Abend- Ausgabe Nr. 6 B 3 50. Jahrg. Redaktion onb �Verlag, Verlin SW 68, Lindenstr. 3 Sttnfprwjxt, 01 1 Oml©6n!)off 292 bu 257 ©ctegiasmabnO«! Cojialbcmotrat"Strlln BERLINER VOLKS BLATT MITTWOCH 4. Januar 1933 In Groß° Berlin 1l) Pf. Auswärts...... 10 Pf. Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise siehe Morgenausgabe Jentvawvgan der Sozialdemokeatikchen Partei Deutschlands Neue ostelbifche Korruption Oebeime SiecÜunxssabvtuxe des Reichs Im September hatte fle r r von P a p e n auf Verlangen der Landwirtschaft eine Herab- setzungderZinsenumZ Praz. notvero.dnet. Der Unterschied zwischen den alten und neuen Zins- sätzen sollte dem Kapital zugeschlagen werden, wenn die Gläubiger, d. h. in erster Linie die Landschaften, in der Lage sind, die von ihnen aus- gegebenen Schuldverschreibungen in der bisherigen Höhe weiter verzinsen zu können. Aus dieser Bestimmung mußte jeder, der mit gesundem Menschenverstand aus- gestattet ist, schließen, daß man endlich die oft- elbischeu Landschaften, deren Hypothekenschuldner vielfach schon lange ihre Zinsen nicht mehr bezahlen, zwingen wollte, die mit den Zinsen im Rückstand befindlichen Güter zur Versteigerung zu bringen, oder die Haftung aller an die Landschaft angeschlossenen Landwirte in Anspruch zu nehmen. Aber die vom Schleicher-Kabinett getreulich von Papen übernommene gottgewollte Ordnung darf durch gesunden Menschenverstand nicht verdorben werden, wie eine Bekanntmachung im Reichsanzeiger vom 29. Dezember zeigt. Dort erklärt der Reichskommissar für das preußische Landwirtschaftsministerium als Aus- stchtsbehörde der Landschaften, daß„sämtliche preußischen, landschaftlichen(ritterschastlichen) Kreditinstitute in derLage sind, die von ihnen ausgegebenen Schuldoerschreibungen in bisheriger Höhe weiter zu verzinse n". Ein Wunder scheint geschehen zu sein. Die Landschaften. deren Zinsrückstände noch im Oktober teilweise über 5l> Proz. des Solls des Zinsen- eingangs betrugen, sind alle plöhlich solvent geworden! Leider ist kein Wunder geschehen, sondern die Soloenz der Landschaften stammt aus dem siir Agrarier schon immer in Deutschland nn- erschöpflichen Reichssäckel! Um die Zinssenkung durchführen zu können, hat das Reich nicht nur die Verpflichtung über- »wmmen, allen Landschaften den Betrag, um den die Zinsen herabgesetzt sind, zur Verfügung zu stellen. Es hat ihnen auch ganz heimlich durch die Rentendankkreditanstalt Kredite zur Ver- fügung gestellt, damit der Zinsendienst für die Landschaftspfandbriefe in bisheriger Höhe aufrecht- erhalten werden kann. Daß diese Kredite nie zurückgezahlt werden, sondern verlorene Subventionen sind, ist klar. Diese Regierungskuast ist in der Tat einzigartig. Man erklärt als Aufsich'sbehörde. daß die Landschaften ihren Zinsendienst aufrechterhalten können, und verschweigt dabei, daß man selber den Landschaslen durch Sub- Szruf Göring hat heine Zeit Heute soll der A e l t e st e n r a t des Reichstags zusammentreten, um über den Termin des Zusammentritts des Reichstags zu beschließen. Die Rokionalsozialisten sehten ihr verschleppnngs- manöver fort. Der neuerdings zum„Ogrus" beförderte Reichstogspräsident Göring hat nicht einmal Zeit gesunden, um an der Aellestenrals- sihnng überhaupt teilzunehmen. Er läßt sich durch den Vizepräsidenten Esser vom Zentrum vertreten. Infolgedessen kann ihm von den Razis nich! der Vorwurf gemocht werden, er hätte— so oder so gesagl! Krach bei Hugenbergs kam'IiemctyH der Deutschnationalen Dresden, 4 Januar. Die Deutsch nationalen in und um Dresden waren einander vor einigen Monaten in die Haare geraten. Der Borsitzende der Dresdener Ortsgruppe, Guratzlch, wurde für abgesetzt erklärt, ventionszahlung die Alöglichkeil hierfür geschaffen hat. Der Sinn dieser ganzen— im kaufmännischen Leben würde man sagen— Schiebung ist der, daß man den Großgrundbesitzern, die in erster Linie die Schuldner der Landschaften sind, nicht an den Kragen gehen will. Die Land- schasten erhalten Subventionen, damit sie nicht die Zahlung von Zinsen und Zinsrückständen zu ver- langen und um Gottes willen keinen überschulde- ten und heruntergewirtschafteten Großbetrieb zur Zwangsversteigerung zu bringen brauchen. Was die übrigen Gläubiger, deren Forderungen hinter der ersten Hypothek der Landschaft stehen. ansangen, ist der Reichsregierung und den mit den Großgrundbesitzern versippten Direktoren der Landschaften völlig gleichgültig. Vorläufig können sie wegen des Sicherungsversahrens an die meisten Betriebe nicht heran, aber auch mit der Aushebung des Moratoriums wird ihnen wenig geholfen sein. Kommt es wirklich zur Zwangsversteigerung, dann verlangt die Landschaft, wenn die nach- gestellten Gläubiger oder eine Siedlungsgesellschaft das überschuldete Gut übernehmen wollen, die sofortige Auszahlung der ersten Hypothek, was natürlich unmöglich ist. Dagegen sind die Land- Ichaften bereit, wie man bereits oft erfahren konnte, einem Verwandten des Besitzers im Jnter- esse der Erhaltung des Besitzes für die Familie den Kredit zu belassen. Diese unerhörte Korruption, die kaum jemals ihresgleichen gefunden hat, wird durch die Zinssubventionen des Reiches an die Landschaften jetzt endgültig möglich gemacht und legalisiert! Der Reichskanzler hat in einer seiner Rundfunk- reden davon geredet, daß zunächst 800 000 Morgen zur Siedlung kommen werden. Durch derartige Subventionsmethoden wird aber jede Siedlungstätigkeit verhindert, denn die Landschaften, die einem großen Teil oft- elbischer Güter erste Hypocheken gegeben haben. haben es völlig in der Hand, die Güter zur Zwangsversteigerung zu bringen, wenn chnen das Reich die Verzinsung der Pfandbriefe garanttert. Aber nicht nur die Landschaften sabotieren mit Hilfe de- Reichs und der Reichskommissare in Preußen das Siedlungswerk, sondern auch die Landstellen geben sich jegliche Mühe, die lleberführung des Bodens aus der Hand des Großgrundbesitzes in die des Bauern zu hinterlreiben. Jede Bereinigung der Schuldverhältnisse wird hinausgeschoben und möglichst kein Sicherungs- verfahren als abgeschlossen erklärt. So sind, seitdem mit der Ausscheidung der nicht, sanierungs- sähigen Güter aus dem Sicherungsverfahren de- gönnen wurde, erst 2 3 000 Morgen oder nur 3 P r o z. der 800 000 Morgen, von denen Herr von Schleicher sprach, dem Zugriff der Gläubiger freigegeben worden! All das geschieht unter den Augen und mit der Billigung des„sozialen" Gene- rals, der andauernd davon redet, daß die nicht mehr sanierungssähigen Güter den bankrotten Großgrundbesitzern abgenommen werden sollen. In Wahrheit wird reaktionär st e Po- litik zur Erhaltung des Grohgrund- besitze? getrieben! ('rieh JiiJI auf d3m Sriimerzeuxlnger Unser Jugendgenosse Erich I u st aus L i ch- tenrode im St.-Josephs-Krankenhaus in Tempelhof. Erich Just wurde in der Silvester- nacht von einer ganzen Horde von Nazi- strolchen feige überfallen und niedergemacht: er blieb mit schweren Verletzungen am Kops hilflos liegen und wurde von seinem Bruder und Freunden aufgefunden und ins Kranken- haus gebracht. andere prominente Mitglieder wurden mit einem Ausschlußversahren bedacht. Um so mehr schleuderten diese schwere Verdächtigungen gegen die Mitglieder der anderen Gruppe, die einst- weilen die Oberhand erlangt hatte. Schließlich blieb Hugenderg nichts anderes übrig, als das Parteigericht in Berlin mit der Schlichtung des peinlichen Streits zu befassen. Das Partei- gericht hat jetzt das Urteil gesprochen, und wenn es auch im Wortlaut erst in der nächsten Woche bekanntgegeben werden soll, so ist doch so viel durchgesickert, daß es für die bisherigen Macht- haber. namentlich für den Landesführer in Ost- sachsen, Geneal a. D. Wöllwarth, recht unangenehm gewesen ist. Wöllwarth wird wieder abgesetzt werden und die bisher von ihm eingesetzte Ortsgruppen- und Bezirksver- bandsieitung verschwindet gleichfalls von der Bildfläche. Am 9. Januar soll ein neuer Vorstand gewählt werden, mit einem der vom Ausschluß betroffenen Mitglieder an der Spitze Die Hugenberger haben große Angst vor dem Aufeinanderplatzen der beiden feindlichen Kruppen so daß keine von ihnen die Leitung der zum 3. Januar einberufenen Hauptversammlung hoben soll. Es wird vielmehr extra von Berlin der Ab- geordnete S t e i n h o f f entsandt, um die Ver- sammlung zu leiten und die Gesster zur Ruhe zu bringen. GA. erschießt CA. Neuer Mord an Kameraden Eigener Bericht des„Vorwärts" B r a u n s ch w e i g, 4. Januar. (rin neuer K a m e r a d e n m o r d in der ZA. wurde in dem Ort Astfeld im Frei- staat Braunschweig verübt. Dort er- s ch o si der TA.