Morgen-Ausgabe Nr. 23 A 12 50. Jahrg. Redoktton onb Verlag, Berlin SW 68, Lindenstr. 3 StrmtirKh« 0! 1 Am,©SnljDf) 292 bu 207 tetegtammabrriie! Svzlalbamotr««Bettta BERLINER VOLKSBLATT SONNABEND 14. Januar 1933 In Groß- Berlin 10 Bf Auswärts....... 15 Pf. Vezugsbehingungen und Anzeigenpreise siede am Schluß deS redaktionellen Teile Jentvawvgan der Sozialdemokratischen Oaetei Deutschtands Hitler und der„Vorwärts" Meldung der„Telegraphen Union" München. 13. Januar. Im„Böltischen Beobachter", süddeutsche Aus- gäbe, verössentlicht Rechtsanwalt Dr. Frank II folgende Erklärung: Verschiedene marxistische Zeitungen bringen in den letzten Togen in ihrer begreiflichen Nervosi- tat grotzausgemachte Nachrichten des Inhalts, Adolf Hitler schweige zum Bor- wurs des Landesverrats, den der „Vorwärts" im Zusammenhang mit erdich- teten angeblichen Aeußerungen Adolf Hitlers in einer Rede in Lauenburg erhoben hat. Es wird dabei bewußt unwahrerweise behauptet, Hitler hätte die von ihm zur Zeit gegen den veronlwort- lichen Schriftleiter des„Vorwärts" eingereichte Privatklage wegen dieses verleumderischen Vorwurfes des Landesverrats infolge der Am- neftie zur Einftellung gebracht. Demgegenüber stelle ich als Rechtsbciftand Adolf Hitlers folgendes fest: Das Verfahren gegen den verantwortlichen Schriftleiter Schiff des „Vorwärts" wegen des Vorwurfs des Landes- verrats— der Ministerpräsident Braun wurde von seinen besorgten Genossen unter dem Schutze der Immunität gehalten— wird w e i t e r g e führt da ich selbstverständlich einen Antrag. dieses Verfahren unter die Amnestie fallen zu lassen, nicht st e l l e. * Da man nicht annehmen kann, daß sich der Münchener Berichterstatter der„Telegraphen- Ein aEnunZsIoser Recktsßeistand Union" einen schlechten Scherz erlaubt hat, muß man es als wahr unterstellen, daß obiAe Er- klärung des Rechtsanwalts Frank II tat- sächlich im„Völkischen Beobachter" er- schienen ist. Dann aber saßt man sich an den Kops und fragt sich: Ist es denn überhaupt denkbar, daß ein Rechtsanwalt, der obendrein als führender Vertreter der nationalsozialistischen Fraktion im Rechtsausschuß des Reichstags die ganzen Be- ratungen über das Amnestiegefetz mitgemacht hat, einen derartigen haarsträubenden Un- sinn verzapft? Sollte der Herr Reichstags- abgeordnete und Rechtsanwalt Dr. Frank II wirklich von den einfachsten und g r u n d- legenden Bedingungen des Amnestie- gesetzes, für das er als Volksvertreter gestimmt hat, nicht die blasse st e Vorstellung haben? Sollte er wirklich nicht wissen, daß durch diese Amnestie jedes verfahren politischer Natur, sofern nicht verbrechen wider das Leben, Spreng- ftofsoerbrechen und dergleichen vorliegen, automatisch erlischt? Nein, er weiß es wirklich nicht. Das beweist der Schlußsatz feiner Erklärung, wonach er„selbstverständlich eilten Antrag, diese» Ver- fahren unter die Amnestie fallen zu lassen, nicht stelle". Man kann Herrn Hitler nur herzlichst zu einem so ahnungslosen Rechtsbeistand kondolieren. Nebenbei bemerkt, ist es unwahr, daß irgendein sozialistisches Blatt behauptet hat, Hitler hätte dieses Verfahren gegen den„Vor- wärts" zur Einstellung gebrocht. Der„Vor- w ä r t s" Hat vielmehr am 30. Dezember wahrheitsgemäß berichtet, daß mit der Amnestievor- läge auch der Strafantrog Hitlers gegen Schiff automatisch eingestellt werde und hat durch ausdrückliche Wiederholung der Vorwürfe Hitler die Gelegenheit geboten, seinen Strafantrag zu erneuern. Der Führer der Nationalsozialisten wurde im.�Vorwärts" sogar dringend darum ersucht. Nachdem 14 Tage verstrichen sind, ohne daß Hitler sich meldete, wurde dieser Tatbestand im Detmolder „V o l k s b l a t t" sowie am gestrigen Tage in der „M ünchener Po st" festgestellt. Der Artikel unseres Mllnchener Parteiblottes, der Herrn Frank II endlich die Zunge gelöst und ihm Ge- legenheit gegeben hat, sich öffentlich zu blamieren, bestand ausschließlich in der Wiederholung des .,Vorwärts"-Artikcls vom 30. Dezember mit dem Zusatz, daß szitler seither von sich nichts habe hören lassen. Es wird also Herrn Adolf Hitler nichts anderes übrig bleiben, entgegen der sonderbaren Aussassung seines Rechlsbcistandes, als den Strafantrog z« erneuern. Es sei denn, daß er es vorziehe, den Vorwurf, daß er durch seine Lauenburger Rede moralischen Landesverrat begangen habe, aus sich sitzen zu lassen— was bei einem'Möchtegern-Reichs- kanzler ganz besonders schön wäre. Stalins Parteiguillotine Neue Ausschlüsse und Maßregelungen Moskau, 13. Januar. Ja der Sitzung des Plenums des Zentralkomitees und der Zentralkontrollkommisfion der Sommuaislischen Partei am Donnerstag erstattete R u d s u t a k einen Bericht, in dem er erklärte, daß die Sänberungsaktion im Auftrage des Zentralkomitees durch die Zentral- koalrollkommisfion der Sommunistischen Partei ausgeführt werde. Es gebe innerhalb der Partei gewisse politische Gruppen, die es sich zur Ausgabe gemacht hätten, Sabotage zu treiben. um die Partei zu zwingen, ihre Jndustriali- sierungspolltik auszugeben. Zu diesen Gruppen gehörtcu der ehemalige Vorsitzende des Rates der Volkskommissare Groß-Rußlands, S y r z o w. ferner lolmaschew, Eismout und S m i r- a o w. die jetzt aus der Partei ausgeschlossen worden seien, andere hätten eine Verwarnung erhallen. Das die Gruppe Rykow-Tomfki- Schmidt anbetreffe, so habe diese eine Reue- erkläruug abgegeben und versichert, daß sie keinen politischen Kamps gegen die Parteileituug führen werde. Die Genossen nähmen aber diese Reueerklärung nicht e r n st. weswegen man den Angehörigen dieser Gruppe heute eben- falls eine Verwarnung erteilen müsse. Ihnen sei gesagt worden, daß sie— wenn sie ihren Kamps gegen die Politik der Partei nicht ausgäben— ebenso st r o s r e ch t l i ch verfolgt werden würden wie die anderen politischen Gruppen. Das Plenum des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei billigte die Avssührungen Rudsutaks und sprach der Zentralkommisiion sein vertrauen aus, ßroße„Reinigung" angekündigt Zu dem neuen Schritt Stalins gegen die Oppo- fition äußerte sich gestern abend der Sowjet- Rundfunk. Der Moskauer Sprecher sagte, daß damit die große Parteireinigung eröffnet worden sei. Keinesfalls aber werde man sich da- mit begnügen, einige Haupwpportunisten zu be- strafen und zu verwarnen, sondern man werde mit derselben Energie unter der ganzen Be- amtenschast die„opportunistischen Nester" aus- räumen. Der Moskauer Sprecher sagte, daß auf allen Gebieten und in beinahe allen Partei- bezirken eine Arbeit gegen die Generallinie Stalins festgestellt werden konnte. Besonders auf- geregt zeigte sich der Moskauer Redner darüber, daß wieder eine gemeinsame Front der linken und rechten Opposition beobachtet werden konnte. Selbst unter den Kommunisten der Roten Armee sind„politische Abweichun- gen" nicht selten vorgekommen. Mit den Worten, daß es auch hier höchste Zeit„zu reinigen" sei, schloß der Moskauer Rundfunk. Hilgenberg bei Schleicher Man hat sich viel zu sagen Gestern nachmittag hat eine Unterredung zwischen Reichskanzler von Schleicher und Hilgenberg stattgefunden, die etwa 2Vl Stunde gedauert hat. Ueber den Verlauf der Unterredung werden von zuständiger Stelle keinerlei Mitteilungen gemacht. Die Dauer der Unterredung zeigt, daß man ernsthaft verhandelt hat. Was Hugenberg will, geht aus folgenden Sätzen der„Deutschen Zeitung" hervor: Gegenüber den zahlreichen Kombmationen, die gegenwärtig besonders in der Wllhelmstraße m Umlauf gesetzt werden, ist stärkste Zurück- hallung am Platze. So dürfte die Ueber nähme eines vereinigten Wirt- fchaftsministeriums(Krisenmini- iteriums) durch Hugenberg von grund iätzlichen Voraussetzungen abhängig sein.' zu deren Eriüllung Herr v. Schleicher bisher noch keine Anstalten gemacht hat." Der Krach zwischen Industrie und Agrarier ist wie auf Kommando aus der Oeffeutlichkeit verschwunden. Lediglich die Nazipresse lärmt für die Agrarier. Mit der Einstweiligen! Nazi-Ltegmann gegen Nazi-Streicher Der Reichslagsabgeordnete Steg mann hm fol- gende einstweilige Verfügung erwirkt:„Beschluß in Sachen Stegmann gegen 1. Streicher, Julius. Nürnberg, 2. Holz, Mitglied des Landtages, Nürn- berg, 3. Raiobrandt, Major a. D., 4. Zech, Ober- leMnant a. D., ö. Weinmann, Stadtrat, 6. Wurzbacher. wegen Unterlassung, hier, einstweilige Verfügung: untersagt wird: den Antragsgegnern von 1 bis Z, zu be- haupten, Gruppenführer Stegman habe sich eine Veruntreuung von 6000 Mark der der NSDAP, gehörigen Gelder zuschulden kommen lassen, b) den Antragsgegnern zu 2 und 6. zu behaupten. Wilhelm Stegmann habe einen Bei trauensbruch begangen und stehe mit der Schrift leitung des„Nazispiegels" in Verbindung, c) des Antragsgegners zu 6, zu behaupten, Stegmann habe am 11. Januar 1933 einen Aufmarsch der SA. in Nürnberg mit kommunistischer Hilfe sprengen wollen. Dereinhettllchung! kcrlins Krankenkassen und die Neueinteilung der Bezirke Von Karl Siegle Mit der Neueimeilung der Verwaltuncis- bezirke der Stadtgemeinde Berlin wird auch die Frage der Vereinheitlichung der Berliner Krankenkassen wieder akut. Das Be- stehen von rund zweihundert Krankenkassen in Berlin verteuert nicht nur den Vermal tungsapparat ungemein, sondern erschwert auch die Wahrnehmung der Interessen der Versicherten in der Krankenkasse außerordent lich. Es muß daher von neuem die Frage aufgeworfen werden: wie kann man dieser zum Schaden der Versicherten— aber auch der Arbeitgeber— bestehenden Zersplitterung im Krankenkassenwesen begegnen? Bei der Prüfung dieser Frage kann der Gedanke der Schaffung einer„Einheitskasse" ausscheiden. Es ist völlig aussichtslos, sei es freiwillig, sei es durch gesetzliche Maßnahmen, eine Beseitigung der verschiedensten Kassen- arten(allgemeine und besondere Ortskranken- lassen, Betriebs- und Innungskrankenkassen. Ersatz- und Berusskrankenkassen) zu er reichen. Was zunächst erreicht werden kann. ist die Zusammenfassung der in Berlin be stehenden 18 allgemeinen Orts krankenkasien zu einer Krankenkasse. Wie steht es hier mit dem s r e i w i l l i gen Zusammenschluß? Langjährige Bemühungen der Gewerkschaften nach diesei Richtung blieben ohne Erfolg. Erfahrungen der letzten Zeil haben gezeigt, daß dieser Weg nicht zum Ziele führt. Die Arbeitgeberver- treter in den Organen dieser Krankenkassen nehmen lieber eine Erhöhung des Beitrags in Kauf, als daß sie einer Vereinigung zu stimmten. Ohne die Zustimmung der Arbeit- gebergruppe kann aber eine Vereinigung nicht durchgeführt werden- Den Schaden dieser Haltung tragen die Versicherten, die dadurch höhere Beiträge zahlen und mit ge- ringeren Leistungen zufrieden sein müssen. Es bleibt also nur der andere Weg übrig, nämlich der. durch gesetzliche Maß- nahmen eine Zusammenfassung der allge- meinen Ortskrankenkassen Berlins herbeizu- führen. Die Zusammenfassung der allgemeinen Ortskrankenkassen Berlins und damit die Bildung einer Krankenkasse bedeutet keineswegs die Schaffung einer Mammut- lasse, wie von Gegnern der Vereinheitlichung immer wieder behauptet wird. Die Kasse kann vielmehr durch richtige Anwendung teils zentralisierender, teils dezentralisierender Maßnahmen so gestaltet werden, daß sich für beide Teile, Versicherte sowohl wie Arbeit- geber, bedeutende Vorteile ergeben. Eine solche Krankenkasse, mit rund 900 000 Mit- gliedern, kann ihre Aufgaben nur erfüllen, wenn zentral Beiträge und Leistungen ein- heitlich geregelt, bezirklich und örtlich aber den Versicherten das größtmöglichste Entgegenkommen gezeigt wird. Die Bezirksein- teilung dieser Krankenkasse muß den neuen Verwaltungsbezirken der Stadt Berlin ange- paßt werden. Den Versicherten und Arbeit- gebern ist auch innerhalb eines Bezirks in einem Selbstverwaltungsorgan die Mitarbeit zur Erfüllung der dem Bezirk durch Satzung zugewiesenen Aufgaben zu gewährleisten. In früheren Jahren wurde noch der Standpunkt vertreten, daß in jedem Verwal- tungsbezirk eine allgemeine Ortskrankenkasse bestehen solle. Dieser Gedanke ist überholt. Auch müßte man. wenn es gelungen wäre diesen Gedanken zu verwirklichen, auch jetzt infolge der neuen Bezirkseinteilung alles wieder reorganisieren. Für die Richtigkeit der Auffassung, daß nur eine allgemeine Ortskrankenkasse für Berlin zu bilden ist. Raubmordserie der©31. Feststellungen über die Stettiner Mörder und Bombenwerfer.— Neue Bluttat in Jena entscheidet die Tatsache, daß an dem gegen- wärtigen Zustand praktisch nichts geändert wäre, wenn die Zahl der allgemeinen Orts- krankenkassen von 18 auf 9 verringert würde. Das Hin- und Herschieben der Versicherten van einer Kasse zur anderen, der Unterschied in den Beiträgen und Leistungen, der Ar- beitsplatz im Norden und die Wohnung im Süden Berlins würden bleiben. Ein Arbeit- oeber, der in allen Bezirken Filialen seines Betriebes unterhält, müßte nach wie vor seine ingestellten und Arbeiter in 9 verschiedenen Ortskrankenkassen versichern! Für die anderen Kassenarten muß ge- fordert werden, daß die Neuerrichtung von Betriebs- und Innungskranken- k äffe n unterbunden wird. Die Anträge bei den Versicherungsämtern auf Errichtung van Innungskrankenkassen, aber ganz beson- ders von Betriebskrankenkassen, häufen sich geradezu ungeheuefllich. Der..Verband zur Wahrung von Interessen der Betriebs- krankenkassen" ergreift sogar hierzu die Initiative, indem er eine großzügige Propa- ganda zur Errichtung von Betriebskranken- kassen einleitet, die er in Gemeinschaft mit den Arbeitgeberverbänden durchführen will. Es muß leider festgestellt werden, daß auch Versicherungspflichtige einzelner Betriebe solchen Bestrebungen Vorschub leisten. Wie sehr sie dabei den in der Arbeiterschaft wurzelnden Solidaritätsgedanken vermissen lassen und sich ins eigene Fleisch schneiden, kommt ihnen nicht zum Bewußtsein. Auch nicht, daß die teilweise niedrigeren Beiträge und in einzelnen Fällen gewährten kleinen Vorteile gegenüber der Allgemeinen Orts- krankenkasse sich nur daraus erklären, daß die Risiken bei der letzteren viel größer sind. Die Letriebskrankenkassen können ihre Risiken herabmindern durch ständige Kon- trolle des Krankheitsstandes der Belegschaft, sie können danach Einstellung und Entlassung regeln. Das können die Ortskrankenkassen nicht. Die Tendenz zur Errichtung von Be- triebskrankenkassen bedeutet aber auch die Ausschaltung des Einflusses der Wirtschaft- lichen Organisationen der Versicherten, also der Gewerkschaften, bei der Jnteressenwahr- nehmung in der Krankenversicherung Es ist dringend notwendig, daß die Stellen, die es angeht, sich recht bald mit diesen Fragen beschäftigen und Mi einer befriedigenden Lösung kommen. Viel Zeit ist nicht zu "erlieren, weil mit dem 39. Juni d. I. die 'Nandate in den Organen der Sozialoersiche- ! vng. ablaufen. Es wäre wünschenswert, daß Neuwahlen schon aus neuer Grundlage vorgenommen werden könnten. Würden die vor- gebrachten Vorschläge Beachtung und Berück- sichtigung finden, so würde das schon ein be- grüßenswerter Fortschritt sein auf dem Wege ucr Vereinheitlichung des Kran- 'cnkassenwesens in Berlin. Der Tod im Sumpf Kevsntlcw gegen Hitler und Röhm 2m„Reichswart" vom 7. Januar hott« Graf Nsoentlow geschrieben, baß die Behauptung, Hitler habe sich mit Pape« getroffen, für Hitler beloidiqend sei. Nachdem sich diese„be- leidigende" Behauptung als wahr erwiesen, kommt Reventlow in der neuesten Nummer seines Blattes auf den Fall in folgender Form zurück: Daß eine Unterhaltung zwischen Adolf Hitler und dem Herrn von Panen stattgefunden hat, kann unsere neulichen Ausführungen der Oeffent- lichkeit gegenüber nur unterstreichen! daß jede Beeinflussung der nationalsozialistischen Bewegung durch die Parteien der Rechten und die Repräsentanten des Kapi- t a l i s m u s dem Nationalsozialismus unmög- lich machen würde, seine Grundide«: den naüo- nalen Sozialismus in Deutschland zur Durch- sührung zu bringen, ja seine Verwirklichung auch nur in Angriff zu nehmen. In einem anderen Aufsatz desselben Blattes kann man dann folgende Sätze lesen, die»igent- lich für die ganze natlonalsozialistische Bewegung das Todesurteil bedeuten: Der Raditalismus des Wortes, der sich "an hochgeschraubten Phrasen be- rauscht, schlägt deutschem Empfinden ins Ge- ficht und wird von jedem natürlich Denkenden als Stilwidrigkeit, als Radau abgelehnt. Vorbild war für uns Deutsche immer nur der Führer, der schlicht und ohne Phrase handelt«, nicht der, der schöne, phrasengeschwollene Reden hielt. Es ist leider in Deutschland so. daß der Wortheld einen großen Teil unseres politischen Lebens beherrscht. In der Situation, in her sich Deutschland heute befindet, ist Wortradikalismus nicht nur unproduktiv und undeutsch, sondern auch in höchstem Maße gefährlich. An einer anderen Stelle des Blattes liest man: Der Homosexualismus ist«in« tödliche, stinkende Pest, ist geistiger, seelischer, sitt- licher und physischer Bolkslod. Dl« national- Stettin. 