Abend- Ausgabe Nr. 28 B 14 50. Jahrg. 9?ebaf»lon und Verlag, «Berlin 8W KS. Htndenstr 3 Vtt'ilvrechei a>'«MI DtnkoÜ 592 dl« 297 Sclctcaansbtcfici Co,ia(bemo!roi<3«rttg BERLINER VOLKS BLATT DIENSTAG 17. Januar 1933 In Grotz° Berlin 10 Pf. Auswärts..... 10 Pf. Bezugsbedingungen and Anzetgenpreii» stehe Morgenausgabe Jentvalovgan der sozialdemokratischen Oavtei Deutschlands JÄi'SL Die Agrarier- Deutschlands Unglück Wie bereits kurz gemeldet, find sechs jugendliche Kommunisten verhaftet worden, die durch einen Raubüberfall am Silvester- abend in der Filiale einer Butterfirma 700 Mark erbeutet haben, nicht, um das Celd für sich zu verwenden, sondern um es ihrer Jugendgruppe zuzuführen. Es trifft tatsächlich zu, daß die Festgenommenen fast die gesamte erbeutete Summe dazu ver- wendet haben, um eine Schreibmaschine, Büromaterialien und die rückständige Miete für ihr Gruppenbüro zu bezahlen. Für sich selber haben sie nur 2 Mark pro Person von der Beute erhalten. Es ist danach klar, daß die Täter mit ge- meinen Verbrechern aus Eigennutz nicht auf eine Stufe gestellt werden dürfen. Trotzdem bleibt ihre Tat beklagen?- und rerurteilens- wert, und es muß die Frage aufgeworfen werden, wie es möglich ist, daß junge Men- schen, die der Jugendgruppe einer Partei angehören, sich zu einer solchen Handlung verleiten lassen konnten, die nur im M o t i v der politischen Welt, in der M e t h o d e u n d Ausführung aber einer asozialen Unter- weit angehört. Die Ursache hierfür liegt in jener Ber- wirrung der Begriffe, die manche Teile der Jugend geistig bis hinter die Anfänge der Arbeiterbewegung zurückgeworfen hat. Am Anfang der Arbeiterbewegung steht die Erkenntnis, daß die individuelle Auflehnung gegen die bestehende Eigentumsordnung mit Sozialismus nichts zu tun hat und diesen nur zu schädigen geeignet ist. Man kann als Sozialist ein weitreichendes Verständnis de- fitzen für den Rechtsbrecher, der seine Tat aus bitterer Rot begeht, aber man wird des- halb jeden Ansatz zu einer politisch moti- vierten Organisierung von Eigentums- delikten nur um so schärfer ablehnen. Man macht nicht soziale Revolution, indem man wie Karl Moor in den Böhmerwald zieht und eine Räuberbande gründet! Wer es in der jetzigen Zeit mit der Arbeiterklasse ehrlich meint, der darf sich nicht damit begnügen, die wirtschaftliche Rot als Entschuldigungsgrund für jede politische Un° klugheit heranzuziehen. Er hat vielmehr gleich'eitig die Pflicht, vor unbedachten und sinnlosen Verzweiflungsakten e i n d r i n g- lich zu warnen. Er wird aussprechen müssen, daß die Plünderung einer Laden- lasse zu Parteizwecken genau so sinnlos und schädlich ist wie der organisierte Raub von Würsten und anderen Lebensmitteln. So erklärlich solche Erscheinungen in einer gro- ßen Notzeit wie der jetzigen sind— der Sozialist hat auszusprechen, daß an der Notlage der Millionen hierdurch nichts g e- ändert wird, und daß der organisierte Kampf des Proletariats gegen die Not durch solche Taten nicht gefördert, sondern schwer geschädigt wird. In der Sozialdemokratie würden die jugendlichen Täter dies erfahren und die Handlung unterlassen haben, die sie jetzt in verhängnisvolle Berührung mit dem Straf- gericht bringt. Ihr zweifellos vorhandener Idealismus wäre in der sozialdemokratischen Jugendbewegung zum Nutzen der Arbeiter- klasse angespannt worden. Unter scheinradi- kalem Einfluß wurden sie die Opfer falscher Erziehung, sie haben ihrer Sache n'chts genützt und für eine Sinnlosigkeit die Freiheit ihrer Jugend nutzlos aufgeopfert. NUferdinx geißelt die autoritäre Wirtschaftspolitik Der Reichsfinanzminister hatte im Hanshaltsausschuß in der Vorwoche in der großen finanzpolitischen Aussprache davon gesprochen, es sei L f f e n h e i t über die Lage der Reichsfiuauzeu not- wendig und dazu die Parlament«- rische Kontrolle. In diesem Zinne eröffnete heute Abg. Hilferding lZoz.) im Haushaltsaus- schuft die Aussprache über die Wirtschaft- liche Lag». Lffeuheit vor allem! Er stellte offen fest, welche Kräfte heute die angeblich autoritäre Regierung in ihren Handlungen in Wirklichkeit bestimme«. Hilferding wandte sich zuerst gegen den b e- deutlichen Zweckoptimismus der R e- g i e r u n g. Die schwere internationale Krise se! bei weitem noch nicht zu Ende, die Krise der öfsentlichen Finanzen und der Eisenbahnen. ober auch die Krise auf dem Grundstückzmarkt sei in der ganzen Welt, im besonderen in den Ver- einigten Staaten, noch in voller Au- Wirkung. Ebenso sei die Loge auf dem Rohstosfmartt noch sehr schwierig. Die A g r a r k r I s e in der ganzen Welt und im besonderen in Deutschland sei in verschiedener Hin- sicht von besonderer Art Einmal falle sie mit einer industriellen Krise zusammen uno zum an- deren seien in der Landwirtschaft noch nicht jene Selbsterholungetcndenzen sichtbar, die in der In- dustrie beobachtet werden könnten. Seine besondere Ursach« habe das aber in der falsche« Agrarpolitik. Man Hab« das Anbaugebiet ständig ausgeoehnt und die Stützung der Preise auf dem Wege der Zölle usw. Haie das noch gefördert. Das gleiche gelt« für die starke Zunahme des Viehbestandes. Dennoch sinken dauernd die landwirtschaftlichen Preise! Wenn man mit den Regierung-methoden den Getreidemarkt für den Augenblick erleichtern wolle, müsse man 1 Million Tonnen aus dem Markt nehmen. Trotz der hohen Kosten für solche Maßnahmen würde das nichts nützen, das zeige auch die Entwicklung der Viehpreise. Die landwirtschaftliche Ueberproduk- tiou sei geradezu organisiert worden. Trotz der dadurch verursachten Senkung der Preise sinke der Fleischverbrauch. Pro Kopf der Bevölkerung sei er im vierten Vierteljahr 1932 gegenüber 1931 von 14,4 auf 10,5 Kilogramm gesunken. Die Kaufkraft der städtischen Bevölkerung reiche eben trotz Sperrung der Grenzen nicht mehr aus. Anstatt vernünftig zu helfen, werde die Land- Wirtschaft gegen die städtischen Arbeiter verhetzt. Man brauche nur den vorjährigen Fleischoerbrauch in seiner damaligen Höh« mit Regierungshilfe wieder herzu stellen. so würden 3 Millionen Schweine gebraucht wer- den, deren Auszucht 1,5 Millionen Tonnen Getreide beanspruchen. Diese Schweine würden also den Getreidemarkt gesund sressen. Im übrigen müsse der Brotpreis gesenkt werden. Herr von Pape» habe die Brotpreiskontrolle praktisch beseitigt, ebenso löse jetzt das Ernährung?- Ministerium die objektiven Marktforschungsinstitute aus aurd gliedere sie dem deutschen Landwirtschaits- rat, also den Interessenten, an. Die dummen Maßnahmen zur Mar- garineverteuerung wirkten aufreizend, ohne jemand zu nützen. Es sei unmöglich, einen Teil der städtischen Be- oölkerung zugunsten der Bauern hungern zu lassen. Außerdem dllrse man nicht übersehen, daß der Landwirtschaft schon erhebliche Hilfe zutell geworden sei. Ihre Zinslast sei nach den eigenen Angaben des Ernährungvministeriums umetwalMilliardezurückgegangen. Der durchschnittliche Zins der Landwirtschaft ent- spreche heute etwa dem der Vorkriegezeit. Die Zinslast beanspruche vom Verkaufeerlös der Land- Wirtschaft trotz der gesunkenen Preis« nur etwa rund 8 Prozent. Das sei auch nicht wescnt, lich anders als in der Borkriegszeit.. Dennoch werde die Handelspolitik unter dem Druck der Landwirtschaft in einer Richtung betrieben, die nicht nur für den industriellen Arbeiter, sondern auch für die Landwirtschaft selbst ins Unglück führe. Sehr deutlich müsse auegesprochen werden, daß es unerträglich sei, wenn der Reichs. Präsident mit dem Land b und Polt- tik mache und dann die Minister zu sich rufe, damit zugunsten der Landwirtschast In den voll» streckuvgsschuh erneu» eingegriffen werde. Der Reich: Präsident habe keine Politik zu machen, das sei nicht seine Ausgabe, wir brauchm wieder dringend die parlamentarische verant. wortlichkeit der Regierung, damit sie nicht mehr unklaren autoritären Einflüssen aus- geliefert bleibe! Der Großgrundbesitz leistet bewußt klassenmäßige Sabotage gegen die Siedlung. Die Verlängerung des Bollstreckungs- fchutzcs zugunsten der östlichen Landwirtschaft und die Ausftreckung des Vollstreckungsschutzes aus das ganze Reich seien«ine schwere Schädigung des ge- samten deutschen Kredits, also eine Störung der eigenen Konjunkturförderung ver Regierung. Ebenso habe das Eingreifen Hugenbergs in die StillHalteverHandlungen als eine Schädigung des deutschen Kredits gewirkt. hilserding verlangte zum Schluß seiner Aussüh- rungen, die unter größter Aufmerksamkeit no« Haushaltrausschuß augehört wurden, von der RL» gierunq eine ehrliche ZisserderArbeits- losig keil. * Räch einer langen, inhallslol-n Rede des Ab- geordneten Dr. Reubauer»nomm.) sprach Abgeordneter Wissel sSoz.) ausführlich zu den sozialpolitischen fragen. Er spricht bei Abschluß des Blatte» noch. Wir kommen aus seine Ausführungen in der Morgenausgabe zurück. Nazipöbel in der Universität Wüste Szenen und Schlägereien Den'zelos wird w eder griechischer Reglerrngs- chss. Es ge'.ang ihm. ein neues Kabrnett-u bilden. Es wird über 126 Stimmen gegen 95 Volkspartei- ler(Royalisteu) und 29 Antioemzelisten verfügen. Der Nationalsozialistische Studentenbund veran- staltete heute vormittag um 11 Uhr auf dem Hegel- platz vor der Berliner Universität eine Protestkundgebung gegen den Reichskommissar Kühler wegen Schließung der Technischen Hoch- schule in Breslau und gegen die Berufung des jüdischen Professors Cohn an die Breslauer Uni- versität. Die Kundgebung war von kaum 100 Nationalsozialisten besucht, die ab?r anschließend in die Universität eindrangen und dort im Vestibül, un- gehindert vom Rektor und Pedell, zunächst eine halbe Stunde sich mit Hetz- und Kampfliedern Mut ansangen. Nach einigen Sprechchören: „Holt die Juden aus den Hörsälen, Deutschland erwache, schlagt d'e Juden tot, wir fordern, daß kein Jude eine deutsche Hochschule besuchen darf", zogen sie. wiederum ungehindert, durch die Gänge und sielen dort über einige jüdische oder jüdisch aussehende Studenten her. Die Unruhen dauern noch an: die Polizei steht in Bereitschaft vor der Universität, hat aber bislang noch nicht eingcgrissen. . D e Provokationen und Ueberfälle auf einzelne Studenten wurden von einer kleinen Horde SA.