Atend- Ausgabe Nr. 16 B 8 50. Jahrg. Redaktton und Berlog, "Berlin SW 68. Lmdenstr. 3 SetnftimtCT'® 7 Ami Dönhoff 592 M* 297 S.Jtfltoimwitttff«« SojtaBemotrut«Bartln Vomurt BERLINER VOLKS BLATT DIENSTAG 10. Januar 1933 In Groß« Berlin 10 Pf. Auswärts...... 10 Pf. Bezugsbedingungen und Anzeigenpreis« stehe Morgenausgabe Jenteaioesa« der Gozialdemokraiische« Partei Deutschtands Der Stand der Neichsfinanzen Bedingungslose Unterstützung durch den„Idauptkeind" In dem thüringischen Städtchen Zella- Mehlis ist ein Nazi zum Stadtverordneten- Vorsteher gewählt worden— nach einem Bericht der.Moten Fahne" deshalb, well sich die Sozialdemokraten, statt für den Kom- munisten den Ausschlag zu geben, der Stimme enthielten. Obwohl unsere Genossen in Chemnitz kürzlich sogar, um die Nazis nicht heranzulassen, ein rein kommu- nistisches Stadtoerordnetenpräsidium wählen half n, findet die„Fahne" gerade den Thü- ringer Fall typisch. Da hätten nun, ruft sie voll sitllicher Entrüstung, die Sozialdemo- traten ihr wahres Gesicht gezeigt. So ist der ,Moten Fahne" vorbehalten ge- blieben, über die Politik der KPD. ein wahr- Haft vernichtendes Urtell abzugeben. Denn was sie der kleinen sozialdemokratischen Fraktion in Zella-Mehlis vorwirst, das und viel Schlimmeres haben die kommunistischen Fraktionen im Reichstag, in den Landtagen. in den Stadtverordnetenversammmlungen unzählige Male getan. Unsere Genossen in Zella-Mehlis hatten die Kommunisten zweimal zu Berhand- l u n g e n über die Wähl des Stadtverord- netenoorftandes aufgefordert. Zweimal hatten die Kommunisten Verhandlungen ab- gelehnt. Darum haben sich die Sozialdemokraten der Stimme enthalten Im Lager der KPD. ist man also der An- ficht, daß sozialdemokratische Volksvertreter ohne weiteres ihre Stimmen für kommu- nistische Kandidaten abzugeben haben. Ist das von„S o z i a l f a f ch i st e n" und „A r b e i t e r v e r r ä t e r n", als die wir in der kommunistischen Presse täglich beschimpft werden, nicht ein bißchen viel verlangt? In derselben Nummer, in der sich die „Fahne" über die Sozialdemokraten von Zella-Mehlis entrüstet, weil sie nicht bedin- gungslos für den Kommunisten stimmten. befindet- sich auch ein Artikel, in dem es heißt: Nur schlecht vermögen die Stampfer und Lobe chre grenzenlose Enttäuschung dar» über verbergen, daß die mustergültige Disziplin und eindrucksvolle Geschlossenheit der proletari- fchen Marschkolonnen der Polizei keinen Vor- wand gab, ein Blutbad unter den De- monstranten anzurichten. Wenn die Stampfer und Lobe so sind, daß sie das Arbeiterblut gleich liter- weise saufen wollen, wie kann man sich da über die Sozialdemokraten von Zella-Mehlis entrüsten, weil sie einem Kommunisten ihre Stimmer verweigerten? Wo bleibt da die Logik? Die KPD. will kein gemeinsames Vor- gehen gegen den Faschismus! Sie will keine ehrlichen Verhandlungen über ein solches Vorgehen! Sie handelt konsequent nach der Vorschrift die Sozialdemokratie als den H a u p t f e i n d zu bekämpfen, gegen den jede Verleumdung und jede Lüge, auch die dümmste, erlaubt ist! Solange sie bei diesem irrsinnigen Treiben verharrt, hat sie nicht das geringste Recht, der Sozialdemo- kratie Vorwürfe zu machen, wenn sie ihr da oder dort die gewünschte Unterstützung oersagt. Erst wenn die Kommunisten begreifen werden, daß nicht die Sozialdemokratie, son- dern der Faschismus der Hauptfeind ist und daß man von der Sozialdemokratie keine Unterstützung verlangen kann, wenn man nicht bereit ist, in anständiger Form Gegenseitigkeit zu gewähren, erst dann wird der gemeinsame Kampf gegen den Faschismus möglich sein. Das ist der klare Sachverhalt. Kein„Einheitspakt"» Schwindel kann ihn verwirren! 800 MUlionen Defizit im Jahre 1932— Schwere Vorbelastung kommender Haushalte Der HaushaUausschuh des Deutschen Reichstages zeigte heule das Bild eines großen Tages: die Parteien waren vollständig vertreten, vor ihnen saß unter Führung des Reichsfinanz- Ministers v. Krosigk der vehördenstab des Finanzministeriums, hinler ihm standen die Duhendc der Referenten aus den verschiedenen Ministerien und die Vertreter des Rechnungshofes. Sparkommissars usw. usw. Die Sozialdemokraten hatten in der letzten Sitzung des haushaltausschusies im alten Jahre den Antrag gestellt, daß der Reichssinanzmivisler dem Etatsausschuß des Reichstages einen B e- richl über die tage der Reichsfinan- zen gebe. Dieser Antrag war zum Beschluß er- hoben worden: nunmehr erstattete der Reiths- finanzminisler in Ausführung jenes Beschlusses seinen Bericht. Leider entsprach er nicht ganz den Erwartungen? Das gilt hier weniger für die Ziffern selbst, die in mancher Hinsicht durchaus nicht erfreulich sind, vielmehr gilt es für das. was der Reichsfinanz- minister des Kabinetts Schleicher als eigene Meinung zu den Zahlen selbst sagte. Mau hatte den Eindruck, daß ein qualifizierter Beamter einen sauber ausgearbeiteten zahlenmäßig belegten Be- richt gibt. Je länger Herr v. Krosigk aber sprach, um so weniger war er Minister, um so mehr erschien er als der frühere Etatsdirektor des Reichsfinanzministeriums. Der Reichsfinanzminister begann mit einem Rückblick über die Entwicklung des Etats- d e f i z i t s. das sich aus den Krifenjahren mit ihrem ständigen Rückgang der Einnahmen und mit den wachsenden Ausgaben entwickelt hat. Dos Defizit, das l9-Zl> llW Millionen Mark betrug. war schon wesentlich dadurch mit entstanden, daß im außerordentlichen Haushalt Ausgaben gemacht wurden, die durch Anleihen gedeckt werden sollten. Nachdem sich die Unmöglichkeit herausstellte, An- lcche: zu begeben, wuchs damit der Fehlbetrag des Reichshaushalts. Mit dem Ende des Reichs- Haushaltes 1931(31- März 193Z) ist der Fehl- betrag auf 1699 Millionen Mark gestiegen. Dieses Wachstum erklärt sich auch daraus, daß kurz- fristige Schulden ordnungsgemäß getilgt wurden(429 Millionen Mark), dafür aber neue kurzfristige Schulden(Aus- gäbe von Schatzscheinen) gemacht werden mußten. Außerdem sind im Haushaltsjahr l9Z1 Einnahmen gegenüber dem Voranschlag zurückgeblieben und Mehrausgaben entstanden. Für das Haushaltsjahr 1932 war ein Ein- a h m e s o l l von 7464 Millionen im Plan festgelegt. Nach der jüngsten Schätzung wind die Einnahme aber nur etwa 6681 Millionen betragen, weil im besonderen die Umsatzsteuer um rund 429 Millionen und die Einkommensteuer mn etwa 279 Millionen gegenüber der ursprünglichen Annahme zurückbleiben werden. Auf Oer andere» Seire sind im lausenden Haushaltsjahre auch nicht vorgesehen« Mehrausgaben entstanden: sie werden etwa ein« Größenordnung zwischen 359 und 499 Millionen erreichen. So ist damit zu rechnen, daß der Haus- halt 1932 mit einem Defizit von 809 Millionen abschließen wird. Tos be- deutet bei der Zusammenrechnung mit den ungedeckten Fehlbeträgen der Vor- jähre einen Gesamtfehlbetrag oder mit anderen Worten eine uufundierte kurz- fristige Schuld des Reiches in Höhe von etwa 2,1 Milliarden Mark. Der Reichsfinanzminister klärte dazu, daß diese 2.1 Milliarden der Ausdruck der Krisen- sah re 19 3 9 bis 1932 fei, wenn man dabei beachte, wie es mit den Defiziten anderer Länder aussähe, so könne sich Deutschland mit diesem finanziellen Ergebnis immerhin sehen lassen. Dabei hat der Herr Reichsfinanzminister vergessen hinzuzufügen, wodurch es möglich geworden ist, das Defizit des Deutschen Reiches trotz der Krisen- jähre so niedrig zu halten und wer dabei die hauptkosten getragen hat. Der Reichsfinanzminister rechnet damit, daß in den ersten Monaten dieses Jahres die Kassen- schwierigkcitcn beim Reich etwas zunehmen werden. Aber die flüssige Lage des Geldmarktes, in der sich die Beendigung der Krise ausdrücke, werde es ermögliche», über diese Zeit hinwegzukommen. Der weitere Bericht des Reichssinanzniinisters enthielt dann eine Fülle von einzelnen Zahlen über die Verpflichtungen des Reiches aus Darlehen und B ii r g j ch a f t e n. Die linterlagen dazu sind dem Haushaltsausschuß ver- traulich schon zugegangen: deswegen ergab der Bericht des Ministers in dieser Richtung nicht viel Neues. Der Minister fahle dann zusammen, welche Belastungen voraussichtlich das Reich aus den im wefenllichen in den Krifenjahren eingc- gangenen Verpflichtungen zu erwarten habe. Z«r Reichshaushalt werde von 1933 bis 1937 jährlich mit 123 bis 2DV Rtil« (tonen Mark vorbelastet sein, dazu lämen außerdem von 1333 bis 1933 durchschnittlich jährlich 115 Millionen Mark Deckung des Arbeitsbeschaffnngs- Programms der Regierung Papcn. Im ,«eiteren kommen dann noch die Belastungen aus den«teuergntscheineu. die bei voller Inanspruchnahme in de« Jahren 1933 biä 1938 den Reichsetat jährlich mit 599 Millionen Mark be- lasten würden. Der Haushalt für 1933 hänge voll- kommen ab von der Gestaltung der Steuerein- nahmen und den Aufwendungen für die Arbeits- Sie wollen Popen wieder Schwerindustrie und Agrarier für die Politik der Provokation Das Kulisienspiel gehl weiter, heule mittag ist Hitler in Berlin eingetrosseu, natürlich wohnt er wieder im Kaiserhos, wie es sich für den Freund der seinen Leute ziemt ver Zweck des Berliner vejuchcs ist es. die Besprechungen weilerzusühren, die in Köln begonnen haben, während die vlordbandilen Jm Siaufe der feinen Xenle In dieser Baron von Schröder in Köln sand die Verhandlung Hitlers mit Papen statt. Hitler hält es mit hen feinen Leuten! Hitlers wieder die Straßen unsicher machen, Häuser