Abend- Ausgabe Nr. 38 B 19 50. Jahrg. SReboffton und Verlag, Berlin SW 68, Lindenstr 3 Sftniurecfttr A' Amt DSnhoN 292 bu 297 Sel«9tonimab«(|e) Cojtatbtmoftat B-rlw BERLINER VOLKSBLATT MONTAG 23. Januar 1933 In Groß• Berlin 10 Pf. Auswärts..... 10 Pf. Bezugsbedingungen and Anzeigenpreis» siehe Morgenausgabe Jentvalorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Sonntag, den 29. Zanuar Raffenlundgebvng Berlin bleibt rot I Wir demonstrieren: gegen die Vrovokationöpolitik der Negierung gegen den Osthilfeftandal der Millionengeschenke an die Junker für Demokratie und Sozialismus für die Einheit der Arbeiterklasse! Auftnarsdiplan wird noch bekanntgegeben. Welcher demonstriert! Hitler-Kundgebung kläglich— Die Arbeiter lassen sich nicht von ihr provozieren Gestern hat der Polizeipräsident Mel- chcr gegen die Perliner Arbeiterbevölke ru ng demonstriert. Zu schweren Zwischenfällen und Unruhen ist es nicht gekommen. Die Demonstration von Hitlers Bürgerkriegs t r u p p e im Berliner Arbeiterviertel war kläglich. Ein riesiges Polizeiaufgebot hat die Arbeiterviertel um den Bülowplah in 5Z r i e g S z u st a n d verseht. Die Arbei- ter wurden in ihren eigenen Wohn- vierteln von der Polizei terrorisiert. Das Ttrastenbild erinnerte an rheinische«tädte unter der fremden Besahung. Polizei mit Karabinern, an einer Ttelle mit auf- gepflanztem Zeitengewehr, unter Einsah eines Panzerwagens sperrte in der rigo- rosesten Weise die Ztraften. An mehreren Ztellen sind Teile der Polizei, die offenbar besonders schneidige Befehle erhalten hatten, mit aufterordcnt- licher Brutalität vorgegangen. Das Karl-Liebknecht-Haus wurde poli- , zeilich nach Waffen durchsucht, die Haus- wache wurde gezwungen, das Haus zu verlassen. Dies Polizeiaufgebot Nazirummcl, bei dem gebrüllt wurde:„W i r die Freiheit, wir die Iudenrepublik?" Eine geschlossene k om m u n i st i s ch e Gegendemonstration hat n i r- gends stattgefunden. Die kommu- nistischen Arbeiter waren klug genug. nicht in die Gewehre zu laufen! Tie haben sich nicht provozieren lassen! Am Abend wurde bekannt gegeben, das, drei Polizeibeamte und 20 Zivilpersonen verleht worden stnd, es sind 70 Festnahmen erfolgt. * Daß gestern in den Straßen von Berlin keine Ströme von Blut geflossen sind, ist nicht das Verdienst der Schleicher-Regierung, nicht das Verdienst der Polizei, es ist— das Verdienst der kommunistischen Arbeiter. Der Gedanke der Nazis, auf dem Bülow- plag zu demonstrieren.„Front gegen das Karl-Liebknecht-Haus", war eine ausgemachte Infamie, ein raffiniert erfonnener Plan, die Kommunisten herauszufordern. Daß die Schleicher-Regierung diese natio- nalsozialistische Demonstration g e n e h- in i g t e. alle Gegenkundgebungen aber vcr- bot, war ein ungeheurer Skandal. Die Sozialdemokratie hat gegen diesen Skandal auf jede mögliche Weise pro- testiert. Das Ortskartell der Gewerkschaften tat das gleiche. Manche Regierungsstellen gaben offen zu, daß die nationalsozialistische Kundgebung an dem kommunistischen Partei- Haus eine schwere Herausforderung darstellte. Aber man gestattete trotzdem den verwöhnten Lieblingskindern von der SA. auch dieses Vergnügen, weil man den Kuhhandel hinter den Kulissen um die Regierungsbildung nicht stören wollte. Lieber riskierte man einen Berg von Leichen! Daß die Kommunisten ein solches Maß von Selbstbeherrschung aufbringen würden, hat niemand erwarten können Viel eher ließ die Sprache ihrer Presse vermuten, daß es zu einer blutigen Straßenschlacht kommen werde. Der Verdacht läßt sich nicht unterdrücken, daß diese Srraßenschlacht von manchen Drahtziehern der Reaktion sogar g e- wünscht wurde. Sie wollten die KPD. in eine Falle locken, um sie zu vernichten. Es wäre menschlich verständlich, aber doch die schlimmste politische Torheit gewesen, wenn die KPD. in diese Falle gegangen wäre. Der Bezirksvorstand der Berliner Sozialdemokratie hat sie öffentlich vor dieser Torheit gewarnt, in dem er erklärte: Der Bezirksvorstand der Sozialdemokratische» Partei Berlin erhebt gegen die der National- sozialistischen Partei erteilte Genehmigung, am Sonntag, dem 22. Januar, aus dem Bülowplatz zu demonstrieren, den allerschärssten Protest. Er erblickt in dieser Kundgebung eine Provokalion. die in der Absicht unternommen wird, durch her- vorrusung blutiger Zwischenfälle für ein verschärftes vorgehen der Reaktion die handhabe zu gewinnen. Die Verantwortung sür alle möglichen Folgen, die sich aus der Genehmigung der natio- nalsozialistischen Kundgebung und dem gleichzeitigen Berbot einer kommunistischen Gegenkund- gebung ergeben können, fällt aus die Reichs- r e g i e r u n g, die im Widerspruch zur Versassung und zum Spruch des Staatsgenchtshofes in Preußen eine unbeschränkte Macht ausübt. Die Kommunistische Partei hat sich durch die Provokation nicht herauslocken lassen, sie ist nicht in die Falle gegangen, und damit hat sie zweifellos richtig gehandelt. Kann aber nicht sie, können nicht wir alle schützte einen immer wieder scheißen auf scheißen auf aus dem Ereignis des 22. Januar viel, sehr viel lernen? Daß die Sozialdemokraten den 20. Juli 1932 über sich ergehen lasten mußten, an dem jich Papen der Regierungsgewalt in Preußen bemächtigte, das war für die ganze Arbei- terbewegung ein sehr bitteres Ereignis. Daß am 22. Januar 1933 in Berlin vor den Fenstern der KPD-Zentrale und in der bewußten Absicht, sie herauszufordern und zu demütigen, Hitlers braune Horden auf- marschieren durften— daß sie das tun konnten, ohne daß eine wirksame Gegenwehr möglich war, auch das war für die ganze Arbeiterbewegung ein sehr bitteres Ereignis. Zwei Fragen ergeben sich: Die erste lautet: Sieht jetzt nicht auch die KPD. ein, daß scheinreoolutionäre Kraft- Phrasen nicht genügen, um eine wirkliche Arbeiterpolitik zu treiben? Und die zweite: Kann die KPD. auch nach dem 22. Januar, an dem sie dem wirklichen Feind der Ar- beiterklaste, der faschistischen R e a k- t i o n, ins Auge gesehen hat, noch immer wie bisher in der Sozialdemokratischen Partei ihren Hauptfeind erblicken? Einigkeit tut not! Einigkeit, nicht Einheits- frontmanöver! wir demonstrieren am nächsten Sonntag für die Einigkeit der Arbeiterklasse im Kamps gegen die Reaktion. Klassenkampf! Nicht Bruderkampf! Proletarier Deutschlands, vereinigt euch? Schupo in Schwarmlinie auf dem„Schlachtfeld" 3$ülotrplatse Torgler bei Schleicher Die Kommunistische Partei hatte am späten Nachmittag des Sonntag die Vertreter der deut- ichen und der ausländischen Presse zu einer Ve- sprechung im Preußischen Landtag gebeten. Dort erstattete der Rcichstagsabgeordnete O l b r y s ch einen Bericht über den Verlauf des Tages Nach diesem sehr unsicher vorgetragenen Bericht sprach ein ungenanntes Mitglied des ZK. der KPD, der einen viel gewandteren Eindruck machte und der den nicht unberechtigten Vergleich gebrauchte: der Hitler-Marsch durch das Berliner Arbeiterviertel habe an den Einmarsch der Franzosen ins Rnhrgebiet vor zehn Zähren Aas Spiel mit dem Bürgerkeieg Ilins riesige Polizeiarmee muß Hitlers Braunhemden schützen In beiden Fällen ein Vormarsch in Feindesland unter dem Schutz von Ge- wehren. Maschinengewehren und Panzerwagen Der ZK �Vertreter hob hervor, daß die Kommu- nistische Partei ausdrücklichen Befehl an ihre An- Hänger gegeben hatte, keine Waffen zu führen, denn sie lehne den individuellen Terror entschieden ab. Daher sei es auch nirgends auf feiten der Arbeiter zu Geroalttätigkeiten ge- kommen, sondern nur auf Seiten der Polizei. Die beiden Redner sowie auch der die Besprechung leitende Reichstagsabgeordnete Schröter hatten wohl alle das Eefühl, daß sich diese Hervorhebung der Widerstands- losig keit ihrer Anhänger gegenüber dieser un> erhörten faschistischen Provokation eigentlich bei Vertretern einer revolutionäien Partei nicht geziemt. Bisher war es nicht Sitte bei den Kummumsten, es alz einen besonderen Erfolg zu feiern, wenn revolutionäre Arbeiter— aus durch- aus vernünftigen Gründen— sich zähneknirschend, aber kampflos faschistische Provokationen gefallen lassen. Am interesiantesten war jedoch die Antwort, die der anonyme Vertreter der ZK. auf die Frage nach der Verlauf der in der Presse erwähnten Unter- redung zwischen den Abgeordneten T o r g l« r und dem Staatssekretär Planck gab. Man erfuhr nämlich aus seinem Munde, daß am Donnerstag abend die Abgeordnelen Torgler und Safper beim Reichskanzler General a. D. von Schleicher vorgesprochen hatten, um die Aufhebung des vom Polizeipräsi- denten Welcher verfügten Verbots der kommu- nistifchen Gegenkundgebung zu erreichen. Dabei soll Schleicher, ebenso wie zuvor bei einer voran- gegangenen Demarche der Palizeivizepräsident Dr. Mösle. anerkannt haben, daß die Talsache eines Razi-Aufmarfches vor dem Karl-Liebknecht- haus stark provokatorisch wirken wühlen. Indessen blieb es bei dem Verbot und der Genehmigung des Razi-Aufmarsches und die Unter- redung Planck-Torgler am Freitag nach- mittag im Anschluß an den Aellesienrat habe ledig- lich dem Zweck gedient, die negative Ent- s ch e i d u n g des Reichskanzlers den Kommunisten mitzuteilen. Wenn d'« Darstellung des ZK.-Ver- treiers richtig ist, dann dürfte auch seine Ansicht zutreffen, daß es innerhalb der Regierung M e i- nungsverschiedenheiten über diesen Fra> gentompler gegeber haben muß. Znleressanl ist jedenfalls die Tatfache, daß Torgler und Kaspar es für angebracht hielten. einen persönlichen Schritt bei Schleicher zu inachen. Kein Sozialdemokrat wird sie deshalb «adeln. Aber wie verlrägl sich dieser Schritt, um nicht zu sagen: dieser Bittoang, mit der maßlosen Hetze, die die kommunistische presse jedesmal gegen sozialdemokratische oder freigewerkschaflliche Führer entfachen, wcna sich diese bemühen, in persönll.cher Aussprache mit Reaierungsmit- gliedern die Forderungen der Arbeiterktoste durchzusetzen? SA. beschießt KPD.-Lolate MsKrers Verletotte. Täter entkommen 3n der Rächt zu Sonnlag gegen 2 Ahr morgens fuhr durch die Reue Hochstraße ein Motorrad mit Beiwagen, auf dem drei Ralionalsozialisten saßen. Die Banditen feuerten etwa 10 Schüsse auf das KPD.-Lokal von Leinhas in der Reuen Hochstraße 10 ab. Eine Svjährige Frau Emma höh- mann wurde von einer Mörderkugel getroffen und a m A r m s ch w e r v e r l e h t. Die Frau fand Im Vlrchoiv-Srankeahaus Ausnahme. Wenige Minuten daraus gaben dieselben Täter auf das KPD.