- und SS.- Leuten verübt. Andere nationalsozialistische Studenten wandten sich, ange- widert von diesem Pogrom, ab und verteidigten scgar mit eigener Hand die von ihren SA.-Kame- roden angegriffenen Studenten. Eine Gruppe von 50 Rationalsoziali- sten drang später in den Erfrischung»- räum der Universität ein mit dem Ruf„Achtung, Achtung! in zwei Minuten haben hier alle Huden zu vc.schwinden!" Sie sielen dann über mehrere Studenten her, es gab eine Schlägerei mit Stuhlbeinen, einzelne Studenten wurden verletzt, darunter auch einReichsbanuer- st n d e n t. Ebenfalls wurde ein Serviermädchen verletzt. Durch das Eingreifen der Reichsbanner- studenten gelang es dann, drei Rational- sozial! st enverhaflen zu lassen: sie wurden aus das Revier in der Albrechtstraße gebracht. Vor dem Austritt Japans? Neue Wendung in Genf Paris, 17. Januar. Die Montagsitzung des lller-Ausschusses in Genf wird von der Pariser Morgenprcsse als ein glück- liches Wiederaufleben der energischen Hai- tung des Völkerbundes(?) gegenüber Japan bc- zeichnet. Die halbamtliche Agentur Havas unter- streicht das entschlossene Emgressen des englischen Außenministers Sir John Simon, der erklärt habe, daß der Ausschuß nur au» reiner Höflichkeit die vom japanischen Vertreter erbetene Frist ge- währe. Der französische Vertreter M a s s i g l i habe diese Erklärung Slmonz unterstützt und zu verstehen gegeben, daß der lScr-Ausschuß wie der Völkerbund überhaupt den Gesst der Verständi- gung bis zum. äußersten getrieben hallen, daß«» aber an der Zeit sei, mit einer Methode Schluß zu machen, aus der der Völkerbund nur geschwächt hervorgehen könne, wenn sie sich noch mehr in die Länge ziehe. Der Genfer Berichterstatter des„Matin" rechnet mit einem Austritt Japans ans dem Völkerbünde, wenn der Ausschuß am Mittwoch einen Ent- schließungsantrag vorlege, in dem den Vorbe- halten Japans keinerlei Rechnung ge- tragen sei. Die Begründung dieses Austritts sei bereits in Tokio ausgearbeitet und lasse sich in zwei Punkte zusammensassen: 1. Japan habe keinerlei lebenswichtiges Jnter, Stalins Agrarsorgen Die Schwierigkeiten der Getreideaufbringung esse daran, einer Versammlung von Völkern anzugehören, die von seinen beiden nächsten Nachbarn— Rußland und Amerika— nicht an- erkannt werde; 2. der Völkerbund habe seine Aufgabe nicht erfüllt, indem er eine Streitfrage v e r a l l- gemeinere, anstatt sie zu lokalisieren.(!) * Japan kann ruhig seinen Austritt erklären— wirksam würde er er st in zwei Iahren werden. Bis dahin bliebe Japan satzungsgemäß an alle Pflichten eines Mitgliedes gebunden. Und der Völkerbund wäre nicht nur berechtigt, sondern auch verpflichtet, Japan wegen Verletzung seiner Mitgliedspflichten genau so zu behandeln, wie wenn es nach wie vor Mitglied wäre. Die angebliche Begründung des Austritts, wie sie der„Matin" zu melden weiß, ist fauler Zauber. Daß Rußland und die Vereinigten Staa- ten dem Völkertund nicht angehören, weiß Japan schon seit zwölf Iahren. Auf einmal soll das ein Grund für Tokio sein, sich nicht länger für den Völkerbund zu interessieren! Und das zweite Agrement ist noch dreister: der Völkerbund hätte den Konflikt„lokalisieren", d. h. den Mandschureiraub sanktionieren sollen! Die Völkerbundsstaaten dürsten jetzt auf keinen Fall den Japanern nachlaufen, sondern einfach es darauf ankommen lassen— gleichzeitig aber den Japanern zu verstehen geben, daß die entsprechenden Entscheidungen und Maßnahmen in Der dürfet von Lippe „Er hat's geschafft! Woraus sich ergibt, daß er auch das große Gewicht mit Leichtigkeit stemmen wird." ihrer Abwesenheit erst recht beschlossen werden Dann wird sich wahrscheinlich in letzter Stund« herausstellen, daß die Austrittsdrohung, mit der Japan seit IVi Jahren eine erfolgreiche Er- pressungspolitik in Genf getrieben hat. einfach Bluff war. •Japan annektiert Städte London, 17. Januar. Das Schicksal von S ch a n h a i k w a n ist, wie aus Tokio gemeldet wird, endgültig entschieden. Die Stadt soll nach der Zurückziehung der japa- Nischen Truppen der mandschurischen Ver- waltung übergeben werden. Rätsel um Aevisenschah Fund bei einem Verunglückten Vor dem Hause holzmarttstraße 73 an der Ecke der Alexanderslraße wurde gegen Miller- nachl ein Mann in hilflosem Zustande aufgefunden. Polizeibeamle brachten ihn nach der Rettungsslelle in der keibelslraße, wo der Arzt einen Schädel- und einen Rasenbein- b r u ch bei dem Manne feststellte und seine Ueber- sührung ins Virchow-Krankenhaus veranlohte. Bei der Durchsicht der Taschen des Verlehlen fand man größere Beträge ausländischer De- visen und deutschen Geldes vor, und zwar l8g00 Schweizer Franken. 23 000 französische Franken. 520 österreichische Schillinge, 100 amerikanische Vollars und 1120 Mark. Es handelt sich um einen 3Sjährigen Hausdiener Hans kowall aus der Großen Frankfurter Straße 124. ★ Er erlangte im Krankenhaufe für kurze Zeit die Besinnung, tonnte aber nicht angeben, wie er zu seinen Verletzungen gekommen war, da er gleich darauf wieder in Bewußtlosigkeit oerfiel. In den frühen Morgenstunden meldete sich ein Bruder des Verletzten, der in der Kastanienallee in Char» lottenburg wohnt. Er gibt an, daß er bereits in großer Sorge um seinen Bruder war. Sie hatten beide vereinbart, daß Hans K. den Geldbetrag noch am Montagabend nach der Kastanienallee bringen sollte. Die Summe wollte man auf dem Amtsgericht in Charlottenburg deponieren, um ein Haus zu kaufen. Was dem Hans Kowall nun gestern abend begegnet ist. hat sich noch nicht fest- stellen lassen. Zeugen, die die Vorgänge beobachtet haben, sind nicht gefunden worden. Es wird angenommen, daß Kowall bei der Glätte gestern abend unglücklich gestürzt ist und sich dabei die schweren Verletzungen zugezogen hat. Stalin hat In der Plenartagung des Zentral- komitees der KPR. noch eine zweite Rede gehalten, die erst jetzt oerösfenlticht worden ist. Er bespricht darin die vergrößerten Schwie- rigkeiten d« r G e t r e i d e a u s b r i n g u n g im Jahre 1932, in dein die Ernte besser gewesen sei als 1931. Die Ursache findet Stalin darin, daß die Dorfarbciter die neue Lage nicht verständen, die durch die Einführung des Kollektivwirtschaftshandels einen über dem Staatspreis liegenden Getreidemarktpreis legalisiere. Die Kommunisten auf dem Lande hätten die Getreidebeschafsung aus jede Weise ver- stärken und beschleunige» müssen Statt dessen hätten die Dorfarbeiter alle möglichen Fonds gebildet und dadurch die Zurückhaltung der Getreideablieferung verstärkt. Der Kollektivwirtschaftsgetreidehandel werde darum erst nach Erfüllung der Getreidebeschaffun- gen eröffnet werden können. Dann rechtfertigte Stalin die Einführung dieses Kollektivhandels, der kein Aufgeben revolutionärer Grundsätze sei, sondern die Basis des Waren- austaufches zwischen Stadt und Land erweitern, die Belieferung der Arbeiter mit Landprodukt«» und der Bauern mit Industriewaren verbessern, den Kollektiowirtschaften neue Einnahmen ver- schassen und die Bauern zur Verbesserung der kollektiven Arbeit anleiten solle. Dann tadelte Stalin diejenix«», die da glaubten, wenn die Kollektivierung 79 oder 89 Proz. der Bauern eines Rayons erfaßt hat. alles weitere dem natürlichen Verlauf der Dinge anheimstellen zu können. Bei den Einzelbauern konnte die Auch die heutigen Morgenblätter sind angefüllt mit Betrachtungen über die innerpolitische Lage und mit mehr oder weniger glaubwürdigen Be- richten von Unterredungen, die teils schon statt- gefunden haben, teils noch stattfinden sollen. Es erübrigt sich, alle diese Stimmen und Gerüchte wiederzugeben, es genügt, festzustellen, daß sich im ganzen das Bild eines kunterbunten Durcheinanders ergibt, In dem niemand mehr weiß, wer Koch und wer Kellner ist. Ziem- lich allgemein rechnet man jetzt mit Auslösung und Neuwahlen, die nicht erst am Ende der verfassungsmäßigen Frist von 69 Tagen, sondern schon früher vorgenommen werden sollen. Man spricht sogar vom 19. Februar als einem möglichen nächsten Wahltermin. heute Landtag Nfargen Debatte über die Schulpolitik heule um 15 Uhr tritt der Preußische Landtag zur ersten Sitzung seiner Zanuarlagung zusammen, die sich voraussichtlich bis zum Freitag erstrecken wird. Die INitlagsstunden waren aus- gefüllt mit Sitzungen der Fraktionen, die ihre Stellungnahme zu den Veralunosgegenständen sestleglen, die in diesem Tagungsabschnitt zur Verhandlung kommen. 