Abend- Ausgabe Nr. 24 B 12 50. Jahrg. Reboktton und �Verlag, Berlin SW 68, Lindenstr. 3 Fernlprecher«Ä? Am» Dönhoff?S2 b»S 2S7 Telegrammadresse, Soztaldemokra» Verlw BERLINER VOLKSBLATT SONNABEND 14. Januar 1933 In Groß° Berlin 1(1 Pf. Auswärts...... 10 Pf. Vezugsbedtngungen and Anzeigenpreise siehe Morgenausgabe Jentvaiorgan der Sozialdemokratischen Vavtei Deutschlands Schleicher droht Die Veror6nunx aus 6er ScKub1a6e soll anssewan6t werben Kommt Gtraher? Versuche um ein parlamentarische» Bechtshahinett Die gestrige mehr als zweistündige Unter- redung Schleichers mit Hugenberg hat einen ganzen Schwärm von Gerüchten aufflattern lassen, bei denen allen die Person Gregor S t r a ß e r s eine besondere Rolle spielt. Schon einmal war die Nachricht auf- getaucht. Straßer werde in Schleichers Ka- binett eintreten und einen Teil der national- sozialistischen Fraktion mitbringen. Es wurde damals aber auch gleich daran er- innert, daß dies die Wiederholung eines Experiments märe, das Brüning seiner- zeit mit den Deutschnationalen gemacht hatte. ohne zum Erfolg zu gelangen. Man be- zweifelte, daß Straßer bereit sein werde, eine ähnliche Rolle zu spielen, wie sie seiner- zeit Treviranus gespielt hat. Jetzt ist aber doch wieder sehr ernst davon die Rede, daß Straßer es versuchen will- Angeblich soll er der Vizekanzler und Sprechminister des Kabinetts Schleicher sowie Vorsitzender eines„Aktionsausschusses" wer- den, der innerhalb des Kabinetts gebildet werden soll. Vom Zentrum soll S t e g e r- w a l d in das Kabinett eintreten, von den Deutschnationalen Hugenberg als Führer des zu vereinigenden Ernährungs- und Wirtschaftsministeriums. Als Außenminister wird Brüning genannt. Das neugebildete Schleicher-Kabinett soll sich dann dem Reichstag stellen und diesen auflösen, falls er ihm die Unterstützung ver- weigert. Der Auflösung sollen Neuwahlen folgen, bei denen die deutschnational- zentrumlich-rechtsnationalsozialistische Koa- lition um die Mehrheit kämpfen würde Bei dieser Darstellung der Dinge fällt vor allem auf, daß sich die Deutschnationalen in eine parlamentarische Front eingliedern sollen, während sie doch bisher unter Hugen- bergs Führung jeder auch nur andeutungs- weisen Annäherung an das parla- mentarische System aufs heftigste widerstrebt haben. Nach einer Darstellung der„Kreuz-Zeitung" hat Hugenberg diesen Widerstand auch noch nicht ganz aufgegeben. Er soll fordern, daß die Regierung vom Reichstag wenigstens für ein halbes Jahr freie �zand verlangt und ihn. falls er dies verweigert, auflöst. Soweit die umherschwirrenden Behauptun- gen und Gerüchte. Man kann sie nicht ganz unglaubwürdig finden, wenn man bedenkt, wieviele Träume der„nationalen Rechten" in der letzten Zeit zerronnen sind. Mit der Nachl der langen Messer war es nichts, mit der Eroberung der Mehrheit durch Hiller war es auch nichts, die autoritäre Staats- führung Popens ist verkracht, die Präsidial- regierung Schleicher windet sich zwischen agrarischem und industriellem Interessenten- oruck in tausend Nöten. Was Wunder, daß man sich auf die alten Rezepte zurückbesinnt und die Dinge wieder so treiben will, wie sie zu Zeiten von Wilhelm Marx und Hans Luther zur Not leidlich gelaufen sind? Es ist keineswegs ausgeschlossen, daß die nationale Rechte aus der Sphäre der konter- revolutionären Romantik zur schäbigen Prosa des B ii r g e r b l o ck s zurückkehrt und daß der„Sozialist" Gregor Straßer mit dem Großkapitalisten Hilgenberg in diesem Zeichen seinen Frieden macht Sung bei ftinbenburg. Ter Reichspräsidenl empfing den zur Zeit in Berlin weilenden ehemaligen chinesischen I n d u st r i c m i» i st e r Dr. H. H. K u n g, der von dem hiesigen chinesischen Gesandten begleitet war. Ein Ausruf des Hommerschen Landbundes schließt mit der Aufforderung, die„heim- und Arbeitsstätte" gegen jeden Eingriff mit allen Mitteln bis zum letzten zu verteidigen. Der„Völkische Beobachter" bring« ein Bild„Wenn der Bauer aussteht im Land e". Diese Dinge und auch andere Hetzereien und Aufforderungen zum widerstand gegen dir Staatsgewalt geben dem Reichskanzler Veranlassung, daran erinnern zu lassen, was er im Dezember in seiner Rundsunkrede gesagt hat. Als er damals die Aushebung der einschränkenden Rolverordnungen ankündigte, hat er hinzugefügt. wenn die wiederhergestellte Freiheit mißbrauch' werden sollte, würde er dem Reichspräsidenten sehr energische Mahnahmen vorschlagen müssen. Die Kältewelle, von der das Reich seit Sonnabend überslutel wird, hat in den letzten 24 Stunden eine ungewöhnliche und von den Wetterstellcn nicht vorausgesehene Verschärsung angenommen. Roch immer strömen aus Mittelruß- l a n d Kalllustmafsen nach Mitteleuropa und es ist noch nicht abzusehen, wann der üaltluflstrom ein Ende haben wird. Zunächst wird der Kaltlusteinbruch durch die derzeitige Druckver- tcilung außerordentlich begünstigt. An der Südseite eines starken Hochdruckgebiete. das mit feinem Kern über dem Baltikum liegt, flutet die kalte Luft heran. Da sich gleichzeitig der Himmel aufgeklärt hat, wird die Kälte durch Bracht--! Banst an Heiniannsherg Am 20. Zuli 1932 lieh die„autoritäre Slaals- sührung" Papen-Bracht den Berliner Polizeipräsidenten G r z e s i n s k i, den Vizepräsidenten Weih und den Kommandeur der Schuhpolizei Heimannsberg durch Reichswehr aus ihrem Amt heraus verhaften und in Sicherheit bringen. Erst am spülen Abend wurden sie aus der Mililärhaft entlassen. Wenige Tage daraus wurde heimanns- b e r g abermals in früher Morgenstunde aus dem Bett geholt und in Untersuchungshast genommen, weil er angeblich Hochverrai vorbereitet habe. Auch dieser Streich der „Autoritären" traf daneben. Heimannsberg muhte wieder freigeiasjen werden uud lebt seitdem sozusagen„im Warlesland". Ossiziell konnte er nicht aus der Beamtcnstellung entfern» werden. Er bezog also Gehalt, brauchte aber nicht Dienst zu tun. Plötzlich hat aber auch Bracht, der Preuhcnkommissar. entdeckt, daß Herr Heimannsberg ein besonders wertvolles Glied des preußischen Bcamtenkörpers war. Denn er ließ ihn vor kurzem folgendes Schreiben zugehen: Sehr geehrter Herr Polizeikommandeurl Mit Ablauf dieses Jahres scheiden Sie Ihrem Antrage entsprechend aus dem Dienst der Schutz Polizei, der Sie seit ihrer Gründung in besonderem Maße verbunden waren. Reiche polizeiliche Ersahrungen und zielbewußte Schas- senskrast gaben Ihnen die Möglichkeit, sich i n den verschieden st en Stellungen Es wird jetzt gedroht, gegen solche Hetzereien in einer Weise vorzugehen, die die betressen- den Zeitungen für längere Zeit sehr fühlbar treffen würde, die aber auch die verantwortlichen Personen nicht strassrei lassen ivürde. 3n diesem Zusammenhang ist auch die Rede von einer Prüfung jenes Pommerschen Landbund-Aufruses nach strafrechtlicher Richtung '* 3n Ergänzung der Warnungen des Reichskanp 'crs kann mitgeteilt werden, daß sich die vor- : eschenen scharfen Mahnahmen der Reichsregic- lung zur Wiederherstellung der öffentlichen Ruhe und Ordnung nicht nur gegen Ausschreitungen der Presse richten werden, sondern die Ausstrahlung wesentlich oerschärst. Das w.w besonders in der letzten Nacht in und in der Um- asbung Berlins der Fall Das Thermometer sank stellenweise auf 10 bis 12 Grad Kälte. Um 8 Uhr früh herrschten in Berlin 9,4 und um 12 Uhr mittags noch immer 8 Grad Kälte. Am kältesten ist es in Schlesien mit IS Grad Kälte, dann folgen Ostpreußen mit 12 Grad. das mittlere Deutschland mit 8 bis 11 Grad Kälte und zuletzt die Oberrheingegend mit S und die Niederrheingegend, wo es am mildesten ist, mit 2 bis 3 Grad Kälte Im großen und ganzen dürften die Temperaturen in Berlin am Sonntag bei heiterem Wetter noch weiter sinken. Schnee ist voraussichtlich zunächst nicht zu erwarten. bestens zu bewähren. Nach schnellem Ausstieg wurde Ihnen die Führung der Berliner Schutzpolizei übertragen, an deren Spitze Sie in nahezu sechsjähriger Verwendung Ihre ganze Kraft der Aufrechterhallung von Ordnung und Sicherheit in der Reichshauptstadt gewidmet haben. Ihnen für dieses wirken meinen und der preußischen Staatsregierung besonderen Dank auszusprechen. ist mir eine angenehme Pflicht. Das Bewußtsein, Ihrem Vaterlande in schwerer Zeit an verantwortungsvoller Stelle treu gedient zu haben, soll Sie auch nach Ihrem Scheiden aus dem Amt mit Genugtuung und Stolz erfüllen. Mit vorzüglicher Hochachtung Ihr sehr ergebender L o e h r s. In Vertretung des Kommissars des Reiches. Also einen Mann, der nach B r a ch t s eigenem Zeugnis seinem Vaterlande stets treu gedient hat, hat der gleiche Bracht in Verbindung mit dem Franz von Papen durch Neichswehrsoldaten in Stahlhelm und mit voller Wehr wie einen Verbrecher aus seinem Amt holen und in Hast abführen lassen! Der Brief, den Heimannsberg jetzt zum Ab- schied erhielt, teilt schallende Ohrfeigen aus. Wen sie treffen, werden unsere Leser selbst wissen! China wehrt sich! Genf, 14. Januar. Die chinesische Regierung übermülelte dem Generalsekretär des Bölkerbundes den Inhalt einer Note, die sie soeben an die Signatar- staaten des Protokolls von 1991(des sog. Boxer-Protokolls. Red.) gerichtet hat. In dieser Note lenkt die chinesische Regierung selbstverständlich auch gegen die Terrorakt e, die in der letzten Zeil überhand genommen haben. SA. noch immer bewaffnet UnJ immer neue Feueriiberfälle In der vergangenen Rächt wurden wieder zwei lebersälle auf Parteilokale verübt, und zwar wurden zwei kommunistische Verkehrs- lokale von unbekannten Tätern beschossen. ohne dah jedoch jemand verletzt wurde.