Morgen- Ausgabe Nr. 19 A 10 50. Jahrg. Redaktton und Verlag, Berlin SW 68, Lindenstr. 3 CI7 Cünt Dönhoss 592 bl* 297 Telcgiommabttn«! Cojtatbemotta«Betlte BERLINER VOLKSBLATT DONNERSTAG 12. Januar 1933 In Groh- Berlin 1 0 Pf. Auswärts...... 15 Pf. «Bezugsbedingungen und Anze'genprel'e siehe am Schluh deS redaktionellen Teil« Äentrawega« der Sozialdemokratischen Partei Deutschtands Agrarierkrach mit Hindenburg Kriegserklarimg des Landbunds an die Industrie— Schleicher verhandelt nicht mehr mit Landbund Amtlich wird mitgeteilt:.Nachdem in lehter Zeit in mehreren Besprechungen zwischen Mit- gliedern des Präsidiums des R e i ch s l a n d- bundes und dem Reichskanzler eine weitgehende Einigung über die für die Londwirtschost notwendigen Maßnahmen erzielt worden war. wurde heute(Mittwoch) nachmittag der vorstand des Reichslandbundes vom Herrn Reichs- Präsidenten im Beisein des Reichs- k a n z l e r s und der R e i ch s m i n i st e r M a r m b o l d und Freiherr« von Braun empfangen. Die Vertreter des Reichslandbundes trugen ihre ernsten Sorgen über die Lage der Landwirtschaft und ihre Auffassung über die zu ergreisenden Abhilsemahregeln vor. 3n der Aussprache ergab sich, daß durch die bereits getroffenen und noch beabsichtigten Maßnahmen der Reichsregierung den wünschen der Abordnung schon soweit wie irgend möglich Rechnung getragen worden war. Räch der Sitzung wurde bekannt, daß der Vorstand des Reichslandbundes bereits vor- her eine Entschließung gesaht und der Presse übergeben hatte, die in de mag» ogischer Form sachlich uubcgrnu» dele Angriffe gegen die Reichsregiernng enthielt. Die Entschließung ist weder dem Herrn Reichspräsidenten noch der Reichsregierung vor der Besprechung bekanntgegeben worden, wäre dies der Fall gewesen, so würde der Herr Reichs- Präsident von einem Empsang des Reichsland- bundes abgesehen haben. Die Reichsregierung wird sich durch diese illoyale Handlungsweise des vor- ftandes des Reichslandbundes davon nicht ab- bringen lassen, alles sachlich Mögliche für die Landwirtschaft zu tun. Sie sieht sich jedoch ge- zwungen, von jetzt an Verhandlungen mit Mitgliedern des Vorstandes des Reichslandbundes abzulehnen. * Wer hätte es für möglich gehalten, daß Agrarier in Deutschland jemals zu laut schreien könn- ten— sogar für Herrn von hindenburg und die Regierung Schleicher, sogar für den Freiherrn von Braun zu laut? Sie haben wie immer das Rezept verfolgt: schreien, schreien!— und je mehr sie auf Kosten des Volkes erhalten haben, um so lauter haben sie geschrien! Am lautesten war inimer ihr Geschrei, wenn eine Regierung vor ihnen auf dem Bauche rutschte! Die Herren, die jetzt in der Regierung sitzen, wissen das auch, und es ist wohl der eine oder der andere dabei, der das selbst einmal mitgemacht hat! Die Herren in der Regierung Schleicher sind ja auch alles andere als„Agrarbolschewiflen", wie die Landbündler selbst Brüning bezeichnet haben! Sie sind wachsweich gegenüber den agrarischen Forderungen, und die amt- liche Mitteilung läßt erkennen, wie weich sie sind! Sie haben sich für die Agrarier in die Mar- garine gesetzt, und sind bereit, noch ein übriges zu tun. Wenn von den künftigen Maßnahmen iin Interesse der Agrarier gc- sprachen wird, so fragen wir uns: was werden wir alles noch erfahren und erleben! Die Herren Agrarier sind überzeugt: uns kann nichts geschehen! Bei dieser Regierung und diesem Reichspräsidenten! Also laßt uns schreien, schreie»! Das haben sie hinlänglich in den bekannten Tönen getan. Als der Vetter des Herrn von Rohr- Demmin aus Schlesien den Reichsernährungs- minister Freiherrn von Braun als einen„allen kümmerlichen Weihnachtsmann" bezeichnete, war das erst ein gelinder Anfang. Wer aber glaubt, daß mit diesem Krach zwischen Regierung und Junkern der agrarische Kurs auf Kosten des Bolkes authören würde, der täuscht sich! Während die bösen Buben vom Landbund poch die Rute hindenburgs bekommen, erhallen sie schon die väterliche Zusicherung, daß neue Liebesgabenbonbons ihrer warten! Aber die Situation der Regierung Schleicher wird mit diesem Krach nicht besser! Wen hat sie überhaupt hinter sich, wenn sie sich mit ihren eigentlichen Stommtruppen verkracht? Ankang vom Ende? 3n später Abendstunde wurde die Entschließung des Reichslandbunds bekannt, die den krach her- vorgerufen hat. Es geht daraus hervor, daß es sich um einen außerordentlich scharfen Zusammenprall zwischen der 3ndustrie und den Agrariern handelt. Diese Entschließung ist eine offene Kriegserklärung an die Industrie in Tönen, die in ihrer Demagogie und Dreistigkeit von der Reaktion bisher nur gegen sogenannte„marxistische Regierungen" angewandt worden sind! 7Nit dem Zutagetreten dieser Gegensähe aber zeigt sich auch, wie stark die Regierung Schleicher innerlich erschüttert ist! Die Verhandlungen hinter den Kulissen, die in den letzten Tagen gesührt worden sind, erhalten nach der Enthüllung dieser Gegensätze besondere Bedeutung. Die Entschließung des Landbundes Die Resolution beginnt mit der Behauptung, daß die Verelendung der Landwirt- s ch a s t, insbesondere der bäuerlichen Ver- edelungswirtschaft „unter Duldung der derzeitigen Regierung ein selbst unter einer rein marxistischen Regierung nicht sür möglich gehaltenes Ausmaß" onge- nommen habe, und daß die„A u s p l ü n- derung der Landwirtschast zugunsten der allmächtigen Geldbeutelinteressen der international einge st eilten Ex- portindustrie und ihrer Trabanten" andauere. De N o t g e in e i n s ch a f t des deutschen Landvolks, heißt es zum Schluß der Refolu- tion, stehe zum Aeußersten bereit. Die Fuhrung des Reichslandbundes fordere von jedem eipzelnen den letzte iz Einsatz in dem dem gesamten Bcrussstand aufgezwungenen Kampf um die nackte Existenz. Zuchthaus für Mäöchenmorö Oer verurteilte Hahenhreu�morder ruft: Heil Hitler! Eigener Bericht des„Vorreärts" Frankfurt o. II. 3anuar. Räch fünfstündiger Beratung wurde im Prozeß um die Ermordung der Emma Busse das Urteil verkündet: Ter Hauptangeklagte Robert Stuben» rauch erhält wegen Totschlages 12 Jahre Zuchthaus und 8 Jahre Ehrverlust. Tie Angeklagten Arzt und Eich werden freigesprochen. * Zur Urteilsbegründung wird u. a. ausgeführt: Das Gericht ist der Ueberzeugung, daß e i n Mordplan bestanden hat und zur Aus- führung gebracht werden sollte. Der gemeinsame Weg der Angeklagten mit der verschwundenen Emma Busse an die Ufer des Mains ist eben- falls verdächtig. Ueber die entscheidenden Mi- nuten auf der Brücke haben die Angeklagten mehrere, einander widersprechende Angaben ge- macht. Das Gericht folgt dem Angeklagten Stubenrauch nicht in seinen Ausreden, sondern nimmt an, daß Stubenrauch überhaupt noch keine wahre Darstellung des Sachverhalts ge- geben hat. Daraus folgert das Gericht, daß der Angeklagte Stubenrauch dem Gericht sein Wissen über den unfreiwilligen Tod der Busse verbirgt. Das Gericht nimmt an, daß Stubenrauch die Tat allein aus- geführt hat, indem er der Busse bis in den legten Augenblick hinein seine Anteil- nähme an einem gemeinsamen Selbstmord vorgetäuscht hat. Das Gericht ist überzeugt, daß Stubenrauch die Busse gewaltsam in den Main gestürzt hat. Mangels einer eigenen Darstellung des An- geklagten ist das Gericht aber nicht in der Lage, zu entscheiden, ob die Tat mit oder ohne Ueberlegung erfolgte. Die beiden Angeklagten Arzt und Eich nehmen die Müteilung, daß der Haftbefehl gegen sie auf- gehoben ist, mit freudigem Lächeln auf. Stubenrauch verzieht keine Miene. Erst als ihn sein Anwalt beglückwünscht, strahlt er über das ganze Gesicht und verabschiedet sich von seinem Auwalt. indem er seine Wange a« die Wange des Anwalts legt, „Heil Hitler!" mit den Worten: Die Freude des zu 12 3ahren Zuchthaus verurteilten Angeklagten Stubenrauch über dies Urteil beweist mehr als alles vorhergegangene seine volle Schuld! 12. 1 1908 Ein Ehrentag in der Geschichte des roten Berlin Heute vor fünfundzwanzig Jahren erlebte Berlin die erste große Straßendemonstration seit 1848. Sic war von der Sozialdemokro- tischen Partei veranstaltet und galt dem Kampf gegen das preußische Drei- klassenwahlrecht. Preußen beherrschte damals das Reich. In Preußen aber regierten der König, das Herrenhaus und das Dreiklassenparlament. In jedem der unzähligen Stimmbezirke Preußens wurde die Summe der Einkommen steuererträge durch drei geteilt. Die großen Steuerzahler, die das erste Drittel zahlten. bildeten die erste Wählerklasse, die mittleren Steuerzahler, die das zweite Drittel auf- brachten, bildeten die zweite Wählerklasse, und alle andern zusammen waren die Wähler der dritten Klasse. Jede Klasse in jedem Stimmbezirk wählte mit öffentlicher Stimmabgabe die gleiche Zahl von Wahl- Männern. Die gewählten Wahlmänner ver- sammelten sich dann und wählten, wieder mit öffentlicher Stimmabgabe, den Abgeordneten. Das so zustande kommende Parlament war die Vertretung einer winzigen Minderheit oder, wie man heute sagen würde, einer hauchdünnen Herrenschicht. Die große Mehr- heit war in Wirklichkeit überhaupt ohne Recht, da von den Minderheiten der ersten und zweiten Klasse zwei Drittel der Wahl- männer gewählt wurden, lind davon abge- sehen, wehe dem wirtschaftlich abhängigen Wähler, der öffentlich gegen seinen sogenannten Brotherrn zu stimmen wagte! In manchen Gegenden Ostelbiens galt schon das Stimmen für einen nationalliberalen Kandidaten als Selbstmord. Es war die niederträchtigste Form der K l a s s e n h e r r s ch a f t, die man sich denken konnte, und es war selbstverständlich, daß Ertra- Nummer. .«ta«» rjsnj*-Jjrtnbar» Vnof. oh immiM!• GcMtr KMa««*:*»«■•. tu dt-< ,U- c lotirt Sot; rt VI«.|«M4 awr» Kail 10 VI».&!»..<.)( titCJü. 5-7.:.• luSca-Satnam t-s«>»« tue««•; I*44 ii-vm ri: f-t O-"' »: sn«ixt j-.. Dcrlinev Volksblntt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. IUdaUtse.ni 801.*8. LsndenotriM« 6* 9«ntot(iV;i: Cn IV Rf. t'J93. Montag, de» 1$. Januar 1908. 1 Siptditlon: 8ill. 68, LindcnatraaM 6,. Kai IV.«t. 198«. Das Dolk auf der Straße. Auf 81: hcßnoit: WahlrcchliOfTwlgcning 6:r Rcglerurz und ben schmachvollen Sah!- rrch!»verral der-mzedlich Wahlrecht: lreunblicho, Parteten. dcS Freisinns und de» ZerckrumS, habe» am gestrigen Sonntag die Rechtlosen tn ganz Preußen die Antwort gegeben. Ein- e r st e Aittwort. Denn dl- gestrigen Demonstrationen waren mir der Beginn deS Protest- stürm», da im Lande aufflammen w-rd i Dte gestrigen Tem-nslrationen dürften da Reaktion schon einen Vewci« dafür gellefeti haben, wie gewaltig dte Empörung da Rcssm über dte schnob: Verweigerung de» Wahlrecht!! ist. Und diese Mosten tt.'rde» nicht zur Ruhe kommen, bis ste ihr Büracerecht erkämpft habe»' Eine unablässig» Agtiatton wird auch noch diezenigen lmle de» Dolic» nusditicln. d.e sich blöha von den SahirrchtZvrrrSttrn. dem LiberalUimtti und dem Zentrum. z» der fla'' herumführe» ließe»! Heraus mit dem Wahlrecht! Dieser Xus. der gestern nnllioncn'timmig daS Land durchbrause, nnrd zum Orkan werden, der schließlich dl« aus die Polizosadel und die Bozonarttc grstühtc TretNasscnschmach hinweg?» zt! Imposant so die Kundgebung E e oß- v er l«»»l Dte SietchShauptsladt. die preußische Resident hat dte Probe mtt«ihren bestanden I Gewaltig waren die Proletarier- Blasien, die aui den Ardeitervicrteln nach den vasainmlungdlokalen tzerdeistrSmlrn. Trotzdem erst am Frellag sünsztg überfüllte Volksversammlungen stattgefunden hatten, vermochte» die wichtigen Versammlungslokale nur einen Ceüien Bruch teil der Her anströmenden zu sasien. Und schwarze, onadsehdare PZensihenströme waren e». die sich zu den Versammlungen heran- wiktzten. Aud den Prolelarierquartiere» strömten die Masten zusammen, ankang« tn Betne» Gruppen, die an den Straßenkreuzungen zu Scharen ans-chwollen. di» sich schließlich unüdersehdar, Zuge d.ldUen. Durch dte Polizei am Verweilen tn der Röhe der Lotale verhindert. setzlau sich die Massen tn Bewegung. Zahlreiche TemonstraNonSzuge. die au» Tausenden, tellweise au» Zeheie-seNde, bestanden, bewegten such teil» von der Peripherie noch dem Zentrum der Stadt, teil» va» Innern noch der Peripherie! An einigen Punkten wie dem Neuen Markt hatte»«ich»cttweiBg Masten von»-300«» Deweeftruuo zu- [gnnrmj»Mni| Und diese ungsheuren Mast«» derhiellen sich nmsterhaft. In bester Ordnung, unter Abfegea de, Prot etarierlle der und der Wahlrech, tSsiroph« au» der Srbeitermarseillaise zogen sie dahm I Rur wo die Polizei ganz udechlüssigcrwelse die Straße» absperrte und edendrew nee»»» wurde, kam c» zu aufgeregte» Szene», b»—che» Stelle, hie»»er Pollzeisidet e»fPchl»U» drei»?_ trotz alledem: Das Proletariat hat fiel) die StraBe erobert! C» hat ton seinem Rechte Gebrauch gemacht. baSstet» schon btc Pourgeotstc ungestört für s ich in Anspruch nehmen durfte! Und e» wird sich die» Sicht dessen e« sich durch fein Verhalten würdig erwiesen hat.«lcht wieder nehmen lassen i Mären dreiste Nutznießer de» PrivtlegienwahlrechtS. die für ihre Priollegirn- Wirtschaft zittern, mögen auch blöde Philister sich über diese Demonstrationen entrüsten! Da« Volk»»ist« aus den Straßen sein Recht fordern l Es lußte hier den Herrschenden seinen unbeugsamen Willen bekunden l Dean«m preußischen Abgeordnelcnhaufe sitzt ia keio ei»;tger Sertrettr der Entrechteten! Dort sitzen nur die Erwählten der Besitzenden und Privilc zierten l Dort prellten in dreister ScmöMc Leute dte Masten um ihr Wahlrecht, von denen selbst der freisinnige Abgeordnete Traeger sagte, daß sie den Titel eineZ Bolls- Vertreter� nicht tn Anspruch nehmen tonnten! Die R-skno». die Treikl-sie»sch»»ch selbst trieb also die Rechtlosen auf dl« Lttnß. Dte Stimme de» Volke», die im preußisihen �unkerparlauienl nicht gehört Ivirb. maßte sich ,»f tztf Sttstz» Sehl»»erschaffe,' Dte Hunderttausende, die am gestrigen Sonnlag in Berlin und ganz Preußen schvchl and würdig demonstrierten, hat dad allen gemeinsame Gesöhl der Empieoog zusammengeschart f Sie demonstrierten zu dem hehren Zweck, sich Ihre Bürgerrechte zu«ta«»se»l En durchzogen dte Straßen unter der Tesahr. mit dem Poltzetsäbel traktiert zu»erden, um die Davon von der I-nkersch-ach. von den Fessel, des Gel»s,ck»°..hl..chll zu erlösen, um bat, Volk frei und«u»dig zu machen, um endlich in Preußen dem durch Junker, Pfaffen und Schlotbarone darniedei gehaltenen Kultursortschritt die Gasse zu bahnen! Der A n s o n g der proletarischen Dahlrechtskampagne war gut l Jeder Pr»let«ritr, ,<»» Ernrechtel« sorge für dir«eitere Az, ranaal Aar Demmisttatt-. iuh dir«ergifdisU tgiUito, au» Lrg.