Morgen- Ausgabe Nr. 43 A 22 50. Jahrg. M?doktton onb Verlag, Verlin SW 68, Cinbenftt. 3 Setnjpr�dver<3 i 3mr DünhvN 292 btf 207 gekgsammcbrefiea Ooitdbemotcct Berlts BERLINER VOLKS BLATT DONNERSTAG 26. Januar 1933 In Groß- Verlin 1 0 Pf. Auswärts....... 15 Pf. VezucSbehwgungen und Anze�rnpreise Uede SA Schluß beb rebutiionellen Teil? Aentvalovgan der Gozialdemokratifche« Partei Deutschlands Gegen reaktionäre Staatsstreichpläne! Die Sozialdemokratie warnt die Reaktion In einer gemeinsamen Sitzung des Par- teivorstandes der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands und des Vorstandes der sozial- demokratischen Reichstagsfraktion am Miit- woch, dem 25 Januar 1933, ist folgender Beschlutz gefaßt worden: Der Parteivorstand der Sozialdemokra- tischen Partei Deutschlands und der Vor- stand der sozialdemokratischen Reichstags- sraktion erheben schärfsten Protest gegen den Plan der Proklamierung eines so- genannten staatlichen Notstandsrechts. Seine Verwirklichung würde auf einen Staatsstreich hinauslaufen, der dem Volk feine verfassungsmäßigen Rechte raubte «nd fenen Cliquen zugutekäme, die ohne Rücksicht auf die Gesamtheit und vor allem auf die Arbeiterklasse ihre Sonder- interesieu vertreten und dabei die Kritik des Parlaments zu scheuen allen Grund haben. Ein solcher Staatsstreich würde einen rechtlosen Zustand schaffen, gegen den jeder Widerstand erlanbt und ge- boten ist. Sonntag, 14& Llhr. Lustgarten! Aufmarschplan/ Anmarsch Stellplatz Dioefaptatz; Kreise: Mitte, Wedding, Pankow und(Ret- nickendorf): Spitze Vrunnenstr. Abmarsch: 13.15 Uhr durch Brunnen-, Elsässer-, Artilleriestr., Am Kupiergraben, Museumstr.. Lustgaren. Kreis Reinickendorf tritt 12.30 Uhr besonders in der Arofa-Allee zwischen Haupt- und Genter Straße an. Dann Marsch durch: Aroser Allee, Berner-, Residenz-, Schweden-, Bad-, Brunnenstraße, dann Anschluß an Zug L inet aplatz. Stellplatz Daaziger Straße: Kreise: Prenzlauer Berg und sWeißensee); Spitze Weißenburger Straße. Abmarsch: 13.30 Uhr durch: Weißenburger Str., Schön- hauser Allee, Hanke-, Kaiser-Wilhelm-Str., Lust- garten. Kreis W e i ß e n s e e tr'tt besonders an Lehderstr.: Spitze Greifswalder Str. Abmarsch 13 Uhr durch: Greifswalder-, Danziger Straße, dann Anschluß an Zug Danziger Straße. Stellplatz küslriuer Platz: Kreise: Friedrichshain. Treptow, Köpenick und (Lichtenberg). Abmarsch 13 45 Uhr durch: Panl-Singer-, Blumen-. Schickler-, Stralauer-, Kloster-, Kaiser-Wilhelm-Str, Lustgarten. Kreis Lichtenberg tritt besonders an: Wühlischplatz. Abmarsch 13 Uhr durch: Wühlisch-, Kopernikus-, Torell-, Rüdersdorfer Straße, Küstriner Platz und dann Anschluß an Zug Küstriner Platz. Stellplatz hohenstausenplah: kreise: Kreuzberg und(Neukölln) Abmarsch: 13.15 Uhr durch. Kottbusser Damm und Str., Dresdener-, Prinzen-, Neander-, Brücken-, Alexander-, Schickler-, Stralausr-, Kloster-, Kaiser-Wilhelm-Str., Lustgarten Kreis Neukölln tritt besonders an: Hertz- bergplatz. Abmarsch 12.30 Uhr durch: Kaiser- Friedrich-Str., Kottbusser Damm, dann Anschluß an Zug Hohenstausenplatz. Stellplatz horastraße: kreise: Wilmersdorf, Zehlendorf, Schöneberg, Steglitz und(Tempelhos). Abmarsch 13 Uhr durch: Porck-, Gneisenau-, Baerwald-, Prinzen-, Neander-, Brücken-, Alexander-, Schickler-, Stralauer-, Kloster-, Kaiser-Wilhelm-Straße, Lustgarten. Kreis T e m p e l h o f tritt besonders an: Msteinstr.: Spitze Berliner Str. Abmarsch 12 Uhr durch: Berliner-, Friedrich-Karl-, Man- teufsel-, Borussia-, Berlin«-, Delle-Alliance-, Gneisenaustr., dann Anschluß an Zug Horn- straße. Stellplatz Steiner Tiergarten: kreise: Tiergarten und Charlottenburg. A b- marsch 13.15 Uhr durch: All Moabit, Invaliden-, Hessische-, Hannoversche-, Elsässer-, 'Artilleriestr., Am Kupfergraben. Museumltr., Lustgarten. Stellplatz Bahnhof Spandau-West: kreis Spandau: 12.15 Uhr: Fahrt bis Bahnhof Börse mit S-Bahn. Die Tellnehmer erreichen über Burgstraße, Friedrichs-Brück« den Lustgarten. Sozialistische Arbeitersugeod©rech- Berlin. Stellplatz Neuer Warkt: Abmarsch 13.45 Uhr durch: Kaiser-Wilhelm-Str. zum Lustgarten. Reichsbanner Schn>arz-Rol-©old: Die Kameraden marschieren nach Schluß ihrer Uebung(etwa 12 Uhr), von Tegel kommend, durch: Berliner-, Seidel-, Scharnweber-, Müller-, Chausiee-, Friedrich-, Oranienburger-, Artillerie- straße, Am Kupfergraben, Eiserne Brücke, zum Lustgarten. Rückmarsch kreise Mille, Wedding: Marsch durch Schloß- freiheit, Schloßplatz, Breite-, Roß-, Neue Roß-, Neue Jakob-, Köpenicker-, Brücken-, Alexander-, Memhardt-, Münz- Weinmeister-, Rosenchaler-, Brunnen-, Stralsunder Str., Vinetaplatz. kreis Reinickendorf: wie Kreis Milte usw. bis Brunnenstr.. dann weiter wie Anmarsch. kreis Pankow: wie Kreis Mitte usw bis Mem- hardtftr., dann Kaiser-W'lhelm-. Hankestraße, Schönhauser Alle«, Berliner, Breite Str. kreis Prenzlauer Berg: wie Kreis Mitte usw. bis Memhardtstr., dann Kaiser-Wilhelm-, Hankestr., Schönhauser Allee, Weißenburger-, Danziger Straße. kreis Weitzeniee: wie Kreis Prenzlauer Berg bis Danziger Str.. dann weiter wie Anmarsch. kreise Zriedrichshain, Teptow und Köpenick: wie Kreis Mitte ufw. bis Köpemcker-, Ecks Brücken- straße, dann Köpenicker Str., Engelufer, An der Schillingsbrücke, Andreasstr., Paul-Singer-Str. bis Küstriner Platz. krei» Lichtenberg: wie Kreis Friedrich-Hain usw. bis Küstriner Platz, dann weiter wie Anmarsch. kreis Kreuzberg: durch Schloß'reiheit, Brüder-, Gertraudtenstr.. Spittelmarkt-, Beuth-, Kom- Mandanten-, Oranien-, Dresdener-, Kottbusser Straße, Kottbusser Damm, Hohenstaufenplatz. kreis Neukölln: wie Kreis Kreuzberg bis Kott- busier Damm, dann weiter wie Anmarsch. Kreise Tiergarten und Eharlollenburg: wie Kreis Mille usw. bis Weinmeisterstr., dann Gips-, August-, Kl. Hamburger-, Elsässer-, Hannoversche-, Hessische-, Jnvalidenstr., Alt Moabit, Kl. Tiergarten. kreis Spandau: Rückfahrt mit d-Bahn. Sozialistische Arbeiterjugend©roß-Berlin: Durch Schloßfreiheit, Schloßplatz. König-, Spandauer-. Bischosstr., Neuer Markt. Reichsbanner Schwarz-Rot-©old: Die Kamerad- schaften des Reichsbanners hängen sich beim Abmarsch an die Züge ihrer Kreise an. ReHui bleibt rot! Der japanische Krieg Bombenwürfe auf Bahnlinien M u k de n, 25. Zanuar. wie das japanische Oberkommando selbst mitteilt. haben japanische Bombenflugzeuge die Eisenbahnlinie Tschingwanglau— Peking durch Bombenwürfe unterbrochen. Tschingwanglau se' dadurch von dem Hauptquartier des Marschalls Tfchangh- sueliang abgeschnitten. Da, japanische Auhenministerium hat seinen Botschaster in Mölkau. Ota. beaustragt, der Sowjztregierung mitzuteilen, daß japan'sche Trup- pen demnZch't in Sachaljan einmarschieren wer- den. Sachaljan liegt ganz nahe bei Blago- we'scheusk, der Hauptstadt des russischen Amur gebieten. * Auf den Marlanneninseln. früher deutsches Schutzgebiet, jetzt japanisches Mandatsgebiet des Völkerbundes, legen die Japaner insgeheim Unter- seebootstühpuakle an— als ob das ihr Staatsgebiet wäre! Der Krach in der EA. Bildung eine«..Freikorps Ruhr" Nürnberg, 25. Januar. Wilhelm Sregmann übergibt der Presse ein« Meldung, daß sich in Essen ein„Freikorps Ruhr" aus SA.-Gruppen gebildet und um Auf- nähme bzw. Unterstellung unter das Freikorps Franken gebeten habe. Hillerjungen für Fremdenlegion! Halle, 25. Januar. In Halle waren fett einiger Zeit vier Hitlerjungen verschwunden. Sie sind jetzt in einem Münchener SA.-Heim von der Kriminalpolizei ausgefunden worden. Die Burschen wisien zu viel über die Zustände im braunen Sumpf Deshalb sollten sie verschwin- den. Sie wurden zu diesem Zweck mit allem Notwendigen aufs beste ausgerüstet, über Weimar, Gocha und Koburg aus Rädern nach München ge- schickt Bon dort sollten sie über die österreichische Grenze geschafft werden und von da nach Wind- Hut(Südwestafrika), Kalisornien, Kairo und in die französisch« Fremdenlegion. Dieser Plan scheiterte an der Erkrankung des einen Hitterjungen Die Münchener Kriminalpolizei er- fuhr den Aufenthaltsort, so daß die vier Hitterjungen wieder noch Halle zurückgebracht wurden. Der hiesige Führer der Hitlerjugend, Dr. Hengst, ist inzwischen von der Polizei ver- hastet worden. Hengst war noch bis vor kurzem Mitglied der Reichsleitung der Hitlerjugend. Bemerkungen zu einer kommunistischen Demonstration Von Friedrich Stampfer Mein Beruf als Journalist hat mich gestern abend auf den Bülowplatz geführt. Ich ge- stehe, daß ich das dort Gesehene als ein E r- l e b n i s empfunden habe. Auch das schärfste Urteil über die Politik der kommunistischen Führung kann nichts ändern an der Hochachtung, die diese Massen verdienen. Durch klingenden Frost und schneidenden Wind zogen sie in abgeschabten Mänteln, in dünnen Jacken, in zerrissenen Schuhen stundenlang. Ze�ntausende blasser Gesichter, aus denen die Not sprach, aus denen aber auch der Opfermut sprach für die Sache, die sie für die richtige halten. Aus ihren rauhen Stimmen klang der Haß. der tausendmalberechtigteHaß gegen eine Gesellschaftsordnung, die sie zu Not und Elend verdammt, der Protest, der tausend- mal berechtigte P r o t e st gegen den grotes- ken Wahnsinn, die schreiende Ungerechtigkeit unserer sozialen Zustände. Der wäre kein Sozialist, der diesen Haß, diesen Protest nicht mitempfände! Man merkte, daß sie hier zuhause waren. Menschen der Not in den Quartieren der Not. Am letzten Sonntag war es die In vasion einer feindlichen Macht, die von zehntausend Bewaffneten geschützt war. Gestern war es ein Bild eines freien B o l k s- l e b e n s. Bei fast völliger Abwesenheit von Schutzpolizei herrschte mustergültige Ordnung und Disziplin. Es verdient erwähnt zu wer- den. daß sich auch die Schutzpolizei zu aller- meist tadellos und keineswegs feindselig be- nahm. Die Schule Severin gs und G r z e s i n s k i s scheint da doch noch etwa? nachzuwirken. Wenn die Beamten den Willen zur Unparteilichkeit haben und wenn sie auch ein wenig darauf Rücksicht nehmen, daß die Nerven schlecht ernährter Menschen besonders empfindlich sind, dann'wird mancher kleine Zwischenfall leicht beigelegt, der sonst gefährliche Dimensionen annimmt. Im großen Berlin laufen ein paar tausend Messerstecher herum, die jeder Partei, der sie sich anschließen, zur Unehre gereichen. Der größte Teil dieser wenig respektablen Sorte läuft heute mit den Nazis, während ein kleinerer sich den Kommunisten zugesellt. Aber die Zehntausende, die gestern über den Bülowplatz marschierten, waren bestimmt keine„Untermenschen" und keine„rote Mordbestie"— es waren Arbeiter, ge nau ebenso wie die Arbeiter, die in der Sozialdemokratischen Partei organisiert sind und die am nächsten Sonntag den Lu st garten füllen werden. Allerdings hat mir auch diese kommunisti- sche Kundgebung einen Eindruck verstärkt. den ich auch schon bei früheren Demonstratio- nen erhalten habe. Vergleicht man die Masten der KPD. und die unseren, so bemerkt man die Anfänge einer neuen sozialen Differenzierung. Mögen die Kommunisten auch zahlreiche qualifizierte Arbeiter in ihren Reihen zählen und haben wir auch in Berlin Zehntausende, im Reich Hundertlausende eingeschriebeneMit- glieder, die um nichts bester gestellt sind als die Masse der konununistischen Arbeiter und Erwerbslosen, so zeigt sich doch im Durch- schnitt bei den relativ besser gestellten Schich len mehr Verständnis für die Politik der Sozialdemokratie, bei den schlechter gestellten mehr Neigung zu kommunistischer Gefühls- Politik. Hier, scheint mir, beginnen sich Gräben innerhalb der Arbeiterklasse zu bilden, die gefährlich sind und die ausgefüllt werden nmsten- Denn wenn der ausge» Läßt sich Hitler amnestieren? Will er dem Prozeß mit dem„Vorwärts" ausweichen? sprochene Elond?prk>letarier sich nicht msl?r cils Klassengsnosse des qualifizierten Ar» deiters fiihlt, dann wird die Parteispaltung s.izial unterbaut— sie und die Schwächung der Arbeiterklasse könnte auf solche Weise verewigt werden Aufs schärfste müssen wir Sozialdemokraten darum uns zu der Auf- fnssung bekennen, daß das ganze arbeitende Volk vom bestbczahlten Arbeiter bis zum letzten Elendsproletarier klassenmäßig zu- sammengehort Auf einer Tribüne vor dem Karl-Lieb- knecht-Haus standen die Führer und gc- Nossen das Schauspiel der vorbeislutenden Massen, der im eisigen Winde flatternden Fahnen, Wahrlich, sie verdienen diese Ge- fvlgschafr nicht! Ich halte jedes Wort der Kritik an jenen Führern für berechtigt— aber mich dünkt auch die Frage des Nach- denkens wert, wieso es dieser geistig und inoralisch nicht gerade hochstehenden Führer- schaft gelingen konnte, zwischen diese Massen und uns Sozialdemokraten einen Abgrund zu legen... Daß trotzdem diese Massen und wir in unserem Bewußtsein zusammen gehö- r e n und daß wir dazu da sind, für sie zu arbeiten und zu kämpfen, auch wenn sie uns lußoerstehen und unsere Absichten miß- deuten, darin liegt die tiefste Rechtfertigung des Kampfes, den wir gegen den Kommu- nismus führen. Wir würden unrecht tun, wenn wir auch nur den kleinsten Teil des Hasses, mit dem wir den kommunistischen Führern ihren Haß gegen uns vergelten, auf diese Massen übertragen wollten. Wir kämpfen nicht gegen sie, sondern für sie. lind wenn sie auch noch nicht uns ver- stehen, so sind wir doch verpflichtet, s i e zu verstehen. Sie marschierten im eisigen Winterwind, schlecht genährt und gekleidet, durch die Straßen einer Stadt, in der Technik und Arbeit alles aufgehäuft haben, was die Menschen zu einem behaglichen Leben brauchen. Hunger bei übervollen Scheunen, zitternder Frost bei unendlichen Kohlenvor- raten, keine Wäsche, keine Kleider für die nder, während Textilien unverkäuflich sind. Maschinen rosten, Menschen unnütz lungern — sollen sie diese Zustände nicht hassen? So- lange sie glauben, daß der Kommunismus der wirksamste Ausdruck dieses Hasses ist, werden s;.' ihm anhängen. Und erst wenn sie be- > merken werden, daß ihre Führer zum Kamps v�gen den Kapitalismus nur das Geschrei li'fern, mährend wir die Arbeit leisten, > ä dann werden sie den Weg zu uns finden. So manche, die ich gestern vorbei- marschieren sah. sind Söhne jener sozial- d e m o k r a t i f ch e n A r b e i t er. mit denen wir vor 85 Jahren für das gleiche Wahlrecht auf die Straße gingen, Bon den Alten sind sicherlich viele damals mit uns gewesen, C'"hern erfreuten sie sich, hungrig und durch- froren, eines Restes der von der Sozialdemo- kratie erkämpften und verteidigten demo- k r a t i j ch c n Freiheit, ohne zu ahnen, i'ß ihre Führer drauf und dran sind, auch il n zu verspielen! So liegt die Last des Kampfes f ü r d i e Freiheit, ohne die es keinen Sozialismus gibt, ganz auf unseren Schultern. Wir führen ihn für die ganze Arbeiterklasse, auch für jene Massen. die sich heute noch zu unseren Gegnern schären, und wenn wir am nächsten Sonntag marschieren, marschie- ren wir auch fürsie! Neuer GA.