niederbrennen und als gemeine Raub- mörder sich beläligen, tritt ihr Ehef als Agent der Scharsmacher auf, denen die Reichsregierung noch nicht provokatorisch genug gegen die Arbeilerschast vorgehl! Schwerindustrie und Großagrarier sind sie mit Schleicher uuzusrieden. Sie halten ihn bereit» für einen gewesenen Manu und wollen ihren Papen wieder haben! Sie wollen provozieren. E» ist ihnen osienbar zu ruhig in Deutschland! Die deutsche Not bei den Nazis Nirgends wird die deutsche Not mehr emp- fanden als im Lager der nationalsozialistischen Führer. Pg. Gregor S t r a ß« r ist wegen politischer Krankheit abwechselnd nach Bozen, Rom»nd in die bayerischen Berge„beurlaubt". Pg. R ö h m ist„zur Erholung" für einige Zeil nach Italien beurlaubt. Pg. Graf h e l l d o r j ist von hiller ebenfalls zur Erholung nach Italien beurlaubt. Der Ojaf Hitler selbst wohnt während des lippijchen Wahltampjes beim Grafen Metternich auf dessen Schloß. Der LaNdtagspräjideni K e r r l hat es sich in- zwischen in der Villa des Barons von Kanne bequem gemacht. In Köln trifft sich Herr Hitler mit P a p e n in der Villa des Bankfürsten Baron von Schroeder Kommt die ganze Gesellschaft nach Berlin, dann können sie doch nicht im„Gasthaus zur Wildsau" wohnen, um mit Herrn Göring zu reden, son- dern sie hungern im feudalen Koiserhos. Wahrlich, ihre Rot ist nicht mehr zu ertragen, deshalb gehen helldorfs Rekruten mit den Psennigbüchsen durch die Straßen. Tofenfürforge, beide Momente seien gegen» wärtig noch nicht zu übersehen. Es sei daher wichtiger abzuwarten und den Haushalts- plan 1933 erst kurz vor Beginn des neuen Rech- nungsjahres(1. April 1933) auszustellen, als ihn den Bestimmungen des Haushaltsrechtes gemäß rechtzeitig vorzulegen. Zum Schluß verwies der Minister darauf, daß es selbstverständlich ein Fehler sei, wenn man nur an den Reichsetat denke und Länder und Gemeinden vernachlässige. Die Regierung habe den Gemeinden in diesem Jahre einen Zu- schuß von 722 Millionen Mark für Wohlfahrt?- erwerbslosenunterstlltzungen gegeben, so daß praktisch in den Wintermonaten 89 bis 85 Proz. dieser Gemeindelasten vom Reich getragen werden. Nach der Rede des Ministers wurde beschlossen, die Debatte über seine Ausführungen auf morgen, Mittwoch, zu oertagen. Als erster Redner wird der Abg. H i l f e r d i n g(Svz.) sprechen. Rechtssenat in Lübeck Eigener Bericht des„Vormärts" Lübeck, 10. Januar. Am Montagabend wurde in der Lübecker Bürgerschaft über das von den National- s o z i a l i st e n eingebrachte Mißtrauens- votum gegen den Gesamtsenat abgestimmt. Für das Mißtrauensvotum stimmten 27 Nazis, 9 Kommuni st en. 4 Bolksparteiler, 5 Deutsch nationale, 4 Hausbesitzer— 49 Stimmen. Dagegen stimmten 29 Sozial- demokraten, 1 Demokrat und 1 Z e n- tumsmann. Damit war das Mißtrauensvotum angenommen., Am 17 Januar wird in der zweiten L e- s u n g nochmals abgestimmt. Für die Bildung einer neuen Senatsmehrheit sind irgendwelche Grundlagen nicht gegeben. Man hatte der Lii- becker Bevölkerung weismachen wollen, daß eine bürgerliche Mehrheit dadurch entsteht, daß Demo- kraten und Zentrum sich den Rechtsparteien an- schließen. Wenn auch die Möglichkeit einer Mehr- heitsbildung nicht besteht, so ist doch mit der Wahl eines von den Nationalsozialisten abhängigen Rechtssenats zu rechnen, da die Verfassung in Lübeck für die Senatswahl das Stichwahloersahren vorsieht, d. h. i m z w e i- ten Wahlgang genügt die relative Mehrheit. Lübeck wird also in absehbarer Zeit einen Rechtssenat bekommen unter Ausschluß der Sozial- demokraten und der Demotraten, der sich aber nur aus eine Minderheit der Bürgerschaft stützen kann. Festung in Flammen Lxplosioiislkstastroplis bei Helsingfors helsingfors, 10. Januar. In einer der größten finnländischen Festungen, Mac E l l i o t, 16 Seemeilen westlich von Heising- sors, brach in der Nacht zum Dienstag ein riesiger Brand aus. Die Festung wurde seinerzeit von den Russen erbaut, 1918 zerstört und dann mit großem Aufwand wieder errichtet. Infolge des rasenden Schneesturmes war es unmöglich, das Feuer zu löschen. Bisher wurden sieben große Kasernen und wertvolle Festungsanlagen z e r- stört. Vom Festland sah und hörte man sort- während mächtige Explosionen und Feuer- garben. Gegen 2 Uhr ließ das Feuer etwas nach. Mehrere Gebäude stehen noch in Brand. Die Brandursache ist noch ungeklärt. Es sind zwei Brandherde festgestellt worden. Arbeit für Berlin! vis Vorscblage der Stadt Aus die Verwirklichung des mehr als bescheide- neu Arbeitebeschaffungsprogramms der Reichs- regierung werten die Arbeitslosen geduldig noch eine Weile weiter warten müssen. Vor einigen Tagen erst hat der Reichskommissar den Verwal- tungen der Gemeinden die Bedingungen für die Beteiligung an dem Programm zugeleitet. In Berlin werden jegt unter Leitung des Bürgermeisters Elsas die Vorschläge der Stadt ausgearbeitet. Man wivd die dringlichsten Arbeiten, wie In- standseßung der Brücken und den Straßen- bau in den Vordergrund stellen. Hoffentlich werden diese Vorarbeiten so beschleunigt, daß durch den Instanzenweg nicht noch mehr Zeit verlorengeht. Wie hoch die Summe sein wird die Berlin aus dem 500-Millionen-Fonds erhalten wird, kann noch nicht geschätzt werden. Auch die Neugestaltung der Verwal- t u n g der Reichshauptstadt wird noch gewisse Zeit auf sich warten lassen. Vorläufig ruht der Plan des M a g i st r a t e s, dem auch der Polizeipräst- dent in großen Zügen beigestimmt hat, noch in den Pulten der preußischen Kommissare. Hier scheint man vorläusig erst einmal die Entwicklung abwarten zu wollen, ehe eine Entscheidung ge° troffen wird. Im Rathaus tagt heute zum ersten Male im neuen Jahr der Haushaltsaueschuß der Stadtverordnetenversammlung. Auf der Tages- ordnung steht die Prüfung der Rechnungen und Bilanzen aus dem Jahre 1930. Die Reaktion im Rundfunk Protest der soldalistiscken Kulturorganisationen Die gestrige Kundgebung im Herrenhaus, die von der Freien Funkzenirale in Verbindung mit dem Arbeiter-Radiobund und den sozialistischen Kulturorgani- sationen veranstaltet wurde, ergab einmütigen prolest gegen die gegenwärtigen Ruhnieher des Rundfunks. Die Arbeiterschast muh das soziale Gewissen des Rundfunks sein und die Befreiung von den Fesseln der sich gegenwärtia austo' enden Bürokratie durchsehen, wie es Ministerialrat a. D. Falkenberg in seiner Einleitung ausdrückte. Dann nahm Genosse S. Aufhäuser das Wort zu seinem Referat, in dem er die gegen- wärtig besonders akuten Probleme der deutschen Rundfunkkrise oarlegte. Die geistig und kulturell geschult« Arbeiterschast hat eine andere Einstellung als die Maschinenstürmer des beginnenden Früh- kapitalismus. Auch die Arbeiter bejahen den Rundfunk als glänzende, technische Einrichtung. Technisch hat der jetzige Rundfunk auch keine Störungen, aber p o l i t i s ch u n d s o z i a l. Die Rundfunkkrise ist auch nicht durch die Wirtschaste- krise bedingt, sondern eine Begleiterscheinung der Gegenrevolution in Deutschland. Im zweiten Halbjahr 1932 setzte, wie im gesamten deutschen Kulturleben, mit Popens konservativer Staats- führung auch ein Rückschlag im Rund- f u n k w e s« n«in. Jede Frage wurde von nun an vom Standpunkt politischer Machtentfaltung an- gepackt, und der Rundfunk stellt so ein geradezu klassisches Beispiel für die Methoden der oer- schiedenen politischen Regierungen dar. Papen setzte rücksichtslos eine Diktatur im Rundfunk durch. Er selbst hat allein 18 Reden gehalten seine Ministerkollegen Gay! und Braun je acht. Die Rundfunkbürokratie triumphierte von nun an und alle Hörerbeteiligungen wurden beseitigt. Ein national! st isches Krastmeier- tum machte sich breit, bei dem Militärmärsche und nationalsozialistische Propagandaredner überwucherten. Bewährte Intendanten, wie der Ber- liner Dr. Flesch, mußten gehen, dafür wurde der Rundfunk unter dem berüchtigten Kommissar Scholz ein reiner politischer Tendenz- betrieb Die Folge war, daß nicht nur in Deutschland Proteste erfolgten und die Hörer- zahlen stork abnahmen, sondern auch im Ausland, so in der Schweiz und in Holland wurden die Hörergruppen für den Gemeinschaftsempfang deutscher Sendungen abgestellt. Der deutsche Sender hatte seine führende Rolle verloren. Inzwischen ist Schleicher an die Regierung ge- kommen; es hat sich aber im Rundfunk wenig geändert. Die neuen Richtlinien halten an der autoritären Führung weiter fest, und es fehlt auch weiterhin die zeitoerbunden« Note, die so- ziale Einstellung, wofür die Verherrlichung des Kriegsgeistes reichlich gepflegt wird. Da das Bürgertum jede Aktivität gegen die Rundsunkreaktion vermissen läht, ruft der So- zialistische Kulturbund alle Künstler und oeistig Schassenden auf, sich einheitlich unter der Fahne der sozialistischen Arbeiterschaft zum Protest zu sammeln. Die Arbeiterschast kämpft nicht nur um Lohn und Brot, sondern auch um die Loslösung von der geistigen Abhängigkeit von der herrschenden Klasse. Auch der letzte Arbeiter soll moralisch befähigt werden, für eine neue Welt zu kämpfen. Kunst und Arbeit müssen sich in einem gemeinsamen Kampf für einen neuen Volksfunk vereinigen, oer zugleich Kampf um ein höheres Menschentum ist. In einem weiteren Referat stellte Dr. Alfons P a q u e t die besonderen Formen der Publizistik im Rundfunk dar, die die öffentliche Meinung gestaltet. Er wandte sich insbesondere gegen die geistige Rückständigkeit im