-Mann Willgeroth nach voraufgegangenem Streit seinen jünge- r e n SA.- Kameraden Bode, das einzige iiind einer Witwe. Der Mordbnbe ließ den Erschossenen liegen und bezich t i g t e später.Kommunisten der Tat. Tie l�endarmerie ver hastete jedoch den überführten Willgeroth und beschlagnahmte bei ihm außer modernen Waffen zahlreiche Munition, die er aus SA.» und SS.-Beständen in seiner Woh- nung aufbewahrte. verbannte spanische Monarchisten sind aus Westafrika geflüchtet, zum Teil auf einem fran- zössicben Segler. Herr Konfusius Und seine Hündchen Dr. Otto Straßer, der Bruder Gregor Straßers, ist bekanntlich schon seit mehreren Jahren mit Hitler vollkommen verkracht. lieber eine sehr lehrreiche Auseinander- setzung, die zwischen beiden Herren im Mai 1830 teils unter vier Augen, teils in Gegen- wart anderer nationalsozialistischer Führer stattfand, hat Otto Straßer in einer Broschüre berichtet, die unter dem Titel„Ministersessel oder Revolution?" erschienen ist. Obwohl seit der Herausgabe geraume Zeit verstrichen ist. wurde bisher von keiner Seite Einspruch gegen die Aufzeichnungen erhoben. .Die tiefere Ursache des Zerwürfnisses zwischen Hitler und Otto Straßer war die vollkommene S ch w e n k u n g, die der Ober- osaf mit s e i n e m sogenannten„So- z i a l i s m u s" vorgenommen hatte. Diesen Sozialismus wollte Otto Straßer immer noch ernstgenommen wissen. Hitler suchte den „belehrungsfähigen jungen Menschen" immer wieder an sich zu fesseln, „während er z. B. eine Aussprache mit dem Grafen Reoentlow für völlig überflüssig hielt, weil R. ein alter Mann sei, der seine seit Jahrzehnten vertretenen alten Anschauungen nicht mehr ändern könne und ein ge wissermaßen hoffnungsloser Fall wäre". Weisheiten der kosmischsten Art, wie sie Hitler in seinem profunden Werke„Mein Kampf" in Hülle und Fülle verzapft, versetzte er in der erwähnten Unterredung nebenbei auch Otto Straßer. Ein Beispiel über seine Kunstbetrachtung: „Es gibt in der Kunst keine Alten und Jungen, so wenig, wie es eine„Revolution der Kunst" gibt, sondern es gibt nur. eine ewige Kunst, nämlich die griechisch-nordische Kunst, und alles, was man sagt: holländische Kunst, italienische Kunst, deutsche Kunst ist Irreführung,.. Alles was überhaupt auf den Namen Kunst An- spruch erhebt, kann nur immer nordisch-griechisch sein." Als Otto Straßer daraufhin schüchtern etwas von der Kunst als Ausdruck der Völker und im Zusammenhang damit von chinesischer und ägyptischer Kunst sprach, hauchte Hitler ihn furcht- bar an:„Es gibt überhaupt keine chinesische oder ägyptische Kunst. bei den Chinesen und Aegyptern usw. handelte es sich gar nicht um ein- heitliche Völker, dort saß auf einem niederrassige» Volkstörper ein nordischer Kopf, der allein jene Meisterwerke schuf, die wir als chinesische oder ägyptische Kunst bewundern." Doch wir dürfen nicht abschweifen, müssen uns vielmehr auf ein paar wichtigere Punkte beschränken. Wie Hitler b e st i m m t, w a s K u n st i st, so bestimmt er auch was „Sozialismus" ist: „Was Sie unter Sozialismus verstehen, das ist krasser Marxismus. Sehen Sie, die große Masse der Arbeiter will nichts anderes a l s Brot und Spiele, die hat kein Verständnis für irgendwelche Ideale.. Wir wollen eine Auswahl der neuen herrenschicht, die nicht wie Sie von irgendeiner Mtleidsmoral getrieben wird, sondern die sich darüber klar ist. daß sie aus Grund ihrer besseren Rasse dos Recht hat, zu herrschen und die diese Herrschaft über die breite Masse rücksichtslos aufrechterhält und sichert." Die ehrliche Bestürzung Otto Straßers ließ den Oberosaf vollständig kalt. Der braun- schweigische„Regierungsrat" Hiller ist eben ein hoffnungsloser Fall. Das geht auch her- vor aus den Bemerkungen, die er über seine Außenpolitik gemacht hat: „Die nordische R a sse�hat ein R ech t dar- auf, die Welt zu beherrschen und w i r müssen dieses Recht der Rasse zum Leitstern unserer Außenpolitik machen. Deshalb kann für uns auch nie irgend- ein Zusammengehen mit Rußland in Frage kommen, wo auf einem jlawisch-talarischen Leib ein jüdischer Kopf sitzt." Brennt Herr von Schleicher immer noch darauf, dieses ausgeruhte Köpfchen für sein Kabinett zu gewinnen? Solche Sexta nersprüch lein sagt der Oberosaf in dem unerschütterlichen Bewußt- sein, daß Ihm niemand zu widersprechen „Malygin"-Mannschaft gerettet Das Schiff verloren— Rettung durch Radio wagen darf. Ho war er denn auch auf oas höchste entrüstet, als dieser widerborstige Otto Straßer immer neue Gegenrede ris- tierte. Hitler fragte schließlich den Oppo- nenten gerade heraus, ob er sich ihm, w i e alle anderen, darunter sein Bruder Gregor, unterwerfen wolle oder nicht? Darauf antwortete ihm Otto Straßer gotteslästerlich: „Lassen Sie sich doch nicht oerführen durch die billigen Zustimmungen der Kreaturen um Sie. Wie wenige von diesen Mitarbeitern sind rein g e i st i g in der Lage, ein eigenes Urteil zu haben, wieviel weniger erst haben dann den Charakter, dieses Urteil zu äußern, wenn es von dem Ihrigen abweicht. Oder glauben Sie, mein Bruder würde so brav Disziplin üben, wenn er nicht wirtschaflllch durch sein Mandat von Ihnen abhängig wäre?" Trotz dieser von dem Bruder Otto betonten Abhängigkeit Gregor Straßers von Hitler konnte Gregor es schließlich doch nicht mehr bei dem bescheidenen Manne aus Braunau aushalten: er lief davon. Wer hält es eigent- lich noch bei den Nazi aus? Sehr einfach: die, denen der Oberosaf eine Pfründe oder mindestens eine Sammelbüchse gegeben hat, und die, die zwar immer weniger, aber noch„nicht alle werden". Bh. Scheidemann. Brachts Finanzer gegen Körperkultur Di« Körpcrkulturschule Adolf Koch wird, wie ihr Leiter uns mitteilt, trotz der Lersügung vom 27. Dezember in unveränderter Form weit«r> geführt. Nach Mitteilungen aus zuverlässiger Quelle ist eine gewaltsame Schließung der Schule nicht geplant, weil dazu die rechtlichen Unterlagen fehlen. Dagegen hat die Steuerbehörde wegen angeblichen Lu st barkeits steuerrück st an- des für«ine wissenschaftliche Veranstaltung heute da? gesamte Inventar der Schule ein- schließlich aller medizinischen Apparate im Werte von mehreren lausend Mark gepfändet(!), obwohl die Schulleitung sich schriftlich zur Zah- lung verpflichtet hatte und bereits drei Raten ge- tilgt hat. Die Aymnaftikabteilung im Stadtbad Berlin- Milte sowie die Badeabende Freitags sind von der Verbotsversügung nicht getroffen und gehen daher unverändert weiter, NS Htiiches Autoopfer! Kssends» Privatauto Aus der Potsdamer Chaussee zwischen wannsee und Zehlendors, die von den aus dieser Straße sehr zahlreichen privalautos, ohne daß sie jemand daran hindert, geradezu als Rennbahn benutzt wird, ereignete sich in der letzten Rächt ein folgenschwerer Unglücksfall, bei dem der 30 Iahre alte Chauffeur