-Lokal in der Gerichlsstrahe 15 mehrere pistolenfaloen ab. ohne jemand zu treffen. Der drille Zeuerüberfall spielte sich in der Gubener Straße in Berllu 0. ab. wo gleichfalls SA-Leute auf das dortige KPV.-Loknl mehrfach schössen. Der 20 Zahle alte Arbeiter p. aus der Gubener Straße erhielt einen Armschuß. ie 3n der Hönower Straße in Mahlsdors wurden nachls Reichsbannerleute von Ratio- nalsozialiflen überfallen. Die hakenkreuzler eröffneten aus die Reichsbannerleule Pistolenfeuer, ohne glücklicherweise jemand zu treffen. Die Revolverschühen entkamen In der Dunkelheit. VolksKiikne schwer geschädigt Der„Volksbühne am B ü l a w p l a tz" ist durch den SA.-Aufmarsch und die rigoros durch- geführten Absperrungsmaßnahmen der Polizei schwerer Schaden entstanden. Seit Wochen war die„Volksbühne" für das gestrige Mittags- tonzert mit der Sängerin Maria Ivogrün aueverkauft. Nur einem kleinen Teil der Theater- befucher gelang es jedoch, die Polizeiketten zu postieren. Von 1500 Plätzen waren nur 300 besetzt. Der„Volksbühne ist«in Schaden von m e h- rerentausend Mark entstanden, für den der Berliner Polizeipräsident verantwortlich gemacht werden soll. Beim zuständigen Gericht wird bereits zu Beginn der Woche Klage erhoben. Ein großer Test der Reichshauptfladt stand gtsteru unter einer Art außerordeutlich ver- schärfleu Srlegszuslaudcs. Für dleseu Kriegszustand lag kein Grund vor. Die Bevölkerung Berlias halte vielmehr die Absicht, diesen Winter- sonntag wie andere Sonntage, an denen sie nicht zur Wahlurne muß, der wohlverdienten Ent- ipannung, der In Zeiten bitterster Rol doppelt und dreifach erforderlichen Erholung zu widmen. Dag Reichskablnell v. Schleicher, der Reichs- inneumiaister und stellverlrelender Kommissar für Preußen Dr. Bracht und der kommissarische Berliner Polizeipräsident M e l ch e r haben diese Absicht der Berliner Bevölkerung unmöglich gemacht. well sie es mit ihrem Prestige für unvereinbar hielten, eine provokatorische Kundgebung der Ralioualsozlalisteu vor dem Karl-Liebknecht- Haus am Blllowplah zu untersagen. Sie haben dafür kommunistische Saalkundgebungeu verboten, weil angeblich durch sie die öffentliche Ruhe »nd Ordnung gefährdet worden wären, wir haben gestern erlebt, wie unter der Obhut der Polizei des Herrn welcher„Ruhe und Ordnung" in Berlin aussahen. polteeiheer aufgeboten Wir waren viele Stunden vor Beginn der Kundgebung auf dem Bülowplag und in allen Straßen ringsum, wir sahen die Beamten der preußischen Schutzpolizei immer aus zehn Schritt nebeneinander, wir sahen sie zu P f e r d e und auf Lastautos, und wir stellten fest, daß schon lange Zeit, bevor die Manifestation angesetzt war jede ruhige und friedliche Bewegung für den anständigen Staatsbürger in der Umgebung des Bülowplahes unmöglich gemacht und jedes Recht auf freis passieren, ja sogar aus die eigene Wohnung beseitigt worden war. Wir haben folgendes erlebt: Erschien jemand auf dem Balkon seiner Wohnung, so wurde von Der Aufmarsch der hakenkreuzler aus dem vülowplatz vollzog sich uoler Ausschluß der Oessenllichkeil. wer nicht in der braunen Kluft steckte oder in Reih und Glied mit der Bürger- kriegszarde hiklers marschierte, wu:de an der „Bannmeile", die in weitem Umkreise um den Bülowplatz von der Polizei gebildet worden war, von Schupobeamlen zurückgehalteu. Der Bülowplatz war bereit» in den frühen Vor- mlllagsstunden in einen Sammelpunkt mehrerer lausend Schupobcamler verwandelt worden, die mit Karabinern bewaffnet der Dinge harrten, die da kommen sollten. I�ar!-h!ehknecht»h!aus durchsucht Sämtlich« Zugangs st raßen zum Bülow- platz wurden im weiten Umkreise abgesperrt— starte Polizeiketten hielten die Pasianten zurück. ii»l> selbst die Anwohner, soweit sie nicht im Besitz ausreichender Papiere waren, hatten Schwierigkeiten, in ihre Wohnungen zu kommen Der Bülowplatz wurde gleich nach dem Eintreffen der ersten Schupokolonnen„abgekämmt" und einige hundert Personen, offenbar Kommunisten in eine Seitenstraße abgedrängt. Die erste Aktion der Polizei war dann die Durchsuchung des Karl-Liebknecht-Haujes. nach Waffen. Es wurde nichts gefunden; lediglich 40 Kommu- nisten, die sich im Hause als Wache befanden, mußten das Gebäude auf Anordnung der Polizei verlassen. Auf dem Bülowplatz rollte inzwischen Lastauto auf Lastauto mit Schupobeamten an. Die Polizei gab eine Demonstration einer neuesten Ausbildungsart der Polizeitruppe— nämlich der Abwehrgruppen gegen etwaige„Dachschlltzsn". Die Dachschützenpsychose bei der Polizei scheint noch immer zu bestehen und ging jetzt soweit, daß man aus den Dächern Beamte postierte, die mit Ferngläsern die Umgebung absuchten. Wie Bewohner behaupteten, sollen auf«inem Dach von der Polizei sogar Maschinengewehre ausgestellt worden sein. In der(oormannstraQe Bis um 13 Uhr blieb die Polizei unter sich. ioweit sich einzelne Schupogruppen nicht mit kommunistischen Demonstrationstrupps zu be- ichäftigen hatten. Besonders in der G o r m a n n- str a ß e hatten sich größer« Mengen Kommunisten — etwa 2000 Menschen— angesammelt, die fortwährend Niederruf« auf Hitler ausbrachten. An dieser St«ll« kam es auch zu dem erste» ernsten Zwischenfall. unten durch Polizeib«amte gebrüllt: Weg vom Balkon! Oesfnete jemand sein Fenster und schaute aus die Straße herunter, so dröhnte es: Fenster zu! Zwei junge Leute wollten zum Mittagessen zu ihren Eltern, die nahe dem Bülow- plag wohnen. Da hieß es: Aber lauft! Und als sie dann im Schnellfchrttt gingen, wurde nach- .zerufen: Nun aber Trab! Wir find der lleberzeugung, daß den einzelnen Pokizeibeamten hierbei nur ein sehr geringes Maß von Schuld trifft, und daß Znstruklionea von oben vorliegen mußten, die solche unwürdigen Szenen überhaup' erst möglich machten Sie scheißen auf die Freiheit! Die Braunhemden marschiert«» an, sie gröhllen, »aß sie auf die Freiheit der Iudenrepublik scheißen. Die Polizei schritt ihnen zur Seite, ohne bei dieser unerhörten Beschimpfung einzu- greifen, und der kommissarische polizelpräsidenl Herr welcher selbst, der persönlich aus dem Bülow platz war. muh diese und ähnliche Gesänge gehört haben. Es wurde von den Polizeibeantten gerufen: Zivilisten von der Straße weg! und vor den Lokalen haben sich SA.-Leute aufgebaut. die sich polizeiliche Befugnisie anmaßten, ohne daß die Beamten dagegen einschritten. Herr Welcher hat«s für nötig befunden, ein Polizeiaufgebot zur Beschützung dieser provozierenden SA.-Demon- stratton zu mobilisieren, wie es Berlin noch nicht gesehen hat. Ein höherer Polizeioffizier trat auf dem Bülowplag an den kommandierenden Oberst- leutnant heran und sagte:„Ich Hab« jetzt noch ganze 23 Mann". Der Kommandierende erwiderte:„Das ist ganz egal, die Alexander- ftraße muß auch geräumt werden." Es wurde geräumt, es wurde sehr rigoros geräumt. Warum? Damit die braune SA. chre Haßgesänge gegen den bestehenden Staat ungestört Wie die Polizei erklärt, seien die Beaimen von der Menge bedrängt worden, so daß aus den Karabinern Schüsse abgegeben wurden. Zwei Personen fallen getroffen, aber von Parteifreunden in Sicherheit gebracht worden sein Mancher Unschuldige wurde gestern von den manchmal etwas zu forschen jüngeren Beamten mißhandelt. Das Maß des Erlaubten wurde nur zu oft überschritten, lieber allem lag ein« merk- liche Nervosität, obgleich kaum Anlaß dazu war �lazis dürfen alles Es war immerhin schon ein Viertel nach 1 Uhr, alz die ersten SA.» und Zioilkolonnen am Bülowplatz anlangten. Mit Musik— mit Gesang, und immer wieder erlöule ein nationalsozialisli- scher Haßgesang, der damit endete:„Wir scheißen auf die Freihell— wir scheißen a«i die Zudenrepublik". Immer wieder, wenn eine neue Kolonne der Salzsteuersoldaten die Grenze des Bälowplatzes erreicht hatte, hallte es durch die Straßen:„Wir icheißen auf die Freiheit— wir scheißen auf die Judenrepsblik". Und das olles geschah inmitten eines Heerbanns bis an die Zähne bewaffneter Schupos. Kein Wachtmeister, geschweige denn ein Offizier rührte die Hand, um das braune Gesindel in die Schranken zu verweisen. Als es 15 Uhr war, hatte sich der Platz an der Bolksbühne„Front Karl-Liebknecht-Haus" gefüllt. SA.-Leute, hakenkreuzlerifche Frauen und Kinder darunter, hatten dort Ausstellung genommen. Herr Röhm„nahm die Parade ab". Imponierend war die Angelegenheit nicht. �uf dem Friedhof Auf dem Nikolai-Friedhof erschien Adolf Hitler gegen 14 Uhr zur Einwechung des Horst-Wessel-Gedenksteins mit„ganz großem Ge- folge". Da war der„persönliche Adjutant", der „Oberste SA.-Führer Röhm", der„Oberste SS.< Führer", der Berliner Gauführer Joses Goebbels und als besondere Schmuckstücke der großen Suite Auw! von hohenzollern und General von Epp. Nach Beendigung der Friedhossfeier setzte sofort der Abmarsch der SA. und ihrer Anhängsel ein. Alles in allem dürften gestern nach einer für die SA. sehr günstigen Schätzung 10 000 Personen unterwegs gewesen sein. Beim Abmarsch küm- Merten sich die braunen Horden wenig um den offiziellen Bannkreis und besonders Unter den Linden marschierten Bürgerkriegsfoldaten wie ein geschlossener Truppentörper. „Drei verletzte pollzeibeamle. IS leichtverlehle Demonstraalen und etwa 70 Festnahmen". schmettern konnte, damit die SA. weite— auch wette den Kommunisten fernstehenbe— Kreis« der Bevölkerung herausfordern konnte. Xlägüche Nazidemonstration Greift man hoch, so darf man sagen, daß etwa t0 000 nationalsozialistische Men- s ch e n aus dem Bülowplatz ausmarschiert sind. Da» für ist eine ungeheuer hohe Zahl von Polizei- beamten von morgens früh bis abe.ids spät auf die Straße geschickt worden, dasür ist ein großer Teil der Berliner Bevölkerung provoziert worden. Dafür ist es zu blutigen Schlägereien und Schießereien gekommen, dafür hat oft auch ohne jeden Grund die Polizei zum Gummiknüppel gegriffen, dafür find an 60 Verhaftungen vorgenommen worden, dafür hat es Verwundete gegeben. Das Spiel, das Herr Weicher treibt, ist außer- ordentlich gefährlich. Man hat es gestern sehen müssen, mit welcher Anmaßung sich die braune Privatarmee Hitlers bewegte. Di« Braunhemden waren die Herren der Straße— oder sie bildet« es sich wenigstens ein. Sie waren von der Polizei geschützt. Ihr haß gegen den Staat durfte sich unter der Obhut der Obrigkeit dieses Staates zügel- los austoben. Freilich: die Täuschung bleibt. Wer nicht nur auf die marschierende Züge der SA sah, sonder wer in den Straßen ringsum, in der Acker-, Lothringer-, Elfässer-, Schönhauser Straße, auf die Menschen achtete, der spürte die kalte Ab- l e h n u n g und den bitteren haß. Zwei SA.