Abend- Ausgabe Nr. 26 B 13 50. Jahrg. RebokNon und Verlag, Berlin SW 68. Lindenstr. 3 gemlprtd)« C! 7 Am, Oönbott 292 bU 207 Telegrammadresse, Sojtatbemotrai Berlw BERLINER VOLKSBLATT MONTAG 16. Januar 1933 In Groß- Berlin 10 Pf. Auswärts.... 10 Pf. Bezugsbedingungen und Anze»genprelfr siehe Morgenausgabe Aentvawvsan der Sozialdemokratischen Partei Deutschtands Sozialdemokratischer Erfolg in Lippe Von morgen in einer Woche soll der Reichstag wieder zusammentreten. Aber zuvor wird am Freitag noch der Aeltestenrat lagen, und dann wird man sehen, was weiter wird. Am Sonnabend noch war die Meinung allgemein, die bürgerliche Mitte werde im Bunde mit den Nationalsozialisten für ein weiteres Hinausschieben des Reichstags sorgen. Nachdem aber Hitler gestern in Lippe einen Teil der Verluste der letzten Reichs- tagswahlen wieder aufgeholt hat, hält man es nicht für unwahrscheinlich, daß die Nazis es auf eine neue Reichstagsauflösung an- kommen lassen werden. In diesem Fall wür- den wir vielleicht schon zu Ende der nächsten Woche in einem neuen Wahlkamps stehen. Aber so unsicher es ist, ob der Reichstag in der nächsten Woche tagen wird oder nicht, ob er aufgelöst werden wird oder nicht, so uns.cher ist es auch, wie die Regierung in den nächsten Tagen aussehen wird! Für die glänzend kostümierte Gesellschaft, die sich gestern im Sportpalast so malerisch um den Exkronprinzen gruppierte, ist das Wahlresultat von Lippe nicht gerade ermuti- gend; die Flucht der Wähler aus dem deutsch- nationalen Lager zeigt wieder einmal, w.ie wenig diese Herrschaften im Volke hinter sich haben. Die Regierungspresse freilich tut so, als ob Herr von Schleicher noch einen sehr starken Trumpf in Händen hätte, und zwar heißt dieser Trumpf Gregor Straßer. An- geblich soll dieser bereit sein, in die Schleicher- Regierung einzutreten, um sie entweder zur Tolerierung zu zwingen oder den Auf- lösungskampf gegen sie aufzunehmen. Es ist kennzeichnend, daß in der nationalsozialisti- schen Presse kein Wort über diese Möglichkeit zu finden ist, über die sonst in der ganzen Welt gesprochen wird. Nur andeutungsweise beschäftigt sich der preußische Fraktionsführer K u b e mit dem Fall Straßer in einem Artikel, in dem er schreibt: Der Nationalsozialismus ist Adolf Hitler, und Adolf Hitler ist der Nationalsozialismus. Ein Eichbaum spaltet sich nicht, wenn ein Blatt von ihm abfällt. Mag dieses Blatt auch im Winde am kräftigsten gerauscht haben! Herr Kube unterschätzt sich. Von allen Blättern, die am Eichbaum Adolf Hitlers rauschen, rauscht e r am kräftigsten. Gregor Straßer freilich war noch vor ein paar Wochen in der Phantasie der illustrierten Nazipresse selbst„ein Mensch gewordener Eichbaum", und niemand kann voraussagen, was heraus- kommt, wenn diese beiden deutschen Eichen- bäume einander in die Kronen geraten. Jedenfalls aber müssen die nächsten Tage die Entscheidung bringen. Die Sozialdemo- tratie sieht ihr in aller Ruhe entgegen. Kommt es zum Kampf, so wird sie ihren Mann stehen und alle Kraft aufbieten, um den erfreulichen Fortschritt weiter fort- zusetzen, den ihr die Wahl in Lippe gebracht hat. Daß sie der Regierung Schleicher nicht anders gegenüberstehen kann als in lchärfster Opposition, ist eine Selbstrerstäirdllchkett, die durch den monarchistischen Rummel im Sportpalast nur noch unterstrichen wird. Die Sozialdemokratie ist und ble.bt d.e natür- liche Gegenkraft gegen alle Formen der Reaktion in Eeneralshosen wie im SA.-Rock. Je wirrer es drüben zugeht und je grotesker sich die Unfähigkeit der„nationalen Rechten" manifestiert, desto gewisier kommt für sie der Tag der Vergeltung und des Sieges. RüclcxanF der Kommunisten— Hitler bleibt hinter Juliwahlen weit zurück Detmold, 16. Januar. Nach dem vorläufigen amtlichen Gesamtergebnis wurden von 120 593 Wahl- berechtigten 98 451 Stimmen abgegeben. Dies entspricht einer Wahlbeteiligung von 81,7 pro;. Es erhielten: Proz.«.71. Z.' ZI. 7.»2 Mandate Sozialdem. 29 735(30) 25 782 30 399 7(9) DDP... 4 352(4,4) 3 628 2 250 1(3) DNVp... 5 923(6.1) 9 414 8 674 1(3) Landvolk. 700(0.7) 510 173 0(2) KPD.... 11 026(11,1) 14601 10017 2(1) Staa'sp.. 830.(0,8) 558 849 0(1) NSDAP.. 38 844(39.6) 33 038 42 280 9(0) kalh. v... 2 531(?.7) 2 459 3 402 0(0) Co voltsd. 4 510(4.6) 4 079 3 659 1(0) Das Wahlergebnis wird sich nur noch unwesenl- lich ändern. Es stehen noch die Wahlbriese der nach außerhalb des Landes verreisten Lipper, etwa 600, aus, deren Wahlbriese noch bis wontag, 18 Uhr. eingereicht werden können. Die Wahlen brachten den Nationalsozialisten nicht das erhoffte Ergebnis. In ihrem lippeschen Parteiblatt hatten sie großspurig geschrieben: „Am 13. Januar müssen wir dem Führer melden können, Lippe ist nationalsozialistisch." Das können sie ihrem Osas nicht melden. Bon 21 Landtagsmandaten haben sie nur neun be- kommen. Wohl tonnten sie infolge eines beispiel- losen Trommelfeuers aus die lippe- schen Wähler, mit einem nie dagewesenen Kräfteeinsatz auf kleinstem Raum den Deutsch- nationalen 3000 Stimmen weg- nehmen, etwas von den Kommunisten holen und eine Anzahl Neuwähler gewinnen. Aber der Anteil der Nazis ist mit 39,6 Proz. der ab- gegebenen Stimmen gegenüber dem 6. November unverändert geblieben. Die Sozialdemokratie aber vermochte einen geradezu glänzenden Erfolg zu erringen. Sie steigerte ihre Stimmen- zahl gegenüber der letzten Reichstagswahl am 6. November um rund 4000 Stimmen, das sind 15 proz. In der Landeshauptstadt Detmold nahm die Sozialdemokratie sogar 25 proz. zu und kam damit über ihre Stimmenzahl bei der Landtagswahl im Januar 1929 hinaus. Dieser Erfolg der Sozialdemokratie ist um so bedeutsamer, als die Partei in Lippe ununter- brachen 14 Jahre lang führend an der Regierung beteiligt war. Deshalb hatte Adolf Hitler sich selbst und seinen ganzen Führerstab zum Kamps gegen die Sozialdemokratie eingesetzt. Die Nazis arbeiteten mit einer täglich sich steigernden Lügen- und Ber- leumdungsslut, mit einem Massenaufgebot von Werbezeitungen und Flugblättern und wurden in ihrem Kampf gegen die Sozialdemo- kratie nach Kräften von den Kommunisten unter- stützt. Auch die Deutschnationalen und alle übrigen Parteien kämpften vornehmlich gegen die Sozialdemokratie. Das alles aber vermochte den Vormarsch unserer Partei nicht aufzuhalten. Ueberall im Lande leisteten die sozialdemokratischen Funktionäre mit einem vorbildlichen Eifer, mit bewundernswerter Äampfleidenschoft und Hingabe ihr Bestes. So konnten sie das glänzende Ergebnis erzielen, das sich in dem Stimmengewinn von 15 Proz. ausdrückt. Die Kommunisten, die an Niedertracht im Kampfe gegen die Sozialdemokratie kaum hinter den Nationalsozialisten zurückstanden, hatten wiederholt in Versammlungen erklärt, es fei ihnen gleich, ob in Lippe ein Sozialdemokrat oder ein Nationalsozialist regiere! Die lippische Arbeiterschaft gab ihnen daraus die verdiente Antwort. 3577 Stimmen<28 proz.) verloren die Kommunisten gegenüber dem 6. November! Eine geradezu katastrophale Niederlage erlitten die Deutschnationalen, die von ihren 9377 Stimmen bei der letzten Reichstags- wähl über 3000 Stimmen an die Nazis abgeben mußten und nur noch mit einem Abge- ordneten in den Landtag einziehen. Bisher hatten sie drei Mandate. Bon den bürgerlichen Parteien ist nicht mehr viel übrig geblieben. Staatspartei, Wirtschaftspartei, Volksrechtspartei irnd Landvolk sind im neuen Landtag nicht mehr vertreten. Die Volkspartei und der Evangelische Scheene Stepubliganer!" 9f Sin Silick In den Siyifhäufer-JluSmarlch Im Sporlpalaft Volksdienst haben wie die Deutschnationalcn nur je einen Abgeordneten. Die Nationalsozialisten holten zwar gegenüber dem 6. November aus. blieben aber noch mit 3439 Stimmen hinter ihren Stimmen vom 31. Juli 1932 zurück und erreichten nicht einmal ganz ihre Stimmen- zahl von der zweiten Präsidentenwahl. Angesichts des gewaltigen Aufwands, den sie in dem kleinen Ländchen betrieben halten, ein klägliches Ergebnis! Die Sozialdemokratie hat in den Z i e g l e r- d ö r s e r n besonders gut abgeschnitten Hier konnte sie teilweise bis zu 100 Proz. an Stimmen gewinnen, meist auf Kosten der Kommunisten. Aber auch in den übrigen Landesteilen wurden schöne Erfolge erzielt. Die Sozialdemokratie geht aus diesem Wahlkampf, der mit einer bisher nie erlebten Erbitterung und Leidenschast geführt wurde, gestärkt hervor. Ueber die zukünftige Regierung kann heute noch nichts gesagt werden. Wenn die Nazis regieren wollen, müssen sie sich mit dem Hugenberg-Mann, dem Volksparteiler und dem Evangelischen Volksdienst verbünden. Ob ihnen das gelingt, bleibt noch eine offene Frage. Hitler-Banditen Lagerhalter niedergeschlagen Konsumvereinslager völlig zerstört Eigener Bericht des„Vorwärts" Detmold, 16. Januar. Eine viehische Gewalttat haben die National- sozialislen gegen den Lagerverwalter Brinkmann von der verteitungsstelle des Konsumvereins in Leopoldshöhe verübt. Brink- mann wurde vor einigen Tagen von Nazis überfallen. Er hatte wenige Tage vorher gegen einige Nazis wegen Hausfriedensbruchs Anzeige erstattet. Er wurde deshalb von den Raufbolden zur Rede gestellt und danach niedergeschlagen. Die Unmenschen trampelten m i t ihren schweren Stieseln aus dem zu Boden Geschlagenen herum: sie traten ihm ins Gesicht, auf die Brust und den Leib, bis er bewußtlos liegen blieb. Drinkmann wurde schwer verletzt. Am Sonntag kam es in den späten Abendstunden vor der Filiale des Groß-Lippischen Konsumvereins zu neuen schweren Ausschreitungen von SA.-Leuten, die mit Reichsbannerleuten Streit begannen. Nach den bisherigen Feststellungen sind fünf Personen verletzt worden. Ein SA.-Rlann erhielt einen Kopsstreisschuß, während drei Reichsbannerleute Schüsse in den Ober- und Unterarm erhielten. Die Filiale des Konsumvereins wurde völlig zerstört und die Auslagen aus die Straße geworfen. Auch die Fenster der im Erdgeschoß liegenden Wohnungen wurden zertrümmert. Die Polizei beschlog- �ckkung Neukölln! Heute Protest gegen den okii-Tcct&c du Hcvzis Treffplatz: 17H Uhr, Schillerpromenade. Abmarsch: 17.45 Uhr durch fotgende Straßen: Steinmetz-, Hermann-, lonas-, Bergstraße, Hohenzollernplatz, Richardplatz, Hertzbergstraße, Hertzbergplatz. Schlußansprache auf dem Hertzbergplatz. Werktätige Neuköllnsl Heraus auf die Straße! Gestaltet diese Demonstration zu einer machtvollen Kundgebung gegen Braunmord. nahmle noch elwa Z5 5chuh Muniiion, Schlag- ringe, Gummiknüppel und Dolche. Auch in Brake kam es Sonntag srüh zu einem Streit. Als gegen g Uhr Reichsbanner- leute im Wahllokal ein Transparent an- bringen wollten, fuhr plötzlich ein mil SA.-Leuten besetzter Kraftwagen vor, dessen Insassen die Reichsbannerleute provokatorisch zur Rede stellten. Es entspann sich eine Auseinandersetzung, im deren Verlauf die Nationalsozialisten, die sich hinter einer Mauer verschanzten, auf die Reichsbannerleute schössen. Drei Reichsbannerleute aus Brake wurden dabei v e r- letzt. Einer von ihnen mußte ins Krankenhaus gebracht werden. Ein SA-Mann aus Gelsen- kirchen erlitt Schußoerletzungen. Ein weiterer Zusammenstoß ereignete sich am Vormittag in Bad Salzuflen Dort kam es zu einer Schlägerei zwischen Nationalsozialisten, Reichsbannerleuten und Kommunisten. Auch dort gab es mehrere Verletzte. Wahlangft an der Börse Lclwerer Kursrückschlag Es genügt heute schon, so lächerlich es auch klingen mag, das Wahlergebnis eines deutschen Zwergländchens, wie Lippe, um bei unerwartetem Ausgang der Wahl die Börse stark zu beeinflusseir In der Burgstraße befürchtet man jetzt im Hinblick auf das Lipper Wahlergebnis die un- mittelbar bevorstehende Auflösung des Reichstages und ließ deshalb die Kurse purzeln! Aktien und Renten standen von vornherein unter dem Druck eines starken Angebotes. Nicht nur die Spekulation, vielfach auch das Publikum suchte sich aus seinen Enga- gements zu lösen. So kam es vielsach zu mehr- prozentigen Kursrückschlägen. Unter anderem ver- loren RWE. 214 Proz., Siemens IV2 und JG.