-Mvrd Gewerkschaftsfunktionär niedergestochen Leipzig, 25. Januar. Die politischen Ermittlungen nach dem Mörder des Arbeiters und Gewerkschafts- sunktionärs N>> b e n in Pressen bei Eilen- bürg sind ersolgreich gewesen. Als Täter wurde der SA,-Gruppenführer Siebert fest- o e.n o m n> e n Der Mordbube hatte Neben als «'ewerkschastsfunktionär keimengelernt, t huc jeden Grund wurde Neben auf dem Heim- wege von einer Veranstaltung überfallen und zu'Tode mißhandelt, Siebert will aus' y o n Velsen, vorbehaltlich der Zustimmung des ' onmziolausschnsses zum Oberpräsidenten d->- Provinz Sachsen ernannt imd mit der kommissarischen Verwaltung der Stelle des Ober- Präsidenten in Magdeburg beaustragt worden, Mit Datum vom 18, Januar hat der Münchener Amtsgerichtspräsident Frank das Verfahren„in der Priootklagejoche des R e g i e r u n g s r a t s Adals Hitler in München gegen den Schrift- leiter Victor Schiff in Berlin wegen Beleidi- gung" e i»r g e st« l l t und die Kosten nieder- geschlagen. Es heißt in der Begründung:„Es haben zwar der Privatkläger und der Beschul- digte es abgelehnt, einen fonnlichen Antrag auf Einstellung'de, Versahren» zu stellen. Das Ver- fahren darf aber trotzdem nicht fortgesetzt werden," Mit diesem Gerichtsbeschluß entfällt für Re- gierungsrat Hitler und seinen Rechtsbeistand Frank II der letzte formale Grund, den sie bisher anführen konnten, um nicht aui Grund der Wiederholung unserer Anschuldigungen in Nr, 614 des„Vorwärts" vom 36. Dezember 1932 den von uns geforderten neuen Strofan- trag zu stellen, Indessen wollen wir auch nicht dem national- sozialistischen Führer den Vorwand lassen, der übrigens weder juristisch noch politisch stichhallig wäre, daß jener Artikel vom 36, Dezember vor dem offiziellen Einstellungsbeschluß erschienen sei Die Enthüllungen über die ungeheuren Skan- dale in der Osthrlfe sind von der agrariersreund- lichen Presse mit Schweigen aufgenommen worden, Der Hagel von Skandalfällen hat sie nun endlich euvas aus dem Schweigen herausgebracht. Wie auf Verabredung suchte sie gestern abend die ostelbischen Junker herauszulügen. Selbstverständ- lich hütet sie sich schwer, auch nur einen dieser Fälle anzuführen. Sie stammelt etwas van „halbivahren Einzelbehauptuicgen", von„Ojthilie- Märchen", und die„Deutsche Zeitung" geifert über Lügenberichte des„Vorwärts", Wir werden den Herrschaften die Osthilie- skandale vorhallen, daß chnen Hören und Sehen, vergehen wird! Wenn sie glauben, daß die Wahr- hell über diese ungeheuerlichen Skandale nicht aus, Land.dringen wird, dann irxen. sjec, sich gewaltig!,'■■■■.•••; Auch die sein« Familie der Hohenzol- lern verlegt sich aufs Leugnen! Die sogenannte „Generalverwaltung" der Familie 5)ohevzoUern teilt mit: „Unter dem 21. d. M, hat die Generaloer- waltung festgestellt, daß die von sozialdemokra- tischer Seite ausgestellte Behauptung, Ihre Majestät die Kaiserin Hermine Habe die OstHifft in Anspruch genommen, unzutreffend ist. Trotz dieser unangretsbaren Feststellung suchen links- stehende Blätter auch weiterhin den Eindruck zu erwecken, als ob Ihre Majestät selbst an der Osthilfe materiell interessiert sei. Das Urteil über eine solche Jrresührung kann der Oeifent- lichkeit überlassen bleiben. Wenn Besitzer der prinzlich Carolathschen Fa- in i l i e, also der Familie des ersten Gemahls der Kaiserin, unter die Bestimmungen der Ost- Hilfe fallen, so könne weder die Kaiserjn, noch das königliche Haus damit in Verbindung gebracht werden," Zunächst hat die Generalverwaltung sich aui- hohe Pserd gesetzt und erklärt, Herminc habe überhaupt nichts mit der Osthilse zu tun, Jetzt verschweigt sie, daß Hermine persönlich sich beim Leiter der Landstelle Frankenburg uin Osthilfe für den Prinzen Hans Georg und die Prinzessin Margarete bemüht hat! Die Frau Wilhelms hat also ihren Einfluß und ihre Beziehungen benutzen wollen, um ihren Ver- wandten Osthiliegelder zu verschaffen! Dos deutsche Volk hat den Hohenzollern so viel« Millionen nachgeworfen, daß es eine Schande sür sie ist, daß sie fiir die Verwandtschaft auch noch Osthilsegelder auf Kosten des Volkes heraus- schlagen wollen! Herminee zweiter.Wann ist reich genug, um die Berwandtschast seiner zweiten Frau zu versorgen!( Mit solchen Ausrede» der Gencraloerwattung wird die skandalöse Tatsache' nicht aus der Welt geschafft, daß Hermine persönlich um Osthilsegelder gebettelt hat! 'Alles Schweigen und Leugnen gegenüber diesen Riesenskandalen Hilst nichts! Die Osthilfetribute an die Großagrarier werden dem Volke die Augen schon öffnen! i Osthilfeskandal wird untersucht Interessante Einblicke in die Haltung der por- »eien gewahrte die A b st I m m u n g im Hau»- hallsausschi.'ß de» Beichstaq». So wurde im Mideripruch zu den warten der Deutsch- nationalen, daß sie da» größte Interesse an einer Aufklärung hätten, die Einsehung und daher kein« Handhabe zu einer neuen Klage biete. Dieser Artikel ist nämlich zehn Tage noch dem Inkrafttreten des Amneftiegesetzes erschienen, Trotzdem seien hier seine entscheidenden Stellen nochmals wiederholt: „Adolf Hitler hat Anfang April 1 9:32 in Lauenburg eine Rede gehalten, in der er es ablehnte, feine JA.-Mann- fchaften im Falle eines polnischen Ein- bruchs zum Tchube der Grenzen zur Ver- fügung zu stellen, solange das„Shftein" nicht beseitigt wäre. Diese Rede bedeutete inhaltlich eine '•Bestätigung gewisser landesverräterischer Befehle, die zur selben Zeit von den machgebenden Stellen der SA. im deutsch-polnischen Grenzgebiet heraus- gegeben worden waren. '.Nag auch das formaljuristische Merk- mal deä vollendeten Landesverrats in der Rede Hitler» und in den beschlagnahmten TA.-Dokumenten gefehlt haben, weil kein Kriegszustand zwischen Deutschland und Polen bestand, an der'Beurteilung der Handlungsweise der Täter wird dadurch eine» Unterausschusses gegen ihre Stimmen beschlossen. Die gleiche Haltung nahmen sie ein gegenüber dem sozialdemokratischen Antrag, der den Rechnungshof um eine Prüfung der Osthilse er- sucht. Auch die Vorlegung weiteren Materials aus Grund eingehender Vorschläge der Sozlaldemokratle wurde gegen die Stimmen der Deutschnallonalen beschlossen. Bei dem Antrag de» Zentrums, der die Eni- ichuldung von Großbetrleben davon abhängig macht, daß sie vorher geeignetes Sied- Mit größter Spannung wurde gestern auf dem Vorbands tag der preußischen Poli- z e i b e a m t e n die Wahl des neuen Verband»- Vorsitzenden erwartet. Für das, Amt des ersten Perbandsoorsitzenden war neben dem jetzigen„kommissarischen" Vor- sitzenden Bredeck der bekannte und bei der auj- rechten Polizeibeamlenschoft beliebt« langjährige Kommandeur der Berliner Schutzpolizei, O b e r st Heimannsberg, vorgeschlagen, Heimanns- berg erhielt von 151 abgegebenen Stimmen 39, ist somit zum ersten Vorsitzenden des Ver- bandes preußischer Polizeibeamten gewählt. Die Bekanntgabe dieses Abstimmungsergebnisses löste minutenlange Beifallsstürme aus. Heimanns- berg dankte dem Berbandstag auf das wärmste für das Vertrauen, das er ihm entgegengebracht hat. Er erklärte, sich der schwere» Verantwortung als Führer der- größten Polizeibeamtenorganisa- tion gerade in der heutigen Zeit voll bewußt zu sein.„Ich weiß," sagte er,„daß ich der Nach- folger eines Mannes bin, dessen Namen mit gol- denem Griffel in das Puch der Geschichte des Ssas Gajda gesteht Sondergericht gegen die Putschisten Prag, 25. Januar. Der verhaftete Obersaschist Exgencral Gajda ist durch seine Ilolizen. die man im Parteibüro gesunden hat. zum Geständnis gebracht worden, daß er die Absicht des Hascrnenübersalls in Brünn vorher gekannt hat. Die übrigen Haussuchungen ergaben Beweise dafür, daß die Faschisten ein«,, Umsturz geplant haben. Im Verhör gab einer der Verhasleten an, daß am Sonnabend viele Faschisten nach Brün» kommen sollten, tun zuerst dort und dann in Prag den A n f st ä n d durchznsühren. Die Führer hätten streirgen Besehl gehabt, jeden zu erschießen, der diese Revolution verrate., Alle'Anordnungen und Pläne der Faschisten waren operetten- Haft. Gajda und die anderen Piftschisien werden vor ein besonderes Gericht gestelli. Putschist als Soldatenschinder Der Urheber de» mißglückten saschlsstschen Handstreiche» in Brünn, Oberleutnant der Reserve nicht» geändert: moralisch hat Hitler Landesverrat begangen, und pies wird- hiermit öffentlich wieder- holt, damit er seinen Strafantrag er- neuere." Jetzt bleibt uns eluftweilen nichts anderes übrig. als abzuwarten, ob sich die erndere Seite endlich meldet. Sollte kein Strosantrag er- folgen, dann wird jeder wistpn, daß er die B e- weisausnahme scheut, die von unserer Seite unter Nennung mehreppr Ohrenzeugen seiner Lauenburger Rede und mehrerer politischer Zeugen, die über den Inhalt der beschlagnahmten landesverräterischen SA,- Befehle Bescheid wissen, angeboten worden ist. Das würde praktisch darauf hinauslaufen, daß Hitler, um einem peinlichen Prozeß aus- zuweiche», die Amnestie für sich in Ansponch nimmt, aus die der„Vorwärts" verzichtet, Oder, noch deutlicher: Klagt Adolf Hitler nicht aufs neue, so bedeutet das für jeden logisch denken- den Menschen, daß er kneift. Klagt er aber doch— beim Münchener Amtsgericht sehen wir uns wieder! lungsgelände abgegeben haben, stimmten die Deutschnationalen dagegen, die Rational- s o z i a l i st e n enthielten sich der Stimme. Der sozialdemokratische Antrag, die Retch»- regierung solle anordnen, daß Personen, die selbst oder deren nächste Angehörige in der Osthilse stehen, keinerlei Tätigkeit In den Land stellen oder als Treuhänder ausüben dürfen, wurde ebenfalls gegen die deutschnotionalen Stimmen angenommen. Ledtglich ein Antrag, die Lohnsorderungen von Arbeitnehmern im Aonkursfolle bevorrechtigt zu behandeln, fand einstimmige Annahme. Anträge auf Ausdehnung der vsthllfsmaßnahmen wurden dem Unterausschuß überwlesen. Der Unterausschuß wird seine Beratungen bereits am Donnerstagnachmittag be- ginnen. Verbandes preußischer Polizetbeamter geschrie- den ist. Von diesem Manne Hobe ich als junger Polizeibeamter meine ersten gewq-kschastlichen Lehren empfangen. Ihm nachzueifern, wird stets mein Bestreben sein. Solang« ich Vorsitzender des Verbandes preußischer Polizeibeamter sein werde, wird der Verband weiter wie unter Schra- der parteipolitisch neutral geführt werden. Da» Vertrauen der Verbandsmitgliedor werde ich nicht enttäuschen, ich werde arbeiten sür den Ver- band und sür die Beamtenschaft, weil ich weih, daß mit der Srästigung der polizeibeamlenschaft die Stärke unsere» Staa- tes, die Stärke unserer Republik befestigt wird." Dieses klare Bekenntnis zur Republik wurde mit stürmischem Beifall quittiert. Zum zweiten Verbandsvorsitzenden wurde Kriminalkommissar Bredeck, zum dritten Vorsitzenden Polizeiober- meister G e n z, beide einstimmig, gewählt. Der Verbandstag schloß mit einem begelsterten Hoch aus das deutsche Volk und die deutsche Republik. K o b z i n e k. ist 29 Jahre alt und war früher Berufsoffizier. Wiederholt ließ er sich S o l- oaten Mißhandlungen zuschulden kommen. Wegen Faschistenpropaganda wurde er in die Reserve versetzt. Aus faschistischen Jugendorgani- sationen hat man ihn ausgeschlossen. Kobzinek war der Urheber mehrerer Skandalafsärov. darunter des vor kurzein erfolgten Ueberfolls auf dos D e u t I ch e H a u s in Brünn, wofür er sieben Tage Polizeiarrest abzusitzen hatte, Im Prozeß Suilbeaux wurde der Antrag des Verteidigers auf Einstellung des Versahrens wegen Verjährung vom Gericht abgelehnt, weil die Verjähriingssrist sich infolge der Verurteilung Gnilbeaux' im Abwesenheitsoersahrcn von zehn auf zwanzig Jahre verlängert habe. Guilbeaux protestierte energijch