Heinrich w a r n e ck e aus Osterode im harz den Tod fand. Warnecke war mit einem Lastzug auf der Fahrt von Osterode nach Berlin. Vor einem Hause der Potsdamer Chaussee erlitt der Lastwagen eine Panne. Als der Chauffeur an seinem Fahrzeug arbeitete, kam in schnellster Fahrt ein P r i v a t a u t o heran, das Warnecke buchstäblich überraste. Mit schweren Verletzungen wurde der Verunglückte in das Sanatorium Waldfrleden ge- bracht, wo er bald nach der Einliefcrung starb. In der Berliner Straße in Wilmersdorf wurde heute mittag der 6 Jahre alte Rudi Henkel aus der Kaiser-Allee 8l von einem Auto, gleich- falls von einen Privatwagen, überfahre, i und lebensgefährlich verletzt. Tommy auf Jamaika Lclwere Exzesse Kingston(Damaifa) über London, 4. Januar. Am Sonntagabend war ein Soldat des 1. Ba- taillons der Northumberland-Füstliere mit einem Cmgeborenen in Streit geraten und von diesem mit einem Stein aufden Kops geschlagen worden. Der Soldat starb an den Folgen des Schlages im Krankenhaus. Am Montagabend be< gaben sich viele seiner Kameraden mit Steinen, Flaschen und Lederriemen- bewaffnet nach dem Stadtteil im Osten, wo sich der Vorfall abgespielt hatte, und mißhandelten die ihnen begegnenden Eingeborenen, Der komma»- dierende Brigadegeneral und der Oberst des Regi- ments befahlen den Soldaten, in ihre Quartiere zurückzukehren, aber die Soldaten verweiger- ten den Gehorsam und liefen zwei Stun- den lang weiter Amok. Hunderte Fensterscheiben wurden eingeschlagen, Straßenbahnen und Autos angekalten und Insassen mißhandelt. Es gab auch Zusammenstöhe zwischen Soldaten und Polizisten. Schließlich wurde von Polizisten und Militär- Patrouillen die Ruhe wieder hergestellt. Italiens Filiale Albanien wird bald eine Kon- zession zur Ausbeutung des Musakija-Geblets an der Mündung des Flusses Seminl lgeqeniibor B-indisi) und die An s i e dl u n g i r a l i e n i- scher Kolonisten als Gegenwert iür die fälligen Zinsen der Sl)-Millionen-Lire-An!elhe zu- zugestehen haben. (e wunderbare Erfindung des Radios an dieser Rettung hat. Nampfer in Flammen krand auf hoher See London. 4. Zanuar. Bon der I*le of Wlght wird gemeldet: Ter französische Tampfer„Atlantique" steht bei 39,30 Grad Nord und 3.17 Grad West in Brand. Tie..Ruhr" hat ihre Rettungsboote ausgesandt und die Mann- schaft aufgenommen. Auch der Tampfer „Ford Eastle" leistet Beistand. Von Ehcrbourg sind die französischen Schlepper „Pollux" und„Abcitle" zur Hilfe geschickt worden. Tie„Atlantique" hat keine Fahr- gaste an Bord, da sie sich auf dem Wege zur Ueberholung und Instandsetzung befand. Der Brand auf dem französischen Ozeandampfer „Atlantique" brach heute früh um 6 Uhr aus. Milch aus. Die Wirtschaft wurde von den Eltern bestellt. Seit einiger Zeit war der Gerichtsvollzieher ständiger„Gast" bei ihnen. Di« Familie tat alles, um ihren Ver- pflichtungen nachzukommen, konnte aber nicht ver- hindern, daß Stück für Stück gepfändet wurde. Die Leute verstanden es, sich immer wieder über Wasser zu halten. Jetzt sollten wieder neue Pfändungen vorgenommen werden. Tat- sächlich erschien auch der Gerichtsvollzieher, als die Polizei am Vormittag mtt ihren Feststellungen im Unglückshause beschäftigt war. Verschiedentlich hatte auch die grau zu Bekannten geäußert, daß sie sich das Leben nehmen werde. Da aber nie- inand recht Einblick in die finanziellen Verhältnisse hatte, wurden diese Andeutungen nicht ernst ge- nommen. Furchtbares Gasunglück Vermutlich vier l'ote Heute, Mittwoch, gegen l3.30 Uhr. hat sich in der Oranienstrahe lbSa eine furchtbare Gastragödie zugetragen. In ihrer Wohnung wurden Peking, 4. Ianuar. Laut chinesischen Meldungen, besteht Schanhaik- wan nur noch aus rauchenden Trümmerhausen, unter denen die verkohlten Leichen von 500 Soldaten und zahlreichen Zivilpersonen liegen. Die Iaponer haben bei dem Schluhangriss am Dienstagnachmittag auch Tanks eingesetzt. Unter dem höllischen Feuer der Artillerie und der japanischen Kriegsschisse sind die Stadtmauern eingestürzt, so daß japaqlsche Truppen eindringen konnten. Es gab einen wilden Straßenkomps, bei dem ein 500 Mann starkes Bataillon Chinesen vollständig ausgerieben wurde. Im Scheine der durch Brandbomben verursachten zahlreichen Brände kam es Rahkämpfen, bis die Chinesen sich in die zweite Berleidigungsstellung, zwei Kilometer außerhalb der Stadt, zurückziehen muhten, wo sie sich wieder sammelten und zu neuem Widerstand rüsten. Roch drei japanische Kriegsschisse haben in Ischinwangtau versucht. Marinefoldaten an Land zu sehen, was jedoch durch chinesische Truppen vereitelt worden ist. Englische und französische Blätter äußern lebhafte Besorgnisse um die weitere Entwicklung im Fernen Osten. Man fragt, wo denn die Grenze für die japanischen Raubzüge gegen China sei. Eine Meldung aus Schanghai nach London be- rettet auf eine neue japanische Provokation vor. An Bord des Schiffes, das sich auf dem Wege nach Le Havre befand um dort ausgebesiert zu werden, befanden sich 260 Angehörige der Mann- schaft, von denen, wie gemeldet, 80 durch das deutsche Motorschiff„Ruhr" gerettet werden konnten. Ein englischer Dampfer besindet sich gleichfalls in der Nähe der„Atlantique". Weitere Hilfsschiffe sind von Le Havre angefordert worden. Der Brand auf dem Schiff dauert an. Das Mini- sterium der Handelsmarine hat ein Kommunique veröffentlicht, in dem die französische Marine- behörde von Cherbourg aufgefordert wird, dem deutschen Motorschiff„Ruhr" für seine Hilfe- leistung den Dank der französischen Regierung auszusprechen. •k Bei der Hamburg-Amerika-Linie ist ein Funk- spruch ihres auf der Heimreise nach Hamburg be- findlichen Motorschiffs„Ruhr" eingegangen, wonach von der„Ruhr" 80 Mann der Besatzung des brennenden französischen Dampfers„Atlan- tique" im Kanal ausgenommen worden sind. Die Boote des deutschen' Motorschiffes sind noch mit Bergungsarbeiten beschäftigt. Die„Bremen" zwei Tage Verspätung Rem Jork, 4. Januar. Infolge orkanartiger, außerordentlich schwerer Stürme im Atlantischen Ozean wird der am Dienstag fällige Lloyd-Dampfer„Are- in e n" mit zweitägiger Verspätung nicht vor Donnerstag in New Jork eiMreffen. Der große Dampfer„L e o i a t h a n" und zahlreich« kleinere Ozeandampfer werden sich gleichfalls um mehrere Tage verspäten. dort die Eheleute Fatkenberg mit ihrem zweijährigen Kind sowie ein B e k a n n- t e r der Leute, der sich dort besuchsweise aufhielt. durch Gas vergiftet bewußtlos ausgesunden. Oer Tod war bei der Frau und dem Kinde bei Entdeckung de» Unglück» bereit» eingetreten. Um die beiden Männer bemühte sich die Feuerwehr längere Zeit.