Abend- Ausgabe Nr. 617 B300 49. Jahrg. Redaktton und Ver la gi Berlin SW 68. Onbenftt. 3 Fernspreche?<31 � Qlmt Dö thofl?S2 bts 297 Telegrammadresse, GozialdemoK« Verlw s e � l.! e K VOI�ZLI�TT SONNABEND 31. Dezember 1932 In Groß• Berlin 10 Pf. Auswärts...... 10 Pf. Bezugsbedingungen uud Anzeigenpreis« siehe Morgenausgabe Jentvalsesa« der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Ende schlecht- alles schlecht! Die LilvesterxrülAe der Reaktion an das Volk— Vorwärts zu neuem Kampf! SU letzte Woche des scheidenden Zahres hat noch einmal die Herrschast der Reaktion im voll. sten Glänze gezeigt! Sie Morgarilleverorduung des Ka- binelis SchUicher ist der Zlussluh Agrarierübec- mnls und jener volksseindlichkc'.t. die das Sabinetl Papen auszeichneten. Den Papen sind wir los— die Papen-Riinister sind xeblUben! Der Surs der Begünstigung grofzagrarischer Znleresscn aus Sosteu des Volkes und zum Schaden der gesamten deutscheu Wirtschaft geh» weiter! Ter grosmgrarische Anschlag auf die Fettversorgung der uotlcideudeu Pc- völkerung— das ist ihr Abschiedsgrnst tSZ2: Zu Preußen alles beim alten! p a p e n- Kurs tu der Schulverwaltung, RIossen- eullassung sozialdemokratischer und republikani- scher veamleu, um die Schulverwoltung der jiustersten Reaktion auszuliesera! Mit hilse rabulistischer Begründungen, die dem Recht nicht standhalten, wird da» versassungemähige Recht der Beamten durchbrochen, wird eine Parteibuch- Politik der schlimmsten Sorte belriebeu! SU Politik der Provokation gegen Soziaidemokraleu und Republikauer wird uuentwegl sortgesehl, nichts hat sich geändert! Unter dem Freudengeheul der Reaktiv- näre hat die kommissarische Vertvaltung einen regelrechten«chulputsch einge- leitet? lieber die Zlrbeiksbeschassung haben wir Programme und Ruudfuukvorträge gehört— aber wo sind dU Talen? Sie Talen für die Unternehmer! Sie Einstelluugsprämien sollen bestehen bleiben, damit die Unternehmer zu ösfenllicheu Austrägen noch Geldgeschenke hinzuerhalten! Für die Winterhilfe war kein Geld da — aber für Liebesgabe« für Unter- nehmer kann immer noch Geld beschafft werden? während dU regierende Reaktion Ihre volks- seiudlichen Pläne versolgt, zeigt die Rationalsozialistische Partei noch einmal ihr wahres blut- besteckles Gesicht, per Fememord in Dreeden enthüllt die Verkommenheit und Unmenschlichkeit des deutschen Faschismus, die Existenz von Mördertrupps und Mörderbegünstigungsorgoni- sationen. So scheide« das Zahr 1932! Sa» ist die UHU Woche des Zahres, erfüllt vom Hexensabbat der reaktionären Gewalten! SU seudaU Reaktion. das rossende Grobagrariertum. das nimwersatle kapitalistische Unternehmertum, seine faschistischen Soldknechte— das ist der Feind, den es im Zahre 1933 zu schlagen gilt! Ser Kamps ruhl nicht! wir haben im Zahre 1932 dem Ansturm aller reaktionären Gewalten standgehalten, wir werden im neuen Zahre zum Zlngriss übergehen. Fort mit der Reaktion— welches Gesicht sie auch immer zeigen möge! Vorwärts zu neuem Kampfe! Der Gchuivutsch Beahtionärer Rachefeldzug gegen Sozialdemokraten Sie von der preußischen kommissarischen Re° gierung aus„Ersparnisgründen" abgebauten höheren Beamten der Schuloerwaltung sollen zum Teil Wiederverwendung finden. So beabsichtigt man die meisten bisherigen Vize- Präsidenten der Provinzialschulkollegien. die jetzt abgebaut werden, zu Regierungs- direktoren zu ernennen, vorausgesetzt, daß sie damit einverstanden sind, einen solchen Posten anzunehmen, der unter ihrer bisherigen Stellung rangieren würde. Die Wiederverwendung eines weiteren Testes der abgebauten Beamten wird erwogen, wäh- Sdiüebter Abschied losen Flüchtlinge aus. Gewöhnlich treibt man sie bei Passau über die Grenze: sse können dann schen wie sie in Deutschland weiterkommen. Einen italienischen Antifaschisten aber an Italien aus- liefern zu wollen, das ist eine Schurkentat, die hier einen mörderischen Ausgang genommen hat. Der dafür Verantwortliche wird seiner Brand- markung nicht entgehen. Die Staatspolizei begründet die Ausweisung Ferraris damit, daß er seine antifaschistische Agi- tation in Oesterreich sortgesetzt habe. Gegen- über Wünschen der italienischen Gesandtschast wagt eine Bürgerblockregierung eben keinen Widerstand. Die Auslieferung aber scheint„in kurzem Wege" durch die Polizei und ohne die dazu nötige Entscheidung des Obersten Gerichtshofes ange- ordnet worden zu sein. Staatssekretär für Sicherheitswesen ist der Heimwehrmajor F e y. Gefährliches Glatteis Die Folgen eine» Wärmeeinfcruchs „Wo bleibt denn mein Trauergefolge?" „Es trauert niemand. Als einziger Leidtragender hat sich ein gewisser Herr v. Papen angemeldet." Lieber tot... Selbstmord vor Auslieferung Ter italienische Antifaschist Marcello Ferrari, btr nach Oesterreich geflüchtet war. aber wegen Fortsetzung dieser Ve- tätigung aus Wien ausgewiesen wurde und an Italien ausgeliefert tuerden sollte, sprang vor Erreichung der italieni- schen Grenze aus dem Schnellzug. Er wurde von den Rädern erfaßt und zer- stückelt. Ferrari war 84 Fahre alt. Das Asyixecht für politische Flüchtling« sst in der Bersassung der Republik Oesterreich enthalten Trotzdem weist die Polizei diese fast immer mittel- Räch einer ziemlich kolUn Rächt— es wurden stellenweise 4 b i» 5 Grad Kälte in Verlin gemessen— trat in den heutigen Morgenstunden ein wetterumschmung ein. Gegen Vi! 9 Uhr sehte bei l Grad Wärme plötzlich Regen ein während in der Innenstadt sich der witlerungsumschiag im verkehr weniger gefahr- bringend auswirkte, führte die stellenweise sehr starke Glalteisbildung in den Außenbezirken zu zahlreichen verkehrsunsöllen. * Die stäbtische Straßenreinigung wurde zwar sofort mobilisiert und zahlreiche Streukolonnen aus die vereisten Straßen geschickt, in der kurzen Zeit konnten aber naturgemäß nicht alle Gesahrenpunkte rechtzeitig beseitigt werden. In T e m p e l h o f aus der vereisten Altilastraße gerieten zahlreiche Autos ins Schleudern. so daß sie trotz kleiner Fahrtgeschwindigteit gegen die Bäume prallten Em Opel-Wagen wurde dabei völlig zertrümmert, der Führer kam wie durch ein Wunder mit leichten Verletzungen da- von. Em ähnliches Schicksal ereilte einen Motor- radsahrer. dessen Beiwagen bei dem Anprall gegen einen Baum abgerissen wurde. In der Dorfstrahe >n Mariendorf rutschten nacheinander sechs Autos zogen den Bürgersteig und wurden zum Teil schwer beschädigt. Aus den vereisten Chausseen in der weiteren Umgebung Berlins ereigneten sich weitere Unfälle, bei denen in der Hauptsache schwerer Sachschaden angerichtet worden ist. Bon der Feuerwehr wurden in den Vor- Mittagsstunden drei Passanten, die aus den vereisten Bürgersteigen gestürzt waren und sich linochenbrüche zugezogen hatten In die Krankenhäuser gebracht. Hochbetrieb herrschte auch aus einigen Rettungsstellen, wo die Aerzte alle Hände voll zu tun hatten, um die Glatteisopfer mit Not- oerbänden zu versehen. Der Wärmeeinbruch ist besonders stark >» West- und Nordwestdeutschland in Erscheinung getreten. Von dort werden Temperaturen bis zu 7 Grad Wärme gemeldet. Zm Osten des Reiches ist es dagegen nach wie vor kalt. Die Kälte de- trägt dort 5 bis 7 Grad. Westlich Islands liegt ein sehr starkes Tief, das stärkste, was seit langem beobachtet worden ist. Diese Depression drängt nach dem Kontinent, wird zunächst aber ohne Ein- fluß aus unser Wetter bleiben. Schifssmeldungen, die heute vormittag beim Amtlichen Wetterdienst eingegangen sind, besagen, daß auf dem Meer 22 Grad westlich Greenwich und 49 Grad nörd- licher Breite orkanartige Stürme herrschen. * Für denNeujahrstag gibt der Wetterdienst folgende Prognose: Wieder Aufheiterung, Tem- peraturen später sinkend, auffrischende südöstliche Winde! rend eine dritte Kategorie überhaupt keine Verwendung mehr finden soll. Ueberflüssig zu betonen, daß diese räudigen Schafe, die endgültig zur Entlassung gelangen, in der Hauptsache Sozialdemokraten sind. Es befinden sich unter ihnen die Genossen Paul König und Frau Wegjcheider-Ziegler. Natürlich versichern die zuständigen Stellen kalt- blütig, daß die Parteizugehörigkeit der einzelne» Beamten bei ihrer Wiederverwendung bzw. end- gültigen Verabschiedung keinerlei Rolle gespielt habe und daß„rein sachliche Gesichtspunkte" dabei maßgebend gewesen seien. Die Herrschaften haben nicht einmal den Mut, sich zu den ofsenkundigen Beweggründen ihrer Handlungsweise zu bekennen! Sozialpolitik 1932 Von Rudolf Wissell Die Sozialpolitik des Jahres 1932 steht im Zeichen jenes höhnenden Wortes der Regie- rung Papen:„Die Nachkriegsregierungen... haben den Staat zu einer Art W o h l f a h r t s a n st a l t zu machen ver- sucht und damit die moralischen Kräfte der Nation geschwächt." Gegenüber diesem Hohn aus Millionen Menschen, die nur den einen sehnlichen Wunsch nach Arbeit haben, sei auf den Ar- likel 163 der Reichsverfassung hingewiesen. wonach jedem Deutschen das R ed) t auf Arbeit zusteht, oder falls ihm eine ange- messene Arbeitsgelegenheit nicht nachgewiesen werden kann, ein Anspruch auf den notwen- digen Unterhalt. Die„Mißwirtschaft der Parlamentsdemokratie", die Herr v. Papen liquidieren wollte, hatte iin Arbeitslosenver- sicherungsgesetz diesen verfassungsmäßig ver- heißenen Unterhalt gewährt und bis zum Anfang des Jahres 1936 aufrechterhalten. Dann waren Eingriffe erfolgt. Doch erst der Regierung Papen blieb es vorbe- halten, uns auf diesem Gebiet wieder zu- rückzuwerfen. Ihre Notverordnungen haben von der Arbeitslosenversicherung nur noch einen kümmerlichen Rest übrig gelassen. Die geringen„Verbesserungen" dieser Bestim- mungen, die von der Regierung Papen zur letzten Reichstagswahl als Wahlspeck gereicht wurden, fallen demgegenüber überhaupt nicht ins Gewicht. Die B e i k r ä g e der Arbeitslosenver- jicherung dienen heule mit dazu, einen Teil von Ausgaben zu erfüllen, die mit der Versicherung an sich nichts zu iun haben. Das Regieren mit dem Artikel 48 stammt freilich nicht von Herrn o. Papen. Als das deutsche Volk die Schwelle des Jahres 1932 überschritt, hatte es bereits vier Notverord- nungen hinter sich, die auch auf sozialpoliti- schem Gebiet einschneidende Aenderungen mit sich brachten. Anfang 1932 hatten die Lohn- und Gehaltssenkungen derart gewirkt, daß der damalige Preiskommissar Dr. Goerdeler in einer Rundfunkrede sagte:„Die Kauf- kraft ist in einem Maße mit dem Jahres- beginn vermindert worden, wie wir es alle bisher noch nicht erlebt haben. Von der Einkommensminderung um 19 Proz. werden etwa 35 Milliarden deutschen Volksein- kommens erfaßt. Es tritt also eine plötzliche Senkung von einem Jahreswert von etwa 3,5 Milliarden ein.