— Die Heber- sälle beweisen, welche herrliche Zustände sich in Berlin in den letzten 14 Tagen unter dem Slrahenterror der bewassnelen Ralionalsozialislen entwickeln konnten. die Aufmerksamkeit der Mächte auf die Tatsache, daß die japanischen Truppen in widerrechtlicher Ausnutzung eines in dem Protokoll von 1991 Japan gewährten Sonderprivilegs die Stadt Schanhaitwan angegriffen und be- jetzt haben. lausende von friedlichen chinesischen Bürgern seien hierbei gelötet, und außerordentlicher Sachschaden verursach: war- den. Zerner seien gegenwärtig neue japanische Truppenzusammenziehungen an der Eisenbahn- linie Peking-Rlukden festzustellen. Unter diesen Ilmständen sehe sich die chinesische Regierung ver- pflichtet, zu erklären, dah sie keinerlei Ver- a n t w o r t u n g für die weitere Lage über- nehmen könne, und daß die chinesischen Truppen nunmehr gezwungen seien, von dem Recht der rechtmäßigen Verteidigung gegen die Angriffe der japanischen Truppen Gebrauch zu machen. Die chinesisch« Regierung ersucht den General- sekretär des Völkerbundes, sämtliche Mitglieder der Völkerbundsversammlung unverzüglich von dem Inhalt dieser Note in Kenntnis zu fetzen. In unterrichteten Kreisen sieht man darin eine ofsizielle Ankündigung, daß die chine- fische Regierung nunmehr zu weilgehenden militärischen Abwehrmahnahmen gegen die japanischen Angriffe schreiten werde. Hitlers Schwedenpump Eigener Bericht des„Vorwärts" Stockholm, 14. Januar. „Sozialdemokraren" hat erfahren, daß der schwedische Bankier Vällenberg der Hit- lerei 4 bis 5 Millionen Mark leihen wolle. Ballen- berg habe kürzlich gelegentlich eines Durchreise- aufenthalts in Berlin mit Reichstagspräsident G ö r i n g und dessen Schwiegervater über die Möglichkeiten und Sicherheiten der Anleihe verhandelt. * Der Schwiegervater des Herrn Göring lebt in Schweden. Dadurch sind wohl die Beziehungen zu dem Stockholmer Bankier Vollenberg zustande AcUhvhfy! Heuköttn! Montag, den 16. Januar, 1614 Uhr Schillerpromenade JlcoUd Es soll noch kälter werden Berlin 1 1(irad— Ueberall Frostschäden Gekommen. Göring ist dieser Tage aus Stockholm zurückgekehrt, nachdem dort die Anleihe unter Sicherstellung durch die„Braunen Häuser" der Hitler-Partei sestgelegt worden sein soll. Um die Geldbeschasfung für die Hitlerei scheint sich auch Herr Franz v. Papen bemüht zu haben, der über den früheren Stinnes-Generaldirektor Minoux die erforderlichen 4 bis 5 Millionen Mark zusammenzubringen hofft. Zur Unterredung Hindenburg- Gregor Straher wird offiziös mitgeteilt, daß sie nur 35 Minuten gedauert hat und nicht stundenlang, wie bereits behauptet worden ist. Aegypter als GaNenmörder Der Fast Irenzel vorn den Tod gelrieben. Dämichen war seit langen Jahren a r b e i t s- los. er erh:«It als Kriegsbeschädigter eine außerordentlich geringe Reicherente, so daß er mehrfach genötigt war, das Wohlsahrls- a m t in Anspruch zu nehmen. Hier wurden ihm mehrfach Einzelunterstützungen gewährt. Den noch rüstigen Mann bedrückte es schwer, daß er keine Beschäftigung finden konnte und deswegen seine Frau arbeiten gehen mußte. Ein« immer stärkere Deprejsionsstimmung hatte von ihm Besitz er- griffen. Er hatte noch versucht, auf Grund seiner Kriegsbeschädigung ein Darlehen zu erhallen, wurd« jedoch an das Wohlfahrtsamt oerwiesen. Hier hat er den Antrag nicht mehr gestellt. Als die Toiletten des Wohlfahrtramtes Prenzlauer Berg gesäubert wurden, entdeckte man voller Eni- setzen, daß d«r Mann sich in einem Anfall von Schwermut erhängt hatte. Frankreich und Japan Erklärungen Paul Boncours in der Kammer Eigener Bericht des„Vormärts" parle. 14. Januar. In der Kammer kam es am Freitagabend zu «iner kurzen Debatte über den chinesisch-japani- schen Konflikt anläßlich der Festsetzung des Datums für die Besprechung der Interpellationen darüber. Nachdem Paul Boncour Vertagung bis nach dem Zusammentritt des 19. Ausschusses des Völkerbundes verlangt hattc. betonte der Sozialist Fontanier, daß Japan unter dem Dorwand, die Ordnung in der Mandschurei wiederherzustellen, einen regelrechten Krieg gegen China führe und der Völkerbund, wenn er sich als un- fähig erweisen sollte, die Verteidigung des an- gegriffenen Volkes zu übernehmen, damit sein Todesurteil unterschreiben würde. Er bat daher die Kammer, klar und energisch ihren Willen zu bestätigen, das Völkerrecht zu verteidigen Wenn die Regierung nicht die erwartete Erklärung abgebe, würden die Sozialisten die sofortige Besprechung der Interpellationen verlangen. Abg. de Taftes von der Tardieu-Partci ver- teidigt« unter lebhaften Protesten der Linken die Haltung Japans, das um seine E x l st e n z ringe. Paul Boncour führte dann aus, wenn d«r Völkerbund in dem chinesisch-japanischen Konflikt nicht alles getan habe, was Frankreich wünschte, so dürfe man doch nicht vergessen, daß es ihm gelungen sei, die Kämpfe um Schanghai im vorigen Jahr zum Stillstand zu bringen. Die mandschurische Angzlgenheit sei schwieriger und die Lösung werde durch die großen Entfernungen und die besonderen Bedingungen, in denen sich dieses Land befinde, kompliziert. Die Haltung Frankreichs in Geist habe sich nicht geändert. Die französische Politik im Fernen Osten werde weiterhin durch das Recht und die G e r c ch t i g k e i t zwischen Japan und China bestimmt werden. Die Freundschaft Frankreichs für Japan könne nicht durch einen Konflikt beeinflußt wer- den, in dem es sich darum handele, sich für das Recht auszusprechen. Die Kammer erklärte sich daraus mit der Ver- tagung der Interpellation einverstanden. Konflikt um die �Pippinen Zwischen Hoover und dem Parlament Washington, 14. Januar. Gegen das kürzlich vom Parlament angenom- mene Gesetz, durch das den Philippinen die volle Unabhängigkeit nach zehn Iahren versprochen wird, hat Präsident Hoover von seinem verfassungsmäßigen Vetorecht mit der Begründung Gebrauch gemacht, daß die Philip- pinen in zehn Jahren noch nicht wirtschaftlich genug entwickelt sein würden. Er begründet seinen Einspruch weiter mit der Gefahr, daß die Inseln leicht eine Beute fremder Mächte Im Fernen Osten werden könnten Das Abgeordnetenhaus hat nun zu dem Veto Hoov«rs Stellung genommen und es mit 274 gegen 94 Stimnien zurück- gewiesen. Der Senat wird nun gleichfalls zu dem Veto Stellung nehmen. Es erscheint aber z w e i s« l- hast, ob dort die zur Ablehnung tez Vetos notwendige Zweidrittelmehrheit erzielt werden wird, wie sie vom RepräfentaMenhaus ausge- bracht wurde. «Japan fühlt sich getroffen Tokio, 14 Januar. Die außenpolitischen Betrachtungen Hoovers in feinem Veto gegen die Selbständigkeit der Philippinen haben in der japanische Retzierung stark verschnupft, wenn man auch zugibt, daß Hoooer Japan nicht unmittelbar genannt habe. Man saßt jedoch seine Aeußerungen dahin auf, daß ein selbständiger philippinischer Staat einer japanischen Invasion hilflos gegenüberstehen würde. und geschlechtslüsternen Menschen allgemein schil- dern. Di«s« in zwei Minuten aus 639 Seite» vorgetragene Charakteristik genügte für die Mehr- heil des Ausschusses, um zu einer glatten Ab- lehnung des Gesuches zu gelangen. Der Be- deutung des Falles und dem öffentlichen Aufsehen, das er erregt hat, entsprach diese Art der Be- Handlung keineswegs. Kommlssansche Bummelei Preußischer Etat noch nicht einmal gedruckt! Entgegen einer Zeitungsnachricht, die davon wissen wollte, daß der preußische Staats- Haushaltsplan für 1933 von der kommissa- rifchen Regierung jetzt fertiggestellt sei und der Regierung Braun übergeben werden solle, damit- sie ihn an die Parlamente leiten könne, wird dem Nachrichtenbüro des VDZ. in unterrichteten Kreisen erklärt, daß der neue preußische Etat noch von den Ressorts behan- d e l t werde. Der Haushaltsplan habe bisher noch nicht das Gremium der Kom- missare passiert und liege auch noch nicht gedruckt vor. Schon jetzt könne man aber sagen, daß der Haushaltsplan bereits die ersten Ersparnisse enthalten werde, die sich aus der Reform der preußischen Verwaltung ergeben. Allerdings dürften in materieller Hinsicht di«se Ersparnisse vorläufig nur gering sein. * In Kreisen, die der Regierung Braun nahestehen, wird erklärt, daß bisher dem Ka- binett Braun irgendeine Möglichkeit zur Mitarbeit am neuen Haushattsplan nicht gegeben worden fei. Das Kabinett Braun beharre, ohne daß es etwa eine Politik der Schikanen treiben wolle, auf der Ansicht, daß es nicht eine wichtige Vorlage vor dem Parlament zu vertreten in der Lage sei, ohne daß man ihm Gelegenheit gegeben hebe, bei der Aucarbettung mitzuwirken bzw. die Unterlagen selbst nachzu- prüfen. Sollte ein solches Mitwirkunzs- recht nicht gewährt werden, dann könne der Fall eintreten, daß das Kabinett Braun sich ent- weder weigert, den Haushaltsplan an das Parlament zu bringen, oder aber daß es von sich aus die Positionen einfach ändert, die ihm ä n d e r u n g» b e d ü r s t i g er- scheinen, oder mindestens, daß es seine ab- weichende Meinung den beiden parlamentarischen Körperschaften gegenüber zum Ausdruck bringt. Im letzteren Falle würden wir in Preußen ge- wissermaßen die Vorlegung zweier Etats an das Parlament erleben, eines Haushalteplanes der Kommissare und eines der Staatsregierung, die nach dem Leipziger Spruch allein befugt ist, Vorlagen an die Parlamente zu bringen. DleFrieöhof-Demonstratton Einlenken der Kommunisten Die Kommunisten hatten an das Bezirksamt Lichtenberg das Verlangen gerichtet, den Zentral- friedhof Friedrichsfelde den ganzen Sonntag über für die Demonstrationen am Liebknecht-Luxem- burg-Krabdenkmal freizugeben Das Bszirksoml hatte diesem Ersuchen nicht stattgegeben, weil sich in früheren Fällen bei den kommunistischen Ver- anstaltungen auf dem Friedhos schwere Unzu- träglichkelten herausgestellt hatten und von den Verwaltungskörperschaften deshalb beschlossen worden war, bei Demonstrationen nicht mehr als 1399 Personen zuzulassen. Wie wir vom Bezirks- amt Lichtenberg hären, haben die Verhandlungen mit den Vertretern der Kommunistischen Partei dazu geführt, daß der Friedhof in der Zeit von 13 bis 1414 Uhr für die kommunistische Feier frei- gegeben wird. Die Kommunisten haben sich ihrer- seit» bereit erklärt, di« Hauptoeranstaltung aus dem Wagnerplatz abzuhalten und nur De- l« g a t i o n e n zum Grabdenkmal zu entsenden. Die„Rote Fahne" beschäftigt sich inzwischen mit dieser Angelegenheit in einer Art und Weise, die deutlich erkennen läßt, daß e» ihr gar nicht aus eine Totenehrung, sondern einzig und allein auf einen Skandal ankommt. Zu diesem Zweck erfindet sie eine„Provokation des SPD.- Parteivorstandes an den Gräbern Liebknechts und Luxemburgs" und Ichimpf spaltenlang auf den Ge- nossen Wels. Wir stellen fest, daß weder der Parteivorstand noch der Genosse Wels mit der Sache irgend etwas zu tun haben. Sie haben nicht eingegrijfen, sie haben keine Aufträge erteilt, sie haben also auch nicht„provoziert". Wenn die„Rote Fahne" in diesem Zusammen- hang von„Leichenschändung" spricht, so fällt dieses Wort auf sie zurück. Die Art, wie sie alljährlich das Andenken Karl Liebknechts und Rosa Luxem- burgs mißbraucht, um den Haß innerhalb der Arbeiterbewegung zu schüren, ist in der Tat Leichenschändung der schlimm st en Art! Reichstagsabgeordneter L o l b l von d«r Fraktion der Bayerischen Volkspartei, der gestern ahend. wie berichtet, in der vikloriastraße von einem Auto überfahren und schwer verletzt wurde, Ist heule vormittag im Sanatorium in der Salckreuthsl.aße gestorben. Die Kundgebung des Sozialistischen Kulturbundes. die morgen. Sonntag, in der Volksbühne stattfinden sollte, wird infolge plötzlicher E r- krankung von Thomas Mann um vier bis sechs Wochen verlegt. Oer neue Termin wird noch bekanntgegeben. Tie ausgegebenen Karten behalten ihr« Gültigkeit. Das Llnrecht an Berlin Die �uruckset�unx der Reichshauptstadt Cet Oberbürgermeister hat dem Landtag eine neue Eingabe der Sladt Berlin übermittcll, die eine gerechlere Gestallung des preußischen Ii- nanzausgleichs im kommenden Haushallsjahr verlangt. An der Hand eines reichhaltigen Zahlenmaterials wird die durch nichts gerechl- sertigte Zurücksetzung Berlins im einzelnen dargelegt. Die Stadt fordert vor allem, daß die sogenannte „relative Garantie" am 1 April 1933 endlich aufgehoben wird, da ihre U n g e- r e ch t i g k e i t von allen beteiligten und interes- sierten Kreisen: den Gemeinden und ihren Spitzen- verbänden, dem Landtag und seinen für diese Fragen sachverständigen Mitgliedern, selbst von der Staatsregierung und ihren Fachreferenten seit langem anerkannt ist. In den Rechnungsjahren 1924 bi:, 1930 sind der Stadt zugunsten des zwischengemeindlichen Finanz- ausgleichs durch die relative Garantie und durch den Polizei- und Schullaste-musgleich nicht weniger als 200,5 Millionen Mark entzöge-, worden. Für 1931 