Abend- Ausgabe Nr. 36 B 18 50. Jahrg. Redoktton und Verlag, Berlin SW 68, Lindenstr 3 5ernfpr«(l�t A 7 Ami DönhosI ZS2 dl» 797 Selcgcammabrtfjci Sojlaltxmotrai Berit» BERLINER VOLKSBLATT SONNABEND 21. Januar 1933 In Groß- Berlin 10 Pf. Auswärts... 10 Pf. Bezugsbedingungen and Anzeigenpreis» siehe Morgenausgabe Aentvatoesa« der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands UnbequemeWahcheit Was Nazis nicht erfahren dürfen Die Nationalsozialisten haben laut ge- schrien, daß sie den Kampf mit Schleicher gar nicht erwarten können. Nur rasch Reichs- tag, Mißtrauensvotum, Sturz Schleichers! Aber gestern hat Herr F r i ck im Aeltesten- ausschuß vorgetragen, dringendste Aufgabe sei die Erledigung des Etats, wichtiger als der Kampf gegen Schleicher, also müsse sich der Reichstag auf lange Frist ver- tagen! Wie macht die Nazipartei diesen U m f a l l ihren Lesern schmackhaft? Ganz einfach: sie verschweigt ihn! Der„Völkische Beob- achter" veröffentlicht über die Sitzung des Aeltestenausschusses einen schamlos verloge- nen Bericht. Er unterschlägt, daß Frick den Antrag auf langfristige Vertagung ge- stellt hat. Er unterschlägt auch, daß die Nazis nach Ablehnung dieses Antrags dann für den Zentrumsantrag auf Vertagung bis zum 31. Januar gestimmt haben. Das böse Gewissen der Nazis aber wird noch besser gekennzeichnet durch die folgende faustdicke Lüge: „Wie verlautet, legen die Nationalsozialisten Wert daraus, daß vor dem Forum des Parla- ments sofort die Fragen beraten werden, die von unmittelbarer Bedeutung für das deutsche Volk sind, und deren rasch« Lösung eine Lebenssrage ist. Das ist die Behandlung der Winterhilfe, die naturgemäß keinen Ausschub mehr duldet, und die Beseitigung der sozialen Härten in der Papenschen Notverordnung vom 14. Juni 1932." Keine Silbe ist über diese Dinge von Frick gesagt worden. Frick hat weder das Wort Winterhilfe noch Notverordnung ausge- sprochen. Die Nazis haben auch nicht den Zusammentritt des Reichstags, sondern seine unbefristete Vertagung verlangt. Wenn sie jetzt in ihren Blättern das Gegenteil be- haupten, so lügen sie genau so unverschämt,� wie sie vorher gelogen haben, als sie Schleicher den Kampf ankündigten! Sie sind groß im Schweigen über Tat- fachen. Im„Völkischen Beobachter" werden Triumphgesänge angestimmt über den„gro- ßen Erfolg", den die„nationale Front" unter der Naziführung im Auswärtigen Aus- schuß über Schleicher errungen habe. Ge- meint sind die Ausschußresolutionen. Ver- schwiegen wird, wie die Front für die neue nationale Politik sich zusam- mensetzte, verschwiegen wird, welche Partei neben den Nazis die Mehrheit gestellt hat. Leicht begreiflich: es war die K o m m u n i- st i s ch e P a r t e i l Die„Untermenschen", die„rote Mordkommune", wie der„Völkische Beobachter" sie sonst zu nennen pflegt! Bomben ins Wolkshaus Lpanische�narchisten auf Naziwegen Eigener Bericht des„Vorrvärts" Madrid. 21. Januar. Am Freitag gegen 22 Uhr warfen Anarchisten zwei Bomben durch ein Fenster in das Madrider Volkshaus, in dem eine sozialistische Versammlung statlsand. Der Hauswart ergriff eine der Bomben und warf fie auf die Straße zurück, wo sie explodierte. Die zweite Bombe plohte im volkshous und richtete großen Schaden an. 15 Personen. darunter fünf Frauen, wurden zum Teil schwer verletzt. Nach eine.' Meldung aus Barrelona ist>m Zu- fammenhang mit der E n t d-> ck u n g einer Bombensabrik in Iguolada ein franzö- sischer Geschäftsmann oerhastet worden, der der Fabrik das Rohmaterial lieserte, ohne jedoch zu wissen, wozu es bestimmt war. Melcher und der Bülowplatz Die GevrerLsctiaften warnen, aber der Polizeipräsident hört nicht Die Provokation, die die Nationalsozia- listen durch ihren Aus marsch am Bülow- plag am Sonntag ausgeheckt haben, wird von der gesamten Reaktion unterstützt. Die rechts- bürgerliche Presse sucht den Polizeipräsidenten und die preußische Regierung aufzuhetzen, damit sie auf jeden Fall alle Machtmittel des Staates gegen die— Kommunisten einsetzen, die ihrerseits zu Gegendemonstrationen aufrufen. Es liegt auf der Hand, daß der Aufmarsch der SA.-Leute auf dem Blllowplatz im Angesicht der Kulturstätte der Berliner, der Volksbühne, und angesichts des kommunisti- schen Karl-Liebknecht-Hauses von allen organi- sierten Arbeitern als«ine Provokalion an- gesehen wird, denn er versolgt nach der national- sozialistischen Presse den ausdrücklichen Zweck. „Front gegen das Karl-Liebknecht- Haus" zu nehmen! In letzter Stunde hat am Freitag der Borsitzende des Ortsausschusses des Allgemeinen Deutschen Gewcrkschaftsbundes, Genosse Bredow. sich an den Polizeipräsidenten gewandt und ihm dargelegt, daß die Demonstration der National- sozialisten 'nicht nur von den kommuuistea, sondern auch von den übrigen gewerkschaftlich organisierten Arbeitern als eine dreiste Herausforderung angesehen wird. Dem Polizeipräsidenten wurde deshalb nahe- gelegt, im Interesse des öffentlichen Friedens einen anderen Aufmarschplatz anzu- ordnen, um die Gefahren zu bannen. Der Polizeipräsident hat auf diesen verständi- gen Brief jedoch kühl ablehnend geant- wartet. Sein Schreiben, mit dem er die volle Verantwortung für alles übernimmt, was sich am Sonntag ereignen könnte, hat folgenden Wortlaut: Die Nationalsozialisten werden am 22. d. M. aus dem Bülowplatz keine Demonstration ver- anstalten, sondern sich dort, wie von Ansang von ihnen beabsichtigt, lediglich samineln, um zu einem Vorbeimarsch an dem au> dem Nikolas- sriedhof gelegenen Horst-Wcssel-Grabe anzutreten. Bon einem Verbot dieses Vorhabens habe ich abgesehen, da der dem Nikolasfriedhofe un- Zur Feier— mittelbar benachbarte Blllowplatz der g e g e- b e n e A n t r e t e p l a tz für den beabsichtigten Vorbeimarsch am Grabe ist und ich in dem Um- stand, daß am Bülowplatz das Karl-Liebknecht- Haus liegt, keinen genügenden Anlaß sehe, diesen Platz sonstiger Benutzung, soweit sie den Kommunisten nicht genehm ist. zu entziehen. Dagegen habe ich. um die auch von Ihnen befürchteten Störungen der öffentlichen Ordnung zu vermeiden, eine von den Kommunisten nachträglich angesetzte Gegenversammlung auf dem Bülowplatz wegen unmittelbarer Gefahr für die öffentliche Sicherheit verboten. Ich bedauere, aus diesen grundsätzlichen Erwägungen dem von Ihnen gemachten Vorschlage nicht entsprechen zu können. gez. Melcher. Dieser Briefwechsel läßt erkennen, daß der Polizeipräsident Melcher sich durch keinerlei Ver- nunftgründe von seiner Haltung abbringen läßt! Zu allem Uebersluß hat er heute mittag eine ganz einseitige Verbotsmaßnahme gegen die Kommunistische Partei bekanntgegeben. Darüber wird mitgeteilt: „Mit stiücksicht auf die aufreizende Schreibweise der kommunistischen Presse besteht eine unmittelbare Gefahr für die öffentliche Ordnung. Deshalb werden alle kommunistischen Versammlungen und Umzüge unter freiem Himmel für den morgigen Sonntag in den Bezirken Mitte, Prenzlauer Verg, Kreuzbcrg, Tiergarten, Charlottenburg, WilmerS- dorf, Schöneberg, Neukölln nördlich des Teltowkanals, Treptow nördlich des Teltowkanals, Wedding, Pankow und Weißensee verboten." Dies Verbot ist absolut einseitig. Die Schreibweise der nationalsozialistischen Presse ist seit Wochen im höchsten Falle ausreizend und pro- vokatorisch. Noch ausreizender aber ist die Absicht, Hitlers SA. auf dem Bülowplatz demon- Nie Not der Arbeiter Gewerhschaftler bei Hindenburg Amtlich wird milgeleill: Der Reichspräsident empfing heule als Vertreter des Bundesvorstandes des Allgemeinen Deutschen Gewcrkschaftsbundes und des Allgemeinen freien Angestelltenbundes L e i p a r t, Graßmann, Eggert und S l ä h r zur Entgegennahme eines Berichts über die Notlage in der Arbeiterschaft Deutschlands und gleichzeitig von Vorschlägen aus wirtschaftlichem, handelspolitischem und sozialem Gebiet. strieren zu lassen. Die Aufreizung und die Ge- fährdung der öffentlichen Ordnung durch das Treiben der Nationalsozialisten hat den Polizei- Präsidenten Melcher zu keinerlei Maßnahmen ver- anlaßt, trotz der zahlreichen Mordtaten der SA. in der letzten Zeit! Dies einseitige Verbot heißt Oel ins Feuer gießen. Die Verantwortung des Polizeipräsiden- ten ist durch dies einseitige Verbot nur noch ge- wachsen! Ein Polizeipräsident, der die Provo- kation der Nationalsozialisten duldet, der zu dieser Provokation mit seinem einseitigen Verbot ein- neue Provokation hinzusllgt, ist völlig unmöglich! Melcher muß fort! * Die angekündigte Besprechung zwischen den, Reichskanzler von Schleicher und Herrn Bracht über die Bülowplatz-Angelegenheit wird erst am frühen Nachmittag stattfinden. LIGA. Will verhandeln .Aber nur mit England— Roosevelt einverstanden — der gelungenen Verschiebung der Reichstagsauflösung heftete Frau Goebbels ihrem Joseph ein Sträußlein„Je länger, je lieber" an die braune Bluse, Eigener Bericht des„Vorwärts" Washington, 21. Januar. H o o v e r und Roosevelt haben gemeinsarn beschlossen, mit England über die Schulden- frage zu verhandeln. Die Besprechung über die Schuldenfrage