3n den gestrigen Abendstunden erlebte Berlin ein nicht sehr häufiges Raturspiel, denn bei 5 Grad kälte begann es plötzlich zu regnen. Ein regelrechter Eisregen ging nieder und in kurzer Zeil waren Fahrdämme und Bürgersteige mit einer gefährlichen Glatteisschicht über- zogen. Es ereigneten sich eine Reihe von U n- fällen, die im großen und ganzen glimpflich abgelaufen sind.. Anders war es dagegen in den Heuligen Morgen- und vormillagsstunden. Passanten kamen aus den vereisten Bürgersteigen und Slrahenübergöngen zu Fall und zogen sich ver- stauchungen und Knochenbrüche zu. Mehrere Verunglückte mußten durch die Feuer- wehr und das Städtische Rellungsamt in die Krankenhäuser gebracht werden. Der plötzliche Eisregen war auf einen Warm- l u f t e i n b r u ch aus südwestlicher Richtung zu- rü�uführen. Der Warmlustkörper glitt an der kalten Luft auf und es kam zu Niederschlägen. Das seltsame daran war. daß die Luftschicht über dem Erdboden bis zu etwa 199 Meter S bis 6 Grad Kälte hatte und die niedergehenden, schon stark abgekühlten Regentropfen auf dem Erdboden ge- froren. Schon nach Mitternacht hatte sich in den oberen Luftschichten ein Ausgleich vollzogen und neue aus östlicher bis südöstlicher Richtung heran- Partei sich darauf beschränken, ihm Ratschläge und hinweise zu geben— jetzt müsse sie die Leitung der K o l I e k t i o w i r t i cha s I e n übernehmen. Da die Koliektivwirtsch.ift hunderte, manchmal lausende Dörfer umjaßt, kann sie nur bei planmäßiger Führung durch geschulte Kräfte richtig arbeiten. Es seien aber eine ganze Reihe Organisationen vom Leben der Kollektivwirtschaftier losgerissen: „Es sitzen Leute in den Kanzleien, die mit ihren Federn kratzen und nicht bemerken, daß die Eni- Wicklung der Kollektiowirtschaften außerhalb der bürokratischen Kanzleien verläuft." In einer Reihe von Fällen habe sich herausgestellt, daß in den Kollektivwirtschaften ehemalige Ossiziere, Anhänger Petljuras. und überhaupt Feind« der Arbeiter und Bauern schalteten und walteten. Dann rügte Stalin die U e b e r s ch ä tz u n g der Kollektivwirtschaften als neuer Wirtschaftsform. Die Kollektivwirtschaft nennt er die sozialistische Form der Wirtschaftsorganisation, wie den Sowjet die sozialistische Form der politischen Organisation. Alles aber hinge davon ab. welchen Inhalt diese Formen erhalten Schließlich setzte Stalin aus, daß viele Arbeiter nicht begreifen, daß das Anstehen des Klassen- seindes(der Kulacken) und feine Taktik sich in der letzten Zeit änderten. Der Feind sei vom direkten Angriff zur Minierarbeit übergegangen, z u r S a b o t a g e. Bei so schurjem Klassenkampf. den man jetzt im Sowjetreich habe, sei für„neu- trale" Kollektivwirtschaften kein Raum mehr. Nachdem Stalin wieder an die Verantwortung der Kommunisten für das Gelingen der Kollekti- visrung appelliert hatte, schloß er: Za einer Sitzung des Aeltestenrates wird der Veratungsplan für die nächsten Tage im einzelnen bestimmt werden, während die Tagesordnung der Vollsitzung am Dienstag nnr kleinere vor- lagen enthält, rechnet man für Mittwoch mit dem Beginn einer größeren Aussprache über Schul- angelegenheilen. Die Wahl von Lippe Endgültige» amtliche» Endergebnis Detmold, 17 Januar. Das endgültige amtliche Ergebnis der lippischen Landtagswahl stellt sich unter Berücksichtigung der jetzt noch eingegangenen Wahlbriefe von aus- wärts weilenden Wahlberechtigten folgender- maßen: Sozialdemokraten 29827, Deutsche Volks- Partei 4389, Deutschnationale Volkspartei 6913, Lippisches Landvolk 791. Kommunisten 11949, Staatspartei 832, Nationalsozialisten 39 965, Ka- tholische Volksvertretung 2556, Evangelischer Volksdienst 4525, ungültige Stimmen 928. In der M a nda t s v e rte il u n g hat sich nichts geändert. Bon den insgesamt 117129 Wahlberechtigten beteiligten sich 99 876 an der Wahl, was einer Wahlbeteiligung von 85,27 Proz. entspricht. Der Stimmenzuwachs der Sozialdemokratie seit dem 6. November 1932 be- trägt 4945 Stimmen. flutende Kaltluftmasien brachten einen abermaligen Temperaturrückgang. Bei 6 Grad Kälte begann dann in der Nacht etwas Schnee zu fallen. Zur Zeit sind'aus dem Osten wieder kalte Lustströme im Anrücken, so daß mit einem weiteren Fallen der Temperaturen zu rechnen sein dürfte. Möglicherweise wird auch noch etwas Schnee niedergehen. Am kältesten ist es in Ost- preußen. Königsberg meldete heute vormittag 15 Grad Frost. Das mildeste Gebiet des Reiches ist augenblicklich Aachen und Umgebung mit 9 Grad. Auch für diese Gegend ist aber erneut Källe zu erwarten. kleine Verkehrsstörungen Der Eisregen und der Schnee Haben bisher in Berlin zu keinen nennenswerten Ber- kehrs st örungen geführt. In der Innen- stadi war vom Schnee in den Mittagsstunden kaum noch etwas zu sehen. Nur die Außenbezirke boten den Anblick einer Winterlandschast. Schiffahrt eingestellt Stettin, 17. Januar. Infolge des starken anhaltenden Frostes ist der Schiffsverkehr von Stettin nach Berlin „Man könnte glauben, daß ich ein zu düsteres Bild zeichnete und daß es scheine, a'.n ob unsere ganze Arbeit im Dorse nur aus M ingein bestehe. Das ist selbstverständlich nichi richtig. Tatsächlich weist unsere Arbeit eine ganze Reihe ernster und entscheidender Errungenschaften auf Ateine Auf- gäbe besteht jedoch nicht in der Charakterisierung unserer Errungenschaften, ich wollte nur von Mänge'n der Arbeit in unterem Do-?e iprechen. Diese Mängel können unbedingt beseitigt werden, und es kann kein Zweifel darüber bestehen, daß wir sie in der nächsten Zeit zu beseitigen ver- mögen. Ich qlaube, daß die politischen Abteilun- gen, die Maschinen, Traktorenltotlonen und Sowjetgüter entscheidende Mittel sind, mit deren Hilfe diese Mängel in kürzester Zeit beseitigt werden können." Kolchvs-KolltroAe Politbüro» in den Kollektiven Moskau. 17. Januar. Auf Plenarbeschluß des Zentralkomitees der KPR. wurden in verschiedenen Kollektivbauern- wirtschaften(Kolchosen)„politische Abtei- l u n g e n" errichtet, die die Arbeit der Kollektiv- wirtschaften und einzelner Staatsbürger zu über- wachen haben. Die Leiter der politischen Abtei- lungen haben die Aufgabe, Sabotageakte zu verhindern und die Propaganda feindlicher Ele- mente zu unterbinden. eingestellt worden. Am Sonnabend war es noch gelungen, in beiden Richtungen je einen Dampfer mit Eisbrecherhilse durchzubringen Der Versuch, heute einen Dampfer nach Schlesien zu expedieren, scheiterte. Aus der Schiffahrtsstraße Stettin— Swinemünde wird der Verkehr durch Eisbrecher aufrechterhalten. Der Tod im Jagdrevier Selbstmord eine» Landrates Magdeburg. 17. Zanuar. Der Landrat des Kreises Zericho I. Geb- Hardt, wurde in feinem Jagdrevier er- schassen unter dem Hcchsitz aufgesunden. Die Magdeburger Mordkommission unter Leitung von Kriminalkommissar Kluge stellte fest, daß einwandfrei Selbstmord vorliegt. Gebhardt hat sich in der Rächt zum Sonnlag mit seinem Jagd- gewehr erschossen. Er war etwa 48 Zahre all und seit 1919 Landral in Burg und gehörte der So- zialdemokraten Partei an. Thüringer Flaggenkrieg Von unserem Korrespondenien Weimar, 17. Januar. Die thüringische nationalsozialistische Regierung hat den Erlaß, nach dem die Gemeinden nur in den Gemeinde-, Landes- und Reichsfarben klaggen dürfen, ausgehoben, um nationalsozialistischen Ge- meinderatsmehrheiten die Möglichkeit zu geben, die H a k e n k r e u z f a h n e auf den Rathäusern zu flaggen. Eine Anzahl Nazimehrheiten haben bereits ihre Hakenkreuzparteifahne auf den Rat- Häusern aufgezogen. Nachdem die Naziregierung aus ihrer Partei- «inftellung heraus die Möglichkeit geschaffen hat, die Parteifahne zu flaggen, beschließt die kommu- nalpolitische Konferenz der Sozialdemokratischen Partei: Sozialdemokratische Kreis-, Stadt- und Gemeinderatsmitglieder müsien beschleunigt den Antrag beschließen, auf alle» Rathäusern, die eine sozialdemokratische oder proletarische Mehrheit haben, wird das rote Sturm- banner geflaggt. Mafsenaussperrung in Dänemark Eigener Bericht des„Vormäris" Kopenhagen. 17. Zanuar. Rachdem die Verhandlungen mit mehreren Ar- beiterorganisationen außerhalb der Landesorgaui- sation ergebnislos verlaufen sind, hat der Arbeitgeberverband die Totalaus- sperrung beschlossen. An zehn Arbeiter- organisatioaen des Baufaches ist bereits eine Warnung ergangen. Es stinkt bei Goebbels Im Gau Berlin der NSDAP, sind der Gau- schatzmeister F e l l n e r und Goebbels Stell- Vertreter Dr. Meinshausen plötzlich beurlaubt worden. Die Beurlaubung soll im Zusammen« hang mit einer plötzlichen Kassenrevision stehe». RegierungS-Durcheinanöer Die Krise in Permanen? Eisregen und Schnee Fleue Kältewelle im Anmarsch? Neues Frauen-Kampfjahe Sozialdemokratische Funktionärinnen sind bereit 3n den Sophiensälen fand gestern abend eine außerordentlich stark besuchte Versammlung derJuaktionärinnen der Berliner Sozialdemokratie unter dem Vorsitz der Genossin Mathilde Wurm statt. Die Berliner Frauen- sekretörin, Genossin Käthe Kern, sprach über unsere Ausgaben im neuen Kampsjahr. Nach einem Rückblick über die unerhörten Kämpse des vergangenen Jahres führte die Referentin aus: Weite Kreise bisheriger Nazi- Wähler wenden sich enttäuscht von Hitler ab. Diese Entwicklung zu beschleunigen und aus diesen irre- geleiteten Volksgenossen wahre Soziali st en zu machen, wird eine unserer Hauptausgaben im neuen Jahre sein. Darüber hinaus aber gilt unser Kamps unvermindert der herrschenden Reaktion. In diesem Kampse stehen wir an der Seite unserer männlichen Klassengenossen, unser Kamps für die Frauenrechte ordnet sich ein in den altgemeinen Kampf der Arbeiterklasse. Doppelt hart sind die Frauen von der Wirtschaftskrise und der Sozialreaklion getroffen. Aus den Schultern der Hausfrau, der erwerbstätigen Frauen und Mädchen ruht oft die ganze Last der Sorge für die Familie. Di« Beeinträchtigungen aus dem Gebiete des Arbeitsrechts, des Tarifrechts, der Sozialoersiche- runz, die Kürzung der Arbeitslosenversicherung treffen in besonderer Schwere die Frau, gleichviel ob sie erwerbstätig