13. Zanuar. Die Zustizprgfsestelle teilt folgende» mit: Die voauntersuchung wegen de» Sprengstoff- attenlates ajif dos Verlagsgebäude des„v o l k s b o-t e n" hat den dringenden Ver- dacht ergeben, daß folgende Angehörige der SA. in Sichtin: der D.reher Gustav Duchateau vom Stzurm 24, der Schlosser und INaschiuen- bauer Ulrich Brauns. Iruppführer vom Sturm lst. der Bauarbeiter Hermann Köhler. Scharführer vom Sturm 24, der Reisende Reinhold von Kalben von der 7Notor-SA.. die Täter, und der Schlaffer Konrad Sühn. Führer des Sturms Z1/ZZ, sowie der Mafchineafchlosser Wilhelm ceuschner. Führer der Standarte 2, die Anstifter gewesen sind. Duchateau. Brauns, Köhler und von Kolben befinden sich in Untersuchungshaft. Kühn und Leufchner halten sich seit einiger Zeit verborgen. Gegen sie ist Haftbefehl und Steckbrief erlassen worden. Die durch das Gesetz über Straffreiheit vom 20. Dezember 1332 gewährte Amnestie hindert strafgerichlliche Nachprüfung, ob etwa nach dem Attentat den Tätern Beistand ge- leistet worden ist. um sie der Sirasversolgung zu entziehen. Duchateau, Brauns und Köhler find auch an dem R a u b ü b e r f a l l auf den Güls- pächler Sleinicke auf Gut Slreilhof beteiligl. * Mit dieser trockenen amtlichen Feststellung sino die krampfhaften Versuche der Nationalsozialisten. die Raubmörder und Bombenattentäter aus ihren Reihen abzuleugnen, vollkommen widerlegt! Raubmord in Jena Die l'ater— zwei SA.-Leute Weimar, 13. Januar. Die feit dem 23. November 1332 vermißte Ehefrau Welsenbor« aus Zeno ist In der Tokio, 13. Iamiar. Di» lopamjch« Presse polemisiert gegen die Siel- lungnahme des Völkerbundes, d«r die langjährig« antljapanisch« und Revolutionepolitik Chinas so- wie die chaotischen Verhältnisse de» chinesischen Staatswesens nicht berücksichtige. Der Völkerbund könne weder den Frieden im Fernen Osten noch den der Well sichern, solange«r nicht erkenne, daß China der eigentliche Unruheherd sei. Die Nachricht aus Peking, daß eine 20- MU- lionsn-USA.-Dollar-Anleihe Am«, rikas an China zustande gekommen sei. die für militärische Zwecke bestimmt sei, verstärk« noch den Widerstand, den man hier gegen die Beteili- gung Dritter be! jopanisch-chinesischen VerHand- lungen habe. Die japanischen W i r t s ch a s t s v« r« bände haben beschlossen, aus der im Juni in Wi« n stattfindenden Tagung der Internationalen Handelskammer einen Protest gegen Wirt- s ch a f t s b o y k o t t zu erheben. Es soll der Tagung ein Vorschlag unterbreitet werden, wonach alle Staaten vor der Anwendung des Boykotts sozialistisch« Bewegung bedankt sich für«in« oerartige„Elite" der Fäulnis, Perversität und Degensration, die vi»lmehr schon im Keim rücksichtslos auszubrennen wäre, wo sie sich zeigte. Ueberschrieben ist der Aufsatz:„Der Tod im Sumpf". Das wird die Ueberschrift des Ka- pitel» der deutschen S«schicht« werden, das von, Untergang der Hitler-Pewegung hanöett! Entspannung in Paris Eigener Befiehl des„VorivirU" Varls, 13. Januar. In parlamentarischen Kreisen hegt man neuer- dings die Hoffnung, daß ein Konflikt mit der Negierung wegen der ginanzpläns doch noch zu oermeiden fein wird. Die Verhandlungen zwischen der Regierung und den Beamtengewerkschasten sind nicht unterbrochen,«U es die Beamtenverbände ankündigten, sondern auch am Freitag fortgesetzt worden. De? sranzösische Ministerpräsident er? klärte Pressevertretern gegenüber, daß die Regie- rung nach wie vor bestrebt sei, mit den Beamtengewerkschasten zu«in« Berständi- gung zu gelangen. Toten Saale als Leiche gefunden worden. Die Tote war in einen Sack gebunden und in den Fluß versenkt worden. Die Täter sind zwei SA.-Leute. * Bon der vermißten Frau Weisenborn ging seit ihrem Verschwinden das Gerücht, sie sei noch Gotha gefahren, um dort ihr Kind und ihr« Er- sparnisse von 5000 M. bei Verwandten unterzu- bringen. Vor einigen Tagen wurden nun in Jena der 40 Jahre alter Arbeiter Hahn und der ZSjährige Arbeiter Loeffler in Haft genommen. Beide standen im Verdacht, an der Vermißten ein Verbrechen verübt zu haben. Hahn hotte mit der Vermißten«in Verhältnis. Loeffler, der Freund von Hahn, hatte sich dadurch verdächtig gemacht, daß er an einem Abend über 300 M. in einer Wirtschaft verausgabt hatte, die er von Hahn erhallen haben will. Inzwischen wurde serner festgestellt, daß das Reisegepäck der Weisen- dorn nach Weimar aufgegeben worden war und dort auch angekommen ist. Zwei Postkarten, die in Jena bei Verwandten der Weisenborn ankamen, sind, um ein Lebenszeichen der Weisenborn vorzu- täuschen, von den Verhafteten geschrieben worden. Der verhaftete Arbeiter L o e f s l e r hat nach einem Bericht der Weimarer Pollzeildirektion be- reits ein Geständnis abgelegt. Danach ist Frau Weisenborn von den beiden Verhasteten bereits am Tage des Verschwinden? an der Toten Saale ln der Nähe von Jena erwürgt, in einen Sack gesteckt und dann versenkt wanden. Den Tätern kam es darauf an, sich in den Besitz der von Frau Weisenborn mitgenommenen 3000 M. zu setzen. Die Leiche der Frau Weisenborn ist an der von Loeffler angegebenen Stelle bereits ge- funden worden. Das soziatdmokratlsche„Volk" in Jena meldet, daß der in Weimar erscheinende„Nationalsozialist" von dem ersten Polizeibericht über die Verhaftung der beiden Arbeiter nur zögernd und mit Ver- spätung Notiz genommen hat. Der Grund dafür sei wohl darin zu suchen, daß die beiden Ver- brecher noch vor kurzem in der Uniform des Dritten Reichs einherspaziert seien. Einer soll opsländischer Waren gewarnt werden, der ein hinterhältiges unfaires Kampfmittel fei und lediglich den Namen„Krieg" umgehe. * Ueber„unfaire Kampfmittel" kann man mit Japanern um so weniger diskutieren, als ihr Ver- treter in Genf selber betont hat. daß die japanische Mentalität grundverschieden von der euro- päischcn sei. Offenbar ist es für Japaner keine „unfaire Kampftsweis«", wenn man tagelang«in« wehrlose Zivilbevölr«rung mit Lust- bomben und Artillsriegeschossen belegt, wie dies im vergangenen Jahre in Schanghai geschehen und erst neuerdings in Schanhaikwan wiederholt worden ist. Mit Interesse kann man dagegen zur Kenntnis nehmen, daß die japanischen Imperialisten große Angst vor dem Wirtschaft»boykott haben. D!«se Feststellung wäre«in Grund mehr, im Sinne der sozialdemokratischen Interpellation endlich zu handeln. Spiel mit dem Feuer SUKIKeln» fordert KPD.«Verbot Das Berliner Stahlhslmorgan..Kreuz-Zeitung" erklärt, es sei nicht unmöglich, daß es über kurz oder long zu einem Verbot ser Kom- munistisch«» Partei komm«, wenn di« kommunistische Führung nicht ungesäumt dafür sorg«, daß die kommunistisch» Propaganda zu Se- waltlätigkeiten gegen den Staat und And«r»- denkende aufhöre. Es sei aber zweifelhaft, ob oi« KPD. dazu überhaupt noch in der Lage sei. Das Stahlhelmorgan befürwortet für den Fall eines Verbots auch di«„Löschung" der Mandat« zum Reichstag und den Läyder- Parlamenten. Diese Praxis sei auch in ander«» Staaten durchgeführt word»n. in erst«? Lini» in Rußland s«lbst, wo neb», o«r offiziellen Kommu- nistischen Partei k«in anderer Parteiongehöriger in den Sowjet« geduldet würde. Außerdem dürfe nicht übersehen werd»n, daß di» kommunistische Reichstagespaktion monatlich für ihr« 100 Abge- or0n«ten nicht weniger al» SO 000 Mark an Reichstagsdsäten bezieh». Bon diesen Diät»» müßten die Abgeordneten di« Hälft» an lhre Zen- trale abliefern, so daß praktisch das Reich d«n kommunistischen Werdesond? monatlich mit 30 M Mark speis», Dazu kämen ähnliche Summen aus Länder, und Sem«indeparlam«nt«n. Auf bl«s« später ausgeschlossen worden sein und vergeblich Zuflucht bei den Kommunisten gesucht hckben. Himers GS. bewaffnet >VafkenbescbIagna.bnie in Kassel Eigener Berieht des„Vorwärts" Kassel. 13. Januar. In Kassel überrascht» die Kriminalpolizei zu einem Appell anoetrelene SA.-Leuie mit einer Durchsuchung. Di« Polizei fand vier Pisto�n mit je acht Schuh Munition im Ladestreisen und einem Schuh im Pistolenlaus. eine Scheinlodpistole, ein jeststehendes Messer, Stahlruten. Ochsenziemer und eine Schachtel mit visiolenmunition. Außerdem sielen der Polizei 20 Gummiknüppel in die Hände, die noch gebündelt waren. Die Polizei wurde von opponierenden S S.- L e u t e n zum Schuh gegen ihre Käme- raden alarmiert. Lr hat sieh erwischen lassen Kassel, 13. Januar. Der seinerzeit in die Kasseler W a f f« n d i e b- stahlsafföre bei der Schutzpolizei verwickelte SS.-Standartenführer und nationalsozialistische Landtagsabgeordnete Verne ist nach einer Mitteilung der nationalsozialistischen ,�)essi- schen Volksmacht" wegen Nichtbefolgung von ihm erteilten Befehlen aus denListen derSS. gestrichen worden. Der Osaf erklärt Hitler erläßt eine Erklärung, noch der alles, was in den letzten Tagen über ihn mitgeteilt worden sei, nicht wahr wäre: die Geldklemm« seiner Partei, die Beziehungen zu westdeutschen Industriellen. Bemühungen um Schwedenkredit«, Handel mit Schleicher— alle- nicht wahr. Es fehlt noch ein weniges: es gibt keinen Papen, keine Industriellen, es gibt überhaupt keinen Hitler! Weis« würden den Kommunisten in jedem Jahr eine Million aus öffentlichen Mitteln zustießen. Was. hier das Stahlhelmbloll anklagen läßt, ist Gegenstand mleressamer„Erwägungen" in allen Kreisen der Reaktion. Daß die KPD. durch ihr „revolutisnäres" Bramarbasieren den Reaktiv- nären ständig Wasser auf die Mühlen treibt, ist bekannt. Aber der Stahlhelm hätte doch wohl zu- nächst Anlaß, vor der eigenen Tür und vor den Türen seiner Nachbarn zu kehren. Daß die Ge- walttaten der Nazis und ihre Förderung durch die„anständige" Gesellschaft nicht unwesent- lich zum Wachstum der kommunistischen Gewalt- samkelten beigetragen haben, ist sicher auch in Stahlhelmk?eisen nicht unbekannt. SA. gegen Straßer-Leute Saalschlacht im„Nationalhof" Gestern abend wurden die Anhänger der „Schwarzen Front", di« cm„Nationalhof" in der BAowstraße mit O t to S t r a ß e r als Redner eins Versammlung einberufen hatten, von 2 0 0 S A.> L e u t e n„besucht" Es dauerte nicht lange und die s ch ö n st« K e t l» r» i zwischen den feindliche» Brüdern war im Gange. Bereit» um 20 Uhr war der Saal im„National- hos", der etwa 300 bis K00 Personen faßt, voll- besetzt. WI« sich bald herausstellte, hatten sich rund 200 SA.-Leut»«ingefunden, die sich st a f f» l- ivelse im Saal verteilt hatten. Gleich nachdem d«r Versammlungsleitcr Brinkmann die V«rsammlung eröffnet hatte, kam es zu unglaublichen Tumult- und Radau- f z e n e n. Di« SA.-Leut« randalierten und ent- fesselten«inen fürchterlichen Krach. Vergeblich versuchten die Leut« der„Schwarzen Front" Ruh» zu schassen. Alz schließlich die SA. zum tat» lichen Angriff auf die Stroßer-Leule über- ging, griff di« Polizei energisch ein. Nur mit Müh» konnten die Schupobeamten di» Krakeeler mit dem Summiknüppil au» dem«aal h«rau»bring«n. Bei dem Handgemenge erlitten mehrere Per« sammlunzsteilnehmer und SA.°Leute Kopf- Verletzungen. Um 20.30 Uhr waren f ä m t- liche SA.- Randali st en auf die Straß« b» s ö r d« r t, so daß die Versammlung fort- g» s, tz t werden konnte. Vor dem Versammlung», lokal kam e» noch zu Ansammlungen von Hitler- Anhängern, die aber schnell au»»inand«rgebracht werden könnt«». Unfall«ine» Abgeordneten. In der Viktoria» straße wurde in den gestrigen späten Abend» stunden der 30jährigs Reichstagsabgeordnete L o i b l, der zur Fraktion der Bayerischen Pollspartii gehört, von einem Auto über- fahren und schwer verletzt. Er fand ln einem Sanatorium Aufnahm«. LapansAngstvorWirWastsboykott Angekündigter Vorstoß auf der Tagung der internationalen Handelskammern BEILAGE SONNABEND, 14. JAN. 1933 Märchenbuch für Nationalisten Aus Hummel-Daubmanns„Erinnerungen' der veruriinlung des Schwindelheimkehrers Hummel;u VA Zahren Gefängnis find die Akten über den lrogikomifchen Fall D a u b- mann vorläufig geschloffen. Eine Fülle anderen Daubmann-Papiers ist schon vor Prozehbeginn zur Makulatur geworden: die Memoiren des Schwindlers. Hummel hatte feine Erlebnisse, die er niemals hotte, in einem spannenden Buch niedergeschrieben. Wer der eigentliche„Dichter" war— ob Herr Hummel persönlich oder sein ehemaliger Hauptmann und Impresario B u m i l l e r—, steht nicht scsti hinterher will es natürlich keiner gewesen sein. Nur nebenbei wurde die originelle Münchhauserei im Freiburger Prozeß erwähnt. Diese Beiläufigkeit ist zu bedauern, denn das— nun längst eingestampfte Opus— muß als Beweis dafür einnial angeprangert werden, in welch schamloser Weise der deutsche Nationalismus die Propaganda des Hasses, von dem er lebt, zu fabri- zieren versteht. Wenn Hummel nicht rechtzeitig entlarvt worden wäre— jahrelang hätten unsere beruslichen Franzosenhetzer von ihm gelebt! Aus ciem Vorwort ...so mußt« ich bald erkennen, daß meine Er- lebniss« nicht überall geglaubt wurden. Man hielt sie vielfach für unwahrscheinlich und phantastisch. lind als die französisch« Regierung nach longer Untersuchung amtlich erklärte, daß sich keinerlei Anhaltspunkte für die Richtigkeit meiner Angaben finden ließen, scheuten manche Stellen nicht davor zurück, mich für einen Abenteurer— für einen Schwindler zu erklären. So bin ich gezwungen, den Wahrheitsbeweis für die Richtigkeit meiner An- gaben anzutreten. Ich tue dies, indem ich mein Schicksal hiermit der Oe-jentlichkeit übergebe und indem ich zugleich erkläre, daß ich bereit bin, mich den französischen Behörden gegen freies Geleit zur Be'fügung zu stellen. In Conftantine in Zllgier werde ich dann die Zelle zeigen, in der ich!ä Jahre lang von der Mitwelt abgeschlosten als Sträfling Nr. IlJZ geschmachtet habe... Hummel im Schützengraben ...Ein möchtiger Kanadier springt gegen nzich vor und schlägt mir das Gewehr zur Seite. Und ein Stoß auf den Magen nimmt mir die Besin- nung— noch höre ich den Todesschrei mei- nes legten Kameraden— dann wird es schwarz vor meinen Augen. An heftigem Rütteln und starken Schmerzen wache ich auf. Mein rechter Fuß. Wir fahren rasch. Sanitäter in englischer Uniform sind bei uns. Allmählich begreife ich—: in der Hand des Feindes!— Gefangen! Hummel reißt aus Boll Mühender Freude melde ich meinen Eltern, daß ich lebe und verwundet in Amiens liege: es gehe mir besser und ich hoffe, daß sie gesund seien. Dieser Brief ist aber niemals in die Hand meiner Eltern gekommen, sei es, daß er verloren ging, sei es, daß die Zensur ihn angehalle» hat... In einer Nacht breche ich aus. Troßdem man Januar schreibt und trotzdem es bitter kalt ist. Nur mit Hofe, Hemd und Schlappen bekleidet gehe ich in den Abort und schließe hinter mir ab. Dann zwänge ich mich durch das kleine Fenster und springe«tirw dreieinhalb Meier in die Tiefe. Aber ich werde bald gefaßt und ins Gefängnis geworfen. Hummel als Märtzrer ... Endlich teilt mir der Dolmetscher mit, daß mein Urteil gefällt fei. ZV Jahre Kerker..! Ich leide Unsägliches und friere furchtbar in der dünnen Sträflingsklust. Auf alle Bitten um dickere Decken hat man nur eine Antwort, die man mir immer wieder— grimmig und höhnisch— entgegenschleudert:..Sale Boche!" ...Afrika..! Aus dem glühenden Brand der afrikanischen Sonne traten wir in die dunklen Gänge des Kerkers. Eine eisige Luft, modrig und feucht, schlug uns entgegen, die uns schaudern ließ... Endlich fielen unsere Ketten. Unsere 5zandgelenke waren blutig zerschunden. Kaum konnten wir sie bewegen. Schorf und Eiter brach aus den Wunden... Ueber den Hof gehts in ein anderes Gebäude— in meine Zelle! IS Jahre lang bin ich in dieser Zelle gewesen— als Mann ahne Namen— als Nummer 102. 15 Jahre meines Lebens liegen in diesen engen Mauern begraben..! Als ich eines Morgens meinen Kübel leerte,� blieb ich der frischen Lust wegen ein wenig stehen. Der Wärter, dem dies zu lange dauerte, schnauzte mich an und drängte mich vorwärts. Ich stieß ihn zurück— er soll mich nicht ansahen! Er meldete den Vorfall, und ich erhielt wieder 14 Tage Dunkelzelle. In welche Hände bin ich gefallen? Frankreich!