-isari-a(ouieat TU Mehrheit de« ganze» volle« wuh 1» de» WahlrcchtSstnrm hiacingerM, Vorwärts! Berlin demonstriert. flott? dCD Ciodcß.| r-.rajfr. Ein«.«dem.* füeCfcsßf ,ttr!4K den LtiMen". d» DrJcauZt'. s FrirttüHdentasls aesieri» ch,-. Triu-inh Sv tWser.beajetzJe*«icStisrtsr* iSget die Tim» h-nte» bo» fatiegent* ttön.zSschioß oa. tritt - icritUuc(rrrnale hetar—--- hinein in tc 3iij i,.>d r SAvtztfule Hri«am»-ttrr-ckette fchj rm «u»- bokiztt ftmtei den glicdylde» d-e Aitinnm«, f.:■r. den Ikndut! vincwfweaatea, bjt den Fliebtndea die Stechen- der Sw-efiirjt»• " i-�cn zurückwe�ul ttn d-r R-mtödlisch-.' z.-chstv' '-- kchi«iij«r»cv'-»rde-* die Sozialdemokratie gegen sie den aller- schärfsten Kampf führte. Auf ihrer Seite war alle Moral— denn das öffentliche indirekte Privilegienwahlrecht war eine niemals zu rechtfertigende brutale Vergewaltigung. Auf ihrer Seite war alle Logik— denn eine schlimmere Häufung innerer Widersprüche als jenes Klassensystem ließ sich nicht denken. Aber auf der Seite der anderen war die Macht, war der Egoismus einer herrschenden Klasse, der preußischen Junkerklasse. Allgemeines, gleiches, geheimes und direk- tes Wahlrecht zu allen Vertretungskörpern gehörte neben der Freiheit der Presse, des Vereins- und Versammlungswesens zu den selbstverständlichen Forderungen der Sozial- demokratie von Anbeginn. Die Demokratie war ihr die selbstverständliche Vorstufe zur Erkämpfung des Sozialismus. Aber kein Weg war sichtbar, der aus der Tyrannei ins Freie führte. Unangreifbar stand die Macht des Klassenstaates mit Polizei und Militär. Und die wachsenden Wählerzahlen der Sozialdemokratie bei den Reichstags- wählen waren eher geeignet, die Abneigung der besitzenden Klassen gegen eine Wahl- reform in Preußen zu steigern, als abzu- schwächen. Je höher die rote Flut stieg, desto irgstlicher verschanzten sich Kraut- und Schlotbarone hinter den Wällen der Privi- legienherrschaft. Unzählige Saalversammlungen waren ab- gehalten, unzählige Zeitungsartikel gegen die Dreiklassenschmach waren geschrieben worden, als sich die Berliner Sozialdemokratie im Einverständnis mit dem Parteivorstand dazu entschloß, auf die Straße zu gehen. Dieser Entschluß war keineswegs so leicht zu fassen, wie heutzutage mancher J'vige denken mag. Straßendemonstrationen waren im alten Preußen streng verboten, sie galten als Anfang der„sozialen Revolution". Man mußte mit der Möglichkeit rechnen, daß die herrschenden Mächte den Anlaß benutzten, um gegenüber der Sozialdemokratie zu den schärfsten Unterdrückungsmaßregeln zu grei- fen. Und noch steckte die Erinnerung an das Sozialistengesetz vielen in den Gliedern! Am 12. Januar 1908, einem Sonntag, veranstaltete die Sozialdemokratische Partei Verlins am Vormittag zahlreiche Versamm- langen, deren Teilnehmer sich jedoch nach ' chluß nicht zerstreuten, sondern gemeinsame „Spaziergänge" in das Stadtinnere unter- nahmen. Es wurden keine Fahnen mitge- igen, es wurde nur hier und da gerufen vnd gesungen. Zusammenstöße mit d e r P o l i z e i wurden nach Möglichkeit ver- nioden, trotzdem wurde der Polizeisäbel oft g' ichwungen und es floß Blut. Am Tage danach sprach Wilhelm II. den Schutzleuten seine Anerkennung aus. Das arbeitende Deutschland aber und alle freiheitlich Gesinn- En der Welt sahen mit Stolz und neuer Hoff- nung auf die Arbeiterdemonstranten des roten Berlin! Das war vor 25 Jahren. Aber zehn Jahre '" ich hielt trotz alledem die preußische Drei- Mssenbastion, und erst in den Stürmen des Weltkriegs brach sie zusammen. Als Preußen dritter Klasse zogen im August 1914 die meisten ins Feld— und wäre es nach den Junkern gegangen, so wären sie, wenn sie nicht draußen blieben, als Preußen dritter Klasse auch wieder zurückgekommen. Die Sozialdemokratie denkt mit Stolz an ihre Freiheitskämpfe vor 25 Jahren und später- Sie hat dem deutschen Volk im Reich, in den Ländern bis zum kleinsten Dorf hinab das gleiche Recht errungen. Das Volk wird schließlich auch lernen, sein Recht zu siinem Nutzen zu brauchen, und seine Lehrmeisterin dabei wird die Sozialdemo- kratie sein! Neichswirtschastörat fordert Der Reichskanzler empfing am Mtt- wach die Vorsitzenden des Reichswirtschaftsrales Leipart und von Siemens, die dem Kanzler den Wunsch des Reichswirl- s ch a f t s r a l e s vortrugen, bei den gesehgebe- rischen ZKahnahmen der Regierung in Zukunst in vermehrtem Umfang wieder eingeschaltet zu iverden. Seit an Stelle der ordentlichen Gesetzgebung durch das Parlament der Weg der Notverord- nungen beschritten wurde, haben die Ressort- minister nur noch selten ihre Vorlagen dem Reichswirtschaftsrat zur Begutachtung zugehen ««ssen. Manche Verordnung würde wahrscheinlich eine andere Fassung erhalten und auch chärten i'erloren haben, wenn die«m Reichswirtichaftsrat l rtretenen Sachverständigen der Wirtschaft(Ar- beitnehmer und Arbeitgeber) und der Konsu- menten vorher ihr Gutachten hätten abgeben können. Der Reichskanzler stimnite den Darlegungen der beiden Borsitzenden im allgemeinen zu und stellte in Aussicht, daß der Wunsch des Reichs- wirtschajtsrats erfüllt werden wird. Revolte in der fränkischen©21. Blutiger Kampf um das Nürnberger Hitler-Haus— SA.-Führer Stegmann abgesetzt Eigener Bericht des„Vorwärts" Nürnberg, 11. Januar. In Franken ist der Zersetzungs- Prozeß der SA. und der Hitler- Partei derart tief, daß der Gruppen- führer der SA.-Franken, Rcichstagsabgc- ordneter Willi Stegmann, durch den aus dem Urlaub zurückgekehrten Röhm fein es Postens enthob en und die Gruppe Franken der SA. auf- gelöst werden mußte. Mit Steg- mann sind eine Reche Unterführer ent- lassen worden. Die Gruppe Franken soll mit neuen Führern neu formiert werden. mit Lracliilllssvktlt um«jus tütler-Hau» Dürnberg, 11. Januar. Zwischen mehreren Mitgliedern der NSDAP. und SA.-Leuten kam es heute Nacht im Hitler- Haus zu blutigen Zusammenstößen. Die Polizei wurde zu Hilfe gerufen und mußte die Ruhe wieder herstellen. Cs handelt sich um einen Handstreich der Anhänger von Stegmann auf das Nürnberger Hitler-Haus. •k Der Reichstagsabgeordnete und SA.-Führer Stegmann hat seinerzeit gemeinsam mit Heines im Reichstag den gemeinen Uebersall auf den sozialdemokratischen Journalisten Klotz verübt, er wurde dafür zu drei Monaten Gefängnis ver- urteilt. Es ist eine Ironie des Schicksals, daß der wackere SA.-Führer. der vor Gericht die be- kannten Röhmschen Briefe als Fälschungen be- zeichnete, jetzt von Röhm hinausgeschmissen wird! In der NSDAP, in Franken herrschen im übrigen liebliche Zustände. Dort treibt der Gau- leiter Streicher sein Wesen, der eben jetzt in einem Blatte der Naziopposition mit dem Titel „Nazispiegel" enthüllt wird. Seine ehemaligen Freunde werfen ihm jede erdenkliche Gemeinheit vor, angefangen vom Ehebruch über Betrug bis zum Meineid. Stegmann hatte erklären lassen, daß er Streicher von seiner SA. hinauswerfen lassen werde, wenn er in einer Versammliwg auftauche. Tatsächlich wurde Streicher von SA.-Leuten aus einer Naziversammlung in Ansbach regelrecht hinausgeschmissen. Fein sieht Hitlers Laden aus! Ossi auf Reisen Hitler ist wieder nach Lippe abgefahren. Er läßt mittellen, daß er lediglich mit Göring über interne Parteidinge gesprochen habe. Anlaß dazu hat er genügend, angefangen vom straßer-Krach über die Geldwünsche seiner Partei bis zu seinen politischen Schmerzen. Die Hauptsache aber wird eine� Besprechung darüber gewesen sein, wie die NSDAP, einer sofortigen Entscheidung im Reichs- tag ausweichen könne. Nach der Lippeschen Wahl will Hitler bei 5) u g e n b e r g vorsprechen. Was ist mit Auw! los? GroLer Krach mit seinem Alten lieber einen schweren Familienkrach im Hause Hohenzollern, vor allem zwischen dem Ex- kaiser und seinem Nazisöhnchen A u g u st W i l- Helm, wird seit gestern an verschiedenen Stellen und in verschiedenen Formen berichtet. Aller- dings auch dementiert, aber die Ableugnungen betreffen anscheinend nur unrichtige Einzelheiten, während der Kern des Konfliktes offenbar nicht dementiert werden kann. So teilt ein württembergisches Blatt, der „Reutlinger Generalanzeiger", mit, daß der Herr von Doorn einen hausbefehl an sämtliche Zamilienmitglieder erlassen habe, sich jeder Betätigung bei den Rationalsozialisten künftig zu entHallen. Der Grund dazu sei die Enttäuschung, die bei den Hohenzollern darüber herrsche, daß die Nazis, anstatt die monarchistischen Restauration?- pläne �U ünterskutz'en, sich ausschließlich für eine diktatorische Machtergreifung durch Hitler ein- setzen. Die Behauptung des süddeutschen Blattes, daß sich der Prinz Auwi berells zu einem längeren Ilrlaub noch Italien oder nach den Balearen- inseln begeben hätte, trifft bisher offenbar nicht zu, da er noch vor wenigen Tagen in dem Ber- liner nationalsozialistischen Trauerzug neben Goebbels marschiert ist. Es bleibt dagegen abzu- warten, ob die weitere Mitteilung des„Reut- linger Generalanzeigers" zutrifft, daß mit der Rückkehr des Naziprinzen in den preußischen Landtag kaum mehr zu rechnen ist. Inzwischen erfahren wir aus London weitere Einzelheiten über diesen hohenzollern- schen Familienkrach, die von verschiedenen großen Nachrichtenagenturen aus Deutschland gedrahtet worden sind.(Die angelsächsische Welt inter- essiert sich nämlich noch immer für das Hohen- zollernhaus viel mehr als die deutsche Oeffent- lichkeit, die die Taten von Wilhelm und seinen Söhnen bei weitem nicht so ernst nimmt wie die englischen und amerikanischen Durchschnittsleser.) Danach soll der Konflikt folgende Vor- > g e s ch i ch t e haben« Vor einiger Zeit hielt Auwi als frischgegossene Rednerkanone der Nationalsozialisten im Berliner Sportpalast eine Rede, in der er seine Verbunden- heit mit den Nazikleinbürgern und Proleten dadurch zu unterstreichen und glaubhaft zu machen versuchte, daß er auch einige despektierliche Bemerkungen über den Geist der Potsdamer Hofgesellschaft einflocht und Adolf Hitler weit, weit höher als die monarchistische Restaurationsidee stellte. Darüber soll nun vor allem Hugenberg.der sich mit Recht als der Führer der eigentlichen Monarchistenpartei betrachtete und der sowieso Krach mit Hitler bei jeder Gelegenheit suchte, sehr erbost gewesen sein. Er schrieb einen Protestbrief an den Exkronprinzen und ersuchte darin alleruntertänigst um ein E i n- greifen vom Hause Doorn, damit die monarchistische Sache nicht weiter durch die Seitensprünge des hakenkreuzlerischen Sohnes Schaden erleide. Der Worllaut der inkriminierten Sportpalastrede wurde nach Dorn übermittelt. Das Familienhaupt berief daraufhin einen eiligen Familienrat ein und wollte zunächst einen Beschluß durchsetzen, wonach allen Familien- Mitgliedern die Zugehörigkeit zur Hiller-Partei untersagt werde. Da legte sich— immer nach der englischen Version— der Stahlhelmprinz Oskar vermittelnd ins Zeug und man be- schränkte sich auf die Forderung, daß Auwi seine propagandistische Tätigkeit bei den Nazis ein- schränke, ohne förmlich aus der Hitler-Partei auszutreten. Doch ist der Konflikt neuerdings mit voller Schärfe wieder ausgebrochen, als Goebbels bei Hitler beantragte, daß Auwi an Stelle von Helldorf, mit dem er sich verkrocht hatte, zum Leiter der Berliner SA. er- nannt werde. Hitler, der offensichtlich Goebbels in seinem Kampf gegen Gregor Straßer dringen- der denn je benötigt, war bereit, diesem Wunsch zu entsprechen.(Daher auch die„Urlaubs"reise des Grafen Helldorf nach Italien.) Auch Prinz Auwi war durchaus nicht abgeneigt, dem väter- lichen Utas zu trotzen und diese Beförderung aus den Händen seines neuen Herrn und Gebieters anzunehmen, als wieder einmal der alarmierte Allerhöchste Kriegsherr a. D. wie das Donnerwetter d az w i sch e n s u h r: Er drohte dem renitenten Sohne nicht nur Ausschluß aus dem Familienverband, sondern auch den Verlust seines preußischen Prinzentitels an: Auwi würde sich künstig nur noch „Gras von Brandenburg" nennen dürfen! Vor dieser Drohung, die ihn auf den Adelsrang eines ganz gewöhnlichen Grafen Helldorff herab- gewürdigt hätte, soll nun, der englischen Darstellung zufolge, der prinzliche Naziproletenfreund doch zurückgewichen sein. Zähneknirschend lehnte er das Angebot bon Hitler und Goebbels ab, zumal sein alter Herr auch über die Familien- moneten verfügt. Japan ohne Hemmung Großmächte abgewiesen— Vormwch geht weiter Amtlich wird in Tokio mitgeteilt, daß Außen- minister lltschida den Botschaftern der J1KA.. Englands. Frankreichs und Italiens erklärt ho«. eine Aenderung der japanischen Politik im Fernen Osten wie auch eine Aenderung der Haltung Japans in Genf könne nicht eintreten. Die japanische Regierung bestehe darauf, daß ihr Stand- Punkt in der Mandschurei-Frage richtig sei, Dementsprechend dringen japanische Truppen noch zermürbender Beschießung der chinesischen Abwehrkräste immer weiter in die chinesische Pro- vinz Je h o l vor, die westlich und nördlich der bei Schanhaikwan beginnenden Chinesischen Mauer liegt. Zugleich wird das Erforderlich« getan, um auch in S ü d ch i n a jene typischen Konflikte hervor- zurufen, mit denen man später Beschießung, Be- setzung und gegebenenfalls auch Annexion ä la Mandschurei begründet. Zu diesem Zweck und unter dem bekannten V o r w a nd des„Schutzes japanischer Interessen" ist ein japanischer Zerstörer nach Kanton und ein Minenbook nach Amoy geschickt worden. Zomben auf Nordchina . Spät abends meldet der S o w j e t r u n d f u n k aus der ostsibirischen Stadt Chabarowsk, daß etwa 5009 Mann chinesischer Truppen des Generals L i p u durch überaus hestiges Feuer der Japaner gezwungen worden sind, auf sibirisches Gebiet bei dem Orte Turijewo überzutreten. Die russische Grenzwache mußte den verfolgenden japanischen Armeeflugzeugen Leuchtsignal« geben, nicht weiter zu fliegen, was auch befolgt wurde. Weiter meldet der Sowjetrundsunk, daß in der Gegend der nordchinesischen Hauptstadt P e i p i n g (früher Peking) japanische Bombenabwürfe un- geheure Zerstörungen anrichten und eine Massen- flucht der Bevölkerung verursachen. Abgeworfen werden K e t t e n b o m b e n, die bis zu 8 Stück durch Ketten verbunden sind und durch ihre gleich- zeitige Explosion an derselben Stelle natürlich die vielfache Wirkung erzielen. Schüsse auf dem Wedding Reuerüberfall aus Naziiauto— Zwei Schwerverletzte Gegen 23 Uhr wurde in der kösliner Strohe auf dem wedding von SA-Leuten auf das dar- tige KPD.-verkehrslokal ein hinterhältiger Feuerüberfall verübt. Aus einem P r i- v a t a u t o. das in schneller Fahrt durch die Straße fuhr, wurden von SA.