oder Hausfrau ist. Die letzten Nowerordnungen haben für die erwerbstätigen oerheirateten Frauen den Rechtsanspruch aus Unterstützung fast völlig beseitigt. Dazu kommt eine unerhörte Reaktion auf fast allen Gebieten des Frauenrechts. In der Rechtsprechung der Arbeitsgerichte wird uneheliche Mutterschaft als Entlassungsgrund angesehen, der berüchtigte Paragraph 218 bedroht die Frauen immer noch in unverminderter Härte. Der Einfluß der Frauen in Verwaltung und Gesetzgebung ist ständig zurückgegangen. Lediglich in der Sozialdemokratie ist der Anteil der Frauen stabil geblieben. Wir müssen uns in diesem Jahre mehr als bisher für die Rechte der Frauen auf allen Gebieten einsetzen Unsere Schulungs- und Aufklärungsarbeit muß der Stär- kung des Rechtsbewußtseins der Frauen und Mädchen gelten. Je stärker die politischen und sozialen Rechte der Frauen bedroht sind, um so mehr müssen wir fordern und verteidigen. Die Frauen sind heute aber auch, angesichts des offenen Zusammenbruches des Kapitalismus, durchaus für unsere sozialistische Idee zu be- geistern. Führen wir den Kampf um die Frauen gegen Nazis und Kommunisten, die beide nur von der Verelendung profitieren, und wir werden siegen im Zeichen der sozialistischen Aktion. Die Rednerin ging dann noch näher auf die beson- deren Bedingungen und Methoden der Agitation unter den Frauen ein. Im Anschluß an das Referat entwickelte sich eine außerordentlich lebhafte Diskussion, an der sich zahlreiche Genossinnen mit wichtigen Vor- schlagen für die praktische Arbeit beteiligten. Eine von der Genossin Roeder eingebrachte R e s o- lution wurde einstimmig angenommen: „Die Funktionärinnenkonserenz beschließt, die Frage: Wie schützen wir uns vor Kampfgas?, die neuerdings von vaterländischen Verbänden, ärzt- lichen Organisationen und einigen behördlichen Stellen in einer irreführenden Weise öffentlich behandelt wird, in eigenen Aufklärungsabenden zu behandeln, damit unsere Genossinnen den wah- ren Tatbestand erfahren und im Sinne unseres Programms Stellung nehmen können" Als Frauendelegierle zum Parleilag wurden dann gewählt: Genossin S y d o w mit 239 Stimmen, Genossin Kern mit 228 Stimmen. Genossin Grötzinger mit 176 Stimmen. Mit dem gemeinsamen Gesang der Internationale fand die Konserenz ihr Ende. P. I. Cremers: Die Marneschlacht Mannheimer Nationaltheater Eremers weicht von der bisher üblichen dichte- rifchen Betrachtung des Krieges und des Kriegs- erlebnisses ab: er schildert nicht das Wesen des Krieges, wie es Remarque, Barbusse, Renn taten, sondern die strategischen Hintergründe und ins- besondere die Menschlichkeiten der Obersten und und Allerobersten Heeresleitung. Er gibt eine politische Jnsormationsstunde über die Entwicklung und Strategie der Marneschlacht. Der Zuschauer weiß, welch unabsehbare Folgen der Ausgang dieser Schlacht hatte: Verlängerung des Krieges um vier Jahre und diesen Ausgang, darum folgt er mit gespanntem Interesse dem aufgerollten Plan. Der Autor hat sich nach seinem eigenen Be- tenntnis sowohl in der Zeichnung der Charaktere wie In der Darstellung der einzelnen Situationen wortgetreu an die Geschichte gehalten. Wir er- leben, wie der„Oberste Kriegsherr" den Schlieffen- Plan durchkreuzt und befiehlt daß an der elsässisch- lochringischen Grenze die Truppen verstärkt bleiben, statt von Norden her Paris zu umzingeln, wir erleben auch, wie die Etappe— die Oberste Heeresleitung— den Angriffsgeist stoppt und schließlich der kränkliche Generalstabs- chef Moltke die Verantwortung auf den Oberst- leutnant Hensch abwälzt, der jetzt vor der Ge- schichte als der eigenliche Versager der Marne- schlacht dargestellt wird. Er selbst ist später ge- fallen... Die geschichtstreue Wirklichkeit, die Absicht aus- zuzeigen und zu informieren, wurde bei der Ur- aufführung noch unterstrichen durch die Einfügung einer verbindenden Reihe von Lichtbildern. Inten- dant Herbert Maisch, selbst Fronttämpser, der jetzt im Zusammenhang mit der Besetzung der Jntendantenposten in Berlin, Hamburg, Köln ge- nannt wurde, hat die sieben Bilder auf das stärkste konzentriert. Er oermied es, wie es in der Ab- sicht des Autors auch lag, d's Kluft zwischen Front und Etappe aufzuzeigen, er vermied es, die Greuel und das Grauen des Krieges zu zeigen. Daß trotz dieser kühlen Betrachtung die Urauf- führung einen berechtigten und starken Erfolg er- zielte, lag in der Geschlossenheit der Darstellung, der Spannung, die das Thema m.t sich bringen mußte und an den trefflichen Darstellern, pb. Ltancl der Theaterkrise Im Deutschen Theater spielt die Truppe unter Wintersteins Leitung mit Notkonzession weiter. Der„Prinz von Homburg" bleibt vorläufig auf dem Spielplan und macht, da es eine glänzende Aufführung ist, wie es scheint, volle Häuser, um so mehr, da die Rolle des Prinzen mit einer jungen, vielversprechenden Kraft besetzt ist. Die Verhandlungen zwischen Reinhardt und der voraussichtlichen neuen Direk- tion Achaz-Reft werden sortgesetzt und sollen zu- friedenstcllend sein. Man rechnet damit, daß Reinhardt das nächste Stück selber inszenieren wird. Von anderer Seite verlautet, daß auch mit dem Bremer Großindustriellen R o s e l i u s Ver- Handlungen aufgenommen sind.— Zu einer Krise erster Ordnung wächst sich die Affäre des Rotter-Konzerns aus. Der neue Bank- kredit scheint überhaupt nicht oder nur sehr schwer zustande zu kommen. Im M e t r o p o l- Theater wurde nur noch ein Tell der Gagen bezahlt. Im Theater des Westens wurde gestern überhaupt keine Gage bezahlt. Max Vollenberg trat energisch für die Rechte seiner Mitspieler ein und verlangte, daß heute unbedingt gezahlt werden müsse. Die ganze, sehr kompli- zierte Angelegenheit soll heute abend in einer Presiekonferenz der Bühnenautoren und Kompo- nisten besprochen werden. Bei der Gelegenheit werden hoffentlich die ganzen Fragen der Ber- liner Theaterkrise ausgerollt werden- die hohen Theaterpachten, die Unterpachten, die hohen Ein- trittspreise, die finanzielle Derschachtelung, die Starwirtschaft und der Mangel eines vernünftigen Spielplans. Ludsee-fomst Ausstellung imVölkerkunde-Museum Das Museum. für Völkerkunde schließt sich den Bestrebungen der Staatlichen Sammlungen an, seine Bestände dem allgemeinen Verständnis durch schöne Sonderauestellungen nahezubringen. Bis Erche Februar hat es(im Oberlichtsaal des alten Kunstgewerbemuseums) eine auserlesene Samm- lung von Südseekunst ausgestellt, die zum größten Tell aus der schwer zugänglichen Studiensamm- lung in Dahlem stammt. Hier werden Bildwerke und Gebrauchskunst von den Inseln des Stillen Ozeans gezeigt, die ohne ethnographischen Neben- sinn rein als Kunstwerke wirken sollen und aufs allerstärkste wirken. Keine wissenschaftliche Erklärung kann uns diese erstaunlichen Dinge näher bringen: wer sie„Ver- stehen" will, muß das ohne alle Borausfetzungen tun, rein aus dem Gefühl für künstlerische Werte. Unsere eigene gegenwärtige Kunst gibt uns dazu wohl die sicherste Handhabe: sie ist ja von ähn- lichen Voraussetzungen ausgegangen: seelische Er- schütterurgen in eine Form zu übersetzen, die von sogenannter Richtigkeit und Naturwahrheit nichts wissen will. Ja, der Ausdruck dieser melanesischen und polynesischen Figuren, Schiffsschnäbel, Orna- mentschnitzereien. Federmäntel. Schalen, Tonge- säße, Masken usw. ist wahrscheinlich viel stärker für die, die ihren religiösen und folkloristischen Sinn nicht kennen. Es ist eine Knnst ganz ur- sprünglichsr Elementarerlebnisse, die vom Götter- und Ahnenbild bis zum kleinsten Alltagsgerät denselben Geholt an Uebersinnlichkeit besitzt und uns durch die Ursprünglichkeit ihres Lebenswillens tief ergreift. Wer Kunst zu betrachten weiß, als Ausdruck urmenschlicher naturserner Anbetung überirdischer Kräfte, den wird die grenzenlose Phantastik dieser Gestalten und urwaldhaften Ornamente aufs höchste ergreifen. Hier ist noch Kunst die spontane Aeußerung einer ganz dämo- nischen, den Naturgewalten unterworfenen Seelen- stimmung. Form und Gehalt in unerhörter Weife identisch._ p. f. sch. „Straßauf— Straßab" Und ein Toilettentisch „Straßaus-Straßab" nannte sich eine Abend- sendung der Funkstunde, die unter Leitung von Wolfgang Hofsmann-Harmsch und Georg Schwarz „Aufnahmen vom Alltag der Groß- st a d t" verhieß. Der Hörer wurde in eine Leier- kastenzentrale geführt, die den Leierkastenmännern leihweise die Instrument« liefert, zu Zeitungs- fahrern, zu Ueberlandtran'porten. zu Tippel- brüdern ui.d aus die Börse der Neuheitenhändlcr— oder, wie ihr Spitzname heißt: der Asphalt- s ch a u s p i e l e r. Es gab manche lebendige. manche plastische Szene. Bisweilen jedoch störte das Bemühen der beiden Reporter, auf jeden Fall effektvolle Bilder zu bieten. So ließen sie die aus allen Teilen Deutschlands in Berlin zusammen- kommenden Chauffeure der liebe rlondtransporte lange Berichte in ihrem jeweiligen Dialekt geben, ohne diese Berichte aber durch verständigende Zwischenfragen den Hörern zu erschließen. Ueber- Haupt wurde entweder zu viel oder zu wenig ge- fragt. Wer z. B. hat aus dem Interview des Zei- wngsfahrers ein B'ld von dessen wirklichem Leben empfangen? Die ganze Sendung war weit mehr eine artistische Impression als eine Reportage aus dem Alltag. Doch die beiden Reporter bewiesen in ihr, daß sie es verstehen, Menschen aus den ver- jchiedensten Lebensgebieten vor das Mikrophon zu stellen; sie werden Wertvolleres als diesmal bieten können. Ganz nützlich ist es manchmal, in Frauen- st u n d e n hereinzuhören. Im Programm des Deutschiandsenders