Abend-Ausgabe Nr. 2 B 1 50. Jahrg. Redaktion and Verlag, �Berlin SW 68. Lmdenstr. 3 Fernsprecher Ol 7 Amt Dönhoff 292 dts 29? T�legrammodress«, Svzwlhemokrar«Derlw v0i.ic8Li.�'i"r MONTAG 2. Januar 1933 In Groh- Berlin 19 Pf. Auswärts...... 10 Pf. Bezugsbedingungen und Anzeigenpreis, siehe Morgenausgabe Jentealorgan der Sozialdemokeatifchen OarSei Deutschtands Gilvester-Mordnacht Drei T�ote und die Verantwortung Aehnlich wie vor zwei Jahren, als unsere Reichsbannerkameraden Schneider und Graf der braunen Mordpest Hitlers zum Opfer fielen, ist auch die vergangene Silvesternacht eine Nacht der blutigen politischen Ausschrei- tungen gewesen. Drei Todesopfer find, während man auf den Straßen feierte und harmlose Böllerschüsse abfeuerte, unter ernsthaft gemeinten Kugeln politischer Geg- ner dahingesunken. Weit größer noch ist die Zahl der Verletzten. Unter ihnen be- finden sich wiederum eine Anzahl Reichs- bannerkameraden, die ahnungslos und allein- gehend von gegnerischer Uebermacht überfallen und niedergeschlagen wurden. Wir sprechen den Opfern unsere Sympathie, den feigen Tätern unsere Verachtung aus. Di« Toten gehören diesmal einer den Kommunisten, einer den Hitler- Leuten an. Am tragischsten ist wohl der Fall jener 36jährigen Schneiderin in der Ackerstraße, einer unpolitischen Frau. die, im Geplauder mit Bekannten auf der Straße stehend, plötzlich von einem vorüber- sausenden Radfahrer unter dem Rufe„Heil Hitler!" mit einem Pistolenschuß tot niederge st reckt wurde. Symbol für eine wahnsinnig gewordene Zeit und für die Bewegung, die man als die typischste Zeiterscheinung betrachten kann! Die Bezeichnung„Mord" ist heute in der Politik abgebraucht. Die Bluttaten der Neu- jahrsnacht sind keine Morde im technischen Sinne wie die Beseitigung des SA-Mannes H e n t s ch, die nach einem genau vor- bedachten Plane mit kaltblütiger Ueberlegung geschah. Die alkoholische Erregung und die Atmosphäre der Neujahrsnacht haben wahr- ichsinlich in der Mehrzahl der Fälle auf die Täter eingewirkt. Damit aber darf man sich keineswegs be- ruhigen, sondern das plötzliche Wiederauf- flammen der politischen Angriffslust nach einer Zeit verhältnismäßiger Ruhe gibt allerhand zu denken. Man muß nach der Verantwortung fragen. Diese Erscheinungen dauern an, weil man ihreUrsachenicht beseitigt hat, nämlich die Zulassung einer auf Gewalttat dressierten Privatarmee! Wir verweisen auf den L i ch t e n r a d c r Fall. Dort hat die kasernierte SA im Ver- lauf mehrerer Nachtstunden erst einen Reichs- bannermann schwer verletzt, dann einen Kommunisten getötet. Schon seit Monaten beschwert sich die durch dauernde Drohungen dieser Bande terrorisierte Bevölkerung Lich- tenrades vergeblich über das Treiben. Die amtlichen Stellen verweigern jede Abhilfe. Von der Polizei ergeht immer die gleiche Antwort:„Das sind gänzlich harmlose Leute." In der Neujahrsnacht durchziehen nun diese„harmlosen Leute" geschlossen den Ort. Ein Reichsbannerkamerad, der eine Familie nach Hause gebracht hat und selber aus dem Heimweg ist, läuft den braunen Raufbolden in die Hände und wird kurzerhand nieder- geschlagen. KeinGrund für diePo- lizei, irgend etwas zu unter- nehmen. So kann der Trupp noch st u n- d e n l a n d den Ort durchtoben, immer lauter grölend, immer stärker seinen Blutrausch steigernd, bis schließlich in der sechsten Morgenstunde ein junger Kommunist mit schwerem Stich in die Herzgegend als Todesopfer dahinsinkt. Nun endlich schreitet auch die Polizei ein und. hebt die Kaserne aus. Den Mörder kennt niemand.. Solange die Regierung ein kaserniertes Bandentum duldet, solange werden diese Er- scheinungen nicht aufhören. Neue Vrovokationen in Vreutzen Restlose Auskämmung aller Sozialdemokraten und Republikaner Der putsch der kommissarischen Regierung in Preußen gegen die Teilnahme der Linken an der Derwallung geht weiter. Jetzt sind die provinstal- schulkollegien von Republikanern und Sozialdemokraten ausgekämmt worden, nun sollen alle Mittelbehörden nachfolgen, und ebenso will man in den Städten und Gemeinden vorgehen! Eine neue Verordnung, angeblich zur Vereinfachung und Verbilligung der Verwaltung liegt im Entwurf bereits vor. Tiefe Verordnung umfaßt einige hundert Paragraphen, die gesamte preußische Landesverwaltung wird da- von berührt. Es sollen die Zuständigkeiten der Znslanzen neu gesaht werden, die Stadt-, kreis- und Gemeinde- ordnungen sollen einschneidende Veränderungen ersahren. Ebenso soll der Zug der verwallungs- gerichtsborkeit neu geordnet werden. Die neue Verordnung soll noch im Lause des Zanuar veröffentlicht werden, tzinter dem vor- wand der„Vereivsachung und verbilligung" de, Verwaltung verbirgt sich natürlich die Absicht, nun auch in den Oberpräsidien und R e- gteruagen alle sozialdemokratischen und republikanischen Beamten abzubauen. Zn den Städten und Gemein- d e n ist der Anfang mit der Verweigerung der vestötigung sozialdemokratisäzer und staalsparteilicher Bürgermeister bereit» gemacht. Das alles hat mit versossungsmäßigen Rechten auch nicht das geringste mehr zu tun! Ez Ist eine endlose kette von Provokationen gegen die Vertretung der Arbeiterschast. die von der Verwaltung ausgeschlosten wird. Ter Ztaat und seine Verwaltung soll wieder die Angelegenheit der Herreu werden, die Arbeiter sollen zurück- gestoßen werden in die TtaatSferne? Diese politische Entrechtung ohne Rechtsgrundlage, dieser herrcnputsch wird, die Erbitterung über das reaktionäre Regime nur noch vergrößern! Der Reichskanzler von Schleicher setzt die provokatorische Politik des 20. Zuli ohne jede Einschränkung fort! Nie Neujahrsempfänge Ansprachen des Reichspräsidenten Am gestrigen Neujahrstag sanden in der Reichs- kanzlei, wo der Reichspräsident zur Zeit Wohnung hat, die übliche» Neujahrsempsänge statt. Sie begannen mit der Ausfahrt des diploma- tischen Korps, für das der apostolische Nuntius Orsenigo eine Ansprache hielt. Er sprach von der großen Wirtschaftsnot und sagte, wo ein Schiff in Not sei, hätten die Schwächsten den ersten Anspruch aus Rettung. So sei heute das Problem der Arbeitslosigkeit dasjenige, das zuerst gelöst werden müsse. Der Reichspräsident sagte in seiner Antwort, die Weltkrise lasse sich von der wirtschastlichen Seite allein nicht lösen. Es bedürfe dazu der Wiederherstellung des gegen- seitigen Vertrauens in den Völkerbeziehungen. Dann kaiy d i e R e i ch s r e g i e r u n g. Reichs- konzler von Schleicher sagte, seinen beiden Vorgängern sei es gelungen, Deutschland von der Last der Reparationen zu befreien. In der Abrüstungsfrage sei der Grundsatz der Gleich- berechtigung anerkannt. Er solle jetzt von der Abrüstungskonferenz verwirklicht werden. Wenn es gelinge, der deutschen Zugend im Rahmen der Miliz das Recht zu wehrhaftem Staatsdienst wiederzugeben, so werde zugleich ein großer Schritt zum Ausgleich der inneren Gegensätze und zum inneren Frieden getan sein. Der Reichs- Präsident antwortete, die internationalen Beziehungen hätten sich günstiger gestaltet, da d> e Reparationssrage endlich ihrer Lösung zugeführt worden sei und Deutschland in der Abrüstungssrage die Gleichberechtigung erhalten habe. Die Wirtschaft beschreite den Weg lang- samer Erholung, und auch die innere Lage zeige „schüchterne Anfänge einer Entspannung". Die Arbeitsbeschaffung müsse gelingen,„gestützt aus die entschlossene und wertvolle Arbeit der Regie- rung Pape n". Arbeitende und Arbeitslose seien in der Nation zu gemeinsamem Schicksal ver- bunden. Die Glückwünsche des Reichstags über- brachte der Vizepräsident Löbe, da der Reichs- tagspräsident G ö r i n g verreist ist. Beim Empfang des Reichsrats sprach Ministe- rialdirektor C o ß m a n n die Hoffnung aus, daß es im neuen Jahre gelingen werde, die Schwierigkeilen zwischen Reich und Ländern, die sich im vergangenen Jahr ergeben hätten, zu beseitigen. Diese Anspielung auf den 20. Juli und die mit ihm zusammenhängenden Ereignisse entspricht den Wünschen süddeutscher Regierungen, die, wie es. heißt, ursprünglich sogar eine schärfere Fassung vorgezogen hätten. Wo ist Gering? An Regierungskreisen erklärt man. daß das Fernbleiben des Reichstagsprästdenten Göring vom Neujahrsempfang keine besondere Bedeutung habe. Zwischen Göring und dem Reichspräsidenten habe ein Brieswechsel stattgefunden. Das Schreiben G ö r i n g s sei in einer verbindlichen und ehr- «rbietigen Form gehalten. Es trage allerdings das Datum des 1. Januar aus Berlin, und merkwürdig bleibe die Tatsache, daß Herr Göring in seinem Schreiben für das gesamte angeblich von Berlin abwesende Reichstagspräsidium auf schriftlichem Wege den Glückwunsch aussprach, während Löbe es im Gegensatz zu Herrn Göring ermöglichen konnte, persönlich zu erscheinen. Eine blutige Siwesternacht LchieKereien— Drei Tote, viele Verletzte So friedlich, wie der Silveslerlag begonnen hat, ist er leider nicht abgelausen. Bei politischen Streitigkeiten sind drei Personen getötet und mehrere— zum Teil schwer— verletzt worden. Zahlreiche Personen haben sich in der Rächt zu Reujahr das Leben genommen oder versucht, freiwillig aus dem Leben zu scheiden. Dabei mußten in vielen Fällen Samariter der Feuerwehr hilse bringen. Auch sonst wurde die Feuerwehr — im Gegensah zum vorigen Zahre— stark in Anspruch genommen. Weihnachtsbaum- und Gardinenbrände wurden besonders oft gemeldet. Zhre ausopserungevolle Arbeit wurde der Feuerwehr noch durch ein Dutzend börwill'ger Alarmierungen erschwert. Auch eine erhebliche Zahl von Ii n- fällen hat Pol zei, Feuerwehr und Rettungssiellen ständig in Atem gehalten, fo daß man gegen- über der vorjährigen Siloesternacht von einem sehr lebhasten Zahresbeginn sprechen muh. lieber eine schwere Bluttat der Nazis in Lich- I e n r a d e, der ein junger Kommunist zum Opfer fiel, berichten wir an anderer Stelle. Gegen 7 Uhr vo.m tlags wurde die 37 Zahre alte Martha Künstler, Ackerstr. Sg. wohn- hast, vor dem Hause Ackerstr. 106 durch eine noch unbekannte Person überfallen und durch einen Schuh, der sie in die Herzgegend traf, getötet. Der Grund zur Tat ist noch unbekannt. D e Leiche wurde beschlagnahmt und dem Lazarue-Krankeahaus zugeführt. Nach der MUdung eines Augenzeugen soll sich der Vorfall fosgendermaßen abgespielt haben: Vor einem Haus begrüßten etwa 10 junge Leute die Frau mit dem Ruf„Prost Neujahr!" Im gleichen Augenblick kam ein Radfahrer ange- fahren, dessen Rad unbeleuchtet war. Kaum war er an der kleinen Gruppe vorüber, als er sich plötz- lich umdrehte, die rechte Hand, in der er eine» Revolver hielt, erhob und mit dem Ruse„heil hiller" aus die vor der Tür stehenden Leute schoß. Mit einem Schuß in der Herzgegend brach die Frau tödlich getroffen zusammen. Alle Versuche, den Mordnazi zu fassen, blieben erfolglos. Der 16 Zahre alte Hitler-Zunge Walter Magnitz, der in der Liebenwalder Straße 24 wohnt, wurde heute morgen gegen l'A Ahr von unbekannten Tätern in der Utrechter Straße durch einen Messerstich in die Bauchgegend lebensgefährlich ver- letzt. Magnitz wurde dem virchow-krankenhaus zugeführt, wo er v e r st a r b. Zm Anschluß an diesen Vorfall ersolgle durch polizeibeamle die Durchsuchung einiger politischer Lokale. Zm RSDAP.