Abend- Ausgabe Nr. 12 B 6 50. Jahrg. WebofMon und Veriog, Verlin SW 68. Lindenstt. 3 Fernsprecher Ol 7 Amr DönhoN N2 dtS 2S7 Telegrammadresse, Soztaldemokrar Derlw BERLINER VOLKS BLATT SONNABEND 7. Januar 1933 In Groß- Verlin 10 Pf. Auswärts..... 10 Pf. Bezugsbedingungen und Anzeigenpreis« stehe Morgenausgabe Jentvatovgan der Sozialdemokratische« Partei Deutschlands Gtettiner SA. als Raubmörder �Vie sag ich's meinem liincle? Wie macht man das, wenn den National- sozialisten erzählt werden muß, daß Hitler mit Papen gekuhhandelt hat? Wie oerhält sich die nationalsozialistische Presse, die am Tage vor dieser Unterredung laut erklärt hat: alles Unsinn, alles Judenschwindel, die Jour- naille lügt? Es ist ein Schauspiel für Götter, wie sie sich anstellen, um es ihrem Kinde zu sagen! Da ist der„W e st deutsche Beobach- t e r", das Blatt der Nazis in Köln. Für ihn hat diese Unterredung obendrein noch lokale Bedeutung und geschäftliche hinzu, wegen der Schulden des Herrn Ley bei dem Mittelsmann Baron von Schroeder. Dies Blatt veröffentlicht acht Zeilen aus Detmold: Hitler habe im Haufe eines Freundes eine zwanglose Unterredung mit Papen gehabt. Aus. Kein Wort mehr! Diese berühmten acht Zeilen finden sich auch in der übrigen nationalsozia- listischen Provinzpresse, bald aus Detmold, bald aus München datiert. Kaum. daß die„Pommerjche Zeitung", durch den Hohn der Deutschnationalen gereizt, einige Zeilen der Verteidigung riskiert: Papen werde Hitler schon nicht infizieren; denn Hitler sei ein Halbgott und Papen ein ge- wesener Mann, im übrigen werde Hitler Papen fressen, so wie er Hugenberg gefressen habe. Nun hat sich der Prozeß schon um- gekehrt, Hugenberg gewinnt, Hitler verliert, er verliert so sehr, daß er schon bei Herrn von Papen angelangt ist. Die völlig aus der Fassung geratenen Nationalsozialisten suchen vergeblich AufklärungundTrostin chrer Presse. Die weiß auch nicht, wie sie es ihrem Kinde sagen soll. Es geht kunterbunt durcheinander, man hat den Eindruck, daß sie noch keine Order hat, wie sie sich herauslügen soll. So ist es passiert, daß die Notlüge des „Völkischen Beobachters" im vollen Widerspruch steht zu dem. was Hitler selbst erklärt hat. Im„Völkischen Beobachter" liest man, daß Papen Herrn Hitler Mitteilungen über die Vorgeschichte des Kabinetts Schleicher gemacht habe, Hitler selbst aber erklärt feierlich, daß über das Kabinett Schleicher kein Wort gefallen sei. Was ist Wahrheit? Was soll der gläubige Nationalsozialist für WahrheU nehmen? Es geht ihm wie dem gläubigen Kommunisten, der auf Befehl morgen verdammen muß, was er heute angebetet hat. Schließlich bleibt ihm nichts anderes übrig als die seufzende Ergebung: Herr, wie du willst, ich halte still! Wenn Hitler bei Papen angelangt ist, wird der brave Nationalsozialist das Stille- h a l t en schon lernen! Hu- Schuldkonto: Bombenanschlag auf den„Volksboten"— Bandenraub und Mord an einem deutschnationalen Gutspächter— Raubmord mit SA.-Waffen Stettin. 7. Januar. In Stettin wurde ein schweres national- sozialistisches Verbrechen aufgeklärt. Wie bereits berichtet, wurde in Streithof Kreis Randow am Silvestcrtage der Gutspächter Steinicke beraubt. niedergeschossen und so schwer verletzt, dag er inzwischen verstorben ist. Als Täter wurde» vier Stettiuer Rational- sozialisten ermittelt und fest- genommen? Bei chrer Vernehmung hat sich, wie das Polizeipräsidium in Stettin mitteilt, er- geben, daß mehrere an dem Baudenübcr- fall in Streithof als Täter beteiligte Per- sonen auch an dem Sprengstoff- attentat ans den Stettiner „V olksboten" am 9. August l 932 beteiligt waren. Es sind daraufhin noch weitere Festnahmen erfolgt. Tie Er- mittluugen sind noch nicht abgeschlossen. Tas Attentat auf den„Volksboten" war mit einer Pikrinladuug durchgeführt worden, die in den Ladeueingaug des Verlagshauses geschleudert und zur Explosion gebracht worden war. Rur dem Umstand, daß die Wucht der Explosion sich nach außen entlud, war es zu ver- danken, daß das vierstöckige Haus nicht in die Luft flog, sondern nur schwer be- schädigt wurde. Es wurde schon damals vermutet, daß die Täter, die in einem Auto gekommen und geflohen waren, der nationalsozialistischen Bewegung angc- hörten. Die Vermutung wird jetzt bestätigt. Tie Polizei hat festgestellt, daß die Banditen mit Waffen ausgerüstet waren, die aus dem Depot der SA. stammten. Bei den Stettiner Stürmen sind daraufhin Durchsuchungen vorgenommen worden, die zur Eut- deckung größerer Waffenmen- gen führten. * Der Bandenüberfall auf den Gutspächter Stei- nicke spielte sich foigendermahen ab: Die Räuber- bände suhr mit einem Kraftwagen vor dem Gute vor. Sie zerjchnitt zunächst die Tele- p hon l e i t u n ge n des Gutes, dann drangen die Verbrecher mit Pistolen bewaffnet und mit dem Ruf.Lände hoch" in das Büro des Gills- Pächters ein, der gerade einer Frau die Löhnung auszahlle. Die Arbeiterfrau schrie auf und stürzte aus dem Zimmer, worauf die Verbrecher sofort den Gutspächter niederschossen. Ein anderer im Büro anwesender Mann wurde von den Raubmördern mit der Waffe in Schach ge- halten. Der von der Mörderbandc niedergeschossene Gutspächter war erster Vorsitzender des Kreisvereins Randow der Deutsch- nationalen Volkspartei, ein bekaimtes Stahlhelm Mitglied und Vorsitzender des Kriegervereins. GA.-Mörder gesteht Oer Lchuldige von Breslau Eigener Bericht des„Vorwärts" Breslau, 7. Januar. Der junge S A.- M a a n, der am Donnerstag- abend den jugendlichen sozialdemokratische» Arbeiter Frih Hönisch erstochen halte, Hot inzwischen seine Tat e i n g e sl a n d e n. Es ist der lkjährige Handelsschüler Walter Srosl- czik. Sein Vater ist Oberposlsekrelär in Breslau. Der Zunge hat die tödlich wirkenden Stiche mit einem Taschenmesser ousgesührt. KPD. wählt Nazibürgermeister Oekkentlleher Oanlc vom Braunen Hause Das Sonntagswetter In ganz Europa milde Temperaturen Das seit Wochen Herrschende milde Winter- weiter scheint auch für die nächste Zeit anzuhalten. Ganz Europa hat sür die Jahreszeit geradezu abnorme Temperaturen und selbst aus den berüchligten kältegebicten wcstrußlands werden nur 5 bis l0 Grad kälte gemeldet. Im Reich, in Frankreich. Italien, in den südlichen Ländern, überall schwanken die Temperaturen tagsüber zwischen 3 uud b bis 7 Grad Wärme. So wie in Deutschland ist auch den Bewohnern der Rachbarstaatcn in diesem Jahr noch kein Schnee zu Gesicht gekommen. Berlin hatte in der letzten Nacht als Minimum k Grad Wärme, Um 8 Uhr hatte das Thermo- meter bereits 3 Grad und mittags sogar 3 Grad Wärme erreicht. Für den morgigen Somllag lautet die Prognose des Amtlichen Berliner Wetterdienstes: Teils wollig— teils Heller, kein« Niederschläge. Eigener Berieht des„Vorwärts" Zeih, 7. Januar. Das Bergarbeiterstädtchen Hohenmölsen im Zeitz-Weißenselser Kohlenrevier hat eine Stadtverordnetenversammlung, die sich aus Z So- zialdemokraten, S Kommunisten und je 3 Bürgerlichen und Nazis zusammensetzt. Kommunistisch« Dankbarkeit sür Ehern- »i tz vcrhalf den Nazis zum Stadtoer- ordnetenvorsteher. Im Vorzahr mußte der Bürgermeister gewählt werden. Sozialdemokraten und Komnm- nisten präsentierten je einen Kandidaten, die Nazis schlugen einen angeblich„neutralen" Mann vor. Durch das Los wurde entschieden, daß Oer Koni- munist mit dem Nazikandidaten in Stichwahl kam. Um die Wahl eines Faschisten zu verhindern, stimmten die Sozialdemokraten für den Kommunisten, den Landtagsabgeord- neten Schlag, Die Regierung oersagte aber dessen Bestätigung. Am 5. Dezember wurde die Wahl wiederholt. Dasselbe Spiel, nur kam diesmal der sozialdemokratische Kandidat durch das Los in die Stichwahl. Diesrnal stimmten die Kommunisten aber uichl für den Sozialdemokraten, sondern sür ihren aasge- schiedenen Kandidaten. Erfolg: mit S Stimmen(gegen 10 Arbeiteroertreterl!) wurde der Faschist Bürgermeister, und der wurde inner- halb 14 Tagen bestätigt! Die Einführung des neuen Mannes nahm der Weißenselser Landrat vor. Sozialdemokratische und bürgerliche Stadtverordnete blieben der Ein- fllhrung fern, nur die Nazis und die— Kam- munisten(sie hatten ihn ja mitgewählt!) wohnten der Feier bei. In einer kurzen Ansprache bedankte sich der Nazibürgermeister össenlllch sür die kommunistische hllse bei seiner Wahl. Das bürgerlich« Magistratsmllglied gab ein« Er- klärung ab, wonach sich die bürgerlichen Stadt- verordneten von den Nazis und auch vom neuen Bürgermeister wegen der Parteizugehörigkell Hinlergangen fühlen! Wie groß die Empörung und Erregung über den Schandstreich der Kommunisten ist, bewies eine am Donnerstag von der Sozialdemokratie einberuf«»« Bersammlung, die polizei- lich abgesperrt war. Die Kommunisten versuchten sie z u s p r e n g c n, das gelang aber nicht. KP.