-Farben etwas mehr als 2 Proz. Kurz vor 1 Uhr hörte man RWE. mit 97� gegen 100, Farben mit 10114 gegen 103� und Siemens mit 12314. Auf dem Rentenmarkt verloren Pfand- briefe und Obligationen vielfach 1 bis 114 Proz., Neubesitzanleihe ging von 9,20 auf 814 und Alt- besitzanleihe von 68 auf 6TA zurück. Neue Landtagswahlen Die nächstenLandtagswahlen sind erst im Herbst d. I., und zwar im September in Braunschweig, im Oktober in Baden und im November in Bremen. Berliner Konsumvereinswahlen Niederlage von Klagges Sozialdemokrat gewählt Eigener Bericht des„Vormärts" Braunschweig. 16. Januar. Am Sonntag wurde in Harlingerode am harz der Gemeindevorsteher neugewählt. Der braunschweigische Znnenmiuister klagges hatte selbst eine heftige Wahlrede gegen den bisherigen sozialdemokratischen Gemeindevorsteher vom Stapel gelassen. Die Wahl bedeutet eine vernichtende Niederlage für S l a g g e s und seine Leute. Der sozial- demokratische Kandidat erhielt 7S2 Stim- men, der Vertreter der Bürgerschaft 236 Stimmen, der Kommunist 104 Stimmen und der National- sozialist 244 Stimmen. Der Sozialdemokrat ist also bereits im ersten Wahlgang gewählt. Göring denunziert Straßer Kampfmethoden der Nazis untereinander Essen, 16. Januar. Wie die nationalsozialistische„National-Zeitung" sich von ihrem nach Lippe entsandten Berichter- statter melden läßt, erklärte Reichstagspräsident G ö r i n g am Sonnabendabend in einer Wahl- kundgebung in Bad Salzuflen u. a., daß es in Wahrheit keinen fanatischeren Hasser des Herrn von Schleicher gebe, als Gregor Straßer. Gregor Straßer habe ihm. Göring, persönlich vor kurzer Zeit erklärt, daß er es sich zur besonderen Ehre anrechne, daß er, Straßer es gewesen sei, der den Führer von seiner guten Meinung über Schleicher a b- gebracht habe. Er. Straßer, hasse Schleicher und wisse, daß er einer der unfähigsten Köpfe sei. die jemals an der Stelle des Reichs- konzlers gefesien haben Schleichers einziges Be- streben sei lediglich darauf gerichtet, die national- sozialistische Bewegung zu zerschlagen. Schwere Niederlage der Kommunisten Friedhvfdemvnftrattvn Ruhiger Verlauf Die kommunistische Kundgebung aus dem Wagnerplatz in Lichtenberg und der Ab- marsch der Delegationen zum nahegelegenen Zentrolsriedhos Lichtenberg-Fried- r i ch s f e l d e zum Grabmal von Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg om gestrigen Sonntag ist im großen und ganzen ruhig oerlaufen. Die Beteiligung war nicht sehr stark. Die Schupo war tn Lichtenberg außerordentlich stark ver- treten und beim Rückmarsch einzelner komm»- nistischer Gruppen kam es in der Frankfurter Die Mitglieder der konsumgenosseofchaft Berlin und Umgegend habeu am gestrigen Sonntag die Vertreter zur Generalversammlung gewählt. Nach dem vorläufigen Ergebnis erhielt die Liste G e- nossenschaslsaufbau 712 Vertreter. die Liste der kommunistischen„Oppo- s i t i 0 n" nur 192 Vertreter. Das Ergebnis kennzeichnet sich als eine schmähliche Niederlage der Kommu- n i st e n, und diese Niederlage ist wohl verdient. Sie hatten sich größere Hofsnungen auf einen Wahlerfolg gemacht als je zuvor, sie hatten den Wahlkampf energischer als je geführt. Der ge- samte kommunistische Parteiapparat war gegen die Genossenschaft aufgeboten. Millionen von Flugblättern und Handzetteln wurden oerbreitet und viele Versammlungen veranstaltet. Noch' nie ist ein Konsumverein schmählicher verleumdet worden als in diesem Wahlkampfe. Infolge der verringerten Kaufkraft der einzelnen Verbraucher war auch der Umsatz der Genossenschaft zurück- gegangen, was sich ganz selbstverständlich auch auf die Erträgnisse auswirken mußte. In dieser Zeit, wo die genossenschaftlich« Verbraucherorganisation bei ihren wirklichen Freunoen ein willigeres Ver- ständnis dringend brauchte, redete und schrieb die kommunistische Opposition dauernd von der an- geblichen Mißwirtschast der„reformistischen� Ge- nossenschaftsverwaltung. Alles wurde hervorge- kehrt, was geeignet war, in dieser Krisenzeit das Bertrauen der Mitglieder zu erschüttern. Da be- kämpfte man selbst den Ausbau der inneren Ein- richtungen der Genossenschaft, den dieselbe„Oppo- sition" vorher selbst einstimmig mit beschlossen hatte. Da versuchte man namentlich das Ber- trauen der Sparer zur Genossenschaft zu unter- graben. Aber gerade die Art hemmungslosen Kampfes gegen die genossenschaftlich« Organisation hat sich gegen ihre Urheber selbst ge- wendet. Die Kommunisten hatten den gesunden Menschenoerstand unterschätzt. Die wirklichen Ge- nosienschaster, die nicht blindlings auf die kommu- nistischen Parteiparolen hineinfallen, mußten sich sagen, daß man diejenigen, die die Genossenschaft in jeder Beziehung zu schädigen versuchen, nicht zu genossenschafllichen Bertrauensleuten wählen kann. Es darf angenommen werden, daß selbst zahlreiche Genossenschafter, die bei politischen Wahlen einen kommunistischen Stimmzettel ab- geben, sich in diesem Falle mit Empörung von ihren Führern abgewendet haben Anders ist dieser für die Kommunisten niederdrückende Ausgang der Vertreterwahlen gar nicht zu er- klären. Die überwältigende Mehrheit der Genossen- schaftsmitgliedsr hat ihr Urteil dahin gesprochen: nicht Zerstöning des eigenen Unternehmens, sondern Genossenschaftsausbaut Heldenspiel im Sportpalast keier des Kyffhäuser-Bundes mit Schleicher Der hielt Deutsche Reichskriegerbund„Kyffhäuser" aus Anlaß des Reichsgrllndungstages im Berliner Sportpalast eine„Weihestunde" ab, bei der auch General von Schleicher in seiner Eigenschaft als Reichswehrminister eine durch den Funk verbreitete Ansprache hielt Ueber die Besucher dieser„Weihestunde" wird berichtet: Gegen 12 Uhr erschien Reichspräsident von Hindenburg in Generalfeldmarschallsuniform in Begleitung des Reichskanzlers und Reichswehr- Ministers von Schleicher, der ebenfalls die Uniform trug. Sie wurden von den drei Präsidenten des Kyffhäuserbundes zu dem Ehrenpodium ge- leitet, auf dem Platz genommen hatten die UM- glieder des hohenzollernhauses. die Reichs- m i n i st e r von Neurath, Dr. Bracht und Syrup, der Chef der Heeresleitung General von Hammer- stein, der Chef der Marineleitung Admiral Raeder, der ehemalige Reichskanzler von Popen, Generalfeldmarschall von Macken- sen, Generaloberst von Kluck, General der In- fanterie von Hutier, Admiral von Schroeder, General von Stülpnagel, der Präsident des Reichskuratoriums für Iugendertüchtigung. Ober- bürgermeister Dr. Sahm, Polizeipräsident Welcher usw. Unter den Hunderten von Ehrengästen be- fanden sich weiter die beiden Bundesführer des Stahlhelms Seldte und Duesterberg, General von der Goltz, Gouverneur Schnee, Vizeadmiral Rösing, Generalleutnant Waechter, Staatssekretär a. D. von Lindequist, Kapitän a. D. von Etosch sowie die Vorsitzenden der Landes- und Provinzialoerbände des Kyffhäuserbundes. Der Vorsitzende des Bundes, General 0 0 n H or n, hielt eine politische Ansprache, in der er sich höflich„vor unserem letzten obersten Kriegsherrn" vereingte und dann sich gegen die„Fesseln von Versailles" wandte: Ver- gessen wir niemale, daß wir die Schande und die Schmach des Friedensdiktats nicht deshalb so schmerzlich empfinden, weil unser Volk schließlich gegen eine Well von Feinden unterlegen ist, sondern wegen der Art, wie wir zusammengebrochen sind, wie wir unseren Sturz ertrugen, teils in erstarrter Gleichgültigkeit, teils in würdeloser Selbstbeichuldigung, ja Selbstzerfleischung. Deshalb soll über dieser Weihestund« die Mahnung stehen: Erkennt und bekennt eure Fehler und werdet nun, da auch die Not und die Schmach zusammengekoppelt, endlich e i n Volk. Bannt den Klassenhaß und die Partei sucht, besinnt euch auf eure Der einer nationale Würde und aus eure Geschichte. Kyffhäuserbund erstrebt die Schaffung großen deutschen Front. Mit Vorbedacht ist dieser Name gewählt, weil der Begriff national vielsach zu eng gesaßt wurde, weil die versuche, nationale Fronten zu bilden, darin be- standen, einige Parteien oder Parteigruppen an- einander zu binden. Wir wollen etwas anderes, wir wollen gesinnungsmäßigen Zusammenschluß — unabhängig von allen Partei- bindungen— aller derer, die deutsch fühlen, deutsch denken und deutsch handeln wollen. Reichswehrminister von Schleicher begrüßte die alten Herren vom Kriegerbund im Namen der „jungen Wehrmacht" und lobte die frühere deutsche Armee: Gerade deshalb hat diese Armee, die schließlich doch das deutsche Volk in Waffen darstellte, nichts als so kränkend, unverdient, entehrend und von feiten des Feindes u n r t t t e r l 1 ch empfunden, wie das Verbot. Waffen zu tragen. Gill doch dem Deutschen seit Urväter Zeiten das Recht, eine Waffe zu tragen, als das Zeichen des freien ZNanues. Unsere Feinde wußten sehr wohl, daß sie Deutsch- land ins Mark trafen, als sie es wehrlos und damit zu einem Volt zweiter Klasse machten. Gegen diese Deklassierung und für die Wiedergewinnung seiner Gleichberechtigung aus militärischem Gebiet hat daher das deutsche Volk zäh und mit heißem Herzen gekämpst, bis ihm vor kurzer Zeit dieses entscheidende Merlmal seiner Souveränität wieder zuerkannt ist, und ich kann heute nur die Worte des Herrn Reichsaußen- Ministers wiederholen, daß die Retchsregierung keine Abrüstungskonvention unter- schreiben wird, die diesem Grundsatz nicht Rech- nung trägt. Im übrigen wollen wir nur die gleiche Sicherheit wie jedes andere Lande, und ich möchte erneut betonen, daß ich die allgemeine Wehrpflicht für das wichtigste Ziel halte. Ver- änderte Zeitverhältnisse werden ver- änderte Formen bedingen Ich denke dabei in er st er Linie an die Miliz. Seien Sie aber überzeug!, daß die Wehrmacht, wie auch ihre äußere Form sein mag, stets von dem Geist beseelt sein wird, der der Ihre war und ist." Zum Schluß lobte Schleicher die Hilfstätigkeit der Reichswehr bei der Winterhilfe als Zeichen der Verbundenheit mit dem Volke. Allee zu einigen Zwischenfällen. An einer Stelle wurde von der Polizei geschossen. In Lichtenberg war später das Gerücht oerbreitet, daß zwei Demonstranten verletzt und von G-- sinnungsfreunden fortgebracht worden seien. * Am Sonntagmorgen hatte sich ferner die so- zialistische Arbeiterjugend aus dem Friedhof Friedrichsfelde an den Gräbern von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht versammelt. Der Vorsitzende der Berliner Organisation der Arbeiterjugend, Genosse Erich Schmidt, stellte in einer kurzen Ansprache fest: Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht gehören nicht einer Partei, sie gehören dem gesamten Proletariat. Nach der würdigen Feier, die mit dem Absingen der Jnter- nationale beendet wurde, formierten sich die Teil- nehmer zu einem Demonstrationszuge, der am Bahnhos Frankfurter Allee beendet wurde. Tragischer Freitod Im Eüro erhängt In den Abendstunden de« Soun'ags wurde Im Geschäftszimmer des vernauer konsumvcrcius „Forffchdlr der 50 Zahre alle Stadtverordnete und Fraktionsführer der vernauer Sozialdemo- krateu Ernst Knietschte tot aufgefunden. K. hatte sich an einer Schnur erhängt. Die schlechten Wohnverhältnisse in der von Ar- beitern reich bevölkerten Stadt Bernau ließen in Knietschke den Plan reisen, ein größeres Sied- lungsprogramm durchzuführen. Von der von