-Lokal in der Utrechter Straße 24 wurde ein Revolver ohne Munition gefunden. Zn dem Parteilokal in der Utrechter Straße 23 leisteten zwei Rationalsozialislen den Anordnungen der polizeibcamten Widerstand und wurden daraufhin;wang7gestelll und der politischen Polizei zugeführt. Sodann wurden noch die kommunistischen Lokale in der Oudenarder Straße 26 und Lieben- walder Straße 41 durchsucht, in denen die Beamten jedoch nichts ermitteln konnten. Gegen 7 Uhr früh wurde in der Potsdamer Straße vor dem Hause Rr. 62 der Polizei- oberwachtmeister Wallmichrath, der sich außer Dienst befand, mit einer schweren Kopsoerlehung ausgesunden, von der Rettungsstelle wurde der Schwerverletzte dem Staatskrankenhaus zugeführt. Die Täter sind nicht bekannt. und die Ermittlungen nach ihnen waren bisher erfolglos. Gegen 2 Uhr wurde in einem RSDAP.-Lokal in der O t a w i st r a h e im verlause einer Streitig- keit der SA.-Mann Hans Gundermann, Togostraße 20 wohnhast, von dem SA.-Angehöri- gen Richard Schipanski, der in Halensee, Ringstraße 5, wohnt, durch einen Schoß aus einer Scheintodpistole verletzt. Zm Poul-Gerhardt- Stist, wohin der Verletzte gebracht werden mußte, stellte der untersuchende Arzt eine Bindehautentzündung an beiden Augen fest.— Kurz vor Mitter- nacht wurde die 13 Zahre alte Schülerin Hilde- gardRoelke aus Staaten, Spandauer Str. 56, durch einen S ch u ß an der linken Brustseile verletzt. Der Täter, ein 28jähriger Arbeiter Richard Stessen, der in Staaken, Reu« Straße 4, wohnt, will lediglich mit einer Schreckjchußpislole geschossen haben. Das verletzte Kind mußte in das Spandauer Krankenhaus gebracht werden. Kommunisten schwer verletzt Trier, 2. Januar. In der Neujahronacht kam es in Ehrang bei Trier zu Auseinandersetzungen zwischen Nazis und Kommunisten, in deren Verlauf der Führer der Kom- munisten vier bis fünf Schüsse in den Leib erhielt. Er liegt hoffnungs- los darnieder. Zwei weitere Kommunisten wurden durch Schüsse in die Beine schwer, ein Nazi durch Steinivnrf am Kopf leicht verletzt. Die Bluttat in Lichtenrade I�orcl-Z�. am Werk— Jungkommunist hingeschlachtet— Reichsbannermann schwer verletzt Blutiges Silvester Weitere Silvesterschlägereien In der Siloesternacht kam es in Delitzsch vor dem Verkehrslotal der Nationalsozialisten zu einer schweren Schlägerei mit Kommu- nisten. Etwa 3v Personen, meist Kommunisten, wurden erheblich verletzt Vier Personen muhte» mit schweren Verletzungen dem Krankenhaus zu- geführt werden. In Groß-chamburg wurden in der Sil- vesternacht sechs Personen durch Schuh- und Stichwaffen erheblichverletzt, darunter allein vier bei einem Zusammenstoß zwischen Na- lionalsozialisten und Kommunisten am Kirchen- weg. In Altona kam es ebenfalls zu blutigen Zusammenstößen kommunistische Demonstretions- versuche 3n einigen Stadtteilen der Stadt Berlin ver- suchten in der Siloesternacht Kommunisten Demon- strationszüge zu bilden. So sammelten sich gegen 24 Uhr k l e i n e T r u p p s in der Prinz-Handjery- istraße, in der Oderberger Straße, am Schöne- ielder Platz, in der Naunynstraße, in der Prenz- lauer Allee Ecke Jablonfkistraße, und in der Fried- rich- Ecke Leipziger Straße an, die sich jedoch beim Erscheinen von Polizeibeamten selbst auflösten. Neuer Mann Kommissare ernennen Kommissar Mit dem l. Januar ist der bisherige Land- r a t des Kreises Beeskow, Dr. zur. Ernst Wiskott. zum Staatssekretär im preußischen Land- wirtschaftsmini st erium ernannt und mit der Wahrnehmung der Geschäfte des kam- missarischen Landwirtschafts- Ministers von der kommissarischen Regierung betraut worden. Der Staatssekretär im Reichsernährungs- Ministerium, M u s s e h l, der das preußische Landwirtschaftsministerium bisher k o m- missarisch milverwaltet hatte, beschränkt sich nun auf seine Tätigkeit im Reichsernährungs- Ministerium. Hampenhausen Lin Richter der Neuzeit Der preußische A m t s g e r i ch t s r a l Dr. Frei- Herr von Campenhausen von dem jetzt auf- gelösten Amtsgericht Schwarzenfels hat in einem Urteil vom 22. September 4932 gegen einen links- gerichteten Arbeiter eine mehrmonatige Gefängnis- strafe wegen schwerer Körperverletzung verhängt. In der Urteilsbegründung schreibt der Amtsgerichtsrat wörtlich folgendes: ,,... Außerdem befand sich Rockenthien(ein Zeugej—„im Dienst- und war sich des Verbots Adolf Hitlers wohl bewußt. Die Selbstbeherrschung und Disziplin der SA..Aorma»ioncn bei den mannigfachen Ueberfällen und Zumutungen in den Iahren 1939/32 ist so osl auf die vröbe gestellt und bewähr»(!) worden, daß ihre Durch- brechung immerhin eine Aufsehen er- regendeEntgleisung und Ausnahme bedeuten würde. Auf der anderen Seite ist die tief eingewurzelte Abneigung und Ver- hetzung der beiden marxistischen Parteien, allen voran der KPD., gegen die nationalsozialistische Bewegung, insbesondere wiederum die SA. und SS., das zur un- verhohlenen Aufforderung zu Ge- waltigkeiten eine allgemein be- kannte Tatsache" Die Republikanische Beschwerdestelle Berlin ist wegen dieser sehr merkwürdigen Urteilsbegründung — man denke nur an den neuen Fall h e n t s ch in Dresden— bei dem preußischen Justiz- Ministerium vorstellig geworden Eine Antwort liegt noch nicht vor. Aber man kann neugierig darauf sein, welche Würdigung diese offenkundige Parteinahme eines„unparteiischen" Richters gegen oder zugunsten politischer Parteien beim tommisiarischen Ministerersatz findet. Bauernkrawalle Nach norddeutschem Vorbild Wien, 2. Januar. In der Ost-Steiermark, in Borau und Hartberg, ist es in den letzten Tagen wiederholt zu Bauernkundgebungen und Ausschreitungen bei Zwangsversteigerungen gekommen, bei denen auch ortsfremde radikale Elemente fest- gestellt wurden.. Es wurden neun Ver- Haftungen vorgenommen. Die Bauern fordern nun die Freilassung der Festgenommene«' und drohen mit Aufmärschen, die sie gegebenenfalls bis in die Landeshauptstadt Graz führen wollen. Diesem Zug. der für Montag in Aussicht genommen ist. wollen sich auf kam- munistische Parole auch Arbeitslose aus dem indu- striellen Mürztal anschließen Die Regierung hat die Zusamuienziehung von Landjägern in der Ost-Steiermark angeordnet und außerdem Militär dorthin entsandt. Eine wieder haben sich in der Neujahrsnacht, und zwar im äußersten Süden Berlins, in Lichtenrade. zwei schwere Bluttaten zuge- tragen, die einzig und allein auf das Konto der bereits wieder in Tätigkeit befindlichen Word-SA. der Nationalsozialistischen Ttrbeiterpartei Deutschlands kommen. Beide Wale war der Schauplatz der nationalsozialistischen Greueltaten die westlich der Berlin— Zossener-Bahn verlausende Kaiser- Friedrich st raße in Lichtenrade. An- mittelbar nach Anbruch des neuen Jahres, etwa um'AI Ahr, wurde in dieser Straße von einer in Lichtenrade bekannten und berüchtigten SA.- Horde der alleingehende Reichsbannermann Erich Tust aus Lichtenrade, der zugleich auch witglied der Sozialistischen Arbeiter-Jugend und der Freien Turnerschast und in den bekannten L i n d r a r- Fahrradwerken in Lichtenrade kaufmännischer Angestellter ist, überfallen, mit Messern und Schlagin st rumenten bearbeitet, am Kopf schwer verletzt und dann in hilslo'em Zustand auf der Straße liegen gelassen. Etwas später konnte der Täter, ein Gärtner Becker aus Lichtenrade, Angehöriger der SA., ermittelt und festgenommen werden, er hat die nichtswürdige Tat alsbald zugegeben. Der Überfallene Reichs- bannermann Erich Jung wurde, nachdem er von dem Lichtenrader Arzt Dr. Wolf verbunden worden war. in das St. Zosephs-Krankenhaus in Tempelhos gebracht, wo er bedenklich danieder- liegt. Roch fürchterlicher hauste die entmenschte Bande der SA. am frühen Morgen der Reusahrs- nacht gegen A6 Uhr. Als um diese Zeit Zung- kommunist Erich Hermann allein nach Hause ging, wurde er von derselben Lande, die die ganze Rächt hindurch durch die Straßen von Lichtenrade aus und ab patrouillierte, ohne von der Polizei beachtet oder behindert worden zu sein, überfallen. Einer der entmenschten Hitler-Strolche stieß dem bedauernrwerten jungen Menschen ein Messer in den h a l s, das die Schlagader traf und den alsbaldigen Tod des Ueberfallenen zur Folge Halle. Erst jetzt griff die Polizei ein. alarmierte die Mordkommission in Berlin und nahm die Räuberbande, etwa 20 Mann, fest. Die Alleinschuld der nationalsozialistischen Mord-SA. steht außer Frage. Seit dem Jahr 1929 befindet sich in Lichtenrade, westlich der Berlin— Zossener Bahn ein sogenann- tes Arbeitslager der Nationalsozialisten, das anfangs unter der Leitung eines gewissen R i e w e stand, der aber vor einiger Zeit nach G l o g a u abgeschoben wurde. Wie überall, wo es den Nazis erlaubt ist, sich zu konzentrieren, war auch dieses Lichtenrader Nazilager der Herd ständiger Unruhen und Provokationen. Der Leiter der sfichtenrader Polizei, Oberleutnant Ruch, wurde mehrfach von Kommission soll feststellen, ob eine Freilassung der Verhafteten möglich ist. Der Demonstrationsaufmarsch nach Borau ist jedoch unterblielen. Rur kl inere Dauernabordnungen sind entsandt worden. Die Sezlrksslrahe nach Borau war durch Gen- darmerie abgesperrt. Die Vorgeschichte Wien, 2. Januar. In Vorau Hatten vor einigen Tagen Bauern eine Zwangsversteigerung gewaltsam zu ver- Hindern gejucht uno die einschreitenden Be- amten tätlich angegriffen. Da die Verhetzung� der Bevölkerung seitdem immer größeren Umfang angenommen hatte, entsandte die Regierung eine 199 Mann starke Kompagnie der Grazer Alpenjäger sowie 199 Gendarmen in feldmarschmäßiger Ausrüstung mit Maschinen- gewehren nach Borau. Der verstärkte Schutz macht auf die Bauern großen Eindruck. Trotzüein heißt es, daß am Dienstag ein demonstrativer Aufmarsch der Bevölkerung von Borau und Um- gebupg geplant ist. Eine Abordnung, die bei der Staatsanwaltschaft vorsprach, um die Frei- lassung der Festgenommenen zu erwirken, er- hielt den Bescheid, daß«in Untersuchungsrichter nach dem Orte kommen werde, um genaue Er- Hebungen anstellen zu können. Landeshaupt- mann Dr. R i n t e l e n wird voraussichtlich mar- gen nach Vorau gehen, um an der Beruhigung der Bevölkerung mitzuwirken. Selvstmordtragödlen Der Tätigkeitsbericht der Feuerwehr vom 1. Januar verzeichnet u. a. 15 Gasvergiftungen, mehrere geborgene Wasserleichen und zwei Gift- tode. In einigen Fällen kam die Hilfe der Feuer- wehr so rechlzeitig, daß die Selbstmordkandidaten gerettet werden konnten. In der Zehdenicker Straße wurde nachts der 57 Jahre alte In st rumenten wacher Hermann W- und seine um 11 Jahre ältere Frau Therese durch Gas vergiftet bewußtlos ausgesunden. Frau W. war bereits tot, ihr Mann der örtlichen sozialdemokratischen Partei- und der Reichsbannerleitung über die ständig zunehmenden ilnzuträglichkeiten. die sich aus der Existenz des Nazilagers ergeben, unterrichtet, ohne daß Herr Ruch einen Anlaß sah, den Nazis ernstlich und energisch entgegenzutreten. Nur