— Frankreich!— ist's möglich? Wer keine Entspannung in körperlicher Arbeit fand, wer— wie ich— in sitzender Körperhaltung Tag um Tag an seiner Nähmaschine saß— um sich ein wenig Tabak herauszu- schinden— der ging einer Gefahr entgegen, die viele unter uns dahingerafft hat. Immer wieder neue Menschenleben, die unter der afrikanischen Sonne und der ungesunden Er- nährung zusammengebrochen waren. Ich war mir, Gott sei Donk, von Ansang an klar darüber. daß mein fester Wille, die Heimat wiederzusehen, nur dann in Erfüllung gehen konnte, wenn ich mich grundsätzlich von dem hier angedeuteten Laster fern halte. Und ich habe es auch— unter Einsatz meiner ganzen Willenskrast— erreicht. Ich weiß nicht, ob das französische Bolk unter- richtet ist, was in seinen Gefängnissen drüben im heißen Afrika vor sich geht. Ich kann es nicht glauben. Deshalb habe ich mich verpstichtet ge- hallen, hier in aller Ocffentlichkeit darüber zu sprechen. Hümme! als Heimhehrer Eine grenzenlose Verwirrung kommt über mich. Ich wende mich ab und die Tränen brennen mir in den Augen. Nun stehe ich aus deutschem Boden... Heimat!— Deutschland!— Nun kann ich die Tränen nicht mehr zurück- halten. Jetzt endlich ist der furchtbare Druck von mir genommen! Nun bin ich sicher! Nun darf ich weinen! Hummel ist bekanntlich niemals Kriegsgefangener und niemals in Afrika gewesen. Aber monatelang ging dieser Schwindel gut. Zetzt sitzt „Daubmann" wieder im Gefängnis. Ohne unsere Nationalisten, die ihn in Bann hielten, wäre ihm sein gegenwärtiges Schicksal sicherlich erspart geblieben... Ins Leben zurück Besuch hei üem Mädchen, das vom Funkturm sprang „Sic kennen mich alle Hier im Krankenhaus". erzähll Lotte H., die vor zwei Monaten vom Funkturm den 7Z- M e t e r-S t u r z in die Tiefe lebend über st and. Wie eine junge Katze ist das junge, hübsche Ding auf die Füße gefallen und sogar die sind, bis auf kleine, heilbare Berletzungen, gebrauchsfähig geblieben. „Bon IVO Springern brechen sich totsicher 98 hierbei beide Beine", sagte der Professor zu ihr. Es sieht fast so aus, als hätte das Schicksal diesen voreiligen Schlußpunkt unter ein ZZjähriges Leben nicht ganz für ernst genommen.„Nun bin ich doch wieder froh, daß ich da bin", sagt Lotte und man merkt es ihr an, sie wird ihr Lebensschicksal neu formen und ist wieder voller Hoffnung, daß es gut werden wird. So munter und lebendig, wie sie jetzt ist, war sie allerdings nicht die ganze Zeit. Drei Wochen lang hatte niemand an ihre Heilung geglaubt. Da schrie sie in wilden Phantasien, da rebellierten ihre gepeinigten Nerven und man konnte ihr« Qual nur mit unzähligen Beruhigungsspritzen lindern. Aber der junge Organismus überwand das Schwerste und sie wurde eingereiht in die Gesellschaft derer, die wieder gesund werden. Jetzt erst konnte daran- gegangen werden, den Körper gründlich auf etwaige Schäden zu untersuchen Dabei erwies sich das Wunderbare, daß kein einziges Organ ernstlichen Schaden gelitten hatte, daß vor allem herz und Lunge richtig funktionierten. Der rechte Fuß ist der einzige Patient dieses schwergeprüften Organismus: er wird fleißig gedreht und gezerrt. damit sich keine Sehnenverkürzung bildet, und bald darf die Patientin schon wieder die ersten Gehoersuche machen. Wenn man das heitere, junge Wesen betrachtet. das da von chrer fürchterlichen Verzweiflungstat wie von einer interesianten Begebenheit plaudert. dann faßt man sich an den Kopf und fragt: warum? Und gleichsam, als hätte sie den Gedankengang erraten, meint sie. ein wenig ernster geworden:„Ach Gatt, ich war so schrecklich verzweifelt. Alles war so schwer und trostlos. Der anstrengende Dienst, 5, kouch8Stunden mit den Kopshörern am Ohr, das onge- strengte Aufpasien und Nachbuchstabieren jedes einzelnen Wortes, dann fip auf die Schreib- Maschine übertragen und weitergeben. Herrgott. brummt einem da der Schädel! Und dann nach Hause, wo es noch trostloser ist." Die Mutter Witwe, die von ihrer kleinen Rente alles herbei- schaffen soll, der jüngste Bruder in der Lehre, der ältere seit Iahren arbeitslos. Da war kein bißchen Freude, keine Abwechslung.„Ich wollte einfach nicht mehr so weiterleben. Und da Hab ichs getan!" Obs jetzt besser wird? Wir wollen es ihr wünschen.„Wie spät ist es denn?" fragt sie ihre Nachbarin.„3 Uhr" antwortet diese„Ach. und gleich nach 2 wollte doch wer zu mir kommen", dabei fällt der Kopf traurig zur Seite. Aber „herz vollkommen gesund" lautet die ärztliche Diagnose. Die Frau erstochen Gattenmord in T'empelhok 3m Hause Berliner Straße 1K0 in Tempelhos spielte sich in den gestrigen Abendstunden ein« blutige Tragödie ab. Der ZI 3ahre alte kaufmännische Angestellte Felix O h a n n a erstach dort seine frühere Frau mit einer Schere und stellte sich dann der Polizei. O. hatte vor etwa drei Jahren geheiratet. Die Ehe war nicht glücklich, und schließlich leitete die Frau die Scheidungsklage ein, und die Ehe wurde geschieden. Ohanna versuchte trotz alledem sich seiner früheren Frau wieder zu nähern. Auch gestern abend erschien er wieder in der Berliner Straße und fand auch Einlaß Offenbar ist es zwischen den bedden zu einem Streit gekommen, und in sinnloser Wut hat O. eine Schere er- grissen, mit der er aus die Frau einstach. Ein Stich traf das herz, so daß die Unglücklich« leblos zu Boden sank. Als O. sah, was er angerichtet hatte, ging er gibts dort überhaupt keine, bloß kleinere Privat- Plätze. Die Eintrittspreise sind die gleichen, wie im Borjahr, es zahlen Erwachsene 20 Pf., Kinder 10 Pf. Das Bezirksamt Charlottenburg stellt den Winter über 3000 Freikarten für bedürftige Schul- kinder zur Verfügung. Jetzt, wo es heißt, erstmal die Grunddecke zu schaffen, muß die ganze Nacht über in verschiedenen Arbeitsschichten gesprengt werden: später genügt dann eine einmalige Nach- sprengung am Abend. zum nächsten Polizeirevier, wo er s i ch st« l l t e. Er erlitt einen völligen Zusammenbruch, so daß an eine Vernehmung durch die Kriminalpolizei bisher nicht zu denken war. Di« alarmierte Mord- kommission begab sich alsbald an den Tatort. Die Beamten fanden die 25 Jahre alte Frau Helene O. in einer großen Blutlache im Wohnzimmer t o t auf. Der Körper wies viele Suche auf. O. wurde in das Polizeipräsidium übergeführt. Eisbahn-Premiere Es gibt auch Menschen, die sich der Kälte freuen— das sind die Eisläuser Denn jetzt werden die 82 Berliner Eisbahnen in rascher Rechensolge in Betrieb gesetzt. Gestern war unter anderem Premiere auf den Eislaus- platzen in der Krumme- und Niebuhrstraße in Charlottenburg und heute öffnet die Strand- eisbahn im Freibad Wannsee ihren Be- trieb. Bisher gab es nur eine einzige Berliner Eis- fläche im Freien, die, unbekümmert um Sonnen- strahl und Wärmegrade, den Läufern stets zur Bersügung stand: Das war die neue Freiluft- Kunsteisbahn im F r i e d r i ch s h a i n, die durch unterirdisch gelagerte Röhren Kältewellen nach Bedarf empfing. Nun wohnte aber nicht jeder Eisläuser am Friedrichshain und das Fohrgeld ist teuer, außerdem ist dort auch der Eintritt in Anbetracht der hohen Baukosten entsprechend teurer wie aus den anderen Bahnen. Am reichsten mit Eisbahnen gesegnet ist der Berliner Westen und hier wieder insbesondere Charlotten- bürg, Wilmersdorf und Steglitz, da diese Bezirke insolge chrer günstigen Lage sehr viel Tennisplätze besitzen, die im Winter das Eislaufterrain bilden. Die größten Bahnen hat dagegen der Bezirk Treptow aufzuweisen mit seiner 33 000 Quadrat- meter großen Fläche aus dem alten Karpfenteich und der Eisfläche im Luftbad Wuhcheide, das sich auf dem Grund der früheren Radrennbahn be- findet. Nächstfolgend in der Größe der Aus- dehnung sind dann die Wilmersdorfer Tennisplätze mit'28 000 Quadratmeter Fläche, wo schon überall reger Betrieb herrscht. Dagegen sind die Bezirke Weißensee und Schöneberg wieder stiefmütterlich mit Eislaufterrains bedacht, städtische Eisbahnen Fehlanzeige- aus Liebe Sorgen um einen guten Mann Als sie zur Polizei lief, und den Vater ihrer Kinder anzeigte, dachte sie nicht daran, daß sie ihn nun für ein Jahr ins Ge- föngnis bringen und jo sich selbst die Sorge um ihre sünf Kinder aufbürden würde. Nur eins wollte sie: er durfte nicht mehr stehlen. In den Paragraphen des Strafgesetzbuches kannte sie sich nicht aus: und daß vorbestrafte Menschen selbst wegen noch so geringfügiger Vergehen zu hohen Strafen verurteilt werden, das wußte sie natürlich nicht. Sie hatte aus erster Ehe drei Kinder, von ihrem Freunde e i n Kind, das fünfte Kind war unterwegs. Als er das letztemal aus dem Gefängnis kam, versprach er Sonntag Konsumwahlen Am Sonntag, dem 15. Januar, finden in der Zeit von 9 bis 14 Ahr die Bertrelerwahlen zur Generalversammlung der Konsumgenossenschast statt. Die Mahllokale sind durch Plakat» aushang in den Lebensmittelabgabestellen bekanntgemocht. Als Mahlausweis dient das Mitgliedsbuch. Alle Leser und Leserinnen, die Mitglieder der Konsumgenossenschaft sind, müssen ihr Dahlrecht ausüben. Gewählt wird nicht die unter der Zinna„Opposition" segelnde Liste der Kommunistischen Partei. Gewählt wird vielmehr die Liste G c- nossenjchaslsausbau! ihr, sich nie wieder an fremdem Eigentum zu ver- greifen, ein ordentlicher Mensch zu werden: er sorgte rührend für die Kinder und erhielt, als wäre er der legitime Mann, die Unterstützung vom Wohlfahrtsamt. Seine erste Ehe war gerade geschieden worden, man beabsichtigte in aller- nächster Zeit zu heiraten. Im Hause herrschte Not: wie sollte man auch vier Kinder satt machen. Der Mann klopfte die Türen der herrschaftlichen Häuser ab und brachte manchen Pfennig und mehr als eine Stulle nach Hause. Eines Tages, bei einer Betteltour, geriet er auf den Boden. Es lagen dort Federbetten umher, zu Hause froren die Kinder nachts in ihren Betten: er nahm einige Federbetten mit. Dann holte er auch den Rest. Jetzt war aber die Frau zu Hause. Wo kommen die Betten her? Sollen etwa unsere Kinder frieren? Die Betten lagen auf dem Boden unbenutzt, meinte er. Bringe sie auf der Stelle zurück. Tue ich nicht. Du willst nicht? Schön. Sie lief zur Polizei: er soll ehrlich sein, er soll nicht stehlen. Was konnte da die Polizei tun? Sie mußte den Mann festnehmen. Vor dem Schnellgericht weinte der Man» wie ein Kind. Die Kinder froren zu Hause, sagte er, und die Betten lagen unbenutzt aus dem Boden. Die Mindeststrafe war aber ein Jahr Gefängnis. Dagegen konnte der Staats- anwalt nichts und der Richter nichts. Und draußen weinte die Frau mit dem Kind unter dem Herzen: Wie soll ich jetzt mit vier Kinder» fertig werden. Er brachte immer noch etwas hinzu, und das fünfte ist unterwegs. Er war doch ein guter Mann, gerade wollten wir heiraten. Hätte ich gewußt, was ihm da droht, ich hätte ihn doch nicht angezeigt... Zum Besten der weltlichen Schule veranstaltet die neue freie Schulze mein de Berlin om Sonntag, dem 15. Januar, 11 14 Uhr, ein Matinee im„E l y s i u m", Prenzlauer Allee. 180 Kinder der weltlichen Schule Sonnenburger Straße musizieren. 150 Kinder der weltlichen Schule Gotenburgor Straße spielen„Achtung! Hier Welle ABC von R. A. Stemmle" und„Das Matrofenspiel". Die Veranstaltung ist bereits ausverkauft und wird im Februar in der „Volksbühne" wiederholt. Vorbestellungen bei den Schulleitern und den Obleuten der weltlichen Schulen. Alle Freunde der weltlichen Schule werden ein- geladen, die Ausstellung von Schüler- arbeiten der 30. weltlichen Schul« in Lichtenberg, Fiicherstraße sSchlichtallee) zu be- suchen. Die Ausstellung ist geöffnet vom Sonn- abend, dem 13., bis Mittwoch, dem 18. dieses Monats, an den Wochentagen von 141- bis 17 Uhr, am Sonntag, von 10 bis 17 Uhr. Eintritt frei Weht- warten i""iorSeüääxsr Das teure Brennholz Im Wald verkault das flol?, ai>er öerlm friert Seit dem Beginn der kalten Jahreszeit erhält der„Vorwärts" ständig Zuschriften von Haus- trauen, in denen bittere Klage über die hohen Brennholzpreise geführt wird. In einem Brief aus Wilmersdorf heißt es, daß die Frau für eine Zwanzigstel-Meterbank Ofen- holz 8ö Pfennig zahlen mußte, und aus Zu- fchriften aus nördlichen Bezirken der Stadt ersieht man, daß auch hier die Kleinhandelspreise für Holz denen der westlichen Gegenden nicht nach- stehen. Wenn man den Preis von 86 Pfennig für die Zwanzigftel-Raummeterbank auf den gan- zen Raummeter umrechnet, kommt man auf den außerordentlichen Preis von 17 Mark. Derartige Brennholzpreise müssen bei dem jetzigen niedrigen Einkommensstand drückend wirken, wenn sie nicht gänzlich unerschwinglich sind. Bei den vielfachen Bariationen des Berliner Brennholzhandels braucht man sich nun nicht auf einen Spitzenpreis von 17 Mark für Buchenholz festlegen, es genügen für eine Besprechung des Holzpreises bereits jene 13 bis 14 Mark, die für Kiefernholz gefordert werden. Vorerst wird nötig sein, diese Kleinhandelspreise den Erzeugerpreisen gegenüberzustellen. Wie uns von sachverständiger Seite mitgeheklt wird, wurden auf den N o- oemberouktionen folgende Preise je Raum- meter Holz erzielt: Eiche 6,51 M., Buche 6,08 M., Birke 5,78 M. Kiefer 4,45 M.. Fichte 3,01 M. Es handelt sich hierbei nicht um langgeschnittenes Nutzholz, sondern eben um kurZgeschnittenes Brennholz. Bereits diese Gegenüberstellung eines Auktionspreises von durchschnittlich 4,45 M. für Kiefernholz und einem Kleinhandelspreis von rund 13 M. in Berlin wirkt sehr aufschlußreich, wir erleben beim Brennholz eine Preissteigerung vom Erzenger bis zum Verbraucher, wie sie anderswo kaum anzutreffen ist. So mag jetzt der Landwirt für den Zentner Kartoffeln 1,50 M. frei Bahn er- halten, der Verbraucher in Berlin zahlt dann für zehn Pfund Kartoffeln 30 Pf., also für den Zentner 3 M. Hier liegt eine Verdoppelung des Preises vom Erzeuger zum Verbraucher vor. Ein anderes Beispiel wären die Schweinefleischpreise. Hier wurde auf dem Berliner Schlachtoiehmarkt in den ersten Ianuartagen für Schweine der Klasse C vollsleischige Tiere mit einem Lebendgewicht von AR) bis 240 Pfund) ein Zentnerpreis von 35,50 M. gezahlt. Nachher im Laden kostet ein Pfund Schweinekamm rund 80 Pf., also eine Preissteig«- rung von nicht ganz 120 Prozent. Bei dem Brenn- holz dagegen kommt zu guter Legt nicht eine Vcr- doppelung des Preises, sondern eine V e r d r e i- f a ch u n g heraus. Vom Wald in den Olen Die Schuld daran wird nun einer auf den an- deren schieben. Einmal sind die Löhne daran schuld, dann wieder die Frachten, ein andermal die Steuern und mitunter auch das Geld für das Zerkleinern. Niemand ist um Ausreden verlegen. Aber was erhält denn der Waldarbeiter für einen Lohn? Nach dem jetzt— übrigens gekündigten— Tarifvertrag erhält er einen Spitzen- lohn von 60 Pfennig je Stunde: bei Akkordarbeit einen Zuschlag von 20 Prozent. Zu- dem gibt es in den Forsten Holz in riesigen Mengen und bei dem Daniederliegen der Bau- Wirtschaft sind die Holzpreisc wirklich billig. Jetzt soll nun der Hol.zhändler einen guten Einkauf machen und den Raummeter Brennholz für rund 4 Mark erstehen. Am Friedrich-Krause-Ufer In Berlin, unweit des Nordhafens, will er aber Plötz- lich 10 Mark für den Meter haben: wenn er ihn überhaupt dafür abgibt. Zu einer einzigen Hand ist also der Preis schon um 250 Prozent in die höhe geklettert. Welche hauptsächlichen Unkosten liegen nun eigentlich auf jedem Raummeter Holz? Zuerst das Schälen, d. h. das Entfernen der Borke. Hierfür bekommen Frauen 25 Pf. je Raummeter. Man kann sich vorstellen, daß die Frauen arbeiten müssen wie die Bienen, wenn sie je Tag auch nur ein Zweimarkstück verdienen wollen,„zum Essen bleibt dabei nicht allzuviel Zeit," sagte unser Gewährsmann. Dann muß das Holz vom Wald zum Kahn gefahren werden. Das kostet Fuhrlohn. Wie wir uns unterrichtet haben. erhalten die Fuhrleute hierfür 50 Pf. je Raum- meter. Sie laden jedesmal auf ihr Zweispänner- fuhrwerk 5 bis 6 Meter, dann schaffen sie viel- leicht drei Fuhren am Tag. Bestenfalls haben sie also mit ihren beiden Pferden, die natürlich nicht von der Luft leben, einen Zehnmarkschein ver- dient. Dann kommt der Schifser an die Reihe. Der Mann bekommt für die Fahrt vom Wer- bellinsee bis Berlin-Nordhafen je Raummeter Holz 86 Pf. Hierzu kommen noch kleinere Ab- gaben: Ufergeld 10 M. für jeweils 5 Tage, diese Summe aber umgelegt auf mehr als 300 Meter