ihm gegründeten Bernauer Siedlungs- g e s e l l I ch a f t wurden'n einem Zeitraum von mehreren Jahren etwa 400 Wohnungen gebaut. Di« Dauerkrise zerbrach aber wie so vieles das Wert des Manne», der den Arbeitern gesunde szeimstätten schassen wollte. Ein Teil der Woh- nungen blieb unvermietet und ein Teil der Mieter, die früher auskömmliche Löhne bezogen, wurden arbeitslos. Die Mieten gingen nicht mehr pünktlich oder überhaupt nicht«in und Knietschte war bald mit Geschäftssorgen überladen. Dazu kamen die Schwierigkeiten des Konsumvereins„Fortschritt", für dessen Ausbau K. immer«ingetreten war. So sah der Schöpfer dieser Unternehmungen offenbar keinen Ausweg mehr. Bis zuletzt ver- suchte der verdiente Mann, au» den Schwierig- leiten herauszukommen, das ist ihm aber nicht ge- lungen. Al» er am Sonntagabend allein in seinem Büro saß. beging er in einem Anfall von Schwer- mut die Tat Knietschke gehörte auch dem Bernauer Sparkassenvorstand an. außerdem war er Mitglied des Brandenburgischen Provinziallandtage» seit 102' und Kreisausschußmitglied de» Kreises Nieder- barnim. Schweres Autounglück Ein l'oter. vier Schwerverletzte' Zu der B i s m a r ck st r a ß e in E h a r l 0 t t e u- burg, unweit der Städtischen Oper, ereignete sich am Sonntagabend ein folgenschweres Auto- Unglück, das ein Todesopfer und vier Schwerverletzte forderte. Gegen AI Uhr näherte sich der Straßen- kreuzung Birsmarck- und Sesenheimer Straße ein mit fünf Personen besetzer Privatwagen. Zum Schrecken der Passanten, raste der wagen plötzlich auf den Bürgersteig. Das Auto prallte hier gegen einen Strahenbahnmast und wurde zertrümmert. Die Insassen waren in dem Autowrack derart eingequetscht, daß es geraume Zeit dauerte, che es der Feuerwehr gelang, sie aus ihrer furcht- baren Lage zu befreien. Der Führer des Autos, ein 28 Jahre alter Kaufmann Heinz Krause aus der Bismarckstraße 84 konnte nur noch als Leiche geborgen werden. Die übrigen Mit- fahrenden, der 24jährige Benno Rabe aus der Wilmersdorfer Straße 43, der 34 Jahre alte Willi W e g e n« r aus der Schillerstroße 79, die 20jährige Maria K a st r 0 w i a t aus der Köpenicker Straße 98 und die 21 Jahre alte Irene Kleinitz aus der WUmersdorfer Straße 138 mußten durch die Feuerwehr mit schweren Kopfverletzungen und Knochenbrüchen ins Westend-Krankenhaus übergeführt werden. «r Infolge Versagens der Steuerung fuhr in der Nacht zum Montag gegen 2 Uhr ein Autobus der Linie 5 vor dem Hause Potsdamer Straße 120 gegen einen Laternenmast und einen Baum. Sämtliche Scheiben wurden zer- trümmert. Da der Autobus nur mit wenigen Fahrgästen besetzt war, ist glücklicherweise niemand zu Schaden gekommen. Än der Sewaltvon Räubern Lieherfall auf Reinmachefrau Zwei maskierte Verbrecher drangen in der vergangenen Nacht gegen 4 Uhr in die Aschinger-Quelle in der Potsdamer Straße 101 unweit der Kurfürstenstraße ein, überraschten die Reinemachefrau und fielen über die erschreckte Frau her. Der eine packte sie von hinten, hielt ihr die Hand auf i«?n Mund und schob sie zum Vorderraum. Dort zwang man sie. sich auf einen Stuhl zu setzen. Mit mitgebrachten Stricken wurde sie gefesselt. Die Füßen wurden an die Beine eines sestgeschraubten Tisches ge- bunden, die Hände an der Stuhllehne gefesselt. Der eine blieb so vor ihr stehen, daß sie den anderen Burschen noch beobachten konnte. Sie hörte aber an dem Geräsch seines Handwerks- zeug», daß er darangegangen war. den Tresor anzubohren Eine Viertelstunde etwa mochte sie in der Gewalt der maskierten Räuber gewesen sein. Plötzlich ertönten aus der Hintertreppe Schritte. Die Räuber glaubten an dem schweren Gang«inen Wächter zu erkennen Es war aber ein heimkehrender Hausbewohner, der seine Woh- nung aufsuchte. Die Einbrecher waren jedoch unsicher geworden und verschwanden. Einige Minuten wartete die Überfallene Frau noch, dann rief sie laut um Hilfe. Eine andere Reinemache- frau, die in einer nahegelegenen Konditorei be- schäftigt ist. hörte die Hilferufe und befreite Frau Z. von ihren Fesseln. Dann rief man das Ueber- fallkommando herbei. Die Verbrecher hatten aber schon die Straße erreicht und waren entkommen. Wieder Dampfer in Rot Reykjavik, 16. Januar. Der spanische Frachtdampser„Flor a" treibt seit Freitag nacht mit gebrochenem Steuer auf der Höhe von Porlland vor der Südtüste von Island. Der norwegische Passagierdampfer „Lyra" ist zu Hilfe geeilt. Die..Flora">Mann- schaft wollte am Sonnabend bereits da» Schiff verlassen, der Kapitän der..Lyra" riet aber dringend ab, da e» im Orkan unmöglich sei, die Mannschaft an Bord de» norwegischen Dampfers zu nehmen. Ein Bildungsweg wirb verbaut Lekäkr6un8 der Gewerbelehrerausbildung Riefentheaterbrand Rotterdamer Theater zerstört Rotterdam, 16. Januar. In dem Theater Arena, das das bisher größte Theater darstellte, brach ein Brand aus. der bald eine gewallige Ausdehnung annahm und in wenigen Stunden das umfangreiche Gebäude bis auf die Grundmauern zerstörte. Die Lösch- arbeiten wurden durch den starken Frost sehr er- schwert. Tausenlde von Zuschauern waren Zeugen des aussichtslosen Kampses, den die Feuerwehr führte. Frankreichs Finanzen Lozlalistischer Gegenentwurf Eigener Bericht des„Vorwärts" Paris, 16. Ianu». Die Landesausschllsie des Allgemeinen Landes- Verbandes und des Postbeamtenoerbandes. die beide dem Allgemeinen Gewerkfchastsbund ange- schlössen sind, haben am Sonntagnachmittag den Bericht ihrer Vorstände über die Unterredungen mit Mitgliedern der Regierung entgegengenommen und beschlosien, sich mit allen Mitteln gegen die Finanzpläne der Regierung zu wenden. die die Beamten sowohl als Steuerpflichtige wie auch als Verbraucher aufs schwerste treffen. In einer Entschließung wird weiter erklärt, daß die Beamten bereit sind, alle Aktionsmittel anzuwenden, die die letzten Kongresie der beiden Verbände gegen eine etwaige Gehalts- k ü r z u n g empfohlen hatten(strenge Befolgung der Vorschriften in allen öffentlichen Dienst- betrieben und Verringerung der Arbeitsleistung in allen Verwaltungens. Die Verbandsvorstände sollen im Einvernehmen mit dem Kartell der Beamtenverbände bestimmen, ob und wann diese Aktionsmittel in Kraft gesetzt werden sollen. In einer gemeinsamen Sitzung der beiden Landesausschüsse wurde eine weitere Ent- schließung angenommen, in der d'e Verbände ihre materielle und moralische Sol'dorität bekräftigen und ihr Vertrauen zu den Ergebnissen einer engen Zusammenarbeit aussprechen. In Regierungskreisen ist die gemein- same Entschließung der Beamtenoerbände mrt Genugtuung aufgenommen worden Denn man hatte nach der Annahme der vorher erwähnten Entschließungen befürchtet, daß m der gemeinsamen Sitzung der beiden Verbände die Inkraftsetzung der Aktionsmittel beschlosien würde. Ein Mitarbeiter des Ministerpräsidenten hat erklärt, daß die Ent- schließung nicht die Brücke zwischen der Regierung und den Beamten abbreche und die Z u s a m m e n> arbeit zwischen beiden Parteien fortgesetzt werden könne. Verschiedene bürgerliche Zeitungen behaupten sogar, es sei nicht unmöglich, daß auf die Initiative der sozialistischen Fraktion, die einige Ab- änderungsvorschläge in Reserve halte, eine neue Unterredung zwischen Beamten und der Regierung stattfinde, bei der vielleicht eine Verständigung erzielt werde. Dieser offizielle und offiziöse Optimismus ist, wie hinzugefügt werden kann, reichlich übertrieben. Die sozialistische Fraktion ist ebenso wie die Beamten gegen d>e Finanzplän« der Regierung, die nach den Erklärungen des Finanzministers keinen grundlegenden Aenderun- gen mehr unterworfen werden sollen. Die Sozia- listen werden daher der Regierungsvorlage den angekündigten Gegenentwurf gegenüber- stellen, desien endgültige Form jedenfalls heute festgelegt wird. Unter diesen Umständen ist der Ausgang der Finanzdebatte, die wahrscheinlich Ende der Woche in der Kammer beginnt, noch völlig ungewiß._ Autoritäre Handelspolitik Deutsch schwedische Verhandlungen gescheitert Stockholm, 16. Januar. Die deutsch-schwedischen handelsvertrazsver- handluugen find gescheitert. Diese Nachricht wird von der gesamten Presse des Landes mit einem Gefühl außerordentlichen Befremdens wiedergegeben und kommentiert. So schreibt das der Regierung nahe st ehe n de Stockholmer „S o c i a l d e m o t r a t e n\„Auf deutscher Seite muß man verstehen, daß d'e Nachricht über den Abbruch der Verhandlungen in Schweden nicht nur mit Ueberraschung. sondern mit recht bitteren Gefühlen entgegengenommen werden wird. Soweit aus den bisher vorliegenden Meldungen hervor- geht, wurden deutscherseits solche Bedingungen gestellt, daß es uns nicht emmai möglich war, die uns bisher eingeräumten Vergünstigungen beizu- behalten. Dies wird aus die schwedische Ocssent- lichtest zweifellos einen u n g ii n st i g e n Ein- druck machen. Wir werden unsere abwartende Stellung beibehalten, aber in unserem südlichen Nachbarlande sollte man verstehen, daß wir alles. was im handel�politilchen Bereich unserer Be- Ziehungen geschehen wird, mit der größten Wach- samkelt verfolgen werden." Zn Warschau verhaftek wurde als GPU.-Agent Felix Stein, der unter dem falschen Namen Paul Schiller als deutscher Ingenieur nach Berlin zu gelangen versuchte. Stein, der mit sieben deutschen Ingenieuren mit falschem Paß aus Moskau kam, wurde von Beamten der „Defensiva" erkannt und festgehalten Er war früher Vertreter der GPU. in Polen und wurde sist längerer Zeit gesucht. Die Ausbildung der Gewerbelehrer, die zu einem großen Teil der Praxis entstammen— keine Lehrergruppe braucht die lebendige Ver- bindung mit der Wirtschast so notwendig wie die Gewerbelehrerschast—, erfolgt zur Zeit in Preußen durch die berusspädagogischen Institute in Berlin, Köln, Frank- s u r t a. M. und Königsberg. Als sie in der jetzigen Form vor einigen Iahren geschaffen wurden, betonte chandelsminister Dr Schreiber mit Recht, daß hier eine„Durchbrechung des Be- rechtigungswesens" vorliege, die zukunftsweisend sei. Partei und vor allem Gewerkschaften hatten an dieser Schaffung eines Aufstiegweges über den Beruf stärksten Antell. Da eine weitgehende Verbindung der Institute mit den Hochschulen an den einzelnen Orten hergestellt war, war auf diesem Wege praktisch der Zugang tüchtiger Männer und Frauen aus dem Wirtschaftsleben, aus der Praxis zur Hochschule gewährleistet. Man hört jetzt von„R e i o r m p l ä n e n", die mehr als befremden müssen Die„Verwaltungs- reform", die schon dadurch zu Tode gehetzt wurde, daß man glaubte, keine noch so vernünftige Ein- richtung aus parlamentarischer Regierungszeit in „Kunstgenuß ist einer Nation durch- aus unentbehrlich." Mit tiesem schönen Mahnwort Wilhelm v. Humboldts, desien Wahrheit wir heute doppelt und oreifach unter- streichen wollen, da es einer west verbreiteten und sehr gefährlichen Ablehnung begegnet, schloß der Generaldirektor der Staatlichen Museen W a e tz o l d t seinen ausgezeichneten Vortrag üb->r „Preußische K u n st p o l i t i k" in der Deut- sehen Gesellschaft. Die historische Uebersicht über ein Iahrhunoert staallicher Kunstpflege gipfelte in dem Gegenwartswunsch(der leider auch sehr laut nach oben hin zu betonen wäre): daß unser Kultur- und Kunstbestand unbedingt zu erhalten unld aktiv gemehrt und gesördert werden möge, mst Vermeidung allen weiteren Abbaus. Wie unsinnig, ja lächerlich sich die bürokratisch« „Sparsamkeit" auf dem Gebiet der Kunst auszu- wirken beginnt, kann jeder Besucher der staatlichen Kunstbibliothek in der Prinz-Al. recht-Straße fest- stellen: um Licht zu sparen, wird der Lesesaal jetzt um 8 statt um 16 Uhr