-Leute gingen allein die Straße entlang. Man hatte ihnen nichts getan, obwohl ausnahmsweise kein Schupo die beiden behütete. Aber ein Ruf ertönte, ein höhnischer Ruf:„Was könnt ihr denn? Proleten und Kameraden umbringen!" Es ist gestern in Berlin mit dem offenen Bürger» krieg gespielt worden. Schuld daran hat nicht die SA. und nicht die Kommunistische Partei, Schuld daran haben die Verantwortlichen, haben Schlei- cher. Bracht und Welcher! so lautete in den ersten Abendstunden der ab- schließende Polizeibericht über die Nazi- Provokation am Bülowplatz. Di« meisten Ver- letzungen sind durch Schläge mit dem Gummi- knüpel verursacht worden. In einem Falle wurde ein Polizeibeamter in Zivil, der außer Dienst war, durch Messerstiche schwer verletzt. Der Beamte war mit kommunistischen Demonstranten in ein Handgemenge geraten, in dessen Verlauf der Schupo seine Waffe zog und acht Schüsse abgab, ohne jemand zu treffen. Di« Wut der Meng« richtete sich jetzt gegen den Beamten. Durch mehrere Messerstiche wurde er niedergestreckt: er fand im Staatskrankenhaus Aufnahm«. Gegenkundgehungen Beim Anmarsch der Hitlertruppen kam es w manchen Stadtteilen zu unerheblichen Störungen und Gegendemonstrationen. An einzelnen Stellen hatten die Kommunisten Müllkästen und ander« Hindernisse auf die Fahrdämme gestellt.— In der Weinmeisterstraße wurde eine Autodroschke. in der sich ein SS.-Mann befand, von der empörte» Menge umgekippt und der Insasse verprügelt. Der Mann wurde ins Krankenhaus gebracht. Bis auf die mehrfachen Zwischenfäll« in der Gormann» straß« sind die übrigen unbesonnenen Aktionen meist von der Polizei vereitelt worden Der Alexanderplatz wurde einmal von der Schupo ge- räumt. Abonniert die Zeituna derSand-nnb Kopfarbeiter! ,' An den, Vcdafy f�Mwads'' 1; BERLIN SW68, LINDENSTHa Ich abonniere den„Vorwört»" zweimal' / täglich frei ins Haus mit der illustrierten � i' Sonntagsbeilage in Tiefdruck I „Volk und Zsit" ' 1 zum Preise von 75 Pf. pro Woche.<' Name:___________________/ Wohnung-______________(' :• S=>.■' SS Bannmeile um den Bülowplatz Die Provokation unter dem Schutz der Karabiner „Vorwärts"-Leser gern gesehen! Noch zwei BBG. Näuber gefaßt XVIIIv I�rdss nach wilder Jagd fcs' �enommen 3n der l�acht zum Sonntag wurde, kurz nach Ntilscrnachl. nach einer aufregenden Verfolgung. die fich von Sonnabendnachmiltog um 5 Uhr bis in die Rochtflunden hinzog, der 23 Zahre alle W'lly Krebs, einer der gefucht.n MillZter de? VVG-lleberfalles, in der Wohnung feiner Eltern, in der Stcgliher Str. 57, verhaftei. Krebs war mit einer von Ihm gestohlenen Horch-Limouflne geflüchtet und hatte versucht, die Grenze hinter Frankfurt a. d. Oder zu erreicheu. Ein sofort e'nfelzender Alarm der Polizei hinderte ihn aber daran. Er kehrte um. Poli'eiaulomobile waren bereits unterwegs und verfolgten ch«. Es en'fpann sich aus den Zu- sohrlestraßen nach Berlin eine w'lde Zagd. Der Räuber konnte die Limousine noch bis vor da» hau» seiner Eltern zurücksahreu und wurde dann dort festgenommen. Zu den Nachtstunden legte er aus dem Polizeipräsidium vor Kriminalkommissar Lissigke't ein umfassendes G e st ä n d- ni» ab. Krebs hatte am Sonnabendnachmittag vordem Haufe Sebaftianstr. 87 die chorch-Limoustne I A 74 791 gestohlen, die einem Fabrikanten B. gehört, der den Wagen nur ganz kurze Zeil hatte dort stehen lasten. Willy Krebs braust« damit ab. Sein Plan war es, den Osten zu erreichen und dann in etwa drei Stunden hinter Frank- furt a. d. Oder die polnische Grenze passie- ren zu können. Es war zu der angegebenen Zeit, als die Kriminalpolizei die Nachricht erhielt. daß Krebs mit einer Limousine im Osten Verlins gesehen worden war. Sofort setzte eine graste Nazzia nach oem Täter ein. Es kam zu einer Perbrecherverfolgung, wie sie die Kriminalpolizei selten durchzuführen hat varlament der Polizei Verbsucistaximx in Berlin Verteidung der Staatsbürgerrechte 3n den Räumen des Reichswirtschaftsrates wurde heute vormittag der siebente Verbandstag de» Verbandes der preußischen po- llzeibeamten eröffnet. Die Arbeitstagung der polizelbeamteu in Berlin hat höchste Bedeutung, well durch die Experiluente der„grundsätzlich neuen Staatssührung" die gesrmte poli- zeibeamtenschaft aufs tiefste erregt und beunruhigt ist. Die Tatsache, daß man bereits die Frage diskutiert hat, ob nicht dem polizei- exekullvbeamleu das aktive und passive Wahlrecht genommen werden müßte, hat die Pottzeibeamten aus den plan gerufen. Schon der heutige erste Verhandlungstag zeigte klar, daß die Polizeibeamten fest entschlossen sind. V�ir scheißen auf die Judenrepublik! die ihnen vom volkssiaat gegebenen Staats- bürgerrechte bis zum letzten zu verleidigen. Der stürmische, minutenlange Beifall, der dem Be- austragten der sozialdemokratischen Landtags- fraktion. Abg. Simon, für sein Eintreten für die Rechte der preußischen Polizeibeanüenschaft dankte, wird den erschienenen Vertretern des ..neuen Systems' nicht angenehm in den Ohren geklungen haben. Auch Herrn Welcher dürste klar geworden sein, daß die polizelbeamteu nicht gewillt sind, sich kampflos zu einer rein militärischen Schutzgacde herabdrücken zu lasten. Als Genosse Simon seine Rede mit den Worten schloß: ..Die deutsche Sozialdemokratie ist stolz darauf, daß aus ihren Reihen Männer hervorgegangen sind, die die preußische Polizei aufgebaut und zu einer Polizei gestalten, die enge Verbindung mit dem Volke hat." erscholl minutenlanger Bei- fall, der zu einer spontane« Demonstra- Willy Krebs Halle mit der großen Limousine im 80-Kilom«ter-Tempo Berlin verlosten mib Hielt zum ersten Male in Johannisthal, um sich dort in einem Restaurant durch eine Fleischbrühe zu stärken. Dann fegte er mit dem Wagea weller nach Osten zu. Inzwischen waren aber die Landjäger mobil gemacht motten. Der flüchtende Räuber mußte bald bemerken, daß ihm der Weg abgeschnitten worden war. Ueberall sab er Polizeiposten auftZuchen, an denen er nur infolge der kolossalen Geschwindigkeit des Wagens vorbeisausen konnte. Die Flucht des Räubers bälle zu einer Totessahrt führen können. Wie sich später am Wagen zeigte, wies dieser verschiedene Beschädigungen auf, so daß anzunehmen ist, daß ft. unterwegs wiederholt mit anderen Fahrzeugen böse karambolier! sein muß. Ms Krebs sah. daß es für ihn kein Entkommen mehr gab, entschied er sich, umzukehren. In Berlin fuhr er durch Schöneberg und steuerte dann nach der Steglitzer Straß«, wo sich im Hause Nummer 57 die Wohnung seiner Eltern befindet. Seine Verfolger verlangsamten ihre Fahrt. Der Verbrecher tonnte ihnen nicht mehr entgehen Die Beamten beobachteten, wie er aus dem Wagen sirang und ins Haus hineinlief. Sie folgten ihm. Krebs eilte in den Keller hinunter. Dori befindet sich die ellerliche Wohnung. Kaum war die Tür hinter ihm ins Schloß gefallen, alz die Beamten auch schon Einlaß verlangten und mit Pistolen in den Händen dem Räuber gegenüber- standen. Krebs wurde gefesselt und in eines der draußen wartenden Polizeiautos gebracht. In- Zwischen durchsuchten die Beamten die Keller wohnung und tion für die Freiheit wurde, als Simon ausrief:„Wir wollen alle gemein- sam daran arbeiten, daß die preußische Polizei bleibt ein Bollwerk des preußi- scheu Volksstaates, ein Bollwerk der deut- scheu Republik!" Bei dieser leidenschaftlichem Willensäußerung nie Republik und Volks st aat saßen die Beauftragten des Herrn Bracht, der selbst nicht erschienen war, betroffen da. Herr Welcher aber hatte einen roten Kopf bekommen! Suche nach den Notters Bisher ergehnislos Bafel, 23. Januar. Wie die Polizeidirektion des Kantons Lu- zern bestätigt, haben sich die flüchtigen Berliner Theaterdirektoren Roller vom 18. bis 19. Januar in Luzern im Hotel„National" aufgehalten. Bon hier aus wollten sie sich nach Zürich b e- geben, sie konnten dort aber nicht aus- find lg gemacht werden. Auch die an anderen Orten der Schweiz vorgenommenen Nachforschun- Eigener Beucht des„Vorroäris" präg, 23. Januar. 3n der Rächt zum Sonntag gegen 1 Uhr ver- suchten in Brünn 49 Faschisten sich einer Kaserne zu bemächllgeu. Der putsch mißlang. Vier Kanonenschüsse und eine Anzahl Lustraketen alar- m'ertm die Garnison, allerdings auch die Bevölkerung. Die Kanonenschüsse wurden auf Befehl eines in der Kaserne die Aufsicht führenden Offiziers abgegeben. Die Faschstten drangen unter Führung eines Olerleutnants a. D. Kobzlnek. der als Abenteurer bekannt ist, in die Kaserne ein. Unter der Vorspiegelung, es handle sich um den Schutz einer faschsttischen Versammlung, halle Kobzinek 40 junge Leute vom Lande zur Fahrt in einem Autobus nach Brünn bewogen. In einer Schlucht hielt der Führer eine Beratung ab urtd überredete die Leute zu dem Uebersall auf die Kaserne. Einig« Männer überkletterten die Mauer, entwaffneten die Torwache, bemächtigten sich der in den Gängen Hängenben Waffen und überfielen die Soldaten unter dem Ruf: ..Alles vergeben», es ist Revolution. Wir haben alles in unserer Macht!" Aus ein vom Zugführer gegebenes Alarmzeichen stellte sich Militär gemeinsam mit der Polizei de» Faschisten entgegen. Es wurde aus zwei M a> schinengewehren geschossen, zumeist ober In die Lukt. Em 18sähnger Bursche wurde e r- schössen, vier Personen wurden v e r w u n det. 31 Faschisten wurden verhaftet, die anderen ergriffen die Flucht, darunter Kobzi» nek. Die Faschisten hallen vor ihrem Putsch» landen im Ofen versteckt noch einige» Silber geld aus der Beule der Räuber. Krebs waren zwei Pistolen abgenommen worden. zu denen er 50 Schuß Munition bei sich Halle Er Halle noch nicht erfahren, daß seine Mutter versucht Halle, sich am Sonnabendnachmittag in der Wohnung ihrer Tochter mit Gas zu ver- giften. Der Täter wurde zum Präsidium ge- bracht und hier bis in die Morgenstunden Oes Sonntags vernommen. Es war gegen 6 Uhr, als man ihn ins Gefängnis brachte. Bei seinem Ber- hör durch Kommissar Lissigkeit und dessen Beamte legte K. ein umfassendes Geständnis ab, dessen Einzelhellen sich mit den bisherigen An- gaben des schon verhafteten Erwin Hilde- drand decken. Die Polizei halle vor einigen Tagen seine jung« Frau sowohl als auch die Braut des Achtenhagen vorläufig festgenommen Beide wurden mrnmehr noch am Sonntag ent lassen. Dritter Bauher stellt sich selbst Aus dem Polizeipräsidium erschien heule mittag bei Kriminalkommissar Lissigkeit der 22 Jahre alle Fritz Wlenke und gab an. einer der Täler bei dem Uebersall aus den Geldlransporl der BVG. gewesen zu sein. Er erklärte, daß er sich schon seil einiger Zeil ohneseglicheBar- mittel in Berlin herumgetrieben habe und jehlnicht mehrweiler könne. Die Rach- sorschungen nach seinen noch flüchtigen KompNcen Erich Achlenhagen und Alfons hohelfel find noch nicht zum Abschluß gekommen. versuch die Telephondrähte zerschnitten. Bei sämtlichen Berhasteten fand man Photo- graphien des Faschistensührers G a j 0 a. In Prag wurden Durchsuchungen be! Faschi- sten vorgenommen. ..Osaf" Gajda Ist von präg mit unbekanntem Aufenthall abgereist. Mau nimmt an. daß er sich während des Putschversuches in Mähren befand. Das faschistische Sekretariat wurde polizeilich versiegelt. Man nimmt an, daß die Faschisten eine,: Generalangriff auf die ganz« Republik geplan: haben, um«in« faschistische Diktatur Gajda einzusetzen. Zwei Unteroffiziere wurden in der Brünner Kaserne verhaftet, weil sestgestellt wurde, daß die Wachtposten überhaupt kein« s ch a r f e M u n i t i o n bei sich hatten. In Brünn wurden 200 Personen verhaf- t e t. Sonst herrscht in Brünn und in Prag voll kommen« Ruhe. Reseroeoberleutnam Kobzinek ist Guts- Pächter, er konnte noch nicht festgenommen wer- den.