Abend- Ausgabe Nr. 48 B 24 50. Jahrg. ?8e5oftlon onb Verlag, Berlin SW 68, Lindenstr. 3 a' Aml Dönhoff 282 btt 297 Telegrammadresse, Sojwtbemotcal'Serital BERLINER VOLKS BLATT SONNABEND 28. Januar 1933 In Groß- Berlin 1l1 Pf. Auswärts..... 10 Pf. Bezugsbedingungen and Anzetgenpreij, stehe Morgenausgabe Jenteakorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands Schleicher zumckgetreten! Bapen wieder da!— Er soll mit den Parteien verhandeln I» der heutigen Besprechung des Reichs- kanzlers von Zchteicher mit dem Reichs- Präsidenten hat Herr von Tchleichcr vom Reichspräsidenten die Vollmacht zur Auflösung des Reichstags gefordert. Der Reichspräsident hat ihm diese Vollmacht verweigert. Daraufhin hat Herr von«chleicher die Demission des gesamten ltabinetts gegeben. Der Reichspräsident hat die Demission angenommen, er hat das liabinett Schleicher mit der einstweiligen Wciter- führung der Geschäfte beaustragt und den Ministcrn seine» Tank ausgesprochen. Tann berief der Reichspräsident den Reichskanzlern. D. von P a P e n und beauftragte ihn, durch Verhandlungen mit den politischen Parteien die politische Lage zu klären und durch diese VerHand- lungen die Möglichkeit zu einer Regie- rungsbildung festzustellen. * Schleicher hat demissioniert, er wird als der Zweimonatekanzler in die deutsche Geschichte eingehen. Papen, der Fünf- monatekanzler, ist wieder da! Zwar nicht als Reichskanzler, aber als Vertrauens- mann des Reichspräsidenten. Im Hinter- grund steht Hitler. Papen soll versuchen, eine Regierung der Harzburger Front zustande zu bringen mit H i t l e r a l s K a n z l e r. Er soll sich bemühen, für ein solches Kabinett die Tolerierung durch das Zentrum zu gewinnen. Nazis,„feine Leute" und„schwarze Iesuitenpest" ist die neue Konstellation. An Alarmruf der Gewerkschaften an Nindenburg aus allen Arbeiterlagern Tie spitzen verbände sämtlicher Gewerkschaften haben heute in letzter Stunde an den Reichspräsidenten folgendes Telegramm gerichtet: HochvsrskNse Herr Reichspräsident! In tiefer Sorge über die unser Volk beunruhigenden und bedrohlichen politischen Gefahren sind die Gewerkschaften aller Richtungen zur Beratung der überaus ernsten Lage zusammengetreten. Sie halten sich in dieser entscheidenden Stunde für verpflichtet, darauf hinzuweisen, daß die Berufung einer sozialreaktionären und arbeiterfeindlichen Regierung von der gesamten deutschen Arbeitnehmerschaft als eine Herausforderung empfunden werden würde. Die Gewerkschaften erwarten, daß Sie, Herr Reichspräsident, allen unterirdischen Bestrebungen, die auf einen Staatsstreich hinzielen, ihren entschiedenen Widerstand entgegensetzen und auf einer verfassungsmäßigen Lösung der Krise bestehen. Allgemeiner Deutscher Gewerkschafsbund Allgemeiner freier Angestelltenbund Gesamtverband der christlichen Gewerkschaften Gewerkschaftsring deutscher Arbeiter-, Angestellten- und Beamtenverbände, Allgemeiner deutscher Beamtenbund Die Spibenorganiiationen der Gewerkschaften haben gleichzeitig um einen Empfang beim Reichspräsidenten nachgesucht. „Gtaatsnotstanö" ist Hochverrat Otto Braun an den Reichskanzler Der Preußische Ministerpräsident Ltto Braun hat heute an den Reichs- t a n z l e r das folgende Schreiben gerichtet: Der Preußische Ministerpräsident. St. M. 124. Berlin, den 28. Januar 1933. W. S, Leipziger Straße 3. In einem Teil der Presse, in össentlichen Per- sammlungen und dergleichen wird össentlich zum Hochverrat ausgesordert, ohne daß. soweit hier bekannt, die zuständigen Stellen gegen diese durch s 85 des Strafgesetzbuches mit