf« 'des Jahres in erträglichem Rahmen gehalten haben. Wem» auch die Rückstände im Laufe des Geschäftsjahres gestiegen sind, läßt sich dock) fest- stellen, daß sett dem Juli keine weitere Verschlechterung bei den Zinszahlungen eingetreten ist. Die Tilgungsrückstände aus Hypo- theken- und Komnumaldorlehei» erreichte» sür die letzten vier Quartale 4.41 Proz. der Soll- eingänge. ZWEITE BEILAGE SONNABEND, 31. DEZ. 1932 von tfiqurd Ckristiänsen Keine Möglichkeit, weilerzukommen. Und jo blieben sie beieinander sitzen, beide ein wenig verloren und ratlos. Slb und an sahen sie sich an und Berger trommelte nervös auf die Tischplatte. Als er es merkte, hörte er auf und strich sich mit der Hand das Haar zurück. Kurz darauf stand er entschlosien auf. „Ich muß fort", sagte er,„du willst schlafen gehen." „Ach wo", sagte sie.„Meinetwegen kannst du gern noch bleiben, mein Junge." In der Sanftmut des Tones lag etwas, das Berger ergriff. Er nahm seine Mutter bei den Schultern und sah sie an.„Du bist wohl doch enttäuscht, ja?" Aber sie hielt ihm tapfer stand.„Aber nein doch", antwortete sie. „Sicher nicht, Mutter?" „Ich sag's ja." Da wußte er alles, was sie siihtte. Und krank im Herzen �ging er hinaus, seinen 'Mantel zu holen. Sie begleitete ihn zur Tür, als er ging. „Komm bald mal wieder, wenn du Zeit hast", sagte sie. „Ja Mutter.— Gute Nacht." „Gute Nacht und grüß auch zu Hause." „Danke." Er mußte über einen dunklen Hof und durch eine enge Haustür, ehe er die Straße erreichte. Draußen blieb er einen Augenblick stehen, unschlüssig, was jetzt vorzunehmen lei. Dann zuckte er die Achseln und ging in einer tiefen Niedergeschlagenheit. Ja ja, sagte er in verzweifeltem Gleichmut vor sich hin, das wäre also das. Je weiter er ging, desto schwerer lastete die Zürde auf ihm. Wieder kam die wehrlose Er- aitterung in ihm hoch Nicht gegen die Mutter war sie gerichtet, nein gegen alles und alle. Einen Airgenblill' kam ihm der Gedanke, er müsse mit Lüdersen sprechen. Doch das ließ er gleich als hoffnungslos wieder fallen. Ach was, dachte er, ich muß es eben in mich hineinfressen, und schweigen.— Wenn's auch weh tut. Ader aufgeschoben ist nicht aufgehoben.— Wunderlich übrigens, daß ich noch lebe. Von Rechts wegen sollte ich ja tot sein. Ich darf hier eigentlich gar nicht gehen. Es fing leise an zu regnen und er schritt rascher aus. In sich versunken wie er war. merkte er nicht, daß ihm ein Mann entgegen- kam. den er beinahe angerannt hätte. Er murmelte eine Entschuldigung und wollte weiter, der andere aber blieb stehen und schien etwas zu wollen. „Verzeihung", sagte er.„Sie können mir wohl nicht sagen, wie spät es ist?" Berger sah mechanisch nach der Uhr. „Etwas nach zehn", antwortete er- „Schon so spät? Und nun fängt's auch noch an zu regnen.— In dieser Stadt regnet's gewiß oft?" Etwas in seinem Ton erregte Bergers Aufmerksamkeit.„O ja", antwortete er.— „Sie wohnen nicht am Ort?" „Ich bin erst seit kurzem hier. Ich bin noch nicht weiter bekannt.— Wir haben uns. glaube ich, auch noch nicht gesehen?" Berger sah chn verwundert an und schüttelte den Kopf.„Nein", antwortete er. „Ich entsinne mich nicht." � Der andere grüßte, indem er ein paar Finger an die Hutkrempe legte. „Schönen Dank. Ich muß hier hinunter." Berger blieb an der Straßenecke stehen imd sah ihm nach. Fast wie in alten Tagen. dachte er, als man sich noch nicht zu fürchten brauchte, wenn jemand einen ansprach. 