(Es besteht kaum Hoffnung, sie ins Leben zurückzurufen. Großfeuer im Kloster Bihliothek und Gemälde vernichtet' In dem Dominikanerkloster in Z w o l l e in Holland brach am Dienstagabend ein Brand Mls. durch den das kloftergedäude zerstört und die Klosterkirche beschädigt wurde. Als der Brand ausbrach, fand in der Kirche gerade Gottesdienst statt. Das Feuer, dessen Eni- stehungsurasche noch unbekannt ist, dehnte sich mit größter Geschwindigkeit aus, und innerhalb kurzer Zeit stand das vierstöckige Gebäude in Flammen. Die Feuerwehr mußte ihre Arbeit darauf beschränken, eln Uebergreifen des Brandes auf die Kirche zu verhindern. Aus dem Kloster selbst konnte nur wenig gerettet werden, so z. B. das Klosterarchiv. Die K l o st e r b i b l i o t h e k dagegen sowie viele wertvolle Gemälde des Kirchenmalers Pater van Bergen fielen den Flammen zum Opfer. Danach veranstaltet das japanische Militär in Schanghai gerade heute eine Parade, was wegen der allgemeinen Lage einige Sorge verursache. -�ngehlich Sowjetgrenzstadt besetzt Charbia, 4. Ianuar. hier sind Gerüchte in Umlaus, daß am Rochmittag des 3. Ianuar die japanische Kavallerie in pogranitschnaja eingetroffen ist. pogranitsch- naja ist die Grenzstation zwischen der Mandschurei und dem russischen Amur-Küstengebiet und bildet serner die Grenze zwischen der chinesischen Ostbahn und der Ussuribahn. hinter pogranitschnaja, im Dorfe Grodekowo, sind starke russische Streitkräfte untergebracht. Die Besetzung pogranitschnajas durch die japanische Kavallerie sott angeblich kampslos erfolgt sein. Eine Bestätigung dieser Meldung aus einwandfreier Quelle liegt bisher noch nicht vor. Diese Stadt liegt, wie auch ihr Name zeigt, auf russischem Gebiet, der mandschurischen Grenzstadt Mandschuria(chinesisch Mandschuli) in ziemlicher Entfernung gegenüber: ihre Besetzung durch frem- des Militär wäre eine offenkundige Verletzung der russischen Staatshoheit. Drama der Not in Wittenau Ein Vater als Mörder und Selbstmörder Nuinmftaöt Schanhaikwan Neue japanische Herausforderung Die Spießer in Aufruhr Die Schweiz auf dem Wege zur reaktionären Demokratie Die Sozialdemokraten lehnten jeden Lohnabbau ab und kündigten das Referendum gegen das Gesetz am Das bedeutet, daß die Partei durch die Sammlung von mindestens 30l1 Unterschristen stimmberechtigter Schweizer Bürger erzwingen will, daß das Gesetz über den Lohn- abbau zur Volksabstimmung komme. Damit ver- bindet sie eine Volksinitiative für die Einsiihrung einer eidgenössischen Krisen st euer aus große Vermögen und Einkommen, um auf diesem Wege die Mittel zur Bekämpfung der Krise und der Krisenfolgen hereinzubekommen, die die bürgerlichen Parteien durch eine allgemeine Senkung des Lebensstandards der arbeitenden Bevölkerung gewinnen wollen. So stehen sich also bürgerliche und proletarische Wirtjchasts- Politik schroff gegenüber. Alle sozialen Ausein- andersetzungen der nächsten Zeit werden beherrscht sein von dem Kamps um die Entscheidung, ob das Proletariat allein die Kosten der Krise zu tragen hat oder ob es gelingt, auch die Bourgeoisie dafür heranzuziehen. Dennoch wäre es falsch, wenn man, wie es naheliegend wäre, die politischen Spannungen in der Schweiz aus diesen wirtschastlichen Gegen- sätzcn erklären wollte. Weder die blutigen Zu- sammenstöße, die sich in Gens a m 9. R o- o e m b e r ereigneten, noch die reaktionäre Einheitsfront der Bourgeoisie gegen die Arbeiter- schaft, die sich in der letzten Nationalratstagung auf allen Gebieten gezeigt hat, sind aus den aktuellen wirtschastlichen Kämpjen zu erklären. Es ist nicht der Großbourgeois, der sich da rück- sichtslos gegen den darbenden Sozialiemus, gegen die„Expropriation der Expropriateure" wendet, sondern der rabiat gewordene Spieher, der aus sinnloser Angst um sich schlägt. Eine seltsame Verkettung historischer und sozialer Ursachen hat es mit sich gebracht, daß die satte Schweizer Bourgeoisie, die politisch so fest im Sattel sitzt, von einer panischen Angst vor der Revolution beherrscht wird. Die kleinbürgerliche Enge des Lebensraums und der Lebensform mag dazu ebenso beigetragen haben wie religiöse Traditionen und die niemals völlig überwundene Erinnerung an die Schreckens- tage vom November 1918, da die schweizerische Arbeiterklasse inmitten des Zusammenbruchs der mitteleuropäischen Kaiserreiche der in Furcht er- starrten Bourgeoisie in einem Generalstreik ihre Kraft zeigte. Nicht zuletzt aber spielt dabei der Umstand mit, daß die Führung der bllrger- lichin Politik in der Schweiz in den letzten Jahren immer mehr von den Freisinnigen zu den Konservativen, von der Stadt aus das Dorf, von den Zentren pulsierenden Lebens auf die Enge der Provinz überging. Der entfesselte Spießer war es, der die Schießerei in Gens zu verantworten hat. Der ent- fesselte Spießer war es aber auch, der sie in den Verhandlungen des schweizerischen Parlaments deckte. In den vier Sitzungen, die der National- rat der Aussprache über die Genfer Ereignisse widmete, hat die geschlossene bürgerliche Front hartnäckig an der Theorie festgehalten, man habe in Genf eine Revolution vorbereitet, der Genfer sozialistische Nationalrat Leon Nicole habe den bewaffneten Ausstand— mit Knüppel und Pfeffersäckchen!— organisiert und das Militär habe mit seinem leichten Maschinengewehr das Land vor dem Schrecken des Bolschewismus ge- retret! Kein einziger der zahllosen ausländischen Berichterstatter in Genf hat, so scharf auch ihre Kritik der Politik Nicolee gewesen sein mag, nur einen Augenblick lang diese wahnwitzige Idee für möglich gehalten. Der entfesselte Spießer glaubt fest an sie. Um für die Abwehr derartiger„Umsturzplänc" in der Zukunft besser gerüstet zu sein, haben die bürgerlichen Parteien geschlossen sowohl im Nationalrat, als auch im Ständerat einen Antrag eingebracht, der Gesetze fordert, um„Bor- bereitungshandlungen zum Aufruhr und zu ge- walttätiger Revolution und zur Untergrabung der Zuverlässigkeit und Disziplin der Armee" be- strafen und vereiteln zu können. Auf dieses gemeinsame Programm eines Sozialisten- g e s e tz e s haben sich alle bürgerlichen Fraktionen geeinigt, diese Forderung haben sie. um ihr ge- nügend feierlichen Ernst zu verleihen, im National- rat durch einen Katholisch-Konserva- t i v e n, im Ständerat durch einen Frei- sinnigen in eine gemeinsam ausgearbeitete Erklärung verlesen lassen Herr Bundesrat Jean-Maria M u s y aus Freiburg, der katholisch-konjeroative Generalstabschef der schweizerischen Reaktion, hat einmal als das Ziel der Schweiz bezeichnet, eine konservative Demokratie zu werden. Er hat die Genfer Er- eignisse benützt, um die bürgerlichen Parteien zusammenzuschweißen, den Graben zwischen Arbei- tern und Bürgern zu vertiefen und die politischen Gegensätze im Lande so maßlos zu verschärfen wie niemals zuvor in der Schweizer Geschichke. In der Schweiz hat damit die bourgeoise Reaktion jene Aufgabe übernommen, die sonst dem Faschis- mus zufällt. So droht die Eidgenossenschaft unter der Herrschast des entfesselten Spießers nicht bloß zu einer konservativen, sondern zu einer reaktiv- nären Demokratie zu werden. Henummg des Krebswachstums Ein Hormon der Hypophyse Klangphotographien „Archiv der Temperamente" Eine Reihe von Klangphotographien bekannter Bühnenkünstler zeigte die Berliner Funk- stunde in dem„Archiv der Temperamente". Hans Albers, Rudolf Forster, Friedrich Kayßler, Werner Krauß, Heinrich George und Max Pallen- berg stellte der Vortragende R. Kümmerten vor die Hörer hin. Wären die Namen nicht ge- nannt worden, so wäre es interessant gewesen, durch eine Umfrage bei den Hörern zu erfahren, welche Stimme bei ihnen den stärksten„Anklang" gefunden hätte. Wahrscheinlich wäre das Urteil zugunsten von Kayßler, Albers und George aus- gefallen. Die geschlossene Klarheit von Kayßlers Kunst bleibt in Wort und Ausdruck auch in dem kleinsten Ausschnitt wirksam, ebenso wie die durchaus gefühlsbetonte Ausdrucksweise von Albers und George. Pallenbergs virtuose Jonglier- kunststücke mit der Sprache vertragen einen sehr kleinen Ausschnitt schlecht, erst recht nicht verträgt ihn die etwas manirierte Kühle von Forsters Sprache. Die Probe von Werner Krauß rvar außeroröcnt- lich interessant für den, der den großen Bühnen- und Sprechkünstler kennt. Doch Krauß, der sich in jede Rolle so meisterhast hineinverwandelt, gibt jedem Satz nur einen Teil von diesem neuen Ich. Er baut aus zahllosen Schwingungen und NUancen die Gestalt seines Spiels auf. fügt sie zusammen, indem er sie darstellt, Satz sür Satz, Pause für Pause, Geste für Geste. Es ist nicht zerlegende Analyse, sondern im eigentlichen Sinne Synthese, was er treibt: aus allen Bestandteilen ihres seelischen Organismus erschafft er seine Ge- stalten. Zlber gerade deshalb wirkt die Darstellung von Krauß nur in der Gesamtheit oder wenigstens in einem größeren Teil davon.