(Die Grenze Oesterreichs ist ja nahe und dort besteht Asplrecht für palllische Verbrecher. Red.l K.eine Gefahr Prag. 23. Januar. Heeresminister Bradatsch erklärte dem Tschechoslowakischen Presse-Büro. daß dem Angriff auf eine Jnfanteriekaserne in Brünn ernste Be doutung nicht beizumessen sei. Er betonte, er er blicke hierin eine TollheitJrregesührter. Armee und Polizei Höllen musterhafte Disziplin gezeigt und die Fähigkeit bewiesen, derartig« und ähnliche Versuche mitEnergtezuersticken. gelungen, die Durchführung wenigstens vorläufig zu verhindern. Der Reichsrat hat die entsprechende Borlage des Reichsinnenministeriums zur noch- maligen Beratung in den Ausschüssen zurückge- wiesen. Die preußische Staatsregierung verlangt eine Festsetzung der Arzneitaxe nach den Gesichts- punkten sozialer Gerechtigkeit. Daß die reaktiv- nären Preußenkommissare ihren Einfluß zugunsten der unsozialen Vorlage geltend machen, ist weiter nicht verwunderlich. Wir wollen hoffen, daß der Regierung Braun die endgüllige Abwehr dieses unerhörten Anschlages gelingt. Brei Todesopfer in Köln Köln, 23. Zauuar. Pon den bei den Zusammenstößen zwischen pollzei und Kommunisten am Sonntag In Köln schweruerlehlen Kommunisten sind inzwischen drei gestorben. Ein vierter Schwerverletzter befindet sich noch in Lebensgefahr. Ahry wiedergewählt Sozialistensieg in Frankreich paris, 23. Januar. In Seniis bei Paris ist der Sozialist Uhry an Stelle des am 8. Mai 1932 gewählten unabhängigen Abgeordneten C h a u v e l, dessen Wahl vor kurzem für ungMig erklärt worden ist, in die Kammer gewähll worden. Uhry hat der Kammer schon früher angehört und ist u. a. durch sein scharfes Auftreten gegen fran- zösische Besetzungswillkür in Deutsch- land bekannt geworden. Schleicher bei hiudeuburg. Der Reichs- Präsident empfing heute vormittag Reichskanzler oon Schleicher zum Vortrag über die politische Lage und den Stand des Arbeitsbefchaffungspro- gramm». 3m Gran-Ehoco-Krteg sollen in einer drei- lägigen Schlacht um«in Fort 1200 Personen gefalle» sei». Weiler für verlin: Zuiuchureuder Frost, meist bedeckt und noch etwas«chnee. Mäßig« nordöst- lich« Winde— Für Deutschland: Ueberall kälter, mit vereinzelten, meist geringen Schneefällen, gen blieben ergebnislos. Nachdem nun von den deutschen Behörden ein Steckbrief hinter den Ge- brüdern Rotter erlassen wurde, werden auch in der Schweiz die Nachforschungen verschärft. Gin Anschlag abgewehrt �rzneiverteuerung verhindert Wir hallen hier mehrmals protestiert gegen einen Anschlag, den die Reichsregierung im Berein mll den Apothekern gegen die Aermsten der Armen, gegen die Kranken der minder- bemittelten Bevölkerung geplant Halle. Die A r z n e i t o x e, der Zuschlag der Apo- theker aus ihre Einkaufspreise, die setzt allgemein 64 Proz. beträgt, sollte in der Weise abgeändert werden, daß der Ausschlag auf die billigen Prä parate auf 75 Proz. erhöht, für die teuren Präparate aber bis auf 50 Proz. herabgesetzt würde Diese Abänderung Halle also einen bewußt unsozialen Charakter, so daß sie zu einer un erhörten Verschlechterung der Arzneimittelversor- gung der breiten Massen hätte führen müssen. Diese Abänderung sollte schon am 1. Februar eintreten. Der Regierung Braun ist es Mißglückter FafchiftenpuW Osaf Gajda auf der Flucht Nie Krankenhausärzte Gegen Kost- und Logisrwang Nachdem die Verhandlungen der Kran kenhausärzte mll dem Reichsverband kommunaler und anderer öffentlicher Arbeitgeberverbände Deutschlands bereits zweimal ergebnislos verlaufen waren, machte der Sonderschlichter am 18. Januar 1933 den letzten Versuch einer Eini- gung. Die Vertreter der Assistenzärzte waren bereit, über die Notverordnungskürzungen hinaus erhebliche finanzielle Zuge ftändnisse zu machen, der Sch.lichtungs- oersuch scheiterte jedoch an dem Bestreben der Arbeitgeberseite, das Kost- und Logiswesen einzuführen. Der Reichsverband glaubt, bei seiner Absicht auf Durchführung des Kost- und Logiszwanges auch für das Pflegepersonal, bei den Assistenz- ärzten den Punkt des schwächsten Wider st andes gefunden zu haben. Ist erst den Aerzten das Kost- und Logiswesen aus gezwungen, dann soll es um so leichter gelingen, es auch dem Pflegepersonal aufzuzwin- gen. Die Aerzte aber wollen in die für Akade- miker vorgesehene Besoldungsgruppe eingereiht werden und ihre Besoldung in bar beziehen. Di« Assistenzärzte erklären, daß die Nichtachtung ihrer Forderungen durch die Vertreter der Städte sie aufs äußerste erbittert hat und in der nächsten Zell mit scharfen Kämpfen zu rechnen sei. Die ärztlichen Spitzenorganisa- tionen hätten sich aus ihre Seite gestellt. Hoffent- lich besinnen sich die Assistenzarzte auf den An- schluß an ihre gewerkschaftliche Or- ganisation. Machtprobe Die dänische Aussperrung Kopenhagen. 22. Januar. Da die Gefahr der Großaussperruag am 1. Februar von Tag zu Tag größer wird, hat Ministerpräsident Stauning mehrere maßgebende Persönlichkeiten aus Arbellgeber- und Arbeitnehmerkreisen empfangen. Außerdem hat er in den Sonntagsblättern die Erklärung veröffenllicht, es sei, falls es zu der Groß- ausfperrung komm«, sehr wahrscheinlich, daß man lebensnotwendige ausländische Waren für die augenblicklich Einfuhrverbot bzw.«ine Einfuhrbeschränkung bestehe, in größeren Mengen einführen werde. Auf keinen Fall dürfe die Be- völkerung unter der Aussperrung leiden. Wie lange gegebenenfalls die Großaussperrung dauern wird, ist nicht abzusehen. Es wird erklärt, daß man in Arbellertreisen mindestens auf«inen zweimonatigen Kampf gerüstet sei. Da außerdem die Arbelleroerbände mll Streit drohen, würden, falls es bis zum 1. Februar zu keiner Einigung kommt, in Dänemark im Laufe des Februar alle Räder stillstehen. ti-e ziw Mit Mann und Roß und Wagen...! Das LonntaKs-I-IeerlaAer xum Schutz der Braunen 3>anserrtagen aum Schulze JiUlers 3>v!ist/ten inil Karabinern„kämmen" den SSiilowplalz ab h e i t nehmen, seine politische Gesinnung zu zeigen. Sosort brachen die N a z i st r o l ch e in neueBeschimpsungen aus:„Wahrscheinlich in der Etappe gewesen",„vielleicht ist er aus Warschau gekommen",„der Kerl kann nicht ein- mal schießen"._ 20. Abt. Der für den 23. Januar gemeldete Frauenabend wird aus den 30. Januar oer- legt. 20. Abl. Unser Genosse Willi S e n s, Danziger Straße 10, ist verstorbe n. Die Beerdigung findet am Dienstag, dem 24. Januar, 15% Uhr, auf dem Georgsn-Friedhof, Weißensee, Roelke- Straße, statt. 38. Abt. Heute, 19% Uhr. Frauenabend bei Ewest, Große Frankfurter«tr. 30: Jahres- bericht und Neuwahl. Abl. gga. Der Diskussionsabend für die Bezirke 119 und 119s findet nicht Montag, sondern am Mittwoch, dem 25. Januar, in der Baracken- schule statt. Bezirksausschuß sür die Arbeitcrwohlsahrt. 11. Kreis. Die für inorgen anoeseßte Sitzung der Helfer und Funktionäre der Arbeiterwohifahrt im Rathaus Schöneberg, Zimmer 113, um 20 Uhr, muß um acht Tage verschoben werden. Berichtigung! Der in der gestrigen Ausgabe genannte Tcrmin der Einäscherung des Genossen .Hurt Göldner, 146. Abt., ist hinfällig. Der genaue Termin wird noch bekanntgegeben. Aeranlworltilb für Politik: N udols B r e n d e m ü b l: Wirlschosl: G. K l i n g c I h v i e r: Gewcrlschalisbe- wegung: I. Steiner, kreiiillelon: Herber, Ue- p e r e: Uckales und Sonsliges, ir r> d Uarltadt; Anzeigen: Luc H e n g si: sämtlich in Berlin Per- lag: Porwürls-Perlag G m b H Perlin Trnck: Borwärts-Biichdriickerei u. Verlagsansiali Paul Singer u Co.. Perlin ZW.>>8, Uindenslr 3- Pezugs- bedingnngen und Anzeigenpreise werden in jeder Morgcn-Ausgabe des„Vorwärts" verössenilicht. Hierzu I Tleilage. Melchers Schützlinge kraune liokeiten in I�eip�ix Leipzig, 23. Januar. Lei einem nationalsozialistischen Umzug in den westlichen Bororten kam es am Sonntag an verschiedenen Stellen der Stadt zu Rempeleien mit politischen Gegnern. In der Demmeringstraße wurde ein Mann, der das Abzeichen der Eisernen Front trug. von Zugteilnehmern geschlagen, als er durch eine Lücke im Zug die Straße überqueren wollte. Er mußte mit erheblichen Berletzungen ins Krankenhaus geschafft werden. Drei Na- ti o nal s ozi al i st e n, als der Tat verdächtig, find f e st g e n o m m e n worden. Ferner kam es in der Jahnstraße, in der Leutzscher Straße und in der Pfafsendorser Straße zu Zusammenstößen, bei denen es einige Verletzte gab. Bei diesen Borgängen wurden vier Nationalsozialisten zwangegestellt und nach ihrer Ber nehmung wieder entlassen. ihn daran zu hindern. Der Träger des Freiheits- pfeiles konnte aber doch ins Innere des Wagens gelangen. Nun gingen aber die Beschimpfungen erst recht los.