2. Uebrigens litt nicht nur Berger unter dem Geschehenen- Auch Frau Quisthus hotte ihr Teil zu tragen. Vielleicht war ihr Leid nicht so heftig wie Bergers aber es war viel schwer- tender. Berger hatte trotz allem eine dunkle 'Hoffnung tief unten im Halbbewußtsein, eine Art fatalistische Ueberzeugung, daß er seine Ehrenrettung noch erleben werde, daß irgend etwas kommen müsse— etwas ganz Merkwürdiges odec etwas ganz Selbstver- ständliches— das alles in ein anderes Licht setzen werde. Wie das vor sich gehen solle. ahnte er nicht Aber er wollte, daß es so lein solle Für Frau Ouisthus dagegen war nicht die ernste Hoffnung mebr. Ihr Mann war wi. Und wer an einem frischen Grabe steht, denkt nicbt an die Mönlichkeit. daß Zeit und Ge- wohnheit den Schmerz heilen oder das Eni- behren stillen könnten. Er war tot. Er war an einem airderen Ort— wenn er überhaupt war. 2Iber was half es, nach ihm zu fragen? Was half alle Sehnsucht? Es vergingen Tage, bis es ihr zur grauen- vollen Gewißheit wurde, daß es unwider- ruflich war. In den ersten erregten Fieber- und Schreckensstunden weigerte sie sich, daran zu glauben. Erst als der Sarg in die Kapelle gebracht worden war, begriff sie, daß sie nun mit dem Kind allein war. Da konnte sie mit klarem Blick erkennen, wie die Wirk- lichkett aussah. Ihren Mann hatte man er- mordet und nun lag er in einem weißen Sarg in einem kalten, dunklen steinernen Haus und wartete darauf, in die Erde be- graben zu werden. So sah die Wirklich- keit aus. Aber eines ist es. die Wirklichkeit zu sehen und zu erkennen, ein anderes, sich gehorsam unter ihr Joch zu beugen. Sich mit ihr aus- zusöhnen— so wie sie ist. Dazu war Frau Quischus nicht imstande. Sie begehrte auf. Sie erhob verzweifelte An- klagen zum Himmel. Warum mußte es gerade ihn treffen? Warum nicht ebensogut einen der beiden an- deren? Was war denn dagegen einzuwen- den, daß drei anspruchslose, zufriedene Menschen ruhig miteinander leben und glück- lich sein konnlen? Was hatten sie verbrochen, daß man sie so bestrafte? Nach der Beerdigung blieb sie von morgens bis abends im Hause. Ettern und Geschwister besuchten sie, aber sie wies in stummer Hilf- l.osigkeit ihren Trost ab— wie ein Kind, das nichts begreift und sich nur in das fügen will, was es fassen kann. Sie gingen alle von ihr in den, Gefühl, ihr nichts sein zu können. Und sie blieb allein mtt dem Kind. 'Aber ein Kind ist ein Kind und zuletzt saß sie ganz allein— trostlos und ohne Hoffnung. Niemand dachte in. dieser Zeit stärker an sie als Berger. Nach der„Versöhnung" zwischen ihm und Helene nach Quisthus' Be- erdigung war eine Zeit gekommen, wo Helene ihre ausgestreckte Hand wieder zurückgezogen hatte Zwar ohne die Härte der ersten bttteren Tage, aber er merkte es an so manchem kleinen Zuge, daß sie noch immer an der Demütigung trug. Und dabei trägt Esther eine viel tiefere Wunde als sie aus dem genau entgegenge- setzten Grunde, dachte er. Vielleicht wäre es gesund, wenn sich die beiden Frauen einmal aussprechen könnten. An einem seiner Freinachmtttage erwähnte er dies Helene gegenüber.„Du bist wohl seit dem Tage nicht bei ihr gewesen?" Aber sie wies seinen Vorschlag mit einer sestsamen scheuen Bitterkest ab.„Noch nicht", sagte sie. Er sah sie verwundert an.„Geht es denn später besser?" Darauf antwortete sie nicht. Sie zog sich zurück und verkapselte sich in chrem ab- weisenden Trotz. Da schüttelte er ratlos den Kopf.„Mein Gott", sagte er.