so kann man es sich erklären, daß sich die uniformierten Bürger- kriegssokdaten als Herren der Straße fühlten. Selbst dann, als es am letzten Reichstagswahl- fonntag, dem S. November, zu einem schweren U e b e r f a l l der Nazis auf das sozialdemo- kratische Zentralwahllokal von Rohr mann kam, wobei ein Reichsbannerkamerad niedergeschlagen wurde, konnte keine Besserung der Zustände festgestellt werden. Auch aus den Kreisen des unpolitischen Bürgertums kamen bittere Beschwerden an unsere Partei- genossen, die von ihnen pflichtgemäß an die Polizei weitergeleitet wurden. So kam es, daß die Lichtenrader Nazis sich als Herren fühlten, denen trotz Aufmärschen in der Zeit des Demon- strationsverbotes nichts geschah. In der Silvester- nacht holten die Lichtenrader Nazis zu einem Schlag aus. Nächtliche Nazi-Rachesclwüre In der Silvesternacht, die nach dem Willen der Nazis zu einer Mordnacht gemacht wurde, kam die 39 Mann starke Belegschaft des Nazilagers und etwa 49 weitere Nazis aus Lichtenrade in dem Lager selbst zu einer Art Feier zusammen. Was diese„Feier" in Wirklichkeit zu bedeuten hatte, ging daraus hervor, daß die Anwohner des Platzes ganz deutlich die laut hinaus- gefchrienen Racheschwüre der Nazis ver- nahmen. Nach dieser Feier begab sich ein T r u p p von etwa 29 uniformierten Nazis auf die Straße und patroullierte nun unausgesetzt das Viertel westlich der Berlin-Zossener Bahn ab. Von Zeit zu Zeit ging die Bande in die drei dort gelegenen Lokale von Kanis(Hilbertstraße), Schütz (Bahnhofstraße) und Rohrmann(dem Arbeiter- verkehrslokal in der Hilbertstraße) hinein, in der offenkundigen Absicht, bestimmte Personen zu suchen. Als unser junger Parteifreund Erich Just etwa um �1 Uhr mit einer Turngenossin die Kaiser-Friedrich-Straße entlang ging, kam ihm dieser uniformierter Nazihaufen entgegen, um- ringte ihn und schlug mit den Worten„Jetzt haben wir dich endlich, du Strolch, du hast uns am Wahlsonntag verraten" auf ihn ein. Mit schweren Verletzungen am Kopf stürzte Erich Just zu Boden und wurde nun von der Horde liegen gelassen. Einige Zeit später wurde er von seinem Bruder, der über sein Fortbleiben konnte nach langwierigen Bemühungen der Sama- riter wieder ins Leben zurückgerufen werden. In bedenklichem Zustande fand W. im Lazarus- krankenhaus Ausnahme.— Eine zweit« Doppeltragödie wird aus der K o l o n i e st r a ß e im Norden Berlins bekannt Dort vergiftete sich der 28 Jahre alte Arbeiter Alfred W. mit sc ner 27jährigen Frau Selma durch Zyankali. Als die Tat entdeckt wurde, waren die Eheleule bereits tot.— Am Kupfergraben sprang ein junges Mädchen, die 18jährige Else Z. aus der Koloniestraße in Berlin N., in die Spree. Rettungs- versuche blieben erfolglos, die Feuerwehr holte die Leiche der jugendlichen Lebensmüden später an Land. Längere Arbeitslosigkeit hat das Mädchen in den Tod getrieben.— Aus dem Landwehr- k a n a l wurde die Leiche des 51 Jahre alten Kauf- mannes Joseph M. gelandet. M., der aus außer- halb stammt, hatte sich bereits längere Zeit in Berlin wohnungslos aufgehalten. Arbeitslosigkeit und zerrüttete Familienverhältnisse sind die Gründe zur Tat.— In seiner Wohnung Slrausberger Straße vergiftete sich der 47 Jahre alte Bauarbeiter Richard M. durch Gas. Angehörige fanden ihn in der Küche tot auf.— Auf dieselbe Weife schied der ööjährige Schriftsetzer William S. aus der Kulmstraße aus dem Leben. hei Göring ,,Ein vergessenes Weihnachtsgeschenk, Herr Reichstagspräsident!" unruhig geworden war, mit einigen Kameraden an der Stelle, wo er niedergeschlagen worden war, aufgesunden, zu dem Lichtenrader Arzt Dr. Wolf gebracht, dort verbunden und sodann in das St.-Iofef-Krankenhaus nach Tempelhof trans- portiert, wo er bedenklich daniederliegt. Glück- licherweife gelang es, den Haupttäter, den SA.- Mann Becker, einen Gärtner aus Lichtenrade, festzunehmen, er hat seine Schandtat sofort ein- gestanden. Oer I�Iord am Kaiser-Friedrich-Platz Auch jetzt durfte die SA.-Horde ungehindert durch die Straßen marschieren. Nur aus diesem Grunde, weil sie sich unbedingt sicher fühlte, tonnte es einige Stunden später zu einer furchtbaren Blut- und Mordtat kommen. Gegen '/.>g Uhr früh verließ ein junger 18jähriger Kommunist Erich Hermann, der bisher poli- tisch in keiner Weise hervorgetreten war, die Silvesterfeier im Lokal von Rohrmann und be- gleitete eine bekannte Familie nach Hause. Auch er lief in der Kaiser-Friedrich-Straße an dem kleinen dreieckigen Kaifer-Friedrich-Platz vollkommen ahnungslos der SA.-Horde in die Arme, die sofort wie Bestien über ihn herfielen. Ein noch bisher unermittelter Täter stach mit dem Messer nach ihm und traf die Halsschlag- aber. Al» die Bande sah. was sie angerichtet hatte, flüchtete sie. Der junge, auf den Tod ge- troffene Mensch schleppte sich über den kleinen Platz und rief noch aus„Sie haben mich ge- stachen". Dann wankte er auf eine Laterne zu, klammerte sich an dem Laternenpfahl fest, sank zusammen und starb. Eine große Blutlache be- zeichnete die Stelle, wo das unschuldige Opfer nationalsozialistischer Mordlust sein Leben aus- hauchte. Der Vater des Ermordeten, ein Eisen- bahnarbeiter, war gerade von der Arbeit nach Hause gekommen. Nunmehr wurde die Lichten- rader Polizei mobil, alarmierte die Mordkom- Mission in Berlin, riegelte den SA.-Sportplatz ab und nahm sämtliche dort befindlichen 39 SA- Leute fest. Als einwandfrei darf heute bereits festgestellt werden, daß diese fürchterlichen Vorfälle sich nicht hätten ereignen können, wenn die Lichtenrader Polizei bzw Oberleutnant Ruch rechtzeitig aus die wiederholten Mahnungen gehört und beizeiten eingegriffen hätten. Nunmehr fordert die auf das Höchste erregte Einwohnerschaft des sonst so ruhigen Vorortes Lichtenrade, daß der Unruhe--■ Herd, der SA-Sportplatz, sofort aufgehoben und das Arbeitslager aufgelöst wird Brand im Kino Vorstellung unterhrochen Während der letzten Vorstellung im„Metro- Palast" in der Chausseestraße unweit des Stettiner Bahnhofes machte sich am Neujahrstage gegen 22 Uhr im Zuschauerraum starke Verqualmung bemerkbar. Die Vorstellung muhte unterbrochen und das Publikum, das sich sehr ruhig verhielt, zu den Ausgängen geleitet werden. Auf 3. Alarm erschien die Feuerwehr mit mehreren Löschzügen an der Brandstelle. Wie sich herausstellte, war aus noch unbekannter Ursache die Balken- läge unter dem Fußboden des rechten Parkettganges in Brand geraten. Die Wfcharbeiten dauerten längere Zeit. Sturz aus D-Zug tlnglückskall oder Verbrechen? In der Silvesternacht verunglückte aus der Reise nach Berlin der Versorgungsanwärter Paul W a l h ö f e r aus der Burgslraße 2 in Viersen. Er wurde zwischen den Stationen Hamm und Heessen in Westfalen mit schweren Verletzungen von Slreckcnwärtern aufgesunden. Walhöser hatte den D-Zug 7 benutzt, der um 1.38 Uhr in der Nacht Hamm passierte. Der Zug hält nicht auf der von Hamm nur 4 Kilometer entfernten Station Heessen. Kurz nach 1.49 Uhr wurde W. aufge- funden. Der rätselhaste Sturz aus dem D-Zug 7 konnte bisher noch nicht geklärt werden. Als W. im Krankenhaus in Hamm vernommen wurde, konnte er nicht angeben, ob er aus dem Zug hinausgefallen oder hinausgestoßen worden war. Die dortige Kriminalpolizei hat Ermittlungen an- gestellt und die Berliner Polizei von dem Vorgang in Kenntnis gesetzt. Aus der Schweiz ausgewiesen wurde der reiche- deutsche Kommunist Heinrich Friedrich, ge- boren 1894 in Galdberg(Schief.), Funktionär der kommunistischen Bauarbeiter. Die Vorsprache George Laneburys und zweier Gewerkschaftsführer bei Macdonald für die Ent- Haftung des greisen Kommunisten Tom Mann endete mit der Ueberaabe eines Schriftsatzes. Macdonald gab keinerlei Beriprechen ab, da er es ablehnte, auf politischer Grundlage zu ver- Handel», er versprach lediglich, die Angelegenheit dem Innenminister zu empfehlen. Ausstand in der Wflste Zwergstaat Assir als Sturmbock von Großmächten Tragödie ohne Sinn Es waren zwanzig Proleten, Alle zwanzig arbeitslos, Kein Obdaeh und keine Kröten, Und bis aufs Hemde bloß. Sie hatten satt das Gegrübel, Sie hatten den Bauch voller Grimm, Sie wünschten der Welt alles Uebel, Keines schien ihnen zu schlimm. Sie höhnten die andern Laffen, Die von Plänen sprachen und Bau n. Sie wünschten, sich Luft zu schaffen, Nur einmal um sich zu hau'n. Zehn wurden ans Trotz Kommunisten. Zehn gingen zu Hitlers SA. Fünf wechselten nochmals die Listen, Sie schimpften erst hier und dann da. Die übrigen grollten:„Verräter!" Und nachts, da knallte es los, Polizei verhaftet die Täter, Die Zahl der Opfer war groß. Zwei Kommunisten erschossen, Ein Hitler-Mann ringt mit dem Tod. Der Rest ins Gefängnis geschlossen, Drei für ihr Leben marod. Womit nun allen geholfen wäre... Jonathan. Beethoven und wir Die Neunte in der Volksbühne (Es gibt unendlich viel und vielfältige Musik: leichtsinnige und feierliche, Musik voll Heiteren Spiels, voll schwermütiger Bekenntnisse, dionysisch daherbrausende und solche von appollinischer Zart- heit, lebensüberwindende Schicksalssinfonien und müde Lieder von Traum und Tod— und all dies geht uns gewih an: als einzelne aber, als In- dioiduen und Individualisten, als einsame Wanderer aus alle den rästelhasten Wegen zwischen ungewolltem Geborenwerden und unabwendbarem Sterbenmüssen.. Dann gibt es noch Bach und sein Werk, klingendes Zeugnis einer vor Jahr- Hunderten versunkenen mittelalterlichen Gemein- samkeit, erschütternder Reflex der unendlichen Ueberlegenheit solcher Menschengemeinschaft über alles einsame noch so große Wollen und Wirken. Wo aber ist die Musik,„die uns gleich sei", die unser Wollen ausdruckt, für unsere Zukunft wirb�, die, kann sie auch noch nicht aus erreichter, gefestigter Gemeinschaft erwachsen, zu solcher Hin- führt, aufruft, für sie begeistert? In Beethovens Neunter Sinfonie besitzen wir sie. Die ist der große Avvell an alle, sich nicht abzuschließen, sie ist der Mahnruf an jeden ein- zelnen, gemeinsam mit seinen Brüdern zu leben und zu arbeiten kund Brüder, heißt es dort, werden, sind alle Menschenl Sie ist kein Spiel, das erireut oder trösteL erhebt oder berauscht— sie ist Musik, die w i l l, die unerbittlich fordert: und besser wäre e- für das Antlitz der Erde, die Menschen hätten sie alle verstanden und hätten ihr alle gehorcht... Darum und nur darum ist dies Vermächtnis des größten Mannes, der jemals No'en schrieb, ist die Siloesterfeier der Volksbühne die denkbar würdiqste und schönste Feier überhaupt. Der Volkschor sang mit Beaeisteruna: van ausge- zeichneten Solisten«Rose We'ter. Ida Harth cur Nieden. Walter Lndwiq und Hermann S�ey) unterftußt. Cwies sich Iofeh R o s e N st a ck als überlegener Gestalter, als Dirigent von s�'-hem Könoen und so persönlicher Vröaung, daß c-r ihn in Berlin noch oft zu hören hoffen. A. W. Weilersühmna der Kimttakademie in Breslau. Nach der offiziellen Auslösung der Staatlichen Kunhakademie in Breslau, deren Gebäude in» zwischen an die Breelguer Kunstgewerbeschule ver- m'etet worden ist. sind dort