soll auch die Weltwirtschastspro- bleme einbeziehen. Damit scheint die amerikanisch« Politik endlich in der Schuldenfrage ein Stück weitergekommen zu sein. Botschafter Mellon und Staatssekretär Stimson können nun ihre Besprechungen ein- leiten, ohne befürchten zu müssen, daß der neu« Präsident hinterher ihre Schritte nicht billigt An der Konferenz zwischen Hoooer und Roose- velt nahm auch der Führer der amerikanischen Abrüstungsdelegation Norman Davis teil. Man schließt daraus, daß Norman Davis zum Außenmini st er Roosevelts ausersehen ist. Die neue Erklärung Hoovers und Roosevelts zur Schuldensrage wird als ein Ausweg aus der internationalen Schuldengasje und der unhaltbar gewordenen Abseitshaltung Roosevelts be- trachtet. Die Wiederaufnahme der Schulden- diskussion stellt gleichzeitig nach der Auffassung ein- geweihter Kreise einen deutlichen Wink Roose- oelts an den Bundeskongreß dar. seine unnachgiebige Haltung gegenüber den Schuldner- mächten zu ändern Der neugewählte Bundes- kongreß hat sich gegen eine Herabsetzung der Schulden ausgesprochen, so daß die jetzige Er- klärung nur als eine vorwegnehmende Maßnahme Roosevelts zur Vermeidung späterer Konflikte und Verzögerungen anzusehen ist. Die Stimmung des Kongresses ist sehr kühl. Die Senatsredner lehnten erneut eine Schuldenrevision ab, während im Repräsentantcnhause Stimmen nach weitest gehenden europäischen Abrüstungs- und Schutzzoll-Gegenleistungen laut wurden. In Regierungskreisen ist man enttäuscht, daß die angloamerikanischen Verhandlungen nicht vor März beginnen.» Neue Kältewelle Aber Ende der Schneefälle Aus die gleichzeitig mit den Schneefällen seit Freitag in Berlin einsehende Btilderung dürste abermals ein starker Temperatursturz einsehen. Aus der Arktis strömen seit Freitagnacht un- aushörlich sehr kalte Luftmassen nach Mitteleuropa und besonders in den höheren Luft- schichten hat sich bereits eine erhebliche Abkühlung bemerkbar gemacht. Als Vergleich wird die Tempe- ratur auf der S ch n e e k o p p e angeführt. Am Donnerstag wurden dort 3 Grad, am Freitag II Grad und heute l 8 G r a d Kälte ge- messen Langsam wird sich zwischen den höheren und tieferliegenden Lustschichten ein Ausgleich vollziehen und unter dem gleichzeitigen Einfluß der aus dem hohen Norden weiter heranflutenden Kaltlustmassen werden schon am Sonntag auch in unserem Gebiet die Temperaturen stark sinken. Für den morgigen Sonntag wird für Berlin folgende Prognose aufgestellt: Meist trocken, nur Razzia der Mordkommission (ränsslznistessen bei Geldschrankknackers gerlngfügige Schneefälle. Gimmel zeltwellig auf- klärend, Temperaturen sinkend! * Durch den Schneefall sind bisher in Berlin keine nennenswerten Verkehrsstörungen zu ver- zeichnen gewesen,(ltwa 20 Passanten kamen auf den oerschneiten und zum Teil vereisten BUrger- steigen und Fahrdämmen zu Fall und erlitten Knochenbrüche und Verstauchungen. Mehrere Der- letzte mußten ins Krankenhaus gebracht werden. Ate Bluttat von Leipzüg Ein Arzt als Helfer Leipzig, 21. Januar. Nach dem hinterhältigen Ueberfal! der Leipziger Nationalsozialisten auf Angehörige des sozial- demokratischen Schutzes, bei dem am Donnerstag mehrere Genossen schwere Schußver- letzungen davontrugen, wurden in der Dunkelheit Nazis von ihren eigenen Leuten ver- prügelt. Zwei Nationalsozialisten wurden von dem Sanitäter Schubert in das Krankenhaus St. Jakob eingeliefert. Als der National- sozial! st Götz, der verdächtigt wird, auf die Sozialdemokraten ge» schössen zu haben, auf der Station seine Kleider abgeben mutzte, verlor er einen Rahmen scharse Munition. Es waren Geschosse gleichen Kalibers, mit dem unsere Genossen die schweren Verletzungen erhallen haben. Der Arzt Ziegler hatte nichts Eiligeres zu tun, als die von den Nazis verlorene Munition in setner Wohnung zu verstecken. Dort wurde der Patronenrahmen von der Polizei gefunden. Ziegler hat dadurch dt« Bluttat zu verdunkeln und die Nazis zu begünstigen versucht. Der Sani- täter Schubert, der oerhastet wurde, hat den Sach- verhalt zugegeben und ausgesagt, daß Ziegler den Patronenstreisen nur versteckt hat, damit die Nazis nicht belastet würden. Saalschlacht in Baden ftPI). und Nazi prügeln sich. Offenburg. 21. Januar. Im Verlaus einer Versammlung der NSDAP. am Freitag, in der der ehemalige Kam- m u n t st und jetzige Nationalsozialist Klötzner aus Hannover über das Thema„Das wahre Ge- ficht Sowjetrußlands" sprach, kam es zu einer großen Saalschlacht zwischen Mitgliedern der NSDAP und Kommunistefl. CEtuw 100 Stühle wurden zerschlagen. Die Polizei mußte einschreiten und den Saal sowie die Straße räumen. Nach Wiederherstellung der Ordnung durfte die Versammlung als geschlossene Partei- Versammlung fortgeführt werden. 31 Verletzte wurden amtlich festgestellt, doch dürfte die Zahl der Verletzten größer sein. 10 Personen wurden zwangsgestellt._ Reichsbanner am Sonntag Der Kreis Norden des Berliner Reichs- b a n n e r s hat am Sonntagvormittag ein« größere M a r s ch ü b u n g. Die Uebung endet mit einem geschlossenen Rückmarsch nach der Stadt. Um 12 Uhr befindet sich die Spitze des Zuges unter Vorantritt der Musikkapellen in der Seidel-, Ecke Scharnweberstraße, von wo dann durch die Scharnweber-, Müller- und Seestraß« weitermarschiert wird. Der Zug löst sich an der Seestraße auf. Ursprünglich sollten die ein- zelnen Ortsvereine getrennt weitermarschieren. Da die Polizei jedoch alle Beamten braucht, um die armen Nazis auf dem Dülowplatz zu schützen, muß der Zug auf Wunsch der Polizei an der Seestraße sein Ende finden. Konflikt in Thüringen Landbund gegen Nazi-Regierung Der Thüringer Landbund hat im Landtag einen Antrag eingebracht, in dem die Aus« Hebung der Schlacht st euer in Thüringen gefordert wird. Gleichzeitig soll die Thüringer Regierung vom Reich verlangen, daß die Schlacht- steuer in allen deutschen Ländern, wo sie«inge- führt worden ist, wieder aufgehoben wird Der dadurch entstehende Ausfall an Steuereinnahmen soll durch Sparmaßnahmen ausgeglichen werden. Begründet wird der Antrag damit, daß man der Landwirtschast bei den niedrigen Viehpreisen nickst zumuten kann, auch noch die Fleischsteuer zu tragen, die doch aus die Landwirtschaft abge- wälzt werde. Der Landbund bildet in Thüringen zu- sammen mit den Nationalsozialisten die Regierung. Cr ist In der Regierung allerdings nur mit einem Staatsrat vertreten. Der Antrag bedeutet aber«in Mißtrauens- votum des Landbundes gegen die nationalsozia- listischen Regierungsmitglieder. Es scheinen zwi- schen dem Lancbund und den Nationalsozialisten schwere Gegensätze zu bestehen. Di« Thüringer Naziregterung hat das Fleischsteuergesetz auf Grund der Notverordnung des Reichspräsidenten zur Sicherung der Hau-Halte der Länder und Ge- meinden erlassen. Das Gesetz ist erst am 1. Ja- Einen ungewöhnlichen Erfolg halte eine Razzia, die die INordkommission im Lause der Untersuchung der Tokschlagsassäre Schwiederski in der Rosenlhaler Straße unternommen hatte. Dir Untersuchung des am 6. Januar an der 80 Jahre alten Zimmervermieterin in d.r Rosenlhaler Straße 68 verübten Verbrechens wird von der Mordkommission mit zahlreichen Beamten besonders energisch durchgeführt. Die Erfahrungen bei früheren Verbrechen an Zimmervermieterinnen haben gelehrt, daß junge Burschen gewöhnlich nicht nur einen Plan fertig haben, sondern daß diese Tips in Kaschemmen und Herbergen mehrfach„ausgehandelt" werden. so daß zu befürchten ist, daß von dieser Seite immer wieder neue Versuche zu einem Verbrechen unternommen werden. Die Razzia richtete sich hauptsächlich gegen Lokale und Kaschemmen in der Rosent Haler Straße. Gor- mann-, Rückert-, Linien- und Elsässer Straße Sie währte fast die ganze Nacht hi-b""*. eet-m 20 derartige Gaststätten wurden kontrolliert Etwa 20 Personen wurden aufs Polizeipräsidium Heute morgen also stand vor dem Amts- gericht Wedding der— König von Al- b a n i e n in voller Galauniform und ordendeko- riert. Sein Gesicht, ständig von nervösen Zuckun- gen bewegt, schmückte ein langer herunterhängen- der Schnauzbart Er ließ es, die Brust masestätisch gewölbt, dos Haupt würdevoll hochgehoben, gern zu, daß man ihn photographiert. Ein König vom Scheitel bis zur Sohle, eine Figur aus einem Operettenfilm. Neben ihm feine Kinder, die den Pressevertretern gern über den großen Papa Aus- kunst gaben und zum Besuch in den Wohnwagen einluden, der aus dem Wedding steht. Auch das königlüsterne Berliner Volk war selbstverständlich zugegen, im Gerichtssaal konnte keine Steck- nadel(!!) zu Boden fallen. Die Verhandlung selbst war eine Enttäuschung. Sie verlies kurz und schmerzlos. Der König von Albanien klagt. Der eigentliche Gegenstand der Klage kam überhaupt nicht zur Erörterung. Nur über die Zuständigkeit des Gerichts wurde ge- stritten Der Beklagte ist der Hamburger Verlag Heimann, er soll dem König von nuar 1933 in Kraft getreten. Für den Antrag auf Beseitigung der Schlachtsteuer findet sich im Lanbtng sicherlich eine Mehrheit. Ob die Regie- rung die Steuer wieder aufheben wird. Ist aller- dings fraglich. Wenn dies nicht geschieht und der Landtag auf seinem Willen beharrt, dann muß nach der Thüringer Verfassung durch einen Volksentscheid die Entscheidung herbeige- führt werden. polMschek Kleinkrieg! Schlägereien und Schießereien In der letzten Nacht ist es wieder an mehreren Stellen der Stadt zu Schießereien und Schlägereien politischer Gegner gekommen. Gegen Mitternacht gerieten in der Kaiser- Friedrich-Straße in Neukölln Reichs- bannerleute mit Nationalsozialisten, die sich in mehrfacher Uebermacht befanden, in ein Hand- gemenge. Ein Reichsbannermann wurde am Kopf verletzt. Polizeibsamte nahmen drei Fest- nahmen vor.