Kinbertragödie keim t.esen dnixli Gas getötet 3m hause 3ägerstraße 60 tu Neukölln wurde die 13 3ahre alle Lieselotte kroll durch Gas vergiflel in der Küche der eller- licheu Wohnung tot ausgesonden. Wie die polizellichen Ermittlungen ergaben, ist die Schülerin einem tragischen Unglücksfall zum Opfer gefaller». Die Mutter war in der Waschküche und Halle ihre Tochter beauftragt, Kaffee kochen zu gehen. Das Mädchen hatte in der Küche Wasser ausgesetzt und währenddessen am Tisch ein Buch gelesen. Mit einem Tuch säuberte das Mädchen die Maschine, vergaß aber den Gas- Hahn zuzudrehen. Das Mädchen setzte sich noch- mals an den Tisch und las in seinem Buch weiter. Inzwischen strömte das Gas aus. Lieselotte war so eifrig beim Lesen, daß sie nichts merkte: die ausströmenden Gase betäubten sie. Die Mutter wartete vergeblich auf das Erscheinen ihrer Tochter. Als sie die Wohnung aussuchte, fand sie das Kkitd tot auf) Lehrsiellenschwindel �we! Jahre Gefängnis Mit dem dankbar angenommenen Angebot, die zur Entlassung gelangenden Volksschüler i n Lehrstellen unterzubringen, erschien der Elektrotechniker Gerhard S ch w a r tz kurz vor den Schulenllassungen des letzten Jahres bei den Rektoren verschiedener Berliner Volksschulen. izolz, die der Kahn trägt. Dann kommen noch die Bllrounkoslen des Händlers hinzu, Ladestraßen- gebühr 5 Pf. je Tonne, die verschiedenen Steuern, aber das alles muß man doch immer auf den Meter umrechnen und da komme» nie und nimmer 6 M. heraus. So sagten denn auch die Männer vom Holzhandel am Nordhafen, daß vielleicht ein Taler an Unkosten herauskommen mag, der andere Taler ist Verdienst. Das klingt fast unglaublich denn wenn auf einer Zille 375 Raummeter Holz liegen, dann käme man auf einen Gewinn von 1125 M. Hiervon mögen noch 125 M. für sonst etwas abgehen, dann bleibt nach allem Rechnen und nach allem Fragen ein glatter Tausendmarkschem als Gewinn an einer einzigen Ladung Brennholz übrig. Auch wenn der Mann 5 M. für den Meter Holz auf der Auktion gezahlt hat, dann blieben immer noch 600 M. als Gewinn an einer Ladung Holz übrig! Jetzt mag noch ein Berliner Großhändler sich dazwischen schieben, danach der Kleinhändler, der übrigens ebenso jammert wie der Verbraucher, und schließlich kostet eine Bank Holz 85 Pf. Dazu die Ungetüme von Alt-Berliner Oefen mit ihrem enormen Brennstoffverbrauch, jetzt sind wir wieder einmal so weit: in den Forsten verfault das Holz und die armen Berliner sitzen in ungeheizten Stuben und frieren. Das nennt sich dann kapita- listische Wirtschaftsordnung." Hocherfreut erklärten sich die Rektoren bereit, Schwartz das verlangte Adressenmaterial zur Ver- fügung zu stellen. Schwartz besuchte daraufhin die Eltern der Schüler, die in den meisten Fällen froh waren, daß chr Kind so bald eine Lehrstelle fand und die meisten gern die verlangte Kaution von 20 Mark bezahUen. Mit diesem Geld verschwand Schwartz, ohne wieder etwas von sich hören zu lassen. Durch diesen Trick hatte er manchmal ein« Tageseinnahme bis zu 80 Mark. Zwischendurch oersprach er auch Arbeitslosen Arbeit zu verschaffen. In diesen Fällen gab er sich sogar mit Beträgen von wenigen Mark, einmal auch nur mit 86 Pfennig, zufrieden. Die Strafkammer des Landgerichts II verurteille Schwartz wegen fortgesetzten Betruges zu zwei Jahren Gefängnis. Lst das Gasverbilligung? Aus Leserkreisen geht uns folgende B e- sch werde zu, deren Berechtigung. die Gasgesell- schaft zur schleunigen Abhilfe nötigen sollte: Der Kassierer der Gasanstalt kassierte dieser Tag« meinen Dezemberverbrouch an Gas, das heißt 40 Pf. Gasuhrmiete und 2 Kubikmeter Gas a 16 Pf, zusammen 72 Pf. Das ist der Gasgesellschaft zu wenig. Der Kassierer teilte meiner Frau sogleich mit, daß ein neuer Beschluß vor- liege, wonach jeder Gasverbraucher von jetzt ab im Monat 5 Kubikmeter bezahlen müsse, sonst würde der Gasmesser abgeholt werden. Wenn man, wie es bei mir der Fall ist, schon VA Jahre keine Arbeit hat, dann muß an allen Ecken gespart werden, indem man zum Bei- spiel durch Herdheizung am Gas spart. Es kommt sa die Gasmessermieke von 40 Pf. hinzu: nun aber noch fünfmal 16,2 Pf.— 81 Pf. extra bezahlen, das ist doch ein zu starkes Stück. Es ist in letzter Zeit soviel von der Vesbilligung hergemacht worden. In Wirklichkeit braucht der Bielverbaucher nur etwas weniger an Gasmesser- miete zahlen! Soll dieser Aussall vom kleinen Verbraucher für nicht geliefertes Gas wieder wettgemacht werden? Opfer der SA.-Bluttat In dem Befinden des im Neuköllner Kranken- hause schwer daniederliegenden 13jährigen Jung- bannermannes Kurt Frenze! ist bisher noch keine Besserung eingetreten. Der Zustand wird vom Krankenhaus als unverändert be- zeichnet. Leider ist es der Politischen Polizei des Polizeipräsidiums bisher nicht gelungen, auf die Spur der nationalsozialistischen Täter, die Frenze! meuchlings niedergestochen und durch einen Lun- genstich lebensgefährlich verletzt haben, zu kommen. Der Brandstifter Zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt München, 13. Januar. Am 24. Juni v. I. wurde bei einem Speicher- brand der 46 Jahre alte Desinfektor Metz aus München verhaftet. Bei der Untersuchung stellte sich heraus, daß man in ihm den Verbrecher ver- haftet hatte, auf den die seit Juni 1931 mit be- unruhigender Häufigkeit auftretenden Speicher- brände zurückzuführen waren. Durch die Brände ist ein Gebäudeschaden von 73 000 Mark und ein Mobiliarschaden von über 20 000 Mark entstanden. Das Schwurgericht verurteilte den AngeNagten am Donnerstag wegen 29 vollendeter und 12 ver- suchter Verbrechen der Brandstiftung zu 15 Jahren Zuchthaus. Schiff rammt Flugzeug Condoti, 13. Januar. Vor Plymouth stieß ein W a s s e r s l u g- zeug der Lustslotte, das neun Personen an Bord hatte, mit einer Schaluppe des Marinearsenals zusammen. Eine Person der Besatzung des Flug- zaigs ist schwer verletzt, sechs Personen wurden leicht verletzt, eine wird vermißt. Ein Mitglied der Besatzung und ein Passagier der Schaluppe erlitten Verletzungen. Der Zusammenstoß hatte sich ereignet, als das Flugzeug, das aufs Wasser niedergegangen war, wieder aussteigen wollte, wo- bei es mit einem Flügel an die Schaluppe stieß. Es stürzte ins Wasser und wurde teilweise von den Wogen überspült. Wie wird das Wetter? 3n Berlin: Weiteres Sinken der Temperatur. wolkig bis aufheiternd, schwache, meist südöstliche Winde..— Zn Deutschland: In ganz Deutschland sinkende Temperaturen, in Ostdeutschland bis zu minus 15 Grad, in Westdeutschland bis zu minus 5 Grad, in Süddeutfchlaird bis zu minus 8 Grad, in Ostdeutschland zunehmend aufheiternd, in West- deutschland noch ineist bewölkt, keine Schneefälle von Bedeutung. EtalenDiingen für Dlctt Rudrit sind v« r l tu SB w. Lwdl-strab« 3. parteinachrichten für Groß-Nerlin strti an das Brzirkssetreraria. 3. Hot. 2 Treppen recht», zu richte» Beginn aller Beranstaltungen 19% Uhr. sofern keine besondere Zeitangabe? 7. und 8. Kreis. Heute, 17 bis 18 Uhr, Juristische Sprechstunde im Jugend, heim Rostnenstr. 4. Selegenheit zum Kirchcnaustritt. 11. Ztrei». Freitag, 20. Januar, 20 Uhr. Kreisdelegiertenoersammlung im Ge- sellschaftshau» des Westens, Hauplstr. 81...Äeichsparieitag", Referent: Dr. Kurt Löwenstein, M. d. R.— IS Uhr piinltlich Krcisvorstandssthung. 23. Abt. Zur Wahlarbeit bei der Konsumgenossenschaftswahl treffen sich alle Mitglieder am Sonntag, 8>h Uhr, in folgenden Lotalrn: Heintze, Barfus- straste 17; Benz, Secstr. 108; Reichert, Mitllerftr. 88; Kindergarten, Bristol. 'trage. Genossen, erfüllt eure Pflicht! 27. Abt. Die Genossen treffen sich Sonntag, IS. Januar, 9 Uhr, bei Zeuge zur „Vorwärts". Agitation. 4.1. Abt. Sonntag, 15, Januar, um 9 Uhr, treffen sich alle partriaenöffifchen Konfummitglirder bei Kätzler, Graefeftr. 28, zur Konfumwahlhilfe. ZI. Abt. Die Genossinnen und Genossen müssen NM Sonntag, 15. Januar, 9 Uhr, im Lokal von Lux. Huttenstr. 20, sich restlos zur Wahlhilfc bei der Konsumwahl zur Bcrfiiaung stellen. 58. Abt. Die Bertretcrwahl der Konsumgenossenschaft für die 170. Abgabestelle. Banreuther Str. 20, findet Sonntag, 15. Januar, in der Zeit von 9 bis 14 Uhr bei Franzen, Kulckieuthstr. ü. Elte Augsburger Strasse, statt. Helfer und Helferinnen treffen sich im Wahllokal spätestens um 12 Uhr. 92. uud 95. Abt. 80. Berkaufsstelle: Alle Genossen treffen sich am Sonntag von 9 Uhr ab zur Wahlarbeit bei Gricger, Lessingstr. 9. 95. Abt. Sonntag, 15. Januar. 9 Uhr, wichtige Besprechung des neugcwählten Abteilungsvorstantes bei Gricger, Lessingstr. 9. 142. Abt. Heute, Sonnabend, 14. Januar, Generalversammlung bei Beck, am sslugplafc.„Aufgaben des Rcichspartcitages", Referent: Bernhard Krüger. Reuwahl. Seminar für Vohlfahrtspflege. Am Sonnabend, 14. Januar, 14 Uhr, findet eine Besichtigung der D Wohlfahrtsstelle des Polizeipräsidiums mit dem Jugendheim und an- fchliessend daran des Pflegeamtes statt. Beides wird etwa 2 Stunden dauern. Treffpunkt für dl« Teilnehmer 13% Uhr vor der Wehlfahrt». stell» des Polizeipräsidiums, Eingang Diiiksenttraßs. Arbeitsgemeinschaft der kindersreunde. Kreuzberg: Achtung! Unsere Kreisneigungsgebieie kommen vor. läufig nur noch einmal am Mittwoch, l8. Januar, an den bekannten Stellen zusammen. Im Februar fallen die Reigunastreise wegen der Singe- und Sprcchchorproben aus. Die Probe» für dir gemcinfomr -HU Beransialtung der Kindcrfrcundc, Arbeiterjugend und des Sport- .y* lartells finden am Mittwoch, 1., 8.. 15., 22. Februar, pünktlich � Uhr, statt. Alle nchnicn daran teil. Treptow, Laura de Bosis: Iunafallenrat Montag an bekannter Stelle. Rot-, Jung, und Ncstfalken: Dienstag Lichtbildervortrag im Jugendheim Slfenftr. 5. Erscheinen aller ist Pflicht. Zriedrichshai», Stralau: Mittwoch, 18. Januar, 20 Uhr, Iahres-Elisrnver- fammlung, Eosslerstr. 01.— Freiheitsdrang: Sonntag, 15. Januar, 15 Uhr, Frankfurter Allee 307, Falken-Kariieval. Alle müssen erscheinen. Essen mit, dringen.— Landsberger Plag: Sonntag treffen sich alle Rot« Falken 14 Uhr Falkenette. Kreis Webdiug: Morgen. Sonntag, in der Schule Putbusser Sir. 22. Kreis- Veranstaltung. Es werden die Gruppen Schattenbilder zeigen. Beginn 15>h Uhr. Eltern sind eingeladen.— Abi. Humboldthain: Freitag, 20. Januar, 20 Uhr, Elternvcrfammlung in der Schule Putbusser Sir. 22, Zimmer 1. III Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Verlin Einlendungen für diele Rubrik nur an das Jugends-kretariai Berlin SW 0» Lindenftrasse 2 vorn l Treppe recht». I! i I I l I I I l I I!--l-LKi JJ J-i-L I— Ll i-I- M-' Demonstration! Achtung! An Stelle der für morgen, 15 Uhr, ge- � planten Demonstration tritt eine Kundgebung um 10 Uhr an den Gräbern Karl Liebknechts und Rosa Luxemburgs. Wir treffen uns in pi Falkenkleiduug, mit allen Fahnen und Transparenten, um 9ZH Uhr am iH nriedhofseingang. Nach der Kundgebung marschieren wir acschlossen■ ü zum Bahnhof Frankfurter Allee. Wegen der Kirchzeit ohne Tambour. � korps.. Uhr im Heim Lindenstr. 4 Dclcgiertciikonfcreiiz. Zittrilt nur mit Ausweis und Mitgliedsbuch. Alle Genossen, die nicht Delegierte sind, beteiligen sich an der Kundgebung. LB. Rlllköl»!„Cuerschuiti" probt pünktlich um Stzh Uhr Bergstr. 29. Gewerkfchafis fugend Verlin Heute, Sonnabend, 14. Januar, folgende Beranstaltungen: Arbeitsfitzung der Gruppenleiter 19 Uhr im Jugendheim des Scwerlschaftshaufe», Auf» gang v, parterre Zimmer 5. Fortsetzung des Vortrages„Die Bildungs» arbeit in den Gruppen-'.— Morgen, Sonntag: Bestkreis: Jugendheim Lehrter Strasse 18—19. Guthcit kommt.— Südofikreis: Jugendheim des Gcwcrkschafts. Hauses.„Arbeiterschaft und Kunst."— Rordostkreis: Ab 19 Uhr im Jugendheim Danziger Sir. 02.„Det verraten wir nicht..." Eine Inszenierung unserer Mädels.— Rordkrcis: 19 Uhr Treffen Bahnhof Wedding, Reinickendorfer Strasse. Besichtigung der Feuerwache Wedding, Ab 10 Uhr Jugendheim Willdenowftr. 5, Zimmer 13. Schallplattenabend:„Vom Volkslied zum Schlager",— Ztrei» Oderfprcc: Jugendheim Köpenick, Grünauer Str. 5. Bunter Abend.— Süd- kreis: 10 Uhr Führung durch„All.Rirdorf. Treffe» 9 Uhr Alte Schmiede, Richardplatz. Im Jugendheim Bergstr. 29, 19 Uhr:„Eine Reife durch den Orient".— Ostlrcis: Jugendheim Echarnweberstr. 22:„Spanien im Kampf".—- Krcisknrfns 9ih Uhr Jugendheim Grosse Franlfurier Str. 10, Zimmer 5. Kammcrfchaft„Gasag",»KS. Abteilung. Sämtliche Kollegen treffe» stch am Sonntag. 15. Januar, 9 Uhr. am U-Bahnhof Lichtenberg'Fricdrichzfelde fEnd» staiion) zum Ucbuiigsschiessen. Vorträge, Vereine und Versammlungen Reichsbanner„Schwarz-Roi-Gold". > Eelchäktsstelle: Berlin s 14 Eebastianstr 37—38 Hot i Tr. Prenzlaner Berg(Borirupp»: Sonnabend. 14. Januar, pllnktlich _. 15 Uhr, Treffpunkt beider Scharen au: Bartruppeck. Näheres durch -vondereinladung.— Pankow fOrisvereini: Sonnabend. 14. Januar, findet im Restaurant Goeptert, Buch, am Bahnhof Buch, ein Maskenball statt, zu dem all« Kameraden eingeladen sind, Eintritt 00 Pf., Erwerbslose 25 Pf.— Wasser, fpartadteilung, Zug Tegel: Achtung, Handballer! Sonntag, 15, Januar, 9 bis 10 Uhr, gegen Freie Spartvereinigung Tegel, Sportplatz Graf Rödern-Korfo.— Mitte, Iuiiabaniier: Soiintag, 15. Januar, 7>/h UI>r, Rolenthaler Platz, Aus. marsch zur Juilgfernheid«. Bundeskleidung. Arbeiter-Aablo-Bund Deutschlands G. V. Eharlottenbirrg: Freitag, 30. Ja, tzuar. um-30 Uhr, bei Sehmann. Königsweg S, Gruppenabend.— Friedrichshaw: Mpnlaa, 18. Januar, um 20 Uhr. bei Sewalla, Hohenloheftr. 3. Bastelabend.~ Lichtenberg: Freitag, 30. Janitar, um 20 Uhr, Bibliothek Weichfelitr. 28,„Di« Stromguellen des Bastlers".- Neukölln: Freitag. 20. Januar, um 20 Uhr. bei Klemt, Berliner Str. 100, kultureller Bortrag.— Prenzlauer Berg: Dienstag, 17. Januar um 2v Uhr, bei Klug, Berlin RO. 55, Danziger Str. 71, Gruppen- abend.— Köpenick: Donnerstag, 19. Januar, um 20 Uhr. im Restaurant Eisner, Köpenick, Kaifer-Wilhelm-Sir. 3, Srandungsverfammluno.— Kreuzberg. Tempel, Hot: Freitag, 20. Januar, uui 20 Uhr. im Restaurant ftilel«, Zürbringerftr. 9, Gruppenabend.— Spandau: Anschrift Oskar Linke, Eschenweg 10. Freireligiöfe Gemeinde. Sanntag, u Uhr. Pappclalle« 15, Vortrag des Herrn Dl F. Schiff:„Held-nv-r-hrung"._ Sozialistischer Esperanto. Vi, nd. Geschäftsstelle: Berlin R. 58, Ehorincr Strasse 4.,. Dienstag. 17. Januar, von>9'.. bis 22 Uhr, im Metallarbeiter. Verbandshaus, Eifässcr Str. 88 tSitzungsziuimer). Donnerstag, 19. Januar, von 20 bis 22 Uhr, in Reinickendorf-Ost, Jugendheim Lindauer Strasse. sinetiscsti-s Seminar 0er ssnirersiläi. stlontag.deii 16. Januar, abends lOL'hr (7 Uhr), Hörsaal IV, spricht Professor Hersey von der Pensylvania UniversiiSl m Philadelphia Ober.„The emotional life and its eflect upon eflicienci? Eintritt unentgeltlich. � Rognos lächelte ein müdes, nachsichtiges Lächeln.„Ja", sagte er,„er wurde entdeckt. Ein kleines Mädchen hatte ihn gesehen und wiedererkannt. Er hat später erzählt, daß im ganzen Postbüro er selber sicher die meiste Angst gehabt habe.— Wir aber hielten die Sache für spielend leicht, wenn man nur vor- sichtiger zu Werke ging. Es war für uns also mehr ein phantastisches und tollkühnes Aden- teuer, als ein Raubmordversuch. Es war wohl unsere eigene kindische Unerfahrenheit, die uns oerleitete. Daß es ein Menschenleben kosten könne, fiel uns nicht im Traum ein." „Sie schienen aber doch die Verhältnisse an unsrer Post sehr gut zu kennen? Sie wählten die richtige Zeit, auch fanden Sie die 5>inter- tür, die nicht ganz leicht zu finden ist?" „Ich kannte das alles aus Bemerkungen, die Lüdersen dann und wann fallen ließ. Wir hatten doch ein paar Jahre in derselben Pension gewohnt." „Und das furchtbare Wagnis machte Ihnen nicht angst?" Rognos schüttelte den Kopf.„Rein", ant- wartete er.„Wir rechneten aus, daß wir absolut kein Risiko liefen.— Und das war auch an sich richtig. Es ist noch heutigentags nicht aufgeklärt." Berger sah ihn verwundert und verständ- nislos an.„Ja, aber wie?" „Ganz einfach. Was wir zunächst als ausgemacht betrachteten, war, daß keine Menschenseele darauf kommen würde, uns beide zu verdächtigen." „Wie konnten Sie da so sicher sein?" „Fragen Sie lieber, warum wir nicht sicher sein sollten. Wenn Sie heute nacht hier in Oslo einen Geldschrank aufbrechen und nicht die kleinste Spur hinterlassen, glauben Sie, es wird einem einzigen Menschen ein- fallen, Sie mit dem Verbrechen in Verbin- dung zu setzen?" Berger war einen Augenblick verblüfft über die Richtigkeit der Schlußfolgerung.