Abend- Ausgabe Nr. 8 B 4 50. Jahrg. RedokNvn und Verlag, Berlin SW 68, Cinbenftt. 3 5etiripred)tt A 7<3ml DSnhoft 292 bu 297 �tltgiammab«!)«: Sojwlixmokr« B«rlw BERLINER VOLKS BLATT DONNERSTAG 5. Januar T933 In Groß- Berlin 10 Pf. Auswärts..... 10 Pf. Bezugsbedingungen und Buzeigenprcist siehe Morgenausgabe Jentvatsesan der Gozialdemoeratifchen Partei Deutschlands Gtraßer bei Schleiche»' unJ?apsn hei Hitler Erfolg gegen die Gozialreaktion Das Ziel des sozialdemokratischen Volksbegehrens erreicht Die Nationalsozialisten, die in der Oeffent- lichkeit laut Kampf, Kampf dem Kabinett Schleicher! schreien, wollten einem wirklichen Kampf mit Konsequenzen im Plenum des Reichstags ausweichen. Ihr Osaf Hitler bevorzugt statt des Kampfes die Schiebung hinler den Kulissen. Schleicher versucht Hiller und die NSDAP, an sich heranzuziehen. Er geht dabei den Weg über Gregor Straße r. Am Dienstagabend hat nach einer mit ab- soluter Bestimmtheit gegebenen Meldung der „Frankfurter Zeitung" eine Unterredung .zwischen Schleicher und Gregor v t r a ß e r stattgefunden. Das amtliche Dementi von gestern steht dem nicht entgegen; denn das sprach vom Mittwoch... Nach diesen Mitteilungen sei Schleichers Ziel zunächst nicht, zu sprengen, sondern Gregor S t r a ß e r zu gewinnen und fürGregor Straßer die Tolerierung Hitlers. Auf der anderen Seite sucht Hitler hinter den Kulissen Bundesgenossen. gegen Schleicher und er hat einen Bundesgenossen gefunden in— Herrn von Pape 11! Die„Tägliche Rundschau" meldet heute: „Wie wir erfahren, fand am Alittwochmittag in Köln in der Wohnung des Barons Schroeder eine geheime Unterredung zwischen Adolf Hitler und dem früheren Reichskanzler von Papen statt. Adolf Hitler war in Begleiluug feines neuen Generalsekretärs Rudolf Heß und des obersten SS.-Aührers Himmler und feines Wirlfchaftsberaters Keppler erschienen. Vie Unterredung dauerte etwa Stunden. Gegen drei Uhr verließen beide in ihren Autos Köln. Bei der Unterredung find die Rlöglichkeilen erwogen worden, noch einmal den Versuch einer Kanzlerschaft Hitlers zu unternehmen. Angesichts der guten persönlichen Beziehungen des Herrn von Papen zum Reichspräsidenten hoffen die Beleiligten anscheinend. daß Herr von Papen den Reichspräsideuteo dazu umstimmen kann, seine bisherigen Bedenken gegen eine Kanzlerschaft hillers fallen zu lasten." Als die Gerüchte über eine Unterredung Hitlers nllt Papen zuerst auftauchten, haben wir sie für unwahrscheinlich gehalten. Daß Hitler ein Komplott schmieden sollte mit Aem Mann, den er monatelang in der blutigsten Form als den Herrenreiter, den Chef der feinen Leute aus dem Herrenklub hat höhnen lassen, das erschien als haarsträubende Un- Wahrscheinlichkeit. Aber an der absolut be- stimmten Mitteilung der„Täglichen Rundschau" ist kaum ein Zweifel möglich. Hitler hat übrigens im Sommer vorigen Jahres einen Feldzug mit e i n st w e i l i g e n Verfügungen unternommen gegen alle Behauptungen, daß er Papen toleriere und demnach mitverantwortlich sei für die Hungernotverordnung Popens. Eine solche Verfügung hatte er gegen die„S ch w ä- bische Tagwacht" in Stuttgart erreicht. In der Klage zur Hauptsache wurde er jedoch in erster Instanz abgewiesen. Er legte Be- rufung ein. Nunmehr hat er trotz der außer- ordentlich hohen Gerichtskosten, die er zu tragen hat, dieKlagezurückgenom- m e n! Wenn er mit Papen an einem Tische sitzt und Komplotte schmiedet, kann er nicht gut beschwören, daß er mit Papen nichts zu tun habe! Die Verlogenheit der nationalsozialistischen Agitation, insbesondere des Geschreis gegen die feinen Leute, wird durch die neue Jnti- mität Hstlers mit Papen ms rechte Licht ge- rückt. Wenn Hitler und Papen jetzt gemein- sam in der Wohnung eines Barons an einem Tische sitzen und darüber beraten, wie eine Kanzlerschaft gegen Schleicher zu erschleichen sei, so sind sie beide— feine Leute! Dem Vorstand der sozialdemokratischen Partei Teutschlands ist das folgende Zchrciben des Neichsministers des Innern zugegangen: „Im iRciAzsgesetzblatt Teil I Nr. K0 vom 20. Dezember 1932 ist das Gesetz vom 17. Dezember 1932 verkündet, wo- nach der zweite Teil„s o z i a l p o l i- tische Maßnahmen" der Verordnung des Ncichspräsideuten vom 4. Leptember 1932 aufgehoben wird. Ich nehme an, daß damit eine Wcitcrverfolgung Ihres Antrags vom 12. September 1932 wegen Zulassung eines Volks- bcgehrens über den Entwurf eines Gesetzes über Auflzebung einer Verord- nung des Reichspräsidenten, betreffend sozialpolitische Maßnahmen sich er- ü b r i g t. Ich bitte um Rückäußerung." * Damit ist der sozialdemokratische Kampf gegen die ungeheuerlichen Pläne, die seinerzeit die Regierung Papen gegen die gesamte Sozialpolitik und besonders gegen das Tarifreäst veriolgte, zu einen, erfolgreichen Ab- schluß gekommen! Am 4. September 1932 wurde die Notverordnung verkündet, die angeblich der Belebung der Paris. 5. Zanuar. Roch dea in den ersten Morgenstunden einge- trofseuen, vom Ministerium für die Handels- marive bestätigten Liften der Südatlontischen Schissahrtsgefellschast, der der in Brand geratene Dampfer„Atlantique" gehört, befanden sich insgesamt 229 Mann(Offiziere und Mannschaften s an Bord, als der Dampfer den Hafen Pauilloc verließ. Znsgesamt sind in Cherbourg bis gegen Mitternacht 211 Mann der Besahung von verschiedeneu ausländischen Dampfern an Land g e s e h t worden, so daß als vermißt 18 Mann gelten. Man nimmt an. daß sie erstickt oder ertrunken siad. Von den Geretteten befinden sich 27 verletzte im Hospital von Cherbourg. Die meisten Verletzungen sind leichter Ratur, nur Zwei geben zn einiger Besorgnis Anlaß. Unter den Schwerverletzten befinden sich der Bordarzt und ein Schifssingenieur. Der Minister für die Handelsmarine, Meyer, ist gestern abend in Cherbourg eingetroffen, um den Arbeiten der Untersuchungskommission, die heute ihre Tätigkeit ausnimmt, persönlich beizu- wohnen. Nach seinen Besprechungen mit den zuständigen Persönlichkeiten erklärte er, daß das Schiff verloren gegeben werde, man aber doch beschlossen habe, zu versuchen, den Schifssrumps möglichst bis nach Cherbourg zu schleppen. Ueber die Ursache des Brandes und darüber, wie er so überraschend schnell um sich greifen konnte, sei bisher nichts Näheres zu er- fahren und vielleicht werde es unmöglich sein, jemals darüber genauen Aufschluß zu erhalten. Der Minister unterhielt sich lange mit de» geredeten Mitgliedern der Besatzung und zollte den heroischen Bemühungen der deutschen. holländischen und englischen Seeleute, die am Rettungswert teilnahmen, donkbare Anerkennung. Der zweite Bordtommandant, Kapitän G a st o n, erklärte, daß vom Sicherheitsstand- Punkt aus das Schiff untadelig ausge- rüstet gewesen sei. Zweimal täglich habe die Mannschaft steueralarmübungen vorgenommen. Der Dampfer sei auch mit den modernsten Feuer- bekämpsungsapparaten ausgerüstet gewesen. Cr Wirtschaft dienen sollte. Sie enthiell Milliarden- geschenke für die Unternehmer, gleichzeitig auch die Ermächtigung für die Reichsregierung, schwer- wiegendste Eingriffe auf dem Gebiet der gesamten Sozialpolitik vorzunehmen. Auf Grund dieser Ermächtigung erfolgte die Papen-Lohn- k ü r z u n g und der Einbruch in das T a r i f r e ch t. Die Arbeiterschaft hat sich gegen diese Lohn- kürzungen zur Wehr gesetzt, in vielen Fällen mit Erfolg. Die Sozialdemokratische Partei hat den heftigsten Kamps gegen diese reaktionäre Verordnung ausgenommen. Als Papen durch die Reichslagsauflösung einem Aufhcbungsbeschluß des Reichstags zuvorkam, leitete die sozialdemokratische Reichstagsfraktion noch am selben Tage den Volksentscheid ein. Sie beantragte, dem Volke zur Entscheidung «in Gesetz zu unterbreiten, wonach der zweit« Teil der Aerordnung, sozialpolitisch« Maßnahmen betreffend. aufzuheben sei. Die Bürokratie des Kabinetts Papen hat zu- nächst den Versuch unternommen, das Volks- begehren zu sabotieren. Erst am Tage vor dem Rücktritt Popens wurde dem sozialdemokra- könne sich nicht erklären, wie der Brand so schnell um sich greisen konnte. Das Schiffsunglllck wird auch ein Nachspiel im Parlament haben, da bereits ein Abge- ordneter der Fraktion Marin. Henriot, den Minister für die Handelsmarine in Kenntnis gesetzt hat, daß er sofort bei Wiederzusammentritt des Parlaments über die Ursachen des Schiffs- Verlustes interpellieren wolle. Ein in Begleitung des Handelsmarineministers befindlicher Marinesachverständiger be- tonte in de» späten Abendstunden, daß vorläufig noch keinerlei Leweise vorlägen, daß die „Atlontique" einem verbrecherischen Anschlag zum Opfer gefallen sei. Der Ingenieur, der mit der Ueberwachung der Sicherheitscinrichtungen an Bord des Schiffes beauftragt war, bezeichnet es jedoch als merkwürdig, daß gerade die neuesten und modernsten Schiffe der französischen Handels- inarine in den letzten Monaten ein Raub der Flammen geworden seien.' Die französische Presse widmet der Bericht- erstattung über das Unglück, das nicht nur die französische Handelsflotte, sondern ganz Frank- reich in Trauer und Erregung versetzt hat. Spalten um Spalten. tischen Parteivorstand mitgeteilt, daß die Zulassung des Volksbegehrens erfolgt sei! Im neuen Reichstag, der nach der Wahl vom 6. November zusammentrat, setzte die sozialdcmo- kratische Reichstagssraktion ihre Vorstöße gegen die sozialreaktionäre Verordnung fort Ihrer Politik ist es zu verdanken, daß der Reichstag ein Gesetz beschloh, wonach die sozialpolitischen Maß- nahmen in der Verordnung vom 4. September aufgehoben werden müssen An dieses Gesetz war die Nachfolgerin der Regierung Papen. die Re- gierung Schleicher, gebunden. Sie muhte den Einbruch in das Tarifrecht, den die Regierung Papen vorgenommen hotte, rückgängig machen. Damit wurden auch die auf Grund dieses Einbruchs erfolgten Lohnkürzungen rechtsungültig. Mit dem Inkrafttreten dieses Gesetzes ist das Ziel, das sich die soziatdenwkratische Reichstagssraktion mit der Einleitung des Volksbegehrens gesteckt hatte, erreicht. Die sozialdemokratische Politik der Verteidigung der Arbeiterintercssen gegen die«ozialreaktio» hat in diesem Punkte zu einem bemerkenswerten Grfolg geführt! Berliner Anlewen .Austausch der Schatzanweisungen Am 1. April d. 3. werden 25 Rlillionen Warf Berliner Schotzanweisungen, rückzahlbar zu 110 Proz. süllig. Aus Vorschlag des Sladtkäm- merer» hat