„Was kann denn Escher dafür? Und stehen wir chr nicht so nahe, daß es gar nicht lieb von uns ist, uns ihr so fern zu chatten, während sie all das Schwere durchmacht?" Ein harter und ungeduldiger Zug trat in ihr Gesicht während dieser Worte.„Quäl mich nicht", sagte sie.„Muß einer von uns hin, so geh du doch." (Fortsetzung folgt.) �Moderne Technik bei Bieren Vorgeführt/ Von Qeorg Qrau Wir seiern unsere großen Erfinder, sprechen mit Stolz vom.�Zeitlaller der Technik", ja, wir be- haupten, daß die Technik erst durch den mensch- lichen Geist in die Welt kam. Aber das stimmt nicht. Der genialste Erfinder vermag keine Maschine zu konstruieren, deren Prinzipien nicht schon längst von der Natur erfunden wurden. Wir brauchen nur einmal die moderne Rotationspresse, mit der dieses gedruckt wurde, in ihr« einzelnen Elemente zu zerlegen. Sie beruhen auf Natur kräften oder maschinellen Vorrichtungen, die wir im Knochenbau, bei der Muskulatur oder im Nervensystem der Tiere und unseres Körpers aii- gewendet finden Der Mensch verttebt es äußerst' geschickt, dte Prinzipien der Natur künstlich nach zukonstruieren, sie bis zu einem Höchstmaß aus- zunntzcn und in seine» Dienst zu stellen. Aber der wirkliche Lehrmeister des Jngenieurs bleibt die Natur, und mancher Erfinder wäre vielleicht Alice£kerl fjRoihhol&: schneller zum Ziel gelangt, wenn er bei der Natur etwas mehr„Werkspionage" getrieben hätte. Denn die eigentlichen Urheber epochemachender Er- sindungen, die aus unseren Patentämtern registriert liegen, sind unsere Freunde aus deni Tierreich. Ein paar Beispiele aus der Erfinder mappc jener kleinen Ingenieure genügen,»m uns davon zu Überzeugen. B l i n d f l i e g e n. Mit zwei Probleinen hat unsere Flugzeugtechnik besonders zu kämpfen: Dunkelhett und Nebel. Dem Menschen fehlt der innere Orientierungssinn, wie chn so viele Tiere besitzen. Schon im dunklen Zimmer stoßen wir uns an jedem Stuhl, und wenn der Flugzeugführer nicht feine technischen Hilssmittel hätte, könitte er sich ohne Sicht gar nicht zurechtfinden und auch nicht landen. Die Fledermaus ist tüchtiger. Obwohl ein Nacht- 3)as alle Jahr befpiegeU fich Ich bin so müde... Ich erlebe mit Mühck mein Jahresende. Meine Geburt hat man damals mit Glocken besungen, Als brächt ich per Eilpost die Wirtschaftswende... Aber ich bin mal wieder danebengelungen. Ich wart bloß sinnlose Feuerbrände in leere Köpfe und Hände. Ich bin so schmutzig... Ich trat an im schneeweißen ttnschuidsgewande. Doch der weiße lack ließ sich kampflos entfernen. An meinem Rocksaum Hebt Spucke und Schande. Ich trat tief in Blutpfufzen... Wahlschmutz... Elendskasernen... Man bewart mich mit Flüchen und nach sonst allerhand im deutschen land. Ich bin erblindet... Ab Fabrik hott ich Augen wie Operngläser. Ich sah genau, was das alte Jahr falsch gemacht. Doch ich war ein oberfalscher Posounenbläser.,. Ich habe Unheilsrekorde gebracht. Die Volkstränen brennen wie Seifenlaugen in meinen Augen. Ich bin rechts und links taub... Meine Ohren sind beiderseits schlafen gegangen, Denn ich hörte drei Zentner Marschmusik. Die Reaktion hat in Deutschland durchs Ohr angefangen... Alle Germanen führten mißtönenden Krieg. Die Trommeln zertrommelten sehr schnell mein Trommelfell. Mein Herz ist gelähmt... Ich fühlte schon lange ein Klopfen und Stechen. ich machte Dienst. Es war in den julitagen. Und ein Jahr mitten im Jahre abzubrechen, das kann die Menschheit schon gar nicht vertragen. Ich trug den Galvarienberg deutscher Schmerzen im Herzen. Mein Gesicht ist aschgrau... Ich geh in Pension... Als Beamter ohne Verdienst und mit Nerven. Das neue Jahr kommt. Natürlich wieder im weißen Gewand! Man wird es bejubeln. Und etwas später mit Flüchen bewerfen... Ich geh.