nur iür die vier Akademielehrer, deren Vorträge noch laufen. Atelierräume sreiaeholten worden. Diese vier haben sich nun entlchlassen, den Lehrbetrieb unter ollen Umständen weiterzusükeen und ihre Arbeitsräume den Schülern mr Verfügung zu stellen. Ein Schulgeld soll nicht erhoben werden. T)'" IfenCn de in Galette als ira'icnald-nkmal. Die Moulin de la Golette. die für den Montmartre ein ebenso charakteristisches Wahrzeichen bildet, wie Notre Dame oder der Eiffelturm für ganz Paris, soll jetzt un�er die Zahl der geschützten National- denkmä>er aufacnommen werden Dadurch ist sie vor Abbruch, selbst vor einer Aenderung gesichert. Heute ist die alte Windmühle eine volkstümliche Stätte des Tanzes. Sie ist den Herzen der Poriser nickt nur wegen ihres malerischen Aussehens, sondern auch wegen ihrer Geschichte teuer. Sowietsunkpropaganda für Den'schland. Ansang 1933 wird in Odessa ein neues Theater eröffnet. das revolutionäre Stücke in deutscher Svrache uraufsühren wird, die durch den Gewerkschafts. sender nach Deutschland übertragen werden sollen. Die Leitung des Theaters wird ausschließlich in Händen deutscher Kommunisten liegen. Das knabenjpiel„Der Hebersall" erlebt am Donnerstag im Zentralinstitut für Erziehung und Unterricht, Potsdamer Straße 12l), um 8 Uhr die Erstaufführung. Die Thüringer Sänqerknaben singen außerdem Krippenlieder und Thöre. Cb-iammergau» neues Zsiel. Zur Erinnerung an das Pesijahr 1638, dem die Cberammerganer Pamans- spiele ihre Entstehung verdankcil, bringt Oberannnergau ISA eine Vorgeschichi, der?picle von S o W-itmantel zur Aussührung. Ta» Pgssionjspiel selbst wild M4 als Jubiläumsaufsührung gespielt. Im Wellkricg liehen verschiedene Alächle Goldstrome nach Arabien stießen, teils um Sriegshilse zu erlangen, teils um sich nach dem erhosslen Sieg die Deherrschung der Märkte dieser Klüsten- halbinsel zu sichern. Die Goldströme sind versiegt. aber ihre schädlichen Wirkungen dauern sort. Manchmal geschehen auch jetzt noch dort„große Dinge". Dann dringt ihre Kunde bis nach Europa, meistens verstümmelt und mißverstgnden. Dafür sorgen die verschiedenen Telegraphenagenturen. Und nun trifft eine neue Kunde ein: das kleine Land A s s i r ist im Aufstand gegen Ihn Saud, den König des Hedschas. Man weih nicht, welche dunklen Kräfte dort im Spiele sind, weiß ebenso- wenig, wer Drahtzieher, wer Angreifer, wer An- gegriffener ist. Tatsache aber bleibt, daß die Wüste wieder ein Aufruhr durchzieht. Und das kaum einige Wochen, nachdem der blutige Ausstand des einäugigen Jbn Rasada gegen denselben 3bn Sand erwürgt wurde. Anfang Dezember bequemten sich die Zeitungen des Jbn Saud zu einer Erklärung, daß in Ässir zwar Unruhen ausgebrochen wären, daß diese aber sehr bald im Keime erstickt worden seien. Die ägyptische Presse hingegen, die überdies auf den König von Hedschas nicht gut zu sprechen ist, berichtet ausführlich über den Aufstand: sie erzählt, daß an seiner Spitze der E m i r H a s s a n El Adrissi steht, derselbe Emir, der laut Vertrag von 1926 dem Jbn Saud Untertan ist. Den Emir soll eine Gruppe Hedschas-Ossiziere unterstützen. welche dem unbeliebten König ewige Feindschaft geschworen haben. Die englische Presse be- hauptet, daß er der I m a m I ch j a h aus Jemen sei, dem man diesen Aufstand zu verdanken habe. Französische Blätter in Syrien neigen dazu, England alle Schuld zuzuschieben. Italien sieht in diesem Aufstand nichts weiter als einen politischen Trick Frankreichs. Vielleicht kann uns die Geschichte der letzten dreißig Jahre einige Aufklärung bieten. An sich ist Assir ein unbedeutendes, gebirgiges Ländchen Ida �Vu8t auf der Bühne Renaissance-Theater Sie kehren allmählich vom Film, der sie der Bühne entsremdet hatte, an die Stelle ihrer frühe. rem Erfolge zurück— die Filmdarfteller. Ida Wüst hat sich ihnen jetzt auch zugesellt und uns am Silvesterabend herzhaft erfreut und zu den alten sicher neu« Freunde erworben. Diese schwank- artige Komödie„Mutter muß heiraten", die neben einem englischen Verfasser einen mehr oder weniger beteiligten deutschen Bearbeiter in Karl L e r b s gefunden hat, ist von vorgestern und bewegt sich in den ausgefahrenen Gleisen der bürgerlichen Unterhaltungsstücke. Aber sie gibt doch Ida Wüst Gelegenheit, ein« sehr sympathische, überlegene, dabei gütige und scharmante Mutter mit all den Einzelzügen, die ihr zu Gebote stehen, höchst menschlich zu verkörpern. W'e sie die heran- gewachsenen Kinder und ihre Verlobten, die sie vor angeblich unbesonnenen Streichen bewahren wollen, ein Schnippchen schlägt, und aus feine Weise eine gute Lehre erteilt, das ist von der reizendsten und natürlichsten Art. Sie weiß ihre eigenen Rechte zu wahren bei vollem Verständnis und Mitempsinden für die der anderen. Das Stück tischt allerlei englische Schwanktorheiten auf, als da sind: ein« Fensterklctterei eines bejahrten Lieb- Habers und das Wiedererscheinen des geschiedenen und längst für tot erklärten Gatten und dergleichen mehr. Unter den übrigen Darstellern ist Alexa von Porembsky als draufgängerische Schmie- gertochter zu erwähnen von nicht gewöhnlicher Keßheft. Eine prächtige Charatterstudie lieferte Maria Krahn in ihrem Haussaktotum, das auf eindrucksvolle Weise nicht bloß mit den spaßhaften Wirkungen eines Rausches jongliert, sondern auch das Schicksal einer im W nkel verblühten Frau durchblicken ließ. Die Rolle des ewigen Liebhabers, der infolge mangelnder Courage nie zum Ziele kommt, war für Paul H e n ck e l s ein gefundenes Fressen, um sie mit allen Schikanen der Komik auszustassieren. Das Publikum bereitete in ausgelassener Sil- vesterlanne Ida Wüst einen rauschenden Erfolg. K. H. D. Silvesterspuk Aus dem Wachsplattenkabinett Das alte Jahr wurde von einer Rundfunkreichs- sendung ans Ende geleitet, die auf jeden Fall ein recht charakteristischer Abschluß war. Bon>9� Uhr bi» kurz nach Mitternacht gab es für alle Hörer des deutschen Rundfunks nur eine Darbietung. Ein Siloesterspuk eigener Art war der„Rück- blick aus dos Jahr 1 932". Herr von P a p e n erstand hier aus dem Wachsplatten- kabinett der Funkstunde redefreudig und wie lebendig, und mft ihm die beiübm'e rote Akten- mappe und das Menageriegebrüll seiner„ausbau- willigen Kräfte" im Reichstag. Gegen 20� Uhr schalteten wir dann um aus H i l o e r I u m: aus am Roten Meer. Die Assiräer zählen heute kaum noch 56 ODO Mann Aber nicht um Assir geht's, sondern um die paar Inseln in der Rühe, die Zarsaninseln, aus welchen Erdöl und Metalle zu finden sind. Die Wahabiten hatten bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts ihre Herrschaft über ganz Arabien ausgedehnt; an dem widerspenstigen Völkchen Assir aber mußte auch der Eroberer Ibrahim Pascha zerschellen. Als sich England davon über- zeugt hatte, daß der Einfluß der Türkei aus Assir gleich Null ist, bemühte es sich, dort unmittelbar ein- zudringen. Und mit Erfolg! Der Emir El Adrissi gehörte zu den ersten arabischen Fürsten, welche 1915 ein Bündnis mit England schlössen. Mit englischem Gold mobilisierte er 12 666 Mann und rüstete sie mit den modernsten Mitteln aus. Diese Armee machte den Türken viel zu schaffen. Als Dank dafür war es dem Emir gestattet, einen Teil des Jemen zu besetzen. Auch der Hasen Hudejda(auch Chodejda) fiel ihm zu. Aber seit der Eroberung des hedschas durch Zbn Saud kam Assir nicht mehr zur Ruhe. Der 3mam von Zewen und Zbn Saud sehten ihm sortwährend zu und entrissen ihm seine Leute. 1923 riß de: ?mam ganz Zewen wieder an sich, und Zbn Saud ruhte nicht, bis Assir ganz unter seiner Herrschaft stand. Kurze Zeit bevor Assir dem König des Hedschas unterjocht ward, hatte Emir Hassan El Idrissi einer englischen Firma das Recht erteilt, die Naturschätze Assirs auszubeuten Als sich Jbn Saud in Assir festsetzte, forderte die i t a l i e n i- s ch e Regierung ihn auf, ihr einige Rechte aus Assir zu erteilen, so die Ausbeutung der Mine- ralien, den Bau eines Stützpunktes sür die italienische Luftflotte, freie Bewegung im Hafen Hudeida. Jbn Saud lehnte ab. Im gleichen Moment wandten sich mehrere Stämme aus Assir an Italien, mit der Bitte, sie unter seinen Schutz zu nehmen. Jbn Saud schlug auch diese Bewegung nieder und ihre Führer liegen bis heute im Zuchthaus von Riad. Die holländischem Sprachgebiet kam dem deutschen Hörer ein Gruß aus seiner, des Werktätigen Welt. Diese Lieder, gesungen van Ernst Busch, diese Musik, komponiert von Hans E i s l e r, waren echtes Leben, durchpulst vom Blutstrom des Volkes, von seinem Fuhlen, von seinem Wissen. Hoffentlich haben recht viele Hörer die Sendung einwandfrei empfangen können! Musterbeispiele von Hausange- stellten führte zum Jahresende im Programm der flunkstunde Pella V u l p i u s vor. So hat ein Dienstmädchen zu sein: unermüdlich von 7 Uhr bis 26>s Uhr, falls nicht noch später etwas vorliegt: es muß kochen, einkaufen, die ganze Wirtschaft be- sorgen, alle Wäsche waschen und instand halten, dann noch von seinem Lohn regelmäßig„einen billigen Blumenstrauß" aus den Tisch der„Herr- schaft" stellen, und ja nicht spät abends heim- kommen Frau Vulpius gruppierte ihre vier Hausangestellten, die sie sich anscheinend aus ihrem Bekanntenkreise zusammengeliehen hafte, reinlich in„Dienstmädchen" und„Haustöchter". Diese Sendung war anscheinend als verspätete Weih- nachtsgabe gedacht für alle, die sich Hausangestellte halten können: sie zeigte ihnen, was sie von ihrem „Personal" fordern dürfen. Zlm Sonntag unterhielt in der Veranstalwng „M ut zum Schicksal" Meto B r i x sich mit zwei Männern und einer Frau, die sich mit schweren Lebensumständen, doch am Ende erfolg- reich, herumgelcblagen haben. Meto Bnx erweist sich vor dem Mikrovhon stets als ein Mensch, der klug und warmherzig, ehrlich und durchaus unvor- eingenommen seine Ausgabe anvackt. Auch diese Sendung war anschaulich und interessant, aber sie brachte nur Ausnahmefälle.