dagegen, ein Agent Deutsch- lands gewesen zu sein. Sein« Artikel in der Anti« krjegszeitschrist„Domain", die die Hauptlinterlage sür seine Verurteilung gebildet habe», seien im Jnteresje eines früheren Friedensschlusses ge- Ichriebon worden. Irgendwelchen materiellen Nutzen habe er daraus nicht gezogen, Hermines Oftdiffebettel Gnwahre Ableugnungsversuche der Hohenzollern Volizeibeamte für Republik Oberst Heimannsberg zum 1. Vorsitzenden gewählt BEILAGE DONNERSTAG, 26. JANUAR 1933 Eiszeit über Deutschland Temperaturen wie Januar 1929— Die Not meldet sich Deutschland friert. Zur wirtschaftlichen Not der Zeit kommt zum Schrecken der Ztrmen, denen das Geld?um Sohleukauf fehlt, die natürliche des Winters. Zn den grofzen Städten find die wärmehallen überfüllt. Der durch die Wenfchenanfamm- lung ausgelöste dumpfe Dunst macht den Aufenl- halt hier gewih nicht?um Vergnügen. Mit Sorien- fpiel. lebendigem Gespräch, Zlugblatt- und Zeitungslektüre versucht man sich die Zeit, so gut es geht, zu vertreiben. Die Donnerstagsvoraus- sage der öffentlichen Wetterdienststelle lesen die Frierenden nicht ohne Hoffnung: der Bericht verheißt eine gewisse Milderung des Frostes, der, wie man sich schauernd erzählt. in der Vacht zum Mittwoch aus Kältegrade anstieg, wie sie in Deulschland seit Januar lg2g nicht mehr vorgekommen sind Am kältesten Ist es im Vordosten des Reichs gewesen, wo bis zu 30 Grad unter Rull gemessen wurden. * Verkehrstechnisch hat in erster Linie die Schiff- fahrt unter der Kälte zu leiden. Zahlreiche Flußläuse und Kanäle sind zugefroren und somit die Warentransporte aus dem Wasser ins Stocken gekommen Auf dem Rhein kam das Treibeis an verschiedenen Stellen zum Stehen: aus der Mosel hat es sich infolge des anhaltenden Frostes bei Lay festgesetzt: aus längere Strecken ist der Fluß in seiner ganzen Breite eisbedeckt. Mit der Vereisung der O st s e e ist zu- nächst noch nicht zu rechnen. Trotzdem hat sich die Reichsmarineleitung unter Benutzung ihrer im Notwinter lS29 gewonnenen Erfahrungen auf einen möglicherweise notwendigen E i s n o t- dienst der zusammen mit der Deutschen Lust- Hansa durchgeführt werden soll, eingerichlet. Die Marineleitung würde im gegebenen Falle mehrere Linienschisse aus Fahrt schicken, die mit den zur Schissssuche ausgeschickten Flugzeugen der Lust- Hansa in ständiger Funkverbindung stehen sollen. Auch die Hauptverwaltung der Reichsbahn teilt mit. daß sie zur Verhütung von Betriebsstörungen infolge der Kälte besondere Mohnahmen getroffen hat. Die im Außendienst tätigen Rangierer werden von Hilfskräften unterstützt: nach Mög- lichkeit stellt man ihnen Pelzmäntel und wärmende Getränke zur Verfügung. In technischer Hinsicht gilt die hauptausmerksamkeit vor ollem der Aus- gäbe, mit Hilfe von Salzstreucn und anderen Austaumaßnahmen das Einfrieren der Weichen zu verhindern. * Eine Meldung, die das Winterelend der Zeit besonders kraß illustriert, kommt aus h a 1 1 i n- gen a. d. Ruhr: Wegen Koksmongels wurden hier drei Volksschulen geschlossen, obschon Millionen Tonnen Kohle aus den in der Nähe der Stadt gelegenen Halden lagern: die Stadtverwaltung aber kann nichts davon kaufen, weil sie ihr Geld für Fürsorgezahlunqen, Gehälter und Löhne braucht So steigt natürlich vielfach auch die Zahl der Diebstähle an— schwarzen Diamanten, die bergeweise ungenutzt lagern und für die ärmere Bevölkerung viel zu teuer sind. Der Magistrat Berlin beschloß, wie be° reits mitgeteilt, im Hinblick aus die ungewöhnlich harte Kälte einen Extrabctrag für Kohlen- lieserungen an besonders Bedürf- tige in höhe von 500 000 M. den Be.zirkswohl- fahrtsärntern zur Verfügung zu stellen. An Wärmehallen gibt es in Berlin insgesamt 70; die größte in der Ackerstrahe saßt lZOO Menschen— trotzdem müssen noch viele Emlaßbegehrende abgewiesen werden: man schickt sie an die Obdachlosenasyle und zu privaten Wohl. sahrisorganisationen. Kliniken und Kranken- Häuser sind genügend vorbereitet, um allen, die mst Ersrierungsmerkmalen eingeliefert werden. sachgemäße Behandlung zuteil werden lassen zu können. Die Zahl der Erkältungskrank- h e i t e n, auch der schweren Fälle, hat beträcht- lich zugenommen, entsprechend stieg die Zahl der Belegungsstärke der Krankenhäuser. Ein schöneres Bild: den Schlittschuhläufern tun sich täglich neue Paradiese aus: die Rodler und Skiläufer versuchen den Grunewald zum Schwarzwald, die flache Mark zum Hochgebirge zu gestalten... 89 jatiriger Greis erfroren Erfroren ist der 80 Jahr« alte Siedler Florian S ch y m e ck aus einer Kolonie bei Zepernick. Der alte Mann, der bei seiner Tochter wohnte, hatte vor einigen Tagen plötzlich— wahrscheinlich in einem Anfall von Geistesstörung— seine Wohnung verlassen und war planlos in der Gegend umhergeirrt. Wan fand ihn morgens aus der Ehaustee zwischen Wandlitz und Bernau erfroren aus und brachte ihn in das Bernauer Krankenhaus, doch gelang es nicht mehr, ihn ins Leben zurückzurufen. Bromberg, 25. Januar. In den letzten 2-t Stunden sind in Westpolen starke Fröste zu verzeichnen gewesen. In Brom- berg wurden heute vormittag 25 Grad unter Null gemessen. Telephon- und Telegraphen- leitungen sind vielfach infolge des Frostes be- schädigt worden. So ist die Leitung zwischen Warschau und Posen und Bromberg und Gdingen zerstört worden. Gleichzeitig treten starke Grippesälle auf. In den letzte« Tage« sind auch mehrere Todesfälle infolge des Frostes zu verzeichne«, besonders in Bromberg, Graudenz und Ihorn. Volizeibeamte sind Staatsbürger Wichtige Entschließungen Während der zweite Verhandlungstag des V e r- b a n d s t a ge s' d e r Preußischen Pols- zeibeamten mit internen Ausschuh- und Fachgruppenberatungen ausgefüllt war, gab es gestern im Plenum neben der wichtigsten Em- scheidung des Tages, der Neuwahl des Verbands- Vorsitzenden, über die im politischen Teil des Blattes berichtet wird, eine ganze Anzahl wichtiger und tellweife auch politisch bedeutsamer W- stimmungen. In einer einstimmig angenommenen Eni- s ch l i e ß u n g wandte sich der Verbandstag gegen die Bestrebungen, die in der Reichsverfasiung garantierten Staatsbürgerrechte der Polizeibeamten oder einzelner Gruppen der Polizeibeamten einzuschränken. Die Polizei könne ihre Ausgaben in vollem Umfange nur er- füllen, wenn sie mit den gleichen Rechten und Pflichten wie die übrige Staatsbürger- fchaft an der Gestaltung des staatlichen, wirt- schaftlichen und gesellschaftlichen Lebens teilnimmt. Der Verbandsvorstand erhielt den Austrag, sich mst allen Mitteln dafür einzusetzen, daß den Polizeibeamten die in der Reichsoersassung ge° währleisteten Rechte, insbesondere auch dos Wahl- recht und die KoatitionssreiHeit erhalten blieben. Ebenso einmütig wurde von dem Verbandstag gefordert, auch den Polizeibeamten die Ver- günstigungen des Amnestiegesetzes vom 20. Dezember lS32 zuteil werden zu lasten, die infolge der politischen Hochspannung der letzten Zeit mit dem Strafgesetz in Konflikt geraten sind. Der Verbandstag vertrat mit Recht die Auf- fastung, daß nicht nur die Billigkeit, fondern auch die Gerechtigkeit erfordere, die Polizeibeamten- fchaft bei der Amnestie nicht schlechter zu stellen als die Personen, die diese Störungen veranlaßt boben. Der Verbondsoorftand wurde weiter Ke- auftrogt, mit allen Kräften dahin zu wirken, daß die Rechte der Beomienausschüss« nicht verschlechtert und die Ausschüsse nicht an der Erfüllung ihrer Ausgaben gehindert werden, hin- sichtlich der Verfahrensvorschriften über die Zwangspensionierung verlangt der Verbandstag größere Rechtsgarantien für die Polizeibeamten. Zur Frage der Organisation der k o m- munalen Polizei wurde eine Entschließung angenommen, die aus die Mängel und Mißstände in der kommunalen Polizei hinweist, deren Ur- fachen in der Bindung der kommunalen Polizei an die örtliche Selbstverwaltung liegen Die Abberufung des Winisterialrats Dr. Slausener aus dem preußischen Innenministerium nahm der Verbandstag zum Anlaß, in einer längeren E n t- s ch l i e h ii n g gegen diese offensichtlich aus politischen Gründen erfolgte Maß- regelnng energisch zu protestieren. Jedenfalls kam auch in den Forderungen des Verbandstages an die Herren Kommissare und ihre Beauftragten zum Ausdruck, daß die er- drückende Mehrheit der preußischen Polizeibeam- ten keine Lust verspürt, zu Polizeisoldaten degradiert zu werden, die nur die Hände an die Hosennaht legen und im Übrigen den Mund hasten sollen. Die preußischen Polizeibeamten wollen freie Staatsbürger in einer freien Repu- bstk sein. Betrügerischer Stabtsekretär Aus Eins mach 83 Vor der Großen Strafkammer des Land- gerichts III Hatte sich der Stadtsekretär Hermann Schäfer wegen Betruges und Amtsverbrechen zu verantworten. Der Angeklagte war beim Bezirksamt Wilmersdorf im Wohl- fahnsamt tätig. Er wird beschuldigt, in 12 Fälle» Zahlungsanweisungen für Unter- stützungsempfänger gefälscht und die Beträge durch Mittelspersonen an der Kaste abgehoben zu haben. Insgesamt ist das Wohlfahrtsamt um etwa 1000 Mark geschädigt worden In einem Falle hatte der Angeklagte eine Verfügung des zuständigen Dezernenten gefälscht, indem er au» einer Unterstützung von l Work eine solche von Z5 Wart mochte. Während in den übrigen Fällen nur sortgesetzter Betrug angenommen wurde, sah der Staatsanwalt in dem letzteren Falle den Tat- bestand des schweren Amtsverbrechens für vor- liegend an und beantragt« gegen den Staats- sekretär ein Jahr sechs Monate Zuchthaus, lOO M. Geldstrafe und Erlaß eines Haftbefehls. Dos Gericht kam gestern noch zu keinem Urteil. sondern beschloß zunächst, die Personalakten des Angeklagten vom Bezirksamt einzufordern. Lettows Geschäftsgebaren Hohe l�üllgehühren u. a. w. Um Prozeß Dettow wurde die Vernehmung der Zeugeu fortgesetzt. Vau Interesse waren nur die Aussagen des früheren Geschäftsführers und Direktors der vipa Knoche und des Direktors der Berllner Wüllabfuhr und der Berliner Straheareinigung und des Fuhrparks E r d m a n n. Sie leuchteteo in Lettows Geschäftsgebaren hinein, wie es der Vorsitzende nannte. Knoche erzählte eingehend, wie Lettow ohne den A u s s i ch t s r a t in Kenntnis zu setzen, kaufte und zahlte, Darlehen ausnahm und Vertröge schloß. Man hielt sich im Aufsichtserklärte jedoch, feine Einwilligung nicht gegeben zu haben. Die 150 000 M. waren auch ohne Sicherheiten gezahlt worden. Weitere Ermittlungen zeigten, daß ähnliche Zahlungen auch für andere Dinge geleistet worden feien. Die Angelegenheit wurde dem Bürgermeister Scholz unterbreitet. Lettow laut Ausschußbeschluß fr ist« los entlassen. Rechtsanwalt Dr. Beer er- klärt, daß der Angeklagte Lettow sich vorbehaste, im Verlause der Verhandlungen seine Darstellung über die Gründe seines Ausscheidens aus der Bemag zu geben, er gehe jedenfalls nicht konform mit dem Zeugen. rat zuweilen darüber auf, es war aber einmal so: Lellow war eben zeichnungsberechtigt sowohl in der Vipa als auch in der Bemag. Als dann Lettow aus dem Vorstand der Vipa ausschied und Delegierter der Bemag im Aussichtsrat der Vipa wurde, da entstanden zwischen ihm und Direktor Knoche, besten Befugnisse im weiten Maße de- schnitten wurden, Differenzen. Er schied schließlich aus. Laut Beschluß des Aussichtsrates der Vipa sollte aber Lettow auch nach seinem Ausscheiden aus dem Vorstande sein Gehalt nach wie vor weiter beziehen. Ob er es erhalten hat, kann der Zeuge nicht sogen. Direktor Erdmann äußerte sich unter anderem über den Grund von Lettows Ausscheiden aus der Bemag. Die Höhe der Müllgebühren war Gegenstand ständiger Angriffe in der Oessenllichkeit. Der Magistrat halte den Eindruck, daß der Betrieb der Bemag zu hohe Kosten ver- Ursache. Der Zeuge wurde in den Vorstand gewählt. Er forderte regelmäßige Ausstellungen. Im Oktober 1929 siel ihm aus, daß die lausenden Zahlungen der Bemag die doppelte Höhe hatten. Es ergab sich, daß Abschlagszahlungen für ein Grundstück geleistet worden waren. Lettow be- hauptete, der Vertrag fei mit Genehmigung des Dezernenten Reuter zustandegekommen. Reuter Masten am Bülowplatz Stun Ii Jlgenkritz Im Hort Danziger Str. 82. Friedrichshain: Die noch fehlenden Kassenberichte müssen umgehend an den Kreiskassscrer eingesandt werden— Abt. Landsberger Platz: Heute, 20 Uhr, Dieftelmeverstr. 5-�!, Elterniahresversammlung. Bitte Mitgliedsbücher mitbringen. Um zahlreiche» Erscheinen wird gebeten. Krcuzberg: Generalversammlung Sonnabend, 28. Januar, 19 Uhr, Porck- straße 11. Tempelhof, Abt. Lichtenrade: Der gestern angezeigte Elternabend muß in- folge besonderer Umstände verlegt werden. Neuer Termin wird an dieser Stelle bekonntgegebcn.— Abt. Mariendors: Freitag, 17 Uhr, Eisbahn Bolkspark. 10 Pf. mitbringen. Tr-ptow: Kreishelkersttzung heute umständehalber in der Roten Schule Niederschöneweide, Berliner Straße, um 20 Uhr. Weißensee: Morgen Ncugrllndung der Bcißenseer Gruppe um lg Uhr im Heim Easeler Straße. Wir erwarten rege Beteiligung. Reinickendorf: Heute. 18 Uhr, Erste-Silfe-Kursn». 1714 Uhr alle Gruppen vollzählig zum Ueben in der Turnhalle Wittenau, Rofenthaler Straße. Gewerkschasts-�ugenö Äerlin Sterbetafel der Grost- Berliner Partei-Oraanisation") 24a. Abt. Unsere Genossin Margarete Hepme, Massinlstr. 