jetzigen Rundfunk, der an die Stelle schöpferischer Experi- mente mechanische Darbietungen(Schallplatten) setzt. Paquet forderte die g« i st i g e Auf- rüstung Deutschlands, die ohne mili- tärifche Lorbeeren erfolgen kann und gerade der Rundfunk wäre dazu geschaffen, eine europäische Mentalität hervorzubringen, die vielleicht mehr für die Rettung unserer Nation bedeuten würde, als alle nationalistischen Phrasen. Zum Schluß wurde eine Entschließung angenommen, die u. a. eine Mitarbeit der großen Hörerorganisationen bei der Programmgestaltung fordert. An alle freiheitlich gesinnten Rundfunk- Hörer ober wird der dringende Appell gerichtet, sich in die Front der gegen den gegenwärtigen Kurs des Rundfunks kämpfenden Hörerschaft ein- zureichen. Hitlers Banditen an der Arbeit Iiin Arbeiterferienheim niedergebrannt— Was die Nazis unter„Arbeitsdienst" verstehen Braunschweig, 10. Januar. Sin nichtswürdiges Verbrechen gegen eine Erholungsstätte der Braun- s ch w e i g e r Arbeiterschaft begingen in der lebten Nacht Parteifreunde des Herrn Klagges. Ein an der Tchunter gelegenes Heim, das im Sommer von Abertaufcn- den Arbeitern mit ihren Familien zum Baden besucht wird, wurde von Haken- kreuzstrolchen vollständig ausge- plündert, demoliert und in B r a n d gesteckt. Nicht nur zerstörten die brau- neu Vandalen die Einrichtung, das Mo- biliar, sondern den Gipfel der Nieder» tracht erklommen die Burschen damit, daß sie Geschirr. Gläser. Porzellan usw., für die Fericnkinder bestimmt, zerschlugen und die Scherben in das Bad warfen, so daß die Badegelegenheit völlig zerstört ist. Tie Verbrecher, die in einem benach- harten nationalsozialistischen Arbeitsdienstlager zu finden sein dürften, legten nach diesen Schandtaten in zwei Gebäuden Feuer an. Beide brannten vollkommen nieder. erblickt die strafbare Handlung in drei von Brolat bei seiner Aussage vor dem Oberregierungsrat T a p o l s k i gemachten Bekundungen. Nach An- ficht der Staatsanwaltschaft sollen diese Aussagen im Widerspruch zu der Aussage Brolats im Sklarek-Prozeß stehen. Die Behauptungen der Anklage stehen im strikken Gegensah zu den Dingen, wie Brolat sie selbst darstellt. Brolat bestreitet mit aller Eni» schiedenheit, bewußt irgendwann die Unwahrheit gesagt zu haben. Der von der Verteidigung Brolats beantragte Haftprüfungstermin ist auf Donnerstag anberaumt worden. Lugunglück bei Bukarest Lisher festgestellt: Acht Tote, zwanzig Verletzte Bukarest. 10. Januar. Vor dem Bukare st er Hauptbahn- Hof ereignete sich heute früh ein schweres Eisenbahnunglück. Der aüS TemeSvar einlaufende Personenzug blieb an den Eisenbahnwerkstätten infolge st a r k e r Schneeverwehungen stecken. In- folgedessen wurde ein Teil der Wagen ab- gekoppelt und von der Maschine in den Hauptbahnhof geschleppt. Wenige Augen- blicke später fuhr der ebenfalls aus Temesvar einlaufende Schnellzug mit voller Wucht auf die stehen geblie- denen Wagen des Personenzugs auf. Tie Wagen wurden zum Teil zer- trümmert. Nach den bisherigen Fest- stellungcn wurden acht Personen. darunter der Zugführer, getötet. Tie Zahl der Vertvundeten wird vorläufig auf zwanzig beziffert. Nach einer weiteren Meldung hält man es für möglich, daß die Zahl der Opfer noch höher ist, da der Zug überfüllt war. Von Bukarest sind sofort Hilfszüge an die Unglücksstelle ab- gegangen. In Automobilen und Autobussen ver- suchen die Angehörigen der Fahrgäste des verun- glückten Personenzuges möglichst rasch mich zur Hilfeleistung zur Stelle zu sein. Die Rettungsarbeiten sind an sich schon deshalb erschwert, weil st a r k e r Schneefall, der be- reits seit zwei Tagen anhält, den Zugang zur Un- glllcksstelle erschwert. Falls es nicht gelingen sollte, die unter den Trümmern begrabenen Verletzten rasch zu bergen, ist die Gefahr groß, daß sie ein- schneien und erfrieren. Geschwisiertragödie Gemeinsam in den Tod Die furchtbare wirtschaftliche Rot hat wieder zwei Opfer gefordert. In ihrer Wohnung ia der wilmersdorser Straße in Eharlottenburg wurden heule vormittag der 61 Jahre alte Kaufmann Ludwig Krone und dessen S5jährige Schwester Rudolsine Schmidt durch Gas vergiftet aufgefunden. Das Geschwisterpaar führte seit Jahren zu- sammen einen gemeinsamen Haushalt. Krone, dem es früher gut ging, hatte in den letzten Jahren schwer um den Lebensunterhalt zu kämp- fen. Schließlich fehlte es an dem Notwendigsten. uno in dieser Verzweiflungestimmung dürite in Krone und seiner Schwester der Plan gereist sein, freiwillig aus dem Leben zu scheiden. Offen- bar schon in der Nacht zum Dienstag schritten beide zur Ausführung der Tat. Sie öffneten in der Küche die Gashähne und fanden den Tod. Als die Tragödie von Hausbewohnern entdeckt wurde, war es bereits zu spät. Die Feuerwehr bemühte sich längere Zeit vergeblich um die Lebensmüden. Di« Leichen sind beschlagnahmt worden. Ein Anglücksschuß Nachtwächter erschieLt Kollegen Ein folgenschwerer Unglücksfall ereignete sich heute früh in Fredersdorf. Der 28 Jahre alte Rachtwachbeamle Karl S t o e ck e l aus der Bogst- strahe 20 in Fredersdorf wurde von einem Kollegen Otto F e i s e erschossen, als er ein? Waffe ausprobierte. Die Kugel drang Stoeckel in den Kopf und war sofort tödlich. In der Nacht zum Montag wurde— wie berichtet— d ie Stationskasse Rüdersdorf bei Kalkberge von zwei jungen Burschen überfallen. Sie drohten, den Weichenwärter Schulter, der Nachtdienst hatte, zu erschießen. Dann raubten sie die Kasse und flüchteten. Später stellt« sich heraus, daß sie auch die Bahnhofs- Wirtschaft ausgeplündert hatten. Zwischen 3 und 4 Uhr morgens kamen mehrere Männer durch den Ort Fredersdorf und wurden von Stoeckel, der bereits telephonisch von dem Ueberfall in Rüdersdorf Kenntnis hatte, gestellt. Er vermutet--. di« Räuber vor sich zu haben. Als er die Leute anrief, schössen sie sofort auf ihn. St. erwiderte das Feuer, hatte aber beim fünften Schuh ein« Ladehemmung. Di« Männer ent- kamen in der Dunkelheit. In der vergangenen Nacht bemüht« er sich vergeblich, die sestgeklemmt- Patrone aus dem Lauf zu entfernen. Heute früh trafen sich die Nachtwächter, die zum Reinicken- dorfer Sicherheitsdienst gehören, in der Wohnung eines gewisien Rossel in der Landsberger Chaussee. Stoeckel erzählt« dort von seinem Erlebnis. Er zeigte dabei die Waffe. Feise, sein Kollege, nahm sie ihm aus der Hand, plöklich löste sich ein Schuß Stoeckel brach. In den Kopf getroffen, zusammen. Jede Hilfe war vergebens. Der Tote hinterläßt eine Frau und ein l�jähriges Kind. Brolat noch in Haft Prüfungstermin am Donnerstag Der Untersuchungsrichter des Landgerichts III hat die Boruntersuchung wegen des Meineids- verdachtes gegen Fritz Brolat geschlossen. Die Staatsanwaltschaft III hat daraufhin heute gegen Brolat Anklage wegen Meineides erhoben. Sie Etwas Schnee! Nur in OstpreulZen und Bayern Aus dem Osten und Süden des Reichs werden Schneefälle bei fallenden Temperaturen gemeldet. In Ostpreußen sehte in den heutigen Morgenstunden heftiges Schneetreiben ein. Das Gebiet um Danzig hatte bei 2 Grad kälte eine Schneedecke von etwa 10 bis 15 Zentimeter. München war bereits am Montag in eine Winterlandschaft verwandelt. Die Schneefälle dürften aber auch in diesen Gebieten bald wieder aushären. Für Berlin besteht zunächst keine Aussicht auf Schnee. In der letzten Nacht zeigte das Thermometer als Minimum noch 0,2 Grad Wärme an und um 8 Uhr früh betrug die Tempe- ratur nahezu 1,5 Grad Wärme. In der kommen- den Nacht ist bei wolkenlosem Himmel leichter Frost zu erwarten. Tagsüber dürste die Queck- silberfäule aber den Nullpunkt wieder erheblich überschreiten. Zurzeit ist vom Kanalgebiet her abermals ein starkes Hochdruckgebiet im Anrücken Dieses Hoch wird unser Gebiet bald erreichen und für die nächsten 48 Stunden ist mit beständigem und heilerem Wetter zu rechnen. Im ganzen Reich, mit Ausnahme eines Teils von Ostpreußen und Bayern lagen die Tempe- raturen heute vormittag über null Grad. Die Hoffnung auf einen weihen Winter in der Haupt- stadt ist also wieder einmal in weite Ferne ge- rückt. Das Kultumiveau des Vapen-Kurfes Die von der Papen-Regierung eingeleiteten Maßnahmen in Preußen haben aus schulpoliti- schem Gebiete gerade jetzt wieder ihre Fortsetzung gefunden nnd auch die Ereignisse in der Rund- sunkorganisation, im Universitätsleben, im Theater und auf den verschiedensten anderen Gebieten des kulturellen Lebens lassen erkennen, daß die preußi- schen Kommissare und auch, soweit Einzelheiten in ihre Zuständigkeit fallen, die Reichsminister ge- sonnen sind, ihre kulturpolitische Offen- s i v e gegen alles das, was sie.