— In der Eldenaer Straße am Viehhof entspann sich zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten eine wilde Schießerei, die minutenlang dauerte. E» wurden etwa 13 bis 20 Schüsse gewechselt. Als Ueberfallkommandos anrückten, ergriffen die Schietzhelden die Flucht. Sechs Beteiligte konnten noch ergriffen werden. Im Anschluß an die Schießerei wurde ein KPD.» und ein NSDAP.-Lokal erfolglos nach Waffen durchsucht.— Eine weitere Schlägerei zwischen Nationalsozialisten und Kommunisten spielte sich in der Danziger Ecke Treskowstraße im Norden Berlin» ab. Im Verlauf des Hand- gemenges fielen Schüsse. Schupobeamte nahmen zwei Kommunisten und zwei Nazis fest. Bas Ringen in Genf Genf, 21. Januar. Die Arbeitszeitkonferenz hat nach Annahme der Entschließung über die Anerkennung der Arbeits- zeitoerkürzung al» ein Mittel zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit am Freitag die Frage, ob ein Abkommen wünschenswert sei, mit 36 gegen 21 Stimmen, d h. gegen die Stimmen der Arbeitgeber, bejaht. gebracht. Sechs werden im Laufe des Tages dem Richter vorgeführt, da ihnen einwandfrei die Beteiligung an Einbrüchen nachgewiesen werden konnte. Durch dae beschlagnahmte Dieber gut sind fünf Einbrüche aufgeklärt warben. Alle Beamten waren mit einer genauen Beschreibung de» Mannes versehen, der den Uebersall aus die Witwe Schwiederski ausgeführt hatte. Wie wir hören, hat die Mordkommission bei dieser Razzia über die Personalien dieses Burschen ziemlich ge- nauen Hinweis bekommen. Bei diesem Unterneh- men kam es zu einem komischen Zwischenfall. In einem Lokal in der Elsässer Straß« erfuhren die Beamten, daß einige junge Burschen kurz zu vor das Lokal orrlafsen hatten, um der Einladung eines alten Geldschrankeinbrechers Paul L. in der Tipsstraß« Folge zu leisten. Ungebeten stellten sich die Beamten hier auch zu Gast ein. Im ersten Steck fanden sie in einer sehr gut möblierten Dreizimmerwohnung Paul im Kreis« von fünf jungen Burschen am Tische sitzen. Sie halten große Kannen Bier vor sich und jeder knabberte vergnügt an einer G ä n s e b r u st. Die Wohnung wurde gründlich durchsucht und man fand im Waschraum oersteckt die Hälfte einer Albanien alias Herrn Witte Provision aus den verkauften Exemplaren seiner Memoiren„Fünf Tage König von Albanien" schuldig sein Die Höhe des Rechtsstreits beträgt vorläufig nur 244 Mark. Der Verlag machte geltend, daß laut Vertrag der Gerichtsstand Hamburg sei Der König von Albanien hielt dem entgegen, daß laut mündlicher Abmachung als Gerichtsstand sein jeweiliger Aufenthaltsort gelten sollte. Mit Kind und Kegel befindet er sich in seinem Wagen stet» auf Reisen! augenblicklich steht sein Wagen im Wedding-Ouartier und so sei Wedding Gerichts« stand. Wenn im Vertrag etwas andere stünde, so sei dies nachträglich hineingeschrieben und er würde den Staatsanwalt mobil machen. So ging es lange hin und her, bis der Richter den be- wegten Auseinandersetzungen ein Ende machte, indem er den nächsten Termin aus den 2. Februar festsetzte. Erhobenen Hauptes verließ der König von Albanien da» Gsrichtsgebäude. umdrängt von seinem Weddinger Volk und immer wieder ge- knipst von den Presiephotogravhen. Ein„großer Tag" im Amtsgericht Berlin-Wedding. Bus mit Umsteiger Neuer 5 Pfennig-Fahrschein Um vielfachen Wünschen der Fahrgäste ent- gegenzutommen, wird die Berliner Verkehrs- Aktiengesellschaft vom 1. Februar d. I. ab auf den Omnibussen einen Zusatzfahrschein zum Preise von 5 P f. einführen. Der Zusatz- sahrschein, bei dessen Lösung der 2ö-Ps.-Umsteige- fahrschein der Straßenbahn oder der Untergrund- bahn vorzuweisen ist, berechtigt in Verbindung mit diesem zur Fortsetzung der Fahrt auf dem Omnibus, was bisher nur mit Lösung eines neuen 23-Pf.>FahrscheinZ möglich war. Durch die neue Regelung wird den Fahrgästen die Möglichkeit gegeben, bei Umsteigefahrten jedes beliebige, im besonderen das zuerst an der Umsteigehaltestelle eintreffende Verkehrsmittel zu benutzen. BanderoZenschsevung Verfahren gegen Tahahhändler Die Zollfahndungsstelle ist jetzt großen Schiebungen mit Tabak st euerbande- r o l e n aus die Spur gekommen, die feit mehreren Jahren von einer großen Berliner Zigarren- und Zigarettengroßhandlung betrieben worden find. Die Beamten der Zollfahndungsstelle schritten gestern zur Festnahme des Inhabers der Zigarrengrohfirma E. koch und seiner Frau Inge in den Räumen der Firma in der Akazienstraße 25 in Schöneberg, und auch zwei Ange- stellte wurden für kürzere Zeit festgenommen. Die Firma E. Koch beliefert in Berlin G a st- stättenbetriebe mit Zigarren und Ziga- retten, und zwar wird der Verkauf in den einzel- nen Lokalen durch von der Firma angestellte Boys und Verkäuferinnen vorgenommen. Kon- trollen der Zollsahndungsstellen ergaben, daß von der Firma zur Banderolierung der Zigarrenkisten nicht neue Steuerbanderolen benutzt wurden, sondern daß die Banderolen von leeren Kisten sorgfältig abgelöst und dann aus die neuen Kisten wieder ausgeklebt, so daß bei jeder Kiste ungefähr je nach der Preislage der Zigarre 2 bis 4 Mark Steuern auf diese Weise hinterzogen wurden. D>e Firma hatte, wie sämt- liche Zigarren- und Zigareitengroßfirmen ein Z l g a r« t t e n b e u t e, die in der Nacht zum Diemtag in einem Geschäft in der Invaliden« straße gemacht worden war Auch die Gänse- brüste stammen aus einem Einbruch in ein De- likateßwarengeschäft. 12 Zah/e Zu.Maus Sühne für eine Schandtat Das Landgericht 1 verurteilte nach dre'tägiger Verhandlung den 45jähr!gen Arbeiter Wilhelm kehr ich, der Ende Rlärz in feiner Wohnung. Wanteuffelstr. 31, sich an der ösährigen Elfriede woitschek schwer vergangen und sie dann erwürgt hatte, wegen schweren Siltlichke'tsverbrechens in Tateinheit mit Totschlag zu 12 Jahren Zucht- Haus und 5 Jahren Ehrverlust. Der Staatsanwalt hatte nur 8 Jahre Zuchthaus beantragt. Die Sachverständigen hatten erklärt, daß der An- geklagte zur Zeit der Tat teilweise unter Alkohol gestanden ha' e und alz vermmdert zu- rechnungssähig zu erachten sei. sogenanntes Steuerlager, d. h. das Recht, die Kisten mit den von der Zollbehörde bezogenen Banderolen selbst zu banderolieren. Eine Haus- s u ch u n g in den Geschäftsräumen der Firma in der Akazienftr. 25 und Durchsuchungen in der Privatwohnung des Geschäftsinhabers und seiner Frau ergaben, daß die Firma das chr von der Zollbehörde entgegengebrachte Vertrauen in gröbster Weise mißbraucht und alte Banderolen in großer Anzahl seit etwa drei bis fünf Jahren zur Versteuerung neuer Packungen oerwandt hat. Im übrigen wird behauptet, daß dem Inhaber Koch bereits vor Jahren einmal die Genehmigung zur Haltung eines Steuerlagers wegen Unregel» Mäßigkeiten entzogen worden sei, daß er dann das Geschäft aber aus den Namen seiner Frau weitergeführt habe. Ähre Einsieitsfront! •Jämmerlicher Verrat der Stalinisten In der ersten Sitzung des neuen Gemeinderates von Völkershausen(Rhön) stimmten die Nationalsozialisten für einen Kommunisten als ersten Vorsitzenden und die Kommunisten für einen Nationalsozialisten als zweiten Vorsitzenden. Unter a der Arbeiterschaft von Völkershausen herrscht große Empörung über diesen Verrat der Kommunisten. Vergebens hatten sich die Sozialdemokraten um die Ausschaltung der Nazi» bemüht. Die zwei linientreuen Stalinisten von Völkershausen stimm- ten lieber mit den drei Nazi» als mit den vier sozialdemokratischen Gemeindeoertretern. Der große Sturm der KVD. Aber die Eroberungen bleiben aus Bei der Eroberung der Ortsverwaltungen und sonstigen Verbandskörperschaften die die KPD. besohlen hat, schreiten ihre Anhänger anstatt von Sieg zu Sieg, von Niederlage zu Niederlage. So hat die als„Opposition" geturnte NGO auch jetzt wieder bei den Neuwahlen der Geaeralversamm- lungsdeleg'erten und der Bez'.ksleitungen der Berliner Zahlstelle des Fabrikarbeiter- Verbandes einen schweren Rein'oll erlitten. Wie üblich war gegen die„resormistischen" Be- zirksleitungen ein schweres Trommelfeuer aus den kommunistischen Lügenbatterien eröffnet worden, da» aber seine Wirkung völlig verfehlte Die von der Opposition berannten Stellnngea haben sich als stärker denn in den Vorjahren erwiesen. In sämtlichen IS bisher kommunistenreinen Be- zirksleitungen hat sich an der Zusammensetzung der Bezirksleitungen n> ch t s geändert. In dem einzigen Bezirk in W e h e n' e e den