Zuchthaus bis zu 10 Iahren bedrohten Handlungen einzuschreiten. Der preußischen staatsregierung ist durch die geltenden Ausnahmevorschrisren die Mög- lichkeit genommen, die erforderlichen Maßnahmen zu treffen. Sie weist die Reichsregierung und den Reichskommissar dringend aus diese Not- wendigkeit hin. Nach§ 81 des Strasgesetzbuches wird wegen Hochverrats bestraft, wer es unternimmt, die Ver- käsluna de» Deutschen Reichs oder eines deutschen Landes gewaltsam zu ändern. Durch diese Bor- schrist sind nach der Rechtslehre und Gerichtspraxis gegen gewaltsame Eingrifse geschützt ,chie Rechte derjenigen Gewalten, durch deren Willensäuße- rung das Staatsleben bestimmt wird", in erster Linie„der Reichstag als das höchste Organ des Reiches und als Repräsentant des einheitlichen deutschen Volkes, von dem die gesamte Staatsge- walt jetzt ausgeht"(Kommentar von Ebermayer, Lobe und Rosenberg zum Strafgesetzbuch 8 81 An- merkung 4 und dort Zitierte). In Art. 23 der Reichsversossung sind die Fristen, innerhalb deren der Reichstag im Falle der Auflösung wlederzusammentreten muh, genau festgelegt. Räch der ständigen Rechtsprechung des Reichsgerichts, die in der Entscheidung des«taatsgerichtshofs voin 25. Cktober 1932 ausdrücklich bestätigt worden ist, kann der Reichspräsident auch aus Grund des Artikels 48 über derartige Vorschriften der Reichsverfassung nicht hin- weggehen. Die Berufung auf einen Staatsnotstand ist rechtlich unzulässig. Wenn öffentlich dazu aufgefordert wird, der Reichspräsident möchte den Reichstag nach Hause schicken und vorläufig nicht wieder zusammentreten lassen, so ist dies also eine Aufforderung zum Hochverrat. Solche Aufforderungen müssen vom ersten Augen- blick an mit den vorgeschriebenen zulässigen p o l i- zeilichen und strafrechtlichen Mitteln unterdrückt werden, wenn nicht neue Ver- wirrung im Rechtsbewußtsein des Volkes die schwersten Folgen herausbeschwören soll. Da die preußische Regierung gehindert ist, die nötigen Schritte zu ergreifen, trifft die voll« Ver- antwortung für diese Ausgabe die Reichs- regierung und die Kommissare de- Reichs. An den Herrn Reichskanzler zugleich als Reichs- kommissar für das Land Preußen. Ablauf der Ereignisse: Das Reichskabinelt trat heute vormittag um H12 Uhr zu einer Sitzung zusammen, in der der Reichskanzler seine Ministerkollegen über die Entwicklung der politischen Tage im Zusammenhang mit dem Beschluß des Aeltestenrates unlerrichtele. Um 12.15 Uhr fand dann die Besprechung hindenburg— Schleicher statt. Papen im Kanzlerhaus Papen bewohnt noch immer die D i e n st» wohnung, die ihm als Reichskanzler eingeräumt worden war. Er wohnt also im Vorrat! der grundsätzlichen Bereitschaft Hitlers zu ihr besteht nicht der geringste Zweifel. Aber da einer dem anderen nicht über den Weg traut. ist es nicht sicher, daß das Geschäft zustande kommt. Und wenn nicht, was dann? Eine Harzburger Regierung ohne parla- mentarische Mehrheit bedeutet Staatsstreich und Bürgerkrieg. Ihre Ernennung wäre ein Anschlag auf die Sicherheit des Staates. Es wird auf den Reichspräsidenten der stärkste Druck ausgeübt werden, um ihn den Plänen der Rechten gefügig zu machen. Und daß er Papen noch immer als seinen Ver- trauensmann betrachtet, ist ein sehr schlechtes Zeichen! Die Ernennung Schleichers vor zwei Mo- naten konnte vielleicht dahin gedeutet wer- den, daß man auf dem Wege zur Besinnung sei. Mit ihr hörte zwar der reaktionäre Kurs nicht auf, aber wenigstens die Tob- suchtsperiode der Reaktion, die durch den Namen Papen gekennzeichnet ist, schien zu Ende Die verbrecherischen