40, ist auf dem Eise eingebrochen»nd ertrunken. Die Verstorbene war 40 Jahre alt und gehörte der Partei seit>925 an. Ehre ihrem Andenken! Einäscherung morgen. Freitag. 1711 Uhr, Gerichtstraße. Rege Beteiligung erwünscht. 25. Abt. Unser Genosse Karl Podlesch, Elbinger Str. 58, ist am 21. Januar verstorben. Ehre seinem Andenken! Beerdigung Donnerstag. 20. Januar. 1514 Uhr. auf dem St..Georgen.Friedhof, Landsberger Allee. Um rege Beteiligung wird gebeten. WM r\Pm i-i: SozialMAe ArbelterjlMlld Groß-Verlin Einiendunacn kür diele Rubelt NU' an das Juqrndi-tietartol Berlin EW 68 Lindenstraß» 2 vorn I Treppe recht» Achtung! Achtung! SAJ.-Sammelplatz am Sonntag nicht Gen- darmcnmarkt. sondern Neuer Markt, Näbe Bhf. Alerander, platz und Bhf Börse, an der Kaiser-Wilhelm-Straße. Treffpunkt 1S% Uhr. Bvm Lustgarten geschlossener Rückmarsch zur Horn-, Ecke Porckstraße. Uni.■1-krt— 1— e-sUB f-v-B-mr r-P�i- Proletarische» Orchester der TAI.: Probe in der Schulaula Sonnenburger Straße 20. De- H.-B.»S»rsu«, der für den l8./19. Februar festgesetzt war. fällt aus! Dafür findet ein Wochenendiurfus der Referentenschule statt. Die übrigen Termine bleiben unverändert. Rcscreuteuschul« fällt am 28. Januar und 4. Februar au». kieuke. Donnerstag, 20 Uhr: Roseutbaler Vorstadt: Zehdenicker Str. 17: FK.: Die Gruppe.— Arn, walder Platz II: Schönlankcr Str. 11, B. III: Tagespolitik,— Falkplatz I: Sonnen. burgcr Str. 20: Neue Bücher.— Sumannvlatz: Eleimstr. 38—85: lO.Minuten. Referate.— Nordost II: Danziger Str. 82. Baracke III: Bunter Abend.— SeT'öii» hauset Vorstadt: Sonnenburger Str. 20: Die Freidenkerbewegung.— Sakenheide: Wossertorstr. 4: Heimobend.— Kottbuss-r Tor: Urbanstr. 187: KPD. und Faschismus.— Köpcuicker v!-rtel: Manteukfelstr. 7: Marrismu», I.— Südwest: Liederabend källt aus. dafür Funktionärversammlung.— Kchöneierq III: Haupt- straße 15: Wir llngen. West-nd: Sv ortplatz Westend: Liederabend.— Wilmersdorsi Wilhelmsaue 128: Arbeitsgemeinschaft.— gohl-nbarf-Dabkem: Zinnowwaldschule: Arbeitsgemeinschakt.— Schöneweid« I und II: Berliner Straße: Lnremburg.Liebknecht.Gedcnkkcier.— Buch: Schule Lindenhofstraße: Tagespolitik,— Karow: Frundsbergstr. 9: Rußland.Abend, Worbobeolri Wedding: Aelterenkursns, Koloniestr. 22.— Der für Sonntag angesetzte ffunkti-när.Schulungskursus fällt au». Treffpunkt zur Demonstration wird noch bekanntgegeben. Werbobeziri Osten: Funktionär-Schulungskurfu», I. Allgemeines. Litauer Strafte 18. Reierent: Walter Marotzke. Werbobezirk Lichtenberg:„Rote Funker" 20 Uhr wichtige Probe, Schorn. weberstr. 22. 4- Werbobezirk Kreuzberg: Morgen Funktionärsitzung, Bassertorktr. 4. Thema: „Untere Werbebezirksardeit", Srupvenleiter erscheinen schon 14 Stunde früher. Wcrbebe'ir! Westen: Die Delegiertenkonferenz am Sonntag beginnt wegen der Demonstration schon um» Uhr. irute, Donnerstag, 28. Januar, um 1914 tagen die Gruppen: ichlesisches Tor: Jugendheim Manteuffelftr. 7.„Die Stellung der Ge- werkichaften zum BBG.-Streik."— Südosten: Jugendheim Reichenberger Straße 88 lFeuerwehr>.„Religion und Sozialismus."— Gewerkstfiastshaus: Saal 11 des Gewerkschaftsbauses, Engelufer 24— 25.„Wie verhalte ich mich vor Polizei und Derickst?"— Tempclhos: Jugendheim Germaniastr. 4— 6(Lnzeum). 2 Stunden Kloßbrenner.— Moabit: Jugendheim Lehrter Str. 18—19.„Das Be- triedsrätegesetz"— Kövenick: Jugendheim Grünauer Str. 5(Nähe Bahnhof Svindlersfeld).„Ein Streifzug durch die Sächsische Schweiz und die sächsische Literatur,"— Zevpelinvlatz: Jugendheim Turiner Ecke Seestraße. Eingang Turiner Straße.„Unser Säimalzftullentheater."— Gesundbrunnen: Jugendheim Rote Schule. Gotenburger Str. 2. Kabarett und Revue.— Osten: Zugendheim Frankfurter Allee 807 sLönszimmerl.„Bursche und Mädel in der FDZ."— Reu- Lichtenberg: Jugendheim Gunterstr. 44.„Jugend in Rot."— Lichtenberg: Jugendheim Dollestr. 22.„Die internationale Schuldenregelung."— Landsberger Platz: Jugendheim Ebertnstr. 12. Bunter Abend.— Steglitz: Jugendheim Flemmingftr. 14k„Die Grundlagen des Marrismus."— Ziigcndgruppc de- Berbandes der Nahrnngsmittel und Getränkcarbcitcr: Jugendheim Neue Schön- hauser Str. 4— 5.„Die Frau im Wirtschaftoleben." �uoenbaruvve he«?en�ralperban0eF Oer ZlnaekeMen Achtung! Heute fallen sämtliche Gruppenabende aus. Wir besuchen die Iahresmitgliedcrversammlung der Gcsomiiugendgruppe im groften Saal des Verbandshauses. Beginn 20 Uhr. Zutritt haben nur Jngcndmitglieder, die sich als solche ausweisen können, sowie die Iugendfunktionäre. SPD.-Buchdrucker. 2. Bezirk: Dichtige Zusommenkunit Sonntag. 29. Januar, pünktlich 914 Uhr, bei Julius Sachse, Lindower Str, 28 sgegenüber Bahnhof Wedding). Anschließend Teilnahme an der Lustgartendemonstration. Der Fraktionsvorstaad. Arbeitsamt West. Freitag, 27. Januar, 20-Uhr. Lokal Kaiferin-Augusta. Alle» 90. Fraktionsoersammlung. Thema:„Unsere Aufgaben im neuen Jahr". Referent: Karl Dressel. Vortrage, Dereine und Versammlungen Reichsbanner„Schwarz-Rot-Gold". Geschäfts st eile: Berlin S 14. Sedastianstr. 87—88, Hos 2 Tr. Eharlotteuburg. Kamerabschaft Westend: Sonnabend, 28. Januar, 20 Uhr, Jahresversammlung mit Neuwahlen bei Schellboch. Königin. Eliiabeth.Str. 8. Buchkanirolle.— Svaudau sOrlsvereinl: 27. Januar, 1914 Uhr, Generalversammlung im Lokal von Schulz, Tiefroerder, Dorfftr. 5. Buchkontrclle. Türkcntrolle: Dilhelmstadt.— Köp-nick sOrtsverein): Sonnabend, 28. Januar. Maskendall im Restaurant Sadowa, Lindenstraße. Ein. tritt 50 Pf. Erwerbslose 25 Pf. Beginn 20 Uhr.— Pankow(Jungba): Freitag, 27. Januar, 20 Uhr. Jugendheim Dörschstraße. Vortrag. KKS. Republik 14 Rentölln-Britz, Freitag, 27. Januar. 20 Uhr, Mitglieder- Versammlung bei Düben, Weser- Ecke Fuldastraße' 1. Arbeiterschaft und Schieß, spart0 Uhr, Bezirkogcueralversammlung __ im Lokal Patzenhofcr. Svandau, Stresowplatz 20.«Straßenbahnen 54 und 154.— Berliner Sängerchor: Am Sonntag, 29. Januar, 14 Uhr, im„Spree- garten", Alt-Treptow, Generalversammlunq. Eintrittskarten zum Maskenball am 18. Februar sind beim Sangesbruder Wanzeck zu entnehmen. o.\\ Berger lachte hart und exaltiert...G5e- rade, sagte er...Gerade ums Geld warst du ja so tapfer. Für vierhundert Kronen hast du dein Leben aufs Spiel gesetzt— wenn du's überhaupt getan hast." „Wer spricht von Geld? Du weißt genau, was ich meine." „Ich gebe dir gern recht. Niemand ist tapfer um Geld. Schön— aber die andern, die der Berechnung nach den Vorteil von der Tat hätten ernten sollen. Die Menschen, für die er sich geopfert hat, um derentwillen er in den Tod ging? chatten nicht die— als das Allergeringste und Kümmerlichste was sie tun konnten— dafür sorgen müssen, daß die chinterbliebenen wenigstens keine Not litten? Quisthus' Frau verlor ihren Mann, das Kind seinen Vater. Genügte das nicht? Was hat es für einen Sinn, sie obendrein noch bar dafür bezahlen zu lassen?" Lüdersen schüttelte unmutig den Kopf. „Du übertreibst, wie gewöhnlich. Sie haben doch ihre Pension. Das weißt du so gut wie ich." „Richtig— ein Drittel des Gehalts. Vor ein paar Monaten sprach ich die Frau, der Junge verdient sein Geld als Laufbursche, sie muß ihn bei ihrer alten Mutter unter- bringen, und selbst muß sie, um leben zu können, eine Stelle als chaushälterin an- nehmen. So behandelt man den toten chelden, aber den lebenden macht man zum Postdirektor- Und warum? Weil er mit heiler Haut davonkam.— Gesetzt den Fall, du wärst verletzt worden und als Folge davon arbeitsunfähig, wie hätten sie dir das gelohnt? Mit einer Pension, von der du knapp hättest leben können. Genau wie nach dem Kriege: die verkrüppelten chelden mußten selbst die Kriegskosten bezahlen. Wir rufen mit klopfendem und bewegtem cherzen„Bravo", wir halten ergreifende Ge- denkfeiern für die Toten, aber deren Ver- pflichtung gegen ihre Ueberlebenden über- nehmen wir nicht." Lüdersen hatte sich an die Wand gelehnt und sah ihn an.„Du bist ja mächtig red- selig", sagte er. „Ja, du hast gut spotten. Aber das macht mir nichts. Es wiegt so unendlich wenig gegen das Wesentliche. Und daß ich jetzt redselig bin, kommt vermutlich daher, daß ich mich sehr lange vorbereitet habe. Ich stehe nicht hier vor dir und improvisiere. Ich habe diese Dinge neun Jahre durchdacht. — Es mag aber gern sein, daß ich etwas aufgeregt bin. Ich will versuchen, ruhiger zu werden" Er setzte sich ermattet hin, stützte den Kopf in die chand und sah vor sich nieder. Lü- dersen betrachtete ihn einen Augenblick, dann erhob er sich mit ruhiger Würde und schaltete das Licht an. Er ging an das Fenster und zog die Gardine vor. Alles das tat er mit einer gewissen gewollten Ge- mächlichkeit, als läge ihm daran, zu zeigen, daß er ein gutes Gewissen und nichts zu fürchten habe. Als er sich wieder gesetzt hatte, blickte Verger auf. Sein Gesicht hatte einen schmerzlichen Ausdruck angenommen. „Denkst du noch manchmal an Quisthus?" fragte er. Der andere nickte kurz und mürrisch. „Niemand stand ihm— außer seinen Nächsten— so nahe wie ich. Und ich denke oft an ihn. Er war im Grunde so voller Leben. Was er damals tat, war vielleicht nicht mehr als was du tatest, aber es war auch nicht weniger. Und nun liegt er bald neun Jahre und modert auf einem Fried- Hof. Während du lebendig auf Erden um- hergehst und dich brüstest mit dem, was ihn getötet hat.— Hast du das mal bedacht?" Lüdersen wurde etwas bleicher, aber er schob das Unbehagen mit gespielter Ver- achtung von sich.„Nein", sagte er,„es liegt mir nicht, herumzulaufen und Grillen zu fangen." „Grillen?" „Ja. das sind ja alles Grillen, was du da fabelst. Neid und Grillen." Berger schüttelte sanft den Kopf.„Ich be- neide Quisthus nicht", sagte er.„Und weißt du. zu welcher Ueberzeugung ich gekommen bin?- Ich glaube, es gibt nicht einen ein- zigen Menschen, der sein Leben hingegeben hat— und war es auch um einen andern zu retten—. der es nicht lieber ungeschehen machen würde, wenn er das Ende voraus gewußt hätte." „Ja, wenn er es gewußt hätte." Verger sah den anderen fest an.„I ch wußte es." Lüdersen zuckte die Achseln.„Wenn es dir Spaß macht, dich damit zu entschuldigen, dann meinetwegen!" Berger hatte schon wieder angefangen, vor dem Schreibtisch auf und ab zu gehen Die Unruhe war wieder wach in ihm. Plötzlich blieb er stehen. „Entschuldigen?" fragte er.„Habe ich etwas getan, was einer Entschuldigung bedarf?" „Nein— du hast eben gar nichts getan." Die Hände auf den Schreibtisch gestützt, beugte Berger sich leicht gegen Lüdersen vor.„Doch", sagte er,„ich verteidigte das Leben!" „Ja— dein Leben." „Hatte ich denn ein andres Leben zu ver- Leidigen?" Lüdersen strich sich mit der Hand nervös und ratlos durch das Haar. Er hatte noch immer sein dichtes rötliches Haar und es blieb nach dem Durchstreichen dick und struppig stehen. Sein Blick war schwer von tückischer Gereiztheit.„Da schwatzt du und schwatzt", sagte er.„Du sagst, du hättest jetzt sitzen können, wo ich sitze. Und dabei hast du dich nicht mal getraut, dich zu be- werben." „Ganz richtig, ich habe mich nicht getraut. Eben nicht getraut. Ich wußte nämlich vor- her, wie es ausfallen würde, und ich gönnte dir nicht auch noch einen Triumph." „Triumph?— Wovon redest du eigent- sich?" „Ach. laß das Heucheln, du bist noch der alte, du hast dich nicht geändert. Du ver- achtest mich noch immer, weil ich mich da- mal? nicht totschießen ließ. Du findest noch immer, daß ich mich unwürdig benahm. Ich bin hergereist, um zu sehen, ob es noch so ist. Ich hoffte das Gegenteil— aus zweierlei Gründen. Einmal, weil ich es müde bin, mich demütigen zu lassen. Ich halte es nicht mehr aus. Daß du es weißt. Mir ist bald alles einerlei!" Lüdersens Blick flackerte unsicher hin und her bei diesem unterdrückten und doch sehr deutlichen Ausbruch. „Du redest, als ob all das meine Schuld wäre", sagte er.„Glaubst du etwa, andere sind nicht ganz derselben Meinung wie ich?" Sprung nach Frankreich Völkerpiychologiiche Studie/ Von Felix Stiiffinger Wer in Genf sitzt, hat Frankreich vor Augen, denn das andere Ufer des Genfer Sees ist bereits französisch. Aber da auch Genf französisch ist, wenn auch ganz anders als Frankreich, weiß man auch in Genf gut zu essen.