sich die Finanz- und Steuer- d e p u I a t i o n in ihrer heutigen Sitzung einmütig damit einverstanden erklärt, daß den Gläubigern ein ll m t a u s ch a n g e b o l für die Obligationen unterbreitet wird. Räch diesem Angebot sollen am 1. April 19ZZ die 10 Proz. Ausgeld in bar zurückgezahlt und neue fünf jährige, mit b Proz. verzinsliche Schotzanweisungen angeboten werden. Diese Schatzanweisungen werden jährlich mit 10 Proz. getilgt und mit 108 proz. zur Rückzahlung gebracht. Der Grützner-Gkanbal Auf Grund der nn„Vorwärts" mehrfach be- handelten Vorgänge hat die sozialdemokratische Landtagsfraktion folgenden ll r n n t r a g cing»- bracht: Der nationalsozialistische Seiialsprüsideni am Oberverwaltungsgericht, G r ü tz n e r, hat gegen den im öffentliche» Leben sonst unbekannten Kammergerichtsrat Dr. Fränkel eine Strafanzeige wegen wissentlicher, vollendeter Rechtsbeugung er- AufynacscU zu Becusieius QedäcUiuLs! Arn 6. Januar 1933, nachmittags 4 Uhr, findet die Beisetzung der Asche des verstorbenen Genossen Eduard Bernstein auf dem städtischen Friedhof, Maxstraße in Schöneberg, statt. Alle Genossinnen und Genossen, Reichsbannerkameraden, Arbeiterjugendgenossen und alle Arbeitersportler beteiligen sich. Antreien 3% Unr auf der Mittelpromenade der Innsbrucker Straße, Spitze Wartburgstraße, und Nebenstraßen. Spitze 11. Kreis, dann folgen die Kreise 7, 9, 10, 12, 13, 14, 15, 16 aus dem früheren Wahlkreis des Genossen Bernstein. Anschließend die Kreise 1, 2, 3, 4, 5, 6, 8, 17, 18, 19, 20. Abmarsch pünktlich 3'/, Uhr. Marsch durch ■//arfbnrg-, Morfin-luther-, Grunewaldstraße, Akazienstraße, Hauptstraße, Tempel- hofer Straße. Ebers-, Maxstraße. Friedhof. Fahnen und Banner sind mitzubringen. Fahrgelegenheit U-Bahnhof Boyerischer Platz.— Straßenbahn 3, 5, 6, 19, 60, 119. Omnibus 8 und 19. Paul Löhe Wird an S'slls des leider erkrankten Parteivoreitzenden 0 1 1 o W e I s die Gedächtnisrede halten. Der Brand der„Atlontique" Niemand mehr an Bord des brennenden Schiffes Der große Katzenjammer Die Partei der braunen Hosen ftnttet. Diese Strafanzeige ist nicht nur vollkom» nien haltlos, sie ist auch wider besseres Missen erstattet worden. Dies geht aus folgendem Sachverhalt hervor: Bereits vor Jahresfrist hatte Grützner in einem Schreiben an die Landtagsfraktionen der Rechtsparteien den Borwurf der Rechtsbeugung gegen Frankel erhoben. Nach einer Prüfung, welche die �Haltlosigkeit dieses Vorwurfs ergab. stellte Kammergerichtspräsident Tigges als Borge- setzter Frankels gegen Grlltzner Strafantrag wegen Beleidigung. Um diesem Verfahren aus- zuweichsn, gab Grützner die schriftliche Erklärung ab, daß er niemals den Kammergerichtsrat Dr. Frankel einer Rechtsbeugung habe bezich- tigen wollen und daß es ihm völlig f e r n g e- legen habe sowie auch jetzt noch fernliege, der richterlichen Tätigkeit Fränkels seine Miß- a ch t u n g auszusprechen. Er habe auch nicht den Vorwurf einer strafbaren Handlung gegen Frankel erheben wollen. Auf Grund dieier Erklärung wurde der Strafantrag gegen Grützner zurückgenommen. Wenige Wochen nach Abgabe der Erklärung aber erstattete Grlltzner trotzoem gegen Kammergerichtsrat Fränkel Strafan- zeige wegen Rechtsbeugung: wie die vorangegangene Erklärung ergibt, gegen fein besseres Wissen. Die Anzeige Grlltzners ist von der Staats- anwaltschaft beim Landgericht II untersucht worden. Diese hat ein Einschreiten gegen Fränkel wegen ossensichllicher Haltlosigkeit der Strafanzeige abgelehnt. Diese Haltlosigkeit lag so sehr aus der Hand, daß sogar ein Nichtjurist sie erkennen mußte, viel mehr ein Senatspräsident einer Höchstrichter- lichen Instanz. Der objektiv falsche Charakter der Anzeige steht danach ebenfalls sest. Wir beantragen deshalb: Der Landtag wolle beschließen, das Staats- Ministerium zu ersuchen, 1. in eine Prüfung darüber einzutreten, ob der Senatsprästdent Dr. Grlltzner noch die geisti- g e n F ä h i g t e i t e n zur Ausübung seines hohen Amtes besitzt: 2. im Falle seiner geistigen Gesundheit gegen den Senatspräsidenten Grützner«in Straf ver- fahren wegen wissentlich falscher Anschuldigung in Tateinheit mit Beleidi- gung des Kammergerichtsrats Fränkel einzuleiten: 3. bei Verneinung seiner geistigen Ecsundheik die nötigen Schritte einzuleiten, um ihn von seinem Posten zu entfernen. Genator Lamp'l geftopben Em verdienter Sozialdemokrat Am Dienstagabend ist der fozialdemo- k.ratische Senator in Altona, Dr. Lamp'l an Cmbolie, die sich im Anschluß an eine Nierensteinoperation bildete, g e st o r b o n. Dr. Lamp'l, der im 42. Lebensjahre stand, ist über" die Grenzen Groß-Hamburgs besonders be- kannt geworden durch seine Tätigkeit in der Re- volutionszeit, wo er als ein führendes Mitglied des Hamburgischen Arbeiter- und Soldatenrates sich um die Ueberwindung der spartakistischen Revolutionskämpse große Verdienste erwarb und im Februar ISlst zum Kommandeur von Groß- Hamburg ernannt wurde. Auch beim Kapp-Putsch hat Lamp'l sich bei den Kämpfen gegen die Truppen des Obersten Ledebur, die u. a. das Altonaer Rathaus besetzt hatten, hervorgetan. Im Jahre 1921 wurde Lamp'l zum besoldeten Se- nator in Altona gewählt, wo er bis zur Ber- staatlichung der Polizei das Amt eines Polizei- chefs ausübte. GchkeiGer-Braun Unterredimg am Freitag Die angekündigte Aussprache zwischen dem Reichskanzler von Schleicher und dem preußi- schen Ministerpräsidenten Braun findet, wie an zuständiger Stelle mitgeteilt wird, am Freitag statt. Äahlungsaufschuv Deutsches Ersuchen an USA. Ende März ist eine deutsche Zahlung von ZZ Millionen Mark an USA. für Schadenersatz und vesahungskoslen sättig. Bach dem haoger Abkommen von l9Z0 kann Deutschland 90 Tage vor der Fälligkeit jeder Rate Amerika um Zahlungsausschub ersuchen. Das hat nun die deutsche volschoft bei dem Schatzsekretär Mill» getan, weil die gegenwärtige Finanzlage de» Reiche» einer solchen Zahlung im Mege steht. Jahrelang haben sich die Nazis mit dem Nimbus des unbezähmbaren Löwenmutes umgeben.„Wir greisen an— wir stoßen vor!" so kreischte es von den Säulenanschlägen des Dr. Josef Goebbels. Ausrotten, ausmisten, davonjagen, hängen, köpfen, spießen, das waren so die Lieblingsauedrücke der Nazimatadoren, mit denen sie ihr Publikum in hysterische Raserei versetzten. Welche Helden, welche Berserkerwut! Damit ist es aus. Rettungslos aus! Angst- schlotternd schleichen die Helden umher und ihr einziges Trachten gilt dem Problem, wie sie sich der unangenehmen Verpflichtung zum Angreisen entziehen können. Wohin sind die Aeiten, in denen man den Parlamenten Uberhaupt kein« Ferien gönnen wollte, in denen jede Woche ein Antrag Eitler, wie ihn jetzt jeder kennt Reventlow:.. der Zrvtze �.ann, nach dessen Erscheinen man sich um nichts mehr zu kümmern braucht." Gchreckensszene vor Gericht IWlAglückter Selbstmordversuch vor der Straskammer des Landgerichts II spielte sich heute ein ausregender Vorfall ab. Ein Angeklagter, der sich wegen Betruges zu verantworten hatte, brachte sich mit einer Rasier- klinge schwere Verletzungen bei. Vor der Strafkammer stand die Berufung gegen den 31jährigen Kaufmann S c n d r e j i k und Genossen zur Verhandlung. Die Anklage lautete auf Betrug. Sendrejik war in der erste» Instanz zu 7 Monaten Gefängnis ver- urteilt worden. Er hatte eine Firma durch sin- gierte Aufträe- um Provisionen betrogen. Gegen das Urteil war von dem Angeklagten Berusung eingelegt worden. Zur Verhandlung wurde er aus der Untersuchungshaft vorgeführt. Er machte einen stark gedrückten Eindruck und wimmerte die ganze Zeit leise vor sich hin. Er hörte mit dem Wimmern auch nicht aus, nachdem das Gericht Platz genommen hatte. Auch die Fragen des Vor- sitzenden nach seinen Personalien beantwortete er mit einem leisen Wimmern. Als der Vorsitzende ihn fragte, ob er nicht ausstehen könne, erhob er sich, zog eine Rasierklinge und brachte sich zwei Schnitte in die Kehle und mehrere Schnitt« am Arm in der Nähe der Pulsader bei. Blutüberströmt brach er zusammen. Die Justiz- Wachtmeister sprangen sosort zu und verhüteten durch Zudrücken der Adern das Verbluten des Angeklagten. Der herbeigerufene Gefängnisarzt legt« dem Angeklagten auf dem Verteidigertisch Klammer» an und einen regelrechten Verband. Auf einer Bahre wurde der Mann ins Lazarett gebracht. Eine unmittelbare Gefahr für sein Leben besteht nicht. Das Verfahren gegen ihn wurde abgetrennt. * Wie mitgeteilt wird, soll Sendrejik ein ziemlich aufsässiger Mensch fein. Irgendwelche Zeichen einer seelischen Depression sind bei ihm in auf Parlamentsauflösung und Neuwahlen gestellt wurde! Jetzt heißt die Parole: Zeit gewinnen Zeitgewinnen! Im Reichstag hat man sich gedrückt. Mit der Ossensive gegen Schleicher ist es nichts. Die große Heldenschlacht ist wegen ungünstiger Witterung«inst- weilen auf den 24. Januar vertagt, und selbst der Laie riecht die Absicht weiterer Vertagung Un- geheures Getöse verkündete einst, nicht wie in Goethes Faust den Aufgang der Sonne, wohl aber dieWahlGörings zum Reichstags- Präsidenten. Herr Göring läßt sich nicht sehen, er verdrückt sich, er macht sich klein, obwohl er zum„Ogruf" besördert ist. Dies Sichdrücken ist offenbar der Zweck, zu dem der Herr d r e i s a ch e Aufwandsentschädigung aus der Staatskasse, immerhin einige Zwanzigtausend Mark jährlich, beziehen muß. Ist es anderswo anders? Man denke an Preußen. Mit Stuhlbeinschlacht begann die Tätigkeit der 162 Nazis im Landtag. Von den folgenden Sitzungen dauerte eine bis 4 Uhr nachts, eine bis 8 Uhr morgens. So groß war der Feuereifer, die verhaltenen Reden ins Stenogramm zu bringen. Jetzt? Auch in Preußen haben sich die Nazis auis Warten ver- legt. Heute, acht Monate nach der Wahl, trauen sie sich noch immer nicht die Wahl des Ministerpräsidenten aus die Tagesordnung zu setzen. Nur ganz selten hält der Landtag Sitzungen ab. Die Beratung des Haus- Halts ist im vergangenen Jahre nicht einmal in Angriff genommen worden. Ohne jede Kontrolle lassen die Nazis die Kommissare wirt- schaften, das elementar st e Recht des Parlamentes haben sie als ausschlaggebend« stärkste Partei des Landtags vor die Hunde gehen lassen. Die Periode des großen Geschreis ist vorbei. Katzenjammer, Angst vor jedem Schritt und tödliche Verlegenheit— das sind die Kennzeichen für die politische Situation der einst so großmäuligen