Morgen- Ausgabe Nr. 41 A 21 50. Jahrg. 9?ffcofflon u n b V e k I o g, Berlin SW 68. Ltndenstr 3 5«rnipr«h»i a' Tm> Cönbofl'»2 bu 20? Sutatommobtefiei Soäiolbemottot'Snlta BERLINER VOLKS BLATT MITTWOCH 25. Januar 1933 0n Groß- Berlin 1 t) Pf. Auswärts...... 15 Pf. HZezu-Sbe�wgungen tmft Vnze'g-np�eis« steh« am Schluß beb redaltioncllen T«K» Jentratoega« der Sozialdemokratischen Oartei Deutschlands Kriegserklärung an Schleicher Hilgenberg verlangt Rücktritt der Regierung, weil sie nicht„autoritär" genug ist! Der angekündigte Vorstoß der Deutschnationalen gegen Schleicher ist nun erfolgt Mit der Robust- i�eit, die den preußischen Granden eigentümlich ist, geben sie dem Kanzler einen Fußtritt, weil er ihre habgierigen Wünsche nicht in vollem Umfange zu erfüllen scheint. Natürlich drapieren sie ihre Absage mit dem Gemeinwohl— Deutschnationale haben nie anderes als das Gemein- wohl im Auge gehabt— von den Junkern im Osten bis zu den Schlotbaronen im Westen. Die Proklamation der Autoritären gegen die zweite autoritäre Regierung lautet: Die Reich-tagsfrakiion der Deutschnaiionalen Volkspartei ist der Auffassung, daß ein« grund- säßliche Entscheidung in einer Reihe von Lebens- fragen der Nation, inrbesondere eine durch- greifend« Lösung der schwebenden Wirrschasts- fragen ersorderlich ist, um der unenräglichen foz alen Not zu steuern. Dazu mutz in erster Linie eine vollständige Neubildung des Kabinetts erfolgen, um die er- forderliche Schlagkraft und Einheitlichkeit der Regierungsführung, und zwar namentl ch der Wirrschaftspolitik sicherzustellen. Di« wachsende Notlage und die wachsende Erbitterung im Volke verlangt Klärung. Allzu lange dauern jetzt schon die mit der Demission des Papen-Kabinetts begonnenen Verhandlungen und Besprechungen in Berlin, um noch Verständnis im Volke zu ijnden.-Die Politik des Hinhaltens und Zauderns � stellt alle Ansäge einer Bzsterung in Frag«. Die i an sich schon so großen Gegensätze im Lande ver- liefen sich immer weiter. Dazu trägt auch die mangelnde Einheitlichkeit in den Anschauungen und Aeußerungen der ein- zelnen Ressortminister bei. Der unnatürliche Gegensag zwischen Stadt und Land wird ver- tieft, wahrend eine wahrhaft fruchtbare Wirt- schaftspolitik nur auf der Grundlage des Bewußt. seins geführt werden kann, daß Stadt und Land eine untrennbare Schicksalsgemeiirschaft bilden und daß einer vom anderen lebt. Ohne ein Wiederansteigen der nationalen Güterproduktion und damit der Arbeit und der Kaufkraft ist die Lage des deutschen Volkes nicht zu verbesiern. Aber dieser entscheidende Gesichtspunkt tritt weder in den Maßnahmen noch in den wirt- fchaftspolitischen Aeußerungen der Reichsregie- rung hervor. Vielmehr wird in der Wirtschafts- Politik ein neues Abgleiten in sozialistisch-internationale Gedanken. gänge immer deutlicher. Eine bcsan. der« Gefahr bedeulek es. wenn man Gegensähe zwischen groß und klein, vor allem in der Land- wi lschasl, entstehen läßt und dadurch die Gefahr eines Bolschewismus auf dem flachen Lande hervorruft. Ueberall taucht der Verdacht auf, daß die jetzige Reichsregierung nichts anderes bedeuten werde als die Liquidation des autoritären Ge- dankcns, den der Herr Reichspräsident mit der Berufung des Kabinetts von Papen aufgestellt hatte, und die Zurückführung der deutschen Politik in das Fahrwasser, das dank dem Er- starken der nationalen Bewegung verlassen zu sein schien. Von dem Zeitpunkt der Demission des Kabi- netts Papen ab hat die Deutschnational« Volks- parte! vor einer solchen Entwicklung ständig gewarnt. Bei ihren Anhängern im Lande und darüber hinaus hat das Versagen der Regierung steigende Enttäuschung und Gegnerschaft hervorgerufen. Die deutschnational« Reichstagssraktion gibt erneut chrer Ueberzeu- gung Ausdruck, daß die Staats- und Wirtschafts- krise nur durch eine starke Staatssüh- rung überwunden werden kann. Man sieht deutlich: Die Enthüllung über den Ostskondal im Reichstag hat es den Herren ange- tan: So was kann sich nur eine Volksvertretung leisten! Hätte man sie zum Teufel gejagt, dann blieb der Schleier über die Bevorzugung der Großgrundbesitzer gegenüber den Bauern gedeckt. Jetzt kommt es heraus, welche Brüder an der Krippe sitzen, jetzl heißt es: Autorität gegen Publizität! Die Absage der Deutschnationalen ist bei dem Einfluß, den diese Herrschasten hinten herum be- sitzen, von größter Bedeutung. Es kann das Ende der Regierung Schleicher werden. Die Herrschaften um Hugenberg hatten unter Paven den hundertprozentigen Einfluß im Reich, sie fürchteten unter Schleicher zehn Prozent davon einzubüßen. Deshalb kamen die Wühler, die feit ochl Monaten schon zwei Kanzler gestürzt haben, wieder aus ihren Löchern hervor und beweisen die Festigkeit und Dauer ihrer gänstich neuen Staatssührung. indem sie jetzt dem dritten an den Kragen gehen. Er, der hinter den Kulisien als der „starke Mann" gerühmt wurde— für die Vertretung ihrer selbstsüchtigen Interessen ist er ihnen z u schwach. „Umbildung des Kabinetts" mit dieser B«-- gründung bedeutet natürlich auch Ausschaltung des Reichstags. Dazu braucht man den seit einigen Tagen in die Debatte geworfenen„Staatsnot- stand". Proklamlerung des staatlichen Notstandsrechts Ist mit einem Worte Staatsstreich, ist Revolution von oben, und es läßt sich daher be- greisen, datz Schleicher in für die Dresse bestimmten Erklärungen von den ihm nachgesagten Absichten abrückt. Aber wir sind durch Erfahrung gewihlgt, solchen Dementis gegenüber sehr vorsichtig geworden. Wir erinnern uns an die halbamtlichen Erklärungen und Beteuerungen aus der Zeit, in der es mit Papen ungefähr so stand wie heute mit Schleicher. Es ist daher unsere Pflicht, die Arbeiterklosie nicht nur. sondern alle, denen der Grund- sag der Veriassung. nach der die Staatsgewalt vom Volke ausgeht, keine leere Phrase ist, aus die drohende Gefahr aufmerksam zu machen. Es gilt die leitenden Organe des Staats vor einem Schritt zu warnen, durch den jedes Rechtsgesühl und da- mit jede Rechtsordnung zerstört würde. Die Folgen wären nicht nur für die Wirtschaft ver- hängnisvoll. Derfasiungsbruch bleibt, welchen Namen er auch führen mag. Verfasiungsbruch, und wenn man ihn als natürliches Recht der Regierung hinstellt, so besitzen die, zu deren Nach'eil er un'ernommen wird, ein noch höheres Recht, sich gegen ihn zur wehr zu sehen. Gewiß, wir kommen um die melancholische Feststellung nicht herum, daß die Notstandsiheorie gewachsen ist aus dem Boden, den die d e m o- kratiefeindlichen Parteien der Nastonal- sozialisten und Kommunisten bereitet haben, daß also Millionen von Wählern selber die Schuld tragen, wenn die. die ihnen ihr Recht rauben wollen, jetzt ihrem Ziel nahe zu lein glauben Aber auch diese Tatsache kann das Verlassen des vcrsasiungsmäßigen Weges und die Hinwendung zur Diktatur nicht rechtiertigen. Sie sollte nur eine Mahnung für alle sein, bei den Neuwahlen, die vollzogen werden müsien. wenn es im Reichstag keine Regierungs- oder Tolerierungsmehrheit gibt, die Massen dar- über aufzuklären, wie sie wider sich selbst wüten. wenn sie Parteien unterstützen, die die parla- mentarische durch eine andere Reqierungsform ersetzen wollen. Und eine ihrer Pflicht bewußte Regierung müßte an dieser Aufklärung mit allem Eifer mitwirken. Die Regierung will antworten Wie von zuständiger Stelle mitgeteilt wird, wird die Regierung auf die deutschnationale Er- klärung bei passender Gelegenheit ant- warten. In Kreisen, die der Regierung nahestehen, erklärt man der„Tel. Union", irgend etwas Positives enthalte die Erklärung nicht. Die Tendenz der Erklärung sei wohl die Quittung daraus, daß der Kanzler nicht bereit sei. die veulschnallonalen in die Regierung hineinzunehme«. Was die Bemerkung über sozialistisch» internationale Gedankengänge der Regie- rung anbetreffe, so frage man sich, ob damit viel- leicht die Lösung von Zollbindungen (wie beim demsch-holländischen Vertrag) gemeint sei. Was die Erklärung eigentlich bewirken solle, fei noch unklarer als der Inhalt der Erklärung selbst. Insofern sei die Erklärung allerdings zu be- grüßen, als dadurch eine, wenn auch negative K l ä r u n g der politischen Loge eingetreten sei, da die Deutschnationalen nunmehr der Regierung eine Absage erteUt hätten. �Varming aus dem Süden Die Reichstagssraktion der Bayerischen Volkspartei kündigt in einer sehr scharfen Erklärung erbitterten Widerspruch an gegen jede versassungswidnge Ausschaltung der Volksver- tretung und gegen die Proklamierung eines „Staatsnotstandes". Reichstag, arbeite! Die?kUcht der Stunde Von S. Auihäuser Seitdem die agrarische und mono» polkapitalistische Reaktion mit der unter faschistischer Geburtshilfe gewachsenen Baronsregierung zur Staatsmacht gelangt war, ist gelegentlich durch innere Cliquen- kämpfe der Harzburger und der verschiede- nen kapitalistischen Interessentenhaufen die wirkliche polftische Situation ver- wischt worden. Besonders hatte der Per- sonalwechsel Papen-Schleicher hier und dort Illusionen geweckt, als bedeute die Kanzlerschaft des„sozialen Generals" irgend- welchen Kurswechsel. In Wirklich- k e i t konnten die veränderten Kampfes- Methoden an der wachsenden Gefahr der Reaktion für die Arbeiterklasse nichts ändern. Herr von Schleicher hat sich wohl als der bessere Plauderer erwiesen und er hatte es zunächst für richtig befunden, im Gegensatz zu seinem Amtsvorgänger vom Angriffskrieg zum S t e l l u n g s- krieg überzugehen. Die soziale Bilanz weniger Monate genügt indes, alle falschen Hoffnungen auf das neue Regime endgültig zu begraben. Bon all den großen Ankündigungen Schleichers auf umfassende Arbeitsbeschaffung ist eine Miniaturausgabe des Gereke-Planes übriggeblieben. Mit ganzen 500 Millionen Reichsmark will die öffentliche Hand mit Auftragserteilung ein- greifen, so daß bestenfalls Erwerbs- lose Beschäftigung finden könnten. In welch hemmungsloser Gebefreudigkeit andrerseits unfähigen und verschwenderi- schenGroßagrarierndie Reichsgelder nachgeworfen werden, hat das O st h i l f e- Panama blitzartig beleuchtet. Der„soziale General" war noch nicht ein- mal bereit, die Papenschen Steuergut- scheine aufzuheben, die als Einstellungs- prämien verabreicht werden- Private Unter- nehmer erhalten jetzt aus dem Arbeits- beschaffungsprogramm Aufträge und zu- f ä tz l i ch noch für daraus notwendig wer- dende Neueinstellungen von Arbeftern und Angestellten besondere Steuergeschenke. Die gesamte Sozialversicherung ist ihrer Rechtsgrundlagen beraubt, der grundsätzliche Unterschied zwischen sozialer Versicherung und allgemeiner Fürsorge nahe- zu aufgehoben. Für die am härtesten ge- troffene Invalidenversicherung hat die sonst so gebefreudige Regierung Schleicher nichts an Reichsgeldern übrig. In der Arbeitslosenversiche- rung ist die Enteignung der Versicherten völlig unerträglich geworden. Nicht weniger als 300 Millionen Mark sind aus dem Bei- tragsaufkommen 1932 ihrem rechtmäßigen Zweck entzogen worden, um für Wohlfahrts- zwecke verwendet zu werden, deren Deckung bisher aus allgemeinen Steuermitteln vor- genommen werden mußte. Eine Arbeits- Sonntag, 14�/2 Llhr, Lustgarten: Berlin bleibt retl Bracht-Gpiel mit Berlin Die Reform abgelehnt, aber neues Diktat!— Kommissar Bracht gegen Kommissar Bracht losenversicherung, die in der Lage gewesen wäre, aus ihren Beiträgen im Jahre 1SS2 �wei Millionen erwerbslose Versicherte zu unterstützen, hat in Wirklichkeit nur noch durchschnittlich 6M Wg Unterstützungsemp- sänger aufzuweisen. Bei einem monatlichen Beitragsaufkommen von rund 80 Millionen Mark werden nur noch rund 35 Millionen an Unterstützung ausbezahlt, d. h. über die 5)älfte ihres Beitragsaufkom» nens und ihre wohlerworbenen Unter- sugungsrechte sind den Arbeitern und A n g e st e l l t en genommen, sie haben 0,5 Proz. ihres Lohnes nur noch als Ton- d e rst e u e r zu entrichten. Statt einer Wiedergutmachung dieses schreienden Un- rechts will das Reichskabinett Versicherung, Krisenfürsorge und Erwerbslosenwohlfahrt zusammenlegen, also den Rest der Versiche- ning zerschlagen. Der schäbige Rest der Versicherung bliebe nach dem Willen der Herren lediglich die Beitragspflicht. Wo ist der s o z i a l e G e n e r a l, der ein- inal so warme Worte für das Erwerbslosen- elend gefunden hatte? Das Reich hat seinen Etat-von den sozialen Verpflichtungen völlig abgehängt. Im gleichen Augenblick, da alle Rcichszuschüsse an die Sozialversicherung aufs äußerste gedrosselt morden sind, ist Deutschland durch ungezählte Subventionen zum ausgesprochenen Wohl- sahrtsstaat für die Unternehmer in Landwirtschaft und Industrie, damit in- direkt zur Finanzquelle des Faschismus geworden. Alle Reichs- Hilfe für die täglich mehr versagende pri- vate Wirtschaft, nichts für die Menschen. Das ist der Kurs des Reichswagens. Die UnHaltbarkeit des sozialen Arbeits- schutzes ist kürzlich im Sozialpolitischen Aus- schuß des Reichstags offenbar geworden. Unter der für das Parlament bestehenden öffentlichen Kontrolle waren die National- sozialisten und teils auch andere bürgerliche Parteien gezwungen, wichtige Verbesserun- gen gegenüber den Notverordnungen a u f sozialdemokratischen Antrag hin zu beschließen. Auch für Aufhebung der ver- bängnisvollen Notverordnung vom 14. Juni 1032 hatte sich eine Mehrheit gefunden. Diese Ausschußbeschlüsse bedürfen indes der Bestätigung durch das Plenum. Dort heißt es auch für die Nazis Farbe zu bekennen. Zu den sozialen kommen die wirtschaftlichen Notwendigkeiten. Die Beibehaltung der herrschenden Handelspolitik bedeutet >unger für die Massen. Das Schick- ml des Volkes wird wesentlich von der be- vorstehenden Gestallung des Reichsetats be> stimmt werden. Soll nicht auf jede Menschen- Ökonomie verzichtet werden, dann müssen nun die parlamentarischen Vertreter des Volkes l"ine einfachsten Lebensrechte im Reichs- l a g wahrnehmen können. Der Reichstagmuß vor allem tagen und aktionsfähig werden, um das Miß- i'auen des gesamten Volkes gegen die jetzige Neichsgewalt zum Ausdruck zu bringen. Die dauernden Vertagungen und die bewußte Verschleppung der Einberufung des Reichs- Parlaments ist in dieser Situation mehr als eine Angelegenheit des Aeltestenrats. An der Entscheidung über die Einberufung des Reichstags muß sich die F l a m m e einer großen Volksbewegung entzünden. Es darf der größten Reichstagsfraktion des Herrn Hitler nicht länger erspart bleiben, ihre Wahlversperechungen einzu- lösen oder aber abzutreten. Ist der Reichstag, belastet durch 195 Nazis, arbeitsunfähig, dann ist eine beschleunigte Neuwahl das Gebot der Stunde. Die Ueberlastung mit Wahlen im Jahr 1932 ändert nichts an der Tatsache, daß jetzt die Wählerschaft allein eine Bereinigung bringen kann, falls der Reichstag an seiner Arbeit gehindert wird. Jede weitere Vertagung der Reichstagseinberufung ist Begünsti- gung der Nationalsozialisten und Schädigung der Interessen des werk- tätigen Volkes. Sollten aber die Vertagun- gen des Parlaments das Vorspiel zu einer Auflösung ohneNeuwahl sein, um einen sogenannten„St a a t s n o tst an d" zu er- klären, dann wäre das der Staats- streicht..... Die gespannte Lage muß den Blick der Arbeiterklasse auf ihr Rüstzeug zur parla- mentarischen, wie außerparlamentarischen Auseinandersetzung lenken. Die Haltung der gesamten Arbeiterschaft zur Nazidemonstra- tion am Bülowplatz hat gezeigt, daß sie im � Bewußtsein ihrer Kraft nicht geneigt ist, sich u-r Unbesonnenheit reizen zu lassen. Sie >'"ird sich auch in den kommenden Tagen ihren politischen Blick nicht trüben lassen. Die Soorregierung mit ihrem Präsidenten «.nor ist vom Völkerbundsrat bis zum 31. März 1934 neu bestätigt worden. „wie ich aus der Presse ersehe, erörtern die zuständigen Organe der Stadt Verlla die Zrage der Neuabgrenzuug der Verwaltungsbezirke. Auch ich halte zur Vereinfachung und Verbilli- gung der Verwaltung der Stadt Berlin die einstweilige Verminderung der Zahl der Verwaltungsbezirke in der Stadt Berlin fürdringenderforder- lich... Mit Rücksicht aus den Termin der regelmäßigen kommunalen Neuwahlen bedarf die dringende Frage der Neuein- t e i l u n g der Verwaltungsbezirke der Stadt Berlin eiliger Lösung. Zch ersuche daher ergebenst, mir bis zum 15. Oktober zu be- richten, ob hierüber ein Gemeindebeschluh unter Zustimmung der beteiligten Bezirksversamm- langen befaßt worden ist." Das schrieb am 19. September 1932 Bracht als stelloei'tretender Kommissar in Preußen an den Berliner Oberbürgermeister S a h m in jenem Ultimatum, in dem er Berlin androhte, von sich aus eine B e r w a l- tungsreform zu diktieren, wenn die Frist nicht eingehalten werde. Damals tauchten Stimmen auf, die zu erzählen mußten, daß dieses Schreiben im Berliner Rathaus entworfen worden sei. Der Berliner Oberbürgermeister beeilte sich jedenfalls sehr, alles zu tun, um die Wünsche des hohen Austraggebers zu erfüllen. Heute erhält auch S a h m die Lehre, daß es nicht gut ist.„Diktatur" spielen zu wollen. Bracht hat jetzt einen neuen Erlaß über die Aenderung der Berliner Verwaltungsbezirke und ihrer Verfassung an den Oberpräsidenten der Pro- vinz Brandenburg und von Berlin gerichtet, in dem es heißt: „Trotz aller Anerkennung der Bemühungen des Magistrats der Stadt Berlin, den Anregungen meiner Erlasse vom September 1932 zu ent- sprechen, habe ich mich nach reiflicher Prüfung seiner durchausbeach'tlichen Borschläge zur Bezirkseinteilung und Reform der Berliner Verfassung doch entschlossen, von ihrer Verwirklichung abzusehen. Entscheidend für meine Entschließung ist vor allem der Umstand, daß es entgegen meinen Erwartun- gen insbesondere bei den Beratungen der Stadt- verordnetenoersammlung zweifelhaft geworden und geblieben ist, ob infolge einer zahlenmäßigen Verringerung der Verwaltungsbezirke sofortige Ersparnisse überhaupt oder jedenfalls in einem Umfange eintreten werden, der in einem angemesienen Verhältnis steht zu den mit den organisatorischen Aenderungen für die Bevölke- rung in der gegenwärtigen schweren Zeit er- wachsenden Schwierigkeiten und mit den für den Verwaltungsbetrieb verbundenen Störungen. Nach dieser Entschließung zur Frage der Bezirksein- teilung muß auch die von vornherein nur im Zu- sammenhang mit ihr ins Auge gefaßte Aenderung der Bezirksversasiung zurückgestellt werden. Der Kommissar Bracht ist aber so gnädig, eine neue Verordnung zu erlassen, die schon in der nächsten Ausgabe der preußischen Gesetzes- sammlung veröffentlicht wird. Durch diese Ber- ordmmg wird die Stadt Berlin verpslich- t e t, die„gegenwärtig zu hohe Zahl der Bezirks- amtsmitglieder zu vermindern" Durch eine Ortssatzung soll die Zahl der Mitglieder der Bezirksämter herabgesetzt, sowie das Verhältnis der Zahl der besoldeten Mitglieder zu derjenigen der unbesoldeten Mitglieder der Bezirksämter neu geregelt werden. Stadtverordnetenversammlung und Magtstrat sollen die neue Ortssatzung inner- halb von drei Monaten beschlossen haben. Wird dieser Termin nicht eingehalten, liegt die alleinige Beschlußfassung beim Magistrat, der seine Entscheidung innerhalb von sechs Wochen zu treffen hat. Bis zum Znkrasttrelen der Ortssahung sollen freie und freiwerdende Stellen von Bezirks- bürgermeistern, besoldeten und unbesoldeten Mitgliedern der Bezirksämter nicht beseht werden. * Erst konnte es dem Kommissar mit der Ver- cinfachung und Reform der Berliner Verwaltung nicht schnell genug gehen. Die Stadtvertretung mußte ihn zweimal um Verlängerung der viel zu kurz gestellten Fristen ersuchen. Der bekannte Reformplan des Berliner Magistrats wird aber jetzt mit einer Handbewegung beiseite g e- schoben. Oberbürgermeister S a h m, der es in letzter Zeit mit als eine seiner Hauptaufgaben anzusehen scheint, gute verbiaduugea mit den Leuten aus dem herrenklub und dem kyfshäuserbund zu unter- halten, weniger Ivert aber auf enge Zusammen- arbeit mit den Fraktionen des Rahaujes legt, ist schwer enttäuscht worden. Wie der Kommissar Bracht sich die p r a k t i s ch e Auswirkung der neuen Verordnung auf die Berliner Verwaltung vorstellt, wissen wir nicht. Im§ 2 wird festgelegt, daß bis zum Jnkrast- treten der neu zu schassenden Ortssatzung, die frühestens im Juni fertig sein kann, die frei- werdenden Bezirksamtsstellen nicht besetzt werden dürfen. Bis zum Anfang April aber scheiden infolge Ablaufs der IZfährigen Wahl- zeit 66 von 107 besoldeten Bezirksamtemit- gliedern aus. So sind in den Bezirken Friedrichshain. Tiergarten. Treptow und Zehlendors alle Bezirksamtsstellen neu zu besetzen. In weiteren Bezirken, so in Mitte, W e d d i n g, Neukölln, Köpenick und Reinickendorf, verbleiben nur wenige Bezirksamtsmitglieder über den 30. April hinaus im Amt. Wahrscheinlich denkt man daran, auch diese Stadtratsstellen t o m- missarisch oerwalten zu lassen. Das Ergebnis des Intrigenspiels um die Interessen der Reichshauptstadt wird also sein, daß in die Berliner Verwaltung neue Unruhe und schwere Erschütterungen hineinge- tragen werden. Statt der zunächst so dringlich ge- forderten Vereinfachung wird tatsächlich ein bracht- volles Durcheinander geschasfen. Daß sich das zum Nutzen der Bevölkerung auswirken wird, dürfte selbst ein noch gescheiterer Reichskommissar kaum behaupten wollen. deren Verlauf der unbeteiligte Abgeordnete IÜrgensen erheblich verletzt wurde. Er hatte mehrere Wochen an der Wiederherstellung seiner Gesundheit zu tun. und es waren ihm im Ver- laufe der ärztlichen Behandlung und wegen dar Unmöglichkeit, seine geschäftlichen Funktionen zu erfüllen, allerlei Verluste entstanden. Als im ersten Verfahren wegen Schadenersatzes der Abg. Jürgensen abgewiesen wurde, stützte sich da? Gericht im wesentlichen darauf, daß keine gesetzliche Grundlage vorhanden sei, wo- noch der Fiskus, in diesem Falle vertreten durch den Landlagspräsidenten, haftbar zu machen wäre für die Folgen von Schlägereien im Parlament. Prozeß Guilveaux Pari». 