— lz. „Hundert Meter Glück'' Metropol-Theater Die Reaktion des Publikums der ersten Auf- sührung, das nach dem ersten Teil dieser söge- nannten Operette(Text von Lzerczeg, Marcellus Schiffer und Klein) applaudierte, um nach dem zweiten zum Pfeifen überzugehen, war ganz richtig. Bis zur Pause ist es eine halbwegs witzige, flüssige und einfallsreiche Angelegenheit mit flüssiger, recht einfallsreicher und sehr witziger Musik Spolianskys— Filmparodie, ein wenig Opernparodie und wohl auch operettenhafte Selbstparodie, wie sie jetzt immer mehr Mode wird: nur hält es keiner durch, meist-wird das alles im Laufe des Abends selbst parodiereif. Nach der Pause aber ist die textliche, szenische und musi> kalische Erfindung, ist alles Formbewußtssin wie weggeblasen Es gibt ernstgemeintes Pathos, pein- liche Rührszenen, im schlechten Sinn volksstück- hafte Sentimentalität, es gibt allen möglichen zu Anfang erfolgreich verspotteten Kitsch und einen dummen, langweiligen, von alle» Grazien und Musen verlassenen Schluß. Das Stück ist einfach nur zur Hälfte geschrieben, dann ist allen Betei- ligten die Puste ausgegangen. Wahrscheinlich war Streitigkeiten nahmen kein Ende, bis 1931 Hassan El Adrissi auf seine Ansprüche aus Assir „verzichtete" und dafür eine hohe Jahres- r e n t e zugesprochen bekam. Nun konnte auch der Imam Jchjah(auäj Iahia) nicht umhin, den strategisch wichtigen Berg Akko zu annek- tieren. War nun auch Emir El Idrissi zufriedengestellt und ruhig, so glaubte sich doch die Sippschast Jbn Sauds durch seine Herrschsucht benachteiligt. An Assir sind aber auch England und Italien interessiert. Znsolge der Weltwirtschaftskrise, die selbst Arabien nicht verschont, konnte Zbn Saud die Zahresrenten sowohl an seine Sippschast. als auch an Emir El Zdrisjl nicht mehr zahlen. Da brach der Sturm wuchtig los. Kaum ist ein Aufstand unterdrückt, bricht ein zweiter los, und ein Ende dieses blutigen-Spiels ist nicht abzusehen. Denn hier wie überall im Orient, ist das Wirtschaftliche mit dem R e l i- g i ö s e n eng verknüpft und die Leidenschaften und der Fanatismus sind leicht zu entfachen. Bis jetzt gab es schon mehrere Sdsiachten, in denen die Scharen des Jbn Saud unterlegen sind. Viele Beamte und Würdenträger aus dem Hedschas werden von den Aufständischen gefangen gehalten. Und plötzlich erweist es sich, daß die Aufständische» über auffallend gute und moderne Waffen verfügen, und daß sie an- scheinend auch über unerschöpfliche Gold- quellen gebieten. Wer mag der«dl« Spender sein? Wir werden am Ende ein schönes Fußball- spiel erleben. Denn dieser Sport ist auch in der Wüste sehr populär. Erst im November dieses Jahres erfreute sich die Jugend des Hedschas eines erbaulichen Matches. Dienten doch d i e abgehauenen Köpfe des besiegten Beduinenhäuptlings Jbn Rafada und seiner tapferen Söhne als Fuß- bälle in diesem historischen Spiel. Die Frage ist nur, mit wessen Kopf man demnächst Tore schießen wird. E. L. es aber da schon eingereicht und angenommen: in der Form jedenfalls hätte man es nicht auf die Bühne bringen dürfen. Max Hansen ist entzückend: Erika von Thellmann vermag aus ihrer an sich prächtigen Rolle(wohl einer Dietrich-Parodie) nicht viel zu machen. w. Verschwincbn der Segelschiffe Wie die gesamte Weltschiffahrt, so hat auch die Segelschiff-Flotte unter der schweren Weltkrise zu leiden, und ihr Rückgang hat sich in letzter Zeit so schnell vollzogen, daß man wohl schon von den letzten Segelschissen sprechen kann. Deutschland hat heute, wie in einem Aufsatz der illustrierten Wochenschrift„Die Umschau" ausgeführt wird, nur noch sechs große Raa-Segler, von denen aber nur fünf fahren. Trotzdem besteht die deutsche Seglerflotte nach amtlichen Zählungen immer noch aus 1568 Seglern mit zusammen 148 666 Tonnen: es handelt sich hier fast nur um kleine Küstensegler, die die Ostsee meist nicht verlassen. Doch haben sich auch sie die Errungenschaften der modernen Technik in weitgehendem Maße nutzbar gemacht, indem schon 1276 von ihnen mit Motor aus- gerüstet sind. Heute bildet Finnland das Paradies der Segelschiffe: seine Reedereien kaufen die aus- rangierten Segelschisse aus aller Welt zusammen. Seine Seglerflotte umfaßt fast 166 große Raa- Segler, die ständig die Ozeane durchkreuzen und hauptsächlich nach Australien segeln. Daß Finnland diesen Segelschiffbestand sich erhalten konnte, ist sowohl den sehr billigen sinn- ländischen Löhnen als auch dem Umstand zuzu- schreiben, daß diese Fahrzeuge Passagiere gegen Zahlung von 1666 Mark aus ihren großen Ueber- seereisen mitnehmen: von dieser billigen Reise- gelegenheit wird gern Gebrauch gemacht. Ganz anders hat sich die Segelschiff-Flotte Norwegens entwickelt: während dieses Land vor dem Kriege alte Segelschiffe in der ganzen Welt zusammen- kaufte, ist heute überhaupt kein großer Segler mehr in seiner Flotte zu finden. Einstein über Geld und Persönlichkeit. Eine Prager Wochenschrift teilt die folgende Antwort mft, die Einstein aus eine von ihr veranstaltete Rundfrage gegeben hat:„Ich bin fest davon durch- drangen, daß keine Reichtümer der Welt die Menschheit weiterbringen können, auch nicht in der Hand eines dem Ziele noch so ergebenen Menschen. Nur das Beispiel großer und reiner Persönlichkeiten kann zu edlen Auffassungen und Taten führen. Das Geld zieht nur den Eigennutz an und verführt stets unwiderstehlich zum Miß- brauch.— Kann sich jemand Moses, Jesus oder Gandhi bewaffnet mit Carnegies Geldsack vor- stellen?" Wlhe!:» Herzog beginnt die Bortraasrcihe„Ter itampf einer Iievolmio»" mit„Emile Zola" Donnerstag, Li- Uhr, in der Berliner Sezession, Buda- pefter Striche 10. Rundfunk der Woche Rückblick und Ausblick Als vor«inem Jahre an dieser Stelle die Bilanz der abgeschlossenen zwölf Rundfunkmonatc gezogen wurde, stellten wir sest:„Auch der Ber- liner Hörer kann seinem Funkprogramm schlieg- lich manches Gute nachsagen: er kann sogar manchen Fortschritt rühmen, den das vergan- gene Jahr hier gebracht hat." Das war nicht nur die persönliche Meinung des Kritikers: es drückte die Ansicht zahlreicher Hörer aus, die im Lause des Jahres uns regelmäßige oder gelegentlich« Stellungnahmen zum Rundfunkprogramm zu- gehen ließen. Zwar konnten die Programme der beiden Sender, die sich von Berlin aus geschlossen übersehen lassen— der Fzink stunde und der Deutschen Welle— damals keineswegs voll befriedigen. Der Mangel an Aktualität wurde in jenem Neujahrsartikel besonders beklagt und ebenso der Mangel an brqpchbarcr, rundfunkeigener Kunst. Der dringende Wunsch der Hörer nach zeitoerbundenen Kabarett sendun- gen war noch immer unerfüllt. Die„Stimme zum Tag" wurde manches Mal für Belang- losigkeiten bemüht. Die Vorträge hielten nicht immer, was ihr Titel versprach— und bisweilen hielten sie gerade das und taugten eben darum nichts, Das galt sowohl für Darbietungen der Funkstunde wie der Deutschen Welle. Neben diesen erwähnten und manchen unerwähnt oeblie- benen Mängeln konnte aber eine deutlich«, stetige Auswärtsentwicklung in den einzelnen Darbietur»- gen und in den Programmen festgestellt werden. Auf dem Gebiet der musikalischen Sendungen war diese Entwicklung selbstverständlich, da die immer besser« Beherrschung des technischen Sende- apparatcs naturgemäß zur V e r b e s j e r u n g der Klangqualität der Ruichsunkmusik und aus dieser Grundlage auch zu chrem inhalt- lichen Ausbau führen mußte Daneben aber konnte gerühmt werden, daß die Programme der Unterhaltungsmusik gehaltvoller und abwechslungsreicher geworden waren. Besonders aber konnte damals— vor einem Jahre— die wertvolle Arbeit der„L i t e r a r i- s ch e n Abteilung" anerkannt werden. In dieser Sendcabteilung wurde manches Mal«xperimen- tiert, nicht immer mit Erfolg, aber immer sinn- voll. Es sei auch heute noch einmal aus eins der besten Hörbilder dieser Literarischen Abteilung hingewiesen, auf den seiner künstlerischen Beden- tung wie seiner durchaus volkstümlich«» Gestal- tung nach hochwertigen Querschnitt aus Zolas „G e r m i n a l". um den Rundsunkteilnehmern diese zur Zeit„aus der Mode" gekommenen Dar- bictungen in die Erinnerung zurückzurus«n. Bon der Deutschen Welle hieß es:„Das Lehr- spiel d«r Deutschen Welle hat sich viele Freunde erworben, besonders in den Darbietungen in der „Stunde des Arbeiters", der für den Berliner Hörsrkreis einzigen wirklich aktuellen Beranstal- lung der Deutschen Welle." Wie verbunden die Berliner Hörer vor einem Jahre sich„ihrem" Rundfunk fühlten, bewiesen übrigens die Zuschriften, die unser Neujahrsartikel damals auslöst«, und die, obzwar sie damals noch aus einzelne Mängel im Rundfunkprogramm unz vor allem in seinem zeitlichen Aufbau hinwiesen, durchaus positiv zu den einzelnen Sendereihen eingestellt waren und ihnen manches gewichtige Lob spendeten. Die erste Hälfte von 1932 ließ an die Fortentwicklung des Rundfunks zum Volksfunk glauben. Es ging langsam, zu longsam stellen- weise: aber es ging doch vorwärts, aufwärts in jene echte Getftigkeit, die die Atmosphäre alles Lebens ist Diskussionen mit jugendlichen und erwachsenen Hörern stellten Tagessragen vor das Mikrophon, die gehaltvolle„Z« i t u n g s- s ch a u" zeigte wichtige politische Ereignisse im Spiegel der Presse, die„Zeitungsberichte" von Aktualis hielten solche Ereignisse in Hör- bildern fest. Unzulänglich blieben die Sonntags- Programm«, unzulänglich blieben die Frauen- st u n d e n in ihrer überwiegenden Mehrzahl, un- zulänglich blieb vieles in deni noch immer allzu zeitfernen Unterhaltungsprogramm. Doch hätte die Bilanz nach diesen ersten Monaten des Jahres unverkennbar mit einem nicht unerfreulichen Ge- winn abgeschlossen Dann brach die Freiherrenregierung herein und ihr Rundfunksystem, verkörpert in Erich Scholz und den ihm entsprechenden Rundsunkbeamten. Aus der Gewinnrechnung wurde im Handumdrehen ein Bankrott von nicht zu überbietender Vollständigkeit. Rund- sunkprogramme und-gesinnungen erwiesen sich zum großen Teil noch zerbrechlicher als Porzellan- Namen und Darbietungen, die dem deutschen Rundfunk zu Anerkennung und Beliebtheit ver- halfen hatten, verschwanden vor den Mikro- phonen. Neben den offiziell zugelassenen Werbe- vortrügen für die Hitler-Partei standen Ergüsse von Geistesheroen wie Dr. Th, S ch e f f l e r, dem Leiter der„Heimatschule in Bad Berka", und S ch u l g e- Naumburg, Auch den berühmten ostpreußischen Nazigauleiter Koch konnten wir hören. Und Freiherren im Ueberfluß, jeden Tag einen anderen die ganze Woche hindurch und manchmal auch zwei an einem Tage. Die Unter- Haltungsmusik wurde für den M i l i t ä r m a r s ch enldeckt, den man um den zarteren Gefühlen des Plebs entgegenzukommen, dann und wann zwischen Schmachtfetzen servierte Noch nie seit Jahren war die Summe der deutschen Rundsunk- Unterhaltungsmusik so minderwertig wie heute Uebersieht man das alles, io kann man nur ieststellen, daß es unmöglich ist, heute, nach diesen Freiherrenmonaten, eine Bilanz des Rundfunkjahres zu ziehen. Vor uns liegt ein großer Scherbenberg mit einzelnen heil geblielenen Resten, Sie müßten vor allem durch gründliche Auskehr von dem Schutt frsreit werden, um wieder meßbare Werte darzustellen. Daß es solche Werte noch gibt, mindestens in den Program- men einiger Sender, muß der Hörer erkennen: er muß auch erkennen, daß Neuaufbau, wenn er auch schwerer ist als Einreißen, verhältnismäßig rasch möglich wäre. Das heißt: er muß er- kennen, daß der Freiherreniunk bei einiger kräi- tiger, zielbewußter Arbeit bald wieder„sein", des Hörers Rundfunk sein kann— und er muß da- nach handeln! Tee £düaci BecMieius Beisebz'Xuq. Die Beisetzung der Asche des verstorbenen Genossen Eduard Bernstein findet am Freitag, dem 6. Januar, nachmittags 4 Uhr, auf dem Städtischen Friedhof, Schöneberg, Maxstraße, statt. Die Gedenkrede hält Gen. Otto Wels, MdR. Die Partei wird cVm alten Kampfgenossen ein großes Trauergeleit geben.