d>e„Oppo- sition" seit Jahren in der Hand hat. wäre es mit der kommunistischen Herrlichkeit auch vorbei ge- wesen, wenn die Anhänger her ireien Gewerk- schaftsrichtung noch ein wenig mehr Aktivität ent- wickelt hätten. Die noch im vorigen Jahr ganz erhebliche Mehrheit der„Opposition" in diesem Bezirk ist in diesem Jahr auf ganze zwei Stimmen zusammengeschmolzen! Die„Oppo- sition wird auch in der diesjahngen Generalver- fammlung der Berliner Fabrikarbeiter, die rund 200 Teilnehmer zählt, mit 5 Mann eine völlig unbedeutende Rolle spielen. Die polnischen Rüstungeaurgaben erfordern nach Dariegung des Finanzberichterstalters im Sejmausschuß 33,1 Proz. aller Staatsausgaben. (Als der Silvester-Ansaoer im Londoner Rundfunk dasselbe sagte, gab es großen poln schen Diplomateirpiotest.) Der Vizekriegsminister, Gene- ral Slavoj-Skladkowski führte den Ausschußmit- gliedern Tanks usw. vor, und erklärte, daß Polen seinen Heeresbedarf immer mehr im Inland her- stellt, z. B. auch schon Gummireifen. Jetzt baut es vier Minensucher aus seinen Werften. „Der König von Albanien" Spaß muß sein— auch an Gerichtsstelle Die Lipper (Nach bekannter lippischer Volksweise) Die Sieger von lippe, die zogen aus mit Macht, Zu schlagen um den Reichstag eine neue Hermannsschladit. Ei tschingdarassassa, ei tschingdarassassa, Die Sieger von Lippe, die sind da! Sie hatten in Lemgo schier und Lage zugenommen, Und meinten, daß sie damit nun ins Siegen reingekommen. El tschingdarassassa usw. Der Schleicher müsse weichen, im Guten oder Bösen, Und wenn er auch entschlossen sei, den Reichstag aufzulösen. Ei tschingdarassassa usw. Sie schreckten keine Wahlen, wie in Lippe so im Reich. Sie würden sie erzwingen, und möglichst per sogleich! Ei tschingdarassassa usw. Ganz ausgeschlossen sei es, diesen Wahlkampf zu verlieren, Sie wollten keine Stunde mehr den Schleicher tolerieren. Ei tschingdarassassa usw. Doch als sie kamen zum Brandenburger Tor, So mancher dieser Helden schon den Heldenmut verlor. Ei tschingdarassassa usw. Sie dachten der Diäten, und sie sah'n sich schon geschlagen, Und raunten: Das Beste sei, den Reichstag zu vertagen. Ei tschingdarassassa usw. Drei Monate oder auf unbestimmte Zeit, Inzwischen ständen sie zu Verhandlungen bereit. Ei tschingdarassassa usw. Und als die Sozi drängten;„Beruft den Reichstag ein!" Da fing'n die armen Nazis entsetzlich an zu schrein: „Ei tschingdarassassa, ei tschingdarassassa, Die Sieger von Lippe, die sind— da!" Jonathan. Deutschland und Frankreich Der ehemalige Ministerpräsident e r r i 0 1 Hielt am Donnerstagabend einen anderibalbstündigen öffentlichen Vortrag Uber„Frankreich und Mittel- europa" als Auftakt zu einer Vortragsreihe, die Frankreichs Stellung in der Welt behandeln wird. Er betonte eingangs, daß es für die Außenpolitik zwei fzauptregeln gebe. 1 Die Außenpolitik dürfe sich nie um die Rcgiccungsform der anderen Staaten kümmern die Innenpolitik dürfe nicht auf die Außenpolitik übertragen werden. 2. Eine Politik, die nicht eine Politik der Kraft fein wolle, muffe eine Po>'t«k der Der- träge fein. Eine Abänderung der Verträge könne nur mit Zustimmung aller Beteiligten erfolgen. Die Möglichkeit einer friedlichen Ab- änderung sei nach dem Weltkrieg zum erstenmal im Völkerbundspakt gegeben. Die Schilderung der deutfch-französi- schen Beziehungen, die Herriot von rein wissenschaftlichen Gesichtspunkten aus betrachten will, er- öffnete er mit Zitaten aus den Briese» Im Welt- kriege gefallener deutscher Studenten, die von dem Idealismus der jungen jhelden zeugten, und schloß daran die Bemerkung, daß auch er, Jzerriot den Idealismus bewahren wolle, auch wenn man sich über ihn lustig mache. Man mllsie klar sehen, Deutschland werde von einem General regiert. der sehr autoritär sei Er wolle nicht die Worte aufgreifen, die General von Schleicher gegen Ein Vortrag Herriots in Paris Frankreich gerichtet habe denn er wolle höflich bleiben. Er beziehe sich au> dir von Schleicher in seinen zahlreichen Unterredungen dargelegten Ideen, aus denen Deutschlands Wille zur Wiederausrüstunq k'ar beivorgehe. Als «ine der Tatsachen der Herrschaft Schleichers be< zeichnete Herrlot die„sehr militärische Ausbildung" der deutschen Jugend Die deusich-sranzösischs Der- ständigung sei nötig, aber man müsse offen srpechen. Dabei kam er auf die letzte Reichsgründungsseier und die Rede des Reichskanzlers zu sprechen. Wenn die Franzosen von Freiheit redeten meinten sie Gedankensreiheit, wenn Schleicher von Freiheit spreche, mein« er das Rocht. Waffen zu tragen.. Wie solle Frankreich serner nicht beun- ruh igt sein durch die Erinnerungen an die Vorkriegszeit, die in der Aufmachung der Reichsgründungsseier zum Ausdruck gekommen sei. In Thüringen wehe bereits die Haken- kreuzsahne, und neuerdings sei an einer Stelle auch eine monarchische Fahne auf- gezogen worden. Da» auhenpolitische Programm Deutschlands fei sehr einfach: es wolle alles zurück haben, was durch den Krieg verloren gegangen sei. Neben der Lausanner Konferenz und neben der Abrüstungskonferenz gebe es noch fünf große deutsch-franzksifche Fragen: Den Korridor. Danzig, das Saargebiet, die Hundert Jahre belgische Kunst Akademie der Künste Gedenkfeier für den Erfinder der Schnellpresse. Anläßlich der 100 Wiederkehr des Todestages Friedrich Königs, des Erfinders der Druck» Maschine, am 17 Januar 1933 fand auf dem Friedhof des Klosters Oberzell bei Würzburg eine schlichte Gedenkfeier statt. Der Enkel des Erfinders rief die Zeit ins Gedächtnis zurück, in der die Räume des alter Klosters noch erfüllt waren vom planenden und schaffenden Geiste Königs und feiner Mitarbeiter und hob feinen allen Hemm» nisten trotzenden Willen als Vorbild gerade in den Nöten unserer Zeit hervor. Georg-Raiser-Urauisührung iu Magdeburg. Kaisers neues Bühnenwerk ,,S i l b e r s e e" mit der Musik von Kurt Weill erlebt ihre Ilraufsührung Sonnabend, den 18. Februar, in der Inszenierung von Hellmuth Götze im Magdeburger Stadtlheater.— Infolge der Berliner Theaterwirren wandern die Arausführungen jetzt in die„Provinz" aus. Freuen wir uns der Tatsache, daß unsere Akademie, wie schon oft. ihre Säle der Kunst eines anderen Landes bereitwillig öffnet. Sie sei dafür und für ihr mannhaftes Einstehen bedankt. Die Ausstellung umfaßt in 340 Nummern das Jahrhundert von der Selbständigkeitserklärung Belgiens 1830 bis zur Gegenwart: Malerei, Graphik, Skulptur und, in Vitrinen schön aus- gelegt. Buchillustrationen. Sie zeigt in anschau- licher Weise, mit Heranziehung aller bedeutenden Namen und einer großen Zahl ergänzender Talente, eine Entwicklung, die typisch europäisch und bedingt ist durch den Charakter des vlämisch- wallonischen Doppelvolkes und seiner Lage zwischen Holland und Deutschland einer- und Frankreich andererseits. So spiegelt sie die erden frohe, oft derbe Naturliebe der Blamen(von Rubens her bekannt) in einem durchgehenden Bi> Vorzügen realistischer Stoffe und in kräftig zu- packender Darstellung: beginnend mit den Historienmalern von 1830, den G a l l a i t usw., gipfelnd in den volkstümlichen Arbeiterdarstellun- gen Meunieis und Laermans und der diskreteren, aber nicht weniger wirtlichkeitstreuen Salonmalerei von A. Stevens.. Auf der anderen Seite, mehr dem wallonlsch-romanischen Wagner-Erstaufführungen „Liebesverbot" in der Lindenoper Ist es nicht eine sonderbare Art, einen großen Mann dadurch ehren zu wollen, daß man seine Jugendsünden, auch wenn sie nicht sehr amüsant sind, barmherziger Vergessenheit entreißt und indiskret zur Schau stellt? Je nun, die Staatsoper hat nun mal so ein« sonderbare Art: also führt sie, der Meistersinger müde, des Tristan und des Parsifal, und nach der Kochbuchweisheit„Mal was anderes" des großen Wagner kleines„Liebes- verbot" auf. Ohne jede Rücksicht daraus, was es denn mit uns ja, was es denn mit Wagner selbst zu tun hätte, mit jenem Wagner nämlich, mit dein wir es noch und immer wieder zu tun haben wollen? Und ohne zu bedenken, wieviel verdienst- licher e» doch Im Sinn auch des zu Feiernden gewesen wäre Mühe und Arbeit an wirtlich Neues zu setzen, statt Deralletc» und Ueberflüjsiges musik- historischen Seminaren streitig zu machen.