„Ja gewiß," sagte mir eine Parteifreundin vom Arbeitsamt, „hier ißt man gut. Aber wenn man hinüber in die kleinen französischen Dörfer fährt, da weiß man erst, was Kochen und Esten ist. In jedem Dorf gibt es einen anderen wunder- baren Wein, in jeder Dorfküche bekommen sie ein Gericht auf eine Art und Weise zubereitet, wie nirgends sonst." Und wieder dachle ich, daß man, ohne Uebertreibung, an seinem Esten ein Bolk be- urteilen kann. Je individualistischer es ist, um so reicher sein Küchenzettel. Kurzum, es gibt sehr viele Möglichkeiten zur Beurteilung und Klassi- fizierung eines Volkes. Nur eine, die heute be- liebteste und meist angewandte, sagt im Grunde sehr wenig aus. Die Beurteilung nach Seifen- verbrauch und Reinlichkeit. Diese Beurteilung enthält eben nichts als das Kruerium körperlicher Sauberkeit. Schon nicht einmal das Kriterium körperlicher K u l t u r I Denn dazu gehört ja noch vieles andere, was durch den Begriff der Rein- lichkeit gar nicht ersaßt wird, wie die Kunst des Estens, der Liebe, der Naturverbindung, der Hygiene(die mit Reinlichkeit nicht glatt identisch ist), und vieles andere. An solche Dinge sollte gerade der Deutsche denken, der nach Frankreich kommt. Er muß von vornherein entschlossen sein, das Hauptkriterium banaler Bölkerbeurteilung, das Kriterium der Sauberkeit, nicht ohne weiteres anzu- wenden. Er muß wissen, daß Unsauberkeit, auch wenn sie uns aus Deutschland besonders stört, eben nur ein winziges Kriterium des Lebens ist, und daß die vorlaute Beurteilung eines Volkes nur nach diesem Gesichtspunkt zu den dümmsten Vorurteilen verführt. » Wahr ist freilich: Wer auch aus der Schweiz, die von erquickender Sauberkeit ist, in Frankreich einfährt, wird durch die Ueberfülle von Schmutz, durch die Gleichgültigkeit des französischen Men- schen gegen herumliegenden Schmutz, gegen Staub, gegen alles Unscheinbarwerden der Dinge durch Schmutz sicher stark betroffen. Die Bahnhöfe, die Schilder der Geschäfte, die Häuser selbst, die Autos, alles ist unwahrscheinlich vernachlässigt— und das in einem Lande, das wiederum in bezug auf gewisse Teile der Körperpflege, in bezug auf alles, was mit Estenzen, Puder, Parjüm zu- sammenhängt, führend ist. Tatsach« ist, daß der Franzose auf viele Dmge, die mehr oder weniger mit Sauberkeit zusammenhängen, gar keinen Wert legt, dafür kein Geld ausgibt. Ich war einen Tag in Lyon, das allerdings auch für die Iran- zosen eine besonders häßliche und schmutzige Fa- brikstadt ist. und war von der souveränen G l e l ch g ü l t i g k e i t der Menschen gegen das Veralten der Dinge überrascht. Alter nnd Schmutz, Palina des Gebrauchs, der Abnutzung ist für die Franzosen unerheblich. Man sieht hunderte Hausschilder, Ladenaufschrlften, die wahrscheinlich seit bv Jahren nicht gereinigt wurden. Man sieht Autos, die offenbar den ganzen Frühling und Sommer herumfahren, ohne gewaschen zu werden, und das in dem für das Auto bahnbrechenden Land Europas! Man steht serner halbzerbrochene Wagen mit ausgerissenen Rückwänden, an deren Reparatur niemand denkt. Man sieht Menschen in unwahrscheinlich schlechten, abgerisfenen, zu- sammengeflickten Kleidern. In keiner deutschen Ortschaft, auch nicht dort, wo nur Arbeitslose leben, sieht man Menschen so in R e st e n von Kleidern gekleidet wie in den besten Straßen Lyons. Das kümmert niemand. Daher sitzen cle- ganteste Frauen und sorgsällig. ja geckenhaft ge> kleidete Männer anstandslos im Cafe neben Leuten in einer seit Jahren ungeputzten Arbeits- blufe. Die Gleichgültigkeit gegen das Verkommen der Dinge ist enorm. Aber es ist zugleich eine GleichgültigkeitgegenallesAeußer- l i ch e. Damit hängt auch zusammen, mit welchen pri- mitiven Mitteln vielfach gearbeitet wird. Ueberall wird statt eines Plakate» in Geschäften«in heraus- gerissenes Blättchen Papier mit wässeriger Tinte beschrieben, angeheftet, wo bei uns ein in der Schnelldruckerei hergestelltes Plakat diesen Zwecken dienen würde. Die Eisenbahnbeamten haben kleine selbstgeschriebene Zettelchcn, aus denen sie sich Dienstbestimmungen oder Fahrpläne abschreiben. Bei uns gäbe es dafür gutgedruckte Formulare der Reichsbahn mit allen möglichen und auch überflüssigen Auskünften und Bestimmungen. Das Kennzeichen aller dieser Dinge ist aber auch die berühmte und tatsächlich ungeheure Sparsam- k e i t der Franzosen. Vieles, was Schmutz ist, ist eben da, weil man kein Geld und keine Zeit zu seiner Beseitigung auswenden will. Solange es geht, bleibt es. Warum ändern, Neues anschaffen, Zulängliches zerstören, wenn es seine Bestim- mungen noch ausüben kann. Wie mit den Dingen geht es aber auch mit den Menschen selbst. Wie man Sachen unendlich lange benutzt, solange sie ihre Funktionen erfüllen können, so auch Menschen. Niemols habe ich so alte Männer und Frauen bei der Arbeit und in Betätigungen gesehen wie in ein paar Tagen in Frankreich. Besonders die Verwendung von Greisinnen in allen möglichen leichten Beschäftigungen ist in jeder Hinsicht bedeutungs- voll. Bei uns grassiert ja die infame amerika- nische Vorstellung, daß der Angestellte über Vierzig auf den Schindanger gehört. In Frankreich findet man zahlreiche Möglichkeiten, den alten Menschen, der keine Rente und Versiche- rung sein eigen nennt, passend und human zu beschästigen. Wie mir überhaupt die Fähigkeit älterer Frauen besonders in Deutschland enorm unterschätzt scheint. Tritt man aber nun diesen Menschen im Ge- spräch näher, dann Ist man auf» höchste über- rascht, welche Feinheit des Tons, der Sprache, der Empfindungen in diesen unscheinbaren Menschen steckt. Die U n s ch e i n b a r k e i t des Franzosen erschien mir immer als eine gewollte, es steckt darin etwas von der Scheu, hervorzutreten, die auch eine besondere chinesische Tugend ist. Es ist, wie bei vielem in Frankreich, das Gegenteil zu dem allgemeinen Begriff, den das Franzosen- tum bietet. Das Volk der xloirc, der großen Ge- bürden und des Pathos, ist eben auch das Volt der S t i l l e der Einkehr, der L e b e n s s ch e u. Diese Kultur ist tief in die Massen gedrungen, und insosern unterscheidet sich auch der Provinz- franzose wenig von dem Pariser. Es werden wich- tige, ja große Dinge wortlos getan, und eine Re- klame und Weltpropaganda für das, was geschehen ist, liegt dem Franzosen nicht. Lyon ist eine alte, ungeheuer weit gedehnte Stadt, mit unendlichen Altertümern, aber auch neuen Bauten von packender Modernität. In Toni Garnier besitzt Lyon«inen der mo- dernsten Architekten der Welt, der vom modernen Häuserbau zur modernen Stadtanlage vor- gedrungen ist. Und in dieser altmodisch, jämmer- lich gekleideten, sast überall schmutzigen Stadt steht der modernste Bau nüchtern und phrasenlos neben dem ältesten. Da stehen die berühmten Schlachthäuser Garnier», die ganz Kon- strutckion sind, eine der kühnsten Europas. weil das tragende Stahlgsrippe auf drehbaren kleinen Kugelgelenken montiert ist. Ein Chauffeur klärte mich nicht nur über diese Kon- struktion aus. sondern sagte mir auch, als mir der „Gewiß, wer behauptet denn was andres? Aber mir bist du der Repräsentant für alle die andern— für all den Hochmut und all die Zurücksetzung! D u hast mich gedemütigt, d u hast vergessen, was du Frau Quisthus schuldig bist.— Wer bin denn ich? Ein lum- piger lebenslänglicher Schalterbeamter. Er- wartest du, daß ich es mit der ganzen Welt aufnehme?— Bei dir will ich mir meine Ehre wiederholen!" Eine heftige Röte flammte in Lüdersens Gesicht auf. „Weißt du was?" fragte er hitzig.„Ich glaube, du bist verrückt!" Berger nickte energisch.„Richtig getroffen. Ich b i n verrückt." Er wandte sich plötzlich, ging an das Fenster, schob die Gardine zur Seite und sah hinaus. Lüdersen sah ihm sprachlos zu. Als Berger noch immer am Fenster stehen blieb, fragte er:„Nach was siehst du denn?" Berger machte kehrt und ging, ohne zu ant- warten, quer durch das Zimmer. An der Tür blieb er stehen. „Ich sehe mir bloß mal den Hof an", sagte er.„Er ist groß und von ihm bis zur Straße ist ein noch größerer Garten. Hinterm Garten ist ein hoher Zaun." Lüdersen wurde nervös. (Fortsetzung folgt.) Name des Erbauers entfallen war, daß Garnier das gebaut hat. Solche Chauffeure kann man sich auf der Welt suchen! Im Museum zeigte mir ein Wächter ein Bild, von dem er sah, daß ich es nicht bemerkt hatte, einen herrlichen Dürer, wie mir schien. Aber, fügte der Mann hinzu, die Zu- schreibung zu Dürer wird lebhaft bestritten. Solche Dinge erlebt man in Frankreich auf Schritt und Tritt. Die Stadt modernisiert sich übrigens weiter mit Elan, gerade als ich dort war, wurden vom Stadt- rat�der Bau des größten europäischen Wolken- kratzers von 70 Meter Höhe mit 18 Etagen in dem modernen Viertel Brotteaux beschlossen. ★ Daß Frankreich das Land ist, in dem zum erstenmal mit den modernen Baustoffen: Beton, Gla», Eisen gebaut und geformt worden ist, ist nicht so bekannt, weil ja die Franzosen überhaupt nichts tun. um solche Einzelheiten weltnotorisch zu machen. Auch sonst bauen sie Dinge, die erstaun- lich sind. Der neue Straßburger Hasen ist einer der modernsten der Welt. Eine große Leistung war die Verlegung einer Hafenbrllcke in einem Stück. Die ganze große Eisenbrücke wurde ohne jede Zerlegung in Teile entfernt und neu eingebaut. Ich schätze die Länge dieser so verlegten Brücke auf 40 Meter. Uebrigenz fiel mir diesmal in der französischen Eisenbahn, die viel schneller fährt als die deutsche, «ine praktische Einrichtung auf. Die Türen gehen nach innen auf, nicht nach außen. Ein Heraus- stürzen aus dem Zug durch Aufgehen der Tür ist also ausgeschlossen Außerdem öffnen sich die Türen nicht durch Niederdrücken, sondern durch Hochheben der Klinke. Alle Türunglücksfälle sind damit eliminiert. Aber da wir schließlich in Frank- reich sind, fuhr der Zug, in dem ich saß, ab, ob- wohl in 3 Waggons sämtliche Türen weit offen- standen Als übrigens der Zug die deutsche Grenz- station erreichte, zog eine Truppe Reinemache- stauen ein und fegte gründlich und schnell einige Eimer Dreck heraus. Ich muß gestehen, daß mir das etwas peinlich war, denn ich weiß, welchen Komplex die Reinlichkeit in unserem Denken ein- nimmt, und wie abgrundtief so manche Scheuer- frau die Franzosen wegen ihrer dreckigen Eisen- bahn oerachtet haben mag. * Wie in der Schweiz, ist auch Im Elsaß der Sprachschatz des persönlichen Verkehrs, alle Worte der Erziehung, des guten Benehmens, des Bittens und Dankens französisch. Die Bevölkerung spricht ungehindert Deutsch, aber wer sich nicht kennt, redet sich französisch an. Man nimmt fran- zösisch Fühlung, das heißt in der gemeinsamen Sprache, und setzt dann in der, zu der man gehört, den Verkehr fort. Strahburg ist trotz der Krise eine ungemein lebendige Stadt geblieben, ja geworden, denn der Hafen spielt ja heute hier eine ganz andere Rolle als vor dem Krieg. Die junge Generation wird französisch sprechen, dar- über kann kein Zweifel bestehen. Die Fehler, die einmal leider die Linke im Elsaß durch über- stürzten Zentralismus und Laizismus begangen hat, werden nicht wiederholt werden, so daß nichts das Hineinwachsen der beiden Provinzen in die französische Kultureinheit behindern wird. Das germanische Element, das dadurch in Frank- reich eindringt, wie einst vom Norden her, wird Und muß ein Kitt zwischen den Völkern werden, die sich so ungleich sind, aber so fabelhaft er- ganzen könnten. Der Franzose ist nämlich vielfach so, wie der Deutsche zu sein glaubt, also zu sein wünscht, und umgekehrt. Darin und in dem Zwang zum Wirtschaftsaufbau liegen die großen dynamischen Kräfte, die zum Zusammenschluß drängen. Eine?, sah ich wieder, könnte die deutsch« Seele von der französischen lernen: ihre Fähigkeit zur Still«, zum ruhigen Einatmen der Natur, zur Hin- gäbe ohne Phrase, zur Unabhängigkeit des Denkens von Launen der Zeit und des Augenblicks. Eben das macht in Frankreich die Dinge alt und gibt ihnen eine natürliche Würde und Sicherheit Dies wieder einmal, wenn auch nur im Sprung, gesehen zu haben, war das eigentlich Schöne dieser Frankreichreisc. Und zuletzt hat sie mir bestätigt, wie sehr Frankreich Paris und wie pariserisch Frankreich ist. W ahrheit, Dichtung und V ersch wiegenes Wie geht es der Landwirtschaft wirklich?— Ein fabulierender Reichsminister Als nn Haushaltsausschuß des Reichstages Genosse« ch m i d t- Ä ö p e n i ck in den Debatten über die Oschilseskandale festgestellt hatte, daß es der Landwirtschaft nicht schlechter als andere» Berufs ständen geht und diese Tatsach« an Hand von Buchführungsergeb- nissen»achwies, siihlte sich der Reichsernährungs- minister von Braun bemüßigt, diese Feststellungen des Genossen«chnridt zu b c st r e i t« m Die Reinsrträge der Lairdwinschaft seien!S30lZI erheblich zurückgegangen und das Verhältnis zwi- schen Reinertrag und Zinseitdienst habe sich seit 1L24 ständig verschlechtert, da sich der Zinsen- dienst stärker erhöht habe als die Reinerträge. Be, allem Respekt vor einem leibhastigen anloritären Minister aber— diese Behauptungen stimmen mit der Wirklichkeit nicht überein. Man braucht nur die vom Deutschen L a n d w i r t s ch o s t s- r a t herausgegebene Uebersicht über die Entwick- bing der landwirtschastlichen Betriebsergebnissc auszuschlagen und wird dann über die, wir wollen es schonend ausdrücken, Unkenntnis des 5)errn von Braun den Kopf schütteln. Unter Autoritären hat ja wohl eine Feststellung des Deutschen Land- wirtschastsrats noch genug Autoritär pflegt man doch in der Wilhelinstraße gleich vergnügten Trab, wenn der Deutsch« Landwirlschastsrat chü ruft. Wie steht es nun aber mit den Rein- ertrügen aus Grund der Buchführungsergeb- niste dieses Deutschen Landwirtsckpzstsrats? Wir können seststelleii, daß die Einnahmen in den Jahren IlWäl weit höher lagen als im Durchschnitt der Jahre IbZ-t/Zb. Zwar sind sie IllAiKäl etwas niedriger als im Vorjahre i deniwch liegen sie je nach den verschiedenen Winschafts- formen iinmer noch um 6 bis 19 Proz. über denen von 1924'26- Die Ausgaben sind wohl ge- stiegen, aber lange nicht so wie die Einnahmen. 