— Doch was bleibt, ist der Unverstand. Jedes Neujahr ist Sieger!— Und schleicht als Gauner und als Dieb aus unserm Betrieb,.. ticr, sind ihre Auge» schwach ausgebildet. Wer sie findet ihre Nahrung und stößt trotz schnellen Fluges gegen keine Mauer. Ja, sie löste folgende Ausgabe. In einem dunklen Zimmer wurde eine Anzahl dünner feiner Drähte gespannt. Dann ließ man die Fledermaus und dazu einige fette Motten los. Unser Flugkünstler jagte und fing die Beute, ohne ein einziges Mal eine» Draht zu berühren. Das ist wirkliches Blindsliegen! Papierfabrikant und Architekt. Jahrtausende hat es gedauert, ehe sich der Mensch ein brauchbares Papier schuf. Warum bat er nicht das Rest der Papier wespe? (Vespa media) griiirdlich untersucht und von ihr gelernt? Er hätte die wichtigsten Bestandteile, wie die Zellulose, bereits vorgefunden. Diese kleine Künstlerin baut sich aus einem Papier, das so geschmeidig und zähe wie chinesisches Seidenpapier ist, die ballonartige Heimstätte für chren Nach. wuchs. Mtt einem. Knäuel von Papierbrei zwischen den Kinnbacken heftet sie sich das mit ihren» Speichel durchtränkte Band stückchentveife aneüiander. Kein Wind oder Regen zerstört chr Bauwerk, es ist so haltbar wie ein japanisches Papierhaus. Mtt einem anderen'Material baut— wie chr Name sagt— die M ö r t e l b i e n e. Wie Ornamente erscheinen chre winzigen, an den Mauern angeklebten Nester. Spuren von Mörtel und Straßenstaub schleppt sie mtt chren Mund Werkzeugen herbei, mischt sich mtt Speichel einen Brei, baut daraus ein fingerhutgrohes Töpfchen, legt ein Ei hinein und mauert noch einen Deckel darüber. Was sie mit ihrem Mund fertigbekommt, dazu brauchen wir Zementmischapparate, Maurer- kelle u»id Winkelmaß Die lebende Nähmaschine. Das erste Patent aus eine Nähmaschine wurde im Jahre 17ZS erteilt. Aber der eigentliche Er- finder ist wieder einmal leer ausgegangen. Die rote Weberameise hat bereits Ihre Nester zusammengenäht, als die Menschen überhaupt»»och keine Kleider trugen. Diese Ameise schleppt frische Blätter zusammen und spinnt diese unter Benutzung eines seltsamen Hilfsmittels anein ander. Ihre Larven besitzen nämlich stark ent wickelte Spinndrüsen, um sich später einen Kokon zu weben. Diese Larven werden von den Ameisen- ingenieuren gepackt und gegen den Blattrand ge preßt. Ist der in der Drüse entstehende Faden angetrocknet, so wird die Larve gegen den anderen Blatttand gepreßt. Das„Weberschiffchen" wird also solange hin und her bewegt, bis der Spalt »nit einem festen Gewebe verschlossen ist. Als besondere Leistung wurde beobachtet, daß diese � Tiere bei besonderen Anstrengungen sogenannte Ketten bilden. Gilt es zwei zu weit entfernte Blätter näher zu bringen, so umklammern sich fünf bis sechs Arbeiter hintereinander und zerren solange an den Blättern, bis sie nahe genug sind, um sie zusammenzunähen. Lustverbesserungsanlagen. Im Altertum gab es lebende Ventilatoren Es waren Sklaven, die weiter nichts zu tun hatten, als chren vornehmen Herren mittels eines großen Fächers Luftkühlung zu verschaffen. Heute be- sorgen wir das elekttisch. Wer das Prinzip der Luftventilalion wurde von der Natur lange vor dem Menschen angewandt. Auf große» Hummelnestern kann man am frühen Morgen im Sommer eine kräftige Hummel beobachten, deren Beschäftigung darin besteht� ein