— 1z. Kleines Kunstallerlei Architekturwettbewerb— Tätigkeit in den Museen— Moderne Maler Aus den Wettbewerb der Maler um den Großen Staatspreis der Preußischen Akademie, der vor kurzem gezeigt und dessen Entscheidung mit Heftigkeit kritisiert wurde, folgt der der jungen Architekten. Auch ihre Arbeiten sind in der Akademie ausgestellt, und man wird hier vohl die Entscheidung der Jury besser und einsichtiger begründet finden. Preisträger sind Willy Pieper(ein Seeck-Schlller, wohl der aus guter Tradition am sichersten aufbauende), R u e g e n- dach mit großartigen Entwürfen zu Rundtheater und Flughafen, und Josef Brandt. Man findet immerhin auch noch gleichwertige Bewerber, wie Eckart Muthesius und vor allem Walter Kratz, dessen Entwürfe sür Ledigen- Heime, Einraumwohnungen, Bebauungen aller Plätze usw. nicht nur als Darstellungen glänzend und originell wirken, sondern auch sozial und praktisch empfunden und als schlichteste Architektur vollkommen in unserem Sinne erschaffen sind. Um die Weihnachtszeit sind auch sonst einige allgemein interessierende Schaustellungen zu ver- zeichnen. Im Kaiser-Friedrich-Museum sind, ideell in einem gewissen Zusammenhang mit der Er- ösfnung der Islamischen Abteilung, Meister- werke der Webekunst aus allen Museen zu- sammengestellt: den Höhepunkt der von größter Qualität erfüllten Schätze bedeuten auch hier un- streitig die persischen Stoffe, nicht die berühmteren der italienischen Renaissance. Im Oberlichtsaal des ehemaligen Kunstgewerbe- museum finden sich gegen 1009 Photos von Vennemann„Berlin im Bild e",«ine umfasiende und liebevolle Darstellung unserer oft so gehässig behandelten Heimat, die vielen ganz Neues und das Bekannte auf innige und besondere Weise bringt(z. B. die Aufnahmen aus Arbeiter- vierteln, das Dasein der Zillen, die lieben Markt- pferde, und dann die Größe unserer neuen Bau- kunst). Unsere Künstler müssen sich oft selbst durch Atelierausstellungen zu Helsen suchen, wie es Willy I a e ck e l und der Bildhauer Martin Müller gemeinschaftlich in der Von-der-Heydt- Straße 7 tun: beide stark im Bildnis, Jaeckel vor allem auch im weiblichen Akt. Zugleich regen sich einige ihrer Klublokale mit merkwürdig fesselnden Dauerausstellungen, in der Jnnsbrucker Straße und der Meinekestraße, von denen demnächst etwas zu berichten sein wird. Bei Gurlitt fesseln die Malereien und Zeichnun- gen der begabten JeanneMammen.die man als Mitarbeiterin des„Simplizissimus" kennt: sehr klar und kennzeichnend im Umriß, lebendig in der Erfassung von Persönlichkeit und Situation: ein durchaus darstellendes Talent, dessen Form und Anschauungsweise sich in der Nähe von George Groß bewegt, und das in der Malerei eigene und eigentümliche Wege einschlägt. p. k. sch. Tie Loitebildungsämter Prenzlaucr Vera und Fried- richShain veransiallen am Freitag, 8 Uhr, im Zaalbau FriedriwShain eine BrahmS-Feie r mit dem Phil- harmonischen Orchester. Solistin: Ellen Epstein. Die Lesfing-Sochschulc kündigt in ihrem neuen Vor- lesungsproqramm eine Vortragsreihe„F ü r u n d wider Okkultismus" an. U. a. werden Prof. ÄanS Driesch und Prof. SianS Dessoir in Rede und Gegenrede das Thema behandeln. «rtur Schnabel unlerzieht sich der Ausgabe, sämtliche K l a v i e r s o n a t e n von Beethoven in einem ZhkluS in der Philharmonie mm Vortrag zu bringen. Der erste Abend findet am S. Januar statt. Von unserem Korrespondenten A. S Zürich, Ansang Januar. Noch immer sind die schlimmsten Krisenerschei- nungen, wie sie Länder mit lanzdnuernder Massen- arbeitslosigkeit kennen in der Schweiz unbekannt. Noch hat die Zahl der Vollarbeitslosen hundert- lausend nicht überschritten. Noch machen es die gewaltigen Reserven, die die Schweiz in vielen Jahren der Hochkonjunktur anhäufen konnte, zu einer leicht erfüllbaren Aufgabe, die Arbeitslosen wenigstens vor dem Aeußcrsten zu bewahren, und erlaubt es eine unerhört strenge Arbeilsmarklpolilik, die volle Wucht der Krise von den Einheimischen weg aus ausländische Arbeitskräste abzulenken. Noch ist also die Gegenwart, verglichen mit dem, was die Massen in den großen Industrieländern erdulden, erträglich. Aber um so. drückender lastet die Sorge um die Zukunft auf deni Lande und beschäftigt unablässig die schweizerische Oefsentlichkeit. Da ist vor allem der furchtbare Rückgang des Exports, der um so gefahrvoller ist, als die Schweiz in der Spitzengruppe der Exportländer marschiert, der relative Anteil der Exportindustrie an der Gesamtproduktion des Landes sehr be- deutend ist. Da ist ferner die enge Berquickung der schweizerischen Finanzorganisation mit inter- nationalen Beziehungen, die in der E r st a r r u n g der Kreditkrise Anlaß zu ernsten Besorg- nisiest gibt. Da ist überdies der Niedergang der Hotellerie, wie man in der Schweiz sagt, der Fremdenverkehrsindustrie, die staatliche Hilfs- aktionen notwendig machte. Und dazu kommt eine völlig hilflose Wirtschaftspolitik, die die Schwierig- leiten nur noch zu vergrößern imstande ist. Die schweizerische Bourgeoisie hat gegenüber der Krise keine anderen Hilfs- Methoden gefunden als jene, die das Repertoire aller bürgerlichen Krisenbekämpfung ist. Sie hat durch eine sinnlose Politik der A b s ch I i e ß u n g vom Ausland dazu beigetragen, die Export- Möglichkeiten des Landes nur noch zu oerfchlech- tern. Sie geht andererseits daran, durch einen allgemeinen Angriff auf die Löhne auch den Jnnenmarkt zu zerstören. So gefährdet sie zugleich Export und Jnlandkonsum und steigert damit selbst die Krisengefahren in der Schweiz. Die kürzlich beendete Tagung des eidgenössischen Parlamentes brachte die«ndgültige Abstimmung über den Abbau der Löhne des eidgenössischen Personal« um 7.5 Prozent. Die Professoren Bernhard und H e r m a n Z o n d e k machen gemeinsam mit Dr. H a r t o ch in der„Klinischen Wochenschrift" Mitteilungen über eine neue Behandlung der Krebskrankheit. die von günstigen Folgen begleitet war und die Aussicht eröffnet, daß man dem Wesen des Krebses und seinen Rätseln nahegekom- m e n ist. Nachdem alle angeblichen Entdeckungen eines Krebserregers sich als falsch erwiesen hatten. befestigte sich immer mehr die Anschauung, daß die Krebskrankheit eine Ausfallserscheinung ist, ähnlich wie die Zuckerkrankheit, d. h., daß durch den Ausfall irgendeines wichtigen Organftoffes die Wachstumswucherungen an irgendeiner Stelle des Körpers ermöglicht oder begünstigt werden. Wie die Zuckerkrankheit durch den Ausfall eines Hör- mons der Bauchspeicheldrüse entsteht, so vermutete man, daß auch der Krebs durch das Versagen irgendeiner Drüse gebildet wird. Auf derartigen Kombinationen beruht die neue Behandlung der Krebskrankheit durch die Professoren Zondek. Prof. Bernhard Z o n d e k hat in der Hypophyse, also im Gehirnanhang, ein Vorderlappen- Hormon gefunden, daß er P r o l a n nennt. Di« Hypophyse ist ein seltsames Gebilde, das trotz seiner geringen Größe— sie wiegt nur ein halbes Gramm— von allergrößter Bedeutung für den Haushalt des Körpers ist. Diese Hormondrüse, die an der Unterfeite des Gehirns in einem Knochenversteck des Schädels verborgen liegt, ist eine ganze Hormonfabrik. Sie erzeugt mindestens fünf Hormone. Eins der wichtigsten ist das so- genannte Wachstumshormon, das in der Jugend des Menschen den Wachstumsvorgang beeinflußt. Wenn dieses Hormon in großer Menge vorhanden ist, dann werden die Menschen Riefen. Ist die Drüse verkümmert und die Hormonmajse in zu geringer Anzahl vorhanden, dann entstehen Zwerge. Das Rätsel der Liliputaner ist ebenso wie das der Zirkusriesen und der Riesen der Sage durch die Tätigkeit dieser