24. Januar. Vor dem Pariser Kriegsgericht hat der Prozeß gegen den Schriftsteller G u i l b e a u x begonnen. der 1919 im Abwesenheitsverfahren wegen angeblicher Begünstigung Deutschlands während des Krieges zum Tode oerurteilt worden war. Guilbeaux. der seit 1917 in Rußland und zuletzt in Deutschland gelebt hat. war von Heimweh ge- packt im August v. I. nach Frankreich zurückgekehrt und hatte sich freiwillig gestellt. In dem Wiederaufnahmeoersahren haben ihn zahlreiche Zeugen st ä r k b e l a st e t, so daß trotz heftigen Protestes der Liga sür Menschenrechts und anderer Linksorganisationen die Anklage aufrecht- erhalten worden ist. Guilbeaux wird von Rechts- anmalt Abg. T o r r e s verteidigt. Der Verteidiger beantragte am ersten Prozeß- tage, das Versahren einzu st ellen, da nach einer Gesetzesbestimmung ein erst zehn Jahre nach der ersten Untersuchung eingeleitetes Strafver- fahren verjährt sei. Aelteskenrot des Reichstags. Vom Reichstaas- büro sind jetzt die Einladungen zu der für Freitag dieser Woche vorgesehenen Sitzung des Aeltestenrats des Reichstages ergangen. Die Sitzung soll am Freitag um 15 Uhr beginnen. weitere 50 Millionen für hausreporaturen. In der gestrigen Kabinettssitzung ist beschlossen worden, weitere 50 Millionen für Haus- reparaturen zur Verfügung zu stellen. Die ent- sprechende Verordnung wird am Mittwoch erscheinen. Spioaageurletl. Das Oberlandesgericht ver- urteilte den polnischen Staatsangehörigen Paul Serwotka aus Königshütte wegen Spionage zu zwei Jahren sechs Monaten Zucht- haus. 92 Zloty, die der Angeklagte vom polnischen Nachrichtendienst erhalten hat, wurden dem Staat für verfallen erklärt. Natural-Setreidesteuer Ein neue« Sowjetgesetz Sowjetregierung und Zentralkomitee der KPR., gezeichnet sein früherer Vizegeneralsekretär M o- l o t o f f und sein damaliger und auch jetziger Chef Stalin, haben die Getreideaufbringung neu geordnet. Das Soll(und zugleich Muß) der Getreideablieferung wird in eine NatUral-Ge- treidesteuer umgenannt. Ihre Menge beträgt 0L bis 3,3 Zentner pro Hektar für Kollektiv- wirtschaften ohne Traktoren, 0,5 bis 2,7 Zentner für solche mit Traktoren; die Einzel- dauern haben— wie bisher— S bis 10 Proz. mehr abzuliefern. Nähere Bestimmung nach der Anbaugegend, der Aussaat usw. Die staot- lichen Abnehmerpreise bleiben unverändert. Aufschläge bis zu 2 Proz. dienen der Versorgung der Dorflehrer, Agronomen(Agrartechniker) und „medizinischen Arbeiter". Erst nach Leistung dieser Steuer darf Getreide freihändig ver- tauft werden. Säumige Kollektivwirtschaften haben als Strafe den Marktpreis für die nichtabgelieferte Soll-Menge zu entrichten und müssen ihr Gesamt-Soll vorzeitig abliefern. Säumige Einzelbauern kommen vors Gericht. Lokalbehörden dürfen die Steuerpjlicht nicht er- höhen. Was nach Erfüllung des Solls übrig- bleibt, ist für die Produzenten. frei verfügbar.. * Es wird mitgeteilt, daß die bisher„infolge tulakischer Sabotage" säumigen Gebiete an der umeren Wolga und in Nordkaukasien ihre Ab- lieferungspflicht erfüllt haben. 2 Kollektivdirektoren hingerichtet Zwei Direktoren eines Kollektivs, die Gebrüder K u l i k o w s k i, sind wegen Lerschleude- rung von Staatseigentum und wegen Sabotage in der Getreideablieferung zum Tode verurteilt und e r s ch o s s en worden. SA.- Mann Raubmörder In klnikorm am Grabe des Opfer« Köln, 24. Januar. In Köln geht ein neuer Raubmord eines SA.-Mannes seiner Aufklärung entgegen. Vor einigen Wochen wurde am Rudolf-plag ein Geldbriefträger und eine Frau ermordet. Unter dem Verdacht der Beihilfe ist am Dienstag der Neffe der Toten,«in 2 2 j ä h r i» ger SA.-Mann, verhaftet worden, der in voller Nazi-Uniform der Beerdigung der er- mordeten Tante beigewohnt hat. Der Verhaftete hat im vergangenen Jahr 3500 Mark.unter- schlage», uich oerjubelt. gemessen und müsse gesenkt werden. Es heißt dann über die Kredit« weiter: „Durch die von ihnen auszuführenden Ar- beiten verschaffen die Gemeinden dem Reich in Form höherer Steuern und neuer Beiträge zur Arbeitslosenversicherung erhebliche Einnahmen. Neben einem beschleunigt durch- zuführenden, sozial gerechten Finanz- und Lasten- ausgleich müssen den Gemeinden bis auf weiteres seitens der R e i ch s a n st a l t für Arbeitslosen- Versicherung die neu aufkommenden Beiträge und seitens des Reiches die Lohnsteuer- beitrage der neubeschäftigten Arbeitnehmer sür die Tilgung der aujgeuommenen Darlehen zur Verfügung gestellt werden." Arbeitsbeschaffung Die Darlehen an die Gemeinden Der Gesamtvorftond des Deutschen Land- gemeindetags fordert in einer Entschließung weiter« erhebliche Mittel über die 500 Millionen des Arbeitsbeschaffungsprogramms hinaus. Der Verwaltungslostenbei- trag von 1 Proz. für die den Gemeinden ge- gebenen Arbeitsbeschaffungskredit« fei u n a n> Jürgensen gegen Kerrl kemfungsterinin am 17. Februar In der Schadenersatzklage der Geschäft«- führer der sozialdemokratischen preußischen Land- tagssraktion, Abg. IÜrgensen, gegen den Land- tagspräsidenten, die im Zusammenhang mit der Landtagsschlägerei am 25. Mai 1932 an- gestrengt wurde, steht Berufungstermin am 17. Februar an. In der ersten Instanz war IÜrgensen kostenpflichtig abgewiesen worden. .Wie erinnerlich, erfolgt« am 25. Mai im Land- tag«ine Schlägerei zwischen Ratio» nalfozialisten und Kommunisten, in ER STE BEILAGE WMrks MITTWOCH. 25. JANUAR 1933 BüZowplatz und schnelles Gericht Die verschiedenen Zusammensioße zwischen Na- tionaisozialisten und Kommunisten oniählich des SA.-Aufmorsches auf dem Bülowplay fanden bereits heute vor dem Schnellrichter im Polizei- Präsidium ihr gerichtliches Nachspiel. Von den insgesamt 118 festgenommenen Personen sind zur Aburteilung dem Schnellrichter, Amtsgerichtsrat Beulickc. vorgeführt worden. Am Dienstag hatten sich bereits l Z S i ft i e r t e zu verantworten, meist Kommunisten, denen die An- vage Waffenvergehen, Widersland gegen die Stoalsgcwalt, gemeinschaftliche Körperverletzung und Nichtbesolgung polizeilicher Anordnungen bei Demonftrotionsverfuchen zur Last legt. Der schwerste Fall behandelte die Anklage gegen den Schriftsetzer Wilhelm K.. der sich wegen u n- erlaubten Waffentrogens und gemein- fchofllicher Körperverletzung eines Polizeibeamlen zu verantworten hotte Als die Polizei am Sonntagmittag eine Gruppe von kommunistischen Demonstranten in der Alten Schönhauser Strohe auseinandertreiben wollte, sprang der Angeklagte von hinten den 42jährigen Polizeihauplwacht- meisler Balzer an und schlug ihn nieder. Durch andere Polizeibeomte konnte der Angreifer überwältigt und festgenommen werden, wobei er erheblich am Kops verletzt wurde Der Angeklagte, der mit verbundenem Kopf vor Gericht erschien, gab die Tat zu und verteidigt« sich mit seinem Jähzorn und seiner drei- jährigen Arbeitslosigkeit. Das Gericht verurteilte den Angeklagten, der einen Totschläger bei sich gehabt hatte, wegen Körperverletzung und Wafsentragens zu 6 Monaten Gefängnis. Geks.nxQl5 kür Gummiknüppel Weiter wurde der Elektromonteur Kaul ft. nur wegen Tragens eines Gummiknüppels zu der unerhört harten Strafe von drei Mo- naten Gefängnis verurtellt. K. hatte einen narmnalsozialistischen Zug begleitet, wobei er mit den SA.-Leuten in einen Wortwechsel geriet und schließlich von einem Polizeibeamten durchsticht wurde. Den Gummiknüppel, der bei ihm ge- jundcn wurde, will der Angeklagte nach seiner Darstellung zum Schutz von Angriffen von feiten der Nationalsozialisten getrogen haben. Es Kabelt nur so Gefängnisstrafen Gleichfalls wegen Waffenvergehens wurde der ■29jährige erwerbslose Mechaniker Hans B. zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt. Der Ange- klagte war bereits in der Rächt zum Sonntag am Luilenufer festgenommen worden, wo es zwischen Nationalsozialisten und Kommunisten zu einer Schießerei gekommen war. Zille in der Nähe be° sindlichen Personen wurden von der Polizei im Anschluß daran nach Waffen durchsucht. Bei B. wurde eine S t a h l r u t e gefunden, die er eben- falls zu feinem persönlichen Schutz bei sich haben wollte. Wegen des Rufes„Nieder mit den Bluthunden" gegenüber Polizeibeamten wurde der Erwerbs- lose Richard M. zu sechs Monaten Ge> f ä n g n i s verurteilt. Ein Kommunist Hermann F., der in Schöneberg Plakate mit der Aufforde- rung zu kommunistischen Gegendemonstrationen angeklebt hatte, erhielt drei Wochen Gefängnis. Vier andere Angeklagte wurden wegen Nicht- befolgung polizeilicher Anordnungen und Wider- standes gegen die Staatsgewalt zu Strafen von zwei Wochen bis zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt, wobei die Vorstrafen und die Schwere des Falles jeweils gewertet wurden. Lenken muß man können Außerordentlich bezeichneitd für das, was einem harmlosen Passanten geschehen kann, war der Fall eines Zstjährigen Kaufmanns Heibert S. Als die Polizei eine Nebenstraße am Bülowplatz räumte, lief Herbert S. nicht schnell genug fort, so daß ein Pollzeibeamter ihm einen Schlag in den Rücken gab den S mit einem Stoß gegen die Brust des Beamten beantwortete. Der Angeklagte, der nicht sofort festgenommen worden war. begab sieb zum Revier, um sich dort über den betreffenden Beamten zu beschweren und seine Dienstnummer anzufordern. Er erklärte auf dem Polizeirevier, daß er wegen eines Leidens nicht gut laufen könne und deshalb der Aufforde- rung des Beamten zum Weitergehen nicht schnell genug Folge leisten konnte. Aus dem Revier wurde ihm aber nicht die Dienstnummer ausgehändigt, sondern eserfolgtescine Fe st nähme. Der als Zeuge vernommene Beamte bekundete, daß der Widerstand des Angeklagten nicht so erheblich gewesen sei, und daß er, der Wacht- meister, nur seine Feststellung auf der Wache be- trieben und Anzeige erstattet habe, um gegen eine etwaige Beschwerde„rückversichert" zu sein. Trotz- dem wurde S. zu 6 0 Mark G e l d st r a f e verurteilt. Das hat er nun davon, daß er auf Befehl nicht schnell genug lief, daß er sich den Schlag in den Rücken nicht gutmütig gefallen ließ und daß er zum Uebersluh auch noch die Dreistigkeit besaß. sich aus das Revier zu begeben. Bei allen diesen genannten Personen, die ent- weder Kommunisten waren oder des Kommunis- mus verdächtig waren, fackelte das Gericht, wie man sieht, gar nicht lange. Irgendwelche Bedenke» schien es nicht zu geben, der Talbestund war immer ganz klar und eindeutig. Und nun erscheint ein angeklagter Nationalsozialist vor dem Richter, der einzige dieses Tages, ein 36jäh- riger Bäckergeselle namens Fritz G a st e r. Gaster, der in Reinickendorl SA.- Schar- f ü h r e r ist, wurde am Sonntagabend in der Nähe eines kommunistischen Verkehrslokals von einem Polizeideomten beobachtet, als er gerade eine'geladene Armeepistole ent- sicherte. In der Verhandlung, wo er sich wegen Nichtanmeldung und unerlaubter Führung einer Schußwaffe zu verantworten hatte, erklärte der Angeklagt«, daß er die Waffe erst am Nachmittag aus seiner Wohnung geholt habe. Da in Reinicke»- darf häusig Ueberfälle aus Nationalsozialisten vor- gekommen seien, habe er sie cinoesteckt, um drei seiner Kameraden nach Hause zu begleiten Zur eigenen Sicherheit habe er die Waffe kurz vor dem KPD.-Lokal entsichert. Wen» nun aber der Laie glaubt, ein« entsicherte geladen« Armeepistole. in der Hand getragen, sei doch um vieles gemein- gefährlicher als eine in der Tasche getragene Stahl- rute oder ein Gummiknüppel, so irrt er sich. Da nomlich der Angeklagte behaupte:«, daß unmittel bar nach seiner Festnahme durch die Polizei einer der von ihm begleiteten SA-Leute von Kommu- nisten niedergestochen worden sei. daß also das Führen der Waffe aus Gründen der Notwehr un- bedingt erforderlich gewesen wäre, glaubte das Schnellgericht tatsächlich, die Verhandlung vertagen zu müssen, um die Sache zwecks weiterer Auf- klärung dem ordentlichen Gericht zu übergeben. Tettow und feine Verwandten Die keincllieken Vettern Im Prozeß gegen Lettaw wurden gestern die ersten Zeugen gehört. Der frühere Direktor der Etodireinigung und des Fuhrwesens Müller schilderte, unter welchen Umständen die Berliner Müllabsuhr AG. gegründet wurde und mit wel- chen großen Plänen Lettow sich getragen habe. Als im Jahre 19Z2 das angehäufte Müll ge- radezu eine Gefahr für die Gesundheit der Bc- völkerung wurde, forderte der Oberpräsidem, daß sofort Abhilfe geschaffen werde. Eines Tages, Ende 1922, wurde ihm Lettow, entweder vom Oberbürgermeister Böß oder vom deutschnalio nalen Stadlrat Wege, als der richtige Man» vor- gestellt, der imstande wäre, die Sache durchzu- führen. Lettow hat sich be! der Durchführung der der Bewag gestellten Ausgaben bewährt, er ver- stand es auch mit den Arbeitern zu verhandeln. Gefährlich schienen dem Zeugen nur seine hoch trabenden Pläne. Er wollte, daß die Bewag alles unmittelbar produziere, was für die Müllabfuhr notwendig ist, und es schwebte ihm das Beispiel Stinnes' vor. Der Zeuge hat den?lngeklagten vor diesen Plänen gewarnt. Der zweite Zeuge war Leltows Vener, der nationalsozialistische Landtagsabgeordnere Krü- g e r,«in ehemaliger aktiver Offizier, der 192Z von Lettow zur Unterstützung der Direktion der Bewag mit einem Gehalt von 282 M. engagiert wurde. Später wurde er auch Vorstandsmitglied mit einem Monatsgehalt von 1600 M.t außeichem hatte er in den letzten Iahren eine Tantieme in Höhe von 6500 M. Zwischen den Vettern kam es sehr bald zu Differenzen. Seit April 1925 bestand offene Feindschaft, die Familien verkehrten nicht mehr miteinander. Schon im August 1926 mach?« der Zeug« den Stadtrat Wege darauf aufmerksam, daß Lettows Geschäftsgebaren unhaltbar fei. da fein PrivatuMernehmen, die Vipa, in ungebühr sicher Weise die Kredite der Bewag in Anspruch nehme. Eine Aussichtsratssitzung befaßt« sich mit den Vorgängen: es wurde auch ein Ausschuß«in- gesetzt zur ileberprüiung der Geschäftsführung der Vemag. Als aber im Jahre 1927 die Transaktion zustande kam und die Stadt die Aktienmajorität der Bewag übernahm, stellte der Ausschuß seine Arbeiten ein. Der Zeuge war es auch, der die Strafanzeige gegen Lettow erstattet hat, obgleich sein Anwalt nach der Abfindung an Lettow einen Brief gerichtet hane, in dem es hieß, daß der Zeuge gegen Lettow keine Vorwürfe erheben könne und auch keine erheben würde. Der Brief, so jagt der Zeuge, ist ohne sein Wissen geschrieben worden: er habe deswegen mit seinem Anwatt Auseinander- setzung«n gehabt. Um die Aussagen dieses Zeugen richtig bewerten zu können, wird man die weitere Beweisausnahme abwarten müssen. Ereiilenker- Generalversammlung Verbandsvorjtand, Kontrollkommission und der Beirat des Deutschen Freidenker-Ver- bondes E- V. haben in ihrer letzten Sitzung die ordentlich« Verbands-Generalversammlung für d«n 15.. 16. und 17. April nach Hamburg«inbe- rufen. Für die Beratungen unterbreiten die Körperschaften die folgende Tagesordnung: 1. Gefchäftsbertcht: S. Frauenarbeit in der Frei- denker-Bewegiing: S. Freidenkerbewegung im Kampf: 4. Wissenschaft und Freidcnterwm: 6. Bericht über den Stand der Internationale» Freidenker-Union: 6. Satzungsänderungen und Anträge: 7. Wahl der Verbandskörperfchaften. Die Zahl der auf die einzelnen Bezirke entfallen- den Delegierten wird auf Grund der bis zum 31. Dezember 1932 abgerechneten Beiträge«r- niittell und sollen den Bezirken bis spätestens de» 28. Januar mitgeteilt werden. Angesichts der außerordentlich ernsten Bedeutung gerade dieser Tagung, in der über die Zukunft des Deutschen Freidenker-Verbandes und fern Verhältnis zu der sogenannten autoritären Staatsmhrvng restlos ge- klärt werden muß, ist die Generalversammlung ein Markstein in der Entwicklung der Deutschen Frei- denker. Die Autobanditen Wieöer erkannt und entkommen Eine Doppelstreise des 171. Reviers stieß gestern früh in der Hauptstraße an der Friedenau- Schöneberger Grenze wieder auf die der ü ch- tigte Auloräuberkolonne, über die wiederHoll berichtet wurde. Trotzdem die Beamten die flüchtenden Räuber mit einer Taxe verfolgten, gelang es den Banditen, wieder zu entkommen. Es soll die gleiche Kolonne sein, die in den letzten Tagen die Gegend unsicher machte. In der Hauptstraße 79 befindet sich der Roxy- Palast. Die eigenartige Architektur dieses Ge- bäudes begünstigt ungemein die Arbeit der S ch a u f e n st c r e i n b r e ch e r. Di« Schechen liegen etwas zurück und werden von starken Säulen verdcckt. so daß die Einbrecher von den Sellen fast kaum gesehen werden können. Zwei Schupos überraschten drei junge Burschen lln Alter von etwa 20 Jahren, wie sie ein Herren- ortikelgeschäft plünderten. Die Scheche war be- reits eingeschlagen und die Dieb« schleppten Stoffe, Wäsche usw. heraus. Als die Beamten heran- kamen, liefen die Burschen mit ihrer Beute über den Fahrdamm auf ein Auto zu. in dem ein Komplize bereits den Motor angelassen hatte. Sie sprangen hinein und bogen links in die Stier- straße ein. Die Polizisten hielten eine Taxe an. sprangen hinauf und setzten den Dieben nach. Auf der Verfolgung gaben sie etwa sechs Schüsse aus den Wagen ab. Trotzdem sind die Diebe wieder e n t t c m i» e n. Die Beamten konnten die Nummer des Autos nicht erkennen, da das Auto— es war ein graues Kabriolet— unbeleuchtet fuhr. Wahrscheinlich ist es das Horch- Kabriolet iX 36467, das in der vergangenen Nacht vor dem Haufe Hohenzollerndamm 66 gestohlen worden war. Da in der Nacht zu heute nur eine Taxe und eine Limousine sowie dieses Kabxiolet gestohlen wurde, kann es sich bei letztcrem nur um den Wagen handeln, den die Diebe benutzten. Bisher ist er noch nicht ausgefunden. Außer dieser Kolonne treibt eine Fern- jprech- Räuberbande noch immer ihr lln- wesen. Eine dritte Kolonne, die in der Freitag- nacht in der Albrechtstraße ll einbrach, besteht auch aus jüngeren Burschen. Blutiger Mieterstreit Hauswirt sckießt eine Frau nieder 3m Hause Wilhelm straße 137 in Spandau spielte sich am Dienstag ein blutiger Streit zwischen dem Hauseigentümer und einer ZNicterin ab. Durch einen Schuß wurde die Frau niedergestreckt. Gegen 16 Uhr lvar die 29 Jahre alle Frau R u m p mit der Frau des Hausbesitzers Dr. Moll in Streit geraten. Di« Frauen redeten sich derart in Well, daß sie schließlich aufeinander einschlugen. Mitten im Handgemenge erschien Dr. Moll auf dem Kampsplatz: er war mit e i n e r P i st o l e bewaffnet. Durch einen Beinschuß streckte er Frau Rump nieder. Die laut Jammernde wurde in das Spaudauer Krankenhaus gebracht. Der Schütze behauptet, in Notwehr gehandelt zu haben. Die Kriminalpolizei ist mit der Klärung des Falles beschäftigt. Ohne dem Ilnlersuchnngsergeb- nis vorzugreifen, muß doch gesagt werden, daß es seltsam anmutet, daß ein Hauswirt keinen anderen Ausweg zur Beilegung eines Streites findet, als gegen eine Frau mit einer Pistole vorzugehen. Wie wir zu dem Vorfall weiter erfahren, soll Frau Rump ihre Gegnerin im Verlaufe der Aus- einauderfetzung mehrmals mit einem Messer b e d-rö fi t', haben. Erst als die Situation für feine Frau äußerst bedrohlich wurde, soll der hinzukommende Dr. Moll zur Waffe gegriffen haben. Bon der Verletzten und ihrem Manne wird dagegen eine völlig andere Darstellung gegeben und es ist zur Zeit Aufgabe der Polizei, diese Widersprüche zu klären. 