„Daß diese Lohnsenkung die Vorleistung auf die verheißene Preis- Die Ausreden der Reaktion Lie versteckt sicti Linter ikre eigenen Verordnungen senkung war, die nicht im entferntesten das in Aussicht genommene Ausmaß erreichte, daran braucht nicht besonders erinnert zu werden. Damit war aber der Druck auf die Löhne und Gehälter noch nicht beendet. Die Notverordnungen der Regierung Papen brachten neben der Senkung aller Sozial- leistungen auf unerträglich niedrige Sätze. neue Eingriffe in die Lohnpolitik, abgesehen davon, daß das Gesamteinkommen der beut- schen Arbeiterschaft in der Aera Papen durch wachsende Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit unaufhaltsam verringert wurde. Die Nokverordnung vom S. September erleille der Rcichsregierung auf sozialpoli- tischem Gebiet eine Blankovollmacht, die mit der damit verbundenen Möglichkeit, sowohl alle sozialpolitischen als auch arbeitsrechtlichen Gesehe abzuändern, das deutsche Sozialrechl in allen feinen Teilen bedrohte. Sie brachte ferner den vielumkämpften Ein- griff in die Unabdingbarkeit des Tarif- l o h n e s, der zweifellos einen Verstoß gegen Artikel 165, Abs. 1, Satz 2 der Reichs- Verfassung darstellte. Tatsächlich nahm diese Notverordnung in zweifacher Hinsicht einen unzulässigen Eingriff in die Tarifnormen vor. Einmal, indem sie bei Neueinstellungen dem Arbeitgeber die einseitige Berechtigung gab, den Arbeitern den Tariflohn für die 31. bis 40. Wochenstunde je nach der Zahl der Neueinstellungen bis zu 50 Proz. zu kürzen. Zum andern konnten Arbeitgeber, wenn sie den Bestand oder die Weiterführung ihres Betriebes durch die tarifvertraglichen Verpflichtungen gefährdet glaubten, den Tariflohn wieder einseitig von der ersten Wochenstunde an bis zu 20 Proz. kürzen. Die Gewerkschaften haben gegen diese Beschränkungen mit aller Energie, teil- weise mit Hilfe von Streiks, den Kampf geführt. Die Haltlosigkeit der geradezu un- sinnigen Bestimmungen hat unter dem Druck der Sozialdemokratie und der Gewerkschaften dazu geführt, daß die Notverordnung vom 5. September hinsichtlich ihres ersten Teiles von der Regierung Schleicher am 14. Dezem- der aufgehoben werden mußte. Das Fazit dieser Lohnpolitik ist ein Absinken des Ge- samteinkommens der Arbeiterschaft von 33 bis 35 Milliarden im Jahre 1931 auf schätzungsweise 21 Milliarden im Jahre 1932. Als gerade sinnlos hat sich das notver- ordnete Anzeigesystem der prämiensteuer- gulscheine bei Einstellung von Arbeitern erwiesen. 1,75 bis 2 Millionen Arbeiter sollten neu eingestellt werden können. wenige 10 000 sind es geworden. Und die Gesamtzahl der Arbeitslosen ist um hunderttausende gestiegen. Auch das System des gesetzlich gestatteten Tarifbruchs hat sich infolge des Widerstandes der Gewerkschaften nur in ganz bescheidenem Maße durchsetzen können. Kläglich war der Erfolg des Anzeigesystems in bezug auf die Arbeitszeitverkürzung. Die Erhebung des ADGB.(vom Institut für Konjunkturfor» schung bestätigt) zeigt, daß in den Betrieben, die von der Notverordnung vom 5. Septem- der Gebrauch gemacht haben, die Ar- beitszeit in größerem Umfang verlängert als oerkürzt worden ist. Auch dieses Beispiel beweist, daß nur ein gesetzlicher Zwang zur Arbeitszeitverkür- zung geeignet ist, die Arbeitslosigkeit wirk- sam zu verringern. Um so mehr als die Ver- öffentlichungen des Instituts für Konjunktur- forschung für das Jahr 1932 eine andauernde Verlängerung der durchschnittlichen täglichen Arbeitszeit der industriell beschäftigten Ar- bester von 6,51 Stunden im Januar auf 7,06 Stunden im Oktober ergaben. Alles in allem kann man sagen:„E i n großer Aufwand schmählich ist vertan." Angesichts dieses Fiaskos mit der„letzten Chance", die Herr v. Papen der Privatwirtschaft gegeben hat, gewinnen die Pläne der Gewerkschaften und der Sozialdemokratie zum Umbau der Wirtschaft und für öffentliche Arbeitsbeschaffung erhöhte Bedeutung. Auf dem Gebiete der S o z i a l v e r s i ch e- r u n g hat die Regierung Papen ein wüstes Trümmerfeld hinterlassen. Die Unter- stützungssätze der„Hilfsbedürftigen" wurden auf ein Darbminimum gesenkt. Die Renten der Unfall- und der Invalidenversicherung haben Kürzungen erfahren, gegen die alle Brüningschen Notverordnungen wirklich Kleinigkeiten waren. Die Steuern wurden erhöht— nur für Arbeitnehmer, nicht für die Besitzenden. Wer noch glücklich im Besitz einer Arbeitsstelle ist, zahlt„Beschäftigungs- stener". Daß sich die gewollt reaktionäre Politik auch im Schlichtungswesen ausge- Der Amtliche Preußische Pressedienst teilt mit' Nach der Verordnung zur Vereinfachung und Berbilligung der Verwaltung vom 3. September 1932 gehen mit dem 1 April 1933 die Aufgaben der Provinzialschulkollegten auf die Oberpräsidenten Aber. Durch diese Behördenumbildung hören mit dem 31. März 1933 die Aemter der Vizepräsidenten der Provinzial- schulkollegien und der Direktoren bei den Pro- vinzialschulkollegien auf. Danach müssen nach den geltenden gesetzlichen Bestimmungen sämtliche In- haber dieser Stellen vom 1. April 1933 in den einstweiligen Ruhestand versetzt werden. Die Leitung der künftig bei den Oberpräsi- denten einzurichtenden Verwaltungen für das höhere Schulwesen werden vom 1. April 1933 ab Regierungsdirektoren übernehmen. hier- für sind zum Teil die zum 1. April 1933 in den einstweiligen Ruhestand versetzten Vizepräsi- denten bei den Provinzialschulkollegien in Aussicht genommen. Bei den Oberpräsidien von Oberschlesien, Grenzmark-Posen-Westpreußen und Pommern werden Im Hinblick auf den geringeren Geschäfts- umfang Regierungsdirektorstellen nicht eingerich- wirkt hat, braucht nicht besonders betont zu werden. Wenn in diesem sozialpolitischen Hexen- sabbath die Grundlagen des kollektiven Rechts mit wenigen Ausnahmen im Jahre 1932 nicht erschüttert werden konnten, so hat dies drei Gründe: E r st e n s kam es in dem Bestreben, der Privatwirtschaft auf Kosten der breiten Massen Liebesgaben zu spenden, und in der Hast, mit der diese gesetzgeberische Arbeit teti hier werde» Oberschulräte zur Leitung der Geschäfte unter den Oberprüsidenten bestelll werden. Gleichfalls fallen mit Wirkung vom 1 April 1933 bei den Provinzialschulkollegien -Ki n f Oberschulrats st eilen fort, und zwar zwei in Berlin und je eine in Oppeln, Bres- lau und Magdeburg, ferner vier mit Oberftudicn- räten besetzte Hilfsarbeiterstellen in Königsberg Berlin und Koblenz, sowie zwei Stellen von Justitiaren und Verwaltungsräten in Berlin. Die unmittelbare Wiederverwendung im Staats- dienst ist für den größeren Teil der in ihre» jetzigen Stellen nicht mehr verwendbaren Beam- ten in Aussicht genommen. Die durch diese Behördenumbildung erforder- lichen Ernennungen werden erst dann voll- zogen, wenn die in Frage koinmenden Beamten sich zur Uebernahme der neuen Stellen lereit erklärt haben. Sie werden im Laufe des JanUar erfolgen. Im einzelnen find auf Grund dieser Maßnahmen in den einstweiligen Ruhestand versetzt: Die Vizevrösidcnten der Provinzialschulkollegien läa. Dr. Hartke in Königsberg, I r m e r in Breslau, Dr. L a m l a in Magdeburg, Dr. San- dag in Kassel, Dr. Müller in Münster, Dr. vollzogen wurde, auf die Grundlagen der kollektiven Rechtsordnung weniger an. Zweitens dürfte der leitende Beamten- stab geschulter Arbeitsrechtlicher im Reichs- arbeitsministerium oft stärker am kollektiven Arbeitsrecht festgehalten haben, als Herrn Schäffer und seinen Ministerkollegen lieb war. Drittens entspricht das kollektive Recht, der Wandel vom Sachenrecht zum Personen- recht so sehr der modernen gesellschaftlichen G ö ck i n g in Koblenz, deren Wiederverwendung als Regierungsdirektoren bei den Oberpräsidien in Aussi.ht genommen ist, Dr. G r a b o w s k i in Oppeln, dcssen Wiederverwendung in seinem bis- herigen Amtsbereich vorgesehen ist, Rohrer in Schleswig und Geh Reg.-Rat Rommel in Stettin, deren weitere Verwendung erwogen wird, B r o d t h a g e in Hannover. Konig in Berlin: Die Direktoren bei den Provinzialschulkollegieii Ehrlicher in Koblenz, Dr. K u r f e s z in Bres- lau und Kummerow in Berlin, deren Wieder- Verwendung in Aussicht genommen ist. Geh. Re- gicrungsrat Dr. I f r a e l in Berlin, die Oberschulräte P a t s ch o v s k i in Oppeln und II m p f e n in Berlin, deren Wiederverwen- dung in Aussicht genommen ist, Geh. Regierungs- rar Dr. Jangen in Breslau. Dr Zip per- l i n g in Magdeburg und Frau Dr Weg- s ch e i d e r in Berlin: die Oberstudienräte Dr. N e u m a n n in Königs- berg, Hammes in Berlin, H e r f s in Koblenz, deren Wiederverwendung in Aussicht genommen ist, Knolle in Berlin: die Verwaltungsräte und Justitiare Oberregie- rungsrat Dr. Farrentrapp und Regierung-- rat Dr. König in Berlin. Entwicklung, daß es aus der deutschen So- zialpolitik überhaupt nicht mehr entfernt werden kann. In dieser Errungenschaft der Weimarer Berfasjung liegt ein unvergängliches Der- dienst der vielgeschmählen..Parlaments- dmokratie". Aus diesem kern wird die zukünftige Sozialpolitik unter einer ungeschmälerten Witwirkung der organisierten Arbeiterbewegung neu erstehen! Vom Einbrecher zum Mörder .Ans dem Leben eines Gestrauchelten Die Ausklärung des Chauffeurmordes bei Grünberg und der aufsehenerregende Selbstmord des Täters Eugen Pieper veranlaßte die Berliner Kriminalpolizei zu einer umfassenden Aktion. Die Braut Piepers Erna Trachmann war eingehenden Verhören unterzogen worden. Sie hatte Eugen auf einem Rummel in Grün- berg kennengelernt. Sie wußte, daß Eugen alle Einbrüche zu notieren pflegte. Die Liste, die er auf dem Revier 13 abgegeben halte, wurde in ihrer Gegenwart geprüft. Sie entsann sich fast jeder Einzelheit und konnte— da sie immer dabei sein mußte— genaue Auskunft geben. Es handelt sich um etwa 59 Einbrüche, die im Süd- osten Berlins in Lagerkellern, Druckereien, Möbel- geschäften usw. ausgeführt worden waren. Heute früh begaben sich Beamte der Inspektionen l, II und IV(Mord, Einbruch und Falschgeld) in die Quartiere der Komplicen und oerhafteten sie. Es sind zwei Gebrüder B. aus der Käpenicker Straße und ein Martin B. aus der Admiralftraße. der auch„Knickebein" genannt wird. Alle drei wurden in das Polizeipräsidmm eingeliefert. Eines Tages wurde Eugen und seinen Freun- den die Sache mit den Einbrüchen über und sie beschlossen, Falschgeld herzustellen. Unter der Anleitung von Max B.