-Landtagsabgeordneter Schlag der eine klägliche Verteidigung der Haltung seine Ge- nosien wagte, wurde von der Versammlung ausgelacht; der sozialdemokratische Landtagsabge- ordnete Franken kennzeichnete unter stürmi- schem Beifall den erbärmlichen Arbeiterverrot der Kommunisten. nach dem bisherigen Abkommen noch in Deutsch- land sestgehaUcn sind, aber den Ausländern innen halb Deutschlands zur freien Verfügung stehen. Auf dem Aktienmarkt konzentrierte sich das Interesse wieder aus die I G.- F a r v e n- A k t i e, die ihren gestrigen Kursgewinn von über 4 Proz. fortsetzen konnte und heute um weitere 2 Proz., von 102 auf 104�4 Proz., stieg. Auf dem Rentenmarkt herrschte ein stürmisches Geschäft wie in den besten Tagen, Auf dem Markte der Alt- und Neubesitzanleihen drängte sich die Maklerschaft. N c u b e s i tz wies sensationelle Kurssteigerungen bis 8,70 auf während Altbesitz auf 67 X stiegen. Goldpsandbriefe verbesserten ihren Kursstand um durchschnittlich 1 Proz., die Pfandbriese der Hannoverschen Bodenkredit so- gar um 04 Proz. und Reichsschuldbuchforderun- gen um bis 1 Proz. Die Kurse steigen Oas Ausland kauft— Rentenhausse Zum Wochenende hat die stürmische Auf- w ä r t s b e w e g u n g, die sich schon am Frei- lag, vom Rentenmarkt und von der IG.-Farben-2lkti« ausgehend, durchgesetzt hatte, angehalten. Besonders aussallend war, daß wieder von ausländischer Seite größere Kauf- austrüge vorlagen. Es handelt sich hier in der Hauptsache um ausländische Stillhaltegeldcr, die Feuer im Geschäftshaus Trikotagenfahrik ausgebrannt Zn der Tritolagenfabrik von Müller u. Sprintz ia der Reuen Friedrich st raße 38/40 brach heule vormilkag Feuer aus, das schnell um sich griff. Zum Glück gelang es der Feuerwehr, den Brand aus seinen Herd zu beschränken. Das Grundstück Neue Friedrichstraße 38/40 ist ein großes Geschäftshaus mit mehreren Hinter- gebäuden, in denen eine große Zahl von Mittel- und Kleinbetrieben ihre Wertstätten und Ver- kaufsrSume sowie Lager haben. Im dritten Stock- werk des linken Seitenflügels auf dem lll. Hof befinden sich die Räume der Trikotagenfabrik. In einem Lagerraum brach das Feuer plötzlich aus und die Angestellten mußten sich vor den Flammen Ifkicfyc&iuzlxUfy das Volk ÖcfäeuilUUz du Tcaucu am Montag, dem 9. Januar, 19.30 Uhr, im Großen Saal des Saal- bausFriedrichshain. Rednerin: Reichstagsabgeordnete Mathilde Wurm. Protestiert mit uns gegen die Aushungerung des Volkes! Eintritt freit schleunigst in Sicherheit bringen. Auch die In den Nachbarbetrieben Beschäftigten suchten in aller Eile das Freie, da die Gefahr in den alten, zum Teil recht verbauten Geschäftshäusern, besonders groß ist. Es trat erst wieder Beruhigung unter den Angestellten ein. als die Feuerwehr ihre Arbeit ausgenommen und das Feuer durch einen um- fassenden Löschangriff schnell lokalisiert hatte. Der Wasser- und Feuerschaden ist erheblich. Eine Untersuchung über die Entstehungsursache ist ein- geleitet worden. In Freiheit Die beiden Reichsbannerleute T e tz e l und Oppermann m Quedlinburg, deren Haftentlassung auf Grund der Amnestie oerweigert wurde, sind heute mittag aus der Strafhast ent- lassen worden. LerftörterGowjet-Luftki'euzer Besatzung konnte sich retten Wie bereits kurz gemeldet, ist die russische Lust- flotte gestern von einem schweren Unglück be- troffen worden. Bei dem mit drei Motoren ans- gerüsteten Starrluftschifs W 2 sehten während der Fahrt von Krasnogordeis nach Lenin- grab die Motoren aus, so daß das Schiff vor dem Winde trieb. Zn der Bähe von Nowgorod zer- schellte es an den Bäumen eines Waldes. Der Besatzung gelang es rechtzeitig. sich ln Sicherheit zu bringen. Das Luftschiff hatte einige Tage vor Weih- nachten Moskau mit Kurs auf Leningrad ver- lassen, wo es an einer Flugoeranstaltung teil- nehmen und später stationiert werden sollte. Bei Krasnogordeis mutzte das Schiff jedoch wegen Maschinendefett eine Notlandung vornehmen. Gestern startete es dann nach Behebung des Schadens zur Fahrt nach Leningrad. Brand im AutoSus Baris, 7. Januar. In D i g n e fing ein Autobus, der von Grönoble nach Nizza unterwegs war, gerade in dem Augen- blick Feuer, als der Benzinoorrat ergänzt wurde. Die vierzehn Insassen des Wagens sprangen sofort ab. Bier von ihnen wurden aber von den sich schnell ausbreitenden Flammen er- faßt und schwer verletzt. Peking in Sorge .Japanischer Angriff befürchtet Peking über London M. blieben. Bei der geringen Bedeutung dieser Sache sei das Finanzministerium gar nicht beteiligt. Auch die Belzauptungen über kostspielige Neu- anlagen an Badezimmern usw. im Polizeipräsi- dium Berlin, wie Frottier- und Massageräume für den Präsidenten usw., seien nicht richtig. Während Hitler mit„feinen Leuten" und Börsenjobbern diniert und kon- fcriert, müssen seine braunen Banden inzwischen zu Wahlzwecken ihre Gewalt» Herrschaft ausüben. Aus dem Frei- st a a t Lippe, der sich mitten in der Wahlbewegung befindet, erhalten wir die folgenden, mehr als kennzeichnenden Mit- teilungen: Die Nationalsozialisten haben sich mit einem Aufgebot von Dutzenden ihrer prominentesten Ertappt! Hitler mit Papen unter einer Decke! Redner und mit Heranziehung von mehr als 2000 SA.» und£5 S.«Leuten aus dem Industriegebiet, Hamburg, Braunschweig und Hannover auf den kleinen Freistaat Lippe geworfen, um dort bei den Landtagswahlen am 15. Januar ein weiteres Absinken ihrer Stimmen zu verhindern. Hitler selbst sprach am Freitagabend in einer Wahlkundgebung in Oerlinghausen. 80 bis W proz. der etwa Z000 Versammlungsbesucher waren aus Bielefeld und Umgebung, also aus Preußen, zu dieser lippischen Wählerversammlung gekommen. 200 Privalaukos standen vor der ver- sammlung, darunter manch kostbares Stück. Daneben parkten zahlreiche Autobusse aus Bielefeld. Es ist fraglich, ob 10 Proz. L i p p e r in der Versammlung waren. In dieser Versammlung machte der Oberosaf aller Deutschen ein interessantes Eingeständnis. Er erklärte, wenn er heule Reichskanzler wäre, könnte er dem deutschen Volk auch nicht helfen. Was möglich wäre, müsse aus dem Volk kommen. Ehe es aber soweit sei, könnten noch 10 bis 20 Zahre dahingehen... In den Z i e g l e r d ö r f e r n Erder und Baren- holz an der nordlippischen Grenze kam es am gleichen Freitagabend zu schweren Gewalt- t ä t i g k e i t e n. Die Nationalsozialisten hatten m Erder eine Sprengkolonne von 50 SA.- Leuten in die sozialdemokratische Wahlver- sammlung dirigiert. Nachdem die Abgeordnete Frau Jammert gesprochen hatte, meldete sich ein Nationalsozialist zum Wort und b e- schimpfte in gemeinster Weise die Sozialdemokratie und ihre Führer, so daß ihm schließlich das Wort entzogen werden muhte. Darauf randalierten die Nazis, wurden aber vom Reichsbanner zur Ruhe gebracht und aufgefordert, das Lokal zu verlassen. Jetzt versuchten sie eine Keilerei zu inszenieren, wobei einige von ihnen auch zum Messer griffen. Das Reichsbanner konnte aber Tätlichkeiten verhindern. Schließlich verließen die Nazis die Berjamm- lung, aber nur, um mit ihrem Lastauto nach Narenholz zu fahren, wo sie ebenfalls eine sozialdemokratische Versammlung zu sprengen versuchten. Dabei entwickelte sich eine heftige Schlägerei. Die Nationalsozialisten stachen mit Wessern um sich, schlugen mit Schlagwerkzeugen zu und gaben auch drei Schüsse ab. Aus Versehen schössen sie einen S A.- M a n n an. 15 Ber- sammlungsbcsucher, darunter mehrere Frauen, wurden schwer oerletzt. Die Arbeiter von Baren- holz griffen in der Notwehr zu Stühlen, wodurch einige Nationalsozialisten oerletzt wurden. Der Landtagsabgeordnete Genosse Linne erhielt einen Stich am linken Bein und Schlagverletzun- gen am Kopfe. Nach Beendigung ihrer Heldentat rissen die Gesandten Hitlers auf einem ihrer Last- outos schleunigst aus! hJörder und Bombenwerfer Eigener Bericht des„Vorwärts" Dresden. 