Staats- streichpläne, die unter Papens Regierung eine so große Rolle gespielt halten, hörten auf, ein Moment der unmittelbaren Erregung und Beunruhigung zu sein. Der Sturz Schleichers ist ein Alarm- zeichen allererster Ordnung. Er zeigt, daß der Weg zu einer neutralenBeamten- regierung, die in diesem Augenblick vielleicht die einzig verfassungsmäßige Mög- lichkeit wäre, nicht beliebt wird. Der andere Weg ist aber auch dann, wenn die Ver- fassungsmäßigkeit gewahrt bleibt, ein Weg des halsbrecherischen Experiments, des ge- fährlichsten Abenteuers. Auf dem andern Weg kann die Ver- fassungsmäßigkeit nur gewahrt bleiben, wenn für Hitler eine parla men- tarische Mehrheit geschaffen werden kann und wenn Garantie dafür geboten wird, daß Hitler verschwindet, sobald er diese Mehrheit verliert. Das heißt, eine Hitler-Hugenberg-Regie- rung ist verfassungsmäßig nur möglich, wenn dasZentrumihr seinen Segen gibt. In dem Augenblick, in dem der Reichs- Präsident einer Parteiregierung der söge- nannten„nationalen Rechten" besondere Voll- Sonntaa Qlüdnadr IjJZ Uh- machten erteilen wollte, würde für das ganze Reich ein Zu st and außerhalb der Verfassungs- und Gesetzmäßig- keit gegeben sein. Schleichers Ratschläge WUer oder Vollmachten Offenbar im Auftrage des Herrn v. Schleicher wird noch folgendes ergänzend mitgeteilt: Der Reichskanzler hat die Auffassung vertreten, dah zur Lösung der durch die politischen Treibe- reien entstandenen Verhältnisse es drei M ö g- l i ch k e i t e n gebe: l. Die Bildung einer parlamentarischen Mehrheitsregierung, die sich aller Wahr- scheinlichkeit nach nur unter Führung Adolf Hitlers ermöglichen lasien würde. 2. Die Bildung einer auf eine starke Volks- strömung gestützten Minderheitsregie- rung, was wohl ebenfalls nur un»er Führung Adolf Hitlers, aber mit Unterstützung der übrigen Parteien der Rechten zu erreichen wäre. Wenn der Reichspräsident seinen Widerstand, den er bisher einer solchen Lösung entgegengesetzt hat, aufgeben würde, so hätte wohl auch diese Lösung Aussicht auf Erfolg. 3. Ein P r ä f i d i a l k a b i n e t t, das wie in feiner jetzigen Form über den Parteien steht und, mit keiner von ihnen verbunden, lediglich die Staatsautorität wahrt, als Sachwalter des ganzen Volkes auftritt. Einem solchen Kabinett aber müßten dann auch die nötigen Voll» machten gegeben werden, wenn es keine Mehr» heit im Reichstag findet. Der Reichskanzler hat geglaubt, vor einer Lösung warnen zu müssen, daß man unter dem Namen eines Präsidialkabinetts etwa eine Regie» rung bildet, die tatsächlich nur die Regierung einer einzigen Partei darstellt und davurch den An- grifien der Mehrzahl des Volkes ausgesetzt wäre. * Abschließend wurde zugleich erklärt, daß eine Entscheidung des Reichspräsidenten nichtgetrossen, Herr v. Pape»— um diese« schöne Wort zu gebrauchen—„domo regius" ldcr Mann des Regentens sei und man noch keine Möglichkeit habe, die weitere Entwicklung anzugeben. Autoritäre Lebensdauer Wir stellen folgende Lebensdauer der„autori- tären" Regierungen fest: v. Pape» 31. Mai 1932 bis 17. November 1932 gleich 5 Monate und 18 Tage; v. S ch l e i ch e r: IS. November 1932 bis 28. Januar 1933 gleich 2 Monate und 10 Tage. Unter dem Parlamentarismus betrug die durch- schnittliche Lebensdauer der Kabinetts ilb-r- ein- Jähr. Tote Börse Anzst vor politischen Experimenten Di« politischen Wühlereien der reaktionären Dunkelmänner unnd die Ansicht einer eventuellen Wiederberufung Popens als Reichskanzler mit einem Staatsstreichprogramm haben m der Wirischast und an der Börse aus das