sind es 32,9 Millionen Mark gewesen und für 1932 werden es schätzungsweise 21,3 Millionen Mark sein, zusammen 254.7 Millionen Mark. Theater. Esprit und soviel herzensfreundlichkeit, daß von dem Uebersluß des„frivolen" Franzosen Deutschlands verrohtestes Nazitum profitieren könnte. Aber schon der Uebersetzer Bruno Frank schädigt den anmutigen Urtext. ,�hans der Träumer" heißt das Stück. Der Verdeutscher tituliert:„Terzett". Er hätte ebensogut„Die Apselsinenschale" oder„Rutschasphalt" titulieren können. Denn in der Komödie gleiten einige Gemüter aus. Sie verirren sich aus dem Gefühl in die Ekstase. Aber wozu solche Verdickung des hübschen Textes, zumal sie nur eine Verdünnung und Ver> ballhornisierung bedeutet? Geschmackvolle Fran- zosen beklagen sich, daß deutsche Literatur von Pariser Ueberseyungsfabrikamen oerhun.zt wird, und sie appellieren an ihre Elite. Es ist anzu- nehmen, daß Bruno Frank, der deutsche Ver» mittler, sonst ein besierer Wortemacher, von feinen Direktoren vergewaltigt wurde. Auch der Regisseur, Francesko von Mendels- söhn, läßt viel zu dick und deutlich spielen. hachard strömt über von Gemüt. Die deutsche Ausführung trieft manchmal von Salbung. Hans der Träumer wird zum Schlemihl der Liebe. h ö r b i g e r, der den Träumer spielt, den mitten in Paris seine preziöse Lächerlichkeit genießenden Liebhaber, verliert den Sinn und die Linie. Er sinkt herab zum Operettenschaute. In der wirk- lichen Komödie sollte er die Naivität selber sein, ein goldiger, schlichter Anbeter, der es sich zur Ehre rechnet, das kleine Mädelchen auch dann für sein Schlafzimmer legitim zu adoptieren, wenn sie schon etwas lädiert zu ihm kommt, wenn sie sich, trotz der hübschen Behaglichkeit, wieder nach dem Fortslattern sehnt. Der Träumer wird geneppt und genarrt, in seinen vier Wänden versäuernd und verbitternd, wenn er erfährt, daß Antoinette ihn belohnt, indem sie ihn betrügt. �Veltiuimor in dieser Zeit Ludwig Hardt rezitiert Mitten in den Sorgen und Nöten der Gegen- wart die Menschen für zwei Stunden alles ver- gefsen und in der befreienden Welt des Humors untertauchen zu lasten, ist gewiß ein« schwere Kunst. Aber Ludwig Hardt löst sie meisterhaft, wenn er in der„Tribüne" aus Bürger, Fon- tane, Kleist und Hebel. Storm uno Lil encron vorträgt Es gibt verschiedene Arten der Vor- tragzkunst, und man kann darüber streiten, ob die von der Form ausgehende und ihre Einheit be- tonende Art die bessere ist oder die andere, die alles lebendig macht und dramatisch gestaltet. Hardt gehör: zur letzleren Schule, er ist der Vir- tuos« lebendigster Nochgestaltung, er geht bis an die Grenze der Aankotur, in der allein nach einem tresjenden Wort die höchste Wahrheit ist. Welch charakteriststches Mienensplel. welche emdrucks- vollen Gesten unterstützen den Vortrog! Da steht der Baron von Münchhausen le-bhastig vor uns und erzählt uns seine grandiosen Aufschneidereien. Da wird Kleist nnt seinen von Dramatik ge- spannten Anekdoten zum unmittelbaren Erlebnis. Di« kleinen Geschichten aus Hebels Schatzkästlein enthüllen uns einen Erzähler, wie er uns so noch nie gezeigt wurde llnd dann erst die plattdeut- sch-n Gaben. Hardt beherrscht nicht nur die platt- deutsche Sprache mit ihren weichen Vokalmodu- lationen auf das vollkommenste, er weiß auch hier aus sonst zu Tode zitierten Stücken die Feuer- funken sprühen zu lassen. Der Wetllaus zwischen Swinegel und Hase wird zu einem Kabinettstück Der Finanzausgleich hat sich über die ihm ohne hin schon anhängenden Mängel hinaus noch da- durch wesentlich verschlechtert, daß sowohl der Polizeilastenausgieich als auch der Schullasten- ausgleich auf die höhe des Auskommens der Ein- kommen- und Körperschastssteuer keine Rücksicht nehmen, vielmehr ihre volle Dotierung mit im voraus festgesetzten festen Beträgen verlangen. Die Stadl muß für 1932 noch über 5 ZNil- lionen Mark mehr an andere Gemeinden ab- geben, alz sie selbst behält. Dieses Mißverhältnis dürste selbst die grundsätz- lichen Gegner Berlins— denen von dem Ber- iiner Steueraufkommen nie genug für Finanzaus- gleichezwecke abgezweigt werden konnte— über- zeugen, daß hier jedes erträgliche Maß überschritten ist. Zu den Benachteiligungen Berl-ns bei der Ein- kommen- und Körperschaftssteuer tritt nun noch die bei der Verteilung der Kroslfahrzeug- st e u e r. Die Stadt hat von der in Berlin aus- gekommenen Kraftfahrzeugsteuer in höhe von 23,1 Millionen im Jahre 1930 ganze 3.2 Millionen 13,85 Prozent erhalten und im Jahre 1931 von 21,3 Millionen nur 2,9 Millionen— 13,61 Das ist nun nicht die Geschichte vom Gehörnte». das ist eine Märchengeschichte mitten in der Groß- stadt, ein Stück Romantik und ein romantisches Stück. Der Träumer will«ine Fabelblume für das falsche Herzchen erdichten und wirtlich er- schaffen. Und Antoinette ist gar nicht falsch, sie ist im Gegenteil ganz echt, weil sie falsch ist, denn sie ist ganz Weibchen. Sie bildet sich ein, daß sie nicht treu sein darf. Das gehört nun einmal zu ihrer Natur. Plötzlich dreht sie alles um. Weil der Träumer alles verzeiht und alles gewährt, will sie nun wieder nicht betrügen, will sie um jeden Preis bei ihm bleiben. Das ist ihr« Logik, das ist ihre Falschheit. Sie will eben stets das Gegenteil von dem, was ein Träumer will. Denn sie steht ganz im Leben. Das ist der Esprit der Komödie und auch ihre Herzensfreundlichkeit. Bei der deutschen Aufführung zerschellt das Lustspiel, well hörbiger zuviel vertieft, und sich, ungebändigt, von dem niemals streichenden Re- gisteur, in Monologe und Monotonie auflöst. Maria B a r d, der Schmetterling Antoinette, schillert bunter, beweglicher, äußerlicher. Sie sucht in chrer Rolle nichts als Heiterkeit und verzichtet auf die Zwischentöne, und es stimmt. Dos Stück hat eine Clownsfigur, den Bruder Antoinette«, den fröhlichen Kuppler, den stets Lästigen, der sich stets willkommen glaubt, den Schuft, der sich stets einen Moralisten glaubt. R ü h m a n n spielt den kuppelnden, zapvelnden Jungen, das niedliche Zu- hälterchen, den brüderlichen Gigolo. K a m p e r s tobt als schwitzender Gewaltsliebhaber sehr hu- moristisch, ein bajuw�rischer Pariser, und er hat Applaus bei offener Szene. Auf das Gröbere gestimmt, für das Gröbste emvfänglich. merkt d'e Premierenfamilie nicht, daß ihr ein feineres Lustspiel okt als Schlemihl- poste ausgeführt wird, und die Familie dankt den Rotters auch für diese Untat. Xlax Hochdorf. der Klassenpsychologie. Lesebücher. Gedichten wie Uhlands„Schwäbische Kunde" gibt der Meister des Worts einen neuen Sinn, indem er sie ins Burleske übersetzt. Ludwig Hardt liest auch heute und morgen in der„Tribüne". ck. �VirMichheit und Scheinen Gelebtes Spiel— gespieltes Leben Di« Schultheß-Tru ppe, die mit ihren Bühnenaufführungen von Bauernstücken so erfolg. reich ist, hat sich bereits im November vor dein Mikrophon der Berliner Funkstunde dewährt. Jetzt hatte der Deutschlandsender sie sich geholt. Gespielt wurde Ludwig Thomas„Magdalena". Es war interestant, diese Aufführung mit der de? Anzengniber-Stückes zu vergleichen, die am Tage zuvor in Berlin stattgefunden hatte. Der Ver- gleich fiel trotz des starken Spiels der Schultheß Leute wenigstens für die von den Hauptdarstellern getragenen Szenen nicht allzu sehr zuungunsten der Funkstunden-Aufführung aus. Doch unend- iich eindringlicher war die Gesamtdarstellung in ihrer wuchtigen Einfachheit. Die Schauspieler der Schultheß-Gruppe sind diesem bäuerlichen Leben. das sie nachgestatten, menschlich verbunden. Darum übertreiben sie nie. Was am Schluß des Spiels aus der Lern, der sündigen Magdalena wird, dürste vielen Hörern unklar geblieben sein. Doch mit solchen Ausführungen verdient sich der Deutschlandsender seinen stolzen Titel„Reichs- sender" anscheinend nicht. Dazu ist wohl weniger Dienst am Hörer, als Dienst für die Herren" Prozent. Weiter muß auch d-e im Verhältnis zum örtlichen Aufkommen bisher qanz unzulängliche Beteiligung Berlins an dem Finanzanteil aus der Hauszins st euer besonders hervorgehoben -verde». Zum Schluß machte der Oberbürgermeister noch auf die Verkürzung des Anteils an der Umsatz- st e u e r aufmerksam, die Berlin durch die Berück- sichtigung der Schulkinderzahl be> Festsetzung der Verteilungsschlüssel erfährt. Zusammenfassend beantragt die Stadt Berlin: 1. Aufhebung der relativen Garantie. 2. Erhöhung des„Voraus" de- der Kraftfahr- zeugsteuer für Berlin von IL Prozent auf min- bestens 3.5 Prozent. 3. Verteilung eines Drittels der hauszinssteuer statt bisher von drei Zwanzigsteln des Gemeinde- anteils nach dem Maßstäbe des örtlichen Auf- kommens. 4. Streichung der Bestimmungen über die Ver- edelung der Einwohnerzahl durch die Zahl der schulpflichtigen Kinder be> der Umsatzsteuer. 5. Weitgehende Aufhebung der aus der Gesamt- masse der Gemeindemittel abgezweigten festen zen- traten Ausgleichsfonds. nötig. Die schon so oft nnßbrauchte„Stunde der Arbeit" mußt« dazu herhalten. Ein Dr. Lämmer lieh über„Konjunkturbe- lebung und Arbeitsmarkt" die be- fohlen« Freiherrn-Weisheit los. Besonders bös- artig war fein Mißbrauch mit statistischen Zahlen des ADGB. und der Krankenkassen, mit denen dieser tüchtige Mann seine Theorie erhärtete. Er rechnete wohl damit, daß sicher nur wenige Hörer wissen, daß in der scheinbar günstigen Arbeits- marktstatistik des ADGB. die Landarbeiter und die Angestellten nicht entHallen sind. Unbekannt wird es vielen ebenfalls sein, daß die Veschäf- tigtenstatistik der Krankenkassen, die 200 000 bis 250000 im Arbeitedienst tätigen Pflichtversicherten mitzähtt. Mit vielen„Wenn" und„Aber" zauberte der Vortragende den Hörern die Fata Morgan« einer rosigen, allerdings noch etwas ungewiß ent- fernten Zukunft vor. lr. Das Berliner Musikleben ist eine sehr merk- würdige Angelegenhett. Da gibt es wochenlang keine ernstzunehmenden Orchesterkonzerte, monate- lang ist kein Ton neuer Musik zu hören— plötz- lich aber hört man nichts als neue Musik, immer wieder gibt es Abende, an denen die wichtigsten Veranstaltungen kollidieren. Was läge daran. wäre der Interessentenkreis groß genug? Da er es aber notorisch nicht ist,— wirkt es nicht reich- Iich grotesk, sich über das Ausbleiben des Pu- blikums zu beklagen, auf das man andererfells keinerlei Rücksicht nimmt? Soviel uns bekannt ist, wurde im Vorjahr unter Vorsitz weiland des Funk- intendanten Dr. Flesch eine Ausgleichs st elle geschaffen, die über übernahm, wenigstens zur Vermeidung der bedauerlichsten Gleichzeitigkeiten in Hinsicht der Aufführungen und Programme so etwas wie M u s i k p l a n w i r t s ch a f t zu ver- wirklichen. Nun, Dr. Flesch ging den Weg aller Funkintendanten. und die Ausgleichsstelle scheint mit ihm in der Versenkung verschwunden zu sein, nie wieder ward von ihrer Wirksamkeit etwas gehört. Wäre es aber nicht endlich an der Zeit, sie ins Leben zurückzurufen, wäre es nicht sogar höchste Zeit, einer Planlosigkeit«in Ende zu be- reiten, die das fo schwer kämpfende Konzerlleben aufs Empfindlichste schädigt? Gestern zum Beispiel fand unter U n g e r das Festkonzert anläßlich des 25jährigen Bestehens der „Gesellschaft der Musikfreunde" statt — gleichzeitig dirigierte Klemperer das dritte Staatsopernfymphoniekonzert. Unger begann mit Beethoven: machte dann das ebenso interesiante wie insttuttive Exveriment, Vivaldis Konzert für vier Violinen der Bachschen Bearbeitung für vier Klaviere gegenüberzustellen: um mit Bruckners letzter Symphonie zu schließen. Klemperer hatte für diesen Abend aus den klassischen Gefilden in die Moderne heimgefunden: Kreneks „Thema und 13 Variationen für Orchester opus 69" eröffnete den Reigen:«in sehr eigenes. eigentümliches Werk, objektiv gestaltet, ohne im mindesten doktrinär zu fein: voll persönlichster Herrschaft über das Material, ohne dem Cmpfin- dungs-, ja selbst Stimmungshaften aus dem Wege zu gehen.