— Alle Kreise und Abteilungen nehmen mit ihren Bannern und Fahnen daran teil. Der Aufmorschplan wird noch bekanntgegeben. Nie Eisenbahn rollt Rein spaniscbcr Arnarchistenstreik Madrid, 2 Januar. Die Cisenbahnerstreik, den am l. Januar die Anarchisten in ganz Spanien entfesseln wollten. scheint vollkommen gescheitert zu sein. Aus allen Eisenbahnlienten herrscht regelmäßiger Betrieb und nur wenige Arbeitseinstellungen sind zu ver- zeichnen Nur in Saragossa ist es zu einigen Störungen gekommen. Mehrere Personen wurden festgenommen. poMreik in Irland? Weffen Kürzung der Gehälter Dublin. 2. Januar. Die irische Regierung ist nunmehr infolge der geplanten Kürzung der Beamtengehäiler von einem Streik der Postbeamten bedroht. Am Sonnabend sprach noch einmal eine Abordnung der irischen Arbeiterpartei bei de V a l e r a vor und erklärte, auch die als Zugeständnis vorge- schlagene Verringerung der Kürzung um 59 Proz. für unannehmbar. De Valera lehnte jedoch ihre Forderungen nach zweistündigen Besprechungen ab. Für Dienstag ist eine Versammlung der irischen Postbeamtengewerkschaft einberufen war- den, um eine Entscheidung über die Stellungnahme zur Regierung zu treffen. Kündigungsschutz In der Tschechoslowakei Prag, 2. Januar. Das Justizministerium hat, um in der heutigen Krisenzeit die Privatangestellten einiger- maßen zu schützen, zwei Gesetzesvorlagen ausge- arbeitet, die den Zweck verfolgen, die Kündigungs- frist zu verlängern. Für Angestellte höherer Kategorien soll eine mindestens sechswöchige Kündigungsfrist eingeführt werden, die sich nach einem dreijährigen Dienstverhältnis in eine drei- monatige umwandeln soll und für jede weiteren drei Jahre um einen Monat verlängert würde. Für alle übrigen Angestellten soll eine mindestens l-ttägige Kündigungsfrist eingeführt werden, die sich nach drei Jahren auf eine dreiwöchige erhöht und für jede weiteren drei Jahre um eine Woche verlängert werden soll. Präsident ZNasaryks Befinden hat sich soweit gebessert, daß er viel außer Bett ist. Die Reujahrsempsänge entfielen. Di« Glückwünsche wurden schrifllich übermittelt. Wetter für Berlin: Ziemlich trübe, ohne erheb- »che Niederschläge, Temperaturen um Null Grad. mäßige südliche Winde.— Für Deutschland: Im Nordwesten etwas Regen, sonst wenig Acnderung. Vccaniwortlich kür Politik: Rudols? r e n d e m ü h l; Wirsschasl: G, Klingelböier: Eewcrkichaiisbe- iregiing: I: Sleinei: iZeuilleton: Herberi Le- p S r e: Lokales und Sonstiqes: Friy Karstadt; Anzeigen: L l t o Hengst: sämililb in Verlin Per- lag: Porwärls-Perlag G m b H Verlin, Druck: Borwärts-Vuchdruckerei u, Verlagsanslali Paul Singer u. Co,, Verlin SD,«8. Lindenstr 3' Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise werden in jeder Morgen-Ausgabe des„Vorwärts" verössenilicht. Hierzu 1 Beilage. 3)ie cr/len des Jahres Kinder, die in der letzten Neujahrsnacht in der Berliner Charit« das Licht der Welt erblickten. T�satel', Lichtspiele usw. fl&ats Theater Momag. den 2. Januar staatsoper Unter den Linden 20 Uht Der Troubadour staatliches Schauspielhaus 20 Uhr 100 000 Thaler VOLKSBÜHNE Theater am BQlewptatx Täglich s Uhr D 1 Norden 6536 Oliver Gromwells Sendung v. Walier Gilbricht Regie Heinz Hilper mit Eugen Klopfer KShi SdilB. DM. 1I1.S",«15. t, i. H" 1) E 7 Weidisii 4031 Mme. Pompadour Kose- 1 neaiei Gnlt Fmklartr Slrale' 32 Tel.««idud E7 342/ k.IS-hr Böhmische Musikanten 5 c h ///er Bismarckstr.(Kaie; ileinpl.(CD öll." Aontae u Dienst. geschlossen vtiuwoch 8 Uhr U rauffUhr uno üe manner sind mal sc Musik: Walter Kollo iön land. Heide mann, Car sen. Lmd, Schur. Ackermann tlnr Ii. tlora 3434. Mumen erl. 20 uiienerinnen konzertieren Kurl Fun, 4 Winclalrs. Gaston Palmer nudoi! Mälzer Walhrair-Trio usw CASINO-THEATER Lothringer Strafe 37 8�4 iiiiiniiiiMMiminiiiiMiMiMMiniiiii SiadLOper Chanotienhur Fraunhofer 0231 Montag, 2. Januar Volksvorsteltung 20 Uhr Martha P ahl. Zador, Ludwig, Baumann, Hechner Dirigent: Ladwig AnfMi Sonntag:*» auch 4 tThr Nur noch wenige AuftUhrungen Alles um Lotti Posse mit Gesangund Tanz Gutschein 1— ♦ Personen Parkett nur 0.50. Fauieuil 0.75. Sessel*1,25 Stettiner Sänger > Relchshalleu-Th., Dünhofipl 8.15, Sonntags 3 30 zu ermäßigten Preisen Das groBe Januarprogramm: .DielieWiDen Chariotlensir. 93 Dönhoff 625 Leute 3 Vorstell inigen 8V« Uh» Zu wahr um schön zu sein Komödie von Shaw mir Alexander Moissi Ab 5 Januar läglich Auslandsreise mit Felix Bressart Deutsches Künstler-Th Nflmberger Str. Tel Bavaria 6466 Täglich 8l/a Uhr: Laopoldine Konstantin m Die Nachi zum 17. April Schroth,SteinbecK Gebühr, Brionne Wolle, Picha Täglich k>-4 Uhr ADiomateoliöfett Komöiia voa A. Gmtynci Ki'ber. Htilimer, Gnn. TimHrtbih*. OJinar. Deutsches Theater Schumannstr. I3a -Veidend. S2UI Täglich 8 Uhr Hans Moser in Essig und Oel v.Geyer u. Frank Musik; Roiert Rat.dür Inszenierung O L Piemin er Etlinger.Stepanek Terwin. Eilers Woiwode. Siaud Szurovy Ii äglich 8**4 Uhr ®Io| Hansen lOOMeterOiück Dp-'rtftMon SpoliagU: ml« Erika von Theiimann B« B. B. dendows Bunte Bfihn Kot'.busser Strafle v Oberbaom 3500 ntglich»'s Uhr Stgs nachm 4 U *0ve�Serkoirf tn Preise K (flqddoi� �&tnis*uHia£. BETRIEB KEMPINSKI*: LinoSeum uernauie Tapete» caiHat. Kolonie. strafte 9 Kochherde lcder Art u Grüfte Zliesenausroatil Teilaahluiig Irans. portable Kachelöfen Sadfroannen, Offen. iiesselöken Die alle ilirma Semmter und Btenberg Dresdenerstrafte W Iannowift F 7 BöSl ItUHHI Patcntraalcancn „•Cnniilfimo" Auf» legematraften Me- tallbetten Chaise- tongues. Balter, Stargarder Strafte achtzehn, Spezial- geschält.• Glei'rr, Sierandervlaft. Böbiltalaloa Sic. 33 araria Kieidungssiachs. uiascne usw. Kamgesucnel tzahngedifie, PlatinadsäUe, Quecksilber tzinn- Metalle Silber» ! schmelze.Soldlchmel» und zerei Christionat, '' 30» Kaien tstr Zimmerei_____............... Maurer Wilhelm jtöpenrckerstrafte Vahr Srunnen-tlKaltestelle Wpe- strafte 78. nickelbrücke).• �Aott v, Hat�änyU Eine feundetiiefie Diese Getdüchte hat mir ein Unbekannter erzählt und mich ma(ilos damit geärgert. Nun erzähle ich sie euch, damit es euch ebenso ergehe wie mir. Ein Amerikaner, eben in Paris dem Zuge ctiu stiegen, fiifjlt, wie ihm jemand im Gedränge etwas in die Tasche steckt. Er dreht sich hastig um und erblickt noch die sich entfernende Personi es war eine Dame in tiefer Trauer. Der lange Trauer- schleier bedeckt ihr Gesicht vollständig. Er sieht sie nur einen Moment lang und schon ist sie in der Menge verschwunden Der amerikanische jherr sieht-, überrascht nach, was diese fremde Dame in seine Tasche gesteckt hat: einen klonen Zettel. Aus dem Zettel stehen ein paar schnell hingeworfene sranzösische Worte. Er kann aber kein Wort Französisch, so schiebt er den Zettel in die Tasche zurück. Im Hotel angelangt, will er auspacken, als ihm wieder der Zettel einsällt. Er läutet dem Stuben- mädchen, sie kommt, er übergibt ihr den Zettel. damit sie ihn übersetze, Als das Stubenmädchen den Zettel gelesen, gc- schiebt etwas Seltsames. Sie erbleicht, wirst den Zettel aus den Tisch und läusi hinaus. Der Ame- rikansr läutet, das Stubenmädchen kommt nicht wieder. Dagegen läutet nach ein paar Minuten das Zimmertelephon Die Direktion teilt zu chrem größten Bedauern mit, daß sie das Zimmer dem Amerikaner nicht belassen könne, sie fordert ihn höflichst aus. sich in ein anderes Hotel zu bemühen. Der Amerikaner stürmt zum Lzoteldirektor, um ihn zur Rede zu stellen Der Direktor wehrt sich (peier Pong* J)e't dboppeCmenAeik Bruno und Willibald Sch. sind.zwei junge Männer, die man mit Recht die glücklichsten Men- scheu nicht nur der Reichshaüptstadt, fondern auch ganz Deuljclstands nennen kann. Diese zwei zungen Männer haben nämlich erfunden, wie man während der großen Wirtschaftskrise sehr billig, praktisch, bequem und zufrieden leben kann. Es handelt sich um zwei Brüder, die Zwillinge sind. Der 26 Jahre alte Bruno Sch, ist der eine. der 26jä!>r>.ge Willibald Sch. der andere. An demselben Tag, in derselben Stunde haben beide das Licht der Weit erblickt, Sie sind sich so gleich, wie ein Ei dem anderen. Wie die meisten Zwil- lingsbrüder sind sie egal geklekdet, tragen dieselbe Fristir und haben die gleiche Stimme. Sogar Schuhnummer und Aragennummer haben sie die gleiche. Beide studierten aus der Technischen Hochchlle. und als sie mit chren Studien ferrig waren. mußten sie sür chren Lebensunterhall selbst sorgen. Einmal lasen sie in einer Zeitung eine kleine Annonce:„Tüchtiger technischer Zeichner wird gesucht. Schriftliche Angebote mit Photographie an die Adresse usw." Beide Brüder wollten sich um die Stelle be- werben. Aber sie besaßen keine Photographie. Sie gingen daher zum Schnellphotographen. Der Pholograph betrachtete erstaunt die beiden Männer und sagte: „Sie brauchen keine zwei Ausnahmen. Es genügt, wenn einer von Ihnen sich photographieren läßt." Als sie den Photographen verlassen hatten, sagte Willibald zu Bruno: „Du, das war eine gute Idee vom Photographen. Das Leben ist heute schwer. Wir lebten bisher wie zwei Personen, Wir werden künftighin eine Person spielen." Sie wohnten bislang in einem zwcibcttigen Zimmer und zahlten monatlich 66 Mark. Nun kündigten sie schnell die Wohnung und mieteten ein Zimmer mit einem Bett sür 3V Mark, Einzeln kamen sie und gingen sie stets aus dem Haufe. Die Wirtin ahnte nicht einmal, daß sie in dem vermieteten Zimmer zwei Personen wohnten. Während der eine schlies, saß der andere im Tafehaus, wo es schön warm war und man stundenlang Zeitung lesen konnte. Willibald be- stellte eine Tasse Kaffee Er trank nur die Hälfte. Die andere halbe Tasse blieb für Bruno, der später kam. Der Kellner merkte nicht einmal, daß sichtlich ausgeregt. Es täte ihm aufrichtig leid, aber der Herr müsse sich entsernen, nähere Ausklärungen könne er zu seinem größten Bedauern nicht geben. Das Gepäck wird bereits heruntergebcachl. Da hilft keine Erdenmacht der Amerikaner muß gehen. Nun gut, er geht in ein anderes Hotel. Dort ist er schon vorsichtiger uiid zeigt den Zettel nicht dem Personal. Begreiflicherweise ist er aber furchtbar neugierig. Nachdem er ausgepackl, gebadet und sich umgekleidet hat, geht er in ein kleines Gasthaus speisen. Beim Zahlen nimmt er den Zettel hervor und bittet den Oberkellner, der Englisch kann, den Zettel zu übersetzen. Der Oberkellner übernimmt den Zetrel und liest ihn. Er errötet jedoch jäh und kommt in peinliche Verlegenheit. „Verzeihen Sie, mein Herr, ich bin Familien- vater und spiele mit meiner Stellung." Und schon eilt er an den nächsten Tisch. Das Erstaunen des Amerikaners wächst von Minute zu Minute, Er verläßt das Gasthaus und hält auf der Straße den ersten Menschen, den er trifft, an. Der kann aber nicht Englisch. Was soll er machen? Es fällt ihm ein, daß er im Stationsgebäude einen Mann gesehen hat, der ein Band aus dem Aermel mit der Aufschrist „Dolmetsch" trug. Er nimmt sich eine Krast- droschke, fährt auf den Bahnhof, sucht den Dolmetsch, übergiebt ihm den Zettel:„Goddam. erklären Sie mir. was auf dem Zettel steht!" Der Dolmetsch liest und sängt an zu lochen. Er lacht, daß chm die Tränen herunterlausen. Er sie geschickt wechsellen und daß Bruno den Kaffee bezahlte, den Willibald bestellt hatte. Willibald bekam die Stellung als technischer