25 Jahre Kommunalarbelt Zu Beginn der gestrigen Sitzung der sozial- demokratischen Stadtverordneten- f r a k t i o n sprach der Fraktionsführer Fl a t a u dem Genosien August Gebert herzlichste Glück- wünsche der Fraktion aus. Gebert ist im Januar 1908 als Stadtverordneter in die damalige Char- lottenburger Stadtverordnetenversammlung eingc- treten. Er kann heute auf eine überaus erfolg- reiche und für die Interessen der arbeitenden Bevölkerung wertvolle 25jährige 5lömmunalarbeit zurückblicken.— Als Nachfolger des zum Stadtrat berufenen Genossen Simon Katzenstein wohnte gestern zum erstenmal Genosse M i ck l e r der Fraktionssitzung bei. Er wurde vom Vorsitzenden herzlichst begrüßt. Die Vereinigung sozialdemokratischer Juristen veranstaltet am Sonnabend, dem 28. Januar. um 20 Uhr, im großen Sitzungssaal des ehe- maligen Herrenhauses, Leipziger Straße 3. eine große öffentliche Kundgebung inst dem Thema: Das Recht als politische Waffe. Referenten sind: Friedrich Stampfer, M. d. R., Berlin, Dr. Philipp Locwenseld, Rechtsanwalt in München, und Dr. Hans M e n- zel, Ministerialdirektor a. D. Eintrittskarten zum Unkostenbellrag von 50 Pf.(für Studenten 20 Pf-, für Erwerbslose frei) sind bei dem Reichsausschiiß ft'ir sozialistisch« Blldungs- arbell, Lindenfttaße 3, bei der Sozialistischen Studentenschaft, NW 6. Albrechtstraß« 11, bei der Arbeiterbank, Abteilung Sparkasse, Wallstraße 65, und Depositenkasse, Lindenstroße 3. ?»lein T Also rauchen Sie auch naturrein� Heinrich jaCOBI zigarren frei von Zusätzen! im OR I 6 I NMUQR Ö SSE N» 10 Efhiltlich in es. 4000 Berliner Ziosrren-Qeschiftsn cfoi Enxtrihodukt von iÖeUofoeft cftfcwuuig! N0 20... 20� N015... 154 N? 10 10 Kälte schafft Giedlersorgen 3l)?vc>�1en je Tag— und doch kalte Stube 66Ü sich die Berliner Stadtrandfledler gegen- seitig besuchen, haben sie eine Art Rangordnung für die einzelnen Kolonien ausgestellt und es scheint, daß Blankenfelde dabe' an ouzflchts- loser, letzter Stell« steht. Den Blanken feldern geht es nämlich an und für sich schon nicht gut, von 184 Familien sind etwa 175 ohne Arbeit und die Unterstützung reicht nicht hin noch her. Einer der Männer hat neulich dem Arbeitsamt eine Post- karte geschrieben, er könne erst wieder stempeln kommen, nachdem es die nächste Unterstützung ge- geben hat. er besitz« nicht«inen Pfennig und von Blankenfelde bis zum Kottbusier Tor und zurück könne er nicht lausen; da wäre er zwei Tage unterwegs. Es ist zudem m't der Siedlerstelle, so wie sie übergeben wird noch nicht getan, hier mutz etwas geschaffen und dort etwas gemacht werden und ein Zimmermann beitzrelswdse hatte in seinem Ausgabenbuch b-s heu'e 318 Mark für solche Anschaffungen stehen, beginnend mit dem chühnerzwinger und endend mn dem elektrischen Licht, das den Siedlern in Blankenfelde je Stelle mit 16,50 Mark berechnet wurde Run kommt der W i n t e r hinzu. In den Stadt- randhäuser» steht ein Kachelofen(5 Kacheln hoch und 2 Kacheln breit! in einer Stube, der die andere noch micheizen soll. Letzt können die Leute 30 Kohlen feuern und es wird nicht warm Man kann von einem chau- zum andern gehen und fragen, wieviel die Leute verfeuern, immer ist die Antwort die gleiche: einen halben oder ein Drittel Zentner je Tag.„Und— fügen die Frauen hinzu — wir könnten ja v'el besser leben, wenn wir nicht die ganze Unterstützung in den O f e n stecken mutzten." Nielleicht gingen die Venn zur Not noch an. wenn nicht diese Dächer wären. In vielen chäusern An fug mit Sprengstoffen ..Lclwar�sr Fronfmann verurteilt Die Revolution-spielerei tn der Kampfgemein- schaft der revolutionären Nationalsozialisten, der „Schwarzen Front", ist dem zwanzigjährigen Werkzeugmacher B. zum Verhängnis geworden. Cr hatte sich vor dem Landgericht I wegen Verbrechens gegen das Sprengstoffgesetz zu verantworten. B.. als Reichsdeutscher in der Schweiz ge» boren, hatte Werkzeugmacher gelernt und war von. seinem 17. Lebensjahr in der schweizerischen kommunistischen Jugendbewegung aktiv tätig. Cr wrr«in ebenso intelligenter wie phantastisch oer- anlagter Bursche und hat u. a. einen Roman ge- Ichrieben, der tn den Tropen spielt, und von autzerordentlicher Begabung des Verfassers Zeugnis ablegt. Arbeitslos geworden, ging er mit seinen Ersparnisien 1931 nach Berlin, fand aber hier keine Arbeit. Wzs er während dieser Zeit hier getrieten hat, blieb ungeklärt. Er kehrte im Januar 1932 in die Schweiz zurück, arbeitete dort bei einem Bauern, ging dann wieder nach Berlin, machte einige Wanderfahrten durch Deutsch- land und holte sich in der Schweiz von einen, Steinbruch einige Rollen Sprengstoff. B war unterdes zu der Straherfchen„Schwarzen Front" hinübergewechselt. Er mietet« sich im cheim der»Schwarzen Front" in der Wilhelm- stratze ein. bewahrte hier auch anfangs osn Sprengstoff, oergrub ihn aber dann zusammen mit Kapsel und Zündschnur an drei Stellen in der Rühe der Cisenbahnstreck«: in Sperenberg, in (Brotzbeeren und tn Berlin. An den beiden letz- ten Orten nahm er auch an Eisenstücken Spreng versuckze vor. Bei dem„Experiment" in Grotz- beeren war sein Parteigenosse L. zugegen. Diesem und einem anderen waren aber Bedenken gekom- men. Sie begaben sich Ins Polizeipräsidium und fragten um Rat, was sie tun sollten Sie teilten dem Kommissar auch mit, daß sie bei B. chiffrierte Schriftstück« gesehen hätten. Die Polizei nahm in dem cheim in der Wilhelmstratze«in« Unter- fuchung vor. die Schriftstücke wurden dechiffriert und der Sprengstoff in Sperenberg entdeckt. Das Gericht verurteilte B. auf 8 8 des Spreng- stoffgeseges— Aufbewahrung von Sprengstoffen zu unerlaubten Zwecken— und wegen unbefug- tre Führung von Waffen zu 1 JoHr3Mona- ten Gefängnis. Der Staatsanwalt hatte 1 Jahr 7 Monate Zuchthaus beantragt. Lededrter Tisch für 1500 Kinder Im grohen Feftsaal bei Kroll waren für 1500 junge Mittagsgäste die Tische ge- decht. Der International« Barietecheater- und Zirkusdtrekwrenoerband hart« die groß« klein« Ge- fellschaft zu Gaste geladen, aus allen Berliner Bs- zirten die Bedürftigsten. Da gab es erst mal«tn gutes Mittagessen und hinterher eine richtig« grotz« BarietÄwrjtellung. Der Konferenzier begrüßte, ganz wie bei den Großen, sein Publikum, stellle ihm di« austretenden Künstler vor und bat um geneigte Ausnahme. Was immer der Herr in Schwarz da oben sagte, wurde unten bedingungs- los mit Betfall aufgenommen; so leicht und an- genehm wird chm sein Amt sicherlich nicht überall gemacht. Dann erschien Onkel Plaut und erzählle Theodor Fontanes lustig« Schnurre vom Herrn von und zu Ribbek und noch andere ergötzliche rieselt der Schne« in di« Dachkammern. Außerdem sitzen unter den Dachplatten dick? E- s s ch i ch t« n. Nun führt die Treppe von den unteren Räumen unmittelbar zu diesem Dach, weder ein Verschlag noch eine Tür ist dazwischen und so tarnt umgekehrt die Kälte nach unten ichlagen und das kleine Oefchen dort vermag gegen sie bittere Kälte nicht anzukommen. Dann sind Risse im Putz zwitchen Wand und Decke. Das kennen aber auch die Bewohner von Stadtwohnungen und wenn Holz und Mauerwerk zur Ruhe gekommen sind verschmiert man die Risse wieder mit Gips oder Schlemmkreid«. In Blankenfelde ist Gasbeton als Baustoff verwandt worden und so sagen die Sisdler. dieser Gasbeton ist so porös, daß er w'« ein Schwamm wirkt und überall sieht man mittendurch geplatzte Steine. Wo übrigens autzen ein Ritz ist. sieht man innen einen dicken Froststreifen. Die Siedler meinen, sie hätten beim Bau gewarnt, aber mit- unter hätte eben das Fundament--ur einen halben Tag gestanden und dann wäre schon gemauert worden. So kommt eins zum anderen: für den Keller ist nur eine Schicht Sandkalkstein hochkant verwandt worden, tn dem Hühnerstall stehen die Hühner frierend wie Nachteulen. Ihre Kleider haben die Leute aus di« Pfandleids getragen, um leben zu können, niemand kann ein Stück Holz vor der Tür liegen lassen, dann liegen zwei da. Es ist nur eins zu fagen: d's Stadtrandsiedlung macht immer noch ihre Kinderkrankheiten durch. den Leuten geht es teilweise so schlecht, daß sie insneheim mit ihren Hühnern liebäugeln und sie abschlachten möchten, um etwas im Topf zu haben. Im Sommer wird es anders aussehen, man wird über manches milder denken. Aber Sachen. Nun kam der Glanzpunkt kindlichen Vergnügens: der Musikalclown. Was der macht. ist alles wunderschön, er brauchte sich überhaupt bloß hinzustellen und tüchtig auslachen zu lassen. Das Lachen verstummt« lange nicht, immer wieder kam einer, der seine artistische Kunst in den Dienst des Humors gestellt hatte. Di« Bühnenszenerie war obendrein zu beiden Seiten flankiert von Pyramiden süßer Psundgewlchl». Jede» Kind er- hielt auf den Nachhauseweg noch eine einpsündlg« Tafel Schokolade. Alle, die sich in den Dienst der guten Sache gestellt halten, wurden reich belobrn durch leuchtend« Kinderaugen. poZizzi-VZrbaKhstag fleute Wahl des Vorsitzenden Aus dem Verbandstag des Verbandes der preußischen Polizeibeam'en war der gestrige Tag mit Debatten über den(Bcschästsbericht und kom- m'ssionssthungen ausg'süllt. heute soll die w'ch- tigste Aufgabe dieser Tagung erfüll» werden, dem verband einen neuen Vorsitzenden zu geben. Die Wahl dürfke aber erst tn den Aach- witlagsstuoden ersolgcu. Das Ergebais wird für die weitere En'wickluag der grohen Polizei- beamteaorgan latlou von ausschlaggebende« Bedeutung sein. Schon wielderholt sind die Zwischenmeister— sie nennen sich tn ihren Kreisen Lohng«werbe- treibend«— an die Oeifentlichkeit getreten. um endlich eine gesetzliche Fundierung ihres G« werbes zu erreichen. Es sind wohl in letzter Zeit Gerichtserkenntniss« ergangen, die den Forderungen der Zwischenmeister entgegengekommen sind und sie als Arbeitnehmer anerkennen, aber, jagen die Zwischei, meister, sie möchten davon auch etwas an ihrem Geldbeutel merken. Denn wenn sie regelrechte Arbeiter wären, dann genügte es. wenn sie Lohn-, Krisen- und Bürgersteusr zahlten. Trotz aller Ger!chl:«ntscheldungen und Verhandlungen seien sie aber immer noch ganz seltsame Arbeitgeber geblieben, solche nämlich, di« fünf- zehn Steuern bezahlen müssen, beginnend mst der Ilmsatzsteuer und endend leim Handwerkskammer- beitrag und dem Berufsgenossenschaflsantell. Besonders erbost sind die Zwischenmeister, die I« nach ihrer Spezialität in B r a n ch e n o« r- bänden zusammengeschlossen sind und kiel« wieder im Retchsverbtnd der Lohngewerbetretben» den, über die Umsatzsteuer. Wenn sie«tuen Avt- trag über 1000 M. hereinbekämen, müßten sie auf dt» 1000 M. 2 Prozent Umsatzsteuer bezahlen. auch wenn st« bei dem Auftrag 900 M. an Unkosten haben. Denn, sagen die Lohng«- werbctreibenhzn, sie seien eben nur Zwischen- meifter. die keinen Verkauf gewinn zu erzielen vermögen. So hat sich bei Berechnungen erg« en, ilah oftmals di« Zwischenmeister lZ Proz. ihre- Einkommens als Steuern und Abgaben wieder abführen müssen. Mit dlejem Steuerdruck hat jetzt im Winter muß vor allem für Feuerungsgeld gesorgt werden. Vielleicht kümmerl sich das Wohlfahrtsamt einmal um di« Leute. Es fehlt an Feuerungsgeld Aus der Buckower Stadtrandsiedlung w>rd uns geschrieben: Die sparsam« Bauweise rächt sich nun, denn die Kälte schlägt unbarmherzig durch die dünnen Wände. Obwohl der einzige Ofen, der zwei Stuben beheizen sollt«, durchaus funktiv- niert, sst es doch nicht möglich, die Kälte abzu- halten, wenn der eisige Wind auf der Autzcnipand steht. In vielen Wohnunnen sind die Schlaf- kammerwände mit erner Elsschicht bedeckt. Dem Uedcl wäre durchaus abzuhelfen, wenn man genügend heizen könnt«. Aber wer von den Erwerbslofenfiedlern ist imstande, von der karg bemessenen Unterstützung monatlich noch 20 M. abzusparen, um die nassen Häuser auszutrocknen. Gesuche bei der Wohlfahrt und beim Magistrat um Heizungsbelieferung werden jedoch abgelehnt. Nach dem Merkblatt, das die Siedler seinerzeit bei ihrer Bewerbung um eine Siedler- stelle erhielten, sollte das erste Wohnsahr voll- ständig mietefre, sein. Dieses Versprechen ist dann nicht eingehalten worden, und der Siedler bezahlt. wenn auch nur eine geringe Summe, sofort nach seinem Einzug. Wie wäre es. wenn dieser Betrag an Miete durch die genossenschaftlich« Verwaltung der Stadtrandsiedlungen zum Ankauf von Feuerungsmaterialien verwendet wer- den würde? Die Stadt würde dann keinen Ver- lust erleiden, da die Wohnungsgelder von den Siedlern doch im Lause der Jahre oufrsbracht werden müssen. Den Leuten in der Siedlung aber wäre dadurch sehr geHolsen! Kampf um KvhZeukarte Klage eines Alleinstehenden Der„Vorwärts" hat die Hilfsmatznahmen der Regierung, die unter der anmaßenden Bezeich- nung„Winterhilse" geh�n, mehr als einmal als unzureichend und mangelhast angeprangert. Die einschränkenden Bestimmungen über die Fleisch- und Aohlenverbllllgung haben zu weiterer Er- bitterung der Erwerbslosen und alten Leute ge> führt. So schreibt uns ein Bierundsechztgjähriger: Hat eln alter Mann oder Frau, alleinstehend. picht ebenso Wärmebedürsnis wie junge Leute, und find seine Ausgaben in seinem Haushalt nicht dieselben oder noch höhere wie bei jungen Ehe- paaren? Ein Zuschlagsvslichtiger erhält für seine unter- Haltspflichtige Ehefrau ein Draufgeld. Es ist un- recht, nun zu fordern, daß«in im eigenen Haus- halt Alleinstehender zuschlagspslichtig sein muß, um eine Kohlenkarte zu erkalten. Die Not bei Alleinstehenden ist nicht minder groß wie bei Ehepaaren, manchmal noch größer, da er, kränk- lich und unbeholfen, andere Menschen braucht und bezahlen muß. Ohne Beweise und Recherchen wird angenommen, daß ein Alleinstehender in allen Fällen kaufkräftiger ist und sein muß als jeder Zuschlagspflichtigs. Zum Beispiel habe ich keine andere Einnahme als di« Kru., wöchentlich 11,70 Mark, monatlich etwa 18 Mark. An Ausgaben sich In diesen Tagen ein« Borstondssitzung de» Reichsverbandee der Lohngewerb.tretbenden de- fchäftigt, Hier waren sowohl die Damen- wie die Herrenkonfektion vertrelen, di« Blusen- und Schürzennäher, die Bandweber aus Schlesien, die Spielwarenleute aus Thüringen, die Spiymweber aus Sachsen und man einigte sich vor allem da- hin, untereinander die Konkurrenz möglichst hintanzustell«n. um eine besser« Stoßkraft zu haben. Insbesondere will der Reichsoerbaud Anschluß an parlamentarisch« Arbeitnehmergrup- pen suchen, um die soziale Position seiner Msi- glieder im Staate besser klären zu können. Denn auch das Eejchäst der Zwischenmeister. die srüher ihr sehr gutes Zluekommen hatten, ist der Krise zum Opf«r gefallen. Di« mit den Unternehmern oerein. arten Tarispossttonen werden von diesen längst nicht mehr eingehalten, trotzdem selien die Zwisch«nmsister stärüig, wie bei Konkursen chrer Unternehmer immer noch bis zum Letzten ein Privatverbrauch von 60 000 M. im Jahre verzeichnet war. Auf der anderen Seit« gibt man zu, daß die Heimarbeiterinnen bei ihrer Schufter«! In der Saison kaum das Garn und das Ltchr verdienen. Auch tn Fragen der Zollpolittl bahnt sich bei den Zwischenmeistern ein« gesunde Linie an. Bereit- aus der legten Reich-tagung haben die Zwischenmeister eindeutig gtg>en die zollpolitische Bevorzugung der Lardwirtschast Siel- lung genommen, die ihnen schon genug Export- markte abgeschnitten Hab«. So ist der Konfektion schon fast ganz Skandinavien und ganz Kanada verloren. entstehen mir: an Miete 26 M-. Gas 3 M-. dreö Zantner Kohle» 5 M Das sind 36 M- monatlich Bon den verbleibenden 12 M. soll ich alles ander« bestreiten und schließlich noch mein Leben fristen. Wenn ich dennoch keine oerdilliote Kohlcnkarte beziehen darf, wird man die 12 M. sicherlich noch hoch genug sür einen alten Mann im Monyt an- sehen._ In wenig In dem Strafverfahren wegen der Tötung des Hitler-Jungen Wagnitz hat der Untersuchungsrichter beim Landgericht III im Ein- Verständnis mit de' Staatsanwaltschaft den Haftbefehl gegen den Arbeiter Karl S a r o w wieder aufgehoben, da kein dringender Tatverdacht gegen ihn mehr vorliegt. * Der Schnelltriebwagen der Reichsbahn, der zur Zeit auf der sogenannten.Kanonenbahn" nach Belzig Bremsoersuchsfahrten ausführt, wird Lltzung des erweiterten Be- rirksvorstandes am fceÜQQ, Z7. lauuac, 19 UUc, Im Sitzunqssaal des Bazirksverbandes. UndenstraOe 3, II. Hof, 2 Treppen etwa Mitte Februar eine neue Probefahrt unter« nehmen, die über die Berge des Thüringer Waldes bis nach Bayern hineinführen wird. Man will den Schnelllriebwagen nämlich auf starken Steigungen und auf abfallendem Gelände ein- setzen. * Die Verhandlungen zwischen dem„See- dienst Ostpreußen" und Lübecker Kreisen sind zum Abschluß gekommen. Es steht nunmehr endgültig fest, daß Im Sommer 1933 die Motorschnellschiffe des„Seedienst Ostpreußen" im ganzen elfmal Travemünde und Lübeck anlausen werden. * In dem früheren Hotel„Byron" tn Pille Neuoe am Genfer See, das jetzt ein Institut zur Erziehung junger Engländer beherbergte. wurde durch ein Großfeuer das dreistöckige Hauvt- gebäude bis aus das untere Stockwerk vollständig eingeäschert. Bon den 60 bis 100 Zöglingen be- fanden sich zur Zeit des Brandausbruches 27 im Hauptgebäude, während dte anderen sich im Nebengebäude aufhielten, das gerettet weichen konnte Sämtlich« Zöglinge konnten sich jehoch rechtzeitig retten * Der seit einigen Tagen in Transdanubien (Ungarn! andauernde hesiiae Schneesturm forderte zwei Todesopser. Ein Kutscher, der unter- wegs einen Dorijunegn auf seinem Wagen mit- genommen hatte konnte sein Dorf im Sturm nicht erreichen. Der Wagen wurde vollständig eingeschneit an einem Ackerfelde gefunden. Der Kutscher und der Junge waren erfroren. Frecher Kautlonöschwlobler 38 Filialleiterinnen betrogen Als einen gewerbsmäßigen Kauttonsfchwindler bezeichnet« die Strafkammer des L a n d g e- richts III den 32iährlgen Kaufmann Karl Zahn, der sich wegen seiner merkwürdigen Ge- schäftsmethoden zu verantworten hatte. Der Angeklagt«, der gelernter Chemiker ist, hatte ein chemisches Präparat aus Gummi- und Leder staub erfunden, das sich nach seiner Ansicht zu dauerhaften und billigen Schuh- sohlen verarbeiten ließ. Obgleich er zwei Jahre zuvor den Osienbarung-eid geleistet hat:«, er- öffnete Zahn eine Reihe von Geschäften zur Ver- Wertung dieses neuen Schuhfohsen-Materials. Durch Zeitungsinserate suchte er Frlialleitertnnen, denen er gegen eine Kaution von meist 300 Mark auskömmliche und selbständige St«!