schwer st e verstimmt. Von der hoffnungsvollen Stim- mung, mit der die Börse das neue Jahr begann, ist nichts mehr zu spüren. Seit Tagen gehen die Kurse zurück, und die Geschäststätigkeit ist aus ein Minimum zusammengeschrumpft. Die heutige Börse stellte«inen Rekord an Umsatzlosigkeit dar. die politische Unsicher- heit hat den Aktien- wie den Rentenmarkt voll- ständig veröden lassen. Kein Mensch hat mehr Lust, auch nur geringe Käufe zu riskieren. Jeder verhält sich infolge der völlig undurchsichtigen Situation zurückhaltend, und die Mißstimmung konnte nicht einmal durch günstige Meldungen aus der Wirtschaft, so zum Beispiel den Quartals- bericht der JG.-Farben, behoben werden. JG.-Farben verloren IX Proz. und gingen auf 104 gegen 105X zurück, sehr schwach lagen auch Siemens u. Halste, die gegen gestern 3 Proz. verloren und auf 124 Proz. sanken.— Der Rentenmarkt lag völlig tot. Bankplette in Vlön Unkähigheit der Nazileitung Plön. 28. Januar. Die Plöner Bank ist pleite. Die Gläubiger und die Sanierungsgesellschaften fordern«ine Zlende- rung der Verwaltung, weil das ungedeckte Defizit von 354 000 Mark auf die Großmannssucht der Verwaltung zurückzuführen sei. Unter dem Druck besonders der Dresdner Bank mußte der bisherige Direktor Trint zurücktreten. T r i n t ist eingeschriebene» Mitglied der NSDAP, und war bei allen Denwnstrationen der Nazi» an der Spitze. Obwohl das Reich und die Dresdner Bank zugesagt haben, je 100000 Mark zur Sanierung der Bank bereitzustellen, ist die Befürchtung der kleinen Sparer auherordent- lich groß. Auch die den Nazis nahestehenden Ge- schädigten erklären, daß«ine solch» Wirt- schaft nur unter nationalsoziali st i- scher Führung möglich sei. Vaul Boncour gestürzt L-rnKsmetifKeit zerbricht an Steuerfrage Eigener Bericht des„Vormärts" Parts, 28. Januar. Tie Regierung Paul Boncour ist um 7 Uhr morgens mit Zstv gegen 193 Stimmen gcstiirzt worden, da sie auf der An- nähme des Artikels suchen, eine Konzentration zu bilden. Aus alle Fäll« kommt es darauf an, eine feste Regie- rungsmehrheit für ein Finanzpro- gramm zu schaffen. Durch die Regierungskrise ist ein merkwürdiger Zustand eingetreten. Die Kammer hat bisher nur ein vorläufiges HwushaltszwAftel für Januar verabschiedet. Vom 1. Februar an besteht also gewissermaßen ein gesetzloser Zustand. wenn bis dahin kein Ausweg gesunden wird. In- zwischen wächst jedoch der Fehlbetrag nach An- gaben des Finanzministers stündlich um über ein« Million Franken. Das Schicksal der Regierung Paul Bon- cour hat sich geradezu programmgemäß er- füllt. Denn es war schon bei ihrer Bildung vorausgesagt worden, daß die Frage des Defizitausgleichs, die spätestens in der zweiteu. Januarhälfte geklärt werden müßte, für ihre Existenz entscheidend sein würde. Man sah voraus, daß es sehr schwer sein würde, die Sozialisten, die grundsätzlich gegen die geplanten Kürzungen von Beamtengehältern und Pensionen sowie gegen neue indirekte Steuern Stellung genommen hatten, für die Finanzvorschläge des Ministers Chiron zu gewinnen. Indessen schien es gerade in den letzten Tagen, als ob es schließlich doch gelingen würde ein Kompromiß innerhalb der Re- gieruugsinehrheit zu erreichen. Aber in letzter Stunde ist diese Einigung an der Hartnäckigkeit des Finanzministers gescheitert, der mehr oder minder heimlich in seinem Widerstand durch einen Teil der Radikalen unter Führung von H e r r i o t in der Kammer und von C a i l l a u x im Senat bestärkt wurde. Bei H e r r i o t spielten dabei wohl mehr Gründe der persönlichen Ranküne wegen seines Sturzes vor knapp