geschlossen, also gerade den beruslich Tätigen vor der Nase zugesperrt. Wie ernst es mit der Sparsamkeit gehalten wird, be- zeugt außerdem der Umbau der ganzen Beleuch- tung-anlage zur Reduzierung auf die Hälfte der Lichtkörper— die Kosten dafür mögen gut und gern ein paar Jahre der erziellen Stromersparnis aufwiegen. Die Museumsverwaltung sucht inzwischen die Verringerung chres Etats durch erhöhte Tätigtest wieder gutzumachen. Noch nie tonnte man so viele und wertvolle Veranstaltungen im Gebiete Oer Staatlichen Sammlungen zu gleicher Zeit ze- nießen. Zu den zahlreichen Sonderdarbietungen, die in letzter Zest hier erwähnt wurden, sind eine Reihe neuerer im Januar getreten. Das Perga- monmuseum hat in einem Saal, eine Treppe hoch. eine interesiante Sammlung von Inschrift- st e i n e n eröffnet, die helle Schlaglichter aus die hellenische Kultur werfen. Das Völkerkunde- museum zeigt in den nächsten Tagen eine um- fasienoe Schau von Südseekunst, worüber noch zu berichten sein wird Die K u n st b i b l i o t h e k stellt die lustige und erfindungsreiche Buch- und Jllustrationegraphik von Erich Büttner aus, desien Phantasie auf diesem Gebiete viel unmittel- barer sich äußert als in seiner Malerei. Und das Kupfer st ichkabinett beweist, just zur Zeit, da sein Direktor Elfrid Bock unerwartet uns ge- nommen wurde, seine neuzeitliche Gesinnung durch eine ungemein anregende Doppelschau: zur Linken sinld die graphischen Techniken durch Ausstelluno von Beispielen, Instrumenten und bear.eiteten Platten anschaulich erläutert, in dem großen Saal zur Rechten die Erwerbungen des letzten Jahres aus der lebenden Kunst ausgestellt. Hier erfährt man, mit welcher Kenntnis und Liebe die Graphik der Gegenwart gesammelt wird: es ist eine Aus- wähl von Blättern der hervorragendsten Künstler Deutschlands, Frankreichs usw.. die einen voll- kommenen Eindruck von dem Hochstand« unserer Graphit gibt. wie. man ihn nirgends sonst er- halten kann. Gerade weil diese Schätze für ge- wohnlich in Mappen ruhen, die der Museums- besuch«? nur selten zu verlangen wagt(er sollte es indes tun: dazu sind sie dal), ist die öff.'nlliche Schaustellung der Neuerwerbungen so wichtig und kann nicht genug emvfohlen werden. Von den großen anerkannten Künstlern wie Münch, Noloe Kirchner. Klee usw. zu schweigen: mit derselben Sorofast wird die Jugend hier gesammelt: die Radierungen des merkwürdig phantasievollen G a n g o l p h sind ebenso hervorzuheben wie die Kupferstiche der Wüsten uno Weqeleben die eine alte Technik mit moderner Gesinnung er- füllen. Endlich sei noch aus die vollständige Umordnung Preußen bestehen lassen zu können, will auch die Gewerbelehrerausbildung„reformieren". Man spricht von einer Vereinigung der vier Institute unter der Leitung eines Direktors in Berlin. In den drei anderen Städten sollen die Institute als Filialen in verkleiner- tem Umfange bestehen bleiben. Sie sollen statt des jetzigen Direktors einen stellvertretenden Direktor erhalten, vielleicht auch von den bis- herigen Berussgruppen(auf der Männerseite unterscheidet man Metall-, Bau-, Kunst-, Beklei- dungs- und Nahrungsmittelgewerbe) nur eine oder zwei behalten. Diese Maßnahmen werden dazu führen müsien. daß in gewissen Gegenden Preußens zwangs- läufig ein Ueberangebot an Gewerbelehrern einer Fachrichtung entstehen muß. die anderen Gebiete völlig fehlen. Da gerade tüchtige Männer der Praxis durchweg sehr mit ihren Mitteln zu rechnen haben, sind sie, falls dieser Plan Wirklichkeit werden sollte, gegenüber besiergestellten Kreisen stark benachteiligt. Man bedenkt anscheinend dabei auch nicht, daß gewisse Gewerbe je nach den Landesteilen verschieden sind, was bislang von den Instituten berücksichtigt werden konnte. im Kronprinzenpalais hingewiesen, die den Bestand an Gegenwartskunst(hoffentlich für eine längere Zeit definitiv) oronet. Im Erdge- schoß: van Gogh, Münch und die lebenden Fron- zosen; im ersten Geschoß: Slevogt bis Hofer und Fuhr: im Obergeschoß: Nolde, die Brückekllnstler. Beckmann, Feininger, Marc, Barlach, Dix und Klee mit den Dazugehörigen. Die Nationalgalerie wird demnächst, wenigstens in ihrem obersten Stockwerk, sich in ähnlich verjüngter Gestalt Darstellen. Nicht ohne Ironie kann man das zestliche „Komparserie" Theater in der StresernannstraOe Das Studio des„BllHnennachweis", der paritätischen Stellenvermittlung der Schauspieler und der Direktoren, will zeigen, wieviel Begabungen, die arbeitslos blieben, für die Bühne ein Gewinn sein könnten. Solch Nachweis(Anklage und hoffentlich auch Sporn) wurde am Sonntagvor- mittag erbracht. Eine von Wolfgang Hoff- mann-Harnifch geleitete Aufführung war zwar etwas lang, aber(besonders in den Szenen, die das„Milieu" zeichneten) so echt und lebendig, daß man wünschen möchte, sie würde irgendwie in den abendlichen Berliner Spielplan übernommen. Die vielbildrige(leider zu häufig aus dem Allgemeingültigen in Einzelschicksale abgleitende) Berujschronik„Komparserie", die Richard D u- s ch i n s k y anklägerisch, doch verstehend schrieb, gewährt einen ebenso aufschließenden wie er- schütternden Einblick in die Bezirke hinter der Scheinwelt der Kulisien: in den Menschenhandel der Agenten, in das Irrenhaus der Proben, in die Eifersuchtstüchen der Garderoben, in den Zynismus des Kunstgeschäftes. Komparserie... das sind die Statisten, die vielen, die Namenlosen: sie haben einen Todfeind: den Prominenten, den Arioierte»(?). den Star, den Gagenschlucker, die Sensation der Saison. Hier klafft und brodett, stinkt und glitzert das zentrale Problem jeglicher Soziologie der Schau- spieler: hier grenzt der Himmel der Auserwählten an die Hölle der Vergessenen Hier entwickelt sich (in dem vorliegenden„Tbealerstück") die ebenso heldische wie hintertreppig« Tragödie des Schau- spielers Eschenbach und seiner Frau Elisabeth, die kaum noch lebte, al» der Zufall sie hob. die nun über den geliebten Bajazzo(der nur ihr Mann, nicht ihr Partner, nicht Ihr Manager ist) den KreuzeSweg der Kunst und des Ruhmes gehen muß. R. Lr. VoUlsmiisI� im Funk Sombarts Erinnerungen In den Musikprogrammen findet sich hier und da noch eine echt volkstümliche Note. Besonders gute, zeitgemäße Musik brachte am Sonntag im Programm des Deutschlandsenders der Kinderchor des Berliner Volks- ch o r» unter Leitung von Walter H ä n e l. Mit ihren hübschen, den Rundfunkhörern zum Teil schon bekannten Spielliedcrn, die in ihrem musika- tischen und textlichen Ausbau wirtlich aus der Welt unserer Kinder herausgewachsen sind, wird diese musikfrohe Kinderschar sicher all und jung Vergnügen bereitet haben. Erfreulich, weil zur Musttbetätigung mit einsachsten Mitteln anregend, waren aber auch am Sonnabend im Pro- gramm der Funkstunde die exakten Darbietungen Schlimmer noch ist, daß diese„Reform" die jetzige Verbindung mit den Hochschulen erschwert, wenn nicht ganz unmöglich macht. Dieses Z u- sammenwirken von Hochschule und Institut war aber gerade eine der Voraus- setzungen für die Schaffung der Institute. Begründet wird die beabsichtigte Maßnahme mit der Notwendigkeit einer Verbilligung. Wenn man ein solches Fillatsystem, wie eben erwähnt, aufrichten will, dürfte die ganze Ver- billigung mehr als zweifechoft erscheinen. Wenn schon aus„Sparsamkeitsgründen" die jetzige Form der Institute nicht beibehalten werden soll, so gäbe es einen einfacheren, zweckentsprechenderen Weg zu wirklicher Verbilligung. Man könnte die Institute in die Hochschulen einbauen, wobei zweifellos ein Teil der Profesiuren über- flüssig würde. Die eingebauten Institute hätten dann die Aufgabe, als Seminare vor allem die methodisch-unterrichtliche Seite der einzelnen Fach- richtungen zu bearbeiten. Das wäre eine wirk- liche Ersparnis: zudem würde nicht ein Bildungs- weg verbaut, der bei seiner Schaffung vor einigen Jahren auch von uns freudig begrüßt worden ist. l>. k. Zusammentreffen dieser Reform mit den Angris- fen notieren, die neuerdings von einer unerwarte» ten Seite gegen Justis Kunstpolitik unternommen wurden, in einem sehr lebhaften Di-kussions- alend des tätigen„Kunst klubs" in der Mei- nekestraße. Diese Vorwürfe gegen eine angebliche Bevorzugung des„germanischen Elements" in der Kunst Der Gegenwart schießen vollständig am Ziel vorbei: sie sind nicht nur ungerecht und sachlich unberechtigt, sondern auch unpolitisch im Geiste moderner Kulturbestrebungen. Justi steht, gerade heute und unter dem Druck der allgemeinen Re- aktion, auf einem so exponierten Posten, daß jeder kulturbewußte Mensch sich hinter ihn und seine selbstlose Föroerung der jüngsten Kunst stellen muß(Fehler unterlaufen gelegentlich auch dem Besten), um das große Kulturgut der Na- tionalgalerie vor der Flut des Banaufentums in der Politik zu schützen.?aul F. Sdunidt. des Zithertlubs 1897 Neukölln und des Mundharmonika-Orchesters „S t e r n". Der Gesangverein Berliner Buch- drucker und Schristgießer„T y p o g r a p h i a" be- wies am Freitag— ebenfalls vor dem Mikrophon der Funkstunde— wieder seine oft anerkannte Musikkultur. Anläßlich seine» 70. Geburtstages sprach Prof. Werner S o m b a r t im Sonntogsprogramm der Funkstunde. Eombart, der einst der Gedanken- welt des Sozialismus nahestand, hat sich später der Lehre von Karl Marx etwas entfremdet. Seine Breslauer Zeit, in der er Mitkämpfer für sie war, erklärte er auch heute noch als seine fruchtbarste: mit achtungsvollem Erinnern ge- dachte er des jungen Paul L ö b e, der damals unter seinen Zuhörern saß. Sombart, der mtt liebenswürdiger Bosheit die Kritiken gegen seine eigenen Werke zitierte, stellte der von ihm aufgeworfenen Frage, ob sein Schaffen einen Sinn gehabt Habe, ein etwas resigniertes Achselzucken entgegen. Wer sein Lebenswerk kennt und wer ihn in diesen zwanzig Minuten darüber referieren hörte, darf ihm die Frage bejahen: Sinn hat jedes Werk, das aus Wissen und aufrechter Gesinnung entstand, auch wenn es Irrtümer mit umschließt. Dr. Rudolf Pechel, der Marxistenfresser der Deutschen Welle, darf sich nun in der Funk- stunde aus Theaterfragen stürzen, für die er— nach seinen Ausführungen am Sonn- abend zu urteilen— offenbar die gleiche Geistesschärfe mitbringt wie für seinen Kampf gegen den Marxismus.