�ersetzenden und marxistischen Geist nennen, fort- zusetzem Gerade in diesem Zeitpunkt muß ein bei der Hanseatischen Verlagsanstall in Hamburg er- schienene? Buch, das seinen Titel„Sitte und Kultur" in einer sensationslüsternen Weise mit Bildreportagen ausgestattet hat, besonderes Auf- sehen erregen und den Sittlichkeitsaposteln des Herrenklubs eine willkommene Argumentenfamm- lung für ihre Rückwärtferei abgeben. Der Ver- sasser nennt sich Hermann Haß, und wenn der Name, was beinahe vermutet werden kann, ein Pseudonym ist, so ist er gut gewählt, denn Haß diktiert das ganze Buch, blinder, kalter und stechender Haß. Es ist nicht schwer, eine einseitige Bilanz auszumachen, wenn man sich jahrelang einen Zettelkasten mit Zitaten aus dem„Kleinen Journal" oder aus Schriften wie Zarnows „Gefesselter Justiz" und anderen zur Kulturkritik wie der Bock zum Gärtner berufenen Schriften angefüllt hat. Der Autor sucht sich frei- lich den Schein der Sachlichkeit zu geben und stelzt aus dem Katheder mit sittenstreng erhobenem Zeigestock einher, um den Verfall einer Kultur an Erscheinungen darzutun, die gerade die sozialistisch« Kritik in gleicher Weise anprangerte, wobei sie aber mit Recht von Verfallserscheinungen des bürgerlichen Zeitallers sprach. Selbst haß muß zugestehen, daß„die Jahrzehnte der Vorkriegszeit die eigentliche schicksalhafte Belastung für die Gegenwart bedeuten". Warum wird dann über das Withelminertum mit seinen Prohsassaden, seiner inneren und äußeren Unwahrhastigkeit und seinem lärmenden Grohmannstum so bänglich geschrieben, Herr haß? Warum nicht historische Gerechtigkeit walten lassen und bei Auswüchsen der ersten Nachkriegsjahre und der Inflationszeit die Blinder Haß begeifert die Zeit Frage nach den wahren Schuldigen des staatlichen und auch seelischen Zusammenbruchs auf- werfen, Herr haß? Statt dessen wird mit einer Oberflächlichkeit, die ihresgleichen sucht, in einem Atem von modernen Neurasthenikern, vom Verlust der militärischen Er- Ziehung, von der Karl-Marx-Schule, von sexual- wissenschaftlichen Leihbibliotheken und vom Jugend- gerichtsgeseg gesprochen. Nichts aus eigenem Er- leben, alles kritiklos aus dem Zettelkasten. Man wird unwillkürlich dabei an eine französische Zeit- schrift erinnert, gegen die sich mit Recht Proteste aus Deutschland wandten, als sie glaubte, das neue Deutschland durch eine Zusammenstellung von Erscheinungen des Berliner Nachtlebens, von kriminellen Greueltaten und von Bürgerkriegs- exerzitien reaktionärer Wehroerbände abkonterfeien zu können. Sieht das Ganze nicht beinahe wie eine Materialsammlung für ähnliche Zwecke aus? Wenn es den Begriff eines„kulturellen Landesverrates" gäbe, so würde im um- gekehrten Falle gewiß gegenüber solchen„De- faitisten der deutschen Kultur", wie Haß einer ist, mit Vergnügen davon Gebraucht gemacht werden. Wir haben es nicht nötig, nach einem morali- schen Richter zu rufen, denn in den Augen all derer, die sich ein ruhiges Denken bewahrt haben, wird die mit scheinbarer Objektivität und recht pathetischer Würde geschriebene Skandalchronik nichts anderes bedeuten, als den Beweis des skandalösen Unvermögens des Autors, auch das, was außerhalb seines eigenen Gesinnungsbereichs liegt, sachlich zu würdigen. kein Wort findet er für die sozialen Großtaten einer modernen Arbeilsgesehgebung, einer modernen Gesundheitspflege, einer Förderung von Sport und Spiel, einer Modernisierung des Unterrichtswesens. Vermehrung der schulischen Möglichkeiten und der kommunalen kunstpslege, wie sie die Nachkriegszeit gebracht haben. Dafür schleudert er giftige Pfeile gegen die bis- herige Arbeit des preußischen Kultusministeriums und sucht durch scheinbare Belesenheit seine tatsäch- liche Unkenntnis der wirklichen Vorgänge zu über- decken, die er beispielsweise in den Fällen der Hochschulskandale, der staatlichen Theaterpolitit und des modernen Erziehungswesens eindeutig bekundet. Die Frauenfrage wird von ihm mit gleicher Oberflächlichkeit behandelt, er spricht von einer„Volschewisierung der Liebe". Irgend- einen Fall hebt er dabei als charakteristisch für eine Anarchie des Sittenlebens heraus und gibt eine Schilderung, die jedem denkenden Menschen klar macht, wie hier soziale Mißstände zwangs- mäßig durch Wohnungsnot, Erwerbslosigkeit und menschenunwürdiges Elend zu einem Einbruch in die moralische Gesundheit des Proletariats geführt haben. Indem er so bunt durcheinander Elendsfolgen, bürgerliche Entartung, Unkultur im öffentlichen Leben, im Film und auf der Bühne mit Bestre- Hungen mischt, die gerade im Gegensatz dazu mit gesundem und sauberem Empfinden, ja untrüglich erfüllt vom Idealismus nach neuen Ufern streben, zeigt er sein ganzes Unverständnis für wirkliche Kulturaufbauarbeit. Aber was kann man auch schließlich von einem Manne anderes verlangen, der gegen die„eintönige Durcheinandermengung von Menschen verschiedenartigsten Milieus" zu- gunften der„ständischen Gliederung einer organi- schen Ordnung" protestiert und der die Kultur als ein Geschenk aus der Hand Gottes bezeichnet, der also für das wichtigste Moment der Kultur, für das Kultivieren, das Bilden und Erziehen jegliches Verständnis vermisien läßt. Sein„Gottesgeschenk" der Kultur schildert er selbst: „Es ist die Kulturstaaisidee, wie sie sich in der Siegesallee im Berliner Tiergarten manifestiert hat." Vom Geiste der Schöpfer dieses kulturhistorischen Panoptikums ist der Verfasser der Schreckens- kammer erfüllt, die der Waschzettel des Verlages als„einen Querschnitt durch das Sitten- und Kulturleben der Gegenwart" bezeichnet,„der fesselnd und fördernd zugleich von hohem Wert ist für die Erkenntnis unserer Zeit". Wir gestatten uns hinzuzusetzen:„von hohem Wert für die Erkenntnis der Geisteskraft jener Kulturapostel, die die Welt mit ihrem Zettelkasten oerwechseln und obendrein mit einem Zettelkasten, aus dem der Haß mit kalter Geschicklichkeit her- ausholt, was er vorher mit blinder Gier wahllos hineinpraktiziert hat. Haß kann kritisieren, schimpfen kann er nicht. Wissen mag er haben, Bildung hat er nicht, der Haß— gegen die neue Zeit! Otto knscklaender. Musikprogramm der Funkstunde Die Richtlinien für einige neue Programm- punkte der Musikabteilung der Funkstunde, die Hans von Benda gestern abend vor dem Mikrophon entwickelte, sind so vernünftig, daß man nur wünschen kann, man werde sich nach diesen Linien auch wirklich richten. Man ist frei- lich aber auch ein wenig erstaunt darüber, daß man jetzt erst, mitten in der Saison, aus sie verfällt. Bendas Ausführungen galten zum großen Teil dem„unvorbereiteten M u s i k h ö r e r". dem so schwer erfaßbaren unbekannten Mann am Lautsprecher, den ernste Musik eher ärgert als erfreut(mag sie auch kaum ein Fünftel der über- Haupt gesendeten Musik ausmachen).„Zehn Minuten für den Musikhörer", jeden Montag zwischen 7 und 8 Uhr gesendet, werden ihm Gelegenheit geben, sich mit den musikalischen Grundbegriffen vertraut zu machen;„musi- kalische Hörbilder" sollen Beziehung zu Leben und Umwelt der Meister schaffen; die vor- bereitenden Vorträge zum musikalischen Abendprogramm sollen von den Sendungen zeitlich getrennt werden, damit man diese auch ohne pädagogische Verbrämung genießen kann. Endlich soll das„M usizieren mit unsicht- baren Partnern" aufs Volksliedsingen aus- gedehnt und sollen die unsichtbaren Partner gelegentlich ins Funkhaus«ingeladen werden. „Musikalische Jugendstunde" und „musikalisches Magazin" werden wieder eingeführt werden— weiß der Himmel, warum sie„in den Hintergrund getreten waren", wie es so zart ausgedrückt werden mußte. Die Haus- musik soll gepflegt werden(diese Bemühungen werden sreilich nicht viel helfen, die hängt von anderen Dingen als Vorträgen und Anregungen ab, von Verdienst und Freizeit zum Beispiel, die die Funkstunde nicht mitsenden kann). Die Schall- Plattensendungen, für die in den Archiven des Funkhauses viel kostbares, der Industrie unzu- gängliches Material vorhanden ist, sollen den lebenden Musikern möglichst wenig Konkurrenz machen; schließlich wird noch der Chorgesang in ganz anderem Umfange als bisher berücksichtigt und unterstützt werden. Nochmals: Sehr vernünftige Programmpunkte, wenn auch nichts erschütternd Neues, wenn auch fast nur Selbstverständliches. Das Verhältnis von Programm und Praxis wird die Zukunft lehren. 2�- Zille-Gedenkstunde Die Funkstunde brachte eine kleine Gedenkfeier für Heinrich Zille, dessen 7S. Geburtstag in diesem Jahre zu feiern gewesen wäre. Man hätte ihn gefeiert in den sonnenlosen Winkeln der Prole- tarierviertel, in den kleinen Berliner Kneipen, überall dort, wo Menschen zusammen sind, die um brennendes Leid oder um brennendes Mitleid wissen Gefeiert hätte man Zille auch, diesen stillen, anspruchslosen Mann, in den Kreisen, wo echte Kunst heimisch ist. Ein wenig von dieser Feierstimmung, ein traurig lächelnder Dank sprach aus dieser Rundfunkgedenkstuilde, die in Max O s b 0 r n, Hans Brennert, Alfred Braun drei Menschen vereinte, in denen viel Verständnis für Zille und noch mehr Liebe zu ihm lebt. Eine vierte allerdings vermißte man in dem Kreis: Kläre Waldow, die Zille lange Jahre freund- schaftlich nahegestanden hat und die mit ihren Liedern für ihn wirklich aus seinem„Millieu" ist. Kate Kühl die einige Lieder sang, ist dafür zu unberlinisch; sie klingen bei ihr nicht echt. Uebrigens hat der moralische Freiherrnbesen auch diese Liedertexte gereinigt. Zille im Olymp wird gelächelt haben, so wie er es hier un'en tat, wenn ihm die Bitterkeit über die Unehrlichkeit und die Dummheit der Menschen hochstieg. Eine„Ballade für den Rundfunk" übernahm Berlin aus Breslau: sie führte den Titel„Der verlorene Sohn". Den Text schrieb Max Hermann-Neiße, die Musik Karl Sczuka. Es ist die Geschichte eines jungen Menschen, der in der Welt scheiterte und nun wieder den Weg zurück in das Vaterhaus sucht. Keine ganz zeit- gemäße Geschichte übrigens, denn dem Heimkehrer wird ein festlicher Emvsang gerüstet, der nur durch den Protest der Schwester eine leichte Trü- bung erfährt. So holzschnitzhaft lassen moderne Menschen sich nicht zeichnen. Trotzdem fesselte das Werk mit seiner sprachlichen Klarheit und seiner wirkungsvollen Musik, die allerdings an einigen Stellen das Wort erdrückte.