— Da saß man also, erhielt den biographischen Lecker- bissen schlecht serviert, genoß den Schüler an Stelle des Meisters, die charakteristische Entwick- lungsstuse statt des entwickelten Charakters, den vielsällig Nachahmenden statt des einzigartig Unnachahmlichen— und konnte sich nur freuen. wie weit er das alles hinter sich gelassen, was da bedauerlicherweise vor einem sich begab. Niemand hat die subjektive Notwendigkeit und objektive Scheußlichkeit des Werks bester ausein- anderzusegen gewußt als Wagner selbst, der sein Entstehen Lebenseindrücken genereller Art zu» schrieb, denen zufolge.die generelle Musik das individuelle künstlerische Gestaltungsvermögen be- herrschte", statt daß es umgekehrt gewesen wäre. Wirklich,-» ist«in Versuch, von Weber. Marschner. Beethoven loszukommen: es ist ein Tagtraum von sranzöstlcher Oper, unerfüllte Sehnsucht nach italienischer Melodie, eine Verbeugung vor der großen Welt: es ist die Antithese zu den„Feen" vor der Synthese des„Rienzi", es ist beinahe ein Negativ des eigentlichen Wagner, ein gefährliches Außer-sich-sein, um zu sich selbst zu kommen... Schweigen wir also von der Musik. Die Bühne, das Theatralische hingegen, weist bei aller routi» nierten Kälte mehr auf als nur Geschicklichkeit: da meldet sich bereits des 19. Jahrhunderts größtes Schauspielergenie, da gibt es Leben und Bewegung, wirksam« Kontraste, ein bachantisches Finale, da gibt es neben generellen Buffonerien und typischen Figuren zwei tragende Eharaktere: Friedrich und Jsabella. Von hier aus, vom Theatralische» her, hätte die Staatsoper die Schwächen des Werkes kompensieren müssen. Was aber geschah? Hörth inszenierte es so. als läge ihm daran, den Wahr- heitsbeweis für all das zu erbringen, was hier vor wenigen Tagen gegen Tietjen und das Institut vorgebracht werden mußte. Zunächst wurde gänzlich falsch gekürzt— die große Bufsoszene vor dem ersten Finale z. B. kam so um jeden Sinn Die Gerichtsszene war das Ungeschickteste an Regie, was sich überhaupt denken läßt. Der düstere Friedrich(Theodor Scheidt), Shakespeares Angela in„Maß für Maß" Wagners Textvorbild, wird zum lächerlichen, abgeschmackten Popanz— so kommt das ganze Spiel um seinen Witz. Das zweite Finale, der Gipselpunkt de» Ganzen, wird geteilt, im Tempo aufgehalten, ungeschickt bebildert (Arent), durch keinerlei Regie gefördert— was bleibt vom brausenden Leben, südlicher Leiden- schast und jauchzender Empörung? Das Orchester unier Kleiber, die Sänger (außer Scheidt, Wittrisch und I ö k e n, die Heidersbach und M a n s 1 n g e r sowie der gar nicht komische A b e n d r 0 t h) waren brav— was nützte es aber? Bleibt nur übrig, mit Shakespeare von Tietjen zu sagen:„Wenn seine Kraft nicht strahlt nach außen hin. wär's ganz so gut. als hätte er sie nicht." Arnold Walter. entmilitarisierte Rheinlandzone und die Kolonien Die Lösung dieser an sich schwierigen Fragen setze vor allem eine moralische Abrüstung voraus. In diesem Zusammenhang bemängelte Herriot einen deutschen Zeitungsartikel über den angeb» lichen Separatismus in der Bretagne, ferner die RUstungsnummer der.Kölnischen I i I u< st r i e r t e n Zeiwng" und die neue Seerüstung»- nummer der„Hamburger Illustrier» t e n", der er u. a vorwirst, daß sie sogar eine Photographie der erst vor drei Wochen aus Kiel gelegten und schließlich noch nicht vorhandenen ..Dünkirchen" enthält. Zum Schluß ging Herriot kurz aus Oester- reich ein, indem er die Pflicht Frankreichs be- tonte. Oesterreich zu helfen, damit es seine Selbständigkeit und sein eigene» Gesicht behalte Das sei da» beste Mittel gegen den Anschluß. Mtt kurzen Worten überging er Ungarn, um dann der Tschechoslowakei größtes Lob zu zollen und es als das Element der Sicherheit in Europa zu schildern Mitteleuropa sei durch den Krieg vollständig oerändert worden. Es werde noch dauern, bis es sein G'eichgewlcht finde. In all de» ernsten Fragen die es zu lösen gebe, müste man aber dem Ideal dienen, ohne der Illusion zu verfallen Element zuzuschreiben, steht am Anfang die klassizistische Haltung des David-Schülers N a v e z: um die Jahrhundertmitte bedeutet das historische Genrebild von H. L e y s mit seiner seinen Koloristik und zurückhaltenden Psychologie einen unzweifelhafte» Höhepunkt, neben Meunier wohl den Höhepunkt der belgischen Kunst über- Haupt.(Meunier ist übrigens ebenso Maler wie Bildhauer). In all diesen Aeußerunqen des belgischen Geistes zeigt sich ein unbewußtes Hin- neigen zur französischen Art. Die sehr stark, ost bis zur Virtuosität ausgebildete Technik im Malerischen ebenso wie in der Skulvhir, erreicht überall, und mit Vorliebe im Ausdruck naturali- siischer Wirklichkeltsnähe, eine schwelgerische Mächtigkeit des Vortrages, der bei den kleineren Geistern nicht selten zum Selbstzweck wird. Auch in der imvressionistischen Evoche, am Ende des 19. Jahrhunderts, offenbart sich das Doppel- geficht de» belgischen Menschen. Von den erd- duftenden Landschaft»- und Bauernbildern der Courtens und Fröderic geht der Weg bis zu der poin'illistischen Verfeinerung Rysfel- b e r g h e s. Und ihnen gegenüber die bis zur Mystik gesteigerte Vergeistigung in der Figuren- kunst der F. K h n 0 p f f und F. R 0 p s: den Frauenmaler R a s se n f 0 s s e nicht zu vergesten. Zu der großen Umschaltunq der Gesinnung ins Ueberstnnliche hat Belgien durch zwei Künstler von Rang Bedeutendes beigetragen. James E n s 0 r gab uns die eindringlichste Darstellung des Grausigen und de» Gesvenftes, nachdrücklicher in der Radierung als in seiner Mn'erei. Und Georges Minne gehört zu den Bildhauern. die am frühesten psychologischen Ausdruck dem menschlichen Körper abgewannen. In der Gegenwart scheinen deutsche Formen nicht ohne Eindruck zu bleiben, Man spürt sie in den traumhaften Kinderakten von D a e y e und den wuchtigen Familienvisianen von P e r n e k e: am li-benswürdialten äußert sich verinnerlichte Auffassung des Lebens in den zarten Erfindungen von T y t g a t. Paul F. Schmidt. * Amtlich wird mitgeteilt: Bon Sonntag, den 22. Januar, ab ist die belgische Kunstausstellung dem Publikum gegen Eintrittsgebühren geöflnet. Bon einem besonderen Eröffnunasakt Ist Im Einverständnis zwischen der deutschen und der belgischen Regierung Abstand genommen worden. — Da« ist die Folge der nationalistischen Hetze, der die Regierung der Barone Rechnung trägt. Anstatt daß die Kunst ol» kulturelles Bindemittel zwilckien den Völkern dient, wird sie hier zum Prügelknaben politischer Ranküne degradiert. Alle Kunst- und Kulturfreunde werden jetzt erst recht die Ausstellung besuchen. alsk'ilmressiSZeur I�oziart-Zaal Es ist jetzt Mode geworden, daß die Schau- lvieler im echten und nicht im erlernien Theater- schrei ihre Not hinausschreien in die Welt. Darum möchte man auch in dem nur halbseitig erleuchteten T h e a te r b e tr i eb am Rollendorsvlatz— die Thealerseite ist dunkel und geschlosien und nur das Kino ist In Betrieb— der Wirklichkeit ei» klein wenig nahe kommen. Und man spielt in dem Film„So ein Mädel vergißt man nicht" ein gut Teil sich selbst und sein« Not und erzählt von dem reichen Fabrikantensohn, der gerne Theatermäzen werden möchte. Der erste leibhaslige Sckiau- spieler, der ihm begegnet, gibt ihm unberechtigter- weise eine Ohrfeige, die zur Heldentat seinerseits umgelogen wird. Nun wird er kein Theater- sinanzier, dafür aber wird s das Mädel, da» in diese Geschichte verwicke» ist. Interessant ist, daß Fritz K 0 r t n e r die Regie sührt. Er hat nicht den Mut zur Reportage, dafür jedoch Angst vor der Wirtlichkeit, und so gestaltet er einen Wunschtraum bei dem die Glücksgöttin Pate steht Er sieht die stellungs- losen Schauspieler nicht sozial, sondern schildert sie als Asphaltgestalten, die tolle Einfälle haben, um ihr Lebensschisslein flott zu bekommen und die mit dem Aermel des gepumpten Fracks äußerst leicht den Gtenzsirich zum kriminellen oerwischen. Mitunter möchte er eine Komödie wie Chaplin schassen und macht dabei peinlicherwe'se Anleihen bei Pat und Patachon Durch die an und für sich gesällige Schlagermusik von Ralph Erwin belastet er manche Szene üoermäßig. Fritz Kortner ist als Regisseur einJo-Jo- Spieler, erst zum Schluß gelingt ihm der Schwung in die Höhe, al» nach langen Szenen in der Dekoration endlich ein paar rein filmische Einfälle kommen. Dolly Haas, Willy F 0 r st und Oscar S> m a sind ein Trio, das man sehr gerne hört und sieht. e. d. Der Ltand der Theaterkrise Die Gebrüder Rotter sind von der Leitung ihrer sämtlicheiz Berliner Theelrr zurückgetreten. Unter Beteiligung der Hypothetengiäubiger und einer Großbank wird heute eine Theokertreu- h a n d- A.