— Folgte Busonis„Bereeuse 6Ieg>a- q»e", ein wunderbar feines und vornehmes, un- endlich zartes Stück für Kleines Orchester: Busonis Geigenkonzert endlich, dessen Solopart Max Strub betreute.(Janaceks Sinfoniella konnte ich nicht mehr hören.) Ein Geigenkonzert, das Szymanoofkis, stand auch im Mittelpunkt des I o ch u m- Konzerts: ein klangschwelgerisches. impressionistisch glitzerndes, nervös vibrierendes Stück(formal un- deutlich und schwer faßbar), das Kulenkamp ?einlidi Huh! Da ist schon wieder ein Eisen, das Hitler nicht anfassen kann! Ein Löbe-Bildnis für den Reichstag. Bei der Wiedereröffnung des Reichstags wird man in der Vorhalle vor dem Prästdentenzimmer das Bildnis sehen das für die Galerie oer Präsidentenbilder soeben fertiggeworden ist: das Porträt des bis- herigen Reichstagspräsidenten Paul Lobe, ein Werk von K l a u s R i ch t e r. Er hat mit seiner zeichnerischen Schulung dem Bildnis Löbes eine scharfe und sachliche Form gegelew Da» Parlament bis Variete». Tie alljährliche Berliner Generalversammlung der internationalen Variete- weit findet ol» Judiläumstagung anläßlich de» 2ö- jährigen Bestehens de» Verbandes statt. Die Tagung beginnt Dienstag. Donnersiao findet eine große Kin dcrspeisung und Vorstellung im großen jZestsaal bei Kroll statt. Aus dem Barieteball bei Kroll am Ton. nerstag werden die Tpitzenleistungen der großen Ber- liner Varietes und Kabaretts gezeigt. Maria Jvagiin wird im IV. Konzert der Volks- bübne Sonnlag, 22. Januar, mittags 11.39 Uhr, Arien von Back, Händel, Mozart, Lieder von Brahms, Ro- koko-Liebeslieder, Morgensternlieder und Walzer von Strauß vortragen. AI»„Stimme tum Tag" spricht heute Dr. Rudolf Vechel über das Thema:„Die Krise des Ber- liner Theaters" Erich Carow im Rundfunk. Heute, zwischen 8.30 und 10 l'fit, findet die Beranstattuna:„Das Milrovhon hat Ausgang", eine Rundjuuksendung aus der Lach- bühne statt: Erich Carow in der Komödie„Herz und Schnauze". Vilma Mönckeberg wird Montag, 8 Uhr, in der Trümpv-Skoronel-Schule, Wilmersdori. Blütbgenstr. 5, „Geschichten der Völker" erzählen. angenehm kühl unb distanziert interpretiert«.— Amerikanische neue Musik war unter Howard h a n s o n(Direktor der Eastman Scool os Music an der Universiät in Rochesterl zu hören, der es verdienstlicherweise nicht nur nnlernimnit, Ameri- taner in Deutschland, sondern auch junge Deutsche in Amerika zu propagieren. Was hierzulande „neue" Musik heißt, war es freilich nicht; Ekl«tticlemen vielmehr verschiedener Herkunft: etile romantische Symphonie selbst und Sympho- nische Dichtungen— durchaus programmatisch bestimmte, von allen möglichen Meistern zwischen Wagner und Strawinsky beeinflußte Musik. Am erfreulichsten wirkten Tanzbearbeitungen von Sowerby, John Powell und dem Negerkompo- nisten William Grant Still. Ä. W. Die Theaterkrise breitet sich aus Die Krise des Deutschen Theaters ist keineswegs abgeschlossen: die Direktion Beer-Martin ist jetzt definitiv zurückgetreten, da sie keine Sanierungs- Möglichkeiten mehr fand. In einer Volloerfamm- lung des gesamten Personals des„Deutschen Theaters" in Gegenwart von Dr Rudolf Beer und Karl Heinz Martin wurde im Einverständnis init Professor Reinhardt beschlossen, den Theater- betrieb bis zum Abschluß der Verhandlungen mit einer neuen Direktion in Form einer Spielgemein- schast jortzuführen. Aus dem Spielplan bleibt in der bisherigen Besetzung die von Max Reinhardt inszenierte Vorstellung von„Der Prinz von Homburg". Die Vertreter der Schauspieler und Angestellten wollen eine Notkonzession erwirken. Eduard von W i n t e r st e I n soll die Leitung übernehmen. Die beim Polizeipräsidium hinterlegte Kaution wird für die Gagen in Anspruch genommen werden. Das neue Kollektiv will die Eintrittspreise erheblich erniedrigen. Inzwischen breitet sich die Berliner Theaterkrise weiter aus. Es heißt, daß der Rotter-Kon Zern, der drei eigen« und sechs Pachttheater m Berlin unterhält und den größten Theaterbetrieb darstellt, den wir in Deutschland je gehabt haben, umgestellt werden muß Es wird angedeutet, daß einige Theater vielleicht nicht mehr weitergeführt werden sollen: die Umstellung würde in Form einer neuen Gesell- schast erfolgen, die neues Kapital mitbringt Eine Großbank, die bereits erheblich beteiligt ist. soll weitere Mittel gewähren, ho'sentlich jorgt die Reichsaussicht der Banken dafür, daß hier keine Steuergelder weiter durch die Banken oerplempert werden. Marcel Hachard:„Terzett" Theater in der Stresemannstraße Orchesterkonzerte Unger, Klemperer, Jochum, Hanson NNMablade-Stm» Ungeheuerlicher Lohndruck Seit dem 6, Januar streiken die Arbeiter auf den Berliner Müllabladeplägen von K e tz' n und Mittenwaloe. Für das Abladen eines 2t)-Tonnen-Wagens, eine sehr schwere und un gesunde, ja. gesundheitsschädliche Arbeit, bei dei ein Vollarbeiter und ein lugendlicher Gehilfe 1»— ll Stunden angestrengt arbeiten müssen, gab es 1931 noch 17,59 M Dieser Lohn wurde im Herbst 1931 auf 15,59 M. gesenkt, um dann im Jahre 1932 auf den unglaublich niedrigen Sag von 7.59 M. gedrückt zu werden. Ein derartiger Lohn für zwei Arbeiter bei einer so schweren und schmutzigen Arbeit von 19 bis 11 Stunden ist ein Skandal. Es klingt zwar unglaublich. aber es ist eine Tatsackze, daß den leiden Unternehmern, die diese Arbeit— für andere— von der Berliner Müllabfuhr A.-G. übertragen bekommen, der Lohn von 7,59 M. noch zu hoch ist. Sie wollen nur noch 5,79 M. dafür zahlen also noch nicht den dritten Teil des Lohnes, den sie bis Herbst 1932 gezahlt haben. Es wäre interessant, sestzustellen, wieviel die Ber� liner Müllabfuhr A.-G. diesen skrupellosen Unter- nehmern zahlt und wieviel davon an den Fingern der Herren Bockenhagen und Bering und Wo echter hängen bleibt, Finger, die sehr schmutzig sein können, ohne daß sie mit Müll m Berührung kommen. Wie die Löhne, sind auch die U n t e r k u n f t s- räume, die zum Einnehmen der Mahlzeiten und zum Umkleiden dienen sollen. Dieses trifft ganz besonders für den Platz Schöneicherplan- Grundstücksgesellschaft m. b. H.(Dering u. Waech- ter) zu. In diesem sogenannten Unterkunfts räum lagert Alrmaterial, aus dem Müll heraus- gesucht: er ist daher voll von Ungeziefer, Mäusen, Ratten usw Es wäre wirklich an der Zeit, daß das Gewerbeauffichtsamt einmal unangemeldet den Platz in Augenschein nimmt und für Alstelluna sorgt. Eine sehr unrühmliche Rolle spielt die Gendar merie. Sie stellt sich auf die Seite dieser Ausbeutung und droht den Streikenden, sie durch den Kanal zu treiben. Wir holten es für unerträglich, daß solchen Unternehmern— wenn auch nur indirekt— städtische Arbeiten übertragen werden Die Stadt Berlin darf nicht dulden daß die hohen Müllabfuhr- Gebühren dazu dienen, Arbeiter zu Löhnen ans- zubeuten. die eine Schande sind. Heinrich Stitpmer 70 Jahre alt Unter den alten Führern der Gewerkschaiteu hat der Name Heinrich Stühiner einen guten Klang. Bereits mit Beginn des Jahres 1892 wurde Stühiner im damaligen Schneiderverband als Redakteur der Fachzeitung angestellt. Eine solche Anstellung setzte wie auch heute noch eine vieljährige ehrenamtliche Tätigkeit im Dienste der Organisation voraus. Vom Jahre 1993 bis zum 1. Juli 1929 war Genosse Stühiner Per- band- Vorsitzender des B e k l e i d u n g s a r b e i- terverbandes Reben ieincr gewerkschaftlichen und politischen Tätigkeit leistete steinrich Stühmer aui ge- nasse n schaitlichem Gebiete bei der Gründung der H a m b u r g e r„Produktion" Pionierarbeit, und in der Zeil von 1998 bis 191! war er im Auisichtsrat der Berliner K o n s u m g e n o s i c n i ch a s t. In Köpenick wurde er Stadtverordneter. 1929 Mitglied des Borläufigen Reichswirtschaftsrats, 1921 Vorsitzender der Ber- liner Baugenossenschaft. Mit 65 Jahren, im Jahre 1928, wurde Genosse Stühmer pensioniert, nimmt jedoch seitdem weiter als unbesoldetes Mitglied der Verbands- leitung des Bekleidungsarbeiterverbandes an deren Beratungen teil Wir wünschen ihm noch manches Jahr des wohlverdienten Ruhestandes in alter geistiger und körperlicher Frische. Die Arbeiter haben erklärt, keinesfalls auf der Grundlage einer Lohnherabsetzung zu verhandeln. Der Vorstand des Arbeitgeberverbandes hat für den nächsten Freitag eine Generalversammlung einberufen, um außerordentliche Voll- machten für die Generalaussperrung zu er- halten Die Aussperrung kann krühestens am 1. Februar einsetzen. Der dünische Konflikt Unerhörte Unternehmerkorderung Kopenhagen, 14. Januar. Nachdem am Freitagabend der Vorstand des Arbeitgeberverbandes die Generalaussper- r u n g angekündigt hat, wird die Lage in den Morgenzeitungen außerordentlich pessimistisch bcurieilt. Ministerpräsident S t a u n i n g hat sich an die Unternehmer und Arbeiter gewandt und eindringlichst gebeten, in der schweren Krisenzeit den Arbeitsfrieden aufrechtzuerhalten. Die Unternehmer haben daraus geantwortet, daß sie den Aussperrungsbeschluß ohne eine fühlbare Lohnherabsetzung nicht zurücknehmen könnten. Es würde außerdem nicht zu veranr- warten sein, wenn der Staat größere öffentliche Arbeiten vor Eintreten einer Lohnherabsetzung erteilen würde!(Also Organi- sierung der Arbeitslosigkeit, um die Arbeiter aus die Knie zu zwingen. Mit dieser unverschämten Forderung werden die Unternehmer bei der so- zialdemokratischen Regierung kein Glück haben.) Rundfunk um Abend Sonnabend, den 14. Januar Berlin: 16.00 Ordiesterkonzert. 16.45 Zehn Minuten Sport(W. Ehlers). Ordiesterkonzert. 17.50 ich hör' etwas, was Du nicht siehst(Denksport). 18.10 Kölner Kammerorchester 18.53 Die Funkstunde teilt mit. (9.00 Stimme zum Tag. 19.10 Zeitfunk. 19.25 Volkstümliche Unterhaltung. 20.30 Das Mikrophon hat Ausgang(Ein beweglicher Abend). 22.00 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Tanzmusik. Königswusterhausen: 16.00 Wie steht es um den freiwilligen Arbeitsdienst? (L. Rese). 16.30 Aus Hamburg: Nachmittagskonzert. 17.10 Wochenschau. 17.55 Tägliches Mauskonzert 18.25 Vom Rhythmus des Lebens(Prof. Dr. Poll). 18.35 W etterbericht. 19.00 Wie findet der Mensch sein Gleichgewicht?(Dr. Schweitzer). 19.30 Das Gedicht. 19.35 Schütz-Motetten. 20.00 Aus Aachen: Lustiger Abend. 22.30 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Sonst; Berliner Programm. Sonntag, den 15. Januar Berlin. 6.15 Funkgymnastik. 6.35 Aus Hamburg; Hafenkonzert. 8.00 Mitteilungen und praktische Winke für den Landwirt. 8.53 Morgenfeier. 10.05 Wettervorhersage. 11.00 Dichtung der Zeit. 11.30 Reichssendung. Aus Leipzig; Badi-Kantate. 