Partei! IWt gedämpfter Trommel Klang... In Ermlurgelung größerer Objekte hat die Hitlerei ihre besten Pferde in das kleine Land Lippe-Dstmold geschickt, wo demnächst die der letzten Zeit nicht bemerkt worden. In den Besitz der Rasierklinge kann er auf vollkommen legalem Wege gelangt sein. Untersuchungs- gefangene, die einen Rassierapparat benutzen wollen, stellen einen entsprechenden Antrag beim Untersuchungsrichter, Der Antrag wird ge- nehmigt, sofern die Gefängnisverwaltung keinen Einspruch dagegen erhebt. Ein Einspruch ist jedoch nur angängig, wenn der Unterjuchungege- sangene durch ein besonderes Verhalten auffällig ist und die Aestihr besteht, er könnte von der Rasierklinge gegen sich selbst oder ander« Gebrauch machen. Am Spital getötet Mazedonische Blutrache Sofia, 5. Januar. Ehristoss lrajonow, der vorige Woche bei der Schießerei vor dem Sönigepalast den Redakteur Simeon Estimow erschossen hat und selbst verwundes worden war. ist im Krankenhaus von der ZöjähriLen Krankenschwester Ealherine Eonstan- linos durch drei Revolverschüsse getötet worden. Die Täterin erklärte bei ihrer Verhaftung, sie habe den Revolver erhallen mit der Weisung, den Patienten zu töten, weil er einen vaterlandsliebenden Mazedonier ermordet hatte. AI» gute Mazedonierin habe sie dem Befehl gehorcht. Nach acht Monaten Politische Bluttat aufgeklärt Von der Politischen Polizei des Polizeipräsidium» ist in den letzten Tagen eine politische Bluttat ausgeklärt worden, die bereits 8 Monate zurückliegt. Am 12. Mai wurden aus da» Nazilokal von Kratze in der G ü r t e l st r. 10 in Lichtenberg mehrere Schüsse abgegeben. Ein Toter und vier Verletzt« waren die Opfer des Ueberfalle». Nach den ersten Ennitt- langen nahm man an. daß di, Tät«r in den Reihen de» verbotenen RFB, zu suchen seien. Das bewahr- Heitete sich jedoch nicht. Vor einigen Tagen wur- den nun sechs Kommunisten festgenommen. die an dem Feuerüberfall beteiligt gewesen sein sollten. Gegen zwei Festgenommene ist Hastbesehl erlasse» worden, da sie ein Geständni» abgelegt haben sollen, nach dem sie in der fraglichen Nacht Neuwahlen zum Landesparlament vor sich gehen werden. In Detmold wurden die Wähler zu einer Versammlung berufen, um H-tler hören zu tönnen. Der große Adolf ließ d-e Leute, die da aus Neugier zusammengekommen waren, b i s 12 Uhr nachts warten, dann nahm er das Wort, um eine elegisch« Ansprache zu halten, deren Inhalt etwa in dem Wort zusammenzufassen ist, ihm, dem Oberosas, komme es daraus an, Deutschland zu retten, wenn auch erst in„vielleicht fernerer Zukunft". Die Regierenden in Berlin hätten keine eigenen Gedanken, das wenige, was sie richtig machten, sei von ihm. das übrige aber sei— unter aller Kanone! In Salzuflen sprach Goebbels. Auch er mutzte versichern, daß die NSDAP. Zeit habe, die Macht zu ergreifen! Aber als geübter Prophet fügte er hinzu, der„S i e g" werde noch in diesem Jahre erfolgen...! * In Meißen, einem äer Hauptstützpunkte der NSDAP., ist eine ganze SS.-Gruppe in Stärke von ZI Mann aus der Partei au-getreten. Auf einer Kundgebung der SA. in Bamberg machte der Nazi-Londtagsabgeordnete Zahneisen in seiner Rod« folgendes Eingeständnis:„Hun- derttaujendesind oavongelausen und irre geworden, weil sich der Sieg einer weltumwälzenden Bewegung nicht von heute auf morgen erzwingen ließ." Zahneisen dankte dem lieben Gott für diesen Rückschlag, da nun die schwarzbraunen Kämpfer um so mehr zusammenhalten würden. Hitler scheint von Lern Rückschlag nicht so sehr entzückt zu sein: denn sonst würden er und seine Mithetzer nicht so riesige Agitationsanstrengungen im Wahl- kämpf um Lippe-Detmold machen. Fememord? Die Eeiche am Stauwerk Güstrow i. Jtl., 5. Januar. Wie die Polizei mitteilt, wurde in der Nebel am Mühlenstauwerk eine männliche Leiche aufgefunden. Dem Anschein nach hatte der Tote bereits längere Zeit im Wasier gelegen. Man fand bei ihm Ausweispapiere auf den Namen des 34 Jahre alten Arbeiters Wilhelm Westphal, der seit dem 10. November vermißt wurde. Er war Mitglied der NSDAP. Ob Mord, Selbstmord oder Unglücksfall vorliegt, muh die Untersuchung ergeben. Die Leiche wurde von der Polizei beschlagnahmt. mehrere Schüsse auf das Lokal von Kratze abge- feuert haben. Die anderen vier sollen an dem Ueberfall teilgenommen und dem Hauptschuldigen zur Flucht verHolsen haben. Wilde Verbrecherjagd Im B e r l i n e r Westen spielte sich in der Nacht eine wilde Verbrecherjagd ab Zwei Männer waren in die Räume der Atlantischen Telegraphen-Gesellschast am Viktoria-Luise-Platz eingedrungen. Der Hauswart entdeckte die Ein- brecher und alarmierte das Ueberfallkommando. Die Täter hatten inzwischen gemerkt, daß etwas nicht stimmte und ergrissen die Flucht. Sie nahmen ihren Weg durch die Portierloge, wo sie di« Frau des Hauswarts mit vorgehaltenen Pistolen zwangen, ihnen die Tür auszu- schließen. In einem bereitstehenden Auto flüchteten die Verbrecher. Ihre Verfolgung zog sich bis nach Charlottenburg hin, wo ste in einer Seitenstraße entkamen. Äugunglück bei Lyon Vierzig Verletzt» pari», 5. Januar. Im Bezirk von Lyon stieß ein vollbesehier Personenzug mii einer Rangierlokomotive zusammen, hierbei wurden 4 0 per- s o n e n mehr oder weniger schwer verieht! 15 von ihnen mußten Ins Krankenhaus übergeführt werden. Der hauihaltsausfchuh und der Sozialpolitische Ausschuß des Reichstags treten am 10. Januar zusammen. Aus der Tagesordnung des S o z i a l p a l i t i s ch e n Ausschüsse» steht der Arbeitsbesch afsungsplan. Ob der Reichsiinanzminister schon am 10. Januar Aus- kunft über die Finanzlage gibt, ist im Augenblick noch fraglich, Slrasantrag gegen vulklar. Die in ihrer Mehr« heit nationalsozialistische Lanhwirtschaftskammer für die Provinz Ostpreußen hat gegen ihren früheren Präsidenten, den Nationalsozialisten Freiherrn von Buttlar, Strasantrag gestellt. E» handelt sich um den Brief, den Buttlar in der „Ostpreußischen Zeitung" oerössentlichte und in dem er sich gegen die Geschäftsführung der Land- wirtschaftskammer und ihre Beeinflussung durch den nationalsozialistischen Gauleiter Koch wandt«. KiüefyaÜMkdeq. das\Jotk (/e-ffauiUcUt P'MiejikuHdfre&uufr du Tcauti* am Montag, dem 9. Januar, 19.30 Uhr, im Großen Saal des Saal- bausFriedrichshain. Rednerin: Reichstagsabgeordnete Mathilde Wurm. Protestiert mit uns gegen die Aushungerung des Volkes! Eintritt frei! Ausgaben im Äahre 1Y33 I�eue Wahlen in den Betrieben—».Doppelte Einheitsliste" Surati geflüchtet Der Internierung entronnen Eigener Bericht des„Vorwärts" Innsbruck, 5. Januar. Der ehemalige Generalsekretär der Faschisten- Partei, Turati, der in der ftähc des Gardasees interniert war, ist ins Ausland entkommen, was in Italien natürlich verheimlicht wird. Turati gehörte früher zu den intimsten Mitarbeitern Mussolinis. Er wurde abgeseht und interniert. als herauskam, dasz er sich über Mussolini schrist- lich in einer Art geäußert hatte, die Meniger- wissenden jahrzehntelangen Kerker eingebracht hätten: aber Turati anzuklagen, konnte man nicht wagen! * Auch die italienische Botschaft in London hat, allerdings nicht amtlich, bei der Rundsunkgesell- schast Verwahrung eingelegt, da in dem Siloesterp /ozramm gesagt worden sei, Italien spreche von der Abrüstung, rüste aber immer noch aus. «iLtnuar Bas Kabarett der Komiker bietet neben einer Anzahl Varietenummern, unter denen der Jongleur Rebla und die ausge- zeichneten Negerstepptänzer S Hot Shots aussallen, eine Szene mit Hans Moser, die man bereits aus dem Kino kennt, und ein Sketch mit Kurt B o l s, der auf eine sanfte Verulkung des bürger- lichen Eheglücks— hinausläuft. Der Zeitsatire ist nur schmaler Raum vergönnt, obwohl festzustellen ist, daß nach dem politischen Potpourri Willi Kollos der spontanste und stärkste Beifall des Abends einsetzt. Neben diesem jungen Autor- komponisten bringt auch der unverwüstliche Conferencier Paul Nikolaus manche scharfe Pointe, Marga L i o n parodiert in Couplets des verstorbenen Marcellus Schiffer das Luxus- weibchen des Berliner Westens, aber nehmt es nicht übel— man hört einen Ton heimlichen Ein- Verständnisses hindurch. Es sehlt eine gute Meile wirklicher, innerer Distanz, Zeichen der Zeit: die allseitige, ungetrübte Heiterkeit, mit der alle Witze auf die Nazis lufgenommen werden. Hitler ist zur Zeit das dankbarste Objekt für Kabarett- komiker, k. Kabarett kür Alle Willi S ch a c s f e r» setzt seine Tradition fort, neue junge Talente zu entdecken und sie seinem Publikum mit viel väterlicher Behäbigkeit vorzu- stellen. Er präsentiert uns die entzückende junge Tänzerin Nini Theilade, die hier auf der kleinen Bühne viel mehr zur Geltung kommt als im Großen Schauspielhaus, Sie ist«ine Freude fürs Auge, sie hat soviel Grazie und auch ein so seines Spiel der Hände, daß man hier wirklich einmal von einer Bereicherung des Kabaretts sprechen kann. Genia N i k o l a j e w a führt sich als Parodistin ein. Sie hat zum Tanzen Singen und charakteristische Darstellung hinzugelernt, ihr Talent für das neue Genre ist unbestreitbar. Sie parodiert die neue Ungarnmode der Rotter-Bühne in einer sehr gelungenen Nachahmung der Gitta Alpar. Weitere Entdeckungen sind Anita Hell- w i g und Barbara Boot, zwei junge Kllnst- lerinnen, deren Vorzug vorläufig noch wesentlich in ihrer Blondheit und artistischen Unverdorben- heit besteht, Willi Schaesscr», der bet sich so eine Art Seminar für die Geschichte des Berliner Kabaretts und auch für literarische Erinnerungen austun möchte, pflegt neben dem jungen Nachwuchs auch die ältere Generation, Peter Sachse ver- leidigt den Titel eine» Vergnügungsdiktators Berlins mit Erfolg in feinem vergnügt kalauernden Jahresbericht, Paul Schneider-Duncker trägt immer noch wirksam die Chansons von ehe- mals vor. Auch Joseph Plaut findet sich hier ein und unterhält mit seiner dramatisch zuge- spitzten Erzählerkunst aufs beste In dem allzu reichhaltigen Programm sind noch verschiedene Tanznummern und Martin Taub- mann, der aus der Luft Musik zaubert, zu er- wähnen. Es fehlt auch nicht an Sketchen, in denen S ch a e f f e r s seine gemütlich-behagliche Art ent- wickelt u. a, Mattoni den Modeprinzen mimt, Im ganzen Programm wenig politische An- spiegelungen. aber diese sitzen, 6, * Das Tingel Tanges hat mit seiner neuen Revue „Es war einmal" keinen Erfolg gehabt. Das Brettl