riesiges Gebrumme auszuführen. Der Volksmund nennt diesen Frühaufsteher den„Sjummel- trompeter". Aber in Wirklichkeit ist nicht sein Amt, dem chummelvolk den neuen Tag anzu- künden, sondern er befördert durch sein emsiges Flügelschlagen die schädlichen Gase und Dünste aus dem Bau, er spielt, mit einem Wort, den öffentlich angestellten Bentilator. Aehnliches hat man bei Wespen beobachtet. Sie tragen Wasser in ihre Nester und bringen durch gruppenweises Fächeln, woran sich auch die Königin beteiligt, die Feuchtig- keit zum Berdampfen. Auf diese Weise gelingt es ihnen, auch bei großer chitze eine bestimmte Durchschnittstemperatur im Nest aufrechtzuerhalten, eine gesundheitliche Notwendigkeit, die der Mensch für seine Wohnstätten erst spät erkannt hat. Kaltes Licht. Besonders heute ist es der Wunsch unserer Be- lcuchtungstechnik, ein Licht zu schaffen, bei dem nicht, wie bei den Glühbirnen, der größte Teil der Energie durch Wärmebildung verloren geht. Die Natur hat dieses Problem bereits gelöst, denn die Laternen der Leuchtkäfer brennen, ohne eine Spur von Wärme zu produzieren. Die Jndiane- rinnen stecken sich diese lebenden Funken ins chaar, ohne es sich zu versengen. Er handelt sich hier um einen Oxydationsprozeß, über den sich die Chemiker den Kopf zerbrechen und den sie nicht nachahmen können. Dieser Vorgang ist aber nicht zu verwechseln mit dem Leuchten von Meeres- t i e r e n. Bei ihnen handelt es sich um leuchtende Bakterien, die auf Wirten leben und zur Ent- schädigung den Beleuchter in der Dunkelheit der Tiefsee spielen. B r ll ck e n i n g e n i e u r e und Fangkünstler. Nichts ist so fein gesponnen— wie es die Spinne fertig bekommt. Wie geschickt befestigt sie die oft meterweise auseinanderliegenden chalte- stricke ihrer tückischen Falle. Sie spinnt zunächst ein paar Fäden, die sie lose im Winde flattern läßt. An einem dieser Fäden läßt sie sich solange schwingen, bis sie wie ein geschickter Trapezkünstler irgendein Blatt oder einen Zweig zu fassen be- kommt, an dem sie ihre seidene Schaukel fest- machen kann. Dieses Kunststück wiederholt sie solange, bis sie genug Stützpunkte für ihr Netz hat. In Australien lebt eine Spinnenart, die von ihrem Netz einen ungefähr 4 Zentimeter langen Faden herabhängen läßt, an dessen Ende sich ein klebriger Tropfen befindet. Die Spinne macht es nicht anders wie ein Cowboy. Nähert sich ein Insekt, so wirbelt die Spinne so geschickt mit ihrem Lasso, bis das Beutetier auf den Leim geht und festklebt. Saugpumpe— eigenes Patent. Dieser Fall klingt so unglaublich, daß man ihn für einen Aprilscherz halten könnte. Die Schlupfwespe lebt bekanntlich von anderen Insekten, die sie betäubt und aussaugt. Eine be- sondere Art hat es aus die Larve eines bestimmten Käsers abgesehen. Die Larve ist dem Raubinsekt aber schwer zugänglich, da sie im Inneren harter Samenkerne lebt. Auf geniale Weise bekommt es die Wespe trotzdem fertig, sich ihren Leckerbissen nicht entgehen zu lassen. Sie sticht zunächst mit ihrem langen Stachel durch den Kern bis in die Larve, die dadurch gelähmt wird. Damit wäre noch nichts gewonnen, aber jetzt kommt der Trick. Sie zieht ihren Stachel nicht gleich zurück, sondern läßt ihn ungefähr eine halbe Stunde lang in der gleichen Stellung. Dabei schwitzt sie längs des Stachels eine Flüssigkeit aus, die schnell erhärtet und den Stachel wie einen Mantel umgibt. Jetzt erst zieht sie den Stachel heraus und hat sich eine Röhre geschaffen, die von außen bis in