— Iz. Der verknautschte Kleinbürger Carows Lachbühne Die ersten Stunden sind eigentlich nur ein an- genehmes Erwarten Aus der Bühne wird Variete gespielt, nicht überwältigend, aber brav und solide Das Warten wird belohnt. Um 1l Uhr steigt das Ereignis: Erich Carow steht persönlich auf der Bühne. Steht? Nein, er steht keinen Augenblick Er fällt, rutscht aus, gleitet, läuft mit einer Steh- leiter Stelzen oder verschanzt sich hinter einem Ladentisch zum Angriff. Aber sein Ausgleiten und Fallen ist kein kalter Clownshumor, wie bei Grogk, der neben Carow manieriert und seelenlos wirkt. Carow bleibt im Menschlichen, er stellt eine Figur auf. die jeder kennt. Er spielt einen ver- tnoutschten Kolonialwarenhändler, in dem Dürltia- keit und Prosa seines Daseins einen Wutvorrat aufgespeichert haben, der sich um jeden Preis ent- laden muß. Carow gibt jenen echten Humor, der aus der Tragik stammt, aus dct Tragik einer unbefriedigenden Kleinbürgerexistenz. Der Glanz- punkt seines einstündigen Spiels, wenn er, nach- dem alle realen Entlastungsobjekte für den Zorn verbraucht sind, die ohnmächtige Wut über Kaffee- tüten und Klosettschlüssel, schließlich gegen„die Regierung da oben" austobt, die an allem schuld ist. Es gelingt Carow sogar, die unwahrscheinlich schnelle Bekehrung des Wüterichs durch ein reso- lutes Frauenzimmer, menschlich zu gestalten. Man lacht Tränen über Tränen, aber es ist auch eine Träne des Mitleids darunter Unter Carows Mitspielern fällt Anna M ü l l e r- L i n k e als Drachen von Wirtschafterin angenehm auf. Ein vorangehendes Liederspicl in dem Lucie Carow die Hauptrolle spielt, leidet an Längen und allzu großer inner- licher Unwahrscheinlichkeit. Freude macht der Varietöteil mit den Tanzdarbietungen von Edda und Erik Mürich und Mintchewa, sowie den sehr guten Akrobaten 3 I w a n 0 f f s. Das Eiaentümliche, das Geheimnis Carows ist die während 45-2 Stunden nicht nachlassende krohe Publikumsstimmung, die an das Goethe-Wort gemahnt: Hier ist des Volkes wahrer Himmel! E. K-r. Die Verwechslungen im Hotel, die zu amüsanten Zwischenfällen und schließlich zu einer Heirat säst wider Willen führen, sind neben den Szenen im Amüsierhaus das Skelett, das Karl B 0 e s e mit mancherlei guten Filmeinfällen ausstaffiert hat. Aber die Hauptsache ist diesmal die Besetzung und hier in erster Linie Leo Slezak. Er mimt einen eitlen Kammersänger, der zugleich ein verbissener Prozehhansl ist und alle Welt mit seinen Affären belästigt. Er macht das großartig, ist bei vorzüg- licher Laune und brilliert gleichzeitig als Sänger, wobei er sich und die ganze Tonfilmsingerei auf das Amüsanteste verulkt. Die beiden Lebemänner repräsentieren Johannes R i e m a n n und Oskar K a r l w e i ß. Die schöne umworbene Frau setzt Lee P a r r y mit Geschmack ins Spiel. Kräftigere Töne schlägt Jessie V i h r 0 g an; sie ist als Ka- barettistin eine kesse Bolle. Auch Albert F l 0- r a t h als spießerischer Kaufmann und Mann! Z i e n e r, die verständnisvoll kuppelt, sowie Käte H a a ck sind hervorzuheben. Oskar Strauß hat die Musik beigesteuert, sein Hauptschlager wird in Slezaks Munde zu einer Perle. r. Der verLihnte Tarzan Primus-Palast Die Tarzanbücher hatten einen Riesenersolg: denn Edgar Rice Burrough wird von den Leuten gelesen, die unter heftigem Herzklopfen atembe- klemmende Sensationen in ihren vier Pfählen er- leben möchten. Diese Leser wollen weder Be- lehrung noch Anleitung zum eigenen Kampf um ein richtiges Weltbild, sie wollen nur die Sensation um jeden Preis. Diese Art von Sensation, die faustdick aufgetragen wird und den Blick für die interessante Buntheit des wirklichen Lebens trübt. Ganz nach dem Gefallen solcher Leser hat W. S. Zpiel mit Schleicher jJÜLci� Der neue Opernstil in Nußland. Der junge Komponist S ch 0 st a k 0 w i t s ch. der als größte Hoffnung der modernen russischen Musiker- generation gilt, hat eine neue Oper„Lady Mac- beth aus SDhenst" beendet. Es ist eine Vertonung der Novelle von Nicolai Lefkow, des heute noch geschätzten Schriftstellers der sechziger Jahre. Die Oper kennzeichnet so recht die Strö- mungen der jungrussischen Komponistenschule. Daß romantische Textbücher im Rußland von heute nicht mehr in Frage kommen, versteht sich von selbst: das Kommissariat für Volksbildung ver- langt aber mehr revolutionäre Themen, als das Publikum vertragen kann.„Literarische Texte", erklärt Scbostakowitscb selbst,„die sich mit dem Alltaa beschäktioen und dennoch rein menschlichen Inhalt haben, sind der aeeianete Stöfs für den neuen Opernstil" Dostojewskijs„Spiele r". der von Vrokofjew vertont wurde, aab den Auftakt zu dHer neuen Kunstrichtung. Schostakowitfch hat auch Gogols Novelle„Die N a s e" vertont. Sein neues Werk llebt von einer Charakterisierung der handelnden'Personen durch Leitmotive nacb der Art Rickarb Waane" ab. docb iü jede Figur musikoljsch scharf umrillen. und alle Partien bieten den Sönnern die Möglichkeit, die Stimme in dank- barsten Kantilenen zu entfalten. Slezak im l'onkilm Atrium Die„Herren vom Maxim" waren einst ein beliebter Pariser Schwant für die Herrenwelt, jetzt sind sie— merkwürdigerweise nach einer No- velle— für die Tonfilmoperette bearbeitet worden. „Herr Reichspräsident kann Herrn General jetzt nicht empfangen. Es sind schon zwei Herren drin, die nicht erkannt sein wollen," van Dyk« auch seine Regie angelegt. Mensch, Tier und Landschaft vergewaltigt er, der Sensation zu Liebe. Dazu gebraucht er einen sehr großen Apparat. Ferner bedient er sich Dompteurarbeiten, die Staunen erregen müssen. Mehrer« sogenannte Ringkampslöwen werden zum Kampf mit Tar- zan aufgeboten. Sie sind ihrer Katzennatur ge- mäß liebenswürdig-gefährliche Spieler und werden so wider Willen zu erstklassigen Sensationsdar- stellern. Gut werden auch dte Elefanten und die Affen eingesetzt. Diese Tiere dürfen sogar des öfteren selbständig arbeiten. Johnny Weißmüller, der Meisterschwimmer, ist(0, Bracht, verhülle Dein Haupt, sein Bade- anzug hat bestimmt keine angeschnittenen Beine), in imponierender Körperlichkeit der Tarzan. Die übrigen Darsteller sind typische amerikanische Filmklsschees, die einen mit Tierleichen ge- pflasterten Weg zu Tarzan, dem Herrn des Ur- waldes gehen. In einem kleinen Film sah man unter dem Titel„Lieder der Landstraße" deutsche Landschaften. Hier wuchs das Lied wirklich aus der Landschaft, die, mit Liebe und freudigem Ver- stehen gesehen und photographiert, zum tiefen Erlebnis wurde. e. b. Die Zukunft des Deutschen Theaters. Es ist wieder ein großes Geraune um dos.Deutsch« Theater" ausgebrochen. Max Reinhardt ver- handelt mit den Direktoren Beer und Martin. Man spricht davon, daß Remhardt in Zukunst sich wieder mehr dem Deutschen Theater widmen und auch häufiger Regie führen wird. Zunächst wird er einige Klassiker einstudieren, darunter auch ein Königsdrama von Shakespeare Die Direktion Beer-Martin soll neue Gelder erhalten haben, so daß die unmittelbare Krise als überwunden hin- gestellt wird. Sie erhofft von dem.neuen Stück von Alsberg„K 0 n j l t k t", das sie eben vor- bereitet, alles. O. B. Server, der Autor des im Verlag Uni- versitaz erschienenen Werkes„Matadore der Politik", legt Werl auf die Feststellung, daß er mit dem Verfasser des Hörspiels„Nun schlägts 13", der sich Obferoer nennt, nicht identisch ist. Rundfunk am Abend Dienstag, den 10. Januar Berlin. 16.03 Liedei. 16.15 H. Ph. Weit/,: Eigene Erzählungen. 16.30 Aus Leipzig; Nadi- mittagskonzeri 17.30 Ein Gang durch Berliner Stadtrandsiedlungen(R. Esdike). 17.43 Märdten(Edith Larsson). 18.03 Paul Hiude- inith. 18.33 Bücherstunde 18J53 Die Funk- -tuode teilt mit 19.00 Stimme zum Tag. 19.10 Orchesterkonzert 20.00 Dreißig mal drei Mi- nuten(Ein kunterbunter Abend). 21.30 Werk- �tatlsberidit. 22.00 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Aus Hamburg: Alte Tänze. Königs Wusterhausen: 16.00 Für die Frau. 16.30 Aus Leipzig: Nadimittags- konzert 17.10 Zeitdienst. 17.30 Tägliches Hanskonzert, 1 7.53 Volkswirtschaftsfunk. 18.23 Einführung in die Beethoven-Symphonie Nr. 1. 18.53 Wetterbericht 19.00 Katholizismus und Protestantismus. 19.30 Das Gedicht, 19.35 rftnlle, die tälin de fehetid mmAU Die leleskopische Brille, die der Nsw-Darker Arzt Dr. William Feinbloom in Vjähriger Arbeit entwickelte, und die selbst Blinden mir nur 2 Pro;. Sehtaliigkeit das Sehvermögen wiedergibt 2 Pro.;. Sehfähigkeit gelten bei den Augenärzten als völlige Blindheit. Politische Zeitungsschaa. 202)0 Aus Hamburg: Ins Feld, in die l reiheit gezogen. 30.55 Aus Wien: Das Lied von der Erde(Gustav Mahler). 22.05 Wetter-. Tages- und Sportnachrichten. 22.45 See- Wetterbericht. Sonst: Berliner Programm Vollständiges Europaprogramm im„Volksfunk", monatl. 96 Pf., durch alle„Vorwärts"- Boten oder die Postanstalten. Leu siebzigsten Seburiskag feiert der Tischler cheinrich Gieseking, chuttenstraße 33. Der Jubllar ist seit 35 Jahren treuer Abonnent des„Vorwärts". 