7. Januar. Die Ermittlungen der Dresdener Staatsanwalt- schaft im Mordfall Hentsch erstrecken sich jetzt auch auf den Bombenanschlag, der im Sommer vorigen Jahres von Nationalsozialisten gegen die Volksbuchhandlung in Freital ver- übt worden ist. Kürzlich hat sich ergeben, daß der Mörder des Hentsch, der Nationalsozialist Schenk, an diesem Bombenanschlag beteiligt gewesen ist. Im Zusammenhang damit sind am Freitag in Freital bei dem Sturmführer und bei einem Truppführer der dortigen SA. Haussuchungen vorgenommen worden. Soweit bisher festzustellen war, hat sich nichts Belastendes ergeben, was bei der langen seit der Tat verstrichenen Zeit nicht überraschend ist. Fälscher als Austauschprofessor flüchtiger Berliner Bankier in Amerika verhaftet Eine Verhaftung, wie sie in der inlernallonalen Kriminalgeschichte bisher kaum zu verzeichnen war, wird uns aus Amerika gemeldei. Dort ist an der harvard-Universiläl in Cambridge im Skaake Rlassachuselts bei Boston der Austausch- Professor Normans, der feit November o. 3. Vorlesungen über Nalionalökonomie hielt, festgenommen worden. Der Professor ist niemand anderes als der seit dem 3ahre 1023 slüchlige Berliner Bankdireklor Dr. Isaak L e w i n. Lewin Halle auf bisher noch nicht ge- klärte weife es verslanden, sich in den Besitz von gefälschten Papieren zu sehen und damit unter dem Namen„Professor Normans" eine Anstellung an der genannten Universität zu erlangen. Die Verhaftung erregte großes Aufsehen. Der zu- ständige Iuskizkommissar hat Normans aus dem Universitätsgebäude Herausaeholl und ihn in das Staalsgefängnis nach East-Cambridae ge- bracht, hier wurde der Wann eingehenden Ver- hören unterzogen, wie verlauket, soll die ver- Haftung aus Veranlassung Berliner Behörden erfolgt sein. In der zweiten Hälfte des Januar 1929 tauchten an der Berliner Börse Gerüchte aus, deren Mittel- punkt das Bankhaus G. L ö w e n b e r g u. Co., Unter den Linden 42, war. Die Firma wurde im Jahre 1848 gegründet und gehörte mit zu den ältesten und angesehensten Banken Berlins. Als im Jahre 1926 27 der alte Inhaber zurücktrat und die Firma in die Hände des Dr. I s a a k L e w i n überging, verdunkelte sich der Ruf des Bankhauses. Lewin wohnte damals in der Schlüterftratze 37 in Charlottenburg, stammte aus Kiew, besaß aber damals schon das amerikanische Bürger- recht. Die ersten Verdächtigungen gegen die Firma wurden von ausländischen Banken ge- äußert. Am 22. Januar 1929 erstatteten sie An- zeige, mit der Begründung, daß Lewin für etwa 300 000 Mark Wechsel gefälscht habe. Die Untersuchung schwoll dann lawinenartig an und die Summe der gefälschten Wechsel erreichte schließlich eine Höhe von 5 Millionen Mark. Lewin hatte sich rechtzeitig in Sicherheit gebracht. Bereits am 5. Januar 1929 war er nach Paris gefahren, um angeblich große Transaktionen zu tätigen. Von dieser Geschäftsreise kam er nicht mehr zurück. In seinem Geschäft wurde er damals von dem Bevollmächtigten Rappeport, der 1895 in Moskau geboren ist, und einem gewissen Montag, unterstützt. Sie galten als seine Pro- turisten. Rappeports Flucht, die bald nach der des Lewin erfolgte, entwickelte sich zu einer Komödie. Ihm sowohl als auch Montag war der Boden in Berlin zu heiß geworden. Er beauftragte deshalb seinen Chauffeur, ihn zusammen mit Montag nach Schneidemühl zu bringen. Während seine Be- gleiter ahnungslos im Hotel schliefen, flüchtete Rapveport bei Nacht und Nebel und entkam über die Grenze. Montag kehrte mit dem Chauffeur .zurück, wurde in Berlin festgenommen, aber schließlich gegen eine Kaution von 10000 Mark wieder aus freien Fuß gesetzt. Die beiden Haupt- schieber, L e w i n und Rappeport, waren ent- kommen, Montag hatte— wie sich später heraus- stellte— von den Geschäften des Dr. Lewin kaum etwas gewußt! Dr. L e w i n und Rappeport wurden etwa 'A Jahr später in Rio de Janeiro festge- nommen. Sie sollten nach Deutschland ausgewiesen werden. Ein Versehen, das aber bis heute noch nicht geklärt werden konnte, sollte ihnen aber wieder die Freiheit bringen. Sie wurden nämlich über die Grenze nach Argentinien abgeschoben und waren wieder den Behörden entkommen. Ein halbes Jahr später wurden sie in Buenos- Aires wiedererkannt und festgenommen. Da sie aber ausgezeichnete falsche Papiere be- saßen, gelang es beiden, sich erneut loszu- schwindeln. Wer war zuerst auf der Atlantlaue? Frisch-fröhlicher Streit zwischen Holländern und Franzosen Eigener Bericht des„Vorwärts" Paris, 7. Januar. Das w r a ck d e r„A l l a n k i q u e" ist kur, vor Mitternacht ohne Zwischenfall in den Hasen von Cherbourg eingeschleppt und dort verankert worden. In den nächsten Tagen soll es durch Auspumpen des eingedrungenen Wassers ausgerichtet und dann in ein Dock geschafft werden. Inzwischen hat sich um die Prämie für die Bergung des Schiffes ein trotz des tragischen Gesamtvorganges häßlicher Streit entsponnen. Nach altem internationalen Seerecht gebührt der Bergungslohn eines von der Mannschaft auf- gegebenen Schiffes dem, der es abschleppen kann und so hatte sich zwischen französischen und holländischen Schleppdampfern, die nach dem Bekanntwerden der Katastrophe an die Unglücks- stelle eilten, ein wahres Wettrennen entwickelt. Nach dem Bericht des„Matin" und anderer Zeitungen hatten am Donnerstagnachmittag zu- nächst einige französische Seeleute das Wrack er- klettert und am Heck die Schleppseile von drei Dampfern angebracht. Einige Minuten später hatte die Mannschaft eines holländischen Dampfers am Bug gleichfalls ein Schleppseil befestigen können. Die französischen und holländischen Schiffe suchten nun das Wrack in entgegengesetzter Richtung abzuschleppen Daraufhin fuhr der Holländer auf die französischen Dampfer zu und durchschnitt zwei Schleppseile. Der Versuch, das dritte ebensalls zu durchschneiden. mißlang. Der Holländer setzte sich wieder an die Spitze des Wracks, wo aber inzwischen ein anderes französisches Schiff ein Schleppseil ange- bracht hatte. Beide Schiffe stießen zusammen. wobei der Franzose eine schwere Havarie erlitt und die Arbeit aufgeben mußte. Ein zweiter holländischer Dampfer konnte ebenfalls ein Schleppseil am Bug an- bringen, so daß schllehllch zwei Holländer vorwärts und ein Franzose rückwärl» zogen. Dann nahm noch derHamburgerBugsier- d a m p s e r„S i m s o n", der von den Holländern gemietet worden war, das Wrack am Heck ins Schlepptau und suchte mit den Holländern zu- sammenzuarbeiten. Ein französischer Minensucher wollte das Schleppseil des„Simson" kappen, was aber mißlang. Schließlich hatten mehrere franzö- sische Dampfer Schleppseile anbringen können und nach längeren Verhandlungen erklärten sich die Holländer endlich bereit, das Wrack zusammen mit den Franzosen nach Cherbourg zu schaffen. In einer Pressemitteilung der holländischen Schleppdampferunternehmung L. Smith u. Co. wird Wert aus die Feststellung gelegt, daß drei Matrosen des holländischen Schleppdamikers „Lauwerzee" zu einem Zeitpunkt an Bord der brennenden„A t l a n t i q u e" gegangen feien, als das Schiff von feiner Besatzung völlig ver- lassen und noch von niemand wieder betreten worden war. Erst später seien dann noch drei französische Schleppdampfer und der deutsche Schleppdampfer„Simson" hinzugekommen. In holländischen Schifsahrtskreisen wird hierzu be- tont, es könne kein Zweifel darüber bestehen, daß nach den Grundsätzen des internationalen See- rechts der Bergungslohn für die„Atlantique" der Rotterdamer Schleppdampferunternehmung zu- komme. Augenscheinlich wird die Angelegenheit auf ein Schiedsgericht zwischen den Holländern und Franzosen hinauslaufen. Die Durchführungsbestimmungen zur Arbeitsbeschaffung sind nunmehr veröffentlicht worden. Sie enthalten gegenüber den vom Reichskommissar G e r e k e abgegebenen Erklärungen nichts wesent- lich neues. Dle Poststelle verlin-Tempelhof 1 C(Germaniastraße 67) wird am 16. Januar 1933 in eine Voll-Postagsntur umgewandelt. Sie er- hält die Bezeichnung„B e r l i n- T e m p e l» Hof 4". Die Schalterstunden werden werktags von 8—12 und 15—19 Uhr abgehalten. Nmergutsbesitzer als Vetruger Vom Lokn verdorben, was 6er Vater erworken Sozialismus VortrsxssJzeiKi in der Handelshochschule Der Arbeitskreis der„?keuen Blätter für den Sozialismus" oer- anslaltete in der überfüllten Aula der Handelshochschule einen Distussionsabend. Nach kurzen Begrühungsworten von Prof. Till ich ergriff der Referent des Abends, Genosse Prof. Adolf L o e v e, das Dort. Er führte clwa aus: Mit drei Einschränkungen kann von einem heute möglichen Sozialismus gesprochen werden Einmal ist nur die Rede von einem sozialistischen Zustand der Wirtschast, zweitens stehen die politischen Voraussetzungen