-Leuten auf die Gastwirtschaft zahlreiche Schüsse abgegeben. Zwei Schwerverletzte sind die Bilanz dieser neuesten nationalsozialistischen Schandtal. Die Verwundeten, ein Mann und eine Frau, wurden in das Virchow-Krankenhaus übergeführt, wo die Aerzte Becken-, Brust- und Arm- s ch ü s s e feststellten. Wie es heißt, sollen die Schwerverletzten unpolitisch sein. Das alarmierte Ueberfallkommando konnte von den Tätern keine Spur mehr entdecken. wie«vir weiter erfahren, galten die Schüsse der SA.-wordbanditen nicht nur dem KPD.- Lokal in der Kösliner Straße, sondern auch einer größeren Gruppe Kommunisten. die aus einer Versammlung in den Pharussälen heimkehrten und gerade in die Kösliner Straße einbogen. Das wörderauto war ein kleiner roter Sportwagen. Die Namen der Ver- letzten sind: Frau Johanna Züser. 48 Iahre. Danziger Straße 43, und Gotthard B i l t n e r. 34 Jahre, Wiesenstraße 47. Die lebensefährlich verletzte Frau Züser hatte ihren Schwager in der Kösliner Straße besucht, und gerade als sie das Haus ver- lies, war sie in den Kugelregen geraten. Die Frau dürste kaum mit dem Leben davonkommen. Naziüberfall auch in der Ladstraße Ein anderer blutiger Zwischenfall spielte sich um 22 Uhr in der Badstraße aus dem Ge» fundbrunnen ab. Dort überfiel«ine Gruppe von etwa 20 SA.-Leuten mehrere Fichte» Sportler, die von einem Turnabeud heim» kehrten. Zwei jugendliche Sportler wurden durch die Hitler-Banditen niedergeschlagen und erheb» lich verletzt. Durch das rechtzeitige Eingreifen der Polizei konnten die Ueberfallenen vor dem Schlimmsten bewahrt werden. Sechzehn Be» t e i l i g t e, darunter 14 SA.-Leute und zwei angeblich Parteilose wurden festgenommen und der Politischen Polizei übergeben« ERSTE BEILAGE DONNERSTAG, 12. JAN. 1933 Auf Wohnungssuche in Berlin Hohre Mieten, die niemand zahlen will Killick« besitzt eine nicht herrschaitliche Zwoi- tzimmerwrchnmtg, für die man chm Ankurbe- lang des Gründl tiicksmarktes ungefähr dos gleiche mie für dos Essen und Trinken abknöpft..Hulicfc kann dos infolge Zerrüttung feines Notetats nicht mehr bezahlen und geht auf die Wanderschaft der Wohnungssuche. Angeblich enthalt der Berliner Grundstücksmarkt ja eine segensreiche Fülle van leeren Wohnungen. Nach drei Tagen ist Äulicke, der eifrig durch den Berliner Osten wie Westen gepilgert ist. Sachvcr- ständiger. Im Gebiet der älteren Stadt- teile insbesondere fallen ihm zahlreiche neue „Wohnungskonzerne" auf, die allerlei Wanzen- kafernen zu Höchstleistungen bewirtschaften und Kulicke als Jagdpächter zu teuren Wfchutzpreifen freundlichst einladen. An verschiedenen anderen Stellen fordert man von ihm M i e t r ü ck st ä n d e, ll m z u g s v e r g ü t u n g e n und a u f g e- summte Schulden, so daß Äulicke, der leider nicht mit dem Tresor einer Doppel-O-Bank ver- wechselt werden kann, ganz mies wird. Wunderbar geriete» insbesondere Kulickes Fahrten im W est e n. In H a l e n s e e, Nähe des Lunaparks. schöne ruhige Straße und gute Ber- kehrsgegend, will man zum Beispiel in weißem massiven Hause bloß 95 Mark für ein dreizinune- riges Familienglück haben, ohne Warmwasser und Bad, denn wozu braucht Kulicke brausen, wenn er das Wellenbad so in der Nähe hat? Denselben Spaß gibt es auch in diesem Gartcichaufe, Garten natürlich aus Steinpflaster und ohne Bäume kostet bloß 8l Mark. Im Bäuerischen Viertel, Schwäbische Straße und Umgebung, ist auch eine schöne Gegend. Man verlangt 89 Mark fiir zwei Edelräume, vierter Stock im Gartenhaus, diesmal mit Zentralheizung.„Steht schon lange leer", sagt der Portier.„Scheint krank zu sein, der Haus- wirt", sagt Kulicke. In Charlottenburg, Wohn- viertel hinter dem Bahnhos, ist eine Wohnung oben auf dem Dachboden, wo die Ratten ihre Schlachten schlagen, ausgebaut, 5 Treppen, ohne Aufzug, luftiger Trockenboden, 3!a Zimmer, Achtung auf den Hinterschädel, da ein bißchen ge- krümmte Dächer, kostet nur 70 Mark, gut in jedem Fall fiir Schlankheitskuren. Tiergarten- viertel, beste Lage, gute alte Wohnlichkeit, dort erschließt sich dir sonst im Hinterhaus ein Paradies mit OienHeizung und zum Tröste gekacheltes Bad" für 85 Mark— und da zauderst du noch, Kulicke? Nörgle nicht, denn am Kurfür st enda m m, der Rennbahnallee der ganz feinen Leute, drohen dir gar drei Zimmer in der Knefcbeckstraße für bloß 100 Mark, um die Sache nicht lange unbenutzt stehen zu lassen. Nürnberger Platz, aller Hand Verkehrsgeräusche, aber sonst nicht zu ver- achten, daher bloß 85 Mark, drei Räume, Ofen und kein Warmwasser. Ja, die Lage der Haus- besitzer ist heute schwer. Daher lassen sie auch nicht immer was machen. Wenn du ein rechter Deut- Der Einsamen Tod Zwei Monate tot in der Wohnung Tn der Nansensir. 54 in Neukölln wurde gestern eine surchlbare Entdeckung gemacht. Zn ihrer im zweiten Stock des Hinterhauses befindlichen Wohnung wurde die 35 Jahre alte Krankenschwester Helene G a l a t in ihrem Bett liegend tot aufgefunden, und zwar war die Leiche schon stark in Verwesung übergegangen, da der Tod bereits vor etwa zwei Monaten eingetreten war. Nach der Aussindung der Leiche verbreitete sich zunächst das Gerücht von einem Verbrechen, es konnte aber vom zuständigen Kreisarzt zweifelsfrei festgestellt werden, daß die Krankenschwester, die an einem Lungenleiden litt, eines natürlicher, Todes gestorben war. Die späte Entdeckung des Todes der allein wohnenden Frau, die dort eine Zweizimmer- wohnung innehatte, ist daraus zurückzuführen, daß Schwester Helene Anfang November v. I. dem Portier des Hauses und anderen Hausbe- wohncrn gegenüber geäußert hatte, daß sie eine Reise zu Verwandten beabsichtigte. Sie hatte auch einen in der Nähe wohnenden Zigarren- Händler beauftragt, für sie Bestellungen entgegen- zunehmen und sie ihr nach ihrer Rückkehr aus- zurichten. Der Tod der Krankenschwester wurde nun gestern durch einen Zufall entdeckt. Eine befreundete Krankenschwester wollte Schwester Helene, die früher im Krankenhaus Westend tätig war, besuchen. Als ihr auf mehrfaches Klingeln und Klopfen nicht geöffnet wurde, wandte sie sich an den Portier, der ihr zunächst mitteilte, daß die Schwester verreist fei. Die Besucherin äußerte aber Bedenken, da sie eine so lange Reise der Schwester für unmöglich hielt, und veranlaßte den Portier von einer Nachbarwohnung aus über den Balkon in die Wohnung einzudringen. Als der Portier die Wohnung betrat, schlug ihm scher sein willst, mußt du am liebsten auch noch die Tapeten oder die clekirifche Leitung anlegen lassen, Kulicke. ?ioch eins, Kulicke. Falle nie auf Ankündi- giiiigeii wie die rein:„Steglitz, Zweizimmerwoh- nung, 48 Mark. Telephon Sowieso." Sowieso ist nämlich ein W o h n u n g s b ü r o, ein treu- sorgender Makler, er bietet dir die Wohnung zwar durch sein Leiborgan an, aber er rollt sie dir nicht ins Haus, er sagt dir die Nummer nur, wenn du vorher Geld in deinen Beutel tust, und erleichtert dich zeitgemäß um 3 Prozent der ersten Jahres- miete. Die billige, entzückende Zweizimmerwoh- nung mit Höchstkomfort, Ausblick auf eine Feen- lnndschaft und Loggia ist inzwischen, während du diese Formalitäten regelst, nicht mehr ganz greif- bar. da mußt du schon in den sauren Apfel beißen und eine teuerere nehmen. Dieses, lieber Kulicke, sind die schönen Zustände auf dem Berliner Wohnungsmarkt, Anfang 1933. Kein Wunder, daß Berlin ein bißchen entvölkert wird, so ungefähr 60 000 Personen haben wir ja auch schon weniger. Auf diese Weise erfährst du auch, wie es möglich ist, daß wir im alten Jahre, Rekord von zehn Monaten, über 1300 Berliner Häuserblocks unter dem Hammer hatten und über OZOO Grundstücke von Hand zu Hand gingen und noch soundso viel andere vor der Pleite stehen. Eher geht nämlich ein Kamel durch ein Nadelöhr als ein Berliner in solche teure Wohnung. bereits penetranter Lcichengeruch entgegen. Die Leiche der im Bett gestorbenen Krankenschwester war bereits in Verwesung übergegangen und völlig entstellt. Der Portier und die Be- sucherin benachrichtigten die Polizei, da sie zuerst annahmen, daß Schwester Helene möglicherweise einem Verbrechen zum Opfer gefallen sein könnte. Die Kriminalbeamten stellten dann in Zu- sammenarbeit mit dem Kreisarzt des Polizeiamts Neukölln fest, daß ein Selbstmord oder ein Ver- brechen nicht vorgelegen hatte, sondern Schwester Helene eines natürlichen Todes infolge ihres Lungenleidens gestorben war. Die Leiche wurde zur Beerdigung freigegeben. Gruppen kam es zu einem heftigen Wortgefecht, das schließlich in eine wüsre Schlägerei aus- artete. Mit allen möglichen Gegenständen schlugen die Links- und Rechtsradikalen aufeinander ein. Einer der Beteiligten sank bewußtlos zu Loden. Vom Krankenhaus war inzwischen das lieber- fallkommando alarmiert worden Sieben Mann wurden festgenommen und der Politischen Polizei des Polizeipräsidiums übergeben. .Krieg' im Krankenhaus Nazis und Kommunisten Im Krankenhaus am Friedrichshain spielte sich gestern ein beschämendes Schauspiel ab. Nationalsozialisten und Kommunisten hieben innerhalb der Mauern der Krankenanstalt aufeinander ein. Ein Verletzter blieb auf der Strecke. Der Verwundete mußte sogleich im Krankenhaus ausgenommen werden. Gegen 14.30 Uhr hatten sich im Vorraum des Krankenhauses Nationalsozialisten und Kommu- nisten eingefunden, die ihre bei dem fortwährenden Straßenkrieg verlegten Parteifreunde besuchen wollten. Erst gestern abend wurden wieder zwei junge Kommunisten in das Krankenhaus einge- liefert, die im Friedrichshain von der SA. nieder- gemacht worden waren. Zwischen den feindlichen Der greise Aon Juan Heiratsschwindler mit 63 Jahren Im Berliner Polizeipräsidium gab es dieser Tage großes Erstaunen, als einigen Mädchen, die gegen einen Betrüger Anzeige erstattet hatten, das Heiratsschwindleralbum vorgelegt wurde und sie den Gesuchten als den 65 Jahre alten Friedrich Lücke aus der Togostraße wieder erkannten. Er hatte trotz seines Alters eine ganze Anzahl von Mädchen um die letzten Ersparnisse gebracht. Lücke hatte unter den verschiedensten Namen— wie etwa Müller, Reichelt, Windeck, Kunert usw.— die Bekanntschaften von Mäd- chcn gesucht, denen er sich als Eisenbahn- oder Justizbeamter ausgab. Die Mädchen hatten den Eindruck, einen Kavalier im Alter von etwa 48 Jahren vor sich zu haben, der sich ihnen gegen- über sehr nett benahm. Sie waren ganz entzückt von ihm und vertrauten ihm ohne weiteres ihre Gelder an, wenn er davon sprach, daß er Geld brauche, um die zukünftige Wohnung usw. einzurichten, bevor man heirate. Er behauptete, ein Einkommen von monatlich 300 bis 360 M. zu haben. Wenn er die Mädchen um ihre Gelder gebracht hatte, verschwand er. Zuvor aber besaß der Betrüger noch die Infamie, die Mädchen zu veranlassen, ihre Stellungen als Hausmädchen, Stenotypistinnen usw. aufzugeben, da sie ja doch in Zukunft, wenn sie ihn heirateten, nicht mehr arbeiten brauchten. Diese Redensart brachte er bei jedem Mädchen an. Nachher erst stellte sich heraus, welchem gemeinen Betrug sie zum Opfer gefallen waren. Wenn Lücke kein Geld bekommen kannte, dann fing er die Sache anders an. So hatte er einmal die Bekanntschaft einer Witwe gemacht, die aber keine nennenswerten Gelder, dafür aber einen fabelhaften Radioapparat besaß. Lücke verstand es jetzt, der Frau den Apparat abzunehmen und versetzte ihn. Dann ließ sich der Fünsundsechzigjährige, der sich„auf jung" frisiert hatte, nicht mehr sehen. Den Anzeigenden wurden gestern die Bilder van Heiratsschwindlern vor- gelegt. Als sie auf Lückes Photo tippten, war man sehr erstaunt. Lücke ist vor vier Jahren aus dem Zuchthaus entlassen worden, hat eine große Familie und war bisher als Tzciratsschwindler bekannt. Er wurde in seiner Wohnung verhaftet. Direktor wirb Fälscher Betrüger kestgenomnien Unter dem dringenden verdacht des Betruges wurde in einem Hotel am Potsdamer Platz der 3 1 Jahre alte Brauereidirektor Josef F e l t- mann aus Schwerin in Mecklenburg festgenommen. Ihm wird vorgeworfen Urkundenfälschung, Vertragsfälschung und Fälschung von Bankbelegen. Der Festgenommene wird dem Untersuchungsrichter in Moabit zugeführt. Feltmann erbte, als sein Vater vor etwa einem Jahre starb, eine große Brauerei in Schwerin. Das Unternehmen ging aber immer mehr zurück, so daß dem Sohne schließlich nichts mehr gehörte. Vor einigen Wochen kam F. noch Berlin und stieg in einem Hotel in der Nähe des Potsdamer Platzes ab. Er trat sehr groß auf. Ueberall suchte er Verbindungen mit Kaufleuten aus der Getreidebranche. Er erzählte ihnen, daß er eine neue Brauerei in der Provinz einrichten wolle und weiter, daß er persönlich ein neues Brauereiversahren entdeckt habe, das die Pro- duktion erheblich verbilligen sollte. Um die Ge- schüftsleute, mit denen er verhandelte, seinen Plänen geneigter zu machen, fälschte er Bankquittungen. Der Trick wurde aber von einem Fouragehändler erkannt. Er erstattete Anzeige und F. wurde festgenommen. Jetzt stellte es sich heraus, daß er alle Unterlagen über fein Vermögen gefälscht hatte. Die Brauerei in Schwerin gehört ihm nur noch' dem Namen nach. Bei der Polizei meldeten sich bald auch ver- schiedene andere Kaufleute, die er betrogen hatte Verkehr und Kunst Ausstellung im Rünstlerhaus Im Künstlerhaus, Bellevuestraße 3, wird am 14. Januar eine„Fachausstellung für künstlerische Fremdenverkehrswerbung" eröffnet, die der Hauptausschuß für Fremdenverkehr gemeinsam mit den Verbänden der bildenden �Künstler und der Gebrauchsgraphiker veranstaltet. Die Aus- stellung gliedert sich in zwei Abteilungen, deren erste eine Schau zeitgenössischer Plakate, Pro- spekte und Inserate der für den Fremdenverkehr werbenden Institutionen sowie eine Ausstellung guter Reisehandbücher umfaßt. In der zweiten Abteilung zeigen bildende Künstler und Ge- brauchsgraphiker Kunstwerke, deren Themen in den Rahmen der Fremdenverkehrswerbung sich einfügen. Etwa 60 Künstler, darunter Baluschek, Hans Bastanier, Bohrdt, K. 5z. Jsenstein, Kern, Krauß, Langhammer, Georg Lebrecht, Otto Marxus, Plontke, Sandrock, Seger, Ernst Wichert u. a. beteiligen sich hier War noch 3 tage Gfldiei's Inveotur-VeiM Trotz des gewaltigen Verbraucht noch unerschöpfliche Auswahl— trotz hochwertiger Qualitäten ein Tiefstand der Preise, der nicht wiederkehren wird. Sichern Sie sich gleich vielen Zehntausenden die ungeheuren Vorteile dieser einzigartigen Kaufgelegen he it.' BEGINN 2. 