12.00 Aus Wien: Mittagskonzert. 14.00 Ihr Kind soll leichter sprechen lernen(A. Simon). 14.30 Jugendbühne. 15.20 Orchesterkonzert. 16.20 H. Rehberg: Eigene Gedichte. 16.35 Orchester- Der Seine-Schelde-Kanal Der Kanal verbindet die Seine mit der Scheide, also Paris mit Antwerpen, und stellt so einen wichtigen Anschluß an das französische Kanalnetz dar, das bis zum Mittelmeer reicht. Unser Bild zeigt die Schleusen in Brüssel, die vor der Vollendung stehen. konzert. 17.30 Kann man seinen Charakter ändern? 17.50 Werner Sombart spricht. 18.10 Klaviertrio A-Moll(Tschaikowsky). 19.00 Das Gesetz der Wildnis. 19.35 Sportnachrichten 20.00 Aus Köln: Lachen im Hintergrund(Funkrevue). 22.00 W etter-. Tages- und Sportnachrichten Hörbericht vom 12. Brandenburgischen Hallensportfest. Tanzmusik. Königs Wusterhausen: 11.00 See- Wetterbericht. 11.10 Dichterstunde. 12.00 Weihestunde des Deutschen Reichskriegerbundes Kyffhäuser". 12.55 Zeitzeichen. 14.00 Unser Kind lernt schwer sprechen. 15.20 Vom Lebenskampf der Ostmark. 13.50 Musik für Kinder. 17.30 Kunst im Handwerk. 17.30 Mehrstimmige Volkslieder. 18.30 Junge Generation spricht. 19.15 Musiker Studien (Dr. N. Feinberg). 20.00 Das Trio. 21.10 Aus Breslau; Konzert. 22.10 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten 22.43 See-Wetterbericht. Sonst: Berliner Programm. Theater der Woche vom 15. bis 23. Januar Volksbühne Theater am Bülowplatz: BW 22. Oliver Cromwells Seu- dung. Ab 23. Schinderhannes. 22. Hg- Uhr. Konzert: Maria Ivogün. Staatstheater Staatsoper Unter den Linden: 15. Meisterimger. IV. Boheme. 17. La Troviata. 18. Walküre. 19. Nacht m Venedig. 20., 22. Liebesverbot. 21. Rigoletto. 23. Othello. Staarliches Schauspielhaus: 15., 17. 100 000 Taler. 16. 18. Nora. 19., 20. geschlossen. Ab 21. Faust, U. Teil. Städtische Oper. Charlottenburg: 16. Undine. 17., 18. 22., 23. Die Prinzessin von Trapezunt. 19. Martha. 20. Der Freischütz. 21. Salome. Schiller-Theater: Die Männer sind mal so. Theater mit festem Programm »ursitrstendamm-Theatcr: Glüctliche Reise.— Deutsches Theater: Prinz Friedrich von Homburg.—»ammerspiele: Die Flasche.— Die Ztomödie: lö. Der Schatten. Ab 16. geschlossen.— Deutsches jtüastlertheater: Die Nacht zum 17. April.— Theater iu der Stresemannstrahe: Terzett. — ktomödieuhaus: Das Haus dazwischen.— Metropol- Theater: Hundert Meter Glück.— Theater des Westens: Der brave Soldat Schwejk.— Theater im Admiralspalast: Frühlingsstürme.— Komische Oper: Musil um Susi.— Cv rohes Schauspielhaus: Ball im Savov.— Lesfing» Theater: BW 18. Der Liebling von Paris. Ab IL. Kuß vor dem Spiegel.— Zeutral-Theater: Die Ehre.— Theater am Schissbauerdamm: Automatenbllfett.— Berliuer Theater: Auslandsreise.— Die Tribüne: lö. Ludwig Hardt: Welthumor. 17. bis 21. Karussell.— Kleines Theater: Ganoven-Ehre.— Renaissanee-Theater: Mutter muß heiraten.— Rose-Theater: Die Zirkusprinzessin. 22. Uhr. Tanzmatinee.— Casino-Theater: Bunte Bübne und Onkel Muz.— Plaza: lä. Madame Pompadour. Ab >6. Katja, die Tänzerin.— Skala, Wintergarten- Intel- nationales Dariete.— Reichshallen-Theater: Stettiner Sänger. Nachmillagsveranslaltungen Metropol'Theater: 15. Der Zarewitsch.— Äomischc Oper: 15., 22. Musik um Susi.— Großes Schauspielhaus: 15., 22. Ball im Savo'.).— Theater am Schiffbauerdamm: 15., 22. 1514 Uhr. Sansel und Grete!. 1714 Uhr. Aampf der Tertia. 18. 16 Uhr. 21 171/4 Uhr. Äanipf der Tertia. 21. 15*4 Uhr. Rotkäppchen.— Rose-Theater: 18. 1714 Uhr. 22. 17U Uhr. Die Zirkusprinzessin. 22. 14�4 Uhr. Die sieben Raben.— Casino'Theater: 15., 22. Bünte Bühne und Onkel Muz.— Plaza: 15. Madame Pompadour. Ab 16. ftatjav die Tänzerin.—- Skala: Internationales Barietö.— Wintergarten: 15., 21., 22. Internationales Variete.— Reichshallen-Theater: 15., 22. Stettiner Sänger.. Erstaufführungen Mittwoch. Kleines Theater: Nr. ZI, Badendes Mädchen.— Donnerstag. Lessing. Theater: Der Kuß vor dem Spiegel.— Freitag. Staatsoper: Das Liebesverbot.— Admiralspalast: Früh» lingsstllrme.— Zentral» Theater: Narren des Nuhms.— Sonnabend. Städtische Oper: Salome. — Schauspielhaus: Faust, ll. Teil. Beranlworllich sih Politik: RudolfPrendemühl; JSirtidjoft; G. Klingelböser: Gewerlschosisbe- ivegung: I. Steiner: Feuilleton: Herbert Le« p e r e: Lokales und Sonstiges: Friß K o r st ä d t; Anzeigen: L t I o Hengst: sänillich in Berlin Per- lag: Borwärts-Berlag G m. b H. Berlin Druck: BorwärlS-Buchdruckerei u. Berlagsanstali Paul Singer u. Co.. Berlin SW. 08. Lindenstr 3- Bezugs- bedingungen und Anzeigenpreise werden in jeder Morgen-Ausgabe des„Vorwärts" verössentlicht. Hierzu I Beilage. »tast§ rveater Sonnabend, den 14. Januai Staatsoper unter Pen Linden 20 Uh; Madame Buiferfiy staatliches Schauspielhaus 20 Uhr 100000 Thaier 2n uiienerinnen Konzertieren ■■ Fuss�Heusep�eiser U)inciairs»iMirs •ionnabe�d u.Sonntag auch 4 Uhr 4 Uhr kleine Preise CASINO-THEATER 8V4 Lothringer Siraije 37 iiiiHiimiiiiiiiNHiinnii Täglich Bunte Bühne: Variete, Kabarett, Theater Onkel Muz, der Ehestifter Gutschein 1— t Personen Parken nur 0,60. Fauieuil 0.75. Sessel 1.25 Sonntag 4 Uhr: Onkel Muz. Kl. Preise. Slädt. Odcf Charlonenbur Fraunhofer ü23l Sonnabend, H.Jan 20 Uhr Turnus l Die Prinzessin von Tropezuni Eisinper. Schuster. Frind, Braut, Burgwinkel. Gombeit, Gronau, Kandl, Heyer Dirigent; Müller VOLKSBÜHNE Theater am Biiiewi»iaiz Täglich& Uhr D 1 Norden 6536 Oliver Gromwells Sendung v Walter Gilbricht. Regie Heinz Hilper mit Eugen Klöpfer KuriQrslend.-Tf'. Kurfürstendamm 209 Te! Bism. 140u Täglich 8*4 Uhr Glückliche Reise Operette vonKünneke in der Prcmicrenbe- setzung tfismarckstr.(Knie» Steinpl.(CD Täglich«>.« Uhr Oer Kollo Sch agcr Die Männer sind mal so Säneland, Heidsmana Sonntag 4 Uhr Robert unJ Bertram Rose- tnemei iroSa Frankfurter Slraße 132 Tel. Weidtsei E7 3422 8.15 Uhr Die Zirkusprinzessin B. B. B. ßeodows Bunte Bühne Kottbusser Straße v Uberbaum 3500 Täglich S» Uhr Stgs. nachm 4 U ne doile Kiste Die Hilfe gegen Gicht und Rheumatismus. Sie wissen kein sicheres Mittel gegen diese Plage- geister? Einreibungen, Packungen, Bäder, Salben usw. lindern meistens nur für einige Zeit die Schmerzen, aber sie packen nicht immer das Uebel an der Wurzel. Ich empfehle Ihnen ein wirklich erprobtes Mittel, und Sie sollen es selbst versuchen, ohne daß es Sie etwas kostet: aber ehe ich Ihnen mehr sage, lesen sie die folgenden Briefe: Ich kann nicht umhin, Ihnen meinen herzlichsten Dank für die ausgezeichnete Wirkung der Gichtasint- Tabletten auszusprechen. Es ist doch ein Radikal-Mittel zur Beseitigung jeglicher Schmerzen. Ich bin alle schmerzen los, ja selbst die Schwellungen im Hüft- und Kniegelenk sind verschwunden und kann bei meinem Alter von 64 Jahren, jetzt bei jedem Wetter, täglich Fußmär- sche von 3— 4 stunden ohne Unterbrechung unter- nehmen und ohne hernach Schmerzen oder über- nnideie Anstrengungen zu verspüren. F. L. in G. Vor einem Jahre bekam�ich Jschiasleiden und war so weit, daß ich ohne Stock kaum noch gehen konnte. Da las ich etwas von Gichtosint-Tabletten. Als ich eine Woche diese Kur durchgemacht halle, konnte ich schon den Stock in die Ecke stellen. Nach Deutsehes Theater Schumannstr. 13a vVeidend. 5201 Täglich 8 Uhr Inszenien]n3 Max Reinhardt Prinz von Homburg von H. v. Kleist liilmiz. Fehdiner. FrShlidi, hjyiller, Wegner, Schüren bir; Hammerspieie 3 Uhr Ensembles erwerbsloser Stepirler Die Flasche Komödie von J R i n g e 1 n at z Inszenierung: Jean Kötsier- Muller Komöiientiaus Schilfbauerdamm 25 («I.D2 Wein. 6304-05 Täglich 814 Uhr Das Haus dazwischen mit Max Adalbert Jakob Tiedtke Musik: Spolianskv (rllneiMei Ciiariottinsir. 93 DSohoff 625 Täglich 8l« Uhr Auslandsreise mit Felix Brrssar Maria Paadtcr Oscar Sabo, Löns, Behal, Berghof, Witt Blumen inmiiiMiiiiiniiMtiiiiiiiiiiin Paul Golletz Mariannenstr. 3 F8. Oberbaum 1303 HSÄttt reippngf � iaua Berlins Stettiner Sänger ' Reichshallen-Th., Döntioffpl. 8.15. Sonntags 3.30 zn crmliOiiftcn Ppclsen Das /"ifn 9rc)ße Januar- . V Programm: '''�S.DielioljßnErlißn Sonntag, den 15.Januai mittags 12 Uhr wisssi Häuser*-r Neabiter Halle Sland 259/263 Stand 259 263 ' Billiger rieisdiicrhaiiE ä. Sdiünemann Wrangelslrafte 30 4 Wochen war ich vollständig geheilt und konnte die schwerste Arbeit in der Landwirtschast mit- machen. Auch bei Wetterumschlag spüre ich nichts mehr. Ich gehe in landwirtschaftliche Stellung, welches mir früher meine Gesundheit nicht erlaubte Ich danke Ihnen für die wunderbare Kur usw... mit sreundlichem Gruß A. Z. in B. Gichtosint hat mir lehr gute Dienste getan. Der letzte Rheumaansall im Januar d. I war nach kurzem Gebrauch der Trinkkur behoben. Ich habe nach l9jährigem Leiden einen angenehmen Wimer verleben dürfen, wofür ich Ihnen von Herzen dankbar bin. Hochachtend O. I. in F. Solche Briefe besitze ich über 12 999(notariell beglaubigt) und nun hören Sie weiter: Gicht und Rheumatismus können nur von innen heraus wirklich kuriert werden, durch Entgiftung des Blutes. Dieses ist verunreinigt durch zurück- gebliebene harnjaure Salze, und diese müssen heraus, sonst nützt alles Einreiben und Warm- halten nichts Zur Beseitigung der Harnsäure dieM das Gich- tosim. Sie können das glauben oder nicht, aber Sie sollen keinen Pfennig dafür ausgeben, ehe Sie sich überzeugt haben. Teilen Sie uns Ihre Adresse�auf einer Postkarte sofort mit und adressieren sie diese an: Dr. schwarz, Berlin A 275, Friedrichstraße 19: es geht Ihnen dann vollständig kostenlos eine Probe G.chtosiM mit weiteren Aufklärungen und genauer Gebrauchsanweisung zu SONNABEND, 14. JANUAR 1933 „Auch emers" &rei nach Friedrich Theodor Tifcher/ Ton Qerhart Sterrmann Wo/Iar Ich erkannte ihn sofort' er war hier, im Wirbel des Berliner Warenhauses, eine zumindest ebenso auffallende Erscheinung wie damals auf der staubigen Landstraße der Schweiz, Wieder quoll die Nase, ein infernalisch rotes Ungeheuer, ent- stellend aus dem männlich schönen Gesicht, und ein ganzes tektonisches Beben von Niesern, Aechzern und Krächzern erschütterte seinen sonst so straffen Körper,„ihalloh, A. E,!" rief ich ihn an.„wo kommen Sie her? und welcher Teufel reibet Sie, sich gerade in diesen Höllenbrodem von Waren- staub und Menschendunst, in diesen anmutigen Wechsel zwischen Warmluft und Kaltluft zu stellen?!" Er drückte mir die Hand:„Ja, ich habe wieder einen, einen von der ganz wilden Sorte!"