wurde vorläufig zugemacht. Ohne Friedrich Holländer scheint es dort nicht zu gehen, Thealerdiktat in Rudolfladl, Die Staatrats- Mehrheit in Rudolstadt hatte die Schließung des nationalsozialistisch geleiteten Theaters beschlossen, Dieser Beschluß ist aus Veranlassung des Volks- bildungsministeriums durch den Bürgermeister Dr, Moll in seiner Eigenschaft als Staate- kommissar aufaehoben worden. Eine Abordnung des Ministeriums beschrank, den Zuschuß auf 251X10 Mark, Weiter soll die Oper nicht abaebaut werden, wie es die Stadt Rudolstadt beabsichtigt hatte, „Kamps der Tertia", da« Erfolgsstück de»«inder- iheaterS Renee Zwbrawa, wird vo»> tzt av staudtg jeden Mittwoch i Uhr, Tönnings o'-i Uhr, im Theater nm Tchiffbauerdamm aufgeführi. Auch die übrigen Tiüäc„Kai au- der«isie" u»d„Rotkäppchen über- siedeln in dasselbe Theater, Tie Kamera zeigt ab», Januar„Ehilago Weltstadt in Flcgeljahren und„Straßen der Weltstadt. Bei den bevorstehenden Neuwahlen der Orts- Verwaltungen und der Betriebsräte geht die Kommunistische Partei durch ihre„revolutionäre" Gewerkschastsopposition auf große Eroberungen aus. Zu diesem Zweck hat sie sich eine neue Taktik zurechtgelegt, die sie ihren Anhängern erst mundgerecht zu machen versucht, Sie operiert mit verschiedenen Listenbezeichnun- gen. Bei den Gewerkschaftswahlen mir„oppositionellen Gewerkschaftslislen" und bei den Be- triebsrätewahlen je nachdem, mit„Einheitslisten" und„Boten Einheitslisten". Und zwar sollen ihre Kandidatenlisten in der Regel als„E i n h e i t s- listen" bezeichnet werden, „Rote Einheitslisten" aber sollen in jenen Betrieben aufgestellt werden, wo diese Be- Zeichnung aus der Vergangenheit heraus be! den Belegschaften bereits populär ist und in allen Betrieben, in denen der christliche bzw, national- sozialistische Einfluß äußerst gering ist. Das heißt also, daß in allen übrigen Betrieben die rote Farbe nicht benutzt wird. Für den Dummensang versprich! man sich von„Ein- hcitslistcn" einen größeren Erfolg als von„Boten Einheitslisten". Dabei wird den Lesern der KPD,-Presse hoch und heilig versichert, daß diese Richtlinien keineswegs eine Abänderung der bis- hcrigen Taktik oder gar der bisherigen Linie be- deuteten. Der Grundsatz, in allen Betrieben eigene Listen aufzustellen, bleibe unverrückbar bestehen, Die neue Taktik sei„die praktische Anwendung der Einheitssronttaktik von unten, der kühne und zielbewußte Kampf um die Gewinnung Das Theatergeschäft 1S3Z ist mal so. Nach Versprechungen und einiger Erfüllung hat das Schiller-Theater am Schwankrummel, rotterifch ausgezogen und auch herabgezogen. Geschmack und Verdienst gefunden. So folgt auf„Robert und Bertram" die von H a l t o n und R i d e a m u s zusammengestellte und von Walter Kollo sozu- sagen komponierte Gesangsposse, Die Rotter- Konkurrenz wird nun am privatisierten Volks- theater Charloitenburgs zur Dauerparole, Man hilft sich eben, wie man kann. Ob am Äottbusser Damm oder Äursürstendamm, Ideale stehen nur noch auf dem Papier am Anfang der Saison. Was nachkommt ist:— Paul Heide mann als Spreewälder Amme, Weil er, der eigentlich einen srifchverliebten Rechtsanwalt mimt, dem schießenden Nebenbuhler entspringen muh, springt er durchs Fenster zu Dr, Lüdecke in die Wohnung, Der Doktor hat gerade die echte Spreewälderin, die Prachtbrust für seinen.herrlichen Säugling, hinausgesegelt. Der Rechtsanwalt hatte nicht einmal die Zeit, die Hosen anzuziehen, weswegen er das freigewordene Milchträgerinnenkleid schleunigst überzieht. Also schliddert die Posse in» richtige Geleise, drei Akte lang, bis sie entgleist, bis die falsche Spree- wälderln das Häubchen herunterreiht, Heidenspaß mit Heidemann- Bis dahin sind schon alle Ver- lobungspaare verlobungsreif geworden, Jubel, zwanzig Vorhänge, Autoren, Komponist, Kapell- meister Herweg, vom Verbeugen müde, Sieg aus der ganzen Linie, auch für den Kinderwagen I£!niz?ec�er lesen Wallace Im U. T. Kurfürstendamm Man kann es den Herren Ganoven wirtlich nicht verdenken, wenn sie im Film„Eine T ü r geht aus" zum Zeitvertreib Wallace lesen: denn ihre eigene Tätigkeit ist gerade nicht aus Erzen- gung von Spannung angelegt. Die Manuskript- fchreiber pflegen vielmehr die Methode der Denk- sportaufgaben. Der Zuschauer bekommt der Reihe nach fast jede» in Verdacht, der auf der Leinwand erscheint, um zum Schluß doch der lleberraschte zu sein, als der Herr Bankdlrektor höchst persön- lich sich den Einbruch bestellte und so ganz»eben- bei noch einen kleinen Mord beging, Alfred Zeisler, der sich als Regisseur nur auf seine Routine verläßt, achtet wenigsten» darauf, daß die Schauspieler etwas zu spielen haben. Im Vordergrund steht Hermann S p e e I- mann», Cr ist ein famoser Film-Kriminal- kommissar. Vollkommen konzentriert auf die große Sache, aber fahrig in kleinen Dingen, abergläu- bifch, menschlich verstehend, ein großer Junge, ein handfester Rausbold und nie-- ein Ueber- mensch. In dieser netten Manier spiest er sich stark nach vorn« Walter S t«> n b e ck ist der berechtigt nervöse Herr, der viel auf dem Kerbholz hat, und Curl Lucas gesällt als sein distin- guierter Kompagnon, Fritz O d e m a r, Oskar Sima, Peter Erkelenz und Hans Depp« spielen das Verbrccherkleeblatt so, wie das Publi- kum es zu sehen wünscht. Sehr gut sielst Erika Fiedler aus, für die zum Schluß vi« Tür zum Standesamt sich öffnen darf. der Mehrheit der Belegschaften.. Doch dürfe die Einheitssronttaktik nicht zu st a r r ange- wandt werden. In Hungerten von Betrieben sei die Aufstellung eigener Listen an dieser„linken" Starrheit gescheitert. Hinter den neuen Richtlinien dürsten sich nun aber die kommunistischen Funktionäre nicht etwa verbergen, um ihre rechtsopportunistische Ein- stellung zu rechtfertigen,„Die Funktionäre, die hinter diesen Richtlinien Zuflucht suchen, verbergen dahinter nur ihren Opportunismus in der ge- samten praktischen Arbeit..." Dem rechten Opportunismus wird der Kampf angesagt. Mit diesem„rechten Opportunismus" ist jeder KPD,-RGO,-Mann behaftet, der nicht jederzeit bereit ist, wegen jedem Dreck den Streik zu propagieren, Dabei wird diesen Rechtsopportunisten eine interessante Frage unterstellt, Sie sagten: „Entweder innergewerkschaftliche Arbeit und Verzicht auf eigene Listen und Verzicht aus Gewerkschaftsarbeit." Die KPD. fordert eigene Listen und„Ge- werkschaftsarbeit". Bei ihrem Kampf gegen de» rechten Opportunismus muß die KPD,-RGO, zu- gleich gegen das linke Sektierertum Front machen. das als„Hüter" der Generallinie konstatiere, die neue Taktik, die Verdeckung der roten Farbe, sei eine Abkehr von der Generallinie, die unbedingt im opportunistischen Sumpf enden müsse. „Als ob das Wort„r o t e" Einheitsliste die patentamtliche Schutzmarke gegen den rechten Opportunismus sei." Hinter den Redensarten dieser„linken" Funk- Fabrikat Naether, was gewissenhaft gemeldet werde, Denn diese Posse ist ein ordentliches Lachstück, man blödelt sich langsam und dann desto schneller ein. Der Unsinn wird medizinisch dosiert- Wenn Heidemann, Rechtsanwalt-Amme, aus dem Säug- lingskissen den Glimmstengel herausholt, um schmunzelnd zu passen, dann wird es verdammt gemütlich. Das Lachen steckt an. Senta S ö n e- l a n d, natürlich aste Schraube, mit Gattentroltci, den sie köstlich kujoniert, und dessen Leiden und Besoffenheit Willi Schur sogar graziös agiert. ist die famose Coupletsängerin, die deschwipsend schwebt und Dacapos von allem Text verschwende- risch verschenkt. So wird auch alles andere drei-, viermal verlangt, gesungen und getanzt. Curt Ackermann. Georgia Lind, Carla C a r l s e n und die kleineren Koryphäen machen sich bei dieser Liebeswerbung um die Sympathie des Publikums sehr beliebt. Der frühere Hauptmann-Regisseur K e n t e r betätigt sich jetzt als Ammendresieur der Posse. Der Volksbühnenarchitekt a, D. S u h r ist sein fleißiger und erfolgreicher Gehilse, E» klappt e» klappert, es scheint auch in der Kasse zu klim- pern. Die Nachricht, daß aus solchen Gründen Generalintendant Tieften mit dem Direktor Hirsch und dem Generaldirektor Rotter eine Operetten- gemcinschast unter der Firma H i r o t i gegründet hat, ist übrigens verfrüht. Der seit langem er- wartete Abschluß dürfte, wie wir aus bester Quelle erfahren, erst nach Aschermittwoch perfekt werden, Vi» dahin will man am Staatstheater noch rich- tiges Theater spielen. ki, Der Regisseur Johannes Guter lieferte im Film„Rundfunk einst und jetzt" eine vorzügliche Arbeit, es gelang ihm, dieses Thema rein filmisch gut zu erfassen und interessant zu übermitteln. d. E.m Musterprogramm Reichssender am Werk Der Reichssender beglückte seine Hörer mit der Aufführung eines Schauspiels von Kolbenheyer „Jagt ihn,« i n M« n j ch". Das Werk>st entsetzlich dünn: es lebt von einigen Schlag- Wörtern. Ein Ingenieur Hot einen Betriebsstofs erkunden, der geeignet ist, die Welt von allen anderen Kraftquellen unabhängig zu machen. Wie in der einführenden Textangabe den Hörern ge- sagt wurde, stellt sich„sowohl der Kapitalismus wie die organisierte Arbeiterschait" gegen ihn, der die Menschheit mit seiner Erfindung beschenken wollte. Das also wird in dem Stück gezeigt, Seine Primitivität, die«ine geschickte Bühnenaussührung etwa» kaschieren könnte, trat in der Hörspielauf- sührung kraß zutage, Das Zünglein an der Wage, die das Schicksal de» edlen Erfinders ent- icheidet, ist eine Chemikerin, um deren skrupellose Dämonie Edgar Wallace seinen Kollegen Kolben- heyer hätte beneiden können. Diese Konzentration von Egoismus und Grausamkeit besorgt also die dramatischen Verwicklungen, Sie kommt auch m eine Gewerksämiteversammlung, deren Empörung gegen den Crsinder sie weiter schürt, Diise» Ver- jammlungsbild, wie Koldenheyer es zeichnete und tionäre verberge sich nur ihre sektiererische Ein- stellung, ihre Ablehnung oder Regierung der Einheitsfrontsschwindeljtaktik, ihr Verzicht aus die „innergewerkschaftliche Arbeit" Wir wollen uns durchaus nicht etwa in die inneren Angelegenheiten der KPD., in ihre Fronten gegen den rechten Opportunismus und gegen das linke Sektierertum einmischen. Mag die KPD, versuchen, eine Einheitsfront zwischen ihrem rechten Opportunismus und ihrem linken Sektierertum herzustellen, bevor sie aus die Ein- heitsfrontbauernsängerei ausgeht. Um so mehr müssen wir dafür sorgen, daß der kommunistische