„Raus aus dem Wagen",„es gehen noch mehr Züge",„runter mit der Mistgabel", so ging es während der ganzen Fahrt bis zum Rathaus nach Neukölln. Einige Nazis drohten, dem Fahrgast das Abzeichen herunterzureißen, dann er- klärten es die Nazis wieder für eine„Provo- kation", daß der Fahrgast es gewagt hatte, die U-Bahn zu betreten. Wenn er auch nur die leiseste Miene gemacht hätte, die„n a t i o n a l e n" U n- Verschämtheiten tätlich zurückzu- weisen, wäre es im Wageninnern sicher zu wüsten, gewalttätigen Auseinandersetzungen ge- kommen. Der Fahrgast erklärte nur laut und empört, daß er sich von den Nazis nicht vor- schreiben lasse, welches politische Abzeichen er trage Er sei während des Krieges Sol- dat gewesen und lasse sich nicht die Frei- .Ancli in Berlin Ein Leser schreibt uns: Schade, daß Polizeipräsident Welcher, der den Nazis die Kundgebung auf dem B ü l o w- platz genehmigt hat, gestern, Freitag abend, gegen elf Uhr nicht mit der U-Bahn vom Halle- schen Tor nach Neukölln gefahren ist. Er hätte ein- mal persönlich erleben können, wie sich seine Schützlinge benehmen. Kaum hatten die Helden des Dritten Reichs— die wohl von der „Amtswaltertagung" aus dem Sportpalast kamen — in ihrer großen Uebermacht einen Fahr- gast erblickt, der den F r e i h e> t s p s e i l trug, da brachen die Nazis in wüste Beschimpsun- gen aus Fünfzig gegen einen— so zeigte sich der„deutsche" Mut. Als dieser Fahrgast die U-Bahn betrat, machten mehrere Nazis den jämmerlichen Versuch, ItaUerrohrbruch in ClmrloUenburg In der Berliner Straße in CharloUenburg ereignete sich am Sonntag ein Wasserrohrbruch. der verschiedene Keller unter Wasser setzte und auch große Teile der Straße überschwemmte. Ifaals Theater Montag, den 23. Januar 3iaatsooer unter den linden 20 Uhr Othello itaatuches scnauspiemaus 19 Uht Faust IL Teil VOLÜIBUHME Theater am Büiewpka:z Tiglidi 8 Uhr O I Norden 6330 Zum I. Male: Schinderhannes von C ZucKmayer. Regie H. Hilpert A. Hörblger. C. Spfra, Brausewet.er Bernt, Dahlke, Kurchow, Die eimann Nähe Sdi.es. Bhf. > u. 6K St�S. /, i». Ü'" l t 1 Weidise 4031 KATJA Die Tänzer n Ba Ba Ba Bendows Bunte Böhne KoLbusser Straße c Oberbaum 3500 Täglich a1* Uhi Stgs. nachm 4 U Ke doae Kiste 3iaat.uiicr CftanouenDur Fraunhofer 0231 Montag, 23. Januar 20 Uhr Volksvo.-s'.ellunq nie Priiizessla von IraDezuot Eisinger, schus er. f-'rmd. Biaui, ßurgwinKei. Uom- ben, Gronau, Kandl, neyer Dirigent. Müller 20 uitenerinnen honzerlieren Stettiner Sänger Reichshallen-Th., DönhoUpl. 8.15, Sonntags 3 30 zu ermäßigten Preisen Das große Januarprogramm I Groß es SAuspiellms S.| Ball m EasoH «sttta snvav Rosy Barsoaij/ D&tar Tones A-gie- Älsved Roiiev Sonnlart nächn, 3'/: Ahr Keine preise Bismarckstr.»Knie) Steinol.(C 1)*71. Täglich«h» Uhr Oer Kollo-Sch ager Die Männer sind mal sc Siiiilanil. Heideounn' Sonmaa 4 Ufr »obert unl Berlrein WmW« bharlottensir. 9 J Dönhoff 62; Letrte 9 Vorstellungen Täglich 81'« Uhr Auslandsreise mi( Felix brtssar Maua Fand. er Oscar Sabo, Löns, Kose- meatei iniB« Fmthirtir SlraBe i Z! Tel. Weidisel ET 342 (•.15 Uhr Die Zirkusprinzessin Deutsches Theater Schumannsir. 13a vVeidend. S2üi Täglich 8 Uhr i.iszeDieran] Max Reinhards Prinz von Homburg von H. v Kleisi Thimig, Fehdmer, Fröhlich. KayÖler, Wegener. rdiürBiiber KuriUrstend.-Ti. Aurfürstendaratn 209 Tel Bism. I40u Täglich Uhr Glückliche Reise Jperette vonKönneke in der Prcmierenbe' se'ztrng CASINO-THEATER 8 Uhr. Lothringer Stra'ic 37 8 Uhr • itiiniiiiiiiMiiiiiiiiiiniiiitiiiiiii■iKiiiiiiiiiiiiiiiiMiiiiiiiiiniiiitini Variete, bunte BUhne. Kabarett Xnr n«ioli bis£. Februar Onkel Muz, der Ehestifter Freitag, 3. Februar Premiere „Der Fürst von Pappenheim" Gutschein i— l Personen Parkett nut 0,60. Fauteuil u.75. Sessel 1,25 Sonntag 4 Uhr Onkel Muz. Kl. Preise KomöQiennaus Schiffbauerdamm 2t 181.02 Weid. 6304-Ob Donnerstag 7ViUhr Ersiauffüniung AGiüung. Irisch gestrichen Ih.d. Schanspieler Ibciln am Sdi.fftauaiiiaiiiiii Weidendamm J300 Täglich S'.a Uhi SoiamslEOiiOiEü Komödie mit Musik von A Qmeiner Rocnnriarc»inuam ma ait mEHi-li«kruo OebUUUera I«r6e!iml-»IlM hillin I to.Inim" al inüHB aokniunU UUUy I Schwerhörig- — aber doch gut hören Möchten Sic das wieder? Wollen Sic Ihrem Beruf ungehemmt nachgehen, an allen Freuden von Wort, Ton und Musik weder teilnehmen? 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Herrenzimmer, so driineue Luolitiits- wäre, oerschieüene Grugen und Holz> sarte». zu Schleuder. preisen. Schlafzim, mer. Echwedcnbirle hochglanzpolieri 201 Kreil, m- Eiche. ISO breit. 275,—. Modernes Sveisez!mmerZ75.—. Küchen SO.— An- tletdeschränie. Kau» iasisch. Nußbaum. Znnenipiegel. 85,-. Gebrauchte Möbel. Schlafzimmer ISO.— Anileideschrank 65,—, Einzelmöbel. P Istermaren Klub. möbel Dielenmöbel Möbel'veicher.Mon. bijouplaß 10.- I Patentmatratte» '.Primlslimo- Auf» legemalroßen Me» lallbelten Chaiselongues. Waller, Stargarbet Slraße achtzehn Spezial» gefchäkt.__* Polstermöbel. Großsadrikation. gediegen aber preis» wert. Plücker. Ztit» terstraß. 4—5: See» s.raße 23* Gewerl chaltler staute» Möbel b-Oig bei Tifdilermeister _ Fitzner, Elsiillecstr. 86-88, po:n t Treppe, im Gcwerlid-afisbaus »ca Metallarbeiter. Teilzahlung ge» statlel Man achte aus den Ramen Fitzner.' Hamgesucnel Gleis» preiswerte Möbel Alexanderpias. gahngebtfs«. Plalinablalle. Queckülber ginn» metalle Silber» ichiiielze Doldfchmel» zeret Chriflirnat, Köpenickerllraße 60� lSallestclle Köpe» nülerbrllile).- MONTAG, 23. JANUAR 1933 BEILAGE fflermann Wendel: Sfdlflf'lcl-? Au feinem löO.Qehurlslnq am 23. Januar Als Stendhal ober, wie er mit seinem bürgerlichen Namen hieß, Henri B« y l e, einmal nach seinem Beruf gefragt wurde, erwiderte er stockernft: Beobachter des menschlichen Herzens. Das war keiner der Scherze, mit denen er den Sipeßbürger zu verblüssen liebte, denn was er immer im Leben warl 1800 bis 1802 Dragonerleutnant, 1805 bis 1806 Kaufmann, 1806 bis 1812 Militärbeamter und gar von 1830 ab französischer Konsul irgendwo in Italien, jede dieser Tätigkeiten übte er nur lässig und wie nebenbei aus. Ohne sich durch große Kriegstaten auszuzeichnen, ohne Pulver auch nur richtig ge- rochen zu haben, warf er den Helm mit dem Roß- haarschweif in die Ecke, weil der Säbel den Geist tütei mit Gott Merkur hatte er sich nur einge- lassen, um einer angeschwärmten Schauspielerin nach Marseille folgen zu können! als Intendantur- beamter bekümmerte er sich in den Ländern, die die Große Armee durchzog, weit mehr um Ge- mälde. Musik und Frauen als um Proviant und Rationen, und das Amt eines kleinen Diplomaten empfand und behandelte er nur als lästige Fron. Ja. nicht einmal Schriftsteller im Sinn eines Be- rufes war der Verfasser zweier der unsterblichsten Romane der Weltliteratur, der„K a r t a u s e von Parma" und von„R o t u n d Schwor z". In all dem Dilettant, war er wirklich Zachmann nur als Betrachter, Belauerer und Beschreiber des menschlichen Herzens. Weil er sich gern in sich selber verkroch und gegen seine Epoche absperrte, sprach man wohl von der Zeitlosigkeit seines Wesens. Aber da der zeitlose Dichter ebenso ein Unding ist wie die wurzellose Pflanze, hing auch Stcn- d h a l, der die Unabhängigkeit über alle Güter der Erde stellte, mannigfach von seiner Zeit ab. Am 23. Januar 1783 in Grenoble zur Welt ge- kommen, war er nicht nur dem Geburtsschein nach ein Kind des 18. Jahrhunderts sondern verdankte auch den großen Materialisten dieses Säculums fein ganzes philosophisches Reisegepäck: als seine Bibel betrachtete der Sechzehnjährige des Ca- banis„Beziehung zwischen dem Physischen und dem Moralischen", und H e l v e t> u s hielt er stets für den größten Philosophen der Franzosen. Dieser Materialismus, der alles auf ein fast maschinenmäßig arbeitendes Ver- hältnis von Ursache und Wirkung zurück- führte, machte ihn zu dem unbedingten Gottes- leugner, der er bis zu seinem jähen Tode am 23. März 1842 blieb, und stieß ihm das Tor zur Erkenntnis der Well au» Im Bann dieses Materialismus wollte er in seinem berühmten Buch„U e b e r die Liebe" sogar das von einer Frau vermittelte Sinnenglück nach Einheiten mesien, wie man eine Flüssigkeit nach Litern mißt. Aber mit Recht bemerkt der französische Sozialistenführer Leon Blum in seiner geist- reichen und scharfsichtigen Stud-e über Sten- d h a l, daß bei diesem widerspruchsvollen Schrift- steller zwei verschiedene Slrömungen des 18. Jahrhunderts in ein Bett zusammenfließen: der Mechanismus eines H e l v e t i u-, der alles aus dem Verstand heraus erklärt, und der ro- mantische Individualismus eines Rousseau, der statt der Vernunft das Gefühl, die Leiden- schuft, das Außer-sich-Sein über alles preist. In der Großen Revolution, deren Höhepunkt B e y l e als Knabe miterlebt hatte, suchte die Menschheit über sich selbst hmauszugelanzen, das Unbedingte zu erreichen, nach den Sternen zu greifen: ein Rausch des Enthusiasmus schüttelte die Seelen: Stendhal lelber bekannte als Zwanzigjähriger, daß ihn em Fieber verzehre. „auf den Spuren der großen Männer auszu- schreiten, die, Schövfer der Revolution, von ihrem eigenen Werk verschlunaen worden waren". Aber wemi in der napoleonischen Aera noch etwas von die'er ungeheure» Seelenspannung nachschwang, so stürzte nach Waterloo die Welt wieder ins All- tägliche, in die platteste Nüchternheit zurück, und noch trostloser wurde unter Ludwig Philipp die Elle des Krämers zum Maß aller D-nge. Die bittere Enttäuschung einer ganzen Generation auszudrücken, wurde S t e n d h a l s Aufgabe. Fühlte er sich von dem angewidert, was er„la bassese bourgeoise", die„bürgerliche Gemeinheit" nannte, empfand er ähnlich wie Heinrich Heine: O daß ich große Laster säh'. Verbrechen blutig, kolossal. Nur diese satte Tugend nicht Und zahlungsfähige Moral! Und nichts erschien ihm häßlicher als der Zug um den Mund eines Bankiers, der Verluste be- fürchtet. Aber weit war er davon entfernt, bewußt seine Zeit zu spiege'n. Er hatte nur das eine Pro- gramm,„mit Wahrheit und Klarheit zu erzählen was sich in meinem Herzen begibt". Von der ganzen We't war im Grunde nur Stendhal für Stendhal interesiant: sich füh'te er als Mittelpunkt der Schöpfung: alles auf sich zu be° ziehen, baute er zu einer Lehre, der des„Ego- t i s m u s", aus. Alle seine Bücher, ob es Romane und Novellen oder Reisebriefe und Kunstberichte waren, schrieb er als Stücke seiner Selbstbio- graphie, als Beiträge zur Gcich'chte seiner Seele. Da nur das eigene Ich für ihn Bedeutung hatte, erkannte er keinerlei Kollektiv an, mochte es nun Baterland oder Nation Partei oder Klasse heißen, und selbst die Ebe erklärte er für eine widernatürliche Bindung. Aber auch dieser un- beirrbare Fanatiemus der Selbstbespiegelung, Selbstentblößung und Selbstdarstellung offenbarte die Zeitgebundenheit S t e n d h a I s Die Selbst- biographie als ein« der stärksten Formen der Ich- Betonung ist ein Erzeugnis des bürgerlichen Zeitalters: der mittelalterliche Mensch kam sich noch nicht in- teressant vor, und vollends zerkrümelte erst die Revolution von 1789 die überlieferten Stände und Kasten in ein« Unzahl von Individuen, deren jedes auf sich gestellt war. Hinzu traten bei Sten- d h a l angeborene Ueberemsindlichkeit. nervöse Reizbarkeit und Belastung mit Minderwertigkeits- Vorstellungen, um seinen I ch- K u l t in steilste Höhen hinaufzutreiben und zu einer schöpferischen Tugend werden zu lassen. Denn da er sich, diesem Jch-Kult hingegeben, unablässig belauerte, da er in sein Gemütsleben eindrang wie ein Forscher in einen Urwald, da er in unaufhörlicher Gewisiens- Prüfung wahnsinnig indiskret gegen sich selber war, da er die eigenen Gefühle besch'ich wie ein Indianer den Feind, so wurde er in der „Wissen schast vom menschlichen Her- z e n"«in großer Meister und verdienter Bahn- brecher. Welche geheimen und geheimsten Regun- gen enthüllte dieser kühle Vivisekror, die sich andere „Arrigo Beyle Müanese"— lauten die ersten Worte von Stendhals selbstverfaßter Inschrift aus dem Grabstein eines Pariser Friedhofs. Den letzten Anstoß, seinen Vornamen sozusagen übers Grab hinaus zu italianisicren und sich lieber als Malländer, der er eigentlich nie war, denn als Franzose zu bezeichnen, gab ihin angeblich sein Aerger über die Politik Louis-Philippes. Ste-'dhal verabscheute die vielfach nachgiebige Frll.