— und lachte nach einem abermaligen Erdstoß von Schnupfen in ungewohnter Fröhlichkeit auf:„Aber ich habe die Heilung schon bei mir! Die endgültige Heilung, mein Freund, die Erlösung der Welt aus ihrer sahrtausendalten katarrhalischen Eooche!" Da bei schlug er auf beide, dick gebmischie Manteltaschen,„Und wo ich herkomme, und wie ich hineinschneie in dies zwanzigste Jahrhundert? Ei, ich komme geradewegs aus dem Paradies— nicht aus dem dünn besetzten Paradies der Menschen von Fleisch und Blut zwar, sondern aus jenem dicht bevölkerten Garten Eden, in welchem die von Dichtern und Malern erschaffenen Phantasie- gestalten von ihren Leiden ausruben indes deren Er-euaer freilich in der Hölle schmachten. Ich lese die Fraae in ihren?lugen, warum denn ich n'cht dort geblieben bin? Nun, gestern schwoll eine SUmme durcb dielen Himmel:„21, E.! 2l. E.! Antreten vor deni Thron der ewigen künst>erisckien Gerecbt'akeit!" Nun, und die ewige künstlerische Gerecbtiakeit loh, es gibt sie trotz allem, mein Freund!! neigte sich zu mir:„Auch einer, tritt her und vernimm der Doktor Kerkhoven, Ge- scböns des Herrn Inkob Wassermann, verwandte sicb für dich Du Kall lediglich darum so lur-bchar leiden müssen, erklärte er, weil die äMt'iche Wissen- fchift*u deinen Lebreiten d'c Bedeutung der Selbstinfektion b»! chronischer Coryza noch nicht erkannt hatte Die Schuld an deinen Katarrhen trug nur dein Taschentuch,,, Sie haben jetzt un�en, im Zeitalter de- Paniers, das hygienische Schminktuch erkunden, das du e'u'ach weawirfft nach jedem Nieser, Lauser und 2Lischer! Siehe, nur weil du zu früb>ebtest und die Wissenschaft zu langsam, war, littest du. Es ist aber unbillig. datz ein Mmich nerrweileln mutzte, nur weil er led-alich tuchene, schwierig zu maschende und des- halb sva.rsnm zu verwent>ende Nalenvutzer kannte Die emiae künstlerische Gerechtinkest, mein liebster Sabn A, E,. sendet dich Zurück aus die Erde, aus Hätz du keimkrei und al'ick'ich werdest in diesem Söku'um. in da« du aehörst!" So snroch A, E,. und ein neuer, dumvf arollen- der und knatternder 2lli«bruch aus dem Vulkan seiner Nale erschütterte ihn,.,2lber" rief er und schlug wied-rum auf seine Taschen,„aber es ist einer der letzten' Denn hier habe ich sie. die nur einmal zu vermendenden, stets weazuwerienden Paniertaichentiicher, die Sieaezkabaen der Hygiene, den Stein, nein da? Tuch der Weilen!" Er entkernte sich schnell, ein eiliaer Sieaer, und ich sah ihm oerübrt und erariksen nach: hier > dokumentierte sich der Segen der Hygiene, hier ' ge'chgh da? Wunder ein-r endaültiaen Ertäsung. und es geschah um ganze fünfundzwanzig Pfennig, * Am Abend des anderen Tages trat A, E, vlötz- lich in meine Stube, Seine Nase war gerade, weiß und schön, seine Haltung steil, kein i Schnuufen erschütterte ihn mehr— aber sein Gesicht war düster, Falten standen in seiner Stirn, Gram war um seinen Mund: ich sah einen Ber- ! zwciWten einen Kerstärten „Jch komme, um mich zu verabschieden", sagte er hoMen Tones,„Ich gebe zurück in die Ewig- keit. Denn ich habe Furchtbares erblickt, Furcht- bares anaerich'et," „Aber ich sehe Sie doch schnuvsenfrei? Warum wollen Sie es nicht mehr mit erleben, das Ende des katarrhalischen Zeitalters.,?" „Das Ende,.?" schrie er mit dem Lachen eines Ver-weiselten,„das Ende...?! Es bricht an, sage ich Jbnen. es bricht erst an. in unaeahnter. unge- konnter Grausamkeit! Mit diesen teuflischen Pamertüchern bricht es an! Oh, Menschheit, arme. venrrte Menschheit... Aber lassen Sie sich er- zäb'en... Jch trat aus jenem Warenhaus auf die Straße, Weich und wohlig schmieatc sich das erste Stück Pamer um meine entzündete Nase, es roch er- quickend nach Desinfektion, Und mit jubelnder, cäsarischcr Handdswegung wollte ich es wegwerfen, knüllte ich es zusammen, mit ihm jene Urfeiude des Menschen, die Bazillen,,, da stutz'c ich. Weg- werfen wollte ich es, gewiß. Aber, mein Freund: wohin.,.? chier auf die Straße? Ist es wohl- erzogen, ein Blatt Papier auch nur eine Fahrkarte auf die Straße zu werfen? Ist es zu verant- warten, ein bozillengeladenes Knäuel auf die Straße zu werfen.? Nu», ich überwand mich, es kostete mich viel. ober ich vermochte es. Da lag es nun. weiß, hübsch, beinahe lockend, Ich blieb stehen und sah es noch eine Weil« an, gewärtig freilich, daß ein Schutzmann kommen und mich auf das Ungehörige meines Betragens aufmerksam machen würde, ?lber es kam schlimmer,,. Eine alte Dame kam mit einem Hund an der Leine, einem weißen, zarten, schönen und klugen Geschöpf— Sie wissen. ich liebe Hunde abgöttisch Nu», die zarte, emp- 'indsame Nase dieses Hundes schnupperte an meinem Papiertuch, Dann nahm er es in die Zähne und zerriß es spielend,, Ich erbebte. Ich folgte den beiden, um mir zu beweisen, daß es, es nicht eintreten würde, dies es, das ich ahnte sürchtete.. Aber es trat ein. Zwei Straßenecken weiter— nieste der Hund,.. Ich, ich hatte ihn infiziert! Und er wird gewiß jene alte Dame— nicht auszudenken,.! Ich floh das Bild, erklomm einen Autobus, entzündete mir eine Zigarre, um ruhiger zu werden. Nun, ich mußte natürlich niesen... Es fällt mir schwer, es zu gestehen: aber ich blickte mich scheu um, ein Verbrecher, und steckte das Knäuel heimlich in den Aschenbecher, Niemand sah es. Ich steckte ein zweites, ein drittes dahin... Dann packte mich die Angst, ich stieg hin- unter und stellte mich auf die Plattform. Drei Haltestellen weiter begann oben einer zu niesen, dann zwei, dann viele. Oh, sie waren für mich wie die Donner des jüngsten Gerichts, diese Nieser! Theodor und Martha Lange waren hoch in den Sechzigern. Sie wußten, daß ihre Tage gezähl: waren. Der Mann hatte vor sieben Jahren, nach dem ersten Schlaganfall, seine Stellung als Prokurist aufgeben müssen, verbrachte die Tage mit Patiencen und Peter, dem Kanarienvogel, die Frau lag viel krank und sprach nur, was not- wendig war. Schon als junge Leute hatten sie sich gewünscht, in der gleichen Stunde aus dem Leben scheiden zu dürfen. Diesem Wunsche waren sie bis in ihr 'Aller treugeblieben. Sie sprachen viel darüber ob der„gute Tod" ihnen den Gefallen wohl er- we. ji wende. Ja, ihnen war der Tod nichts Böses, nichts Furchterregendes. Sie hatten sich ein Leben hindurch arg geplagt mit dem kleinen Gehalt und den vier Kindern, hatten in Liebe mitsammen getragen, was ihnen zugefügt wurde Nun warteten sie auf das Ende wie auf ein Wohlverdientes, wie auf eine Belobigung, Eines Tages— es war ein warmer Maisonn tag, der selbst in den engen Hofschacht ihres Hinterhauses Sonne und Frohsinn schüttete— zeigte Theodor eine Ausgelassenheit wie seit Mo- naten nicht. Er pfiff dem Peter allerlei Melodien vor, die er von den Leierkästen drunten ge- hört hatte, tätschelte seine Frau und wiegte den Es kamen zwei Fremde aus fremdem Lande— ein Doktor und«in Astronom, Sie kamen in die Poltawagegend, um ihren verschiedenen Geschäften nachgehen zu können, und da es Nacht wurde, ginnen sie zu einem Mufchik, um bei ihm zu übernachten. Der Doktor wunderte sich, als er das Weib des Mufchiks einen Mamaliga, einen schlechten Mais- tuchen, kneten sah Wird wohl für die Schweine sein, dachte er sich Der Muschik samt Frau und Kindern aßen dann aber diesen Mamaliga auf. sie schleckten sogar die Löffel ab, als nichts mehr war, .„Komm, gehen wir auf de» Hof hinaus", sagte der Doktor zum Astronomen,„du siehst ja, daß ihrer zu viele in dieser kleine» Hütte sind,— Sic werden alle nachts st erben!" Sie gingen ans den Hof hinaus und legten sich aufs Stroh, Als der Muschik sein 2lbendbrnt gegessen, kam er zu ihnen und sagte: „Panim, geht in die Hütte, heute nacht wird es regnen." „Nein, das wird es nicht" antwortete der Astronom,„dieser uitd dieser Stern ist hell..." Es ging der Muschik zurück m seine Hütte und iperrte die Tür« ab Legte sich dann zum Schlafen nieder. Nachts goß der Regen wie aus Eimern— und es drückten sich die Frenrdlinge auf dem Hoi herum, fanden nirgends eine Gelegenheit zum unterstellen. Sie klopften an die Türe— vergeb- lich— ein Muschik schläft wie ein Toter, So viel sie sich mit dem Klopsen abmühte», die Türe blieb Sie waren verursacht durch jenen Aschenbecher Es waren meine Bazillen, welche die Schleim- häute friedlicher, harmloser Mitbürger zernagten lind ich stand unten, der Schuldige, und schwieg feige,— und nieste wieder,, Diesmal warf ich es auf die Straße, Ich hoffte inbrünstig, der nächste Tramwagen, das nächste Auto werde es zu Brei zerquetschen. Ach mein Freund, es spielten Kinder an dieser Stelle der Straße, zarte, un- schuldige Kinder, Sie sahen das weiße Papier flattern im Winde, sie liefen ihm nach mit der vertrauensvollen Neugier des reinen Geschöpfes, sie erhaschten es, entfal—— lassen Sie mich schweigen,, Ich sah es. Ich verdeckte meine Augen, Umsonst: mein inneres Gesicht sah die besorgten Mienen der Eltern, wenn nun die Kleinen nach Hause kamen.." A. E, schwieg erschöpft, er atmete zitternd. End ich fuhr er fort:„Ich habe es ausgehalten bis eben. Ich habe eine Zeitlang jedes einzelne Stück verbrannt Ich habe Brandblasen an den Fingern Dann verbot mir ein Beamter mit Recht dies auffällige und gefährliche Mit-dem-Feuer-Spielen auf der Straße, Ich habe gewartet, bis ich an einen Papierkasten kam, da warf ich die aufgc- sammelten hinein. Und dann kam ein städtischer 2lrbeiter und leerte den Kasten in Erfüllung seiner Pflicht, und morgen wird er einen Schnupfen Kopf, Martha sah seinem Gebaren mit Besorgnis zu. Denn seine'Wangen waren dunkelrot und die Augen so verschleiert wie damals vor dem ersten Schlaganfall, Der Mann lacht« sie aus mit ihrem„Getue" und drang plötzlich und mit allerlei kuriosen Redensarten auf die Frau«in: sie solle sich fein machen und mit ihm kommen-, er fei so verflixt in Stimmung auf ein«- Flasche Wein, Die Frau, ratlos von Angst, schlug die Hände zusammen und sagte ihm kräftig chre Meinung Vergeblich, Dann dachte sie, daß es besser sei ihm zu Wille» zu sein, als ihn nur noch mehr zu erregen, und ging mit. Theobor und Martha Lange sitzen an einem der runden Tische in dem Hsstorischen Weinkeller dessen Gewölbe von Qualm und Ruß der einstigen Petroleumlampen geschwärzt sind. Neben ihnen tuschelt ein Pärchen, zupft sich an den Nasen und wechselt Küsse, Ringsum lärmt weinselige Heiter keit und Verliebtheit. Still sitzen die beiden 2llten vor ihrer Flasche Notspohn, trinken mit bedächtigen Zügen und sagen jedesmal:„Ja, der Wein ist gut." Erinnerung entrückt ihre Mienen. Erinnerung an die Jugend, da sie gleich jenen dort gesungen zu. Vielleicht öffnete sich ein kleiner Spalt, wer kann es wissen? „Niemand meldet sich", sagte der Dottor,„es wird wohl nicht anders fein, als daß sie alle ge- starben sind." Am frühen Morgen kam der Muschik auf den Hof heraus und fragte: „Na,— seid Ihr naß geworden?" „Sehr naß geworden", antworteten sie ihm, „nun seid aber so liebenswürdig und sagt uns, wieso Ihr wissen konntet, daß es regnen wird", iragte der Astronom, „Ich habe so ein Schwein", sagte der Muschik. „daß sich zwei Stunden vor dem Regen herum- zu mälzen beginnt," „Aha!" Da ließ es dem Doktor keine Ruhe und er fragte: „Sagt, bitte, eßt Ihr immer das, was Ihr gestern zum Nachtmahl hattet?" „Immer," „lind tut Euch da nicht manchmal etwas weht" „Ja, manchmal tut uns der Bauch weh— dann kriechen wir auf den heißen Ofen— drücken den Bauch, wie es sich gel>örl, auf die heißen Steine— und es vergeht." Da sagte der Doktor zum Astronomen: .Komm, kehren wir zurück in unser Land. Was sollen wir in diesem Landc tun, wo jeder Ofen ein Doktor und > e d e s S ch w e i n ein A st r ö n o m i st," (Berechtigte Uebertrogung aus dem Russischen von Kurt Löhme. haben,,, Diese Taschentücher sind ein Wahnsinn, mein Freund, eine Aktion des Teufels, ein Appell an die menschliche Rücksichtslosigkeit. Aber gottlob, ich habe mir zu helfen gewußt!" Er stand auf und lauschte in sich hinein, wie früher, wenn er einen Schnupfen nahen fühlte.,, „Und was haben Sie für eine Abhilfe?" fragte ich