„Sie haben recht", murmelte er.„Das habe ich nicht bedacht." „Run ja. Und das taten auch andre nicht. Es galt also, unfern Putsch durchzuführen, ohne das jemand iah, wer wir waren. Danach galt es, zu verschwinden, ohne die leiseste Spur zu hinterlassen. Letzteres erschien uns als das schwierigste. Es kostete wenigstens eine Masse Nachdenken. Wir mußten, ehe wir uns entschieden, die Durchführbarkeit unsrer Pläne allen erdenklichen Eventuali- täten gegenüber ausprobieren. Und das er- wies sich auch als sehr nützlich. Nein, was uns unter den Händen zerbrach, war die Tat an sich." „Sie hatten nicht auf Widerstand g«- rechnet?" „Nein, und auch nicht damit, daß wir selber von Panik ergriffen werden sollten." Bergers Stimme zitterte:„Und das ge- schah?" Rognos erhob sich schwer atmend.„Ja", sagte er,„das kann man wohl sagen." Er ging ein paarmal im Zimmer auf und ab, während Berger, den Rücken ihm zuge- wandt, wartete, ohne sich zu rühren. Dann setzte er sich wieder. Und er sah Berger mit seinem reglosen und tödlich ernsten Gesicht an.„Ist nicht der Raubmörder Rognos ein fürchterlicher Mensch?" Berger sah ihn unverwandt an. vermochte aber nicht zu antworten. „Weiter", sagte er. Die Kehle war ihm trocken und die Spannung benahm ihn: die Kraft, irgend etwas außer den nackten Tat- fachen zu denken. Rognos zuckte mit den Augenbrauen, dann kreuzte er die Arme über die Brust und sah mit leicht gesenktem Kopf vor sich hin. „Was sich auf dem Postamt zutrug, wissen Sie", sagte er.„Oder besser gesagt: Sie glauben es zu wissen. Es ging nämlich nicht so vor sich, wie die Zeitungen es nach- her rekonstruierten." Eine Falte des Unwillen flog über Bergers Stirn. „Sie meinen, wir haben übertrieben?" Rognos schüttelte abwehrend den Kopf. .Las nicht. Was Sie anbetraf, hatte alles seine Richtigkeit. Zum Teil auch Lüdersen. Nein, ich meine den„Mord". Es war nämUch kein Mord, es war fahrlässige Tötung." „Fahrlässige Tötung?" „Glauben Sie denn noch mtmer, daß mtr vorhatten, zu töten?" „Ja. ich glaube noch immer, daß Sie mich erschossen hätten." Das Halsstarrige dieser Antwort machte Rognos einen Augenblick verstummen. „Darauf kommen wir später noch zurück", sagte er.„Inzwischen war nämlich etwas Entscheidendes geschehen, was das Ver- brechen verschlimmert hatte, so daß wir ent- kommen mußten— es koste, was es wolle. PtgurU Christiansen, Wieder machte er eine Pause, und beide waren jetzt sehr blaß geworden. Berger zog sich etwas scheu zusammen. „Quisthus?" fragte er leise. „Ja, Quisthus. Der lag hinter uns, und wir wußten nicht, lebte er oder war er tot?" „Wie kam das alles?" „Das weiß ich kaum. Ich sah bloß, wie die beiden vor meinen Augen unerwartet aufeinanderprallten. Quisthus. ohne Ahnung einer eigentlichen Gefahr, vertrat ihm den Weg. Später erfuhr ich, daß er ihm den Revolver zur Seite geschlagen hat. Diesen Schlag bekam er zurück. Wie hart er war, weiß ich nicht, aber getroffen hat er ja. und zwar unglücklich. Er trug ja seine Kasse unterm Arm und mit der ist er wohl aus- gerutscht und zu Boden gestürzt, ohne sich an etwas festhalten zu können.—— Da war der„Mord". Nach chm zu sehen, hatten wir keine Zeit. Wir mußten fort um jeden Preis. Wir hätten selbstverständlich sofort entfliehen können. Wir taten es nicht. Ich weiß nicht, warum wir uns nicht einigten. Möglich, daß wir— ohne uns darüber klar zu fein— meinten, wir wollten nun auch wenigstens was davon haben." Berger betrachtete ihn ungläubig. „Sind Sie ganz sicher, daß es sich mit Quisthus so zugetragen hat?" Rognos nickte kurz.„Ja", antwortete er. „Stimmt es nicht mit dem, was die Zeitun- gen berichteten? Sie sahen ihn doch selbst. Er lag mit dem Geücht zur Erde, mit zer- schmetterter Stirn. Von dem Schlag selbst hatte er nur ein paar ganz unbedeutende Verletzungen abgekriegt." Berger strich nervös mit der einen Hand über die andere. „Sie haben recht", sagte er-„Und dann — dann kam also Lüdersen?" „Eigentlich kam er ja nicht. W i r kamen. Und er war überraschter als Quisthus. Und sehr viel ängstlicher. Er hat sich weiß Gott nicht aus Heldenmut gewehrt und sicher mit keinem Gedanken an die Kaste gedacht.— Es mag verrückt klingen, aber diese Ueber- zeugung hat mich später am allermeisten an ihm geärgert." Berger schüttelte verständnislos den Kopf. „Aber warum hat er denn gekämpft?" „Aus Furcht. Die Panik, die ihn ergriffen hatte, war ebenso groß wie unsre." „Darum also?" „Darum!" Sie hatten sich jetzt beide in eine fieber- hafte Nervosität hineingesteigert. Jetzt näher- �Karriere Wovelle aus den Jlnf äugen Soirjelruftlauds/ Ton 9. fßnhel Ich verließ die auseinandergesallene From im November des Jahres siebzehn. Zu Hause richtete mir mein« Mutter die Wäsche, packle mir Ztvie- back ein. Nach Kiew geriet ich am Vorlage des Bombardements durch die Weißen. Mein Weg führte nach Petersburg. Zwölf Tage saßen wir in einem Gaschauskeller. Den Passierschein für die Ausreise bekam ich vom Kommandanten des sowjetistischen Kiew. Drei Tage vergingen, bevor der erste Zug ab- fuhr. Zuerst blieb er nach jedem Kilometer stehen, dann nahm er Anlauf, die Räder ratterten heißer, stimmten ein starkes Lied an. In dem geheizten Liehwagen hat das uns alle glücklich gemocht. Schnelle Fahrt hat im Jahre achtzehn die Men- schen glücklich gemacht. In der Rocht zuckte der .Zug und hielt. Di« Tür des Wagens wurde aui- gerissen, das grüne Leuchten des Schnees fchim- mertc hindurch. In den Wagen kam ein Bahn- telegraphist herein, in einen Schafspelz gehüllt, der mit einem ledernen Strick zusammengebunden war, und in weichen kaukasischen Stieseln. Der Telegraphist streckte die Hand aus und klopfte mit den: Finger auf den offenen Handteller: „Die Ausweise hierher..." Ein Bauer mit einer dreieckigen Pelzmütze, deren Schnüre sich gelöst hatten, führte mich hinter einen vereisten Holzstoß und begann mich zu unter- suchen. Aus Wolken hervor leuchtete uns der Mond. Die bläuliche Wand des Waldes rauchte. Klamme, erfrorene Finger krochen auf meinem Körper herum. Der Bauer näherte mir sein zer- knülltes, besorgtes Gesicht, riß von der Unterhose vier goldene Zehnrubelstücke weg, die Mutter für den Weg eingenäht hatte, zog mir die Stiefel und den Mantel aus, drehte mich um, klopft« mit der Handkame auf meinen Nacken und sagte: „Lauf..." Ich ging barfuß über den Schnee. Eine Schieß- scheide schien sich auf meinem Rücken zu entzünden, der Mittelpunkt der Scheibe lag über der Rippe. Der Bauer schoß nicht. In den Säulen der Fichten, in der überwölbten Tiefe des Waldes wankte ein Flämmchen im Kranze purpurnen Dunstes. Ich lief auf ein Wärterhäuschen ini Wald« zu, das vom Dunst der Korneelkirsche umgeben war. Der Waldwärter stöhnte als ich in die Bude eindrang. Mit Streifen unnvickelt, die aus Pelzen und Militänrninteln herausgeschnitten waren, saß er auf einem samtenen Bambusstühlchen und zer- krünielte Tabak auf seinen Knien. Der Wärter stöhnte, stand auf und verbeugte sich tief vor mir: „Geh weg, Väterchen... Geh weg, lieber Bürger..." Er führte mich aus den Pfad und gab mir einen Lappen, m» die Füße einzuwickeln. Ich schleppte mich am späten Morgen in ein Städtchen. Jnr Krankenhaus gab es niemtnd, um meine erfrorenen Füße abzuschneiden. Als die Füße geheilt waren, mochte ich mich weiter auf den Bettelweg. Der Laus einer Haubitze diente mir als Deckung auf der Strecke Nowo-Sakolniki— Lochnia. Wir fuhren auf einer offenen Plattform. Fedsucha, zuiälliger Weggenosie, der den großen We� der Deserteure zurücklegte, war em Märchvnerzählsr, Witzbold und Spaßmacher. Wir schl seien unter dem mächtigen, kurzen, hochgekippten Kanonenlauf und wärmten uns einander in einer Sackleinen. grub«, die mit Heu ausgelegt war wie ein Tier- lager. Hinter Lochnia stahl Fedfucha mein Köster- chen und verschwand. Zwei Tag«— wir näherten uns Petersburg— mußte ich hungern. Auf dem Zarfkoßselski-Bahnhof inachte ich die letzte Schießerei mit. Ein Absperrungs-Detachement schoß zum Willkomm des anfahrenden Zuges in die Luft. Schieber wurden auf den Bahnsteig geführt, man riß ihnen die Kleider vom Leibe her- unter. Aus dem Asphalt, neben echten Menschen. stürzten menschliche Gummiglieder, die mit Spiritus vollgefüllt waren. Ilm neun Uhr schleuderte mich der Bahnhof aus seinem heulenden Gefängnis auf die Sagorodny-Perfpektive heraus. An der Wand, über die Straße, vor einer vernagelten Apotheke, zeigte das Thermometer vierundzwanzig Grad Frost. Im Tunnel der Gorochowafa-Straßc donnerte der Wind: über dem Kanal verhauchte ein Gas- brenner. Das basaltene, vereist« Venedig des Nordens stand reglos. Ich kam in die Gorocho- waja wie auf ein felsenbestreutes Eisfeld. Im Haufe Nummer zwei, im ehemaligen Gebäude der Stadthauptmannschaft, befand sich die Tscheka. Zwei Maschinengewehre, zwei eiserne Hunde, standen mit hochgehobenen Mäulern im Vestibül. Ich zeigte dem Kommandanten einen Brief von Wanja Kalugin, meineni Unteroffizier aus dem Schujski-Regiment. Kalugin war Unter- suchungsrichter in der Tscheka geworden: er for- derte mich in seinem Brief auf, zu ihm zu kommen. „Geh ins Anitschkost-Palais," sagte der Kommandant,„er ist jetzt dort..." „Ich komme nicht mehr hin," und ich lächelte zur Antwort. » Die Milchstraße der Newski-Perfpektive floß in die Fern«. Ein Greis, der wie ein Gardesoldat aussah, zog einen spielzeugartigen, geschnitzten Schlitten an mir vorbei. Mit Anstrengung rammte er lederne Füße ins Eis ein, auf seinem Scheitel sah ein Tirolerhütchen, ein Bindfaden hielt den in ein Halstuch hineingestopften Bart zusammen. ..Ich komme nicht mehr hin." sagt« ich chm. Er blieb stehen. Sein zerfurchtes Löwengefichl war voller Ruhe. Er dachte über sich nach und schleppte den Schlitten weiter. An der Anitschkost-Brücke setzte ich mich auf den Vorsprung einer Bildfäule. Mein Ellbogen schob sich unter den Kopf, ich streckte mich auf der po- lierten Platte aus, aber der Granit versengte mich, stieß mich in die Höh« und schoß mich ab. Ich stürzte zum Palais. In dem preißelbeerfarbenen Seitemtägel stand die Tür auf. Ein blauer Gasbrenner glänzte über einem im Seffet eingoschlaienen Lakai. Vom runzeligen, aschfahlen Gesicht fiel die Unterlippe herab, lichnibergossenez Miiitärhemd ohne Gürtel bedeckte die mit einer Goldborte benähte Hofhose. Ein zottiger Tintenpfeil zeigte den Weg zum Kom- mandamen. Ich stieg die Treppe hinaus und ging durch leere, niedrige Zimmer. Frauen, schwarz und düster bemalt, spielten Reigen auf den Pia- sonds und Wänden. Metallische Gitter verdeckten die Fenster,'an den Rahmen hingen abgebrochene Gardinenstäb«. Am Ende der Zinnnerfiucht, be- leuchtet wie auf der Bühne, saß am Tisch mir rundgeschnittenem, strohfarbene» Bauerichaar— Kalugin. Vor chm, auf dem Tisch, lag ein Berg Kinderspielzeuge, bunte Läppchen, zerrissene Bilder- bücher. „Da bist du ja," sagte Kalugin, den Kopf hebend, „'n Tag... Du Haft uns hier gefehlt..." Ich schob mit der Hand das Spielzeug beiseite, legte mich aus die glänzend« Tischplatte und... «ächte— es vergingen Augenblicke oder©bev den— auf einem niedrigen Divan auf. Di« Strahlen eines Lüfters spielten über mir im gläsernen Walsersall. Die von mir abgeschnitto- nen Lumpe» lagen auf dem Fußboden in an- gelaufenen Pfützen umher. „Baden", sagte Kalugin, der am Divan stand. hob mich aus und trug mich in Sie Badewanne. Die Wanne war altertümlich, mit niedrigen Rän- dern. Aus den Hähnen floß kein Wasser. Kalu- gin begoß mich mit einem Eimer. Aus creme- gelbe» Allaspüsten, auf geflochtenen Stühlen ohne Lehne war Kleidung ausgebreitet: ein Morgen- rock mit Häkchenoerschluß, ein Hemd und Socken ten sie sich dem Punkt, der für sie beide der entscheidende war Berger atmete schwer. „Und dann kamen Sie zu mir?" sagte er. „Ja— dann kamen wir zu Ihnen. Aber, wären Sie nicht zuerst in der Tür erschienen, hätten wir uns sicher nicht die Zeit ge- nommen, Sie zu suchen. An der einen Tür hatte ich schon vergebens gerüttelt. Und wir mußten fort. Da rief mir mein Freund zu — denn nur er hatte Sie gesehen— da nebenan wär' noch einer. Und da stürzte ich zu Ihnen hinein. Das übrigen wissen Sie." Berger wandte sich halb um und sah ihn erregt W„Hätten Sie geschossen?" fragte er. Rognos preßte beide Handflächen gegen die Stirn und sah müde vor sich hin, ehe er antwortete „Das habe ich mich auch gefragt", sagte er. „Und was haben Sie sich geantwortet?" Das kam mit einer fast irrsinnigen Ge- spanntheit heraus. Da hob Rognos sein Gesicht. „Am liebsten würde ich Nein antworten". sagte er.„Aber wenn ich ehrlich gegen mich sein will, muß ich antworten: Ja— ich hätte geschossen Sie zögerten so lange, und wir hatten keine Sekunde zu verlieren— bei all den verbrecherischen Dingen, in die wir uns bereits verstrickt hatten. Wenn ich mir vorstelle, in welcher wahnsinnigen Er- regung ich war und wie fieberhaft ich aufs Wegkommen drängte, ist es mir noch heute unfaßlich, daß ich nicht losgedrückt habe." (Fortsetzung folgt.) aus gewickelter, doppelter Seide. Die Unterhose ging mir über den Kops, der Morgenrock war aus einen Giganten zugeschnitten, mit den Füßen trat ich mir aus die Aermel. „Mit dem war nicht zu spaßen, mit Alexander Alexandrowitsch", sagte Kalugin, meine Aermel Hochrolleich,„der Knabe wog gute drei Zentner." Wir hoben den Morgenrock des Kaisers Alex- ander III. irgendwie hochgesteckt uno kehrten in das Zimmer zurück, in dos ich zuerst gekomme» mar. Es war die Bibliothek der Kaiserin Maria Feodorowna, ein paksümiertcs Schächtelchen mit an die Wände gedrückten, vergoldeten, hincheer- iarbenen Schränken. Wir tranken Tee. in oen kristallenen Wänden der Gläser zerjchmvlzen Sterne. Wir aßen dazu Wurst aus schwarzem und feuchtem Pferdefleisch. Bon der Weit trennte uns die dichte und leichte. Seide der Gardinen: die in die Decke eingelassene Sonne glitzerte und leuchtet«: schwüle Hitze hauchte von den Röhren der Dampfheizung. „Aber jetzt", sagte Kalugin. als wir mit der Wurst fertig wurden. Cr ging irgendwo weg und kam mit zwei Kisten zurück: einem Geschenk des Sultans Aboul-Hamid für den russischen Kaiser. Die eine Kiste war aus Zink, die andere «ine Zigarrenschachtel, die mit Bandern und Papierorden überklebt war.„A Sa Majeste, l'Euiperour des toutes les Russieg"(Seiner Majestät, dem Kaiser aller Reußen) war auf dem Zinkdeckel eingraviert—„vom wohlwollenden Vetter". Moria Feodorowna? Bibliothek füllte sich mit einem Aronw, das ihr vor einem Vierteljahr- hundert vertraut war. Die Zigaretten, zwanzig Zentimeter lang und fingerdick, waren mit rosa- sarbenem Papier umwickelt: ich weiß nicht, ob noch jemand in der Well außer dem russischen Meinherrscher solche Zigaretten geraucht hat, aber ich habe eine Zigarre gowähll. Kalugin sah mich lächelnd an. »„Greif nur zu", meinte er.