- G. gegründet werden. Diese soll mit Ausnahme des Metropoi-Tyeaters. da» am Sonn- lag zunächst geschlossen wird, alle Retter-Bühnen übernehmen. Wie verlautet, Hot Fritz Rotter. ohne von ldem ihn suchenden Gerichte Vollzieher gesunden zu sein, Berlin verlassen, um sich an der Seite seines Bruders in der Schweiz von den Strapazen der letzten Kampagne zu erholen. Ob es der Treuhandgesellschaft gelingen wird, das Rotter- Erb«, von dem außer dem M e l r 0 p 0 l- Theater aus das Tyearer des Westens ganz ausscheiden soll, zu übernehmen und weiter- zuführen, scheint, wie von anderer Seit« gemeldet wird, noch fraglich zu sein Da» Deutsche Theater hat feine Krise jetzt überwunden. Der Vertrag zwischen Max Reinhardt und der neuen von Geheimrat Dulsberg finanzierten Direktion Achaz-Neft ist zustandegekommen Max Reinhardt ist in die Kombination mit einbezogen und wird gleich da» erste Stück inszenieren B's Mckte oder Ende Februar hofft man mit dem neuen Stück vor das Publikum treten zu können. Inzwischen wird der „Prinz von Homburg" und„Vor Sonnenunter- gang" weitergespielt. Zwischen Direktor Nest und der Volksbühne wird wegen d�r von dieser gefor- derten Garantien noch verhandelt Eme Verständi- gung ist mit Sicherheit zu erwarten. Der neue Intendant der Hamburger Oper. Heinrich K. S t r 0 h m. der Intendant des Aachener Stadttherters ist zum Hamburger Opernintendanten ernannt und mit weitgehenden künstlerischen und aeschästlichen Vollmachten ver- sehen worden Bei der Neubeseßung des Inten« dantenposten» der Städtischen Oper Verlin im Jahre 1931 stand der 37iährige Strohm in engster Wahl mit Carl Eberl. Im«rohen Schauspielhaus wird der„Ball im S a v 0 ti" täglich weiter gespiell, da es vmi den: Schick- sal der Rotier-Bühnen vollkommen unabhängig ist. Die Aufsübrungen werden auf Konzession des Grobe« Schaulvielbauies veranstaltet. Lohnabbau und Krise Die kolxen in der Sozialversicherung Das Reichsvsrsicherungsamt veröffentlicht die von ihm bearbeitete Statistik der Sozialverficherung 1931 mit einem Blick auf das Jahr 1932. Danach brachte das eben abgelaufene Jahr 1932 eine Fortsetzung der ungünstigen Entwicklung. Die Bei- tragseinnahme» waren in allen Zweigen weiter rückläufig Auch die Ausgaben haben sich im Jahre 1932 erheblich verringert. Bei der Krankenversicherung war dies vor allem eine Folge der Vorschriften der Not- Verordnung vom 8. Dezember 1931. Eine natürliche Minderung ist ferner durch die mit der niedrigen Krankenzifser zusammenhängende ge- ringere Inanspruchnahme der Krankenversicherung zu erwarten. Die Einnahmen werden infolge der ungünstigen Wirtschaftslage noch unter dem Rech- nungsergebnis des Jahres 1931 liegen. In der Invalidenversicherung bringen die Notverordnungen vom 8. Dezember 1931 und vom 1-1. Juni 1932 aus der Leistungsseite Eni- lastungen Da aber die Beiträge weiter rück- gängig sind, wird auch 1932 noch ein erheblicher Fehlbetrag vorhanden sein. Die Ein- nahmen können aus 71S Millionen Mark(darunter 649 Millionen Mark Beiträge) geschätzt werden. Die Ausgaben werden sich voraussichtlich aus 904 Millionen Mark (darunter 792 Millionen Mark für Pflicht- und freiwillige Leistungen) stellen. In der A n g e st e l l t e n v e r s i ch e r u n g erreichen die Einnahmen 447 Millionen Mark(dar- unter 285 Millionen Mark Beiträge), die Aus- gaben 263 Millionen Mark. Auch in diesem Zweige brachten die Notverordnungen Leistungs- Minderungen. In der k n a p p s ch a f t l i ch e n Pensionsversicherung werden Fehlbeträge entstehen, die aber infolge von Satzungsänderungen und Leistungs- kürzungen sowie durch Zuwendungen des Reiches verhältnismähig gering sein werden. In der Unfalloersicherung können die gesamten Ausgaben auf 349 Millionen Mark ge- schätzt werden Die rückläufige Bewegung der Unfallzahlen hat sich 1932 fortgesetzt, wodurch alle Ausgabengruppen, insbesondere die Aufwendun- gen für Krankenbehandlung und die Renten- leistungen, beeinflußt werden. Der am Ende des Jahres 1931 eingetretene Wegfall zahlreicher kleiner Renten hat sich im Jahre 1932 erstmalig in voller chöhe ausgewirkt. Eine Entlastung durch Verminderung der Ausgaben wird sich für die Genossenschaftsmitglieder nicht in vollem Umfange fühlbar machen, weil die Lohnsummen auch in erheblichem Umfange weiter zurückgegangen sind. Dieser Ueberblick zeigt, wie katastrophal sich der Lohnabbau ausgewirkt hat. Trotz un- erträglicher Kürzungen der Renten ein steigendes Defizit infolge der radikal verminderten Ein- nahmen, vermindert nicht nur durch Arbeits- losigkeit, sondern vor allem durch Abwanderung in niedrigere Beitragsstufen. Nur die Angestellten- Versicherung steht infolge der hohen Beitragssätze und der stabileren Arbeitsverhältnisse der Ange- stellten noch auherordenllich günstig. Um so we- niger ist es hier berechtigt, den Rentenabbau aufrechtzuerhalten. Mann oder ein Viertel der sämtlichen Angestellten an dem Streik beteiligt ist. Eine Vermittler- konserenz zwischen den Omnibusangestellten und der Omnibusgesellschast verlies ergebnislos. Die Presse sührt die ganze Bewegung auf kommu- nistische Machenschaften zurück, die sie zur Zeil auch bei anderen Gesellschaften, u. a. Eisenbahnen, Schifsswersten usw.. zu entfesseln versuchen. Elektrifizierung in Persien. Die Regierung unterzeichnete einen Vertrag mit einer belgischen Gesellschaft über die Errichtung einer Elektro- Kraftzentrale für die Elektrifizierung Teherans. 100000 ausgesperrt? In Dänemark will man Lohnraub F.igener Bericht des„Vormärts" Kopenhagen. 21. Januar. Die dänische Arbeitgebervercinigung be- schloß am Freitag in einer außcrordent- lichen(Scneralversammlnng, die Gene- ralaussperrungs- Androhung nicht z u r ü ck z u n e h m e n. Tie Ans- spcrrung soll am 1. Februar wirksam werden. Tie Unternehmer fordern eine Lohnkürzung von 2 0 Prozent, die Arbeiter lehnen jede Lohnsenkung ab. Ter staatliche Schlichter ist noch immer bemüht, einen Ausgleich herbeizuführen. Diese zweite Ankündigung ist nach den Bestim- mungen des in Dänemark geltenden Tarisoer- träges die letzte. Man muh also annehmen, daß es den dänischen Unternehmern ernst mit ihrer Drohung ist. Unter die Aussperrung würden zu- nächst 199 999 Arbeiter fallen, d. h. etwa ein Drittel der Gewerkschaftsmitglieder. Es ist aber nicht ausgeschlossen, daß sich der Kampf auch noch auf andere Industrien ausdehnt. Dieser Kamps, den die Unternehmer führen, richtet sich nicht nur gegen die Arbeiter. Es geht im Endziel gegen die sozialistische Regierung Stauning, die bei den letzten Wahlen in ihrem Amt vom Volk bestätigt worden ist. Die Unier- nehmer gehen so weit, vom Kabinett Stauning die Verschiebung der geplanten öffentlichen Arbeitsbeschaffung bis nach Austragung des Kampfes zu verlangen, um die durch Arbeits- losigkeit mürbe gemachte Arbeiterklasse leichter niederknüppeln zu können. der Vermittlungsvorschlag des Friedensrichters unannehmbar sei. Inzwischen trat aber ein neues Ereignis ein, daß das baldige Ende des Streiks zur Folge haben kann. Eine Weberei in einem Nachbarort von Armentieres hat beschlossen, am Montag den Betrieb wieder aufzunehmen und die bisherigen Lohntarife beiz übe- halten. Die Streikenden haben damit einen schönen Teilerfolg erzielt. Der Kampf in ArmenMres Paris, 21. Januar. Ein Versuch des Friedensrichters von Armen- tieres, zwischen den Unternehmern und den streikenden Webern zu vermitteln, ist am Freitag gescheitert. Nach einstündiger Verhandlung kamen die beiden Parteien dahin llberein, daß Der Verkehröstreik in London Der Londoner Omnibusstreik griff am Sonn- abendfrüh weiter um sich. Rund 2999 weitere An- gestellte schlössen sich an, so daß jetzt etwa 5599 Theater der Woche vom 22. bis 30. Januar Volksbühne Theater am Biilowplatz: Bis 22. Oliver Cromwclls Een. dung. Ab 23. Echindcrhannes. Slaatsiheater Oper Unter de» Linden: 22., 26. Das Liebesverbot. 23. Othello. 24. Der Roscnkavalier. 25. Madame Butterfly. 27. Der Troubadour. 2b. Die Zauberflöte. 2g. Die Meister» singer von Nürnberg. 30. Eine Nacht in Venedig. Sch-uspiclhans am Sendarmcnmarkt: 22., 23., 26�, 28., 29. Faust Ii. 24., 30. Faust I. 25. Hunderttausend Taler. 27. Nora. Städtische Oper Eharlottenburg: 23., 26. Die Prinzessin von Tragezunt. 24. Othello. 25. Der Freischütz. 27. Sa» lome. 28. Martha. 29. Ein Maskenball. 30. Madame Buttcrfly. Thealer mit festem Programm Zkursürstendamm-Theatcr: Glückliche Reise. 22., Uhr: Tanzmatince Helga Normann.— Deutsches Theater: Prinz Friedrich von Homburg.— Die Nomädie: Ein Mädel ohne Mann.— Deutsches»ünstler-Theatcr: Die Nacht zum 17. April.— Theater in de« Strescmannstratzc: Terzett.— ilomodienhans: Bis 24. Das Haus dazwischen. Ab 25. Achtung! Frisch gestrichen!— Mctropol-Theatcr: Hundert Meter Glück.— Theater im Admiralspalast: Früblings» stürme.— Komische Oper: Mustk um Eust.— Drostes Schauspielhaus: Ball im Savop.— Zentral-Theatcr: Narren des Ruhms.— Theater am Schissbaucrdamm: Automatenbüfett.— Berliner Theater: Auslandsreise.— Schiller. Tbcater: Die Männer sind mal so.— Reuaissanrc» Theater: Mutter mutz heiraten.— Theater in der Behren» straste: Bargeld lacht.— Rosc-Tbcatcr: Die Firkusprinzesstn. — Eastno-Theatcr: Bunte Bühne und Onkel Muz.— Plaza: Katja, die Tänzerin.— Scala. Wintergarten: Internationales Bariet«.— Rcichshallcn-Thcatcr: Stettiner Sänger. Aachmiltagsveranstalkungen Mctropol-Theater: 22., 17 Uhr: Farcwitsch.— Komische Oper: 22., 29. Mustk um Sust.— Großes Schauspielhaus: 22., 29. Ball im Savov.— Theater am Schisfbauerdamm: 22., 29., 1514 Uhr: Hänsel und Grete!: 17>� Uhr: Kamps der Tertia. 25., 16 Uhr: Kampf der Tertia. 28., 16 Uhr: Kai aus der Kiste.— Schiller-Theater: 22., 29. Robert und Bertram.— Roke-Tbcater: 25.. 17', Uhr, und 29., l7i4, Uhr: Die Firkusorinzesstn. 29.. Ilsh Uhr: Die stcbeu Raben.— Easino-Theatcr: 22., 29. Bunte Bühne und Onkel Muz.— Plaza: Katja, die Tänzerin.— Scala, Wintergarten: Internationales Barietd.— Reichshallcn- Theatcr: 22., 29. Etcttiner Sänger. Erstaufführungen Montag. Bolksbuhne: Schinderhanncs.— Die Tribüne: Was uns fehlt? Arbeit!— Mittwoch. Komödienhaus: Achtung! Frisch gestrichen! Bahnen im Schnee Rundfunk am Abend Sonnabend, 21. Januar. Berlin: 16.15 Blasordieslerkonzert. 