des Wirtschaft- lichen Durchbruchs zum Sozialismus ausdrücklich nicht zur Debatte, drittens wird vorausgesetzt die Notwendigkeit oder die Wünschbarkeit des Sozialismus— unter Sozialisten eine Selbstver- ftändlichkeit. Sozialismus ist heute möglich als sozio» listische Markt- Planwirtschaft. Ihre Bedingung ist Sozialisierung des Großeigentums in Stadt und Land. Das Kleineigentum, insbe- sondere der bäuerliche Kleinbesitz bleibt zunächst bestehen. Aufrechterhalten wird serner der Markt, die Geld- und Kreditwirtschaft, die von einer Planstelle beherrscht werden müssen. Diese sozia- listische Marktplanwirtschast ist das Minimum des Möglichen und zugleich des Notwendigen. Die Vorkriegszeit wurde beherrscht von der Idee des Zukunftsstaates— Bebel hat sie in seinem Werk „Die Frau und der Sozialismus" beschrieben—, der gleichsam eine tonzernreife Wirtschaft voraus- setzte. Dieser Zustand war aber 1918 nicht erreicht. Eine Totalsozialisierung wurde als un- möglich erkannt. In der Folgezeit(1919— 1932) wurden mehrere Methoden des sozialistischen Ein- dringen? in die Wirtschaft angewandt. Neben der Selbstverwaltung der Arbeiterschaft(Konsum- genossenschaften) wurde der Weg der Staats» tontrolle beschritten, die Form der Arbeitsgemein» schast von Arbeitgeber und Arbeitnehmer wurden vor allem im Betriebsrätewesen erprobt, schließ- lich wurden die öffentlichen Unternehmungen in weitem Maße ausgebaut. Gescheitert find staat- liches Kontrollsystem und die Methode der Arbeits- gemeinschaft. Positiv wirkten Selbstverwaltung und die öffentlichen Betriebe. Es gibt keine objektive Neutralität des Staates, solange das kapitalistische Großeigentum besteht. Verstaat- lichung ist nur dann Vergesellschaftung, wenn wirklich Demokratie herrscht. Planung und Sozialisierung gehören zusammen. Sozialisiert wird das Großeigentum, geplant wird der ganze Zirkulationsprozeß der Wirtschaft. Die Kapital- investitionen müssen gelenkt, der technische Fort- schritt muß gezügelt, Sozialpolitik und Steuer- Politik im Sinne der Einkommensangleichung ge- regelt werden. Nur so kann die Stabilität einer stetig wachsenden Wirtschaft gesichert erscheinen. Die sozialistische Marktplanwirtschaft ist elastisch. sie ist sozialistisch, weil sie den Kapitalismus in seiner Wurzel bekämpft. Die ökonomische Reife dieser sozialistischen Wirtschaftsgestaltung ist heute gegeben, aber auch der politische Reifezustand ist in den überwiegend antikapitalistischen Mittel- schichten ereicht. Proletariat und Mittelstand, insbesondere Bauern, Angestellte und Beamte müssen ein Bündnis eingehen. Nur dann ist demokratischer Sozialismus in Deutschland möglich. In der angeregten Diskussion sprachen: Wilhelm Eggert, Otto Nathan, Fritz N a p h t a l i, Prof. Eduard Heimann, ein Genosse aus dem Betrieb, Prof. Carl Landauer In seinem Schlußwort grenzte sich Loeve in Uebereinstimmung mit Heimann und Landauer gegen Einwendungen ab. die gemacht worden waren. Ohne Gesamtbild der nächsten Phase gibt es keine sozialistische Politik. Man muß die Richtung kennen, in der man marschiert. Ausstellung des Coriuth-Dmkmals. Das von dem Königeberger Bildhauer Prof. Hermann Brachert im Auftrag des vreußichen Kuituemini» sterium-. für die Stadt Königsberg auegeführte Lovis Corinth-Denkmal ist jes Richard Spiekermann der Aufforderung des Notars, in seinem Büro zu er- scheinen nicht Folge leistete, öffnete dieser das Kuvert. Es befand sich darin nur der wertlose Bestätignngsscke'n des inzwilcken ungültig ge- machten Ban'qesckäfts. Die Absicht des Betruges lag klar auf der Hand. ★ Das also ist der stellverttetende Sturmführer Rlckard Sviekermonn. der Sohn des Ritterguts- besitzers von Rangsdorf. durckeilte, zum erstenmal wieder in Berlin und zu hören gewesen. Er spielt Mozart. Beethoven. Brahms, drei G«igenkonzerte Hintereinander (A b e n d r o t h begleitet ihn prachtvoll), und auch an ihnen bewährt sich seine über alle Worte Herr- lich« Technik, seine Fingerqeläufigkeit. seine Strich» Präzision, seine eigentümliche Tongebung, die auch im Piano jeden Raum spialend überwindet und füllt. Der äußeren Scklicktbeit aber entspricht keinerlei dem Werk Sich-Rnteror�nen. Nach --merikanisch«» Vortraqsaesetzen geschieht Immer -rgendetwas, um da- Bu' likum in Atem zu Hai- 'en: da wechseln uvaufhö'-lick Lickter und Schatten da gibt es keine stillen Fläcken ruhiae Entwich- stinoen, au'-g«wogsne Kontraste, da ailt nickt das Werk, da spielt ein sensationeller Geiger, der sich. und sei es auch an Beethoven zu erweisen wüncht A. W H a r t se i l mit ihren Liedern a la Ernst Busch, da gibts Soprane und Tenöre, gejazzt wird tipptopp— nur weiß man nicht, was die Usafzen« von den Lützower Jägern soll. Man könnte sie bei- nahe für ernstgemeint halten, und da wär es doch besser, beim Bendowton zu bleiben!— n. Ein Sckädel aus der Eiszeit in Schottland gesunden. Großes Interesse erweckt unter den eng- tischen Anthropologen die Aufsindung eines Schädels in der Nähe von Glasgow, von dem man annimmt, daß er älter ist als der berühmte iltdown-Schädel, der im Jahre 1912 bei diesem rt in Sussex entdeckt und auf 199 999 Jahre ge- schätzt wurde. Der neue Fund wurde bereits im Mai dieses Jahres gemacht. Der hervorragende schottische Anthropologe Arthur Keith glaubt, daß es der älteste Schädel ist, der bisher in Schottland entdeckt wurde. Außer dem Schädel fanden sich noch eine Anzahl Ueberreste alter Wohnstätten und andere Ueberbleibsel, besonders auch scharfe Werkzeuge, die Anzeichen tragen, daß sie lange während der Eiszeit unter dem Eise begraben waren. Auf einem schwarzen Stein war das Bild eines Bären eingeritzt. Der neue Ruf von den Mnarellen. An diesem Donnerstag, dem ersten Tag des Ramadan-Festes, ertönte zum erstenmal ein neuer Ge.etruf von den 499 Minaretten Konstantinopels. Fast 599 Jahre hindurch, seitdem die Türken Konstantin» pel erobert hatten, klang von diesen Türmen das Wort„Allah", die arabische Bezeichnung Gottes. Die-mal aber wurde er durch den türkischen Namen für die Gottheit.„T a n r i". erletzt. In allen Moscheen wunden die Verse des Korans zum erstenmal türkisch statt arabisch gesungen. Vielfach wurde gegen diese und andere Neue- rungen gepredigt, aber alle, die sich dabei zu weit vorgewagt hatten, wurden mit Gefängnisstrafen belegt. konservative neue Musik Heifetz und Schnabel Abschied von Eduard SSernflein 'iüiler riejlger Beteiligung trurde gejlern nachmiflag die Ajche unieres Cduard Bemf lein auf dem Friedhof inSehönebergbeigefeisL 3>aul JCöbe Meli die Qedenkrede 40 Stunden Woche Propagandafeldzug in Frankreich Eigener Bericht des„VormSrls" Paris, 7. Januar. Der französische Gewerkschaftsbund beginnt einen scharfen Propagandafeldzug für die Vierzigstundenwoche. Er ist der Auftakt zu der in der kommenden Woche in Gens beginnenden Ta- gung der Vorkonferenz der Internationalen Ar- beitsorganisation zur Verkürzung der Arbeitszeit. Am Freitagabend sand eine Kundgebung sür die Vierzigstundenwoche statt, nachdem im Laufe des Nachmittags die Vertreter der verschiedenen Berufsorganisationen auf der Landeskonferenz des Gewerkschaftsbundes de» Delegierten für die inter- nationale Konferenz die erforderlichen Auskünfte über die Lage des Arbeitsmarktes gegeben hatten. Die Landeskonferenz schloß ihre Beratungen mit der Annahme folgender Entschließung ab: „Die Konferenz bestätigt den Willen der gewerk- schaftlichen Organisationen, alles ins Werk zu setzen, uin die absolute Notwendigkeit der Ein- führung der Vierzigstundenwoche zu beweisen, die sowohl durch die Wirtschaftskrise als auch durch das auf allen Völkern lastende Elend notwendig ist, und vor allem, um durch eine bessere Vcr- teilung der Arbeit das Ende der demoralisieren- den Arbeitslosigkeit herbeizuführen und damit allen Arbeitern das Recht auf Leben zu sichern." Die Vertreter einer ganzen Reihe französischer Unternehmerorganisationen haben sich g e g e n die Einführung der Vierzigstunden- woche ausgesprochen Sie begründen ihre ab- lehnende Haltung mit fast genau denselben Redensarten, die in ollen anderen Ländern von der Sozialreaktion gegen die Arbeitszeitverkürzung vorgebracht werden Die Einführung der Arbeits- zeit führe zu einer Erhöhung der kosten, zu einer Verminderung des Exports und zu einer Schwächung der Kaufkraft. Die französische Rc- gierung wird ausgefordert, sich jeder generellen oder obligatorischen Herabsetzung der Arbeitszeit aufs stärkste zu widersetzen. Ostoderschlefiens Krise Eigener Bericht des„Vorwärts" Warschau, 7. Januar. Die Wirtschaflskrij« hat im vergangenen Jahr in Ostoberschlesien schwer gewütet. Es wurden dort 21 Großbetriebe stillgelegt, und zwar neun Kohlenschächt«, sechs Zinkhütten und sechs Erzgruben. Durch die Stillegungen finö etwa 22 000 Arbeiter brotlos geworden pird ebensoviel Arbeiter wurden durch weitere Pröduktionsein- fchränkungen abgebaut oder in den sogenannten turnusmäßigen Urlaub geschickt Das Jahr 1!)Z2 brachte also für die ostoberschlesische Arbeiterschaft eine Steigerung der Arbeitslosenzifser um rund 4ö VOO. Der Abbau geht auch im neuen Jahr noch immer weiter. Rundfunk am Abend Sonnabend, 7. Januar Berlin: 16.00 Heitere Ouvertüren und Fantasien. 