die Larve reicht. Auf diese Röhre setzt sie ihre Mundwerkzeuge und saugt den Körperinhalt der Larve aus. Das ist wohl der Gipfel technischer Geschicklich- keit. Und doch nur ein Beispiel aus einer un- erschöpflichen Fülle von Meisterwerken, die die Natur dem Menschen zur Verfügung stellt,'aber worauf e r sich die Potente erteilen läßt. Von tRünfllern und So Unverbesserlich Ein passionierter Kölner Kunstsammler. ein alter preußischer cherr, lag auf dem Sterbebette! als man merkt, daß sein letztes Stündlein gc- kommen ist, holt man den Priester. Der nahte mit den Sterbesakramenten, das Kruzifix vor die Brust erhoben. Als der Todkranke ihn sieht, richtet er sich empor, erblickt das Kruzifix und lispelt:„Gutes süddeutsches Stück, Elsenbein, aus dem Anfange des achtzehnten Jahrhunderts" — und sinkt hinüber. H. Leb. eiatendungcn für viele Subtil find Bettln 5 SB 68. Lindenstrni» 8. Groß-Berlin stet»»n da» Bezirtafettelarial 2. Hof. 2 Trennen recht». ,u richten 7. und 8. Steci». Heule fällt die iuristischc Sprechstunde aus. 32. Abt. Die Ableilungsobleute werden gebeten, bis spätestens 5. Januar die Yahresberichle schriftlich beim Abteilungsleiter einzusenden. !I0. und 92. Abt. Die jüngeren Parteimitglieder treffen sich am t. Januar um 14 Uhr zur Neusahrswanderung Wildenbruchplatz Ecke Kaiser. Friedrich. Strasie. Anschließend gemütliches Beisammensein im Strandschloß Kuhlheide. Arbeitsgemeinschaft der iündersrennde. Die Geschäftsstelle ist wie folgt geöffnet: Montag und Freitag von 13 bis 19 Uhr, Dienstag, Mittwoch und Donnerstag von 9 bis 17 Uhr, Sonnabend von 9 bis 13 Uhr. Kreuzberg:-Achtung, Helferkreis! Unser„Lustiges Jahresende der Kreuzberger Helfer" beginnt nicht, wie im Rundschreioen irrtlim- lich vermerkt, um 15 Uhr, sondern um 17 Uhr(5 Uhr). Jeder li brrngt sich eine Tasse mit. Neukölln: Iahresendfahrt! Wir treffen uns heute in folgender Weise: Jung, und Rote Falken, die bis Königswusterhausen fahren, sind 14 Uhr Bahn» Hof Neukölln.-Alle anderen treffen sich 16 Uhr Bhf. Neukölln, Falkentleidung. Becher, Decke und Wimpel mitbringen. Sterbetafel der Groß-Berliner Partei-Organisation 9«. Abt. Unser Genosse Wilhelm Lemp, Neukölln, Reuterstr. 80, ist am 28. Dezember im 72. Lebenslahrc perstorben. Ehre seinem Andenken! Ein- äscherung am Dienstag, 8. Januar, 17 Uhr, im Krematorium Baumschulenweg. Rege Beteiligung erbeten. IllSozialistischeArbeiterjugendGroß-Verlm Einsendungen für diese Rubrik nur an das Jugends-kretaria» Berlin SW 68 Lindenstraße 2, oorn I Treppe rechts Bezirksansschußsahrt heute. Tresspunkt 18 Uhr Bhf. Erkner(Bahnsteig). Die jüngeren Genossen treffen sich um 16». Uhr pünktlich vor dem Echlesischen Bahnhof(Wriezener Bahn). heute, Sonnabend. Tresspunkte für Abteilungsfahrlen: Wedding-Rord! 16 Uhr Bhs..Wedding. Eingang Nettelbeckplatz.— Falk- Platz 1: 17 Uhr Bhf. Gesundbrunnen.— Nordost l: 18 Uhr Bhs. Weißensee.— Schillerpark: 21.Zi> Uhr Bhs. Gesundbrunnen.— Sportpalast: I9Vj Uhr Biilow» bogen.— Hallesches Tor: 18 Uhr Schlesischer Bahnhof.— Ariebrich-srlb«: 17*4 Uhr U-Bhs. Lichtenberg iPrinzenallee). Kosten 1,40 M. Werbcbezirt Tempelhos: 20 Uhr Bhs. Tempelhos. Fahrgeld 2 M. 4- Brunvenplatz und Gesundbrunnen I: Silvesterseier 20 Uhr Heim Schönstedt- siraße I.— Südwest: Lindenstr. 4: 20 Uhr Silvesterveranstaltung.— Eharlotten- bürg: Rosinenstr. 4: Lustiges Jahresende. Für jeden Genossen ist Erscheinen Pflicht.— Lichtenbeeg-Rord: Gunterstr. 44: Sllpesterseier. Beginn 21 Uhr.