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Aus dieser Stadt, deren Bevölkerung im Grunde sehr stark und lebenslrächtig ist, deren Kothorincn-Gelehrtcnschule Thomas und Heinrich Mann, Rcdslob, Radbruch und Arnold Brecht auf der Schulbank sah, lastet der Druck einer furchtbaren Wirtschaftskrise, der man mit dürftigen Palliativmahnahmen, mit dem, was man heute und gestern, unter Papen und Schleicher,„Kontingenticrungspolitik" und„Autarkie",„Selbstbewirtschaftung" nannte, zu begegnen versuchte. Die Hstidelslistniner spricht Geben wir über die Bilanz des Jahres 1932 der wahrhast-„gutbürgerlichen" Lübecker Handels- kammcr das Wort! Da heißt es:„Man hätte er- warten sollen, daß die... gleichen Sorgen der Volkswirtschaften aller Nationen mit elementarer Gewalt zu kraftvollen internationalen Versuchen des Wiederaufbaues der Weltwirtschaft hätten führen müssen. Aber, abgesehen von einigen Not- Hilfen auf kreditpolitischem Gebiet, ist eine groß- zügige internationale Zusammenarbeit nicht nur ausgeblieben, sondern im Gegenteil sind die Schwierigkeiten noch erhöht worden durch die völkertrennenden Autarkiebestrebungcn fast aller Kulturnationen." Die erstrebte binnen- wirtschaftliche Belebung ist nicht erfolgt. Das sieht man und spürt man, wenn man durch den L ü- b e ck e r Hasen geht. Neben Holland und Däne- mark haben sich Finnland. Schweden und die übrigen Ostseestaaten durch die Autarkiebestre- bungen in der Ausfuhr ihrer Standardwaren, wie Butter, lebendes Vieh, holz und Zellulose ernst- lich bedroht gesehen, und so setzten, was gerade für Lübecks Handel und Verkehr besonders nach- teilig war, durch die Politik der Regierung von Papen in diesen Ländern heftige Boykott- bewegungen gegen den Bezug deutscher Waren ein. Das war der Grundton, der aus Unterhal- tungen mit Angehörigen der Lübecker Kaufmann- schaft herausklang. Und diese Mahnung sollte beherzigt werden! Maßgebender als der grüne Tisch in den Ministerien und die Stimme enger Interessentcngruppen ist der Kontorsessel in den Speditionssirmen unserer Hafenstädte! In Lübeck hat eine unter starkem sozial- demokratischem Einfluß stehende Re- gierung mehr als ein Jahrzehnt hindurch mit gutem Erfolg regiert. Das spürt man, wenn man hinausgeht und sich die Kolonien draußen ansieht, das empfindet man, wenn man in den luftigen ischulräumen ist, das atmet und lebt in dieser Stadt, die leider immer noch zu Unrecht ein Staat ist und deshalb den Jammer deutscher Klein- staaterei widerspiegelt. Versippung und Verkleiste- rung von Haus zu Haus, von Familie zu Familie inachen sich in übler Weise geltend. Das haben die Ereignisse gerade der letzten Jahre, als die Bankerotte und die Skandalprozesse kamen, nur zu deutlich gezeigt. Aber trotzdem ist gerade in Lübeck die Sozialdemokratie auch nach den Bürgcrschaftswahlen vom l3. November Liste 1 geblieben. In einer Mittelstadt würdigt man scheinbar positive Leistungen besser und richtiger als in einer durch Phrase und Hetze durcheinander- gewirbelten Weltstadt! Allem parlamentarischen Brauch zuwider hat dann die neue Bürgerschaft mit einer diesmal ausnahmsweise sunktionicren- den Harzburger Mehrheit an Stelle des ruhig und sachlich arbeitenden Sozialdemokraten Ehlers den überheblichen nationalsozialistischen Gastwirt Bannemann zum Wortführer gewählt. Der sozial- demokratische Bürgermeister Genosse L o e w i g t ist durch das Vertrauen seiner Kollegen im Senat wieder auf das lausende Jahr zum präsidieren- den Bürgermeister bestimmt worden. Die Na- tionalsozialisten haben gegen den Gesamtsenat ein Mißtrauensvotum eingebracht, und die bürgerliche Rechte hat wiederum gegenüber Hitler gekuscht und Order pariert. Wahrscheinlich wird ein Senat der Reaktion kommen... Lchatten des Kindersterbens, Wir gehen ins dritte Jahr, seit in Lübeck das furchtbare slindersterben wütete, das durch Zu- führung von Ealmette-Präparaten an Säuglinge mehr als 190 kleine Lebewesen tötete. Es ist zum Prozeß gekommen, und die ver- antwortlichen Aerzte sind wegen fahrlässiger Tötung nach wochenlonger Verhandlung zu Gc- sängnis verurteilt worden. Aber dieser Riesen- prozeß ist nicht zu Ende, er ist wie ein Alpdruck. der über der alten Hansestadt lostet. Es find damals Säuglinge als geheilt aus der Pflege ent losten worden, aber jetzt, noch Iahren. stellt sich ein häßlicher Ausschlag ein, melden sich Schäden, treten gesundheitliche Rachleile, die niemand ahnen konnte, in Erscheinung. Und dann ist da der rätselhafte Selbst in o r d des Vorsitzenden in diesem Prozeß, des Amlsgerichtsrats Wiebel. Er hat sich in Hamburg in einem Hotel erschossen, die furchtbare Aufgabe, die ihm nicht nur als Richter, sondern vor allem als Mensch auferlegt war. gegen hochangesehene Mitbürger aus seiner Heimatstadt, gegen den Stadtmedizinalrat, gegen den Leiter des städtischen Krankenhauses vorgehen und sie verurteilen zu müssen, hat ihn zermürbt, hat ihn entzwei gemacht. Er mußte ins Sana- torium, er mußte sich verschnaufen, sich ausruhen noch dieser Mühsal körperlicher und seelischer Art, die er nach dem Urteil oller Anständigen in Lübeck mit Tapferkeit und Anständigkeit durchgeführt und durchgelitten hatte. Aber dann kam aus dem völkischen, dem nationalsozialistischen Lager heraus der Ansturm gegen Wiedel.„Er ist schon verrückt gewesen, bevor er nach dem Prozeß ins Sanatorium ging, er war wahnsinnig, als er noch als Vorsitzender amtierte. Dos ist ein Revisions- grund. Deshalb Sturm aus Wiebel!" Der anstän- dige Mann ertrug das nicht, er verschwand, in Hamburg im Hotel, durch Freitod. Aber der Streit für und wider geht weiter. Eines ist dabei Ein Raub mit Gewalttätigkeiten und Fesselun- gen, wie ihn die beiden Zigeunerinnen, herz- b e r g, genannt„K a tz a", und Charlotte Rein- Hardt, am 27. September in der Köpenicker Straße 66 in der Wohnung der Schneiderin Falk begangen haben, steht auch in Berlin wohl einzig da. Die 27jährige Charlotte Reinhardt hatte sich wegen dieser unerhörten Tat vor der Straf- tammer des Landgerichts II zu verantworten. „Katza" ist flüchtig. Die Angeklagte, eine runde, kleine, zarte Person, blond, von puppenhaftem Aussehen, trocknet immerfort die Tränen. Man traut ihr keinen Raub zu. Der Sachverständige, Medizinal- rat Dr. Schlegel, mag recht hohen in der An- nähme, daß diese ihrem Wesen nach gutmütige Frau wohl ganz unter dem Einfluß der robusten „Katza" gestanden haben muß. Diese Katza hatte eine tüchtige Verbrecherschule durchgemacht. Ihr Mann, genannt„Tommerli", soll fünf Menschen- leben auf dem Gewissen haben. Schon im Jahre 1919 hatte er in Sonnenburg eine langjährige Zuchthausstrafe wegen Totschlags zu verbüßen. Nach seiner Haftentlassung folgten weitere Blut- taten. Auch nach Verbüßung einer zweiten lang- jährigen Zuchthausstrafe setzte er sein Verbrecher- leben fort. Erst vor kurzem wurde er wieder ge- faßt. Die„Katza" teilte mit ihm das unstete Leben auf ständiger Flucht durch Deutschland. Sie selbst beging zahlreiche Diebstähle und Be- trügcreien und wird von acht Staatsanwalt- Schäften gesucht. Sie war auch die treibende Kraft bei dem schweren Raub in der Köpenicker Straße. Katza kannte Frau Falk und deren Wohnung. Im Februar vorigen Jahres erschien sie das erstemal bei ihrem Opfer; sie verstand es, sich Einlaß zu verschaffen, verwickelte Frau Falk in ein Gespräch über Geld, veranlaßte sie. mehrere Geldscheine hervorzuholen, entriß ihr zwei Fünfzigmarkscheine und flüchtete. Seitdem ließ Frau Falk keine Zigeunerin über ihre Schwelle. Gerade deshalb schickte die„Katza" diesmal die blonde Reinhardt vor. Die Reinhardt erschien am frühen Margen bei der Frau Falk unter dem Vorwand, sich ein Kleid nähen zu lasten: sie entfernte sich auf kurze Zeit, um Stoff zu holen, kehrte kurz nach 11 Uhr zurück. Bald darauf klopfte es, Frau Falk erkannte nicht in der Frau, die Einlaß begehrte, die„Katza", die an sie die Frage richtete, ob ein Herr Sowieso hier als Untermieter wohne. Die Reinhardt stellte Frau Falk zur Rede, weshalb sie die Frau auf der Treppe so unfreundlich behandelt habe, und als nun die Tür noch einmal geöffnet wurde, drängte sich die„Katza" in die Wohnung und besonders tragisch: Ueber den Streit zwischen I u r i st e n zwischen Richtern, Staatsanwälten und Rechtsanwälten, zwischen Medizinern, praktischen Aerzten und wissenschaftlichen Sach- verständigen scheinen die vielen Kinder vergessen zu werden, die zwischen Brettern und Brettchcn liegen, und die Eltern, die sehr geweint haben. Gewiß hat der lübeckische Staat nach bestem Können gesorgt. Dieser Senat darf sick? scheu lasten, dos hat vor allein auch feine Handhabung der Gnadenpraxis in langen Jahren gezeigt. Aber Menschenleben, Kinderleben sind zu wertvoll, als daß letztes Wimmern sterbender Säuglinge und verlorenes Schluchzen trauernder Eltern durch den Streit studierter Sachverständiger übertönt werden könnten. * Seelische, politische und wirtschaftliche Not in deutscher Mittelstadt, im deutschen Kleinstaat! Appell zu Umbau und Aufbau! siel über Frau Falk her. Die auf dem Boden Liegende wurde gefesselt, um den Hals wurde ihr ein Handtuch gewickelt, dann ging es an die Durchsuchung der Behälter. Man fand nichts, bedrohte das Opfer und warf es schließlich aufs Bett. Bevor beide Frauen, ohne etwas gefunden zu haben, die Wohnung ver- ließen, deckten sie Frau Falks Kopf mst Kleidern und Kisten zu, so daß diese beinahe erstickte. Erst nach einiger Zeit gelang es ihr, ihre Nachbarin zu alarmieren. Die Angeklagte behauptet, von der„Katza" in den Raubplan nicht eingeweiht gewesen zu sein, sie habe nur mitgetan. Das Gericht verurteilte Frau Reinhardt zu zwei Jahren Gefängnis. Folgenschweres Silvesterblei Was zur mitternächtigen Stunde des 31. De- zember an Schmelzblei vom Löffel ins kalte Wasser kippt, das formt des Gießers wünsch- beseelte Phantasie zu allerhand schönen Dingen. Da gab es nämlich unter den Silvestergießern zwei Jünglinge, Melker ihres Zeichens, die sahen in all den formlosen Bleibatzcn zwar keinerlei Wunschgebilde, dafür aber eine flüssige, eindrucke- fähige Masse, die ihrer Meinung nach das Konter- fei einer deutschen Reichsmark getreulich wieder- geben müßte. Als sie ihre Münzkunst in mehreren Exemplaren erprobt hatten, gingen sie daran, diese Bleistücke gegen Ware einzutauschen. Ganz so einfach wie diese beiden Falschmünzerdcbutanten es sich dachten, ist dies Handwerk aber doch nicht. Die Legierung scheint allzu minderwertig gewesen zu sein, denn es war auf dem bleiernen Mark- Double nicht mal der charakteristische Kranz, der die 1 umschließt, zu sehen. Aber nach dem Motto: Frechheit steh mir bei! versuchten die beiden trotz und allein ihr Glück. Sie hatten aber leider Pech und wurden statt der Pseudomarkstücke bloß ihre goldene Freiheit los. In der bleiernen Falsch- Münzerwerkstatt fand man noch allerlei Reste des edlen Metalls, sowie Schmelzhandwerkzeug. Vor der Polizei gaben die beiden dann das Geheimnis ihrer genialen Idee zum besten. Nun haben sie Zeit und Muße darüber nachzudenken, ob es nicht doch bester ist, Kühe zu melken als Markstücke zu fabrizieren. „Boin Keller zum Söller." Die Führungen durch die Räume und die Besichtiguna der Kunst- schätze im Neuen Rathaus Schöneberg, Rudolph- Wilde-Platz, haben derart starkes Interesse der Bürgerschaft gesunden, daß sie nunmehr regel- mäßig an jedem zweiten Sonntag des«wften Monats im Vierteljahr wiederholt werden müssen. Die nächste Führung findet Sorpitag, den II. Ja- nuar, statt. Treffen um 19 Uhr im Zimmer 67 des Rathauses. Teilnahme 25 Pf., für die Bc- steigunp des Rathausturmes 19 P>f. Zuschlag. Er- werbslos« erhalten Freikarten im Volksbildungz- aint Schöneberg, Ralhous Friedenau, Zimmer 79. In wenig Worten Durch einen eigenartigen Unfall wurde in den gestrigen Nachmittagsstunden der R o h r p oft- betrieb des Postamtes Berlin SW. 61 gpstärt. Ein L a st z u g mit Anhänger prallte mit großer Wucht gegen die vor dem Hause Belle-Alliwicc- Straße'l stehende Litfaßsäule. Di« Schllc. in der sich die Stromkabel für den R o h r p o st b e t r i e b des Postamtes SW. 61 befinden, wurde umgerissen und die Strom- leitungcn zerstört. Bis zur Wiederherstellung der Stromkabel mußte sich das Postamt für autge- lieferte Rohrpostbriefe durch Postboten behelzen. * Der Haupttreffer der Preußisch-Süd- deutschen Klassenlotterie in der 1 Klasse in Höhe von 1 9 9 9 9 9 M a r k ist auf die Nummer 61 463 gefallen. Das Alückslos wird in Berlin und Niedcrschlesien gespielt und ist in Achtel- losen ausgeteilt. * In Berlin verstarb nach langem Leiden die bekannte Eklarek-Hellseherin Lisbeth Seidler. die in okkultistischen Kreisen einen bedeutenden Ruf genoß. Frau Seidler war u. a. auch die Vertraute Max Sklareks. Sie hat ihn geschäftlich beraten, sie hat ihm auch den Zu- sammenbruch prophezeit. * Nach langwierigen Ermittlungen nahmen Kriminalbeamte drei Männer fest, die seit einiger Zeit in einer Wohnung in Moabit Spritsälschcrei betrieben. Die Beteiligten haben minderwertigen Branntwein aufgekauft. diesen dann auf Originalflaschen echter sranzö- sischer Kongnak abgefüllt, die Korken mit dem Brandstempel oersehen und so in den Handel gebracht. .* In dem kleinen Ort Tricase un Apulien ent- stand durch Kurzschluß in der V o r s ü h r- kabine eines Lichtspieltheaters«in Brand, der auf die dort gelagerten Film« über- griff, aber bald gelöscht werden konnte, wobei nur der Vorführer Brandwunden erlitt Zahlreiche Opfer forderte jedoch die unter dem Pubiikum entstandene Panik. Unter Geschrei sprangen die auf der Galerie Sitzenden besinnungslos auf die Köpfe der Zuschauer im Parkett, und die Menge drängte sich an den Ausgängen. Fünf Personen wurden schwer und 15 leichter verletzt. * Ein aM Seekarkreuz bei Lenggries in eine Lawine geratener Skiläufer, nach dem die Rettungsexpeditionen der Lawinenrcttungsftellen Lenggries und Bad Tölz seit Dienstag nachmittag suchten, wurde am Mittwochvormittag tot in der Lawine aufgesunden. Bei dem Ver- unglllckten handelt es sich um den 24jährigen Maler Wilhelm B ü h l e r aus München. Die Leiche wird von den Rettungsmannschaften zu Tal gebracht und nach München übergeführt. ★ Auf den französischen Schleppdampfer„Eon- d o r" aus Straßburg wurde bei Kamp von den Hängen der Berge auf der linken Rheinseite scharf geschossen. In wenigen Minuten wurden etwa 29 Schüsse auf den Dampfer abgefeuert. Der Dampfer gab Notsignale. * Die ursprünglich für Montag und kommenden Freitag in Lübeck vorgesehene Verhandlung gegen>d«n Berliner Kinderarzt Dr. Genter wegen fahrlässiger Tötung von drei Kindern ist abermals auf unbestimmte Zeit vertagt worden. Der Senat hat eine Prüfung der Frage eingeleitet, ob es nicht zweckmäßig sei, das Verfahren nieder- zuschlagen. * Der Arbeiterlichtbildbund, die sozial- demokratische Organisation aller Photo- und Film- amateure, hält am 21. und 22. Januar in Magdeburg seinen Bundestag ab. In» Rahmen dieser Tagung wird vom Vorsitzenden des ALB., Paul Franken- Zeitz, M. d. L., über die Möglichkeiten der Einflußnahm« aus die Zilmproduktion gesprochen werden: außerdem kommen Fragen der politischen Werbung zur Debatte. Freie Sozialistische Hochschule. An Stelle des verhinderten Genosten Dr. Hans Stapdinger spricht am Sonnabend, 21. Januar, 19'» Uhr, im Saal des ehemaligen Herrenhauses, Leipziger Straße 3, Prof. Dr. Carl Landauer über dos Thema:„Vom Kapitalismus zum S o zi a l i s m u s." Eintrittskarten zum Preise von 59 Pf. an den bekannten Verkaufsstellen. All-verlin. Die nächste Führung durch die vergessenen Winkel des ältesten Berlin veranstaltet das Bezirksamt Schöneberg am Sonntag, dem 13. Januar. Treffpunkt: 19.39 Uhr auf dem Spittelmarkt, Ausgang Untergrundbahn. Tell, nahm« 39 Pj. Für die Besichtigung von St. Marien 29 Pf. Zuschlag. SoviMefnalcc. Dadei ÜsutstUtaMis- dtzick BcaudeufUit#-QsewzutaeU Genossinnen und Genossen! Auf Grund des§ 27 Absatz 2 des Bezirksstatuts beruft der Bezirksausschuß hiermit den (tod&dUckeu BetddcjfiadeUa# zu Sonntag, den 5. Februar 1935, 19 Uhr, nach Berlin, Prinz-Albrecht-Straße 5 (Landtag). Tagesordnung: 1. Die Partei im Kampf für die Freiheit des Volkes. Ref. Dr. Rudolf Breitscheid. 