(„Knickebein") wurden Gipsplatten hergestellt, die zur Fabrikation von Iv-Pfennig-Stücken dienten. Die ersten Versuche, die Stücke abzusetzen, mißlangen bereits. Bei P o st a u t o m a t e n, aus denen sie Wert- marken herausholen wollten, schlugen ihre Ver- suche sehl. Rur bei WarenauGmaten erreichten sie es, kleinere Dinge wie Schokolade usw. zu be- kommen. Nach der Angabe von Erna T. wurde das Material zur Herstellung der Falsifikate später ins Wasser geworfen. Bei einer Durch- suchung der Wohnung de- konnte nichts mehr gefunden werden. Das GadZ der Liebe Lin blutiges Eifersuchtsdrama vor dem hause Frieden st rahe SS spielte sich in der vergangenen Nacht kurz vor 2 Uhr ein blutiges Eifersuchtsdrama ab. Der 2S Zahre alte Schlächtergefelle Erwin höhnet aus der Weberstraße stach hier feine Braut, die 25 Zahrc alte Saraczewski mit einem Taschenmesser nieder. Polizeibeamle konnten den Blonn, der flüchtete, einholen und festnehmen. Reimer leistet Abbitte Klägliches Ende einer gsmeinen Hetze Zn der Verhandlung vor der Z. Großen Straf- kammer des Landgerichts III Berlin vom 9. Dezember gegen den Sausmann Hermann Penner, Berlin-Schöneberg, erklärte der Angeklagte, daß er die beleidigenden Aeuherungen, die er gegen die Herren Oberbürgermeister Dr. S a h m und Stadlrat UZ u ß k y sowie gegen die Geschästeführung der Dohnungefürsorgrgesell- schast und andere städtische Dien'tstellen getan habe, die den Gegenstand eines Strafverfahrens gegen ihn bildeten, zurücknehme, weit sie voll- kommen unbegründet f.icn und aus Unwahrheit beruhen. Penner bedauerte die Beschuldigungen ausgesprochen zu haben, b a t die Herren um Entschuldigung, und erklärte sich bereit, die gesamten kosten des Verfahrens zu tragen. Nachdem der Angeklagt«, Kaufmann Penner, diese Entschuldigung ausgesprochen und inzwischen die Kosten des Strafverfahrens bezahlt hat,, hat als gesetzlicher Vertreter-des zur Zeit beurlaub- ten Oberbürgermeisters Dr. Sahm, Bürgermeister L a n g e die gegen Penner gestellten Strafanträge zurückgenommen. Der Oberpräsident von Berlin, der sich den Strafanträgen des Oberbürger- das erstemal gewesen, daß sie- soweit man es weiß— mit Komplicen gearbeitet haben. Wie erinnerlich, waren in der Trebbiner Straße drei Männer in einem Auto geflüchtet. Sie verfolgen anscheinend eine besondere Taktik. Die Ungeschicklichkeit, die sie an den Tag legen, soll wahrscheinlich den Beweis erbringen, daß sie — für den vor Jahren ausgeführten raffinierten Bankeinbruch am Wittenbergplatz nicht in Frage kommen! meisters angeschlossen hatte, hat gleichfalls fein Einverständnis zu der Zurücknahme der Straf- anträge und der Einstellung des Strafverfahrens auf der Grundlage der Erklärung des Angeklag- ten gegeben. VsrbreHsr mss EhrZeiz? Das Rätsel um die Brüder Saß Die Brüder Erich und Franz Sah, die— wie bereit» berichtet— im Hause Trebblner Straße 11 abgefaßt wurden, werden im Laufe des Tages dem Untersuchungsrichter zugeführt. Offensichtlich planten sie irgendeinen größeren Coup. Andere hingegen sind die beiden„Ein- bruchsverfuche" in der F! e m m: n g st r a ß e in Moabit und der gestrige in der T r e b b i n e r Straße zu bewerten Es Hot den Anschein, als ob sie in beiden Fällen entweder nur von sich reden machen wollten aus einem krankhaften Geltungsbedürfnis heraus, oder daß sie irgend etwas anderes vorhatten, und durch ihr Auftauchen dieses Vorhaben verfchleieiten. Es ist Dsr IMe Tag Arbeitslose warten auf Silvester Heben den Strahenhändlern, die in der Siloesternacht einer nach Fröhlichkeit dürstenden BIcnschheit die papierenen Symbole des Frohsinns vermitteln, sind es die B! u s i k e r und Kellner. die von all dem Tohuwabohu ein wenig prosi- lieren. « Im Musiternachweis in der Beffel- st r a ß e herrscht' ein Leangstigendes Gedränge. 4999 Menschen, Alte und Junge, Fröhliche und total Verzweifelte, stehen hier dicht bei dicht und warten auf das Silvestergeschäft. Ein ver- schwindend kleiner Teil wird Arbeit erhalten- vor allem sind es die P i a n i ft c n. die Aussicht haben und unter ihnen wieder jene, die, mit dem nötigen Mutterwitz begabt, durch ulkige Einfälle des Pu- blikums Laune und auch seinen Durst erhöhen Helsen. Bis spät abends bleiben die Vermittler im Büro, m't ihnen das Heer der immer noch Hoffenden, ob nicht doch noch in letzter Minute was eintrifft. Bei den G a st w i r t s a n g e st e l l t e n geht es naturgemäß noch viel lebendiger zu, hier sind es ihrer an die IS 999, die auf Arbeit in der Silvesternacht hoffen. Allerdings sind hier die Beschäftigungsaussichten, im Vergleich zu den Musikern, bedeutend günstigere, auf der anderen Seite ist aber auch die Zahl der Arbeitsanwärter eine sehr hohe. Die Vermittler schen dem Silvestergeschäft ziemlich optimistisch entgegen, schon aus dem Grunde, weil das Weihnacht?- geschält in diesem Jahre zufriedenstellend war. Der Grund hierfür ist darin zu suchen, daß der öffentliche Nachweis sich immer mehr das Ver- trauen der Arbeitgeber erworben hat und auf diese Weise die Tätigkeit der wilden Vermittler mehr und mehr lahmgelegt wird. Zum Schutz der Deu'schen in Honduras hatte auf Veranlassung des Auswärtigen Amtes der Norddeutsche Lloyd den 2868-Tonnen-Dampfer „Agira" nach Amapala gesandt, um den durch die Ausstan�ebewegung gefährdeten Deutschen Schutz zu verleihen. Nach einem am 26 De-ember eingegangenen Kabeltelegramm hat die„Agira" insgesamt 22 Frauen und Kinder an Bord ge- nommen. Zerbröckelndes Weltreich Trüber Jahresausklang für den britischen Weltimperialismus Von unserem Korrespondenten kr., London, Ende Dezember Am ersten Weihnachtstag sprach der britische König und Kaiser— Kaiser von Indien— durch die neue Reichsrundsunkstation zu„allen meinen Völkern im ganzen Weltreich". Er begrüßte die Tatsache, daß der R u n d f u n k seine gegenwärtige Vollkommenheit zu einer Zeit erreicht habe, wo das Weltreich fester zusammengeschlossen worden sei. Er erwähnte die Möglichkeiten«Ines noch engeren Zusammenschlusses— durch den Rund funk! Dieser Zusag ist aujschluhreicher als die voran- gehende Behauptung. Dem Beobachter erscheint in der Tat der Rundfunk bald als das einzige Instrument zur Festigung dieses Gesiiges Dag wirtschafiliche Mittel hat sehlgeschlagen. Nicht einmal Baldwin weiß, was aus Ottawa geworden ist. Am Weihnachtsabend ist der dritte Versuch, durch Verhandlungen über eine selb- ständige(Bundes-) Berfassung das schönste Juwel der britischen Krone, Indien, dem Reiche zu er- halten, kläglich abgelaufen. Auch das Mittel der internationalen Konseren; reicht nicht mehr aus, wenn ihre Zusammensetzung in die Vergangenheit weist.„Am runden Tische" trafen sich diesmal nicht die Vertreter der Schich- ten Indiens und Großbritanniens, denen die Zukunft gehört. Lord Sankey mußt« in der Schlußsitzung sein Bedauern darüber aussprechen, daß weder die indische Kongreßpartei noch die britische Arbeiterpartei an der Konferenz haben teilnehmen wollen. Gandhi sitzt im Gefängnis und L a b o u r lehnt jede Verantwortung ab. Auch im Ergebnis weist diese Konserenz in die Vergangenheit. Heute ist bekanntgeworden, daß der Führer des„linken Flügels" unter den Teil- nehmern, Sir Tej Sapru, vor seiner Abreise dem Jndienminister Sir SamuelHoare eine Denkschrift überreicht hat, in der er feststellt, daß die nicht bereinigten Differenzen grundlegen- der Ratur seien. Dem Anhänger der Demokratie wird diese Schlußfolgerung ohne weiteres klar sein, wenn er erfährt, daß die vorgesehene Verfassung nicht die finanzielle Selbstbestimmung gewährleistet. Großbritannien kann die finanzielle Selbstbestimmung aus Rücksicht auf die B e- denken der Finanzmächte in der Lon- dvner City nicht gewähren. Die Vertreter Indiens können die Illusion der finanziellen Selbstbestlm- mung nicht entbehren, um nicht der zu erreichenden Selbständigkeit jeden Sinn zu nehmen. Im Hin-und-Her dieser Verhandlungen geht ei» entscheidendes Moment der imperialistischen Macht- Position verloren. Der britische Imperialismus verliert dauernd an Prestige. Am deutlichsten ist diese Tatsache in der Ange- legenheit der britischen Oelkonzessionen in P e r s i e» zutage getreten. Die brüske Ant- wort der britischen Regierung auf die Kündigung des Schahs von Persien erregte Begeisterung in jedem imperialistischen Herzen in Großbritannien. Aber Persien diktierte dennoch die Verhandlungs- weise. P e r s i e n lehnte den Haager Gerichtshof ab. Persien bestimmte den Völkerbunds- r a t zum Austragen des Konfliktes. Auf Per- langen P e r s i e n s wurde die Angelegenheit bis zum 23. Januar vertagt Beinahe hätte England die Sache unter dem Borsitz seines alten Erb- seindes, des irischen Ministerpräsidenten d e V a- lera, verhandeln müssen! Heute steht eben kein Weltreich mehr hinter dem Machtspruch Großbritanniens. Man wahrt noch gewisse Formen. Noch ist die Regie- rung in jedem Dominion die Regierung des bri- tischen Königs. Noch ist auch nicht der Irische Freistaat eine Republik in der Form. Aber das Parlament in jedem dieser Länder entscheidet nach eigenem Ermessen über Krieg und Frieden, ebenso wie über Zolltarife und Staatsfinanzen. Vor allem bedeuten aber die Klassengegensätze in jedem dieser Länder und in Großbritannien selbst, daß das nach außen geschwächte Pbestigc der Großmacht von innen ausgehöhlt worden ist. Deshalb ist der Ausklang dieses Jahres eher ein Seufzer der Hossnung als ein Gebot des Machtwillens. Der britische König sagte am Weih- nachtstag zu seinen Völkern: Wir haben jetzt alle an der Aufgabe mitzuarbeiten, eine vernünftige Beruhigung innerhalb unserer Grenzen zu erzielen! Aerztin im Frauengefängnis Deutschlands einzige Gefängnisärztin erzählt In Lübeck liegt der Lauerhof, das Zentral- gefängnis des gesamten norddeutschen Strafvoll- zugs. Hier verbüßen Hunderte von Strafgefangenen ihre Haft, der Lauerhof ist eine kleine Stadt für sich. Und in d'efer Stadt gibt es auch Frauen, Frauen hinter Gittern, junge und alte. Viele, die nicht zum erstenmal Bekanntschaft mit den Para- graphen des St�afgefegduches machen, aber auch viele, denen zum erstenmal der Weg zur Freiheit versperrt wurde, und die zum erstenmal erfahren, was es heißt, hinter Türen zu leben, die keine Ktnken haben und nur von einer dritten Person geschlossen und geöfsnet werden. An dem großen Lübecker. L.rauenüejängni? wirkt die emzige Gefängnisärzlin, die in Deutschland be- amtet ist: Dr. Hanna N e u m a n n-K o l l i- b a y. Seil 1931 hat sie dieses schwere und ver- antwortungsvolle Amt übernommen, und wenn sie in diesen Tagen auf Veranlassung und Einladung des Bundes deutscher Aerztinnen von ihrer Arbeit sprach, so hörte man aus jedem Wort die Freude an dieser Arbeit— aber auch das Gefühl der Verantwortung, die dieser Posten in sich birgt. Ein Lazarett mit dreißig Betten umersteht der Aerztin, jeden Vormittag ist außerdem noch Sprechstunde, zweimal in der Woche ist Revier- sprechstunde— dies sind nur die sestgeleglen Daten. „Meine besondere Fürsorge gilt den werdenden Müttern, d e ihrer schweren Stunde im Gefängnis hinter Gittern entgegensehen müssen", erzählt Dr. Hanna Neumann,„gerade diese Frauen leiden eigentlich seelisch am meisten. Die gestei- gerte