— Karow: Frundsbergstr 9: Sllpesterseier. �»Freie Gewerkschafts-Fugend Berlin Siidostkreis: ""irt nach _________........ M______ Kordost- kreis: Neujahr nach Tiesensee.— vstlrci«: Silvesterseicr der„Sieben". An. schließend Kreissahri.— Rordkreis: Wir sind alle in Lehnitz zur Iahresendseier. Vortrage, Vereine und Versammlungen Reichsbanner„Schwarz-Rot-Gold". G e I ch ä I i s st e I i e: Berlin 3- 14 Sebastionftr 87—38 Hol 2 Tr \>v Prenzlauer Berg(Ortsverein): Sonntag, 1. Januar, Kranznieder. * legung am Grabe des Kam. Willi Schneider. Antreten WM Uhr vor dem Friedhos in Lundeskleidung mit Fahnen und Mustk.— Lichtenberg(Orts- verein): isonntag, l. Januar, Kranzniederlegung am Grabe des ermordeten Kameraden Schneider, Antreten püntilich Wy, Uhr auf dem Zentralsriedhos Friedrichsselde in Bundeslleidung. Alle Fahnen mitbringen! Pslichioeran- siallung!— Wassersportabteilung, Zug Köpenick: Sonnabend, 31. Dezember, große Silvesterseier im Bootshaus Köpenick. Beginn 21 Uhr. Eintritt frei. ffftafs Ibcalcr Sonnabend, den 31. Dezember staatsoper unter den Linden 19 Uhr Eine nacht in uenedig staatliches Schauspielhaus 19 Uhr iOOOOO Thaler VOLKSBUHNE Theater am Bdlewplatz Täglich 8 Uhr D I Norden«536 ["Silvester 7 Uhr| Oliver Cromwells Sendung v. Walter Gilbricht. Regie Heinz Hilpert mit Eugen Klöpfer MLP Tägl.5 u.8)4 Uhr Heute letzterTag .Märchen mit Ernst Matray Solvag* Starna SaWIelMi Hauptdarstellerin aus d. Film„Tabu" u. weit. Attraktionen I PLAZA Stgi. 2, 5, 1-li. Heute letater Tag! Oer letzte Walzer Kieiukaiiber-Schiitzrnperein. Osten: Sonnabend, 31. Dezember, Tressen aller Kameraden mit Familie um 20 Uhr im Bereinsheim Sportplatz Friedrichsselde zur Silvesterfeier. Große Ueberroschungen. Gäste willkommen. Schiller Bismarcksir.(Hole) Steinpl.(CD 6716 Letzte AoltQhrongeo Zum 74, Mal Silvester 7>/, Uhr Robert und Bertram Senia Söncland. Paul Heidemaon Letzte AuffOtming 1. Januar nachmitt 4 Uhr. ar.Dolittles Abenteuer mit Alfred Braao Kleine Preise I Th e a he r Deutscher Arbeiter Mandoiinislrnbunb. Ortsgruppen Webdlng und Reinicken- dors: Am Neujahrstag in der Strafanstalt Plötzensee Mandolinenkonzert. Sämt- liche Mitglieder haben sich unenttzelllich in den Dienst der guten Sache gestellt, um den Gefangenen volkstiimUche Unterhaltungsmusik vorzuspielen. Diri- gent: Willi Fahr. Leitung: Willi Nowakowstl. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, 11 Uhr, Pappelallre IS, Vortrag des Herrn C Witthaurr: Die Bedeutung des Darwinismus für den heutigen Kulturkampf. Gäste willkommen. Republikanische Redaervereiaiguno. Montag, 20 Uhr, Bariragsabend mit Diskussion im„Alten Askanier", Anhalter Str. 11. Es spricht Genosse Fuchs über„Sozialdemokratie und Mittelstand". Gäste willkommen. nsii'Olllii-malei' Heute Silvester 7 Uhr Premiere ab Neujahr Täglich 8l/4 Uhr Max Hansen lOOMeterGlück Oliefetti»n Spollusky mit Erika von Theiimann SlädioOper Chirlatienburz Fraunhofer 0231 Sonnabend, 31. Dez. Turnus III 19 Uhr Premlere Die Prinzessin von Trapezunt (Neueinstudierung) Braut» G.Eisinger, Frind,Schustera,G. Burgwinkel, Qom- bert, Gronau a. Q., Heyer, Kandl Dirigent! Breisach. Regie Fehling. Komomentiaus Schiffbauerdamm 25 Tel. D 2 Weid. 6304-05 Täglich 8*4 Uhr Silvester TVa Uhr Das Haus dazwischen von Sdiiffir und Joachimsoo Musik: Spoliansky InszenieniiK]: Bamowsky Uzlbert. Ander, Tiidtte Deutsches Theater Schumannstr.l3a Weidend. 