wurde diesmal gewchtig der Bau eines Toilettentisches aus einer Kiste erörtert. Dieser Tisch mit seinen An- und Umbauten für Flaschen, Salbenbüchsen und Ständer ist zweifellos vortrefflich geeignet, das leider verdrängte n ppes- besetzte Vertiko in jedem guten deutschen Haushalt zu ersetzen,— 1z. Ehe- und Stil-Wirrwarr Atrium Wenn der Ehemann sich Kinder und die Frau sich Sportrekond« wünscht, gibt das zu manchen Mißhelligkeiten Anlaß Und wenn dann noch ein Onkel, der auf feiten des Mannes steht, und eine Schwiegermutter, die es mit der Frau hält, ver- wirren und eine Freundin alles schlichtet, hat man den Inhalt des Films:„Madame wünscht keine Kinder." Einen Ehekrach reizvoll zu gestalten, verstanden die Amerikaner aus dem ff. Nun sie ihn ton- filmmäßig servieren und mit Schlagern durch- setzen müssen, lassen auch sie nach. Unsere In- dustrie wollte die Ehezwistigkeiten auf deutsch und ganz groß aufziehen. Sie wollte nahezu über- dimensionaj vorgehen, darum wimmelt es von Namen der Komponisten, der Potographen, der Architekten, der Manujtripffchreiber usw. Trotz- dem ist Clement Vautels Roman so verfilmt, daß er uns nie etwas angeht, uns nie packt und allein das Einzelschicksal sehr reicher, verwöhnter Leute schildert. Hans S t e i n h o f f führte keine Regie. sondern ordnete einen Stilwirrwarr an. Er ist für die Zuschauer bestimmt, die zum soundsovielten Mal« über Georg Alexanders (gewollt) dummes Gesicht und sein Kichern lachen können und sich dabei unendlich schlau vorkam- men, weil sie im voraus schon jede Pointe wissen. Liane Haid ist immer die blendende Schönheit, Lucie Mannheim ober versteht fabelhaft zu spielen. Erika G l ä ß n e r gefällt als Vulkan der brodelnden Leidenschaften und Otto Wall- bürg verschluckt sich zur allgemeinen Heiterkeit mal wieder an seinen eigenen Worten. Hans Moser wirkt in semer kleinen Rolle sehr stark. e. d. Violinvirtuose Willy Burmester gestorben. Einer der namhaftesten Violinvirtuosen der Gegenwart, der Hamburger Willy Burmester, ist in Ham- bürg am Montag im 64. Lebensjahr einem Herz- schlag erlegen. Als Sohn eines Musikers in Ham- bürg geboren, trat Willy Burmester schon als Kind öffentlich auf, machte seit 1886 Konzertreisen, war 1890 Konzertmeister in Sondershausen und lebte dann in Weimar, Helsingfors, Berlin und zuletzt in Hamburg. Im Zentral-Iheater findet am Freitag die Urauf- fühnina der Komödie„Narren des R u b m s" von Karl Georg Külb statt. Die Komödie, die sich mit dem Fall Daubmann pivcholcgi'ch auscinanderzusehen versucht, ofrne sich sklavisch an die historisiben Begebenheiten zu halten, wird von dem Autor inszeniert. Die Kamera zeigt ab Dienstag in Neuaufführung „Ten vierte- Musketier" mit Douglas Fairbanks. Schleicher überlegt „Na, welcher sticht wohl welchen?" Ne? Weg zur Partei Von unserem Korrespondenten. Breslau. 17. Januar. In der schlesischen Weberstadt Langen- bielau ist der dortige langiährig« Partei- sekretär der Kommunistischen Par- t e i G r a n s a l k e zur Sozialdemokratischen Par- tei übergetreten. Gransalke, der als Mensch unter der Langenbielauer Arbeiterschaft Vertrauen ge- nießt, hatte sich schon seit geraumer Zeit in Gegen- satz zu seinen Parteiinstanzen in Breslau und Berlin gebracht. Beispielsweise hatte er sehr hef- tige Kritik an dem Verhalten der KPD. während des letzten Streiks der LanaenbieiauSr Textil- arbeiter geübt. Die kommunistischen Bonzen ver- suchten seinerzeit, den Streit unter allen Um- ständen zu forcieren und versprochen den Ar- beitern, daß man all« 2600 Streikenden während der Arbeitsniederlegung unterstützen und ver- pflegen werde. In Wirklichkeit erhielten nach Aus- bruch des Streiks 69 Arbeiter' täglich 1 Liter Suppe. Schon damals hatte Gransalke öffentlich erklärt, daß er derart gewissenlose Praktiken nicht weiter mitmachen werde Die Ausnahme Gransalkes in dlc Sozialdemo- kratifche Partei erfolgte am Sonntag In einer Kreiskonferenz der SPD. in Re'chenbach. Gran- falle begründete seinen Antrag in längeren Aus- führungen über das verlogene E'nheitsfrontgeschrei der Kommunisten und berichtete u. a., daß die Sekretäre der Kommunistischen Partei noch wäh- rend der letzten Wochen in mehreren vertraulichen Rundschreiben von der Berliner Parteileitung an- gewiesen worden seien, die Einhzitsfrontlosung lediglich als Agitationsschlagwort zur Aufputschung der Arbeiter gegen die Eiserne Front zu benutzen. „Die Frau im Recht." In der volkstümlich- rechtswisienschaftlichen Schriftenreihe des Verlages I. H. W. Dietz Nachfolger erschien nunmehr ein viertes Bändchen:„Die Frau im Recht." Darin sind die mannigfaltigen Bestimmungen des privaten und öffentlichen Rechts, welche für die Frauen besondere Bedeutung haben, namentlich die Fragen des Ehe- und Scheidungsrechts, in klarer Weise erörtert. Der Preis des solide in Leinen gebundenen Buches ist 2,Sv Mark. Die Tätigkeit des Lühnennachweises. Für die Saison 1932 33 wurden 43S9 Vakanzen besetzt, und zwar: 1939 Saisonverträge, 347 Reenga- gements, 813 Filmabschlüsse, 390 Ensemblegast- spiele, 1339 Einzelgastsviele(In- und Ausländ). Prozentual ergaben sich gegenüber der Saison 1931'32 folgende Steigerungen: Saisonabschlüsse etwa 23 Proz., Filmäbschlüsse etwa 89 Proz., Ensemblegastspiele etwa 39 Proz., Einzelgastspiele etwa 399 Proz. Das Reichsehrenmal in Berka. Für das Reiche- ehrenmal in Berka sind die Neubearbeitungen der zwanzig im ersten Wettbewerb ausgewählten Künstler eingegangen. Die Entscheidung über die endgültige Ausgestaltung wird vom 18. bis 23. Ja- nuar 1933 getroffen werden. Nach Bekanntgabe der Entscheidung wird eine öffentliche Ausstellung stattfinden. Belgische Kunstausstellung. Die seit längerer eit vorbereitete Ausstellung„19 9 Jahre elgischer Kunst" findet in den Räumen der Akademie der Künste in den Monaten Januar und Februar statt. Sie wird von der belgischen Regierung in Gemeinschaft mit der Preußischen Akademie der Künste veranstaltet. Die Aus- stellung wird Malerei, Plastik, Zeichnungen, Graphit und illustrierte Bücher umfassen. Der Ueberblick über die ältere Malerei beginnt mit Louis Gallait, einem der Houptvertreter der belgischen Historienmalerei. Die Eröffnung er- folgt am 21. Januar. Im Schauspielhau» Stefilitz beginnt Freitag, 8>4 Ubr, das Gastiviel Harrv Liedtke in dem Lustspiel von Leo Lenz„Der Mann mit den grauen Schläfe n". Schutz 6en Mietern! Sozialdemokratische Forderungen im Reichstag 5n der Mieterschast ist in den letzten Monalen eine wachsende Beunruhigung darüber entstanden. daß am 1. April dieses Jahres das Re'chsmieten- gesetz und das Mieterschutzgesctz ablaufen, so daß die Mieter von da ab auf die sozial völlig unzu- länglichen Bestimmungen des Bürgerlichen Gesetz- buches angewiesen wären. Deshalb hol die s o z i a l d e m o k r a l i s ch c Fraktion im Reichstag bereits Ansang De- zember vorigen Zahres einen Antrag eingebracht, der die Verlängerung des wohnuagsnuinoelgesetzes, des Reichrmielen- gesehes und des ZNleierschuh g e s e h e s bis zum Zl. März tSZz sorderl. Gleichzeitig hatte der sozialdemokratische Reichs- tagsabgeordnete L i p i n s k i in einem Briese an den Reichsjustizminister die Regierung um Dar- legung ihrer Stellungnahme ersucht. Daraufhin hat Lipinski unter dem 11. Januar vom Reichs- j u st i z m i n i st e r eine Antwort erhalten, die wir ihrer grundsätzlichen Bedeutung wegen im Wort- laut wiedergeben: �Zlach der Verordnung des Reichspräsidenten vom S. Dezember 1311. 2. Teil Kapitel IV Artikel VIII sReichsgefetzbl. I S. öSg. 7031 hängt das Auherkrasttreten des Relchsmietengcsetzcs und des Mieterschuhgcsches davon ob, daß bis zum 1. April d. Z. ein Gesetz in Kraft tritt, wodurch die Vorschriften des Lürgerllchcn Gesetzbuches über die Miete unter sozialen Ge- sichtspuntlea ausgestaltet werden. Lb die Verabschiedung eines derartigen Gesetzes bis zu d-m erwähnten Zeitpunkte möglich ist. erscheint auch mir zweifelhaft. Schwierigkeiten känoen sich hieraus nicht ergeben, da die beiden Gesetze in Geltung bleiben, solange jene voraus- sehung nicht erfüllt ist." In diesem Schreiben des Reichsjustizministers ist vor allem der letzte Satz von entscheidender Bedeutung. Er spricht klipp und klar aus, daß die Reichsregierung die Mieterschutz- gesetze nicht eher außer Krast setzen kann, bis das in der Notverordnung selbst vorgesehene Gesetz zur sozi- alen Ausgestaltung des bürgerlichen Mietrechts in Kraft getreten ist. Es wird jetzt Aufgabe des Reichstags sein, ein solches Gesetz über ein soziales Mietrecht mög- lichst bald zu verabschieden. Die s o z i a I d e m o- krotische Reichstagssraktion hat in einem Antrag vom 6. Dezember bereits wich- tige Vorarbeiten für ein solches Gesetz vorgelegt. Kürzung des Tarisgehakts Durch �rheitszeitverkurzung Bor dem Reichsarbeitsgericht klagen mehrere Angestellte der Vereinigten Stahlwerke, well durch Verkürzung der Arbellezest von 48 aus 4l) Stunden ihre Tarifgehälter gekürzt wurden. Die Arbeitszell wurde um 13 Proz. gekürzt und hie Bereinigten Stahlwerke kürzten dement- sprechend ohne weiteres auch die Gehälter um 13 Proz. Die Kläger verlangen das bisherige Toriszehalt Durch den Tarisverlrag sei die wöchentliche Arbeitszeit mit 48 Stunden festgelegt worden, dar- aus ergebe sich für jeden Angestellten ein Recht auf volle Bezahlung dieser Arbeitszeit, auch wenn üie Dienste nur während der verkürzten Arbeits- zeit in Anspruch genommen würden. Da- Tarif- gehzst sei ein Mindestgehalt. Wollten die Unternehmer Kurzarbeit mit bleich', eiliger Gehaltskürzung einführen, so sei das durch besondere Vereinbarung mit den einzelnen Angestellten oder im Wege der Kündigung nicht aber durch eine Betriebsvereinbarung möglich. Das Reichsari ellegericht wies die Kläger a b. Es ist der Ansicht, daß eine Betrieb-vereinbarung mit keiner tariflichen Bestimmung in Widerspruch stehe. Würde von den Unternehmern die tarifliche wöchentlich« Arbeitszeit von 48 Stunden gekürzt, so können auch die Gehälter prozen- tual gekürzt werden. Ein Recht auf volle Bezahlung bei verkürzter Arbeitszeit habe der Angestellte nicht.