Einheitsfronthumbug. ob„rot" oder lila, als das erkannt wird, was er ist. Der Kamps mit roten oder blassen„E i n h e i t s- liste n" zeigt in gleicher Weise die innere Verlogenheit wie die Schwächen der kom- munistischen RGO. Wie kann diese Gewerkschasts- spaltergruppe fordern, für ihre„roten" Kandidaten zu stimmen, wenn sie selber hinterher ihren roten Betriebsräten attestieren muh, sie seien nicht die richtigen gewesen. Kommunistische Ge- werkschafts- oder Betriebsfunktionäre können niemals„die Richtigen" sein, da sie den An- Weisungen der Kommunistischen Partei zu folgen habe» und nicht den Anforderungen, die das Amt eines Gewerkschaftsfunktionärs oder eines Be- triebsrats an sie stellt. Arbeiter wie Angestellte müssen von vornherein die richtigen Funktionäre wählen, die ihnen aus den Gewerkschaftslisten vorgeschlagen werden, der Reichssender es unterstrich, scheint als Abschreckungsmittel gegen die„organisierte Arbeiter- schaft" gedacht. Es ist eine Versammlung von Idioten und Irrsinnigen, die vor dem Hörer er- scheint. Reichlich zwei Stunden lang wälzte sich ohne Unterbrechung die Ausführung. Seine vorschriftsmäßige Gesinnung betätigte der Reichssender am Nachmittag mit einem Vor- trag des anscheinend im Schatten von Herr» Schleicher stehenden Dr, M L e z i n s über „Fahnenehre und Fa h n e n t r e u e". Sämtliche greisbaren Hohenzollern-Anekdoten, sv- weit sie sich irgend in das Thema einpassen ließen, wurden de» Hörern serviert. Die Funkstunde brachte am Nachmittag ein gut- gemeintes Dreigespräch„Warum ist der Hilfsbedürftige unzufrieden mit dem Wohlfahrtsamt?" Da jedoch nur hauptamtlich oder ehrenamtlich im Wohlsohrts» dienst Tätige, aber keine vom Wohlfahrtsamt Per- sorgten zu Worte kam«)?, werden die, die das Gespräch eigentlich anging, es trotz der merkbar verständnisvollen Einstellung der Sprecher zu de» von ihnen Betreuten, doch nur als weiße Salbe empfunden haben.— lz. „Gott, Kaller und Bauer", das auf gemeinsames Ler- langen des Zentrums und der Nationalsozialistc» aus dem„Deutschen Theater" in Berlin vom Spielplan obgesepi wurde, wird nunmehr in der fast vollsländigcu Originalbesetzung im„W a l l» e r- T h c a> e r" zu sehen sein, Hans Albcrs beendet sein Gastspiel im Theater i», A d m i r a l S p a l a st als„L i l i o m" ani Sonntag, Am 20. Januar ist die Uraussührung der „F r ü h l i>l g s st u r ni e" von Jaromir Weinberger mit Richard Tauber und Järmila Novotna. Rundfunk um Abend Donnerstag, 5. Januar Berlin: 16.15 Woran Bewerbungen oft- muls scheitern(Hugo Moltrecht). 16.50 Unterhaltungsmusik. 17.30 Lälit sich eine Frau auf der Strafic ansprechen? 17.50 Jugendstunde. 18.05 Altitalieuische Cellomusik. 18.40 Der Hörer und sein Apparat(O. Nairz. F. Nesper). 18.55 Die Funkstuncle teilt mit. 10.00 Stimme /um Tag. 19.10 Robert Schumann. 19.30 Unter- haUungsmusik, 20.05 Aus der Philharmonie: Artur Schnabel spielt, 21.00 Zeitfunk. 21.10 Moritaten(Elp bunter Abend). 22.10 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Tanzmusik. Königswusterbausan; 16.00 Für die Landfrau. 17.10 Viertelstunde Fupk- tedinik. 17.30 Tägliches Hanskonzert. 17.53 Volkstum lind Dichtung. 18.23 Colle.giuni .Musicurn. 18,53 Wetterberidit. 19.00 Deutsch für Deutsch«, 19.50 Das Gedicht. 19.35 Stunde des Landwirts. 19.55 Worte zur Winterhilfe. 21.00 Mahoniet-Fragment von Goethe. 21.20 Kammermusik. 22.00 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten, Kammermusik. 22.45 Sc«- Wetterbericht, Sonst: Berliner Programm. Vollständiges Europa Programm im„Volks- funk", monatl. 98 Pf„ durcn alle„Vorwärts"- Boten oder die Postanstalten, 85. Abt. Heute, 20 Uhr, engerer Borstand bei Burgemeister, Berliner Straße 100 Wetter für verttn: Mild, anfangs regnerisch. Ipäter leichte Besserung, mäßige, tigch West drehende Winde,— Für Deutschlandt Ost- und eoüddeuftchlano vorwiegend trüb« und regnerisch. in Westdeutschland veränderliche», mildes Weit«. vereinzelt Regensäll«. Operette im Ldriller-ITieater „Die Männer sind mal so" � OMD5-Mnsäger �=> Bevor Sie P3obd kaufen BAUHIIITC BEREINaniBn 2 LU 2 ÜJ 0 GROSSDESTILLATION Prinzessinnenstrasse 17 »»» Am Koritzplalz»»»» 1 Rind- und Schuieine-Schiachterei Hermann nosiecn | Ehertyntrao«' 31 besichtigen Sie meine Ausstellung Zahlungserleichterung ohne Aufschlag, bei Kassa 5 J/o Ti schle rm eisfter Berlin N, Chausseestr. 60 JULIUS KIWI BERLIN S 14/ WALLSTRASSE 63 FERNSPRECHER: F 7. 6771 ARBEITER! 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JAN. 1932 Tom ffiiirgertum mim&rolelarial Erinnerungen eines allen&arleigenoifen An unserem Gymnasium war Direktor Her- mann Schiller, damals in den achtziger Iahren führender Schulreformer und bedeutender Geschichtsschreiber, ein Mann von unerhörter Ar- beitsleistung und in vielen Dingen sreioenkend, ohne politisch links iu stehen. Damals fiel die Schluhieier und Abimriemenentlafsung immer mit der Geburtstagsfeier des alten Kaiser Wilhelms I.<22. März) zusammen. Kurz vor meiner Versetzung nach Oberprima benannte Schiller eine Anzahl Schüler, die auf sein Ar- beitszimmer kommen sollten, um ein Gedicht �um Aussagen bei der Feier zu erhalten. Besondei!� beliebt waren damals Gedichte von Geilel, Gerock, auch vom alten, patriotisch gewordenen Frei- ligrath. Gesungen wurde Felix Dahns mochwoll klingendes„Macte Senex!"(.Heil dir, greiser Imperator!"). Ich erklärte:„Ich kann nicht vvs- tragen", was er aber nicht gelten ließ. Nach- mittaas. auf feinem Zimmer und in Gegenwazil der Mitschüler, die mitberufen waren, bat ich ihn, aus meine Mitwirkung zu verzichten.„Warum?" „Weil es gegen meine lleberzeugung ist.".Ler- ncn Sie erst etwas, ehe Sie eine solche lieber- zeugung haben!" erwiderte er. ließ mich aber gehen. Er hat es mir nie nachgetragen, nur gc- lcgentlich, als er in Oberprima mein Klassenlehrer war, mit Belehrung oder harmlosem Spott aus inich einzuwirken versucht. Sonst war ich, ebenso wie zu anderen Zeiten Edgar Steiger(in Konstanz) und Eduard David, einer seiner Lieblingsschüler. Gelegentlich kam es im Anschluß an Aussätze zu einigen mehr oder minder ireundlichen Erörterungen. Ini ganzen gebort dieses Jahr in Oberprima zu meinen ireundlichsten und fruckit- barsten Erinnerungen. Man lernte, soweit man auch in mancher Hinsicht heute von der damaligen Methode abweichen mag, arbeiten, dazu gcschicht- lich denken und darstellen. Ein neuer Zusammen- stoß kam im Spätsahr, als ich in der Gesang- stunde das„Heil dir im S i e g e r k r a n z!" nicht mitsang und von dem treudeutschen Musikdirektor lei dem Direktor denunziert wurde Er konnte nicht umhin, mir«ine Strafe zu er- teilen, die auch mein sonst schönes Abgangs- Zeugnis etwas verunzierte. Doch geschah nichts weiter. Wir lebten doch in Hessen, das nicht völlig verpreußr war. Aon jedem preußischen Gymnasium wäre ich, wie Schiller tagte, aus- »gewiesen worden. Meiner Stellung zu den Mit- schülern, die säst alle im überlieferten„unpoli- tisch-patriotischen", d. h. monarchisch-nationalisti- scheu Fahrwasser segelten, tat das, soweit ich nicht schon als Jude, der auch sonst ihrer Schulmoral ablehnend gegenüberstand, schwarz angestrichen war, keinen Eintrag. Das alles war noch lediglich sormalpolitisch. Sozial stand ich aus dem Boden Leopold Sonnemanns: kritisch gegen die Stillstands- polilk des bürgerlichen Freisinns, aber nicht aus- gesprochen sozialistisch. Nur eine kleine Arbeit über Geld, die ich in Unterprima verfaßte, wurde von dem Lehrer mit niehr oder minderem Reckst alz sozialistisch bezeichnet. Sozial angeregt und erregt war ich seit 1880, als der eisige und lange Winter die durch die schwere Wirlsch.:stskrise her- beigeführte Not aufs äußerst« gesteigert hatte Es setzte eine evangelische Hilfsbewegung ein, die von meinem Vater sehr kritisch betrachtet wurde, damals aber noch meine Sympathie iand. Auch das Wuchergesetz von 1880, oas ich begeistert begrüßte, brachte mancherlei Betrachtungen sozialer Art. Die Universitätszeit. zuerst drei Se- mester als Student der Geschichte und Philosophie, dann sieben als Jurist und Lolkswirtschaitler. siel noch unter das Sozialistengesetz. Es gab damals noch allerhand echte und gekünstelte Romantik alten Schlages mit schönen Liedern, vielem Sausen und starkem Patriotismus. Ich gehörte zuerst einem akademisch-literarischen Verein an. der ent- standen war aus dem„Bund der Wikinger", einem urgermanisch getünchten, übrigens nickt antisemitischen Berein höherer Schüler, der Tuch- tiges in Literatur leistete und eine gute Bücherei ansammelte. In meinem zweiten Semester wan- Velten wir ihn aus Antrieb von Jena und Berlin kommender Kommilitonen in eine Resormburichen- schaft:„Arminia" im Allgemeinen Dcutichen Burschenbund. um. Dort wurde allerhand eriolg- lose studentische Resormarbcit getan, viel politisiert. sonst gelebt, wie es in einer Verbindung kleinbürgerlichen Charakters mit vielen unbemittelten Mitgliedern, unter denen eine Reihe guter Kopie und braver Kerle, üblich war. Im ganzen galten wir für liberal. Dem Bunde gehörten u. a der spätere freisinnige Führer F i s ch b e et und der Maler B i n d e w a l d, später antisemitischer Ab- geordneter, an. Inzwischen ist auch dieser Bund in dem großen Sumpf des Nationalismus ge- landet..1880 trat Eduard David bei. der seine Schulzeit unterbrochen und vier Jahre als Kaufmann gearbeitet, dann seine Schule in Gießen beendet hatte. Er war, wenn auch erstes Semester. an Iahren der Aelteste und Gereistcite und übernahm, nachdem er als Turnwart begonnen hatte, bald die Führung. Antisemitische Treibereien und ander« Unstimmigkeiten veran- laßtcn mich nachher zum Austritt. Ich habe später noch einmal ein Semester dem Akademisch- Philosophischen Verein in Leipzig angehört. Hier, im Winter 1887/88, sand ich endlich den entscheidenden Anstoß. Schon früher hatte ich L a s s a l l e s Schrift Über Fichte als Pilosophen gelesen. Alles Politische und Wirtschaftliche war verboten. In Leipzig kam ich zuerst in Ar- beiterversammlungen, die damals, unter dem kleinen Belagerungszustand, nur als öffentliche Sitzungen von Lohnkomitees möglich waren. Was ich da in vorsichtigster Fori» härte, noch mehr aber der ganze Zuschnitt und die Art der Leute zogen mich an. Durch Moritz W i r t h, einen älteren Schriftsteller im Akademisch-Phiwsophischen Verein, habe ich Rodbertus und. was mir wichtiger war, Max Schtppels Schrift:„Das moderne Elend und die moderne Uebervölkerung", in der er seinen Uebertritt von Rodbertus' Staatssozialismus zu Marx vollzog, kennengelernt und dadurch den entscheidenden Anstoß erhalten. Nun galt auch für mich Grillparzers Wort, das Schippe! als Wahlspruch seines Buches wählte: „Von zweien Welten eine mußt du wählen. Hast du gewählt, so ist kein Rücktritt mehr!" Auch ich hatte gewählt. Simon Katecnstein. e in Wann wird vermiUeU Ton Srich Spiegel Mlonn Zwei lange Jahre hat der Mann gestempelt. Da übergibt ein Kolleg« ihm den Brief seines Nachweisleiters mit der Bermittlungskan«. Nun steht er mit der Karte in der Hand an den Tur- Pfosten gelehnt. Er kann nicht lesen, auch später nicht, als er den Text in den schwache» Lichtschein des Treppenhauses hall. Er sieht nur Buchstaben und Linien, aber er weih:„Vermittelt!" Er packt den Ueberbringer bei den Schullern und lacht, schlägt sich plötzlich mit beiden Händen auf die Schenkel, springt aus dem Treppenabsatz herum und hält erst inne, als er fast über die Fußmatte stolpert.