18.00 Das Rundgesprädi: Neues Bild der alten Heimat. 18-30 Zeitfunk. 18-55 Die Funkstunde teilt mit. 19.00 Stimme zum Tag. 19.10 Konzert. 19-30 Oliver Cromwell. 20.00 Aus Bonn: Lustiger Abend. 22.30 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Tanzmusik. Als Einlage: Aus dem Sportpalast: Hörbericht vom Hallen-Handballturnier des Verbandes Brandenburgischer Athletik- Vereine, Königs Wusterhausen: 16.00 Dramatiker ohne Bühne. 16-30 Aus Hamburg: Nachraittagskonzeri 17.10 Was bringt die neue Woche? 17.53 Tägliches Hauskonzert 18.30 Große deutsche Maler. 18.55 Wetterbericht 19.00 Stille Stunde, 20.00 Aus München; Bunter Abend. 22.20 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. 22.45 See- Wetterbericht Sonst: Berliner Programm. Vollständiges Europaprogramm im„Volksfunk", monatl. 96 Pf., durch alle„Vorwärts"- Bbten oder die Postanstalten. Sonntag, 8. Januar Berlin; 6.15 Morgengymnastik. 6-35 Aus Bremen: Hafenkonzert 8.00 Mitteilungen für den Landwirt 8.55 Morgenfeier. 104)5 Wettervorhersage. 11.00 Junge Dichtung. 11.30 Aus dem Wintergarten: Heitere Funkmatinee. 13.30 100- Jahrfeier des Reformators der Zither Max Albert 14.00 Unser Kind ist ja soo begabt... 134)0 Orchesterkonzert 16.30 Aus Leipzig: Der Struwelpeter. 17.15 Orchesterkonzert 17-30 Europäische Schulbildung der Zukunft 17.55 Zeitgemäßes Gespräch über Versailles. 18.20 Richard Strauß. 18-50 Heitere Dichtungen. 19.20 Sportnachrichten. 19.30„Die Prinzessin von Trapezunt"(Operette von Offenbach). Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Aus Magdeburg: Hörbericfat vom Wasserballspiel Berlin- Weißensee gegen Hellas, Magdeburg. Tanzmusik. Königs Wusterhausen: 11.00 Deutscher See-Wetterbericht 11.13 Eröffnung der Ausstellung„Ostpreußen, was es leidet was es leistet". 12.53 Nauener Zeitzeichen. 14.00 Mein Kind sagt mir alles. 14.30 Aus Leipzig: Vorführung der Meisterschaftskollektion des Bundes Deutscher Kanarienzüchter. 14.50 Ans der Gedankenwelt großer Philosophen. 15.20 Zehn Minuten Lyrik. 13.30 Tägliches Hauskonzert, 17.15 Unterhaltungsmusik. 18.15„Das Lied von der Erde"(Einführung). 18.43 Junge Generation, spricht 19.30 Stunde des Landes. 20.30 Aus Köln:„Wilhelm Busch zum 25. Todestage." Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. 22.45 See- Wetterbericht. Tanzmusik. Sonst: Berliner Programm. Vollständiges Europaprogramm im„Volksfunk", monatl. 96 Pf., durch alle„Vorwärts"- Boten oder die Postanstalten. ftfialf N»eat« Theater der Woche vom 8. bis 16, Januar Volksbühne Theater am Bülampl-h! Oliver Crommells Sendung. Staatsthealer Gtaatsoper Unter den Linden: 8. Zauberflöte. 9. Othello. Ig. Traviata. tt. Fliegender Holländer, lz. csinfonre- lonzert. lg. Troubadour. It. Butterftq. 15. Meistersinger. 16. Boheul»......__, LtaatJiches Schauspielhaus: 8.» 9., 14., 1?. 199 999 Taler. 19.. 13. Zaust I. 11., 12., 16. Nora._ Städti'che Oper Edarlottenburg: 9. Siegfried. 19. Martha. 11., 14. Die Prinzessin von Trapezunt. 12. Othello. 13. Der Freischütz. 15. Aida. 16. Undine. Thealer mit festem Programm KurfürstendamM'Theater: Glückliche Reise.— Deutsches Theater: Prinz Friedrich von Homburg.— Aammerspiele: Ab 19. Die Flaiche.— Die Komödie: Der Schatten.— Deutsches Ztuuftler-Theater: Die Nacht zum 17. April.— Komödieubaus: Das Haus dazwischen.— Metropol' Theater: Hundert Meter Glück.— Theater des Wcstrns: Der brave Soldat Schroejk.— Theater im Admiralspalast: Liliom.— Äomilche Oper: Musik um Susi.— Großes Schauspielhaus: Ball im Sava�j.— Lessing-Theater: Der Liebling von Paris.— Theater in der Behrenstraße: Bar- geld lackt.— Theater am Schiffbauerdamm: Das Auto. matenbüfett.— Berliner Theater: Auslandsreise.— 5Ueines Theater(Internationales Theater): Ganoven-Ehre. — Renaissance-Z>eater: Müller muß heiraten.— Schüler. Theater: Die Männer sind mal so.— Rose-Theater: Die Zirkusprinzessin.— Schausoielhaus Steglitz: Ein Mädel ohne Mann.— Plaza: Madame Pompadour.— Scala, Wintergarten: Internationales Variete.— Reichs- hallen-Theater: Stettiner Sänger. Thealer mil wechselndem Programm Theater i» der Strrfeiuaaastrastc: Der Mustergatte. Ab 12. Terzett.— Die Tribüue: Äarussell. 12. L. de Noiset. 13. bis IS. Ludw. Hardt. Uachmillagsveranstalluagen itomädieahaus! IS. Das Haus dazwischen.— Mrtrovol- Theater: S. Der Farewitsch.— Komische Oprr: S., IS. Musik um Susi.— Theater am Schisfbaiicrdamm: 8., 15 Uhr: Hansel und Grete!: Uhr: Äamof der Tertia.— Schiller-Zhoater: 8., 15. Robert und Bertram.— Rose- Theater: 11., 1714 Uhr u. 15., 17>2 Uhr: Die Zirkusprinzessin. 15.. Iiis Uhr: Die sieben Raben.— Plaza: Madame Pompadour.—. Scala: Internationales Dariete.— Wintergarten: 8., 14., 15. Internationnles Variete.— Rcichshallen-Theatcr: 8., 15. Stettiner Sänger. Erstaufführungen Montag. Rose-Theater: Die Zirtusprinzessin.— Dicastaa. Rammersptele: Die Flasche.— Mitt- woch. Theater in der Stresemannstraße: Terzett._ Der Bischof von Münster, Dr. Johannes Poggenburg, ist gestern abend gestorben. Meiler sür Berlin: Teils wolkig, teils heiter, Temperaturen wenig verändert. Schwache, nach Südwest zurückdrehende Winde.— Für Deulsch- land: Im Osten und Süden noch trübe und nebelig, in den übrigen Gebieten überwiegend Besserung. Nirgends wesentliche Temperaturänderung. Verantwortlich für Politik: Rudolf Brendemübl; Wirlschasl: G..Klingelböser: Gewerkschait-bc- wegung: I. Steiner: sicuilleton: Herbert Le« pdre: itrkales und Eonfüge?: Rriv flarftübt; Anzeigen: Cito H e n g st: lämtlich in Verlin Ver- lag: Borwärts-Vcrlap G m b Verlin. Druck: Vorwäns-Vuchdruckerei u. Verlagdanslali Paul Singer U. Co., Verlin SW.«t Lindenstr 3- Vezugs- bedingungen und Anzeigenpreise werden in jeder Morgen-Ausgabe des„Vorwärts" verössentlicht. Hierzu 1 Beilage. TCI A DER UNZERSTÖRBARE I Ckl4 N£UZEITL FASERSTOFF SCHAFFT GESUNDE, BEHAGLICHE WOHNRÄUME IM KLEINSIEOLUNGS- U.l AUBENBAU DURCH ISOLIEREN DER WANDFLÄCHEN, DECKEN, VjE I» DÄCHER, FUSSBODEN MIT I ELM ANFRAGEN U. UNTERLAGEN BEREITWILLIGST DURCH EI1IL ZORN A.G.23, BERLIN-HEINERS ORF Beginn 2. Januar macht reinen Tisch! Die ganze Stadt hat darauf gewarteti Morgen geht es los! Die Preisherabsetzungen in unserem Inventur- Verkauf sind so gewaltig, daß jetzt jederkaufen kann! KAUFHAUS W. Joseph Berlin- Schönsberg, Hauptstraße 163 Sonnabend, den T. Januar staatsoper unter den Linden WH Uhr La Traviata staatncnes Schauspielhaus 20 Uhr VOLKSBUHNE Theater am Bdlowpta:z nuiicfa 8 Uhr O I Norden 6S36 Oliver Gromwells Sendung v. Walier Gilbncht Regie Heinz Hilper mit Eugen Klöpfer ülädioOper Cnanoticnbur.' Fraunhofer 0231 Sonnabd., T.Januar 19-, Uhr Turnus W Oer Freisctiütz Fr.edrich. B rger. ridesscr. Rode, Diner. Gon.tzar. Baumann, Firner, üutimann viril ent Micdry Schiller »ismarCABir.«uUu, iiemp).(C 1»•iH rägiich*>/« Uhr c9le Männei iind mai sc Miitä: Walle; Kolli) Siulial(«tierar:: jtg». Jan..« Ul i lodert not Bcrtran Korfursiend.Ti'. Xuriurstendaaira 209 Tel Bism. t40u Täglich 814 Uhr MIM Reise ron Bertidi und Sthwahaii Musik Kfinneke Regie Penkert rians Schindler mit seinen Jazz-Symphonikern lirmim* nantertrodi'n KomOöientiaus Schiffbauerdamm 25 Tll 02 Witd. 6304-0) Täglich 8hi Uhr Da» Haus dazwischen mit Max Adalben Jakob Tiedtke Musik: Sgolunskv II Sonntag, den 8. Januar mittags 12 Ohr Acwü�AcmMity1. Bis SO% Rabatt! Sw&vwwricciMf Auf«IIa regalSr�n 9, Waren gewähren wir I V'Of besonders sarlickjesctste Wnrea 6.75 werden mit einem lCfl*RO/ Nachlaß bis za/ ß kaoft Paradlea•Satin-Stepp decken io verschledcnrn Aiisiühn'ng n 1�0/200 8.7S Paradies-Damast- Steppdecken,. in schönen K'us:ern 150 200••• 13.25 lU.uO Paradiea-Daunendeckcn f'richatg. 