23. Abl. Am 7. Januar verstarb unser lang- jähriges Mitglied Oskar Brauer, Asrikanische Straße 153. Ehre seinem Andenken. Die Ein- äscherung findet am Mittwoch, 11. Januar, vormittags 9 Vi Uhr, im Krematorium Gerichtstraß« statt' Um rege Beteiligung ersucht die Abteilungs« leitung. Wetter für Berlin: Meist heiter. Tagestemperaturen etwas über Null. Nachts mäßiger Frost — Für Deuffchlanb: Im äußersten Osten noch trübe mit Regen- oder Schneefällen. Im übrigen Reiche vielfach heiter, Temperaturen im allge- meinen wenig verändert fttkal* fec TöchIct Dienstag, den 10. Januar Staatsoper unter den unden 30 Uhr La Traviata staatliches Schauspielhaus 19 Uhr Faust I. Teil 8 Ito 15. Ron 3434. iÄitdeo nt Guido and seine 20 Wienerinnen Homerderen Gaston Polmer der lästigste Jongleor Trio Walkmir in seiner neuen unerreicht. Perche-Arbeit Kurt Fuß UrniHetiser.QreteWeisenm». VOLKSBÜHNE Theater am Billewoiatx TagUcb 8 Uhr D 1 Nordsm 6536 Oliver Gromwells Sendung v. Walter Gilbricht. Regie Heinz Hilpen mit Eugen Kldpfer Stadl. Oper Charlottenbure Fraunhofer 0231 Dienstag, 10. Januar 20 Uhr T urnus I Martha Ivogün, Zador, Ludwig, Andrcsen, Pechner Dirigent: Ladwig 5 c Hi lle r Bisnaregsti.(Kniet Steinpl.(CD �'-13 Täglich 5-/. Uhr Die Mönner sind mal so IM: Walter Kollo Söttlagi Btldcmiis Ste. 13. Jan.. 4 Uhr Robert ond Bertram Theater Deutsches Theater Schumannstr.l3a Weidend. 5201 Täglich 8 Uhr lijntlrrmj Mn Siinlunlt Prinz von Homburg von H. v. Kleist TOinig. Fdidnur, Frehlicit. KiyOlir. Wiqmr. SdiOmlfn Hammerspieie 8 Uhr /tum 1. Male fosembles erwerWoMr Sduuspiskr Ote riasdie Komödie von P i n gein a t r Inszenierung! Jean Köhler-feile/ Stettiner Sänger ■ Reichstialleo-Th� Dönhoffpl. 8.15, Sonntags 3.30 zn enoBBigrien Preisen Das große Januar- ProShamm; L�lölßlieögnErlien CASINO-THEATER S' t LoihrLngcr Strafe 57 8*4 nmttummtimiiiiiinmormfiiiii Täglich Bunte Bühne: Varietä, Kabarett, Theater Onkel Mnz, der EhesUfter Gutschein I— 4 Personen- Parkett nur 0,60k Fauteuil 0.75, Sessel 1.23 Sonntag 4 Uhr: Onkel Mua, Kl. Preise. itiurfottoslT. 93 Oöitoff 625 Täglich SVi Uhr Aoslandsrelse mit Felix Brcgsar< Maria Paudlcr Otcar Sabo Behal. Berghof, Witt Koinömsnnaus Schlifbauerdanun 23 Iii. 1 2 WiiJ. 6304-05 Täglich 8-1 Uhr Das Haus dazwischen mit Max Adalbert Jakob Tiedtke iwit: SiwSmiy SeA neue günstige Gelegenheit zum Anschluß an die Volksbühne Ermäßigte Einschreibegebühr 0.50 Mark N» der Zeh vom Januar bl« Juni 1W3: 6 Vorstellungen im Theater am Bülowplatz 5 Vorstellungen im Theater am Bülowplatz 1 Vorstellung i. d. Staatsoper U. d. Linden Vontdlungsbesucb auf allen P&czen(Auslesvng der Karten wer jeder VorKeihng) lö5C Mavk (in der Staatsoper 2.50 Mark) einschiicßlkh Frogrammzettel und Zeitschrift. Ermäßigte Elntrittsffalt# be? zaMrelebe» Sonderveranscaltuecen(Konzert, Tanz, Kabarett) Aus dem Spielplan des Theaters a. Bülowplatz (Kümd. Leitung: Heinz Hilpert): Gilbricht, Oliver Cromweil» Sendung/ Zuckmayer, Schinderhannes/ Castonier, Die Sardinen- fischen/ Brecht, Die heilige Johanna def Schiachthöfe/ Ebermayer u. Mann, Professor Unrat/ Eine Posse mit Musik u. a. m. Unter den Darstellern des Theaters a. Bülowplatz Eugen Klopfer/ Emil Jannings/ Attila Hörbiger/ Hans Brausewetter/ W. Disgcl- mann/ Reinh. Bemdt/ Ernst Karchow J. Almas/ Paul Dahlke/ H. Halden/ Hch. Marlow/ Camilla Splra/ Berthe Drews Luis« Rainer /Cäc. Lvovsky/ Lotte Stein usw, BEITRITTS-ERKLÄRUNGEN in 200 Zahlstellen fu. a. sämtliche Theaterkassen der Firma Petz und K. d. W.) sowie in der Hauptgeschäftsstelle Berlin C 25, LinieescraBe 227.— Fernruf D 1 Norden 653d Wer sich b» 31. Januar der Volksbühne anschließt. erhält damit du Recht der Teilnahme an dem großen Preisausschreiben der Volksbühne (�Wieviele Menschen werden In der Zelt vom 1. Januar bis 30. Juni 1933 dasThcater am Bülowplatz besuchen Gesamtwert der Preise 4000 M 4- Barpreise zusammen 2000 M AUes Nähere Im Januar /Februar. Heft der Verein». Zeitschrift, das ueencgeltllck abgegeben wird. ür die Zeit vom 10. bis 13. Januar K I -T A F PROGRAHK für die Zeit vom 10. bis 13. Januar ■SESEÄ""" ßfl Potsdamer Str. 38 Helgas Fall und AuNfieg mit läri'fa<>ai'bo in deutsch. Sprache \V. h. 7. 9 Uhr BTL Turmstraße 12 Die blonde Venus* mit Marlene Die« rieb W. ö. 7, 9 Uhr BTL Alexandsrstr. 39 (Passage) Die blonde Venne mii Tfotr. Icne DJefrich— Dan Tlädel d. Straße(Scampoioi mit Dolly Haan. Carl Ludwig Dlebl Den fcMnzen T.ic ßeöffpp'? Alkambra Mullerslr. 136. Ecke Scestraüe. Das, Abenteuer d. Thea Ko- lond mit Dagover. Kehmann W. 5, 7. 9 Uhr Odeon,PotsdamerStr.75 Huvarenüebe m. El�e Elster. II. Adalbert— Dallhausi goldener Engel mit Lorle Eng IIm'Ii. Fritz liamper«, W. 5, 7, 9 Uhr Germania-Palast Charl.. Wilmcrsdorter Str. 63/54 mit Spione Im Suvoy-Uotel O. Tscheehoiva. Ä. Adalbert u. die 3 Fratellini*— Verhaftung um mtteruuehi W. 5. 7, 9 Uhr Kant-Lichtspiele Charl.. Kaotslr. 54. Abenteuer in Engadin mit Ouzzi LantKchner. W. Kiml Jugendliche haben ZutriMI W. 5, 7, 9 Uhr Primus-Palast Potsdamer Straße 19. Uraufführ.! Tarzan, der Herr des Urwalds» mit.lohniiy Weismüller W. 5.15. 7.15, 9.15 Uhr Georgensir aß«, B. Friedrichsir. Um 9. 12. 3, 6. 9 Uhr beginnend: Die blonde Venu* mit Tfaiiene Dietrich Um 10.30, 1.30, 4.30, 7.30 n. 10.30 Uhr Die. Flucht von der Teufcl»- üjsel üTeuestc Ton-Worlienvfhau Rheinschloß-Lichtspiele C Pheinstr. 60. Woch. 5. Stg. S Uhr Neukölln Traum von Schönbrunn mit Eggerth. Thimig,\"erebes — ftr. Dciprogramni Excelsior Woch. ab 6JS Sonnt, ab l U. Scuanslasrg flo ra- Tageskino Hauplatr. Ab 10 C. letzte 914! Kaiser-Friedrich-Straße 191 Abenteaer Im Engadin mit tiuzzi Lant, ebner— Tonbeipr. JuRendlicbe haben Zutriftl 144. Artushof Kolonnaden-Kino TaÄno! Leipziger Str 58 Ab 9 Uhr vorm.; Schloß im Mond mit Chevalier. j Jean. �lacdonuld—\eue»te TVoche.D*«rhau— Tonfilmheipr. > Moabit> Wochenl. ab 6 Uhr j Sonntage ab 5 Uhr Ferleberger Str. 29. 2 Großtonfüme: Paprika mit Fran- risika Gaul. Hörbiger— Der Schützenkönig mit Adalbert Schlüter- Theater e�Tu. Schlüters! r. 17 Schützenfest in Sehilda mit S. Arno. Kemper»— Marschall \ orwfirl!«— Jugendliiche Zutritt! G Wllmersdory � A trinm Wochenl.?. s'4 v. Airium sig. 3. 7. 944 U. Katscrallee. Ecke Berliner Straße Uraufführ. d. Oskar-Straus-Operetic: Die Herren vom Tfaxim mit I ee Parry. loh. Riemann. Eeo Slezak, O. Karin ei*— Tonbpr. Der vreiße Dämon mit Klan* Alber*, Gerda Nauru*— Gr. Tonbeiprogramm Titania Schöneberg iVy uJ Hauptstr. 40. Slg. ah 3 Uhr Da* Ge*pen»tcr*e.hiff(Schiff ohne Hafen) mit Harry Piel— Tonbeiprogr.— Pfatennoehe L Kottbusser Damm 02 IyURUR w. jb 655. Stg. ob 1 Ubr I Abenteuer Im Engadln mit Guzzl Lantsrhner. II. Hart n leh— Tonbeipr.— Jgdl. Zutritt! Turma Wochent. 5. letzte 9U U. Sonntags ab 3 Uhr Hauplstr. 144 Liebe auf den ervten Ton mit Lee Parry— Sirenen um Jllif- ternacht Mercedes-Palast Htrmann&lr. 212. 3 GroDtonfilme: Helga* Fall und Aufstieg mit Greta Garbo— 1 Tlinute vor Wltternoeht mit Tom Jft* W 7. 9. S. 5. 7. 9 /• Wariendorfer lflOmljt Tonllchtspiele Chausseestr. 365. Da«« Geheimni* de* blauen Zimmer*— Die blonde Venu* mit Jfarleue Dietrich Primas-Palast w.�-hr Am Hcrroannplatz, Urbanslr. 72)76. Da* Geheimiii* de* blauen Zimmer*- 1 TUnufe vor Wlt-j tc macht mit Tom Hlx Stella-Palast Kurfürst w 7- 9- sl,d- St8 � 7.9i ouriarsi sig 3 Uhr. Jgd.-Vorst Dorfstraße 22 Ecke Berliner Straße| Da* Blaue vom Himmel roill H. Eggorth. Thiralg— Tonbpr. Stern, Hermannstraße 49 WocbesL ab 6.30 Uhr. SonnL ab 4 Uhr Abenteuer im Engadin mit GiikzI Lant*rhner, H. Hart nieh— Tonheiprogramro ! Köpenicker Strafte 12/14 Wochtgs. 6U30, Sonntag» ab 3 Uhr Hanfred von Brauchitsch in d. Rennfahrer-SensatioDs-Tonfilm: Kampf Da* Geheinini* um Johann Orth fLiebesrcman am Wiener Hof> mit Karl Ludwig Diehl. GretI Theimer j Treptow 1 Treptow-Sternwarte Dienstag 8. Donnerstag 8 Uhr: Da* grofte weifte Schwelgen. Todes- tahrt Kap. Scotts rum Südpol �Filtn) ■ 0'ten w Germania-Palast\ fb| H. Frankfurter Allee 314 Marlene Dietrich in ihrem letzten großen Welterfolg: Die blonde Venu* Auf der Bühnr.: Lotte WerkmeiÄfer Berlins beliebteste Kabarettistin Flora-Lichtspiele W. 5.30, ca. 7. 8.30 Uhr, Sts. ab 3 Uhr Helga. Fall und Aufstieg mit (ireta Garbo— SchUI ohne Hafen mit Harry Fiel Südosten Lana-Palast Wostg. ab'a'u. Gr. Frankfurter Str. 121 Spione im Savoyhotel(3 Fratellini)— Krlft(Das flammende Schwert) Volks-Kino Königstadt Schönhauser Allee 10. Tacl. 5, 7. S ü, Der weifte Dämon mit Alber» — Tonbeipr.— Bühnenschau W Neu'lichteyibera � Kosmos-Lichtspiele wA« l Löcketr. 70 So.?/«: Jgd.-Vorat. Hau* Albern in d. gr. Rauschgift- fihn der Ufa; Der weiße Dämon Pankow Palast- Theater v*?. v. Breit« Str. 21a. Abenteuer im Engadln mit Gu**i Laiuschner. B Biml— Der Schützenkönig mit TIax. Adalbert Tivoli Wochentags kL0. 9 Uhr Sbd.. Sonnt, ab 4.30 Uhr Berliner Str. 27. Helga* Fall und AufMieg mit Greta Garbo— Gute* Tonbci- programm W__ Zohlnndorf- Mitte W 7ali Deginn tägi. 5, 7, 9 Uhr St�. 3 Uhr Jugend vorst. Posldamer Str. 56 Abenteuer der Thea ftoland mit LH Dugover, Kehmann— — Tonbeiprogramm c St e g I i t s sgFriediriclistad��p Die Kamera unlL.du Beginn 3. 3. 7. 9 Uhr Der Bächer de« Tons— Der blaue Expreß, Regie; lüi Kriabsrg Titania-Palast W.6.S0, 9 ü. Stg.4.6.30, 9U. Stealitz. ScbioOstr 5. EckeGotsmuthsstr. Abenteuer im Engadin— Tonfilmbeiprogramm Jugendliche haben Zutritt! Ab Donnerstag. Die unsichtbare Front Tianli Täglich: 5, 7. S Uhr l IVÜU Sonnt.; 3. 5. 7. 9 Uhr Berliner Straße 97 Abenteuer im Engadin— Fat u. Patachoii: Lumpenkavaliere Jugendliche haben Zutritt! M Sflciwitcn � Film-Palast Kammersäle Teltower Str. 1. W. ab 5�. S. ab 3l j 3 Großtonfihne: Paprika mit Fran- xi*ku(•aal. Hörbiger— Wer hat hier recht? mit G Bancroft Deatsch-Amerik. Theater Köpenicker Str. 68. Beginn 4-90, 6, 7.15, 9 Uhr. Stg 3 Uhr Ble blonde Venu* mit Jlarlene Dietrich— Da* Ge*pen*ter- *chlff mit Harry Fiel Filmeck Friedenau Kronen-Lichtspiele Rheinstr. 