„Mensch!" sagt er Und dann: „Arbeit...!" Und das klingt wie ein ver- wundertes Flüstern. Der Mann bin ich. Aber es kann auch jemand anders sein von all denen, die auf Arbeit warten, tagaus, tagein. Irgendeiner von den sünf Mil- lionen. die wahrscheinlich sieben Millionen sind.— Ich stelle mich mll meinen Arbeitspapieren im Betriebe vor und werde angenommen. Am anderen Morgen bin ich auf dem Wege a» die Arbeitsstelle Ein Hafenarbeiter begegnet mir mit geschullertem Zampelbeutel. Dann überholt mich ein radsährender Zeirimgsjttnge. An der Ecke warten zwei Arbeiterinnen aus ihre Bahn. Vor einem Milchgeschäft hantiert ein junger Bursche mit schweren Kaimen. Um ein Warenhaus macht ein Nachtwächter sein« letzte Runde. Das sind die Leute, die ich nun jeden Tag treffen werde. Morgen oder Uebermorgen werden wir ansangen, einander zu grüßen. Jeden Tag! Immer an derselben Stelle, innner mit den gleichen Worte». Solang«, bis sie arbeitslos werde», bis i ch wieder aus die Straße fliege.— Es ist ein graphischer Großbetrieb, der mich eingestellt hat. Eine Massenauslage dicker Kataloge ist hereingekommen. Der Abteilungsleiter gibt mir Anwest'ungen. Beim Beschneiden der schweren Bände nmß ich einen Reklamestempel aus die Schnittfläche pressen. Ich grinse:..Also wieder stempeln!"— Nachdem der Meister mir meine Arbeit gezeigt hat, läßt er mich allein weller- machen. Er sieht mir nicht auf die Finger, bis die Arbell von der Hand geht. Das freut mich. Neben mir rumort ein Fließband. Zum ersten- mal stehe ich an so einem Ding. Es ist endlos. Unten nimmt es fertig beschnittene und gestempelte Bücher aus: oben, zurückkehrend, trägt es den Späneabfall in eine große Transportkarre. Laufendes Band! Ich sehe es nicht sehr freund lich an, und ich merke bald, daß die Bewegungen gewallig anstrengen, zu denen das Wind mich zwingt. Mir scheint, die Arbeit müsse leichter sein, wenn die Späne einfach beiseite gestreift und die Fertigstücke an der Seit« aufgeschichtet werden. Freilich, man spart den Mann, der die Bücher- stapel emsammell, der die sonst üblichen Spänekörbe entleert. Man erspart chn aus unser« Kosten! Dennoch scheim dies Band harmlos, well Sin denkwürdiger Wexenpro&eft 3)ic Vluller des Jiflrouotnen Wepler als Mexe Im Jahre 1611 war Linz die neue Heimat des bahnbrechenden Mathematikers und Astronomen Kepler geworden, der vorher in Prag eine Reihe von höchst unglückliche» Jahren verlebte. Er hatte dort seine Frau und drei Kinder verloren, Kaiser Matthias war ihm jahrelang die Besoldung als kaiserlicher Astronom schuldig gel lieben, er mußte. um nicht zu verhungern, astrologische Kalender mit unfinnigen Prophezeiungen versehe» und bezeich- nete diese Tätigkeit als«ine bessere Art von Betteln, die ihm überdies seine misienschasUiche Arbeit beinahe unmöglich machte. Aus seine dringende Bitten erhielt er dann die Projessur der Mathematik an der Linzer Land. schairsichule, bezog danir ein Jahresgehalt von 1W Gulden und lullte neben seiner Lehrtätigkeit noch die bereits in Arbell befindlichen„Rudolii nil'chen Tafeln" iertigznstellen. Der Unstern, der den genialen Mann zeitlebens veriolgte, ließ ihn aber auch hier nicht zur Ruhe kommen, denn in: Jahre 1620 traf ihn ein neuer Schicksalsichlag: Gegen seine im württembergischen Dorf Magstatt lebende Muller war ein He.renprozeß eingeleitet worden und die alte Frau stand in Geiahr, am Scheiterhaufen zu sterben. Die etivas sonderliche Mutter Kepler befaßte lick nämlich mit der Heilung von Krankheiten durch Kräuterkuren und Sal':n. las viel in Büchern und war schon aus diesem Grunde in ihrer Ke- meinde unbeliebt und geheimer Künste verdächtig. Alz nun der Fuß einer Klaiersirau durch die Behandlung der alten Kepler steif blieb, nahm die Glaserin vor dem Dorspsarrer das Sakramem daraus, oaß die Kepler eine Hexe sei, und es fanden sich dann noch einige ihrer Patienten, die sie eben- falls als Zauberin und Hexe verleumdeten. Kepler richtete sofort ein dringendes Bittgesuch an den württembergischen Kanzler Faber, in dem er die wahnwitziae Anklage gegen seine vierund- sieb'iajährige Mutter zu entkräften sucht«: die Greisin hatte sich aber tlizwiscken durch eine oben teuerlrche Flucht dem Hexentribunal eützogen und traf nach einer wochenlangen Reise in Begleitung ihre? jüngeren Sohnes vollkommen erschöpft und krank in Linz ein. Kepler war durch dieses traurig« Wiedersehen tief erschüttert und sandte so- fort ein zweite- Gesuch an den Oberrat in Wart- temberg: trotz seiner inständigen Bitten wartete aber seine Mutter nicht die Antwort ab, sondern reiste nach einigen Wochen wieder nach Württem- berg zurück, um ihre Sache persönlich zu vertreten. wurde nach ihrer Rückkehr sogleich in eine naiie. sinsterc Kerkerzelle gewarsen, mit schweren Ketten an Händen und Füßen gesesielt und an die Mauer geschmiedet. Die Nachricht von dieser unmenschlichen BeHand luny der alten Frau brachte Kepler fast zur Per zweislung. doch alle Bittgesuche bliebe» erfolglos und die Akten dieses Prozesies gingen schließlich an die Iuristensakultät in Tubingen, welche anord- nete, daß die Witwe Kepler zur Erlernung gründ- licher Wahrheit peinlich bestrast werden solle. Als nun am 28. September 1621 die Folter- knechte ihre Marterwerkzeuge in die Zelle schlepp ten und der vierundsiebzigjährigen Frau die Daumschrauben ansetzten, blieb sie trotz aller Qualen standhaft und sprach folgende tapfere Worte:„Man mache mit mir. was man will, ich weiß doch nichts zu bekennen. Lieber will ick. sterben, alz lügen." Dieser Todesmut der weißhaarigen Greisin machte großen Eindruck aus die Tübinger Juristen. die dann folgendes Urteil fällten: Nachdem Hein- rich Keplers Witwe durch ausgestandene Territion die Indizien purgieret bat, ist dieselbe von ange stellter Klage zu absolvieren. Der Herenprozeß war nun wohl beendet, die alte Frau starb aber bald daraus an den Folgen der flerkerhast. Johannes Kepler war schon vor dem Beginn des Prozesses nach Tübingen gereist. um seiner Mutter beizustehen. Die Urkunde über diese Reise besindet sich noch im Linier Beschaid- Protokoll ack 1620, Fol. 108. Es heißt dort: Johannis Kepler! Mathematici Pros. Erlaubnis zu einer Reise in- Reich. Doch soll sich der Supplikant so ehest es sein kann, längstens auf kunstige Ostern, wiederumb in Linz einstellen. l)r. Volstraar Iro. es keine Werkstücke heranträgt, weil er nur sertige Buchblocks well er befördert. Fortschaffen kann es schließlich mir, was eben fertig ist. Dann muß ich an die denken, die drüben die beschnittenen Bücher vom Band nehmen, auseinanderschneiden und mit Rücken beziehen sollen. Oer Gehilse an der Schneidemaschine fragt, wie es aus dem Nachweis aussieht. Dumme Frage. schlecht natürlich. Dann will ich wissen, was für Lohn gezahlt wird.„Lohn?— Wir müssen noch zehn Mark mitbringen, damit wir überhaupt arbeiten dürfen!"— „Wie lange wird die Arbeit dauern?" „Drei, vielleicht vier Wochen!" Ich bin enttäuscht. Ich weih, nach diesen drei Wochen folgt em« neue Wartezeit von drei Wochen Ich weiß, sie werden mir Bürgersteuer abziehen. Ich weih, ich kann mir nicht einmal Brotbelag erlauben, wenn ich von meinen Schulden herunter will. Nur eins weiß ich nicht, warum ich den Krempel nicht einiach hinschmeiße... Der Abdruck aus der glatten Schnittsläche wird sauberer und ansehnlicher. Meine Griffe sind fester und sicherer geworden. Rur die unsinnige Fließbandanlage ärgert mich. Sie erleichtert die Arbell nickst, sie schafft keinen Tempogewinn, sie geht mir aus die Knochen, weiter nichts. Ich spreche mit dem Gehilfen darüber.„Quatsch!" sagt der mit einem schiesen Seitenblick. Dann erzählt er mir, daß weiter hinten im Betrieb jetzt eine Maschine läuft, die mit Zwei Mädeln Be dienung die Tagesarbell van 25 Mädeln und zehn Gehllsen macht. Das klingt nach erbittertem Haß, aber dann streichen seine Hände beinahe zärtlich über die eigene Moichine. Es wird Zeit zum Smokotime. Ich gehe langsam durch die ganze Abteilung hindurch, an Maschinen, an Arbeitstischen, an Druckbogen und Büchern vorbei. Zwei Jahre lang habe ich das nicht gekomll. Ich bin wieder zu Hause. Ich habe Heimweh gehabt nach dieser Luft, nach diesem Lärm, nach dieser Arbeit! Jetzt bin ich wieder im Beirieb!— Erwerbsloser aus Urlaub! Die wenigen Züge aus der Kippe von heute morgen eririschen mich. Als ich den'Abort betr.il, wurde ich ongemeckert.„Immer dieselben!" Aber es ist doch anders geworden. Man spricht mit- einander, wie auch sonst, aber schon nach dem dritten Wort: Politik. Rationalisieriing. Lohn- abbau, Gewerkschaft! Aus Zote» und Witzen und gutmütigen Pfimimereien sind heiße hitzige Debatten geworden. Man kann nicht wieder aus- hören damit... Weiter, weiter! Späne fassen, stempeln, Späne fassen, stempeln, Späne mtis Laucha itd, Buchblock aufs Lmtfband. Die Hände machen das allein, sie oergreiien sich nicht mehr. Sie sind so zuverlässig wie eine Maschine. Die Arbeit geht rasch von der Hand. Tempo, Tempo! Denn nur das Temvo macht das Einerlei erträglich, und nur der gleiche Rhtsthmus macht das Tempo möglich. In der Nase spüre ich den Geruch trockenen Papierstaubs, den Duft von Leim und seuchter Druckerschwärze. Ich höre das Surren und Knattern der Riemen aus den Rädern, höre das Stoßen der Messer beim Schmft. In den Zehen suhie ich ein leises Zillern, das unermüdlich durch den ganzen Bau schwingt, das polternde Dröhnen der Rotationsmaschinen im Erdgeschoß. Draußen blinkt die Sonne auf feuchte Dachziegeln. Freude an der Arbell packt mich. Wieder im Betrieb sein, wieder an der Maschin« stehen, wieder zugreiien. Geld verdienen... Endlich Frühstückspause! Ich habe daraus . gewartet, und ich bin lange nicht mehr so hungrig gewesen. Hungriger als jemals vorm Zahltag. wo oft ein Teller Bratkartofteln ein Mlltogesien war und das Abendbrot eine Erinnerung an vorgestern.