— lr. Zehner und die Slaalsthealer. Wie die General- intendanz der Staatstheater mitteilt, trifft die Nachricht, daß der Vertrag Professor Ießners mit dem Staatstheater gelöst wäre, nicht zu. Richtig ist lediglich, daß freundschaftliche VerHand- lungen darüber stattgefunden haben, die nicht zu einem Abschluß gelangt sind. Verichtlguug. Herr Marcel Achard, unser lieber Gast, bat wirklich Pech. Erst verhunzen ihm die Rotters sein« Komödie, dann verschandelt ihm der Druckfehlerteufel seinen anständigen Namen. Bevor er zum Kadi läuft, werde ihm schleunigst und schlotternd bestättgt: er heißt Achard, ohne H am Anfang und wird es ewig bleiben. Ttrauh-Premier« in der Städtischen Oper. Unter ulusitalischer Leitung von Fritz Stiedr» findet die Premier« von Richard Strauß'„Salome" m» Marie Nemech in der Titelrolle nächsten Sonntag, 8 Uhr, statt. Maria Jvogün wird im IV. Konzert der Bolkäbühne, Sonntag vormittag llli Uhr, Arien von Bach, Händel, Mozart und Lieder von Brahma, Rokoko-Liebeölieder von Kowalsti, Morgensternlieder von Lothar und Strauß' Rosen aug dem Süden zum Vortrag bringen. Bortrag iiber Barlach. Dienstag spricht Bildhauer Isenstein im Tagesschulheim Mollenmarkt 6, abends 8 Uhr, über„Ernst Barlach, der Bildhauer", für Er- werbsiose. Eintritt 10 Ps. Ja der VoUtbllhn« findet Montag, 23. Januar, die c'.rslaufführung von Z u ck m a v e r s„Schinder- Hanne«" in der Regie von H e i n z H i l p e r t statt. Den„Schinderhanne«" spielt Attila Hörbiger, das „Julchen" Camilla Spiro. Moderner Geist in den Museen Eine Rede von Waetzoldt Neue Ausstellungen— Der Kampf um das Kronprinzenpalais Rundfunk der Woche Zwei Wochen Reichssender Am Siloesterabend stellte Professor S ch u b o g den Hörern der„Deutschen Well e" den neuen Reichssender vor, der mit Beginn des neuen Jahres als„D e u t s ch l a n d s e n d e r" die„Deutsche Welle" ablöste. Er tat es mit vielen schönen, wenn auch nicht sehr substanzhastcn Reden, die viel Aehnlichkeit mit seinen mehr- fachen, kurz vorher erfolgte» schriftlichen An- kündigungen hatten. Die Zweckmäßigkeit der Ilmgestaltung der„Deutschen Welle" mit ihrem ausschließlich auf Kultur- und Bildungsausgaben gestellten Programm in einen Reichssender mit dem übliche» gemischten Programm der übrigen Rundfunksender begründete er damit, daß dieser Reichssender auch dort gut zu empfangen sei, wo mit den gleichen Rundsunkgeräten andere deutsche Sender nicht gehört werde» könnten. Wie weit diese Behauptung bei der allgemein verbesserten Sendestärke der übrigen Sender noch stichhaltig ist, soll hier nicht nachgeprüft werden: in bezug auf Störungsfreiheit ist die Königswusterhausener Welle gegenüber anderen deutschen Wellen zweifellos am günstigsten gestellt. Die eigentliche „Sinngebung" des Reichssenders indessen stellte Professor Schubotz aus ganz anderem Gebiete fest.„Sie kann", sagte er,„nur so verstanden werden, daß der Deutschlandsender sich auf eine besondere Weise der Pflege des Reichs- gedankens annimmt. Einmal wird er die Differenziertheit, die sich aus der bunten Viel- fältigkeit des deutschen Bolkstums ergibt, zu spiegeln haben. Dies soll so geschehen, daß er die Darbietungen der Landessender überträgt, die für die spezifische Eigenart der Stämme, in der sie ihren Standort haben, bezeichnend sind." Es wurden dann von Professor Schubotz einige Bei- spiele angeführt: dann fuhr er fort:„Von sich aus wird der Deutschlandsender bestrebt sein, die Gemeinsamkeit des deutschen Wollens, Wissens und Fühlens herauszuarbeiten und darzustellen." Das alles klingt sehr pathetisch und ziemlich un- klar, und es wurde auch durch die folgenden Aus- führungen nicht allzu sehr geklärt. Unter diesen Sätzen, die von der„Sinngebung" des Reichs- senders handeln, hatte Professor Schubotz leider den einzig wirklich treffenden unmißverständlich fortgelassen: im Manuskriot, das von der „Deutschen Welle" der Presse überreicht wurde, ist er unleserlich gemacht. Warum eigentlich? Er— und er allein— verrät die wirkliche „Sinngebung" des neuen Reichssenders, über die sich kein Hörer im unklaren sein kann, der die Darbietungen der„Deutschen Welle" in den letzten Monaten und die des jetzigen„Deutschland- senders" in den ersten Wochen seines Bestehens einigermaßen verfolgt hat:„Selbstverständlich ist, daß solche Sendungen, die die Reichskegierung für wünschenswert hält, in seinem Programm Platz finden." v.•->-•« Was hält die Freiherrenregierung für wünschenswert? A r b e i t s d i e n st als Vorstufe zu einer allgemeinen Dienstpflicht. Also schwelgt der Reichssender in Arbeitsdienstbegeisterung. Von den Prügelüberfällen, die unter strammer Führung von nationalistischen Lagerbesatzungen gegen freiheitliche Teilnehmer an dem Arbeits- dienst unternommen wurden, wissen diese Berichte natürlich nichts. Aus ihnen spricht nur über- schwengliche Anerkennung, selbst dann, wenn junge, noch im Wachstum begriffene Mädchen zu schwerer Männerarbeit angehalten werden. Die Begeisterung für solche„sinnvolle" Betätigung überschlägt sich hier wie im Kriege. Die w i r t- schastspolitischen Fragen, mit denen der Reichssender sich befaßt, werden selbstoer- ständlich auf den vorschriftsmäßigen Silberstreifen projiziert, der alle störenden Feststellungen ver- schluckt und von jeder Statistik nur das übrig läßt, was seinen Glanz zu heben geeignet ist. „Solche Sendungen, die die Reichsregierung für wünschenswert hält", sind natürlich auch Feldzüqe gegen den teuflischen Marxismus, wie sie von dem edlen Ritter Dr. Rudolf P e ch e l mit stilechten geistigen Waffen denn auch tapfer unternommen wurden. Allerdings ist Pechel zur Zeit von der Bildfläche verschwunden:' die geistige Höhe, auf der sich der Marxismus erhebt, war ihm doch wohl etwas zu steil. Weiterhin jedoch ziert das Programm des Reichssenders Hans K y s e r, der am laufenden Band Vorträge über sämtliche irgend unterzubringenden Gebiete der „verehrungswürdigen" Hohenzollernvergangenheit produziert. Augenblicklich schüttet er eine Serie „Vom L e b e n s k a m p s der Ostmark" in das Mikrophon: er ist hier zur Zeit beim sechsten Vortrag angelangt. Vielleicht führt der Reichs- sender auch bald einmal Kysers H e tz st ü ck„E s brennt an der Grenze" auf, das der N a z i- K a m p f b u n d- B ü h n e zur geistigen Nahrung diente und das vom„Völkischen Beobachter" die besten Empfehlungen vor- legen kann. Im übrigen war die von uns bereits gekennzeichnete Schallplattensendung vom 2. Januar„W ir beginnen das neue Jahr" für den Geist des Reichssenders charak- teriftisch. Wie hier mit den entsprechenden Musikstücken, so werden wir auch sonst wehrhast ertüchtigt, mit Romantik und im Kommandoton, wie sich's gerade gibt. Professor Schubotz erklärte in seiner Rede an die Hörer, der Reichssender solle zum„wichtigsten Repräsentanten deutscher Kultur und deutschen Wesens im Auslande" werden. Es wäre geradezu unheilvoll, wenn das Ausland diesen Reichs- sender, wie er sich bisher darstellt, als solchen Repräsentanten deutscher Kultur ansehen wollte Die Empörung, die uns aus allen Kreisen der Bevölkerung— nicht nur aus den uns politisch verbundenen— über die Grundtendenz der in den Freiherrendienst getretenen„Deutschen Welle" und des nunmehrigen Reichssenders ausgesprochen wird, beweist am sinnfälligsten, wie ablehnend das Volk ihm gegenübersteht, das zu repräsentieren er vorgibt. Ein gelegentlich hingeworfener Brocken echter, aber von allen brennenden Tagesfragen losgelöster Geistigkeit kann ebensowenig wie das verhältnismäßig hochwertige M u s i k p r o- g r a m m über die gefährliche, volksfremde Struktur dieses Senders hinwegtäuschen. Er wird gründliche Auskehr seiner hohenzollernbegeisterten, nationalistischen und militaristischen Darbietungen halten müssen, er wird dem renublikanische» Geist des freiheitlichen, schaffenden Volkes, das um die Gesundung der Wirtschaft und um die Befriedung der Welt ringt, endlich wieder einen Platz— den ihm geziemenden Platz!— vor seinem Mikrophon einräumen müssen, wenn er das sein will, worauf er Anspruch erhebt: Repräsentant deutscher Kultur, Repräsentant deutschen Geistes. Tos. Kähne gegen Kähne �delspro�eL aus der Inflationszeit Die Mitglieder der durch ihre Schieß- o f f ä r e n in früheren Jahren mehrfach in der Oeffentlichkeit, und nicht immer rühmlich, genannten.Familie v. Kähne stehen sich heute als feindliche Parteien vor dem Zivilsenat des Kammergerichts gegenüber. Es handelt sich um einen erbitterten Kamps um die An- wartschast auf das Familienfideikommiß. Die Familie v. Kähne hat das Familien- f i d e i k o m m i ß bei Werder a. d. Havel. Der gegenwärtige Fideikommißbesitzer ist der Haupt- mann a. D. Karl v. Kähne. Dieser hatte im Jahre l92l mit seinem Sohne einen wirklich merkwürdigen Vertrag abgeschlossen, nach welchem der Sohn für sich und seine Nachkommen aus die ihm zustehende Anwartschaft auf das Fideikommiß verzichtete und sogar noch die ihm damals ge- hörenden Grundstücke in Werder seinem Vater übereignete. Durch diesen Verzicht wurden der Bruder des jetzigen Besitzers, der Oberstleutnant Kuno v Kähne, sowie dessen Nawkommen Fide�ommißanwärtcr. Das Landgericht Potsdam hcstte bereits' früher diesen Vertrag wegen Wuchers für nichtig erklärt. Kuno v. Kähne hatte sich bei diesem Urteil nicht beruhigt und war bis zum Reichsgericht ge- gangen. Das Reichsgericht haLe dann im Oktober 1932 dahin entschieden, daß die gegen den Vater sestgestellte Nichtigkeit des Verzichtvertrages nicht ohne weiteres gegen den jetzigen Fideikommiß- anwärter wirke und daß die Voraussetzungen des Wuchers erneut geprüft werden müßten. In der Verhandlung vor dem Kammergericht machte jetzt Rechtsanwalt Dr. Kurt Fontheim für den Kläger geltend, daß v. Kähne jun. buchstäblich für ein Linsengericht aus sein Erstgeburtsrecht und die Erbfolge in das Fideikommiß, das viele Millionen werl sei, verzichlet habe. Die Abstandssumme von SM 900 Papiermark, die er im Jahre 1921 erhalten hatte, stelle kauiH den Gegenwert für die vom Sohn dem Vater über- eigneten Grundstücke dar, so daß der Sohn dafür, daß er für sich und seine Nachkommen auf das K790 Morgen große Fideikommiß verzichtet habe. in Wahrheit nichts erhalten hätte. Die 500 000 Papiermark hätten übrigens nur einen Teil des Kaufpreises ausgemacht, den der Vater für die damals von ihm vorgenommene Abhol- zung von 599 Morgen Wald erzielt hatte. Vorsitzenden des Gaues Berlin des Buchdrucker- Verbandes gewählt worden ist, wurde gegen eine Stimme Genosse S ch i c b l e r zum Vorsitzenden der Berliner Handsetzervereinigung gewählt, gleichzeitig als Vertreter für den Gauvorstand. Die Mitteilung von dem Entscheid des Reichsversicherungsamts, wonach Bei- träge zur Arbeitslosenversicherung auch vom Krankengeld abgezogen werden sollen, rief leb- haste Entrüstung hervor. Der Pater hätte den Sohn, weil er eine einfache Försterstochter geheiratet habe, vom Gut verwiesen und ihm alle Bezüge gesperrt. so daß der junge v. Kähne damals ohne Heizung und ausreichende Lebensmittel in einer dürftigen Berliner Wohnung Unterkunft suchen muhte. Demgegenüber machte Rechtsanwalt Wolfgang Weber für den Beklagten geltend, daß damals von einer Notlage des Klägers keine Rede ge- wefen sein könne. Vielmehr habe der Kläger das Geld zu Geschäften gewünscht, die jedoch fehl- geschlagen seien. Voraussichtlich wird das Kammergericht über die umfangreichen Behauptungen der Parteien Beweisbeschluß erlassen. Neuer Hanbsetzervorstanb Der Spartenvorsitzende der Handsetzer innerhalb des Buchdruckerverbandes, Genosse Fiedler, berichtete am Sonntag in der Generalverfamm- lung der Berliner Handsetzervcreinigung im Klubhaus über die Sonderoerhandlun- gen der Sparten mit den Unternehmern. Auch dabei habe sich gezeigt, daß die Unternehmer alle Vortelle der technischen Entwicklung nur für sich ausnutzen wollen. Der Buchdruckerverband tritt feit langem für eine allgemeine Ver- kürzung der Arbeitszeit zur Verminde- rung der Arbeitslosigkeit ein. Die Sparten mit ihren tariflichen Sonderbestimmungen gewinnen bei den Tarifverhandlungen immer mehr an Be- deutung. Deshalb sei der Zusammenschluß in der Sparte zur unbedingten Notwendigkeit geworden. Einstimmig sprach die Versammlung der Verhandlungskommission das Vertrauen aus. Aus dem Geschäftsbericht des Vorsitzen- den der Berliner Vereinigung, Genossen P i e t s ch, ging hervor, daß das sechste Vereinsjahr, das Jahr 1932, bisher das schlechteste gewesen ist. Die äußerst ungünstige Wirtschaftslage hatte auch eine wesentliche Verminderung der Löhne und einen geringen Mitgliederrückgang zur Folge. Am 31. Dezember 1932 zählte die Vereinigung 22S7 M i t g l i e d e r.. Zu dem gleichen Zeitpunkt waren in Berlin 3913 im Buchdruckerverband organisierte Handsetzer arbeitslos. Von der Handsetzervereinigung wurden 1449 M Weih- nachtsunter st ützung an Arbeitslose aus- gezahlt. An Stelle des Genossen Pietsch, der zum ersten Die Berliner Zwangsinnung der Kamm- wacher ist nicht mehr. Ihre Liquidation ist abgeschlossen. ihre Ueberreste kommen ins Märkische Museum. An Stelle dieses mit seiner Zunft unter- gehenden Handwerks tritt ein neues, das nach menschlichem Ermessen dauerhaft sein wird. Das Gewerbe der Köche ist als selbständiges Hand- werk anerkannt worden. Damit vergrößert sich auch die Zahl der Selbständigen— deren Selbständigkeit mehr der Form und weniger dem Wesen nach besteht. Eine neue Innung gibt es nicht, weil bisher schon eine Küchenmeister- Innung in Berlin bestand. Motorkorps der Eisernen Front. Die Mitglieder des Motorkorps der Eisernen Front, soweit sie im Deutschen Reichs-Auto-Club Mit- glied sind, erscheinen morgen, Dienstag, 29 Uhr, zu der Mitgliederversammlung des Deutschen Reichs-Auto-Club, Hardenbergstr. 