1tt3&.Z1 lagen sie bei den Getteidewirtschasien nur um 3 Proz., bei den Futterbauwirtschasten um 1 Proz. über den Ausgaben im Jahre l924'2b. Bei den Zuckcrrübenbetrieben sind sie sogar um 1 Proz. gegen 1924'2t> gesunken. Infolgedessen ist der Reinertrag in den legten Jahren immer höher gewesen als in den Jahren nach der Inflation. Selbst die Anwendung der bekannten Knisje durch möglichst hohe Bewertung des Natural- lohns, der Abschreibungen, der Jnventaroerminde- rung und des persönlichen Lohnanspruchs des Besitzers den Reinertrag buchmäßig zu verringern, konnte die Tatsache nicht verschleiern, daß die Reinerträge im Jahre Ili-ZOiZl weit höher lagen als in den Jahren 1324�26, wenn sie auch gegenüber dem Durchschnitt der.Konjunkturjahre 1l>28lZ(i etwas gesunken sind. Es ist also ein« Irreführung der öffentlichen Meinung, wenn man be- hauptet, daß die Reinerträge im Jahre 193l)lZI erheblich zurückgegangen sind, dabei aber o e r> schweigt, daß sie immer noch weit über den Reinerträgen der Jahre 1926�28 lagen. Und wie steht es mtt dem Verhältnis zwi- schen Reinerträgen und Z i n s e n l a st, das sich angeblich von 1924-31 ständig verschlechtert haben soll? Schaltet man die willkürlich festgesetzten Korrek- ttiren der tatsächlichen Reinerträge, die von den Buchsührungsstellen zwecks Verschleierung der Ein- konnnensverhältnisie vorgenommen werden, aus, dann zeigt es sich, daß trotz Steigerung der Zinsen- last die Landwirtschast im Jahre 1939-'31 weit besser abschneidet als in den Jahren nach der Währungsstabtlisierung. Zieht man von den EG- nahmen die Ausgaben und die Zinien ab, s c behalten je Hektar übrig die 1924/26 1930/31 Zuckerrübenwirtschast 20 50 Mark Gerreidewirtschaft... 7 21„ FMterbauwirtschast..— 6 l Verlust) 14 Von einer Verschlechterung der Lage der Land- Wirtschaft durch die Steigerung des Zinsen- dienstes in den Jahre» 1924-31 kann man also nur reden, wenn man von den tatsächlichen Verhätt- nissen keine Ahnung Hot oder sein Wilsen mit Zlbsichr verbirgt Wie die bürgerliche Handelspresse meldet, sollen die reichseigenen Vereinigten In- dustrieuntern'ehmungen(Viag) aus ihrein Unternehnmngsbefitz die Mitteldeutschen Stickswfswerkc A.-G. an«in privates Konsortium — bestehend aus den Bayerischen Stickstosswerken iGroßaktionär« DD.-Bank uick» Professor Caro) und der JG.— vertaust haben. Die Verwaltung der Viag hat bisher merkwürdigerweis« über dieie Transaktion keine Erklärung abgegeben. Die Mitteldeutschen Sttckstolswerke A.-G. ver- fügen über das große Stickstosswerk in Piesteritz (bei Wittenberg), das in der Kriegszeitvom Reich für den Kriegsbedarf unter größten Kapitalaufwendungen ausgebaut wurde und sich in der Nachkriegszeit dank des steigenden Absatzes von Stickstoffdünger an die Landwirtschaft günstig entwickeln konnte. Vom Jahre 1926 ab wurde das Werk an die Bayerischen Stickstosfwerke A.-G. bis 1941 verpachtet. Die Bayerischen Stickstoffwerke hatten bisher dem Reich einen jährlichen Pachtzins von etwa 4 Millionen M. zu entrichten! die staatliche Besitzgesellschast, die Mitteldeutschen Stickstosfwerke, konnten aus Grund der Pachtzahlungen beträchtliche Dividenden an das Reich abführen. Auch sür das legte Jahr wurde noch— offenbar nach starker Reserve- stellung— ein Rohüberschuß von rund 2 Millionen Mark ausgewiesen und 6 Proz. Dividende an das Reich abgeführt. Es handelt sich also bei diesem industriellen Besitz des Reichs um ein recht e r- tragreiches Unternehmen. Nach den bisher bekanntgewordenen Verkaufs- Selbstverständlich hat sich inzwischen durch das weiter« Sinken der Preise, besonders durch die geringere Kauffähigkeit der städtischen Bevölkerung iür Veredelungsprodukle die Lage der Landwirt- jchaft nicht gebelfert. Aber wie die Reichs kreditgelellschaft kürzlich feststellte, dürft- der C r l ö s der landwirtschaftlichen Erzeugung nur imr«lwa 10 Proz. geringer sein als im ver- gangeiren Erntejahr. Gleichzeitig sind aber die K o st e n sür Zinsen, die Preise sür ausländisch' Futtermittel, für Düngemittel und die Lohn ausgaben gesunken. Insgesamt dürfte der Rückgang der Ausgaben wohl den Rückgang der Erlös« übertreffen. Genosse Schniidt-Köpenick behält also rech! mit seiner Feststellung, daß es der Landwirtschojl nicht schlechter geht als allen anderen Berufs- ständen. Der Reichsernährungsnünister muß aus Wahrheit Dichtung machen, um den Schein des Rechts nir sich zu bekommen.'Aber das gehört ja wohl zur autoritären Staatsousfafsung, unter der sich so gut Agrarpolitik machen läßt. bedingungen würde das Reich gegenüber den bis- herigen PachteinnaHmcn und Erträgnisien der Mitteldeutschen Stickltofswerke sehr betröchttichc Einbußen erleide»! das ergibt sich schon aus der Pachtsumme von 4 Millionen(bei 20 Millio nen Aktienkapital) und den Verkaufskurs von nur 115 Proz. In den Kommenlaren der bürgerlichen Handelspresie, die diesen Berkauf natürlich bei fällig als einen Akt der Reprioatijierung beurteilt, wird darauf hingewiesen, daß über das bisherige Pachtverhältnis Differenzen zwischen der Caro-Gruppe und dem Reich beständen, daß serner auch gewisse Kaufrechte(Option) dieser Gruppe zuständen. Die Viag hat es bisher nicht für nötig befunden, die Oeffenllichkett über den wirklich zu- grundeliegenden wirtschaftlichen und rechtlichen Sachoer hatt zu informieren; es erscheint nach allem, was bisher bekannt geworden ist, sehr fraglich, ob für dos Reich eine zwingende Notwendigkeit gegeben war, diese wichtige Wirtschoftsposttion ans der Hand zu geben. Das Werk mit einer Jahreskapazität von fast 40 000 Tonnen Reinstickstoff hat eine hohe und wertvoll« Quote, ist auch heute mtt 60 Proz. Kapazitättausnutzung noch relativ gut beschäftigt Die Quote ist durch den langfristigen Syndikatsverttag auf lange Zeit gesichert — jetzt aber soll das Werk, dazu noch zu un- günstigen Bedingungen für das Reich, in private Hände übergeführt werden. Wir möchten nicht hoffen, daß über diesen Ver- kam schon das letzte Wort gesprochen ist. Wir legen aber auf jeden Fall gegen dieie kaum not- wendige Preisgabe einer wirtschaitspolttijch und ertragsmähig besonders wertvollen reich-eigenen Großunternehmung Verwahrung ein. Di« Reichsstellen haben im übrigen unverzüglich der Oeifentlichkeit über den Stand der Zlngelegenheit und den ganzen Sachverhalt Aufklärung zu geben. WeltwirtsdiaktsKonkerenz: Der Organisationsausschuß des Völkerbunds- ratcs für die Londoner Wellwirtschaftskanferenz schlägt dem Völkerbundsrat die Ernennung Mac Donalds zum Präsidenten der 5lonferenz vor, will aber den Zeitpunkt der Konferenz erst bei dem innerhalb der nächste» drei Monate vorgesehenen neuen Zusammentritt endgültig bestimmen. Frankreich, England und Amerika haben gegen die sofortige Festsetzung des Datums Bedenken geäußert, offenbar im Zusammenhang mit der Regelung der Kriegsschulden- frage, die noch vor der Londoner Konferenz versucht werden soll.' Ziecüung nach Junkerart Neupreußen beseitigt Dr. Dyk Gegenüber der gemeinnützigen Sied- lungs-Treuhand G. m. b. H. hat der Reichskommissar sür das preußische Landwirt- schaftsministerium nun seinen Willen doch durchgesetzt, daß Dr. Dyk von der Lettung der Sied- lungsgesellschaft entfernt wird. Das geschieht, obwohl der Reichskvmmissar selbst erklären muß. daß die inzwischen ersolgte Klarstellung die H a l t-- losigkeit aller Beschuldigungen gegen Dr. Dyk ergeben hat. Ausdrücklich— kaum ehrenvoller Weise— wird zugegeben, daß es nur das auf Grund der Friedensverträge er- zwungene Mußpolentum von Dr Dyk ist, das Preußen bei seiner Maßnahme leitet. Bis zum Beweise des Gegenteils wird sich die »eupreußische Staatskunst den B o r w u r f ge- fallen lasten müssen, daß man den Oppenheimer- schen Siedlungen Schwierigkeiten macht, um den Oppenheimerschen Siedlungsgcdankcn selbst zu treffen. Ciel ctfulle dauert an Reichsbank sucht Arbeit Der Reichsbankpräsident spricht viel von Besse- rung der Wirtschaftslage, aber Kredite kann er nicht unterbringen. Im Gegenteil, die Geld- schwemme wird immer größer in Deutschland und der Reichsbank wird immer mehr zurück- gezahlt. In der Woche zum 23. Januar ging der W c ch s e l b e st a n d um 97,3 aus 2287/5 Mtt- lionen zurück. Die Schatzwechsel nahmen um 12,9 auf 8,6 und die Lombarddarlehen um 3,5 auf 67,9 Millionen ab. Die zinsfreien Girogelder nahmen um 33,8 auf 387,2 Millionen zu. Der Notenumlauf ging um 127,1 auf 3143,8 Millionen Mark zurück In der D e v i» s e n b i l a n z ergab sich wieder ein kleiner U e b e r s ch u ß: die Goldbestände vermehrten sich um 5,4 auf 806,5, die Deckungsdevisen ver- ringerten sich um 5,2 aus 114,6 Millionen Mark. Zweifelhafte Viag-T ransaktion Verkauf der Mitteldeutschen Stickstoff werke Theater, Lichtspiele usw. Ilaais Thfalcr Donnerstag, den 26. Januar Staatsoper Unter den Linden 20 Uhr Das Liebesverbot staatliches Schauspielhaus 19 Uhr Faust n. Teil PtA«A hlfla Sdil«. BM. 1.3". Stgs-OJ"!). i 7 Weidue KATJA Die Tanxerln Tfiai. 5 u.»x MAURICE COLLEANO PAUL( G RA ETZ Robins' Covey Mo&ser lose GosUr, Whirl- winds usw. Rose- 1 lieaier Grote Fraokfurtsr StraBt 132 Id. Weich«! 11 342/ h.15 Uhr Die Zirkusprinzessin siädt-Oper Chanoiienbur Fraunhofer 0231 Donnerstag, 26. Jan. 2J Uhr Turnus III Ole Prinzessin von Trapezoni Eisinser, Schus er. Frind, B.aut Burg- winkcl, Gornbeit, Cronau. Kandl. Heyer Dlrlg. Breisach Tli.d. Schauspieler [tarier im S&fftaainlamni Weidendamm 3300 Täglich Uht Automaieniteit Straub, Körbet Heilinger, frenk-Tie- bitsen, Sonnabend 4 Uhr Kai aus der Kiste Sonntag, SZ4 Uht «Du! sei lertia j Uhr Ii Flora 3431. Rsutoerl. Gasion Palmer 20 uilenerinnen konzertieren FiMeuser«ujeiser U)lnGiairs»lllalKmirs VOLKSBÜHNE Theater am Btllewpiatz fSglicfa Uhr O 1 Norden 6596 Schinderhannes vonm,;J|ruck A. Hörblger. C. Spiro. Brausewetter, Bernt, Dahlke, Karcbow, Dlegelmann, Ado fl. A mas. Arid. Bethge. Bocln Stettiner Sänger RelchstiaUen-Th., Dönhoffpl. 8.15, Sonntags 3.30 sn ermäßlfften Preisen Das k\\ große Januarprogramm DielieiienErhen BETRIEB KEMPINSKl" iSrOkisaMim»««»:, i Ball un Savvy Mustt ooa Doni«vrahan» Gitta Sttpav ■Roft) Varlonq CöCur Xetsed llnd das qroftf Starensemdle. S'g. nachm. ha be Preise CASINO-THEATER 8 Uhr. Lothringer Strafte 37 8 Uhr iiiiiiiiiiiuni Variete, bunte Bühne, Kabarett Xnr noch bl» 2, Februar Onkel Mnz, der Ehestifter Freitag, 3, Februar; Premiere „Der Fürst von Pappenheim" Outschein 1—» Personen Parkett nur 0.60. Fautcuil«>.75. Sessel 1,25 Sonntaß 4 Uhr Onkel Maz. Kl. Preise. KLEINE ANZEIGEN jede» Wort 10 Pf. Fettgcd ucktesWort 20 Pfg.(zuliss-iij 2 feitsedru Koffsa E. Dehme! Stand 163 bl. 169 Gustav Budde Heringe- Gurken Harmann Hennig 0b>t, GemQw, Süd- früchte. Stand 66 bis 87 und 110 bh III Kramhandiung Gertrud Uebe Stand SO bl, 91 I verMine I c Te»«te» cjtQat. tt» tonte. (ItaRe 9. r moasi Totatansverlaui wegen Selchälls. autgabe. Lroßcr Posten Lchtattim» mer. Speiseniinmer. Herrenzimmer, fa. hrikneuc Quolität». wäre, berkchiedene Größen und Holz- arten, zu öchleuder» preisen. Lchlaszim. mer, Echwedenbtrl«, hochglanzpoliert, 200 breit,«00�- Eiche. lSV breit. 27ö,—. Modernes Speisezimmer 273,—, Küchen 80,— An. kleideschrünke. flau- tastslti.Nustbaum. Innenspicgel.$5,—. Gebrauchte Möbel. Schlafzimmer 120,—. Ankleidcschrank 6ör-, Einzelmöbel. Polstcrwaren. fllub Rodt,. Annahme durdi den Eprechmafchinen Ver ag, lindensir.3 Netzanschlustanlage Uhr) samt! komplett mit Roll. .Vorväits'-Filtalen ren Lautsprecher u.-Ausgabesleiten, onschlustsortig K,— sowie alle Annon- Lautsprecher 4.75 cen-Eicpeditionen 7..Vi oierpolig 13,— 18— 22,— Gustem —.,._,. 3,95, C-iO, Elektro. «indledersosos dosen 3.50. 5,50 135,—, Riudleder. Mark Anoden. 100 sellel<0.- Polster. Soli. 2,85, Sarau. icfftl 12,— ,Rul)e. tie. Anode 3.93, 5,95 betten 2o.-,Couches Netzanode» 7.50 3o,—, Bettkasten. Bastlermaterial ruheltetlen 4a.-, dilligst, Sprech. Klappsofa» moschinen, stoller. Slablmatratzen g�O.iappnrate 9.- 12.- bteiifUine Ülunaaen r.,- Mark Schrank- 12,—. Polftermribel. Apparate'S,— Werkstätten Mibel- x-—.45.-M 19 900 r»amer. P„re Z- 4.- ing Kastanien- allee 56(Ecke Fehr- bellinerstraße) Aas- savcrkauf. auch Teil- Zahlung.' MUZR lllZIkUMSlllS Pianp. Selegenbeiten ligft, Teilzahlung. Pianohaus Prin zenstraßo 99. 8,—, Doppeiseder- werk 8.75. elektrische Werke 20-, 22,- 25,—, sowie alles Zu- behäi billig Mach. now Weinmeister. straße 14, iZilialen: sZriedenau, Rhein. straze 48: Char. lottendurg Sind- scheid» Ecke staut dir. strafte und stant. strafte 24.< limlizs flUlkUISSSll Antonmzüge, Stadt», iZerntrans» orte billigst, stur- rst 1498.' po kst ngtilgestieiiel Zahngebiffe, Platinabtälle. 