— Auf dem Balkon folgt der allgemeine Sinok- fime. Im Dachgeschoß lausen die Winden. unten im Hoic schreien die Kutscher ihr„Hiev" und.Ha". Und wieder Diskussion:„Parlmnen- tarisch!".„Außerparlamentarisch!",„Rcgiichlik!", „Diktatur!",„Stimmzettel!",„Aktion!",„Durch- hallen!",„Kämpfen!".'Aber Vorlauf lg bleibt es bei der Diskussion Vorläufig! Und wenn die heißen Köpfe, die erbitterten Rivale» einmal einig sind?— Es klingelt. Wieder laufen die Maschinen. Knattern, Stoße», Knirschen. Prasseln, Poltern füllt die Lust.— Als ich den Stempel pack« und zum ersten Arbeitsgang ansetze, da schmerzen Rücken und Hände. Ich kann nichts mehr ab. Ich nmß mich zusammenreißen. Meine Hände sind weich und weiß geworden. Morgen werden sie »oller Blasen sein Drei Wochen wird es dauern, bis das Kreuz wieder eiastisch ist, bis ich der Arbeit wieder gewachsen bin. Drei Wochen wird es dauern— dann werde ich die Papiere kriege». Mohn spat ms polililms Wieviel Geschosse hat eigentlich der Reich-tag? Drei?'Alles, was nicht niet- und nagelfest ist! Die SA.-Büchsensanunler bekommen reichlich— ihre Tätigkeit satt •k Und die Nazis haben doch noch Aussicht aus das Reichskan�eramt— vom Dach ihres Hau)«» Boßstraße 11. Rund um den Sport Interessantes aus aller Welt Als der„Elfmeler" erfunden wurde... Fast kein Spieltag vergeht, an dem nicht mehrere Mannschaften durch Verwandlung eines„Elf- meters" ihren Sieg sicherstellen Vor dem Jahre 18gl kannte man eine solche billige Chance aller- dings nicht. Wenn damals wegen unfairen Spiels ein Strafstoß verhängt wurde, so mußte er von der Stelle ausgeführt werden, an der der Regel- verstoß begangen wurde Selbstverständlich bildete die gegnerische Elf eine Mauer vor dem Tor, so daß der Ball unmöglich eine Lücke finden konnte. Das natürlich Resultat war, daß kein Spieler zögerte, in bedrängter Stellung chände und Füße in unerlaubter Weise zu gebrauchen Mr. William Mc. Crum, der dieser Tage in seinem Heim in Irland verstorben ist, führte eine Aenderung dieser Dinge herbei Er führte den Strafstoß ein, der jetzt als Elfmeter bekannt ist, und veranlaßte, daß der„Elfmeter" in die Regeln der Irischen Foo'ball Association im Jahre lllgl aufgenommen wurden. Das irische Beispiel fand dann allgemein Nach- ahmung. 500 Meter in 4Z,7 Sekunden. Ausgezeichnete Eisschnellaufleistungen gab es bei der Veron- staltung in Hamar, zu der sich die erste norwegische Garnitur eingefunden hatte. Hans Engnestaengen lies über Sül) Meter 43,7 heraus vor Evensen mit 44,8. H Nygren mit 44,9, während Weltmeister Ballangrund mit 4K.2 nur den 6. Platz besetzte. Ueber 4509 Meter siegte Bernt Evensen in der ausgezeichneten Zeit von 2:25,2 vor Engnestaengen mit 2:25.3, M. Staksrud mit 2,31,4 und Eh. Mathiefen mit 2:33.6. Ein Rachspiel halte der Eishockeykampf zwischen den Edmonton Supenors und den Pariser Canadiern im Berliner Sportpalast. Wegen un- erlaubter Teilnahme an diesem Wettspiel hat der französische Verband die bekannten Eisbockey- spieler Moussette und Cholette für je einen Monat und Murphy sogar für die Dauer eines Jahres disqualifiziert hower— Kölblin im Sp'chernrinq. Die erste Professionalveranstaltung in Berlin geht am 13. Januar in den Spichernsälen vor sich. Ein nationales Schwergewichtstresfen bildet die Haupt- nummer des Abends, die Gegner sind der Kölner Vinzenz Hower und der Berliner Arno Kölblin. Acht Tage später, am 20. Januar, will der Berliner Sportpalast seinen ursorünglich für den 6. Januar angesetzten Großkampftag starten. Den Hauptkainvf soll der deutsche Schwergewichtsmeister Hein Müller bestreiten. Arbeitersport und Alusikschuh. Die Zentral- kommission für Arbeitersport und Körvervflege hat mit dem„Verband zum Schutze musikalischer Ausführungsrechte" einen vom 1. Januar 1933 an gültigen Vertrag abgeschlossen, der die Bereine der ZK.-Verbände bei ihren Veranstaltungen von der Abgabe der Auksührungsgebühren befreit. Wie der Pressedienst des Arbeiter-Turn- und Spork- bundes mitteilt, müssen die Vereine des ATSB., die bisher mit der GEMA., der GDT. oder der AKM. eigens Abschlüsse gemacht haben, davon der Bundesleitung unverzüglich Kenntnis geben, damit sie durch einen Antrag der Bundesleitung von der vertragsmäßigen Zahlungspflicht für 1933 ent- Kunden werden Ziu-Oitsu-Sursus. Der Arbeiter-Sport-Elub Einigkeit 26 beginnt im Januar in der Turnhalle Markusstroße 49 Montags und Donnerstags, 1914 Uhr. einen Jiu-Jitsu-Kursus. Gewerkschafts- und Parteigenossen können sich sofort zur Teil- nähme melden Boxkursus. Die Vereinigung Lichtenberger Faustkämpfer, Mitglied im AABD., beginnt dem- nächst mit einem neuen Borkursus für Anfänger und Vorgeschrittene. Anmeldungen werden Mon- tag und Donnerstag von 19% bis 22 Uhr in der Turnhalle Bromberger Str. 14 entgegengenom- inen. Schüler müssen die Genehmigung der Eltern vorlegen. Ordnerdiensl zum 9. hallensest. Wie in früheren Jahren, ist auch am 29. Januar die Mitarbeit der älteren Sportler notwendig. Alle Bundes- vereine melden ihre älteren Sportler unverzüglich aber bis spätestens 20 Januar an ei Paul Graes O. 34, Eckertstr. 13 3 Tr. Ordnerkarten werden auf Grund der Meldung neu ausgestellt. Alte Karten sind ungültig Ein origineller Vadeabend. Die Verwaltung de? Stadtbades Dennewitzstraße veranstaltet am Sonn- abend, 7. Januar, 19.30 Uhr, einen Badeabend. bei dem Bade-, Strand- und Trainingsanzüge ge- zeigt wenden. Es folgen schwimmsportliche Dar- Ueber den Schnelltriebwagen der Deutschen Reichsbahn, der dieser Tage aus der Strecke Berlin— Hamburg seine ersten ge- lungenen Fahrten machte, wurde in den Zeitungen viel geschrieben, ohne daß dabei technische Einzel- Helten, die einen großen Teil gerade der Leser des„Vorwärts" stark interessieren werden, be- sonders hervorgehoben wurden. Die Zeitschrift des„Vereins deutscher Ingenieure" bringt in ihrer neuesten Ausgabe solche Einzelheiten. Die Triebkraft für den Wagen ist Elektrizität. Es sind nicht die Dieselmotoren, die ihn antreiben, obschon er als Dieselmotorwagen firmiert. Der Wagen entwickelt sich seine Elektrizität selbst, d. h. er nimmt sie nicht von einer Stromschiene ab, wie es etwa die Berliner Stadt- und die Untergrund- bahn tut. Antriebsmaschinen für die ström- erzeugenden Dynamos sind zwei Dieselrohöl- motoren von je 410 Pferdestärken Leistung: der in diesen Dynamos erzeugte Strom wird sofort in unmittelbar an die Dynamos angebauten Elektromotoren in Kraft umgesetzt und damit der Wagen angetrieben. Dieses System mutet im ersten Augenblick etwas umständlich an, es hat jedoch den Vorzug, daß der Schnelltriebwagen unabhängig von jeder außerhalb des Wagens liegenden Stromquelle ist und daß die in Anlage und Unterhaltung sehr kostspieligen Stromschienen erspart und überflüssig werden. Aus dem Kreis der technischen Erwägungen völlig ausgeschlossen sind in diesem Zusammenhang natürlich auch Akkumulatorenbatterien, die zu teuer und vor allem zu schwer wären. Der S ch n e l l t r i z b w a g e n hat also sein eigenes Elektrizitätswerk an Bord. Das ist an sich nichts neues, denn es gibt schon eine ganze Anzahl Schisse, die ähnliche Kraftaggregate haben. Sie sparen zudem die langen Schraubenwellen, weil man die Elektro- motoren zum Antrieb der Schrauben direkt in den hintersten Heckraum legen kann. Im Schnelltriebwagen ist das ganze Aggregat, also Dieselmotor, Dynamo und Elektromotor, direkt in die Fahrdrehgestelle eingebaut, nur die Motorenköpfe mit den zu überwachenden Maschinenteilen ragen in den Maschinenraum des Wagens hinein. So ist erreicht, daß Stöße, durch die Gewichtsmasse des Aggregats verstärkt, höchstens im Drehgestell auftreten und den Wagenkasten selbst nicht belasten. Im Maschinen- räum befinden sich auch die drei Brennstoff- behälter von je 330 Liter Fassungsvermögen, die für eine 2000-Kilometer-Fahrt ausreichen. Da- nach verbraucht der Wagen also pro Kilometer nur einen halben Liter Rohöl. Gewiß ist diese Maschinenanlage ungleich«in- sacher, kleiner, leichter, raumsparender als die auch nur der kleinsten Schnellzugslokomotive. Die Dieselmotoren, diese vom im Jahre 1913 auf mysteriöse Weise ums Leben gekommenen In- genieur Rudolf Diesel aus dem Explosions- motor(Automobil) entwickelten Kraftmaschine, haben zwöls Zylinder in V-Formi sie sind von den Maybachwerken den Zeppelinmotoren nach- bletungen und Rettungsvorführungen des Perso- nals. Schließlich kann sich dos Publikum an einem Geschicklichkeitswettbewerb beteiligen. Die Kon- serence des Ilnterhaltungsabends hat die bekannte Vortragskünstlerin Resi Langer. Unkostenbeitrag 30 Pf. Nach der Veranstaltung hat jeder Be- sucher das Recht zu baden. Sportkegler lvedding. Gewerkschaftler und Parteigenossen, die sich einem Arbeiterkegelklub anschließen wollen, werden um Meldung gebeten an W. B r u s ch, Ugandastr. 8 a oder an jedem Donnerstag ab 17 Uhr im Keglerheim P. Böhm, Maxstraße 18. Serienweilkamps im Ringen der Arbeiter- athleten, Freitag. 6. Januar, 19.30 Uhr, in der Halle Utrechter Str. 30/31, zwischen den.V-Mann- schaften Alt Wedding 83 und Sparta. gebaut und haben, was besonders Chauffeure und Autoschlosser interessieren dürfte, 150 Millimeter Zylinderbohrung und 200 Millimeter Hub. Der Kompressionsraum beträgt also 42 Liter je Motor. (Zum Vergleich: Schon als groß zu bezeichnende Automobilmotoren haben einen Kompressions- räum von 3 bis 4 Liter!) Ueber die genaue Geschwindigkeit des Schnelltriebwagens wird berichtet, daß 160-Stun- den-Kilometer zugrunde gelegt wurden. Höhere Geschwindigkeiten verträgt der Streckcnbau und die Streckenführung nicht. Die vielen Gleise bei Berlin und Hamburg, bei anderen größeren Städten und die kleineren Kurven ließen bei den Probesahrten nur eine Durchschnittsgeschwindig- keit von 121 Kilometer zu Aus der eigentlichen Schnellfahrstrecke zwischen Spandau und Fried- richsruh, die 246,9 Kilometer lang ist, kam man auf durchschnittlich 136 Kilometer in der Stunde. Schneller wird der Triebwagen bei dem jetzigen Fahrplan der anderen Züge und bei dem be- nutzten Streckensicherungssystem nicht fahren können. Immerhin kann man in absehbarer Zeit von Berlin nach 5zambur.g in rund 145 Minuten fahren.