Empfindsamkeit der Frau während der Schwangerschast läßt das Eingeschlossense n und das-sich-auegestotzen-füHIen aus der menschlichen Gejellschast besonders schmerzlich.mpsinden. Hier kommen auch die vielen Fälle von Hast- Psychose vor. Da muß vorgebaut werden, und eine Frau kann hier leichter Helsen, als ein Mann!" Den schwangeren Frauen werden vor allen Dingen leichte Arbeiten vermittelt, damit sie keine Zeit haben, ihren Gedanken nachzuhängen. Weiß- Näharbeiten, die mit der Hand gearbeitet werden können— denn Nähmaschine treten soll ja in diesem Zustand vermieden werden— Strümpfe- siopsen für die Mitgesangenen und die Insassen der Männerabteilung. Da die Schwangerschaft ja keine Krankheit ist, kommen die werdenden Mütter nichts ins Lazarett, außer wenn eine wirklich erkrankt. Die Frauen können beantragen, zur Geburt in ein Krankenhaus beurlaubt zu werden, aus dem Krankenhaus kehren sie dann mit dem Kind wieder ins Kesängnis zurück. Aber die. die nicht in ein öffentliches Krankenhaus wollen, die kommen ins Lazarett und werden dort betreut. Auch die Neugeborenen unterstehen der Fürsorge der Aerztin. Das Arbeitsgebiet ist für die Frau noch neu. Leicht ist die Arbeit nicht es gehört Einfühlungs- vermögen und Energie dazu. Die Gefangenen sehen in der Aerztin zunächsi die Stelle, die ihnen ihr Los erleichtern und ihnen Vergünstigungen verschaffen kann. Das geht natürlich nicht immer, und dann Ist es nicht leicht, mit den Frauen aus- zukommen. Und doch faßt die Frau zur Frau leichter Vertrauen als zum Mann. Die Fälle schwerer Hastpsychose bei weiblichen Strafgefon- genen— es kommen Fälle vor, wo die einge- lieferten Frauen tage- und nächtelang weinen und sich nicht beruhigen wollen—, auch Selbstmord- versuche find nicht selten— da muß die Aerztin eingreifen Ueberfüllt ist das Sprechzimmer in den Reviersprechstunden die zweimal wöchentlich statt- finden. Da wird nicht nur von Krankheiten ge- sprachen, sondern auch von häuslichen Sorten und Nöten, da muß der Blick aus den Mauern des Gefängnisses in die engen Wohnungen und dunklen Stube» der Armen schweifen. Verständnis für die seelische Einstellung dieser Menschen muß neben dem medizinischen Wissen der Aerztin ge- pflegt werden Im Lauerhof in Lübeck wirkt Dr. Hanna Neu- mann-Kollibay als Pionier auf einem neuen Ar- beilsgebiet zum Segen der Menschheit. Die Aerztin im Frauengefängnis darf keine Einzel- erscheinung bleiben! O. K. Sonderausstellungen der Museen. Das neue Jahr bringt in den Staatlichen Museen wieder eine Reihe neuer Sonderausstellungen. Das Kaiser-Friedrich-Museum zeigt im Januar neben den Soncerausstellunaen italienischer Tierplastiken und von Porzellan-Münzen und-Medaillen als neue Sonderschau Gemälde und Zeichnungen Albrecht Altdorsers: auch die Ausstellung „M ei st erwerk« der Webekun st" wird noch im Januar zu sehen sein. Das Vorder- asiatische Museum bringt im Januar„Isla- mische K u n st", Leihgaben aus Berliner Privat- besitz, und das K u p f e r st i ch- K a b i n e t t er- öffnet am 19. Januar eine Ausstellung von Schabkunstblättern des 17. und 18. Jahrhunderts und moderner Graphik(die Neuerwerbungen des Jahres 1932). Das Pergamon-Museum und das Deutsche Museum beh'-lten ihr« Auestellungen vom Dezember das Mosaik nach Leonardos „Abendmahl" und Deutsche Holz- schnitte des 15. Jahrbunderls, auch im Ja- nuar bei. Da- Museum für Völkerkunde erösinet Mitte Januar im Lichthos eine Auestellung „S ü die e k u n st": daneben sind„Chinesische Keramik aus Berliner Privatbesitz".„China und Iavan in der Kunstkammer d«r brandenburgi- schen Kurfürsten" und„Kunst und Gewerbe in Indonesien" auch noch� im Januar zu sehen Schließlich zeiat die Staatliche Kunstbibliothek Gebrauchsgraphik und Buchillustrationen von Erich Büttner. Die Eröffnung der New-porter Radio-City. Aus New Park wird die glanzvolle Einweihung der Musikhalle der Radio-Stadt. dieses größten „Tempels der Unterhaltung" gemeldet. Alle ß?(X) Sitzplätze und die mehrere 199 Menschen fassenden Stehvlätze waren von geladenen Gästen ersüllt, und obgleich es eine kalt«, regnerische Nacht portage von der Fahrt des Berlin— Hamburger Schnelltriebwagens, die wir allerdings vor geraumer Zeit bereits viel anschau- licher in der Zeitung finden konnten. Auch die„Deutsche Welle" hält von allzu enger Zeitverbundenheit nichts mehr. Da heißt eine Sendereihe„Stunde der Arbeit"-, wenn sie diese Titel nicht aus Pietät, in Erinnerung an die dem Freiherrnsystem geopferte„Stunde des Arbeiters" trägt gibt es überhaupt keine Be- grllndung für ihn. Der Vortrag, den C. Wesse in dieser Reihe„Zum Jahresausgang" hielt, paßte, wie er sehr richtig bemerkte, für jeden beliebigen Tag: wir können hinzufügen: für die verschiedensten der heute üblichen Sende- reihen, für die verschiedensten Titel. Vielleicht ist er schon einige Male aus diese Weise verwendet worden: es fällt heute nicht mehr auf.— lz. war, standen Tausend« von Menschen in den Straßen, um die Größen, die dabei sein durften, vorfahren zu sehen. Alles an diesem Abend trug das Gepräge prunlvollc» Glanzes und verschwen- derischer Größe, von dem Programm bestehend aus einem Lustspiel, Ballett-Nummern und klassischer Musik und einer Revue, in der 599 Dar- steller auftraten, bis zu dem Theater selber mit seiner 35 Meter großen Vorhalle und dem durch drei Stockwerke hsnaufreichendcn goldenen Spiegel, dem Orchester mit seinem Auszug, der 75 Musiker zur Höhe der Bühne emporhebt oder wieder in der Ticse versenkt, und zu dem gewaltigen Zu- jchauerraum, dem man den Schein der Intimität zu wahren gesucht hat. Nunmehr steht die Eröss- nung des Rocksfeller-Zentraltheaters, einer andern Vergnügungsstätte der Rad'o-City bevor, das mit einer Filmvorstellung eröffnet werden wird. Glanz und Not— wie reimt sich das? � Das sag« die Sörpersorm über den Charakter? Seit der Marburger Psychiater Kretzschmer seine grundlegenden Forschungen über die Zusainine i- hänge zwischen der äußeren Äörperbeschaffenheit und der seelischen Veranlagung veröfsentl'cht hat, ist in allen Kreisen das Interesse an diesen Zu- sammenhängen außerordentlich rege. In vielen Kövsen spukt Unbestimmtes über die verschiedenen Menschentyven. Im Dezemberhest der„U r a n i a", kulturpolitische Monatshefte über Natur und Ge- sellschaft, berichtet ein sachkundiger Arzt über Körperbau und Charakter. Aus dem Inhalt des Heftes erwähnen wir noch eine soziale Wanderung durch den«taat von USA., der den größten Gegensatz aufweist: Kalifornien. Die Vorgänge im Reich und den Ländern, zuletzt in Baden, oerleihen der arundleaenden Studie von Prof. Anna Siemsen über„Arbeiterschaft und Katholizismus" höchste Aktualität. Nicht minder bedeutsam sind die Ausführungen des bekannten Soziologen O. Jensien über „Krieg und Kapitalismu s". Besonders reichhaltig sind diesmal die Kursberichte aus allen Gebieten der Natur- und Gesellschaktswissenichaft. Das Abonnement kostet nur, drei Monatshefte und eine inhaltsreiche Buckbeigabe, in der Aus- gäbe A im Quartal 1,69 Mark. Sicherung des Berliner Leising-Museum«. Das in seinem Fortbestand gefährdete Lessing-Museum in der Brüderltraße in Berlin ist jetzt nach Mit- teilung des Mujeumsdirektors Georg Richard Kruse aus der Generalversammlung der Lessing- Gesellschaft gesichert. Vom 1. April 1933 ab wer- den die reichhaltigen Sammlungen des Lessing- Museums in den Räumen de-> der Stadt Berlin gehörenden Ephraim- Palais untergebracht werden. Gedächtnisfeier für Devrient Als vor hundert Iahren am Grabe des Hof- ichaufpielers Ludwig Devrient eine Gedächtnisfeier stattfinden sollte, erhob das evangelische Kon- sistorium Einspruch. Es ist gut, daß man sich gerade heute, unterm Schlagschatten des Angriffs auf„Gott. Kaiser und Bauer" jener pfäsfischen Unduldsamkeit erinnert. Im Anschluß an die Ausstellung, die den Kultur- kreis des großen Darstellers vorführt(wir haben hierüber, ebenso über das theatergeschichtlich be- achtenswerte Buch von Julius Bab„Die Dcvrients" berichtet), versammelten sich gestern im Konzertsaal des Staatlichen Schau- s p i e l h a u f e s am Sterbetag des genialen Kunstlers etliche hundert Freunde des Theaters und hörten zunächst ein genießerisches, von Harsen- klängen getragenes Streichquartett des romantischen Geistersehers E. T. A. Hosfmann. der Devrients bester Seelen- und Becherfreund ge- wesen ist. Hörten ferner eine schlichte, das Leben Devrients beinahe aktenmäßig und doch dramatisch schildernde Rede des Schauspieldirektors Dr. Georg Altmann: dabei interessante Mit- teilungen über die Theaterfreudtgkeit der Zeit um 1813. Etwa: Friedrich Wilhelm lll. ging am Abend, nachdem er den„Ausruf an mein Volk" unterzeichnet hatte, in die Operette, um Devrient zu sehen. Oder: Der Kanzler Hardenberg, als er für einen Tag nach Breslau kam. bestand auf Acnderung des Spielplans, weil er Devrient nicht entbehren wollte. Zum Abschluß der Feier im schönen S ch i n- k e l- S a a l rezitierte Ludwig W ü l I n e r aus einer der Hauptrollen Devrients, dem König Lear: bewundernswert im sprachlichen Ausdruck, mit hinreißender Leidenschaft. k. kr. Abgelagerte Aktualität Der deutsche Rundfunk ist ein komplizierter Beamtenbetrieb geworden, und die Aktualität, die dort den Instanzenweg durchwandern muß, kommt ein bißchen vergreist ans Ziel. Die „Stimme zum Tag" der Berliner Funk- stunde wird, seitdem Dr. Kürschner hier aus- gebotet wurde, von einem Aufgebot von Ange- stellten verwaltet, die nun in der glücklichen Lage sind, diese Sendung, deren Themen sonst von einem Tag auf den anderen bestimmt wurden, auf einige Wochen im voraus festzulegen. Mit der„Aktuellen Abteilung" ist es nicht anders. Immerhin hörten wir schon am Freitag eine Re- Reliquien von der Amundsen-Expedition. Kapi- tän Georgiewsky, der Leüer der russischen Polar- Expedition die gegenwärtig dein Kap Scheljuskin überwintert, hat soeben in eine» zweiten droht« losen Botschaft Mitteilung von der Auffindung eines Tage uches und anderer Spuren der un- glücklichen Amundsen-Expedition aus der Maud im Jahre 1918 gemacht. Die Nachrichten beziehen sich aus die Bruchstücke eines norwegischen Schisses, die in der Nähe einer Steinhüsie von drei Meter Ausmatz und zwei Meter Höhe gefunden wurden: die Hütte war mit Brettern gedeckt und im Innern mit geteertem Tuch ausgekleidet: sie enthielt Nahrungsvorräte, astronomische Instrumente und das Tagebuch von Tessem, einem Mitglied der Amundsen-Expedition von 1918, Ler auf der Dickson-Insel ums Leben kam. Im Zusammen- hang mit der Erörterung der neuen Funde weisen die Mitglieder des russischen arktischen Institute? aus die Auffindung der Skelette von Tessem unv Knutsen hin. die von russischen Forschern in. Jahre 1921 und 1922 gemacht wurden, und auf die aufgefundenen Postsachen, aus denen hervor- geht, daß Amundsen Tessem und Knutsen von Scheljuskin nach der Dickson-Insel im Winter 1918 gesandt habe, von wo si« nie mehr zurückgekehrt sind. Erhaltung der Hamburger Oper. Der Ham- burger Senat hat beschlossen, den für den Betrieb des Hamburger Stadttheaters im Spieljahr 1933/34 notwendigen Betrag in den nächstjährigen Staats- Haushaltsplan einzustellen. Der Senatsbefchluß wurde gefaßt, nachdem sich ergeben hatte, daß es nicht möglich sei, das Theater zu verpachten und nachdem e>n Einspruch der Deutschnationalen und der Nationalsozialisten eine Zusammenarbeit mit der Bürgerschaft verhindert hatte. Die Urania hat ihr Vortragsverzeichnis Januar bis März 1333 verösfentlicht. Es ist erhältlich durch das Urania-Büro, Leipziger Str. 13.