leise „Ein Taschenluch habe ich mir gekauft, ein richtiges, gutes, altes, großes, leinwandencs Taschentuch'" rief er hell,„Und das Papier habe ich vernichtet., Ich gehöre nicht in diese Zeit, in der jeder hygienisch ist auf Kosten des anderen. Ich will meinen Schrcupfen in Ehren tragen und in meiner eigenen Tasche mein Leben lang, 2lber andere infizieren, das will ich nicht. Hg, Hey hg— rrrrschschschpfftpffftkrrrrzzzzpfüüllüllllüüahht!! Da ist er wieder, da bist du wieder, mein alter, fürchterlicher, verhaßter, geliebter, anständiger, verantwortungsbewußter Dauerkatarrh! Komm heraus, mein liebes, altes, leinenes Schnupftuch, fcheure mir schmerzhaft die Nasenflügel mit deinem groben Gcweb und infiziere mich! Aber infiziere nicht mein Gewissen! Jeder kehre vor seiner Tür, jeder infiziere die eigene Nase! Ach, was ist dies iür eine Zeit, da die Menschen ihre Verschnupft- beit, ihr Unreines, ihr Gemeines schamlos aufs Papier und unter die Mitmenschen bringen und nicht schamhaft in der eigenen Tasche verbergen! Ich gehöre nicht hinein, gehe zurück ins Paradies der Phantasiegestalten, kriege diesen Urweltkratzer zu recht- emp-, krrchchchpsst, empfeh-, pfftzzzpnrs- vfüüüahht, empfehle mich!" So ging er wieder von mir, ein Mensch eines -ergangenen Jahrhunder's, und ich sah ihm trüb- selig nach und nieste herzzerbrechend,,. und geküßt haben, Erinnerung an die langen Jahre der Ehe, erfüllt von Geldsorgen. Kummer mit den Kindern und eigenen Leiden. Oft, wenn es gär nicht mehr gehen wollte, waren sie in diesen Keller gestiegen und hatten sich die Köpie schwer, die Herzen leicht getrunken, „Auf unserer Hochzeil, der war aber besser!" meint die Frau, Der Mann nickt., „Das war ja auch Bordeaux," „Bordeaux? Was du schau wiader für Unsinn prichstt Beaujolais war das!" „Aber Mann! Nein, was du dir auch immer >o einbildest! Natürlich war es Bordeaux!" „Beaujolais!" Der Mann schlägt auf die Tisch- platt«, sein Gesicht flammt scharlachrot. Man blickt hinüber und belustigt sich über die beiden Alten. „Nu laß man gut sein", besänftigt die Frau, „komm, trink lieber. Der Wein ist gut." Sie bleiben schweigsam und führen nur dann und wann die Gläser an den Mund. Die Frau betrachtet die Herzen, Spitznamen, Verse, Daten und Sprüche, die verliebte Hände in die Tisch- platte gekratzt haben. Auch Zeichnungen sind da, Karikaturen und süße Mädchenköpfe. „Na, Theodor," meinte die Frau schlicht,„dann kratz man unser Andenken auch da ein. Dann hoben wir doch wenigstens auch«ine Grabschrift," Der Mann nickt, kramt umständlich sein Messer hervor und müht sich ab, mit zitternden Fingern „Nimm den Tintenstift." Langsam und mit liebevoller Geduld schreibt der Mann auf die Tischplatte:„Theodor und Martha Lange tranken hier ihre legte Flasche lZ. Mai 19..." Unwillkürlich blicken die beiden einander an uno sehen dann wieder vor sich hin.„Trink aus," sagt die Frau,„nun können wir wohl gehen." Der Mann schüttet den Rest der Flasche in seft Glas und leert es mit gierigen Schlucken.„Schluß ,.. für immer,." murmelt er dumpf, „Komm!" bittet die Frau und faßt seine Hand Er schüttelt den Kops, starrt aus die Schrift, Jetzt werden auch der Frau die Augen feucht „Theodor,, das war nun das Ganze?" „Schön war es hier!" stammelt der Mann und läßt das Kinn sinken. Sein Kopf baumelt kraft- los hin und her. fein Atem geht schnarchend, Erschreckt rüttelt ihn die Frau und hilft dem keuchend sich Stützenden auf die Beine, Sie kann ihn nicht allein holten. Ein Kellner und Studen- ten springen hinzu, schleppen den Mann, der die Füße schleifen läßt, durch den Keller und tragen ihn in eine Droschke, Die Fmu iolgt, in sich gebückt und wie erstar- rcnd in Blässe,„Jetzt läßt er mich doch allein!" jammert sie tonto-, „Hm hm," brummt der Kellner, der dem schwarzen Gejährt nachblickt,„wenn man die beiden'Alten mir gut nach Hause kommen! Die baben ja gezecht wie ein junges P>iar!" Der Kellner schließt die dünne Glastür so be- butsam und fest, als wäre sie des Lebens letzte Tür, Sie trennt cas diesseitige Gelärm der wein- selig Verliebten und das schon serne Verrollen einer Droschke. Günther ShrkenSeld: �Berliner Skiststen 3>ie leimte Tttir ,fllekieien: Stwei auf dem'Dorfe Was der Sport morgen bringt „�eutc Eisbahn� Kinder 10 Pf.. Erwachsene 30 Pf." Endlich hängt so»in Schild mal wieder ain Drahtzaun der städtischen Sportplätze, aus denen sonst die Sandhopfer sich betätigen oder die di- versen Tildens en minUtur die weißen Bälle über das Netz befördern. Wieder Eisbahn! Schlittschuhlausen! Au, sein, Mutta, jib ma'n Iroschen, ick seh uss de Eisbahn! Und dann geht das Lauten, oder was man dafür hält, los und Maxe fährt Willi(so hießen die Jungen früher heute hären sie nur auf Namen wie chans-Ioachim oder Zürgen-Franz) von hinten an, daß der gleich in die Kniekehlen sinkt, und geholländert wird, daß Sonja Henie gar nichts da- gegen ist. Aber am nächsten Tage ist die ganze Herrlichkeit wieder vorbei— Tauwetter! Das sind so die Großstadtwintersreudcn in unseren Breitengraden. Wir haben säst keinen Winter mehr: für die Arbeitslosen ist da» ja ganz schön, die brauchen weniger Kohlen, aber wo bleibt der Wintersport? Wenns schon soweit'st, daß wir Kunsteisbahnen im Freien bauen müssen, dann ist das so ähnlich, als wen» man im Saale aus Soda Skiläufen soll. Zum Wintersport gehört eine Winterlandschast. Die darf aber nicht aus grauen Hinterhausfassaden um die gegossenen Eisbahnen herum bestehen, sondern aus richtigen weiß be- schneiten Bäumen, die aus Bergen zum Rodeln stehen. Und seis auch nur im Grunewald! Nun find wir schon genügsam geworden und freuen uns auf jeden Quadratmeter Eis auf Kies- boden, aber die ganze Angelegenheit ähnelt doch verdammt dem Waldvogel, der im blankpolierten Messingbauer In der guten Stube hängt.. Ein Glück, daß das die Jugend nicht so emp- findet. Mutta jibt den Iroschen und dann gehls eben los. Abends vorher hat der Rundfunklaub» frosch wieder eine kalte Nacht mit bedecktem, aber wolkenlos heiterem Himmel bei nordostsüdlichen Winden und einem aus Schottland-Schweden-Ru- mänien kommenden Hoch angesagt, was genügt. daß der Filius mit froher Hoffnung in den Eis- laufbeinen ins Bett kriecht. Mittags fliegt die Schulmappe in die Ecke und rauf gehls auf die Großstadteisbahn. Wenn die Kälte wenigstens einige Tage anhAt, dann haben die Seen und Flußläufe in der Umgebung eine tragfähige Eis- decke, das ist dann ein bißchen natürlicher als die Eisbahn in der Stadt. Leider wird di« Sprung- schanze im Grunewald bei Schildhor» noch einige Zeit ohne Schnee«in« verlorene Extsteng führen müssen, aber di« Hoffnung aufgeben? Nein, das lut ein echter Wintersportler aus Berlin nicht! Da Habens die Bewohner der Gebirge doch besser. In fast allen Wintersportgebieten sind jetzt günstige Schnee- und Eisoerhältnisse vorhanden, so daß man überall mit Hochdruck an die Zlbwick- lung der sportlichen Veranstaltungen gehen kann. Gute Kräfte wirken bei der Eröffnung der neuen «achsenschanze am Teisingberg in Attenberg sowie beim Springen in Johanngeorgen- st a d t mit, die bayerischen Skiläufer sind bei den Wettläufen des Gaues München und bei der All- gäuer Meisterschaft beschäftigt, den schlesischen Skiläufern bietet sich beim Menselaus in B a d R e I n- e r z Gelegenheit zur Betätigung. In der Schweiz bringen einzelne Unterverbände ihre Wettläufe zur Durchführung, Sprungtonkurrenzen sind u. a. in Zt. Moritz und Klosters vorgesehen. Auch auf den Eisbahnen des In- und Auslandes herrscht am be- vorstehenden Wochenende reger Betrieb. In Oppeln werden die Deutschen Meister- s ch a f t e n im Kunstlaufen entschieden, Oesterreichs Kunstläufer mit Weltmeister Schäfer an der Spitze streiten in St. Pölten um den Meistertitel. Allerlei Lislsuksport Acbeiler-Eishockeyspiele. Das auf der Eisbahn an der Grenzallee gestern abend angesetzte Eis- hockeyspiel muhte ausfallen, da die Fläche noch nicht vollkommen hergerichtet war. Das Spiel wird heute abend auf einwandfreier Bahn nach- geholt. Es spielen von S— 10 Uhr Ostring I gegen TV. Gesundbrunnen, anschließend Volkssport-Neu- kölln gegen FTGB Osten. Für den Sonntag sind drei weitere Spiele angesetzt, und zwar spielen von 10— 11 Uhr Tennis-Rot gegen eine Kreis- mannfchast, von 12— 16 Uhr Volkssport-Neukölln gegen ASV. Neukölln, von 21—22 Uhr TV. Hum- boldt gegen Ostring ll: Montag abend TV. Hum- boldt gegen Ostring l. Alle Mitglieder des „Arbeiter-Eislaufverelns", Anfänger wie Fortgeschrittene, werden ersucht, sich heute und morgen zahlreich auf der Eisbahn in der Grenz- allee einzufinden. Lehrpersonal ist vorhanden. Berliner Eisbahnweihe. Die offizielle Eröffnungs- ieier für hie Freiluft-Kunsteisbahn Friedrichshain findet nunmehr am Sonntag. 10.30 Uhr, in An- Wesenheit der Vertreter von Behörden und Verbänden statt. Das sportlich« Programm sieht Endlich ein bißchen Wintersport Schnell- und Kunstlaufen, sowie ein Eishockeyspiel vor. In einem Zehnrundenschnellaus wird der deutsche Meister Barwa(Berliner Eislaufklub) mit seinem Klubkameraden Seelicke, sowie Lötsch und Müller(Berliner Schlittschuhklub) zusammen- treffen, während an den Kunstlausoorführunge» die frühere deutsche Meisterin Frau Franke-Flebbe (Schlittschuhklub), Frau Sck.midt, Frl. Böttcher '.BEK> und Brey(Schlittschuhklub) beteiligt sein werden. Der Eishockeykompf Zwilchen Branden- bürg und Berliner Eislaufklub beschließt die Ber- anstallung. >Vas es sonst noch gibt Mnlerwaldlaus„Quer durch Treptow". Um IZ Uhr starten morgen di« Arbeiterleichtaihleten am Rathaus in Treptow zu ihren ersten Winter- waldlauf. Das Wetter macht sich sehr gut. Wenn es nach den Wünschen des Arbeiter-Sport-Vereins Neukölln geht, müßte sich mit Sicherheit noch der vorgesehene Schneesall einstellen, um die Be- Zeichnung„Winterwaldlaus" zu rechtsertigen. Die Starterliste hat sich inzwischen auf 130 Teilnehmer erhöht: Betrachtungen über die Aussichten der be- teiligtcn Vereine brachten wir vorgestern. Ueber 5000 Meter sind mit Ausnahme von Huwe-ASE. und Kintscher-Oslring. die besten Vertreter des Kreises am Start. Nach Schluß de« Waldlaufes hat der Veranstalter einen Feslabend im„Para- dieegarten" in Treptow. Eintritt für Arbeiter- sportl«r nur 20 Pf. werbespieitag in Tegel. Am Sonntag findet auf dem Tegeler Sportplatz ein Werbehandball- spieltag der Freien Sportvereinigung Tegel 1890 statt. Um 9 Uhr spielen Tegel 3 gegen die Reichs- bannerwassersportabteilung Tegel, um 10.10 Uhr Tegel-Schwimmabteilung gegen ASV. Borsig- walde, 11.20 Uhr Tegel-Schüler gegen Lichten- rade, IZ Uhr Tegel 2 gegen Volkssport Weißensee 1, 14.10 Uhr Tegel(Frauen) 1 gegen Hennigsdorf 1 und um 12 Uhr Tegel 1 gegen die X-Klasse-Mannjchaft Stralau 1. Fausiballrundenspiele der Aiiereriegen. Aus dem Dominicus-Sportplatz in Schömberg treffen sich am Sonntag um 10 Uhr zehn Männermann- schaffen und vier Frauenmannschaften der süd- liehe» Arbeiterjportvereine zu Faustballspielen. Eröffnung der Spielsaison im FSBD. Der republikanische Freie Keglerbund eröffnet seine diesjährige Spielfaison morgen mit den Bezirks- ineisterschaste-kämpsen aus Bohle. In der Kexelsporthalle der Bötzcwdrauerei, Prenzlauer Allee 