2 Bericht des Bezirksvorstandes. Berichterstatter Wilhelm Krüger, 3. Aufstellung der Kandidaten ru den Provinilallendtagen Brandenburg und Grenzmark, Posen-Westpreuften. 4. Stellungnahme zum P.eichsparteitag. Wahl der Delogierten, 5. Wahlen: a) zum Zentralvorstand; b) der Revisoren. 6. Antrage, soweit sie durch vorstehende Tagesordnung nicht erledigt sind. Der Bozirksparteitag setzt sich zusammen: a) aus den gewählten Delegierten der Unterbezirke und deren Sekretäre; b) aus den Mitgliedern des Zentralvorstandes und den Revisoren; c) aus den Vertretern der Partelpresse im Bezirksverband; d) aus den Im Bezirk gewählten Reichstags- und Landtagsabgoordneten und einer Vertretung der Provinziallandtagsfraktionen Brandenburg und Grenzmark, Posen- Westpreußen. Wir fordern die Ortsveraine auf, zu vorstehender Tagesordnung Stellung zu nehmen. Anträge für den Bezirksparteitag sind bis spätestens 30. Januar an den Bezirksvorstand einzureichen. Die Delegierten, die für die Nacht vom 4. zum 5. Februar Quartier benötigen, werden gebeten, Meldungen rechtzeitig an das Bezirks- Sekretariat gelangen zu lassen. „Katza" und ihre Freundin k�äuberiscke Zigeunerin zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt ZWEITE BEILAGE DONNERSTAG, 12. JAN. 1933 Rognos sah ihn flüchtig an-.Mieso denn?" Und mit einem merklichen Achselzucken fügte er hinzu:„Manchmal tut's einem ganz gut. von andern Sorgen zu hören.— Da denkt man nicht bloß an seine eignen." „Sie sind also krank gewesen?" Rognos antwortete kurz, ohne ihn anzusehen:„Krank nicht, bloß nicht ganz wohl." Das klang, als wollte er nicht weiter davon sprechen. Berger dachte an das, was er ihm einmal über seine Schlaflosigkeit und das Un- glück mit seinem Freunde gesagt hatte. Auf solche Dinge verstand er sich. Und so trabteu sie schweigend nebeneinander weiter. Rognos' Wohnung lag über einem Kalo- nialwarenladen. Das Zimmer war groß, aber so einfach ausgestattet, daß es öde wirkte. Berger war etwas verwundert, vergaß es aber, als Rognos ihm einen Platz am Tisch angeboten und Whisky und Selters vor ihm hingestellt hatte. Ein paar Schlucke tranken sie schweigend und fühlten sich, nun sie auf einmal allein und Angesicht zu- Angesicht saßen, etwas fremd. Die ersten Worte klangen beiderseits vor- sichtig tastend. Plötzlich erhob Rognos sich und ging nach einer Pfeife, die auf einem Bord lag; dann eine erneute Wanderung nach dem Tabak und eine dritte nach den Streichhölzern. Dann setzte er sich und stopfte die Pfeife mit nervösen Fingern, stand wieder auf und stopfte im Stehen weiter. Dann legte er die Pfeife unange- zündet wieder weg. ebenso hastig wie er sie geholt hatte. ..Rein", sagte er. Berger sah verblüfft auf und begegnete einem so krankhast eregten Blick, daß es ihm das cherz zusammenzog. Beklommen fragte er:„Was ist Ibnen denn?" Rognos stützte sich mit beiden chcurden auf die Tischplatte Sein Geficht war unheimlich weiß und er schüttelte sich wie im Fieber. Auf einmal schien die ganze Gestall sich in einer gewaltigen Kraftanstrengung zu sammeln. „Ja", sagte er langsam und mit Räch- druck,„ich habe Sie diese Tage mit Willen gemieden. Ich weiß nämlich, wer Quisihus getötet hat!" Ohne einen Laut hafte Berger sich er- hoben.— Einige Sekunden standen sie sich gegenüber, erfüllt von einem irrsinnigen Schweigen, Auge in Auge. Wie ein Blitzstrahl gmg in Berger die Wahrheft auf. selbstoerständlich. unwider- leglich und überwältigend. Und er fragte heiser:„Sie?" Rognos aber antwortete, ohne seine Hal- ftmg m ändern und mft derselben über- menschlichen Kraftanstrengung:„Rein.— Wer ich war's, der Ihnen die Kasse nahm." Wieder ein Augenblick des wilden Schwei- gens. Dann hob Berger in einem triebhasten Rausch seine chand und schlug sinnlos und mft aller Macht in das weiße Gesicht da vor ihm. Rognos wankte, aber stand gleich wieder regungslos, aus den Tisch gestützt, das Auge unverwandt auf den anderen gerichtet. Beroer wich einen Schritt zurück, schlug seine Augen nieder und ließ seine Hand ohn- machtig und willenlos sinken. „Rein", sagte er gebrochen.„Nun ist ja doch alles einerlei." Dann sank er auf seinen Stuhl zurück, legte den Kopf in die Arme und fing an zu weinen— wild und fassungs- los. Es war kein Weinen mit vielen Tränen, mehr ein schluchzendes, hilfloses Wimmern. Ohne ein Wort zu sprechen, hatte Rognos sich ihm gegenüber an den Tisch gesetzt. Auf seinem Gesicht lag jetzt eine erstarrte Ruhe. Etwas düster Wwortendes. Dann sagte er: „Ich bifte Sie, werden Sie ruhig— Sie werden alle- erfahren." Da erhob sich Berger und sah den anderen an. aber er suchte vergebens dessen Blick. .Aichig?" sagte er verzweifelt.„Ruhig?" Und da Roanos noch immer nicht aufsah, ging er von Schmerz und Qual überwältigt zum Fenster. Als er sich langsam umdrehte. sah er Rognos' Blick noch immer starr auf den Boden geheftet. Und vor ihm stand der Tisch mft Flasche und Gläsern und alle- wirkte in diesem Augenblick so sinnlos. War es nicht eine Ewigkeit her. seit er dort ge- festen hatte? In seiner Pein wirkte es auf ihn wie eine uralte Erinnerung an glück- sichere Tage. Das ergriff ihn so stark, daß er sich ab» wenden mußte. Er setzte sich an dos Fenster und sah aus die Straße hinab, ohne jedoch zu sehen. Und allmählich besänftigte sich der Sturm in ihm. Ein bitterer, harter Trotz fraß sich in ihm fest.und tat ihm in einer anderen mid tieferen Weise weh. Er zeigte ihm die Notwendigkeit desten, was heute ?eschehen war- Aber auch die volle Unbarm- erzigkeft, daß gerade er es fein mußte, der neue und einzige Freund Und auch das Niewiedergmzumachende erkannte er. Das so absolut war und so furchtbar wie der Tod. Mit einem Ruck riß er sich los von diesen Gedanken und stand auf. Rognos sah noch immer bleichen und starren Gesichts vor sich nieder. Berger sah ihn an. Und auf einmal war es nicht' länger ein Feind, der dort saß. Es war ein Mensch, der etwas Entsetzliches getan hatte, doch aber einer, der ihm Stunden voller Hin gebung und Geborgenheit geschenkt hatte. Ohne den Blick von ihm zu wenden, ging er an den Tisch zurück und setzte sich still wieder auf seinen älten Platz.„Erzählen Sie", sagte er. Es war mehr eine Bitte, als ein Befehl. Und als Rognos langsam das Gesicht zu ihm erhob, fragte er in unterdrückter Be- wegung:„Wer hat Quisthus getötet?" Um Rognos' Mundwinkel bebte es bilsws, sein Blick hatte etwas Wundes und Suchen- des. und er zögerte einen Augenblick, ehe die Antwort kam:„Er--- der andre-- mein Freund, der gestorben ist", sagte er. „Wer er hat es ja nicht gewollt.— So hatte er's ja nicht gemeint.— Wir hatten alles ganz, ganz anders gemeint." Er verstummte jäh, und indem er den Blick wieder abwandte, griff er nervös nach dem Whiskyglas und tat einen langen, gierigen Zug, wobei seine Hand zitterte. Dann setzte er das Glas auf den Tisch zurück und schob es heftig von sich. „Wir wollten ja nicht töten", sagte er. Es kam wie ein heftiger und gequälter Aus- brück und es litt ihn nicht länger auf seinem Stuhl. Plötzlich aber wandte er sich und sah Berger gerade in die Augen.„Wir waren weit schlimmer dran als Sie", sagte er „Selbst wenn Sie die K aste gestohlen hätten, was ist das im Vergleich mit dem andern— jemand getötet zu hoben?" Eugen 3>whring SBu feinem 100 Qebnrisiag/ Ton Sfermann Wendel Als Eugen Dühring am 21. September 1k>?1 zu Nowawes in mehr als biblischen Aller von achtundachtzig Iahren starb, wehklagte das winzige Häuflein seiner fanatischen Anhänger, daß „der reformatorische Geist dar mo- dernen Aera" von hinnen geschieden sei: um welchen Denker und Forscher, um welch« Wissen- schasts» und Charakter große von universeller Be- deutung war. für den Dühring-Bund wenigstens, die Erde armer gewordenl Di« Well freilich wußte von dem Sonderling nichts und ging ruhig werter, es fei denn, daß der eine oder andre Kenner soziallstischer Literatur bei der Todes- Nachricht auftnerkt« und sich fragte, ob der Skr- storbene wohl identisch sei mit jenem Dühring. den Friedrich Engels— lang, long war's her — in einer klaren, knappen, klugen Streitschrift bös gestriegell hatte. Er war es in der Tot. und die Generation der sozialdemokratischen Bewegung, die in den sieb- ziger Iahren des vorigen Jahrhunderts aktiv war oder wurde, kannk Dühring näher und wußte auch um feine Lebensumstände Bescheid. Am 12. Januar 1833 als Sohn eines mittleren Be> amten zu Berlin geboren, hatte er es trotz großer Begabung nicht leicht, sich durchzusetzen: den Dreißigjährigen, der eben an der Schwefle der Richterlaufbahn stand, ttaf überdies der harte Schlag vollständiger Erblindung. Wie er, diesem Gebrechen zum Trotz, das Feld der Wissenschost zu beackern unternahm, als Prioatdozent an der Berliner Hochschule viel Zillauf hatte, mit seinen Lehrmeinungen anerkannte Autoritäten rücksichts- los vor den Kopf stieß und sich 187? lieber von seinem Katheder entfernen ließ als den Nacken zu beugen, machte seiner Willenszähigkeit und seinem Unabhängigkeitssinn alle Ehre. Auch in den folgenden Jahrzehnten lehnte er alle Zugeständnisse ab und lebte vom Ertrage seiner Feder in fast proletarischer Dürfttgkeit. per- krochen in seine Gedankenwelt wie der Dachs in seinem Bau und vergeblich aus den Dank der Nation harrend. Was ihm die Kraft verlieh, in allen Widrig- leiten auszuharren, war ein bis ins Manische ge- steigertes Selbstgefühl, das Durchdrungen- sein von seinem Avo st elberuf, dos Bewußtsein, der Wett„positive Wahrheiten" ge schenkt zu haben. In einem, was Charakter und Intellekt anging, elend auf den Hund gekommenen Jahrhundert hatte allein ER auf dem Gebiets der Philosovhie, der Nationalökonomie und der Lite- raturgelchichte. der Mathematik und der Physik „grundlegende Werke" geschaffen, und auch der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen mochte nur Seine„S o z i a l! st i t" ein End«, nicht das, was die andern, die Pfuscher und Stüm- per. Sozialismus nannten Da in den siebziger Iahren die marrrstilch« Betrachtungsweise der deutschen Sottaldemokratte keineswegs schon in Fleisch und Blut übergegangen war, fände» un> klare Köpfe wie Johann Most an den mit Avlomb vorgetragenen Unklarheiten D ü b r i n g» Gelallen, und wenn auch manchem sich ihm Nähernden sofort, wie Eduard Bernstein, die „krankbaste Enoe seines Aarizonts" auffiel, trug ihm doch feine lchmähliche Abhalfteruna w Parteikreisen neue Svmpathien ein. Die Abrechnung. die Friedrich Engels unter dem Titel.Herrn Eugen Duhrina» Umwälzung der Wissenschaft", erst im„Bolksstaat", dann als Buch veröffentlichte, fand denn keineswegs den ungeieillen Beifall der Parttigenostenschast: den Verfasser des.„Kursus der National- und Sozial- Ökonomie" und der„Kritischen Geschichte der Nationalökonomie und des Sozialismus" anzu- prangern als Vertreter einer„vorlauten Pfeudo Wilsenschaft, die sich heutzutage in Deutschland überall in den Vordergrund prangt und alles übertönt mit ihrem dröhnenden höheren B l« ch", hieß das nicht dach einen schon durch sein Bekenntnis zur Sache der Arbeiter verdienten Gelehrten allzu schnöd und schnoddrig abtun? Aber Hühring beipies durch sein« ipettere „Entwicklung", pah das harte Urteil von E n- g e l s über sein« mit(Vlroßspungteit perbraime Oberflächlichkeit nicht zu hart gewesen war. Hatte er erst eine sozialistisch« Utopie,«ine F ö r d« r y- ttvn oon Wirtschqststommunen, heuen die Produktionsmittel gehören sollte», als der Weisheit lebten Schluß perkündsl. so setzt« er später das Privateigentum feierlich wieder in sein« Rechte«in, verteidigte das„ehrlich«r- wordene Kavital" gegen die„Rassklassen" und gab die verwaschene Losung der Cntproletarisierung de? Arbeiters und der„Verallgemeinerung" der Vermöge» durch kleine Stainmottien au». Noch wie vor offsnbort«»r dabei den unheilbar klein- bürgerlichen Grundzug seiner amusischen und moralisierenden, unduldsamen und rechchabe rischen Natur dadurch, daß«r, jeden historischen Sinnes bor, ohne Organ für eine natunwtmcndige Entwicklung, olles auf den Charakter des ein- zeknen oder einer Gesamtheit zurückführte: um die Wett zu äuder», mußte man die Geisteshal tiinq der Menschen ändern: die Personen waren wichtiger als die Institutionen. Was dagegen an dem späteren Dühring neu wirkte, war lediglich die wilde Gangart, in der er seinen Gläubigen das Steckenpferd des Rassenwahns vorritt: hei, wie stand ihm der Schaum vor dem Munde, wenn er, sich blä- hend, daß ER der Erfinder des Rassen-Antilemi- tismus fei, gegen die Juden,„die übelste Aus- Prägung der ganzen semitilchen Raste", aeiferte! An allem Unheil in der W«tt trugen ihm die „Hebräer" die Schuld, und namentlich erschien ihm die Sozialdemokratie„ein Iudengelchäjt von Ansang an", eins der teuflischsten Mittel. durch die sich Israel der Weltherrschaft zu be- mächtigen troästete. Bei einem andern als dem strengen Alkoholaeqncr hätte man auf ein durch überreichlichen Schnapsgenuß verwüstetes Hirn geschlossen, wenn er seine Erleuchtung ausbreitete, die von Karl'Morx verkündete„Ervrovriation der Etpropriatsurs" sei nichts als eine Erinne- rung an das in den Büchern Mosis vsr- ordnete Jubeljahr, das, stets nach sieben- malsteben Jahren eintretend, die Rückkehr der Aecker an die ursvrünglichsn Besitzer und die Streichung aller Schulden umschließen solle. Nicht minder unzurechnungsfähig legte er bei iedem Ritualmordschwindel sein« Hand dafür ins Feuer, daß die Juden au» reliaiösen Gründen Christenkinder schlachteten, steh sich in seiner Ueberzeugung von der Schuld de«„Landesverräters" D r« q f u» durch nichts beirren und r«izt« schließlich aanz unverhullt zu Pogrome» auf:„Die Welt hat mff dem Heb'-Servolk durchgreifend abzu- rechnenl" Noch allem ist es der grnteskeste der grotesken Witze, wenn vor einem Menschenalter ein Benedikt Friedländer der Sozialdemo- kratie vorwarf, daß sie„m ihrer Ratlosigkeit" daran sei. sich die Dühringschen Lehren anzu- eignen. Nein, die Partei der deutschen Arbetterklast« Berger hatte ein Gefühl, als ob er an die Wand gestellt würde„Und doch haben Sie mich verteidigt?" fragte er. Rognos sah zu ihm hin und wurde etwas ruhiger. „Ja", gestand er„Um meine eigne Schuld etwas zu mildern. Und aus Dank- barkeit, daß es mir erspart wurde, zu töten." „Also nur das trieb Sie?" „Nicht nur dos. Es war mir wirklich ernst und darum lag mir ja soviel daran, es einmal auszusprechen, nicht nur zu den andern, sondern direkt zu Ihnen. Denken Sie etwa, es war Zufall, daß ich Sie in dem Lokal da traf? Daß ich mich an Ihren Tisch setzte, war wenigstens keiner." „Das war also alles Absicht?" „Ja. Absicht" Berger sah chn sprachlos an.