- lungen versprach Die Kautionen aber ver- brauchte er für fernen Geschäftsbetrieb und für fein Privatleben, anstatt sie, wie es nach den Einstellungsverträgen eriorderlich war. sicher zu deponteren. Als das Geschäft, in dem kein ande- res Betriebskapital steckte als die Kautionen, im vergangenen Sommer zusammenbrach, waren 38 F i l i a l l e i t e r i n n e n um ihre letz- ten Spargelder be'rogen. Die Strafkammer verurteilte Zahn wegen fort- gesetzten, teils vollendeten teils versu+üen Betruges»u einem Jahr(cchs Monaten Gefängnis und ließ ihn sofort im Gerichtssaal verhaften und in das Untersuchungsgefängnis überführen. Die Zille-Ausstellung am weddlag(Müller- ftrahe 116/' 171 ist nur noch bis einschließlich Sonntag(2g. Januar) geöfsnct. Oeffnungszesien täglich(auch Sonntag) von 13 b'- 19 Uhr. Un- kostenbeitrag 5 Pi Zugunsten der wohlfahrtszlorichtuogeu der Bühnenmitglieder der Plaza findet am Sonn- abend, dem 28. Januar, um'23,30 Uhr ein« Nachtvorstellung d«r„Plaza" stall. Dabei wirken mit Gitta Alpar. Rosy Bariony, Baby Gray, Äom- vonist Paul Abraham. Wilhelm Bendow, Max Ehrlich. Paul Morgan, sowie der gesamte Solo- Chor und das Orchesterpersonal der Plaza. Bedrängte Zwischenmeister Fühlungnahme mit gewerkschaftlichen Gruppen ZWEITE BETLAGE VomDz MmrWOCH, 25, JANUAR 1933 Als er sich, unsicher geworden, wieder zum Gehen wandte, hätte er fast Lüdersen um- gerannt, und beide blieben stehen und sahen sich ungefähr gleich oerblufft an. Derger faßte sich zuerst— mit großer Willensanspannung. „Guten Tag", sagte er.„Ich wollte mal bei dir vorbeikommen.— Du wohnst doch ießt hier?" Lüdersen war noch immer ziemlich ver- legen. „Nein", antwortete er,.vorläufig wohnt mein pensionierter Vorgänger noch hier." „Aber ich habe zweimal geklingelt." „Sie sind schon aufs Land gereift." Derger hätte beinahe gelächelt, aber er nahm sich zusammen.„Ich wollte dich gern mal begrüßen", sagte er..cha ich nun mal auf Ferienreise bin." Lüdersen machte ein sehr bedenkliches Ge» ficht.„Gerade heute abend habe ich Aasien- abrechnung", sagt« er.„Bleibst du nicht bis moraen?" „Nein, aber das macht ta nichts. Ich will dich nicht stören. Ich komme nur einen. Augenblick mit hinein und gehe bald wieder." Lüdersen nickt« aemensien, wie zu etwas Unvermeidlichem, schloß auf und ging vor ihm hinein. Al« sie drinnen waren.' sagte er:„Wir bleiben übrigens nicht allein. Um acht kommt der Assistent und hilft mir, den Markenbestand zählen." Einen Augenblick zögerte Berger nach, dann warf er leicht hin:„Wenn du willst. kann ich dir gern dabei helfen. Dann kann er wieder gehen. Ich habe nichts zu ver- säumen" Dagegen hatte Lüdersen nichts einzuwen- den. und als der Assistent gleich darauf kam. wurde er zu seiner Freude wieder nach chause a? schick: �ndesien hatten sie alles aus dem Kasiengewölbe herbeigetraaen. Derger bekam einen Tisch für die Marken, und Lüdersen setzte sich mit dem©efd und den Unterlagen an seinen eigenen Schreibtisch. Er saß mit dem Rücken gegen die eine Längswand, dem Zimmer.zuaewandt. vor sich den Tisch. Sie sprachen nur wenig, während Beroer zählte. Schon um neun Uhr war er fertig und fragte ein wenig erstaunt:„Warum läßt du dir eigentlich da'u eigens den Assistenten kommen? Es ist sa doch nur die Arbeit eines Augenblicks." Lüdersen sah etwas betroffen m:f und legte die Pfeife weg. „Danach brauchst doch wohl du nicht zu fragen", saate er.„ktch bin nicht aerne allem hier mit all dem Geld. Ich Hab« an der «inm Geschichte genug." Derger richtet« sich ein wenig auf...Das sagst du?" „Na ja— selbstverständsich." „Und dabei hast du doch nichts als Vor» teil danon gehabt.— Was fall denn da ich sagen?" ..Du hast ja keine Kosienverantmortung mebr." Berger lachte ein kurzes und hartes Lachen. „Nein", sagte er,„da Host du r-cht.— Eben deswegen habe ich keine Kassenoer- ammnrtung mehr." Plötzlich begann er unruhig vor dem Schreibtisch aus und ab zu geben, wobei Lüdersen ihm mißbilligend zusah. Dann blieb er vor ihm stehen und betrachtete ihn lange. „Ich will dir mal was sagen", sagte er. „offen und ehrlich: Eben deshalb bin ich ge« kommen. Wie ich dir schon sagte, bin ich aus Urlaub. Aber den benutze ich also als Gelegenheit— nicht um dich zu begrüßen, fondern um mich endlich einmal mit dir aus- zusvrechen." Lüdersen war bleich geworden, und um leinen Mund lag ein gereizter unt> ver« argcrter Zug. „Auszusprechen?" sagt« er.„Ich verst«be nicht, was das soll!" .Las weiß ich. Für dich ist da« wohl alle« ganz natürlich. Du sitzt in der Wolle und bist fein heraus. Für Mick aber ist es nicht natürlich Ich mißgönne dir eigentlich nichts, aber warum gönnt mir keiner was? ihabe ich ein Verbrechen bedangen? chab« ich etwas Unwürdiges getan?" Lüdersen antwortete mit keinem Wort. „Ich sehe dir's an, daß du das meinst. Ich wußte es übrigens und deshalb steh« ich jeizt hier vor dir. Du stehst nicht allein mit deiner Ansicht, aber an die ganz« Welt kann ich mich ja nicht wenden. In all diesen Jahren bist du für mich der Vertreter all. dieser andern gewesen. Einmal, well du es am deutlichsten.zur Schau getragen hast, dann aber auch, weil du mit dabei warst und den größten Vorteil geerntet hast. Darum warst du mir niemals gleichgültig- Ich habe meine eigne Erniedrigung an dir gemessen. In deinem Aufstieg.— Wäre das damals nicht geschehen, dann säße ich jetzt in dem Stuhl da. Meine Pfeife läge dort auf dem Tisch, mein Hut hinge dort in der Ecke.— Nein, nein, du brauchst nicht auszusehen wie ein Protest. Du weißt, es ist so." „Jawohl— und was weiter?" „Was hatte das damals Geschehene denn eigentlich mit uns beiden zu tun? Ich meine mit uns als Kollegen?" Lüdersens Gesicht nahm allmählich einen ziemlich überlegenen Ausdruck an. „Habe ich das je behauptet? Du selbst gehst ja umher und regst dich auf und be» yauptest alles mögliche." Berger seufzte hilflos. „Mein Gott", saate er resigniert.„Darum stehe ich ja hier. Well es so ist und von je so war. Du wirft doch einsehen, daß nicht ich es bin, der jetzt wieder davon ansängt, als war es zum erstenmal. Du wsitzt nur zu gut. was es für unser Derbällnss bedeutet hat von dem Taae an. als wir im Direkttons'immer unsere Erklärung abgeben mutzten. Da erntetest du dag Lob. ich den Tadel. Und so kam es daß d u der Held warst und ich der Feiastna. Und das hatte seine Folgen— wirtschaftli-�e und vor allem ebrenrühriae Folaen. Du üb-'-ainast mich. Und ich wurde überaanoen. Und all das. weil i ch von uns beiden der Vernünf« tigere war" Mit einem söben Ruck schob Lüdersen die Pap'ere von sich. Er war sehr rot ge- worden. „Das hast du mir schon mal aufa-ttscht", saate er scharf,„damit brauchst du mir nicht mebx zu kommen." Aber Beroer war setzt nicht mehr in der Verfassung, daß ibn das anfechten konnte. „Denk an Quistdus". sagte er.„Handelte et nicht genau wie du?— War das ver- nünftig?— Glaubst du. er würde das selbst finden, wenn er sich setzt noch darüber äußern könnte? Nein, er wurde ganz einfach überrumpelt, genau wie du. Auch er ging vielleicht aus laute? Schreck und Be- stür-unq zum Angriff über." „Auch er?" „Ja. ick sage: auch er. Glaubst du wirk- lich. ick ließe mir allen Ernstes weismachen, dich hätte dein Heldenmut dazu getrieben?" „Glaub du meinetwegen, was du willst. Es gelingt dir doch nicht, mich herabzusetzen aus bloßem Neid." „Meinst du wirklich, ich beneide Quisthus?" .Llch, wer redet von Quisthus!" .Lch. Ihr beide seid nämlich in genau der gleichen Lage. Bist du ein Held, ist er auch einer. Ich glaube, er würde gern mit mir lauschen, um leben ,zu dürfen wie ich als Feigling. Was hat er davon gehabt? Kannst du mir das jagen? Dann will ich dich um Verzeihung bitten und gehen." Lüdersen sah ihn kalt an— mit träger Würde. „Ich denke, wir lasten Quisthus in Frie« den richen, wo er ruht", sagte er. „Du kannst mir nicht antworten, du weichst mir aus?" „Ich kann dir nur das ein« antworten, daß er in Ehren starb." Berger nickte.„Ja", sagte er.„ja— aber eine /eure Ehre, Lüdersen. Ihr habt ihm einen fabelhaften Nachruf gespendet, ihr babt gerührt„Hoch" geschrien. Aber dann? Wer von euch hat dann noch an ihn gedacht? Wer von euch hat dran gedacht, daß er Frau und Kind hatte, die von ihm abhingen und die nun sozusagen auf der Straße liegen?" Eine kurze Stille entstand. Beroer warte« gespannt, aber Lüdersen ließ sich Zeit, während er des andern Blick mit hoch- mutiger Geringschätzung erwiderte. Endlich sagte er:„Niemand ist wohl tapfer bloß um Geld." fFortsetzung folgt.) Alfons&eimoM Tu feinem zehnten Todestag/ Don Struno Schönlank Am 25. Icrrnar, abends acht Uhr schloß der Arbeiterblchler Alfons Petzolb für immer sein« Augen. Er starb ln Kitzbiihel, einer Neinen Tiroler B-' strksstadt. die ihn. für reich sdenlsche V«> gitsf« selNiN und seltsam zugleich, zum Gemeinde« rat wählt«... Wson» Petzold hat als Arbeiterdichter die wäschst» Musik in seinen Versen, er lebte wie sein norddeutscher Gegenpol. Hennann Claudius, sein Schicksal aus einer mystischen Verbundenheit her- aus mit Volt. Gott. Vlumen und Sternen. Sogar seine Elendsdichrungen noch tragen«inen Hauch dieser Sphäre. Sogar da, wo er den Ar« beit:rhychmu« einsängt, sucht er die relletös« Der- bundenhelt. Er sieht und«mpsindet die Arbeiter« brllder in seinem Gedicht„Die Arbeiterin" in «ine kocmisch« und schmerzlich« Welt.zugleich gerückt. Sturm und Gewalt ist in unser«» Händen. ?teh'n wir im räde-durckdonnerten Raum: Doch in dem keuchenden Beugen der Lenden Sind wir gar ostmals nur Andacht und Traum. tzn dunkler Berqc»«rlor'ner Kaverne Sind wir die Brüter d«r strahlenden Tag«: Türmen wir Steine Im Antlisi der Sterne. Lebt Gott«» Sehnsucht in unl'rer Plaga. Unser Wille erschüttert dl« Erde. Und ter heiligsten Unruhe voll. Sch-'nten wir ihr durch die stet» Besckwerd« Ewigksit, die uns'rem Schassen entquoll. Wt» Hort und hämmernd klingen dagegen die Arbettergedicht« von Heinrich Lersch und Ehristoph Wieprecht. die in ihm religiösen Bcrbuickenheit verwand:« Züge ausweisen. Wie ander« fängt Max Bcrthel In seiner Ar�eiterseel« den Arbeiter «In. Besahender. dieeseitiger! Und doch strömi au» den Petzoldschen Verien bei all ihrer Schwermut, die sich oft ins Ekstatische steigert, das tiesst« Gesühl sür seine Arbeite- brüder. Nicht» wäre törichter al« Arbeiterdichtung nur nach Maschinenrhythmu» und ihrer kämpferischen urd anklägerllchen Tendenz beurteilen zu wollen. Dann allerdings würde nicht allzuviel von dem dichterischen Werke Petzofös übrigbleiben für die« senlgen, die e» unter blutdampfensten Barrikaden und etngesangenem Maschinenrhythmu« mit prima revolutionärer Tendenz nicht gelten lassen wollen. Da« hieße Gedicht« wie Ehamlsio«„Alte Walch- srau" streichen,»in Gedicht, das wie kaum eine« die Arbett und das Leben eines Menschen em- gefangen hat. Da« hieße die Gefühlswärme nur in der revolutionären Ekstas« gelten lasten und aus der großen Qrgel des Proletariat» immer und immer wieder nur sich mit ein paar Tasten sein« Melodie spi»I«n wollen. Freuen wir un». daß unsere verschiedenen Arbeiterdichter zusammen die Welt der Arbeiter und ihrer Ardelt gestälten. daß aus verschiedenen Quellen gespeist, die Arbeiter- dichlung zum Strom wird. Alfons Petzold hat sein Leben dl» zu seinem Vi Lebenssahr tn seinem Vekenntnisroman„Das rauhe Leben" beschrieben. Ein Schicksal zieht vorüber von Hunderttausenden, die In den Wohn» Höllen de« alten Wien aufwuchsen, die hinein- geswhen wurden, schwach und kränklich, in da» Erwerbsleben. Der Holdenkompf mit seinem schwachen schwindsüchtigen Körper, die Liebe zu seiner hin» xebungsvollen Mutter, die gonzs soziale Berlogen- httt des alten Wien, die doppelt und dreiiach dem Leser in» Gesicht schlägt und empörerlsch im Herzen brennt, weil sie fast ohne Pathos geschit- Lert wird. Estrade well der-Leser selber Stellung nehmen muß, weil Ihm nicht Empörung vorgekaut wird, schlägt sein Mitleid in» Revolutionäre um. Di« Familie Alfons Petzold stammt aus einsm alten mitteldeutschen Bauern- und Handwerker- geschlecht. Sein Vater, ewiger Projektemacher. den die Verg- und Tolbahn seine« Leben» auf und niedersausen lieh, starb tn einem klösterlichen Spital, inmitten von Irren und grauenhost zer- fressenen Syphllitikern und Krebskranken. Dieses ,�)s!m" mußte er dazu noch mit dem Katholisch- werden bezahlen, um der Familie nicht al» Un- hettdarer zur Last, zu fallen. Alson» Benold selber versucht, al» Laufbursche, al» Fabrikler. als Ziegellrägsr fein Broi zu»er- dienen. Doch er. der Schwächling, der sich freut. Geld zu verdienen, wird verspottet.„Sie schienen sich all« vereinig zu haben, um über meine körper- lich» Schwäch« zu spotten, und keinem tonnte ich die Arbeit recht machen. Wieder einmal wurde ich beiseite geschoben, verachtet und gehetzt; grau« iam vernochlSsstgt von meinen Arbeltstollegen. Warum wurde mir auch hier die schlechteste Arbett zutzeschoben und warum wurd« ich immer und überall getreten wie«in lästiger, unnützer Hund?" Diesem Rätsel hat Alfons Pegold nachgegrübelt, dl» er zu dem Schlüssel kam, daß beim indisserenten Proletariat der gut« Wille nichts, die körperliche Kraft und Geschicklichkeit alle« galt«. In dieser Frage siegt für Pegold» Schassen ebenso der Schlüsiel. Pegold war kein Kesiel- schmied wie Lersch und Wieprecht, keine gesunde Bagabundennatur wie Max Barchel oder Oetar Wöhrle, die alle vier Ihren Anteil Krast in sich trugen, sondern kränklich von Kind aus. Ee reichte nicht zum rebellischen Vagabunden oder zum krast- vollen Arbeiter. Es reicht« zum yrüblerischsn Handwerker oder Laboranten mit ssiner Kraft. doch dazu reichte das Geld nicht. Noch weniger zum Studium! Dieses Leben des.Hilfsarbeiter»", des Lust« Alfont&elauUd: fDasQroße Eine mutz dir imm«r gegcrwärilg»«In, Ob du nun Mann, au' Stahl und Staln, Ob Fauste) haltend du zur Tiefe slnlut, Ob du des Feuers helle Kraft bezwingst, Ob du die Felder segnest mit der Saat Und Üinder bindest mit dem Kupfardraht— Daß Irgendwo ein Bruder steht und schafft Dasselbe mit der gleichen, stummen Kratt, Daß Irgendwo ein Bruder, so wie du, Strebt sehnsuchtssckvwer der Sonnenstunde r; In der, verbrüdernd eine ganze Welt, Er deine Hand in seiner Rechten hält. burfchen uitd Fabriklers, nicht Fabrikarbeiters. mußte chn gefundheulich zerstören. Seine soziale Empfindung führte chn nach kurzer Bismarckoerehrung schon als Fünfzehnjährigen zu den Proletarieriungen. die cm sozialiftijchen Ar« besierbildungsoerein zujommenkamen. Hier liest er das erst« Mal. seine Gedichte vor. Da? Wiener Bolksheim gab chm_Eas Mekka der neuen Reliaion". ?lllmäl>llch werden weitere Kresse aui den jungen Dichter aufmerksam. Der Burgschouspiele: Gregori las sein« Gedichte, der Dichter selber oersiell ?lrm« Prolcrariersrauen geben dem Totkranken ihr letztes Stückchen Brot und«tn Bett. Immer wieder bricht er an Klutstürzen zusammen. Do kam die phantastisch« Lebenswend« wie n einem Märchen aus Tausend und eine Nacht. Freunde verschafften dem Schwerkranken einen Freiplag in der Heilstätte Alland und retteten mit seinem Körper diele» stärkst« Talent der östsr- reichischen Arbeiterdichtung. Der Dichter Karl Henckell ist Ujm zugetan. Ueberall stehen Freund« für ihn ein. Er bekommt den Bauernfeldpreie. ein Chleng>ehatt der Stadt Wien(auch seltsam sür reschxdeutjch« Verhältnisse, und«ntwiäesi sich immer höher als Dichter. Äm Wellkrieg 1914 verfällt er wie Lersch tn etne Art Blutrausch, um sich ab« bald wieder zu finden, genau wie Lersch Ein Vers aus.Christus geht über«in Schlacht- feld' möge zugleich diese Wandlung wie dl« starke dichterische Krast von Petzvld zeigen Der Wandrer in dem blauen Gewottb mit dem weißen Äesäum«, legt im Borübergehen leine Hand aus die Wunden der Menschen, Tiere und Bäum«. Er bückt sich zur Erde und hebt eine Granate empor.. Tränen versickern im Sande, da» ganze Schiachtseld schreit und bebt noch einmal im Schauen der menschlichen Schande. Im Jahr« 1919 erschien seine schönst« Sammlung sozialer Dichtungen„Im brennende» Dornbusch". Er trotzte seinem schwachen Körper noch Werk um Werk ad, uni mll 4l Iahren der Grippe zu erliegen. Bis an sein Lebensende blieb er der Sozialdemokratie treu und mit ihr seiner Ver- bundenheit für die Arbeiter und besonder» für die Arbeiterjugend. Vielleicht lst es kein Zufall, daß fast alle unsre Ar» deiterdichter, soweit man den Vegrifs einengen will, Arbeiter und Dichter einem Milieu entstammen, das einer sogenannten besieren Schicht zugehöcte und sie so in ihren Hirnen und Herzen doppelt stark dt« Sühifiuchr nach einer glücklicheren Welt brennen und soziale» Unrecht stärker spüren ließ. Allans Petzold macht« den stärksten Absturz durch, weil er körperlich der Wesi de» Lausburschen und Getretenen nicht gewachsen war. Er war zu sensibel und schwach zum Zurücktreten. Aus dem. schon erwähnten grchen Rätsel, de»„Warum werd« Ich wie ein Hund von meinen Arbeite- brüdern getreten?" au« seiner Schwindsucht und dem märchenl, asten„Zurück m» Leben!", wo er mit ihm abgeschlossen, Ist die stark« mystische Erlebniskrast zu erklären, d>« nicht wie bei Karl Bröger«in» heiter« und selbstsichere Exkursion in die Legendenwelt bedeutet, sondern sein» ganze Dichtung durchdringt. „Sieh lleapel .... dsnn nichts Schöneres ist au? der Weit zu sehen. Wenn je ein Wort Lüge war. so ist es dieses. Neapel ist' die entsetzlichste Stadt, die ich jemals aus meinen Wanderungen gesehen Habs. Der Reiseführer schreibt:..Urwüchsiges Volksleben zeigt sich i» den Seilengasien beim Hasen und in der Via Laninaro, mit Garküchen im Freien usw." Dieses„urwüchsige Volksleben" sit ein Sumpf und Elend fürchterlichster Art. Die hohen balkonrcichen Mietkasernen sind von zinsheischenden Speku- kanten so dicht zusammengesetzt worden, daß die Gossen nur schmale Durchgänge sind, nur so breit, den Eselskarren eine vorsichtige Durchfahrt zu gewähren. Kein Sonnenstrahl fällt in diese Gasten, kein Luftzug weht erfrischend hindurch. Unbeweglich steht die schwüle Hitze zwischen den Häusern, aus denen ein stechender Pestgenich dringt. Garküchen brodeln auf den Straßen, Ab stille verfaulen in den Ecken. Stechfliegen surren umher und suchen in den Verkaussständen der Kacker. Schlächter und Obsthändler nach fetter Beute Katzen und Kinder kriechen und lausen in gleicher Zahl dimheinander. Die Pissoirs— eine und Uhßb.. geteerte Fläche an der Wand ohne irgendein Schutzblech— verbreiten Gestank und Ekel. Die Wohnungen sind schmale viereckige Löcher. die wie Höhlen in die Häuserfronten eingelassen sind. Ei» großes offenes Fenster und die Tür nach der Gaste oder oben der Balkon sind die .Lufrlöchcr. Scheinbar hat jede Familie immer nur sin solches Zimmer. Man sieht Küche, Wohn- zimmer, Schlafraum und Werkstatt meistens ver° eint. Betten, einige mehr oder weniger zerbrochene Stühle, ein Tisch, manchmal auch ein Schrank, dann noch eine küchenähnliche Ecke mit einer Feuerstelle und die zum jeweiligen Handwerk nötigen Einrichtungen: das ist die ganze Woh- nung. Darm lebt nun die Familie, manchmal 15 bis 20 Menschen. Sie leben auch mehr aus den Straßen, die Kinder, die Frauen mit ihrem Essen- kochen. ihrer Wäsche, die Männer � mst ihrem Handwert. Schuster. Schneider. Schlosser, Klenip ner, Tischler, Schmiede, alles auf der Straße. Selbst der Bäcker steht vor dem Hause und knetet seinen Teig. Kinder und Katzen scheinen zu helfen. Nachts und bei Regenwetter kriecht dann alles in die„Wohnung" zurück, wie es früher die Höhlenmenschen getan haben, nur daß diese Woh- nungen wohl bei weitem ungesunder, ekelerregen- der sind. Und diese Wohnhöhlen findet man nicht vereinzelt, sondern sie liegen dicht bei dicht. Gasse an Gasse, ganze Stadtriertel. Urwüchsiges Volksleben! Irankheü und Laster wüten in diesen Gasten Die Kinder, die vielen kleinen Kinder tragen in ihrer Nacktheit oder mangelhaften Bekleidung fürchterliche Krank- heiten zur Schau, kaum eines Icheint gesund. Schwindsüchtig, blind, dickbäuchig, obeinig, unter ernährt, voller Eiterbeulen: ein entsetzliches Bild, immer wieder, immer wieder Dazu die unglaub- lichc Menge der Kinder und der schwangeren Frauen. Ich zählte eine Welle und erkannte jede dritte Frau als schwanger! Soviel Kinder, soviel Elend und Krontheit. Die Zahl der Erwachsenen steht in keinem Verhältnis zu der der Kinder. Schon 13-, 14jährige Kinder sind seltener. Diese Ungleichheit ist eine Folge der Krankheiten und Seuchen: die Kinder sterben, sie sind nicht lebensfähig in diesem Sumpf. Auch die Erwachsenen tragen die Spuren ihrer ungesunden Umgebung, sie sind meist über mäßig aufgeschwemmt oder ausgetrocknet und schwindsüchtig. Ich sah auch blatternarbige Männer und Frauen, alte Leute, etwa solche von 60 Jahren, dagegen überhaupt nicht. Vecki Vapoli e poi illuorti! Die Uebersetzung dieses Wortes müßte heißen: Leb in Neapel und stirb, oer- komme. Gewiß, es gibt auch schöne Gegenden m 'Neapel, elegant« Menschen, prächtige Häuser. reiche Villen in grauen Palmengärtcn, saubere Pensionen und große, schöne Hotels, in denen es sich sicher herrlich wohnen läßt. Diese liegen außerhalb der engen Gassen, am Strand, hinter dem Schloß, am Abhang des Berges oder am herrlichen Posilipio. Hier ist keine Hitze und kein Gestank, kein Elend und keine Krankheit, und selbst die Cholera von 1884 wird wobl vor den grüne» Gärten und dicken Mauern zurückgeprallt sein. In der Villa Communale, diesem herrlichen Park am Strande, der.beliebtesten Promenade der Einheimischen und Fremden", hält bei den Klängen abendlicher Platzmusik..die vornehm« Welt zu Wagen ihren Korso". Wie ein Märchen liegt Eapri im Blau des■ Meeres, und fern grüßen die weißen Häuser von Castellamar«, von Vico, Meto und Sorrent. Hi.er ist keine Armut, keine Angst, nichts Häßliches und Ekelerregendes. Hier ist Reichtum. Gesundheit. Schönheit und Freude! Sieh Neapel und dann stirb! W. T. € l Theater, Lichtspiele usw. Itaats Thcafcr Mittw och, den 2.