18. Bei der Wichtigkeit der Tagesordnung erwartet die Kampfleitung vollzähliges und pünktliches Er- scheinen. Mitgliedskarte legitimiert. 41. Abt. Einäscherung des Genossen Julius I a e n i ck e Dienstag, 17. Januar, 17 Uhr, im Krematorium Gerichtstraße. Det'er für Berlin: Vorwiegend bedeckt, keine wesenlliche Schneefälle, mäßiger Frost, südost- liche Winde.— Für Deutschland: In Westdeutsch- land Uebergang zu trübem Wetter mit Schnee- fällen, etwas ansteigende Temveratnren. Im übrigen Deutschland keine wesentliche Aenderung des herrschenden winterlichen Wetters. Im Nord- osten recht kalt. Rundfunk am Abend Montag, 16. Januar Berlin: 16.13 Lebensalter der Oper (IL II. Rosenwald). 16.30 Ordiesterkon'ert. 17.30 Medizinisdi-bygienisdie Plauderei (P. Frank). 17.50 Jugendstunde. 18.10 Paul Hindemitb. 18.30 Paul Ernst: Eigene Dichtungen. 18.55 Die Funkstunde teilt mit. 19.00 Stimme zum Tag. 19.10 Bunte musikalische Unterhaltung. 20.25 Luigi Boccherini. 20.45 Operetten-Ouersdinitt. 21.15 Straßauf— Straßab. 22.00 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Tanzmusik. 24.00„Der Weg in die Freiheit"(Hörspiel). Königs Wusterhausen: 16.00 Pädagogischer Funk. 17.10 Die Photozelle und ihre Verwendungsmöglichkeiten(K. Kiß- hauer). 17.30 Tägliches Hauskonzert 1800 Jugendarbeit und Auslandsdeutschtum (Dr. K. Klingenfufi). 18.25 Musizieren mit unsichtbaren Partnern. 18.55 Wetterbericht. 19.00 Englischer Sprachunterricht. 19.30 Das Gedicht. 19.35 Aus Frankfurt a. M.: Unterhaltungskonzert. 20.35 Gedanken zur Zeit: Autoritäre oder parlamentarische Staats- Führung?(Abgeordneter und Vizepräsident des Reichstags Paul Löbe und Abgeordneter Prof. Dr. Freiherr v. Freytagh-Loringhoven). 21.15„Oedipus Rex"(oratorische Oper von I. Strawinsky). 22.13 Wetter-. Tages- und Sportnachrichten. 22.45 See-Wetterbericht. Tanzmusik. Sonst: Berliner Programm. Vollständiges Europaprogramm im„Volksfunk", monatl. 96 Pf., durch alle„Vorwärts"- Boten oder die Postanstalten. Verannvortlicb füt Politik: Rudolf Brendemühl: Wirlschasi: G. Klingelböser: Gewerkschafi-be- wegung: I. S i e i n e l: sZeuillelon: Herben Le- V ö r e: Lokales und Sonstiges: svritz K a r st ä d t: Anzeigen: Cito Hengst: sämtlich in Berlin Per- lag: BorwäriS-Berlag G m. b H, Berlin Druck: Vörwärts-Buchdrnckerei u. Berlagsanstali Paul Singer u Co., Berlin SW. 08. Lindenstr 3- Bezugsbedingungen und Anzeigenpreiie werden in jeder Morgen-Ausgabe des„Borwärls" verössentlichl. Hierzu 1 Beilage. g) Theater Monta den 16. Januai siaatsoper unter den Linden Z« Uhr Boheme staatliches Schauspielhaus 20 Uhi Nora SlädtOperi Cftarloticnbur" Fraunhofer 0231 Montag, 16. Januar lO1', phr Volksvo'Stellung Undine die eiheim. hüsch Schirach. Maucher, Cavaia. Oomben, Kandl. Pechner, Baumann Oiriaent- Müller VOLKSBÜHNE Theater am Blltowi>:a:z Taelidi 8 Uhr O I Norden 6530 Oliver Cromwells Sendung v. Walter Gilbncht Regie Heinz Hilper. mit Eugen Klöpfer Komöflienneus Schilfbauerdamm 25 Tel. D 2 Heid. 6304-05' Täglich 8% Uhi Das Haus dazwischen mit Max Adalbert Jakob TiedtKe Musik: Suoiianskv WiMfliM ClurMtnsir. 9 j Dflni.cfi 626 täglich S1* Uhr Auslandsreise mit Felix Orrtsar Maria Paadler Oscar Sabo, Lön», Behal, Berghof, Witt 2n unenerinnen konzertieren KEMPIKSW' I Großes SAWeAils S.\ Ball im Savvy Gitta Ätvav R»1q eorjaw)/ Cfifar Xenet *e8»e: LtlkveV ROtt** Sonntag nad)m SV: Ahr kleine prelle In der Premieren- deirtzung mit(Blttn Alpar Rose- 1 heater irale Frankfurter Strale 132 Tel Weidnel El 3422 8.15 Ohr Die Zirkusprinzessin Bn Bn Bn Bendowe Boote Bfibor Kottbosser StraSe 6 vberboom 3500 Täglld)»>. Uhr Stgs. nachm 4 U de dolie Kiste CASINO-THEATER S>.« Lolhrlnger Strohe 37 iiiniiiiiHiiiiiimiutnitiiminiiimtinuiniiiniimmiitniimmiiii Täglich Bunte Bühne Variete, Kabarett, Theater Onkel Mnz, der Ebestifter Gutschein l— I Personen Parkett nut 0.60. Fauteuil u.75. Sessel 1.25 Sonntag 4 Uhr: Onkel Mnz. KI. Preise. Stettiner Sänger • Reichshallen-TIi., Dönhofipl. 8.15, Sonntags 3 30 zu ermHOiKten Preisen Das grolle Januarprogramm: Die lieben Erben Kurfürslenfl.Tr. KorfOrstcodamm 200 Tel Bism. I40ü Täglich Rti Cht Glückliche Reise Operette von KSooeke in der Prrmlerenbe- se'znng Schiller i*ism arcustr. ttvnie, Steinol.(Cl) i?!.- Tägüch Uhr i)er Kollo-Sch ager Die Männei sind mal so Söoelaal Heidcmaoo Sonntag 4 Unr Tobert onJ Bertram MlKosdi-Hianse Inhahc Lo floller Freigewerkschafll. Verkehrsloka! Vereinszimmer FriearidisiraHe M ÄÄSi Deutsches Theater Schumannstr. 13a Weidend. 5201 Täglich 8 Uhr irtnoieniiiz Nu hiibinl: Prinz von Homburg von H. v. Kleist Thiraig, Fehdraer. Fröhlidi, Kayßier, Wejener, Sdiürenberj iiammerspieiE 8 Uhr Ensembles erwerbsloser Sdirjspieler iMeFiasme Komödie von | Ringel natz Inszenierung: Jean Rbtsier- Maller Linoleum ciiDat, Kolonie- strafte 9. moDii Totalausverlaus wegen Geschäfts, aufgäbe. Srofter Ponen Echlaizim» mer, Speisezimmer, Herrenzimmer, sa- drilneue Qualitöts. wäre, verschiedene Gräften und Holz. arten, zu Schleuder. preisen. Schlaizim, mer, Schwedenbtrle, Pateutmairafteu .Primissima" Auf- legemotraften Hie» lall betten Chaiselongues. Waller, Siargarder Strafte achtzehn. Epezial- aeschält._• Schlafzimmer 190,- bis 850,—, Frisiertoiletten 23,—, Wasch!, mmo- den 75,—. Mobel- polierwertstätten, Möbelgroftlager Kamerling, kasta- nienallee 56. Kassaverlaus auch Teilzahlung." Gebrauchte Mädel werden bei Einlaus von neuen zu hohen Preisen in hochglanzpoliert, Zahlung genommen. 200 breit, 400,—,»amil Rosenthaler- Eiche. 180 breit,! strafte 48. 275,—. Modernesj Inserate im A vorwärts sichern Erfolg 1 Speisezimmer 275,—, Küchen 80,—. An- lleideichränle, kau» kasisch-Nuftbaum. Innenspiegel. 85,—. Gebrauchte Möbel, vcklaszimmer 120,—. Ankleideschran! 65,—, Einzelmöbel, Polsterwaren, Klub. HLlHOMUClikl stahagebisie, Platinablalle, Quecksilber Zinn. Metalle Silber» schmelze Goldschmel» zerei Christionat, möbel. Dielenmöbel, iiöpentckersirafte 20.» Möbelspeicher, Mon-llSaltestelle Köpe- biiouvlalt 10. Nickerbrücke). BEILAGE UsmNs MONTAG, 16. JAN. 1933 Skorpiomem gegen Seife Slreifäüge im marohkaniichen Siochallas/ Ton diarl TUoeller Diele Nächte habe ich schon im Gebirge ge- schlafen, in Unterkunft-Hü�ten, bei Sennern im Heu, auf eisigen Gletschern vor Kälte zusammen- gekrümmt im Zeltsack, aber niemals war der Ein- druck so groß wie in jener Augustnacht auf dem Tizi n'Tifni im marokkanischen Hochatlas. In der halbfinsteren Dämmerung hatten wir durchs Glas noch einige Steinböcke ihren Unter- schlupf suchen sehen, dann mußten wir selbst daran denken, irgendwo in der Steinwüste ein schützen- des Lager zu finden. Denn nicht nur wilde Tiere konnten uns gefährlich werden, sondern von Süden her wehte merkwürdigerweise ein empfind- lich kalter Wind, der in der Nacht wohl die Tem- peratur stark herunterdrückte. Immerhin waren wir hier in einer Höhe von über 3000 Metern, die sich bemerkbar machte. So türm- tcn wir aus den herumliegenden Felsbrocken eine Mauer auf. hinter der wir uns leicht verkriechen konnten Die mond- und sternhelle Nacht aber gewährte kontrastreiche, wirkungsvolle Ausblicke ins zerklüftete Likcumtmasfio, dessen Berge nach der uns zugewandten Südseite steil absallen. Am Morgen weckte uns eine schneidende Kälte, die selbst durch den dicken Zeltsack zog. Die Glieder wZren.steif vor Anstrengung. Kälte und ange- spannter, nicht verrückbarer Lage. Dazu konnten wir nicht mal einen warmen Trunk korben, weil es in der ganzen Umgebung kein Wasser gab. Herabfällendes Gestein ließ uns plötzlich auf- schauen. Da sahen wir zu unserem Erstaunen, daß bereits die ersten Eselkarowanen den Saumpfad hinaufkletterten. Die Treiber sahen in ihren Kapuzenmänteln wie verkleidete Ku-Klur- Klan-Leute aus, die von einer geheimen Be- sprechung kommen Nach ein paar erwärmenden Verrenkungen folgten wir ihrem Weg, denn sie steigen auf der Gegenseite bestimmt auch nach Arround ab und wir brauchen dann nicht mit Kompaß und Karte mühselig unsere Route zu suchen. An der ersten Quelle hatte die kleine Karawane Rast gemacht. Felladungen lagen auf der Erde, die Esel suchten sich spärliches Futter an winzigen Grasbüscheln am Bach und die Männer saßen um eine kleine Feuerstelle herum. Sie sind das ewige Nomadenleben gewöhnt. Der in einem ver- rußten Kessel brodelnde Minztee verbreitete schon seinen scharfen Geruch. Auch wir machten Halt und nahmen gerne die Einladung zum Tee an. Dankend aber lehnten wir das Mithalten an der gemeinsamen Mahlzeit ab. Diese echten Atlas- derber, die verwegen und nicht allzu friedlich aus- sahen, hielten große Gastfreundschaft selbst uns Fremden gegenüber. Hoffentlich hatten wir sie mit unserer Weigerung zi-m Mitessen nicht be- leidigt. Doch für unseren Geschmack war das Ge- richt und die Art des Eisens etwas ablloßend. In einen kleinen Topf wurden vie'e Eier roh hineingeschlagen und mit etwas Mehl vermischt. In diesen Brei wnkte nun jeder mit der Hand Stücke von dem gedörrten Fladenbrot und schob es dann schmatzend in den Mund. Scheinbar schmeckte es ihnen ausgezeichnet. Wir stiegen schnell weiter abwärts, da wir bis zum Mittag im Standlager sein wollten. Wäh- rend wir durchs Tal marschierten, brannte die Sonne steil herab und schon wieder schien sie uns zu heiß Der Tcmveraturwechsel zwi- schsn Tag und Nacht und in den verschie- denen Höhenlagen war im Allas außerordentlich groß, wovon unsere daran nicht gewohnten Körper stark geschwächt wurden. Zm Lager am Refuge Arround erwarteten uns schon die meisten der Teilnehmer unserer Cxkur- sion. Es war bereits der vorletzte Tag der zur Verfügung stehenden Zeit. Während meiner Ab- Wesenheit hatte sich allerhand ereignet. Der F ü h- r e r F r e y der dauernd unten geblieben war, um für Proviant und Verbindung der einzelnen Bergsteigergruppen zu sorgen, war von starken Magenkrämpfen befallen worden, die ihn sehr mitgenommen hallen Auch der Italiener Pollitzer litt an Uebelsein infolge von Magen- Verstimmung, der größten, gesundheitlichen Gefahr in fremden Zonen. Die Stimmung war aber trotzdem allgemein sehr gehoben. Der Likoumtgipfel und sein gefährlicher Grat konnte mehrfach bestiegen wer- den, zum G'ück ohne jeden wesentlichen Zwischen- fall. Lediglich D o u g a n hatte eine schwierige Situation zu überwinden. Er wurde beim Kllllern an einer glatten Wand von einem kreisen- den Adler angegriffen und konnte sich nur mit Mühe in eine schmale Felsennische drücken, wodurch wohl sein Leben gerettet wurde. Er ver- sicherte, daß die Flüqelweite des Adlers viel größer als ein menschlicher Körper war und zwei- fellos hätte er sich in der gefährlichen Lage kaum gegen das gewaltige Tier wehren können. Allgemein herrschte nun das Bedürfnis nach Ruhe, Schlaf und Reinigung vom Swub und Dreck mehrerer Wochen vor. Auch verschiedene Wäschestücke mußten wir im