«nspoliiik des Bürgerkönigs. Die Arbeit am ruhigen, inateriellen Aufbau Frankreichs erschien ihm unwürdig und geisttötend. Er verglich sie init den» Schwung und dem leidenschaftlichen Totalein- satz der napoleonischen Aera. Aber nicht nur die bürgerliche Geschäftigkeit des juste-milieu war ihm ein Greuel, auch für den langsam wiedererstarken- den demokratischen Geist des vonnärzlichen Frankreich hatte er nur Spott übrig: Napoleon: die Gewaltnatur, der Herrenmensch— er allein könne der Zeit ein Vorbild sein.(Und Stendhal hielt dennoch daran fest, obwohl er auch das Komödiantentum des Korsen durchschaute und selbst zugab, daß unter dem Druck Napoleons, nur Mittelmäßigkeit hatte gedeihen können... Aber das war nur einer der unzähligen Widersprüche bei Stendhal, die er bewußt bestehen ließ.) Stendhal predigte die härtest« und rücksichts- loseste Selbstbehauptung und Enerzieentfaltung. Nur ein vom M a ch t w i l l e n geleitetes und feine Ziele bedenkenlos eroberndes Leben trage einen wirtlichen Wert in sich. Nietzsche war beglückt, bei Stendhal Vorläufer seiner eigenen Herren- moral und seines„Uebermenschen" zu finden. Die französischen Nationali st en moderner Prägung(den deutschen im ungenierten Aneignen von geistigen Ahnenschaften nicht unähnlich) er- klärten»hn zu ihrem Lehrmeister. Sehr zu Un- recht: denn Stendhal lehnt den nationalen Chauvi- nisnms ebenso entschieden ab wie die Sinnlosig- keit der staatlichen Grenzen, und aus seinem rein egoistischen, nur auf die Steigerung der Erlebnis- lust eines einzelnen bedachten Willenskult läßt sich ehrlicherweise keine nationalistische Ideo- logie ausmünzen. Eine solche Ideologie ist über- Haupt ohne die Elemente der Bindung, der Au- torität nicht denkbar: Stendhal aber verwirft alles, was nach einer gesellschaftlichen Institution, nach einer bindenden Moral oder allgemeingültigen Regel aussieht. In seiner Areligiosität und im Autoritätcnhaß Erbe des 18. Jahrhunderts, verflocht Stendhal den aufklärerischen Materialismus mit seiner Schwär- merei für d>e kraststrogende italienische Renaissance zu einer wunderlichen Weltanschauung, dem „B e y l i s m u s". Er glorifizierte selbst die Ge- walttaten und die SiUenlosigkeit der Renaissance, denn nur so meinte er, habe dieses Zeitalter einen R a f f g e l und einen Benvenuto Cellini hervorbringen können. Dank dem grundsätzlich rebellischen und anarchischen Zug seiner Philo- fophie ist Stendhal zum Leidwesen auch der nicht- nationalistischen französischen Prograrnmaliker als ..geistiger Vorgänger" und als Stütze zum well- anschaulichen Sichemporranken durchaus unge- eignet. Doch ist das Vorhandensein einer derartigen nicht einmal im stillen Kämmerlein eingestanden! Wieviel sychologische Beut« brachte dieser„Er- kenntnisjäzer" heim, die die Psychoanalyse unserer Tage mit ihren vervollkommneten Waffen zu erlegen stolz ist! Wenn Ironie und Skepsis der Bodensatz aller Empfindungen Stendhals waren, so ver- stummte sein Spott doch vor einem: der Ener- g i e: er trug sich init dem Plan, eine„G e- ichichte der Energie in Italien" zu schreiben, und einen„Professor der Energie" nennt ihn ein bekanntes Wort Auch h.er liegen die Fäden zutage, die ihn mit feiner Zeit verbinden. Die Revolution bedeutete den Durchbruch der bürgerlichen Energie du�ch die Decke der feudalen Gesellschaftsordnung: eines ihrer Mittel, die Bezeifterun-z mächtig zu entzünden, war die Losung: Dem Talente freie Bahn!, im Zeiche» der feierlich verkündeten Gleichheit stand jedem Bauernjungen der Weg zur höchsten Macht und zum höchsten Glanz offen: der kleine Artillerie- leutnant, der es bis zum Kaiser brachte, wirkte wie ein Sinnbild. Die bourbonische Restauration aber verstopfte die Quelle dieser Energie, indem sie die gehässigen Vorrechte der Geburt wieder aufrichtete. Darum zeichnete Stendhal im Julien Sorel seines Romans„Rot und Schwarz" einen Ple- bejer, der mit Energie und Ehrgeiz geladen wie ein überheizter Dampfkessel, mb allen, mit allen Mitteln hoch will: da dieser ungeitüme Streber wegen eines Mordanschlages auf seine frühere Ge- liebte vor einer Geschworencnbank entrüsteter satter Bürger steht, schleudert er ihnen ins Gesicht: „Sie wollen in mir jene Klasse junger Leute be- strafen und für immer entmutigen, die. in einer niederen Klasie geboren und unterdrückt durch die Armut, das Glück haben, sich eine gute Erziehung Eigenschaft nur eine(gleichgültig, ob eine begrün- dete oder ungerechtfertigte) Forderung der Nach- weit an einen Dichter. Es besagt nichts über die — etwas abseitige und einsame— Höhe der jchrist- stellerischen Tat Stendhals, in dem Zola„unser aller Bater" und A n d r 6 Gide den größten Romancier Frankreichs erblickten. Die vor ihm in der schönen französischen Literatur nie dagewesene lind auch später kaum übertroffene Schärfe und Tiefe der analytischen Seelenforschung, der erste Querschnitt durch den gesamten Gesellschaftsbau einer Zeir und die Wucht seiner formvollendeten Konstruktionen(„Rot und Schwarz",„Die Karthause von Parma") haben Stendhal die Unsterblichkeit gesichert. Aber zum Ahnherrn des modernen Romans haben sie ihn nicht gemacht, trotz der Versicherungen der Verehrer seines Genius, trog T a i n e und B o u r g e t. Der „Beylist" in Stendhal trübte seine dichterische Hell- sichtigkeit für die Umwelt: der Welt-Erdichter engte den Sichtkreis des Welt-Beschauers ein. Zwar hat Stendhal die Gesellschaft in sein Werk ein- zubeziehen vermocht, aber er begriff sie nicht. Die Wirklichkeit seiner Zeit blieb ihm fremd, und ihre Gestaltung durch ihn war vielfach eine Verzerrung. Erst Balzac hat die zeitgcgebene Einstellung zum sozialen Phänomen des Lebens gefunden. Genealogisch setzte Stendhal das Werk von Beaumarchais fort. Nach Figaro, dem Ein- läuter der Großen Revolution, kam Stendhals Julien Sorel, ein Vorbote der Julitage. Beau- marchais stritt dem Feudaladel fast alle gesell- schaftlichen Tugenden: Gemüt, Intelligenz, Recht- fchasfenheit— ab und verlieh sie dem echten Sohn des Volkes, Figaro. Aber nach einem Attribut des Feudalismus wagte der revolutionäre Dichter nicht zu greisen: nach der Würde. Die war noch ein Vorrecht des Grafen Almaviva, während Figaro ein Lakai blieb Stendhal war noch radikaler, er entriß dem Adel für seinen Plebejer Sorel auch dieses Borrecht, und er überspitzte es sogar in ein renaissancehaftes„senümem d'bonneur". Doch ist bei Stendhal diese Eigenschaft nicht zum Ge- meingut des Volkes geworden, sondern sie blieb dem egoistischen Hasardeur, dem„beylistischen" Herrenmenschen vorbehalten. Zwar begrüßte Stendhal, aus reiner Freude an Auflehnung über- Haupt, die Julirevolution, sein Idealtyp aber, Sorel, verachtete neben dem Geburtsadel gleich- mäßig alle Volksklassen. Er verabscheute alles, was das eigentlich« Leben und die Sorgen seines Volkes ausmachte. Sich schlagen, woher auch immer erbeutete Renten verpulvern und— die höchste Lust des„beylistischen" Mannes!— Frauen erobern: dies allein war den Schweiß des neuen Edelmenfchen wert. Das Volk, die Gesellschaft waren dazu kaum als Kulisse zu gebrauchen. Und angewidert schob Stendhal diese Kulisse möglichst weit weg. Er war ebenso asozial wie amoralisch, und sein Verhältnis zur Umwelt war das eines(allerdings sehr scharfzüngigen, galligen und daneben auch kunstliebenden) untätig gewordenen napoleonischen Kondottiere. In seiner Studie„U e b e r die Liebe" hat Stendhal eine der unvergänglichsten Analysen des menschlichen Herzens gegeben. Seine Kristalli- zu beschaffen und die Kühnheit, sich in das einzu- drängen, was der Dünkel der Reichen die Gesell- schaft nannte." Das klingt fast wie eine soziale Anklage, aber Stendhal fühlte sich nicht als soziale» Ankläger: er wollte nur sich. Immerhin war die„p o l i- tische Neugier" i» ihm stark genug, um ihn vom Selbstmord zurückzuhalten. Auch in seinen politischen Anschauungen fehlte es bei dem Gegner Napoleons, der zum Anbeter Napoleons wurde und lieber einem Chamäleon als einem Rindvieh gleiche» wollte, nicht in dicken Wider- iprüchen, aber der die Große Revolution stürmisch bejahte, die Jakobiner der Schreckensherrschaft billigte und sich für die Gleichberechtigung der Frau aussprach, stand gewiß nicht auf der Seite der Barrikade, wo rostige Waffen sür verfchimmelte Vorrechte stritten: nicht von ungefähr verdächtigte ihn ein Spitzelbericht der österreichischen Behörden in der Lombardei als„irreligiösen unmoralischen und gefährlichen Feind der Legitimitä t". Denn er haßte di« Jesuiten und Priester, verachtete die Bourbonen, liebte die poetischen und publizisti- schen Bekämpfer der Restauration B oranger und Courier, und feine Bewunderung gehörte den namenlosen Arbeitern, die sich unter dem Juli- königtum mit Schrotflinten und ohne Kanonen gegen eine zwanzigfache Uebermacht des Militärs für ihre republikanische Ueberzevaung schlugen und niedermetzeln ließen. Er halte es nicht nötig, zu beteuern, daß er mehr Bürger als Untertan fei. Sei» Werk zeugt für ihn. Wenn sein Erkenntnisdrang auch nur das menschliche Herz, nicht die mensch- liche Gesellschaft besser durchschauen half, diente auch das der Verbreitung der Wahrheit und mittel- bar der Emanzipation der Menschheit. Sten- dhal nannte einmal die