17.00 Zeitfunk. 17.10 Blasordieslerkonzert. 18.00 Josef M. Bauer: Eigene Novellen. 18.25 Mitteilungen des Arbeitsamtes. 18.30 Konzert. 18.55 Die Funkstunde teilt mit. 19.00 Stimme zum Tag. 19.10 Doppelgänger Tier und Mensch. 19.30 Seemannsgeschichten(F. Karstadt). 19.45 Einer von 80 Millionen. 20.00.Die schöne Risette"(Operette von Leo Fall). 22.20 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Tanzmusik. 23.00 Aus der Staatsoper. Unter den Linden: Festvorstellung der Berliner Winterhilfe. Königswusterhausen: 16.00 Dramatiker ohne Bühne. 16.30 Aus Hamburg: Nachmittagskonzert. 17.10 Wochenschau. 17.55 Tägliches Hauskonzert. 18.30 Vom Rhythmus des Lebens. 18.55 Wetterbericht. 19.00 Stille Stunde. 19.30 Das Gedicht. 19.35 Ludwig von Beethoven. 20.00 Aus der Singakademie: Schlesischer Sängerbund e.V. 21.15 AusDarm- stadt: Bunter Abend. 22.20 Wetter-, Tagesund Sportnachrichten. 22.45 Seewetterbericht. Sonst: Berliner Programm. Vollständiges Europaprogramra im„Volksfunk", monatl.% PL, durch alle„Vorwärts"- Boten oder die Poslanstalten. Sonntag, 22, Januar. Berlin: 6.15 Funkgymnastik. 6.35 Aus Bremen: Hafenkonzert. 8.00 Mitteilungen für den Landwirt 8.55 Morgenfeier. 10.05 Wettervorhersage. 11.00 Dichtung der Zeit. 11.30 Reichssendung. Aus Leipzig: Bach-Kantate. 11.55 Beruf und Haushalt oder Haushalt als Beruf? 12.15 Aus Dresden: Mittagskonzert. 14.00 Elternstunde. 14.30 Märchen(Margarete Jokl-Lorandt). 15.30 Blasorchesterkonzert. 16.15 Bei solchem Wetter wollen Sie fliegen? 16.40 Blasorchesterkonzert. 17.30 Aus München; Hörbericht vom Entscheidungsspiel um die Deutsche Eishockeymeisterschaft. 17.45 Jagden in Nordafrikas Steppen(P. Spatz). 18.00 Konzert. 18.30 Das Vermächtnis der Vorzeit. 18.55 Spurtnachrichten. 19.00 Aus dem Tagebuch eines Kriminalrc-porters(M. F. Mendelssohn). 20.00 Aus der Philharmonie: Konzert. 22.00 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. 22.30 Aus Wien: Wiener Künstler für die Winterhilfe. Königswusterhausen: 1 1.00 Seewetterbericht. 11.55 Dichterstunde. 12.15 Aus Dresden: Mittagskonzert. 12.55 Nauener Zeitzeichen. 14.30 Aus der Gedankenwelt großer Philosophen: Lessing(Dr. G. Wyneken). 15.00 Die Kunststätten und Kunstschätze der Nation(Dr. K. K. Eberlein). 16.15 Die Frankreichfahrt(G. Britting). 16.30 Tägliches Hauskonzert. 17.15 Junge Generation spricht: ..Kollegialität im Beruf". 18.00 Kammermusik. 19.00 Stunde des Landes. 20.00 Aus Hamburg: Verdi-Puccihi. 22.00 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. 22.45 Seewetterbericht. Sonst: Berliner Programm. Vollständiges Europaprogramm imx., Volksfunk", monatl.% PL, durch alle„Vorwärts"- Boten oder die Postanstalten. Sin nngetröhnlicher Anblick, der fielt feist den ißeiroimern ron llfadrid bielel: Vrols des milderen Uilimas liegt der Schnee dort nreil höher als bei uns, fo darf fogar die Halmen ihre Schneelaft au tragen haben (Eine Führung durch den winkerlichen Spree- wald veranstaltet für alle Schlittschuhläufer am Sonntag, dem 22. Januar 1933, die Liuba, Werbestelle für Spreewaldfahrten. Treffpunkt 6,59 Uhr Görlitzer Bahnhof, Eingang Wiener Straße. Unkostenbeitrag 1 M. Sonntagrllcksahrt- karte nach Lübben 4 M. Wetter für Berlin: Zeitweise aufklarend und kälter, keine oder nur noch geringfügige Schnee- fälle, mäßige Nordostwinde.— Für Deutschland: Ueberau Frostwetter, nur im Süden und Südosten noch mäßige Schneefälle. Verantwortlich für Politik: Rubolt Brenbemübl! Wirlschast: G..(klingelboser: Gewerkschaiisbe- wegung: I. S l e i n e r: Feuilleton: Herbert Le» p ä r e: Lokales und Sonstiges: Fritz Karstädt; Anzeigen: Otto Hengst: sämtlich in Verlin Ver- lag: Vorwärts-Verlag G m. b H, Verlin Druck: Borwärts-Vuchdruckerei u. Verlagsonstall Paul Singer u. Co., Verlin SW. 08, Lindenstr 3* Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise werden ,n jeder Morgcn-Ausgabe des„Vorwärts" verössentlicht. »Hierzu I Beilage. sn M i III» 15. Flora 3434. fiaudion eri. 3 Gaston Paltner 20 uiienerinnen Honzertleren Fuss*Heuser*uieiser uiinciairs�uiaihmirs onnallend und Sanmaii am.» nanm. 4 Utu znkie 1 en"so• CAS1NO-THEATER 8 Uhr. Lothriniier Strafe 37 8 Uhr, iniiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiMiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii Variete, bunte Bühne. Kabarett War noch bl» Ä Februar Onhel Muz, der Ehestifter Freitag:, 3. Februar Premiere „Der Fürst von Pappenheim" Jutschein i— l Personen Parken nur 0.60. Fauieuil 0.75. Sessel 1.25 Sonntag 4 Uhr: Onkel Mos. KI. Preise. Uisraarcltstr.(Kuiei steinp!.(C 1! ollo Täglich SV, Uhr Oer Kollo-Sch ager Die Männer sind mal so SManl Kiidemion Sonntag 4 Uhr Robert mit Bertram tOGöEBOa KomöQiennaus Schiflbauerdamm 25 Iii D2 Weil 5304-05 Heute letzte Vorstellung 8»4 Uhr Das Haus dazwischen mit Max Adaiber' jakob Tiedtke •fMik- Stelteh Rose- ineüiei irol« Fmktortir Slnle<32 Tel. We!»!«! E7 3422 8.18 Uhr Die Zirkusprinzessin Charlotteostr. 90 Dönhoff bZb Täglich 8>/4 Uhr Auslandsreise mir Felix örcssar Maria Fandier Oscar Sabo, Löns, Behal. Berghof. Witt Kurlürsteiifl.-Tp. KurfCrstendamm 209 Tel Bism. 1400 Täglich 8V4 Uhr Glückliche Reise Operette von Känoeke in der Prrmierenbe' sc'zatij* B. B. B. Öendows Bunte Buhn Kottbusser Straße Oberbaum 3500 r&glicb. Uhr StfZs. nachm 4 U ne doae Kiste BETRIEB KEMPIMSKlIJ Ste ttl n er Sänger Reictishallen-Th.. Dönhoffpl 8.15. Sonntags 3 30 zn ermäßigten Freisen Das große Januar Programm Die Hellen Erben Ouittung* ttabaic u UeKlamrmdrKm Vrfiöf vu Sportverein gibt es doch eine Menge von jungen Leuten, die in erster Linie körvertüchtig sind und sich nur oder doch in der Hauptsache nur auf dem Geliete des körperlichen Könnens Leistungszieie setzen können. Warum, in aller Welt, sollen wir ihnen das verwehren? Ihr sagt, sie könnten hoch näsig werden und sich auf so«in Abzeicken einen Stiebel einbilden. Hört mal zu. liebe Genossen Als ich als nicht mehr ganz junger Turner zum erstenmal die grau« Turnhose und die hochge- schlössen« blaue Turnerjacke anhatte, da war ich stolz wie ein Spanier, daß die Leute es mir nur ansehen und sich zuraunen tonnten: seht mal. das ist ein freier Turner! Vielleicht hat niemand hingeguckt, aber der kleine Turnerdünkel, der von mir sonst so objektivem Menschen in diesem Auaenblick Besitz ergriffen hatte, der ha: uns in Wirklichkeit groß gemacht. Ohne diesen Dünkel, etwas zu sein, etwas zu können, kann ein junger Mensch nicht gedeihen. Dieser kleine Ehrgeiz, den ihr als so asozial abtun möchtet. das ist in Wirtlichkeit der Motor des Handelns einer irgendwie zielstrebigen Jugend: er ist es zu allererst im Sportverein, der ohne Freude an der Leistung und am Können, ja, an der Lust, es = anderen vorzutun, gar nicht denkbar ist. Tötet diesen Ehrgeiz, und ihr habt morgen keine Vorturner und keine Wett- kämpfer mehr! Freund Bühren schrieb einen bösen Satz. Er meinte, wir seien allzu sehr Sportler geworden, und es sei uns nicht gelungen, der Jugend geistige Reise zu geben. Das sollte ein Sportwart nicht schreiben. Schließt«in guter Sportler sein etwa aus, ein guter Sozialist zu sein? Fehlt es deshalb an der Reise, weil wir zuviel Sport getrieben haben? Oder meint Genosse Bühren, daß wir einen Teil unserer Zeit hätten dazu verwertden sollen, unseren Sportgenossen billige Mahnungen mit auf den Weg zu geben, nur ja recht brave Soizalisten zu werden� Meint er. um es kurz zu sagen, daß man heute die Jugend noch mit Redensarten auf den rechten Weg bringen kann? Hier„irrt nicht Goethe" sondern Bühren: Die Jugend wird be° lehrt durch das Wort, erzogen ober durch die Tat! Im Sportverein ist die Tat der Sport, das Wort die Begleitmusik. Also können wir unsere Jugend nur durch das Mittel des Sports zu dem erziehen, was wir aus ihr machen wollen, nämlich Sozialisten. Das Geheimnis der Erziehung l'egt in der Anwendung der Erziehungemittel, bei uns also in der Anwendung des Sports. Gewiß meint dos auch der Genosse Bühren. Dann aber war«s nicht richtig zu sagen, daß wir zu sehr Sportler geworden seien, wenigstens war es von einem Sportwart nicht richtig- Wir wollen das Mittel des Sport? in Zukunft noch intensiver anwenden. um unsere Jugend in unserem Sinne zu erziehen. Wir alle, die wir für ein Abzeichen sind, wollen nichts anderes, als unserer zielstrebigen Jugend ein äußeres Malzeichen ihres Ziel- st r e b e n s zu geben. Wir meinen, daß wir in unserer Zeit der Hordenbildung geraüe der für diese Zeiterscheinung einaestellten J-igend so eine Art Talisman stiften sollten. Wir wollen nicht- weiter, als die Zeichen der Zeit nützen, um der Zukunft unserer Bewegung zu dienen. Und wi-.- sind gewiß, daß uns, die wir das Beste wollen, auch dieses Mittel zum Besten dienen muß. Gersfeld sollen die mitteldeutschen Verbandsrennen stattfinden. Gut besetzt sind die internationalen Wettläufe in Klingenthal und in Oberhof, den schlesischen Läufern bietet sich bei den Ober- schlesier-Skiwettläufen in Neustadt O.