(Telephon: A 1 Jäger 1644.) Ruth Äbramolvitsch und Georg Grote, dazu Lisa Czabel wurden von der Volksbühne für ihre 3. Tanz- matinee 1332—1333 gewonnen. Sie findet Sonntag, 8. Januar, vormittags 11.33 Uhr. im Theater am bülowplad statt. Platzkarten zu 1.53, 2,— und 2,53 M. bei Werlheim, Tietz- Bote u. Bock, im ÄdW. und an der Kasse des Theater am Bülowplatz. Felix Bressart nimmt die Rolle des„Bärenfchniidt" in der ,,A u s l a n ds r e i f e", die im Komödicnhaus abgebrochen werden muhte, am 5. Januar im B e r- liner Theater wieder auf. Kranken- u. Sterbekasse für das Deutsche Reich (Lichterfelder Ersatzkasse für sämtliche Berutszweige V. a. G.l Auskunft und Prospekte kostenlos und unverbindlich durch die Hauptver wallung: Berlin N 24, Oranienburger Straße 67 All» Orbeiter und flncesiellte haben das Recht auf Befreiuno von der MKoliedschaft bei einer pllichtkrankenkasse(#51 7RVO.) durch übertritt aur Abrechnung mit der NGO. Oer Zusammenbruch» cles LtreUcs bei Käß Der Deutsche Bekleidungsarbeiterverband nimmt jetzt in einer Flugschrist Stellung zu dem Streik bei der K o n f e k t i o n s s i r m a K a h, den die ÄPD. und chre RGO� mit ungeheurem Tamtam angekurbelt haben, um dann die Opser— wie immer— schmählich im Stich zu lassen und sich von der Verantwortung zu drücken. Wir haben seinerzeit über den Streik berichtet, der entstanden war, well die Firma, bei der ein ch a u s t a r i s bestand, noch über die Lohnsenkung von 5 Prozent des Reichstarifvertrags hinaus die Löhne senken wollte. Die RG£T wollte dagegen eine Lohn- erhöhung van ll> Prozent und eine Verbreiterung der Kampsfront auch sür die Betriebe, die dem Relchstaris unterstehen. In der erwähnten Flug- schrift heißt es nun: „Jeder Arbeller mit den primitivsten Kennt- nissen der Ersolgsmöglichkeiten eines Streiks ist sich klar darüber, daß sich solche Forderungen bei der jetzigen ungeheuren Arbeitslosigkeit nicht ver- wirklichen lasien. Besonders mußte die NGO.- Führung bei der Firma Käß dieses aus dem Grunde schon wissen, weil ihr bekannt war. daß die Firma berells einen Stilleouagsantrag gestellt und genehmigt bekommen hatte, wonach sie berechtigt war. ZS0 Beschäftigte zu enllasien. chatte man den Streik ausschließlich aus die A b- wehr der Lohnverschlechterung bei der Firma Käß beschränkt, so wäre sicher ein Erfolg zu erreichen gewesen. Die Ausforderung an die übrigen Betriebe der 5zerrcnkonsektwn, unter gleicher Parole zu kämpfen, hat keinerlei W i d e r h o l l gesunden. Es ist nicht einmal ge- langen, die Aenderungsschneider in den SS.-Geschästen, die zur Firma Käß gehören, zum Solcharitätsstreik zu oeranlasien. Es ist weiter nicht gelungen, die M a ß k o n s e k t i o n s a b t e i- l u n g aus der Firma Käß in den Streik zu ziehen. Ein Streik, bei dem nur etwa 20 Proz. der Beteiligten organisiert sind. bei dem insolgedessen auch nur 20 Proz. die statutarische Streikunterstützung von ihren Gewerkschaften erhalten, während die übrigen 80 Proz., die zwar nur zu einem be- grenzten Teil der NGO. angehören, alle auf die Unterstützung angewiesen sind, die durch Samm- langen zusammengefochten wird, kann nicht niit der erforderlichen Dauer und Widerstandskraft bi5 zum erfolgreichen Ausgang des Kampfes durchgeführt werden." Nachdem sich genügend Streikbrecher gesunden hatten, wurde die Arbeit bedingungslos auf- genommen. „Das Ergebnis ist nun, daß die Streikenden die Arbeit noch zu ungünstigeren Bedingungen wieder aufnehmen mußten, als die Firma bei Ausbruch des Streiks durch Anschlag zu gewähren bereit war Während die Firma vor Ausbruch des Streiks noch bereit war, mindestens fünf Prozent über die Löhne des Reichstariss Zu zahlen, hat sie sich bei den Vermittlungsverhandlungen wäh- rend des Streiks nur berellgesunden, grundsätzlich die Reichstariflöhne anzuerkennen... Der weitere katastrophale„Erfolg" ist, daß mehr als Z0l> Streikende ans der Strecke geblieben sind und der dauernden Arbeitslosigkeit anHeim- fallen... Es ist der Z u j a m m e n b u r ch e i n e s K a m p i e s, wie er unter freigewerkschaft- l i ch e r Führung niemals möglich gewesen wäre. Die Führung und der Ausgang diesem Kampfes muß aber all denen zu denken geben, die bisher der Phraseologie der REO. noch Glauben geschenkt haben. Wer noch soviel Objektwität aufbringen kam», zu beurteilen, was für die Führung der wirtschaftlichen Kämpse erste und wichtigste Vor- aussetzung ist, der muß zu dem Schluß' kommen, daß die Methoden der Kampsesführung im Käß- Streit wie die Methoden der RGO. überhaupt vollständig falsch sind und daß der wirtschaftliche Kamps der Arbeiterklasie nur mit Erfolg geführt werden kann mit einer starken, gut disziplinierten, gewerkschaftlich organisierten Arbeiterschaft." Dockafbettetttrett!n Frankreich Oie Bewegung noch nicht beendet Eigener Bericht des„Vorwärts" Paris, 31. Dezember. Die Generalversammlung der streikenden Dock- arbeiter in D ü n k i r ch e n hat am Freitag die Aufforderung der Unternehmer, die Arbeit gemäß dem alten Lohnvertrag wieder aufzunehmen, ab- gelehnt und die Fortsetzung des Streiks beschlossen. cheute findet eine Verhandlung vor dem Friedens- richter statt, vor den die Streikenden wegen Ver- tragsbruchs zitiert worden sind. Fundsachen im Strandbad Wannsee Diejenigen Personen, die in der Badesaison 1932 im Strandbad Wannsee etwas verloren haben sz. B. Badewäsche, Badeanzüge, Leibwäsche, Schuhe, Wertsachen, Hüte usw.) werden aufgefordert, die im Fundbüro des Strandbades Wannsee lagernden Fund- fachen bis zum 8. Januar 1933 abzuholen. Mit den nach dem 8. Januar 1933 nicht abgeholten Fundsachen wird nach den gesetzlichen Bestim- mungen verfahren. Ein Unterseeboot des Friedens '- Al: ~ �-r Im Long-Island-Sund probt der Tieifeeforscher Dr. William B e e b e ein neues Unterseeboot aus, das ausschließlich friedlichen Zwecken dienen soll. Mit ihm will der Forscher zum Meeresboden i?inabsteigen; dort angelangt, kann er dos Boot von unten her verlassen und seine Forschungen an- stellen. In größeren Tiefen, wo man das Boot nicht verlassen kann, greift eine besondere Vor- richtung die am Meeresboden besindlichen Forschungsobjekte und befördert sie in das Innere. Gtilarten der Kunst Versuch einer soziologischen Betrachtung Der Titel des Buches von Max D e r i:„Die Stilarten der bildenden Kunst im Wandel von zwei Jahrtausenden"(Berlin und Leipzig, Bong u. Co. 1933) ist etwas irreführend: wir erfahren gottlob keine Neuauflage der berüchtigten Stil- merkmals-Lehrbücher, die uns vor einem Wen- schenalter in mehr oder minder gewichtigen Bän- den anödeten. Sondern Deri schildert in einem kleinen Büchlein und an wenigen gut gewählten Bilderbeispielen den Sin» der großen europäi- schen Stilepochen von den Griechen bis zur Gegen- wart, mit dem Nachdruck auf der Baukunst: und er greift dazu ties in die Geschichte der sozialen, religiösen, wirtschaftlichen Lebensbedingungen der Völker und Zeiten hinein. Ja, es ist eigsnllich eine knappe, aber durchaus anschauliche und ge- nügende Entwicklungsgeschichte der geistigen und inäteriellen Grundlagen, aus denen hie Künste er- wachsen sind und sich in so re-chem Spiel ge- wandelt haben; so daß man den„Stil" der römi- Wi�n, gotischen usw. Baukunst nicht au» einer Auszählung ihrer formalen Eigenheiten, nicht aus einer bloß kunsthistorischen Beschreibung des Zu- standes erfährt, sondern das Schöpferische großer Epochen miterlebend, Kunst nur als höchstes Pro- dukt vieler Lebensumstände von Kollektiven und so von innen heraus recht von der Wurzel her kennen lernt. Ein bedeutendes und>n geistreichem Sinne lehrreiches Buch, das viele die Kunst in ihrer höheren Bedeutung erkennen und lieben lehren wird.?aul b'. 8ctimiät. Die Sozialistische Studenlenschasl Berlin ver- anstaltet zugunsten ihrer Arbeiter- und Werkstudentenhilse am Sonnabend, 1�. Januar, einen Ball im neuen Studentenhaus, Oranienburger Str. 18. Im Programm des Abends w.rken u a. mit Anita Gura und Wilhelm Guttmann(Städt. Oper), Martha John, Siegfried Prager. Alle Gcnosiev sind herzlichst eingeladen. Karten zu 1,28 M.. für Studenten und Iugendgenosien 9,78 M., sind in der Geschäfts- stelle, NW. 7, Albrechtstr. Il, Gartenhaus 2 Tr. (D 2 4863), im Volksstudentenheim, Luisenstr. l9 (D 1 1300), bei den Funktionären und an der 'Abendkasse erhältlich. lieber die Aushebung der wohnungszwangs- wirlschast in verlin sind in den letzten Tagen viel irreführende Berichte in Berlin verbreitet worden, die den Anschein erwecken, als ob alle Schutz- rechte der Mieter. ausgehoben wären. Dies ist nicht der Fall. Nur die weitere Ein- tragung der Wohnungsuchenden in die Listen der Wohnungsämter soll unterbleiben. Mieter, die infolge des Jahreswechsels mit irgendwelchen Mietfragen, im Zwsisel sind, sollten, um sich vor Schaden zu bewahren, die Auskunftstelle des Reichsbundes Deutscher Mieter, Verband Berlin, e. B., Berlin SW. 11, Kleinbeerenstr 28, Gih. II, aufsuchen, die an jedem Montag, Mittwoch und Freitag von 5% bis 7 Uhr abends geöffnet ist. Die Sendung des holländischen Arbeiler-Radio- bvndes aus h i l v e r s u m, in der E r n st B u s ch proletarische Lieder singt, findet erst um 21.40 (9.40) Uhr statt._ Rundfunk um Abend Sonnabend, 31. Dezember 1932 Berlin: 16.03 Das Rundgesprädi; Mensdien vor dem Beruf. 16.30-Unterhaltungsmusik. 17.00 Aus Leipzig: Das Spiel vom deutsdien Bettelmann(Hörwerk). 18.00 Lieder. 18.30 Rüdcblidt auf das Jahr 1932(Sdiallplaftenb 19.30 Hier sind alle deutsdien Sender! 23.45 Uebergang ins neue Jahr. 0.15 Aus New York: Neujahrsgruß. 0.30 Tanzmusik(Kapelle Otto Kermbadi). Königs Wusterhausen: 16 00 Ein gesundes neues Jahr(Dr. Bnrnstein). 16.25 Silvester-Gottesdienst. 17.40 Deutsche Welle und Deutsdilandcender(Prof. Dr. Hennann). (9.00 Alte Weihnaditsmusik. 18.20 See- Wetterbericht. Sonst: Berliner Programm. Sonntag, 1. Januar 1933 Berlin: 6.15 Funkgymnastik. 