\ Januar stasisoper unierden Linden X Uhr Madame Butterfly staadicnes scnauspieihaus zo Uhr lOOOOO Thaler ff* ■ 3 Dlir 15. Flora 5434. Men eil. Oaston Paimer 20 Wienerinnen Konzertieren Deutsches Theater Schumannstr. 13a Weidend. S201 Täglich 8 Uhr Insanieroin Ma Retchariil Prinz von Homburg von H. v. Kleist Thimlg, Fehdmßr. Frftlirfi. foyOlsr. Weener. �diörenber' Koniiitüeniiaus Schiffbauerdaaun 25 Tel. 02 Weil 6304-05 Freitag 7«/, Uhr ErstauffOhinng aemung. Irisch gestrichen Rose- 1 heaiei rirpB« FrankfartBr StreBe 13? Tel Weithcl E7 342? 5.15,&30 Uhr Die Zirkus- pnnzessin B. B. B. ijfSVSrcie Gewerkschafts-�uaend Verlin Bendovs Bant« Böbne Kottbasser Straße 6 J Oberbaam 3500 Täglich Sl« Uhr Stgs. nachm Vs4 U niiiilRe Holle Klsts TIJ.S u. SM Uhr MAURICE! COLLEAMO PAUL OltAETZ ROBINS u. S.w. N-Iw Srfilc. Eil i.i1'. stp.'.s.a'n £ 7 WeldRt 4031 KATJA Die Tanxeri» Schill b r tfistn arckstr. ihoie SteinpMCl) h?i. Täglich S1!* Uhr Sonntag 4 Uhr Oer Kolto-Scb ager Die Männei sind mai sc Sönelanl Haidc.r.önn siddLOper chanotienbur« Fraunhofer 0231 MUtwoch, 25(anuar lor/a Uhr Turnus III Oer Freischütz Friednch, Berper. ridesser. ilesral. Hlisch. INner. Andiesen, Gonszar. Fimer Dirigent Stiedry VOLKSBUHNE Theater am BUlowpia i* T&gUch 8*4 Uhr O 1 Norden 6656 Schinderhannes von C ZucKmayer. Regie. H. Hilpert A- Hörblger. C. Spiro. Brauvewetter Berat, Dablke, Karcbow, Dlegelmann Blrllnerfiintei Oiariottensf?. 90 Mnhuff 62' Letzte 7 Vorstcllnngeo Täglich 81/« Uhr ADSlandsretse mit Felix Brc»ar Maria Pandler Oscar Sabo, Löns, rii.d. Scbaar.pieler iteitfr an Sdi.ifbaMiiiaffliii Weidendamm d3ö0 Täglich BVUhr IlDlOßialgDilÜlZtt Komödie mit Musik von A. Gmeiner Mittwoch, 4�/e Uhr; Kamit der Tertia l Großes ßlvllllMeUiallSuZrl Ball im Savon Mnstk von Pazd ÄdrahOS, Gitta Sllpav Msty Barßoay Cotax Tones lind Chis arofce©tarememble Sonntag nachm. 3!/3 U. Kl. Preist CASINO-THEATER 8 Uhr. Lothringer Strafe 37 8 Uhr Variete, bunte Bühne. Kabarett A'nr norh bis 4. Februar Onkel Mnz, der Ehestifter FreKaa;. S. Februar. Preuiieie „Der Fürst von Pappenheira" Gutschein 1— 4 Personen Parkett nur 0.60. Fauteuil 0.75. Sessel 1,25 Sonntag 4 Uhr Onkel Ma«. Kl. Preise. Qassroße internationale Bett-Turnier vom 27. Januar bis 5. Februar 1933 während der Gtüuen Sport- und Tierzucht woche in der Messehalle 11 am Kaiserdatnm bietet täglich zwei Veianstaltungeu, nachmittags 3 Uhr und abends 8 Uhr. Grolle internationale Beteiligung von Offizieren aus Irland, Norwegen, Holland, der Tschechoslowakei, der Schweiz, Dänemark und Ungarn ist gesichert. Jeder Tag bringt spannendste Kämpfe und interessante sportliche Entscheidungen. Die bekanntesten Reiterinnen und Reiter aus Deutschland mit dem besten Pferde- material sind versammelt. Fünf großartige Schau- nummern umrahmen das sporilich-züchterische Programm. Das„Denkmal der deutschen Artillerie", dargestellt durch 160 Reiter, 180 Pferde und 12 Geschütze, wird in fünf fesselnden Bildern die historische Entwickjung dieser Waffe zur Darstellung bringen, und u. a. den Paukenwagen der kursächsischen Artillerie und eine reitende Batterie de» t. Garde- Feld- A i tiller ie- Regiments mit dem Trompeterkorps in Parade-Uniform aus dem Jahre 1913 zeigen. Zum ersten Male wird man eine„Nachbildung der Olvmpischen Spiele des klassischen Altertums" und hierbei neben Wettlaufen in militärischer Rüstung und Fünfkampf, auch Rennen zu Pferde und Rennen der Quadrigep sehen. Ferner wird in einer, J riderizianischen Parade" das Exerzieren fast eines ganzen Bataillons historischer Grenadiere mit einer Regimcnts-Kapelle, außerdem eine Quadrille in der Hohen Schule, geritten von adir Offizieren des Schulstalles der Kavallerieschule Hannover, geboten.— Ein Glanzstück bietet auch die„Hohe Schule vor Friedrich dem Großen", in der Heir Oscar NL Stensbeck als„Ziethen" und Herr Richard Wätjen als„Seydlitz" mit vier unserer besten Reiterinnen eine Schulquadrille reiten werden. Täglich werden vier Schauruimmern gezeigt. Der„Große Preis der Republik" kommt am Sonntag, dem 29. Janugr. zur Entscheidung. Sonntag, der<5, Februar, ist der Tag der Championate. Am Vormittag finden Vorprüfungen, an den Nachmittagen-und Abenden Haupientscnei- dungeu-tan. Die Preise sind äußerst niedrig und zeitgemäß gehalten. Infolge des Andranges wird Vor- besteiluiig von Eintrittskartell empfohlen. Alle.Aus- künite beim Reichsverband, Berlin W 62, Kurfürsteu- st.rafie tU(Tel.: Bavaria 4731,32). TDeater im iomiralspa�si Merkur �901 Täglich S',« Uhr Frühlings» stürme Opersite»od W.iotarsar ttioh. raaber Xovotna. H"i)iotc Ortover wa(tun« nrnoHjynOiZ U-oaiio i�'maanpt. oasesr�delOB/U Gr. Bodrtsterscs s. grolle T rächten- u. Maskenschan aller Länder, 15 preisgekrönte Mannequins 8 Kapellen Einlaß 7 dir Der 1000 Besucher erhält eineStägige Reise nach Tirol beute, Mittwcch, 25.? Nation' Tfljr, und Icntralverband der Arbeitsinvalidcu und Witwen Deutschlaads. Mittwoch, 23. Januar, 19 Uhr, in Köpenick, Sladttheater, Friedrichstr. 6 Versammlung. Freie Rationale Schülerschaft. Donnerstag, 26. Januar, um 17 Uhr. i« Jugendheim Charlottenburg, Spreestr. 30(Nähe Slädlircke Oper), außerordent� liche Mitgliederversammlung der FNS.-Berlin. Anschließend Äameradschasts. abend. Erscheinen sämtlicher Kameradinnen und Kameraden.notwendig. Mitgliedskarten mitbringen. «LEINE ANZEIGEN jedes Wort 10 Pf. Petto d udaesWoit ?0 Pfo.(DUcis-ij 2 feitoedrucktc Worte OXl'orte mit meh- als 15 6uchsidben zählen fdr S Worte) Annahme durdt den Ve� ag. LindenstT.3 C/jP— Uhr)«ämt ,Vo wä ts*-Pilialen u.-Äusgabestel en, sowie alie Annoncen-Expeditionen uerKauie moDsi Fleisch Wurst Willy Hanka Brunnenzlr. 131-133 billig gutl Sinalenm A.ctDat, Clolonie. straste 9, Tapete» S.tülat. Kolonie. ftrane 9 Schlaitimmee 190,- bis 830,- IZrisiertoiletten 23,—, Waichkommo. den 75,—. Mdbel- polierwerkltätten MSbelgtostlager Kamerling, Kafta. nienallee 56z iHalte- stelle Manteuiiel» stratzel.__• Golbiachea, Grldbruch», Silbe» ankaui, HZchstprcile. -üü:"". w&n'rar. 4u un Möbel. i denstra�e»eunund. Scklafzimmer 120.-,i strasie Zb.»Iw...., � billigen �reisen wenig ge. 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Bro- schüren und Schriften. Man weiß selber nicht wie es lammt, aber plötzlich gerät der Turm ins Rutschen, ins Wanken, purzelt und— da liegt die Bescherung. Du liebe Güte, was kommt da alles zum Bor- schein: ,J8ie werde ich schlank?"„Die Kunst. überall beliebt zu sein"—.Der Ursprung der Natioialsazialisten" mit einem Titelbild, das einen bekasnten Berliner Naziführer als Affen darstellt. —„Auf zum Kampf gegen Nieren- und Blasen- krgnkheiten"—„Das astrologische Jahr 1328". lind vieles andere. Und dann bleibt der Blick an einer schlichten grauen Broschüre haften, auf deren Umschlagdlatt steht: Deutscher Transportarbeiter- Verband, Bibliotheks-Katalog 1923. Sieh da! Was mag wohl diese Gewerkschasts-B'bliothek für Schätze eprfweisen?, Rechts-, Staats- und Gesellschaitswisfenschaft sind reichlich vertreten, w'e flch's gebührt. Auch die Abteilung Geschichte ist sehr umfangreich. Nun die Wteilunz Lebensbeschreibungen. Selbstverständlich die großen Führer des Sozialismus: Engels, Marx, Bebel. Lastalle. Lilly Braun ist auch dabei. Und dann kommt das, was den wistenschastlich sich bildende» Sozialisten keineswegs, den auf Anti-Marxismus eingestellte» Bürgerlichen aber doch wohl überraschen muß: Biographien von Ernst Moritz Arndt. Bismarck. Calvin. Albrecht Dürer, Frelligrach, Friedrich IL Gosche, Hebbel, Humboldt Ulrich von Hutten. Immanuel Kant, Heinrich von Kleist, Martin Lucher, Moltke, Pestalozzi, Fürst Pückler-Muskau. Peter Rosegger. Rousteau, Shakespsar«. Schiller, Schopenhauer, Tolstoi und Walcher von der Vogelweide. Reich besetzt ist auch die Abteilung Geographie, Völkerkunde, Reisen und Naturwstsen- schalten. Und die Abteilung Philosophie weist gar folgende Namen auf: Wichelm Wundt, Alois Riehl. Georg Simmel, Paul Natorp, Ver- weyen. Carneri, Jos. Petzold, G. F. Lipps, Thomas Carlyle. Bergson, Eugen Dühring, Herder, Kant. den ganzen Nietzsche, den ganzen Schopenhauer. 19 Bände Spinoza, und sechst der Theosoph Rudolf Steiner ist oerlreten. kurz, viele srlauchr« Geister aus dem deutschen Denkerhimmel. Und alle, alle diese herrlichen Bücher findet man tn einer— marxistischen Arbeiterbchlwchek. verarsnung vom 4. November 1932 verMny?, wonach die Beksorgungsanwärter bis zu 90 Prsz. in Angestellten- und Beamtenpellen und in der Soziacherforgung untergebracht werden sollen. Zlls Parteitagsdelegiert« wurden die Genostsn Landtagsaboeordnetsr M a de rh o I z und Erich Schmidt gewählt. Der Kreisvorsttzende Gsnosts D 8 h n e r t schloß mit einem Appell, alles daran- zusetzen, um die Partei zu stärken. Mangel an Mannequins IWexsldntlei' sind schlecht gewachsen So phantastisch es heute, in der �eir größter Bsrussnot. auch klingen mag: bei den Mannequins übersteigt die Nachfrage dos Ange- bot, und ztrur ist der Gruna hierfür darin zu suchen, daß die jetzigen Berufsanwärterinnen in- solge einer allzu enrbehrungsreichen Kindheil nicht über das notwendige körperliche E-enmaß verfügen. Sie sind meist zu lchmal im Brustmaß. die Schulterblätter treten zu stark hervor und die ganz« Halmng wird durch eine allzu schwächliche Konstitution unvorteilhaft beeinflußt Es melden sich selbstverständlich für diesen Berus heule mehr DnwSrtsrtnnen denn je, aber leider sind st« fast alle unverwendbar. Am charakteristischsten wird diese Tatsach« dadurch beleuchtet, daß der Bor- stand der Gilde Berliner Manne- q u i n s die Koiifektionehäufer zur Nachwuchsschau für den 28. Januar nach dem Pavillon Leon, Kurfürstendamm,«ingeladen hat und daraufhin von ungefähr SO Firmen als An'lpor: ein« bindende Aufage zur Anstellung von einem, zwei und noch mehr wirklich gutgewachsenen Mädchen erhielt. Außerdem fei allen jenen, die sich für den Venn geeignet halten, folgender guter Rat gegeben: die Gilde Berliner Mannequins vsrmirielt den Mäd- che» gegen eine Einschreibegebühr von 2,50 M. tn zwei oder drei Unterrichtsstunden all das, was eine Vorführdame beherrschen muß und wofür sie in den sogenannten Mannequinschulen gegen das skrupellos gegebene Versprechen einer Stellung einen Fünfzigmarkichein aui den Tisch des.Hauses legen muh. Der Neubau der Mgemeinen Octsironkeukost« der Stadt Verlin am Wärfischen Platz war am Sonntag das Ziel vieler Besucher, die vor der monumentalen Front des Hauses standen und interessierte Vergleiche zogen zwischen diesem äußerst geschmackoollen und dabei äußerst schlichten Zweckbau und der verlogenen Protzerei vergange- Nöte/ Forderungen/ Hoffnungen Oeffentliche Kundgebung des Wandergewerbes Bunt Parteitag Der vierte Kreis, Prenzlauer Berg, der Berliner Sozialdsmokratie hielt seine Kreisvertretqrper- sammlung im Saalbau Friedrichshain ab. In seinem Referat zum Frankiurter Parteitag befaßte sich der RefereM,..Reichztagsabgeordneter Genast':.. L i t k e, auch mii der F r-a ge der M i.l i z. Bon dem Parteitag« mW««in starker Impuls aus- gehen, um die Masten zu gewinnen und die Gefolgschaft des Kapitalismus niederzuringen. Zwei Anträge wurden dem Bezirtsparteitag. ein anderer der Reichstagsfraktion überwiesen. In den zum Beschluß erhobenen Anträgen wird ge- fordert, daß Reichstags- und Landlagsabgeordnete sowie Parteisekretäre dem Parteiausschuß nicht angehören dürfen, daß das Mitgliedsbuch Eigen- tum der Partei bleibt und daß alle Partei- Mitglieder verpflichtet find, sich der für ihren Beruf zuständigen gewerkschaftlichen Organisation anzuschließen. Ein weilerer Beschlutz will den Pärteioorstand beauftragt wissen, unperzüglich «in besonderes Parteiorgan für den Bezirks- verhand Berlin herauszugeben. Ferner wird die schnelle Erledigung des Antrags der Reichstags- fraltion gefordert, der die Beseitigung der Npt- Im Rahmen der Jubiläumstagttng des Reichs- Verbandes ambulanter Gewerbe- treibender Deutschlands, über die bereits im gestrigen Morgenblatt berichtet wurde, fand gestern nachmittag im Saaibau Friedrichshain eins groß angelegte und groß verlaufene öffentliche Kundgebung statt, auf der als Hauptredner der Berbandsvorsitzende Oeser über das Thema .„Kann die deutsche Wirtschaft das ambulante Gewerbe entbehren?" sprach. Vertreter der Reichs- und Staatsbehörden und der Parlamente waren anwesend. Für die Sazialdemokrattsch« Partei und Reichslazsfraktion sprachen die Abge- ordneten Franz Künstler und P o s f e h l. In einer Begrüßungsansprache hob zunächst das geschäftsführende Boritach>smttglied des Retchs- Verbandes. Lehmann, hervor, daß sich das Gewerbe dagegen wehre, daß es als ein« besondere Kaste minderen Rechts im Öfletttltchen und im Wirtschaftsleben angegeben werde. Er habe um G mehr das Recht, gleichberechtigt mU anderen Sparten des Wiytschastslebens zu gelten, als es nicht avie viele andere Gewerbe und flnternehmun- . gen mit Hilfe von Staarekrücken durch das- Leben hlUNpele...i.v.:; Der Borsitzende Oeser legte dann ausführlich dar, welche Bedeutung das Wandergewerbe für Deutschland hat. 1 Million Deutsche leben von diesem Gewerbe: es gibt in Deutschland all- jährlich noch 4800 Jahrmärkte. In Berlin gibt es 60 städtische Märkte mit rund 12 900 Händlern und außerdem noch 89 Privatmärkte mit 11 000 Händlern. Der Stadtsäckel hat von diesen Händlern 1,24 Millionen Mark Einnahmen. Die Summen. die Länder und Gemeinden durch Steuern, Stand» gelder, Clekttizitätsverbrauch usw- einnehmen, gehen ins Große. Daneben die gewaltigen Ein- nahmen der. Industrie und des Handels und per Verdienst, den die Reichsbahn durch die Trans- parte erzielt. Trotz alledem ist das Wander- gswerbe einer dauernden ungerechtfertigten Per- folgung ausgesetzt mit der Begründung, es sei der Nutznießer der Krise. Das Gegenteil von dieser Behauptung ist wahr. Gerade das Wandergewerbe leidet am meisten unter dem Kaufkraftschwund der Masten. Außerdem wird es noch in unerhörter Weise bedrückt durch Sander st euer» und Sonderbeschräntungen. die aus Wunsch des Einzel- Handels und der Schwerindustrie eingeführt sind. Das Wandergewerbe verlangt keine Subventionen, wie sie in verschwende- rischer und ungerechtfertigter Weise an Schwer- üidufttiell« und Großagrarier gegeben werden: es verlangt aber die Aufhebung aller Sonderbeschränkungen, damit es leben kann. Jm Anschluß an das mtt großem Beifall aui» genommene Reserat sprach noch ein Vertreter des Reichswirtichattsministerurms, Genaste Plattte vom Einheitsvsrbanb der Handel- und Gewerbe» treibenden. Für die Sozialdemokratische Partei sprachen die Reichsrageabgeordnetan Ge» nossen Künstler und P a s s e h l. Tenfistc Künstler betonte, daß das WanÄergewsrst« am stärksten unter der Krise llnde,. denn«s ist auf Ge» dach und Verderb mit den Masten der Arbeit- nshmer. d. h. heute aych mit den Massen der Ar» beitslosen verbunden. Diesem Gewerbe'zehtve" gut, wenn den Proletariern die'Möglichkeit ge-, geben ist, als Kulturmenschen zu leben Das End« der heutigen Not können nicht Kurpfuscher hgrbei- führen, sondern dazu ist die B e s e> t! g u n g d e s heutigen Wirtschaftssystems erforderlich. Genast« Pastehl wies darauf hin, daß es dieselben Leute sind, die aus der einen Seste weitere Ausnahmegesetze für das Wandergewerbe verlangen und auf der anderen Seite dauernd von der Notwendigkeit der freien Wirtschaft schwatzen. Die Ausführungen der sozialdemokratischen Redner wurden mit besonderer Aufmerksamkeit angehört und die Bedeutung ihrer Darlegungen durch lebhaften Beifall unterstrichen. Die Tagung des Keichsverbandes ambulanter Gewerbetreibender wird heute mit der Diskussion über die bisherige Arbeit des Verbandes abge- fchlosten werden. »er Jahrzehnte. Außer per Pau Hütte und per Firma Müller u. Mattheus ist auch die M a l e r- Hütte Verlin führend an der Herstellung des Baues beteiligt gewesen, ihr sind dt« in ausgezeichneten Farbtönungen und-stufungen ge- haltenen Jnneuräume zu danken.. In den Harte- räumen stammen die hübschen Malereien aus ihren Werkstätten. Die Heiz- und Lüftungsanlagen wurden von Ha wag. Heiz- urch Wastsranlagen G. m. b. H. ausgeführt Die Enttüstirngsanläge in der großen Wartehalle ist ein tschntsch-hygieni- ichez Meisterwerk. Auch die Töpfer-, die Glaser- und die S t e i n m e tz h ü t t e waren an dem Neubau beteiligt. Im ganzen etwa 130 Firmen. Neuwahl eines Syndikus der Sparkaste und Stadtbant. Der Magistrat hat in seiner Sitzung vom 11. Januar 1933 den Obermagisttatsxat Dr. E. Müller mit Wirkung vom st Januar 1933 zum Syndikus und Direktor der Sparkastc und der Stadtbank ernannt und zum Mitglied des Borstandes der Stadtbank und des Direktoriums der Sparkasse bestellt. Die Zreirel'giöse Gcmeiudc veranstaltet am Freitag, dem 27. Januar, nachmittags von 6 bis 8 Uhr. in ihrem Hause, P a p p e l-?l ll e e 15, einen Kirchenaustrittsabs nd, um denen. die keine Gelegenheit hoben, vor einein Amts- gericht den Austritt zu erklären, die Möglichkeit zu geben, vor einem Notar den Austritt zu vgst- ziehen. Legitimalionspapiere sind mitzubringen. Gebühr pro Person 2 M. lieber..Geschlechlskronkheil eu und ft nippest um" spricht aus Einladung der Deutschen Gesellschaft zur Bekamp fima der ÄeschleMskrankhesten— Ortsgruppe'Berlin— am Donnerslyä dem 26. Jarntor 1933. im großen Saal des Brüder- vereinshaufes, Kurfürstenftraße 115/sl6, abends 8 Uhr, der Berliner Stadtarzt Dr. Georg Loe wen stein. Der Vortrag geht onf die Zusammenhänge zwischen Geschlechtskrankheiten. Krüppeltum und Charaklereniwicklung ein und stellt an der Hand van Lichtbildern ans dem Gebiete der zur Berkrüppelung fübrenden Geschlechts- trankheilen und aus dem Gebiete der Krüppel- darstellunqen in der Kunst die erforderlichen Zu- samtnenhänge her. Der Eintritt ist frei. „Neue lvege zur Förderung des iirlernatianalen Gedankens" betitelt sich der Vortrag, den der internationale Sekretär der„Freunde der i n t a r n a t i a n a l e n Kleinarbeit"(Fre- dika) Genost« W Floerk« im Rahmen einer öfsenttichen Veranstaltung der Frediko api 30. Januar, Ast Uhr, im Berliner Gewert> schastshaus, Evgelufer 24— 25, hält, Dort auch Auskunft Über Fremdsprachen Abende. Eintritt ireil Wie wird dc& Wetter? Za ÖOr'iv; Heitere? bis Wechsel, nd wälkiggs Wetter, nach etwas kälter.