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Aber meine klein«, empfindsam« Freundin sagte:„Wenn er so groß und rot ist, kann ich verstehen, daß man ihn einmal angebetet hat. Ich— möchte ihn selbst anbeten...." Wir lachten sie aus: man lachte sie immer aus. Da trat mein weitgereister Freund für sie ein: „Unsere Religionen sind weis« und tief geworden im Schutze der Städte und Häuser und Straßen und Schulen. Aber ich glaube, wenn all der Stein versänke und wir wieder in Wäldern und Steppen wohnen würden— wir würden ihn wieder anbeten." Und als wir ungläubig schwiegen:.Ich bin bereit, das durch ein Erlebnis zu beweisen. Nicht ich selbst hatte es, aber ein junger Missionar. der mir's während einer Mondnah in Afrika selbst erzählte. Er war zur Zeit des Geschehnisses eben aus der Missionarschule gekommen. Er hatte bereits in Europa die Sprache des Stammes gsternt, in dem er nun wirken sollte. Das war ein Pyg- rnäenstamm, der keine andere Religion gekann» halte als«ine primitive Anbetung des Dag- und Nachtgestirns. Der Missionar erzählte ihnen von Christus und dem Kreuz, und sie bekehrten sich rasch, sehr rasch— und nach Art aller Ansänger in der Missionstätigkeit gab er sich mit ihrer schnellen Bereitwilligkeit zufrieden. Das Gebiet, das ihm anvertraut war, war«in Steppengebiet. Mannshohes Gras, wenig Wald, noch weniger Walser. Eines Abends ritt er von einem kleinen Negeröors seiner Station zu. Er war zufrieden mit sich: einen Kranken hatte er gesund gemacht und so dem Medizinmann ein Opfer abgejagt. So ritt er lächelitd den pseil- geraden Weg hin. der durch das Gras getreten war, und dachte der Demut, nüt der die schwarzen Zwerge das Kreuz geküßt hatten. Ein Feuerschein in einem kleine» Hain von Affenbrotbäumen lenkte ihn ab. Er schwenkte weg vom Weg und ritt auf den Hain zu. Bold sah er, daß um ein offenes Feuer schwarze Menschen tanzten. Argwöhnisch stieg er ab, nahm das Pferd am Zügel und schlich sich leise an die Gruppe heran. Er erkannt« sofort, daß es sich um einen der Nomadenstämme handelte, die. ge- ring an der Zahl, aber sestem Wohnen hartnäckig sich widersetzend, die Steppe durchzogen. Am Feuer stand der Medizinmann und warf Tier- knochen in die Flammen. Bei jedem Wurf schrie der Kreis der tanzend«» Männer und Weiber ekstatisch auf. Plötzlich sanken sie alle in die Knie und warfen ihr Gesicht aus die Erde, und der Medizinmann betete in singendem Ton: „Asako stieg über die Erde hinweg, zornig glühenden Gesichts. Asakos glühendes Gesicht ver- brannte die Gräser und die Affenbrotbäume. Es dörrte die Bäche aus. So, unter Asakos Grau- famkeit, verhungerten die Menschen, weil die Affenbrotbäume nicht Früchte trugen. Es ver- dursteten die Menschen, weil die Bäche nicht Wasier trugen. Es sanken die Menschen hin am Fieber, weil Asako die Kühle aus ihrem Blute nahm. Die Erd« starb..." Der Medizinmann fiel nun in einen weichen, zärtlichen Ton: „Da aber Asako wieder hinunterstieg von der Erde, glaubend, er habe sie ganz zerstört, siehe, da kam leichten Schrittes und mild leuchtenoen Kleides Wisuna gezogen. Und Wisuna sanftes Auge richtete die Gräser wieder aus und gab Blüten den Affenbrotbäumen. Wisuna weinte vor Mitleid mit den Menschen, und ihre Tränen füllten die Bäche wieder. Wisuna gab ihr rotes, kühles Blut den Fiebernden, daß sie wieder ge- fund wurden und aßen und tranken von Wisuna- Bäumen und Bächen. Wisuna aber ver. leichte. weil sie ihr Blut verschenkt hatte: sie ward klein, weil das Wasser ihrer Tränen aus ihr geströmt war: sie w-ifd blinp, weil sie ihr Licht den Menschen geschenkt hatte, die sich verirrten ln d«r Nacht. Und Wisuna starb, aber die Menschen lebten. Darum sollen die Menschen, die leben. opfern Wisuna, welche ihnen das Leben gibt. und opfern Asako, welcher wieder kommen wird, daß er milde mit ihnen verfahre...." Hier hielt der Missionar die Zeit zum Da- zwischensahren für gekommen. Er fuhr unter sie wie ein Prophet, wie ein zorniges Gewitter Er sagte ihnen, daß nicht Asako lebe, die Sonne. und nicht Wisuna. der Mond, sondern daß allein Gott lebe und Leben gebe. Daß Asako nicht böse sei und Wisuna nicht gut, sondern daß beide nichts feien als tote Geräte in Gottes schaffender Hand. Er zerstörte mit seinem Fuß da- Feuer und sprach Berdammung aus über die Anbeter Wi» funas. Mit einem war das Feuer ganz ver- loschen, tiefe, schwarze Tropennacht umschlang ihn. Er rief nach den Zwergen—, aber da merkte er, daß sie alle im Dunkel entflohen waren. Noch wühlte der Eifer in ihm: aber es blieb ihm nichts, als sein Tier zu suchen und heimzureiten. Er fand aber sein Tier nicht Er wollte das Feuer wieder emzünden, aber es gelang seiner ungeübten Hand nicht in der Feuchte unter den Bäume». Er mußte zufrieden sein, mit Hilfe all seiner Zündhölzer aus dem Hain herauszufinden. Nun stand er zwischen dem menschenhohen, leise zischenden Steppengras und seine Lage hatte sich um nichts gebessert. Er begriff jetzt erst all ihre Schwierigkeiten. Sein Reittier hatten die Zwerge vermutlich mitgehen heißen. Er mußte sehen, zu Fuß zur Station zu kommen. Aber er konnte die Richtung nicht. Er würde den Weg kaum wiederfinden, den er vorhin verließ. Es war un- heimlich finster: der Himmel war präcblig und eisklar ausgestirnt, aber ver Mond war noch nicht da. Ich muß also warten, bis der Mond aufgeht, dachte er und legte sich ins Gras. Eine leise Furcht überfiel ihn: zwar gab es wenig große Raubtiere hier, aber«in gespenstisch schwirrendes, unsichtbares Leben von Kleingetier, kriechend, schreitend, hinwieselnd, fliegend war um ihn Das Grauen der afrikanischen Nacht kroch an ihm hinauf. Er zitterte in Frost und Hitze und mußte aufstehen und hin und her gehen. Er versuchte. sich am Waldrand zu halten. Wenn nur der Mond bald aufging.... Er blickte voraus, er bemühte sich, zwischen den unsichtbaren Stämmen hindurch hinter sich zu sehen: woher kam der Mond? Oder, ein Schrecken durchfuhr ihn: war etwa— Neumond..? Das Nun war auch Ede aus der Modelltischlerei entlassen und Stempelbricher geworden. Er zeigte sich weniger bedrückt darüber, als die meisten seiner Schicksalsgenossen. Hatte er sich doch von jeher zu Höherem berufen gefühlt. Zum Detektiv nämlich. Und das wollte er jetzt werden, ganz auf eigen« Faust! Zunächst jedoch hatte Ede Pech. Wenn im Zentrum ein Zigarrenhändlcr seiner Tageskasse beraubt wurde, so spionierte er gerade am Wedding herum Und zur Zeit, da drei Maskierte in eine Schöneberger Sparkasi« eindringen und alsbald mit prallen Aktentaschen daoonsausten, spürte Ede in der Zentrolmarkchalle vergeblich nach Taschendieben. Cr sah«in, daß bei dem steten Herumlaufen nichts herauskam. Alle Meistcrdelettioc hatten sich irgendwo hingesetzt und unauffällig beobachtet. Das tat nun auch Ede. Oft schlief er vom Hunger oder in der sengenden Hitze ein,— oft trottete er völlig durchnäßt vom„Dienst" zu seiner Schlaf- stelle. Einmal wurde er im Tiergarten durch undeutlichen Lärm aus seinem Nickerchen ge- schreckt. Auf der Nachbarbank war einer Bonn« die Handtasche gestohlen worden. Zu allem In- grimm mußte Ede sich auch noch mißtrauische Blicke gefallen lassen. Nach diesem Erlebnis kaufte er sich einen alten Taschenwccker, der ihn alle zwei Stunden ln die notwendige Wachsamkeu zurückbcsahl. Auch eine Rauchpistole und«ine Hornbrille— tatsächlich war es eine grüne Sonnenschutzbrille für fünfzig Pfennig— legte er sich zu. Alle Detektive trugen Hornbrillen. Und eine Reinemachefrau aus dem Erich QoUgelreu: Mle 30 Sekunden Alle 30 Sekunden Wird in Deutschland ein Kind geboren. Man kann es nachlesen im Statistischen Jahrbuch. Man kann es nachrechnen. Aber was kann man vor-rechnen? Was weiß man weiter? Alle 30 Sekunden Wird in Deutschland ein Kind geboren. Alle 30 Sekunden stellt das Schicksal die Frage: Wird der Himmel ihm strahlen? Feld und Wiese Ihm leuchten? Die Arbeit ihm leben sein? Und wird es arbeiten dürfen? Oder muß es stempeln, stempeln Tag um Tag? Alle 30 Sekunden Wird in Deutschland ein Kind geboren. Alle 30 Sekunden! bedeutete Gefangenschaft für diese ganze Nacht, die unendlich weite Steppe wurde dann zum engen, fürchterlichen Kerker... Ihn fror noch mehr. Er mußte laufen, um sich zu erwärmen. Wenn wirklich dichter Wald hier wäre— der hielt wohl die Wärme fest. Aber die Stepp« schien ihm kalt wie der Tod. Er wollte wenigstens den Schutz des Haines aufsuchen. Da hatte er im Hin- und Herrennen auch den verloren und fand ihn nicht