Schriftsteller die„Hu- saren der Freiheit, die plänkelnd manchmal zu- rückwichen und doch jeden Tag ins Feuer gingen. Stendhal selbst war ein solcher Husar der Freiheit. fationscheone der Liebe ist zum literarischen All- gemeingut geworden. Der„Beylismus" tritt in diesem Werke in den Hintergrund: doch seine Wir- kung ist noch stark genug, um die ganze Liebes- theorie mit einer Abstraktion statt mit der Wirk- lichked zu unterbauen. Die Gefühlswelt ist bei Stendhal von ihrer sozialen Seite fast völlig los- gelöst, seine Liebe schwebt unwirklich in einer von ihm gewollte» Welt, in der sie das vornehmst« Tun ist. Und wieder war es erst B a l z a c, der die realen Boraussetzungen des modernen Daseins klarer erkannte und der auch das Liebesgefllhl wahrhaft konkret gestaltete. Stendhals dichterischer Genius hat sich selbst ein ehernes Denkmal errichtet. Stendhals Welt- nnfchauung hat dieses Denkmal mit einem wunder- lichen Gitterwerk umfriedet, welches der Nachwelt eine von Henri Beyle selbst kaum gewollte Distanz gebietet. Sin Torgänger Stendhals 'Wonlalgue 1333— 1302 Die anderen bilden den Menschen, ich stelle ihn dar, wl« er ist, und zwar führe ich einen ein- zelnen vor, der sehr übel gebildet ist. Wenn ich ihn neu gestalten könnte, würbe ich etwas ganz anderes aus ihm machen. Was ich hier darlege, ist ein gewöhnliches Leben ohne allen Glanz. Man kann di« ganze Moralphilosophie ebensogut an einem gemeinen Privatleben entwickeln wie an einem Leben von reichstem Gehalt. Jeder Mensch trägt alle Seiten des menschlichen Lebens in sich. Die Schriftsteller, die sich ans Publikum wenden, pflegen irgendeine Spezialität hervorzukehren, die mit ihrem Wesen weiter nichts zu wn hat. Ich als erster mit meinem Wesen, das ich mit allen gemein habe, als Michel de Montaigne, nicht als Grammatiker oder Dichter ober Rechtsgelehrter. Beschweren sich die Leute, daß ich zuviel von mir spreche, so beschwere ich mich darüber, daß sie nicht einmal an sich selbst denken. Jede Regung enthüllt uns. Es ist dieselbe Seele Cäsars, di« sich im Plan zur Schlacht von Phar- salus offenbart, und die zutage tritt, wenn es Feste gibt, die der Muse und der Liebe geweiht sind. Man beurteilt ein Pferd nicht nur danach. wie es Karriere läuft, sondern auch, wie es im Schritt geht, ja wie es ruhig im Stall steht. Unter den Betätigungen der Seele gibt es auch solche gewöhnlicher Art. Wer die Seele nicht auch da sieht, hat sie noch nicht ganz kennengelernt. Vielleicht beobachtet man sie da am besten, Ivo sie sich einfach gehen läßt. Warum sollte ich mir über Alexander nicht«in Urteil bilden danach, wie er bei Tisch sitzt und plaudert und tüchtig zecht oder wie er Schach spielt? Gibt es eine Seite des Güstes, die dieses nichtssagende Spiel nicht zum Erklingen brächte?(Ich hasse und meide es, weil es nicht Spiel genug ist und un? zu ernsthaft in Anspruch nimmt: da schäme ich mich, so viel Aufmerksamkeit darauf zu wenden wie auf eine Sache, die es wert ist.) Jedes Teil- chen seines Lebens, jegliche Art seiner Betätigung zeigt den Menschen, wie er leibt und lebt. J Amdurfki■ Schuberl: SÜCT£(?Oij7 IllUf cklS(ßenWinfclwfl » 1252 Menschen Der Arbeiter-Wasserrettungsdienst berichtet Der von den Wassersportlern des Arbeiter-Turn und Sportbundes an den Flüssen, Seen und Teichen, wo Bode« und Eislausbetrieb ist, einige- richtete und mit großer Ausopferung durchgesührte Wasserrettungsdienst hat wieder ein nicht hoch genug einzuschätzendes Wirkungsjahr hinter sich. Aus 331 Wachstationen haben die Rertungs- schwimmer des ATSB. 165 000 freiwillige Dienst stunden geleistet, und dabei 125 2 Lebens r e t t u n g e n vorgenommen, bei 289 Boots- Unfällen eingegriffen und außerdem in fast 11 000 ollgemeinen Unglücksfällen erste chllseleistungen geboten Nur in 61 Fällen waren alle Be- msthunge», die Geretteten zum Leben zun'ickzu- bringen, erfolglos. Bei Hochwassergefahr in Nord, und llistteldeutschland. Rheinland, Thüringen. und Sachsen haben die Arbesterwassersportler Hoch- ivasserschutzwachen eingerichtet und durchgeführt. lluch hier retteten sie 19 Menschen vom Tode des Ertrinkens. Ein Beweis für die gute Ausbildung der Rettungsschwimmer ist, daß Unfälle der Was ist Training? Training— aus gut Deutsch: Eingewöhnung. Einübung, ist gültig als Begrstj für notwendige Borbersitung zu erfolgreichem Wettkampfsport. Es gibt wohl kaum einen ahmen Sportler, der sich nicht der Bedeutung einer systematischen Borde- reitung auf den Wettkampf bewußt wäre. Ver- einzelt trifft man allerdings auf die Meinung, daß der größere Anteil oder die größere Boraussetzung für eine gute, überdurchschnittliche Leistung im Sport die natürliche Veranlagung sei. Das ist nur bedingt richtig. Ein Mensch, der für eine de- stimmte Sportart einen vorteilhasten Körperbau mitbringt, und, was keineswegs unwichtig ist, starkes Interesse für die systematische Weiterent- Wicklung seiner natürlichen Anlagen zeigt, wird ohne Frage eher in der Lage sein. Ueberragendes zu vollbringen, als ein minder Begabter bei gleicher Trainigsleistung. Aber gerade wirkliches Interesse an der Sache wird doch immer die ent- scheidende Rolle spielen. Der Sportler, der wohl eine gute körperliche Veranlagung, ober keinen festen Willen zum Training mitbringt, wird sich oft von dem minder gut Begabten überflügeln lassen müssen, wenn bei diesem der Wille zur guten Leistnug stärker entwickelt ist. Ader— muß es immer das Ziel eines gewissen hasten Trainings fein, Höchstleistungen zu erzielen' Gewiß ist gerade diese Auffassung am meisten ver breitet-, am meisten wohl da. wr der Sport um der Höchstleistung schlechthin befürwortet wird. Sieht man aber die Leibesübung in erster Linie als notwendig an, dann erhält der Begriff des Trainings eine andere Bedeutung. In der Turnhalle, auf dem Sportlatz oder auf der Schwimmbahn kann jeder Sportler trainieren uyd er wird es tun, wenn er sich des Wertes einer --«gelmäßig und intensiv geübten Sportart für sein körperliches, und seelisches Wohlbefinden bewußt ist. Es kommt dann auch nicht darauf an, ob eine Leistungsprüfung auf Sekunde und Strecke statt- "vdet. Maßgebend wird bei dieser zielklaren Hebung lediglich die Gesunderhaltung von Leib und Seele sein. Gewiß, gerade der junge Mensch wird immer einen gewissen Ehrgeiz darin suchen, sich mit seinesgleichen zu messen also das Höchstmaß an Leistungsfähigkeit seines Körpers festzustellen. Die einzelnen Sportverbände tragen dem auch in der 'Weise Rechnung, daß sie Leistungsprüfungen durchführen, bei denen ein gutes Mindestmaß an körperlicher Tüchtigkeit vorausgesetzt wird. Dar- »her hinaus bieten die Wettkämpfe in allen Disziplinen und Formen großartige Dlöglichkeiten zu Bergleichen. Wichtig für die Gesundheit des Sportlers wird aber immer wieder die Stetigkeit seiner Hebungen sein. Gelegentliches Anspannen aller Kräfte auch bei bester Veranlagung wird den Nutzeffekt der sporllichen Leistung immer in Frage stellen. So verstanden, ist Traming nicht nur etwas für die„Kanonen"; es hat für jeden Sportler hohe Bedeutung— als Körper- und Willens schulung. Reit- und Fahrtumier Hat Reit- und Fahrturnier, das voni 27. Januar bis ö. Februar tn der neuen Auto- halle am Kaiserdamm stattfindet, wird aller Bor- aussicht nach wieder den gewünschten großen Fremdenstrom nach Berlin ziehen. Werden doch folgende ausländische Nationen vertreten seim Irland. Norwegen, die Tschechoslowakei. Holland, Dänemark, die Schweiz und Schweden- Den Jrländern fleht man mit ganz besonderem Jnter« esse entgegen, galten doch bis vor»in paar Jahren die irländischen Pterde für die besten Spring- pferde der Welt. Sie sind m den letzten Jahren von den deutschen Pferden überhast werden, was sich auch in der Ausfuhr bemerkbar machte. Die Norweger kommen auch das erste Mal hierher. Sie gelten In chrem Lande sehr viel, doch fehlen chnen bislang die Berglelchsmöglichkeiten mit anderen Nationen Die Tschechoslowakei hat w> zwischen einen ihrer besten Reiter. Kapt. Popler. durch Todessturz verloren. Die Italiener kominen nicht: denn nach ihren Niederlagen in Rom und Aachen wird die Mannschaft, di« Italien« rester« Rettungsmannschaften wahrend des Jahres 1932 nicht vorkamen. Bon den 380 Vereinen, die in dem Bericht ersaßt sind, stellten 105 ihre Boote in den Dienst des Rettungswefons. Die Ausbildungs- Unkosten für die Rettungsschwimmer und fast alle Auslagen für die Ausrüstungsgegenstände der Rettungswachen werden von den Vereinen selbst getragen. Nur 38 Kommunalverwal- niiigen haben 1932 den örtlichen Wasserrettungsdienst des ATSB. unterstützt. Davon leisteten 19 Gemeinden finanzielle Unterstützungen. 23 stellten Rettungsmaterial zur Verfügung. h Die Unterstützung des Arbester-Waffer- rntungsdienstes(AWRD.) durch die Behörden läßt bedauerlicherweise sehr viel zu wünschen übrig, obwohl s eitsteht, daß die Tätigkeit des AWRD. ehrenamtlich und zum Schutze der Allgemeinheit geschieht. Trotzdem werden die Arbeiterwassersporiler an der weiteren Ausbildung und Verbreitung des AWRD. im Reich unermüdlich westerarbesten. ================ I lichen Weltruf begründete, auseinandergerisssn. Der Faschismus ist nämlich so überempfindlich. daß er nicht einmal«ine ehrenvolle Niederlage orttagen kann. Insgesamt kommt an den Turniertagen ein Zuzug von 1000 Pferden nach Berlin, die alle beweisen sollen, daß das Pferd heute noch nicht überflüssig ist. Das erfuhr ja auch sehr deutlich Rußland, das heute für gewisse landwirtschaftlich« Betriebe ttotz aller Motorisie- nmg die Parole erläßt:„Zurück zum Pferd." Serien ringkämpfe Auch bei den Arbesterringern gab es Freitag abend flotte und schöne Kämpfe. In der Bürger Heimstraße in Lichtenberg stritten im fälligen Serienkampf der Arbeiterathleten Lichten- berg-Friedrichsfelde 01 und Sparta-Neukölln um die Punkte in der k-Klasse. Der Kampf der beiden jungen Thearns wurde mit großem Ehrgeiz ausgetragen, die Lichtenberger hatten dos Kampf- glück auf ihrer Seite und konnten die Neuköllner in der ersten Begegnung mst 12: 2 Punkten schlagen, die Rückrunde wird in der Halle des dies mal unterlegenen Vereins ausgetragen. Nur im Bantamgewicht muhte der Lichtenberger H. Bin« der die Punkte den Spartanern überlassen, in den anderen Klassen konnte Röll, Iännicke, W. Binder. P. Binder, Apitz und Walloschek entscheidend siegen. Sportpaloslboxprogramm komplett. Das für den am 31. Januar im Sportpalast vorgesehene Boxprogramm steht nunmehr in allen