— 3n Deutschland: Bgn Ost nach West ynd Nord noch Süd fortschreitende - An i he ite r uii g, strnst' nb« ra ll wechselnd molkig ohne Schneefälle von Vedenrirng. Allgeiitein etwas kälter. "O* Schutz Ansteckung: FöhnamSat Vielttusendfidi vonderi Anten anerkanntesSdiufa vnd Desinfektionsmittel für Mund und Rachen. GU* mit 56 Tibi.)ttgt M. 148 is fedti Apotheke u. Droste, Gtuieudungen*fn ütele Änbrtf ftnD B e» 1 t o SV tinbenitxQfy 3 parteinachrichteniW�für Groß-Berlin ftels«b bt*■Bejtrtslefrettttta: i. Kok. I Xceoben recht», zu rtchie» Achtung.' Wegen der Tenionstratto« fällt die Flugblatt- Verbreitung aus. Der nächste Termin wird noch bekannt- gegeben. Das Bezirkssekretariat. * Zentrale Kurse. „Sie s Iiiwicklung der inteinotioaalcn Ärbcitcrbcwcgnng-', Paulo»Utaaß. Ueberblick Uder die sozialistische Zdecngeschichte. Entwicklung der Är!-iter. bcwcgung im ousicrdcuticheu Europa unter Ani eiguug der ioziologilchen gn- iamuientange. Stand der Arbeiterbewegung in den wichtigsten Ländern, unter Berkrsichtlgung der Geschichte der sozialistischen Frauenbewegung in Europa. Der ltursu« bezweckt die Schulung der Funtlionärinnen, ohne männliche Teil- nehiner auszuschalten. Jeden Donneesiag, W/j Uhr, Arbelterbildungsschnle. Lindenstr. Z. Peginn aller Veranstaltungen 1 9 ü Uhr. sofern keine besondere Zeitangabe! U greis. Heute, sti Uhr, Sitzung der Pezirtsverordnetensraktion ausnahm�. weise hei Dodrchlow, Swinemstnder Str. II. Erscheinen llttdeding! not- wendig.— greideuJler. Gruppen I und II: Dcnnerstog. Z6. Januar, Z0 Uhr, tri Hockeschen Hv, Rosenthaler Strotze, wichtige Versanunlung. «. Sreis. Freie Schulgemeiude: Donnerstag. ZS. Januar, In der Schule Dunziger Sir. 2Z. Scnerolverlammlung. Jahresderichi. Dortrag. Ul. Sreis. Donnerstag, Z«. Z-nuor. Z0 Ubr, Frnllstnsverssmn'.lung der Mitglieder des Freldenkerpepbonde» bei'Pemmerentng, Zempelbct, Berliner Stratze M. Ebne Mitgliedsbuch kein Zutritt.— Am«leichen fege, 20 Ubr, Jrhreeversammlung der Freien Schulgesestschaft i>«> Pinaer. Dariitr. SO. Ohne Mi-gliedsbuch lein tzutrirt. t. Abt. Unserer longtährrgen Senessin Mortba Setttert. Ai'gustastr. 26b. zu Brem 75.unrniIr. 28._ 47. Abt. Die Dorsiandssitzung fällt umständehalber aus. 55. stUftuns?" Referent Dr. Hanisch. Abt. Donncrplag, 26. Januar. 20 Uhr, wichtige Funktidnärnersammlung Abt. Leute tzahiabend bei Reimer, GrS». Eck.Oanaisttatze.„Jugend im Älassentamps», Referent Walter R.aue.» 88. Abt. Pecsammlung findet nicht bei Rnhrmana statt, sondern in der Schule Roonftratze. 85. Abt. Heute Zuicupmeulunft jüngerer ParteimUgllgder in der Schule Kopf. stratze 54— öh. Referentin Dorothea Surkhardt. 105. Abt. Donnerslrz, 26. Januar, 15H Ahr, Erwerbslosenzusammenkunft bei Äajerbeum. �Sedanstr.�?.„i!Iie komnie ich zu der mtt zustehenden Unter- 121. bei Äriiger. 183. Abt. Heute Mitgliederpersammlung bei Lindner. Pankow, Breite Str. 34. Referent Dr. Rud. Breitscheid, M. d. R. .Frauenveranstallungen: 5. ktrei». Donnerstag, 26. Januar, Funktionärinnenstgung bei Hirsch, Peters» buraer Str. 81. 18.«reis. Donnerstag. 26. Januar. 18 Uhr, Helfettnnensitzung, Parkstr. 15. . Neuwohl. 86. Abt. Die Rähstnbe ist jeden Freitag von 10 bis 1714 Uhr in der alten Schule, Dorsftratze, offen. Seminar für Wohlfahrtspflege. ki Der E'nlettnnosabend de» Seminars„Die Familie im sozialen U kf; Siemon", Rssirentin Dr. H-lenr R-Iihan, om Donnerstag, 26. Zonuor, W 20 Uhr, fiilll aus. Dos Seminar ,.Z>ie Familie" beginnt o« 2. Februar Z ?> im Boriragssool des gdA.. Hedemonnstr. 12. M Bezirksausschuß für Arbeiter rnohlfechrt. 13. fttsis Demprst-os. Marttndors. Rarientelde, Lichtenrade. Am Frettoo, Z7. Januar. 20 Ubr. findet im Sitzungszimmer l de» R--tbaukes, Dorisir» 42, unl-.re Sahre-persommlung Neil. Ave»W'bltahrtspNegeriännznt mllsten er-ch-inen. Die Helfer d-r Rähsti-ben Tempekhpk und Mgriendor! sttid herz. Ich einaeloden. 188. ASt. Die'»ng der Arbeiterwehkiobrt fällt wegen her Kenerolvzrsamm. lung der Ableilung am Donnerstag. 20. Sanuor. au». Nächste Sitzüng wird noch bekanntgegeben. Arbeflsaemeinschafl der SIndersreunde. Di? nat!ttr--r>ouser-n> iinbet am 2. Febrvor NM 10 ttbr In der Ge» tthä'Ht-ne statt. Beginn pün'tlich. Bov'S'-lioe» Ertcheinen aller Lreirl-isterer wird ermattet. Die An sie o berichte wüsten an dttiem Tone abo-geheu werden. Friedrichsbai», Abt.»Nauk Singer: Untere Elternnerlommlung iinde! am 26 Januar, 20 Ubr, im Heim Mühlenftr. 30 statt. Erscheinen ist Pflicht, die Mitgliedskarten bitten wir zwecks Beitrags- lassterung mitzubringen. str'u-bcrg! Achtung! Untere iveneralperiemmlung mutz umstanhebaiber aus Sonnabend 28. Zsnuar. verleg« werden. Sie besinnt schon um 10 Uhr im Heim Porckstr. 11. Erscheine» aller Helfer ist Pflicht. Dempethol! Montag. M. Januar. 1814 Uhr, nndet im Lokal Pommerentna, Tempelhoi, Bcfttner Str. M, unsere äretsheliersißung fiatt.— Abt. Lichten- radr: Dounersiga, 26. Januar, 20 Uhr, Licht.bilderporirag. Thema: Unsere Sammerlaaer. Alle Eltern, Freund« und interessierte Parteigenossen sind herzlichst eingeladen. Steglitz: Alle Fallen aus ollen Abteilungen zur Areissingeitunde am Freitag, 16 Uhr. bei Frieda Rieffel Slldende, Stephanstr. 34. Sterbetafel der Groß-Berliner Partei-Organisation 47. Abt. Unsere Genossin Ida Böhm. Pstcklerftr. 39. ist verstorben, dm sett 28 Ighren Mitglied der Partei und stets eine treue Miltämpserin tili den Sozialismus war. Pir werden ihr Andenken in Ehren hallen! Einäscherung heute, 18 Uhr, Baumlchulenweg. Um rege Betelligung bittet der Vorstand lllSozialistischeArbeiterWendGroß-Berlin Einiendunaen tlli diese Rudrit itui an das Jugendt-tietanat Verlin SP 68 Lindknftratze 2 vorn I Treppe rechts Der».-«..sturlus, der für den IL./1S. Februar festgesetzt war, fällt aus. Dafür findet«in Äochenendkursus der Referentenschule. statt. Di« übrigen Termine bleiben unperändert. Bcttiaer LAI„.1uugbuchdruaer: Heule, Mtttwoch. Funklionärsitzung um 17 Uhr im Jugendheim SW., Lindenstr, i, v. l. Erscheinen ist Pflicht. Am Sonata«, 20. Januar, marschier! das saztasist-ich«»Proletariat zum Lustgattc»! Die Arbeiterjugend ttifit sich um 1362 Uhr aus dem Ssndormen. markt in Fallesttracht, mit allen Fahnen und Transparenten: Die Bezirke ülledding. Prenzlauer Berg und AeiilciUit marschieren geschlossen zum Sendärnten. markt eine% Stunde vor dem Zckmarsch der»Pattei von den Stellplätzen der Partei ab. Heute. Mittwoch. 20 Uhr: Grwndbpnvtun RF-: Ralontestt.?2: RegierungserkkSrung.—«odreasplatz I: »Besuch der Mi,>.aile.derpersamm1ung der'Partei.»• Andzevsplaz RF.!»Brommt,. jttptze s: Serpelle Fragen, lll-- Balteaptag: Dilsuer Sit. i— 5: Im Lande »Mulsaltnis.— Zrpnrstrttrr»Pttttelt Frqnksur'zr Allee 807; Besuch der Parteiisttt. aNedervsrsammmna— Petersburger Viertel: Ebettpstr. 12: Litt er ab« rd— Zartchaner Dieriel: Besuch der»Partei,— Parichauer Diotttt SF.: Lirauer Straße 18: Entstchung der SAJ.— Spandau! Lindenuser 1: Arbeitsgemtin. schoki.— Benale«: Re'taurant Lindenhrt! Arbetterdtchtunä.— Salleich,-? To« Treiirunkt lsttt Uhr„Rott Ecke" zum Besuch der Gruppe Reichenderger Viertel. — Südwest Ott beteiligen uns an her»Beranstastuna Reichknbergcr Viertes, Urbanstr. 167.— Adlershoi,»Bismarckstr. 1;»Poiitiich.ketiriicher?lbend.— ii5cdn»dott und Falk-nberg: Bahnsdpri. ZPaldielstr. 1: Paliiisch.satiritcher Abend. — Friedrichttagtit: Zriedrichstr. 87; Wie entsteht der»Profil des Unternehmers? Naniedori: Ad-lfstr. 25: Aarl»Marr, III— Lichienberg-Mitte: Scharnweber. stratze 32: ll. und Iis. Jnternaiienale. t- Reu-LiGtenberg: Gunterstr. 11: Slstall- vlaiienabend.— Lichtenbero-Vatt:»Seiuch des Zabledends der Partei. Mabls- darf: Melanchibvnstr 63: Jahresmttgliedeeneriammlung— Reinickendori-Best: Seidelstr. 1: Leieabend »ZSerbebetitt Neukölln:.18 v.: Ubx Gangdoserst-atze. Äurze, oder sehr wichtige Varftandssttzung. Oderipree: i8>:. Uhr Vorstandsstgung,»Riederschdneweide.»Berliner Stratze. Serb-betirk Osten: Funkttenärschulungskursus. I.»Allgemeines. Referentt Walter Marotzke, Litauer Str. IL. Auf dem Rücken des leidenden Volkes Deutsche Finanzpolitik als Instrument des Klassenkampfes von oben In ollen Ländern hat die Wirischafistrise überaus einschneidende Wirkungen auf die össent- lichen Finanzen ausgeübt und in I>eutschland waren diese Wirkungen besonders groh� In allen Ländern hat die Finanzkrise schwere Opfer für die Sanierung der öffentlichen Haushalte gefor- dert und auch in Deutschland wäre es ohne Opfer nicht abgegangen. Aber nicht daß Opfer ge- bracht werden mußten, ist das entscheidende, son- dern von wem sie gebracht wurden und w i e sie verteilt worden sind. Wenn der Reichsfinanzminister vor wenigen Tagen im Haushaltsausschuß des Reichstags darauf verwiesen hat. daß die öffentlichen Fehlbeträge in den Vereinigten Staaten und in Frankreich heute sehr viel größer sind als in Deutschland, dann Hot er vergessen, hinzu- zufügen, auf wessen Kosten die Sanierung der deutschen Finanzen bisher durchgeführt worden ist: auf K o st e n der G e in e i n d e n, auf Kosten der Arbeitslosen und auf Kosten der Massenbelastung. Erst mir dieser Feststellung enthüllt sich der wahre Klaffen- kampfcharakter einer Finanzpolitik, die dem Armen immer wieder nahm und dem Reichen immer wieder gab, die den Arbeitenden Opfer für die Arbeitslosen, den Massen Lasten für die Besitzenden auszwang. Gemsindemrt— Volksnot Kein Zweig der öffentlichen Wirtschast in Deutschlaich hat unter den Wirkungen der Krise so schwer gelitten wie die Gemeinden. Das ist zum allergrößten Teil die Schuld des Reichs. Das Reich hat sich Jahre Hindurch taub ge st eilt gegen die wachsenden Nöte der Gemeinden Es hat diese Mte sogar noch ver- schärft, mdem es die Lasten der Arbeitslosen- Unterstützung immer mehr auf die Schultern der Gemeinden abwäl,zte. Es hat zu alledem die Ge- meindcn gezwungen, ihre Besitzsteuern zu senken und sie bis auf den heutigen Tag daran gehindert, sie wieder zu erhöhen. Als es schließlich nicht mehr anders ging, hat das Reich den Gemeinden groß- mütig neue Quellen zur Massenbesteuerung er- öffnet und ihnen aus seinen eigenen Ersvarniflen an Sozialausgaben unzureichende Zuschüsse unter drückenden Bedingungen überwiesen. Diese Politik der finanziellen Aushungerung der Gemeinden war einmal ein Teil des Kampfes gegen die öffentliche Wirt- s ch a f t, die gerade in den Gemeinden unter Führung der Sozialdeinokratie in den letzte» Jahren ihre größten Fortschritte gemocht hatte. Sie war weiter der Ausdruck des Kampfes gegen die sozialen Ausgaben der Gemeinden, die mit aller Gewalt gedrosielt werden mußten, um dem Reich die Bahn für den Abbau seiner eigenen Soziallasten freizumachen. Leider hatte diese Politik Erfolge die öffentliche Wirtschaft ist in schwerste Bedrängnis geraten und die Gemeinden sind dem gierigen Griff der Privatkapitalisten nach den besten öffentlichen Unternehmungen ausgesetzt Stach alledem ist die Beteiligung der Gemeinden am Arbeitsbeschaffungsprogromm mit SM Millionen nur eine kleine Rückerstattung dessen was ihnen das Reich in den letzten Iahren obaenommen oder vorenthalten hat. Diese SM Millionen sollen aber noch getilgt werden. Die Opker der Arbeitslosen Nach einer amtlichen Aufstellung haben die Gesamtausgaben für die Arbeits- l o s e n h i l f e betragen in den Rechnungsjahren 1929 193« 1931 1932 in Millionen Mark: 1 757 2 778 3 147 2 835 Danach sind die Erwerbslosenlasten im lausenden Rechnungsjahr schon fast auf de» Stand von 19 3« gesenkt worden. Während aber 193« nur rund 3 Millionen Erwerbslose im Jahres- durchschnitt unterstützt werden muhten, müsien sich 1932 fast 6 Millionen in dieselbe S u in in e teilen Dieses Kunststück war nur möglich durch den rücksichtslosen Abbau der Unter- stützungssätze. Während noch 1929 in der Arbeitslosenversicherung durchschnittlich über 8V Mark monatlich gezahlt wurden, in der Krisen- sürsorge 7« und von der Wohlfahrtspflege M M., betragen die Sätze der drei Unterstützungseinrich- tungen jetzt etwa 4« bis 45 Mark inonallich. Der Mehraufwand von 1200 Millionen gegen 1928 ist mehr als wettgen, acht worden durch den Abbau der anderen Sozialaus- gaben. Für das Wohlsahrtswefen söhne Erwerb»- losenunterstühung). das Wohnungswesen und die Kriegsversorgung wurden 1928 noch insgesamt fast 5 Milliarden ausgewendet, während im lausenden Rechnungsjahre noch nicht einmal die Hälfte dieser Summe erreicht werden wird. Den 1,2 Milliarden Mehrausgaben für Arbeitslosenunterstützung stehen also mehr als 2>, Milliarden Einsparungen an anderen Soziolausgaben gegenüber. Und diese Einsparungen wurden vorgenommen in einer Zeil, in der das Reich hunderte von Millionen an Zndustriekapiläne und Großagrarier verteilte. Linkende Besitzbelastung �Unser Steuersystem hat die Eigenart, daß die M a s s e n b e l a st u n g im Lause der Krise automatisch steigt, während die Besitz- belastung automatisch sintt. Denn die Zölle und Berbrauchsiibgaben, die den größten Tell der Mossenbelastung ausmachen, haben fest- stehende Steuerbeträge, die umso schwerer wiegen, je mehr die Preis« sinken. Die Besitzbelastung da- gegen besteht zum größten Tell aus sogenannten progresswen Steuern, deren Gewicht umso mehr sinkt, je mehr die Einkommen und Vermögen infolge der Krise zurückgehen und damit in immer niedrigere Steuerstufen kommen. Anstatt aber dieser automatischen Entwicklung durch«ine sozial gerechte Steuerpolitik entgegenzuwirken, hat die Finanzpolitik der letzten Jahre alles daran gesetzt. um das Steuerunrecht noch zu ver- schärfen. Di« Lesitzsteuern sind gesenkt, die Massen- steuern sind noch weil»»höht worden. Die Senkung der Besitz steuern er- streckt sich lnsbesondere auf die Grundsteuer und die Gewerbesteuer, die Industriebelaitung und die Renteichankbelastung, die Kapitalverkehrssteuern und die Kapitalertragsteuern. Die Massen- steuererhöhungen traten in erster Linie das Arbeitseinkommen Die Lohnsteu» wurde onrch die Beseitigung der Erstattungen verschärst. Aus die brutale krisensteuer sotgle die noch brutal»? Arbeits- losenabgabe. Dazu kam die Rürgersteu». die die Gemeinden in ihrer Zinanznot von Zahr zu Jahr»höhten und die Grundsleu», die die Hauswirte aus die Miete überwälzen dursten. Zu zweit» Linie wurde der Mosienverbrauch getroffen: durch Erhöhung der Zölle, d» viersteuer. d» Tabaksteuer, der Zuckersteuer und durch die Wiedereinführung d» Salzsteu». Dazu fügten d!e Länder noch die Schlachtsteuer und die Gemeinden die Erhöhung ihr» Alkoholbesteuerung und die vermehrte Belastung durch die werkswrife d» versorgungsbelriebe! Während von 1928 bis 1932 die gesamten Reichssteuererträge von 9 Milliarden auf rund (>% Milliarden, also um fast 2M! Milliarden gesunken sind, ist dos Aufkommen an Zöllen und Verbrauchsabgaben nahezu unverändert geblieben. Gleichzeitig aber war die Massenbelastung in Ländern und Gemeinden schon bis 1931 um fast 7«« Millionen erhöht worden. Besonders kraß zeigt sich der Wandel der Belastungsverhältnisse bei h,r Besteuerung des Arbeitseinkommens und des Befttzeinkommens: Die Steuern des Arbeitseinkommens sanken von 1415 Millionen im Jahre 1928 aus 1094 Millionen im laufenden Rechnungsjahr, die des Besitzein- kommen? aber von 2303 Millionen auf 736 Millionen! Der Anteil des Arbeitseinkommens an d» gesamten Einkommensbelostung ist also von D» bekannte betriebswirtschaftliche Universi- tätsproiesior Schwalenbach hielt in Köln wieder eine aufsehenerregende Rede, die sich mit dem Strukturwandel der Wirtschast befaßte. Schmalenbach hatte schon vor einigen Iahren in Wien in einem Vortrag eine Theorie ent- wickelt, die in enger Anlehnung an Marxsche Gedankengänge das Ende der freien Wirtschaft infolge des Ueberwiegens der fixen Kosten voraussagte. Er nannte die heutigen Wirtschafts- führer(im guten Sinne) die T e st a m e n t s- voll st recker von Karl Marx Die Red« hatte damals ungeheures Aufsehen erregt und war von den Verfechtern der freien Wirtschaft heftig bekämpft worden. Aber heute, auf dem Tiefstpunkt der Krise, sieht Schwalenbach seine Theorie durch die Erfahrungen bestätigt. Schmalenbach hat in seiner Kölner Rede offen ausgesprochen, daß. je mehr infolge des technischen Fortschritts die fixen Kosten(sür Maschinen, Ge- bände usw.) gegenüber den proportionalen Kosten (für Löhne, Rohstoffe usw.) überwiegen, die freie Konkurrenz Wirtschaft ein um so größerer Wahnsinn wird. Er sagt Nipp und klar, daß» „bei dem Ueberwiegeo d» fixe« kosten die Aufrech lerhaltung des Prinzips d» freien kon- kurrenz in der volkswirlschosi für ganz unmöglich hält und daß er daraus die Rotwendigkeil. und zwar die unausbleibliche Rolwendigkeit ableitet, die freie Konkurrenz dort, wo die fixen Kosteu herrschen, durch ein anderes System zu ersehen." Mit Recht verhöhnt er die Schwärmer für die freie Konkurrenz und sagt von ihnen:„Praktiker und Theoretiker, die sich an den neuen Zustand der Dinge nicht gewöhnen können, werden die freie Konkurrenz als etwas Gottgewolltes rühmen und sich nicht vorstellen können, daß ihre Zeit vorbei ist." Der« i n z ige Spiel- räum, den Schmalenbach noch für das Walten des Konkurrenzprinzips sieht, ist die Konkurrenz zwischen den einzelnen Betriebsteilen, also die betriebswirtschaftlich« Konkurrenz im engsten Sinn des Wortes— ein« Form der Konkurrenz, 38 auf 60 proz. gestiegen, der de« vesiheinkom- mens von 62 aus 40 proz. gesunken! Selbst wenn man in Rechnung stellt, daß das Besitzeinkommen sich infolge der Wirtschaftskrise mehr vermindert hat als das Arbeitseinkommen. bleibt die Lostenverschiebung ungeheuer groß. Besitzentlastung auf Vorrat Wer glaubt nun. daß bei einer etwaigen Besserung der Wirtschaftslage ein Tell dieses finanzpolitischen Unrechts von selbst wieder gutgemacht würde? Im Gegenteil, die Massenbelastung würde gerade dann automatisch ziemlich rasch steigen, die Besitzbelastung aber sehr langsam nachhinken. Aber die Regierung hat darüber hinaus auch schon vorgesorgt, daß nicht etwa wachsende Massensteuererträge durch Unterstützungserhöhun- gen zugunsten der Massen verwendet werden könnten. Den Hausbesitzern ist seit langem eine Milliardenentlastung an Hauszinsstcuer bis zum Jahr« 194« garantiert. Darüber hinaus sollen die Besitz steuern um mehr ais eine Mil- liard« gesenkt werden, denn nach Wegfall der fetzigen Steuergutsckeine soll vom nächsten Jahre ab eine unmittelbare Steuer- »Mäßigung im selben Ausmaß eintreten. Dazu aber kommen die Milliarden, die auf dem Reichshaushalt an Vorbelastungen ruhen: sür die Sanierung der Banken, der Schwer- Industrie, der Großschissohrt und für die Almosen an die Rittergutsbesitzer. Die autoritäre Finanzpolitik hat bereits ganze Arbeit gemacht. Sie hat für Jahre hinaus dafür gesorgt, daß die Bäume einer sozialen Finan,Molitik nicht>n den Himmel wachsen können. Im Gegenteil, d'e Früchte der finanzpolitischen Reaktion sollen er st gerade mit der Besserung der Wirtschaftslage reiten und Junkern und Jndustriebaronen auch dann nocb sicher in den Schoß fallen, wenn sie sich nicht mehr in der polltischen Macht behaupten können, hehren kür die Arbeiterklasse Für die werktätigen Volksschichten ist die Lehre dieser Zahlen einfach und klar: die Finanzpolitik der letzten Jahre ist die zwangsläufige Folge des Vor- Marsches der Reaktion und der Aus- fchaltung des Parlaments und die prompte Quittung auf die Wahlen von 1932. Es wird nicht«her gelingen, das Steuer der deutschen Finanzpolitik wieder auf einen sozialen Kurs.her- umzirwerfen. bevor es nicht gelingt, die Macht der Gegenrevolution zu brechen und das arbeitend« Volk wieder in feine politischen Rechte einzusetzen. die auch viele sozialistisch« Theoretiker als berechtig! und gesund innerhalb eines rein sozialistischen Wirtschaftssystems anerkennen. Schmalenbach ist kein Sozialist. Er weist deshalb auch heute noch keine praktischen Wege, wie er sich die Wandlung des Wirt- schastssystems vorstellt. Rur an einer Stelle feiner Rede deutet er an. welche Richtung seiner Ansicht nach die Entwicklung gehen wird, wenn er sagt: „Eine vernünftige karte llgesehgebung wäre mir lieb«, als diese alle» zerstörende wilde Wirtschaft sd» freien Konkurrenz)". Und er führt diesen Gedanken weiter, indem er auf die Notwendigkeit der Entwicklung zu Zwangskartellen hinweist, gegenüber der der R e i ch s v e r b a n d der deutschen Industrie noch blind sei. Die Sozialdemokratie verlangt seit Iahren, daß endlich eine wirksame Kartell- gesetzgebung und Monopolkontrolle durchgesührt wird. Aber st« ist sich dessen bewußt. daß damit allein die liebet der kapitalistischen Wirtschaft, die auch Schmalenbach geißelt, nicht abgestellt werden können, sondern daß es dazu eines vollständigen Umbaus der Wirtschaft bedarf. Wenn Schmalenbach den Mut hätte, die Konse» quenz seiner eigenen Gedanken zu ziehen, so müßte er zum gleichen Ergebnis kommen. Aber ob er nun persönlich den Mut dazu findet oder nicht, die Sprache der Wissenschaft, die aus ihm spricht, hat doch wieder mit seiner Kölner Rede ein eindeutiges Urteil gegen den Fortbestand der kapitalistischen Wirts chaft abgegeben. Bainag erwartet Aufträge Im Mittelpunkt der Diskussion auf der Generalversammlung der Bamag (Berlin-Anhalter Maschinenfabrik) stand die Frage der Auftrogsbeschassung. Das Unternehmen be- mühe sich, so erklärte der Vorsitzende, durch diö Verbindung von Konstruktionsbüro und Ma- fchinenfabrik die hohen ausländischen Zollmaucrn zu übersteigen. So seien besonders bei dem Bau von Müllverbrennungsanlagen Lizenzver- träge mit dem Ausland abgeschlossen worden. Anlagen dieser Art seien für Zürich und fran- zösische Großstädte gebaut worden und hätten sich gut bewährt. Aus Frankreich seien auch einige Neuausträge eingegangen. Die bisherige Müll- Verwertung in Deutschland sei unrentabel und unhygienisch, aber es fehle den Kom- munen an Geld, um neue Anlagen zu errichten. Die Verwaltung habe sich an die für die Ar- beilsbeschaffung eingespannte„O e f f a"(Gesell- schaft für öffentliche Arbeiten) gewandt und hoffe, im Rahmen des Beschaffungsprogramms berück- sichtigr zu werden. Fluch der Absperrung Schwund im Außenhandel Daß die Politik der gegenseitigen A b- s � e r r u n g durch Zölle und.Kontingente für jedes einzelne Land eine sehr teure Angelegenheit gewesen ist und sich krisenverichärfend ausgewirkt hat, beweisen die Ergebnisse der Handelsbilanzen. die jetst von zahlreichen Staaten schon veröfsent- licht sind. Der'Außenhandel der Vereinigten S t a a- t e n ist im vergangenen Jahr auf den Tiefstand von 1905(!!) gesunken. Die Einfuhr ging, in Goldmork ausgedrückt, von 8,77 aus 5,55 Milliarden um fast 37 Proz., die Ausfuhr um rund 32 Proz. von 19,18 auf 6,8« Milliarden zurück. Der Exportüberschuß hat sich, da Ein- und Ausfuhr ziemlich gleichmäßig gesunken ist, nur unwesentlich auf 1.4 Milliarden er- höht. Wie schon die Schweiz, so bietet auch Frank- reich mit der Entwicklung seines Außenhandels ei» klassisches Beispiel für die gefährlichen B u in e r a n g- Eigenschaften der Konlingentspolitik. Frankreich wollte durch die Einführung radikal gekürzter Agrar- und Industriekontin gente seinen hohen Einfuhrüberschuß unter Ver- kennung der tatsächlichen Ursachen gewaltsam ab- bauen. Dies ist völlig mißlungen. Die Ein- fuhr wurde zwar erheblich gedrosielt— mengenmäßig 18,8 Proz.