wieder. Nun war es gleichgültig, wie er lief. Vielleicht fand er so durch Zufall den Weg, oder die Station, oder ein Negerdorf. Er hörte Schakale heulen, Hnänen. Sem« Phantasie ließ ihn Löwengebrüll vernehmen, Tigerschleichen. Manch- mal wechselten sie doch herüber aus dem großen Raubtiergebiet im Süden... Wenn nur der Mond bald kam... Er betete. Cr steht« Gott an. nicht in kirchlichen Formeln, sondern wie ein geängstetes Kind:.Lieber Gott, laß den Mond bald kommen. Lieber, guter Gott, verlaß mich nicht. Laß Wi- funa bald kommen.." Er erschrak, wie er das Negerwort gebraucht hatte. Er bat Gott um Verzeihung dafür, lind da, mit einem, war kein Gras mehr um chn. Der Weg..? Sein Herz stand still... Er tastete den Grasrand ab. Keine Oeffnung. Nur eine Lichtung.. Er tastete zehn-, zwonzigmal den Kreis ab. Umsonst... Da bahnte er sich wieder einen Weg durch die Halme. Sein Kops fieberte, aber seine Beine waren kälter als Eis. Er konnte sie kaum noch be- wegen. Sein Herz schlug schmerzhaft gegen die Rippen, wie ein Hammer. Seine Lippen stammelten unaufhörlich Gebete. In seinem Hirn aber verwirrten sich die Bilder: das Kruzifix ragte aus dem Feuer, Wisuna stand davor, bleich Lcssing-Theater gab ihm eine Garderobenmarke, die der Blechmorke der„Kriminalen" ähnlich sah. Ferner verlegte Ede seinen„Dienst" in aus- sichtsreichere Iagdgründe, nämlich in den Berliner Westen. Nachdem er zwei Tage geduldig am Breitenbachplatz gesessen hatte, gelang ihm am dritten die folgende Beobachtung: Im Hause Nummer 3 rechts vom Platz wurde im linken Erker- fenfter des ersten Stockwerks eine gelbe Ampel mehrfach ein- und ausgefchallet. Genau sechsmal. Mit dem Scharfsinn des geborenen Detektiven suchte Ed« sogleich die gegenüberliegende Häuser- front ab. Und, wahrhaftig, im vierten Stock des Hauses Nummer 15 wurden die Lichtsignale mit einer Taschenlampe erwidert! „Aha!" brummt« Ede nur. Natürlich wußte er sofort, was er von dieser Blinkerei zu halten hatte: Dienstmädchen benachrichtigt ihren Komplicen, daß Herrschaft ausgegangen und daß Geld und Wert- fachen ausgeräumt werden können.— Na wartet nur! Ede fühlte: feine große Stunde war ge- kommen. Ein Junge in weißer Mütze und mit einem Geigenkasten ging aus das 5)aus Nummer 3 zu. Ede bat den Primaner, ihn mit hereinzulasien, er wolle zu dem und dem. Er murmelte irgend- einen Namen.„Aber bitte!" sagte der Junge höflich und bot dem Fremden sogar den Fahrstuhl an. Ede dankte und faßte oberhalb des ersten Stocks Posten. Links bei Seidel war behutsam die Tür geöffnet und sogleich wieder geschlossen, worden. Aha! dachte Ede nur wieder. Alles stimmte vorzüglich. Jetzt eilte der„Komplice" die Treppe herauf, Alle 30 Sekunden Wird In Deutschland ein Kind geboren. Alle 30 Sekunden stellt das Schicksal die Frage: Wird es klug? Wird es gut? Hat es Glück? Oder gerät es in die Maschine von Lehrern, die es quälen? Von Richtern, die es strafen? Von Fratzen, die es hassen? Von Fabriken, die es töten? Alle 30 Sekunden Wird in Deutschland ein Kind geboren. Alle 30 Sekunden! Alle 30 Sekunden Wird in Deutschland ein Kind geboren. Alle 30 Sekunden stellt das Schicksal die Frage: Wird es ein enger, böser Spießer? Wird es ein Genie? Wird es ein Mensch wie du und ich? Wird es ein Kämpfer für sich, für dich, ein Kämpfer für uns alle? Alle 30 Sekunden Wird in Deutschland ein Kind geboren. Alle 30 Sekunden! und schön, kühl und sanft, und küßte es. Die Zwerge nahmen chn bei der Hand und tanzten mit chm im wilden Kreis. Sie schrien:„Bete Wisuna an, so retten wir dich!" Er schlug den nächsten ins Gesicht, wie Petrus den Knecht... Dann war es einen Augenblick wieder klar in ihm. Kam der Morgen noch nicht..? Wenn der Mond doch käme... Er sank nieder, kraftlos, fiebernd, fröstelnd, stöhnend Irrsinn schlich in seine Gebete..Lieber Gott, schick mir den Mond! Schick mir Wisuna... Mond, komm! Leuchte mir! Wisuna, komm, leuchte mir! Schenk das Licht deiner Augen, daß es hell werde, Wisuna! Gott, verzeih mir die Sünde.. Gieß dein kühles Blut in meinen fiebernden Kopf, Wisuna. llNond, lieber iMond, du sollst kommen, sollst leuchten, mußt kommen, ich flehe, ich bete.. Mond, Wisuna..!" Und er warf das Gesicht aus die Erde und breitete die Arme wie ein Heide... Cr lag lange so, irre redend und betend, ster- bend fast in Kälte und Glut. Er wußte nicht. wie lange, wußte überhaupt nichts mehr. Aber als er endlich den Kopf aus der Erde hob. war ein blutroter Glanz über dem Gras Er sprang auf. warf die Arme gegen die gewaltige, düster- rote Wunde des Himmels und schrie ekstatisch: „Mond..! Wisuna.. Und lind wie ewiger Friede drang das Licht in ihn ein Er schritt ruhig hin, irgendwohin. lächelnd, in Wisunas Schutz.. Im ersten Morgengrauen fanden sie ihn: sie hatten ihn von der Station aus gesucht Er brach am andern Mittag zusammen und lag im Nerven- sieber, vier Wochen lang. Dann gewann seine junge Natur den Sieg über Fieber und Anfech- tung... Er ist Miisionar von Berus geblieben und Misiionar aus Berufung geworden— durch dies Erlebnis, wie er selbst sagte. Und der besten einer, wie mir andere sagten. Einer nämlich, der den Wisuna-Kult überwinden tonnte, weil er ihn selbst überwinden mußte." Mein weitgereister Freund schwieg. Wir sahen zum Mond. Cr hing ausgeblutet und klein zwischen den Wipfeln der Kiefern— nichts als ein gewohntes, wohlbekanntes Gestirn. «r nahm immer gleich zwei Stufen auf einmal. Ein junger Herr im eleganten Sakkoanzug und mit gewelltem nußbraunen Haar Den Hut hielt er in der Hand. Eigentlich sah er nicht wie der Komplice eines Dienstmädchens aus. Um so ver- dächtiger! Leider konnte Ede, über das Geländer gebeugt, die Person nicht erkennen, die den Elegant zu«eihel einließ,©etufchel hinter der Tür. Ein erstickter freudiger Ausruf. Dann Stille. Mehrfach schlich Ede bis an die Tür. Stille. „Nur Geduld!" raunt« Ede sich zu,„der Bursche ist mir sicher, der macht mich berühmt!" Drohend bohrte er seine Augen durch den Dämmer des Treppenraumes auf die Tür, aus der der „Bursche", die Taschen mit Geld und Schmuck« jachen vollgestopft, über kurz oder lang ent- schlüpfen muhte. Zum Glück gab es in diesen modernen Wohnungen keinen Himerausgang. Auch der Fahrstuhl war von Borteil. Es wäre recht peinlich gewesen, wenn andauernd jemand die Treppe hinauf oder herunter gekommen wäre. Man sah. in der ärmlichen Kleidung und mit der grünen Hornbrille, nicht grade wie eine Ber- trauensperson aus. Eine Ewigkeit oerging. Das Her; schlug dem „Kriminalen" bis in die Kehle. Angst? I wo, ein Detektiv hat doch keine Angst! Immerhin sühtte Ede sich wie früher vor dem Start zu einem Entscheidungslouf und meinte, daß der „Bursche" schon endlich erscheinen könnte. Da. jetzt knackt die Tür! Ede flitzt die nächtige Treppe nieder, packte den Elegant am Handgelenk und rief:„Im Namen des Gesetzes, folgen Sic mir!" Der Elegant riß sich los und stürzte sich auf den unbekannten Gegner Er war viel kräftiger als der schlecht ernährte Ed«. Das Licht im Treppenraum wurde eingeschaltet. Ein junges Mädchen stand in der Seidelfchen Tür, dunkeiblond und schlank. Sic trug einen hellblauen Pyjama. Ihre schönen Augen blickten mehr verwundert als bestürzt auf die Kämpfenden, die sich da über den Treppenläufer wälzten. „Schnell, Herta!" keuchte der Elegant.„Nif das Ueberfallkommando an!" Er kniete jetzt auf Ede und versetzt« ihm herzhaft« Püffe. Flehentlich blickte der zu dent schönen Mädchen empor.„Nicht,... bitte nicht!" stöhnte er außer Atem.„Arbeitslos... sah die Lichtsignale... wollte so gern Detektiv werden!" Herta lachte auf. Belustigung und Mitleid mischten sich in ihrer Stimme, indem sie bat: .Laß den armen Teufel doch lauf«», Kurt!" Der Eelegant gab den Gegner frei. Umständlich half Ede sich auf die Beine, murmelte mutlos: „Wieder nichts!" und zeigte den beiden mit Galgenhumor feine Marke, feine Garderoben- marke. „Jetzt aber dalli, fort mit euch beiden'" rief Herta.