Einzel- heften fest. Neben dem Houptkampf zwischen Schwergewichtsmeister Hein Müller-Köln und Exmeister Hans Schönrath-Krcfeld und dem internationalen Mittelgswichtskampf, den Welterge- wichtsmeister Gustav Eder-Dortmund gegen den schwedischen Meister Kalle Agren bestreitet, stehen noch zwei Meisterschastsausscheidungen auf dem Programm. Im Weltergewicht hat es Erwin Volkmar-Berlin mit dem Kölner Besselmonn zu tun und im Fliegengewicht stehen sich List-Zwickau und der Westdeutsche Paul Schäfer gegenüber. Die Einleitung besorgen Eigelsperger und Prath- Wln. Der Hauptkampf sührt über zehn Runden, während die beiden Ausscheidungskämpfe über je acht Runden gehen. Arbeitslose und Arbeitersportler Es ist in der heutigen Notzeit wichtig, daß die Arbeitersportler bei der Arbeft sür die Erwerbslosen anderer Arbeiterorganisationen mftwlrken. Die Sozialdemokratische Partei hat in vielen Bezirken die Erwerbslosenschulung in Nachmittags- zusaminenkünsten vorgenommen. Die freien Ge- werkschaften und die Iugendverbönd« arbeiten auch praktisch an der Förderung der Erwerbs- tofenhilfe. Ein gewaltiges Werk hat die lllotge- meinschaft Berlin in ihren Heimen und Erwerbs- losenzusammenkünften und-speisungen aufgebaut. Hier sollten auch die Arbeitersportler mit anpacken. Sicher ist in diesen Schichten das Interess« an sporllichen Dingen nicht gering. Wo Bildung«- arbeit geleistet wurde, kann auch solche k ö r p e r bildender Natur eingefügt werden. Die Sportler sollten also bereit sein, von ihrem Leben den Erwerbslosen etwas mitzuteilen, sie wenig- stens stundenweise zur s ortlichen Mitarbeit mft heranzuziehen. Turn- und Gymnastik- nachmittags in den Turnhallen, Schwimm- nachmittags in den Schwimmhallen dürsten diesem Zweck besonders gerecht werden. Die Leiter hierfür werden in den Vereinen zu finde» sein. Was ist ein Llalomlauk? Im Gegensatz zum Abfahrtslauf der Arbefter- iklläufer, der sich nach chren Wettkampfbestimmun- gen bis 10 Kilometer Länge erstrecken kann, ist der Slalomlauf ein Geschicklichkeitsfahren an einem Steilhang, dessen Schncefläche hartgctreten oder-gefahren fein soll. Es kommt beim Slalom lauf darauf an, bei höchster Absalirtsgeschwindig- keft Schwünge und Kurven zu vollbringen, die von den Ausführenden vollständige Beherrschung der Bretter in allen Lagen voraussetzen. Di« Abfahrt? strecke ist den Fahrern durch rote und blaue Ab stecksahnen, die Tore markleren, genau vorge schrieben. Durch die so markierten und ganz ver- schiedenartig gelegten Tore und Gaffen müssen die Fahrer in sausender Geschwindigkeit hindurch. Wir berichten Die Arbe'ierfporllerothletenriegeu halten ihren Winterwasserwerbeabend am Dienstag. 24. Ja- nuar, im Stadtbad Mitte, Gartenftt. 5, von 8.25 Uhr an ab. Nichtschwimmer erhatten Unter- richt im Schwimmen. Eintritt 30 Ps., Erwerb? lose mit Ausweis 10 Pf. Gäste willkommen. Rausch-Hürtgen trennen sich. Eine unserer er- iolgreichsten Sechstagemannschoften, das Kölner Paar Raufch-Hürtgen, ist„geplatzt". Schon seit längerer Zeit bestehende Differenzen sollen der Grund der Trenmmg sein. Hürtgen startet« be- reits am letzten Sonntag in Brüssel ohne seinen gewohnten Portner Rausch. „Klassenoerrat?" Line Abrechnung Der Wgemeine Deutsche Ge w e r k j ch a s t s- bunb hat kürzlich eine kleine Broschüre herausgegeben, die sich mft den seit Monaten von der kommunistischen Presse in Umlauf gesetzten Gerüchten gegen die B u n d e s l e i t u n g befaßt, deren.Llasseuverrat" durch lügenhafte Unterstellungen und gefälschte..Protokolle" er- wiesen werden sollte. Das Tftelbild zeigt, wie in der Phantasie des Fälschers und der Verleumder die Genossen L e i p a r t und Eggert vom Bundesvorstand des ADGB. als..Klassenverräter" den Herren von Papen und von Schleicher gegen- übsrsitzen. Zunächst wird die angebliche„Fiih« lungnahme" des Genossen Furtwängler mft Gregor Straßer abgetan, ein Schwindel, der vor der Rsichstagswahl im vorigen Sommer in die Welt gesetzt wurde. ..... Die Rechnung der kommunistischen Pap lelleftung ist sebr einfach. Je größer das Elend der Arbefter ist. um so mehr wachsen ihre Ehoneen, Nutznießer der Verzweiflung der Massen zu sein." Zwei gefälschte Protokolle über Sitzungen am 30. Juli und am 9 September 1932 sollten den„Klassenverrat der reformistischen Gewerkschaftsführer" erhärten. Die Bundesoor- sitzenden Leipart, Graß mann und E g- gert sollen sich in einer Sitzung am 30. Juli. in der sie sich bei dem damaligen Reichskanzler v. Papen für Arbeitsbeschasstmg einsetzten und sich gegen den Naziterror und gegen die Demolie- rung von Gewerkschaftshäusern beschwerten, zum Burgsrieden der Gewerkschaften nach den Reichstagswahlen verpflichtet haben. Im „Vorwärts" wurde längst festgestellt, daß an dem ersten„Protokoll" nur der Tag der Zusammenkunft richtig, alles übrige erfunden ist, an dem Protokoll über eine angeblickie zweite Zufammenkuntt aber alles von A bis Z geschwindelt ist, was jedoch die KPD-Presse nicht abhält, die Fälschungen weiter auszuwalzen, um den„Klassen- verrat" der Gewerkschaftsführer, den sie zur Be- kämpfung der Gewerkschaften nun eimnal gebraucht, ihren Lesern vortäuschen zu können. In der Broschüre wird bedauert, daß trotz der Erklärung des Bundesvorstandes die Klatsch b a s e n männlichen und weiblichen Geschlechts, die an der Verdächtigung und Verleumdung der Ge werkschaften Gefallen finden, nicht beruhigt wäre» und die gefälschten Protokolle beschämenderweise 'elbst bei Sozialdemokraten und Gewerkschafts kollegen Glauben fanden. Hoffentlich trägt die Massenverbreitung der Broschüre mit da.zu bei. das Vertrauen zu den Gewerkschaften zu stärken Patenkind KPD. Den Angestellten der Russischen Handelsvertretung werden für alle möglichen Zwecke nam- hafte Beträge von ihrem Gehalt abgeknöpft. „Freiwillige" Beiträge zu irgendwelchen Sammlungen sind«s, die so zustande kommen der nach russischem Recht eingesetzte Betriebsrat teschließt auf«inen Wink von maßgebender Stelle, daß eine Sammlung für diesen oder jenen Zweck stattzufinden habe Natürlich wagt keiner von den Angestellten, zu einer jo beschlossenen Sammlung nicht seinen„frei- willigen" Beftrag zu leisten, den der Betriebe- rat bei jeder Gehaltszahlung erhebt. Niemand schließt sich aus, denn jedem ist seine Arbeits stelle lieb und ein« Eins ruchsmöglichkeft gegen ungerechtfertigt« Entlassung gibt es bei der Handelsvertretung nicht, da ja die Angestellten auf die Wahl eines Betriebsrat nach deutschem Recht „freiwillig" verzichtet haben. Vor längerer Zeft hat der Betriebsrat eine „P a t e n s ch a f t» s a m m l u n g" beschlossen. Ein Angestellter, der entlassen wurde, klagte beim Arbeftsgericht auf Mckzahlung seiner.Patenschastsbefträge", indem er behauptete. es handle sich nicht um freiwillige Beiträge, sondern um Gehaltsabzüge, die ihm ahne sein Ein- verständws gemacht worden seien. Man fragte, was denn eine„Patenschaft" zu bedeuten häb- und erfuhr: die Angestellten der Hattdelsoertte- tung hätten die„Patenschaft" sür ein russisches Dorf übernommen. Das Dorf brauchte eine Lokomotive. Die Kosten der Lokomotive sollten durch die„Patenschaftssammlung" aufgebracht werden. Der Kläger, der seine eigenen Gedanken über diese Sammlung hat, sagt«, das„pateakmd" liege nicht in Rußland, sondern am Bülowplatz in Berlin und heiße Kommunistische Partei Deutsch- land«. Da er aber nicht nachweisen konnte, daß die Beklagte ihm Gehaltsabzüge gemacht Hab», die Handelsvertretung aber„einige M i t g l i e- der ihres Betriebsrats" dafür ins Fels führte, daß der Kläger„sreiwillige Patenschafts- beiträge" geleistet habe, wurde dl« Klage abgewiesen. Es mag schon so sein, daß mit diesen„Paten- schaftebeiträgen" die Lokomotw« de»„Patenkindes" KPD. geheizt wird. Jflr die Aarbeaglastndusirte ist vor dem Schiedsgericht in Dresden unter dem Vorsitz von Reaierungsrat Dr. Heitmann ein bindender Schiedsspruch gefällt worden. Die Akkord- iätze werden um 3 Proz. gekürzt. Der neue Lohn- vertrag kann erstmalig zum 31. Dezember 1933 gekündigt werden. Der Arbeftgeberoerband hat eine Kürzung der Akkordsätze um IS Proz. ge-- fordert. 1 9 33 1Z, Y/Icwl ü* Tsatnüfad a, fti. Der Parieivorstand beruft hiermit den diesjährigen Parteitag zum 12. März und folgende Tage nach Frankfurt a. M. ein. Tagungslokal: Zoologischer Garten. Als vorläufige Tagesordnung ist festgesetzt; 1. Marx und die Gegenwart. Aufruf zum Sozialismus. Referent: Rudolf Hilferding. 2. Die Politik der Sozialdemokratie. Politischer Bericht des Parteivorsfandes und der Relchstagifraktion Referent; Otto Wels. 5. KrisenUberwindung durch texlalistlsche Güter- und Mensehenökonomie. Referent: Siegfried Aufhäuser. 4. Wirtschaftliche und politische Völkerverständigung. Referent: Rudolf Breitscheid. S Parteiorganisation und Parteifinanxen. Geschäftsbericht des Parteivorstandes. a) Organisation. Berichterstatter: Hans Vogel. b) Kasse. Berichterstatter: Siegmund Crummonerl. c) Frauenbewegung. Berichterstatterin: Marie luchacz. d) Sozialistischer Kulturbund. Berichterstatter: Adolf Grimme. 6. Bericht der Kontrollkommission. Berichterstatter: Klemens Hengsbach. 7. Wahl des Parteivorstandet und der Kontrollkommission. 8. Erledigung der Anträge, soweit sie durch die vorstehende Tagesordnung nicht erledigt sind. Der Parteitag setzt sich zusammen aus den in den Bezirksverbänden gewählten Delegierten, der Vertretung der Reichstagsfraktion, den Mitgliedern des Parteivorstandes, des Partelausschusses und der Kontrollkommission. Anträge für die Tagesordnung des Parteitages werden nur behandelt, wenn sie von Parteiorganisationen gestellt und spätestens bis zum 8- Februar 1935 beim Partei« vorstand eingereicht sind, damit sie laut Organisationsstatut§ 15 Absatz 2 spätestens am 13. Februar veröffentlicht werden können. Zum Parteitag gestellte Anträge mllssen, jeder für sich auf einem besonderen Blatt Papier, einseitig beschrieben und mit der Angabe, zu welchem Punkt der Tagesordnung gehörig, versehen sein. Im Anschluß an den Parteitag findet eine FrauenarbelUtagung statt, deren Tagesordnung noch bekanntgegeben wird. Wegen Wohnungsbeschaffung müssen sich die Delegierten rechtzeitig beim lokal« komltee melden. Adresse; Conrad Broßwltr, Frankfurt e. M., Bürgerstr. 69— 77. Gastkarten für den Parteitag werden von dem lokalkomltee in Frankfurt a. M. ausgegeben; Zutrittskarten für die Berichterstatter der Presse nur vom Parteivorstand, Berlin SW68, iindenstr. s. Der Partoivorstand