247, starten die Vereine des Bezirks Westen zum ersten Siechen. Als Favorit geht der„SKK. Bundestreue" an den Start. Gute Leistungen werden auch von„SKK. Frohsinn",„Pallas", „Gemütlicher Stamm",„Halte fest 22",„Alter Stamm 27" und„Corso" zu erwarten sein. Die Kämpfe beginnen vormittags 0 Uhr. Die Freie Arbeiier-Kchach-Vereinigung Groß- Berlin tellt allen Schachfreunden der Partei-, Gewerkschafts- und Jugendbewegung mit. daß ah morgen, 12 Uhr. jeden Sonntag im Sitzungs- zimnier des Gewerkjchastshaujes fteier Schach- vertehr mit anschließendem Vortrag stattfindet. IZ. hallensporlsesl. In der AutoHalle am Kaiser- dämm veranstalten morgen die bürgerlichen Leicht- athleten ihr traditionelles Hallensportfest. Winter-Trabrennen zu Ruhleben. Di« mnie Tvabrennsaison nimmt am Sonntag ihren Fort- gang. Die Rennen beginnen um 12 Uhr, das Programm besteht aus neun Konkurrenzen. Wer zahlt heute noch? Mehr und mehr erfährt setzt die Oeffentlichkeit, daß die großen bürgerlichen Oberliga-Fußboll- vereine vor der Pleite stehen. Erst vor einer Woche wurde bekannt, daß Tennis-Borussia aus der Such« nach 5000 Mark ist, um rückständige Steuerschulden abdecken zu können. Selbst der Vorstand des Verbandes Brandenburgischer Ball- spieloereine sah Tennis-Borussia nicht für gut genug an. um dos Darlehen zu gewähren. Jetzt kommt die Meldung, daß einer der ältesten Vereine Berlins, der Fußballklub Norden- Nordwest in Gefahr ist, seinen Platz durch Zwangsversteigerung zu verlieren, da er nicht in der Lage ist, 7000 Mark rückständiger Steuern zu bezahlen. Man muß sich fragen, wie es möglich ist, daß Vereine, die über große Platzanlagen verfügen. durch die sie doch nicht geringe Einnahmen haben, mit den Steuern so stark im Rückstand sind. Aber die Einnahmen stehen in Wirklichkeit nur aus dem Papier. Wenn die Kassierer Sonntags nach dem Spiel abrechnen, dann können sie mit aller Ruhe sagen:„Kasse revidiert und für richtig befunden. Geld alle." Ein erheblicher Teil der Einnahme wandert in die Taschen der Spieler, die mehr als die ihnen zustehenden Spesensätze oerlangen und erhalten. Ist es doch ein offenes Geheimnis, daß es für jedes geschossene Tor eine Prämie von 10 Mark gibt. Wenn ein Berliner Mittagsblatt verlangt, daß der Verbandsvorstand die Vereine finanziell unter die Arme greifen müht«, so ist das ein bißchen viel verlangt. Gewiß, der Verband hat sein Geld hauptsächlich aus Einnahmen bei repräsentativen Spielen Diese Gelder sollten aber nur dazu be- nutzt werden, um die Jugend- und Schüler- bewegung zu unterstützen, und nicht Vereinen überwiesen werden, die durch ihr Finanzgebaren ihre Einnahmen ausbrauchen. Den Arbeitersport- oereinen stehen solche Einnahmen nicht zur Ver- fügung, aber trotzdem sind sie sinannell gefestigter als die anderen. Die bürgerlichen Vereine sollten ihre Kassierer bei den Arbeitersportlern in die Lehre schicken. * Die Aufkäufer der bürgerlichen Fußballoereine sind überall fleißig am Wert, um sich die Notlage der einzelnen Spieler zunutze zu machen. Sonn- tag für Sonntag werden die Sportplätze der Ar- beitersportler besucht und noch neuen Kräften Ausschau gehalten. So ist es erst vor kurzer Zelt dem vor dem Abstieg stehenden Berliner Ober- ligaverein Adlershofer Ballspielklub gelungen, eine Neuerwerbung zu machen. War da in einem Verein, der der kommu- n i st i s ch e n Bewegung angehörte, ein Spieler namens Böttcher. Er war dazu ausersehen, mit einer Mannschaft nach Rußland zu fahren. Irgendwelche Umstände veranlaßten aber seine Rückstellung. Die Verärgerung darüber und sein« Arbeitslosigkeit machten sich die Leute des ABC. zunutze, um ihn als Mitglied der ersten Mann- schast zu gewinnen. Böttcher ließ sich auch nicht lange nötigen. Biel Schuld dabei trägt das Ein- Heitsgeschrei der kommunistischen Sportleitung. di« immer und immer wieder das Zusammen- gehen mit den Bürgerlichen predigt. Böttcher erhält nicht nur die üblichen 7,20 Mark Spesen: da er von seinem Vater, der etwas mehr Klassen- bewußtsein hat, aus der Wohnung gewiesen wurde, richtete man ihm ein sauber möbliertes Zimmer ein. Und das alles unter den Amateur- b-stimmungen des Deutschen Fußballbundes. foin Profi in Berlin Der Verband Branbenburgifcher Ballfpielver- ein« hatte zu gestern die Venreler der bürgerlichen Berliner Fußballverein« eingeladen, um zu der Frage der Einführung des Profisuß- b a l l s Stellung zu nehmen. Merkwürdigerweise wurde zu dieser Verhandlung die Oeffentlichkeit ausgeschlossen. Aus den Aeußerungen verschle- dener Vertreter konnte man entnehmen, daß die Bereine der Prosifrage sehr ablehnend gegenüber- stehen. Man will abwarten, bis besiere Zeiten ins Land gezogen sind. Nur ein Verein ver- langte die reinliche Scheidung, u,ck> das war der Fußballklub„Preußen", bei dem es bekanntlich nicht eirnnal die vom Deutschen Fußboll-Bimd gc- nehmigten Spesensätze gibt. Sportschau in Tegel Mit Ringen, Boxen und Jiu-Jitsu süllte gestern die rührige Freie Sportvereinigung Tegel 18 99 ihren ersten diesjährigen Werbeabend aus. Das riesige Programm bot in seiner Fülle fast zuviel und erst sehr spät trennten sich Sportler und Gäste. Das Hauptinteresse galt den Ringern, hier stand im fälligen Serien-Ringkampf um die Kreismeisterschaft die erste Ringerstaffel des Sportklub Alt-Wedding 83 der �-Mannschaft des Tegeler Vereins gegenüber Die wechselvollen Kämpse brachten hochwertigen Ringkampssport. Die Tegeler die wegen Ueber- gewicht zweier Kämpfer bereits 4 Punkte auf der Waage verloren hatten, unter'agen nach tapferer Gegenwehr mit 9: 5 Punkten. Mit größtem Ehr- geiz rangen die Jiu-Jitsu-Sportler der Vereine „Tegel" und„Einigkeit" um den Sieg, aber keiner der beiden Staffeln gelang es einen Vorsprunz zu erringen, und so endete der Kampf unent- schieden. Flotte Kämpse gab es auch im Boxring: die Gegner stellten die Vereine Tegel, Alt-Wedding und der Berliner Bor-Club. Die Jugendlichen und auch die Männer zeigten Kämpfe die zu begeistern vermochten und große Anerkennung fanden. Wie erwartet schlug Hower Köiblin Interessant, doch nicht ausregend. war der gestrige Boxkampfabend im Spichern- ring. Den Haupikamp: entchied entsprechend den Erwartungen der Schwergewichtler Hower sür sich über Kölblüi. Hower konnte den sehr offen kämpfenoen Geg- ner sehr oft treffen, doch nahm der ohne Wirkung hin, was andere längst gefällt hätte. Selbst eine ganze Serie von Trefsern aus das Kinn nahm er ohne Wirkung hin. ober es waren doch Treiser, die Hower Punkt« brachten. Dessen Sieg stand nie in Frage. Köiblin versucht« sich durch Hal- ten zu retten und der Ringrichter halte oft Müh«, Hower von oen liebevollen Umarmungen Kölblins zu befreien. Vorher hatte Sa b o tt k«- Berlin über den starken Breslauer Czichos nach Punkten die Ober- Hand behalte», und auch D r e k o p f- Düsssldors konnte den Berliner Debütanten Katter noch Punkten abfertigen. Den Beschluß des Abends machten der srühere Leichtgewichtemeister Paul Cz i r s o n- Berlin und der hannoversche Feoer- gewichtler Schiller. Das Tressen ging üi er sechs Runden, war sehr interessant und endete unentschieden. Arbeiter- Wasserball In der Folge der Seriensplele der Berliner Spitzenklasie, die Sonnabends und Sonntags im Wellenbad ausgetragen werden, gibt es in dieser Woche zwei Begegnungen, die für die Talellen- sührung in den beiden Gruppen von entscheiden- der Bedeutung sind. Die Mannschaft des Ar- beiter-Schwimmvereins Hellas. Verteidiger de- Kreismeistertilels von 1932, steht am Sonnabend um 21 Uhr im Spiel der ersten Gruppe gegen die spielstarke Vertretung des Neuköllner Schwimm- Vereins Möwe. Möwe war in den letzten Jahren immer gut plaziert und zeigte zachem in den letz- ten Spielen verbesserte Leistungen. Man ist in der Tat geneigt, anzunehmen, daß es den Hellenen schwer fallen wird, gegen diese Mannschaft einen sicheren Sieg zu erzielen. Schiedsrichter ist der Neuköllner Frohn, Am Sonntag geht«s um 19 Uhr um die Vorrangstellung der zweiten Gruppe. Die Freien Schwimmer Charlotten- bürg und die Berliner Schwimm-Union gelten als dle aussichtsreichsten Bewerber und ihr Spiel muß daher die Entscheidung bringen Zieht man dle schwlmwerische Ueberlegenheil der Ehar- lottenburger in Betracht, so kann man Union keine Auesichten für das bessere Ende das Kampfes einräumen. Immerhin geben di« Unionleute als erfahren« Spiellaktiker unter der Voraussetzung einer guten Spiellaune einen schwerlich«inzu- schätzenden Gegner ab, so daß man auf das Re- fultat des Treffens gespannt sein darf. Die Spielleitung hat der Weißenseer Schröter. UUeder Eishockey im Sportpalast. Nach einer Pause von vier Wochen kommt der Eishockey'port im Berliner Sportpalast In der nächsten Woche wieder zu seinem Recht. Am 18 und 19. Januar gelangt ein internationales Programm zur Ab- wicklung, in dessen Mittelpunkt deuffch-schwedische Eishcckcyspiele stehen werden. Der schwedische Meister Göta-Stockholin wird gegen den deutschen Meister Berliner Schlittschuh-Elub Hin- und Rück- spiel austragen. Weiter wird wieder erstklassiges Kunstlaufen geboten. Im Anschluß an die Berliner Spiel begeben sich die Schweden nach Prag, um dort am 21. und 22. Januar gegen den LIC.-Prag anzutreten. Der„Blaue Vogel" unterwegs, ötr Malcolm Campt ells„Blauer Vogel", der aus 4000 PL verstärkte Ueberrennwagen des englischen Welt- rekordsahrers, ist am Mittwoch in Southampton nach Daytona-Beach oerladen worden, wo in einigen Wochen die neuen Weltrekordfahrten be- ginnen sollen. Campbell selbst reist 14 Tag� später nach Florida, um dort seinen eigenen, aus 407 SiudenlUometer stehenden Geschwindigkeit»- 'Weltrekord erneut zu verbessern. Der Wogen soll eine Moximalgeschwinidigkeit von 480 Stunden- kilometern entwickeln. Schwarzes Brett !H«to«ft««nbc.eUtinna«Soitfettuj. Montaa, 16. ganuar, 2" Übt. Iohannissn. 14—13, Kcsptcchuna 6cr Jahttsatbkit. Miltwcch 18. Zanuat, 20 Uhr, schuwula IBcinnwiftex- fttafte 15, jcnttntcr Lichtbildrtrwtttagi„Landschaft. Bau- werte und Mustt tn Oeftttteich- mit SchaUplalt-nbeglet- "mg.. Referent: Td. Brieaer, Linz a. D. Unl-st-nbeitrag 20 N,. Sil sie herzlich willkommen. ?TSB.. Bezirl Slarloiteabura. Sounlag, 13. Januar, 17 Uhr, GeniraloersaMmIuna aller Abteilungen im Tür- tischen Zell. Anschließend g-Irlliges Beisammensein Siiste willkommen. Berichterstatter, Handball, 1. Bezirk. Treffpunkt heut«, 18Zj Uhr, Diinhoffplatz, Normaluhr snicht bei Tießl. Don- nerstag, IS. Januar, letzter stursusabend um 20 Uhr in der Slsässerstr. 36—88. Bezirkskartell Lichtenberg. Die am Montag angesetzte Sartcllsitzung findet bei Eicvert, iiantstr. Z, statt. SegeUlnb„Zu spitz-, Montag, 16. Januar. 18 Uhr, Hegeln Alcrandrinenstr. 107. Danach Sitzung. startellbezirl Echönebc«g'i7riede»au. Montag, 16. Ja- nuar, 20ZH Uhr, Uebungoabend aller SH.-Mltglieder in der Turnhalle Belziger Straße. Alte arbeiler und flnces'-ellte haben das Recht auf Befreiung von der Mitgliedschaft bei einer Pllichtkranfcenkassc(|51 7RVO.) durch Ubertiitt zur Krankenj�Sterbeka�� {Lichterleider Ersaizkasse lür sämtliche Berutszweige V. a. G.) Auskunft und Prospekte kostenlos und unverbindlich durch die Hauptverwaltung: Berlin N 24, Oranienburger Straße 67