(RAG. 434/32.) Arbeiter in AGA. Line geschichtliche Studie Als erster Teil einer geplanten Gesamjdar- Verstellung der amerikanischen Arbeiterbewegung oerösfentlicht Arvid charnack im Verlag Gustav Fischer, Jena, ein Buch, das unter dem Titel„Die vormarxistische Arbeiter- bewegung in den Bereinigten Staa- t e n" ewen ausgezeichneten Ueberblick über die frühen Arbeiterorganisationen gibt. Harne ck verfaßte seine Untersuchung in der Hauptsache aus Grund amerikanischen Ouellenmat.rials, das ihm während eines längeren Ausenthalts in Amerika zur Verfügung stand Unser bisheriges Wissen über die Entwicklungszusammenhänge der amen- konischen Arbeiterorganisationen wird somit wesenllich bereichert. Die Untersuchung umreißt zuerst den ökonomisch-polllischen Hintergrund. ohne dessen Kenntnis die Geschichte der dortigen Arbeiterorganisationen unverständlich l liebe. Das erste Kapitel der Schrift wird zu einem gedräng- ten Ueberblick der Wirtschafte- und Gesellschaft!;- geschichte der USA. vom Ausgang des 18. Jahr- Hunderts bis zum End« der fünfziger Jahre des 13. Jahrhunderts. Die folgenden Kapitel berich- ten über Aufftieg und Niedergang der mnerikani- Rundfunk am Abend Dienstag, 17. Januar Berlin: 16.13 Valerie Merck: Eigeno Arbeiten. 16.30 Aus Dessau: Nadnnittags- konzert. 17.39 Arbeitsfront der Frauen. 17.45 Die junge Generation. 18.03 Hugo Wolf. 18-30 Büdierstunde. 18-55 Die Funkstunde teilt mit 19.00 Stimme zum Tag. 19.10 Unterhaltungsmusik. 20.00, Juana'(Oper von Georg Kaiser). 21.00 Zehn Minuten Funkhilfe(EL Nesper). 21.10 Heitere Stunde. 22.13 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Aus Flensburg; Spätkonzert Königs Wusterhausen: 16.00 Für die Frau. 16 30 Aus Leipzig: Nadirnittags- konzert. 17.10 Bismarck und Boetticher. 17.33 Tägliches Hauskonzert. 18.00 Volks» wirtsdiaftsfunk. 18.23 Einführung in die Beethoven-Sinfonie Nr. 1. 18.55 Wetterbericht. 19.00 Seelische Erkrankungen. 19 30 Das Gedicht. 20.00 Aus Breslau: Volksschicksal im Sudosten. 21.00 Aus Hamburg: Deutscher Volksmusikabend. 22.00 Wetter-, Tages- und Soortnach richten. 22.45 See- Wetterbericht Sonst: Berliner Programm. Vollständiges Europanrogramm im..Volksfunk", monatl. 96 Pf, durch alle„Vorwärts"- Boten oder die Postanstalten. Ichen Arbeiterbewegung, von den ersten Schnh- machergewerkschaften, die sich schon zu End« des 18. Jahrhunderts organisierten, bis zum Zu- sammenbruch des W e i t l i n g scheu Arbeiterbundes. Mit dem Sieg des industriellen Nordens über den großagrarischen Süden Amerikas ver- lieren die kleinbürgerlichen Ideen, wie sie Proudhon und Fourier vertraten, inner- halb der amerikanischen Arbeiterschaft an Einfluß und der Einfluß der Marxschen Ideenwelt macht sich bemerkbar. Bor ollem war es Sorge, der für den marxistischen Sozialiemus in Amerika warb. Aber bis in die jüngste Vergangenheit blieb der amerikanische Arbeiter individualistischer als sein europäischer Kolleg«, aus Gründen, die aus die völlig verschiedene soziale und ökonomische Geschichtsentwicklung Amerikas zurückzuführen sind. Man erwartet mll Interesse nach diesem Buch die Fortsetzung von Harnack, Arbeit. J. P. Mayer. Wetter für verlin: Vorwiegend bedeckt, gering- fügige Schneesälle bei östlichen Winden. Wieder etwas kälter.— Für Deutschland: In Süd-, West- und Mitteldeutschland wieder sinkende Tem- peraturen, verbreitet leichte Schneefälle: im Nord- osten sehr kalt Unterstühungsberechkirk in Italien sind von 1 130 000 Arbeitslosen— 90 000 mehr als im De-ember— 298 000. Der kleine Rest von 832000 Arbeitslosen ist also nicht unter st ützungsberechtigt. Zo Wien ist die Zahl der unterstützten Arbeits- losen in der ersten Hälfte des Januar um 6960 auf 141 63 4 gestiegen. Damit ist der Stand um 19 947 höher als im Vorjahre, wo in der gleichen Zeit ein Ausstieg um 6900 zu verzeichnen war. Die Zahl der Arbeitslosen in Dänemark beträgt nach der letzten Zählung 178 300. In der letzten Woche war eine Zunahme um 300 zu verzeichnen. Berannvortlicd für Politik: N»voll? r e n d e m ü d l; Wirtfchast:<3..Klingelböfer: Gewerkfchaflsbe» wegung: I. Sieinei: fZeuillelim: H e r b e r i He» P 6 r f; bekales und Scnsliges: st r t y kl o r ii ä d«; Anzeigen: Lite H e n g si: söniilich in Berlin Ber- log: Borwärts-Verlap K m b v Berlin Druck: Borwärts-Pi'chdrnckerei n. Verlcgsonnali Paul Singer n Co., Berlin SW. 08. Lindenstr 8> Beuigs- bedingungen und Anzeigenpreiie werden in jeder Morgen-Ausgabe des..Borwöris" veröffentlichl. Hierzu I Beilage. 1 PROGRAMM iör die Zeit vom 17. bis 19. Januar-- K I N O-T A F E L PROGRAMM lht die Zeit vom. 17. bis 19. Januar ©OG BTL Potc damer Str. 38 Abenteuer Im Bngadln mit Gaxel L-ancscbner, Walter Klnil Jugendliebe haben Zutritt! W 5, 7, 9 Uhir BTL Turmstraße 12 Wcdd die Liebe 9kode macht mit Kenate Müller« Georg Alexander, Otto Wallburg W. 5, v, 9 Uhr BTL Alexanderstr. 39 { Pa»»uc:e 1 leb bei Tag und du bei \acht nrll li&the v. Nagy, Willy Fritscb. Ida Wüst Den ganzen Tag geölfnet.' Alhambra MDlIerslr 196. Ecke Seestraße. Helgas Fall und Aulsties mii Greia Gar»«.— liicutc \acfat gehts las(Zigeuner der N'achl) m.t-enny..ugo, Hans Brause« eitcr W. ob 4.30 Uhr 0deon.PotcdamerStr.7S Baby mil Anny Ondra und den Slngiiijr Babys VV. 5. 7, 9 fbr Kant-Lichtcpiele Charl. Kanistr 54 Da» Blaue vom Himmel mit Hartha Effg-erth, Hermann Thimlg:.— An bellixen Wassern m t Karin Hardt, 11. A. v. Schlcttow Jugendliche haben ZuLritl! W. 5. 7. 9 Uhr Germania-Palast Charl. Wilmersdorfer Sir 63/54 Elebe aiif den ernten Ton mit Leo Parry. Carl. oben. — Gcntlcinan für einen Tag W. 5, 7. 9 Uhr Primas-Palast Potsdamer StralJe 19- üraufführ! Tarr-an, der Herr de» Urwald» mit Johnny Wel*miiliep W. 5.15, 7.15. 9.15 Uhr Friedrichstact Die Kamera Beginn 3, 5, 7, 9 Uhr L'nler dei Linden 14 Die-1 Musketiere mit Douglas Falrbanks.— Der Boß mit Will Boxers Gtnrgensirtne. E. Friedricbslr Franziskaner Um 9. 12. 3. 6. 9 Uhr beginnend: Das Abenteuer d. Thea Bola id mit I/Il Daeover Um 10.30. 1.30. 4.30. 7.30 u. 10.30 Uhr Schloß Im flond mit Haurlee Chevalier. Jeanette Bac Donald Neueste Ton-Worhensrbau Kolonncden-Kino Rheincckloß-Lichtspisle Rheinslr 50. Woch. 5. Slg. 3 Uhr Nur drei Tage: Der welOe Dämon mit Hans Alber».— Gr. Tonbel- prosramm > Schöneberg> Flora-Tageskino Ab 10 U. leUte 9t4 Hauplst: 114 Ich bei T i t und du bei Xacht. — Riehard Tauber singt Scfau- berllieder Atrium Tonfilm- Tageskino Leipziger Sir 58 Ab 9 Uhr vorm Da» Geheimnl» de» blauen Zimmer« ort Tb. Hoo» Else El«tcr, ▼, Schlcttow.— Ton- filmbelprogr.— Wochenschau j ■ Ment.lt j Arfn-hnf Cochem ab 6 Uhr HTlUullöl Sonnlaus ab 5 Uhr Perleberge r Str. 29 2 Großtonfilme; Der Champ CWelt- rae'sler).— Bu»tcr rutscht in» Filmland mit Buster Keaton � Ii arl � Schlüter-Theater s,«dsfa u. Schlfllerslr 17 2 Großlontilme: Traum v. Kchßn- brunn mit Ii. Thimlg— Mplone im Savoyliotel mit H. Adalbert | Wllmersdor���J Wncbem 1. 914 U Sig j. 7 9>4 U Kaiseraltce. Rfke B-1, linct SiraOe Uraufführung: Madame wönseht keine Kinder mit Liane Haid. Lucie Mannheim Ucotk Alexander. Otto Uuliburg,— Ton- (Ilm-Beiproeramm ���eWendorMlltti�� 7-/: Beg. ,SzI. 5. 6.30, 9.10 Uhr Cell Sonnt. 3 Uhr Jugendvorst. Potsdamer Straße 56. Die verkaufte Braut mit J.>» votna. Do:ii)craf-Faßbuender,— Husarenliebe ■ S t e g 1 1 1» O Titania-Palast sieelitr SehloBslr S EfkeGiilsinnlhsslr lloebzeitsreise r.n Dritt ml Brirritte Helm. Oskai Karl- weiß, Susi I, anner.— Tonfilm bet-ro-ramm � frledenaii��� Kronen Lichtspiele Rhe'nstr 6A Täglrb 5 7. 9 Uhr. Sonnt, ab 3 Uhr Krün Ist die Heide m l C Spiro, Voß, Loos, Kampers— Beipr. Jugendlich# hoben Zutritt! Titania Schcneberg"9 vhl Hauplstr. 49. Stg. 3, 5. 7. 9 Uhr Zigeuner der Xacht mit.Jenny '*viffO, H n» Bracsewrttcr.— Tonbeipro�ramm.— Cfatonw. Tnrmn Wochent 5. letzte 9M U. lUTJTia Sonntags ab 3 Uhr Hauplslr 144 Baby mit Anny Ondra. Ad. Wohlbrück und die Singring- Baby».— Tonbclprogramm > Marientfor»"fr /•.flarlendorfer W 7. 9. Umijt Tonlirhtnpielo S 5. 7. 9 Ubsii�seestr 395 2 Ton/'Ime- Paprika mit Fran- ziaka Ga�l, HCrbig-cr.— Traum ron Schönbrunn mit Hartha Egr�erth � p Ifn-rfürct*'. 9. Sbd Stg 0.7,9 Rurrarst Z(ihr Zg� Vorn Dnrf�lraße Q R�-Iin�r Vfraßp Helxa» Fall und Aufstieg: mit Greta Gar öo.— Gutes Tonbei- programm Tivoli Täglich. 4. 7. 9 Uhr Sonnt: 3. 4 7 9 Uhr lerliner Strafte 97 Gr&n ist die Heide mit f'amilla Splra.— Die erste Instruit tlonsstnnde. Jugendliche haben Zutritt! Film-Palast Kammersäle Tellower Str. 1. W. ab 45v. S. ab 3V4 2 Groftlonlilme: Abenteuer im En- trudln mil Lantsehner.— Sein kleiner Kamerad m. T. Keene Neukölln Excelsior W 5 letzte 9 Uhr raliaa um s a. letzte 9 Uhr Baerwaldstr. 17 Helbas Fall und Aufstieg: mit Greta Gar o.— Das Testament des Cornelius Gulden ml na«rda Schneider. Georg: Alexander. D*_/? Film und Hfihne illjOll Lergmannsiraße 5/7. W. 5-30. leut« 9 U.&. 3-30. teute 9 U. 2 Großlonfilme: Baby m't Anny Ondra.