— und sank von 6,92 air 4,88 Milliarden Mark um 29,3 Pro;.: die Aus fuhr schrumpft« aber gleichzeitig um 43,7 Proz. von 4,99 auf 3,22 Milliarden Mark zusammen. Der Einfuhrst' erschuß konnte daher nur von 1,93 auf 1,65 Milliarden verringert werden. Met�llgesellseliLdt Die Metallgesellschaft A.- G., Frank- s u r t o. M.. nimmt wegen der Vielseitigkeit ihrer Tätigkeit eine Sonderstellung ein. Sie betreibt „Gewinnung und Verhüttung van Erzen und Weiterverarbeitung von Metallen, den Betrieb von Bank- und Finanzgeschäften, Handel, insbe- sondere mit Erzen. Metallen und sonstigen Pro- dukten". Im vorigen Jahre mußte eine scharfe S a n i e- r u n g durchgeführt werden, bei der auf die eigenen Anlagen 1,8 Millionen, aus die Beteili- gungen aber 23,6 Millionen Mark abgeschrieben werden mußten. Das Kapital wurde von 79,9 auf 4«B Millionen Mark herabgesetzt. Das damals geschaffene Wertberichtigungskonto in Höhe von 12 Millionen Mark mußte im abgelaufene» Ge fchäftsjahr 1931/32 zu weiteren Abschreibungen. vor allem auf die BeteUigungen verwandt werden. Die gesamten Beteiligungen des Unternehmens haben sich von 5«, 6 auf 38,8 Millionen Mark ermäßigt worden. Der Abschluß vom Mark ermäßigt. Auffälligerweise sind die gesamten Warenvorräte stark, von 17,2 aus 29,8 Millionen Mark gestiegen. Merkwürdig ist auch der Posten der Forderungen an Vorstandsmit- gl jeder(!) in Höhe von 1,96 Millionen Mark. Von de» Mitteilungen über die zahlreichen B c- t e i l i g u n g e n ist bemerkenswert, daß die Sacht- leben A.-G. wieder eine Dividende(Vorjahr 19 Pro,;.) oerteilen wird, daß aber die Vereinigte Deutsche Meiallwerke A-G., Altena, mindestens einen Verlust in Höhe der Abschreibungen(1,4Mll- lionen Mark) erleiden wird. Die A. G. chemische Produklenfabrik Pommerensdors-Milch in Stettin mußre ihr KapiMl im Verhältnis 3 zu 2 zusammenstreichen.— Für das neue Geschäftsjahr werden allgemeine Anzeichen einer gewissen Belebung gemeldet. Devisenabkommen mit Zinnlard. Zwischen Deutschland und Finnland ist zetzt ein Devisenabkommen getroffen worden, in dem Finn- land die gleichen Erleichterungen in der Abwicklung des Handelsverkehrs gewährt werden. wie sie nach den bereits abgeschlossenen Verträgen Frankreich, Italien, Schweden und der Schweiz zugestanden wurden. Danach können deutsche Importeure künftig bei Erschöpfung ihres Devisen- k v n t i n g e n t s auf ein Sonderkonto der Finn- landbank bei der Deutschen Reichsbank die über das Kontingent hinausgehenden Beträge in Reichs- mark einzahlen. Japan baut chemische Werke in der wandichu- rei. Nach einer Meldung aus Tokio ist das Pro- jekt der Errichtung von großen chemischen Wer- ken in Dairen amtlich l estätiqt worden Das Gründung? kapital beträgt 25 Millionen Pen. Ge- baut wird unter führender Beteiligung der Süd- Mandschuriicben Eisenbahngesellschaft. Der Haupt- sitz soll in Dairen, wo auch das Hauvtwerk. das«ine Jahresproduktion von 189 999 Tonnen Ammoniak-Schwefelsalz haben soll, errichtet wird. �Valmsurn der freien Wirtschaft Die Wissenschaft gegen den Kapitalismus Der Anarchistenputsch Die spanischen Syndikalisten im Dienste der monarchistischen Reaktion Unter Ostelbiern V on unserem Korrespondenten Madrid, Mitte Januar 1333� Die revolutionäre Aktion des spanischen An- archismus in der ersten Januarhälste dieses Jahres ist auf der ganzen Linie zusammen- gebrochen. Wenn hier und dort, in kaum be- kannten Orten, von syndikalistischen Gewerkschaften Generalstreiks ausgerufen werden, wenn in große- ren Städten bedeutungslose Sektionen Sympathie- streiks anzuzetteln versuchen, lo geht deren Be- deutung kaum über die betreffende Ortsgrenze hin- aus, und außer den unmittelbar Beteiligten und den nimmermüden Berichterstattern ultrarevolutio- närer und reaktionärer Zeitungen nimmt kein Spanier überhaupt Notiz davon Man hat sich an das Generatstreikfpielen der Syndikalisten schon gewohnt säst jede Zeitung hat ihre tägliche Spalte„Streiks und Arbeits- Konflikte*, und darunter gibt es dann meist nur eine Aufzählung der Streiks, die im Laufs der letzten Tage angefangen bzw ausgehört haben. Damit soll nicht gesogt werden, daß die spani- schen Arbeitsverhältnisse etwa so glänzend wären daß gar kein Grund zum Streik vorläge. Wie wollte man das erwarten in einem Staat, in dem bis vor knapp zwei Iahren die Arbeiter und Bauern überhaupt keine Rechte hatten, in einem Land, das feit Jahrzehnten nur von Adel, Kirche und Grundbesitz regiert wurde? Aber es geht den Anarcho-Syndikalisten ja gar nicht um Verbesserung der Arbe-tzverhältnisse, nicht um Lohnerhöhung und nicht um Arbeitszeit- Verkürzung! Die meisten spanischen Unruhen sind ja gar keine Arbeitskämpfe, sondern sind Auf- standsversuche konterrevolutio- närer Gruppen, bei denen ausgehetzte, meist a r b e i t s lose junge Proletarier die Masse dar- stellen müssen.— Die anarcho-syndikalistischen Führer haben ihre Gründe, sich in die Front der Konterrevolutio- näre einzureihen. Seit dem 14 April 1931, dem Tage der spanischen Revolution, befindet sich Spanien auf dem Wege zur demokra» tisch-sozialistischen Republik. Welche Funktionen könnte in einem solchen Staate der Anarchismus haben? Schon heute verlassen denkende Arbeiter in Scharen die syndikalistischen Reihen und stellen sich in die Front der frei» gewerkschaftlichen Bewegung die seit der Staatsumwälzung einen ganz unerwartet großen Aufschwung genommen hat. Die sozialistische Orientierung im neuen Staat geht den Anarcho-Syndikalisten aus die Nerven. Wenn Land- und Fabrikarbeitern menschenwürdige Wohnungen gebaut werden, wenn sie und ihre Familie bei Krankheit, Arbeitslosigkeit und Iln- glücksfällen eine genügende staatliche Unterstützung erhalten, wenn sie in vielen hundert staatlichen Abendschulen lesen und schreiben lernen, wenn ihre Kinder in achtjähriger obligatorischer Schulzeit zu denkenden Menschen erzogen werden, wenn end- lich Arbeitervertreter in Regierung, Gericht und Verwaltung ihrer Not Verständnis«ntgegenbrin» gen und Abhilfe schaffen, sich bei Arbeitskonflikten auf die Seite der Arbeiterschaft stellen, womit können dann die anarchistischen Führer die Massen noch an sich ketten? Nein, es geht ihnen wirklich nicht um eine Besse- rung der wirtschaftlichen und sozialen Lag« der Arbeiterschaft. Es geht ihnen darum, der mar- schierenden Revolution Steine in den Weg zu werfen, sozialillische Gemeindevertreter, sozio- listische Bürgermeister, sozialistische Minister, die sich gegen die unsinnigen Streiks wenden, vor den Massen zu kompromittieren und so die Reaktion zu stärken. Nach den letzten Ereignissen liegt die Vermutung sogar äußerst nahe, daß der anarchi- stische Putsch im Einvernehmen mit monarchistischen Kreisen eingeleitet und von diesen unter- stützt worden ist. Man achte auf die Reihenfolge der Ereig- nisse: am 39. Dezember findet die Polizei in Barcelona tausend fertig montierte Bomben, tags darauf fallen ihr Dokumente in die Hände, aus denen hervorgeht, daß die syndikalistischen Ge- werkschasten für den 1. Januar den Generalstreik auszurufen planen. Di« Veröstentllchung des gefundenen Materials und die sofortige Zusammen- Ziehung militärischer Kräfte in den revolutionären Zentren verhindert den Ausbruch des Streiks: aber in derselben Nacht zum l. Januar werden lssmonarchistische Deportierte von Ge- sinnungsgenossen au» der Strafinsel Villa Cisneros befreit. Zufall? Als der Aufstand am B. Januar endlich aus- bricht, wird er— wenigstens in den größeren Städten— in wenigen Stunden erstickt. Am 9. Januar erklärt die syndikalistische Tagespresse: Neues Manöver der sozialistischen Minister: sie organisieren einen anarchistischen Putsch, um unsere Bewegung unter Ausnahmegesetz zu stellen. Am 10. Januar aber verkünden dieselben Blätter: Das spanische Proletariat rebelliert! Die Revolution beginnt. Die nationalistischen Zeitun- gen bringen„Schilderungen von Augenzeugen" und seitenlange Berichte über die Tatiache, daß in drei oder vier der vielen hundert spanischen Dörfer die Ausständischen einen Gemeindevorsteher verhafteten oder einige Soldaten entwaffneten. Und welchen Zweck sollte der ganze Pussch nun eigentlich haben? Die Antwort: Es war gar kein Aufstand zur sofortigen Beseitigung der ver- fassungsmäßigen Regierung: das Programm lautete nur: Entfachunq revolutio- närer Erhebungen. Nachdem im Borjahre erst ein anarchistisch-kommunistsscher, dann ein monarchistischer Umsturzversuch mißglückt ist, haben beide Gruppen eine andere Metbode gefunden, die verhaßte republikanisch-sozialistiiche Regierung los- zuwerden: sie bei der Masse>n Mißkredit zu bringen und unpopulär zu machen. Durch revolutionäre Erhebungen soll das Wirtschaftsleben lahmgelegt, die Sicherheit dauernd gefährdet werden, damit in der großen Masse der republikanischen Wählerschaft der Ein- druck entsteht, daß die gegenwärtige Regierung zur Verwaltung des Landes und zur Ausrecht- erhaltung der Sicherheit und Ordnung unfähig sei. Fünfzig Tote müssen zu dem nun begin- nenden Hetzfeldzug das Material geben. Dan links geht es gegen die„faschistische Regierung, die aus wehrlose Arbeiter schießen läßt", von rechts gegen die„sozialistische Regierung, die den marxistischen Banditenstreichen tatenlos zusieht, die den wehr- losen Bürger dem roten Mordgestndel ausliefert und Spanien zum wirtschastlichen Zusammenbruch führt." In den letzten Tagen mehren sich die Ge- r ll ch t e, wonach der jüngste Anarchistenputsch von den Monarchisten auch finanziell unter st ützt worden ist. Wovon sollten sonst die anarchistischen Organisationen die Gewehre und Revolver bezahlt haben, die bei Haussuchungen in den Wohnungen der Autrübrer gesunden und be- schlagnahmt worden sind? Kaum von den spärlich eingehenden Beiträgen ihrer Mitglieder. Wenn man dann noch die immer häufiger werdende Tat- fache berücksichtigte daß katholische Ar- beiter von ihren Arbeitgebern zum Eintritt in die anarcho-syndikalisti- schen Gewerkschaften ausgefordert werden, nehmen die Vermutungen immer festere Gestalt an. Was aber in republikanischen Kreisen die größte Ueberraschung hervorrief, war die Reaktion der Börse auf die revolutionären Ereignisse. Während erfahrungsgemäß bei linksreoslutionären Umsturzversuchen die Notierungen— insbesondere die staatlichen Papiere—, emen beträchtlichen Sturz erfahren, zogen in den letzten Unruhetagen die Kurse ausfallend stark a n. Sollten die Herren mit dem vielen überflüssigen Geld— die in der übergroßen Mehrzahl sicher keine Freunde der - gegentvärtigen Regwyntz, sind' sr.niMeiHt etwas mehr darüber gewußk'.hsben. w.r.r»ui der Strsße die Revolution machte, und. mit.einem, ganz.ande- ren Ziel als dem der„freien kommunistischen Re- publik"? Es wiederholt sich heute in Spanien das be- schämende Schauspiel, daß die Arbeiterschaft im letzten Jahrzehnt schon in so vielen europäischen Ländern mit ansehen muhte: Anarchisten und Kommunisten, Reaktion und Monarchisten Arm in Arm gegen die organi- sierte Arbeilerschost, gegen Republik, Demokratie und Sozialismus. Die spanische Regierung hat schon mehrmals Be- weise dafür gegeben, daß sie ihre Gegner nicht mit Samthandschuhen anzufassen gewillt ist. Möge sie auch diesmal den Rechts- und Links- Putschisten einen dicken Strich durch ihr« ge- meinsame Rechnung machen, möge sie das Steuer dos Staatsschiffes fest in der Hand behalten, mit Kurs auf die sozialistische Demokratie! E. Srfi. M „Hier steht: Rejierung soll den überstaatlichen Notstand proklamieren."— „Jroßart'je Idee! Notstand paßt immer. Das is'n neuer Jrund für 0 s t h i 1 f e!" Winter auf dem Arbeitsmartt 193 030 Erwerbslose in der ersten Januarhälfte mehr Die Arbeitslosigkeit hat in den ersten beiden Januarwochen unter dem Einfluß des Frostes in . erheblichem.Umfange zugenommen. Zwar blell't der Zuwachs mit rund. 133 999 Erwerbslosen noch weit hinter der gleichen Berichtsperiode des Vor- jahres, wo rund 234 900 Erwerbslose neu zu den Arbeitsämtern strömte«, zurück: doch zeigt sich in der anhaltenden Verschlechterung des Arbeits- Marktes, daß die ArbeitSbeschaffungsplän« der Reichsregierung bisher nur in der Theorie bestehen. Von irgendeiner Linderung der durch den scharfen Frost säisonmäßig verstärkten Arbeits- lofigkeit durch Ingangsetzung der Arbeitsbeschaffung kann nach den bisherigen unekfreulichen Ergeb- mssenn i cht di e R ede fe i m' � s Immerhin zeigt sich, daß die Konjunkturgruppen der Industrie auch in den letzten Wachen eine ziem- lichg Widerstgichpsahigkeit bewiesen haben und daß der Zuwachs an neuen Arbeitslosen fast ausschließ- sich zu Lasten der Saisongruppen geht. In den letzten sechs Wochen entwickelte sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt wie folgt: Millionen Erwerbslose lgZl/ZZ 1932/33 30. November 15. Dezember 31. Dezember 15. Januar. 5,06 5.35 5,66 5,96 545 5,60 5.77 5,96 Seit Ende November vergangenen, Jahres ist also die Arbeitslosigkeit um rund 698 999 Personen gestiegen, während in der gleichen Periode des vor- hergehenden Jahres von November 1331 bre Mitte Januar 1332 ein Zustrom von 392 999 neuen Er- werbsiosen stattgesunden hat. Das erstmalige Zusammenfallen der zum 15. Ja- nuar von den Arbeitsämtern ausgewiesenen Er- werbslosenzahl mit den Ziffern von Mille Januar 1332, auf die der Bericht der Reichsanstall mit besonderem Nachdruck hinweist, will so lange nichts besagen, als keine Möglichkeit einer genauen statistischen Erfasiung sämtlicher Arbeits- losen in Deutschland besteht. Bei der Existenz einer unsichtbaren Arbeitslosen- a r m e e. deren Höh« man nur entfernt schätzen kanir, Ist jedem Zweckoptimismus gmt- sicher Stellen bei dem Ausweis der Arbeitsamt- ziffern Tür und Tor geöffnet. Am einzelnen, stellt die Reichsynstall sesl, hqß in der Landwirtschaft während der Berichtszell noch größere Entlassungen stattsanden. Die Verstärkung der Belegschaften im Kohlenbergbau hat aufgehört. . nur im. Erzbergbau fanden Neueinstellungei, statt. Bei den Hütten- und Walzwerken waren im Rhein- lande und in Schlesien NeueinsteUungen möglich: auch in der keramischen und Glasindustrie besserte sich die Beschäftigung, während in der metall- verarbeitenden Industrie endlich der Schrumpfungsprozeß zum Stillstand gekommen zu sein scheint. Das Reichsehrenmal Die Entscheidung des Rreisxerichts Das von der Stiftung Reichsehrenmal berufene Preisgericht hat dem Entwurf der Professoren Bieber und W a ch e r l e- München, dem Eni- wurf der Professoren Ulsert, Janssen und Heinz Wetzel- Stuttgart, sowie dem Entwurf von Professor Kreis- Dresden je einen Preis von A>99 Mark zugesprochen. Ferner hat der Entwurf van Regierungsbaumeister Blecken, Regierungsbaumeister Breuheuser. Architekt H o l b o r n- Duisburg einen Preis von 1599 M. und der Entwurf von Diplomingenieur .Pfeiffer Haardt-München in Verbiiümng mit dem Glockenoorschlag-Otto Schill i n g- Apolda einen Preis von 1999 M. erhalten. Dos Preisgericht hat der Stiftung Reichsehrenmal von den mit gleichen Preisen ausgezeichneten drei Entwürfen in erster Linie den Entwurf Bieber- Wacherle zur Ausführung empfohlen. .Alfons Fedor Cohn Am Dienstag ist Regiekuirgsrat Alfons Fedor Cohn im Aller von 55 Jahren nach längerem Leiden gestorben. Alfons Fedor Cohn, ein ge° barener Berliner, war ursprünglich freier Schrift- steller. Da er vielfache Beziehungen zu den nordischen Ländern balle, so über- nahm er während des Krieges den Posten eines Prefsebeirats bei der deutschen Gesandt- schaft in Kopenhagen. 1929 ivurde«r in» Auswärtig« Ann üdernonunen und 1928 zum Regienrngsrat in der Presseabteilung der Reichs- regiening ernannt. Hier halle er das Referat für die nordischen Länder und besonders den Per- kshr mit den Organisationen der ausländischen Presse wahrzunehmen. Als Schriftsteller wie als Beamter ist er in den breitesten Kressen de? deutschen Schrifttums be- kannt geworden. Eine Reih« skandinavischer Schrisssteller hat er durch sein« Uebersetzungen in Deutschland bekannt und populär gemacht. Auch als dramatischer Dichter war er nicht ohne Erfolg. Der sozialdemokratischen Presse stand er durch viele Jahre als Mitarbeiter nahe. Bis zuletzt sst er auch dem„Vorwärts" freundschaftlich ver- banden geblieben.. Die Patentnationalen in Deutschland haben in den letzt«« Jahren immer neu eine Hetze gegen ihn zu entfalten gesucht, Nicht wegen seiner Tätigkeit, sondern wegen seines Namens. Ein Zeichen unserer Kultur!, wisierung der mazedonischen Emigration. Schon zweimal in der letzten Zeit waren Anschläge auf ihn versucht worden. Nach Bekanntwerden des Mprdes sammelten sich Kommunisten aus dem Platz der Kathedrale, um zu protestieren. Mit mehreren Schreckschüssen konnte die Polizei die Menge zerstreuen und einige V e r h a f- tun gen vornehmen! Mvrdstadt Sofia Abgeordneter auf der LtraLe erschossen Sofia, 24. Januar. Am Dienslagnachmiilag wurde der kommunistische Abgeordnete Iralkofs von unbekannten Allen- tölern in einer dunklen Slraße in der Nähe des Parlamenis erschossen, das er eben verlassen Halle. Traitoff erhielt fünf Pistolenschüsse in den Sops au» nächster Nähe und war sofort tot. Der Ermordete ist gebürtiger Mazedonier und hat zusammen mit dem unlängst bei einem ähn- lichen Anschlag schwer verletzten Martulloff besonder«« Anteil an der versuchten Bolsche- Tränengaönazis verhaftet Das Wiener Warenhaus-Attentat Nach dem Tränengasattentat auf Publikum und Personal eines großen Wiener Warenhauses am Goldenen Sonntag hatte die Polizei eine Anzahl Hakenkreuzter verhafiet, die jedoch zum größten Teil vom Gericht wieder frotgeiassen wurden. Nu» ist die Polizei durch eine detaillierte Anzeige aus dem N a z i l a g e r aus die richtige Fährte gelenkt worden und hat bereits 19 dieser„Auf- bauwilligen"» darunter eine ganze Anzahl„Amts- walter", festgenommen. Die Anzeige hatte unter anderem berichtet, daß am Tag« vor dem Anschlag die Torwache des Wiener„Braunen Hauses" plötzlich von starkem Hustenreiz befallen wurde, weshalb sie einen„marxistischen" Gas- angriff oermutete und das ganze Haus alar- mierte.