— „Und das zweite Mal— am Bahnhof?" Rognos vermied noch immer, ihn anzusehen. Er nickte nur kurz. „Ja", sagte er.„Ich kam an dem Wend' einzig dorthin, um Sie zu treffen." „Und dann— alle unseren andern Wende?" In Bergers Stimme klang eine Angst, als fürchte er, etwas, was ihm teuer war, zu verlieren. Doch Rognos' Antwort beschwichtigte chn „Da konnte ich es schon nicht mehr lassen", sagte er.„Ich war so einsam.— Aber es tat mir so weh, wie Sie erzählten, welche Folgen das alles für Sie gehabt hat." (Fortsetzung folgt.) hatte und hat mit diesem wildgewordenen Klein- bürger nichts ,zv schaffen Aber wie steigt es mft der Parte! der wildgewordenen Kleinbürger, den Mannen Hitlers? Ein auf Adolfen schwören- der Spießer könnte in der Tat, in die Werke Dühring? vertieft, an tausend Stellen, bei dem Gelchimpse auf die„verjudete" und„volks- venrätcrische" Sozialdemokratie, bei dem Toben gegen die„Marxerei" und die„Morxaillen", bei dem ganzen, mit Engels zu reden,„Mischmasch von Plattheit und Orakelhasiigkeit" glauben, er vernähme„die Stimme seines Herrn", aber dann kommt ein Satz, wo der Zusammenhang jäh reißt. Was immer der alte Dühring in seiner Wirr- sälligkeit. Verscbrvhenheit und Varknurrtheit war, ein Knecht de» Kapitals und der herrschenden Mäckte war er nicht. Do er von der„Souverä- nität des Individuums" ausging, hätte er für die ireiwillig« Selbstentäußerung von Millionen zu- gunjten einer„Führer" Attrappe nur Verachtung nehabt, und da er obendrein den Krieg verwarf, den Menschen als Menschen und nicht als Kanonen» tutter wertete und gegen den Militaris- m u s einen gesunden Haß nährte, hat er sich selbst dort das Denkmol verwirkt, wo er es mit seiner tvllwütiaen Iudenbetzo am ehesten verdient hätte: im„Dritten Reich" Von'UünfHem und /o D o r schlafende B ü l o w Hon? von Bülow weilte einmal als Gast- dirigent in einer kleinen schwäbischen Stadt, dl« ober, dank der Tüchtigkeit eines jungen Kapell- Meister,. über ein ausgezeichnetes Orchester per- fügte Der Kapellmeister hatte die Musffstück« sehr sorgsam und ganz in Bülows Sinne ein- geübt. Run war es Bülows Meinung, daß der Wert eines Dirigenten sich in den Proben zeige, nicht am Abend der Aufführung. Jedes Werk müsse so gut oingeübt sein, daß es auch ohn« Dirigenten tadellos klappen müsse.„Publikums- dirigenten" haßte er; und er hatte di» Gewohn- heit, bei Orchesterstücke,,, die„gingen", den Takt- stock oft halbstundenlang sinken zu lasten— das bedeutete eine gewaltige Anerkennung für Kapell- meister und Orchester. So tat Bülow denn auch hier, und der junge Kapellmeister verstand dies Lob des großen Kollegen durchaus und war glücklich. Das Lokalblättchen hingegen bracht« am andern Tage folgende Kritik: „Es sollt schwer den Zorn über de» gestrigen Abend, der nur dank der Disziplin unsres Or- äzesters zu Ende gesührt werden konnte, nicht in die Feder fließen zu lasten. Geuüß ist Herr von Bülow ein berühmter Dirigent: er scheint sich aber in letzter Zeit bei seinen Gastspielreisen zu übernehmen. Was soll man jedenfalls dazu sagen, a>enn ein Dirigent bei einer öffentlichen Ausführung ganze Viertelstunden lang einsackt einschlaft,..?" Mm". Qe�chichlchen aus Schwaben Karl« am Stammtisch. Karle:„Du, Franz, hascht schon g'hört, d-w Mayer ischt g'storbe." Franz:„Wo? du nit sagst. Was bot. em denn g'sehlt?" Karls:„Gbündheit, Daminer.?lb«r denk' dm nur. der ischt n«t amol in'n Sarg nei'gange" Franz:„Wieso? War der zu klein?", Karle(grinsend):„O woher, nei'lege Hot mer'n mäste. Sempell">l. O. CtnicnDungen für dtefe Rubrik stnd B e r l i v GW 68. Linden, tratze 3 parieinachrichienß|ifür Groß-Berlin stets an das Bezirks setrelar!-. S. Hos, 2 Treppen recht», zu richten Beginn aller Veranstaltungen t9'A Uhr. sofern keine besondere Zeitangabe? Politische Zunktionärinnenkonseren; Msiitaa. Iv. Januar, in den öophien-Sälen. Saphienstraße. Taaesordnung: 1.„Unsere Aufgaben im neuen Kampsjahr". Referentin Genossin!?ijthc Kern. .. Aufsteliung der Vorschlage für die Delegierten der ssraucn zum Reichspartei. tag. Zutritt zu dieser Konferenz haben: 1 die Mitglieder des Bczirksvoritandes: die beiden Vertreterinnen der Frauen im Kreis- bzw. Abtcilungsvorstand: die weiblichen Mitglieder der Abteilungs» bzw. Kreisvorstimde l darunter sind zu oerstchen die weiblichen Kassierer, Sckiriftführer, Vertreter der SAI. und bic weibliche:: Beifcher im Kreisvorstand)! l. die weiblichen Bezirks» und ötadt. verordneten Die Funktioniirinnen haben am Saalcingang als Ausweis das .Arigliedsbuch und die Funltionärkarte vorzuzeigen.— Die Türtontrollc hat der l. /lreis Mitte. Saalöffnung lg Uhr. Das Frauensekrctariat. Z. Kreis. Arbeitcrbildungsschulc: Der Kursus Dr. Mönchen„Rußland und der Sozialismus" beginnt morgen Freilag, pünktlich Uhr, Ledigen. beim cchönstedtstr. 1, im Bcrcinszimmcr. Rege Teilnahme wird erwartet. ii. Kreis. Freitag, Ui Januar, Sitzung der im Freidenkcrverband tätigen Funktionäre der Gruppen lä bis Ig bei Krepp, Planufcr 75— 7ii. Watzmannsdorf. Freitag, lg. Januar. Ll> Uhr, Mitgliederversammlung bei Mette. Frauenveranstaltungen. k. Kreis. Freitag, 13. Januar, l!»/i Uhr, Funktionarinnensitzung bei Krüger, Srimmstr. 1. 7. Kreis. Freitag. 13. Januar, 2V Uhr, Funktionarinnensitzung im Jugendheim. II. Kreis. Freitag, 13. Januar, 19' Uhr, Funktionärinncnsitzung bei Will. Martin-Luther-Str. B«. 17. Kreis. Freitag, 13. Januar, 20 Uhr, wichtige Funktionärinnensitzung bei Morr, Bahnhofstr. 29. Arbeiksgemelnschafk der Sinderfreunde. Friedrichshain: Zu der Besichtigung der Bundesschule Bernau ssiehe gestrige Rotizi stnd alle Eltern der Abt. Stralau sowie Falken und Eltern der übrigen Abteilungen des Kreises eingeladen. Kosten 60 und 30 Ps— Abt Landsberger Platz: Sonntag, u Uhr, treffen sich alle Rote Falken Falkenecke. 5,, Kreuz bcrg: Achtung, Abteilungsleiter! Die Sprechchor, und Sing. i-'Af proben für die Veranstaltung der Kinderfreundc, der Arbeiterjugend und des Sportkartells beginnen am Mittwoch, den 1. Februar. Alls Falken und wenigstens ein Helfer jeder Abtellung nehmen an den Proben teil. Die Proben finden statt am l., 3., 15. and 22. Februar. Beginn pünktlich 18 Uhr. Die SAJ. probt um 19 Uhr anschließend. Die gestern ausgegebenen Berichtsbogen bitte umgehend an die Kreisleitung zurück. Es fehlen außerdem noch alle Berichte der Kreisfunktionäre. Eharlottcnburg: Sonnabend, 16 Uhr, Falkcnratssitzung'm Kreisheim. Bor. anzeige! Montag, 16. Januar 20 Uhr, Helfcrsitzung im Kreisheim. Schöueberg: Heute, 20 Uhr, Kreishelfersitzung, Hauptstr. 15. Sterbetafel der Groß-Berliner Partei-Organisation 15. Abt. Den Genossen zur Nachricht, daß unser Genosse Willibald Blume und Frau aus den: Leben geschieden sind. Wir verlieren in Genossen Blume einen stets arbeitsfreudigen Genossen. Beider Andenken werden wir in Ehren halten. Die Beerdigung findet am Montag, 16. Februar, 10 Uhr. auf dem Städtischen Friedhof in Marzahn statt. Fahrgelegenheit: U-Bahn bis Friedrichs. felde, von dort Autobus.. 97. Abt. Unser Genosse R e i n h o l d B a l tz e r ist. erst löjährig, ver. storben. Ehre seinem Andenken! Die Einäscherung findet am Freitag. 13. Ja- nnar. 111,4 Uhr, im Krematorium Baumschulenwcg statt. lllSoziallstischeArbeltmugendGroß-Verlm Einiendunaen für diese Rubrik nur an das Jugendf.ktetaria» Berlin SW 68 Lindenstraße 2. vorn I Treppe rechts BA.»Sitzung heut«, pünktlich lOfH Uhr, im Bortragssaal des PB.,- Linden. straße 3. Feftausschuß-Sitzung heute, pünktlich 18 Uhr, im Jugcndsekretariat. s Vr-let-rilche- vrchester de.«AI.,«r.<5: Heute,» Mr. Prob« tm Zeichen' saal der ÄMs., Neukölln. Achtung. Preisaucschreibeo! Zu.r Teilnahme berechtigt sind alle Grupve«" leiter. Preisfrage: Warum haben j0 Grupvenleiter noch keinen Berichtsbogen vom 4. Quartal abgeliefert?— Rohere Auskünfte im Iugendfekretariat. Demonstration am Sonntag, 15. Januar. Wir marschieren zu den Gräbern von Rosa Luxem- bürg und Karl Liebknecht.— In Falkcntrachi. mit allen Fahnem treffen wir uns um Iii? Uhr auf dem Baltcnplatz(U-Bhf. Petersburger Straße). Ab. marsch 1.5 Uhr. heute, Donnerstag. 20 Uhr: Rofenthaler Vorstadt: Zehdenieter Str. 17: F. K.: Aufbau und Programm der SAJ.— Arnswalder Platz II: Schönlanker Sir. 11, B. 3: Leseabend. �— Falkplatz I: Sonnenburger Str. 30: Das neue Spanien.— SuWaauplatz: Gleim» straße 33—35: Äinderfreunbeabend.— Schönhauser Vorstadt: Sonnenburger Straße 30: Rosa-Luxemburg, und Aarl-Liebknecht-Gedächtnisabend.— Hase«' Heide: Wassertorstr. 4: Heimabend.— zlottbusser Tor: Urbanstr. 167: Jahres- milgliederveriamptlung.— Köpeniaer Viertel: Mameunelstr. 7: Togesvolitische Fragen.— Südwesten: Lindenftr. 4: Wcrner-Schmidt-Abend.— Schöneberq III: Hauptstr. 15: Leseabend.— Westend: Sportplatz Vestend: Sowjetrußland.— Wilmersdorf: Wilhelmsauc 123: Mitgliederversammlung.— Z-hlcndorf.Dahlem: .�innowwaldschule: Arbeitsgemeinschaft.— Schönewcide l: Berliner Str. 31: Faschismus.— Bnlb: Schule Lindenhofstraße: Humoristischer Abend.— Karow: Frundsbergstr. 9: Warum noch in der Kirche?— Neukölln IV: Aktivgruppc Ganghoferstraße(Baracke), Vorbereitung für die LL.-Feier. LSG. Neukölln: 19 bis 3l Uhr KMS.: Arbeitsgemeinschaft: Rußland. Werbebc?jrk Wedding: Aelterenkursus. Zloloniestr. 23. Werdebezirt Prenzlauer Berg: Aelterenkursus 20 Uhr, Danziger Str. 23. ..Sozialistischer Umbau der Wirtschaft", Referent: Alfred Brauntahl.— Der Iüngerenkursus wird auf Mittwoch. 1. Februar, verschoben. Werbebe-'irk Schöneberg: Alle inleressterten Genossen beteiligen sich am Kursus der Arbeiterbildungsschule bei Will. Werbedezirk Reinickendorf:..Galgenvögel" 18 Uhr Studio, 19 Uhr Szenen- probe bei Matter, Eichbornstc 94. Werbebezirk Neukölln:„Der Querschnitt" probt pünktlich 19% Uhr Stern- metzstr 114. Werbebezirk Lichtenberg:„Rote Funker", wichtige Zusammenkunft beim Genossen Auntz, Friedrichsfelde, Krätkestr. ßZast» Idroter QonnepLtaL. cken\2. Januar staatsoper unter den unüen 20 Uhr 3. Sinfonie-Konzert Leitung: Otto Klemperer staatsiches sohausnieinaus £0 Uhr Nora Wienerinnen Konzertieren Gaston Palmer der lustigste Jongleur Trio Walkmir in seiner neuen unerreicht Perche-Arbeit Kurt Fuß '».oni Heuser. Grete Weiser usw VOLKSBÜHNE Theater am BiiSewpiatz Täglich& Uhr D 1 Norden 6536 Oüver Cromweüs Sendung v. Walter Gilbricht. Regie Heinz Hilpen mit Eugen Klopfer 'MM. Oper Charlottenburt Fraunhofer 0231 Donnerstag, 12. Jan. 20 Uhr Turnus l owSUv Nettesheim, Amer- img, Hartmann, Rein mar. Ludwi. Steier, Baumann. Heyer, ßper ng Dirigent: Lad w ig 5 ch III er Bismarckstr.(Knie» Steinpl.5 meto- tiue»aui- fttoftc, und Kant. strafte 54. Fahrradar Grbrouchie Fahrräder ISs—, ... 20.- 25,-, 80.-, 5?» i Machnow, Wein- mei��ah, 14.* Kiodcrrodci für jedes Alter, Dreiräder. Roller. Rio» senauswahl. Mach» now, Weinmeistcr- straße 14. Filiale«: Friedenau, Rhein- straße 48, Tharlot- tendurg.Mndscheid- strafte. 