kleinen Drüse erklärt worden. Ander» Hormone dieser Drüse haben auf die Eierstöcke Einfluß. Das Hormon P r o l a n wurde nun von Prof Zondek ganz besondere eifrig auf seine Wirkung hin studiert und er kam zu der Vermutung, daß dieses Prolan geeignet ist, Wachstumsvorgänge zu hemmen. Es erschien nämlich au« mehreren Fest- stellungen al» sicher, daß die Wirkung des Wachs- tumshormons durch dieses neue Hormon auf- gehoben oder beschränkt wird. Nun machte Pros. Zondek mit dem Prolan Versuche, denn wenn das Wachstum durch dieses Hormon ver- hindert wird, dann muß es auch das W a ch s t u m der Geschwülste zu beeinflussen imstande sein. Bei sehr schwer Kranken wurden Einspritzungen mit Prolan vorgenommen. Es wurde dadurch eine Besserung des Allgemeinbefindens hervor- gerufen. Früher inoperable Kranke konnten operiert werden. Nun machten die Forscher Tieroersuche und zwar mit weißen Mäusen. Sie impsten den Versuchstieren Krebs ein. Die Versuche wurden während dreier Jahre fortgeführt und hatten überraschende Erfolge. Das Wachs- tum des Jmpskrebses wurde durch Ein- Ein neuer Eskimofilm Ufa-Pavillon Von allen Kulturfilmen hat wohl den tiefsten Eindruck„Nanuk, der Eskimo" hinterlassen. Man ist über die Entstehung dieses Films nicht recht im klaren, er ist wohl ursprünglich als Reklame für den Pelzhandel gedacht worden, aber in Wirklich- keit ist er die schönste Bildscrie vom Leben eines Eskimos, einfach, natürlich und doch voll eines großen Hauches. Der neue Eskimofilm, den Ewing Scott, wie es heißt, nach einem Aufenthalt von Jahren bei den Eskimos Nordalaskas mitgebracht hat, ist anderer Art.„Iglu, das'ewige Schweigen" ist nach einer Erzählung be- arbeitet. Er gibt die Schicksale einer ganzen Eskimohorde wieder, es sind überwiegend arrangierte Szenen und bei manchen hat man den Eindruck, daß etwas gewaltsam Sensationen hin- eingearbeitet sind. Trotzdem bleiben unvergeßliche Bilder, die nur von Musik begleitet sind: bisweilen spricht ein Erzähler ein paar Sätze dazu. Es wird das Leben und Treiben einer kleinen Horde ge- schildert, wie sie bei reicher Jagdbeute im Fleische schwelgt(Eskimo heißt ja Rohfleischesser) und wie sie dann in ihren Ei-Hütten während eines lang- anhaltenden Sturmes hungert. Schließlich macht sie sich auf die Reise, um am offenen Meer aus inrpsung von Prolan gehemmt, eine Wirkung. die durch kein anderes Hormon erreicht werden konnte. Dadurch hat es sich gezeigt, daß in dieser geheimnisvollen Drüse der Hypophyse nicht nur das Hormon des Wachstums vorhanden ist, son- dern auch der Zaubersaft, der diesem Wachstum Einhalt gebietet. Die Wachstumsenergie der Krebsgeschwulst wurde durch Prolaneinspritzungen so stark herabgesetzt, daß Geschwulste bei Weiter- impfung in der zweiten Tierpassage wenig oder gar nicht mehr angingen. Diese Mitteilungen erscheinen von allergrößter Bedeutung, denn die Behandlung der Krebs- geschwülfte erfolgt nicht in irgendeiner phantasti- schen Form, die mit den Ergebnissen der Forschung keinen Zusammenhang hat, sondern in einer Weise, die durchaus aufs innigste mit den großen Ergeb- nissen der Drüsenforschung sich berührt. Wenn auch noch nicht von einem Sieg über den Krebs gesprochen werden kann, so scheint doch der aus- sichtsreichste Weg zur Behandlung des Krebses gefunden zu sein. den Fang zu gehen. Die Alten, nicht mehr wanderfähigen, werden in ihrer Eishütte eingc- mauert. Lang und beschwerlich ist die Reise mit den Schlitten durch Schnee und Eis. Schließlich geraten sie noch auf Treibeis, bis dann endlich offenes Meer und damit Jagdgelegenheit erreicht ist. Die Jagd auf einen Eisbären macht aber freilich einen durchaus gestellten Eindruck. Das arme Tier will durchaus fliehen, und man hat alle Mühe, es zu killen. Es sind interessant« Typen von Eskimos im Film verwendet. Der so- genannte Häuptling ist freilich allzu schön und starmäßig.(Ist das überhaupt ein Eskimo?) Voran ging ein sehr schöner, wenn auch gar langer Naturfilm,„Wildwasserfahrtdurch die schwarzen Berge", der eine Kajaksahrt durch die engen Schluchten eines wilden Gewässers in prachtvollen Ausnahmen wiedergibt und über- dies gute Einblicke in den letzten echten Orient aus der Balkanhalbinsel— bei den moslemitischen Südslaven— vermittelt. Der Begleitvortrag war in einem allzu hoch gesteigerten Stil gehalten, r. Der Intendant der Kölner Oper tritt zurück. Der Intendant der Kölner Oper, Pros. Hosmüller, ist überraschend zurückgetreten. Er teilt mit. daß die Einstellung eines Teiles des Theaterausschusses eine Fortsetzung seines Vertragsverhältnisses un- möglich mache. Wenn Arbeislofe arbeiten Zollen 8ie(�el� xuziaklen? Der Grundsatz, daß ein Arbeitsloser, der ge-- lcgentlich einmal ein paar Tage arbeitet, für die Arbeitstage keine Unterstützung bekommt, ist un- anfechtbar Allein im bürokratischen Betriebe wird er in vielen Fällen ,zum Unrecht, bis ins Groteske zugespitzt. Als Beispiel diene folgender Fall, den uns ein Arbeitsloser unterbreitet: „Ich bin seit 1. April 1932 arbeitslos und erhalt« mit zwei Zuschlägen für Frau und Kind 17,19 M. Krisenunterstützung. Durch Fürsprache war es mir gelungen, zwei Tage aushilssweiie Beschäftigung zu finden, und zwar ain 24. und 2-5. Dezember aus dem Paketpostamt Oranienburger Ltraße. An diesen beiden Tagen ver- diente ich in 29 Stunden mit Abzügen 14,36 M. Da ich nun beim Arbeitami Berlin-Mittc. Chausseestr. 42. meine Unterstützung erhalte, mel dete ich dort meine Beschäftigung an. Zu meiner großen Ucberraschung bekam ich am 2. Januar nur 6,1-5 M. ausgezahlt bei folgender Berechnung: U n t e r st ü g u n g 17,19 M. davon 29 Proz., also 17,19: 5— 3,42 M. Verdienst 14,36 M. — 3,42 M 19,94 M. 17,19 M. Unterstützung — 19,94 M. Arbeitsverdienst 6,16 M., ousge, zahlt 6,15 M. Was habe ich nun in 29 Stunden, darunter Feiertagsarbeit, verdient? Gekürzte Unterstützung 6,1,5 M. Verdienst 14,36 M. 29,51 M. Volle Unterstützung 17,19 M. Rohgewinn: Z.41 IN. Die 3,41 M. für die 29stündige Arbeit am Heiligabend und 1. Weihnachtsseiertag sind aber nicht etwa übrig geblieben. Davon gel)«n vier- mal 25 Pf. Fahrgeld ab— 1 M. und schließlich gebraucht man in zweitätiger 29stündiger'Arbeite- zeit ein paar Stullen mehr, als wenn man zu Haufe fitzt. Daß Kleidung und Fußzeug bei der 'Arbeit mehr abgenutzt werden als bei er- zwungenem Nichtstun, liegt klar auf der Hand. JA) hatte mich sehr gefreut, bei der unoerhofs- ten Weihnachtsarbeit ein paar Mark zu verdienen. um damit meine Mieteschuld etwas zu verringern. Welchen Sinn aber hat nun meine'Arbeit gehabt? Ist es ein Wunder, wenn auf ähnliche Arbeits- gelegenheit verzichtet wird?"' � Es muß doch mindestens oerlangt werden, daß von solchem Gelegenheitslohn, bei dem die Steuer auch ihr Teil sordert. ein Betrag für besondere 'Aufwendungen anrcchnungsfrei bleibt, außer dem Fünftel, das dem arbeitslosen Gelegenheitsarbeiter belassen wird. Der Kellner, der Friseur, alle die gelegentlich aushilfsweise beschäftigten Arbeits- lasen, haben doch Aufwendungen zu machen an Wäsche, Jacketts, Schürzen oder gar Frackanzug. Dabei ist auch ein Unterschied bei Arbeitslosen, die regelmäßig an einem oder zwei Tagen in der Woche arbeiten und einem anderen, der nur ein- oder zweimal im Jahre einen cder zwei Tage Arbeit unter der Hand findet. Jedenfalls darf den'Arbeitslosen-die zufällige gelegentliche Arbeit durch derartige Rechnerei nicht vergällt werden. SOODArbeiter gekündigt In der Siegerländer Metallindustrie Zur Herbeiführung eines neuen— natürlich schlechteren— Arbeitsvertrags hat der Ar- beitgeberverband der Siegerländer Gru den und Hütten den gesamten Belegschaften in den Metallbelrieben zum 14. Januar g e- kündigt. Zluch auf dem Weißblechwerk bei Vereinigten Stahlwerke A.