6 33 Aus Hamburg: Hamburger Hafenkonzert. 8.35 Morgenfeier. 10.03 Wettervorhersage. 10.45 Der Weg in die Zukunft. 11.15 Minlütt(Ruth Storm). 11.30 Reichssendung. Aus Leipzig: Badikantate. 12.00 Aus Breslau: Mittagskonzert. 14.00 Neuland! Wir siedeln auf eigene Faust. 14.30 Märchen(Gertrud Nube). 14.55 Aus Stralsund: Musikalische Vorträge. 1525 Aus Bologna: Fußball-Länderspiel Deutschland— Italien(2. Halbzeit). 16.10 Aus NLagdebirtg;. Orgelvortrage. 1 6230 Dichtung der Lebenden. 16.35 Aus Magdeburg; Orchester- und Chorvorfräge. 17.30 Kinder spielen. 17.53 Aus Frankfurt a. d. Oder: Orchesterkonzert.(8.30 Mut zum Schicksal. 18,33 Aus Greifswald: Konzert. 19.30 Aus Stettin; Orchesterkonzert. 19.35 Sportnadi- richten. 20.00 Funkpotpourri. 21.00 und 22.00 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Tanzmusik. Königs Wusterhausen: 11.00 See- Wetterbericht. 11.10 Vom Wiedererwachen des Glaubens in dieser Zeit. 14.00 Die Kunststätten und Kunstschätze der Nation. 14.30 Der Lebenskampf der Ostmark. 15 00 Märchen von Geliert(W. Fink). 16.13 Hauskonzert 17.90 Blaskonzert. 18.00.-Christgeburt"(geistliches Spiel). 19.10 Aus München:„'S Jahr is aus, a neu's geht an". 20,00 Aus Hamburg: Ordiesterkonzert. 22.43 See- Wetterbericht. Sonst: Berliner Programm. Vollständiges Europaprogramm im„Volksfunk", monatl. 96 Pf., durch alle„Vorwärts"- Boten oder die Postanstalten. Meiler für Berlin: W'eder Aufheiterung, Temveraturen später etwas sinkend, auffrischende südöstliche Winde.— Für Deutschland: Im Osten und Süden weiterhin trübe, im übrigen Reich vielfach heiter. Nirgends Niederschläge von Be deutung. „Volk und Zeit", unsere illustrierte Wochen- schrift, liegt der heutigen Postauflage bei. Das alldi kannte Spe ialhaus für Heere«, und ktnabcn Ncidung S. Issehh, Bertin-SchSneberg, Hallpistr. i, Ecke Grunewaldstraße, beginnt am 2. Januar 1933 mit seinem Inventurveriaui. Seit Menschengedenken baden die Preise für Bekleidung nicht einen solchen Tiesstand erreicht, wie es im jetzigen Jnventurverkaus tatsächlich.der Fall ist. Die Preise istr die bekannt guten Qualitäten dieser Firma und sa niedrig, wie nie zuvor. Es gibt nur ein- Meinung— räumen! Räumen um I-den Preis. Bcraniwortlich hh Politik: R u d o l i Brendemühl: Wirtschaft: G. Klingelböser: Geweikschasisbe. wegung: I. S> e i n e i: Feuilleton: Herbert Le- pbre: Lokales und Sonstiges: Fritz Karstädi Anzeigen: L i> o Hengst: sämtlich in Berlin> Ber- lag: Borwärts-Berlap G m. b H., Berlin. Drmk: Vorwärttz-Buchdruckerei u. Berlagsanstali Paul Singer u. Co.. Berlin SW.«8. Lindenstr 3. Bezugs- bedingungen und Anzeigenpreise werden in jeder Morgcn-Ausgabe des„Borwöris" vervssenilichi. Hierzu l Peilage. Großer Inventur-Verkauf eigener und anderer Fabrikate in fast allen Abteilungen ♦ Preise rücksichtslos herabeesetzt ♦ Beginn 2 Januar* Verl.aufszeit 8—5 Uhr, Sonnabends 8—2 Uhr ♦ K eider und Seidenstoffe eiler Art Berlin-Aälsrshor. Adtergestcl! sss SsgenUbsr SaäUwhn, ftrapf.: MMal 237. 231. 2« Mechanische Feinweberei AdiershofA.*G. Inventur-Verkauf Beginn 2. Januar Der Anzug spricht— man hört es gern— für sich— für uns— für seinen Herrn. Sakkoanzüge von M. 23. Sportanzüge • von AA. 28.- an SOO billig sind die Mäntel nur einmal im Jahr, zur Inventur. Herrenmantel von M. 28." an Damenmäntel Im Preise bedeutend ermäßigt Sehr preiswert kann man auch für Knaben recht dauerhafte Kleidung haben. Einalsenanzfige von M. 7.— an Knabenindnlel von M. 7. 50 an P c 0589 eek& loppenburg Berlin C Gertraudens tr. 25-27 i I BEILAGE VeMlkrks SONNABEND, 31. DEZ. 1932 Wie viel« Neujahrsbetrochlungen ringen sich aus den Seelen gequäUer Menschen los! Die laute Silvestersreude ist für viele nur Betäubung. ohne die sie das Leben nicht erlragen würden. Wieder steht ein neues Jahr bevor, unbekannt in seinen Schicksalen und Ereignissen, unheimlich m seiner Bedrohung. Wird es wieder ein Krisen- jähr sein? Tausend Erinnerungen aus dem vergangenen Jahre bestürmen die Menschen. Heißeste politisch« Zeiten liegen hinter uns. Das Kuliurelle tritt dabei in den Hintergrund. P j c c a r d s Strawlphärenaufftieg, der Tod von Künstlern wie S l e o o g t, die Verdienste der Nobel- Preisträger, sie scheinen alle nicht so wichtig zu sein wie die politischen Ereignisse. Gerne stiehl der Blick einmal in vergangene Zeiten. Wir sehen dann, daß auch früher„schwere" Zellen waren, und wir gewinnen eine gewisse Größe und Ueberlegenheit über den Jahr- Hunderten. Bor zehn Jahren war das deutsche Land in einer harten und schweren Loge. Am 30. Dezember 1922 notierte der Dollar 7.350 Mark, die Goldmark 1759. Damals waren die weißen nur aus einer Seite bedruckten Z90-Mark-Scheine, an die sich viele von uns noch erinnern, im Umlauf. Tor zehn Jahren Wie wenig tonnten wir uns und den Unsrigcn zu Weihnachien davon kaufen! Am 31. Dezember und am 1. Januar sanoen keine Notierungen statt, und am 2. Januar stand der Dollar auf 72S9, die Goldmark auf 1728. Mancher atmete er- leichtert auf. also sängt das neue Jahr mit einem Hofsnungsschimmer an! Aber die Enttäuschung kam sojort nach: schon der Z. Januar brachte die Notierungen: 7525 bzw. 1792. Und dann ging die Fahrt in den Abgrund los: am 18. Januar stand der Dollar aus 23 925, am 31. Januar aus 49 009 Mark. Es ging dann noch einmal etwas auswärts, aber der R u h r e i n- ü r u ch wurde wirksam und es gab kein Auf- halten mehr. P o nu a r e ging aufs Ganze und ließ am H. Januar die Kommission zur Sicherung der Reparationen, geschürt durch Tanks und schwere Geschütze und den ganzen Armeeapparat, ins Ruhrgebiet einmarschieren. Und dann begann die schwere Zeit des passiven Widerstandes, die Zollgrenze wurde mitten durch das Industriegebiet üelegt, das deutsche Wirtschaftsleben wurde er- drosselt und wir gingen in eines der schwersten üahre deutscher Geschichte hinein: 1923— wo der Dollar auf 4,29 Billionen stieg lwobei er an ein em Tage, vom 19. bis 29. Na- »ember von 2,5 Billionen aus 4,2 Billionen hinaufschnellte). Wehe dem. der an diesem Tage seine Scheine nicht in Sachwerte umgetauscht halte. Er wachte am anderen Tage doppell so »rni auf. Und wer sein Geld durch irgendeine siasie überwiesen bekam, war ganz verloren. Ich habe iene Jahreswende im Industriegebiet, hart an der Krenzc des englischen Bcückcnkcpses, Miterlebt Die ersten Besatzungsmonate, wo unsere Butterbrote an der Grenze abgi nonimen wurden, Haren längst vergessen Wir fühlten uns bei dieser iast unsichtbaren Besatzung ziemlich srei. ddun legte sich ein neuer noch festerer Gürtel vor uns und hinderte uns völlig, in das freie deutsche Land zu gehen. Ich erinnere mich noch deuUich: Vohwinkel, die letzte von Franzosen besetzte Stadt. Trüber Januarabend, etwa am 29., Nebel und Feuchtigkeit, fast kein Licht, lähmende Trost- losigkeit auf der ganzen Linie Ich gehe in eine Schule, wo die französische Kommandantur war, ich frage muh durch bis zu einem Unterbeamten in Uniform und frage ihn, ob ich nicht einen Passierschein zu meinem an diesem Abend in Barmen beginnenden Volkshochschulkursc be- kommen könne. Er ist Elsässer, spricht gnädig deutsch mit mir und sagt, Härte markierend und doch mit einer gewissen Treuherzigkeit:„Aus- geschlossen Höchstens bei Sterbefälien, und da müssen wir die Beweise sehen!" Manchmal prägt sich uns eine Kleinigkeit, ein Tonfall, für alle Zellen ein, als ob er ein Stück Weltgeschichte rn sich trüge. Das süddeutsche„ei", mit dem dieser Elsässer das Wort Beweise aussprach, werde ich »ie vergessen Nein, solche Beweise halle ich— glücklicherweise!— nicht zu bieten. Und so kehrte ich wieder heim in meinen englischen Brücken- kops und telephvnierte— das ging merkwürdiger- weise, da es weder die Reparationen»och die Zollgrenze„schädigte"—, ich telephonierte, daß der Kursus ausfallen müsse. Und wie sah es in der Innenpolitik aus? Die Parteien hallen eine»'Anflug von Zusamtren- arbeit gewagt: sie hatten am 24. Oktober 1922, unter der drohenden Katastrophe von außen, durch Mehrheitsbeschluß die Amtszeit des Reichs- Präsidenten E b e r t bis zum 39. Juli 1925 ver- längert. Es war ein verfasiungsänderndes Gesetz, das.inll 31ä gegen 76 Stimmen durchging. Man hatte also dem Volke eine oiiireibende Wahl er- spart. Es war eilte kleine Linderung.'Aber eine stetige Politik war doch nicht möglich. Sind wir heule weiter? Wer vermag es zu sagen? Gewiß: wir stehen nicht mehr so hilflos da wie vor zehn Jahren. Aber der neuen schweren Dinge haben wir die Hüll« und Fülle, nicht nur die Arbeitslosigkeit. Gleichwohl: wir wollen ebensowenig verzagen wie damals in härtester Zeit! Können wir uns noch deutlich vorstellen, wie wir die Wende der Jahre 1997 und >9 98.verbrachten? Ich war im Jahre 1997 auf die Universität gekommen. Der Geist der Wisien- schast hatte mich aufgenommen, aber von den Ereignissen der Zell spürte ich nicht viel. Um was handelte es sich eigentlich damals? Um nicht mehr und nicht weniger als um die Zu- spitzuttg der Krise des Imperialismus. Das Wettrüsten war trotz aller Versuche der neunziger Jahre, es aufzuhalten, weller- gegangen. Die Welt war erschlossen, sie war sphären aufgeteilt wurde. Ein fester Stein wurde damit der„Entente" eingefügt. England und Rußland wurden reif zur Einigung gegen die Mlltelmächte. England wollle unbedingt den Endpunkt der Bagdadbahn, für die sich damals Deutschland so sehr interessierte, und es machte dem S'.'ltan entsprechend den Hasen Koweit in der Nähe der Mündung des Schall el Arab streitig. Die Fronten formierten sich. Auch in Marokko kriselte es. Der frarnzö- sischen Politik, die immer wieder dort eingriff, kam es zu statten, daß sich im Juni 1997 gegen den Sultan Abdul Asis sein Bruder Mulei Hafid erhob. Um die Jahreswende also entwickelten sich diese Gegensätze, im Verlauf deien d>e Franzosen dann auf die Selle der Austlöndische» rückten. Im Juli 1997 hatte auch der Kaiser von Korea abdanken müssen, und Japan befand sich in einem kichnen und bald sehr spürbaren Aufstieg. Bereits 1919 konnten die Mächte nicht mehr hindern, daß es sich Korea ganz einverleibte und damit auf dem asiatischen Fest- lande aktiv wurde. Eine andere Macht, die ein Dasein mehr im Schatten geführt hatte, sollte bald ebenfalls in die Geschichte eintreten: die Türkei. An der Jahres- wende machten sich die ersten Anzeichen bemerk- 'frnifle 1907 1908 klein geworden. Nachdem Cecil Rhodes, der große englische Imperialist, den afrikanischen Kontinent, den bis dahin„dunklen" an die Zivilisation angegliedert hatte, blieb kaum noch Raum in der Welt für aufstrebende Länder. Blicken wrr einmal— im Telegrammstil— um die Erde! Ueberau Erpansion, überall tri- iiiche Punkt« England balle im abgelousenen Jahre, also 1997, mit Rußland einen Bertrag geschlossen, wonach Persien in zwer Interessen» Tor 100 Jahren bar. In wenigen Monaten(Juli 1998) erzwang die jungtürkische Bewegung eine völlige Umwäl- zung und damit Modernisierung des Staates. Aber, damit kein Kontinent vergessen sei, müssen wir noch einen Blick nach dem fernen Westen tun. In Amerika waren die Klagen über die japanische>uii) chinesische Einwanderung stärker geworden. Es drohte ein Konflikt. Waren die amerikanischen Rüstungen bis dahin, in unvergesiener Erinnerung an die von England hart erkämpfte Unabhängigkeit, nur nach Osten. also Europa, gerichtet gewesen, so sollle letzt ein weltgeschichtlich bedeillsamer Umschwung erfolgen. Im koinmeirden Jahre(also 1998) soll!