„sie sind ja nicht ge.zähll. Die Lakaien haben mir erzählt, Alex« ander III. sei ein leidenschaftlicher Raucher ge- wesen, liebte Tabak, Kwas uno Ehampagner... Und auf dem Tisch bei ihm, schau Groschenaschen- becher aus Ton, und auf den Hofen— Flicken." • In der Tat, der Morgenrock, mit dem man mich bekleidet hatte, war fettig, glänzend und viel- fach geflickt. Den Rest der Nacht verbrachten wir beim gor- tieren der Spielzeuge Nikolaus II., feiner Trom- mein und Lokomotiven, feiner Taushemdchen und Hefte mit kindlichem Gekritzel. Msnahmen der in frühem Kindesaltcr verstorbenen Großfürsten, ihre Haalocken, Tagebücher der dänischen Prin- Zessin Dagmar, Briese von ihrer Schwester, der englischen Königin, atmeten Parfüm und Moder, zerbröckelten in unseren Fingern. Auf Den Titelseiten der Evangelien und der Werke Lamartines nahmen Freundinnen und Hossröuleins— Töchter von Bürgermeistern und Staatsräten— in schrägen, sorgfältigen Zeilen Abschied von der nach Rußland verreisenden Prinzessin. Bis zum Tagesanbruch konnten wir uns von dieser Chronik nicht losreißen. Die Zigarre von Aboul-Hamid war zu Ende geraucht. Am Mar- gen führte mich kalugin in die Tscheka in der Gorochowasastraße. Er sprach mit Uritzki. Ich stand hinter einein Borhang, der in Tuchwellen zu Boden fiel. Feyen von Volten drangen zu mir hinüber. „Der Junge tst gut, unsereiner", erzählte Kalu- gm,„der Bater. ein Krämer, handelt, aber der Junge ist zu uns gestoßen... Kennt Sprachen." Der Kommissar für Jnnenangeiegenheiten der Kommunen des Nordgebietes trat in seiner wackelnden Gangart aus dem Arbeitszimmer. Hinter den Gläsern des Zwickers quollen von Schlaflosigkeit versengte, gelockerte, gedunsene Lider hervor. Man machte mich zum Dolmetscher bei der Zremdenabteilung. Ich erhielt Soldotenunisorin und Anweijungen auf Mittagessen. (Deutsch von 3. Amburlki.Zch Uderts Reichsregierung und Agrarierwünsche Der Weg zum agrarpolitischen Selbstmord Die'.keichsregierung will den randalierende» Großagrariern weitgehend« Zugeständnisie machen. Rur das Ausmaß ist offen. Aus den Darlegungen des Frecherrn oon Broun kann man entnehmen, daß die Regierung erstens gewillt ist, den Vollstreckungsschtth für die ganze Landwirtfchait noch erheblich Zu erweitern. Bisher war allen Land- Wirten ein Schulz vor Zwangsversteigerungen zugebilligt worden, wenn sie ein Unwetter traf oder wenn die Preise sür ihre Verkaufserzeugnisse hinter dem allgemeinen Stand der Preise für land- wirtschaftliche Erzeugnisse jurückblieben Außerdem durste bei kleineren Forderungen der Ge- richtsvollzieher nicht das zur Ernährung des Landwirts und seiner Familie er- forderliche Vieh sowie die notwendigen Vorräte pfänden. Nach den neuen Absichten sollen Vieh und Borräte überhaupt nicht mehr pfändbar sein, so daß alle Gläubiger der Landwirtschast auss Trockene gesetzt werden könnten. Forderungen gegen einen Landwirt werden dann nicht mehr «intreibbar sein. Das wäre ein völlig unmöglicher Zustand: der Landwirtfchast würde kein Mensch noch etwas gegen Kredit verkaufen. Besonderer Schuh sür bankrotte Ostjunkec. Die Ostagrarier gehen aber noch weiter. Das O st h i l f e- S i ch e r u n g s v e r f a h r« n ist be- kanntljch außerordcnllich langsam durchgeführt worden. Die Folge war, daß die Kreditinstitute Bilanzen der amerikanischen Banken zum Ausdruck Während in den Jahren ISN und 1931 die Kreditoren sorllanfend zusammen- schrumpften und auch die übrigen Posten immer stärker zurückgingen, ist nach bisherigen Mitrei- lungen bei fast allen größeren Banken dieser Schrumpfungsprozeß im Laufe des Jahres 19.32 zum Stillstand gekommen und hat einer neuen Aufwärtsentwicklung Platz gemacht. So erhöhten sich z. B. bei der C h a s e Na- iional Bank, gegenwärtig der größten Bank der Vereinigten Staaten, die Einlagen im Laufe des letzten Vierteljahres 1932 von 1429 auf 14K6 Millionen Dollar Bei der Guaranty Trust C o. stiegen sie in der gleichen Zell von 1992 auf 1939 Millionen, nachdem sie Ende Mörz 1932 nur 893 Millionen Dollar betragen hotten. Die zum Bankhaus I. P. Morgan u. Co. gehörende Bankers Trust Co. zeigt sür das letzte Vierteljahr eine Erhöhung der Einlagen von 583 der ostdeutschen Landwirtichast die Zinsen sür ihre Pfandbriefe nur noch mit Reichshille bezahlen konnten. Jetzt hätte der Abbau des Sicherungsverfah- rens eriolgen müssen; alle nicht mehr sapie- rungssähigen Güter sollten, weil es wirklich nicht mehr anders ging, dem Zugriff der Gläubiger überlassen werden. Der Reichskanzler selbst hat in seiner Rundfunkrede davon gesprochen, daß in den nächsten Monaten 389 999 Morgen frei werden und zur Siedlung zur Verfügung stehen. Dagegen rebellieren die Junker. Sie fordern nicht nur die Möglichkeit, neu« Sicherungsver- fahren zu eröffnen, fondern auch, daß die aus den Sicherungsverfahren wegen völliger Zer- rüttung ausscheidenden Betriebe unter einen neuen Vollstrcckungs- schütz gestellt werdenl Die guten Be° Ziehungen zwischen den ostelbischcn Großagrariern und dem Reichspräsidenten können hier geradezu verhängnisvoll werden! Autonome Zölle. Außerdem soll die Reichsregierung aber auch die Zölle sür landwirtschaftliche Erzeugnisse zukünftig nicht mehr in Handelsverträgen festlegen, so daß die Zölle jederzeit erhöht werden können. Herr von Braun hat wohlweislich seine Karten nicht ausgedeckt. Neben Kartoffeln, Gemüse und Obst dürfte es sich aber vor allem um die Erhöhung der Schmalz-, Käse-, Fleisch- und V i e h z ö l l e handeln; Herr von Braun sprach ausdrücklich von der Notwendigkeit, auch etwas Kartellsorgen Um die Verlängerung des ostelbiscben Braunkohlensyndikats Die Generalverfammllmg des Ostelbischen Braunkohlensyndikats hat die Ver- längerung des Syndikatsvertrages bis zum 31. März 1936 mit Mehrheit, aber keineswegs einstimmig beschlosien. Einige Gesellschaften. darunter die Senftenberger Kohlenwerke A.-G. und die Hallesche Pfännerschast(Mansseld- Konzern), haben wegen Nichterfüllung ihrer Quotenwünsche gegen die Verlängerung ge- stimmt. Danach ist durchaus möglich, daß nach dem 31. März diese» Jahres, noch Ablauf des alten Vertrages, die opponierende Gruppe als Außen» zur Hebung der Viehpreisc zu tun. Die von ihm angeführten Gründe sind olles andere als beweiskräftig. Ganz besonders muß der Versuch zurückgewiesen werden, der Oesfentlichkeit weiszumachen, daß in Deutschland die Viehproduktion gegenüber dem Ausland nicht geschützt sei. Zollerhöhungen und Einsuhrerschwerungen sind so reichlich erfolgt, daß nur noch eine sür die Preisbildung in Deutschland völlig bedeutungslose Einfuhr besteht. Trotz ihres Tiefstandes sind die deutschen Preise viel günstiger als die im Ausland. In Deutschland kosten z. B. die Ochsen je Zentner Lebendgewicht 39 Mark, in Dänemark 11 Mark, die Schweine in Berlin 34 Mark, in Kopenhagen 22 Mark. Wir empfehlen der Reichsregie- r u n g die Lektüre der ihr so nahestehenden „Deutschen Bergwerkszeitun g". Hier wird richtig ausgeführt, daß alle weiteren zoll- und einfuhrpolitischen Aktionen nichts mehr helfen, wenn es nicht gelingt, die Millionen deutscher Menschen, die keine Kaufkraft mehr hoben, wieder kaufkräftig zu macheit. Oder die ihr noch näher stehende„DAZ.", in der es heißt;„Was sucht denn die Landwirtschaft eigentlich— mehr Käufer oder noch mehr Arbeits- lose, als wir so wie so schon haben?" Erweiterter Vollstreckungsschug, noch stärkere Besitzerhallung für bankrotte Junker, autonome Zölle und Vernichtung des Exports— das sind ebensoviel Wege zum wirtschaftlichen Abgrund, auch der Landwirtschaft. Eine Regierung oerübt Selbstmord, die diese Wege geht, s e i t e r gegen das Syndikat austritt. Die Reichs- regierung kann die Außenseiter zwangsweise dem Syndikat beischließen, ist dazu aber nicht mehr gesetzlich verpflichtet. Es ist allerdings damit zu rechnen, daß doch noch eine Einigung zustande kommt, da die P e t s ch e k- G r u p p e. die das Syndikat beherrscht, einem Konkurrenzkampf am offenen Markt sicher mst gemischten Gefühlen ent- gegensieht. Dabei könnte nämlich über die Ge- schäftsproxis der Petscheks mehr bekannt werden. als ihnen lieb ist. Der britische Handel Die Bilanz des letzten Jahres Das britische Handelsministerium veröffentlicht jetzt die Bilanz des Außenhandels für 1932. Im Vergleich mit dem vorhergehenden Jahr sind ganz beträchlliche Verschiebungen, besonders auf der Seite der Warenimporte, eingetreten, die durch die Entwertung des Pfundes und Englands Schwenkung zum Hochschutzzoll bedingt sind. Die Einfuhr ist von 862,1 auf 793,1 Millionen Pfund gesunken, der Export von 389,1 auf 365,1 Millionen Pfund. Bei rund 59 Millionen Pfund Wiederexporten wird ein Einfuhr- Überschuß von 287,98 gegen 498,9 Millionen Pfund im Jahre 1931 ausgewiesen. Bei einem gegenwärtigen Kurs des Pfund Sterling von rund l 4 Taldmark einspricht die Passivität der britischen Handelsbilanz einem Wert von vier Milliarden Goldmark. Die Herabdrückung der Passivität der Handels- brlanz ist« r h e b l i ch. Es ist aber verfehll, aus dieser Taffache eine Besserung des britischen Außenhandels zu folgern, denn bei der noch völlig ungeklärten Währungslage in England und der gleichfalls noch offenen Frage der weiteren Wirkungen der Zollpolitik auf die in- ländische Wirtschast, kennt man noch nicht die Kosten aus der Gegenseite. Ebenso spiegelt die zahlen- mäßig geringe Senkung des Exportes nicht die wahre Entwicklung wider, da im Jahre 1931 noch bis zum Septeniber in Goldpfunden(29,4 Mark) gerechnet wurde, im letzten Jahre ober der Durch- schnittskurs des Pfundes nur noch 14 bis 14,59 M. betrug. Umgerechnet in Goldwährung beträgt nämlich der Exportwert 1932 nur 5,1 gegen 7,1 Milliarden Mark, so daß die Schrunipfung nahe an 39 Pro.;, heranreicht. Jnteressmü im Hinblick auf die erwartete„Exportprämie" aus der Pfundentwsrtung ist, daß der Export von Fertig- f a b r i k a t e n verhältnismäß'g am stärksten zurückgegangen ist. Schweizer X.ontingentspleite Die Schweiz Hat mit ihrem rigorosen Handels- politischen Kontingentssystem völligen Schiff- bruch erlitten Das Jahr 1932 weist einen Rekord des Einfuhrüberschusses mit 961,7 Mil- lionen Schweizer Franken(1 Frank~ 81 Gold- picnnig) auf. Die Passivität im Jahre 1931 betrug 992,4 und 1939 nur 891,4 Millionen Franken. Die Einsuhr ist um 488,8 auf 1762,7 Millionen Franken um 21,7 Pro;., die Ausfuhr dagegen um 4 9,6 P r o z.(!) um 547,8 auf 891 Millionen Franken gesunken. Das Ergebnis des Schweizer Außenhandels ist ein weiteres vernichtendes Beispiel für die Rückschlagsgefahren der Kontingentspolitik.« ()uotenkainpk der Eisenländer In Brüssel finden jetzt Verhandlungen wegen eines Neuaufbaues des I n t e r n a t i o» nalen Rohstohlkartells stall. Auf der Tagung sind Deutschland, Frankreich, Belgien. Luxemburg und das Saargebiet vertreten. Zur Debatte steht als wichtigster Punkt die Fest- legung der Exportquoten, in dem bis- her noch keine Verständigung erzielt werden konnte. Die belgisch-luxemburgische Eisenindustrie, die im Jahre 1932 bei den Tiefstpreisen am stärksten den Weltmarkt belieferte, fordert für die Quotenfestsetzung den Export-Iahresdurchschnllt 1932. Da Deutschland sich aber im letzten Jahr vom Export wegen der Verlustpreise fast völlig und Frankreich sehr stark zurückgehalten hatte, erklärten die Vertreter beider Länder eine Quotenfestsetzung aus der Basis von 1932 für undiskutabel. Vorläufig sind die Verhandlungen um die Wiedererrichtung des Internationalen Stahlkartells damit auf dem toten Punkt angelangt. Gegen Großaktionäre Die Kleinaktionäre der R ü t g e r s w e r k e A.-G., die gegen die Beschlüsse der letzten General- Versammlung geklagt hallen, haben in erster In- stanz einen wichtigen Erfolg gehabt. In dieser Generalversammlung war die Herabsetzung des Kapitals von 89 auf 27,8 Will. Mark be- schlössen worden, wobei im wesentlichen die Stammaktien im Verhältnis 2 zu 1 zusammengelegt und außerdem 29 Proz. des Nominal- betrage» in bar zürückgezahli werden sollten. Es bestehen aber noch 8 Miit Mark Aktien, die vor allem die Deutsche Bank besitzt und auf die bisher 25 Proz. eingezahll waren. Die Restzahlung auf diese Aktien sollte unterbleibe» und die Aktien sollten ganz eingezogen werden. Gegen diesen Beschluß wandten sich die Klein- aktionäre. Die Großaktionäre sollten die Rest- Zahlung von 6 Will. Mark leisten und dan« wie die anderen Stommaktionöre behand»y werden. Dos Gericht hat sich dieser Ansicht ange- schlössen und den betreffenden Generalversamm- lungsbeschluß für nichtig erklärt. Die Rütgers-Verwallung und die Großaktionäre erklären, daß alle Beschlüsse eine Einheit bildeten und daß sie, falls das Urteil in den höheren In- stanzen bestätigt würde, einen anderen Kapital- herabsetzungsplan vorschlagen müßten Die Bar- auszahlung der 29 Proz. unterbleibt jedenfalls bis auf weiteres. Neue Bemberg-verluste. Die I. P. B e m b e r g A.- G.. deren Aktien in letzter Zeit von der Börsenspekulation in größerem Umsange getaust wurden, kommt jetzt mit dem kalten Wasserstrahl einer neuen Verluststeigerui'g. In einer Erklärung der Verwaltung heißt es, daß im ersten Halbjahr 1932 der Umsatz noch um 29 Proz. gesunken sei und daß der für 1931 ausgewiesene V e r l u st von 3,23 Millionen sich im letzten Jahr noch erhöht habe. Daten zur Konjunktur Gebesserte USA.-Konjunktur in Zahlen Die Elnzelmeldungen über eine Wiedererhöhung der industriellen Produktion in den Bereinigten Staaten werden durch eine inter- essante Statistik bestätigt, die von den Elektrizitäts- werken veröffentlicht wird. Es handelt sich hierbei um eine Erfassung des Stromverbrauchs von 3899 industriellen Unterneh- m u n g e n; da diese Unternehmungen seit Jahren durchweg weitgehend elektrifiziert sind, bildet der Umfang ihres Elektrizitätsverbrauchs ein ausge- zeichnetes Konjunkturbarometer. Die folgenden Zahlen zeigen, daß in der Tat bei fast allen In- duslliezweigen eine deutliche Wiederbelebung eingetreten ist. Die Basis für die Errechnung dieser Indexziffern bildet der monatliche Elektri- zitätsverbrauch im Durchschnitt der Jahre 1923 bis 1925. Entwicklung der USA-Znduslrie (1923—1925— 190) Industriegruppe Aug. Sept. Okt Nov. Automobilindustrie____ 33,7 36,5 37,7 47,3 Chennsche Industrie... 116,6 126,8 129V 132,3 Nahrungsmi! telgewerbe 123,2 129,5 118,9 121,3 Eisen- u Stahlindustrie 44,0 50V 54,8 57,7 Mo lallverarbeitung____ 45V 51,8 53,0 55V Lederindustrie........ 82,2 93,7 93,7 95,4 Holzindustrie......... 69,8 80,6 88V 95,5 Papierindustrie....... 94,7 107,4 111,3 112,8 Gummiindustrie....... 76,4 87,7 86,5 93,0 Schiffbau............. 77,9 84,0 72V 84,9 Erd-, Stahl- u. Glasind. 71,8 99V 84,3 82.8 Textilindustrie-........ 65,7 86,7 94,8 92,7 Sämtliche Industrien.. 73,5 84,0 85,1 87,6 Der Produktionsumfang der Eisen- und Stahl- industrie, der Metallverarbeitung(hierzu gehören vor ollem Maschinenbau und Elektrotechnik) und des Automobilbaus ist trotz der Besserung der letzten Monate immer noch stark hinter der Ver- gleichszeit zurückgeblieben. Dagegen haben sich alle Industriezweige, die unmittelbar Verbrauchs- g ü t e r herstellen, so insbesondere die Nahrung»- mittel-, Textil- und Lederindustrie, als wesentlich wider st andsfähiger erwiesen. Bei einigen Industriezweigen war in den letzten Mo- naten des Jahres 1932 der Produktionsumfang größer als in der gleichen Zeit des Jahres 1931. Dies gilt z. B. für die Lederindustrie, das Holz- gewerbe und für einige Zweige der Textilindustrie. Sehr deutlich kommt die Besserung der Lage auch in den auf 622 Millionen Dollar; gegenüber dem März 1932 beläuft sich der Zuwachs der Einlagen auf rund 153 Millionen Dollar. Der Erhöhung der Einlagen entspricht im allgemeinen auch eine Ver- größerung der Ausleihungen. Albert H. W i g g i n, der Präsident der Chase National Bank, hebt in dem Jahresbericht seiner Bank hervor, daß im Herbst 1932 zum erstenmal seit drei Iahren eine Geschästsbelebung zu verzeichnen gewesen sei, die nicht nur auf Einflüsse der Jahreszeit zurückzuführen sind. Margarmegewmne Gehen sie dem Landbund was an? Der Landbund— auch die Ministerialb ürokratie des Herrn von Braun— verlangt von der Mar- garineindustrie, sie solle von ihren Ge- Winnen opfern, damit die Butterbeimischung zu keiner Margarineteuerung führt. Die Margarineindustrie bestreitet jetzt höhere Gewinne, behauptet, daß die 69 unabhängigen Margarinesabriken ohnehin schärfste preisregelnde Konkurrenz mit sich bringen und erklärt, daß 1931/32 die Rohftoffpreise um 34 bis 35 Proz., die Margarinepreise aber um 35 bis 36 Proz. ge- funken, die billigsten Sorten sogar bis zu 49 Proz. verbilligt worden seien. Wir sind der Meinung, die Gewinne der Margarineindustrie gehen die Buttermanscher, ob im Landbund oder in der Regierung, überhaupt nichts an. Sie gehen nur die Verbraucher an. Wenn die Margarinegewinne unangemessen hoch sind, soll der P r e i s k o m m i s s a r, den es immer noch gibt, zugunsten der Verbraucher ein- greifen. Mit dem gleichen Recht könnte der Land- bund für die Finanzierung der Buttermanscherei vom Papst den Peterspsennig ein- fordern. Die 25 oder 39 Millionen, die die Butter- beimengung kosten soll, könnten aber sehr leicht aus den 199 Millionen Sonderbeiträgen und S t a a t s b e i h i l f e n gespart wer- den, die nach Staatssekretär Peters in Deutsch- land für Landbünde, Bauernvereine, Landwirt- schaftsräte und Landwirtfchaftskommirn von der „verelendenden Landwirtschaft" aufgebracht werden müssen. Wie wäre es damit? UzlMM'WW Verwaltungsstelle Berlin Todes- Anzeigen Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Schlosser Thomas Tschcbaiis am 10, Januar gestorben ist Die Einäscherung findet am Sonnabend, dem u.Januar, 16 Uhr, m KrematoriumGenchtstraße stan Am 9. Januar starb unser Kollege. der Schlosser Willi Fiedler geboren 5 Januar 1891. Die Einäscherung findet Montag, den 15 Januar. lO«', Uhr. im Krematorium Gerichts raße State Ehre ihrem Andenken! Rege Beteiligung wird erwarte1 Jlr Or'svr? w«;'«in DicEinäsch« run« unseres Kollegen Willi Fiedler findet am Montag, dem 16 Januar. Uhr. im Krematorium Ge- richtstraße statt. Dimdessdiale 4DGfi.