Zeichner. „Das ist keine leichte Arbeit", erklärte der Chei, „Sie müssen zehn Stunden arbeiten!" Willibald lochte nur und trat seine Stellung an, Der Burochei wunderte sich. Er konnte nicht begreifen, daß man nach zehn Stunden Arbeit noch so frisch sein konnte. Er hall« natürlich keine Ahnung davon, daß während der Mittagspause ein Tausch geschah und eine frische, gut ausgeruhte Arbeitskraft die Arbell wieder ausnahm. Eines Morgens bekommt Pillepuck einen Briej. „Sehr geehrter Herr! Sie wissen genau, daß ich an Migräne leide. Warum stellen Sie Ihren Lautsprecher ausgerechnet in den Raum unter meinem Schlaf- zimmer? Frau G o l e» k o p f, Witwe." So erfuhr Pillepuck, daß Frau Golentopf die Migräne hat. Am nächsten Tag lief bei Pillepuck ein zweiter Brief ein, „Sehr geehrter Herr! Ich habe ein« dringende Arbeit, Karama- himuru Kajamilimarah, Maharadscha aus Indien, ,ab mir den Auftrag, für ihn schnell eine Nationachnmne zu komponieren. Ich brauche Ruhe. Warum stellen Sie Ihren schauderhast knatternden und brüllenden Lautsprecher-Apparal in den Raum neben meinem Arbeitszimmer? Hochachtungsvoll Antonio F o r t i s s i»' o, Koinponisl, Einige Stunden später klingelte bei Pillepiut das Telephon. „Hallo, hier August Quenzel, Legationsrat, Ich wollte Sie schon heute früh anrufen und Ihnen sagen, Sie möchten doch Ihren Lautsprecher nach elf Uhr abends abstellen. Meine Zwillinge. muß sich vor Lachen an eine Wand stützet, gibt den Zettel zurück und läuft schließlich, vor Lochen soft erstickend, davon Der Amerikaner ist zum Bersten neugierig. Er wirft sich wieder in ein Auto und fährt direkt aus die Polizei Dort fragt er den Torwart, a» wen er sich zu wenden habe. Der Posten spricht mit Rücksicht auf den Fremdenverkehr englisch. „Bitte sich nur in das Zimmer Nr. l? im ersten Stock zu bemühen, dort wird man Ihnen mit- teilen, was der Zettel enthält." Der Amerikaner geht in den ersten Stock hinauf, sucht das Zimmer Nr. 17 und geht hinein. Dort findet er einen Polizeibeamten. Er stellt sich vor. „Sprechen Sie englisch, mein Herr?" „Jawohl, mein Herr. Womit kann ich Ihnen dienen?" Der Amerikaner erzählt die wunderliche Be- gebenheit mit dem Zettel „Zeigen Sie mir doch bitte diesen merkwürdigen Zettel", sagt der Polizeibcamte interessiert, Der Amerikaner greift in die Tasche, Der Zettel ist weg. Cr sucht in allen Taschen, er ist nirgends. Er hat den Zettel verloren. Er läust auf den Gang hinaus, um zu schauen, ob er dort irgendwo den Zellcl ausgestreut hat Der Polizeibeamte war ebenfalls sehr neugierig geworden. Und alz der Amerikaner lange nicht zurückkam, sah der Beamte auf den Gang hinaus, der Fremde war nicht mehr dort, er kam auch niemals wieder tEiwtg autorisiert« Uebersetzung»on Oeorgi Hartwigs Bruno meldete einmal begeistert seinem Bruder: „Du Willibald, dein Chef ist so zufrieden mit dir, daß er mir heute das Monatsgehalt um 166 Mark erhöht hat!" So leben die beiden Brüder bequem und billig. Sie nutzen alle Möglichkeiten aus. Während aridere Leute sich ärgern, daß die Berkehrmittel sehr teuer sind, iahren Bruno und Willibald mit derselben Monatstarte. Unannehmlichkeiten kommen mir selten im Leben dieses glücklichen Men- jchenpaares vor. Nur einmal machte eine schöne blonde Berlinerin Bruno Vorwürfe. „Du! Ich bin sehr bös« auf dich!" „Warum?" „Well du mir den versprochene» Fuhlenpeiz nicht gekauft hast." „Liebes Fräulein", verteidigte sich Bruno,„Sie verwechseln mich mit meinem Bruder Willibald!" Aber das glaubte das Fräulein nicht,,, die gestern geboren wurden, sehen enttäuscht, daß nran in der neuen Well nächtens nicht ruhig schlafen kann." Am nächsten Tag erschien um 7 Uhr morgens ein Herr bei Pillepuck. „Verzeihen Sie, daß ich so srich störe, Sie haben hier einen Lautsprecher, ohne bislang Radiogebühr bezahlt zu haben. Wollen Sie mir bitte den Apparat zeigen?" Der Fremde schaute im Zimmer forschend umher. Pillepuck musterte den Fremden. Der Fremde Pillepuck. „Ich habe keinen Apparat", erwiderte Pillepuck nach kurzem Zögern, „Das sagt jeder Schwarzhörer! Wo haben Sie Ihren Apparat?" „Erlauben Sie, ich bin kein Schwarzhörer, ich bin weiß wie gefallener Schnee!" Der Fremde sah Pillepuck bedenklich an „Ja, ja", sagte er bestimmt,„zeigen Sie mir, wieviel Röhren hat Ihr Auslondsempsänger?" Pillepuck zitterte vor Ausrcgung „Jetzt habe ich aber genug", schlug er«mpörl aus den Tisch,„bitte, machen Sie die Tür von draußen zu!" Drei Wochen später Gerichtsverhandlung. Staatsanwalt, Rechtsanwalt, Richter, Frau Golen- WWI�G. 2. JAN. 1933 topf, Herr Antonio Fortlssimo und August Quenzel als Zeugen. „Das Gericht muß endlich energisch eingreisen", donnerte der Staatsanwalt,.damit künftighin der- artige Schwarzhörer— diese gemeinen Diebe der drahtlosen Kultur— Staat und Stadt nicht weiter schädigen könne»! Ich beantrage: Zwei Tage Gefängnis und 366 Mark Geldstrafe!" Urteil: Fünf Tage Gefängnis und 366 Mark Geldstrafe. Begründung: Die Zeugen erklärten einstlnrmig. daß der Angeklagte unter anderem bislang die folgenden nächtlichen Auslandsnummern emp- fangen: „Niagara-Wasserfall aus Amerika." „Das Blöken einer riesigen australischen Schaf- Herde." „Lokalausnahm« aus einem Dampfsägewerk Sibiriens." „Tobender Samum der Sahara," Schäumend vor Wut geht Pillepuck in ein Büro und bestellt für die kommende Nacht einen Privat- detektio in seine Wohnung. „Ich bin unschuldig verdächtigt einen Radio- apparat zu haben", sagte Pillepuck zu chm,„ich besitze aber keinen Bitte bleiben Sie hier m meiner Wohnung die ganze Nacht und überzeugen Sie sich, ich zahle Ihnen fünfzig Mark Belohnung. wenn Sie hier einen Lautsprecher entdecken. Sie dürfen die ganze Wohnung durchsuchen." Morgens um 8 Uhr erwacht Pillepuck, Der Privatdetektiv sitzt neben dem Bett Pillepucks und meldet ihm kopfschüttelnd: „Mein Herr, Sie schnarchen wirklich furchtbar laut!" Sinßxccfter spieCen �iim New Park hat jetzt eine kriminalistische Sen- sation, über die jeder lacht. Verwegenen Ein- brechern gelang es. am hellichten Tage Schmuck für 36 666 Dollar zu rauben und dann unter dem begeisterten Applaus von Hunderten von Menschen und einer großen Macht Polizisten das Weite zu suchen, Eines Tages erschienen in der Wohnung der Börsianerwitwe Mrs Lilly Workley zwei elegant gekleidete Herren. Da sie ein Enipfehlungsschrei- den von einem guten Freund der Witwe vor- zeigten, wurden sie anstandslos vorgelassen. Als sie der Witwe gegenüberstanden, zogen sie plötzlich ihre Revolver und zwangen Mrs Lilly, die eiserne Kasse zu össnen, Die ungebetenen Gaste begannen in aller Ruhe die eiserne Kaste zu leeren, als plätzlich im anderen Zinimer das Hausmädchen, das die Einbrecher mit den Revolvern gesehen hatte, ans Fenster lief und laut um Hilfe rief. Dann raste das Mädchen aus dem Zimmer in den Korridor und versuchte, die Hausl ewohner zu alarmieren. Währenddessen arbeiteten die Einbrecher ruhig weiter und ließen sich durch das Intermezzo nicht stören. Unten vor dem Tor stand ein Auto. Um das Auto herum eine Meng« Leute. Die Umstehen- den hörten zwar die Hilferufe, sahen auch, daß oben im ersten Stock am Fenster eine Frau ver- zweifelt mit einem Manne ringt, machten aber kein« Anstalten, zu Helsen. Ganz im Gegenteil. Es wurden Rufe laut:„Ausgezeichnet! Verflucht nochmal. als ob es Wirklichkeit wäre!" Plötzlich verschwand der Mann vom Fenster und eine Mimrte später erschienen zwei Männer mit zwei Aktentaschen in der Hand aus der Straße. Den beiden folgte die Frau und machte Anstalte», sich auf die beiden Männer zu stürzen, Das Publikum applaudierte begeistert. Zwischen der Frau, dem Hausmädchen und den beiden Männern eiüstand ein Handgemenge. Nach einer Welle packten die Männer energisch zu, schoben die Frau in das bereitstehende Auto, stiegen selbst ein und fuhren davon. Inzwischen stand aus der anderen Seite der Straße ein Filmoperateur mit seinem Ausnahme- apparat und kurbelte unaufhörlich. Als sich das Auto mit den Vieren in Bewegung setzte, bestieg der Operateur mit nach zwei Mann ein anderes ?luto und folgte. Einige Stunden später kam die Ileberrojchung, Das erste Auto, das in der Richtung Grand- Zentralstation fuhr, setzte in einer ruhigen Neben- gasse die zwei Frauen auf die Straß« und— sauste davon. Di« zwei meldeten den Vorfall und alles kam ans Tageslicht. Die Filmaufnahme war gar keine Filmauf- »ahme, sondern tatsächlich ein Banditenstreich. Die beiden Schauspjeler waren keine Schauspieler, sondern Banditen und die zwei Frauen die lieber- follenen. Der Einsall, eine Filmszene der Wirk- lichkeit zu spielen, brachte den Einbrechern mühe- und gefahrlos«ine Beute von 36 666 Dollar. ——d, CtCexander Hu&i}: J}et Sefttcatfftihe* Was Recht ist muß Recht bleiben! Es gehört eine ganze Partion sportlicher Begeisterung dazu, am Neujahrstage vormittags um 10 Uhr ein Fuß- ballsplel auszutragen. Dieses Kunststück haben die Mannschaften fertiggebracht, die gestern unter der Firmierung„B o r w ä r t s" g e g e n„K l ck e r s" auf dem Normannenplatz in Lichtenberg spielten. Um es vormeg zu sagen: die aus Angehörigen des„Vorwärts"-Betriebes erst vor wenigen Tagen zusammengestellte Mannschaft sollte einen Tag Urlaub wegen tapferen Verhaltens vor dem Feinde bekommen! Sie schlug sich mit einer Bra- vour, daß ein 1 i 0-Resullat gegen den Aujzballverein Kickers herauskam. Wenn man bedenkt, daß fast olle „Borwärts",Leute schon diverse Jahre zu den alten Herren des Fußballsportes gehören, daß beispielsweise der Spieler, der jetzt sein Vergnügen beim Blllardspielcn findet, sich mit nur einer Kugel begnügen mußte, daß der„Skatspieler" direkt«in Aß i» seiner Mannschaft war und der „Sänger" den Ball wie nach Noten gegen die Pfosten schoß— nun, dann nährt man gern die Hoffnung, diese„Borwärts"-Mannschaft„och öfter und ständig gegen Arbeiterfußballvereine spielen zu sehen. An guten Ratgebern wird es ihr be- stimmt nicht fehlen; die bevölkerten gestern in dichten Scharen die Zuschauer„tribiinen" und sparten gewiß nicht mit ermunternden Zurufen. Die besten Spieler stehen aber bekanntlich Immer hinter dem Zaun, und ihr Sportverständms steht im gleichen Verhältnis zur Beharrlichkeit, mit der das Eintrittsgeld genassauert wird. Im allgemeinen geht man auf die Eisbahn, um Schlittschuh zu lausen. Unsere Spieler gestern benutzten aber den nach Regen und Frost zur schönsten Eisbahn gewordenen Platz als Fußball- spielfeld. Hätten die Spieler zur Fortbewegung des Balles Schläger benutzt und wäre der Ball eine Scheibe gewesen, nun so hätte man getrost Eishockey spielen können. Geschlittert wurde auch ohne Schlittschuhe genug. Selbst die Tasse heißen Kaffees, die sich der„Skatspieler" Mikosch von seinem Manager auf den Platz bringen ließ, konnte die Eisdecke nicht schmelzen, aber Mikosch erreichte dadurch eine Spielstärke, die Kickers den Verlust des Spieles kostete. Gespielt wurde den Verhältnissen entsprechend sehr gu«. Die.,Borwärts"»Leuie waren mit einem Eifer bei der Sache, als gelte es, sünf Minuten vor Redak- Sport in Kürze Wintersport?