« USA. gewaltige Flottendeinonstrationen im Pazifik, dem Stillen Ozean, ausführen, und mehr als das: es sollte von nun an einen großen Teil seiner Flotte dort stationieren. Also auch hier: Aufmarsch, Drohung, Konfliktmöglichkellen... Wie haben unsere Voreltern vor hundert Jahren die Silvesternacht zugebracht? Damals war die Welt noch klein: die Zeitung brachte nic viel, Radio gab es noch nicht, ja selbst der Kreis der wissenschaftlichen und künstlerischen Dinge war überschaubar. Damit war nicht notwendig eine Enge des Gesichtskreises verbunden— lebten doch Männer wie Goethe oder Schleier macher oder Hegel— Männer von ganz großen Di- inenjionen, die den anderen Wege wiesen. Oder nein— Goethe lebte ja nicht mehr. Und das wird vielen in jener Silvesternacht schmerzlich« Gedanke» bereitet haben. Zwar wurde damals alles nicht so laut und ausdringlich der Mitwelt kundgetan wie heute— mancher wird kaum Notiz vom Tode Goethes genommen haben. Aber die wenigen, die es zu allen Zeiten gibt, haben in der Stille ihres Heims Schriften von Goethe hervorgeholt und ihm zum Gedenken darin«in wenig gelesen. Sie hatten ihre Kerze neben sich stehen oder auch ihre R o h ö l l a m p e, die Kerzen mußten noch mit der Lichlpugschere gejchnäu-i werden—. denn erst in zwei Jahren, 1834, sollten die geflochtenen Dochte erfunden wertten. die eine Verkohlung der Kerze, die söge- nannten„Schnuppen"(Lichtjchnuppen im Gegen- satz zu Sternschnuppen) verhinderten Ganz zu schweigen von d>er Petroleumlampe, auf deren Erfindung unsere Vorväter von vor hundert , Jahren noch 23 Jahre, bis 1855, warten mußten. Und unser Freund der Literatur las dann am stillen Siloesterabend, ungestört durch Elektrische und Radio, nicht verpflichtet, eine 20 Sellen lange Zeitung zu lesen, in seinem Goethe Indem er vom Lyrisckzen übers Dramatische zu Wilhelm M e i st e r blätterte, traf er da aus eine Stelle, die ihn plötzlich mit Angst erfüllte. Er las sie, las sie aber den Seinen nicht vor, um ihnen das neue Jahr nicht bedenklich zu machen und zu malen. Aber insgeheim wurde er von Goethes prophetischer Schau angesteckt. Er las: Was mich aber drückt, ist doch eine Handelssorge, leider nicht für den Augenblick nein, für alle Zukunft. Das überhandnehmende Maschinen- wesen quält und ängstigt mich, es wälzt sich heran wie ein Gewiller, langsam. lanHsam- aber es hat seine Richtung genommen, es wird kom- men und treffen. Der große Krieg dauerte nun schon 14 Jahre. Nicht überall halle er Verwüstung angerichtet, aber viele Gebiete werden aus lange Zeit hinaus ,zu schaffen haben, um sieh zu erholen Nun war die Wende von 1632 aus 163 3. Dieses Jahr war nun die große Schlacht bei Lützen zc- wesen. Gustav Adols. den Prolestanten der er- sehnte Retter, den Kaiserlichen der einzig« wirk- liche Feind, war dort gefallen. Was sollte werden? Hoffnungslosigkeit überall.— Feinfühlige spürten in jener ganzen Zeit einen Geist der Umwälzung. Die Technik stand vor einem Durchbrüch. Sell diesem selben Jahre 1632 arbeitete der bekannte Au er icke, Bürgermeister ikoii Magdeburg, an der Luftpumpe— einer Sache, die nicht nur praktisch, sondern auch theoretisch so bedeutsam war: denn nun war erwiesen, daß die Lust ein Körper war. Später erfand der gleich« Guericke auch die Elektrisiermaschine. Aber noch stärker rückte ein Umsturz im Gel- stigen heran... Man munkelle von einem Galilei in Italien geheimnisvoll« Dinge. Sollle ihn auch das Schicksal Givrdano Brunos ereilen, der 1699 verbrannt worden war? Er behauptete ja, die Erde drehe sich um die Sonne. Noch wenig Monate, und er wurde vor das Jnquisitionstribunal gestellt, wo er allerdings seine Lehre widerrief. Er wollte seine Kräfte für seine Forschungen aussparen. In einem Hause in Ainsterdam herrschte seit 5 Wochen Freude. Am 24 November war dort der kleine Junge Baruch de Spinoza ge- bore«: aus einem portugiesisch-jüdischen Geschlecht. Er lollte einer der größten im Reiche des Geistes werden. Mit seinem Geistesfreunde John Locke zusammen, der in einem englischen Hause zu 300 Jahre zurüeh gleicher Zeit in seinen Windeln lag, war er be- rufen, das ganze Denken der Zeit umzugestalten und auf Jahrhunderte hinaus alle hohen Geister zu beeinflussen. Eine neue Zeit stonü bevor, erst jetzt brach eigentlich die„Neuzell" an, d«ren Kinder wir heute noch sind. Ein Arbeiter Sportler schreibt: Etwas Nachdenkliches fürs neue Jahr In der heutigen Zeit, in der es um das Sein oder Nichtsein der Arbeiterorganisationen geht, ist es einmal notwendig, über Dinge zu reden, die sonst als nebensächlich angesehen werden. Da besteht z. B. die nicht fortzuleugnende Tatsache, daß eine groß« Zahl von Parteimitglieder» beiderlei Geschlechts im bürgerlichen Sportlager zu finden ist, mit der Meinung, es wäre gleich, wo man seinen Sport ausübe, Politik und Sport gehörten nicht zusammen usw. usw. Das ist ein falscher Standpunkt und ein richtiger Arbeiter- sportler ist vom Gegenteil überzeugt. Er treibt mit vollem Bewußtsein Sport im Sinne der sozialistischen Welmaschauung. Und sejn Sport unterscheidet sich gründlich von dem Sport, der nur um der Rekorde willen gepflegt wird und bei dem das Geschäft eine nidst zu unterschätzende Rolle spielt. Es ist bekannt und deshalb braucht hier nicht weiter darauf eingegangen zu werden, daß den Mitgliedern des Arbeiter-Turn- und Sport-Bundes durch den Sport vor allem eine gute Gesundheit vermittelt werden soll, die nicht bloß einigen Kanonen zugute kommen soll, son- dern allen, der Masse. Die Masse soll zu Leistun-. gen besähigt sein. Es ist also das Zusammen- wirken aller, die Rücksichtnahme des einen auf den anderen erforderlich, kurz, es müssen alle gute Sozialisten sein Die Genossen in den bürgerlichen Sportvereinen gtauben, daß es genügt, wenn sie sich theoretisch mit dem Sozialismus befassen, indem sie in die Versammlungen gehen und sich über seine Ziele belehren lassen. Anderen Tages begeben sie sich in ihren bürgerlichen SporMerein, unterhalten sich über die fabelhaften Leistungen ihrer beiden besten Vereinsmitqlieder und bilden sich trotzdem ein, gute Sozialisten zu sein. Die Mög- lichkeit dieser Kombination kann unter keinen Um- ständen zugegeben werden. Wir käinvfen für eine neue Gesellschaftsordnung und deswegen muß jeder, der sich Sozialist nennt, auch praktisch helfen, eine neue Gesellschaft zu formen. Wir sind eine Volksbewegung mit neuen gesellschakt- lichen Grundsätzen die zu erfassen, eine praktische Arbeit in ihr erfordert. Auf die Frage, warum dieser oder jener nicht iin Arbeitersvortverein ist, wird häufig geant- wartet, daß der Ton dort nicht der richtige sei" und bei den Bürgerlichen sei es gemütlicher. Das kann sich ober nur auf eine Art des Tons und der Gemütlichkeit beziehen, die bei den Arbeiter- sporllern mit vollem Bewußtsein nicht gevslegt wird.' Wenn du ein richtiger Sozialist bis, so redest du auch nickt viel, sondern beteiligst dich kurzerhand an unserer Bildung?- und Kultur- arbeit, um nack deiner Meinung bestehende Sckwäcken zu beheben: dein Erfolg ist Werbung. Unser Gegner fürchtet sich nicht vor lieblichen Worten, aber vor männlichen Taten! Wir wissen selbst, daß in manchen jungen Ver- einen noch viel Aufbauarbeit geleistet werden muß. die noch nicht die notwendige Anzahl ge- eigneter Funktionäre zur Verfügung haben, wie sie den bürgerlicken Bereinen durch die bezahlten Sportlehrer zur Verfügung stehen. Bei uns heißt es, selber arbeiten. Und dabei gibt es gerode in Berlin Arbeiter-Sportvereine mit ausgezeichneter technischer Leitung, die so den verwöhntesten An- sprücken gereckt werden. Vielfach stehen Parteimitglieder auch auf dein Standpunkt, ihre beiden Kinder gehen auf die höhere Schule und können deshalb unmöglich einem Arbeitersportverein beitreten. Dieselben Genossen, die in Parteiversammlungen für Be- seitigung der Kasten eintreten, bauen hier in un- erhörter Form welche auf: oder glauben sie, wae für ihre Kinder zu schlecht ist, sei für andere gerade gut genug? Kommt nur einmal zu unseren großen Sportveranstaltungen und seht euch unsere Arbeit an. Das. was euch auf dem Gebiete de» Körperschulung gezeigt wird, ist nicht erreicht worden durch Staatszuschllsse und große Spenden, sondern Treue und Opfermut aller Arbeitersportler haben das Werk geschossen. Wir haben uns sogar eine „Hochschule für Arbeitersport", die Bundesschule in Leipzig, erbaut und erhalten sie aus unseren Bei- trägen und aus den Einnahmen des Arbeiter- Turnverlages, eines Eigenunternehmens des Ar- beiter-Turn- und Sportbundes, dessen Umsatz durch die steigende Arbeitslosigkeit uMer den Genossen naturgemäß auch geringer geworden ist, trotz der Schwere der Zeit aber noch eine gesunde finanzielle Grundlage hat. Deshalb, Parteimitglieder: rufen wir euch zu: Unsere Idee steht und fällt mit den mühsam er- kämpften Kulturwerken. Wenn die aber ins Wanken kommen, so glaube nicht, daß du stehen bleibst, der du heute in gedankenloser Oberflächlich- keck sagst: Es ist gleichgültig, wo ich Sport treibe! Der Kampf geht nicht mehr um Jdealwerte, son- dern wir nähern uns dem Zeitpunkte, wo das inaterielle Fundament der Arbeiterschaft er- schüUert werden soll. Wenn du noch heute unseren Gegnern die Säckel füllst und kannst dich nicht freimachen von Hemmungen, so bist du als sozialistischer Kämpfer nichts wert. Wir fordern daher von allen Parteigenossen uno Gewerkschaftlern:„heraus aus den Sport- verbänden, in denen die Nazis schalten und walten können nach Herzenslust, geht zu den Ver- anstaltungen der Arbeitersportler, werdet Mitglied im Arbeiter-Turn- und Sportbund." Sie haben einen guten Magen lieber die Lehren der olympischen Spiele von Los Angeles sprach kürzlich im Berliner Rundfunk Ralph I. hole. Der Vortrag war in- sofern interesiant, da er nach Untersuchungen der Sünden und Fehler im deutschen Sport, die zur Olympiade-Niederlage führten, auch zum Aus- druck brachte, was denn nun die Bürgerlichen bis zur nächsten Olympiade, die 1936 in Berlin statt- finden wird, für die