„Meine alten Herrschaften können jeden Augenblick kommen!" Hinter der nächsten Straßenecke sagte Kurt: .Lammen Sie, auf den Schreck müssen wir erst mal ne Molle trinken. Vielleicht läßt sich irgend- was für Sie ausknobeln. Von dem Detektiospielen haben Sie wohl selbst dte Nase voll, was?" „Allerdings", gab Ede kleinlaut zu und löste die Garderobenmarke vom Rockau, schlag. Cfünlher SStrkenfeld: berliner Skissen 3>er Jdetehtiv Arbeiter schach im neuen Jahr Charlottenburg und Westend führen Die Freie Arbeiterschachvereinigung Groß-Berlin setzt ihren Kampf um die diesjährige Abteilungs- Meisterschaft morgen, Sonntag, mit 21 Mann- schasten von 9.30 bis 13.30 Uhr in der �-Klasse und von 16 bis 19 Uhr in der U-KIasse fort. Nach- stehende Begegnungen zeigen, daß sehr spannende Kämpfe zu erwarten sind. �-Klasse: Charlottenburg gegen Kreuzberg bei Reimer, Grünstr. II; Weißensee gegen Lichtenberg bei Gallas, Lehderstraße 122; Wedding 1 gegen Treptow I bei cherms, Müllerstr. 26; Prenzlauer Berg 1 gegen Friedrichshagen 1 bei Pohst, Star- garder Str. 19; und Grünau gegen chumboldthain 1 in Grllnau-Falkenberg, Gemeinschaftshaus. Bon 16 bis 19 Uhr spielen folgende Mann- schaften der L-Klasse in Ewalds Vereinshaus, Skalitzerstr. 126(chochbahnhof Kottbusser Tor): Moabit gegen Treptow 2; Wedding-Süden 2 gegen Westend, Friedrichsfelde gegen Prenzlauer Berg 2; Norden 1 gegen Westen; chumboldthain 1 gegen Norden 2. Friedrichshain 2 ist spielfrei. Den Stand der bisherigen Spiele zeigen folgende Tabellen: A-SUaflc: Abteilung Spiele gew. unentsch. perl. Punkte Charlottenburg... 5 5—— 3SV4: 1614 Treptow I...... 5 4— 1 33: 17 Wedding I..... ö 3— 2 31: 19 Lichtenberg..... 5 2 2 1 28: 22 Humboldthain I.. 5 2 1 2 25: 2ö Kreuzberg...... 5 2— 3 24H: äöty Weißensee...... 5 2— 3 28'-3: 26% Prenzlauer Berg 1,5 1— 4 19: 31 Friedrichshain I... 5— 2 3 17: 33 Grünau....... 5 1 1 3 15%: 84% B'Jtlnffc Abteilung Spiele gew. unrntfch. verl. Punkte Westend....... 4 4—— 30: 19 Norden I...... 4 3— 1 28%: 11% Wedding II..... 3 3—— 20. 19 Friedrichsfelde.... 3 2 1— 19: 11 Moabit........ 3 2— 1 17: 13 Treptow II..... 4 3— 1 21%: 18% Humboldthain n.. 4 1 1 2 18%: 21% Friedrichshain n.. 4 1 1 2 17: 23 Prenzlauer Berg II 4—— 4 18: 27 Westen........5— 1 4 16:34 Norden II...... 4—— 4 9%: 30% burgs und Süddeutschland steigen. Vorgesehen in der Vertretung Berlins waren die beiden Spitzen- vereine Hertha-BSC und Tennis-Borussia. Jetzt kommt plötzlich die Meldung, daß die Tennis-Leute ihre Zusage zurückgezogen haben. Tennis-Borussia hatte an den zi-ständigen Bezirksvorstand ein Gesuch um Gewährung eines Darlehns gestellt (man spricht von 6000 M.<, der Bezirkevorstand hat das Gesuch aber abgelehnt. Daraufhin zogen die Spieler ihre gegebene Zusage zurück Ob aber der Gesamtbewegung damit ein Dienst erwiesen wird, ist allerdings sehr staglich. Unverständlich ist aber auch die Ablehnung des Gesuchs von Tennis. Der Bezirk, der doch seinen Kassenbestand nur durch die repräsentativen Spiele erwerben konnte. sollte doch den Vereinen, die durch dauernde Ge° stellung von Spielern erst zu diesem Kasfenbestand verHolsen haben, nicht eine solche brüste Ab- lehnung zukommen lassen. Eine andere Frage ist es aber mit der Absage der beiden chertha-Spieler Kirsei und Hahn. Sie wurden einmal von der amtlichen„Fußballkpoche" nicht nach ihrem Wunsche kritisiert und so spielen sie jetzt die ge- kränkte Leberwurst. Sportler im Hallenkampf 300 Zuschauer bei„Fichte" Der gestern veranstaltete Hallenkampf- abend bei„Fichte" gestaltete sich zu einem guten Erfolg.„Fichte" war in der Vorpropaganda äußerst rührig und so war die Halle beim Ein- marsch der 90 Wettkämpfer dicht besetzt. In den Ecken stand man so gut es ging zusammengepfercht, über 300 Zuschauer hatten sich schließlich ein- gefunden. Ein Lautsprecher sorgte für Unter- Haltung zwischen den einzelnen Kämpfen in der sauberen, hellen„Fichte"-Halle. Die Abwicklung der Kämpfe geschah in einem Tempo, das man nur jeder anderen Veranstaltung auch wünschen möchte: die Besucher kamen sicherlich voll auf ihre Rechnung. Zuerst gab es Gemeinschaftsübungen mit Musik- begleitung. Dann sorgten die Mannschaftskämpfe für richtige Hallensportfeststimmung. Besonders die Jugend- und Frauenstafetten risien die Zu- schauer mit durch die knappen Entscheidungen. Im Mannschastsversolgungslaufen holte sich ASV.- Neukölln die Punkte, d.e Rundenstasetten. der Hochsprung und die Wurfstaffeln waren aus- geglichen, bei den Hindernisläufen war wieder „Fichte" in Front. Allgemeine Heiterkeit, als bei diesen Kämpfen eine Sportlerin von„Fichte" und einige Sportler Neuköllns in der Hitze des Ge- fechts die vorgeschriebene Schlußhaltung vergaßen und somit der Zweite mit größter Ruhe zum Siege kam.„Fichte" kostete das den wohl- verdienten Punktgleichstand im Endergebnis. Die Pendelstafetten waren mit Ausnahme der Sport- lerinnen eine Beute von„ASV". Punkt- wertung:„ASV."-Neukölln—„Fichte": Sportler 1. Mannschaften 6:1; 2. Mannschaften 2: 2: Sportlerinnen 1: 3: Jugend 3: 3: G e s a m t- wertung: 11:9 Punkte. Der Veranstalter quittierte erfreulicherweise seinen Erfolg durch viele Neuaufnahmen. In der Schlußansprache strich der„Fichte"- Vorsitzende den Wert der Leibesübungen in den Arbeitersportvereinen gebührend berous Unter den Zuschauern bemerkte man eine ganze Anzahl An- gehöriger von„Oppo"-Vereinen. Die Ber- anstaltung hat ihnen wohl einen unvermutet guten Stand der Bundesbeweauna bewiesen. Sie wurden als Angehörige der ehemals starken 11. Gruppe aufgefordert, sich in die wahre Einheitsfront der Arbeitersvortler, im Arbeiter-Turn- und Svort- Bund, einzureihen Da beide Vereine aus Anlaß ihres zweijährigen Bestehens den Monat Januar als Werbemonat benu'-en und Neueintretenden das Eintrittsgeld in Höhe eines Monatsbeitraqes erlassen, kommen w'r ihrem Wunsch nach Ver- öfkent'icbung ibrer Uebungsabende gern nach „FS. Ficbte" übt: Dienstags und Freitags von 20 bis 22 Ubr. Mittenwalder Straße 32:„ASV.- Neukölln" Mittwochs von 20 bis 22 Uhr, Neu- kölln, Weisestraße 20. Deutsche Reichshahn gib Sammelkartea aus und kurbele so die Wirtschaft an! Die bevorstehende Ausflunszeit veranlaßt uns schon jetzt mit einem Fahrtverbilligung s- v o r f ch l a g an die Reichsbahn heranzutreten. Es ist auch der Reichsbahn kein Geheimnis geblieben, daß weitere Borortstrecken einen starken Benutzungsrückgang zu verzeichnen haben. Wer in besserer Zeit noch nach Erkner, Fllrstenwalde, nach Königswusterhausen, Oranienburg oder Pots- dam fuhr, begnüg! sich in der jetzigen Notzeit mit einer Sonntagsfahrt nach näherliegenden Reisezielen. Die Bahn beklagt einen„Leerlaus" der Züge, Gastwirte und andere Gewerbetreibende den Ausfall ihrer Einnahmen Gewiß kommt die Bahn den Laubenkolonisten und Siedlern schon durch die Ausgabe von Siedlerkarten entgegen; die Sonntagserholung- suchenden müssen aber immer noch den vollen Fahrpreis bezahlen, was eben der Bahn eine M.nderung der Einnahmen bringt. Wie wäre es, wenn die Reichsbahn Sammelkarten aus- gäbe? Etwa so: Man löst sich eine Kart«, die für sechs Fahrten einer bestimmten, weiteren Fahrpreiszone gilt, die Bahn gibt diese Karte für den Preis von vier Fahrten ab, gewährt also eine Berbilligung um ein Drittel. Die Karte gilt für alle Reiseziele der gewünschten Fahrpreiszone auf der gesamten Vorortbahn. Man braucht also nicht sechsmal nach Erkner zu fahren. Die Sammel- karte müßte auch von mehreren Personen gleich- zeitig benutzt werden können, gerade wie die Sammelkarten auf der Straßenbahn; sie muß innerhalb eines Jahres abgefahren werden. Nicht nur, daß die Reichsbahn ihren eigenen Verkehr nach weiter gelegenen Vorortstationen heben würde, was die Fahrpreisermäßigung be- stimmt wieder hereinbrächte, könnte sie auf diese Weise auch Gastwirten und Gewerbetreibenden Helsen, die bei oermehrten Einnahmen wieder mehr Steuern zahlen könnten. Also: Reichsbahn kurbele an, verkaufe deine Ware billiger, und du wirst sie loswerden! Serien-Ringkämpfe Sparta schlägt Alt-Wedding Nach einer kurzen Pause wurden gestern in der Trainingshalle des Sportklubs„Alt-Wedding" die Serienringkämpfe um die Meisterschaft des 4. Kreises im Arbeiter-Athleten-Bund in der A-SIaffe fortgesetzt. Die erste Ringermannschast des Kreismeistervereins„Alt-Wedding" hatte in der fälligen Rückninde wiederum die bisher un- geschlagene Staffel des Neuköllner Krafttrun- Vereins„Sparta" zum Gegner. Die Spartaner hatten im Herbst die Vorrunde von 8: 6 Punkten gewonnen und konnten gestern dieses Punktresultat wiederholen.„Alt-Wedding" mußte wegen Ge- wichtsschwierigkeiten in der Kampfftafsel in letzter Minute noch einige Umstellungen vornehmen und unterlag erst nach einem recht kraftvoll und über- aus interessanten Ringen gegen die gut kämpfen- den Neuköllner. Im Fliepepgewickt rangen die beiden guten Teibniler Schlickcisen(W.i und Langer lS.) ebne Ergebnis. Hülfner (