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D«r Kampsbund fürdeutscheKultur, rine deutschnational-nationalsozialistischc Organi« sation. hatt« im V-rsalg der Aktion der deutsch- nationalen Landtagssraktion in einer Eingabe die sofortige Abberufung von Professor P o e l- .Ng als Leiter der Dereinigten Staatsschulsn für freie und angewandte Kunst verlangt, da seine Berufung„eine Herausforderung aller deutsch« denkenden Künstler" sei. Das veranlaßt Reichs« kommissar Professor Dr. Kahler zu einem Schreiben, in dem die Abberufung mit folgender Begründung abgelehnt wird: „Bei der Berufuizg �u einem wichtigen Amt, wie es die LeituuZ der Vereinigten Staatsschulen darstellt, ist Urteil über die Gesamtpersönlich- keit ausschlaggebend. Ich habe besonderen Wert darauf Halegt, einen Mann zu berufen, dessen Schaihen in der deutschen Kunst wurzelt und der feine Befähigung als Lehrer und Leiter von tieunstschulen erwiesen hat. Was die künstlerische Gesinnung Poelzigs angeht, so ist in der Oefsent- lichkeit schon mehrfach daraus hingewiesen worden, daß bereits Moeller van den Bruck feine nationalsozialistische Autorität» Poelzig neben Peter Behrens als einzigen Bautünstler be- handelt hat, der heute den„preußischen Stil" in seinem Schaffen verkörpere. Aus der gleichen Linie liegen die Urteile über die kürzlich von der Akademie der Künste veranstalteten Poelzig-Ausstellung. Was schließlich die pädago- gische Eignung angeht, so ist Poelzig bereits im Jahre 1902 auf Grund seines künstlerischen Rufes von dem damaligen König von Preu- ßen mit der Leitung der Akademie für Kunst und Kunstgewerbe in Breslau betraut worden. In vierzehnjähriger Tätigkeit hat er diese Anstalt durch seine Fähigkeiten zu großem Ansehen gc- bracht und darüber hinaus dos ganze Kunstleben in Schlesien gefördert. Allein schon diese frühere Bewährung würde Professor Poelzig auch sür sein neues Amt als Leiter der Bereinigten Staats» schulen besonders geeignet machen. Seit 1920 übt er seine Lehrtätigkeit an staatlichen Hochschulen in Berlin aus. Somit hat er in nicht viel weniger als drei Jahrzehnten preußischen Staatsdienstes seine Eignung hinlänglich bewiesen. Wenn in einer Besprechung der Aus» stellung„Poelzig und seine Schule" unter vielen ähnlichen Aeutzerungen auch und gerade aus feiten dar r e ch t s st e h e n d e n Press- gesagt wird: „Hier läßt wirtlich einmal ein Meister seine Schü- ler nicht nur an seiner Arbeit, sondern an seinen: Erfolg teilnehmen. Er beweist damit auf das schönste, daß er nicht nur ein akademisch bestellter Lehrer, sondern ein Führer mit innerem Auftrag ist," so steht dies in scharfem Widerspruch zu der Behauptung der Beschwerdeschrist, die Ernennung Poelzigs sei eine Herausforderung oller deutsch- denkenden Künstler." Mit derselben Deutlichkeit, mit der bereits Pro» fessor Poelzig die Schamlosigkeiten de« Nationa» listenklüngels kennzeichnet, wird hier von einer Regierungsstelle, die Fleisch vom Fleisch der Deutschnationalen ist. bestätigt, daß deutschnatio- nale und natioiralsozialistische Politiker an ver« antwortlicher Stelle mit dem Begriff„deutsch" Schindluder treiben, um eine Persönlichkeit von nicht nur internationalem, sondern auch veram» wortlichem Ruf in nationalem Sinn« zur Strecke zu bringen. poelngs wiedergewählt Der Gesamtsenat der preußischen Akademie der Künste teilt mit: Der Gesamtetat der preußischen Akademie der Künste hat in einer heute(Mittwoch) auf beson« deren Wunsch des Präsidenten Max von Schillings anberaumten Sitzung Professor Hans Poelzig. der vor einigen Tagen sein Amt als stellvertretender Präsident der Akademie nieder« gelegt hat, wiedergewählt. Der Senat wünscht damit zugleich zum Ausdruck zu bringen, daß er für Poelzig eintritt gegenüber den in der Oeffentlichkeit gegen ihn erhobenen Borwürsen und besonders gegen die Unterstellung, er allein trage die Verantwortung der Veranstaltung der bel- zischen Ausstellung. Diese Ausstellung ist bereits im April vorigen Jahres noch unter Max Lieber- manns Präsidentschaft prinzipiell und im Novem« der vorigen Jahres in der ersten von Max von Schillings geleiteten Gesamtakademiesitzung endgültig beschlossen worden. Präsident von Schil- lings hat sich Professor Poelzig mit Entschieden« heit zur Seite gestellt und erklärt, daß er selbst die Verantwortung für die belgische Ausstellung trage. EnthWer Ludendorff Oder: hfoschugge ist Trumpf Genosse Philipp Scheidemann schreibt uns: Im Ludondorsf-Verlag erscheint als Wochen« blättch«n auch ein sogenanntes„B o l k s- g e r i ch t". Bon der Existenz dieses Papiers haben wir nur durch einen glücklichen Zufall Kenntnis erhalten. In der uns zu Gesicht ge- kommenen Nummer wird ein Trommelfeuer gegen die Sozialdemokratie veranstaltet. Die freimaurerischen.,Arbeiter"-Jnter- nationalen, heißt es dort, hätten schon 1906 in Stuttgart beschlossen, daß die Wehrmacht des deutschen Volkes sabotiert werden nüjsse: dos deutsche Volk müsse unfähig gemacht werden, sich „gegenüber dem von Rom-Jnda geplanten Ueber- fall zu verteidigen". General Ludendorss wisse das ganz genau und habe es auch in einer besonderen Schrift enthüllt, nämliä) ..die Verschwörung im O d d- F e l l o w- Palast zu Kopenhagen im Jahwe- jähr 1910. Von deutscher Seite waren die Brr. Freimaurer Ebert, Scheide- mann und andere Prominente vertreten. Hier wurde ihnen die Aufgabe zudiktiert, den Kriegs« ausbruch zu ermöglichen, die Volksverteidigung zu sabotieren". Ebert und Scheidemann sind niemals Frei- maurer gewesen: auch hat keiner von beiden jemals den Logenpalast in Kopenhagen betreten: niemals(außer vielleicht in Irrenhäusern) sind irgendwo Beschlüsse gefaßt worden, wie sie der General Ludendorff„enthüllt". Chronik deutscher Treue �er bekämpfte wen— wann— wo? Für den Schulunterricht kommender Gene- rationen sei hier versucht, eine Chronik der„Einig- keit" im nationalen Lager aufzustellen, aus der� zugleich die unwandelbare Treue deutscher Recken von Mann zu Mann zu ersehen ist. Herbst 1931: Hugenberg und Hitler gründen die Harzburger Front gegen Brüning Groener. Schleicher als Groeners Stabschef und von P a p e n als Zentrumsabgeordneter kämpfen im Lager Brünings gegen Hugen» berg und Hitler. Frühjahr 1932: Schleicher stürzt seinen Vor- gesetzten, den Reichswehrminister Groener. Juni 1932: von Papen und Schleicher stürzen nach Verständigung mit Hugen» berg und Hitler das Kabinett Brüning. Von Papen wird Reichskanzler. Reichstagsauflösung gegen Links und Mitte. Juli 1932: Nach anfänglicher Gefolgschaft distanziert sich Hitler von dem Kabinett von Papen. Reichstagswahlen bei ungeklärter Konstellation.- August 1932: Hitler verkracht sich endgültig mit v o n P a p e n. Er tritt in scharfe Opposition zur Regierung von Papen, jedoch mit A u s n a h m e des Reichswehrmini st ers Schleicher, der eifrig von ihm umworben wird. Hugenberg unterstützt von Papen. September 1932: Unter Führung des Nazi» Präsidenten G ö r i n g beschließt der Reichstag mit erdrückender Mehrheit ein Mißtrauensvotum gegen von Papen, für den allein die Deutschnationalen stimmen, während gleichzeitig von Papen den Reichstag gegen die Natwnalloziolisten auflöst. Ottober'1932: Hugenberg und Hilter liefern sich einen furchtbaren Wähltampf. Saalschlachten zwischen Stahlhelm und SA systematische Sprengung deutschnatwnaler Versammlungen durch Nationalsozialisten. November 1932: Schleicher stürzt von Papen und wird an dessen Stelle Reichskanzler. Es ge« lingt ihm. Gregor Straßer von Hitler zu trennen. Stroßer ist' für Unterstützung Schleichers durch die NSDAP. Dezember 1932: Im Reichstag weicht die Hitler» Partei dem offenen Kampf gegen Schleicher aus Der Sozialpolitische Ausschuß des Reichstags trat am 23. Januar in die Beratung der Beseiti- gung von Härten in den Notoerord- n u n g e n ein, soweit es sich um die Unfall- und Invalidenversicherung handelt. In einem um- fassenden Antrag der sozialdemokra- tischen Fraktion wurde als vordringlich verlangt: die volle Gleichstellung der w e g u n f ä l l e mit den Betriebsunfällen wiederherzustellen: die kletnrenten wieder zu gewähren: die Kürzung der U n s a l l r e n t e n au« der BO. vom 14. Zuni 1932 auszuheben: die ver- schiedene Behandlung der Unter- n e H in e r gegenliber anderen versicherten zu beseitigen: in der ZV. die A l l e r s w>» w e n- reuten wieder aufleben zu lassen: In der Unfall-. Invaliden, und Knapp- schastsvcrficherung die Kürzungen der Leistungen durch die VO. vom 14. Juni 1932 auszuheben: Kindergeld und Waisen- r e n t e n bis zum vollendeten 18. Lebensjahr zu gewähren: in der Invaliden- und Angeftell- lenversicherung die Zusahrente wieder her- zustellen. Abg. Karsten(Soz.) gab ein Gesaintbild über das surchtbare Elend der Sozialrentner und erklärte es als unerträglich, daß auch weiterhin sür die u n b e g r e n z tc R e i ch s h i l s e an die Großagrarier einerseits, an die armen So- zialrentner andererseits für die Prüfung der Hilfs- bedürftigkeit zweierlei Maß gelten soll. Der Wiederansbou der Sozialversicherung kann nicht ausschließlich aus Beiträgen bewältigt werden, das Reich muß seine soziale Pflicht erfüllen. In der Cinzelerörterung protestierte der Redner und strebt nach Vertagung des Konflikts, da sie Wahlangst hat. Hugenbergs Partei auf seiten Schleichers. Anfang Januar 1933: Hitler verbündet sich in Köln mit Herrn von Papen gegen Schleicher und schafft so ein Gegengewicht gegen die Konstellation Schle:cher-Straßer. Ende Januar 1933: Hugenberg, bisher Schleichers einzige parlamentarische Stütze, sagt der Regierung Schleicher den Kampf an, so daß jetzt gegen Schleicher die Konstellatibn Hugenberg-Hitler- Papen steht,. Februar 1933::..(Scharfsinnige Leser mit guter Kombinatipnsgabe können die Februarkonstella- tion im voraus sagen, indem sie' aus den bis- herigen Äonstellationen die wenigen noch nicht verwirklichten Gruppierungsmöglichkeiten ableiten, die nunmehr herankommen müssen.) Jedenfalls ist die konsequente Fortführung des nationalen Einhsitskurse» in absolut geradliniger Zickzackkurve und bei unverbrüchlicher Mannes« treue der leitenden Personen gegeneinander gewährleistet. Lettische Willkür Fntreehtung der Minderheitsvölker Eigener Bericht des„Vorroärls" Riga. 25. Januar. Den höheren Schulen der Minderheiten will man, wie aus einer. Ankündigung der Regierung hervorgeht, die staatlichen Zuschüsse e n t- ziehen. Die allgemeine Unterrichtssprache für Schüler aller Nationalitäten habe lettisch zu sein. Es stehe den Minderheiten frei, ihre.Kinder >"• 1 gegen die Bestimmung, wonach die noch durch Nebenarbeit krankenoersicherungspslichtigen Jnva» liden im Fall« der Erkrankung ihrer Invaliden- rente verlustig gehen. In der JB. müssen jetzt 230 Pflichtbeiträge entrichtet sein, um Rentenansprüche geltend zu machen. Früher ge» nügten 200 Beiträge, davon 100 Pflichtbeiträge. Erst am gestrigen Tage hat das Reichsoersiche- rungsamt nach dieser Verordnung einer invaliden Witwe die Rente verweigern müssen, obwohl der verstorbene Mann Invalidenrente erhalten hatte. Die Witwe bekommt ober keine Rente, weil der Mann nur 214 Beiträge geleistet hat. Schmidt(Dnat.) erklärt, seine Fraktion iverde für alle sozialdemokratischen An- träge stimmen, um dann bei der Deckung der Lasten eine Neuregelung im Sinne seiner Partei erzwingen zu können. Schwarzer» zum heutigen Tage nicht gesühnt, obwohl die Täter seil Monaten b e k a n n» sind. Die Erregung über das passive verholten der zuständigen Stellen ist noch gesteigert durch die Tatsache. daß zwei von den verhasteten Rationalsozialisten. die an den Sprengstoss-Attenlaten entweder betet- ligt waren oder darüber wußten, sich einer Aburteilung durch die Fluch» entziehen konnten, wir fragen: Ist dos Stootsministerjum endlich bereit, Polizei und Sioatsanwaltschaft zur energischeren Verfolgung des polltischen Ver- brechertums im Londc Brounschweig onzuholtenl" Kein Geld für Invaliden! Die Not der Sozialrentner Nazi-Werkgemeinschaft Nazi-Unternehmer übervorteilt Pgs.— Arbeitsamt hilft ihm Tin Prozeß, der einen nationalsozialistischen Unternehmer als Ausbeuter seiner eigenen Parteigenossen kenn- zeichnete, spielte sich vor dem Landesarbeitsgericht unter dem Borsitz des Landgerichtsdirektors Rüben ab. Der Kläger ist Nationalsozialist, der Beklagt«, Oberleutnanta.D. Eggerding, ist es auch. Oberleutnant a. D. Eggerding hat eine„Wert- gemeinschoft" gegründet. Seiner Angabe nach war es ihm lediglich darum zu tun, erwerbslosen Na'ionalsozialisten Arbeit und Verdienst zu be- schassen, ohne für sich selbst einen Nutzen zu er- streben Die„Werkgemeinschaft" wurde aus den Rat des mit Cggerding befreundeten Rechlsan- walts B u d a t so konstitulert daß Cggerding als alleiniger Unternehmer galt, während die Mit- glieder als stille Teilhaber angesehen wurden. Nach außen hin wurde jedoch die„Wertgemein- schast" als gemeinnütziges Unternehmen maskiert, damit Eggerding Gewerbesteuer, Umsatzsteuer usw. nicht zu zahlen brauchte. Die Mitglieder der „Werkgemeinschaft" ließen sich bewegen, einen Revers zu unterschreiben, worin sie versichern, daß sie keinen Rechtsanspruch auf Be- Zahlung ihrer Arbeit haben und daß sie als treue Anhänger Hitlers und des Dritten Reichs ihrem Unternehmer Gehorsam ge- loben. Auf Grund dieses Reverses erreichte Eggerding, daß das Arbeitsamt den von ihm vollbeschäftigten Arbeitern die Erwerbslosennoterskühuag weller zahltet Arbeitsgelegenheit verschaffte sich Cggerding durch die Z e u g m e i st e r e i Ost der NSDAP. Er ließ für sie den.Braunen Laden" in der Wilhelmstraße einrichten. Da wurde täglich zwölf, vierzehn, sechzehn Stunden und auch Soon'ags gearbeitet. Die Arbeiter erhielten Beköstigung und Zigaretten frei. Außerdem hatte ihnen Eggerding einen Stundenlohn von l M. versprochen. den sie aber entweder gar nicht oder nur zum geringen Teil erhielten. Auch die ihnen versprochene Naziuniform bekamen sie nicht. Als der„Braune Laden" in der Wilhelmstraße fertig war, erhielt Cggerding von der Zeug- meisterei den Auftrag, noch zwei weitere Läden einzurichten. Dafür wurde mit ihm ein Preis von 3000 M vereinbart. Eggerdlng erhielt 2400 M.. um Arbeitslohn und Material zu bezahlen. Gearbeitet wurde wieder Tag und Nacht und auch Sonntags. Aber Eggerding zahlte weder Lohn an seine Arbeiter und„Werkgemeinschaftsmitglieder", noch bezahlte er die Lieferanten. Dagegen machte er der Zeuqmeifterei eine Spesenrech- n u n g auf, worin unter anderem 50 Glas Pilsener. 