Spitzenkandidaten zu tun haben, damit Deutschland ehrenvoll abschneide. Das Versagen der Deutschen in Los Angeles sei auf folgende Ursachen zurückzuführen: Bei dem hohen Stand der technischen Entwick- lung in Deutschland ist die sportliche Erziehungs- arbeit nicht genügend beachtet worden. Man hat aus der natürlichen Bewegung sportlicher Tätig- keit eine Wissenschaft gemacht, schablonen- Haft wurde ein bestimmter Typ geschaffen, der im gegebenen Augenblick versagen mußte, da die persönliche Eigenart des Sportlers nicht genügend entwickelt war. Olympiaden verlangen freie, vom technischen Wissen unbeschwerte Menschen, die bei den Kämpfen nicht wissenschaftlich denken brau- chen und so, von Hemmungen befreit, bessere Er- folge erzielen. Uni nun bei der nächsten Olympiade besser abschneiden zu können, schlägt hoke vor, daß die in Deutschland vorhandenen sportlichen Lehrkräfte in den Dienst der Vorbereitungsarbeit zur Olympiade gestellt werden, um Trainer der Sportler zu sein und Leistungsprllfungen und die sportliche Ausbildung vorzunehmen. Diese Trainer müssen im engen Konnex mit den Sportlern leben, sie sollen sie nicht nur körperlich, sondern auch im Innern kennen. Den bürgerlichen Sport- vereinen müssen, so fordert hoke, Mittel zur Ver- fügung gestellt werden, damit sie diese sportlichen Lehrkräfte als Lehrer anstellen können. Die Hauptaufgabe des Trainings ist die Schaffung von Kampfmöglichkeiten, damit die Sportler die Kräfte messen können und Kampfstärke erhalten. Nach der Auswahl sollen dann die Kandidaten in den letzten Monaten vor der Olympiade in gut geleitete Stadtvereine untergebracht werden, wo sie den letzten Schliff erhalten. Ans diese Weise glaubt hoke urwüchsige, vollwertige Kämpfer her- anzubilden, die 1936 der Welt beweisen werden, daß Deutschland auch eine Nation der Meister sein kann! So werden wir was erleben können, wenn der richtige Olympiaderummel in Deutschland losgehen wird. Interessant ist das Verlangen, den Ver- einen Mittel für die Einstellung von Vereins- trainern zu geben. Mit dieser Finanzspekulation bürgerlicher Sportler können doch nur Mittel ge- meint sein, die das Reich, die Länder und sonstige Behörden den bürgerlichen Sportvereinen zur Ausbildung und Heranzüchtung von Sportkanonen für die Olympiade geben sollen. Abgesehen von dem wirtschastlichen Wert bürgerlicher Olympia- den, sie sind doch nichts anderes als Kriege der Sportnationen gegeneinander, in denen bisher von Völkervcrsöhnung und Völker- frieden kein hauch zu verspüren war. Während Arbeiter-Olympiadcn gerade diese Ge- danken als Leitmotiv führten, muß die Oeffent- lichkeit schon rechtzeitig den im Rundfunk vorge- schlagenen Forderungen bürgerlicher Sportler mit aller Entschiedenheit entgegentreten. Die bürger- liche Sportbewegung hat einen unersärtlicken Magen: im vorigen Jahr hat sie vom Reich 369 090 M. für die Olympiade in Los Angeles erhalten, die Arbeitersportler er- hielten für die Olympiade 1930 in Wien, an der mehr als 30 000 deutsche Arb.eitersportler teil- nahmen, ganze 20 000 M. Diese unterschiedliche Behandlung durch das Reich hat in Arbeiterkreisen hellste Empörung ausgelöst. Die bürgerliche Sportbewegung soll ihren Wert und inneren Gehalt beweisen'und aus eigener Kraft auch die Mittel aufbringen, die zur Aus- btldung ihrer Wettkämpfer nötig sind. Die Ar- beitersportler werden Obacht geben und dafür sor- gen. daß die Bevorzugung der bürgerlichen Sport- ler durch das Reich in der Oeffentlichkeit die rechte Würdigung erfährt. �äolk Bück. Was zu berichten ist Europameister Heuser ohne Titel. Aus Grund der Bestimmung, daß ein Welt- oder Europa- meister seiner Würde verlustig geht, wenn er länger als drei Monate suspendiert ist, hat jetzt die Internationale Loxunion dem zur Zeit in Amerika befindlichen halbschwergewichtseuropa- meister Adolf Heuser-Bonn den Titel aberkennen müssen. Die Meisterschaft wird neu aus- geschrieben. Bewerber chaben sich bis zum 13. Ja- nuar bei der JBU. zu melden. Spiel verloren— entlassen! Zu einer drako- nischen Maßnahme hat die Kiubleitung des Fuß- ballkiubs Barcelona gegrifsen, weil sie mu den Leistunzen ihrer Leute unzufrieden war. Die erste Garnitur des Fußballklubs Barcelona hatte an den Weihnachtstagen beide Freundschaftsspiele gegen Ujpeß-Budapest verloren, woraus die Klub- leitung kurzerhand zehn Spieler, darunter auch den Internationalen Samilier, fristlos entlassen hat. Reue Aktion für Nurmi. Aus New York wird gemeldet, daß von den in Amerika lebenden Finn- ländern eine gemeinsame Aktion eingeleitet worden ist, um Paavo Nurmi die Amateureigenschaft wieder zu verschaffen. In einem ausführlichen Schreiben hat man sich an die Internationale Amateur-Athlelik-Federaiion gewendet und um Wiederaufnahme des Verfahrens ersucht. Man darf gespannt sein, wie sich die Leitung des Jnter- nationalen Verbandes zu diesem Schritt ver- halten wird. Trabrennen am Neujahrstag. Nach einer Pause von sieben Jahren wird das neue Trabrennjahr in Ruhleben wieder einmal am Neujahrstag er- öffnet. Das aus acht Nummern bestehende Er- öff'nungsprogramm verspricht gleich ausgezeich- neten Sport, da fast in allen Konkurrenzen die gewohnten starken Felder am Start erscheinen werden. Den Höhepunkt bildet der Neujahrspreis, eine über 2400 Meter führende Prüfung für die internationale Klasse. Die Rennen beginnen be- reits um 12 Uhr. Theater der Woche vom 1, bis 9, Januar Volksbühne. Thrat-r am«iiiowpiatz: Oliver Cromwells Senimng- ». 1U-! Uhr. III. Tanz-Matince. Staatstheater. Staat-oper Uatcr de» Linden: l. Rosenlavalier. 2. Tum- babout. 3. Boheme. 4. Nacht in Venedig, ö. Cavalleria rusticana. 3. Der sliegende Solländer. 1. Liebeoverdor (Premiere). 8. gaubertlöte. 9. SiManilche Vesper. Ltädiischc Oper. Charlottrnburg: 2. Martha. 3., 7. Der Zr-i'-hiih. 4., 8. Die Peinzessin von Trope, unt. o. Tosca. 3. Oiheilo. 9. Siegfried._ Staatliches Schatiipielhan«: X., 2., 4„ 5„ 7., 8. 100 003 Taler. 3., 6. Faust I._... Schillcr-Theater: Robert und Betram. 2. und 8. ge- schlössen. Ab 4. Die Ranner sind mal so. Theater mit festem Spielplan. �rursiLrstcndaNNN'Theater: Glückliche Reise.— Deutschee Theater: Essin und �el.— ttammerspiele: Essia und Oel. — Die Komödie: Kolonie.— Deutsches Künftlertheatcr: Die Rächt zum 17. April.— Theater in der Stresemann» strasie: Der Mustergatte.—«omödicnhaus: Das Saus da- zwischen.— Mk'lropol.Thcater: Hundert Meter Glück.— Theater des Westens: Der brave Soldat Schwejk.— Theater im Admiralopalast: Liliom.— Komische Oper: Musik um Susi.— Großes Schauspielhaus: Ball im Samv.}.— Lessiug- Theater: Der Liebling von Paris.— Theater iu der Behrenstrasie: Bargeld lacht.— Theater am Rollendorf' platz: 10 Minuten Glück.— Dbeatcr am Schiffbanerdamm: Das Automatenbüfett.— Berliner Theater: 2. bis 4. Au wahr, um schön zu sein 5. bis 8. Auslandsreise.— Die Tribüne: Karussell..—- Klein"? TVater lInt�rnatkonales Theater)' Ganoven-chre.— R?uaissance'T''"at"r: Mutier muß heiroten.— Ress-Tdeat-r: Vis 8. Böhmische Musikanten. Ad 9. Die Zirkusvrinzessin.— Cassua-Theater: Alles um L'tti.— Thalia-Tb-atcr- Rutschbahn Liebe. — Schauspielhaus Steglitz: Ein Mädel ohne Mann.— Plaza: Madame Pompadour.— Skala. Winteraarteu: Internationales Variete.— Reichshalleu-Theatcr: Stettiner Sänger.— Lustspielhaus: Ab 1. Iou— Jon(Skandal im Bett). NackmjttaqsvorsieNunnen. Deutsches nüusticrtheatcr: X., 8. Xö Uhr. Stn aus der .liste. 17', Uhr. stampf der Tertia. 4., 7. 13 Uhr..Kamps der Tertia.—«"mische Oper! X., 7. ZRutii um Susi.— Theat»r am Schissbanerdamw: 1., 8. Hansel und Gretel.— Rose>!heatcr: 4., 8. Böhmische Mustlanten.— Dasino» Theater- l„ 8. Alles um Lotti.— Plaza: Madame Pompadour.— Slala: Internationales Variete.— btinteraarte»! 1., 7., 8. Internationales Pariete.— Rciibshalle». Theater: X., 8. Stettiner Sänger.— Lust. lpielbaus: 1.. 8. Nindermärchen: Lllgenmäulchen und WahrhcitsmIXndchen. Erstaufführungen. Mittwoch. Schiller. Theater: Die Männer sind mal so.— Donnerstag. Berliner Theater: Aus» landsreise.— Sonnabend. Staatsoper: Das Lirbco. verbot. «lost, lks Tftcafcr Sonnabend, den 31. Dezember Siaatsoper unter den Linden 10 Uhr Eine nacht in venetiig Staatliches Schauspielhaus 19 Uhr iOOOQO Thaier CASINO-THEATER 80. Lotbrinecr Slrabe 37 IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIVI ■■■in im im im im iiiiiiiii iii ii VOLKSBUHNE Theater am Biilourpia i* Täglich S Uhr D 1 Norden 6536 S Ivester 7 Uhr Oliver Gromweils Sendung v. Walter Gilbricht Resie Heinz Hilper mit Eugen Klöpfer Släfli.Oper Ctianotienbur Fraunhofer 0231 Sonnabend, 31. Dez. Turnus HI 19 Uhr Premiere Die Prinzessin von Trapezunt (Neueinstudierung] Braut aQ Eisinger. Frind, Schuster a.G. Burgwinkel, Gom- bert. Gronau a. G, Heyer, Kandl Dirigent: Breisach Regie Fehling. Deutsches Theater Schumannstr. 13 a vVeidend. S20> Heute 7 Uhr Hans Moser in Essig und Oel v.Geyei u. Frank Musik: Roketl Ratidier Inszenieiung O L Ptemin er Etlineer.Stepanek Terwin. Eilers Woiwode. Staud' Szurovy Sonnlnics and) 4 l'lir Nur noch wenige Aufführungen Alles um Loiti �osse mitGesangundTans Gutschein 1—4 Personen Parkett nur 0.50, Fauteuil 0,75, Sessel 1,25 Stettiner Sänger > Reictishallen-Tb., Dönhoffpl. 8.15.Sonn-u.FeiertaBe3.30 fföf zw ermäßigteii Preisen Das Weihnachtsprogramm III Sonntag, den I.Januar mittags 12 ühr KontfUiennaus Schiffbaucrdaaim 25 Tel. D Z Weil 6304-OS Täalich 8% Uhr Silvester 7>/, Uhr Das Haus dazwischen vog Sdiiffir und Joidiignin Musik: Spolia sky Insienisran; Bariuwskj Idilbert. Andir, NM« Kurfiirstend.-T!'. Knrförstendamra 209 Tel Bism. 140i» Tätlich W4, Uhr Silvntir 7 Uhr WM Reils m Bertodi und Sdtwabach Musik. Könueke Regie Peukert Mans Schindler mit seinen Jan-Symphonlkern i'/orffrtauf unontertrodier B. B. B. Jendows Bunte Bübn: Kottbusser Straße 6 Oberbaum 3500 TIMIA 8'« Uhr | Sl ves er Vtl| äonm. naenm i'/x jion A-Z" Ab 1. Januar II' doile Kisie iiose- 1 tieatei GnCi Fnekfnrtir SltaSi 132 Tel. Weidiul E7 342/ 7 Uhr Böhmische Musikanten Jlllen 3>nrlelgenoUeii und iterlcn QHflen irünfchl ein tSrohes neues Jahr" Alberl Olrekloir, ätegtauranl 31er Un C. 2.'tleue Promenade 7 Der sozialdemokrati�the Abreißkalender 1933 ist neu erschienen. In Kupfertiefdruck berge» stellt, ist er ein schönesGe- schenk für den J a h r e$< Wechsel. Der Preis ist herabgesetzt und beträgt stait 2.00 RM nur 1.75 RM Er ist bei allen Zeitungs- boten, Vorwärts-Abgabe» stellen und> arteibuch- Handlungen oder d rekt bei der Vorwärts Buch« druckerei, Berlin SW 68, Linden-draße 3, zu haben rnnnnrr kleinen �zeki lüUUclir:�": v l r k s a m sind die l«II* 1NZEIÜEN »läge und• 8. JOSEPH Schöneberg, Haupt str. 1 /rtV'f- de«t iruA-hptii im Jnvcn+ur- Ver k\V� Beginn 2. Januar