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Wie der in diesem Geschäft als Notar tätig ge- wesen« Zeuge dem Gericht auseinandersetzte, er- hielten die Städte, denen dadurch die Auslands- gelder abgeschnitten waren, im Inland auf ge- wohnlichem Wege keinen Kredit, so daß sie zu ouhergewönlichen Maßnahmen greifen mußten. Der mit der Kreditvermittlung beauftragte Stadt- rat aus Kolberg deponierte nun auf den Rat eines Mczklers bei einem Berliner Notar fünf Sparkassenbücher der städtischen Sparkasse zu Solberg über einen Gesamtwert von U0O00 Mar». die bei höchster Verzinsung dem Geldgeber als Sicherheit für die erwarteten Darlehen ausge- händigt werden sollten. In dieses Geschäft schal- tete sich nun der Kaufmann B. ein, der kurz zu- vor den Ossenbarungseid geleistet hatte, der aber bei diesen Finanzverhandlungen behauptete, daß er als Generalbevollmächtigter seiner in Amerika lebenden reichen Schwester mindestens 100 000 M. anlegen könne. Auf Grund dieser Behauptung wrirde eines der Kolberger Sparkassenbücher in chöhe von KS 000 M. auf den Namen dieser Schwester, Johanna B., aufgestellt, die tatsächlich Erzieherin in Philadelphia war und die ihrem Bruder lediglich einige 100 in ihrer Stellung er- spart« Dollar zur Verfügung überlassen hotte. Von idiesem Sparkassenbuch seiner Schwester er- zählte nun B. einem ihm bekannten Kaufmann Z., dem er noch Geld schuldete. Z., in der Annahme. daß Johanna B. tatsächlich«ine Summe von KS 000 M. besäße, erklärte sich bereit, auf dieses Sparkassenbuch Geld zu besäzafsen. Vor einem Justizrat, dem der Notar der Stadt Kolberg das Sparkassenbuch zu treuen Händen überlassen hatte, wurde dann die Abtretung des Sparkassenbuches der Johanna B. an den Kaufmann Z. durch- geführt. Ehe aber Z., der nun faktisch im Besitz dieses Buches war, Geld hergab, erkundigte er sich vorsichtshalber bei der Sparkasse Kolberg, ob er dort nicht vor Ablauf der Kündigungsfrist gegen ein Damno das Sparkassenbuch einlöse» könne. Dadurch erfuhr die Stadt Kolberg, daß eines der Sparkassenbücher, das eine noch gar nicht erfolgte Einzahlung in höhe von KS 000 Mark bestätigte, in fremde Hände gelangt war. Daraufhin wurden die übrigen bei dem Notar lagernden Sparkassenbücher zurückgezogen, um einen weiteren Mißbrauch zu verhindern. Die jetzt verhandelte Anklage gegen den Kauf- mann B. lautete auf Betrug gegenüber A. und auf versuchten Betrug gegenüber der Stadt Kolberg, da die Staatsanwalts chast annahm, daß B., der seine unvermögende Schwester als reiche Amerikanerin hingestellt hatte, selbst das aus dem Sparkossenbuch erhaltene Geld behalten wollte. Die Strafkammer stellte jedoch fest, daß der No- tar, bei dem das Sparkassenbuch lagerte, das wichtige Dokument niemals dem neuen Besitzer Z. ausgehändigt hätte, bevor«r nicht den Gegen. wert in höhe von KS 000 M. für die Stadt Kol- berg in Empfang genommen hätte. Das Gericht verneinte also, daß B. bei diesem Geschäft einen rechtswidrigen Vermögensvorteil erwerben wollte und sprach ihn daher auf Kosten der Staatskasse von der Betrugsanklage srei. Der Staatsanwalt hatte sechs Monate Gefängnis beantragt. Neben diesem Strafverfahren läuft aber noch ein Zivilprozeß zwischen dem Kausinann Z. und der Stadt Kolberg um das umstrittene Sparkassenbuch der Erzieherin Johanna B. aus Philadelphia. Auf zur Konsumwahl! Zcmutag, dem 15. Januar In einem vertraulichen Rundschreiben der Kommunistischen Partei an ihre Funktionäre, das sie anläßlich der am IS. Januar stattfindenden Wahlen zur Vertreteroersammlung der Konsum- genossenschast Berlin und Umgegend heraus- gegeben hat, wird besonders daraus hingewiesen, daß man auf Grund der bestehenden Unzufrieden- heit der Verbraucher mit allen Mitteln versuchen müsse, die größte proletarische Organisation mit ihren 188000 Familien als Mitglied für die Ein- heitssront de» Proletariats unter Führung der KPD. bzw. der RGO. zu gewinnen. Der wirtschaftliche Druck, der jeden einzelnen Verbraucher belostet, wird nun auch von den kommunistischen Drahtziehern in der verant- wortungslosesten Weise ausgenutzt, um die Un- Zufriedenheit ins Unermeßliche zu steigern. Die „Rote Fahne" führt den Wahlkamps gegen die Konsumgenossenschast in einer auf besonders niedrigem geistigen Niveau stehenden Art nach der üblen Methode:„Verleumde nur darauf los, etwas wird schon hängen bleiben!" llnd zwar versucht inan durch Aufsätze ohne jede Sachlichkeit in der„Roten Fahne" die Genossenschaftssparer zu veranlassen, ihre Spargelder abzuheben, sie zu beunruhigen und zu ängstigen. Wenn die Kommunistische Partei glaubt, durch derartige Hinterhältigkeit der Genossenschaftsbe- wegung einen Schaden zufügen zu können, so be- findet sie sich in einem Irrtum Jeder vernünftig denkende Mensch wird die Versprechungen und Forderungen dieser„Revolutionäre" als das er- kennen, was sie sind: Stimmensang zur Wahl. In dem vertraulichen Rundschreiben wird z. B. gesordert: 1. llnenigeschränktes Recht der Sparer, die Spargelder abzuheben. 2. Fortzahlung der früheren Gehälter und Löhne für die Angestellten und Arbeiter. 3. Wiedereinstellung der entlassenen Arbeiter und Angestellten. 4. Herabsetzung der Preise und Erhöhung der Rückvergütung auf 4 Proz. Bei Durchsicht dieser Forderungen muß jedem Verbraucher klar werden, daß ihre Er» füllung in heutiger Zeit den Untergang einer jeden Organisation bedeuten würde. Wenn die Kommunistische Partei und ihre An- Hänger mit starken Worten jetzt überall die Losung in den Vordergrund stellen:„Nicht Aus- tritt aus der Genossenschaft, sondern der Ge- nossenschast beitreten", so weiß jeder, der die Verhältnisse kennt, daß dies lediglich Stimmen- fang für die konnnenden Wahlen sein soll. Ee ist notwendig, daran zu erinnern, daß 1030 und 1031 von sciien dieser„Genossenschastsfreundc" in aller Oeffentlichkeit vor den Abgabestellen der Konsumgenossenschast die Mitglieder ousgesordert wurden, auszutreten, um nicht länger der „reformistisch- sozialsaschistisch verseuchten Kon- sunibiirokrotie" Mittel zur Verfügung zu stellen. Für jeden wirklichen Genossenschafter gibt es nur eins: Am Sonntag, de m 18. Januar 103 3, in der Zeit von 0 bis 14 Uhr: Hede Stimme der Oiste Genoffenschostsaufbau! Wie wird das Wetter? 3n Berlin: Meist trübe, zeitweise leichter Niederschlag in Form von«chnec, Temperatur noch noch"wenig sinkend, schwach windig.— 3n Deutschland: Ueberall trübe mit Neigung Z» leichten Niederschlägen, in Ostdeutschland meist als Schnee, Teniperatur allgemein etwas sinkend, strichweise Ncbclbildung, schwach windig. Aushebung der wohnungszwangsmirtfchafl In Votrdam. Der Magistrat der Stadt Potsdam hat in seiner Sitzung vom 0. Januar 1033 den Be- schluß gefaßt, beim Regierungspräsidenten eine Eingabe dahingehend zu machen, daß für Patc- dam die Wohnungszwangswirrschast nicht erst mit dein 1. April, sondern schon zum 1. Februar 1033 aufgehoben wird. Siar noch? Togc, Donncrsta-i, IZreltag, Somiabevd. bann endet der nrosU' bnvcnturvertauf bct der Firma Teppich-Bursch, Deutschlands grosflem öpczialliaus für Teppiche, Rbbelstasfe. Gaedlne»,»crliik>!. 3, nur öpan- bauer Straße 32. Die Berliner Näuscr tarnen in unqc- henren Scharen, um diesen Inventurnerkaus zu. besuchen nnb fanden ibre ikrwartnngcn in seder Weise rrsüllt. Man findet Teppiche in allen Großen und Lisuferltosse in allen Breiten, Gardinen- und Detorationsstoffc, Tisch- und Diwandclten. Daunen- und Steppdecken zu Preisen, die onßeracwdbnlich niedria find, und Qualitäten, die über- ragend-nit sind. Die leßtcn drei Tage des Inoenturoer, tauso der Firma Teppich, Barsch müssen daher von jedem wahrgenommen werden. iftm'e GewerkschaftS'Zugend Berlin Heut«, IS'Z Uhr, tagen die Gruppen Schlefisches Tor: Bugendheim ukanteuffelstr. 7. Wie verhalte ich mich vor der Polizei und vor Gericht/"— Sudofte m Bugendhet« Sieicheirberger Srr. VN(Fruerwchrt. Gutheit scßt fort.— Gcwerkschastvhou»: Saal U des Eewertschaftshaufes. Engel. ufer 2<— 23. Gewertfchaftskompf 1074—1914.— Tcmpclhof: Jugendheim Germania fir. 4— ll. wintere Mädels gestalten einen literarische» Abend aus.— Köpenick: Jugendheim Grünauer Str. 3. Arbeitsgerichtsbarleit. «Zuaendaruppe des Zentralverbandes der Anaestellten Heute, Donnerstag, finden solqende Veranstaltungen statt: Nordost ll: Jugendheim Schönlanker Str. 11. Arbeitsgemeinschaft Nr. 3: Da- Kommunistische Manifest.— Norden: Jugendheim Paldusser Straße sAltc Schulet. Arbeitsgemeinschaft: Ist der Mensch da» Produkt seiner Umgebung?<2. Abend: Schulet. Leiter: Weigclt.— Osten: Jugendheim der Schule Litauer Str. IS. Bortrag:„Tarifvertrag— Berbindlichkeitserklärung— Streik— Dinge, über die jeder Gewerkschafter Bescheid wissen muß".— Stralau: Jugendheim Dossc- straße Kreis Berlin. Süden: Donnerstag, 12. Januar, 20 Udr. Krcisvor. ftandssitznng im Lokal Borlik, Sedastianstraßr. Stadssührcr. Sani- tätsführer und Nachiichtenführer nehmen daran teil. Krciovorlage» mitbringen. — Mitte, 3. Kameradschaft: Donnerstag. 12. Januar, 20 Uhr. Generaloer. sammlung und Neuwahlen, Chaussecstr. 20.— Tiergarten, 3. Kameradschaft: Freitag, 18. Januar, 2V Uhr, Jahresversammlung bei Rickert, Steinmeßstr. Bundestleidunij. Buchkontrolle.— Prenzlauer Berg sBortrupp), Schar Friedrich Sbert: Der Heimabend am Donnerstag fällt aus. Dafür>3 Uhr Sitzung der erweiterten Trupvleitung, Gleimstr. 33. Zutritt gemäß Einladung.—«char Ludwig Frank: Freilag, 13. Januar. lSht Uhr, Heimabend, Danziger Str. 32. Lichtbilderadend: Die Eiserne Front. Unorganisierte Junge» als Gäste er- wünscht.— Seißensee-Hohenschönhausc» tOrtsvcrei»): Freitag. 13. Januar, 2ll Uhr, Scneralversammluiig und Neuwahl im Lokal Huckwiß. Das Erscheinen sämtlicher Kameraden ist unbedingt erforderlich. Vorstandsmitglieder dcreils IS Uhr.— Oranienburg: Freitag, 13. Januar. 20 Uhr, Mitgliederversammlung bei Breuer, Mühlenstraße.— Pankow: Donnerstag, 12. Januar, 10 Udr, Sitzung des Ortsvereinsvorstandes mit den Kameradscharisführer» bei Mielitz, Gailat- Ecke Florastraße. Anschließend Sitzung der technischen Führer und Fünttianäre. Kleinkaliber-Schgtzenverein Republik, Berlin-Wrsten. Freitag. 13. Januar, 20 Uhr, ordentliche Generaloersommlung im Pereinslokal, Biilowstr. 37. Tagesordnung: I. Entgegrnnahmc des Ri-chenichaftsderichts:.->) Geschäftsbericht, K) Kassrndcricht,<) Bericht der Revisoren. 2. Entlastung des Porstandes. 3. Wahl des Borstandes, 4. Berfchiedene». Eintrilt nur gegen Vorzeigung dt- Mitgliedsbuches. Ardeiter-Stenographenverein Groß-Berli», Ortsgruppe des Arbeiter Steno- qraphcnvcrbandcs für das deutsche Sprachgebiet. Uebungsadendc: Neukölln: Kaiser- Zriedrich-Str. 209—210, Beginn 19H Uhr, Dienstags 40—00 Silben. Freitags 00—130 Silben. Donnerstags 120—220 Silben(Debaltc). Norden: eckrulftr. 90, 19'- Udr. Montags 30—100 Silben. Nordosten: Jugendheim Dan- zigrr Str. 02, Baracke 2, Beginn 2V Uhr Dienstags IllO— 130 Silben fDedaltel. .rrcitags 40—90 Silben Ein Wicderholungskursns mit Einsührung in Diktat läuft Januar-Fedruar NO., Senefelderstr. 3. Hof rechts. In der Woche vom 13. bis 2t. Januar deginnen neue Anfängcrkurse in allen Bezirken. Nähere Auskunft durch den 1. Vorsitzenden Otto Wcnghocfer, Velten. Wilhelm- straße Iva. Euglish Circlc Prrscverance. Heute, 21 Uhr, im Bräu-Etübl Nene Kleine Hütte. N. 03, Mitllcrstr. 170, am Weddingplatz, englische Vorträge und Dis- kussion. Gäste willkommen. Vereinigung der Freunde von Religion und Voliersricde». Im Rahmen einer reliaiösen Feierstunde am Freitag, 13. Januar. I9>� Uhr. in Berlin- Steglitz, Mittelstr. 33 sEvang. Gemeindehaus), spricht Pfarrer Blcier Uber das Tdrma„Ehristliche Freiheit". Durch Gesangsvorträge oo» Frau Johner- Rößlcr wird diese Feier musikalisch umrahmt. Klub für moderne Philosophie. Montag, 10. Januar, 21 Uhr, Cafd Wittels- dach, Bayerische Platz 2. Literarisches. • ICINN 2, JANUAR• BAHNHOF HERMANNPLATZ* OEIKAISTAO T—• A H N H O F Schicksalswahlen im Konsum Es geht um Erhaltung und Wiederaufbau— Verärgerung wäre ein schlechter Berater Am kommenden Sonntag wählen die Mitglieder der Konsumgenossenschaft Berlin und Umgebung die Vertrcterversannnlung, die über die Besetzung des Aufsichtsrats und damit auch des Borstandes der KGB. zu entscheiden hat. Die Wahlen erfolgen unter wirtschaftlichen und so- zialen Berhältnissen, die ernste Anforderungen an die verständige Entscheidung der Mitglieder stellen. In erster Linie kämpfen miteinander die Liste Genas senschaftsaufbau und die Liste Genas fenschaftsopposition. Ein großer Teil der Mitglieder ist arbeitslos, sie sind in großer Not, und dem Rest geht es auch nicht gut. Ist die Not groß, dann neigt der Mensch zum Radikalismus: die radikale Stimmung siegt leicht über sie Ratschläge des Verstandes. Dazu kommt, daß nicht alle Mitglieder es begreisen, daß eine so surchtbare Wirtschaftskrise wie diese auch an den Konsumgenossenschaslen nicht ahne schwere Schädigung, Hemmung der Leistungsfähigkeit und auch nicht ohne Verluste vorübergehen kann Die Dezemberbeschlüsse der Bertretcroersamnt' lung Haiben viele verärgert. Daß noch 2 Proz. Rückvergütung in Gutscheinen trotz des schweren Krisenjahres gezahlt wurden, wird leicht vergessen gegenüber der Tatsache, daß bittere Wirtschaftsnotwendigkeitcn die Abschreibung eines Teiles der Geschäftsguthaben der Mitglieder notwendig gemacht hat. Noch tiefer greift aber die Verärgerung darüber, daß die Sparkasse der KGB. noch immer gezwungen ist, Ein- schränk ungen bei der Auszahlung der Spar- gelder durchzuführen. Der schwere Ernst der wirtschaftlichen Verhältnisse macht von selbst die Wahlen vom 13. Ja- nuar zu Schicksalswahlen. Im Vergleich zur Privatwirtschaft haben die Konsumvereine die Krisenbelastung bisher glänzend überstanden. Es gibt besonders im Zentralverbanid der Konsum- oereine bisher weder Skandale noch große ernst- haste Ausammenbrüche. Aber seht geht alles darum, daß das Grundvermögen der Konsumvereine und damit die schlagkröstigste lvirtschastswasse der organisierten Verbraucher erhalten und die voraussehungen zu einem noch schlagkräsligeren Wiederaufbau geschassen werden. Für diese für jeden wirklichen Genossenschafter selbstverständliche Ausgabe haben leider die K o m- munistcn kein Verständnis. Die Kon- sumvercine stehen im schärfsten Kampf mit dem privatkapitalistischen Handel. Sic dürfen nicht Gegenstand des Parteikampfes und Mittel zur Er- reichung von Parteizwccken sein. Wären die Konsumvereine Parteizweck, wie es das Programm der kommunistischen Genossenschaftsopposition will, dann ist ihre Konkurrenzfähigkeit so- fort zum Teufel. Die Vergangenheit hat genug warnende Beispiele dafür geliefert. Gerade an die Neigung zum Radikalismus, wie sie die wirtschaftliche und soziale Not erzeugt, knüpfen aber die Kommunisten bei diesen Konsumwahlen an, und es besteht die Gefahr, wenn die wirk- schaftliche Einsicht der Mitglieder nicht siegt, daß die Konsumgenossenschaft Berlin ein S p i e l b a l l der Parteipolitik und das Vermögen der Konsumgenossenschaften, aus sauer verdienten Ar- beitergroschen aufgebaut, zerstört wird. Rur nüchterne Erkenntnis der Tatsachen und der Wille zur Selbstveranlwortlichkeit dürfen die Mitglieder am Sonntag bei ihrer Entscheidung leiten. Verärgerung wäre der schlechteste Berater. Wir haben die beiden Hauptursachen der Verärgerung schon genannt. Wir wollen sie im einzelnen betrachten. Wir wollen aber auch die Verantwortlichkeit derjenigen prüfen, die heute für die Liste der sogenannten Opposition werben. Die Dezemberbeschlüsse waren für manches Mitglied eine Enttäuschung. Daß der Konsumverein Berlin nach dem glänzen- den Aufstieg seit der Inflation auch einmal Verluste ausweisen könnte, das hat man nicht erwartet. Und doch kann nur derjenige immer mit Gewinnen auch in schwersten Krisen- Zeiten rechnen, der noch nicht begriffen hat, daß es letztlich in einer Konsumgenossenschaft nicht anders zugehen kann als im Haushalt des einzelnen Mitgliedes, wenn ZlZ und mehr Prozent an Kaufkraft im Haushalt fehlen, dann fehlen auch Z0 und und mehr Prozent am Umsatz im Konsumverein. Die Fabriken bleiben dieselben, die Abgabestellen bleiben dieselben, die Kosten bleiben viel- fach dieselben, nur am Personal kann gespart werden. Und dem Personal wurden wahrhaft gewaltig« Opfer zugemutet. Werden die Kauf- krastoerluste aber so groß, wie sie unter Brüning, Pape» und Schleicher den Massen aufgezwungen wurden, dann geht es auch nicht ohne Verluste im Konsumverein. Entscheidend ist, daß der Konsumverein in der Hauptmasse seines Vermögens nicht so ernstlich geschädigt wird, daß seine Lebens- fähigkeit in Gefahr kommt. Davon aber kann