-Schl. Ge- legenheit zur Betätigung, dieser oder jener deutsche Skiläuser wird sich auch bei den Veranstaltungen im benachbarten Oesterreich beteiligen. Zahlreiche Veranstaltungen sind in der Schweiz vorgesehen, so die Rigi-Skirennen und die Bündnerischen Verbandsrennen in Lenzerheide. BBC. 32 ist Boxmeister bei den Arbeiter-Athleten In der sehr gut besuchten Trainingshalle des Sportklubs Alt-Wedding hatte gestern die Ver- einigung„Lichtenberger Fausttämpser" zum zweiten Male die Meisterschaft im M a n n- ichaftsboxen für den 4. Kreis(Berlin und Brandenburg) im Arbeiter-Athleten-Bund zu ver- leidigen. In den Vorentscheidungen konnte sich in diesem Jahre die jung« aber schon recht kämpf- starke Staffel des„Berliner Boxklub 1332" als Endrundengegner qualifizieren. Beide Mannschaften gingen glänzend vorbereitet an den Start. Der alte Meister hatte diesmal Pech, zwei Kämpfer konnten wegen Krankheit nicht antreten, aber der BAT muhte wegen Ueber- gewicht eines Kämpfers zwei der ihm so kampflos zugefallenen Punkte wieder hergeben. Die Tressen im Ring verliefen überaus wechfelvoll, mu etwas Glück konnten die Kämpser des Box- k l u b s mit 10: tz Punkten dem alten Meister den Titel abnehmen. In der neuen Meisterstaffel stecken recht gute Kräfte und in den kommenden Kämpfen um die ostdeutsch« und Bundesmeister- schast dürste der neue Meister des 1. Kreises ein ernstes Wörtchen mitreden. Gleich im ersten Kampf gab es»inen harien(Schlagwechsel zwischen Tqlessen(®B£.) und dem Lichtenbcracr Reckner: T. gab den Kamvl in der legten Runde auf. Im Federgewicht gingen die Punkte an Stiller(PPC.). Der erfahrene Förderer lLtchtenberg) tonnte Gaulle(PBT.i nur nach Punkten schlagen und der Leichtgewichtler Stiller (BBT.) stegte kampfla». Wenn der große Peter lLIchten- berai sich einmal mehr im Kampf finden sollt«, könnte er in keiner Mannschaft mit zu den Besten gehören: gestern mußte er dem pausenlos schlagenden K-ch s f e st I Dafür gilt nähmlich diese kommunistische Auf- iorderung zum„gemeinsamen Start"! Tfr Inzwischen werden die bundestreuen Arbeiter- sportler wirklich ein Eisfest veranstalten. Am morgigen Sonntag, ab 14 Uhr, wird auf der eigenen Eisbahn an der Grenzallee in Neukölln allerlei Eissport geboten, so ein Eis- hockeyspiel, Kunst- und Schnelläufen. Die sozial- demokrakjsche Arbeiterschaft wird auch ohne kam- munistische Heilsapostel ein Fest im echten soziali- stischen Sportgeist durchführen. Radrennen im Sportpalast Nach langer Pause wird es am Sonnabend. 28. Januar, im Sportpalast erstmalig wieder ein Radrennen geben. Bereits am Montag wird mit dem Aufbau der Bahn begonnen, so daß die Fahrer am Mittwoch mit der Uebunzsarbeit be- ginnen können. Der erste Mannschastskampf in diesem Jahre führt über 100 Kilometer und wird ein ausgezeichnetes Feld an den Start bringen. Es starten u. a. Schön-Buschenhagen, Oskar Tietz, Maczynski, Wisiel. ASKö-Vritz. Sonntag, 22, Januar, Männer, und Frauen. Waldlauf in der Königsheide. Treff Uhr Kanaibrücke. Bpälhstraße. Mädchenabteilung: Treff zur Tage»wandc- runa äZü Uhr Huseiienhall«, Nachzügler ab lö Uhr Strand» fchiaß am Müggelsee(Straßenbahn 87, dann 15 Minuten Waldweg).— Montag, 23. Januar, JIu-Iitfu-Gruppe pllnklich Thauffeestraße. Freie Turnerschaft Groß-Berlin. Di» für 25. Januar angesetzte große Frauenausschußsttzuna findet Sonnabend, 1. Februar, IS Uhr, Äreisgeschästastelle. statt.— Männer- und Zngcndturncn: Gemeinsame Ucbungsstunde Mittwoch. 25. Januar, Turnhalle Prinzenstraße.— Bezirk lempel- Hof! Heute, Sonnabend, 20 Uhr, Jahreovcrsammlung bei Pommerenina, Berliner Str. IM).— Be-irk Lichtenberg: sonntag, 22. Januar, 13 Uhr, Jahresuersammsung bei Tempel, Sudrunstr. 7. Mitgliedsbuch mitbringen. Frei« Kanu-llnio» Sraß-Berliu. Sonnabend. 21. Januar, 20 Ubr, Generalversammlung.„Zur Eiche", Neukölln. Sonntag. 22. Januar, 11 Uhr, Richtcfcft. NB. Borwärts. Sonntag, 22. Januar, lö Uhr, General. ucrsammlung. Verbands, und ParteibüG-r milbringcn. Die Fähre verkebrt wegen de» Eisganges nicht. ASV. Rot>Weiß. Jahresversammlung Sonntag, 22. Sa- nuar, 13 Uhr, Swinemünder Silellschaftskaus. Sport am Auf zum Eis fest! Aus der eigenen Eisbahn der Arbeitersport ler in der Grenzallee in Neukölln(U-Lahn Grenz- allee, Sladkbahn Neukölln) veranstalten die Ar- beilerwin'ersporller morgen, Sonntag, ihr erstes E i s s p o r t f e st. Ein Eishockeyspiel bringt die besten Spieler aus den teilnehmenden vereinen zusammen 3m Sunstlaufen starten u. a. vkielke und A ö r st e r, die bereits ans der Arbeilerwintersportolnmp'.ade im vergangenen Jahr ihre Kunst zeigten. Schnelläufen werden das Programm vervollständigen. Beginn de» Festes 14 Uhr. Eintritt ZO Pf. Erwerbslose 20 Pf., dafür nachher Eisbohnbenuhung. ie Schwimmfest bei„Freihält". Wie schon mit- geteilt, findet morgen, Sonntag, um 13 Uhr, im Stadtbad in der Oderberger Straße das Schwimmfest des Berliner Schwimmvereins „Freiheit" statt. Ein Besuch dieser Veranstaltung ist sehr zu empfehlen, da fast alle Berliner Ar- beiterschwimmoereine Meldungen abgegeben haben. Bnn'er Abend bei Kliems. Die neugegründete Jiu-Iitsu-Abteilung des Arbeitersportvereins Neu- kölln, die Mitglied im Arbeiterathletenbund ist, veranstaltet am Sonntag in Kliems Festsäle. Hasenheide 13, einen Bunten Abend, an dem u. a. die besten Berliner Athletikvereine und Neuköllner Leichtathleten sowie die Volkstanzschar teilnehmen. Die Spieltruppe der Arbeiterjugend und des Reichsbanners sorgen für Unterhaltung. Die Festansprache hält Genosse Litke, M. d. R. Beginn 17 Ubr. Eintritt 60 Ps. Erwerbslose 40 Ps. Tombola und Tanz. Arbeiter-handball. Die Freie Sportvereinigung Pankow hat am Sonntag Gäste aus Küstrin, mit denen Handball- und Fußballspiele ausgetragen werden Im Handball starten Pankow II gegen Küstrin II um 13 Uhr. Pankow I gegen Küstrin l um 14 Uhr. Zu den Fußballspielen treten an: Pankow kombiniert gegen Küstrin I um lö Uhr Die Spiele finden auf dem Platz In der Rissingenstraße statt. vsk. Proles, Ostgruppe. Sonntag, 814 Uhr, Handballspiel gegen ASB. Reukölln, Sportplatz Ost, anschließend Winterfohrt nach dem Müggelsee. Altersabteilungen und Kinder 1410 Uhr War- schauer Brücke: Iungmänner und Iungmädchen '411 Uhr Bahnhof Stralau-Rummelsburg, Ein- gang Markgrafendamm. Die Arleilerhockeyspiele fallen am morgigen Sonntag der Wiklerung wegen aus. Wer wandert mit den Ikatnrfreunden? Die nächste Wanderung des TB.„Die Naturfreunde" findet am Sonntag statt. Sie führt von Mahls- dorf nach Alt-Landsberg über Spitzmühle zum Bötzsce. Tresspunkt Mahlsdors, Endhaltestelle des Sonntag Autobus 39. Abfahrt mit dieser Linie ab U-Bahnhos L'chtenberg(Stadtbahn Lichtenberq-Friedrichs- felde) 8.13 Uhr. Umsteiger lösen. Gäste herzlichst willkommen. Freie Arbei'er-Sckochvereinkgnnq. Alle Freunde des Schachspiels treffen sich Sonntag im Gewerk- schaftshaus, Engelufer, vm 13 Uhr. Montag, 20 Uhr, in Mahlsdorf im Lokal Nordstern, Hönower Straße 49/30, Werbeschachabend. Bezirkskämpse des republikan schen Freien keglerbnndes Der Bezirk Süden absolviert morgen sein erstes Stechen auf Bohle in der Sporthalle Südende. Harte Kämvfe um den ersten Platz werden sich zwischen SKK. Huick-Husch, Hohe Kante Tempelhof, Atlanta und Schöneberg Süd-West abspielen. Zwiscken SKK. Freundschaft, Sorgenfrei, Solide 22, Schieb leise. Linke u, Co und Hellas wird es auf den Kampfbahnen eben- falls recht hart hergehen, so daß guter Sport zu erwarten ist. Die Kämpse beginnen vormittags 9 Uhr. Eisseaeln in Rangsdorf. Auf dem Rangsdorjer See(Strecke nach Zossen) beginnen moraen um 12 Uhr die Jubilöumswettfahrten des Berliner Eissegelvereins von 1892. Eine vom Eisiachtklub Rangsdorf um 14.30 Uhr angesetzte Wettfahrt folgt, Eishockeyspiele vervollständigen das Pro- gramm. Winter-Trabrennen;n Ruhlrben. Auf der in prächtiger Schneclandfchaft sich prälentierenden Bahn kommt am Sonntag ein interessantes Pro- gramm zum Austrag. Die Rennen beginnen um >2 Uhr. Um die Eishockey-Meisterschaft. Auf der Münchener Kunsteisbahn wird am Wochenende der deutsche Eishockeymeister ermittelt werden. Die Beteiligungszisser hat sich inzwischen aus vier Mannschaften verringert, da Brandenburg-Berlin absagte Neben dem mehrfachen Meister Berliner Schlittschuh-Club stehen also nur noch BsL. Rastenburg. Sportclub Niessersee und Eislauf- verein Füssen auf der Bewerberliste. ..Göta".StockhoIm im Eisstad'on. Am M o n- l a g 20,13 Uhr. findet im Eisstadion Friedrichs- Hain das 1. Internationale Eishockey-Weltspiel statt. Der schwedische Meister Göta-Swckholm wird auf seiner Rückreise von Prag noch einmal in Berlin Station machen und dem Berliner Eislauf- Club gegenübertreten. Auch der VfL. Rastenburg wird in einem Borspiel um 19,13 Uhr sich de» Berlinern noch einmal vorstellen. Eintritt: Sitz- plag 1,30 M.. Stehplatz 1 M„ Schüler 50 Pf. Skisport Aus der Fülle der angesetzten skl- sportlichen Veranstaltungen seien nur die wich- tigsten herausgegriffen. Der Bayerische Skiverband veranstaltet in Oberaudorf seine Meisterschaften. Thüringen» Stasfelmeisterschaften werden in Oberschönau und Zella/Mehlis durchgeführt, in