— Krimina. tomiim: Sirenen tun JlltceraAcbt Woch. ab 6H Sonnl. ab 4 U. Kaiser Fricdrich-Slraße 191 Filmvcrrüekt m't Harold Lloyd — Tonbcipro�ramra Jugendliche haben Zufrittl Koltbusser Damm 92 liURUR w. ab 6�, Stg ab 4 Uhr Der Diamant des Zaren mit Liane Haid. Ivan Petrovlch.— Tonbeipro gramm Mercedes-Palast sL." u& Hermannslr. 212 2 Großlonfilm«: Die unsichtbare Front— Wenn du noch eine Tante hast mil 51. Dreßler Primas-Palast"suhr Am Hcrmannplalz. Urbanstr 72/76 Haby mit Anny Ondra.— Sen«a- lions-�onfilm: Radlo-Pollzclpa- troollle Stern, Hermannstraße 49 Wochent. ab 6Vs U. Sonnt, ab 4 U. Die blonde Venus mit üfarlene Dietrich(Regie Slemberg).— Ton beiprosramm Südosten Deatsch-Amerik. Theater Köpenlcker Sir. 68 Wochent. 4. 6 7.25. 9 Uhr Abenteuer der Thea Roland mit Lil Daeover— Zigeuner der Nacht mit«tenny.ku�o Filmeck W. ab 6'� U. Stg. 3 Uhr Am Görülzer Bahnhof Gehetzte Renschen mit Eugen Klopfer, Hans Feher Das reizende Tonfilm Lustspiel: Der Lausbub Luisen- Theater Hhr Reichcnberger Str. 34. firofttonfüm: Grün Ist die Heide mll Camilla �pira. Peter Voß Harold Lloyd: Filmverrflekt Jttsendiiche haben Zutritt! Stella-Palast Kiipenicker Straße 12/14 Wochtgs. 6.30. Sonntags ab 3 Uhr Carl L. DlehK Trude v. Tlolo in dem Spionage-Großlonfilra Die unsichtbare Front Llly Damita In dem Tonfilm-Lustspiel Jladame verliert Ihr Kleid Treptow-Sternwarte Mittwoch 8 U�r. Donnerstag 8 Uhr: Winter'reuden In Deutschland. Film von den Natursohönheitcn der Berge W O« t enM— Germania-Palast\'b' u: Frankfurter Allee 314 2 Tnnf'Ime! 2 Volltreffer! Dns Gcspenstcrsehlff (Das Schiff ohne Hafen) m!t Harry PIcl Greta Garbo in ihrer neuesten TonschöpfunÄ in deutscher Sprache: Helgas Fall und Aufstieg Lana-Palast Aüsu abL3hu Gr. Frankfurter Str. 121 Die unsichtbare Fr,.nt u'i C. L. D2ehl, Tr. v. �lolo— I Hinute vor 12 mit Tom Mix Flora-L'chtspiele ÄTT' W 4.30 ca. 7. 3.30 Uhr. IIa. ab 3 Uhr Das Abenteuer der Theo Bo- land mit!-!> Daxover.— Pa- prika(Das Glück kommt mir einmal im Leben) mit Franziska Goal Schwarzer Adler a,™1"«. W. 5, 7. ca. 9 Uhr. S. 3, 5. 7. 9 Uhr Die Frau im Dienste der Sp'onage Die unsichtbare Front (Kein Kriegsfilm) mit Ale.xa r. Fnxstrom, Trude v. Holo Carl Ludwig: Die hl Line Hinnte vor 12 mit Toni.71 is. Viktoria-Theater su�b u-" Krankfnrler Allee tf* 2 TonfVme: Controrllla.— Schritt und Tritt mit Fat u Patuchon Jugendliche haben Zutritll d FrlcdrichsTeldo�J Kinn Rn*rh Mont.-Donn.6U. tlino DUSCn Freit-Stg. ö Uhr Alt Fnedrichsfclde 3 Johann Strauß mit Lee Parry, Jlieh. Hohn n, Paul HCrbigcr. — Vollblut(Spann. Rennbahnfilm) JugenJilche haben Zutritll Volks-Kino Königstadt Schönhauser Allee 10. Täal. 4. 7. 8 D. Die blonde Venu* mit Marlene Dietrich.— Tonbeiprogramm. — Bühnensehau �rieu-Uentenbet�J Kosmos-Lichtspiele lef,�«-' Lückstr. 70 So 2*/«: Jßd. Vorst. Eine von uns("Nach dem Roman GSM) nvl Brlg:. Helm.— Scherben bringen Glück mit F Bols W Pankow> Palast-Theater wc 7. sh u. Breite Sir 21a. Grün Ist die Heide mit Camilla 8plra. Th. Loos. Fritz Kampers.— Wehe, wenn er losgelassen Tivoli Kordesten M »• W. 4.14. ii 24. 9.14 U Slam S. ab Uhr Prenzlauer Aüe#» 56 Die unsichtbare Front m't C L. Dlcbl. Tr v Hofo- Eine Xlnnle vor 12 mit Tom 3lix Wochcniai?& f 30. 9 IHir Sbd. Sonnl ab 4.3C Uhr Berliner Str. 27 2 Großtonlilmc: W olkenstürmer— Bring sie lebepd heim! W T e q• I Filmpalast Tegel v al � Bahnhofstr 2 Stg 2 U. Jgd. Vorst Das Blaue vom Himmel mit H. Thimig. JI. Eggerth— Bring sie lebend heim! W ab 6 Uhr S 4V4 6�.8% KoSmOS Bühne HauplstmUe 6. Kampf mit Hanfred v. Brau chitsch.— Cfa-\ orprogramm. — Tonwoche Union-Theater �«4 HaupJstrsite 0 Zwei In einem Auto m't Ha�rda Sc!ineider. C. L. Bichl.— Gr. Tonoeiprogrumm Henniqsdorf Filmpalast!£ Berliner Sir 49 CUyl(E'ne von un«) m't Brigitte Helm Gcstav Dleßl.— Ton- belprogramm Silage DIENSTAG, 17. JAN. 1933 Motwerk der arbeHslofen Jugend WrWfche Anmerkungen/ Don Stadtrat W. Sriedländer tßerlin ber Dur kch den Aufruf des Reichspräsidenten und Reichsregierung, der den Lesern des„Vor- �2" durch die Veröffentlichung vom 27, De- »tnbcr 1932 schon bekannt ist(Nr. 608), ist aus �gung namentlich der freien Gewerkschaften . n der Regierung anerkannt worden, daß die tyvere Not der arbeitslosen Jugend Hilfsmaß- »Men dringend erfordert. Die bisher auf diesem . sbiete bestehenden Einrichtungen, namentlich die ungskurs« der Jugend- und Arbeitsämter, der iwerkschaften und freien Jugendorganisationen, ' sreiwillige Arbeitsdienst und die recht probte- ■ tischen Uebungslager, die vom Reichskuratorium y> ��endertuchtigung eingerichtet worden sind, sich offensichtlich alz ungenügend er- �s«n. Mit Recht ist deshalb der Gedanke eines .J?' Werks der deutschen Jugend de- �wgt worden,, das Gelegenheit zu ernsthafter, iR�.icher Arbeit, zu geistiger und körperlicher Nötigung und zur Ausgabe einer täglichen, , m«msamen warmen Mahlzeit für die arbeite- Jugend führen soll. Es scheint indessen not- iib � neue Vorhaben auch unter kriti- Gesichtspunkten zu betrachten, um vor -1 eW falschen Optimismus zu warnen und auf °>ne � �'nzu wirklich soziale Ausgestaltung des Notwerks wirken. >>t �i Die Organisation des Notwerks gestaltet, daß der Reichsarbeits- "> st c r für die Verwirklichung des Notwerks �'wndig ist und mit der Durchführung den ��si Kenten der Reichsanstalt für . �deitsoermittlung betraut hat. Der Präsident p* Reichsanstalt hat die Landesarbeitsamts- p?üdenten mit der praktischen Einrichtung be- ,'�gt. die wieder die Vorsitzenden der Arbeits- tht!'1 öu der örtlichen Realisierung der Pläne �stunint haben. Es ist an dieser Stelle schon .wähnt worden, daß nach dem Erlaß des Präsi- wen der Reichsanstalt in den Bezirken der i�Wnen Arbeitsämter Arbeitsgemein- �«ften gebildet werden sollen, die zur Durch- dNrng des Notwerks die Arbestsämter, Jugend- . w* Wohlfahrtsämter, Berufsschulen, freie Wohl- Arts- und Jugendpflege, auch die Winterhilfe, � östliche und Lehrerschaft, Jugend- und Berufs- pfände zusammenfassen sollen. Die Bildung Arbeitsgemelnschoften wird an vielen „,'steil keine arbeitsfähigen Körperschaften er- m Erlaß genannten ist, wenn man be- konsequent die Unterstützung all der Bestrebungen abgelehnt werden, die solche parteipolitische, namentlich auch eine staatsfeindliche Beeinflussung im Auge haben. Neben der erwähnten vier- stiindigen Beschäftigung der Jugendlichen wird vorgesehen, daß die jungen Menschen zunächst sich bei der Beschaffung und Zubereitung der gemein- samen Verpflegung, bei der Instandhaltung ihres cheims und ihrer Arbeitskleidung betätigen sollen. Ferner soll geprüft werden, ob die Jugendlichen in Gruppen auch zu Helferdiensten bei den Einrichtungen der öffentlichen und freien Fürsorge, die sich nicht zur Anerkennung im frei- willigen Arbeitsdienst eignen, eingesetzt werden können. Das Notwerk ist also hier offensichtlich als eine Art Ergänzung der schon vorhandenen Einrichtungen, namentlich des sreiwilligen Arbeits- dienftes, gedacht. Sozial zu begrüßen ist die An- regung, daß jugendliche Arbeitslose, die keinen Rückhalt in der Familie haben, durch die Einrichtung von Tagesheimen gefördert werden sollen. Leider lassen die bis- herigen Bestimmungen für das Notwerk, nament- lich die Bereitstellung von nur 9 Millionen Mark aus Reichsmitteln, die Frage ungelöst, wie die geschilderten Pläne ernstlich verwirklicht werden sollen. Bei den bisherigen Bestimmungen ist die Beihilfe. die durch die Arbeitsämter den Maßnahmen des Notwerks in Aussicht gestellt ist, aus den Betrag von 15 bis 25 Pf. pro Kopf und Tag beschränkt. Jedem Praktiker der Jugendpflege leuchtet ein, daß es völlig unmöglich ist, mit einem so g e- ringfügigen Zuschuß die Aufgaben des Notwerks zu erfüllen, die eine wirtsame Hilfe für die Jugendlichen durch berusliche Ertllch- t i g u n g in ernsthafter praktischer beruflicher Bildungsarbeit, durch gemeinschaftliche Verpflegung und Hilfe zur Erhaltung und Ergänzung ihrer Arbeitskleidung, durch spart- liche Betätigung und durch g e i st i g e Anregung und Fortbildung verlangen. So sehr dieser Grundgedanke zu begrüßen ist, läßt er sich keinesfalls auch nur annähernd mit den un- genügend bereitgestellten Mitteln verwirklichen. Das Notwerk soll also aus Reichsmitteln nur eine kleine Beihilfe gewähren und erwartet, daß alle übrigen Kosten, namentlich für die Schaffung und Einrichtung der Heime und Werkstätten, für die Lieferung des Materials, für Heizung und Beleuchtung, vor allem auch für sachgemäße An-' leitung und Führung durch die eigentlichen Träger des Notwerks übernommen wenden. An dieser ökonomischen Stelle ist das schwierigste Problem des Notwerks zu sehen. Sowohl die Organisationen der freien Jugendhilfe, die Jugend- und Sport- verbände, als auch die Träger öffentlicher Ein- richtungen, Jugendämter, Berufsschulen, werden trotz ihrer ideellen Bereitschaft zur Hilfe für die Jugend bei ihrer heutigen finanziellen Lage kaum imstande sein, in großem Ilmsange die hier not- wendigen erheblichen Mittel dauernd aufzubrin- gen, um das Notwerk in dieser Weise zu verwirk- lichen. „Kameradschaften von jungen Arbeitslosen", die in dem Erlaß der Reichsregierung ausdrücklich aufgefordert werden, sich zu Trägern des Not- werks zu machen, und die aus Jugend- und Berufsverbänden aller Art hervorgehen, sofern sie keine staatsfeindlichen Ziele verfolgen, werden bei allem guten Willen und aller Bereitschaft, den arbeitslosen Jugendlichen zu helfen, kaum die notwendigen wirtschaftlichen Unterlagen für die geschilderten Aufgaben des Notwerks ausbringen können. Namentlich den besonders betreuungs- bedürftigen Jugendlichen, die keinen Anhalt in ihrer Familie haben, in Schlafstellen wohnen oder sonst ohne Bindung sind, wird durch solche kurz- fristige Tätigkeit mit einer warmen Mahlzeit am Tage nur dann gedient sein, wenn wirklich die Schaffung eines Heims als Grundlage ihrer Betreuung gelingt. Für die weitere Durchführung des Notwerks. dem sich auch die Organisationen der Eisernen Front, namentlich die Jugendverbände der Arbeiterjugend, der Arbeitersportler und der freien Gewerkschaftsjugend mit großem Interesse zuwende», wird deshalb von großer Bedeutung sein, ob die Reichsanstalt ihre Be- stimmungen über die knappe Zuwei- sung der Beihilfen einer n o chm a l i g e n Prüfung unterzieht. Die in Aussicht ge- stellten Beihilfen stehen in so krassem Widerspruch zu den bekanntlich schon keineswegs üppigen Zu- schüssen, die im freiwilligen Arbeitsdienst gegeben werden, daß aufs ernstlichste untersucht werden muß, ob nicht ein angemessener Zu- schuß im Interesse der arbeitslosen Jugend weit größere Erfolge ver- spricht. Qerichtshilfe in der Jirife &eftitellungen/ Don Warfe fflirich 'n, weil der Kreis der in k 'rjvnen ein viel zu großer welche Fülle von Organisationen unter den ,'■atinteii Gruppen, mindestens in größeren �bten und Jndustriebezirken vorhanden sind. ip"5 diesem Grunde ist es ratsam, daß für die vorgesehen j.... kleinen Arbeitsausschuß mit der .'st'ntlichen Bearbeitung des Notwerks zu beauf> > st den erc Durchführung als zweckmäßig '''inen r ntlic ,,a9en, als dessen Vorsitzender nicht notwendig Dos starte Anwachsen der Arbeitslosen hat alle die Einrichtungen, die sich mit der Gerichts- Hilfe befassen, in eine neue Situation gestellt. Nicht etwa ist der Zusammenhang zwischen Kriminalität und Arbeitslosigkeit das vollkommen Neue dieser Lage. Im Gegenteil: Soweit bereits Zahlen vorliegen— für die Reichsstatistik fehlen gegenwärtig noch die entscheidenden Krisenjahre— kann keineswegs geschloffen wer- den, daß die Kriminalität der Jugendlichen und die Kriminalität überhaupt im gleichen Umfange wie die Arbeitslosigkeit gestiegen ist. Neu ist vielmehr die Aufgabe, vor die sich die Jugendgerichtshilse und die Gerichtshilse für Er- wachsen« gestellt sieht. Direktor des Arbeitsamtes, sondern eine I. Liberale und sozialistische Slrasrechlsreform. Peinlichkeit gewonnen werden soll, die mit der Jj�e der arbeitslosen Jugendlichen besonders gut �straut ist. Die G e s ch ä f ts f ü h r u n g des �iwerks soll im allgemeinen beim Arbeitsamt p- was schon aus dem Grunde zweckmäßig ist, l-st die Entscheidung über die finanziellen Bei- 'en, die den Veranstaltungen des Notwerks rt werden, in jedem Falle verantwortlich den Vorsitzenden des Arbeitsamts erfolgt. Jstf der Bildung der großen Arbeitsgemein- „pien wird man sich für die Praxis daher nicht inviei versprechen können. Die kleinen Arbeits- (, Schüsse werden im allgemeinen stark von der �stung des Arbeitsamtes abhängig sein. � Notwerks Für die Ausgestaltung ist vorgesehen, daß in Verbindung pst der genannten Arbeitsgemeinschaft der Arbeits' p.�lchuß einen einheitlichen Gesamtplan für c° Erfassung der arbeitslosen Jugend aufzustellen c In der Arbeitsgemeinschaft sollen die vor- e>denen Einrichtungen für die arbeitslose Jugend sta» bekannt sein, so daß geprüft werden kann, j,'che Einrichtungen der Verwendung für das (Jstwerk am besten zugänglich gemacht werden (..stnen. Es soll auch eine Nebeneinanderarbeit i'rdurch vermieden werden und ein gewisser �Gleich nach Dauer und Zeit der einzelnen p.eeanstaltunge. durch die Ausstellung des Gesamt- i(ststes gefchaffc werden. Das Notwerk beschränkt s? im allgem ien auf eine tägliche Be- P?i n f t i g u n g der jugendlichen Arbeitslosen von n ee Stunden außer der vorgesehenen gemeinschaft- j�n Mahlzeit Die Zeit soll so eingeteilt sein, p B durchschnittlich mindestens zwei Stunden der , enslichen Bildungsarbeit dienen und mindestens pi Stunden täglich für Leibesübungen und Einsame geistige Beschäftigung verwandt wer- Wenn der Erlaß davon spricht, daß das ,°lwerk der geistig-sittlichen Ertüchtigung dienen 3 so wird bei loyaler Aufsossung hiermit nur .st>as selbstverständliches gesagt, keineswegs aber (..es der Erlaß dahin verstanden werden, daß Ii'6' etwa eine einseitige nationalistische Veein- �stung ber Jugendlichen erstrebt werden soll. («st Recht hebt der Erlaß des Präsidenten der . eichsanstall hervor, daß das Notwerk nicht x�eteipolitischen Bestrebungen �lstdar gemacht werden darf. Es muß deshalb Der Gedanke der sozialen Gerichtshilfe für Er- wachsen« und Jugendliche gründete sich bisher aus die Anschauung, Verstöße gegen die Straf- gesetze seien nicht lediglich zu bestrafen, damit die Gesellschaft geschützt werde oder dem Gerechtig- keitsempfinden Genüge getan sei: es sei vielmehr nötig, den Straffälligen in den Zusammenhang des gesellschaftlichen Lebens wieder einzu- gliedern. Diese Auffassung, zu deren Vertreter führende Strafrechtslehrer der letzten Jahrzehnte gehört haben, wurde zunächst nicht von Sozialisten ausgebildet, sondern von liberalen Strafrechts- reformern. Die Führer der liberalen und fort- schrittlichen Strafrechtsreform sahen in dem ein- zelnen Straffälligen einen Menschen, der den Anforderungen des gesellschaftlichen Zusammen- lebens nicht gewachsen ist und der deshalb in dieses Leben durch ein System von Erziehungs- maßnahmen wieder eingegliedert werden soll. Einer solchen Erziehung dient in den fortschritt- lichen Strafanstalten der sogenannte„Stufen- st r a f v o l l z u g": bei dieser Art der Strafver- büßung werden die Gefangenen in verschiedene Gruppen eingeteilt, von denen jede Gruppe mehr Freiheit genießt als die vorhergehende. Diese Versuche einer neuen Gestaltung des Strafvollzuges sind wichtig und sie müssen be- sonders geschützt werden in einer Zeit, wo neben einer Militnrisierung der eigentlichen Pädagogik durch den Faschismus auch eine Militarisierung des Strasvallzugs droht. Trobdem muß die sozial! st ische Anschauung noch über die An- schauungsart der liberalen bürgerlicken Straf- rechtsreformer hinausgehen. Gerade die Gefell- schastskrise der Gegenwart zwingt dazu, die g e- sellschaftliche Bedingtheit jeder Strafrechesordnung herauszustellen. II. Die k-ise der Geselsk Sonntag einen Handballwerbetag durch i bei- dem folgende Resultate erzielt wurdet Tegel III gegen Reichsbanner-Wassersportabteilum 0:11. Tegel Schwimmer gegen Arbeiter-Spor � verein Borsigwalde 4:1. Tegel il gegen Bolkk' spart Weißeniee 2: 2. Tegel I gegen Stralau 9:1. Oesterreich im Lichtbild wird in einem Vorsts des Touristenvereins„Die Naturfreunde" gezeiö Reserent Theod. Brieger, Linz a. d D. Die W anstaltung findet Mittwoch, 18. Januar, 20 Uh" in der Aula Weinmeisterstraße 13 statt. Untoste> beitrag 20 Pf. Dreivierlelslutide Rückcnslug! Eine vhanw' stische Leistung vollbrachte der italienische Flieger Hauptmann C o l a c i c ch i unter Aufsicht eine Delegation des italienischen Aero-Clubs. N«! dem für Akrobatikflüge gebauten Flugz�- ,. Breda XIX" slog er 41 Minuten und 37 künden in der Rückenlage! Hauptmann Cole' cicchj unterzog sich nach seiner Bravourleistudi einer ärztlichen Untersuchung, wobei lediglich leicht beschleunigter Puls festgestellt wurde. Bundesmeisterschaflen im Geräteturnen. 2'' Einführung des Mannschafts-Serienwettkanipst� für die Geräteturner des Arbeiter-Turn- ui� Sportbundes hat den Wettkampsbetrieb der Tur' ner stark gesteigert. Sie sind dazu übergegangen ihre Meisterschaften bezirks- und treisweise oUS' zutragen. Als Abschluß wird am 24. Septeinb« in Frankfurt a. M. von den besten Mannschafte die 1. Bundesmeisterschaft zum Austrag tomw�' Schwarzes Brett Sportverein Moabit. Mittwoch, 15. Januar, 20 Uhr-'j Röste l, Putlitzfttl. 10, Funktlonärsttzung. Donnerstag, 20t.', Uhr, Bädeabend, Turmstraße. Sonnabend, 21.>>, mtar, 20 Uhr, Arminius.Säle, Bremer Straße. Gener» Versammlung. Mitgliedsbücher mitbringe». �..� Tnruer-Sparten-Technilersißung Mittwoch bei Höhul,,, Goleustraße. Nächste Woche Mittwoch ebenda Halleusp-:, sestteilnehmersißung, lS!) Uhr. Freitag letztes Hallenn" ning, Raetherstraße. Tonristenoerein„Die Naturfreunde". Ortsgruppe Lern Mittwoch, IS. Januar, 20 Uhr, Weinmeisterftr. 15, I-Ub bildervortrag:„Oesterreichisches Land". MusilnortrM (Säfte willkommeit. Unkosteubeitraa 20 Pf.— Dielt.,;| tag. 17. 3 a n u 0 t. Wedding: Willdenowstr. 5(Z. ,, Erlebnisse aus dem Orient.— Sumboldlhain: Willde»«�. straße 0 sZ. 13): Paragraph 218.—«cfunbbtuntt«', Pank- Ecke Wiesenstraße: Literarischer Abend„ Uhr Stgs. nachm 4 U ne doile Kiste BETRIES XV KEMPIHSIClVv Deutsches Theater Schumännstr.Ua Weidend..S201 Täglich 8 Uhr .szenierung Max Reinhards Prinz von Homburg von H. v. Kleist Ihimig. Fihdmer, Frülilidi. KaySler, Wcgener. Sdröreriberj Hammerspieie 8 Uhr Ensembles erwerbsloser Schauspieler oie Flasche Komödie von | Ri n gel n atz Inszenierung: Jean Kölsier- Müller RurfQrsiend.TP KurtOrsteodauim 200 Tel Blsm. 1400 Täglich 514 Uhr Glückliche Reise Operette vouKünrreke in der Premlerenb«' setzung BnllnerM! Moltenstr. 90 Oiratuff'*1 Täglich 8>r, lM Auslandsreise mit Felix BttU* Marl« PaadtoT Oscar S«bo, Uotz? Behal, Borghok.uü Bismarckstr. iK»'tj Steinpt.(Ott b"' Täglich«Vi U11' Oer Kollo- Scb M" Die Hänn«' sind mal»e SöDiiiDd. Heidiitiiol Sonntag 4 Uhr lobert und Bertr»� Homöflienfiauj Scbiffbauerdaniai Fei. 02 Weilt. 9304� Täglich 8% L'hf Heule zum 20. lt Das Hau« dazwlsch«11 mit Ma* Adaib«'1 lakob Tiedtk« Musik: Spollanjky. asw-j� uOeKloinrBUJr*fT frrftof v:! KT Conrad MeiUck' tfttaKedj�iiv Uupstg»