— Es steht schlecht! Die deutschen Winters portler haben nichts zu lachen. Nachdem schon die zu Weihnachten an- gesetzten Veranstaltungen zum weitaus größten Teil unterbleiben mußten, hat der mangelnde Schnee nun auch eine Absage der für Neujahr vorgesehenen Prüfungen notwendig gemacht. Weder in Thüringen noch im Erzgebirge oder im Harz, zum größten Teil auch in Oberbayern können die angekündigten Wettbewerb« nicht statt- sinden. So mußten u. o. Iohanngeorgenitadt. Neustadt/Schw., Oberwiesenthal, Altenberg, Bay- risch-Zell, Waltersdorf. Clausthal absagen. Fest steht nur das verband:off«ne Springen und der Slalom auf der Hochalmschanze, durchgeführt von oen Skiklubs Garmisch-Partenkirchen. Skispringen In Arosa. Ausgezeichnete Leistun- gen bekam man bei dem traditionellen Silvester- Skispringen aus der verbesserten Plessurschanze in Arosa zu sehen, an dem sich die besten Schwei- zer Springer betelligten. Der St. Moritzer Ee- sare Ehiogna tonnte zwar im dritten Gang mit einem Sprung von 61 Meter Weite den be- stehenden Schanzenrekord erreichen, in der Ge- samtwertung mußte er sich jedoch mit dem zweiten Platz hinter dem Schweizer Meistersprin- ger Fritz Kaufmann- Grindelwald begnügen. der mit prachtvollen Sprüngen von 54, 58 und 60 Meter aufwartete. Im Training war Kauf- mann sogar auf 62 Meter gekommen. Kanada gegen Riessersee Z: 1. Auf der Kunst- cisbahn im M ü n ch e n e r Glaspzlast spielten die Eishockey Edmonton Superiors gegen die erste Garnitur des Sportklubs Riessersee. Vor 2000 Zuschauern lieferten die Bayern eine- ihrer besten Spiele und gaben sich nur mit 3:1<1:0, 1:1, 1; 0) geschlagen. Nach dem von Walter erzielten Führertreffer gab es im zweiten Abschnitt ein gleichwertiges Spiel, bei dem die Kanadier durch Croßland zunächst 2:0 in Front zogen, eh« durch Scheubleln der längst füllige Segentresser zustande kam. Im abschließenden Drittel stellten die Ed- montons durch Montgomery da» Ergebnis aus Z: 1. tionsschluß noch einen Leitarlikel zu setzen. Die Leute von„Volk und Zeit" und vom„Volks- funk" vervollständigten die Mannschast auf» beste; sie rasselten das Spiel in einem Tempo herunter. das man nur noch bei den Kupfertiefdruck- Maschinen in der Lindenstroße findet. Di« in der .�Vorwärts"-Kantine allmittaglich ausgearbeitete Spieltaktik hat zum Siege unserer Mannschaft ge- führt, so daß der Fuhballberichterstatter und der Sportredakteur des„Vorwärts" es nicht bereut haben, ihre Tätigkeit im neuen Jahr als Schieds- richter und Berichterstatter bei diesem Spiel begonnen zu haben. Bei den Zuschauern sah man manchen vom Beifallklatschen zerplatzten H f a hatte sich Volkssport Neukölln mit zwei Mannschaften verpflichtet. Der tags zuvor völlig aufgeweichte Platz glich nach dem Frost mehr einer Eisbahn und stellte an die Körperbeherrschung der Spieler hohe Ansprüche. Die zweiten Mannschaften trennten sich 5:1 (3: 0) für Hansa. Im Spiel der ersten Mann- schaften zeigt e» sich, daß die Neuköllner sportlich vielseitiger durchgebildet sind und deshalb seltener mit dem Boden Bekanntschaft machten als die Hanseaten. Nachdem beide Tore mehrfach in Ge- sohr waren, gelang Hansa zwar der Führungs- treffer, aber Volkssport konnte nach geschicktem Durchbruch ausgleichen. Hansas Torwächter war für den Boden zu schwer und gegen die placierten Schüsse des Neuköllner Sturmes machtlos. Beim Halbzeitstand von 3: 1 zeigte Hansa vorübergehend einige gut» Minuten. Vorher schlugen Hansas Schüler die von Alemannia 4:0(2:0). Die Leistungen der Kleinen waren mustergültig und stellten die der Männermannschaften in den Schatten. Schwarzes Brett Be-irkskartcll«tcujbcifl. Donnerstag. 5. Januar. 30 Ufit, Sitzung, Jugendheim Porckstr. 11. Alle Vereine miiNe» vertreten fein, da über die Februar-Matinee beschlossen wird. Nartellbezirt Schöncberg-Zriebcnau. Dienstag. 3. Januar, 20 Uhr, bei Schmidt, Eberaftr. 18, Kartellsstzung. Die Techniker der Abteilungen haben mit zu erscheinen. Sportverein Moabit. Jahresversammlung der Turner Dienstag, 3. Januar, 21'-: Uhr, bei Niederstraß, Emdener Elte Waldenlerstraße. Wasserfahrer: Mittwoch, 4. Januar, 20 Uhr, im Laubfrosch, Slromstr. 00. Touristenvcrci»„Die Naturfreunde". Dienstag, 3. Januar. Wedding: Willdenowstr. ö lZimmer 4): China— Humboldthain: Willdenowstr. 5: China.— Norden: Sonnenburzer Str. 20.— Friedrichshain: Frank» furter Allee 307: Heiterer Schallplattenabend. Osten: Ebertnstr. 12: Generalversammlung.— Friedenau: Offen» dacher Str. 3»: Heileres Allerlei.— Oberschöneweidc: Laufener Str. Z.— Mittwoch, 4. Januar. Osten, Zugendgruppe: Frankfurter Allee 307.— Donner»- tag. ö. Januar. Photo.Arbeit»zimeinschaft Nowak: Zohannisstr. 15.— Naturkundliche Abteilung: Johannis- straße 15: Iahresiiberstcht.— Rosenthaler Vorstadt: Wein- meisterstr. 10— 17: Tagcssragen.— Tiergarten: Lehrter Straße 18—13 lZimmcr l)— Humboldthain: Pank. Ecke Wiesenstraße: Lingekreis.— Prenzlauer Berg: Danziger Straße 02 lBaraeke II): Der Humorist Mark Twain lssarl Schröder). Lildwest: Porckstr. 11: Lingabcnd.— Arbeits- gemeinschaft Lindenhof: Jugendheim Lindenhof: Musti- abend, Neues auf Eckfallplatten.— Lichtenrade: Lentz, Laifer-Wilhelm-Str. 73.— Neukölln: Bergstr. 29 tNaum I): Brettfpielabeud.— Lichtenberg: Sunterstr. 44: Hallo 1333! — Binetaplatz-Schönhaufer Vorstadt: Rote Schul«, Put- busser Str. 22: Au» der Bewegung. .Aus der Industrie Die Vittoria-Werke A.-G. Nürnberg haben oie alleinigen deutschen Lizenzrechte für einen nach neuen Gesichtspunkten konstruierten Zylindertopf. eine Erfindung des bekannten Konstrukteurs der Wiener Technischen Hochschule. Lackler, übernom- men. Der neue Zylinderkops, der sowohl für seilen- als auch obengesteuerte Motoren— für Wasser- und Luftkühlung— Verwendung sinken kann, ist davurch ausgezeichnet, daß«r eine ganz hervoragende Wärmeableitung durch besonder? Ausbildung der Kühlrippen und des Kompres- sionsraums ermöglicht. Ein mit diesem Zylinder- lops ausgestattetes Motorradmollell der Viktoria- werke A.-G. wird gelegentlich der Berliner Automobilausstellung zum erstsn Mole in der Oessentlichkeit«rscheipen. Volkstümliche Philofophiegeschichte Im Verlag Gustav Kiepenhauer Berlin erscheint zum Preise von 2,85 M. die bekannte Geschichte der Philosophie von Karl Vorländer, eine gekürzte Ausgabe der dreibändigen Original- ausgäbe. Als Einführung in die Geschichte der Philosophie mutz Vorländers Werk auch in ge- türzter Fassung empfohlen werden. Die exakte Wiedergabe der einzelnen philosophischen Systeme sowie die Auswahl der wesentlichsten Literatur zum weiteren Studium zeichnet auch die vor- liegende Ausgabe aus. Nur bei der Behandlung der gegenwärtigen Philosophie wären einige Er- gänzungen durch den Herausgeber erwünscht ge- wesen. 1.?. �1. Der Kapitän vom Bodensee Bin Boman vom Zeppelin In ihrem neuen Buch„Der Kapitän vom Podensee"(S.-Fischer-Berlag, Berlin) hat Alice Berend einen der hettersten, südlichsten Winkel deutscher Erde zum Schauplatz ihrer Handlung gewählt. Festliche Wemberge, die allersciraue Meersburg, die gesättigt«, warme Seeluft des Bodensees, auf den Wellen tanzende Möven, der schneebedeckte Gipfel des Säntis, das Gcwinkel alter Straßen und Gäßchen— das alles atmet dieser Roman in unmittelbarer Frische und Lebendigkeit. Vielleicht wird nur der Süddeutsche den leisen, seinen Sommerdust dieses leichten, heiteren Buches ganz erfühl»», vielleicht wird nur er aus seinem Temperament und seiner Gemütsart heraus resttos oastehen, wie es möglich ist, daß der fröhliche, bodenständige Be- griff des„Seehasen", des Bodenseers, der gemein- samcn Heimat, stärker ist als Standes-, Bttdungs- und Vermögenzunterschlede Aber auch dem Norddeutschen, der Konslikte in anderer, härterer Weise durchzudenken und durchzukämpfen ge- wohnt Ist, bringt der Roman diese» Stückchen Sllddeutschland, diesen klimatisch, wirtschaftlich und kulturell bevorzugten Boden mit seinen Menschen nahe. Das Buch spielt in der Mitte des 19. Jahr- Hunderts, die noch nichts ahnt von dem Ausmaß der Kämpfe und Probleme des Weltkriegs und der Nachkriegszeit. Seine Menschen, die in einer bis zum heutigen Tag nur zu Schiff erreichbaren Kleinstadt leben, sind unproblemattzch, genügsam, klar, bodenständig und gleichzeitig allem Neuen geöffnet, sreiheitlich und demokratisch gesonnen, ohne es zu wissen. Was uns heute als Ausnahme erscheint, daß ein Graf sich sür die Befreiung der Böller einsetzt und sür die Abschaffung der Sklaverei kämpfen will, das ist dort selbstverständ- liche Wirklichkeit. Der junge Gras Zeppelin ist dieser selbstverständliche Revylutionär. der sich von den Kameraden verspotten"läßt, de? unentwegt mtt sich seihst und seiner Lebensarbeit ringt und ahnend Jahrzehnts kommender technijcher(Ent- wicklung vorweg nimmt. Aber auch hier malt da, Buch in gedämpften, verhaltenen Farben, es mildert all« Härten und Kanten, es spaltet die Umwelt de, Revolutionars nicht in zwei ieiad- liche Lager, sondern es findet Brücken und Ueber- gänge. Die gemeinsame Religiosität, der gemein- same katholische Glaube, die gemeinsame Heimat sind solche Brücken zwischen dem Alten und dem Neuen. Mit zartem, graziösen Pinsel hat Alice Berend diese idyllische Well mit ihrem Alllagszouber gemalt, der wie ein schimmernder Schleier sich über ihr ausbreitet und ihr eine unverlierbare Festlichkeit gibt, ohne daß nur einen Augenblick die nüchterne Grundlage de» Wirkliche», des Bor- handenen und Tatsächlichen unter den Füße» verloren wird. Die Handlung des Romans bewegt sich in dem kleinen Rahmen zweier Nachbar- Häuser: Liebe. Jugendsreundschast, Derzicht und zum Schluß ein glückliches Brautpaar, dessen Zu- kunst nur dadurch aus dem Rahmen der Kleinstadt fällt und sensationell ausgeputzt wird, weil e» nach Amerika auswandert. Oux. Rundfunk am Abend Montag, 2. Januar Berlin: 16.15 Rund um die Litfaßsäule (W. Fromholz). 16.30 Orchesterkonzert. 17.30 Der alte und der neue Mensch(0. Gmelin). 17.43 Besudi im Filmatelier(E. Frauzen). 18 05 Lieder. 18.30 Tull als Detektiv(Hörspiel für Kinder). 19.00 Die Funkstunde tedlt mit. 19.05 Stimme zum Tag. 19.15„Trostfibel und Gelächterbuch'(W. Kiaulehn) 19.35 Hermann Kundigraber. 20.00 Aus Wien. Was wollen Sie tanzen? 22.00 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Abendunterhaltunf. 24.00 Wiederholung: Rückblick auf das Jahr 1933 (Sdiallplatten). Königs Wusterhausen; 16.00 Pädagogischer Funk. 17.10 Nützlidie und schädliche Tiere. 17.30 Tägliches Hauskonzert. 18.00 Auf Spuren einstiger deutscher Siedlungen im Südosten. 18.25 Musizieren mit unsichtbaren Partnern(Dr. H. Just). 18.55 Wetterbericht 19.00 Englischer Sprachunterricht. 19.30 Das Gedieht. 19.35 Aus Dresden: Unterhaltungskonzert. 20.30 Bunte Stunde. 21.30 Wandlungen der Schauspielkunst (F. Kayfller) 22.10 Weller-, Tages- und Sportnachrichten. 22.45 See- Wetterbericht. 23.00 Aus München: Nachtmusik. Sonst: Berliner Programm. Vollständiges Enropaprogramm im„Volks- funk", monatl. 96 Pf. durch alle„Vorwärts"- Boten oder die Poitonttalten.