(Natürlich nicht auch die jüdischen Wohnparteien, die man dank dem Mieterschutz- gesetz nicht herausbringen kann.) In einem abge- jchlosfenen Kellerraum, den sie mit Nachschlüsseln öffneten, fanden die Torwächter den Pg. Grill- meier, der dort Tränengasflüsstgkeit in Phiolen füllte und die Wächter zu strengstem Still- schweigen verpflichtete. Unter den jetzt Verhafteten ist auch dieser Grillmeier. her nach den: Anschlug aus Wien verschwunden, in Weyer festgenommen, aber wieder freigelassen war. Für ein sozialistisches Deutschland Durch die Einheit der Arbeiterschaft In fetner Eröffnungsrede auf der Reichskome- renz der Betriebsräte führte Genosse L e i p a r t u. a. aus: Einigung der Arbeiterklasse! Es ist kein Ruhmeszeichen für die deutsche Arbeiterbewegung, daß diese Parole mit besonderem Nach- druck heute wieder ausgesprochen werden muß. Ich möchte vor Eintritt in die sachlichen Beratungen deshalb einige Worte zu den An- g r t f s e n sagen, die gerade jetzt in demagogischer Weise gegen die Gewerkschaften gerichtet werden. Man fertigt erdichtete Protokolle an, die angeblich in der Reichskanzlei und im Reichs- innenministerium aufgenommen seien und über vertrauliche Besprechungen und Verhandlungen zwischen Regierungsleuten, Nazileuten und ADGB.-Leuten: man vervielfältigt und verbreitet sie hinter unserem Rücken, monatelang, ehe wir Kenntnis davon erhalten. In diesen Derhand- lungen, die nie st a t t g e f u n d e n haben, sollen wir uns bereit erklärt haben, die Gewert- schasten nach italienischem Muster, ja. ich könnte auch sagen nach russischem Muster, zu v e r- st a a t l i ch e n, sie einzubauen in den staatlichen Apparat. Und dann schreit man mit solchen Protokollen über Arbeiterverrat, über Klasien- verrat durch die ADGB.-Führer! Es ist vielleicht überflüssig, aber ich will doch die Gelegenheit nicht vorübergehen lasten, euch zu sagen: Ich habe Gregor Slraßer in meinem Leben noch nicht gesehen, habe auch noch kein Varl mil ihm gewechselt, und kein anderer ADGB.- Zllhrer Hat jemals mit Gregor Straßer ein Bart gewechselt! Uns wird der Vorwurf gemacht, wir tolerieren die Regierung Schleicher. Zunächst einmal: d I s Gewerkschaften sind(eine politische Partei, sind es nicht und wollen es nicht sein. Wir■ haben unsere Sozialdemokratische Partei. Wir als Gewerkschaften haben �ar nicht die Befugnis, aber auch gar nicht die Möglichkeit. etwa eine Regierung zu stürzen, und deswegen kann von Toleriernng keine Rede sein. Wir als Gewerkschaften müssen aber mit jeder Regierung rechnen, auch wenn sie gar nicht unser Vertäuen hat. Wir müssen, well wir auf dem Posten an der Spitze der Gewert- schaftsbewegung stehen, mit jedem Arbeits- minister über die Interessen der Arbeiterschaft verhandeln. Wir müssen mit jedem Wirt- schaftsmini st er über unsere wirtfchasllichen Aufsastungen verhandeln, um sie bekanntzumachen und durchzusetzen. Und wenn das nicht genügt, mit diesen Ressortministern zu oerhandeln, dann mü s s e n wir auch zum Reichskanzler gehen. er mag heißen wie er will! Es wird leider auch zum Teil in den eigenen Reihen jetzt von einem Gegensatz zwischen Partei und Gewerkschaften gesprochen. Es wird darauf hingewiesen: die Partei befinde sich in der schärfsten Opposition, und die Gewerkschaften nicht. Ich habe gestern bereits in der Sitzung des Bundesausfchustes ausge- sprachen: die Gewerkschaften stehen zu seder Regierung in Opposition, die Gewerkschaften führen mit jeder Regierung dauernd Krieg, Kleinkrieg. Die Gewerkschaften können sich und werden sich niemals an eine Legierung binden. Wir haben das nicht getan, selbst als Sozial- demotraten Kanzler und Arbeitsminister waren. Wir haben stets rücksichtslos unter Ausnutzung der gegebenen MachiverHältniffe die Interessen der Arbeilnehmerschaft verfochten. Das ganze Jahr hindurch ist Tag für Tag mindestens ein Vertreter der ADGB. und des AjA-Bundes bei irgend- einem Ministerium, bei dem Minister oder seinen Sachbearbeitern, um für unsere Forderungen zu kämpfen, um zu verhindern, daß allzu große Dummheiten gemacht und allzu große Angriffe aus die Rechte der Arbeiterschaft durchgesetzt werden. Man erhebt gegen uns den Vorwurf, daß wir die Gewerkschaften zum Faschismus führen, daß wir bereits unseren Frieden mit dem Faschismus gemacht hätten— gegen uns, die wir doch wohl die stärkste Säule der Eisernen Front sind! Von Leuten wird dieser Vorwurf erhoben, die bekanntlich an jenem 9. August 1931 in der Volksabstimmung gegen die preußische Regierung sich mit den Nazis verbunden haben. Der 20. Juli 1932 hätte schon im August 1931 eintreten können, wenn es der Eisernen Front nicht gelungen wäre, diese Gefahr zu«verhindern. Man nennt uns, die Gewerkschaften, die Stützen der kapitalistischen Privatwirtschaft. Täglich, in jeder kommunistischen Zeitung! Man schreibt kein Wort über unsere Forderungen aus U m b a u d e r W i r t s ch a s t. Ich nenne nur dies Wort, um diesen Blödsinn, daß wir die Stützen der kapita- listiichen Wirtschaft seien, zu illustrieren. Noch eins. Vor 14 Tagen bin ich auf Be- schluß des Vorstandes des Reichswirtschaftsrates mit meinem Mitvorsitzenden cherrn von Siemens beim Reichskanzler gewesen, um dort die Forde- rung zu vertreten, daß nichtmehrallesnur durch die Bürokratie in den Ministerien gemacht wird, sondern daß die oerfasiungsmäßige Instanz, der Reichswirtschaftsrat wieder einge- schaltet, gutachtlich gehört werde. Aus dieser Tat- fache macht man, daß dieser gemeinsame Gang zum Reichskanzler darauf hindeute, daß an eine Neubelebung des Gedankens der Arbeits- g e m e i n s ch a f t gedacht werde! Gegen solche Dummheit können wir uns nicht schützen. Ich wiederhole, was wir schon dutzendmal erklärt haben: an diesen Behauptungen von Berhandtuugen mit den Faschisten ist kein wahres Wort, wir denken nicht daran! Früher war es„Berrak" an der Arbeiterschaft, wenn die Gewerkschaften Tarifverträge ab- geschloffen und die Arbeiterschaft„gebunden" haben. Jetzt ist es„Verrat", wenn die Gewerk- fchaften sich weigern, Tarifverträge noch ab- zuschließen, die weitere Lohnkürzungen, weiteren Lohnabbau bringen sollen. Die heutigen Angriffe der sogenannten reoolu- tionären Arbeiterschaft gegen die Gewerkschaften und gegen die Sozialdemokratische Partei sind im Grund genommen eine Fortsetzung des alten Meinungstampfes in der deutschen Arbeiterbewe- gung über die Begriffe Revolution oder Evolution, gewaltsamer Kampf oder un- blutige Entwicklung. Ich gehöre ja nun mittler- welle schon zu den Alten, aber ich kann mich trotz- dem lebhaft erinnern: schon in meiner Jugendzeit haben wir in den eigenen Rechen um diese Frage hart gestritten. Aber wir haben doch nicht, so wie heute, unter uns gestritten mit Prügel und Schießeisen, nicht mit persönlichen Be schimpfungen und mit gröblichster Ehrabschneiderei! Das eben ist der große Unterschied gegenüber der früheren Zeit: Damals war es der ehrliche TNeinungsausIanfch unter Gleichgesinnten. unter Gleichftrebcnben, während es heute der häßliche Konkurrenzkampf einer politischen Partei gegen die andere ist, der Kamps um die Wähler- stimmen. Die Gewerkschaften nennt man jetzt dauernd, in Wirklichkeik meint man aber die Sozialdemokratische Partei. Unsere sozialdemo- krarische Ueberzeugung wird angegriffen, wird de- kämpft, wird mit Unrat besudelt, sonst wäre der Kamps um die Begriffe Revolution oder Evo- lution gar nicht so gefährlich. meinerseits dazu sagen: es gwt Ich möchte aber keine revolutionärere Bewegung als Gewerkschaftsbewegung. unsere Streik der Dekateure Uatemelunerfront durchbrochen Am Momag sind die fast restlos freioewerk- schaftlich organisierten Dekateure Berlins in den Streik getreten. Die Streikenden fordern eine Löhnerhöhung um 4 Prozent, sowie günstigere Kündigung s° und Einftellungsbedingun- gen. Ihr Arbeitsverhältnis soll nichr mehr läg- lich, sondern mir zum'Wochenschluß ausge kündigt werden können, und die Einstellung vön Arbeitern Niehl mehr wild, sondern durch Vermittlung des Arbeitsnachweises erfolgen. Vor allem verlangen die Dekateure, daß ihre Lohn- und Arbeitsbedingungen wieder t a r i f- l i ch festgelegt werden. Seit dem 31. Oktober 1932 besteht für die Berliner Dekaturbranche kein Lohntaris, und seit dem 1. Januar auch kein Manteltarifvertrag mehr. Die Dekateure mußten noch Ablauf des Lohn- tanses eine einzelbetriebliche Lohnkürzung bis zu 10 P r oz. hinnehmen, da wegen der schlechten Befchäftlgungslaae mi November jeder offene Widerstand gegen die Lohnkürzung aus- sichtslos erschien. Jetzt setzt aber>n der Dekatur- branche die Konjunktur wieder ein. Die UMernehmerorganisation hat wiederum V e r- Handlungen abgelehnt, woraus In den einzelnen Betrieben Verhandlungen angebahnt wurden, die aber auch kein Ergebnis hotten, so daß die allgemeine Arbeitseinstellung am Montag unvermeidlich war. Vier Firmen, darunter die drei größten Berliner Firmen, haben noch am Montag die Forderungen ihrer Arbeiter a n- erkannt. Sie haben mit der Ortsoer- waltung des T e x t i l a r b e i t e r o e r b a n- des Einzeltarife abgeschlossen, die hinsichtlich dep Löhne bis zum 30. Juni und beziig- sich der Arbeitsbedingungen bis zum 31. Dezember dieses Jahres gelten. In diesen Betrieben, wo am Dienstagsrüh die Arbeit wieder ausgenommen wurde, sind etwa zwei Drittel der m den Streik getretenen Arbeiter beschäftigt. Die noch im Kamps stehenden Dekateure sind emichlvsien, nicht eher in die Betriebe zurückzukehren, bis auch ihre Unternehmer nachgegeben Haben. Ausländische Arbeitneymer Eine neue Verordnung Recht vorsorglich ist eine neue am 1. Mai 1933 in Krast tretende Verordnung, die setzt vom Reichsarbeilsminister mit Zustimmung des Reichs- rats über ausländische Arbeitnehmer erlassen wur- den. Ueber den Inhalt und Zweck der Berard- nung wird mitgeteilt, daß sie sich aus alle aus- ländischen Arbeitnehmer erstrecke, deren Beschäs- tigung im ganzen Reich nach einheitlichen Grund- sätzen regelt, ein einheitliches Versahren unter Wahrung der fremden polizeilichen Belange der Ausländer bestimmt und die Vorschriften über die Einstellung und Beschäftigung ausländischer Ar- beitnehmer zusammenfaßt, die bisher in verschie- denen Verordnungen enthalten waren. „Die Vereinbarungen, die mit einzelnen ausländischen Staaten über die gegenseitigen Arbeits- markibeziehungen geschlasien sind, bleiben selbstverständlich unberührt." Autobusstreik beendet London, 24. Januar. Der wilde Streik der Londoner Autobus- angestellten Halle am Sonntag seinen Höhepunkt erreicht. Von 20 000 Mann streikten 13 00 0. Bon den 43 Garagen der Autobusgesellschast lagen 26 vollständig still. Straßenbahner beschlossen in den Sympathiestreik zu treten. Am Montag beschlossen die Streckenden, der wiederholten Aussorderung ihrer Gewerkschasi folgend, die Arbeit heute Dienstag wieder aufzunehmen, nachdem die Gesell- schast gewisse Zugeständnisse an die Forderungen der Streikenden in Aussicht gestellt hatte, die sich hauptsächlich um das Tempo bestimmter Omnibus- linien drehten. Der Streik hat eine Woche ge- dauert. in Zukunft die Machtverhältnisse ausnutzen und sind bereit, die allergrößten Schritte nach vorwärts zu machen. In meiner so viel angegriffenen Rede in Bernau habe ich u. a. auch gesagt: wir. die Gewerk- schasten, wollen positive Arbeit in der Gegenwart leisten, jawohl, aber unser Blick ist weiter ge- richtet aus eine Neuordnung, die in nicht zu serner Zeit kommen muß. wir bekennen uns zur revolutionären üdee, weil wir die Erkennlnis hoben, daß unsere letzten Fiele nur in einer Renordnung verwirklicht werden können. 3n diesem Sinne wellen wir trotz aller Anfeindungen unfern Kamps fortsetzen. unfern Kamps In den Gewerkschaften. In Der- bindung, mit Unterstützung der Betriebsräte, unfern Kamps für die wohlverstandenen wahren Interessen der deutschen Arbeitnehmerschast, unfern Kamps für ein freies sozialistisches Deutschland. Wir sind immer noch die eigentlichen Revolutio- näre, wenn wir auch nicht diese unsere revolutio- näre Gesinnung täglich und stündlich aus die Gasse schreien.. Indessen wir als Gewerkschaftler haben nach meiner Meinung gar keinen Anlaß, uns aus die eine oder andere Methode festzulegen. In der Entwicklung gibt es kleine und große Schritte, es gibt Schritte noch vorwärts und gelegentlich auch Schritte nach rückwärts. Ich erinnere auch hier an das bekannte Wort von Friedrich Engels: Die ganze Geschichte der Arbeiterbewegung zeigt sich als eine sortlaufende Kette von Niederlagen, unterbrochen nur von wenigen Siegen. Wir in der Bundessührung und jeder Ver- bandsoorstand wären natürlich bereit, in der Cnt- wicklung nach vorwärts so große Schritte zu machen wie nur möglich, größere noch als in der Berganoenheit. Das hängt aber nichl von dem guten Willen der Verbandsleitungen und der Bundesleitung ab. Das hängt ab von dem Maß an Stärke und Macht der Organisationen. die hinter der Leitung stehen. Wir werden auch Entlarvte Schwindler Kommunisten gegen l�?D. Zur Vorbereitung der Betriebsratswahl bei der Gasbetriebsgesellschast werden in der kommunistischen Berliner Presse gegen den Gesamtoerband Verleumdungen aus- gestreut, die selbst den kommunistischen Funktio- nären dieses Betriebes über die Hutschnur gehen. So wird zum Beispiel behauptet, der Lohnabbau von 3 Pf., der bei der Gasbetriebsgesellschast am 1. Februar eintritt, fei hinter dem Rücken der Belegschaft von den Gewerkschaften vereinbart worden. Wegen der wahrheitswidrigen Behauptunzen der kommunistischen Zeitungen haben die Per- trauensleute der Gasbetriebsgesellschast, die Mit» glieder der KPD. find oder mit der KPD. sympathisieren, in dar Pertrauens- männerversammlung am 20 Januar gemeinsam mit den nicht kommunistifchen Vertrauensleuten folgende Feststellung getroffen, die auch den be- treffenden Zeitungen übermittelt worden ist, bis heule aber von chnen noch nicht abgedruckt wurde: Die Nachtoerhandlung mit der Direktion der Gasbetriebsgesellschast A.-G. zum Zwecke des Abschlusses eines neuen Lohntarifoertrages am Freitag, dem 4. November 1932, hat im Anschluß an die Feststellung des Ergebnisses der U r a b- st i m m u n g auf ausdrücklichen und e i n st i m» m i g e n Wunsch der Vertrauensleute stattgefunden. Die Verhandlung wurde um%2 Uhr am Sonnabendmorgen beendet. Die Derirauensleute haben ohne Ausnahme den Abschwß der Verhandlung abgewartet und soiorl den ausführlichen und wahr- heilsgetreuen Bericht über die Verhandlung und ihr Ergebnis entgegengenommen. Es haben dann am gleichen Morgen bei Arbeltsbeginn, während der Ardeit-zeit, in allen Werken und Dienststellen der Gasbetriebsgesellschast A.-G. B e l e g f ch a f t s- verfammlungen stalfgefunden, in denen die Bertrauensleute den Belegschaften sofort Bericht erstattet haben. Das entsprechende Lohnabkom- men ist erst vier Tage später, also am 8. November 1932 schristlich f inert und unterzeichnet worden. Die Behauptungen der„Roten Fahne" vom Sonntag, den 15. Januar 1933, und„Berlin am Morgen" sowie„Welt am Abend" vom Mutwoch, den 18. Januar 1933. daß die Gewerkschafls- anzestelllen erklärt hätten, es käme überhaupt kein Lohnabzug in Frage, daß sie ferner das -lbkonunen Himer dem Rücken der Belegschaften abgefchlasien hätten, und daß dieses Abkommen erst viel später bekannt geworden sei, entspttchen also in keiner weise der Wahrheit. BetriebSrawwahl be! Tietz Gslhe RGO.-Kandidatur Bei der Betriebsratswahl im Tietz- Konzern die morgen vc�genrinmen wird, führt die RGO. den Wahlkampf in gehässiger per- fönlicher Art gegen die freigewerischastlichen Kan- didaten, obwohl sie mit'hren Kandidaten wirklich keine Bilder herausstecken kann Da kandidiert zum Beispiel mr die RGO.-Liste der Angestellten ein Manr aus dem Warenhaus in der Brunnenftrahe dessen Kandidatur mit Gesinnung gar nichts zu tun hat. Bei den Arbeitern wird die RGO.-Liste von enum Mann geführt der sich davor g e d r ü ck t hat für das fristlos ent- lasiene kommunistische Belr-ebsral-mitglied Gra- bowfki Verhandlungen mit der Gefchäftsleitung zu führen, um für ihn wenigstens e.ne Abfindung zu erwirken. Er erklärte damals solche VerHand- lungen seien ihm„n'cht revolutionär genug". In der Betriebsversammlung am Mrntag gestand er jedoch, selbst eine solche Abiinduna anzunehmen, wenn er einmal in die gleicbe Lage kommen würde wie Gradowski Den sreiaewerkschastlichen Vorsitzenden des Arbeiter- und Angestelltenrates blieb es seinerzeit überlassen durch Verhandlungen mit der Geschästsleitung für G. eine Abfindung von 500 Mark und den Nachweis einer neuen Stellung durchzusetzen Eine andere B'üte aus bei RGO-Arbeiterlifte ist der Vertreter aus dem Warenhaus in der Wilmersdorfer Straße Ofienbui gehört zu den „Erfolgen", deren er sich als Arbeiterral gern rühmt, auch die U e b e r jl u» d c» j ch i e b e r e i in feinem Betrieb, bei der»r ivgar der Spitzen- r e i t e r ist. Auch der RGO.-Kondidat aus der Leipziger Straße ist ei» tapferer Held. Bis vor wenigen Monaten war er bei Tietz noch Wein- kellerarbeiter. fand aber nicht de." Mut. den ihm zustehenden Kellereiarbeiterlohn zu fordern, der höher ist als der Handelsarbeiterlohu. Die„Rote Fahne" wettert gegen die. Organs- sationen. die in den schlecht organisierten Industrien und Branchen keine Tarife mebr abschließen wollen. In demselben Blatt verkünden die RGO.» Kandidaten von Tietz. sie seien geg-n den Abschluß von Tarisoerträgen durch die Gewerkschaften und kür betriebliche Abinachungen Ganz wie die Gelben. Und das nennt sich„revolutionär". Die Arveiter und Angestellten der Tietz-Worenhäufer dürfen keine Narren zi Betriebsräten wählen: die Stimme jedes fortschrittlichen Arbeiters und An- gestellten gehört den Kandidaten der srti» gewerkschaftlichen Listen I. Hierzu 2 Veilngen Dci.«orvxtrls-«ichernl wcchriiliigluh«weimal Sonntag« an!) ütontog« einmal 3Uu(tritrtr Sonntafläbnlagt Polt and Zetf/ S.'»u0äPiril«:«Schenilich Ti Pt. monaiiich 3,SS itt(Daoon(f!«I rnon.illtdi rlli ZuNeNung in« 6au») ,m ooraae. zahlbar Postbezug 3.9i R ciBril)l!eS(id)#0 PI Pottzeiiung, and 72 Pf PaftbesteUgebiil,»» 3luslnnbacbcnnemonl 3,65 M pro fflona!; füi Laube, mit ermäßigtem Drucksachenpoeio 4 6:. V! Pei Z stoli b'i Lieieiung wegen tibsterei viewuli bestetü t«in Änspiuch de,•Sboniienlen auf Cfoh z»zeige I, pretle: Die cinlpulitg- Millimelerzeile fii P> üetluimzeiie l.än-iS S leine{Intrige n' das feilgebruckii ii'ort ibi Pt ledes weitete W.,i 1» Pj■Jiabalt laut Jntif Worte Uber 13 Puchstaden zählen Ist, zwei Wotie ätbeitsmarft MiMmeterzeiie 25 Pf ftamilienanzeigen MiNimeteezeife 16 Pf Mnzeiqeiinnnubme im Houpigefcho'I Linbenfl, 3 wochentäolich Den f',3 bis 17 Uhr De, Perlag dehLU sich das Recht der-Zibl-Hnuna nicht gc nehmet Anzeigen oor. I BerontwoNlich für Politikt Biciai Lchift! Wirtschaft: S.»lingelhöfcrt Sewertschaitobemegung: 3. ateinrt; Feuilleton- Lerbcrt Xtp.Ui LolaJes und Sonstiges: giig ftarftähS; Anzeigen: Vit» Hengst: lämllich in Berlin. I Verlag: Barwarts-Berlag<5. M. b. H„ Berlin. Druck: Vorwarls. Luchdruckerei unt, Berlagsanstali Paul Singer u. Co.. Berlin SB 68, Linttenstr 8.