Bach säubern, und so wuchs langsam an seinem Hier eine kleine Waschanstalt heran. Unsere Rückkunft mußte im nahen Dorf wie ein Lausfeuer bekannt geworden sein, denn die kleinen Berberjungens kommen in Scharen herbei, um uns ungeniert im Zelt, beim Kochen und als neuester Seniition: beim Waschen zu beobachten. Diese Tätigkeit schien für sie ein fremder Begriff. Tatsächlich waren ja diese Kinder der armen Bergbauern entsetzlich verwahrlost. Ihre schmalen, dunklen Körper steckten in elenden Sacksetzen und das Ab- scheulicbste war. daß dicke Schmutzkrusten auf ihrer Haut klebten. Viele hatten auch Am 17. Januar 1833 starb in Oberzell bei Würzburg ein Mann, der sich um das geistige. geschäftliche und gesellschaftliche Leben der ganzen zivilisierten Welt unvergängliche Verdienste er- worden hat: Friedrich König, der Erfinder der Schnellpresse. Als Sohn eines schlichten Ackerbürgers am 17. April 1774 in Eisleben geboren, kam der junge König nach dem Besuch des Gymnasiums mit 16 Iahren in die Leivziger Buchdruckerei von I. G I. B r e i t k o p s. Zum Gehilsen ausgerückt, hospit'erte er nebenbei ein Jahr lang an der Uni- versität und erwarb sich in der Mathematik und Mechanik gute Kenntnisse. Schon damals war sein Sinnen und Trachten daraus gerichtet, die alte, seit Gutenbergs Tagen fast unverändert gebliebene hölzerne Handpresse durch eine voll- kommene Druckmaschine zu ersetzen, da ihm in jener politisch stark bewegten Zeit der französi- schen Revolution eine Beschleunigung in der Ver- breitung der Tagesnachrichten dringend geboten erschien. Nachdem er einen Geldmann gesunden hatte, beschäftigte sich König in Suhl, wohin er 1803 übergesiedelt war, eingehend damit, eine Druckpresse zu schaffen, die durch einen besonderen Mechanismus in Bewegung(sesetzt werden und alle Manipulationen des Druckens, mit Ausnahme des Ein- und Auslegens der Druckbogen, lelbkt- tätig ausführen konnte. Als er mit seinen Ver- suchen bereits gute Erfolge erzielt hatte, l'eß ihn sein Geldgeber plötzlich im Stich, und nun begann für ihn eine Zeit schwerer Sorgen. Umsonst ver- suchte er die bayerische Regierung und bekannte Personen des öffentlichen Lebens für seine Pläne zu gewinnen: er unternahm zu diesem Zwecke sogar Reisen nach Wien und Petersburg, aber überall w'es man ihn ab, bis er schlieh'ich in England, dem Mutterlande der Technik, die ersehnte Unterstützung fand. Nachdem König seit 1806 zunächst in Londoner Betrieben für seinen Lebensunterhalt gearbeitet hatte, schloß er im März 1807 mit dem reichen Buchdruckereibesitzer B e n s l e y einen Vertrag ab zur Verwertung seiner Erfindung. 1809 traten noch die Buchdrucker Taylor und W o o d s a l l als Teilhaber in das Geschäft ein, während der Mechaniker A F. B a u e r aus S'uttaart der sich seit 1803 zu Au-'-bildungszwecken in London ouf- hllll. an der technischen Durchführung der Er sindung mitarbeitete 1810 wurde dll erste Druckmaschine fertig und patentiert, infolge einer schweren Erkrankung Königs konnte jedoch erst im folgenden Jahre mit dem P-obedrurf begonnen werden. Diese Maschine war nach den erften von_ krankhafte Ausschläge, besonders am Kopf und in den Haaren. Schuhe, Strümpfe oder gar richtige Kleider waren ihnen unbekannt. Nun lagen sie alle auf den Steinmauern, die den schmalen Bachlauf zum Schutze für das wei- dende Vieh einsäumten, aus dem Bauch und starrten uns mit aufgerissenen Mündern und Augen an. Sie sind sonst nicht häßlich, diese kleinen Berbersunoen. Im Gegenteil, viele haben formschöne Gesichter und edle G'ieder. Aber waschen, nein, das ist in ihrem Leben noch nicht dagewesen Und nun reiben sich diese merk- würdigen Blaßhäute auch noch mit weißer Schmiere ein. Sollte am Ende gar davon ihre weiße Hautfarbe kommen. König aufgestellten Prinzipien erbaut und nur das plumpe Holzgerüst durch ein eisernes Gestell ersetzt worden. Sie behielt noch den bei der Hand- presse üblichen Flachdruck(Tiegeldruckf bei: nur wurde das Austrägen der Farbe durch einen selbsttätigen Färbeavparat besorgt und die Ma- schine durch Dampf in Bewegung gesetzt. Im Oktober 1811 erhielt König ein neues Patent, und zwei Monate später erfolgten die ersten Druck- versuche. Der Besitzer der„Times", John Walter, der ihnen beiwohnte, gab sofort zwei Maschine» für sein Blatt in Auftrag. Der Bau dauerte drei Jahre, und am 29 November 1814 machte die „Times" der Welt die aufsehenerregende Mit- teilung, daß sie zum erstenmal aus Druckmaschinen hergestellt worden sei, die mit einer Schnelligkeit von 1100 Drucken in der Stunde arbeiteten, wo- zu man bislang einen Tag gebraucht habe— 1815/16 konstruierte König eine Doovelmafchine. bei der der Bogen auf beiden Sellen bedruckt wurde und fertig die Maschine verließ. Obwohl er auch hieraus ein Patent erhalten hatte, war er gezwungen, den Kampf mit betrügerischen Nach- ahmern aufzunehmen. Schließlich kam es sogar d-chin. daß man ihn selbst der Nachahmung be- schuldigte und behauntete. er habe sich die nur aus einigen schriftlich niederge'egten Ideen bestehende „Erfindung" eines gewissen Nicholson, die niemals zur Ausführung gelangt war, zu eigen gemacht. Um den Lohn einer Erfindung betrogen, ver- ließ König 1817 tief gekränkt England und be- gründete ein Jahr sväter zusammen mit Bauer in dem ehemaligen Kloster Oberzell bei Wllrzburg, das ihm die bayerilche Regierung zu günstigen Bedingungen überließ, eine Druckmaschinmfabri?. Die Regierung wallte durch ihr Entgegenkommen den Sitz der neuen Industrie in ihr Land be- kommen. Anfangs hatte König mit großen Schmie- rigkeiten zu kämvfen die seiner Energie und Aus- dauer manchmal zu erschöpfen drohten. Bauern und Weingärtner der umliegenden Ortschaften muß�e er zu Eisenarbeitern heranbilden und die nötigen Hilfsmaschinen entweder selbst bauen oder aus England kommen lassen. Schwere Sorgen bereitete ihm auch die Beschaffung der Geldmittel für den Betrieb, und als schließlich alles einiger- maßen geregelt war, blieben d-e Bestellungen aus, weil man in Deutschland im Gegcnlatz zu Srank- reich, zu der neuen Erfindung noch nicht das rechte Vertrauen hatte. Aber schließlich wurde da? Vorurteil besiegt, und nun wurden in tast allen größeren deutschen Städten die Königschen Schnell- pressen eingeführt. Einen gewaltigen Rückschlag erlitt das Unternehmen nochmals durch die jran- Ein verschmitz'er Junge kommt lächelnd etwas näher und greift tastend nach unserer Seife. Wir geben ihm ein kleines Stück. Im Nu bearbeitet er damit seinen Kops, der nur spärliche Haarreste hat, weil er immer ganz kurz geschoren wird. Trotzdem kriegt er rasch Schaum zurccht und strahlend seist der Kleine sich nun auch noch Arme und Beinchen ein. Helle Flecken er- scheinen unter der dunklen Kruste, und voll Eiser ruht er nicht eher, bis seine ganze Haut einige Grad heller ist was'hn sehr unter den anderen herausstechen läßi. Die betteln natürlich auch alle nach Seife, schnappen das Wort„sovon"(Seife) auf und brüllen nun dauernd:„ssvon, savon". Am Nachmittag findet einer von uns unter einem Stein einen Skorpion. Triumphierend bringt er ihn herbei und das seltene Objekt wird sofort in Spiritus gelegt. Es ist der zweite Skorpion, den wir gefangen hoben. Der erste war sehr viel gefährlicher. Er war aus irgendeine Weise in einen Rucksack gera'en und hatte den Besitzer beim Ausvacken in der Todesangst er- heblich in die Hand gebissen. Dieser Biß der Skorpione ist sehr schmerzhaft und kann in ein- zelnen Fällen sogar lebensgefährlich sein. Sonst ist aber dieses krebsähnliche Tier wenig menschen- feindlich, wie sich aus den folgenden Begeben- Helten ergibt. Die Berberkinder hatten auch ge- sehen, wie wir den Storpion bestaunten. Einer zog uns daraus aus die mit dicken Steinen besäte Weide, und überall last unter jedem Stein, den der Kleine umdrehte, saß ein Skorpion. Trotzdem waren wir und auch die Eingeborenen dauernd barfuß dort herumgelaufen Wahrscheinlich stechen die Skorpione eben auch nur, wenn sie selbst an- gegriffen werden. Die Jungen sahen nun, wie wir großen Spaß an diesen Funden hatten und rissen jeden einzelnen von uns fortz um ihm un- erfchöpfliche Skorpionlager zu zeigen. Dabei schrien sie um die Wette:„savon, savon", die sie als Lohn haben wollten und Ihnen wohl als In- begriff allen Reichtums erschien. zösische Iulirevolution, die König als fortschrittlich gesinnter Mann freudig begrüßt Halle. In Paris zertrümmerte man die Druckmaschinen. Daß es nicht auch in Leipzig dazu kam, verhinderte Brockhaus durch feine Geistesgegenwart. Ob- wohl König schließlich nur noch 14 Arbeiter beschästigen konnte und mit schweren Sorgen zu kämpfen hatte, ließ er den Mut nicht sinken und sann aus weitere Vervollkommnung seines Werkes. Er schuf eine Schnellpresse für gleichzeitigen Druck in zwei Farben und plante den Bau einer Ma- schine zum Druck von„endlosem Papier"(Rota- tionsmafchine). Da warf ihn am 15. Januar 1033 ein Schlaganfall nieder, dessen Folgen er zwei Tage später erlag. Die Stadt Eisleben hat das Andenken Königs 1891 durch Errichtung eines von Schaper ge- schaffenen Monument» geehrt. Line Siiirgerkunde In drei schmalen Heften, betitelt: Die Wirt- schaft— Gemeinschaft und Gesellschaft— Die Verfassung des Deutschen Reiches(erschienen im Verlag Julius Beltz, Langensalza) versucht Hans B e r b i g den weiten und umfassenden Swff der Staatsbürgerkunde zum Zwecke der schulmäßigen Behandlung zusammenzufassen. Das Stofsgebiet der Staatsbürgerkunde setzt sich aus den ver- schiedenften Wissenschaften zusammen, Politik, Ge- schichte, Volswirtschastslehre, Rechtswissenschaft. Soziologie, Geographie gehören dazu. Mit diesem ungeheuren Stöfs in drei dünnen Bändchen von je 48 Seiten Umfang fertig zu werden, ist ein schwieriges Untersangen, das eben nur dadurch ge- löst werden konnte, daß viele Dinge nur andeu- tungsweise behandelt sind. Der Verfasser hat sich zumeist aus die am wenigsten komplizierten Fragen beschränkt, die er in einfacher Form zur Darstellung bringt, ohne jedoch banal zu werden. Das erste Hest versucht eine„Einführung>n das wirtschaftliche Denken" zu geben, wobei die Ent- wicklungsstusen der Wirtschast und ihre Probleme behandelt werden. Das zweite Bündchen beschäftigt sich mit den Fragen„Gemeinschaft und Gesell- schast", es bringt hauptsächlich eine Darstellung der natürlichen und Zweckzemeinschaften, in die der Mensch hineingeboren wird oder die er eingeht. Das letzte Heft ist ein Kommentar der Reichsver- sassung. Es ist darin nicht der vollständige Ge-.. setzestext abgedruckt, sondern nur d e Teile. di-J;? für das Verständnis des Wesentlichen notwendig'» sind. R. Js. S)er trfmder der Selmellprefle £um 100. todeslag von Friedrich Jlönig/ Ton 8, 8. ffieimerdes Krachendes Eis— guter Sport Eisbahnweihe— Eissegeln in Rangsdorf— Skisport in den Bergen Da haben nun die Cissportler wochenlang ge- jammert, es käme kein Frost, nicht einmal Echlitt- schuhlaufen könne man, und nun sieht es so aus, als solle es kommen wie vor vier Jahren in dem strengen Winter, wo an den Eisbahnen das Säiild mit dem großen Widerspruch hing: „Eisbahn wegen Kälte geschlossen!" Es war aber auch gleich ein bißchen grob am Sonnabend und noch mehr am Sonntag: eine III Grad kalte Kälte, wo wir doch am Donnerstag S bis 7 Grad j)iße hatten— na allo da fror den Schlittschuhbegeisterten ja die Spucke im Munde! Hart und klingend war das E's der Besuch aus den Bahnen war sehr gut: der scharfe Ostwind pfiff beängstigend um Nase und Ohren und die Backen waren im Umsehen rot und blau vor Kälte. Da macht die Geschichte nicht den Spaß, den sie machen