-G. wurde der Belegschaft die Kündigung zugestellt. Von dieser Maßnahme dürften im Siegerland etwa 8999 Arbeiter betroffen werden. In dem Kündigungsschreiben wird der Schritt damit motiviert, daß eine Lohnkürzung ans wirb schafllichen Gründen nicht weiter hinausgeschoben werden könne. Gleichzeitig wird erklärt, der Ar- beitgeberverband werde am 15. Januar 1933 die ' Lohnzahlungen nach einer neuen, in dem Schrei- den bekanntgegebenen Lohntafel vornehmen und die Akkorde und Prämien vom gleichen Zeitpunkt an um 5,2 Proz. herabsetzen. Noch einmal einen Angestellten an, ob er nicht doch noch heute abgefertigt werden könne und erhielt zur Antwort:„Da Sie heute so früh ge- kommen sind, kommen Sie erst recht nicht ran." Dos habe ich nicht verstanden! sagt der Ange- klagt«. Kaum hatte der junge Mensch diese Worte gesprochen. als er im Gerichtssaal umfällt und schwer aus den Boden aufschlägt. Man bringt ihn hinaus, die Verhandlung wird unterbrochen. Der Angeklagte erholt sich nach einiger Zeit, der Richter will aber den Arzt ab warten, um in deifen Anwesenheit weiter zu verhandeln. Gin Berzweiselter Der ZetiuV im Wohlfahrtsamt Der 21jährige R.. der gleich vielen Tausenden durch Arbeitslosigkeit und Not in Verzweiflung geraten ist. der vorgestern auf dem Wohl- fahrtsanit am Friedrichshain auf den Wohlfahrtsangestellten feine Schreckschußpistolc abdruckte und ihn am Auge schwer verletzte, stand bereits heute morgen vor dem S ch n e l l g e- r ich t unter der Anklage der Körperverletzung. Die Verhanoluiig begann mit einer Verspätung, da der Verletzte zum Augenarzt mußte. T" rechte Auge ist vollkommen verbunden. Der'Angeklagte, ein klasies, schmächtiges Bürfchchen, macht einen äußerst elenden Ein- druck. Er ist in Würzburg geboren, fein Vater ist tot, feine Mutter lebt in-der Heimatstadt, er hier in Berlin möbliert. Er erhält die übliche Wohlfahrtsunterstützung und kommt mit seiner Miete nicht zurecht. Am Freitag, dem 39. De- zember, begab er sich auf- Wohlsahrtsamt und bat um Mietbeihilfe. Die wurde ihm abgelehnt, er sollte am Montag wiederkommen. Am Mon- tag. dem 2. Januar, war er bereits vor 19 Uhr da. Er wurde ausgerufen, man sagte ihm, er sollte am Dienstag wiederkommen. Heute käme er doch nicht an die Reihe. Er blieb trotzdem da. Andere wurden aufgerufen, wurden abgefertigt, er wartete, wände sich auch an einen Angestellten mit der Frage, weshalb nicht auch er gehör« werden könne. Es wurde MS Uhr. Er sprach Ardeitsveschaffung Gewerhsehaftsvertreter hei Gereke Der Reichskommiffar für Arbeitsbeschaffung. Dr. Gereke. empfing am Dienstag Vertreter der Gewerkschasteo aller Richtungen und der kommunalen Spiheuvcrbände. Die Besprechungen des Reichskommiffars für Arbeitsbeschaffung mit den Vertretungen der Länder und Gemeinden über die Abgabe von S r e d i t e u an die Gemeinden werden am Donnerstag abgeschlossen werden. Die Durchführungsbestimmungen werden voraussichtlich am Freitag oder Sonnabend veröffentlicht. Bomb?n gegen Streik Eigener Bericht des„Vormärts" Jlem Jork. 4. Januar. In der Grubenortschast Kincaid(Illinois) kam es zwischen streikenden Grubenarbeitern und der Polizei zu blutigen Kämpfen. Zwei Arbeiter wurden getötet, zwei schwer verwundet. Eine unbeteiligte Frau wurde durch eine abirrende Kugel erschossen. Durch Bombenwürfe wurde großer Schaden angerichtet. In den Kohlen- revieren ist die Bevölkerung durch diesen Vorfall sehr beunruhigt. Konkurse im Dezember. Nach Mitteilung des Statistischen Reichsamts wurden im Monat De- zember 1932 durch den„Reichsan zeiger" 521 neue Konkurse ohne die wegen Massemangels abge- lehnten Anträge auf Konkurseröffnung und 289 eröffnete Vergleichsoerfohren bekanntgegeben. Die entsprechenden Zahlen für den Bormonat stellen sich aus 449 und 267. S)er 3uuk im S)iensle der Polisel Links: Ein Spezialwagen der Pariser Polizei klappt seine Rahmenantenne hoch.— Rechts: Der Funker des Wagen nimmt die von der Zentrale übermittelten Befehle entgegen. Nach amerikanischem Vorbild hat die französische Polizei einige Spezialwagen in Dienst gestellt, die über eine komplette Funkempfangsanlage oerfügen. Besonders bei Unruhen können diese Wagen von der Polizeizentrale dauernd eingesetzt werden, ohne erst mit Rückfahrten Zell zu verlieren. Kieker Werftabschluß fehlende Neubauaufträge Die Reichswerft Deutsche Werke' Kiel A.-G. weist für das am 39. September beendete Geschäftsjahr einen Verlust von 474 341 Mark aus, der sich um den Vorjahrsoerlust auf ms- gesamt 763 192 Mark erhöht. Der Beschäftigungsgrad hatte sich seit dem Frühjahr, wo die Belegschaft aus 3999 Mann zusammengeschrumpft war, gcbesiert, so daß 999 Mann neu eingestellt werden konnten. Da die Werft zur Zeit überwiegend durch Auf- träge der Reichsmarine beschäftigt ist, die vor der Erledigung stehen, ist sie stark um Neubau- auftrüge bemüht. So gelang es kürzlich, aus Norwegen einen Grohauftrag zum Bau eines 19 999-Tonnen-Motorfrachtschisses zu erhalten, das das siebente Schiff einer nach Norwegen geliefer- ten Tankdampferserie darstellt. Die Beschäftigung in den Maschinenbau- abtellungen war ungleich. Der Umsatz in statio- nären Dieselmaschinen konnte sich noch erhöhen. dagegen litten die übrigen Wteilungen erheblich unter dem Absatzrückgang. Im Rahmen der vom Reich subventionierten Abwrackaktion erhält die Werft 39 999 Schiffsraum überwiesen. Wetter für Berliu: Ziemlich mild, vorwiegend bewölkt, ohne wesentliche Niederschläge, schwache Winde aus Süd bis Südwest.— Für Deutschland: Wenig Acnderung des herrschenden Witterungscharakters, nur unbedeutende Nieder- schlüge im Südwesten und Osten. BsL. Oftri-g. Heute Beginn des Hallentrainings. Jeden Mittwoch und Freitag, 2» Uhr, Turndalle Realgnmnaiium Parlaue. Dienstag, tl>. Januar, 20 Uhr. Generalveriamin.- Inng bei Wegner Frankfurter Allee 2ZK. Frei« Tnrncrichast Sroß-Berlin. Turnhalle Prinieustraße: Heute, 20 Uhr. erster llebungsabend nach der Pause.— Berirt Osten: Heute, 2V Uhr, bei Bauer, Tilsiter Str. 27, Jahresversammlung der Handballer.— Be>irl Westen: Donnerstag, ä. Januar, Beginn der Uebungsabende.— Freikörpertulturbetirk: Donnerstag, 5. Januar, Nacktbade. abend, Stadtbad Hubcrtusstraße, 10 Uhr. Rundfunk am Abend Mittwoch, 4. Januar Berlin: 16.10 Warum ist der Hilfsbedürftige unzufrieden mit dem Wohlfahrtsamt' 16.30 Aus Hamburg: Nachmittags- konzert. 17.39 Soll mau jetzt kaufen— oder wird es noch billiger? 17.45 Jugendstunde. 18.03 Alte und neue Chorlieder. 18.23 Tip und Tap, die zwei Schotten. 18.40 Dürfen wir Ihnen raten? 18.53 Die Fuukstunde teilt mit. 19.00 Stimme zum Tag 19.10 Gedenkstunde für Otto Stransky(Gitta Alpar singt). 20.00 Fünf Takte aus dem Lied der..Großstadt. 21.00 Unbekannte Sinfonien von Josef Haydn. 22.00 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Tanzmusik.. � Königs Wusterhausen: 16.00 Viertelstunde für die Gesundheit. 16.30 Aus Hamburg: Nadimittagskonzert, 17.10 Fahneuehrc und Fahnentreue.<7.30 Adalbert Stifters Heimat 17,55 Tägliches Hauskonzert 18.30 Einheitskurzschrift 18.55 Wetterbericht 19.00 Französischer Sprachunterricht 19.35 Aus Bremen: Militärmarsch der Nationen. 20.45 ..Jagt ihn— ein Mensch"(Schauspiel). 22.15 Wetter-. Tages- und Sportnachrichten. 22.45 See-Wetterbericht. Sonst: Berliner Programm. Vollständiges EuropaDrogramm im„Volksfunk", monatl. 