5201. Heute 7 Uhr Hans Moser in Essig und Oel v. Geyer u. Frank Mnik: Röhrt Katsdur Inszenierung O L. Premineer Etllnger.Stepanek Terwin. Eilers Woiwode. Staudt Szurovy Ii/ 0/ vi/ vi/ Vst Vi/ vi/ vi/ 1 Ferienheim Strandkaffee Kochel am See i Besitzer: Gesamtverband, Ortsverwaltung München Aus den bayrischen Bergen allen unseren Gästen und Freunden w vl/ die besten Neujahrswünsche! jp Ouittungi Boban u. neKlomrmdrKm Vrfiflf vii tSSolereh ab �przidlifdf Cbnrod Müller Heute 4 und Bis Uhr zum letzten Male DREI CODONAS 6 v. d. Staatsoper usw. Morgen 1. Januar Premiere 4 und 81B Uhr 20 uiienermneii konzertieren UFoyasWaliM usw. Flora 3434 Rauchen erlaubt CASINO-THEATER 8A4 81'. Lothringer S trabe 87 Sonntag« auch 4 IThr Nur noch wenige Aufführungen Alles um Lotti Posse mltQesangundTanz Gutschein I— 4 Personen: Parkett nur 0.50. Fauteuil 0.75, Sessel 1,25 Theater im Admiraispaiasi Jsterkur 9901 räglich 814 Uhr: Silvester Beginn 7 Uhr Hans Albers Lili om Yorvirkiuf UDuntirlir. Variefö am MIrdieiibniinin An FriBdridMhiiB 29—32 (an KSnlgstor) Täglich 8 Uhr Das sensationelle EPOffnungs- programm mit den tlitesiogern Eintrittspreise Wochentags 60 Pf. Sonnab. u. Stg. 1 M. itose- meaiei Groll Fnokfotlir Strate 132 Iii. Wiiibul EI 3422 7 Uhr Böhmische Musikanten Re�auraot Herlind itkula I Großes SAWeUjllllSu'.l Ball w Savoy Gitta Awav Stoft) varson,/ Oskar Ten»« R-gie- Älfeed Rotte« Silvemler 7 Uhr Stettiner Sänger > Reichshallen-Th., Dönhoffpl. 8.13, Sonn- u. Feiertage 3.30 zu ermtiOi�tcn Preisen Das Weihnachts- Programm eitoiMei Charlottmtr. 90 Dlnhoff 623 Täglich 8-i. Uhr Silvester 7 Uhr Zu wahr um schfin zu sein Komödie von Shaw Moissi, Miwes, Evans, Berteos, Otto. Sina, Gronau. Prfdd. lessing Theater Täglich 8'/. Uht Silvester 7 Uhr Grete Mosheim Brausewetter Oer Liebling von Paris Musik Ton OffMbadi Regii: Honolka Theater des Westens Steinpl. 5121 Täglich 8V. Uhr Silvester 7 Uhr Max Der brave Soldat Schwejk Deutsches Künstler-Th. Nürnberger Str. Tel Bavaria 6466 Täglich 8V. Uhr: Silvester 7 Uhr Lsopoldine Konstantin in Die Nacht zum 17. April Schroth, Steinbeck. Gebühr, Brionne, Wolle, Picha TM. Schauspieler Ihuitr in Sti.ffbauerdamm Weidendamm 3300 Heute 7'/. Uhr Ab morgen täglich 8(4 Uhr üDlomatenliiilett KomSdit von A. Gmeyner mit Agnes Siraub, KSibir. Heilinger, Gnas. Trenk-Trebihth, Oderaar. -ypEUECfWELK- inuld Sthok— U-Bihn Hirmannplatz— Haseuheide 108-1U. Silvester Ball m Oberbayern und Eröffnung der Bockbier- Saison Gr. Ochsenbraterei u. Schweinebraterei An allen Tagen: Ovcßer fklpenbetll. 6 Kapellen. Bayr. Bedienung. ElnlaS: Wochomag« 7 Uhr, Sonntags 5 Uhr. Germania Pradifsäle N 4, ChaosteesiraOe 110• Weidendamm 6103,«080 GroßerSilvesfeiDaU mit Punsdipolonalse und Deberratdiangen Saalbau Friedrishain jliiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiuiiiiiimuiiiiiiiiiiiiiiiiiiMmiimiiim� Größte Bülinensctiau/lYlOnctienerHatz snuestemaii Leitung: Walter Carlos bekannt v Rundfunk u. Tonfilm KnrlUrstend.-Tii. Karffirstendamm 209 Tel Bism. 140u Täglich HV4, Uhr Silvnter 7 Uhr middidie Reise von Bertudi und Schwabadi .Musik. Kflnnckc Regie. Peokert Hans Schindler mit seinen Jaiz-Syraphonikern Varverkaaf ununterhrodisr 0) •< (O ev ' 25 Jeder. So- r atenf. 1 1 Vi Uhr: NachtvorstenungJ B. B. B. dendows Bunte Bühnr Kottbusser Straße 6 Oberbaum 3500 Tätflich»'« Uh» | blvese.« J .Ml! M" Ah J. Januar N' dolie Kiste ,., Palentmatratze» ->,"' J,11,. I.Primisstma" Aus. •s/iDat. 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Chriftionat, Köpenickerstraße 80» (Haltestelle Köpe» nickerbrllcke).* )