# Bersaa Für die her liehe Teilnahme bei dem Hinscheiden meines lieben Gatten, unseres lieben Vaters und Schwiegervaters sowie füf die in der schweren Stunde des Abschieds so wohltuenden, tröstenden Worte sagen wir allen Freunden und Bekannten, dem Verband der Uitho- Jraphen und Steindrucker, den Ge Schaftskollegen der Firma Ullstein. dtn Genossinnen und Genossen der SPD, 131. Abt., dem Klein- gartenverein. Einsame Eiche" und dem freidenkervenand herztidien Oanlr Dora BeliUiardl und Kinder 1 Patentmatratzen .Primissima" Auf. legematratzen Me- tallbetten Chaise. longues. Walter «stargarder Straße I achtzehn. 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Länger atz andere Staaten hat sie der große,, Weltwirtschaftskrise stand- gehalten. Erst ISZZ brachte krisenhafte Erscheinungen. wie sie anderswo schon früher aus- getaucht sind. Die Erwerbslosenzahl hat Ansang Dezember KOOOOV überschritten und wächst noch immer weiter. Ganze Industriezweige sind still- gelegt, besonders hart sind die Jndustriebezirke Nordböhmens betroffen. Krise und Not haben auch auf die Staatswirt» schaft eingewirkt. Nach dem Muster anderer Staaten nahm die Tschechoslowakei Zuflucht zur Autarkie. Einfuhrbeschränkungen und De- »isenvorschriiten sollen die Industrie und den sich verringernden Devisenvorrat der Nationalbank schützen. Die Staatssinanzen haben sich von Monat zu Monat verschlimmert. Der Etat für 1932 war noch aktiv. Der Staatsvoranschlag 1933 wies aber ein Defizit von zweieinhalb Milliarden Tschechokronen auf. Da die Bürokratie keinen Ausweg wußte, wurde ein aus Wirtschafts- Politikern der sieben Koalitionsparteien be- stehender Aueschuß(„Siebenerausschuh") ein- gesetzt, der den Etat ins Gleichgewicht bringen sollte. Nach harter Mühe gelang diese Aufgabe den Parlamentariern. Zuerst wurden in allen Ressorts Abstriche von insgesamt 900 Millionen Kronen gemacht, dann die Gehälter aller össentllchen Angestellten um 600 Millionen Kronen gesenkt. Die fehlende Milliarde fand man schließlich durch Einführung neuer Steuern, Abgaben und Taxen, durch Erhöhung des Zolltarifs, Strafmahnahmen gegen Steuerhinterzieher usw. Das Parlament bewilligte ein Budgetprovisorium. nach welchem bis Ende Februar gewirtschaftet werden wird. Zur Bekämpfung der Krise und Ankurbelung der Wirtschaft beabsichtigt die Regierung in den ersten Monaten dieses Jahres ein großes In- vestitionsprogramm vorzulegen, der Jinanzbedarf soll durch eine Inlandsanleihe ausgebracht werden. Viel böses Blut hat aber die Gehalts- fenkung gemacht. Die Gehälter waren bedeutend niedriger als z. B. in Deutschland, mußten aber gesenkt werden, damit durch einen etwaigen Geld- Mangel des Staates die Festigung der Währung nicht bedroht werde. E» ist das verdienst der Sozialdemokralen, daß die Vorschläge, die Gehälter unterschiedslos um 20. zuletzt um 15 proz. zu kürzen, vereitelt wurde und es nur zu einer abgestuften vedu- zierung kam. von der die niedrigsten Gehalts- klaffen ganz ausgenommen wurden. Dort, wo die größten Sparmaßnahmen am Platze gewesen wären, im Wehrstat, find sie nicht in genügender Höhe vorgenommen worden. Dagegen wollten einige Generäle Kürzung der Soldaten- löhnung, ließen aber infolge energischen Protests der Sozialdemokraten davon ab. In der Oefsentlichkeit weist man auch auf viel« Fehler der Bergangenheit infolge der Prestigepolitik hin und zeigt mit Fingern auf die neuen Pracht» paläste der Ministerien, die viel mehr Geld verschlungen haben, als man durch Gehalts- senkungen erspart. Trotz ihrer Geldknappheit hat die Tschechoslowakei im Dezember anderthalb Mil« lionen Dollar nach Amerika als Zinsen ihrer Kriegsschuld überwiesen, sich also nicht nach dem Beispiel Frankreichs gerichtet. Dos wichtigste innerpolittsche Ereignis war die Kabinettsrekonstruktion, besonders die Ablösung de» vorigen Ministerpräsidenten Udrzal durch Malypetr. Der Hauptgrund lag in dem Zer- würfnis innerhalb der Agrarpartei, deren rechter Flügel Udrzal stürzt«. Die vewegungsmöglichkeil der neuen Regierung scheint größer zu fein als dle der früheren, doch hat sich ihre Achse mehr nach recht» gedreht. Ein heftiger sozialer Kampf entbrannte im April im nordwestböhmischen Kohlenrevier. In Brüx, in Karpathoruhland und anderswo wurde gegen demonstrierende Arbeiter g e- schössen Es gab Tote und Verwundete. Schuld daran sind einersetts die kommunistischen Hetzer, anderseits aber auch die da» Innen- Ministerium beherrschenden arbeiterfeind- lichen Agrarier. Tschechisch« und deutsche Sozialdemokratie gehen in allen Fragen im besten brüderlichen Einvernehmen vor. Im September haben beide Parteien in einer gemeinsamen Kundgebung ihre Wirtschaft, SsmäS§ 17 unsere» Organleatlon»- statutt vom 28. April 1929 berufen wir hiermit einen Außecocäeuit. ÜvzuUspadeäaQ für Sonnabsnd, den 4. Februar, ab 16 Uhr, und Sonntag, den 5. Februar, ab 9 Uhr, nach dem Plenarsaal de« ehemaligen Herrenhauses, leipziger Str. 3, ein. Tagesordnung: 1. Stellungnahme xum Reichsparteitag. 2 Wahl der Delegierten. Anträge sowie die Namen der Delegierten müssen bis spätestens 24. Januar dam Bezlrkssekretariat eingereicht werden. Referent wird noch bekanntgegeben. ••slrksverstand Barlin. Itchcn Forderungen formuliert, darunter solche noch einem Arbeitsvermittlungsgesetz und nach Einführung der 4l)-Stundcn-Wochc. Das Parlament hat Anfang 1932 ein Banken- gesetz genehmigt, welches Ruhe und Sicherheit in das Bankenwesen brachte. Ein Kartellgesetz, welches die Regierung auf Drängen der Sozialdemokraten vorzulegen versprach, wird noch immer durch Intrigen der bürgerlichen Interessenten verzögert. Justizminister Genosse Meißner hat eine Vor- läge ausgearbeitet, nach welcher die Bestrafung der Schwangerschaftsunterbrechung in gewissen Fällen aus sozialen, hygienischen und eugenischen Rücksichten außer Kraft treten soll. Unterrichtsminister Genosse Derer hat im De- zember einen Gesetzentwurf fertiggestellt, nach wel- chem die Schulverwaltung von der politischen Berwaltung getrennt und den einzelnen Rationen kulturelle Autonomie durch nationale Abgrenzung der Schulbezirke gewährleistet wird. Die Ereignisse in Deutsch- land haben keinen merklichen Einfluß auf die tschechoslowakische Politik ausgeübt. Trotzdem hat es hier nicht an Versuchen gefehlt, die Papenschen Notverordnungen als nachahmenswert zu emp- fehlen. Manche Politiker hegen noch immer un- erfüllbare diktatorische Gelüste, andere wie- der riefen nach einem Finanzdiktator oder nach einer Aenderung der Verfassung. Aber alle diese Wünsche endeten als papierne Zeitungsartikel. Außenpolitisch hat sich nichts geändert. Das Verhältnis der Tschechoslowakei zu den an- deren Staaten blieb das gleiche wie früher. In der ersten Jahreshälfte wurde zwar unter dem Einflüsse des Tardieu-Planes viel über die Schaffung eines mitteleuropäischen Wirtschaftsbundes gesprochen, doch jetzt haben dringendere Gegenwartssorgen alle diese Zukunftspläne in den Hintergrund gedrängt. Die Neujahrsprognosen für 1933 waren im allge- meinen optimistisch. Man hält den Tiefpunkt der Krise für überschritten und hofft, daß das Jahr 1933 nicht mehr ein Sorgenjahr sein wird. Ruclolk Illovy. ..Verwirkt" Kommunisten und Staatsbürgerschaft Für jeden Sozialdemokraten ist es eine platte Selbstverständlichkeit, daß ein Staatsbürger wegen oppositioneller Haltung gegen die jeweilige Re- gierung nicht in seinen staatsbürgerlichen Rechten geschmälert werden darf. Am allerwenigsten darf ihm die Zugehörigkeit zum Staatswesen deswegen entzogen werden, weit er mit»iner gerade im Amt befindlichen Regierung nicht«in- oerstanden ist. Anders stellen sich die Komm»- nisten die Sgche vor. Ein kommunistische? Abendblatt liefert zum Freitod der Tochter Trotzkis einen Kommentar, der wegen seiner Folgerungen nicht unerwähnt bleiben soll. Da» kommunistisch« Blatt meint, daß Sinaida Wolkofs sich ihr Schicksal selb st zuzuschreiben Der Rückschlag de» Hitler-Iaumel» ist auch in den deutschen Gebieten der tschechoslowakischen Republik sehr merkbar und hat bereit» Folgen für die Haltung der Parteileitung gehabt. In ihrer Neujahrsbotschaft ist die Rede von der Not- wendigkeit, eine nationale Widerstand»front zu errichten, die alle Parteien von der So- zialdemokratie bis zu den Nazi» um- fassen müsse. Und in einer Rede, die der Nazi- führer I u n g am 10. Januar im Budgetausschuß des Parlaments gehalten hat, führte er aus, daß die Nationalsozialisten keineswegs die Forderung nach Aufrichtung des Dritten Reich» erheben, geschweige denn, daß sie sie mit Gewalt durchsetzen wollten. Venn Hitler Reichskanzler wäre, was er nicht sei und nicht so bald sein werde, müßt« er mit der Vlrklichkeit rechnen. die nicht die Vereinigung aller Deutschen im Deutschen Reich erhoffen könne, weil sich Deutsch- land dann sofort mit fünfzehn europäischen Staaten in einen Krieg verwickeln würde. Da» wäre ein Wahnsinn, und«in Mann, der so etwa, dächte, gehöre in ein N a r r e n h a u s. Die nationalsozialistische Politik verfolge mit oder ahn, Hitler die Beseitigung des polnischen Korridor» und den Anschluß Deutschästerreich» an Deutschland, und die» beides mit Z u st i m- mung Frankreich«, Italien« und England». Das ist nicht der erste Verrat an Hitler, den die sudetendeutschen Nazi» begehen: erst vor kurzem bekannt« sich„Der Tag" in Dux, da» Nazihauptorgan, zu den Ansichten Straß er», um dann allerdings wieder Hitler die Stange zu halten. Diese» Blatt hat auch schon von einer notwendigen Verständigung mit den Tschechen und dem Staat gesprochen. Mögen auch dt» scharfen Urteile gegen die „Bolk»sport"-SA. und sonstige Regterungsmaß- habe! Denn sie habe sich im Konflikt zwischen Stalin und Trotzki auf die Seite ihres Vaters gestellt: „Kein W.u n d e r also, daß die Sowjet- regierung den Feinden des sozialistischen Staates die Staatsbürgerschaft ent- zogen hat____ Wer dem sozialistischen Staat in den Rücken fällt, der weiß sehr wohl, daß er die Ehre, Sowjetbürger zu sein, v e r- wirkt hat." Wer«in Gegner Stalins ist, der ist also«in Feind de» Sowjetstaates und hat kein Recht auf Staatsbürgerschaft. Das geht noch über den be- kannten Standpunkt des Sonnenkönigs Lud- wigs XIV. hinaus, der sagte:„Der Staat bin ich." Ahnen die Kommunisten eigentlich die Kon- s e q u e n z chres Standpunktes? Dauernd schreiben sie über die Gefahr, daß die Kommu- nistische Partei angeblich verboten werden solle. Die oben zitierten Sätze de» kommunistischen Blattes liefern aber jedem ganz- und halb- faschistischen Regiment nicht nur den Vorwand, die Kommunistische Partei zu verbieten, sondern darüber hinaus jedem Kommunisten. das Staatsbürgerrecht zu entz i e h e n! Be- quemer kann man es den Faschisten gar nicht machen, als es hier geschieht. japanischer Botschafter in Berlin ist der zruhere Außenminister Matsuzo Nagai als Nachfol- ger Obatas geworden. nahmen gegen die Hitlerei dazu beigetragen haben, daß man jetzt statt de» Kriegsbeil» die Friedenspalme schwingt auch der simpelste Wähler wird sich schließlich fragen, wozu man denn überhaupt noch«ine Nazipartei brauche, wenn sie feierlich aus da« Dritte Reich verzichtet, sich mit den Sozialdemokraten verbünden und mit den Tschechen verständigen will. Von �ustro- und Hungaro-Nazis In der Nacht nach dem Naziwahlerfolg vom 31. Juli v. I. ist auch in Köntg»berg der Aufbau- will«, den Reichskanzler v. Papen nichtsdestotrotz seinen fremden Feinden nachrühmte, durch Vom- benwürse gegen Menschen und Häuser betätigt worden. Vier dieser Elemente, M a j o r a und drei weiter» Pg.s, sind nachher, als sie verhaftet werden sollten, ausgerückt. In der oberöster- reichischen Landeshauptstadt Linz hat man sie auf deutschen Steckbrief hin Mitte September ver, haftet. Sie hatten keinen Pfennig in der Tasche — aber si« dursten sich„auf eigene Kosten" verpflegen. Da» taten sie mit solchem Eifer, daß die Wirterechnung fast 2700 Schilling erreicht hatte, al» sie freigelassen wurden, da der O b e r st e G e- richt« hos in Wien da, reichsdeutsche Ausliefe- rungsbegehren a b l e h n t und zwar wegen poli- tischer Tatgründe. Wer aber bezahlt die gut« bürgerliche Verpflegung? Nur zur Hälfte hat da». wie das sozialdemokratische Linzer..Tagblatt" meldet— der Gefängnisverwalter Seiler de- zahlt! Auf die ander« Hälfte wartet der Wirt noch. * In Ungarn tragen die Hitlerianer ihr alt- orientalisches Zeichen auf grünen Armbinden zur Schau. Di» Polizei hat nun da» Tragen dieser Abzeichen verboten, weil dazu ein« Genehmi- gung oe» Innenministerium» erforderlich ist. Nie Hochschulschande Gegen den Breslauer Hochschulmob Die Plenarsitzung des Breslauer Großen Hoch» schulfenats, der die endgültige Bereinigung des Hochschulskandals vorzunehmen hat, findet a in Sonnabend statt. Zuvor verösjentlicheu die N a t i a n a l s o z i a l i st e n und Waffen» studenten eine provozierende Er- k l ä r u n g, die neue Unruhen in Aussicht stellt. Oer Sozialistische Hochschulausschuß, der Deutsche Studentenverband und die übrigen freiheitlichen Studentenverbände Breslaus haben sofort eine Gegenerklärung herausgegeben, die folgendes feststellt: „Die Behauptung des Wafsenrings und der Nat!onalsi>,ialisteii. daß Professor Cohn sich„für Trotzki, diesen Meisteragitator und Mossenschläch- ter" eingesetzt habe, stellt einen Mangel an Aus- fassungsgabe oder eine auf Unwahrhaftigkeit beruhende Einstellung gegenüber den Aeuße- rungen Pros. Cohns dar. Die unter- zeichneten. Verbände leben darüber, hinaus JS öer Erklärung. des Wafsenrings usw. eine Androhung- einer Unterdrückung her sreien Meinungsäußerung eines Dozenten, die jedem deutschen Staatsburger in der Verfassung gewährleistet ist. Sie erblicken in der Ankündigung, daß„n ich t eher an der Universität Ruhe und Ordnung Herr- schen könne, bis Prof. Cohn ver- s ch w u n d e n sei", die feste Absicht der„natio- nalen" Studenten, die akademische Lehr- und Lernfrecheit mit G c w a l t z u unterbinden. Die republikanischen Studentenverbände erwarten, daß sich der Große Senat der Universität Breslau zu einer derartigen Herabwürdigung unserer Universitäten nicht hergeben wird und fordern vom Ministerium, sich mit allen verfügbaren Mitteln des Staates gegen eine elwaige Diffg- mierung der akademischen Rechte und Geistesgüter zu verwahren." Man darf gespannt sein, ob der Senat Würde und Ansehen der Hochschulen wiederherstellen oder sich dem nationalistischen Mob gefügig zeigen wird. Die rumänische Krise Vaida Voevod beauftragt Bukares», 13. Januar. Der Konig empfing am Freitag den ehemaligen Ministerpräsidenten Vaida Voevod und be- austragt« ihn mit der N e u b i l d u n g d e r R e« gierung. Vacha behielt sich sein« Entscheidung vor, Er will zunächst die Stellungnahme des nationalzaranistischen Parteivorstandes abwarten. Wie von nationalzaranlstifcher Seite erklärt wird, sind wenig Aussichten für«inen Er- folg Vaidas vorhanden, da neben innerparteilichen Schwierigkeiten auch die Zusammenarbeit Vaida» mit Titulescu. den der König al, Außen- minister beizubehalten wünscht, kaum möglich erscheint. Der Aeltestenrat des Reichstage» ist nunmehr zu der seit längerer Zeit beabsichtigten Sitzung für Freitag, den 20. Januar, 13 Uhr. einberufen worden. Es soll in dieser Sitzung Beschluß ge» saht werden über die Tagesordnung der nächsten Rsichstagsfitzung. keinz Lohusen krank. Einer der beiden Brüder Lahusen, deren Prozeß am 28. Februar endlich beginnen soll, ist, wie au» Bremen gemeldet wird, an Nierenleiden ertrankt. Die beiden Groß- schwindler sind bekanntlich gegen Kauston aus der aft entlasten— bei Brolat aber wurde die aftentlastung abgelehnt. Loyern verbietet! In München wurden die ge- planten 50 Mieterversammlungen de» kommunistischen„Kampsausschusse» der werktätigen Mieter Münchens" von der Polizei verboteu. Drittes Reich abgetan keierlicbe sudetendeutsche NazNErklärung Regierungen für 40 Stunden? Ein deutsch-französich- italienischer Antrzig Gens, 13. Januar. Zwischen den Vertretern der deutschen, fran- .zosischen und italienischen Regierung aus der internationalen Konferenz für die Einführung der 40-Stundei,-Woche sind gegenwärtig vertrauliche Beratungen über die Einbringung eines ge- meinfamen Antrages im Gange, der die Kon- ferenz auf den Grundsatz der Kürzung der Arbeitszeit festlegen soll. In dem vor- gesehenen Antrage heißt es. die Konferenz fei zu der Ueberzeugung gelangt, daß die Kürzung der Arbeitszeit ein geeignetes Mittel zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit sei. In diesem Sinne beschließe die Konferenz, in eine Prüfung der Einzelfragen entsprechend dem von dem Inter- nationalen Arbeitsamt aufgestellten Programm einzutreten, mit dem Ziel, eine inter- nationale Bindung zustande zu bringen, um den Lebensstandard der Arbeiter- schaft aufrecht zu erhalten. Auf deutscher Seite wird hierzu die Auffassung vertreten, daß im Falle einer international ge- regelten Kürzung der Arbeitszeit wohl die Auf- rechterhaltung der Kaufkraft der ge- samten Arbeiterschaft zugesichert werden könne. NGO. über NGO. Vor l'lsck las man es ao6er» Die„Rote Fahne" veröffentlicht eine„kritische Bilanz der bisherigen Betriebsrätewahlen in Ber- lin". Die RGO. ist mit den bisherigen Ergeb- nissen durchaus nicht zufrieden. Besonders in Betrieben, wo sie„stegreiche Streiks"— bis zum Zusammenbruch— geführt hatte, klappt die Sache ganz und gar nicht. Und so ist diese kri tische Bikanz im Grunde eine Kritik der RGD. Was wirft also die RGO. der RGO. vor? Im Streik bei G u m m i- M ü l l e r„wurden von den führenden Kollegen schwere Fehler gemacht..." Und worin bestanden diese Fehler? Liehen es die„führenden Kollegen" an Energie gegenüber dem Unternehmertum fehlen?