96 Pf., durch alle„Vorwärts"- Boten oder die Postanstalten, Pcrantivortlicb füt Politik: Rudolf Brenbemübl; Wirischast: ö. Klingelböser: Gewerkfckmktsbe- wegung: I. Steiner: Feuilleton: Herbert Le» p b r e: Lokales und Sonstiges: Fritz Karstödt; Anzeigen: Otto Hengst: sämtlich in Berlin' Verlag: Borwöris-Vcrlag G m. b H., Berlin. Truck: VorwärtS-Buchdrnckerei u. VerlagSanstalt Paul Singer u, Co., Berlin SW. 08, Lindenstr 3' Becugs- bedingungen und Anzeigenpreise werden in jeder Morgcn-Ausgabe des„Vorwärts" verösfentlicht Hierzu 1 Beilage. Itaefe Thcalcr Mittwoch, den 4. Januar Staatsoper unter den Linden 20 Uhr Eine Nacht in Venedig Staatliches Schauspielhaus 20 Uhr 100 000 Thaler jSlädi.Oper Charlonenbur I Fraunhofer 0231 I Mittwoch, 4. Januar 20 Uhr Turnus IV Die Prinzessin von Trapezunt Eisinger. Schuster a. Burgwinkel, Frind. Braut a G Gombeit, Gienau a. G., Kandl. Heye. Dirigent. Müller VOLKSBUHNE Theater am Bfilourpsatz TSglich 8 Uhr D 1 Norden 6636 Oliver Cromwells Senduno v. Walter Gilbrichu Regie Heinz Hilper mit Eugen Klöpfer CASINO-THEATER 81/« Lothringer Strafe 57 8*4 Bis 6. Januar Alles mm Lolti Ah 7. laouar Onkel It/Suz u- Gutschein>— 4 Personen- Parke« nur 0,50: Fameuil 0.75, Sessel 1,23 bunte BUbn« Kurlürsienü.-TV. Kurfürstrndarara 209 Tel Bism.1400 Täglich 8*4 Uhr (üöckiidie Reise von Bertudi und Sdtwabau Musik: Kfinneke Regle. Pcokert Hans Schindler mit seinen Jazz-Symphonikern 7orv* Stetiiner Sänger ' Rfichshallen-Th., Dönboffpl. 8.15. Sonntags 3 30 zu ermitUigten Preisen Das \\\ groSe Januarprogramm; Die lielien Erben 4 Uhr Tätrlich 2-- 9 Vbr | Das seasalionnüeKabäreit-ProgramE j Ahendoreise I— 3 Mit. Haehm. GedetR> 25 | Jeden>o- r ahei» 1 1 V> Uhr; yfgchtvorsleMDTitl Deutsches Theater Schumannstr. 13 a A'eidend. 3201 8 Uhr Hans Moser in Essig und . Oel A\usikai. Lustspiel v.üeyei u. FranK Musik: Rukerl Katsdm Inszenierung O L. Preminser Ab m o gen 8 ü. Prinz von Homburg Haninierspieie Ab morgen täglich 8 Uhr Hans Moser n Essig und Oel Musikal Lustspiel v Geyer u. FranK Masiii: Balral Ratsdür In�zen ermg O L Pr�rn neer KomöDieDiiaus Schiffbauerdamm 25 Iii. 02 Wild. 8301-93 Täglich 8Z4 Uhr und Sorjlin udim. 4 Uhr Das Haus dazwischen mit Max Adalbeit Jakob TiedtKe Musik: S»li!3sky Blsmarckstr. iKnic, äteinpl. iL Ii"21 Heute B Uhr Uraufhihruna Iis mariner sind mal so Musik; Waller Kollo Söndand. Heide mann St? R.Jan.. 4 Uhr Robert unc Bertram iFrywTO WimfiiM B. B. B. iendows Boote ßöhnr Kotlbosser Straße 6 Oberbaom 3500 6' 4 Uhr Stgs nachm 4 U ne doile Kiste Charlottmir. 9 1 Düshofl 625 Letzte Vorsteiluog 8 Vi Uh» Zu wahr um schön zu sein Komödie von Shaw mir Alexaader Moissi Morgen 814 Auslandsreise mit Felix Bressart Blumen iiiiiiiniuiiniiiiiiiiüiiiiiiiiii Paul Golletz Mariannenstr. 3 F 8. Oberbaum 1 �03 JUER6ENS Kinderland 1933 Alexanderplatz Nsu* KSnlg«tr,4S Das beste und billigste Geschenkbuch für unsere Kinder ist neu erschienen. Der Preis ist in diesem Jahr herab» gesetzt von 1.50 RM auf 1.00 RM Es ist bei allen Zeiiungs» boten, Vorwärts»Abgabe» stellen und Parteibuch- handlungen oder direkt bei der Vorwärts Buch» druckerei, Berlin SW68, LindenstraBe 3, zu haben « t r k s a m sind die KLEINEN ANZEIGEN in derGesamtau'lage de»»Vontäru" and MITTWOCH, 4. JAN. 1933 WWrks -@— Winierfiudien im Vlordharm Freizeit muß nutzbringend gestattet werden Das ist der Grundsag für jeden erlebnishungrigen Menschen. Und selbst wenn zur Iahresneig« sich die winterliche Welt in grünen Weihnachten widerspiegelt und dem aktiven Wintersportler kein« Be- tätigungsmöglichkeit bietet, bleibt für den wahren Naturfreund Stubenhocken verpönt. Eines der reizvollsten Gebiete für solche winterlichen Streif- züge— ob Schnee oder nicht— wird immer der Nordharz sein. Dez wirklich schauenden Wanderers Auge bleibt dabei nicht nur an dem schönen Naturbild, an der Romantik der grünen Fichten täler, der sprudelnden Wässerchen, der schroffen Felswände und der springenden Wasserfälle hasten. Der Blick dringt tiefer, fördert Studien im sozialen und polstifchen Geschehen des menschlichen Lebensfchickjals. Und das ist wesentlich. Kaum ist die lange Bahmahrt von der Reichs Hauptstadt her beendet, da geht es schon hinauf in die Berg«. Jede freie Minute soll ausgenutzt wer- den. Die B r o ck e n b a h n führt den Schönheits- fucher noch am Nachmittag schnell auswärts, vor- bei an Fabriken und Sägemühlen. Noch ein Blick auf Stadt und Schloß Wermgerode. Bald fesselt lief unten das Drängetal mit seinen waldige» Hängen die Sinne. Ein sonderbares Volt hat sich hier dichtgedrängt in den kleinen Wagen zu- sammengefunden, keine Gesellschaft für Arbeiter- jungen und-mädel. Protzerei und spießbürgerliche Behäbigkeit paaren sich mit einem Schuß Herren- Menschentum. Kühl-reservierter Dank quittiert die sreundliche Auskunst eines Arbeiterwanderers. daß es sich hier um das Tal der Holten, me und nicht— wie die„gnädige Frau" vermutete— ums Bodetal handelt. Es ist manchmal unbequem, wenn solche Proletarierjungen in der Geographie besser Bescheid wissen, als die— zwar nicht von Natur, aber von Besitz wegen— im Bildungsgrad scheinbar Bevorrechteten. Eine reichlich par- fümierle Dame aus Spree-Athen' aber findet es hier echt snobistisch„schon ganz nett". Einig« un- entwegtc Schneeoptimisten schließlich ziehen troiz hellen Sonnenscheins nunmehr mißmutige Ge- sichter. Die grünen Fluren geben keine Abiahrts- bahn stir die mitgeschleppten Skier. Im hohen Fichtenwald erst wird uns wieder richtig wohl: Ruhe, Beschaulichkeit, froh- gemutes Aufatmen. Das ist ein anderer Dust. In der Steinernen Renne türmen sich die granitenen Blöcke in.wildestem Durcheinander und dazwischen rauschen die Wasier der Höllemme zu Tal. Da könnte man stundenlang lauschen. Umen in H a s s e r o d e aber umgibt uns bald wieder der rauhe Alltag, keine weihnachtliche Feiertagsstini- inu ng. Auch in Wernigerode hat die Not der Vleit Einzug gehalten. Die früher vorhandene Metallindustrie liegt schon seit Iahren danieder. Bon den Schokoladenfabriken ist nur noch eine im Betrieb. In den Steinwerken ist es gleichsalls still geworden. Abgesehen von der saisomuäßig ungünstigen Jahreszeit werden die Steinbrüche im Harz überall weit weniger denn früher ausge- kautet. Einzig die Holzindustrie kann nicht aussterben. Selbst das deutsche Gemüt wird von der Wirtschast-krife in seinen schönsten Wallungen gehemmt. Kam man früher bei einbrechender Dunkelheit aus den Bergen, leuchteten weithin von der Burgmühle her zahllose Kerzen aus den grünen Zweigen einer hochgewachsenen Fichte. Heut« hebt sich nur die dunkle Silhouette des wundervoll ge- wachfenen Baums vom lichten Himmel ab. Aus unserem Wernigeroder Parteiblatt ersehen wir, daß im Nordostbezirk des Harzes auch der freiwillige Arbeitsdienst eingewurzelt ist, nicht gerade zur besonderen Freude vor allem der Wald- und Forstarbeiter. Wegebauten und-Verbesserungen im Umkreis von Beckendorf, Ilsenburg und Wernigerode, Boden- verbesserungsarbeiten in Oschersleben und Osterwieck, Planierungen in der vor- städtischen Siedlung und aus Sportplätzen in .Halberstadt sind die Aufgabe der rund sechshundert Arbeitsdienstfreiwilligen. In Wernigerode arbeitet noch eine Schar Mädels an der Ausbesserung von Kleidungsstücken für die Winterhilfe. Geschlosiene Arbeitslager sind nur zwei von rechtsstehenden Organisationen vorhanden, in denen etwa ein Drittel der Jugendlichen erfaßt werden konnten. Der volkswirtfchastliche Wert der meisten Arbeiten muß anerkannt werden, der soziale und pädagogische bleibt fragwürdig. Ein Aufstieg auf den Brocken.zur Winterszeit ist keine ganz leichte Sache. Jetzt ohne die Beschiverden der schneeverwehten oder vereisten Wege ist es schvn bequemer, wenngleich rund ach, Hunderl Meter Anstieg in osr 4ti-Grad-Linie für Großstadtmenschen nicht gerade etwas Alltägliches und somit leicht zu Bezwingendes sind. Bei wun- dervollem Sonnenwelter wird auch das geschafft. Oben aus der kahlen Kuppe aber ist's ungemütlich. Die unvermeidliche Nebelhaube weicht nicht.