>1. J. Das Geräteturnen Die Serie der Oberstufen-Turner Als wir vor dem Beginn der neuen Geräte- wettkampfserie der Arbeiterturner die Mit- tcilung machton, daß gerade in der Oberstufen- klasse ein Aufschwung der Mannschaften sestgcstellt werden könne, da rechneten wir noch nicht mit der großen Arbeitslosigkest, die sich hauptsächlich in den Kleinstädten bemerkbar machte. So kamen denn auch kurz vor dem Beginn eine Anzahl Ab- sagen, darunter auch vom vorjährigen Meister Eberswalde. In dieser Mannschaft war nicht ein einziger Turner, der noch Beschäftigung hatte. So blieben nur noch drei Mannschaften übrig. Doch kurz vor Schluß meldete auch der Bezirk Osten der FTGB. eine Mannschast nach. Die Oberstufe setzte sich nun aus folgenden Mann- schaften zusammen: Sportverein Moabit und die Bezirke Süden, Lichtenberg und Osten der FTGB. Wie würden die einzelnen Mannschaften in ihren Kämpfen abschneiden? Als die Meldung Ostens eintraf, herrschte nur eine Meinung: Osten macht es! Aber wie so oit, kam es auch hier anders, als man dachte. Die Moabiter zeigten sich in allen Kämpfen überlegen, ja, selbst die so sehr gefürchtete Ostinannschast wurde mit einem Unterschied von 32 Punkten geschlagen, während bei den Kämpfen gegen Lichtenberg und Süden nur ein Unterschied von 31 Punkten erreicht wurde. In Betracht gezogen muß allerdings werden, daß bei Osten zwei Turner, darunter der Kreismeister im Kunstturnen, der noch unter den Nachwirkun- gen seiner Krankheit litt, vollständig aussielen. Im Kamps gegen den Bezirk Süden gab es manchmal sehr heikle Situationen für Moabit, weil einzelne Turner unter Lampenfieber litten. So passierte es, daß am Reck einer der Besten es nur auf 10 Punkte brachte. Nur dadurch, daß die anderen Mitglieder der Mannschaft alle Kraft einsetzten, reichte es noch zum Sieg. Die übrigen drei Mannschaften haben erst je einen Kampf aus- getragen. Sie können aber in die Entscheidung nicht mehr eingreifen, da Moabit alle Kämpfe gewonnen hgt. Aber trotzdem darf man noch auf den Ausgang dieser Kämpse gespannt sein. Die erzielten Resultate sind: Moabit gegen Lichtenberg 527 zu 496. gegen Süden Z07ju 476, gegen Osten 534 zu 502 Punkten. Gesamtpunktzahl 1571 zu 1474. * Zu unserem gestrigen Aufsatz über den Stand der Fußballer berichtigen wir: Es muß heißen: Im ersten Bezirk stehen Normannia und Lichtenberg I in der Ableilung ö, und Baum- schulenweg und Blauweiß in der Abteilung A punktgleich. Am kommenden Sonntag finden Entscheidungsspiele um die Abteilungsmeister- schaften statt. Es stehen sich also die beiden Mann- schaften der Abteilung A und der Abteilung B gegenüber. Gespielt wird vormittags 9 bzw. 10.30 Uhr auf dem Sportplatz in der Hauffstrahe in Lichtenberg. Schwarzes Brett Saffetipoitncscin„Fratcrnitas". Sitzung Freitag. 8. Ja- »uar, 20 Uhr, Fallenstcin. Tennis- Rot Prenzlauer Berg. Generalversammlung Donnerstag, ö. Januar, 20 Uhr, Lnchcner Str. 8, bei Hofimann. Freie Sanu-Unio« Sroh-Berlin. Freitag, 6. Januar, 20 Uhr. Monatsverfammlung,„Zur Eiche", Neukitlln, Kaiser.Friebrich. Ecke Eaalestraßc. Vcrcinsgencrolversamm. lung Sonnabend, 21. Januar, 20 Uhr,„Zur Eiche". An» träge bis 8. Januar schriftlich an Otto Gras, Gottsched- straße<0, einsenden. Freie Faltbootsahrcr Berlin. Donnerstag, Z. Januar, 20 Ubr. Grupvc Norden: Billdenowltr. ö. Karl Schröder: ..Weltanschauung de» Arbeiters". Badeabend Dienstaas, S\2 Uhr, Stadtbad Mitte, Garteustr. 6.— Gruppe Sud- oslen: Grofte Franlfurtcr Str 10. Aussprache— Kampf. lieder.— Gruppe Norden: Ehristburger Str. 7. Portrag. Gläubigerversemmlung Montag, 9. Januar, 20 Uhr, Linde, Uferstr. l3. Freie Sportvereinigung Pankow. Donnerstag, l>. Januar, 20 Uhr, Sitzung des neuen Pcrgniigungsausschusses, Sport- klaufe, Florastr, 7Z. Freitag, 0, Januar, wieder Hallen- turnen tilr alle Abteilungen außer Frauen. Geänderte Buudesanschriften. Die Anschristen des Arbeiter-Turn- und Sporlbundes, des Ardeiler-Turnver. logs und der Bundesschulc haben sich durch Rummernver- legung im Grundbuchblati der Stadt Leipzig geändert. Für die Bundesschul« lautet ab l. Januar die Anschrift: Fichtcstr. 28, für den Bund und den Verlag: Fichtcstr. 80. Freie Wasscrsahrer Köpenick 1924. Sonntag, 8. Januar, lä Uhr. im Bootshause, Generalversammlung, Boots, Pässe sind beim Bercjnstcchnikcr umgehend abzugeben. „Solidarität", Radsahrer. Touren für Sonntag, den 8. Januar. Besichtigung des Kraftwerkes Klingenberg, Rummelsburger Straße, l0 Uhr. Es starten: Abt. Neukölln: 8�, Uhr Buschkrug, 9 Uhr Hohcnzollernplatz.— Abt. Brenz- lauer Berg: 9 Uhr Odcrberger Str. 81.— Abt. Krcuiderg: 9 Uhr Dieffenbachstr. iJÖa. Anschließend Mahlsdorf. Süd, bei Dracger— löUmabeude der Jugend. Abt. Kreuzberg: 9. Januar, 20 Uhr, Jugendheim Wassertorstr. 4.— Abt. Friedrichshain: 10. Janilar, 20 Uhr, Jugendheim Eberth- itraßc 12.— Abt. Neukölln: ll. Januar, Igt» Uhr, Be- sprechung des Februar-Vrogramms, Flugbaienstr, 88. 12. Januar Agirationsarbeit In der Arbeiterstcdlung Buckow. Start 18 Ubr Hohenzollernvlaß, ItzVi Uhr Busch. trug.— Achtung, Fahrwarte I 10. Januar, 20 Uhr, Fahr- wartesißung bei Lohann, Brllderstr. 18. Freie Turnerschast Wilmersdorf. Montag, 9. Januar, 20 Uhr, bei Killmann, Holsteinische Str. 4, allgemeine Funktionärsitzung. Freie Sportpereinigung Pankow. Sonntag, 8. Januar, Fahrt der Frauenabtcilung ins Blaue. Treffpunkt 9 Uhr Pankow sRordbahn). Ruderverein Eollcgia. Freitag, 8. Januar, keine Sitzung. Sonntag, 8. Januar, 14 Uhr, Generalversammlung,„Zur Linde" in Gatow, Es wird nochmals an die Organisation»- ausweise erinnert, da sonst kein Stimmrecht. Sportklub Alt-Wcdding 1888. Generalversammlung am 8. Januar, 14 Uhr, bei Karus, Boltastr. 19. Altcrsricge» Turner und Sportler.„Altersriegen-Rit- tcilungen" Nr. ö sind erschienen. Winter. Wasserwerbeabend Dienstag, 24, Januar, 20!2. Uhr, Stadtbad Mitte. Die Rundenlviele in Faustball werden nur durch den Berlin- Brandenburger Arbeitersport bekannt gegeben. Verantwortlich für Politik: RudolsBrendemübl: Wirischast: G. Klingelhöfer: Gewcrkschastsbe- wegung: I. Siein er: Feuilleton: Herbert Lc« p e r e: Lokales und Sonstiges: Fritz kkarslödl; Anzeigen: Otto Hengst: sämtlich in Berlin' Per- lag: Borwärts-Verlag G m. b H., Berlin. Druck: Borwärts-Buchdruckerei u. Berlogsanstali Paul Singer u. Co., Berlin SW. 68, Lindenstr 3' Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise werden in jeder Morgen-Ausgabe des„Vorwärts" veröffentlicht. Hierzu 1 Beilage. 1 60 Stundenkilometer Technisches über den Blitzzug Berlin-Hamburg ffaats Thcaler Donnerstag, den 5. Januar Staatsoper unter den Linden 20 Uhr Cavalleria rusticana Bajazzi Staatliches Schauspielhaus 20 Uhr 100000 Thaler Slädl. Oper Charlottenbun: Fraunhofer 0231 Donnerst., 5. Januar 20 Uhr Turnus IV Tosca Nemeth. Fidesscr, Rode. Kandl. Heyer Dirigent: Ladwig 'Uninsfüso VOLKSBUHNE Theater am Bfilewolatz Täglich 8 Uhr D i Norden 6fi6 Oliver Cromwells Sendung v. Waher Qilbricht Regie Heim Hilpert mit Eugen Klopfer B. B. Ba ßendows Bünte Bühne Kottbusser Straße 6 Oberbanm 3500 rägllcb SVs Uhr Stgs nachm 4 U ne doiie Kiste Kose• i iieatei Grete Fraikfurter Slnli 132 Tel. Weldnel El 342? 8.15 ohr Böhmische Musikanten Bitmarckstr. iKnie, Steinpl.(CD 871.' Täglich 8>/4 Uhr Die Mannet sind mal so Musik: Waller Kullo SMand. Haidamann Stg 8. Jan.. 4Uni Robert und Bertram KurllirslBnd.-Tit. Xurfürstendamm 209 Tel.Bism.I400 Täglich 8% Uhr lüQddldie Rebe von Bertuch and Sdtwabsdt Musik: Kfinneke Regle Peokert Hans Schindler mit seinen Jazz-Symphonikern Vorverkauf onunterfuoijten »kl Mn Charlottinstr. 93 Ddnhoff 625 1 Heute 81/« Premlrre| Auslandsreise von Oisterreidter u. Hinthfild| mit Felix Brcstar Maria Paudler. Oscar üabo u. a. I CASINO-THEATER S1/* Lothringer Str Ahe 57£ ii|lilllMn|iii|ii|iiiii||)|||uiiiiiiiiiiiiiiuiiiililliilNiiiiiiiiiiMiii Bis 6. Januar Alles um Lotti Ab 7. lanuar Onkel Muae» Gutschein 1—4 Personen- Parkett nur 0,80, Fauteuil 0,75, Sessel 1,25| Die Hamburg— Amerika Unle hat einen schweren Verlust erlitten. Gegen Mittag des 3. Januar ist der Vorsiizende unseres Vorstandes Gehelmrat Dr. w. cuno Reichskanzler a. D., nach kurier Krankheit infolge eines Hen- schlages jäh aus dem Leben geschieden Die Gesellschaft verliert in ihm den Führer, der ihr nach dem durch den unglücklichen Ausgang des Krieges verursachten vollständigen Verlud der Flotte den Weg zu neuem Aufstieg gewiesen hat Ueber dreizehn Jahre hat seine überragenae Persönlichkeit an der Stitze unserer Gesellschaft gestanden und ihre Geschicke gelenkt Was er mit seinem zähen Willen, seinem kaufmännischen Weitblick, seinen diplomatischen Fähigkeiten während dieser an äulleren und inneren Schwieriakeiien so überreichen Zeitspanne für die Hamburg— Amerika Linie gewirkt hat. sichert ihm lür alle Zeit unser dankbares Gedenken und einen Ehrenplatz in der Geschichte unsererGesellscnaft Sein Beispiel unhedingtei Hingabc an das Unternehmen, dem seine Arbeit galt wird bei allen, die unter der Flagge der Hambutg— Amerika Linie tätig sind, weiter wirken. Hamburg, 3 Januar 1933 In tiefer Trauer Aufsichtsrat und vorstand der Hamnurg-AmeriKa Linie Beerdigung Freitag, 6. Jänuar, 12 Uhr, von Kapelle 8 in Ohlsdorf. Am 3. Januar d. Js. verschied nach kurzer Krankheit im 57. Lebensj'ahr das Mitglied unseres Vorstandes, Herr ReichsHanzler a. D., Geheimrat Dr. Ul. cuno Vorsitzender des Uors'andes der Hamburg Amerika Linie Tief bewegt stehen wir an der Bahre dieses hervorragenden Mannes, der sein reiches Wissen und sein großes Können in den Dienst der deutschen Handels- schillahrt gesfellt und sich um deren Wiederaufbau nach dem Kriege unvergeßliche Verdienste erworben hat. Wir werden dem zu früh dahingeschiedenen Mitarbeiter und Freund, der auch unserer Gesellschaft ein wertvoller Berater gewesen ist, ein ehrendes Andenken bewahren. Bremen, 3. Januar 1933. Aufsictitsrat und vorstand des Horddeutscden Lloyd