soll. Das merkte man auch allen an, die gestern Vormittag bei der Einweihung der Kunsteisbahn im Friedrichshain als geladene Gäste oder als sportlich Mitwirkende zu tun hatten. Die trampelten mit den Eisbeinen den Takt der Musik mit, während an den feuer- speienden Koksösen die Damen die dünnen chevreauxledernen Pumps und die se'denbestrumpf- ten Beinchen gesondert anwörinten Ich bin mir bis fetzt noch nicht klar darüber, warum man bei Iv Grad Kälte gerade eine Kunst eisbahn einweihen muß. Im Amtsjargon heißen ja zwar alle gegosienen Eisbahnen Kunst bahnen, aber im Friedrichshain wird doch das Eis nun noch extra mit der Maschine gemacht! Das heißt, bei der Temperatur stcht die Karre still, man läßt das künstliche Eis aus der künstlichen geoossenen Kunst- eisbahn von der— Natur machen. Aber wenn's dann wieder wärmer wird, dann geht die Ge- schichte mit dem Ammoniak in den Röhren wieder los und dann ist es erst recht eine Kunsteisbahn. Gestern waren allerlei offizielle Persön'ichkeiten da, Reden wurden gehalten, Glückwünsche breit getreten und dann gab es Eishockeyspiele, Kunst» und Schnelläufen. Den Beifall stattete man gern nach studentischer Sitte durch Beinetrampeln ab lsiehe oben!), der mit den Händen gegebene klang handschuhgedämpft und unecht. Nur die netten Kunstläuferinnen bekamen echte und keine Eisblumensträuße. Das ganze war eine etwas kühle Angelegenheit' Der Eishockeykampf endete unentschieden. Der Berliner Cislauf-CIub konnte alsbald nach dem Anpfiff ein Ueberrumpelungstor schießen und erst kurz vor Schluß des Spiels glich Brück vom Berliner Schlittschuhklub aus. Das Schnell- laufen über ll) Runden(2300 Meter) gewann Loetsch-Schlittschuhclub vor Seel'cke und Samos (BSC.). Der deutsche Meisier Barwa kam unter serner liefen ein. Bei den Eisseglern Jetzt haben Sport- und geschäststüchtige Leute den See bei Rangsdors auch zum Eissegel- revier gemacht, wo das doch eigentlich ein jähr- zehntelanges Vorrecht des Wannsees im Westen und des Müggelsees im Osten war. Schon vor einer Woche ist man in Rangedors eisgesegelt, aber da stand soviel Wasser auf dem Eis, daß man von Bug- und Heckwellen sprechen konnte, Am Sonntag klappte die Sache schon anders. Die Zuschauer bekamen schöne Bilder zu sehen, wenn die Schlitten mit erheblicher Geschwindigkeit über das Eis sausten. Schon während der vergangenen Woche waren eine größere Anzah. Segelschlitten aus anderen Revieren nach Rangsdorf übergeführt worden, wohin jetzt neben anderen auch der Ber- liner Eissegelverein von 1892 se'n Domizil verlegt hat. Die zahlreich erschienenen Zuschauer sahen auch ein Handsegelwettsahren, das äußerst interessant verlies. Der kräftige Wind sorgte für statte Fahrten und allerlr Zwischenfälle, die das Publikum in Spannung hielten, die aber den Seglern einige Masten kosteten. Ein gekenterter Schlitten wurde so schnell wieder ausgerichtet, daß die Mannschaft sogar den.zweiten Preis ihrer Klasse holen konnte. R e i u l t e t e: l. Wettfahrt: Lo.Luadratmeter.Slliiittentlassc: Eisvogel III st e r s ch a f t des 1. Bezirks im 1. Kreise siegte gestern Nor- m a n n i a über Blau-Weiß mit 6: 0(3: 0) Toren. Der hart gefrorene Boden lieh kein einwandfreies Spiel zu.— Weitere Spielergebnisse: Volkssport Weitzensee gegen Spiclvereiniaung Ost 2:1 (2: V), Nowawes gegen Blauaelb 2:2(1:1), Butad gegen BSV. 81 2:2, Vor- wärts-Wedding 2. Schüler gegen Pankow Schüler 2: 1 (1: 0), Normannia Schüler gegen Elstal Schüler 8: 0 (4: 0), Wilmersdorfer Jugend gegen Teltow Jugend 2: 0 (0: 0). Faustball-Rundenspiele Trotz 12 Grad unter Null wickelten die Alters- riegen ihre Faustballspiele glatt ab. Der hörige- srorene Boden auf dem Dominicueplatz in Schöne- berg lieh einwandfreies Spiel zu. Resultate: Volkssport Neukölln gegen Ideal 51: 40, Schöneberg II gegen Schwimm-Union 50: 54, Mahlsdors gegen Lichtenberg II 08: 51, Schöneberg gegen Volkssport Reukölln 08: 58, Lichtenberg II gegen Schwimm-Union II 02: 50, Mahlsdorf gegen Freie Schwimmer Neukölln 09: 01. Hoekeji Der Verein für Leibesübungen Ostring konnte der Freien Turncrschast Groß-Berlin Tempelhof mit 2:9 das Nachsehen geben. Di« Lichtenberger zeichneten sich durch besseres Verstehen und große Stocksicherheit aus. Bei den Tempelhofern man- gelt es noch immer am entschlossenen Torschuß. Tennis Rot 2 und der Verein für Leibesübungen Ostring 2 trennten sich unentschieden 1: 1. Der Arbeitersportoerein Schöneberg spielte den Männerturnoerein Bernau mit 19: 9 nieder. Dem Arbeitcrsportverein Rot. Weiß gelang im Freund- schneller, ohne daß es jedoch einer Mannschaft ge» lang, weitere Tresser zu erzielen. Das Resultat von 2:2 entspricht voll dem Spielverlauf. Vorher zeigten die Iugendmannschasten der Bezirke Lichtenberg und Stralau, daß auch die Jugendlichen einen guten Handball spielen. Mit 5:9 für Stralau endete das überaus eifrige Treffen.— Süden I halte in dem Spiel gegen Cich«-Köpenick mti 19: 2 nicht viel zu schlagen. Stralau verlor überraschend mit 8: 1 gegen Tegel. Wir berichten Viktoria verliert 2:1. Bei den bürgerlichen Fußballspielern gab es am Sonntag eine große Ueberraschung: Der Tabellenerste Viktoria 89 ver- lor überraschend gegen Umon-Oberjchöncweide mit 2:1 Nicht nur das vollkommene Versagsn der eigenen Läuferreihe, sondern auch das taktisch falsche Spiel der gesamten Mannschast brachte die Niederlage, Dadurch ist Viktoria aus die zweite Stelle der Tabelle hinter Tennis-Borussia gerockt. Die Steiermark, das Reiseziel des Touristen- verews Die Naturfreunde am 28. Januar, meldet äußerst günstig« Schneeverhältnisse. Die Zu- sammenkunst der Reiseteilnehmer findet Mi:twoch, 18. Januar, 29 Uhr im Sitzungssaal des Vereins, Johannisstr. 14/15, statt. Da- ist auch der letzte Anmeldungstermin. Interessenten können sich ebenfalls zu der Sitzung einfinden. Der Damenwasiersportklub Schwarz-Rot-Gold, Berlin-Köpenick. Wendenschloßstr 122, Oer in diesen Tagen sein einjähriges Bestehen seiern konnte, hat auch in diesem Jahre einen Aniänger- kursus angesetzt. Der Anklang, den dieser Verein in der Kürze seines Bestehens gefunden hat, be- weist, daß es noch viele republikanische sports- freudige Mücels gibt Das nächste Kastenrudern findet statt am 18. Januar, 29 Uhr, bei O. Kiehl«, Berlin-Stralau, Tunnelstr, 28/29. Ost brachten gegen den guten Spandauer freien Hockey. klud 2 ein beachtenswerte» Unentschieden 1: 1 zustand«. Ebenfalls unentschieden spielte die Freie Sportoereinigung Pankow gegen den Arbeitersportverein Net. Weiß 2 1:1. Weitere Resultate: Tempelhof 2 gegen Rot- Weiß 8 4:1, Athletiksportklub 2 gegen Pankow 25:1. trauen: Arbciter-Sportverein Rot-Weist gegen Freie Portvereinigung Pankow 2: 1. Kalter Handhall Die zweite Handball mannschast des Be- zirks Süden der FTGB. hat wirklich Pech. In der Herbstrunde trat die Mannschaft immer nur mit 8 bis 19 Mann an und verlor so jedes Spiel Nun hatte sie sich vorgenommen, im neuen Jahr vollzählig auf dem Feld zu erscheinen. Gestern sollte nun das erste Spiel mit den neuen Vorsätzen steigen. Alle Spieler erschienen, der Gegner Hennigsdorf ebenfalls, aber das Spiel wurde nicht ausgetragen, da es zu kalt war. Es märe aber zu wünschen, daß die Mannschaft ihren Grundsätzen treu bleibt und weiterhin vollzählig erscheint, auch wenn einmal nicht gespielt werden kann. Am Nachmittag war es nicht ganz so kalt, mehrere Mannschaften konnten ihre Spiele aus- tragen. So unter anderem auch Lichtenberg gegen den A t h l e t i k- S p o r t k l u b. In diesem Spiel galt es, die Spitze der Tabelle zu erringen oder zu halten. Der ASC., in den bisherigen Spielen ungeschlagen, mußte hier seinen ersten Punktverlust durch ein unentschiedenes Ergebnis einstecken. Vom Anpfiff an legten die Lichten- berger ein schnelles Tempo vor. Die Angriffe aus das ASC.-Tor wurden aber alle vom sehr guten Torwart abgewehrt. Dagegen war ASC. glück- licher In der 8. Minute spielte sich der Sturm sehr gut durch und die Führung war errungen. Dann waren wieder die Lichtenberger im Angriff. Oft riefen einige übereifiige Spieler und Zu- schauer„Tor"", aber entweder ging der Ball da- neben, oder der Torwart hatte abgewehrt. In der 18. Minute waren die ASC.er wieder erfolgreich, mit 2: 9 lagen sie in Führung. Die Lichtenberger ließen sich aber nicht verblüffen Eine Zeitlang be- lagerten sie das gegnerische Tor und in der 23. und 24 Minute waren zwei Tore geschossen. In der zweiten Halbzeit war das Spiel sogar noch Quer durch Treptow Der Waldlauf der Arbeitersportler Am Sonntag veranstaltete der ASV. Neukölln den ersten Winterwaldlaus der Leicht- athleten. Trotz des kalten Wetters traten die gemeldeten 139 Teilnehmer alle an. Eine� anscdn- liche Zuschauermenge umsäumte den Startplatz am Rathaus Treptow Zunächst begab sich ein starkes Sprinterseld auf die 1999-Meter-Slrccke. Der neue Bundesverein Sparta 32 führte sich dabei durch den Siep von B ö d e r in der be- achtenswerten Zeit von 2.43.1 Min. gut ein. Der Sieger der früheren Sprinterläuse Braunedorf- Volkesport Neukölln belegte 49 Meter hinter ihm den 2. Platz vor den im toten Rennen einkommen- den Lobbes und Lempe-ASV. Neukölln Das Übrige Feld folgte kurz in dichtem Rudel. Von den Sporllern über 39 Jahre war der frühere Langstreckler H e> n tz- Ostring vor Hoppe-ASV. Neukölln der Best«. Beachtenswert hielten sich die Sportler ül er 49 Jahre. G ö r I i tz- Volks- sport Neukölln holte sich diese Leistungsklasse vor den Ostringern Gebrüder Kroll. In der Jugend» klasse gewann erwartungsgemäß ASV. Neukölln vor Rot-Weiß. Die besten Iugendeinzellänker waren M ä u s e l e r-ASV. Neukölln, Schachner- ASC., Burger-Fichte, die in dieser Reihensolge einkamen. Der 3999-Meter-MannschastshauptIalis wurde«ine Beute von ASC., dichtauf folgten ASV. Neukölln und Sparta. Geschlossen kamen diese Mannschaften an der 2999-Meter-Marke am Start vorüber. Den Kampf dieser Klasie bei den zweiten Mannschaften holte sich Sparta vor ASV. Neukölln und Volkssport Neukölln. Im 5999. Meter-Lauf lief I a n o w i tz-Sparta ein präch- tiges Rennen. Reimann-Rot-Weiß und Czyschke vom Ruderverein Vorwärts fielen langsam bis auf 89 Meter zurück. Zeit des Siegers 16 Min. Der Waldlauf war durch zahlreiche Strecken- ordner gut organisiert, so daß die Konkurrenzen reibungslos durchgeführt werden konnten. Den Schluß des Tages verlebten die Sportler in fröh- lichem Beisammensein auf dem Festabend im Paradiesgarten. Schwarzes Brett Freie Wasserfahrer Auswärt». Dienstag, 17. Januar, 18� Uhr Funltionärversammlung bei Reuhner, Eeestr. 02. Freie Lichtbildner Hohenschönhausen. Dienstag, 17. Ja» nnar, 20 Uhr, Lichtbilocrvortrag bei Kloß, Berliner Str. 70. startellbcfirke Bcddtng und Reinickendors. Uebungs. abend der Sodrtlerhundcrtschasten Donnerstag, 19. Januar, 20 Uhr, Turnhalle Müller- Ecke Triftstrahe. Beginn der Selbstverteidigungslurse. Bezirlslartell streu' berg. Donnerstag, 19. Januar, Aus- gäbe der Eintrittstarten und Handzettel sür Sonntags- matinee am 20. Februar, 19 bis 21 Uhr, Porckstr. 11. Ardeiterteglcr. Jahreshauptversammlung de« Bezirks Berlin und des Gaue» Berlin-Brandenburg Montag, 30. Januar, 191h Uhr,„Atlantik", Bahnhof Gesund- brunnen. Anträge bis Sonnabend, 21. Januar, an Karl Schilling, Berlin-Spandau, Zeppellnstr. 20-. ASV. Schöneberg-Friedenau 97. Sonntag, 22. Januar, 15 Uhr, Plccadtlly, Ebersstr. 80, Generalversammlung. Mitgliedsbücher als Ausweis mitbringen.— Svielsverrc sür alle Mannschasten ab 1410 Uhr. C C W GRÖSSTE ZIGARRENFABRIK DEUTSCHLANDS ¥¥\J t.11 CA. 5000 ARBEITER UND ANGESTELLTE L&W CORONAS Nr. 10 UNSORTIERT pikante, feine Corona L&W Nr.3