50 Schnäpse, eine Menge Zigarren, Wiener Schnitzel usw. aufgeführt waren. Auch für s-ine Frau, die an den Arbeiten gar nicht beteiligt war. forderte Eggerdlng Vezahluag von Zeitversäumnis. Die Svesenforderung ist zwar im Vergleich mit den K a i s e r h o f r« ch n u n- gen Hitlers und seiner Trabanten immerhin be- scheiden, ober der Zeugmeisterei erschien sie un- berechtigt: denn was dem„Jührer" zusteht, kann den gewöhn- llchen„Pgs". die ja keine feinen Leute sind. nicht zugebilligt werden. Aus diesem Grunde und weil er die Lieferanten nicht bezahlt hat, brach die Zeugmeisterei die Be- Ziehungen zu Cgaerdinq ab und zahlte ihm den Restbetrag von 600 M. nicht aus. Eggerding richtet nun als Privatunternehmer „Braune Läden" ein, womit aber die Zeug- meisteret nichts zu tun haben will. Der Kläger fordert, für 600 Arbeitsstunden 600 M Lohn. Das Arbeitsqericht hat ihn ab- gewiesen, weil es den Beklagten Eggerding nicht als Unternehmer ansah, sondern an das Vorliegen einer„Werkgemeinschaft" glaubt«. Bor dem Landesarbeitsgericht traten sechs Zeugen auf, denen Eggerding einen Stundenlohn von l M. versprochen, aber nicht g e- zahlt hat. Ein Stroßenbahnschaffner bekundete, er habe seine zwei Söhne der„Werkgemeinschai," zugeführt und Eggerding habe sein Ehrenwort als Offizier gegeben. daß er für die Junqens sorgen werde, aber er- füllt habe er diese Zusicherung nicht. Der Anwalt des Klägers kennzeichnete den Oberleutnant a D. als einen Mann, der, weit entfernt von idealen Bestrebungen, Arbeiter ausgebeutet habe, um möglichst viel für sich herauszuschlagen und sich von seiner großen Schuldenlast zu befreien. Das Landesarbeitsgericht hob das Urteil der ersten Instanz auf und verurteilt« den Be- klagten zur Zahlung von 295 M., da der Kläger einen weitergehenden Anspruch nicht nachweisen konnte. In der Urteilsbegründung sagte Landge- rWstsdirektor Rüben, es sei Schwarzarbeit geleistet worden, denn die Beschäftigten hätten die Arbeitslosenunterstützung erhoben, Beiträge zur Sozialversicherung seien nicht abgeführt worden. In dem mit dem Beklagten vereinbarten Preise sei der Arbeitslohn einkalkuliert worden, er habe das Geld erhalten, also müsse er auch den Lohn zahlen. Selbst wenn von einer Arbeitsgemein- schast die Rede fei, hätte der Beklagte das er- halten« Geld an die Beteiligten verteilen müssen. * An diesen Bericht ist«ine Frage anzuknüpfen: Wie kommt ein Arbeitsamt dazu— leider konnten wir nicht ermitteln, um welches Arbeitsamt es sich handelt—, bei Errichtung von„Braunen Läden" Arbeitslosenunter st ützung zu zahlen? Wir stellen diese Frage öffentlich, weil wir überzeugt sind, daß sowohl die Hauvtstelle der Reichsanstalt wie das Londesarbeitsamt von sich aus diesem Skandal nachgehen und der Oesfent- lichtest Auskunft geben werden über die Folge- rungen, die sie gezogen haben. Arbeitsamt Mitte Heute und morgen Betriebsrats wähl Heute und morgen wählen die Angestellten des Arbeitsamts Berlin-Mitte ihre neue Betriebsoertretung. Zur Borbereitung dieser Wahl fand gestern im Gewerkschastshaus eine überfüllte Volloersammlung statt, die zu einer stürmischen Vertrauenskundgebung für die bis- herixe, in ihrer erdrückenden Mehrheit frei gewer?, schaftliche Betriebsvertretung und zu einer ver- dienten Stäupung der neugebackenen Nazi- Betriebszelle wurde. Der Führer dieser Zelle war so wenig von Kenntnisien beschwert, daß er in einem Zwischen- ruf Brüning als einen Sozialdemo- traten f!) hinstellte. In der Diskussion schickten die Nazis einen jugendlichen Dr. Engelmann vor, Berufsberater im Arbeitsamt Mitte. Er mußte zugestehen, daß es den im ZdA organi- sierten Betriebsräten, und das sind 54 von ins- gesamt 60, nicht an der nötigen Erfahrung fehle in der Interessenvertretung von Angestellten. Wie notwendig es ist, die Berufsberatung gerade eines Behördenberriebs in berufene Hände zu legen und sie nicht unerfahrenen Schwätzern zu übergeben, bewies der zweistündige Tätigkeits- bericht, den Genosse Carl Zeitz vom ZdA. der Versammlung gegeben hat. Allein zu der notwen- digen Ueberwachung des Tarifvertrages gehören gewiegte Sachkenner, ganz abgesehen von der wochenlangen Vorbereitung und der tage- langen Durchkämpfung von Arbestsstreitigkesten vor den Schiedsstellen, bei denen heute immer noch 350 Verfahren in der Schwebe sind. Erst in diesen Tagen wieder hat der ZdA. eine Denkschrift mit den dringendsten Forderungen der Arbeitsamts- angestellten übermittelt, für die man zu gegebener Zeit den Kampf aufnehmen wird. Im Vordergrund der bevorstehenden Kämpfe aber wird die Verhinderung einer bevorrechteten Beschäftigung von Versorgungsanwär- t e r n stehen. Bei den anderen Behörden müssen bereits die Gewerkschaften einen täglichen Kampf um das Recht der Angestellten auf den Arbeits- platz führen Diese Kämpfe können keine National- sozialisten führen, sondern nur erfahrene Männer aus der Gewerkschaftsbewegung. Deshalb wählen die Angestellten heute die L i st e 1(Schneider). Boller Erfolg! Ltreih der Dekateure beendet vi« Jerl'.uer Dekateure haben mit ihrem Streik einen vollen Erfolg erzielt. Nachdem bereits am ersten Slrciklage von vier namhaften Betrieben die Forderungen der Streikenden anerkannt worden sind, sind jetzt auch die anderen maßgebenden Betriebe gcsolgl. so daß seit Mittwoch wieder in allen Berliner Dekaluranstalten gearbeitet wird. Me bereits mitgeteilt, hatten die Dekateure verlangt, ihre im November fast durchweg um tü Proz. gekürzten Löhne wieder um 4 Pro;, zu erhöhen, die emtägige Kündigungsfrist für ihr Arbeitsverhältnis in eine wöchentliche Kündigungsfrist umzuwandeln und in Zukunft Arbeits- kräfte nur noch vom öffentlichen Arbeitsnachweis anzufordern. Denn diese Forderungen durch eine ein- oder zweitägige Arbeitremslellung voll durchgesetzt werden konnten, so nicht zuletzt wegen der in der Dekaturbranche jetzt wieder ein- setzenden Konjunktur. Auch das gute Organisa- tioneverhällnis der Berliner Dekateure ist die Grundlage des Erfolges. Schluß in Genf Unternehmer provozieren Genf. 25. Januar. Mit der Annahme des gesamten Berichts über die Ergebnisse chrer Arbeit an die Internationale Arbeitskonferenz hat am Mittwoch die Konferenz zur Vorbereitung der 40-Stunden- Arbeitswoche ihre fast dreiwöchige Tagung abgeschlossen. Die rein formell« Debatte über Aenderungen im Blumen miiiiiiiiiinmmiiiiiiiiiimii Paul Golletz Marlannenstr. 3 F 8. Oberbaunnl303 Berichtsentwurs wurde nochmals unterbrochen durch einen Zusammenstoß zwischen Unter» nehniern und Arbeitern. Die Unternehmer oer- langten die Aufnahme einer einseitigen Erklärung in den Bericht, nach der die Arbeitszeitverkürzung als unmöglich und praktisch undurchführbar be- zeichnet sowie ausdrücklich versichert wird, daß die Mitarbeit der Unternehmergruppe lr» keiner Weise bindend sei für spätere Entscheidungen. Taraufhin erzwangen die Arbeiter mit Hilfe der Stimmen der Regierungsvertreter gegen den hef- tigen Widerstand der Umernehmer die Aufnahme einer Erklärung, in der festgestellt wird, daß die Unternehmer sich angesichts von 3 0 Millionen Arbeitslosen in der Welt zur Frage der Arbeitszeitverkürzung rein negativ oerhalten hätten. Demgegenüber stellt die Arbeitergrupp« das Positive der Konferenzarbeit fest sowie die Tatsache, daß die Idee der Arbeitszeit» Verkürzung und die Erhaltung des Lebensstandards der Lohn- und Gehalts- empfänger als Mittel zur Besserung der Arbeits- losigkeit von einer Mehrheit anerkannt wurde, zu der sich mit einer Ausnahme die Regierungen der wichtigsten europäischen Industrieländer bekannt haben. Etahlhelmphantasjzn Kleine Reichsarbeitsgemsinsihaft Don der Reichsarbeitzgemeinschast„Sozialer Dienst" wird uns geschrieben: In den Aussührun- gen, die Herr M a h n k e n vom Stahlhelm am Dienstag in der„Stimme zum Tag" der Funk- stunde über den Freiwilligen Arbeitsdienst machte, sprach er auch von Verhandlungen einer„Reichs- arbeitzgemeinschast der Dienstträgeroerbände", der angeblich auch die Reichsarbeitsgem«inschast„So- zialer Dienst", die die Interessen der Arbeitsfrei- willigen aus unseren Reihen vertritt, angehören soll. Der Inhalt der Ausführungen Mahnkens wurde noch am selben Tage von dem„Drahtlosen Dienst" verbreitet. Bei der von Mahnken er- wähnten Reichsarbeitzgemeinschast handelt es sich offenbar um eine Gründung, die lediglich in der Phantasie einiger Dienstträgerverbände besteht. Tatsache ist, daß der Reichskommissar für den FAD. die Dienstträger am Montag zu einer Sitzung eingeladen hatte, der lediglich eine tech- nische Vorbesprechung der eingeladenen Dienst- träger vorausging. Wenn Herr Mahnken diese Borbesprechung in eine„Reichsarbeitsgemein- schast" verwandelt, so handelt es sich dabei offen- bar um den Versuch, die Bemühungen des Reichs- kommisiars um eine sinnvolle Zusammenarbeit mit den Dienstträgern des FAD. zu durchkreuzen. Hierzu! Beilage. Am 25. Januar starb nach kurzer Krankheit infolge einer Lungenentzündung unser Vorstandsmitglied Kollege Richard meier. m. d. R. im 55. Lebensjahre. Wir verlieren in dem so plötzlidi aus unserer Mitte gerissenen Freund einen treuen, stets pfliditbewußten Mitstreiter, dem wir ein ehrendes Andenken bewahren. Der uorstand des Verbandes der nabrunqsmmeJ' und DeirenKearbeiter Die Beendigung findet im Gemeinde-Friedhof Wittenau, an der Spandauer Straße, am Montag, dem 30. Januar, 15 Uhr, statt, Pramisch erprobt und glänzend bewahrt Rasches und trockenes Bauen Behagliches Wohnen Im Sommer und Winier bei geringsiem Kosienau wand— durch die reitjemäie Hohl block- Leichtbauweise mit dem Berliner Hohlbiock„Koche" Das hochwertige Sprsiilmaferlal(D R Pa.) ist garantiert hervorragend iemtirratarha tcnd, wasserabweisend, nage- und bohrbar/ D ackfcstigkcll 45 kg qcm.— Das Baasys�em hat gegeneinander vcrsclrte Stob* u.Lagcrfagcn, rür- u Fei»»tcran»cbla5«!elne Tdr-u Fcnslcr»' stürze ll Tcilsteine, daher kein Verbau am Bau, sondern sparsamste Ausnutzung des Materials. Auskunft. Drucksache! und Angebote durch Berliner Baust ein werke G.m.b.H. Zentrale: Berlin C z. stralauer Str. 56 II/ Fernspr.: Beroüna 2402 2403 Heute früh? Lhrentsdiliefnach kurzem schweren Leiden mein inniggeliebter Gatte, unser guter, unersetzlicher Vater Richard meier im 55. Lebensjahre. In tiefer Trauer im Namen aller Hinterbliebenen Hedwig meier geb. Born und Kinder Berlin-Wittenau, den 25. Januar 1953 Elsen pfahistraüe 39 Die Beerdigan? findet am Montae, dem Kt. Januar. nacbrr.itiags 3 Uhr. von der Kafjelle des(»emeinde- Fnedhofs ip Berlin-Wmenau. an der Spandauer Straße, aus statt Statt Karten! Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme an dem Tode meines lieben Mannes, unseres guten Vaters Friedridi Sdiulfz sagen wir allen Freunden. Genossen und Kollegen, ins esondere allen Rednern unseren herzlichsten Dank Ww. Schultz nebat Kinder Allen verwandten. Freunden und Rekannten hiermit die ttaurige Nachricht, daß unsere liehe Mutter, Gioßmufer. Urgroßmutter, Schwester und Schw�geiin Ww. Emilie Gnüieli geb. Leder im Alter von'6 Jahren am Montag, dem 23. Januar, morgens 6 Uhr, gestorben ist Dies zeigen tiefbetrübt an Die Hinierblicbencn. Die Einäscherung nndet Sonnabend 28 Janua. mittags 12 Uhr. im Kiematorlu n GeiicnstiaSe S'a' OeatsteifolMfflit-ltotaJ AdHunot aditung! TerwaltunosmUBlieder! Rreitda. fttn 27. Zanuar 1933, abcntis 7 Uhr,$l3mtn Der Mittleren Ort»- oerwaltnng. Die OrtjvcrwaUung- Offeriere einige hundert gebr. Bahnpelze von gu er Beschafienheit ä M. ZO.- bis M. 30.— Kein Musterversand DBiionnlnbriH eeors««Bleyer, ZimtnersiraBe 68 0, Tempelfliof 2-, 2�> u. 3K-Zimmer- Neubauwohnungen von Mk. 48.—, 48.—, 58—, 87.— an mit Bad. Balkon, Zentralheizung, Marmwasser, Zentral-WaschkQche, je nach Lage und Größe. Die Preise verstehen sich ausschiießl. H izung usw.. so ort oder spätei ru vermieten. Auskunft erteilt Verwalter Praska, Wittekindstr 81. Telefon: Südring 2021. auch Sonntags bis I Uht BcfiBillemarH N 2-, 2Z4-, 3-, 3�-Zimmer-Neubauwohnungen mit Ofenheizung v. Mk.-3.-, 70.—, 78.—, 80.— an, te nach Lage u. 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Bet* Stall Der Lxefeiung wegen höherer(Sewali besteht k«-in Anspruch der Ubonnenlen aus Ersatz i anzeige ttp reife: Die e i n f p a! t t g- Millimeterzeile 5l> Pf RetluMczeilc 1,50 M..Kleine Ä n j e r g e n" d�s fettgedruckte Vor! 20 Pt jedes weitere Wort 10 Pf Rabatt laut Tarif Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte Ardeitsmark: Millimeierzeile 25 Pf. FamUlenanzeigen Millimeterzeile 16 Pf Anzetaeuannuhme im H a u p t g e f ch d' t Lrndenstr ß wochentaglich von PVfc bis 17 Uhr Der Verlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor. I Verantwortlich für Politik: Victor Schiff; Wirtschaft: S. Älingethöfer; GewerkschaftsbeweAUNg: 3» Gtoiner; Feuilleton: H-rbett Kcpcu; Lokales und Sonstiges; Fritz Äniftödt; Anzeigen: Otto Hengst; sämttich in 2krluu J Vertag: Vormärts-Verkag G. m. o. H., Berlin. Druck: Vorwärts. Buchdiuckerei und Verla gsan statt Paul Finger u. Co� Bertin 633,68, Lindenstr. 6».