65 Täglich 5 7. 9 Uhr, Sannt, ab 3 Uhr Der Diamant de» Zaren(prlow) mit L. Haid, J- retrovleh— Gr Beiprergrsmv? Po/ 1 n fl/ 11 TU � ochentags 5 Uhr * Uliumuni Sonntags 3 Uhr Baerwaldstr. 17 Großlonfilm: Filmverrückl mit Harold Lloyd— Da* Ge*pen- *fer*chlff mit Harry Fiel Riooli Film und Ufihne �"0. 34n, fo 3 30 U. Bersmanniniße 5/7. GroSiontiän: Der«reiße Dämon mit Albere— Gute Bühnen, ch W. ab Bii U. Sic. 3 Uhr Am Görlitzer Bahnhof Grün>,I die Heide mit f»will» Hpir». Peter A oß Der Orlow (Der Diamant des Zaren.i mit Liane Haid. Ivan Petrovirh Schwarzer Adler lu""* Wo. 5, 7. 9 Uhr, Stg 3, 5, 7, 9 Uhr Der weiß© Dämon mit Alber* — Tonwoche— Tonbeiprogr. — Bühnen*chnu Viktoria-Theater sTsocahb3au5 Frankfurter Allee 48 Liebe auf den ernten Ton mit Lee Parry— Griff in die Jlot- (eiiki*tc Fried rlchsfelde Tegel Filmpalast Tegel T: /b � Bahnhofslr. 2. Stg. 2 Ü.: Jgd.-Vorst- Abenteuer der Thea Bolaud mit LH Dagover— Der Schrei der �1»**© KoSTtXOS Bühne Hauptstraße 6. 2 Tonfilme; Die blonde W. ab 6 Uhr S. 4H. 6H. 8% ............ Venu» mit Marlene Dietrich— Wenn du noch eine Tante ha*t Luisen- Theater s/ ab"? B; j�debenberger Str. 34. GroOtonfüm; Ich bei Tag und du bei TVacht mit Käthe v,\«gy, Willy Frlftch Außerdem; Krlft, das flimmenda Schrr«rt KlttO Rll�rh �lont.— Donn. 6U. ilfflü DUSCn j„.j..sti;> Uhr Alt Friedrichsfelde 3 Der»ehwarze liuiMir mi: Mady 4 hri*tiau». Conrad Veidt— 7(äu*chen im Sack mit Slim u. Slam— Boipr.— Juger.dl. Zutritt! B Nortfosten U Fhcin m" w ö lü. 6 25. 9 15 u. „Ulysium S ab- I hr Prenzlauer Aiiet 33 Hel�a« Fall und Aulsliee mit Greta Garbo— Da« Geapen- vterMthllf mit Harr? Piel Union-Theater s ocht 8. 8-5 4V4. 6V>. 8% Hauptstraße 3. 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Klar sein ist heute die notwendige Fori* rung an Mann und Frau, an all und jung, Wissen, daß das wirtschaftliche Schicksal der Massen des Volkes, der vielen Millionen Arbeitslosen so- wohl wie der noch Arbeitenden, mit der politischen Führung eng verilochien ist. An der Spitze der Reichsregiemng steht heute ein Mann, der mi: eiserner Konsequenz sein Ziel verfolgt: ein wehrhastes Deutschland zu schaffen, dem sich infolge seiner militärischen Machtstellung die Wirt- schaftswege in die anderen Länder, in>die ganz« Well öffnen müssen.—.Herr Reichskanzler von Schleicher ist und bleibt eben in erster Linie General und als solcher sieht er den Weg aus der Wirtschaft-' kr sse im Militärischen. Darum sein Versuch, durch das R e i ch s k u r o t o r i u m. für Jugendertüchtiguug möglichst olle arbeitslose männliche Jugend zu erfassen und sie durch Geländesport und Kleinkaliberschießen so für den Mllitarismus zu begeistern, daß sie b«v geistert bereit wird, wirtschaftlich« Fragen durch einen neuen Krieg zu lösen. Damit unsere Enkel einst dasselbe Elend tragen müssen wie unsere Kinder und wir es trugen und noch tragen. Nein, das rft der Jugend keine Hilfe in ihrer Gegenwartsnot. Aber Herr von Schleicher ist zäh und klug: er versucht, Hindernisse, die ihiu im Wege stehen, beiseite zu räumen. Darum stellt er sich nicht eindeutig auf die Seite der kapi- talistrschen Scharfmacher, weder sozial, noch poP- tisch. Er war mit den Beschlüssen des Reichs- tags auf Aufhebung der rigorosesten Notoerord- nungen, die sein Freund Herr von Popen erlassen hatte, einverstanden. Cr führte die vom Reich? lag beschlossene"Zlnmestie durch, aber d i e Winterhilfe nicht. Die Gabe wurde genau abgewogen, die hungernden Massen sollen fest an der Kaildare gehalten werden. Der So- zialpolitisch« und der Haushaltsausschuß de- Reichstags, die auf Grund der fozialdenwkrati- scheu Anträge eine Winterhilie für die hungern. den und frierenden llnterftußungseinpsänger von >er Reichsregierung verlangten, erhiellen in der RlmdfunkroSe des Herrn Reich- kau zlergeuerals einen Verweis, der sich beinah« wie eine D r o hung an unartige Kinder anhörte. A r- b e i ts b e f ch a f f u n g fei die haupttache, sagten die Herren Regier» ngsvertreter im Ausschuß Ja, das haben die Sozialdemokraten feit Jahr und Tag gejagt, und hätte man ihr« Vorschläge im vorigen Frühjahr durchgeführt, dann wären nun schon einige Millionen Menschen in Ar- beit und hätten nicht auf eiue Winter- Hilfe vergeblich warten brauchen. Die Herren sagten muh, daß sie die Notlage genau Die Tvau des M er« Sin Ztusflug/ Von Slso Möhns Run sind alle Festtage vorbei: Sonnenwend-, Wethnachts-, Silvester-, Reujahrsfeiern in verschiedenster Art. mit lautem Schenken.„Stim- mimg* usw., oder mit stillem, taktvollem Geben. gegenseitigem Beschenken durch Freundlichkeit und Lieb«. Niemals kam innere Kultur, wirklich« Herzensbildung mehr ans Lichl als in der Not der Gegenwart. So habe ich in diesem Jahr eine Feier erlebt, die den Zweck hatte, den ar- beitslojen Genossen und Genossinnen, jungen und alten, das zusammengebrachte Geschenk in Form von Konsumgutschemen zu geben und alle kleinen Gäste mit bunten Tellern zu erfreuen, und die ein ganz richtiges, fröhliches Gemein- fchaftsfest wurde. Sie war nämlich so vernünftig organisiert, daß keiner vom andern wußte, ob er Kaffee und Kuchen bezahlt hatte, ob er ,zu den Schenkenden oder Beschenkten gehörte, sondern. daß oll« nur sühllen: wir sind eive große Familie, die sich von unseren Kindern mit Gedichten, Liedern und Spielen erfreuen lassen. die glücklich und stolz sind, über die Darbietunger, unserer Jugend. Und so wurde es ein sehr iröhliche-, beglückendes Fest für alle: Stunden die Verbitterte froh. Bedrückte trei. Schwankends wieder fest werden ließen in ihrem Willen zur sozialistischen Neugestaltung der Well, zum Kamps für die Partei. Und das ist es, was not tut für all«, die den Alllag nicht umgehen können, die durch ihr Elend der Arbest-losigkest, des Hungers, der Entbehrungen hindurch müssen. Sie müssen immer wieder wissen. daß die Arbeitslosigkeit sie nicht aus- schließt aus den Rechen der»och arbeitenden ftlasiengcnosscn, daß im Gegenteil diese Zeit uns alle nur noch fester zusammenschmiedet. Klarer als je muß in uns allen das Bewußtsein unserer Klassenzusammengehörigkeit, der Not- wendigkeit unseres Kampfes sein. Besonders in uns Frauen, denn unsere Aufgabe ist so groß und schwer geworden, daß sie nur in tiefster Verbundenheit zum Sozialismus, im klaren Willen zur U m g e st a l t u n g der wirtschaftlichen und .. gesellschaftlichen Lebensbedingungen geleistet wer- den kann. Do ist der arbeitslose Mann, verbittert und verzweifelt, weil er, auch in bescheidensten Grenzen, Frau und Kind nicht ernähren kann. brachliegen muß bei aller Geschicklichkeit, bei allem Können, und der in dieser Stimmung ost ein ungemüllicher Kamerad in der engen Woh- ming wird. Der zu den Nazis und Kommunisten laufen möchte, nicht aus Ueberzeugung, aber au- einer letzten verzweifellen Hoffnung, daß sich dort feine Verbitterung eittladcn und vielleicht doch etwas an den trostlosen Zustanden ändern könnte. Der sich selber als unleidlicher Mensch empfindet und so gern wieder friedlich und zufrieden sein möchte. Da sind die arbeitslosen erwachsenen Kinder, denen es seelisch noch um einen Grad schlimmer ergeht. Und ihnen allen kann doch weder Nazi noch Kozi helfen, sondern mir die Frau, die Mutter, die Genossin und Kameradin in ollem ist. Die den Mann bittet um die Verrichttingen im Hause. die ihr eine kleine Hilfe, ihm aber Beschäftigung und beiden gegensestige Freude sind. Die chm die Kinder näherbringt in Spiel und Arbeit, weil er jetzt Zeit hat, sich darum zu kümmern. Die ihm ein freundliches Gesicht zeigt, weim er vom Stempeln kommt, mit ihm zusammen die paar Mark Unterstützung«mteilt und die Einkäufe be- sorgt. Die dafür sorgt. daß er in festem Zusammenhang mit der Partei bleibt durch den Befnch der Erwerbslose»Veranstaltungen, die mit ihm zusammen zu den Mitgliedervcr- fammluugen der Partei geht, um auch alles Politische und Parteipolitische mit ihm und den großen Kindern bespreche» zu können. Solche Frauen, solch« Mütter gäbe es nicht'' Soviel seelische Kraft könne aus die Dauer kein Mensch aufbringen'? Ja. solche Frauen gibt e? hunderttausende, Millionen, und es find unsere Parteigenossinnen! Es sind d i e Heldinnen des Alltags, von denen kein fremder Mensch spricht, weil sie. still und bescheiden, als Kamerodjchafts- pflicht, als Selbstverständlichkeit empfinden, wa: sie tun. Um ihres Mannes, um ihrer Kinder um der Partei willen, aber auch um ihretwillen. Denn ihre seelische Kraftquelle ist der unerschütter liche Glaube an die Gerechtigkeit des Klassenkampfes, an die Richtigkeit des sozialistischen Zieles einer klassen- losen Gesellschast, in der nickst mehr die Errasfung von Geld und Besitz, sondern das Glück der Menschen oberstes Gesetz ist. Weil sie will, daß niemand mehr hungert und friert, niemand mehr zum Verbrecher wird aus Arbeitslosigkeit und Rot, ist sie Sozialdemokratin. kämpft sie den Kamps für den Sozialismus mit einer inneren Leidenichatt. die ihr olle Möglich- ketten gibt. Draußen, am Rande der Großstadt, wo die welle Ebene sich ösfnel und stille Kies'ernwaldun- gen den Horizont umgrenzen, liegt die Heimat der Kleingärtner. Oft trennt sie ein Stück noch unbebauter Sand- und heidefläche, ein kümmer- licher Rest von Wald