keine Rede sein. Es ist gewiß eine bittere Sache, wenn durch Wertminderungen an den Gebäuden und Ma- fchinen, die sich zwangsläufig aus der Krise er- geben, Verluste entstehen, und wenn diese Verlust« dann aus einem Teil der Geschäftsguthaben ge- deckt werden müssen. Aber widerspräche es nicht jedem genassenschast- lichcn Verantwortungsbewußtsein, nachdem man mit froher Miene von l9?5 bis l9ZZ sich 14,6 Millionen Mark Rückvergütungen gutschreiben ließ, aus denen doch in aller Regel die Ge- jchästsanleile ausgefüllt werden, daß man seinen Unmut an der Genossenschaft selbst ousließe, wenn einmal in so schweren Krisenzeiten wie jetzt 4 Millionen Verlust aus den Geschäslsgul- haben gedeckt werden müsien? Gewiß ist in der 51GB. auch viel gebaut worden. Wenn aber die AaHl der Mitglieder um 50 000 steigt, dann muß gebaut werden, und es muß auch dann gebaut wer- den, wenn die Baukosten hoch sind, denn der Hauptzustrom der neuen Mitglieder erfolgt immer in der guten Konjunktur. haben aber die Kommunisten ein Recht, heute von Mißwirtschast beim Bauen zu sprechen? Weiß nicht jedes Mitglied, daß es gerade die Anhänger der Opposition waren, die bis 1929 uns noch bis 1930 immer wieder neue Ab- gabestellen und auch Warenhäuser verlangt haben, die den privatkapitalistifchen Warenhäusern auch äußerlich überlegen waren. Als die Grundstücke für den Ausbau des Waren- Hauses Oranienstraße angekauft und für die alten Mieter dieser Grundstücke neue Häuser gebaut iverden mußten, da wurden diese Beschlüsse ein- st i m m i g gefaßt, also auch von der Opposition. Wie steht es nun mit der Auszahlungsbeschränkung in der Sparkasse? Niemand kann diese Einschränkung mehr be- dauern als die Konsumoeroinsleitung selbst, denn diese Einschränkung ist ein 5zerd ständiger Un- ruhen, der auch auf den Umsatz ungünstig wirkt. Niemand aber kann diesen Herd der Beunruhigung beseitigen außer den Mitgliedern s e l b st. Die Konsumvereine des Aentralverbandes, unter denen die KGB. an erster Stelle steht, haben hin- sichtlich der Sparkassen im Vergleich mit allen privatkapitalistischen Banken bisher Muster- gültiges geleistet. Weit über 100 Millionen Mark, die von den Konsumvereinssparkassen zu- In Westdeutschland ist der Zementkrieg zwischen Kartellen und Außenseitern in vollem Gange. Bei den Verhandlungen zur Erneuerung des West- deutschen Zementsiinditats hatten sich drei große Außenseiterwerke, Brosenberg, Westfalen und Nordstern, zwar bereit erklärt, sich dem Syndikat anzuschließen, jedoch nur unter der Bedingung, daß die Außenseiter, Zementwerk W i t t c k i n d sowie das Zement- und Kalkwerk Gebr. Seidel, gleichfalls dem Syndikat beitreten. Die Verhandlungen mit diesen beiden Außen- seitern sind aber geplatzt, weil diese, wie aus Kartellkreisen verlautet, angeblich„unerfüllbare" Forderungen gestellt haben. Die beiden Werke sollen sich als Voraussetzung sür ihren Eintritt ins Kartell die Garantie einer lOOproz entigen Ausnutzung ihrer Anlagen ausbedungen haben, was von dem Kartell rundweg abgelehnt wurde. Die schroffe Ablehnung der Außenseitersorde- rungen wird von dem Kartell damit begründet. daß die Anlagen der Mitgliedswerke zur Zeit nur mit 10 proz.e Beschäftigten im Betriebe aus dem Streik die Lehren ziehen mögen, daß in Zukunft die verbrecherischen Parolen der Moskauanhänger und die der Ver- künder des Dritten Reiches nie wieder Unglück und Elend über Tausende von Arbeiter» brinaen können, wie in dieser Bewegung durch die gönz- liche Unfähigkeit ihrer Anstifter. Die versammelten Funktionäre nahmen ferner Stellung gegen die Maßnahmen der Justiz im Falle Brolat. Sie erklären, daß diese Maßnohmen sich gegen Brolat wenden wegen dessen inniger Verbundenheit mit der Arbeiterklasse. Unter Brolat als Personalleiter hat die Arbeiter- schaft im Betrieb der BVG. unverkennbare w i r t- schaftliche und soziale Errungen- schaften erzielt, wodurch Brolat sich in steigen- dem Maße de» Haß der Reaktion zugezogen hat, der durch die kommunistische und nationalsozialisti- sche Hetze gestützt und geschürt worden ist. Am Schlüsse der imposanten Versammlung ge- lobten die Funktionäre, bei den kommenden Wahlen zur Besetzung der Posten der verschiedenen Körper- schaften in den freien gewerkschaftlichen Orzani- sationen, durch tatkräitigc Agitation und Aus- tlärung dahin zu wirken, den Versuch der Komniu- nisten und Nationalsozialisten, in den Verwallungs- körper der freien Gewerkschaften Einfluß zu gewinnen, abzuschlagen. Kampf im Giegeriand? Binixuux in Hägen-Schwelm Im Tarifstreit der Siegerlänüer Metall- i n d u st r i e ist bei den Verhandlungen vor dem Schlichter für Rheinland-Westfalen Dr. I ö t t e n keine Einigung erzielt worden. Die Unternehmer bestanden auf Annahme ihrer durch Anschlag in den Betrieben den Belegschaften unterbreiteten Be- oingungen. Nunmehr hat der Schlichter die Ent- fcheidung über die von den Arbeitern geforderte Berbindlichkeitserklärung des Lohn- schiedsfpruchs zu treffen. Zu Monatsmitte sind für rund 8000 Metall- arbeiter die Arbeitsverträge gekündigt. Man rechnet mit oem Ausbruch scharfer Arbeitskämpfe. * Für die Metallindustrie Hagen-Schwelm, in der seit Ende Novencher ein tarifloser Zustand herrschte, wurden der R a h m e n t a r i f, das U r- laubsabkommen, das Arbeitszeitah- Anschließend erlebte die Konferenz das Schau- spiel eines heftigen Angriffs der deutschen Unternehmer gegen den Standpunkt der Reichsregierung. Er bekämpfte Sitzlers Darlegungen Punkt für Punkt und behauptete eine starke Erhöhung der Gestehungskosten und die Zerstörung der not- wendigen Wirlschastsfreiheit bei Einführung der Vierzigstundenwoche. In die gleiche Kerbe hieb der Sprecher der Ilnternchmergruppe Oerstcdt- Däne- inark. Zum Schluß wurde der Konserenz die Ent- schließung der Arbeitergruppe für die Erhaltung der bestehenden Wochenlöhne vorgelegt. * Die„technologische" Arbeitslosigkeit steht bei der Debatte in Genf im Vordergrund. Die moderne Arbeiterbewegung ist längst hinaus über die primitiven Auffassungen der Maschinenstürmer. Das heißt aber nicht, die Augen vor den Problemen der Technisierung der Produktion ver- schließen. Die Berliner Gewerkschafts- schule veranstaltet deshalb einen Kursus über das Thema Maschine und Wirtschasts- k r i s e. Der Kursus wird von unserem Genossen und langjährigen technischen Mitarbeiter Willi M ö b u s geleitet. Beginn Freitag abend 7 llbr im Sophien-Realgymnasium, Weinmeifterstraße. Frcigewerkschaftlich Organisierte haben Zutritt. Kostenbeitrag 2 M., Arbeitslose frei. Vorherige Anmeldung nicht erforderlich. kommen und der L o h n v e r t r o g ab 11. Ja- nuar wieder in Kraft gesetzt. Das neue Abkom- wen läuft unkündbar bis Ende April. In der Metallindustrie Hagen-Sehwelm werden zurzeit 11000 bis 15 000 Personen beschäftigt gegen 10 000 bei normalen Verhältnissen. Eonderbares Gutachten nsctwug in der Stadtentwässerung Vom Gesa in tver band wird uns ge- schrieben: Sparkommissar, Abbau, Umbau sind Schlagworte unserer Zeit. Um Sparmaßnahmen durchzuführen, wird zumeist ein mehr oder weniger großer Stab von Beamten beauftragt, sogenannte„Gutachten" auszuarbeiten, die mehr kosten als sie wert sind. Ueberall soll«ingespart werden, an Menschen, Material, Geld usw. Ost entwickeln sich die Dinge so. daß nach einem teuren, umfangreichen Gutachten alles bleibt wie es war. Auch das Gutachten der Wirtschafts- beraiung deutscher Städte A.-G. in Sachen Ber- liner Stadtentwässerung ist vom gleichen Geist erfüllt. Selbstverständlich wird auch in diesem Gut- achten, damit es sich von anderen nicht unter- Am Sonnabend veröffentlichte die„Rote Fahne" auf der ersten Seite in ganz großer Aufmachung die Mitteilung, daß die Direktion des S i e m e n s- K a b e l w e r k s, wo die NGO. soeben einen vernichtenden Sieg davongetragen hatte, zwei prominente RGO.-Leute gemaßregelt hat. Es sind dies der auf der RGO.-Liste ge- wählte Betriebsrat R i e m a n n und ein nicht gewählter Kandidat der NGO. K r e g l e w s k i. Letzterer wurde entlassen wegen Arbeitsmangel, Riemann dagegen, weil er die Veröffentlichung unwahrer Behauptungen in der„Roten Fahne" veranlaßt haben soll. In dem fraglichen Artikel war behauptet worden, daß ein Arbeiter zu einer ihm ungewohnten Arbeit abkommandiert worden sei, bei dieser sehr gesundheitsschädlichen Arbeit ohne die vorschrifts- mäßige Maske arbeiten habe müssen und infolge- dessen einen Unfall erlitten habe und gestorben sei. Natürlich waren daran zu allererst die ver- fluchten„Sozialfaschisten" schuld. Die Behauptungen des Artikels waren unwahr. was von Riemann selbst auch der Direktion gegen- über zugestanden worden ist. Da Riemann allein über die Einzelheiten des Vorfalls Kennt- nis haben konnte, wurde von ihm eine Berichti- gung verlangt. Er sagte diese auch z u. In der„Roten Fahne" ließ man ihn jedoch im Stich und gab ihm nur für die Direktion eine schriftliche Erklärung der Redaktion, daß er den Artikel nicht velfaßt habe. Riemann wurde daraufhin entlassen. Die„Rote Fahne" schnaubte Rache.„In allen Siemens-Betrieben", schrieb sie,„in allen Be- trieben Berlins jetzt erst recht all« Kräfte eingesetzt scheide, behauptet, daß der Personalbestand der Stadtcntwässerung das Notwendige weit überschreite. Demgegenüber ist die Tatsache zu betonen, daß die bereits durchgeführten Personal- einsparungen bei der Stadtentwässerung schon vor Erstattung des Gutachtens durchgeführt wurden und weit über die Forderungen des Gutachtens hinausgehen. In völliger Verkennung der technischen Vor- aussetzungen wird u. a. aus S. 31 des Gutachtens vorgeschlagen, die Nachtschicht auf dem Klär- werk Waßmannsdorf einzusparen, d. h. die Belegschaft von 20 auf 11 Mann herabzusetzen. Jeder Kenner der Verhältnisse weiß, daß das technisch undurchführbar ist. Zu Unrecht wird behauptet, daß durch die Uebernahme der Rieselwärter im Jahre 1929 von der Stadtgüter G. m. b. H. zur Stadtentwässerung der Stadt erhebliche Mehr- k o st e n entstanden seien. Richtig ist vielmehr, daß die Zahlen des Gutachtens zu hoch sind und daß mehr Aufwendungen notwendig wurden, um den verwahrlosten Zu st and der Rieselfelder aus der Zeit vor der Uebernahme zu beseitigen. Wisseiche vermuten, daß die Gutachter nicht ganz uneigennützig ein so ungünstiges Urteil über die Tiefbauverwaltung— Stadtentwässerung— abgegeben haben. Sollte nicht doch der eine oder andere der Herren Gutachter zu den B e w e r- b e r n um den Stadtbauratsposten für das Tiefbauamt gehören?... Sin Vorschußverein Vorschüsse auf das Dritte Reich In Halle besteht ein Spar- und Vorschußverein von Beamten der Reich-bahndirektion, der etwa ,50 Jahr« all ist. Ein Reichsbahnoberinspektor ist Geschäftsführer, Vorsitzender war bis vor kurzem ein Reichsbahninspektor. Ein Mitgliedervereich- nis zu führen wurde als überflüssig erachtet, so daß man zwischen 100 und 800 Mitglieoern schwankt. Die leitenden Herren dieses Vereins fegten groß« Hoffnungen auf Hitler, dessen Herr- schaft sie aus ihrer Zinsknechtschaft gegenüber dem Verein erlösen sollte. Der Termin der Ausrichtung des Drillen Reichs zieht sich in die Länge und so ließ sich nicht länger verheimlichen, daß der Geschäftsführer Strauch wie ber bisherige Vorsitzende Fischer nebst ihren Freunden in der Kasse mit selbstbewilligten„Darlehen" hängen, die im einzelnen mit etwa 1000 Mark beginnen und bis 11000 und 20 000 M. gehen sollen. Buchführung war nicht— falls sie nicht ausradiert wurde—, doch steht soviel fest, däß nicht Nur sämtliche Sparguthaben und Geschäftsanteile der Mitglieder, sonoern oben- drein 30 000 bi, 50000 M. Verwaltungsgeldet ausgeliehen wurden. Die Arbeller der Reichsbahn können froh sein. daß sie in diesen feudalen Nazivorschußverein nicht aufgenommen wurden, denn s i e hallen kein« Darlehen bekommen. Die Vorschlagsliste für den Bezirksbeamtenrat und die Hausliste der RBD. für die nationalsozialistische Arbellsgemeinschaft zeigt verschiedene Namen der Vorschußvereins- Herren auf. Sie sind erkannt! für den Sieg der Einheitslisten, vor denen allein die Unternehmer zittern!" In dem Artikel wurde die Belegschaft des Siemens- Konzerns aufgefordert, sofort den Kampf wegen dieser Maßregelung in allen Betrieben aufzu- nehmen. Seitdem sind fünf Tage verstrichen. Wir warten aber noch immer auf den Streikbeschluß der NGO., wenn schon nicht im ganzen Siemens- konzern, so doch wenigstens im Kabelwerk. Man hat nicht einmal den armseligsten„Kampfaus- schuß" gewählt. Dieses Maulaufreißen und dieses völlige Ber- sagen der RGO. muß auf alle Arbeiter be- schämend wirken. Wenn etwas die Arbeiterschaft auszeichnet, so ist es ihr S o l i d a r i t ä t s- empfinden, das von der KPD täglich mit Füßen getreten wird. Bald schlachtet sie die Solidarität der Arbeiter aus, um sie zu ausfichts- losen Streiks zu verleiten, bald sucht sie sie gewall- sam zu unterdrücken, indem sie Arbeiter gegen Arbeiter hetzt. Besonders beschämend aber ist es, wenn die kominunistische Presse ihren sogenannten Arbeiterkorrespondenten Schwindelberichte unterschiebt und sie dann skrupellos ihrem Schicksal überläßt. Wie die„Rote Fahne", scheint aber auch die RGO. ihre Leute schmählich im Stich zu lassen. Einen Verleumdungskampf gegen die eigenen Kameraden sichren, wenn sie Sozialdemokraten sind, dazu ist die RGO. jederzeit bereit und ent- schlössen. Aber gegen die„zitternden" Siemens- Direktoren, ja, Bauer, das ist etwas anderes! Hierzu 2 Beilagen „Die Unternehmer zittern" Und die RBD. kneift feige Der„Vorwärts" ccjdjetiü wochentäglich zweimal. Eonnlags und Mcntagi einmal. Illustrierte«onntogsdeilage Volt stnä Zeit", i Bezug opiette: Wöchentlich 7- P>. monatlich 3, Ja M.«davon S7 P! monatlich tut Zustellung ins Haus) im voraus zählbar. Postbezug 3,9? M einschließlich 60 Pf. Postzeitung. und 72 Pf. Posibeftellgebllhren. A uslandsabonnemcnt S,6ö W. uro Monat: für Länder mit ermaß, grem Dinälachenvorio 16:, M. Bei A. sfall der Lieferung wegen höherer Gewalt besteht lein Anspruch der Abonnenten auf Erfaß./ Anzeigenpreise: Die einspaltige Millimeterzeile 30 Pf. Reklamezeile 1,50 M.„Kleine Anzeigen" das fettgedruckte Ssrt 20 Pf., jedes weiter- Gort 10 Pf. Rabatt laut Tarif. Worte über 16 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Millimeterzeile ZZ Pf. Aamilrenanzeigen Miklrmeterzeile 16 Pf. Anzeigenannahme im Sauptgefchäft Lindenstr. 3, wochentäglich von iVt bis 17 Uhr. Der Verlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen oor./ Verantwortlich für Politik: Rudolf Brendemühl; Wirtschaft: