Morgen- Ausgabe Nr. 35 A 18 50. Jahrg. "SReboflton und Verlag, Berlin SW 68. Cinbenftt. 3 9eni1»r«ftei s 7 Am, vinhvft 791 bu 297 ««tegwmraabtenei SojuinKmotrai-S-rlw BERLINER VOLKSBLATT SONNABEND 21. Januar 1933 In Groß• Berlin 10 Ps Auswärts....... 15 Pf. �bezu�sbebingungen und Änze'genpreis« siehe am Schluh beb red�ktioncllen Teilt Jentvalorgan der Goziakdemokeattschen Partei Deutschlands Der Rlefenflandal der Osthilfe Oenosse Neinix kebt c!en Sehleier vom Junherpanamu Im Haushaltsausschuß des Reichstages wurde gestern, Freitag, die Debatte über die Osthilke weitergefühn und dabei wieder ein Stück vertieft Der Londbundführer und nationalsozia- listische Reichstagsabgeordnete von S y b e l und der deutschnationale Abgeordnet« Kuhnke bemühten sich �u beweisen, daß alles in Ord- nung sei, daß die östliche Landwirlschask noch nichl genug bekommen habe und daß bei den bisher festgestellten Mängeln es sich um aufgebauschte Einzelfälle handle. Ahg. Heinig(Soz.) fragte, ob jetzt noch bestritten werde, daß Herr von Oldenburg-Ianuschau sich auf dem Wege über die Osthilsesanierung 621 lM M. beschafft Hai? In Schwierigkeiten ist dieser Vor- kämpfer der verzweifelnden Großlandwirte da- durch gekommen, daß er sich bei den stän- big sinkenden Güterpreiscn zu einer Ausdehnung seines Besitzes ent- schloß. Ob es drei oder vier Güler sind, die er jetzt besitzt, ist allerdings noch strittig. Nach dem Zulauf stiegen aber nicht die Gülcrpreije. sondern sie sind weiter gesunken. Auch Herr von Olden- burg-Ianuschou meiste, nun seine Schulden nicht zahlen zu können! er wird vom. Reich saniert und behält seine Güter! Diese Art der Entstehung agrarischer Schulden sei keine Seltenheit. Auch d«r Herr von Zißewlh-Kottow wünscht vom Reiche saniert zu werden, weil er durch den Zulauf eines zweiten Gutsbesitzes sich materiell zu stark engagiert hat. Der Redner fragte weiter, wie es denn nun eigentlich mit der Sanierung von Gutsbesttz der Frau hermiue von hohenzollern stehe. Was sei daran wahr? Er zählte dann auf, daß der Präsident der Pommerschen Landwirtschosts- k a m m e r, Herr von Flemmiug-Paahig, trog seiner Sanierung es immer noch fertig ge» bracht Hab«, 100 000 M. Kredit zu erhalten. um für seinen Bruder eine Bietungskaution stellen zu können. Wie stehe es mit dem Fall Meißner-Zuckers. der es sich leisten könne, neben seiner sanierten Landwirtschaft Münchener Kinobesitz zu haben. Wie stehe es mit dem Fall des Freiherrn von Wolfs. der nach nationalsozialistischer Angabe ein un- gewöhnlich hohes Entschuldungsdarlehen erreichen konnte und zugleich Leiter der Land stelle Stettin für die Osthilfe sei? Wie steh« es mit dem Regierungsasiesior a. D. von Flügge. dessen Betrieb vom Treuhänder unter großen Verlusten geführt werden müsse, besten Gläubiger große Zinsrückstände tragen muß. während er zugleich alz Rechtsanwalt eines bekannten Indu- striekonzerns über beträchtliche Prioateinkünste verfügen soll«? Wie stehe es mit dem Fall des profestors Ernst, der sich sein Lurusgut aus der Osthilfe sanieren loste und dabei die Gelegenheit benutze, die Mietschulden für sein« Berliner Poli» klinik nicht zu zahlen mit dem Hinweis, daß man sich mit dieser Forderung an seinen Treu- händer wenden möge, der un Sanierungs- plan der Landstelle für diese Forderungen entsprechende Berücksichtigung erreichen würde' Wie stehe es mit dem Gut Arnsberg des Grafen von kolckstein. das versteigert werden mußte, nachdem das Reich eine Umschuldungshypothek gegeben hatte? Bei der Versteigerung solle das Reich nicht nur SO 000 M. verloren haben! Das von Gisela von Kalckstein erworbene Gut solle auch vom Staat durch Hergabe von weiteren lOOOOOMartneu finanziert sein pAWs&lccdi&tfpoiääc/ Der Bezirksoorstand der Sozialdemokratischen Partei Berlins erklärt: Der Bezirksvorstand der Sozialdemokratischen Partei Berlin erhebt gegen die der Nationalsozialistischen Partei erteilte Genehmigung, am Sonntag, dem 22. Januar, aui dem Bülowplatz zu demonstrieren, den allerschärtsten Protest. Er erblickt in dieser Kundgebung eine Provokation, die in der Absicht unternommen wird, durch Hervorrufung blutiger Zwischenfälle für ein verschärftos Vorgehen der Reaktion die Handhabe zu gewinnen. Die Verantwortung für alle möglichen Folgen, die sich aus der Genehmigung der nationalsozialistischen Kundgebung und dem gleichzeitigen Verbot einer kommunistischen Gegenkundgebung ergeben können, fällt auf die Reichsregierung, die im Widerspruch zur Verfassung und zum Spruch des Staatsgerichtshofs in Preußen eine unbeschränkte Macht ausübt. Das immer dreistere Auftreten der Reaktion zeigt der Berliner Arbeiterschaft, wohin die von den Kommunisten hervorgerufene und dauernd geschürte Uneinigkeit im Proletariat führt. Die Kommunisten machen ein gemeinsames Vorgehen der Arbeiter unmöglich, indem sie tortfahren, anstatt der Reaktion die gegen die Reaktion kämpfende Sozialdemokratie als ihren Hauptfeind zu behandeln. Jetzt fordern sie unter gleichzeitiger stärkster Beschimpfung der Sozial demokratischen Partei die sozialdemokratischen Arbeiter auf, sich ihrer Aktion anzuschließen. Hierzu erklären wir: Die politisch geschulten und disziplinierten Messender Sozialdemokratie folgen lediglich der Parole ihrer eigenen Parte'- Die Sozialdemokratische Partei beteiligt sich an Veranstaltungen der KPD. ankommenden Sonntag nicht. Die Gauleitung des Reichsbanners Schwarz-Rot- Gold hat diese Erklärung zustimmend zur Kenninis genommen und schließt sich ihr am Wie stehe es mit dem Gut Groß-Plauen des Herrn von Weih im Kreise Wehlou? Dort solle das Reich 2 60 0 0» Mark Umschuldung shypothek und SoOOO Mark Zuschuß verloren haben. Roch der Versteigerung habe eine Verwandte des Besitzers den Betrieb mit einer neuen Bei- Hilfe von 16 066 Mark übernommen und Herr von Weiß führe jetzt sein Gut als Betriebsleiter. Durch Zwischenrufe des nationalsozialistischen Landbundsührers von S y b e l und des deutsch- nationalen Abg. K u n k e provoziert, die nicht verstehen wollten, was für Bezüge von dem Redner bei der Erörterung des Falles Flem- m i n g gemeint seien, sprach unser Redner über die beispiellose Verschwendung von Witleln in den Landwirlschaslskammern. der Organi- salion des Landbundes und ähnlicher agrarischer Einrichtungen. Er wies darauf hm. daß eine Kommission, iu der jener Herr von Flemming selbst milaescsten habe, seststellen mußte, daß jene Einrichluogen jährlich, soweit das über- Haupt feststellbar sei. zwischen 45 bi» 60 Millionen Mark für ein Heer von Gcschäslssührern und für sonstige Zwecke großzügig ausgeben. a Das Reichsernährungsministertum erklärte, daß es zu den Anfragen der verschiedenen Redner in der nächsten Sitzung des Haushaltsausfchustes rückhaltlos Auskunft geben wolle. sSiehe auch 3. Seite.) Bülowplatz LelileicKer bekommt Sorgen Zu der Provokation auf dem Bülowplatz, die von den Nazis geplant und von der Polizei ge- nehmigt ist. meldet in später Abendstunde Tel.- Union: Wie verlautet, wird Reichskanzler von Schleicher am morgigen Sonnabend mit dem stellvertretenden Reichskommissar für Preußen, Dr. Bracht, eine Besprechung haben über die Frage, ob sich dafür sorgen läßt, daß es ohne Zusammenstöße abgeht, wobei das Inter- «sie des Staates weniger daraus gerichtet sei, daß die Demonstranten— als daß die Polizei nicht zu Schaden komme. In der gleichen Angelegen- hell hat sich sibrigens, wie man hört, der kommu- nistische Abgeordnete T o r g l e r an den Staats- s e k r e t ä r Planck gewandt. In parlamentarischen Kreisen mißt man der beabsichtigten Kundgebung im Zusammenhang mit den kommunistischen Drehungen besondere Bedeu- tung zu. Man erinnert hierbei an die kürzlich er- folgte Warnung der Reichsregierung, daß sie gewillt sei, wenn sich die Terrorakte mehren, zu neuen verschärften Notverordnun- gen zu greisen. Wie weit diese Notiz auf amtliche Quellen zu- rückgeht, wissen wir nichl. Als offiziöse Meldung wäre sie eine Musterleistung! Die gering« Sorge um den Schaden, den demon- strierende Staatsbürger erleiden könnten, wirkt außerordentlich gemütvoll. Ebenso die Ankündi- gung, daß man etwaige Ausschreitungen, die durch das Verhallen der Behörden zum ntindesten m i t verschuldet sein würden, zu einem einseitigen Borgehen gegen die Kommunisten zu mißbrauchen Zedent«. Herr Schleicher hat aber auch— oder nur— Sorgen für die Polizei, und diese Sorgen sind berechtigt. Für jeden körperlichen Schaden, den einzelne Beamte, und sür jeden moralischen Schaden, den die Polizei als Ganzes am Sonntag erleiden könnte, würde die Regie- rung die Verantwortung zu tragen haben! Reichstag vertagt Nezi» wünschen Dauervertagung Oer Aeltestenrat des Reichstags beschloß am Freitagnachmittag, den Reichstag aus Dienstag, den 31. Januar, einzuberufen. Was zu erwarten war, ist eingetreten. Die Nationalsozialisten haben in Verbin dung mit Helfershelfern aus den übrigen kapitalistischen Parteien den Zusammentritt de� Reichstags abermals verschleppt. Ginge es nach ihnen allein, dann wäre diese Ver schleppung gleich auf drei Monate erfolgt. Denn der Abgeordnete Dr. F r i ck war aus den schlauen Einfall gekommen, von der Regierung erst einmal die Vorlegung des Haushaltsplans für 1933 zu verlangen, ehe man sich über eine Tagung des Reichstags schlüssig mache. Er wußte genau, und der Regierungsvertreter. Staatssekretär Planck. bestätigte es ausdrücklich, daß das Kabinett die Etatsberatung noch nicht einmal be gönnen hat, daß der Haushaltsplan dann aber erst dem Reichsrat zugeleitet werden muß und dort bis zur Erledigung wieder noch eine Reihe von Wochen vergehen, so daß es hieß, den Reichstag aus drei Monate zu vertagen, wenn man darauf warten wollte. Soweit konnten selbst Zentrum und Deulschnationale nicht mitgehen. Das erstere stellte deshalb den An- trag, die Sitzung zunächst einmal aus den 31. Januar anzusetzen— aber vorsichts- halber den Aeltestenrat am 27. Januar erst einmal vor die Frage zu stellen, ob er wieder umfallen will und für wie lange. Mit aller Schärfe wandten sich die Abge- ordneten Dr. Breitscheid. Dittmann und Lobe sowie die Kommunisten gegen die dauernde Lahmlegung des Reichstags mit scheinheiligen Argumenten. Frick hatte von den„vornehmsten Rechten" des Parlaments, der Haushaltsberatung, gesprochen, um in demselben Atemzuge jede Beratung des Parlaments unmöglich zu machen. Das ist der Erfolg des„Sieges", den die Ratio- nalsozialisten mit 230 und 196 Abgeordneten errungen hatten, daß sie selbst keine An- stalten machen, ihre Stimmenzahl ins Ge- wicht zu werfen und die anderen Parteien auch noch verhindern, irgendeine gesetzgebe rische Arbeit zu leisten. Leider hat ihnen dabei das Zentrum eine gewisse Hilfsstellung geleistet, von den Deutschnationalen ganz zu schweigen. Sieht das Zentrum nicht ein, daß dies ein sicherer Weg ist, das Ansehen des P a r l a- ments ganz zu zerschlagen? Was sollen die Wähler von einem Reichstag halten, dessen Mehrheit die Arbeit über- Haupt nicht aufnehmen will. Müssen sie sich nicht voller Enttäüschung von ihm ab- wenden? Die Regierung ließ die stark oerklausu lierte Erklärung abgeben, daß ihr nach wie vor an einer Klarstellung ihres Verhält- nisses zum Reichstag liege und daß sie die Vertagung als eine Form der To- l e r i e r u n g ansehen müsse— auch wenn sie zu dem Zweck geschehe, das Spiel einiger Parteien hinter den Kulissen fortzusetzen. Eine Tolerierung durch die Nationalsozialisten, nichts anderes ist diese Ver- schleppung.„Generalsturm gegen Schleiche r",„W eg mit Schleicher" — so tönt es den geleimten Wählern der Nazipartei aus dem„Angriff" und dem „Völkischen Beobachter" entgegen. In der Oesfentlichteit. Hinter den Türen des Aeliestenrats aber beten sie„Gott erhalte Kurt den Schleicher" und sorgen durch ihre Vertagungsantroge dafür, daß er erhalten bleibt. Wie lange werden sich die Irrege- Melcherö Gewaltkurs Verurteilt Sozialdemokratisches Wahlplakat vom Oberverwaltungsgericht freigegeben— Melcher muß die Kosten tragen! führten, die jetzt die Resultate ihrer tapfe- ren Wahlen ernten, dies Spiel gefallen lasten? Auswärtiger Ausschuß Gegen Schleicher und d vitsch-belgisches Markabkommen Im Auswärtigen Ausschuh des Reichstags gab gestetn Minister von Neurath einen Ueberblick über die Außenpolitik. Nach Abschluh der Dis- kustion über„Tribute und Auslandsschulden" wurde mit 17 Stimmen gegen 11(Nazis, Kommunisten und Deutschnationalc gegen die übrigen Parteien) ein nationalsozialistischer Antrag ange- nommen. wonach die deutschen Zahlungen an Belgien aus dem Abkommen vom 13. Juli 1929 in Anbetracht der im Lausanner Abkommen vom Juli 1932 auch von Belgien anerkannten wirt- schaftlichen Notlage Deutschlands bis auf weiteres einzustellen sind. sterner wurde eine durch einen k o m m u n i- slischen Antrag erweiterte, von den natio- nalsozialiftischen Ausschuhmitgliedern ein- gebrachte Entschließung mit den Stimmen der K o m m u n i st e n und Nationalsozia- I i st e n angenommen, die folgenden Wortlaut hat: Der Herr Reichskanzler hat am Neu- jahrstage 1933 ausgesprochen, daß Deustchland nunmehr von Reparationen befreit sei. Der Auswärtige Ausschuß stellt fest, daß das deutsche Bolk sowohl den vollen Zins- ind Tilgungsdienst für die D a w e s- An- leihe weiterhin tragen soll, ebenso den Zins- und Tilgungsdienst für die U o u n g- Anleihe, ferner die Zahlungen an Amerika, die sogenannten b e l- gtschen Markzahlungen, die gestun- Veten Besatzungskosten, Zahlungen, di» mm Teil bis zum Jahre 1966 reichen sollen. Hinzutreten sollen noch die Ratenzahlungen für die E ch l u ß z a h l u n g von drei Milliar- den gemäß dem Lausanner Abkommen, ins- gesamt 419 Millionen jährlich. Ueberdies be- trägt der Verlust durch Beschlagnahme des beut- schen Privatvermögens im Auslände etwa elf Milliarden, deren Ersatz an die geschädigten Auslandsdeutschen laufende Belastungen für die deutschen Finanzen bedeuten. Außerdem wurde das Inkrafttreten des Ab- kommens von Lausanne von den Regierungen Englands, Frankreichs, Italiens, Belgiens in einem GeiNlemen-Agreement davon abhängig gemacht, daß sich die Vereinigten Staaten von Nordamerika zur Streichung der interalliierten Schulden bereitfinden: insolgedessen ist bis auf den heutigen Tag und auch bis auf westeres bis Frage offen, ob das Lausanner 'Abkommen überhaupt Wirksam- . t« rt e r l a n g t. Aus allen diesen Gründen ist der Auswärtige Ausschuß der Anschauung, daß die genannten , Ausfuhrungen des Herrn Reichskanzlers im In- und Ausland falsche Vorstellungen er- wecken können und deshalb den deutschen Jnter- essen nicht genützt haben. Der vorletzte Absatz, der vom„Gentlemen- Agreement" handelt, stammt von den Kommu- nisten. Die Sozialdemokraten haben sich an dieser Resolutionssabrikation nicht beteiligt. Sie sind nicht der Ansicht daß auf solche Weise eine ver- minstige Außenpolitik getrieben werden kann. Die Nationalsozialisten mimen Mut vor Kanzler- stählen, wo es ungefährlich ist, aber im Aeltesten- rat kneifen sie. Zu Beginn der Sitzung hatten die Kommunisten einen Vorstoß zugunsten des Abg. S ch e h r unternommen, der vorübergehend verhaftet war. Es wurde nach Feststellung der Tatsache, daß Schehr wieder frei ist, über den Fall zur Tages- ordnung übergegangen, da der Geschäftsordnungs- ausschuß zuständig ist. Die außenpolitische Aussprache wird heute fort- gesetzt. Industrie schreit nach Ruhe Erklärung des Reichsverbandes Dos Präsidium des Reichsverbandes der Deutschen Industrie hielt am 19. Januar unter dem Vorsitz Dr. Krupp von Bohlen und Halbachs .eine Sitzung ab, die durch eine Aussprache über die gegenwärtige wirtschaftspolitische Lage ein- geleitet wuvd«. In Anknüpfung an die Ereignisse der letzten Wochen wurde mit Bedauern fest. gestellt, daß von der Politik her neu« Unruhe in die Wirtschaft getragen wird, und es wurde als höchst verhängnisvoll bezeichnet, wenn aui diese Weise die bestehenden Ansätze zu einer Rückkehr des Vertrauens und zu einer wirtschaftlichen Besserung wieder zunichte ge- macht würden. - Nach Ansicht der Industrie ist es nicht zu ver- antworten, daß die Rücksichtnahme auf diese oder jene einseitige Interessen Tag für Tag die Gefahr neuer Rückschläge heraufbeschwört. Besonders bedarf die Handels- Politik unbedingt einer Beruhigung und stabiler Führung, um so mehr, als es sich iminer wieder zeigt, daß schon die Ankündigung zollpolitifcher Maßnahmen zu schweren Rück- schlägen für die deutsche Ausfuhr und damit für die Arbeitsmarktlage führt. Die deutsch« Industrie erwartet von der Reichs- regierung, daß sie alle Störungsver- suche entschiede» ablehnt und dafür sorgt, daß sich die Wirtschaft ihrer gegenwärtigen Hauptaufgabe, die Arbeitslosigkeit wieder zu ver- mindern, ungestört widmen kann. Der Bezirksverband Berlin der SPD. hat am 30. Juli 1932, am Tage vor der Reichstagswahl. ein Plakat herausgebracht, das an der Spitze den Kopf Adolf Hitlers trug, und auf die Mitschuld der NSDAP, an dem wirt- schaftlichen Zusammenbruch hinwies. Der„Regierungsrat Adolf Hitler" ließ durch einst- weilige Verfügung des Landgerichts I der„Berel" den Anschlag dieses Plakats an den Litfaßsäulen verbiete». Zur gleichen Stunde aber brachte der neueingesetzte Polizeipräsident Dr. Melcher«ine Verfügung heraus, durch die das Plakat auf Grund der Notverordnung vom 28. Juni 1932 b e- s ch l a g n a h m t wurde. Herr Dr. Melcher sah in der(seiner Auffassung nach unrichtigen) Darstellung der sozialen Verhält- nisie in Verbindung mit dem Schlußsatz des Pla- kats„Wehrt Euch gegen Hitlers Zuchthausstaatl Wählt Sozialdemokraten!"«ine Aufforderung oder Anreizung zu Gewalttätigkeiten gegen.deutsche Volksgenossen". Selbstverständlich hat der Bezirksverband Berlin der SPD. die Sache nicht auf sich beruhen lassen, sondern, nachdem der Oberpräsident die Aufhebung des Verbots abgelehnt hatte, durch seinen Rechts- beistand Genossen Rechtsanwalt Dr. Bergmann Klage im Verwaltungsstreitverfah- ren beim Preußischen Oberverwaltungsgericht er- hoben. Die Klage wurde nicht nur darauf ge- stützt, daß unmöglich in dem Inhalt des Plakats irgendein Leser eine Aufforderung zu Gewalttätig- leiten erblicken konnte: es wurde vielmehr unter Beifügung umfangreichen Materials dargetan, daß der Polizeipräsident Dr. Melcher gerade in der Mahlzeit vom 21. bis zum 31. Juli 1932 offene Aufforderungen nationalsozialistischer Flugblätter zu Gewalttätigkeiten gegen Mitglieder und Führer der Sozialdemokratischen. Partei mit keinem Verbot ge hindert hatte. Das Oberverivaltn ngogericht hat in Die Sozialdemokratie hat in ihrem Kampfe für die Wiederherstellung der sozialen Leistungen auf den früheren Stand wieder einen wichtigen Erfolg errungen. Im Sozialpolitischen Ausschuß des RsichstageO wurde am Freitag ein sozialdemokra- tischer Antrag angenommen, wonach die durch Notoerordnung den Kranken auferlegte Kran- kenschein- und Rezeptgebühr aufge- hoben werden soll. Staatssekretär G r i e s e r vom Rcichsarbeitsministerium behauptete allerdings, daß die Zeit für die Aufhebung dieser Sonder- belastung noch nicht gekommen sei. Tie Vollversammlung de» Reichstags wird also durch Vestätigung des Aus- fchußbeschluffes dafür sorgen müssen, daß die ungerechte Belastung der Ver- sicherten so schnell wie möglich beseitigt wird. Der Ausschuß stimmte ferner einem anderen so- zialdemokratischen Antrag zu, wonach die Vor- schriften der Notoerordnung ausgehoben werden. die die Gewährung von M e h r l e i st u n- gen durch die Krankenkasse unterbindet. Mit Unterstützung der Sozialdemokraten wurde dann «in kommunistischer Antrag angenommen der die Verbesserungen der Juli-Notverordnung vom Jahre 1930 erhalten wissen will Dieler Antrag war in- sofern bemerkenswert, als die Kommunisten da- mals die ganze Notverordnung aufheben wollten, während die Sozialdemokratie die darin ent- haltenen Verbesserungen anerkannte und durch Verhandlungen mit der Regierung noch weitere Zugeständnisse erzielte. Die damalige Haltung der Sozialdemo- kratie ist also jetzt durch die Kommu- nisten anerkannt worden. Nationalsozialisten und Deutschnationale de- nutzten die Gelegenheit, um die Angriffe de« Unternehmertums gegen die eigenen Betriebe der Krankenkassen und gegen die Kassenverwaltungen zu wiederholen. Ihre arbeiterfeindliche Einstellung kam noch, einmal zu Ausdruck, als die Sozialdemo- kraten nachher die Beratung der von ihnen ein- gebrachten Anträge zugunsten der Arbeits- invaliden forderten D'e bürgerliche Mehrheit wollte davon nichts wissen. Sie stimmte dem Bor- schlag des Ausschuhvorsitzenden Dr. Brauns zu, daß zuerst die eingelaufenen Petitionen verhandelt werden sollten. Soziales Mietrecht Die Regierung>veiV nichts Im Wohnungsausschuß des Reichstags erklärte Ministerialdirektor Polkmann, daß die Regierung ein soziales Mietrecht nicht aus» seiner Sitzung vom 20. Januar IL3Z der Klage des Bezirksverbandes der SPD. in vollem Umfange stattgegeben und die Ver- fügung des Polizeipräsidenten aufgehoben. Die mündliche Begründung, die Senatspräsident Lindenau noch eingehender Beratung gab, bedeutet eine Vestätigung der in der Klage geltend ge- machten Tatsachen. Insbesondere hob der Prä- sident hervor, daß Ausdrücke wie„Wehrt Euch gegen Hitlers Zuchthausstaatl" nach der Praxis dos politischen Kampfes der letzten Zeit unmög- lich von einem objektiven Leser als Aufforderung oder Anreizung zu Gewalttätigkeiten betrachtet wer- den könnten- denn im polstischen Kampf seien jetzt solche, der militärischen Sprache angenäherten Ausdrücke üblich. Das Oberverwaltungsgericht hat die Möglichkeit verneint, in dem Inhalt des Plakates eine Anreizung zu Gewalttätigtesten zu finden: es brauchte sich deshalb mst dem Zwesten vorgebrachten Grunde, nämlich der ungleichen Be- Handlung nationalsoziaiistischer und sozialdemo- kratischer Flugblätter und Plakate durch Herrn Dr. Melcher, nicht zu beschäftigen. Immerhin zeigt die Urteilsbegründung,'die der Vorsitzende gab, deutlich genug, daß auch nach Aussassung des Oberverwalwngsgerichts die von dem sozialdemo- tratischen Plakat verwendeten Ausdrücke keines- wegs an die blutrünstige Sprache der NSDAP.-Er- Zeugnisse heranreichen: die Ungleichbehand- l u n g und die Bevorzugung der NSDAP, durch den Polizeipräsidenten Melcher ist dadurch indirekt schon zugestanden, daß das Oberverwaltungsgericht aus der Sprache, die die ihm vorgelegten national- sozialistischen Flugblätter verwandten, die Allge- meiniiblichkeit kriegerischer Ausdrücke folgerte. Das Urleil bedeukek nicht nur moralisch einen Erfolg der Sozialdemokrati- schen Partei Berlins im Kampf gegen die gearbeitet habe, auch keinen Termin nennen könne, wann eine solche Vorlage fertiggestellt sein werde. Die Voraussetzungen hierfür wären erst gegeben, wenn eine annähernd gleichartige Lage für das gesamte Wohnungswesen eingetreten sei. Die Wirtschaftskrise habe das bisher verhindert. Die Nachfrage habe sich besonders nach Kleinwohnungen gesteigert, und sie sei noch nicht durch den Neubau von Kleinwohnungen aus- geglichen worden. Der Mieterschutz müsse für längere Zeit bestehen bleiben: er soll aber nicht auf den Stand von 1926 zurück- geführt werden, weil sonst der inzwischen ergänzte Mieterschutz fallen würde. Das Wohnungs- mangelgesetz werde die Regierung nicht verlängern, weil kein Wohnungsmangel mehr bestehe. Daß viele Mieter die Miete nicht zahlen können, sei eine Folge der Wirtschaftskrise. Die Räumungsurteile hätten sich nicht vermehrt. Gegen das dritte Quartal 1931 mit 783 Räu- mungsurteilen seien in der gleichen Zeit in Sachsen 77S solcher Urteile ergangen. Auch einen allgemeinen Vollstreckungsschutz für Mieter und Hausbesitzer werde sie nicht erlassen. Ministerialrat Durst erklärte, daß die Regie- rung keine allgemeine Zinssenkung vornehmen werde, dagegen seien Länder und Ge- meinden angewiesen, individuelle Hilfe zu ge- währen. Auch die Hauszinsfteuerhypotheken könnten allgemein nicht gestrichen werden. Die Tilgung sei zum größten Teil schon gestundet, die Verzinsung betrage für Preußen bei 80 Proz. der Neubauten nur 1 Proz. Für die anderen Länder seien sie gesenkt worden, so daß diese Zinsen wenig für die Mietsbildung in Betracht kämen. Auch der Erlaß eines Moratoriums sei nicht möglich._ Wenn Mieterschutz fällt Ein Beispiel zur Warnung Nach einer Ankündigung der Regierung sollte am 1. April eine Neuregelung der Wohnungs- rssetzgebung erfolgen und damit der bisherige Mieterschutz wegfallen. Ein menschenfreundlicher Hausbesitzer in Passau, der neben vier Häusern auch noch eine Bäckerei und ein Lebenemittel- geschäft besitzt, sendet seinen zahlreichen Mietern das folgend« liebenswürdig« Schreiben: P a s s a u, den 3. Januar 1933. An all« Mieter! Im Interesse meines Geschäftes sehe ich mich veranlaßt, meine Mieter darauf auf- merkfanx zu machen, daß ich ein« Bäckerei'sind Lebensmittelgeschäft inne habe und deshalb an Sie appelliere, unbedingt ab heute alle einschlägigen Artikel, Semmeln, Schwarzbrot, Mehl Nudeln, Kuchen usw., b e l mir einzukaufen. Ich werde bestrebt sein, Ihren Bedarf zu decken und Sie zufriedenzustellen, damit Sie in keiner Weis« benachteiligt sind, jedoch bin ich herreu des 20. 3uli: es wird auch finanziell dem Polizeipräsidenten nicht angenehm sein. Abgesehen von den recht erheblichen Kosten des Versahrens wird der preußisch« Fiskus auch die durch das Verbot verloren gegangenen Druck- und Anschlagskosten bezahlen müssen, die sich auf einige tausend Mark belaufen. Der Bezirksverbond Berlin der SPD. wird wegen des entstandenen Schadens durch den Genossen Rechts- anwalt Dr. Bergmann das Notwendige veran- lassen._ Tumult am Wedding 3n den Pharussälen in der Mullerstraße wollte gestern abend die„Nationalsozialistische Jugend" eine Kundgebung abhalten. Zahlreiche Kommunisten hatten sich Zutritt verschasst und gleich nach Beginn der Versammlung der nationalsozialistischen Jugend gab es Klamauk. In dem entstehenden Durcheinander, das in eine reget- rechte Saalschlacht auszuarten drohte, vermochte sich die P o l i z e i nur schwer durchzusehen. Die Gegner wurden schließlich von der Schupo aus dem Saal gedrängt. Der nationalsozialistischen Bersammlungsleitung der jüngsten Garde Hitler- scher Uebermenschen war es ossensichtlich nicht un- angenehm, als der diensthabende Polizeiossizier die Versammlung kurzerhand auslöste. In der Blüllerstraße in der Umgebung der Pharussäle kam es im Anschluß an die vorzeitig beendigte Naziversammlung zu wiederholten größeren Ansammlungen kommu- n i st i s ch e r Demonstranten. Die Polizei gab eine Reihe von Schreckschüssen ab. Soweit bisher bekannt geworden ist, sind Verletzte nicht zn beklagen. Es erfolgten mehrere Festnahmen. angewiesen, daß unbedingt bei mir ein- getauft wird. Zum Schlüsse erlaube ich mir, Sie aufmexk- sam zu machen, daß ich daraus bestehe und selbst- verständlich meine Konsequenzen ziehe, nach Aushebung der Wohnungszwangswirtschast. Hochachtungsvoll (Firmenstempel) Was andere Hausazrarier mst allerhand heim- lichen Finessen betreiben, das kündigt der Vierfach- Verdiener und Bäckermeister mst fröhlicher Offen- hest seinen nur geduldeten Mietern in einem Rundschreiben an. Der Gesetzgeber ist zur geplanten Neuordnung der Wohnungsgesetzgebung nicht rechtzeitig ge- kommen und die von diesem Hausbesitzer erhoffte Aufhebung des Mieterschutzes ist hinausgeschoben. Als wertoolles Material kann dies Zirkular aber für die Neuordnung verwendet werden. 900 pro».Bargersteuer! Nazi-Finanzkünste in Anhalt Die dringende Notwendigkeit der von der sozial- demokratischen Reichstagsfraktion am 6. Dezember 1931 beantragten Umgestaltung' der Bürger st euer wird schlaglichtartig durch fol- gende Tatsachen bestätigt: Das aus Nationalsozialisten bestehende Staats- Ministerium in Anhalt hat mit einem Erlaß vom 29. Dezember 1932 angeordnet, daß 1933 im Frei- staat Anhalt generell 90 0 Proz. Zu'chlag vom Landessatz der Bürgersteuer zu erheben sind. Durch Erlaß vom 19. Oktober 1932 war dieser Zu- schlag vom gleichen Ministerium auf 600 Prozent festgesetzt. Da die Steuerkarten für 1933 bereits ausgegeben worden sind, wurden die Arbeitgeber angewiesen, abweichend von der Anforderung auf der Steuerkarte 900 Prozent Bürgersteuerzuschlag vom Lohn in Abzug zu bringen. In der nie- d r i g st e n Beitragsklasse ist das eine jährlich« B e l a st un g von 54 Mark! Nazikvrruptivn Auch in Schweden Stockholm, 20 Januar. Ein« amtliche Mitteilung d«s Parte ist ab es besagt, daß sich die Angriffe des Redakteurs des Naziorgans„Unser Kampf". Lindholm. gegen den Führer der Bewegung daraus bezogen, daß dieser der Parteikajse eine geringe Summe schuldig ist. Lindholm grtsf aber auch das Privatleben des Führers mit grundlosen Beschuldigungen an und«rklärte schließlich, daß e r s e l b st die Führung übernehmen werde. Lindholm sowie der Reichsschatzmeister und der Führer der Gotenburger CA., wurden aus der Partei ausgeschlossen. Neue sozialpolitische Erfolge Sozialdemokratie kür die Wiederherstellung der trüberen sozialen Leistungen BEILAGE SONNABEND, 21. JANUAR 1933 Berufswahl immer schwieriger Oer«JatirxanF 1919 tritt ins Leben ein lieber 40000 junge Menschen, die zu Ostern Berlins Schulen verlosten, befchärtigen sich unausgesegt mi: der Frage, was nunmehr aus ihnen werden soll. Um die Berusswahl gehen schon wachen- und monatelang in den einzelnen Familien die Dis- kussionen, Pläne werden geschmiedet und wieder verworfen, denn noch immer ist die Wahl eines Berufes für die schulentlassenen jungen Mechchen die schwerste Entscheidung. Diese schwere Aufgabe wird heutzutage durch die B e r u s s b e r a t u n g s st e l l e n etwas er- leichtert, die auf allen Arbeitsämtern eingerichtet sind. Schon sechs Monate vor der Schulentlassung werden in den einzelnen Klassen Personal- karten und Merkzettel verteill, auf denen zum Besuch der Beratungsstelle aufgefordert wird Wenn dann die Schüler mestt in Begleitung ihrer Eltern erscheinen, wird eine mündliche Prüfung jedes einzelnen unter Zuhilfenahme der modern- sten psychotechnifchen Apparate vorgenommen. Danach erfolgt eine Vornotierung in dem ge- wünschten Beruf. Die 1919 Geborenen In der Tot ist der Lehrstellemnarkt ein getreues Abbild des Arbeüsmarktes und vielen Jugendlichen war es jahrelang nicht möglich, in den gewünschten Berufen unterzukommen. Trotzdem konnten immerhin im letzten Jahre allein durch die Ar- beitsämter über zehntausend Lehr- st e l l e n vermittelt werden. In diesen, Jahre ist die Ausgabe der Lehrstelleiwermittler besonders schwer, well zum erstenmal der Geburten- rückgang der Kriegsjahre aufgehört hat und die Zahl der Schulentlassenen des Jahrgongs 1910 erheblich großer ist als die der früheren Jahrgänge. Dementsprechend hat auch der Besuch in den Berufsberatungsstellen in diesem Jahre außerordentlich früh eingesetzt, weil die Furcht,.zu spät zu kwumen,■ sehr groß ist. Schon im November begann der Ansturm und bis jegt ist die Besucherzahl wohl um die Hälft« größer als im Borjahre. Demgegenüber stt erfreulicherweise fest- zustellen, daß auch die Unternehmer den ganzen Winter über Lehrstellen angeboten haben, die zum Teil sofort besetzt werden konnten. Allgemein wird jedoch von den Lehrftellenanwärtern heule eine höhere Eignung-verlangt. Bäcleerund Schlächter kommen unter Mi! welchen Berufswünschen kommen nun die Jungens und Mädels? Stark bevorzugt er- scheint in diesem Jahr bei der männlichen Jugend wegen der vermeintlich günstigen Lejchäftigungs- läge das graphische Gewerbe. Die Metall- beruie wie Schlosser, Dreher, Monteure usw. wer- den im allgemeinen nicht mehr so viel verlangt wie früher. Auch der ewige Traum der Jugend, Auto- schlosier zu werden, ist vorbei, weil sie sehen, daß der Weg meistens in der Reparaturwerkstatt endet. Im Handwerk herrscht bei Fleischern, Bäckern, Schuhmachern, Tapezierern usw. ein ziemlich fför einen Sechfer über den'.ßprliner Ozean(fiehe ttlüggelfee) glkichbleibender Ausgleich zwischen Angebot und 'Rachfrage. Wenig gewünscht sind anscheinend Friseur st ellen und die Arbeit als Putzmädel in der Konfektion. Auch bei den k a u f m ä n n i s ch e i, Berufen hat sich eine merkwürdige Umwandlung vollzogen. Im Gegensatz zu früher werden jetzt Bürostellen von den Jugendlichen vorgezogen, bei denen des- halb ein katastrophales Ileberangebot an Kräften herrscht, während Berkaufslehrlinge gesucht werden und vielfach mehr Stellen vorhanden sind als verlangt werden. Abiturienten in Not Während man bei den aus den Volks- und Mittelschulen zur Entlassung Kommenden allge- mein noch die Hoffnung vorfindet, im Leben den richtigen Platz zu finden, und der Wunsch trotz alledem vorherrscht, einen gelernten Benif zu er- greifen, ist die Depression bei den Abiturienten außerordentlich groß. Wegen der Aussichtslosig- keü und der finanziellen Schwierigkeiten ist der Weg in akademische Berufe wenig begehrt. Die Flucht in technische Berufe wird meist aus Mangel an geeigneten Stellen unmöglich. Bei der llnterbringung von Abiturienten in gewerl,- iichen und handwerklichen Lehrstellen mit mehr- fahriger Lehrzeit wurden schlechte Erfahrungen gemacht. Die Jungen kommen oft zurück und be- schweren sich über schlechte Arbeitgeebr. Diese wieder ziehen oft gute, vierzehnjährige Gemeinde- schüler vor, die noch nicht mit Besserwissen voll- gepfropft sind. Beeinflußt durch die Abiturienten- Hilfe der Handelskamnter werden allerdings in diesem Jahre in stärkerem Maße Abiturienten für Lehrstellen aller Art verlangt. Die Ungelernten Schätzungsweife werden überhaupt mir etwa ein Drittel der Schulemlassenen in Lehrstellen unter- kommen können, ein weiteres Drittel etwa geht als Ungelernte in Stellung, der Rest findet über- Haupt keine Arbeit und wartet die EMmickluug ab, um vielleicht im Laufe des Jahres noch irgendwo unterzuschlüpfen. In den ungelernten Berufen ist das Stellenangebot für weibliche Arbeitskräfte sehr gut, während männliche Hilfskräfte kaum ver- langt werden. In erster Linie stt das für die Unternehmer eine Frage der Lohnhöhe, weiter aber sagt man den jungen Mädels z. B. bei Lauf- mädchenftellungen, größere Vertrauenswürdigkeit nach. Es ist eine alte Erfahrung, daß in Zeiten wirt- schaftlicher Not Fehler bei der Berufswahl häufiger als in normalen Zeiten gemacht werden. Rein wirtjchaftliche Motive stehen bei der Berufswahl oft im Vordergrund. Das n,uß jedoch zu großen Enttäuschungen führen, wenn weder Eignung noch Lust zu einem bestimmten Berus maßgebend sind. Denn je besser ein Kind für den jeweiligen Beruf körperlich, geistig und charakterlich ausgerüstet ist und von sich aus«ine berufliche Ertüchtigung anstrebt, um so besser werden auch die Berufsaiis- sichten sein. Kampf um den Gasmesser Erklärung der Gaswerke— Schutz den Kleinverbrauchern Der„vorwärts" hat nachgewiesen, daß die „S-Kubikmetervestimmung" des neuen G a s t a r i f s, wonach von jedem Verbraucher eine Vkindestmenge von 5 Kubikmetern im Monat bezahlt werden muß. für die Kleinstverbraucher eine neue untragbare Belastung darstellt. Da neben diesem Mindestoerbrauch nämlich auch noch d'e Gasmessermiete von 40 Ps. zu zahlen ist. bringt die Neuregelung für die kleinen Verbraucher eine fühlbare Verteuerung. Mir hatten weiter daraus aufmerksam gemacht, daß die Bestimmung auch für die Kleingärtner untragbar ist, die im Sommer in ihrer Laube wohnen. Auf unsere Forderung, daß die Städtischen Gaswerke die unmögliche Vorschrift revidieren sollen, gehl uns jetzt von dem V o r st a n d der Werke ein längeres Schreiben zu In der Erklärung der Gaswerke heißt es, daß man vor der Frage stand, ob die an sich in Berlin geltend« Grundge bühr(sog. Gasmessennietej von 40 Pf. in der untersten Stttfe, die gegenüber den meisten im Reiche geltenden Grundgebühren außerordentlich niedrig sei, erhöht werden sollte oder aber eine Mindest verbrauch? menge vorzuschreiben. Man Hobe sich zu oem letzteren Ausweg entschlossen, weil eine Erhöhung der Grundgebühr die breite Masse der Erwerbe- losen und Schlechtestoerdiener getroffen hätte, während die Vorschrift eines Mindestverbrauchs von 5 Kubikmeter nach Ansicht der Gaswerke die Kleinstverbraucher nur in geringfügigem Umfange treffe, denn, so heißt es,„wer überhaupt Gas in seinem Haushatt oder Gewerbe regelmäßig ver braucht, wird die Mindestmenxechon S Kubikmeter im Monat stets erreichen. Dahingegen sind wir nicht in der Lage, diejenigen, die Gas nur ge- legentlich oder vorübergehend— sei es im Haus- hall, sei es im Gewerbe— gebrauchen, zu Lasten der großen Menge der Verbraucher Gas in gleicher Weise beziehen zu lassen, wie diejenigen, die es regelmäßig abnehmen". Wir können uns mit diesem Standpunkt der Gaswerke, der erst nach mehrmaligem Studium des schwierigen Satzes klar wird, nicht ein- verstanden erklären. Es wird sehr viele Kleinstverbraucher geben, die diesen Mindest- verbrauch von 5 Kubikmeter nicht erreichen, denen man aber deswegen nicht einfach das Gas ab- schneiden und den Gasmesser fortholen darf. In dem zweiten Teil des Schreibens der Gas- werke wird erklärt, daß man auf den Vorschlag des„Vorwärts" hin den Kleingärtnern und Laubenbewohnern dadurch entgegenkommen will. daß auf Antrag der Gasmesser auf eine bestinnnte Zeit gesperrt wird und während der Sperr- zeit nur die G a s m e s s e r m i e t e erhoben wer- den soll. Auch in dieser geplanten Mahnahme können wir nur eine Ungerechtigkeit gegenüber den minderbemittelten Verbrauchern sehen. Denn diese Verbraucher haben nunmehr in der Sperr- zeit gleichfalls keine Möglichkeit, in Notfällen sich des abends eine warme Suppe zu bereiten, weil das Gas abgesperrt ist. Wir verkennen durchaus nicht, daß die Gas- werke in einer Zett, da mächtige Prioatintereifen immer wieder gegen den Kommunalbesitz anremten, die Pflicht haben, die Wirtschaft- l i ch k e i t des Unternehmens ausrechtzuerhalten. In einer Zeit bitterster Rot aber kann man nicktt neue Belastungen für die ärmsten Bevölkerung?- kreise schaffen. Razzia in Mahlsdorf Die künk vorn Schützenhaus Anläßlich der Ermittlungsarbeiten zur Aufklärung eines Einbruchs in das SchützenHaus von Kaulsdorf. der am 11. März v. Z. von zunächst unbekannten Dieben verübt worden war. wurde jetzt in Mahlsdors eine größere Razzia vorgenommen, d°e der Ausstöbernng von Diebesverstecken galt. Es wurleit dabei fünf junge Männer im Alter von 21 bis 30 Jahren festgenommen, in deren Lauben man außer zahlreichem Diebesgut aus verschiedenen Geschäftseinbrüchen auch noch zur Durchführung zu bringen und das Heilerzie- hungsheim Templin in Zukunft psychiatrisch zu versorgen. Es sollte deshalb ein engerer Znsam- menhang mit den für solche Zwecke vorhandenen Berliner Einrichtungen angestrebt werden. Der Oberbürgermeister teilt der Stadtverordnetenver- sammlung jetzt in einer Vorlage zur Kenntnis- nähme niit, er Hab« nach nochmaliger eingehender Prüfung von der Verlegung des Heil- erzieh un gs hei ms Templin Abstand genommen und werde das Heim in bisheriger Form weiterführen. Die psychiatrischen Unter- suchungen und Begutachtungen der in dem Heim Templin untergebrachten Kinder wird in Zukunft ein entsprechend vorgebildeter Arzt des Waisen- Hauses Berlin ausüben. Dadurch ist«ine ordnungsgemäße psychiatrische Versorgung de? Heimes gewährleistet, zu gleicher Zeit aber auch ein engerer Zusammenhang mit den Stellen ge- schaffen, die die Ueberweisung der Kinder nach Templin vornahmen. Gklarek-Nachspiel Anklaxe gegen Stadtbankdirektor Die Staatsanwaltschaft 1 Berlin hat gegen den seit etwa einem Jahr suspendierten Abteilungs- direktor der Stadtbank, Karl Schr oeder, An- klage wegen schwerer passiver Be- stechu ng im Amt erhoben. Schroeder wird zur Last gelegt, in den Jahren I92H bis 1929 als Lei ter der Kredit-Kontrollabteilung der Berliner Stodtbank seine Amtspfticht zur Kontrolle der Sicherheiten, die die Berliner Stadtbank sich von der Firma KVG. Gebrüder Sklarek fiir die von ihr gewährten Kredite geben ließ, verletzt und im Zusammenhang damit von den Sklareks Zuwendungen in Gestalt von Rennwettgewinnen angenommen zu haben. Die Staatsanwaltschaft hat erst jetzt die Anklage erheben können, weil die Akten bisher zur Ausfertigung des Sklarek Urteils anderweitig benötigt wurden. ,, Kinder spielen unsere Zeit Schultest in Neukölln // einen großen Teil der Beut« aus dem Einbruch in das Schützenhaus fand. Di« fünf Festgenom- menen sind bereits dem Untersuchungsrichter vor- geführt worden. Es besteht die Vermutung, daß sie auch als Täter für den Ueberfall auf die Stationskasse von Rüdersdorf in Frage kommen, der— wie noch erinnerlich— in der Nacht zum 9. Januar ausgeführt worden war. Vor diesem Ueberfall waren die Burschen be- kanntlich noch in eine Bahnhofswirtschaft in Fredersdorf eingedrungen und hatten hier außer Lebensmitteln noch mehrere hundert Mark Bar- geld geraubt. Di« Untersuchung der Kriminal- Polizei ist noch nicht abgeschlossen und wird sich jetzt besonders in dieser Richtung bewegen. Geldtranspvrt beraubt! Ein Geldtransport der Hotel Betriebs A.- G. ist gestern, aus seltsame Meise beraubt worden. Zwei Angestellte und ein Motorradfahrer erhielten von der Firma den Austrag, von der Reichsbank 25 000 Mark abzuholen. Das Geld wurde auf einem Motordreirad transportiert und der Fahrer sollte so langsam fahren, daß die beiden Begleiter mit dem Rad Schritt halten konnten. Zu der Eharlottenstrahe gab der Motorradfahrer plötzlich Gas und fuhr feinen Begleitern davon. Einige Zeit später wurden der Fahrer und das Motorrad in der Rosmarinstraße an dem Hintereingang zu den Bürorönmen der Hotel Betriebs A.-G. ange- trossen. Als das Geld abgeladen werden sollte, stellte sich heraus, daß 4000 Mark fehlten. Der Fahrer, ein 20 Zahre alter Paul Z. ist sest- genommen worden, da vermute« wird, daß er wahrscheinlich mi» einem Komplicen den Raub ausgeführt hat. Heilerziahungsheirn Templin Die Stadtverordnetenversammlung hatte beschlosten, den Oberbürgermeister zu er- suchen: die beabsichtigte Verlegung des Heil- e r z i e h u n g s h e i m e s Templin nach Mahls- darf im Interesse der hilfsbedürftigen Linder nicht In K l i e m s I e st s ä l e n, Hasenheide, kann kein Apfel zur Erde fallen. Da sitzen die Alte» und die Jimgen und freuen sich am Spiel der Schüler der Lebensgemeinjchnsts- schule aus der Kaster-Friedrich-Straße 4. Wenn richtige Kinder unserer Zeit— und das sind diese kleinen Akteure— ein Spiel zeigen, dann ist dies mit dem wirklichen, nüchternen Alltag aufs engste verknüpft und darum lebensivahr und lebendig. Eine lustig« Kinderdemonstration steigt aus der Straße; mit Triesel und Roller, mit Puppen- wagen und Jö-Jo waren die Demonstranten be- waffnet und forderten vom Schupo, der sie aus- einanderdrängen wolltet wir wollen hier spielen, wir haben zu Haus« kein Kinderzimmer mit viel Platz und Wärme und einer Menge Spielsachen, und Mutter, der wir in der engen Bude doch nur überall im Wege stehen, atmet auf, wenn sie uns endlich aus der Türe hat. Aber wir fordern für uns alle ein paar Spielsache», jedes Kind will ein bißchen Freude haben. Den Text haben sich die Kinder selbst gemacht und im Sprechchor sagen sie, wie es ihnen ums Herze ist. Dann kommt das Getier aus dein Landschul- heim am Iledersee, mit dem die kleine Gesellschaft iit ihren Erholungsserien Bekanntschaft gemacht hat. Die Mücke und der Frosch, das Huhn und der Spatz erscheinen, kostümlich verkleidet, und er- zählen von den schönen Sommertagen. Im Zir- kus Hackepeter steigt ein Illkprogramm mit Schwergewichtsmoglern und Seiltänzern, mit Spaßmachern und einem auf Menschenbeinen trottenden Groteskkamel. Dan steigt der Ueber- mensch Rizepis von höchsten Höhen auf die Erde herunter und sieht sich die Katzbalgerei nach Mehl und Kartoffeln, nach Milch und Brot an. Tiefernste Worte sind in ein sröhlich-besinnlich Spiel gekleidet, das doch der tiefen Tragik nicht entbehrt. Mit Lust und Liebe spielen Kinder das Spiel ihrer Zeit. Dieser zweiten, ausverkauften Vorführung folgt demnächst noch eine dritte Wiederholung. Zwei billige Zannar-Sonnabende im Zoo. In diesem Monat folgen die beiden billigen Sonn abend«, die der Zoo monatlich eingeführt hat, einander. Am heutigen Sonnabend, dem 21. d. M., und am kommenden Sonnabend, dem 23. d. M., kostet bereits von 12 Uhr mittags ab der Einttitt sllr Erwachsene nur 50 Ps., für Kinder bis zu 10 Jahren nur 25 Pf. Dieselbe Ermaßt- gung gilt für das Aquarium. fceU StouaUsüseUc U&cUseUuU Heute, 1914 Uhr, Plenarsaal des ehem. Herrenhauses, Leipziger Straße 3, spricht Prof. Dr.3 Uhr, im»rematortum Gerichtstraße statt. Um rege Beteiligung ersucht die Abteilungsleitung. 102. Abt. Am Dienstag, dem 17. Januar, verstarb unsere Genosstn Lucie Wutzk» im 48. Lebensjahre. Ehre ihrem Andeuten. Trauerseier heute, Sonn. abend, 21. Januar, I8V, Uhr,»rematorium Baumschulenweg. Um restlose Be- teiligung bittet der Vorstand. 123. Abt. Am 17. Januar verstarb unser langlähriger Genosse»arl Dreutz, Buschallee 66. Er war 32 Jahre Miiglied der Partei. Ehre seinem Andenlen. Einäscherung heute, Sonnabend, 21. Januar. 16 Uhr,»rematorium Baum. schulenweg. Um rege Beteiligung bittet der Porstand. g SoziaiistWe Arbeiterjugend Groß-Lerlin Einlendunqen kür diese Rubrik nur an da» Sugendl-kr»tarta> .Berlin SW 68 Lindenstratze 2. vorn> Treooe recht» Wanderleiterkonferenz Montag. 23. Januar, pünktlich 19.30 Uhr, im Heim Ltndenstr. 4, vorn l. Lichtbildervortrag: Geologisches uno Raturlundltche». Re» serent: Genosse P. Schulz. Berichtsbogen. Noch immer stehen einige Abteilungen mit den Berichts- bogen aus, Bezirksoorstond 19'-- Uhr in der Arbeiterbilbungsschule kurze Sitzung. Relerentcoschulc oünktlich 18 Uhr im Raum der Arbeiterbildunzslchute. Der Rönchenknrsus fällt heute au». heute, Sonnabend. 21. Januar: Zaltplotz A: Sonnenburger Str. 20. Tanzabend.— Norden und Humboldt. Hain: Morgen Besichtigung der Feuerwache Oderberger Straße. Treffpunkt 9 Uhr Vinetaplatz, Normaluhr.— Sollcfches Tori Treffpuntl 18 Uhr Rote Eike.— Südwest, Treffpunkt 18 Uhr Belle-Allianre-Platz oder 19 Uhr Lehrter Bahnhof zum ZSochenondkurfus in Brieselang. Morgen. 6?l Uhr, Belle-Alliance-Platz. oder 7 V» Uhr Lehrler Bahnhof,— Arnswalder Platz II: Morgen Treffpunkt zur Fahrt um 9 Uhr Bahnhof Weii-enfee. Wenbebozirtl Tiergorl«», Dnlegfer.i-ntdtrfersnz 19 Uhr b»i Schmidt, Wielei. strafe 17. fflcrbcBezlek Woddiag: 19 Uhr Baden Serichrftraßs. Nachdem Sp'eltrupp» Ledigenheim. Morgen Blldnngsohleutesttzung IS Unr Killdeirowstr. 1 Dele. gierienkonferenz 1812 Uhr ebendarr. Werbe bezirl»reo'beeg: Wechenendkursus in Brieselang. Treffpunkl 19 Uhr Lehrter Bahnhof. Nachzügler morgen, 7V« Uhr, edendort. Jugend und Parier Referent: Genosse Dr. Paechter. Werbebezirt Westend: Aktionogruppenfahrt nach Brieselang. Treffpunkt 20 Uhr Bahnhof Eharlottendura. Werbede-irk Reinlckenborf: Spieltruppe„SalzenoSgel" bei Matter. Eichborn. ftraße, pünktlich 18 Uhr Studio,>9 Uhr Szenenprobe. 20 Uhr Chor. Morgen, >0 Uhr, Delegiertenkonferenz in Witlenau, Hauvtstr. 13. Mitglledebuch mit- dringen, 0 Ubr edendort Sitzung mit den Sruvvenleitern. Werbebezirt Pankow: 1711 Uhr Delegiertenkonferenz in der Wiesenbaude an der Industriebahn Blankenburg, lglh Ubr Mitgliederversammluna(Btuiler Abends. Morgen Solidaritätsnachmittag I» Blankenburg um 13 Ubr. Dorfstr. 2. bgi»lug. Werbebezirk Teltowkanal: Morgen. 10 Uhr. Steglitz, Albrrchtstr.<7, Bor. standssitzung. 11 Uhr Delegiertenkonferenz. Werbebezirt Lichtenberg: Montag Borftandosttzung in der Bibliothek Weichsel. straßc 28. &»5rele Gewerkschafts-Lugenö Berlin Morgen, Sonntag, 22. Januar, finden folgende Beranstaliungen statt: Mädchelllurlus: o Uhl im Gewerkschaftshaus, Engclufer 24 23, Saal 8. Wie steht das junge Mädel zu ihrem Beruf?— WanderleUrrlurfu» im Saal U des Eewertschafishauses. Engelufer 24— 25. Beginn 10 Uhr. Die Rechte und Pflichten des Wanderleiters.—'Wcsttreis: Jugendheim Spandau, Linden. ufer 1.»arl Lieblnecht— Rosa Luxemburg.— Siidostlreis: Jugendheim Tempelhof, Sermaniaftr. 4—6. Proletarierschlckfal.— Nordosttreis: Jugendheim Pankow, Sörschstr. 14. N-publit Spanien.— Nordtreis: Jugendheim Reinichen- dorf. Probe unferel Laienspieler.— Südtrei«: Ab 19 Uhr im Jugendheim Berg. straße 29. Singestunde unier Leitung des Genossen Hoffmann.— vstireis: Jugendheim Diestelmenerstr. 5.»reismilgliederversammlung. Aussprache über unsere bisherige Arbeit—»reiskursus: 91-, Uhr im Jugendheim des Ostens. Große Frankfurier Str. 16 Zimmer 3 Gegenwartsaufgaben der gewerkfchafi. lichen Jugendarbeit.— Juqcndgruppe des Sefamtoerbandes: Auf zur Fahrt nach der Machnawer Schleuse— Hellsee. Tresfpunkl 9— g>- Uhr Endstation der Etrahenbahnlinie 96, Machnower Schleuse.— Montag. 23. Januar. Fotolursus im Jugendheim des GewerlüliansHauses. Engelufer 24—25. Beginn 19V? Uhr. Behandelt wird: Das gute Posttio. Vortrage, Dereine und Versammlungen Reichsbanner„Schwarz-Rot-Gold". Geschäftsstelle: Berlin S 14, Sebastianstr. 37—38, Hof 2 Tr. »renzberg(Ortsverein). Sonntag, 22 Januar, 10 Uhr, Generalver- »9� sammlung im Rest, zum Schultheiß. Ausschank, Hasenheide 22—31. Anzug: Bundeskleidung.— Treptow lOrtsoerein». Sonnabend. ZI Januar. 194 Uhr, Jahresversammlung mit Neuwahlen im Lolal Rennbahn bei George. Aktive erscheinen in R?,.»leidung. Mitgliedsbuch legitimiert.— Lichtenberg. »ameradschalt Boxbagen. Sonntag, 22. Januar, Werbeabend im Loaen-Eastno. »norrpromenade,»onzert Tanz, Ansprache:»amerad Dr. Hauoach, Eintritt inkl. Tanz 50 Pf., Erwerbslose 30 Pf. Beginn i8 Ubr.— Wasserlportabteiluug. Zug Tegel. Wir tr-iien un» am Sonntag, dem 22. Januar. 15 Uhr. zum Eis- spart auf dem Ralchfee, Nähe des Bootshauses. Achtung, Handballer! Sonn. tag, 22. Januar, pünktlich 13 Uhr, Sportplatz Reinickendorf, Scharnweber. ftraße. Spiel gegen»anu HI.—»ameradschaf« Reinickendorf-West. Sonnabend. 21. Januar. Maslendall im Strandschloß Tegel. Eintritt 50 Pf.»amerad«» anderer Ortsoereine find herzlichst eingeladen. Arbeiter-Radio-Bund Deutschland» E. B.. Ortsgruppe Groß-Berliu, Unter- grnppe FrisdrichshaiN! Taaungslokal Bertalla. Hohenlohestr. 3. Montag, 23. Ja- nuar. 20 Uhr. Baftelab-Nd— Untergruppe Lichtenberg: Tagungslolal Bibliothek Weichselftr 28 Freitag, 97. Januar, Z0 Uhr. Wir kouftruieren einen Empfänger.— Untergruppe Reulöllu: Tagungslolal»leint, Neukälln, Berliner Str. lOO, Freitag, 27, Januar. 20 Uhr. Thema Über Gleichrichtung. Refe- reut: Genosse Ingenieur Schuchardt.— Untergruppe Prenzlauer Berg. Tagungs- lokal»lug Berlin NO. 55 Dsnziqer Str. 71 Dienstag. 24. Januar. 20 Uhr. Gruppenabend.— Untergruppe»reu, berg- Tempelhot: Tagungslokal Nestau. rant Thiele Fürbringerstr. 9. Freitag, 27. Januar. 20 Ubr, Gruppenabend.— Untergruppe Gekundbrunnen! Tagungslokal Kleines Gewerkfchaftsbaus. Ltettiner Straße.— Untergruppe Svandan: Anschrift: Oskar Linie, Spandau. Eschen- weg 10.— Untergruppe Wilmersdorf: Alte Wilmersdorier»laufe. Wilmers- dorf. Berliner Straße Dienstag. 24, Januar. 20 Uhr. Gruppenabend. Naturwissenschaftliche Arbeitsaemeinschaft. Bortrag Sind.. Ing. Paul »iekeder, Laboratocium. Neue Jakobstr 16:..Gifte im Leben des Menschen". Zeiinahrnc kostenlos. Galle willkommen. Dienstag, 24. Januar, lgtz Uhr. Freireligiöse Gemeinde. Sanntag. II Uhr. Pappelallee 15, Vortrag des Herrn Professor A. Rosenberg: Das Weltbild der Gegenwart von der Boll»« wirtschaji ans gesehen. Säst« willlommeu. m ymn'///////� �-"■\\■-"■-Z'//// // -im �-y __ i Engelhardt faltet� die Hände und legte sie andächtig auf dsn Tisch.„Das ist ganz was andres", sagte er.„Ist Herr Lüdersen da- mals durch den Schlag in Ohnmacht ge- fallen, um andre Postbeamte zu entflammen, ein gleiches zu tun. dann ziehe ich mich als überwunden, zurück Und ich bedaure auf das tiefste, daß die Macht eines solchen Bei- spiels sich nicht einmal auf seinen nächsten Kollege« erstreckte— wie hieß er doch gleich?—— diesen Berger, der also nicht in Ohnmacht fiel." Ein homerisches Gelächter brach los. Aber alles nimmt einmal ein Ende, und Fräulein Larsen hatte Zeit, zu warten. Sie lächelte säuerlich:„Sie sind nicht umsonst ein so eis- riger Bridgespieler, Herr Engelhardt. Sie mischen Ihre Karten vortrefflich. Es kommt durchaus nicht auf den einen an. der zu feige ist. Es kommt an auf die, die sich ent- flammen lassen wollen." Engelhardt wandte sich höflich- zu Lü- dersen:„Ach so, Sie taten es nicht um der Kasse willen, sondern um der Tat willen, um des Beispiels willen?" Lüdersen betrachtete ihn mit heimtückischer Unsicherheit. „Ich tat es, um zu retten, was zu retten war", antwortete er verdrossen.„Uebrigens geht es weder Sie, noch andre was an, warum ich es tat. Sie brauchen sich's also nicht weiter zu Herzen zu nehmen." Ein belustigtes Grinsen verunzierte Engel- Hardts Gesicht. Er knipste begeistert mit den langen dünnen Fingern und nickte per- ständnisinnig zu Fräulein Larsen hinüber. ..Großschlemm", sagte er. Worauf Fräulein Larsen sich empfahl mit einem verwunderten Abschiedsblick auf Lüdersen. Als ihr letztes Gerassel verklungen war, arrangierten Engelhardt und Tornfelt eine Bridgepartie, und Lüdersen blieb unbe- kümmert bei der Handarbeitsdame sitzen. Beide sprachen keinen Ton. Lüdersen war noch bei Fräulein Larsens Blick, besonders aber bei seiner eigenen Antwort an Engel- Hardt. Es schwante ihm, daß diese eine taktische Dummheit gewesen war. Was zum Donnerwetter ließen sie ihn nicht in Ruhe— dieser Engelhardt und dieses alte Weibsbild! Tags darauf fuhr er ab, aber er ahnte nicht, was ihm bevorstand. 2. Rognos' Geständnis war in seinen Folgen für Berger entscheidender, als er anfangs für möglich hielt In den Tagen zwischen dem Erlebnis und der Ankunft des Geldes in der Postverwaltung machte er eine selt- same und überraschende Entwicklung durch. Am ersten Morgen wachte er auf unter dem Druck eines dumpfen Gefühls, die große Chance seines Lebens verpaßt zu haben, auf die er sein ganzes Dasein und alle seine Hoff- nung gesetzt hatte. Niemals würde der Fall nun aufgeklärt werden. Nie würde der Augenblick kommen, wo Lüdersen zugeben mußte, daß die Demütigungen aller dieser Jahre ungerechtfertigt gewesen waren. Ach, dachte er bitter, nun wird er in alle Ewigkeit über mich triumphieren. Daran ist bloß meine eigne Schwäche schuld. Ich weiß es. Aber Rognos verkaufen, um mich selber freizukaufen, nein, das kann ich nicht. So wie es jetzt ist, hat doch wenigstens e r eine Chance. Und er wird sie schon aus- nutzen, wie er soll. Deshalb ist es für ihn und alle andern das beste, er bleibt unbe- straft. Bloß für mich«icht! Zum erstenmal merkte er, daß sein Groll auf Lüdersen sich so gesteigert hatte, daß man es wohl Haß nennen durfte. Ein Haß, der ihn aufrieb und der ihm das Herz zu- sammenpreßte Und gleichzeitig war er voll Unruhe um Rognos. Er war mehrmals drauf und dron, doch noch einmal zu ihm zu gehen. Bloß um zu wissen, wie ihm zu- mute war. Aber er brachte es jedesmal fertig, sich zu beherrschen, trotzdem er sich die Freundschaft für ihn nicht aus dem Herzen reißen konnte. Es ist ja Wahnsinn, inußte er sich selbst eingestehen. Letzten Endes ist doch er an allem schuld. Er ist schuld an Quisthus' Tode und er ist schuld daran, daß Lüdersen mich demütigen durste. Aber er hat mich an Händen und Füßen gebunden. Ein einziges Mal geschah es, daß Helene ihre Frage wiederholte, ob er nicht— trotz allem— die Sache der Polizei anzeigen wolle. Da antwortete er aufgebracht:„Was soll mir Rognos? Lüdersen will ich treffen." „Lüdersen?" „Ja. Lüdersen. Keinen andern als Lü- von Jzigurd Christiansen dersen. Hat Rognos mich je von oben herab angesehn? Hat Rognos sich je meine Rechte angemaßt? Ich weiß, das Geschehene ist nie wieder gutzumachen. Und ich bin zufrieden auch ohne das. Den Tag, wo ich Lüdersen zur Einsicht bringe, erkläre ich mich befrie- digl und völlig rehabilitiert." Sie zuckte unmutig die Achseln.„Der Tag kommt nie." Aber er antwortete ihr eifrig und erregt: „Wie kannst du das wissen? Ich wenigstens habe Lust, den Burschen noch mal zu stellen. Wenn ich nur wüßte wie ich es am besten anfangen könnte" Da antwortete sie mit herbem Spott: „Frag doch Rognos." Er starrte sie an, als hätte sie ihm ins Ge- ficht geschlagen, ohne daß er den Grund ahnte- ., Rognos?" „Ja, dem gelingt es ja prächtig, alles so zu drehen, wie er es haben will. Da kann er dir am Ende auch helfen." Berger war wie mit Blut übergössen. Und er ging weg von ihr und fühlte sich gekränkt, in Rognos' Seele hinein wie auch in seine eigene. Und doch: mit diesem Gespräch fing es eigentlich an. Es hatte ein Samenkorn in ihn geworfen und das wuchs nun mit einer so reißenden Geschwindigkeit, daß es ihn fast berauschte. Tief erschrocken versuchte er. das von ihr Gesagte und die darin enthaltene unwiderlegliche Wahrheit loszuwerden. Aber schon hatte sich seine Phantasie entzündet. Sie steigerte sich zu einem nervösen Fieber und wurde zuletzt zu einem Zwang. Konnte Rognos alle die vielen Auswege finden, warum sollte ich nicht den einen sin- den können? dachte er. Weigert sich der Zu- fall, mir zu helfen, muß ich'mir eben selber helfen. Er suchte und suchte. Erst tastend und un- sicher, dann mit größerer und größerer Kühnheit. Viele Einfälle kamen ihm, und doch sah er, daß keiner der rechte war. Führte nun auch all dies Kopfzerbrechen zu keinem positiven Ergebnis, so hatte es doch eine andere Folge: Die Wut auf Lü- dersen, die ihn ganz erfüllte, wuchs. Es wurde zu einer Zwangsvorstellung, daß er ihn treffen und über ihn triumphieren müsse, es koste, was es wolle. Eines Tages fragte Helene ihn:„Was sehst dir eigentlich? Du bist so blaß und nervös." De»' Mrieg ohne Kote Qroleske/ Von Hnns Weidner Es ging nicht mehr weiter. Die Welt erstickte im Warenüberfluß und erwürgte sich selbst am Warenhunger der arbeitslosen Millionen. Ms kein Mensch mehr cm das Ende der Weltwirt- schaitskrise glaubte, kam in Genf der rettende Einfall. Es wurde der Krieg ohne Tote erklärt. Der Krieg ohne Tote ist ein Krieg, wo es keine Toten gibt. Es gibt aber auch keine Verwundeten, keine Vergasten, nicht einmal Zioiwerletzte. Es findel lediglich eine Materialoernichdmg statt. Dieser Krieg wurde folgendermaßen organisiert. Nach geheimen Besprechungen der Regierungs- Vertreter trat die 48. Abrüstungskonferenz zusam- inen. Zur größten Ueberraschung endete sie mit einem Erfolg.'Alle Vorschläge der Konferenzteil- nehmer fanden einstimmige Annahme. Alle Be- schlösse wurden soiort von allen Regierungen ratlfiziert. Die West stand vor einem Rätsel, das sich aber schnell loste, als Einzelheiten über diese Abrüstungskonferenz durchsickerten. Nicht eine Ab-, sondern eine Aufrüstungskonserenz war es, die zusammengetreten war. Riesige Rüstungspläne wurden beschlossen. Gegen wen richteten sie sich? Eine neue Auflage des asten Weltkrieges von 1344? Beim heutigen Stand der Äriegstechnik ein furcht- barer Gedanke! Die Massen wurden unruhig. Die radikalen Parteien rührten sich. Es stand zu befürchten, daß die einberufenen Soldaten meutern, daß sie sich gegen die geplante Massenvernichtung auflehnen und am Ende des Krieges die rote Fahne hissen würden. Und dann wäre der ganze Planet dem Bolschewismus anheimgefallen. Aber es kam ganz anders. An einem Tage des Jahres 19... erging von Genf aus an alle dem Völkerbund angeschlossenen Regierungen der tele- graphische Befehl, sich sofort den gegenseitigen Krieg ohne Tote zu erklären. Für den Weige- rungsfall waren die schwersten militärischen Sank- tionen angedroht. Sie erwiesen sich aber als überflüssig. Der Krieg ohne Tote wurde von allen Seiten angenommen. Jeder der 54 Staaten des Bundes benachrichtigt« alle 53 anderen, daß zwischen ihnen der totenlose Kriegszustand ein- getreten sei. 54 mal 53, das macht 2862 Kriegs- erklärungen! 2862 diplomatische Vertreter forder- ten ihre Pässe und erhielten sie. Damit waren alle Beziehungen abgebrochen. Der Weltkrieg ohne Tote war da! Die Volksmassen aller Länder begrüßten überall den Ausbruch des Kriegles ohne Tote mit be- geisterten Demonstrationen. Die feiftdlichen Ausländer wurden landesoerwiesen oder interniert, die radikalen Parteien verboten und der Burg-- frieden proklamiert. Ueberall wurden die Par- lameiüe einberufen, um die Kriegskreditc zu bewilligen. In den faschistischen Ländern fanden extra zu diesem Zwecke demokratische Wahlen statt. Die Kriegsbegeisterung der Wähler und der Abgeordneten war ungeheuer. Die Höhe der Kriegskredite war für jedes Land in den Geheim- abmachungen der Aufrüslungskonferenz bestimmt worden. Sie sollte durchschnittlich IlM Dollar pro Einwohner betragen. Die Finanzsachverstän- digen erklärten die Aufbringung dieser gewasttgen Summe für durchaus möglich, wenn a) all« Zoll- mauern beseitigt, wenn b) der internationale Warenverkehr für Kriegs- und Zwilzweck« durch Vermittlung des Raten Kreuzes gewährleistet und wenn endlich c) die bewilligten Summen auch wirklich ausgegeben würden Sollton die be- willigten Gelder aber nicht verpulvert werden, so würden sich, sagten die Sachverständigen, die größten Schwierigkeiten ergeben. Alle diese Bedingungen wurden von allen Re- gierungen angenommen und auch innegchctsten. lind nun kam der Krieg. Es ist überslüssig, ihn in allen Einzelheiten zu schildern, jeder kann sich vor- stellen, wie sich ein Krieg ohne Tote eben abspiest. Für die bewilligten Gelder werden sofort Kriegsmaterialien gekaust, Munition, Tanks, Kanonen, Flugzeuge, Panzerschiff«, Gewehre, Unterseeboote. Millionen von Menschen werden unter die Waffen gerufen. Millionen Uniformen und Ausrüstungen müssen geliefert werden, die Verpflegung der Heere reißt die ersten Löcher in die Getreidelager, Konservenvorräte usw. Die stilliegenden Diehzüchtereien und Geflügelfarmen bekommen neues Leben und liefsrn bald Fleisch, Milch. Eier, Butter und Leder. Anfangs gibt es eine kurze Eierknappheit, weil sie die ersten zehn Millionen Eier in den Brutmaschinen in Kücken verwandeln müssen. Auch das Kachfleisch wird knapp, weil man Znchtoieh braucht. Bald beginnt auf den früher uereinfanüen Riefenfarmen ein fröhliches Gegacker. In den Ställen hört man das Muhen der Kühe und das dumpfe Klatschen fallender Fladen. Ueberall neues Leben, neue Zeugung, es feuchtet und leuchtet voit Fruchtbarkeit und Segen. Das Hungerelend in den Städten und Ländern verschwindet. Die Notgletscher der Arbeitsmillio- neu schmelzen zusammen, die Industrien zcchlcn hohe Löhne, die nach den Iammerjahren d»r cnd- losen Krise als fürstlich zu bezeichnen sind. Und das Geld kursiert und wird wieder ausgegeben: ein Dasein beginnt mit Saus und Braus. ML der altdeutschen, altfranzösischen, altschweizerische.i, altenglischen und altrömischen Sparsamkeit ist es aus und vorbei. Die mobilisierten Armeen rücken ins Feld. Sie beziehen ihre Stellungen in den Schützengräben und Etappen, Die Truppensührer oeranstasten unter den Mannschaften täglich große Hebungen im Lielessen zwecks Verminderung der in unheim- lichen Mengen anrollenden Vorräte von Fletsch, Brot. Käse, Obstkonserven, Wein, Schnaps, Zigar- ren und Zigaretten. In den Offizierkasinos herrscht standiger Ball- und Barbetrieb, Die Beförderung reguliert sich nach der Zahl der täglich geleerte» Wein- und Litörflaschen. Armeeangehörige, die wegen Magenverstim- mung oder wegen anderer überschwänglicher Er- iüllung ihrer Dienstpflichten vorübergehend oder dauernd kriegsunlaugiich sind, finden Pflege und Heilung in den vom Roten Kreuz märchenhaft eingerichteten Lazaretten, die natürlich in diesem Krieg ohne Tote ganz andere Ausgaben haben, als in einem Krieg mit Toten. Die Leitung in diesen Lazaretten liegt ausschließlich in den sanften Händen schöner Frauen und Mädchen. Die Generalstäbe haben viel Arbeit. Strate- gischcs Hauptprinzip in allen Stäben ist, die Lanüesgrenzen nicht zu überschreiten. Es darf auch kein Getpehr über die Kreuze abgefeuert werden. Kein Flieger darf sie überfliegen. Die Geschütze nehmen entsprechenden Abstand vom feindlichen Ausland Schließlich begmnen die Operationen. Die anrollenden Granaten werden fortlaufend im freien Feld oder gegen Felsen verschossen. Rur die modernsten Hchnellfeuergelchütze treten in Attion. Maschinengewehr« rattern bis zur Weiß- glm und werden dann sofort durch neue ersetzt. Di« Flieger unternehmen Vorstöße ins eigene Hinterland. In bewohnten Gegenden schießen sie blind, in unbewohnten Gegenden scharf. Gas- Aber er verneinte erregt:„Mir fehlt nichts" Da sah sie ihn ernst und voll Besorgnis an.„Ich habe Angst um dich. Du siehst aus, als ob du dir was autun köuutest." Er lächelte schief.„Ach", sagte er,„was würde das ausmachen?" „Denke dran, daß du Frau und Kind hast." Mit einem Achselzucken antwortete er: „Daran habe ich lange genug gedacht. Biel- leicht darf ich jetzt auch mal an mich denken." „Was soll das heißen?" „Nichts Besonderes.— Es flog mir nur so durch den Kopf." Und er wich ihrem for- schenden und erschrockenen Blicke aus. „Ich glaube, du sehnst dich nach Rognos", jagte sie plötzlich.„Nicht wahr?" Er schüttelte den Kopf.„Nein, ich bin nur froh, daß er wenigstens aus allem heraus ist." „Ich begreife dich nicht", sagte sie.„Nein, nein, ich begreife dich nicht." Kurz darauf fragte sie:„Ist er weg?" „Ja, er war schon weg, üls das mit dem Geld in der Zeitung stand." „Woher weißt du das?" Er sah zur Seite und antwortete nicht. „Hast du nach ihm gefragt?" Ohne die Augen zu heben, antwortete er: „Ich war an seiner Tür, die Kart«: war fort. Und eine neue hing da." „Davon hast du mir nichts erzählt?" Er sah schuldbewußt aus.„Ich habe nstch wohl geschämt", sagte er,„aber ich kountp nicht anders."(Fortsetzung folgt.) mästen, hundert hlntereiiiaiidergejchaltet, stehen jedermann in unbeschränkter Menge zur Perfügung. Gelegentlich werden ganze Dörjer göxäuiiü und unter Trommesteuer genommen. Zu ihrem Wiederaufbau ist dem Kriegsbudget eine bestimmte Summe entnommen und dem Wieder- ausbaukonto übertragen worden. Die evakuierten Bewohner erhasten für die ganze Doner der Feindseligkeüen den doppellen Betrag ihrer höchst- möglichen Alters-, Invaliden-, Unfall- und Sterbe- Unterstützung ausbezahlt, unbekümme,� darum, ob sie all oder jung, gesund oder krank, tot oder lebendig siird. Natürlich haben die Banarbelter alle Hände voll Arbeit. Schließlich sei noch bemerkt, daß von Zell zu Zeit Beranstallungen in der Art der venezianischen Nächte stattfinden. Es werden Brandraketen. Leuchtkugeln, Flammenwerfer, taufend Geschütze auf einmal abgeschossen oder in Funktion gesetzt. Scheinwerfer in allen Farbe» spielen dgzu bengalisches Gewitter. Dann brause» leere Pgn- zerzügc, großartig belichtet nitd beleuchtet, gegen einander oder rasen in schauerliche Abgründe. Wo>. es keine'Abgründe gibt, werden welche aus- gehoben. Tankwagen mit Oel und Benzin werden zur Explosion gebracht. Und das zivile'Volk, von der Feldgeudannerie in gebührenden Abstand ge- halte», drängt sich herbei und freut sich an dem farbenprächtigen, donnernden Schauspiel. Jahrelang dauert dieser kriegerische Hochbetrieb. Die Völker leben und atmen auf. Die unend- lichen Jahre der schwersten Krise sind nsrlchwun- den. Wohin sind sie verschwunden? Der Krieg ohne Tote Hai sie verschlunge»! Dann endlich kommt der Tag, wo es nicht mehr weiter geht. Die Leller der Kriegswirtschaftsänüer erklären, die fieberhafte Produktion komme dam fieberhaften Verbrauch nicht mehr nach. Jetzt s*i es an der Zelt, Frieden zu schließen. Der Frieden kommt. Der Krieg ohne Tot« ist ans. Die diplomatischen Fäden sind angekltüpstl. Waffenstillstand. Das Trommelfeuern, Gasblafen. Schießen, Fliegen und Tankfahren hört auf. Die Friedensverträge werden unterzeichnet. Die Armeen sind demobilisiert und die Bevölkerung kehrt zu ihrer friedlichen Tätigkeit zurück. Der Frieden ist ausgebrochen. Die Unternehmer bauen die Löhne ab, die Ber- waltungsräte beschließen nach dem kurzen Aus- schwung der Aufbauperiode die Einschränkung der Produktion, die Direktoren entlassen Arbeiter und 'Angestellte, die Soziallasten werden vermindert, die Waren bleiben unverkäuflich und die Speicher überfüllen sich wieder. Man predigt die Rückkehr zur Sparsamkeit, In'Amerika wird das Getreide verbrannt, in Brasilien der Kaffee ins Meer geschmissen, in den Südstaaten wird die Baumwolle unter die Erde gepflligt, Gummibäume werden nmgehackt und der Welthandel sinkt wie ein Ballon ohne Gas in sich zusammen. Die Schiffe versanlen in den Häfen und die Arbeitslosen— sind es 26 Mit- lionen. sind es 36 oder gar schon 66 Millioiten— sie essen kein Brot mehr, sie trinken keinen Kaffee mehr, sie tragen zerschlissene Kleider und Hemden. Sie essen altdeutsche Erbsen ohne oder aUfranzö- sische Erbsen auch ohne Speck. Aber— wie lange noch? Wie lange nach? Qefchichtchen aus Schwaben Der Unterschied 21,:„Was rfcht der Unterschied zwischen einer Hundehütt« und dem Völkerbund?" Alles schweigt. A,:„Na, die Hundehütte ist doch für den Hund: und der Völkerbund." Alle unisono.„Für die Katz!" Mund-und Rachenhöhle desinfizieren mit Unternehmerschande im Siegener Land Nach der erfolgreichen Abwehr— Solche Hungerlöhne sollten noch abgebaut werden Die schwerindustneUe Reaktion, die im Not- standsgebiet des Siegener Landes, bei den ärmsten Metallarbeitern Deutsch- lands, durch brutale Aussperrung einen Lohn- obbau durchfuhren wollte, um dann auch im Richrgebiet und im ganzen Reich eine neue Lohn- kitrzungswclle vorwärtszutreiben, hat nachgeben müssen. Der Abbau wurde abgewehrt. Die einige Front der Ausgesperrten und der noch Beschäf- tigten, die Empörung der bürgerlichen Oefsent- lichkeit, das energische Vorgehen der freien Gc- werdschaften haben einen größeren Erfolg der Unternehmer verhindert. Aber man ahnt ja im Reiche auch jetzt noch nicht, nachdem' die Unternehmer klein beigeben muhten, welche Sulturschande hinter dem vor- gehen der Unternehmer steckte. Darum muh nachträglich der Oessentlichkeit bc- kanntgegeben werden, wie elend das Leben der Siegener Metallarbeiter schon war, und wie eisern die Stirn der Unternehmer sein muhte, hier noch einen Lohnabbau zu wagen. Immer schon herrschte im Siegener Gebiet die S ch a r f m a ch e r c i. In der Tarifstatistik der Arbeiter und Angestellten des Siegerlandes ist wohl kaum ein halbes dutzendmal im Lause des letzten Jahrzehntes eine freie Vereinbarung zu verzeichnen Die Siegerländer Arbeiterschaft stand und steht in ihrem verdienst gegenüber der Arbeiterschaft in gleichem Betriebe des Ruhrgebiets um durchschnittlich ein viertel bis ein Drittel im Lohn zurück. Der bisher gültige Tarif sah für Fach- arbcitcr 0) von 18 bis über 24 Jahre einen Stundenlohn von 32 bis 38 Pf.(!) gestaffelt vor. Für die angelernten Arbeiter war der Lohn in acht Lohnstusen von 14(!) bis 53 Pf. gestaffelt. Für die ch i l f s arbeiter mar eine Staffelung in acht Lohnstusen von 12(!) bis 48 Pf. gegeben. Für die Arbeiterinnen war eine Lohn- ftaffelung in sechs Stufen van 12 bis 32(!) Pf. eingesetzt. In diesen Löhnen war auch noch ein A k k o r d a u s g l c i ch von 1, 2 und 3 Pf. pro Stunde enthalten. Angesichts der ä u h c r st schweren Arbeit, die die Mehrzahl der Arbeiter in den Hochofen-, Stahl-, Walz- und Hammerwerken bei großer Hitze und in gasgeschwängerter Lust verrichten muß. war schon der bisher geltende Tarif ein- fach menschenunwürdig. Dennoch hat sich dos Arbeitgebertum nicht geschämt, der Siegcrländer Arbeiterschaft ein L o h n d i k t a t zu verordnen, welches nach Abzug der Sozial- Der autoritäre Herrgott Er muß dem Herrn von Braun eine schlechte Ernte schenken Reichsernährungsminister und Reichssinanz- minister haben eine Erklärung abgegeben, in der sie sich gegen die angeblich übertrieben« Anficht wenden, daß insolg« der guten Ernte erhebliche Ueberfchüsse vorhanden seien. Diese Auffassung sei nur bedingt richtig, es sei keine Ileberproduktion vorhanden, nur die Kap'- krait sehl«, so daß die vorhandenen Getreide- inenren keinen Absatz finden. Die Regierung werde daher weiterhin die Preise stützen und die aufgekauften Getreidemengen mindestens b i s zur neuen Ernte vom Markt fern- halten: es sei denn, daß eine starke Belebung der Konsumkraft durch eine Besserung des Ar- beitsmarktes eintritt. Hört, hört! Der Reichsernährungsminister scheint jetzt auch schon eingesehen zu haben, daß die Not der Landwirtschast von der so enonn gesunkenen Kaufkraft der Massen herrührt. Das geht klar und deutlich aus dieser Erklärung hervor, die sich gegen den Weizenverband richtet, der als ein privates Ab- fatzkartell sich für die Uebernahme der am Ende des Wirtschaftsjahres noch vorhandenen Vorräte durch die Reichsregierung, und zwar zu sesten Garantiepreisen einsetzt. Die Erkenntnis des Reichsernährungsministers ist immerhin«in Fortschritt. Leider sind die Schlußfolgerungen, die der Retchsernährungsminister aus der frisch- gebackenen Erleuchtung gibt, alles andere als logisch. Cr will nicht etwa die Preise senken, um den Konsum zu beleben und den Schweinemästern einen Anreiz zu geben, den ein- geschränkten Schweinebestand wieder aufzufüllen, nein, er will die Preise durch Stützung hoch- hallen, und die aufgekauften Getreidemengen ma- gazinieren. was Im nächsten Erntejahr geschieht. kümmert ihn den Teufel. das leistungen Einkommen unter der Fürsorg- u n t e r st ü g u n g gebracht hätte. Gleichzeitig mit dem Aushang des brillalen Lohndiktates war bei Nichtannahme zum 14. Ja- nuar die Entlassung ausgesprochen. Das kulturschänderische Vorgehen der Unternehmer wurde selb st in Unternehmcrkretsen abgelehnt. Meh rere Inhaber mittlerer und kleinerer Betriebe mit einer Gesamtbelegschaft von etwa 1500 Arbeitern haben nicht ausgesperrt und den alten Toris weitergezahlt! Wie ungeheuerlich sich das Unternehmcrdiktal misgewirkt hätte, sei an folgendem Beispiel ge- Zeigt: Ein Facharbeiter hätte bei dem Verdienst des. Spigenlohnes bei voller Arbeitszeit nach Abzug der S o z i a l b e i t r ä g e und Miete mit sei- ner fünfköpfigen Familie täglich pro Person noch 51 Ps. zu verleben. Derselbe Arbeiter ohne Akkordoerdiensl nur noch pro Person 44 Ps. Dasselbe Beispiel aus den Verdienst des angelernten Arbeiters angewandt, ergibt pro Person mit Akkordsicherung täglich 44 P f., ohne dieselbe täglich nur nach38 Ps. Der Hilis- arbeiter erreicht pro Person seiner fünsköpfigen Abziigen pro Tag Familie nach den gleichen nur noch 32 Pf. Einem Gefangenen im Siegener Gerichts- gesängnis werden für has tägliche Essen 57 Pf. angerechnet, wehr als eine Arbeilersomilic für Essen und Kleidung übrig hat. Natürlich war es auch vor dem beabsichtigten Lohichiktat der Unternehmer nicht viel„besser": denn es wurden ja jetzt nur 2 Pf. Lohnverjchlech- terung pro Stund« abgewehrt. Aber es ist doch einfach nicht zu fassen, daß in einem Kultur st aot Unternehmer e? wog- tcn, das Elend solcher Lohnzoh- tu na noch vergrößern zu wollen. Die so vom Arbeitgebertum mit ihren Frauen und Kindern in Hunger, Elend und große Not gestoßene Arbeiterschaft hatte sich in geschlossener Disziplin, gleichviel, ob organisiert oder unorgani- siert, unter Führung der Gewerkschaften in den Kampf gestellt. Es war ein Aufstand der vlenschenwürde. der sich hier vollzog. Ueberall herrschte unter den Ausgesperrten der unbeugsame Wille, den Kamps siegreich zu be- enden. Di« Belegschastsversammlungcn waren überfüllt, zu Worte kommen nur die Vertreter der Gewerkschaften. Die Polizei hatte nirgends Anlaß zum Eingreifen. Die Eisenbahner un�- andere Fachgruppen der Arbeiterschast haben in großen Kundgebungen ihre Sympathie der kämp- senden Metallarbeiterschaft bekundet. Auch dei Mittelstand bekundet« den Arbeitern seine Sym- pathie. Die Schlacht ist jetzt geschlagen und— trotz gewisser Opfer der Arbeiter— gegen die Unternehmer gewonnen. Die Arbeiterschaft und weite Kreise der Bevölkerung haben die politische und organisatorische Lehre aus dem Machtkampf des Arbeitgebertums gezogen und erkannt, daß die Scharfniacher nur ini Vertrauen auf die Mehrheit der Naziwählerschast, welche im Siegerland besteht, und im Vertrauen auf Unorganisierte in der Arbeiterschaft diesen Lohnraub wagen konnte. Sie werden sich organisieren und auch von oen Nazi- abwenden, die sich von den Ruhrherrcn a la Thyssen Geld geben lassen. Die Auswirkung dieser Konsequenzen wird ma» abwarten können. Wir ober fühlen uns ver- pflichtet, in der Oeffentlichkeit nochmals festzustellen und für die Zukunft festzuhalten, daß das Vorgehen der Unternehmer im Siegener Lande eine K u l t u r s ch a n d e war. Mögen sich die- jonigen Unternehmer, die sich durch dieses Urteil mitbetrofsen fühlen, bei chren hochmögenden Kollegen an der Ruhr dastir bedanken. Argumente und Phrasen Herrn Karl Eanxes Weisheiten zur Wirtschaftspolitik Zwischen Landbund und Industrie ist ein hef- tiger Krieg ausgebrochen, ein papierncr aller- dings, und das weiß die Arbeiterschaft. Es ist ja kein Zweifel, daß durch diesen Interessenten- streik nichts geändert wird an der Kampfein- stellung der vereinigten Reaktion gegen die Ar- beiterschaft. Das hat ausgerechnet Direktor Karl Lange vom Verein Deutscher Maschinenbauonstalten, von dem man anderes erwarten sollte, mit einer Rede in Essen bewiesen. Er brachte zwar richtige Argumente gegen den Autarkiewahn vor. So stellte er fest, daß bei völliger Sperrung der Grenzen die Landwirtschaft vielleicht ZOO 000 Menschen mehr beschäftigen könnte. Aber der deutsche Export hätte im Jahre 1930/31 etwa 4 Millionen beschäftigt und annähernd 10 Mil- lionen Deutsche ernährt. Der industrielle Sektor der deutschen Wirtschaft habe die Landwirtschaft mit Milliardenbeträgen(Osthilfe!) unter- stützt, obwohl es großen Teilen der Industrie Behauptung, daß durch die Maßnahmen zur Krisenbekämpsung bisher rund 1 500000(ändert- halb Millionen!!) vor der Arbeitslosigkeit bewahrt worden seien! Wir gestehen— wir sind sprachlos, daß ein Mann, der sich selbst als ein Wegweiser in Fragen der Wirtschaftspolitik vorkommt, mit derartigem Geschwätz sich der Lächerlichkeit preisgibt. Wir hatten bisher Herrn Lange etwas höher ein- geschätzt. Schade! mindestens so schlecht wie der Landwirtschaft ginge. Aber Herr Lange besann sich zur rechten Zeit darauf, daß er in Essen sprach: und der dort herrschende Genius loci(Geist des Ortes) ver- langt Verbeugungen vor dem Scharf- machergeist der Ruhrherren. Also dozierte derselbe Herr Lange, der die Bedeutung der inländischen Kaufkraft so stark unterstrich: die industrielle Krise sei deshalb so schlimm, weil „durch die sozialistische Mißwirtschaft der Nach- kriegsjahre den Betrieben durch unzeitgemäße Uebersteigerung der Löhn«, sozialen Lasten und Steuern soviel Blut(!) entzogen wurde, daß keine genügenden Kapitalreserven für die jetzige Notzeit vorhanden sind". Im gleichen Atemzuge pries Herr Lange die Avi-Verträge, durch die der Skandal der überhöhten Eisenpreise, des Monopols der Schlot- barone zum Schaden der deutschen Volkswirtschaft sanktioniert wurde. Schließlich verzapfte Herr Lange ein wahres Papen-Latein mit der Die Umschuldung Der preußische L-andkreistax zum Gereke-Prograrnrn Der Vorstand des preußischen Landkreisiages beriet unier dem Vorsitz des Landrats Schlemmin- ger die Frage der Arbeitsbeschaffung und der kommunalen Umschuldung. Wenn die U m s ch u l- d u n g eine wirkliche Erleichterung bringen soll, dürfen hierzu nicht Mittel herangezogen werden, die schon jetzt anderweitig zweckgebunden sind. Das gilt besonders bezüglich der Heranzichung der Hauszins st euer. Das jetzige Arbeits- beschaffungsprogramm ist lediglich eine schwache Aushilfe. Die Finanzlage der Landkreise gebietet dringend eine Ausweitung unter Vermeidung einer weiteren Verschuldung der Kommunen._ Vor London! Das Programm der Weltkonferenz Der Genfer Sachverständigen-Ausschuß, der für die Weltwirtschaftskonserenz in London die notwendigen Vorarbeiten zu leisten hatte, veröffentlicht jetzt seinen abschließenden Be- richt. In der Einleitung wird mit Nachdruck auf den Ernst der Welllage hingewiesen, der durch die Arbeitslosigkeit, den Währungswirrwarr und Preissturz. Schrumpfung des Welchandels und die Anhäufung von Vorräten hervorgerufen ist. In dem Kommentar der Finanzfachleute heißt es. daß die freie Goldwährung das einzig mögliche internationale Währungssystem bleibe. Um dieses System, das zur Zell nur noch in wenigen Staaten Geltung hat, wiederherzustellen, müsse die Regelung der Kriegsschulden, Aushebung der Deoisensperre und Wiederaufbau eines freien Kapitalverkehrs in Angriff genommen werden. Ein wichtiges Kapitel des Berichtes befaßt sich mit der Befreiung des Welthandels aus den Fesseln der Abfperrungspolllll. Das„Netz der Restriktionen" habe die Schrumpfung des Welthandels wesentlich gefördert und alle Anstrengungen müßten von den Regierungen darauf gerichtet werden, zu einem allgemeinen Abkommen über die Beseitigung der Handels- Hemmnisse zu kommen. Teillösungen würden, so wird am Schluß des Programmes betont, zu nichts führen. Not- wendig fei ein großzügiges Wiederausbaupro- gramm, für dessen Ausführung keine Zeit zu ver lieren sei, um die ersten schwachen Kräfte der Wirtschaftsbelebnng zu stärken. Eine Reichsbürgschaft für Düngemittelkreditr wurde auch in diesem Erntejahr durch Notverordnung übernommen. Bemerkenswert ist, daß die Stickstoff- und K a l i h e r r e n für sich durchgesetzt haben, daß vor dem 1. März 1933 fällig gewordene frühere Kredite von dem neuen Bollstreckungsschutz, der Vollstreckung aus dem Pfandrecht auf die Früchte ausschließt, ausgenom- men wurden. Sonnadench den 21. Januar staatsaper unter den Linden 20 Uhr Rlgoletto staatliches Schauspielhaus 19 Uhr— Zum 1« Males Faust n. Teil 20 uiienerinnen konzertieren Fuss>Heuser»U)eiser Als streng christlicher Mann hofft er wahrschein- lich auf das E i n s e h« n d e s l i e b e n Gottes. daß er eine schlecht« Ernte schickt, denn sonst bleibt er auf seinen Getrerdesäcken«lenü sitzen. Eine ander« Vorsehung kann ihm nicht mehr zu Hilf« kommen, denn die Herbstsaat, die im nächsten Sommer aus den Markt kommt, ist ja bereits in der Erde. Die ganz« Sinn- und Ratlosigkeit dex autoritären Wirtschaftsführung enthüllt sichous dieser Regierungserklärung. TUL M AURICE COLLEANO PAUL GRAETZ Robivs/ Ccntry Jose Frtkson, Whirb winds usw. plAza Kiht Sdiln. BM. Stss.2. S.a"!). £ 7 Wtiduil UJt KATJA Die T&nzerln KomOüientiaus Schiffbatwdamm 25 M. 02«Iii. 6304-05 Beute letrte Vorstellung 8% Uhr Das Haus dazwischen mit Max Adalbert |akob Tiedtke «tili: Spolitntkr Rose-iheater 6 nii Fmlfirfir Stnli 132 TiL Wiidtui 67 3427 8.15 Uhr Die Zirkus- Prinzessin VOLKSBOHNE Theater am BOlowpiatz rxglids S Uhr D 1 Nordes 6536 Letzte 2 Aufführungen: Oliver Cromwells Sendung " Walter Gilbricht Regie Heinz Hilper: mit Eugen Klöpfer Stadl. Oper Charlottenburc Fraunhofer 0231 Sonnabend, 21. Jan. 20 Uhr Turnus II Martha Pfahl, Zador, Ludwig. Baumann, Pechner. Dirigent: L a d w i g il Ball m> Savoy Gitta Ätvav ffldfq Barsosy/ Cdfor Scne* Älseed Rotter tag»acht». 3> /■ Ahr tleta* prcife Deutsches Theater Schuniannstr.l3a Weidend. 5201 Täglich 8 Uhr Istnniingg tn Riiglwtl Prinz von Homburg von H. v. Kleist IIiiBig, Fihdner, FdUidt, Riylli/, Wtgrn*. IdiSmbr' Tti.d. Schauspieler Tbiitir in Sdiifftugniünm Weidendamm 3300 Täglich»>„ Uhr AfltomatenliQfett Sonnabend 4 Uhr Kai aus der Kiste Sonntag 33,4 Hansel und Grete) 514 Uhr Kamp! dir Tertia CASINO-THEATER 8 Uhr. Lothringer Strafe S 7 8 Uhr. IIIIIMIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIilllllM iiiiiiirontiiiit B. B. B. Sndows Bonte Bühne Kottbasur StraOe 6 Oherbnon 330« TlgUdi»>.-« Uhr Stgs. nachm. 4 U ne doiie Kiste Kuriilrslend.-in. Xurförsundamm 209 TeI.Bism.I400 Täglich SVi Uhr Glückliche Reise Operette von Kfinneke in der Premicrcnbe- setzactf 5cht'/er Bismarckstr.|Knic| Steinpl.(CD 6713 Täglich 8-?. Uhr Der Kollo�cblager Die Männer sind mal so Äwiiill. Hiidemnn Sonntag 4 Uhr Robert ühi] Bertram Variete, bunte Bühne, Kabarett A'nr noch bin S. Februar Onkel Mnz, der Ehestifter Freitag. 3. Februar: Premiere .ver Fürst von Pappenheira" Gutschein 1— 4 Personen Parkett nur 0,60. Fauteuil 0.75, Sessel 1.25 Sonntag 4 Uhr: Onkel Mnz. Kl. Preise. ÄN'M« CharlotlenstT. 90 Dönhoff 625 Täglich 81/* Uhr Auslandsreise mit Felix Bressar Maria Paadler Oscar Sabo, Löns, Behal, Berghof. Witt Stettiner Sänger Relcbshallen-Th„ Dönhoffpl. 8.15, Sonntags 3.30 zu ermfOigrten Preisen Das große Januarprogramm: nieliebenErlien �itäuuäer&Kinrd KEMPINSKP >HEUEQWELT( AnioM Stbolt- U-Balrn Birminnpl.- Hasrabiili 1118/14 Gr.Bodlbicrlcsi und fjucßei' /Upen ball 6 Kapellen Bayr. Bedienung Einlaß: Wochentags 7 Uhr. Sonntags 5 Uhr Nazilüge entlarvt Sich selbst angeschossen Durch die Ernuülungsarbeit der Politischen Polizei des Polizeipräsidiums ist abermals eine nationalsozialistische Lüge entlarvt worden. In den Nachtstunden vom 11. zum 12. Januar wurde in Brig der Nazistudent Werner Gri- s ch o w mit einem schweren Oberschenkelschuh aufgefunden. Der Verletzte wurde durch Partei- angehörige in das Virchow-Krankenhaus gebracht. Erst einen Tag später machte ein ,,Pg." des an- geblich von Kommunisten angefallenen und nieder- geschossenen Nazistudenten der Polizei von dem Borfall Mitteilung. Die Politische Polizei befähle sich sofort mit der Angelegenheit und besah sich den Nazijünger im Krankenhaus näher. Der Verlauf des Schuhkanals lieh von vornherein Zweifel an der Richtigkeit der Aussagen des an» geblich Niedergeschossenen auftauchen. Trotz ver- schiedener anderer Widersprüche blieb der Nazi- student dabei, dah Kommunisten ihn aus dem Hinterhalt über den Haufen geschossen hätten. Die Folge der nationalsozialistischen Hetze, die auf den angeblichen Feuerüberfall auf einen ihrer Leute einsetzte, war die Demolierung eines kommunistischen Lokals in Britz. In zwei aufeinander folgenden Nächten, am 13. und 14. Januar wurden auf dieses Lokal etwa ein Dutzend Pistolenschüfse abgegeben. Von einem Polizeiposten war weit und breit in beiden Nächten nichts zu sehen und so konnten die Täter entkommen. Jetzt hat sich herausgestellt, dah der kommu- nistische U eberfall einzig und allein in der Phantasie des Nazistudenten bestanden hat. Der Bursche hatte auf dem Heimweg nach der elterlichen Wohnung in der Bürgerstr. 19 in Britz mit einer Pistole hantiert. Dabei war ein Schuh losgegangen und die Kugel war ihm in den Oberschenkel gedrungen. Ein Begleiter des Nazistudenten, der den Un- fall miterlebt hatte, nahm den Mantel des Grischow, der de» EinfchuH mit dem charakteristischen Nohschuhbrandmal aufwies, und die Pistole an sich und beseitigte beides. Krimi- nalkommissar Dr. Braschwitz nahm den Nazi- studenten nochmals in ein scharfes Verhör und, in die Enge getrieben, gab Grischow schließlich zu, sich selbst angeschossen zu haben. Das Märchen hätte er erfunden, um seinem Vater, einem Justizbeamten, keine Ungelegen» hellen zu bereiten. Agrarierkrach beigelegt Briekvechsel zwischen dem Landbund und dem Reichspräsidenten Der Reichslandbund veröffentlicht nun- mehr das Schreiben, das das Präsidium des Reichslandbundes unter dem 12. d. M. zusammen mit der Gegenerklärung des Reichslandbundes als Erwiderung auf die bekannte amtliche Mitteilung der Reichsregierung vom 11. d. M. an den Reichspräsidenten gesandt hat In diesem Begleitschreiben erklärt das Präsidium des Reichs- landbundes: Wenn die Vertreter des Bundesvorstandes nicht auf die zuvor gefaßte und veröffentlichte Ent- schliehung ausdrücklich hingewiesen, sondern sich auf die Wiedergabe der darin zum Ausdruck ge- brachten Gesamteinstellung beschränkt haben, so geschah dies ohne jede Nebenabsicht. Der von der Reichsregierung dem Bundesvorstand ge- machte Vorwurf der Demagogie und Illoyalität muh als unbegründet zurückgewiesen und der von der Reichsregierung beschlossene Abbruch der Be- Ziehungen als durch den tatsächlichen Hergang nicht begründet empsunden werden. Im Austrage des Reichspräsidenten antwortete Staatssekretär Meißner unter dem 17. Januar. daß der Reichspräsident von dem Schreiben sowie von der beigefügten Erklärung zu der amtlichen Mitteilung der Reichsregierung über den Ab- bruch der Beziehungen, die dem Reichs- Präsidenten vor der Veröffent- lichung vorgelegen habe, Kenntnis genommen und beides dem Reichskanzler zur Erledigung weitergeleitet habe. Der Reichspräsident wiederholt bei diesem Anlah seine dem Bundesvorstand mündlich gegebene Er- klärung, daß er nach wie vor den festen Willen hat, der schweren Notlage der Landwirtschaft, ebenso wie der anderer notleidender Berufsstände, im Rahmen des Möglichen abzuhelfen: der Herr Reichskanzler hofft, daß die von ihm vollzogene, die Verlängerung und Ausdehnung des Voll- streckungsschutzes enthaltende Verordnung zur Be- ruhigung der Landwirtschaft beitragen wird, Sschilfenoerwaltung Vergebliche Warnungen Genosse Grzesinski schreibt uns: Bei den Beratungen im HausHaltausschuH des Reichstags über die Osthilfe wurde von unseren Rednern mit Recht auch auf den erheblichen Verwaltungsapparat hingewiesen, der Unsummen verschlingt, dabei aber nur zur Er- schwerung. der erforderlichen Arbeiten beiträgt. Der Herr Reichslandwirtschaftsminister glaubte diese Einwendungen damit abtun zu können, in- dem er daraus hinwies, dah zwei Drittel der Umfchuldungsarbeiten bereits geleistet seien und infolgedessen ein Abbau des Behördenapparats jetzt oder gar eine Umänderung der behördlichen Organisation nicht zweckdienlich sei. Ich darf daran erinnern, daß ich im sozialdemokratischen Diskussionsorgan„Das Freie Wort' in Nr. 38 vom 21. September 1939 in einem Artikel unter der Ueberschrift„Verwaltungsunfug im Reich" u, a. auch auf die UnZweckmäßigkeit und das Un- nötige der Schaffung neuer Osthilfebehörden des Reiches hingewiesen habe. Ich schrieb damals: „Während ich dies schreibe, veröffentlicht der „Reichsanzeiger" die Ausführungsbestimmungen zum Osthilfegesetz und macht auch Mitteilung davon, dah zur Durchführung der Umschuldung und des Vollstreckungsschutzes fünf Landstellen in Königsberg, Köslin, Schneidemühl, Breslau und Oppeln errichtet werden sollen. Also wieder neue Reichsbehörden! Denn der Leiter der Landstelle, der Kommissar— er kostet im Range eines Ministerialdirigenten, mit Gehalt, Zuschlägen, Wohnungsgeld und Zuschuß für doppelten Haushalt etwa 22 999 M, im Jahre .— braucht Sachbearbeiter und Hilfskräkt«, Büroräume und Einrichtungen aust vier bis fünf'Jähre! Und dann wird' nach Gründen und Arbeit für den Weiterbestand der Stellen ge- sucht. Dabei könnten auch hier die an den be- stimmten Orten vorhandenen preußischen Re- gierungsstellen bequem eingeschaltet und der „Das Lidbes verbot" Erstaufführung in der Linden- Oper Es ist, als hätte die Staatsoper, als hätte T i e t j e n praktisch kommentieren und unter Be- weis stellen wollen, was hier vor wenigen Tagen über beide gesagt werden mußte: so blamabel ver- lief diese Aufführung, die ein Akt der Pietät gegen Wagner sein sollte— und ein Akt der Pietät- losigkeit wurde. A. W. Wer kriegte Osthilfe? Schuld der Volksbühne? Tatsachen gegen unbegründete Vorwürfe Ueber das künftige Schicksal des De u t s ch e n Theaters schweben noch immer Verstand- lungen zwischen Max Reinhardt und dem Konsortium N e f t- A ch a z. Einige Blätter muß- ten nun gestern abend zu melden, dah ein Erfolg dieser Verhandlungen im letzten Augenblick durch das Verhalten der Volksbühne in Frag« gestellt fei. Bekanntlich war Heinrich Neft lange Jahre hindurch Geschäftsführer der Volksbühne. Bei dieser hatte er sich in günstigen Togen einen Ver- trag erwirkt, der ihm für den Fall seines Aus- scheidens bis zum Lebensende eine ungewöhnlich hohe Pension sichert, eine Pension, die etwa der eines Ministers gleichkommt. Dafür enthält der Pensionsvertrag eine Klausel, die es Neft unter- sagt, ohne Genehmigung des Vorstandes der Volksbühne sich an einem anderen Berliner Theater zu beteiligen. Es ist ja auch ganz selbst- verständlich, daß die Volksbühne nicht zusehen kann, daß eine Persönlichkeit von ihr monatlich mehr als 1999 M, Pension bezieht und ihr dann noch als Leiter eines anderen Berliner Theaters Konkurrenz macht. Als nun die Frage des Deutschen Theaters akut wurde, trat Nest an die Volksbühne mit dem Antrag heran, man möchte ihm die Uebernahme der Direktion des Deutschen Theaters gestatten. Binnen dreier Tage erklärte sich der Vorstand der Volksbühne bereit, diese Erlaubnis zu geben, wenn Neft fürdie Dauer seiner Tätigkeit am Deutschen Theater auf Lohengrin Edler v. Braun:„Nie sollst du mich befragen, noch Wissens Sorge tragen!" vorhandene Verwaltungsapparat kostenlos be- nutzt werden, wie das für Oppeln wohl auch in Aussicht genommen ist____ Das Argument, dah es sich um die Verwaltung und Verteilung von Reichsgeldern handelt, kann doch nicht ernst genommen werden, denn damit könnte man ja alles mögliche begründen, Vielleicht glaubt die Regierung Brüning mit den selbständigen Reichslandstellen den groß- agrarischen, befitzerhaltenden Zweck des Osthilse- gesehes besser erreichen zu können, als wenn die objektiv eingestellten, Land und Leute sehr ?enau kennenden preußischen Berwaltungs- ehörden die Durchführung in der Hand haben.. Inzwischen hat sich die Richtigkeit meiner An- nähme leider zu sehr bestätigt. Dabei möchte ich keineswegs behaupten, daß Herr Reichskanzler Brüning die unterstellten und heute Wirklichkeit gewordenen Absichte» gehabt hat: Lediglich die Sucht einer Reichsbürokratie nach neuen Stellen und die Abneigung des ostelbischen Junkertums gegen die preußische, damals republikanisch und dauern- und siedlungsfreundlich eingestellte Ver- waltung hat die neuen unerhört teuer, langsam und ohne genügendes objektives Unterlagen- Material arbeitenden Reichsoerwaltungsstellen er- zwungen, Krach im Hitler-Lager Stegmanns„Ereikorps Franken" verläßt mit ihm die NSDAP. die Pension verzichten, für die weiteren Jahre auf eine geringfügige Kürzung (genau ein Fünftel) eingehen und außerdem die Verpflichtung übernehmen würde, als Leiter des Deutschen Theaters nicht die Mitglieder- beitrüge der Volksbühne zu unter- bieten. Herr Neft brauchte drei Tage, um sich grund- sätzlich zu entscheiden und trat nach fünf Tagen an hie Volksbühne mit der Bitte heran, man möge ihm nunmehr den Entwurf des neuen Vertrages vorlegen, Der Vertreter der Volksbühne, mit dem er Rücksprache nahm, sicherte das noch für den gleichen Tag zu, sah sich aber dann veranlaßt, Neft anzurufen und ihm mitzuteilen, daß er sich noch einen— wohlverstanden— einen ganzen Tag gedulden müsse, da die Formulierung des neuen Vertrages doch nicht so ganz einfach sei. Inzwischen ist Herr Neft genau zu dem tele- phonisch mitgeteilten Zeitpunkt in den Besitz des Vertragsentwurfes gelangt. Wie man da von einer„Verschleppungspolitik" der Volksbühne sprechen und ihr den Vorwurf machen kann, sie suche den Abschluß Nest- Achaz-Reinhordt hinauszuzögern, ist un- erfindlich. Es scheint, daß wieder gewisse Kreise am Werke sind, die um jeden Preis der Volks- bühne etwas am Zeug« flicken wollen. Die Volks- bühne hat sich im vorliegenden Falle wohl wirk- lich so loyal verhalten, wie man das nur irgend erwarten kann. Eigener Bericht des„VonoSrts" München, 29. Januar. Der schwer« Konflikt zwischen der fränkischen SA, und Hitler ist in ein neues Stadium getreten. Der abgesetzte Gruppen- führer von Franken. Reichstasabgeordneter Steg- mann, hat feine am letzten Sonntag Hitler per- sönlich abgegebene Unterwersungserklärung zu- rückgezogen und ist mit dem unter seiner Führung gebildeten„Freikorps Franken" aus der Nazi- parte! ausgetreten. Diesem Beispiel der SA. ist bereits eine große Anzahl der zivilen Ortsgruppen gefolgt, andere haben die Weiter- Zahlung der Beiträge gesperrt, so daß durch diese Massenaktion die ganze Hitlerei Frankens in voller Auslösung begriffen ist, Den unmittelbaren Anlaß zu diesem vollkom- menen Bruch bildet das Vorgehen der von Hitler als Gauleitung in Nürnberg gehaltenen Streicher-Clique, die trotz der person- lichen Unterwersungserklärung Stegmanns die ihm treu gebliebene SA, durch Parteibesehl aus der Bewegung ausschloß. Telegraphijche Ver- Handlungen mit Hitler blieben er- gebnislos. Selbst die Zusage daß der Osaf am kommenden Sonntag zu Verhandlungen nach Nürnberg kommen werde, oermochte die maßlose Erbitterung der Prätorianergarde nicht mehr zu dämpfen. Der Beschluß zum letzten Kampfmittel „gegen das gewinnsüchtige Bonzentum der mittel- fränkischen Gauleitung" wurde in einer Sitzung sämtlicher Unterführer der fränkischen SA. gefaßt, nachdem Hitler die telegraxbilche Ausforderung, das Unrecht an Stegmann wieder gutzumachen, brüsk abgelehnt hatte. Die Solidarität der SA.. die angeblich von der SS, Frankens mit wohl- wollender Anteilnahme verfolgt wird, bewog schließlich Stegmann doch, offen als Rebell gegen die Partei an die Spitze des„Frei- korp» Franken" zu treten, das finanziell von zahlreichen Ortsgruppen ge- stützt wird. Veränderungen in Anhalt Eigener Bericht des„Vormärts" Dessau. 20. Januar. Die Zersetzung der National- sozialistischen Partei und ihre finanziellen Schwierigkeiten, die aus allen Teilen des Reiches gemeldet wer- den. zeigen sich jetzt auch in Anhalt. Kürzlich wurde der Gauleiter für Magdeburg- Anhalt, der Dessauer Bürgermeister Hofmann, plötzlich abgesetzt und durch den früheren Gauleiter Reichstagsabgeordneten Löper abgelöst. Dieser Personalwechsel hat jetzt zu neuen heftigen Aus- «inandersetzungen innerhalb der NSDAP, geführt, die nach berühmtem Muster durch Tätlichkeiten ausgetragen werden. In Dessau haben die Nazis vor nicht allzu langer Zeit ein Hitler-Haus auf dem Grundstück eines früheren Gasthofes eingeweiht, dessen Räume sie restlos für ihre Partei gem-eret hotten. Diese Lokalitäten mußten sie infolge großer Mietrück- stände wieder räumen Gleichzeitig haben sie ein Büro für den Gruppenführer Mitte aufgegeben, so daß auch nach außen hin die Verkleinerung der Partei und ihrer Einrichtungen erkennbar wird. GA.- Meuterei in Stuttgart Eigener Bericht des„Forrvärts" Stuttgart. 20. Januar. Ueber die bei den Stuttgarter Na- tioualsozialisten bestehenden Berhält- Hältnisse macht die sozialdemokratische „Schwäbische Tagwacht" Mittet- lungen, die auf den baldigen AuS» bruch eineS ähnlichen Skandals schließen lassen, wie er in Nürnberg zu- tage trat. Zwischen dem in der Goethestraße gelegenen Haus und dem SA.-Heim in der Urbanstraße be» steht ein scharf zugespitztes gegensätzlickfes Ver- hältnis, aus dem heraus schon wiederholt Meutereien und Schlägereien in den Sturm- lokalen entstanden sind. Die Herren vom Braunen Haus fchikanisieren die SA.-Leute und bedienen sich besonders des im SA-Heime tätigen Kochs. Dadurch ist bei den SA.-Leuten ein Haß gegen das Braune Haus entstanden, der sich schon in Drohungen entlade» hat wie:„Wenn es einmal losgeht, dann kommen zuerst die Herren vom Braunen Haus dran!" Die SA,-Leuie belchweren sich auch darüber, daß Gelder, die für das Heim und für die Arbeitslosen gelammelt wurden, diesen Zwecken nicht zugeführt worden sind. Hinzu kommen Beschwerden über die Verhält- nisse im Heim selbst. Nicht nur. daß auch hier der H o m o s e x u al i s m u s sich m widerwärtiger Weise breit macht, sonder vor allem müssen d>e Arbeitslosen im SA.-Heim geradezu Hunger leiden. hat doch die Geldklemme schon einmal dazu geführt, dah dem Braunen hau, wegen Richtbezahlung der Elektrlzilätsrechnung da» Licht gesperrt worden ist. Infolge dieser Elendsver- hällnisse ist der Sameradendiebstahl keine Seltenheit. Das schlimmste aber sollen die Zustände in der Küche sein, aus der die wertvollsten Spenden , ins Unbekannte" oerschwinden. Dabei kauft hie Küche incht etwa bei den Spendern aus den Kreisen d«s Einzelhandels ein, sondern in den „jüdischen Warenhäusern", berechnet aber werden die höheren Preis« des Einzelhandels. Rückkehr zur Vernunft? ftodung" ist die Uebersetzung ins Schwee- iTldustrielle für„angekündigte Sym- pathieausfperrung". Zur Neuordnung der Arbeitslosenhilfe Die Frage der Vereinheitlichung der Arbeitslosenhilfe beschäftigt zur Zeu da- Reichskabinett. Longe Zeit sah es ganz so aus. als ob diese„Vereinheitlichung" nur in einer rest- losen Zerstörung der Arbeitslosen- Versicherung beliehen werde Die Arbeits- losenoersicherunc war nur noch eine Fiktion. Man ließ diese Fiktion bestehen, weil man die Beiträge zur Versicherung gerne einkassierte. Aus den Beitrogen war allmählich eine kräftig und stetig fließende schöne Steuerquelle ge- worden. Für alles mögliche wurden die aus den Beiträgen stammenden Mittel verwendet, am allerwenigsten aber für die. die die Beitröge zahlten. Tausendmal haben die Gewerkschaften auf diesen unerträglichen Zustand aufmerksam gemacht Nach der Haltung des Sozialpoli- tischen Ausschusses des Reichstags darf man jetzt wohl von den verantwortlichen Stellen «ine Rückkehr zur Vernunft erwarten. Die Hilfsbedürftigkeitsprüfung in der Arbeitslosenhilfe ist im Ausschuß auf For- derung der Sozialdemokraten hin verworfen worden. Das Gutachten der Reichs- a n st a l t hat ihr den Todesstoß gegeben. Die Reformpläne der Regierung liegen allem Anschein nach in der durch die Be- schlüsse des Sozialpolitischen Ausschufles vorge- zeichneten Linie Die Beseitigung der Hilf- bedürstigkeitsprüfung bedeutet praktisch die Wie derherstellung des Verficherungs- charokters der Arbeitslosenversicherung in einem gewissen Umfang. D'e Pläne des Reichs- arbeitsministers gehen bekanntlich dahin, die Dauer der versicherungsmäßlgen Unterstützung um sechs auf zwölf Wochen zu verlängern. Nach diesen zwölf Wochen würde dann nur noch ein« Bedürftigkeitsprüfung und zwar etwa iin Sinne der früheren Krifenfllrsorge ein- setzen Da die Leistungen in Versicherung und Krifenfllrsorge längst einander angepaßt wurden. würde diese Neuregelung praktisch auf eine Z u- sammenlegung von Krisenfürsorge und Ar- beitslolenversicherung hinauslaufen. Diese Ver- besferung genügt nicht. Die finanzielle Loge der Arbeitslosenversicherung gestattet sehr wohl eine Ausdehnung der oersicherungsmäßigen Unterstützung auf 20 Wochen. Auch müssen die U n t e r st ü tz u n g s s ä tz e der Versicherung verbessert werden und ebenso muß aus der Falsche Sparsamkeit des Feuerschutzes Eine Betriebsversammlung der Berliner Feuerwehr befaßte sich mit dem Vorschlag einer Kommission der Hauptprüfungsstelle des Berliner Magistrats, nach dem E i n f p a r u n- gen im Etat der Feuerwehr gemacht werden sollen. 100 Oberleuerwehrmannstellen sollen wegfallen und 300 Beomtenstellen in Ar- beitsplätze umgewandelt werden. Die Haupt- Prüfungsstelle folgt in bezug aus die Oberseuer- wehrmannstellen dem Vorschlag der Kommission, schlägt aber andererseits vor, statt der plan- mäßigen Beamtenstellen 200 außerplanmäßige Stellen für Feuerwehrmänner zu schaffen. Der Vorsitzende des Beamtenausschusses, Genosie Hermann Heyn, vom Verband deutscher Berufs- feuer wehrmänner im Gesamtoerband, wandte sich ganz entschieden gegen diese Maßnahme. Der Personalbestand der Berliner Feuerwehr ist ohne- hin viel zu gering. " Die Verwirklichung de- Vorschlags wurde be- deuten, daß die neueintretenden Anwärter nur noch% des Anfangsgehalts erhalten. Das An- fangsgehast der Berliner Feuerwehrmänner ist bereits durch den Beschlutz des Oberpräsidenten vom Frühjahr ISöl herabgesetzt. Eine nochmalige Kürzung um K müßte zu katastrophaler Gesund- heitsschädigung führen. Nach der Denkschrift von Prof. Dr. Atzler„Die Dienstzeit der Berufsfeuer- wehrleute in Deutschland" ist die Zahl der Alarme in Berlin doppelt so hoch wie im Durchschnitt der übrigen Städte des Reiches. Versorgung?- a n w ä r t e r, die in den Feuerwehrdienst ein- treten, erhalten bereits bisher 23 Mark weni- ger, als sie vor ihrem Ausscheiden aus dem Heeresdienst hatten. An das Feuerwehrpersonal werden so erhebliche Anforderungen gestellt, daß bei weiterer Kürzung des Anfangseinkommens bereits in den ersten Dienstjahren der Keim zu vorzeitigem Siechtum gelegt werde... Die Er- höhung des Kronkenstandes und die Unmöglichkeit der Verminderung der Besetzung der Fahrzeuge mühte wieder zu einer Erhöhung des Personal- bestandes führen. Daraus würde sich eine weitere Belastung der städtischen Finanzen ergeben. Eine Arbeitnehmergruppe, die jeden Tag bereit ist, Gesundheit und Leben in den Dienst der Be- oölierung Berlins zu stellen, verdient«ine andere Behandlung. Die Vorschläge sind aufgestellt ohne Berücksichtigung der Anforderungerl. die an die Anwärter im Feuerwehrdicnst gestellt werden müssen. Es muß erwartet werden, daß der Ma- giftrat der Stadt Berlin das Derfäumte nachholt und die Vorschläge der Hauplprüfungsstelle so behandelt, wie es der Feuerschutz der Reichshaupt- siadl erfordert. Kommiffarpolit» Lohnabbau m Preußen Im Lohnstreit mit der preußischen Staatsiorsl- Verwaltung über den Neuabschluß des Loh»- tarifoertrages für die Forstarbeiter hat der vom Reichsarbeitsministerium eingesetzte Sonder- schlichter jetzt«inen bindenden Schieds- s p r u ch gefällt. Der Schiedsspruch senkt die Stundenlöhne der vollarbeitsfähigen Forst- arbeiter über 21 Jahre ab 1. Februar in allen Ortsgruppen um 3 P f, die Stundenlöhne der übrigen Arbeiter und Arbeiterinnen im gleichen prozentualen Verhältnis. Die bisher gellende Akkordgrundlage bleibt unverändert, so daß die Akkordlöhne nicht reduziert werden. Das Lohnabkommen kann erstmalig zum 30. Juni geküirdigt werden. Wenn der Schiedsspruch auch einen Strich durch die Rechnung der Kommissare in Preußen macht, die anfänglich einen Lohnabbau um 12 Pf. in der Spitze und dann 6 Pf. gefordert hatten, so bleibt er dock) immerhin unverständlich. Es ist noch nicht lange her, als der„soziale General" von Schleicher in seiner bekannten Rundsunkrede von der wirtschaftlichen Unzweckmäßigkell und sozialen Ungerechtigkeit jedes weiteren Lohnabbaues sprach Wie lange dürfen noch die amtlichen Schlichtungs- instanzen entgegen dieser Auffassung des Herrn von Schleicher handeln? war so gefaßt, daß eine findige Auslegung zu den Leistungsvoraussetzungen auch die Warte- zeit der Invalidenversicherung rechnen konnte. Wir hatten auf diese Möglichkeit sofort hin- gewiesen. Die Praxis hat unsere Befürchtungen bestätigt. Wir haben in der Folge unermüdlich aus Abänderung der Bestimmung gedrungen. Diesen ununterbrochenen Forderungen trägt jetzt die Verordnung vom 9. Januar 1933 Rechnung. Sie bestimmt, daß zu den genannten Leistungs- Voraussetzungen nicht die Erfüllung der Wartezeil in der Invalidenversicherung gehört. Dieser An- fangsersolg wird für den AsA-Bund ein Ansporn sein, um den Kampf um den organischen Neu- a u s b a u der durch die 4. und 5 Notverordnung zerschlagenen Wonderoersicherung mit verstärkten Kräften fortzuführen. Erster Erfolg Vom AsA-Bund wird uns geschriebene Nach der unerträglichen Verlängerung der Wartezeiten durch die 4 Notoerordnung hatte die S. Naiver- ordnung u. a. die Bestimmung geschaffen, daß die Leistungen der Invalidenversicherung an W a n- derversichert« erst zu gewähren seien, wenn die Leistungsvoraussetzungen der Jnvalidenver- sicherung erfüllt sind. Der Text der Notverordnung Arbeiterrat die freien Gewerkschaf- t e n 804(1397) Stimmen und 3(7) Sitze, die REO. 1321(1997) und 8(10). die Nazis 188 (380) Stimmen und 1(2) Sitze. Bon den 781(1412) wahlberechttgten A n g e- stellten gaben 646(1396) ihre Stimme ab. Es erhielten die freien Gewerkschaften 320(733) Stimmen und 3(7) Sitze im Angestelltenrat, der G-dag 216(481) und 4(4), der GdA. 65(123) Stimmen und 1(1) Sitz. Die REO. hatte die frei- gewerkschaftlichen Angestellten aufgefordert, für die Arbeiterliste der NGO. zu stimmen. Die 10 Stimmen, die von freigewerkschaftlichen Ange- stellten für die RGO.-Arbeiterliste abgegeben wurden, sind natürlich ungültig. Wären sie für die freigewerkschastliche Kandidatenliste abgegeben worden, dann hätten die freien Gewerkschaften im Angestelltenrat nicht 5, sondern 6 Sitze und der Gedag nicht 4. sondern 3 Sitze. Dies ist der eigentliche„Erfolg" der RGO. Der Betriebsrat setzt sich aus 16(21) Per- sonen zusammen, und zwar aus 6(9) Freigewerk- schaftlern. 7(9) REO.-Leuten, 2(2) Mitgliedern des Gedag und I(1) Nazi. Der GdA. ist im Betriebsrat nicht vertreten. AEG.-Betriebsratöwahl In der Brunnenstraße Am Donnerstag wurde in der AEG. Brunnen- ftraße der Betriebsrat gewähll. Im großen und ganzen hat sich an der Zusammensetzung Hinsicht- lich der Stärke der einzelnen Richtungen nicht viel geändert. Bon einem„Sieg" der Einheitsliste, über den die„Rote Fahne" in ihrer gestrigen Ausgabe berichtet, kann nicht gesprochen werden. Die RGO. hat den Arbeiterrot schon seit vier Jahren beherrscht und auch jetzt wieder die Mehr- heit in'ihm erzielt. Pessimisten hatten sogar er- wartet, daß die RGO. ihre Position im Arbeller- rat wesentlich verbesiern würde, well durch die jahrelange Kurzarbeit die Arbeiterschaft äußerst verbittert und den radikalen Parolen zugänglicher denn je gemocht worden ist. Die durchschnittliche Kurzarbeit betrögt in diesem Betriebe drei Tage in der Woche. Das Ergebnis der Wahl ist folgendes: Von den 2780(1931— 4347) wahlberechtigten Arbeitern stimmten 2467(4017) ab. Es erhiellen für den Versicherung jede Bedürftigkeitsprüfung ver- schwinden Mit der Aufrechterhaltung der Arbeitslosenoer sicherung wäre auch das Wohlfohrtser- werbslosenproblem noch nicht gelost. Die Gemeinden sind ja nur allmählich von chren wilden Plänen, wonach die gesamte Arbeitslosen- betreuung den Kommunalverwaltungen aus- geliefert werden sollte, abgekommen. Auch bei ihnen sind schwache Ansätze zu einer Rückkehr zur Vernunft zu beobachten. Die Gewerkschaften fordern die Schaffung einer Reichsarbeitslosenfürsorge neben der Wiederherstellung einer wirklichen Arbeitslosen- Versicherung. Für diese Reichsarbeitslosensürsorge darf es aber nur noch eine Bedürftigkeits- Prüfung geben. Die Unterstützungssätze müssen einheitlich sein. Der Vorschlag der Gewerkschaften würde im übrigen auch ein Stück Verwaltungs- reform bringen. Im Reichsarbeitsministerium scheint man davon aber nichts zu wissen. Jedenfalls wird es nun Zeit, daß die Regie- rung mll ihren Reformplänen herausrückt. In der Arbeitslosenbetreuung müsien endlich klare und erträgliche Verhältnisse geschaffen werden. Abgerutscht. Bei den Wahlen für die Orlsver- wallung des Zentraloerbandes der Schuhmacher in K o r n w e ft h e i m, dem Sitz der Salaman- derfchuhfabriken in WürllemMrg, haben die Kommunisten eine vernichtende Niederlage erlitten. Trotz eines angeheuren Aufwands an Flugschriften, trotz einer riesigen Versammlungs- arbeit— bei einer Reichstagswahl hätte sie kaum größer fein können— brachte es die kommu- niftiiche Vorschlagsliste nur auf 56 Stimmen gegen 668. die auf die' Verbandsvorschlagsliste entfielen. Hierzu 1 Beilage. Schultheiss- Patze nhof er Brauerei* Aktiengesellschaft. Bilanz am 31. August 1932. Aktive Änlaeeverm5g€n..............-.......•....... Beteiligungen einschl. der zur Beteiligung bestimmten Wertpapiere.................... Umlaufsvermögen............................ Avale........ RM 13 050 193.18 Passiva Grundkapita!*) Stammaktien................................ Vorzugsaktien.............................. Gesetzlicher Reservefonds.................... Rückstellung für Verluste.................... Teilsdhulüversdireibungen................... Auf Grundstücken der Gesellschaft lastende Hypotheken................................ Nicht abgehobene Dividende................ Guthaben der Kunden und Angestellten.... Kautionen.................................... Verbindlichkeiten auf Grund von Warenlieferungen und Leistungen............... Noch nicht fällige Steuern.................... Verbindlichkeiten gegenüber abhängigen Gesellschaften und Konzerngesellsdiaften.... Feste Darlehenschuld........................ Reorganisationsschuld........................ Verbindlichkeiten gegenüber Banken(Konto- Korrent-Verkehx).......................... Wohlfahrtsfonds und-kassen................ Richard-Roesicke-Beamten-Pensionskasse.... Walter-Sobcrnheim-Siiflung.................. Vortrag aus 1930/32.......................... Reingewinn aus 1931/32...................... Avale........ RM 13 050 193.18 *) Daneben bestehen RM 8 000 000.— Genußscheine. Gewinn« und Verfus rechnung am 81. August 1982. Aufwendungen Lohne und Gehälter.......................... Soziale Abgaben.............................. Bier- und andere Steuern.................... Aufwendungen mit Ausnahme der Aufwendungen für Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe sowie Waren........................ Zinsen, soweit sie die Enragszinsen übersteigen....................................... Absdireibungen.............................. Rücklage auf Darlehen...................... Reingewinn.................................. RGO.- Betriebsrat versagt Das Aschinger-Beiapiel Durch Schiedsspruch des Schlichtungsausschustes ist die Arbeitszeit im Gastwirts- g e w e r b e neu geregelt. Die Direktion der A s ch i n g e r A.- G. vcrhandelle nun mll dem Betriebsausschuß über die Neuregelung der Arbeitszeit. Die Mehrheit des Be- triebsausschusses, bestehend aus RGO.- Leuten, unter Führung ihres RCO.-Betriebs- raisvorsitzenden Kroß brachte es bei den Ver- Handlungen nicht einmal fertig, den Arbeits- plan als einen Teil der Arbellsordnung nach den gesetzlichen Bestimmungen aufzustellen. Kroß unterschrieb vielmehr Ab- machungen, die im krassen Gegensatz zu den Bestimmungen des Tarifvertrages stehen. Von freigewerkschaftlichen Be- triebsrälen darauf aufmerksam gemacht, daß die Vereinbarung die er unterschrieben habe, den Tarifvertrag, auf den er so viel geschimpft und dessentwegen die RGO. sogar zum Streik aufgerufen hat, noch verschlechtere, erklärte Kroß, daß er nach den dreiskündigen verHand. hingen mit der Direktion derartig durcheinander war. daß er sich der Trogweite seiner Handlung nicht mehr bewußt war. So also sieht die prak- tische Arbeit„revolutionärer" Betriebsräte aus! Die freigewerkschaftlichen Be- t r i e b s r ä t e der Aschinger A.-G. haben im Betriebsrat den Antrag aus Auflösung des Betriebsrats gestellt, weil für die Arbeitnehmerschajt bei Aschinger eine solche Jnter- essenveriretung einfach nicht mehr tragbar ist. Die SPD.-Fraktion des Afchinger-Konzerns hat für den 24. Januar 1933, abends 7 Uhr, im Sitzung?- faal des Nahrungsmittel- und Getränkearbeiter- Verbandes, Neue Schönhauser Straß« 4/5, eine Sitzung einberufen, in der auch zu dieser Ange- legenheit Stellung genommen wird. Es ist un- bedingte Pflicht jeder Genossin und jedes Genossen, zu dieser Sitzung zu erscheinen. 17 436 631 39 1 3U2 323 67 34 336 327 69 8 646 239 57 3153 189 32 3 411 363 91 1 5 U(XiÜ— 3 302 519,57 73 979 115132 71 233 474 09 1802 725 99 .. Erträge RM 4 Vortrag aas 1930/31.......................... 4291324 Ertrag nach Abzug der Aufwendungen für Roh*. Hilfs- und Betriebsstoffe sowie Waren Erträge aus Beteiligungen und außerordentliche Erträgnisse........................... ' 73 7-1 il;, 32 Die Auszahlung der Dividende von 4% auf das Aktienkapital von RM 41 400 000.— Stammaktien erfolgt gegen Rück gab© des Gewinnanteilscheines Nr. 1 bei der Deutschen Bank und Disoonto Gesellschaft. Berlin, Mauerstrafie 29— 32, und deren Niederlassungen in Breslau. Dessau. Hamburg und München, „ der Berliner Handels-Gesellschaft. Berlin, Französische Sirafie 42—44. .. der Com tuen- und Privat-Bank, Aktien-Gesellschaft, Berlin, Charlottensirafie 47. und deren Niederlassungen in Breslau, Dessau, Hamburg und München. .. der Dresdner Bank. Berlin, Behren st r. 35—39. und deren Niederlassungen in Breslau, Hamburg und München. .. dem Bankhaus jacqnier& Securius, Berlin, An der Stech bahn 3/4, „ dem Bankhaus E. j. Meyer, Berlin, Voßstraße 16, Berlin, den 19. Januar 1923. Der Vorstand. KLEINE ANZEIGEN iiuiiimiiiuiiiiiimmiinimiiiimmiiniiiiimMiiiiiiiiiimmimimiiMiiimimiiiimmi Preise: Uberschriftswort 20 Pf., Textwort 10 Pf. Wiederholungsioborti 0 mal 5%, 8 mal 7v,%, 12 mal 10%, oder 10.0 Worte Abschluß 10%. 2000 Worte 15%, 000 Worte 20%. Annahme durch den Vertag. ündenstr. 3('/, 9 bis 5 Uhr), säm liehe Vorwdrts-Filialen u. Ausgabestellen, sowie alle Annoncen. Expeditionen uerxauie üochhcidr Inder flrt u turäRe Siiesenausrvaht Teilzahlung, trans- porlabtr Sadiflöfrn Ladewanne». Orlen jtesselSlrn Dir alir lZirma Srmmlre und BIrnbrrg Drrsdenrrltrahk 99. Jannouiitl P 7 6651. loptttn Szillal. Kolonie. fttaftr 9 müiHi „Geplante Arbeitsstockung" Der tzandelsdienst des WTB. meldet aus Esten, daß infolge der Beendigung des Lohnkonflikts im Siegerland die„geplanten Arbeits- st o ck u n g e n" bei den Lieserwerker„nur vor- übergehender Natur" sein werden. Die deutsche Sprache ist doch sehr elastisch.„Geplante Arbeits- Patenlmatralirn .Priinissiincr-ilut- ti'cii'inairatirn Mr. laDbtUrn Chaise. longurs, Walter Stacgatbrr Strahr achtzehn Spejiai. arfrbSn____* "»i- 34 Monate zahlnua«. erlddilttunq! Schlafiiimine' Stü- Qirn, Snrisej.. met, EtniielmSbel Dal- ftrtm'dbrl Tenviche. Gardinen Läufer- stoffe. Schräger. Jnnalidenstr. 141.- I Xotclausoetlaui wegen Geschäfts- aufgiibe. Großer Paste» Schlaszim. mer. Saeilezimmer. Herrenzimmer, fa. brilneue Qualität». wäre, verschiedene krähen und Holzarten, zu Schleuder. preisen. Echlafzim mer, Schwedenbirle, hochalanzpoliert 299 breit. 4ii9,- Eiche. 180 breit, 275,—. Modernes ! Speisezimmer 275,—. fliichen 60,—. An- Ileidefchränke. flau- | tasisch.Nußbaum. fJnnenspiegel. 85,—. .Gebrauchte Möbel, Echlarzimmer 120.—. f Ankleidefchrank 65,—. Einzelmöbel, Pelstermaren. 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Karostert* f rbrik, Keaen I Ruhr) I monatlich iui Zustellung tue Haus) !?ei A stall d-r Lieferung wegen ........., �_____|_______......................„__________________.. fettgedruckte Kort 20 PI ledes weitere Wan" l«��"�swbatt' laut Tärit""?Iör!e"übeV"l5"Buchftaben Wählen für zwei Äarre Ärbeitsmarlr MillimeterzeU« 25 Pf. Famrlrenanzeiaen Millimeterzeile 16 Pf Anzeigenannahme'im Hauptgeichä-I Lindenftr 8 wocheniäalich von bis 17 Uhr. Der Scrlag behält sich das Ziecht der Ablehnung nicht ar nehmer Anzeigen vor./ Berantworilich für Politik: Rudolf Brendemsthl: Wirtschaft: S Kliagclhöier: Dewertschaftsdewegung: Z. Steiner: Feuili.tou: Herbert Bcpcse; Sokcle» uab Sonstiges: Ürig Stestjte; Tnzetgen: Otts He-gp: ffetlüh in Berlin. I Ser'ac: Sorsäms-Derlag 4. m. 3. Berlin. Druck: Dorwärts. Buchdruckerei und Berlagsanstält Paul Singer u. Ts.. Berlin SD. 66. Lindenstr. 5.