— Die RGO. hat andere Sorgen Der Satz, den wir oben unterbrachen, geht in Fettschrist folgendermaßen weiter:.. die darin bestanden, daß auf einen prinzipiellen Kampf gegen die Gewerk- schottsführung verzichtet wurde." Also der Zweck eines Streiks der RGO. ist mchr der Kampf gegen Lohndruck und Ausbeutung. sondern der Kampf gegen die Gewerkschaften. Dieses Eingeständnis muß man sich merken. Als besonderes Perbrechen wird der Belegschaft angerechnet, daß sie sich so weit vergessen hat. einen Vertreter des Fabrikarbeiterverbairdes über- Haupt anzuhören. Zu dem Zusammenbruch bei Zeiß- Ikon findet die„Rote Fahne", daß man den Fehler gemacht habe, sich mit den Nazis und ihrer NSBO.„auf«ine Art Burgfrieden" einzu- lassen. Wie klug doch heute die„Rote Fahne" ist! In ihrer Nummer vom 29. Oktober 1932 z. B. hob sie das„große unvergeßliche Erlebnis" her- vor, wie hier NSBO. und RGO. Schulter an Schulter kämpfen. Der„Burgfrieden" drückte sich besonders noch darin aus, daß Nazis und Kom- Es sei jedoch nicht inöglich, in ein inter- nationales Wkommen eine bindende A e r- p f l i ch t u n g zur Aufrechterhaltung der gegen- wärtigen Lohnregelung der einzelnen Arbeiter aufzunehmen. Der Antrag wird im Fall« der Einigung zwischen den drei Regierungen am Montag in der Vollkonferenz zur Ab- st i m m u n g gelangen. Jedoch wird mit einem starken Widerstand der gesamten Arbeitgeber- gruppen und einzelner Regierungen, insbesondere der angesächsischen Regierungen gerechnet. Der Kommentar, der„auf deutscher Seite" zu dem gemeinsamen Antrag der deutschen, französischen und italienischen Regierungsvertreter ge- geben wird, läßt daraus schließen, daß es mit der Ausrechterhaltung des Lebensstandards der Arbeiterschaft bei Einführung der tll-Stunden- Woche problematisch aussieht. Die Frage, die es zu entscheiden gilt, ist einfach und klar:„Soll auf gesetzlichem Wege die Arbeitszeit allgemein auf 40 Stunden verkürzt werden?" Als man den Achtstundentag einführte, hatten die Unternehmer auch allerlei Bedenken. Die Praxis hat bewiesen, daß diese Bedenken hin- fällig waren. Wenn nach dem heutigen Stande der Technik munisten zusammen die Streikleitung bildeten. Es war nicht wir„eine Art Burg- frieden", sondern es war. wie die„Rote Fahne" am 29. Oktober schrieb,„eine fest« Front". Ebenso fest und ebenso morsch wie die Front der Nazis und Kommunisten in der berüchtigten Aktion der BVG. Aussperrung in Dänemar?? Kopenhagen, 13. Januar. Der Arbeitgeberoerband hat am Freitag die erste Warnung einer Generalaussperrung ausgesprochen. Die Arbeitgeber hatten eine Lohnsenkung von 20 Proz. verlangt, was die Arbeiter strikte abgelehnt hatten. Die Aussperrung kann aber erst acht Tage nach der zweiten Warnung in Kraft treten, also frühestens am 1. Februar. Davon würden etwa 100 000 Ar- beiter betroffen werden, nämlich die Arbeiterschait der Eisenindustrie, des Baugewerbes usw. Xabakarbetter gegen RGO. k�aticmalisierimz rast weiter Donnerstag abend ist in der Jahresmitglieder- Versammlung der Berliner Zahlstelle des Tobak- arbeiterverbandes die Ortsoerwaltung neu gewählt worden. Diese Wahl ist nicht„zur Abrechnung mit der Politik der reformistischen BrbandÄbüro- hratie" geworden, wie es sich die als„Opposition" getarnte RGO. gewünscht hatte In der g e- Heimen Wahl emfielen 80 Prozent der abgegebenen Stimmen auf den Genossen Reckes, der zum besoldeten Geschäftsführer gewählt wurde. Zum ehrenamtlichen Bevollmächtigten wurde gegen wenige kommunistische Stimmen der Genosse L u g m a n n gewählt. Auch bei der Wahl der übrigen ehrenamtlichen Mitglieder der und Produktion kein Zweifel darüber bestehen kann, daß alle Bedürfnisse in über- reichlichem Maße auch bei einer allgemeinen Arbeitszeit von 40 Stunden gedeckt werden können, so ergibt sich ohne weiteres die Be- antwortung der zweiten Frage, nämlich:.„Kann in das Wkommen über die Verkürzung der Ar- beitszeü eine Klausel eingefügt werden, wonach durch Einführung der 40-Stunden-Woche eine Minderung des Einkommens der Arbeiter und Angestellten nicht eintreten darf?" Die Frage stellen, heißt sie bejahen. Gewiß wird es Unebenheiten schon deswegen geben, well ja heute die Wbeits.zeit von Fabrik zu Fabrik je nach dem Beschäftigungsgrad verschieden ist. Diese Unebenhellen bestehen heute. Sie lassen sich aber überwinden, wenn man den Lohnausgleich auf die Stundenlöhne ab- stellt. Kann und darf man aber vor Unebenheiten und Schwierigkeiten zurückschrecken, wenn es gilt, der Pest, die die ganze Well verwüstet, der bis jetzt 30 Millionen Menschen zum Opfer gefallen sind, ungerechnet die Familienangehörigen. endlich ernsthaft zu Leibe zu gehen? Bis jetzt haben die Regierungen innerhalb chrer Landesgrenzen sich darauf herausgeredet, die 40-Stunden-Woche könne nur international Ortsoerwaltung ging die kommunistische Opposition leer aus. iRach einem Bericht des Berliner Delegierten, Genosien Lutzmann, über den Bremer Ver- bandstag, der anschließenden Aussprache dar- über sowie dem vom Genossen Fischer ge- gebenen Kassenbericht gab Genosie Necke? einen kurzen Ueberblick über die wichtigsten tarn- polllischen Ereignisse des vorigen Jahres. hinsichtlich der Entlohnung in den Berliner Zigarettenfabriken hat sich in der Berichts, zeit nichts geändert. Der von der Ortsoerwaltung geforderte günstigere Aufbau des örtlichen Lohn- toriies konnte nicht durchgesetzt werden. Der für das ganze Reich gellende M a n t e l l a ri f wurde von den Unternehmern gekündigt. Seine Ver- längerung bis zum 30. September 1933 war leider nur möglich durch Zugeständnisse an die Unter- nehmer in der Ferienfrage. Gegen den Antrag aus Allgemeinverbindlichkeitserklärung des Reichs- manteltarifs wurde von einzelnen Firmen Einspruch erhoben, denen die Verschlechterung der Urlaubsbestimmungen noch nicht genügte. Er- freulicherweise wurde trotz dieses Einspruches der Reichstarif wieder für allgemeinverbind- lich erklärt. Aus der Berliner Zigarettenindustrie berichtete Genosse Reckes, daß die Rationalisierung immer noch im Fluß ist. Eine Zigarettenfabrik z. B. Hai chren Betrieb so maschinisiert. daß sie nicht eine einzige handpackerin mehr benötigt. Durch eine einzig« Pockmaschine, von denen jetzt in manchen Betrieben bis zu 40 Stück stehen, werden 17 handpackerinnen überflüssig. Die der Rationalisierung noch nicht zum Opfer gefallenen Zigarettenarbeller und-arbeiterinnen haben unter den Wirkungen der Krise ebenfalls schwer zu leiden. Sie arbellen vielfach monate- lang hintereinander stark verkürzt, oft nur einen Tag in der Woche Aus die bevorstehenden B e- lriebsrätewahlen hinweisend, forderte Genosse Reckes die Versammellen zur Unter- stützung der freigewerkschaillichen Listen auf. eingefichrt werden. Es wäre unerträglich und würde als ein betrügerisches Gaukel- spiel beurteilt werden, wenn man jetzt sich darauf ausreden wollte, eine allgemeine Festlegung könne nicht international vorge- nommen werden. Bedingung: Lohnausgieich! Gens, 13. Zanuar. von der Arbeitergruppe liegt der Konserenz iolgender Enkschließuagsantrag zur Abstimmung vor:„Bei der Beratung über den Entwurs eines Uebereinkommens über die vierzigstnndeuwoche ist von dem Grundsah auszugehen, daß die Dochenlöhne und die Monatsgehälter durch die sich bei der Annahme und Durchführung eines solchen Uebereinkommens ergebende Kür- zung der Arbeikszeit nicht gesenkt werden dürfen." Nach der bisherigen entschiedenen Haltung der Arbeitergruppe ist unbedingt damit zu rechnen. daß sie die Sonseren; verlassen wird, wenn die Sicherung des bestehenden Lebensstandards nicht in einer besriedigeu- den Form vor Eintritt in die. Einzelberaluagen von der Mehrheit der Konserenz anerkannt wird. Kommissare und Nazis Einix gegen die Arbeiter Die Noziregierung in Mecklenburg» S t r e l i tz büßte ihren ohnehin nur sehr schwachen Kredit bei den Forslarbeitern völlig ein, als sie vor wenigen Wochen nach dem Scheitern der Tarisverhandlungen die Lohne ihrer Forstarbeiter diktatorisch bis zu 15 Proz. herab- setzte. Dieser zweifelhaste Ruhm der Mecklen- burg-Strclitzer Regierung hat die Regierung von M e ck l e n b u r g- S ch w e r i n, die sich auch auf die Nazis stützt, nicht ruhen lasten. Sie hat den Lohntarif für ihre Forstarbeiter nun auch gekündigt, und zwar zum 31. März, und einen Abbau der Forstarbeiterlöhne um 10 Proz. gefordert. Der Deutsche Landarbeilerverband Hai natürlich jedes Entgegenkommen in der Lohnfrage abgelehnt, so daß nunmehr das tariflich vorgesehene Schiedsgericht über die Beilegung des Konfliktes zu entscheiden hat. Im Lohnstreit der preußischen Forst- a r b e i t e r sind am 16. Januar Verhandlungen vor dem Regierungsrat Koch, der vom Reichs- arbeitsminislerium auf Antrag des Reichskommissars im preußischen Landwirtschaflsminisle rium als Sonderschlichter bestellt worden ist. Die Regierung der Kommissare verlangte von den Staatssorslarbeiiern, deren Spitzenlohn nur noch 53 Pf beträgt, zuerst l 2 Pf. Lohn- a b b a u und„ermäßigte" diese Forderung bei den Tarifverhandlungen schließlich aus 6 Pf. Der Landarbeiterverband lehnt auch hier jedes. Entgegenkommen ab. Berliner Handsetzer! Die Generalversammlung der Berliner hondsetzervereinigung morgen, Sonntag. 9% Uhr. im Klubhaus, Ohmstraße, muß die Neuwahl des Vorstandes vornehmen. Es ist im Interesse einer weiteren gedechlichen Spartenarbeit innerhalb des Buchdruckerverbandes notwendig, daß an die Stelle der ausscheidenden Vorstandsmitglieder Nachfolger treten, die die Grundsätze der freien Gewerkschallen anerkennen. Die„Oppositionellen" aller Schallierungen haben sich bisher nur als Ouerkreiber betätigt. Mitglieder der Berliner handsetzervercinigung. besucht deshalb die morgige Generaincriammlung nach- dem ihr vorher bei den Koniumwahlen eure Stimme für die Liste„Genoisenschastsaujbau" abgegeben habt. Hierzu l Beilage. Der..Vorwärts" erschclni wocheniaglich zweimal. Sanniags unki Montags einmal. Illustrierte Sonnlagsbeiiage..Lolt und Zeit--. I Bezugspreise: Wöchentlich 75 Pt.. monatlich S.Zä M.(davon 87 Pi monatlich tilr Zustellung ins Haus) im ooraas zalilbar. Postbezug Z.9? R einschließlich 60 Pl Posizeitung. und 72 Ps. Paftbeftellqediilircn. Auslnndsabonnemen! bziä M. pro Monat: kür Länder mit ermäßigtem Druitsachcnporta 4 6.-, M. Bei Ausfall der Lieferung wegen höherer Gemalt besteht kein Anspruch der Abonnenten auf Ersatz, Anzeigenpreise: Die einspaltige Millimeterzeile 30 Pf.. Reklum�zeile l,50 M.„Kleine Anzeigen" das fettgedructte Wort 20 Pf jedes weites Wart 10 Pf Rabatt laut Tarif Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte Arbeitsmarkt Millimeterzeile 2ö Pf. Familienanzeigen Millimeterzeile 16 Pf. Anzeige, lannuhme im Sauptgefchä� Llndenstr. 3. wochentäglich von 8i/a bis 17 Uhr Der Ptrlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor. I Verantwortlich für Politik: Victor Schiff; Wirtschaft: S. iiliugelhöfer; GewerksSfastsbewegung: 3. Steiner: Feuilleton: Herbert Lcpere: Lokales und Sonstiges: �ritz Ziarstädt: Anzeigen: Otto Hengst; sämtlich in Berlin. I Verlag: Borwärts-Verlag G. m. b. H.. Berlin. Druck: Vorwärts- Buchdruckerei und Verlagsanstalt Paul Singer u. Co.. Berlin SV KS Lindenstr. 8. ßtaat» Theater Sonnabend, den 14. Januar Slaatsoper unter den Linden 20 Uhr Madame Butterfly staatliches Schauspielhaus 20 Uhr 100000 Thaler VOLKSBÜHNE rheater am Bttlowpiatz | riglidi 8 Uhr D I Nordes 6436 Oliver Cromwells Sendung / Waller Qilbricht Regte Heinz Hilper mit Eugen Klöpfer Tlgl. 5 H. MAURICE COLLEANO PAUL GRAETZ kobins/ Covey Moeser Jose Frakson, Whirl» winds usw. Rose- rtieatei BtoJ« Franilortr Stnli'32 Tel WiM£7 342? 8.15 uhr Die Zirkus- prinzessin -1.5". Sljl. 2. S. ü" 0. Xar noch !t Tage! Nim». Pompadour rti.d. Schauspieler Ihntir in Sdt.ffbaürdafnnt Weidendamm J300 Täglich SC« Uhr flDiomateiiliett Romödie von A. ümeyoer mit Agnes S raub Röiber. MHngtr, Gn*. Trenk-Trabitsdi Sonnabend 5% Uhr Ha! aus der Kiste 344 Uhr HKiiSPJaDd Bretel siadt. Oper Chanottenbur- Fraunhofer 0231 Sonnabend, 14. Jan 20 Uhr Turnus I Die Prinzessin von Trapezunt Eisingei. Schusier, Frind, Braut, Burgwinkel. Qomben, Oronau, Kandl, Heyer Dirigent: Müller rneater im inmiralspaiasi Merkur WUI 20. lanuar 7>/i Uhr UrauffOhrung FrQhlings- stürme "v uuber, \owoiiia. Hnmolka iMropo.-TUeaier I Täglich 8>J« Uhr" Max Hänfen Hundert Meter G.ücK (Dir Piini i. HallywMil) C. v. TheUir.ann Linen. Lmgen Sonntag. 5 Uhr Ed Liauensiein Zarewltsch Variete an MärdieDürjnneii 4» Frinlridistjiii 23—32 In» Hänl sten Täelich 8 Uhr Das seasatlonelie Eröffnungs- programm mit de» ditesäogeni Eintrittspreise Wochentags. 60 Pf, Soppaix o. Stff. 1 M. 20 uiienerinnen Konzemeren lessing Tiieater Täglich 8'/i Uhi Grete Mosheim Hans Brausewetler Oer Liebling von Paris Mosik von Oflsithadi Regie: talke Deutsches Künstler-Th NOinbcrgcr Str. Tel Bavaria 6466 Täglich 8-4 Uhr: Leopoldin« Konstantin in Die Nacht zum 17. April Schroth.Steinbeck Gebühr. Brionne. Wolle. Picha I Großes SAuspiMus' I BattimSavoy Gitta Alpav Rosy Barl»»,/ Catar Xenei Silfved«ottev Sonntag nachm. 3v: Ahr A leine Preise in der Premieren- defctzuag mit Gitta Atpnr CASINO-THEATER S1'* Lothringer Strafjc 37 8% imtnmiMumiiiiittiiiiimmiiiiiimmNmeiininitimeMtttniiiiiie Täglich Bunte Bühno: Variete, Kabarett, Theater Onkel Mdz, der Ebestifter Gutschein 1— t Personen Parkett nur 0.60. Fauieuil».75. Sessel 1,25 Sonntae 4 Uhr Onkel Mor. Kl. Preise. yimrjWELft Arnold Scholz• li-Bsha riensannpl.* Hasenheide 106/14 Gr.Boddiierles: und GroOer Alpenball 6 Kapellen Bayr. Bedienung Einlaß Wochentags 7 Uhr, Sonntags 5 tlhr Kamödiennaus Schiffbauerdamm 25 Til. D2 Weil 4304-05 Täglich 8Z4 Uhr Das Haus dazwischen mit Ma* Adalbert Jakob Tledtke Mmik: Spoliamkr Deutsches Theater Schumannstr.l3a Weidend. 5201 Täglich 8 Uhr luoiiiiniii; Mn Relohardl Prinz von Homburg von H. v. Kleist Ihlmig, Fehdmer. Fröhlich, Kayfller, Wegener. Schürenberj Hammerspieie 8 Uhr äBcmlita erwubsluei Schauspieler Ote Flasche Komödie von | R i n gel n a tz Inszenierung: Jean Rötsie;-Mulle; Bismarckstr.(Knie) Steinpl.(CD Täglich«*/« Uhr Oer Kollo-Sch ager Ole Männer sind mal so SöndaDd, Heidemann Sonntag 4 Uhr Robert ood Bertram Theater des Westens Steinpl. 51 21 Täglich 8'u Uht Max Palienberg als. BraverSoldat Schwejk Kurlürstend.-TP KurfürstecUanirD 209 Tel Bism. 1400 Täglich 844 Uhr Glückliche Reise Operette von Künoeke in der Premlerenbe- tc'zvoft lÄMfii» Cbarlotteostr. 99 Dönhoff 625 Täglich 81;« Uhr Auslandsreise mit Felix Brcss&r Mana Paudlcr Oscar Saba, Lön», Behal. Berghof. Witt 3, B. O. 3endows Bunte Bühnt Kotibns&er Strafie 6 Obcrbaum 3500 räglich Sl/4 Uhr Stgs. nachm 4 U Ke doüe Kiste «ZK» fp ragniipngs Restaurnnt Berlins Ä BETRIEB KEMPIKSXi Sicitiner Sänger > Reicbsballea-Th„ Dönhoffpl. 8.15, Sonntags 3.30 zu ermBOieten Preisen >$5 Das g\ große Januar- Programm: . �.BlelißfißnErlißn