und Fenn von den breiten, gepflegten Straßen, dem jagenden Berkehr, den Läden und Geschäftshäusern. Manchmal aber sind die Siedlungen der Kleingärtner bereits von allen Seiten fest umschlossen von großen, modernen Bauten, von großstädtischen Hochhäusern. Drohend. ein lauerndes Tier auf dem Sprung noch Beute. so rückt die Weltstadt von Jahr zu Jahr näher an die kleinen Holzhäuser, die sclbstgczimmerten Lauben heran, und nur ein günstiger, auf Jahre abgeschlossener Bertrag kann es verhindern, daß Ungezählte aui die Früchte harter,»nerniüdliche? Kleinarbett verzichten müssen-- Waswissenwirim allgemeinen von denen. die hier durch ihrer Hände Arbeit, in stetem Kampf gegen Armut und Mangel am Notwen digsten, gegen die Tücken der Witterung und des unfruchtbaren Bodens sich aus eigener Kraft eine Heimat schufen, was wissen wir von den Kleingärtnern und ihren tapferen Frauen? Ist es nicht eine Versäumnis, die wir nachholen, eine schöne Pflicht, die wir gern ersiillen, wenn wir sie aussuchen und uns von ihrem Alltag, ihren Nöten, ihren Hoffnungen, ihren Wünschen und Forderungen berichten lassen? Aber nicht ein flüchtiger Sonntagsbesuch kann hier genügen. Nur wer den Alltag des Kleingärtners und seiner Frau kennen gelernt hat, wer sie bei der Arbett sah und ihren Kamps mit dem Leben be- greift, der wird sie verstehen und ihre Wünsche nachfühlen können. ..Wir sind hierher gezogen, weil wir d i c Miete nicht mehr aufbringen kann- t e n", erzählt die Frau des Kleingärtners L., der als Kurzarbeiter in einer Maschinenfabrik tätig ist.„Wasser und Licht hatten sie uns beretts ge- sperrt, und wir waren glücklich, durch die Ve.r- mittlung eines Bekannten uns hier ansiedeln zu könne». Der Pachtzins ist geringer als die Miete, Wasser gibt es draußen an der Pumpe, und stall des elektrischen Lichts haben wir, wie alle Klein- gärtner hier, Petroleum. Ich muß allerdings sagen, es ist mir sehr schwer geworden, mich hier einzufinden, denn ich bin in der Großstadt aus- gewachsen. In den ersten Wochen hatte ich stets das Gefühl, von aller Welt verlassen in einer öden Wüste zu wohnen. So muß es einem Au? wandersr zumute sein, der alle Brücken hinter sich abgebrochen hat!" „Ja, der Gegensatz ist groß", bestätigt die Tochter, ein junge? Issjährizes Mädchen, die Worte der Mutter.„Wenn ich einmal in die Stadt fahren muß, dann bin ich wie in einer anderenWelt. Die großen Häuser, die Cas.i.- und Kinos, die Lichtreklame am Abend, der Straßenverkehr— alles das oerwirrt mich und »iiuntt mir den Atem, denn ich bin es fett Jahren nicht mehr gewohnt, lliiö wenn ich dann hierher zurückkehre, wenn die letzte Laterne hinter nur zurückbleibt, wenn die gepslastcrte Straße einem aufgeweichten, holprigen Weg Platz macht, banii überfällt mich dieser Gegensatz mit einer Wuchi. die mich säst erdrückt. Es ist eben ein Weg ins Dunkle—" Die beide» Frauen sagen nicht zuviel. Wer die Kleingärtner nur im Sommer besucht, wenn Licht und Sonne über der Siedlung liegen, wenn Staildengowächse mrd Kletterrosen ihren Dus! ausströmen und ihre Farben spielen lassen, der kennt nur einen kurzen Ausschnitt ihres Lebens. Nur wer an den kurzen Wintertagen, wenn bereits um 4 Uhr die Petroleumlampe angezündet werden muh, zu ihnen hinauswandert, durch noch unbebautes Gelände, auf dem man sich entlang- lastet, während die trübe erleuchteten kleinen Fenster als Wegweiser dienen müssen, der weiß. was es heißt, den langen norddeutschen Winter als Kleingärtner zu verbringen. Der Großstädter wandert wie selbstverständlich durch hellerleuchtetc Straßen, verweist an den Auslogen der Schau- fenster und den Schlagzeilen der Kinos und Theater, er genießt olle Vorteile öffentlicher Bibliotheken und Lesehallen. Im Bereich des Kleingärtners aber fuhrt der abendliche Weg nur im Garten auf und ab oder zwischen Latten und Stachcldrohtzäunen enttang, und selbst diese Unter- brechung der Stille wird von den Hunden der benachbarten Grundstücke wütend krstisiert-- Es ist nicht leicht, den märkischen Sand- oder Fcnnboden zur Fruchtbarkeit zu zwingen. „Immer wieder, Jahr um Jahr, muß man Dung hineinbringen," erzählt die Frau des Kleingärtners S.,„und die Bäume brauchen Thomasmehl, die Erdbeeren Torfmull, der Rasen K a i n i t. und an Kalk darf ebenfalls nicht gespart werden. Aber was kostet das alles! Die Pfennige vom Munde müssen wir uns buchstäblich absparen! Aber wer weiß etwa? davon? In glühender Hitze des Sommers schleppen wir die Eimer und Gießkannen von der Pumpe aus. wir graben und jäten, vertilgen die Schäd- linge und lassen uns keine Mühe verdrießen, den Boden zu bearbeiten. Wenn mein Mann als Maurer Arbeit iindel— glücklicherweise war er säst den ganzen Sommer über beschäftigt—, dann mache ich die ganze Gartenarbeit allein. Ich oer- iorqc auch die Ziege und die Hühner, führe den Haushalt und besorge die beiden kleinen Kinder. Ich bin im-Sommer von Sonnenaus- gang bis in die späte Nacht auf den Beinen. Und dann kommen an einem schönen Herbstsonntag. wenn alles reist und die Johannissträucher nur so leuchten, Bekannte aus der Stadt zu Besuch, setzen sich behaglich aus die Bank und meinen: Ja. ihr habts gut! Euch wächst alles umsonst zu, was wir für teures Geld kaufen müssen! Dos bißchen Arbest— och. das ist doch ein gesunder Sport!" „Der Großstädter hat keine Zlhnung, was ein Klemgarten kostet und welche Arbett er erfordert/' kennen und darum bereit wären, durch Reichszu- schüfje von einigen Millionen Mark eine Ber- billigung notwendigster Lebensmistel und Brenn- fwffe durchzuführen. Mir scheint, genau kennen die Herren Minister wohl die Zustände doch nicht. Ob sie eine Ahrning haben, was e i:i lediger Erwerbsloser in i t 7 M. oder ein Ehepaar mit 14 und einer halben Mark wöchentlicher llitterftützung kaufen kann. wenn von diesen Bettogen die Miete zurückge- legt ist? Bestimmt nicht soviel Lebensmittel— selbst wenn sie„verbilligt" sind—. um sich sieben Tage satt zu essen: bestimmt nicht soviel Kohlen, um jeden Tag eine angewännke Sttibe zu haben lind ich glaiibe, die Herren Minister ahnen kaum. was für Explosivstoff sich im Gehirn hungernder und frierender Menschen anhäuft, besonders wenn sie den unverkäuflichen lleberfluß mit ihrem Mangel vergleichen und wenn die, die selbst verbilligtes Fleisch nicht kaufen können. Mar- garine— ihre wesentliche Fetternährung— schlechter bekommen und teurer bezahlen müssen, weil es der L-andwirtschast schlecht gehl. Neuordnung nach militärischem Muster kann hier nichts Helsen. Planvolle Einordnung der Arbeitslosen in den Wttffchostslaui, in Waren- Herstellung und Warenverbrauch. int not. Das heißt ober. daß die Fnte reise» kapitalistischer Wirt- schaftskreisc zurücktreten müssen hinter die Interessen der großen Polkömassen, die täglich ärmer werden. Dies« selbstverständliche Forderung wird die Re- gierung Schleicher nicht erfüllen, aber sie wird versuchen, an der politischen Mach! festzuhalten. Darum geht der nächste Kamps um die politische Macht, hierzu braucht unsere Partei die Frauen. jung und ost, mehr als je, und die Frauen brauchen dt« Partei, brauchen die innerste Bcr- bundenhett mit dem Sozialismus, um'Alltag und Not zu überwinden, um trotz Hunger und Elend »nerlchütterlich für ihr eigenes Recht, für«in- glücklichere Zukunft der arbeitenden Menschheit kämpfen zu können. fügt chre Nachbarin hinzu.„Die meisten glauben. wir könnten von den Erträgnissen des Gartens leben! Dabei haben wir nicht mehr als iitiO Quadratmeter Land. Wie soll eine in e h r k ö p s i g e Familie sich davon er- nähren können!" In einem zweiten Beitrag sollen noch andere Klemgärtnersrouen zu Worte kommen, uns an ihrem Tagewerk teilnehmen lassen fdenn hier erfordert haushastführen etwas anderes als in der Etagenwohnung!), von der Entstehung ihres setbstgebauten Hauses, von Kindern und Klein- garten, von Gemeinschaft und genossenschaftlichem Leben zu uns sprechen. Mögen diese Berörsent- lichungen dazu dienen, in weiteste» Kreisen Ber- ständnis für eine BenöUerungsschicht zu wecken. die zwischen Großstadt und Bauerntum steht»nd auch deshalb volle Beachtung verdient. F-rnc Cntjländerin ealdeckl"Dculschltusel Ein« Engländerin. C ic e! q Hamilton, die vor dem Kriege chre Schirljahr« in Deutschland verlebt hat, unternimmt noch dem Kriege in einem veränderten Deutschland Sttrdienreisen und erzählt ihren Landsleuten davon. Sie berichtet von chreu Eindrücken aui der Straße und in der Eisenbahn. van den Vergnüg» ngsslätten und dem Theater. von iiiationalisinus und Anttfemitismus, von, Sport, von der Jugendbewegung, vom neuen Heer und von vielen anderen Dingen. Gut gesehen ist die wirtschafkliche Lag« des heutigen Studenten: auch die Bemerkungen über den Sport, wo der Verfasserin die deuffche Gründlichkeit, mit der der Sport bei uns feit Kriegsende betrieben wird, be- ionders ausfällt, und die Kapitel„Jugendbewe- gung" zeigen, daß sich die Bersassenn um Verständnis bemüht hat, obwohl im einzelnen manches zu kritisieren wäre.:elche. getchüflan ....... Stüd ietzt nur Bierkrüge mit Goldrand, ca. 2 Liter Inhalt ....... Stück Jetzt nur Glasschüsseln ca. 23—24 cm Durchmesser ....... Stuck jetzt nur Schmortöpfe Emaille, 20 oder 22 cm Durchm. ....... Stüde Jetzt nur Milchkannen Emaille, 1% Liter Inhalt ....... Stück jetzt nur Wasserkannen weiss Emailla, ca. 6 Liter Inhalt ....... 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