sechs Wochen in der Schuldenfrage, während Caillaux der Wortführer jener großkapitalistischen Grundanschauung ist, die auch in der bürger- lichen Linken Frankreichs starken Einfluß ausübt und die gegen die Zugeständnisse an das sozialistische Sanierungsprogramm re- bellierte. Paul Boncour hat sich nicht für einen klaren Kurs entscheiden können. Er hat drei Wochen lang zwischen Chiron und L�on Blum hin und her laviert und damit die Intrigen und Widerstände im eigenen Lager indirekt ge- fördert. Schließlich haben die Sozialisten selbst der Regierung Paul Boncour den Todesstoß oersetzen müssen, obwohl sie ihr ursprünglich am nächsten standen. Die achte„Grüne bleute Erökknung am Kaiserdamm Die„Grüne Sport- und T i e r ch t< woche in Berlin 193 3" wurde heute vor- mittag 10 Uhr am Kaiserdamm vor mehr ol» 1000 Ehrengästen eröffnet, unter denen.. sich Ber- lreter der Reichs-, Staats- und Kommunalbehör- den, des Diplomatischen Korps, der Landwirt- ichaft, Wirtschaft. Wilsenschost und Presse be- fanden. Nach dem einleitenden Musikstück führte Over- bürgermeister Dr. Sah m in seiner Begrüßungsrede aus. daß die„Grüne Sport- und Tierzucht- woche Berlin 1933" die traditionelle Fortsetzung der„Grünen Woche Berlin" ssi. Die großen Tierschauen seien diesmal besonders ausgebaut, und das Internationale Reit- und Fahrturnier weise eine Besetzung wie nie zuvor aus. Weit mehr als hundert Vereine hätten die große Rasse- Hundeschau, die Geflügel- und die Kaninchenau»- stcllung sowie die übrigen Tiergruppen beschickt. „Trotz der allgemeinen schlechten wirtschajtlichcn Lage", so führte Oberbürgermeister Dr. Sahm weiter aus.„die zu einem völligen Absterben des Ausstellungswesens in anderen deutschen Städten . gesührt hat. hat sich Berlin mit seinen Veran- staltungen behauptet. Zur Vorbereitung und Durchführung aller letztjährigen Ausstellungen sind .öffentliche Mittel nicht in Anspruch genommen ' worden und werden auch künftig nicht in Anspruch genommen. AI: dann ergriff Reichs mmister für Ernährung und Landwirtschaft, Freiherr von Braun, das Wort zu der Eröffnungsansprache, in der er u. o. ausführte: Schon ein kurzer Ueberblick über die Ausstellung zeige, daß in diesem Jahre vor allen Dingen der Kleingärtner, Kleinsied- l e r und der tierliebende Städter Jnter- esse an Ler Ausstellung finden werde. Es sei kein Zufall, daß diese Gebiete viel Beachtung in der Bevölkerung fänden. Es ist das Streben unsere: Volkes, herauszukommen ans den Steinmauern der Großstädte, zurück zur Natur. Der sichtlarste Aurdruck hierfür sei neben der Wochenend- Bewegung die Zunahme der Klein- gärten in der Nähe der Großstädte. Deutsch- land habe etwa 1,1 Millionen Kleingärten. Diese Bewegung werde vom Reich mit neuen Mitteln unterstützt. schwinden sind bereits die verschiedensten Kombi- Nationen aufgestellt worden, nychzumal er m a s o- chistische Neigungen hatte und in ent- sprechenden Kreisen verkehrte. Da in der Woh- nung einige Requisiten fehlen, ist es möglich, daß er seine Wohnung aus den obengenannten Grün- den verlassen hat. Andererseits ist es. nicht aus- geschloffen, daß er Etp r e sse r n. die von seinen Neigungen wußten, in die Hände gefallen ist. Wolfs ist 1.55 groß, schwächlich, Glatze mit dünnem. graugemischten Haarkranz. Er-hat hohe Stirn, trug Schnurrbart und Hornbrille. Die Kleidung hat er geändert. Mittellungen erbittet die Inspektion I Im Präsidium. Zu die Gern gerast Auto inaWasser gestürzt— Drei Tote Paris. 28. Januar. 3n dem Pariser Vorort E p i n a y ereignete sich am Freitagabend ein schwerer Autounsall. Ein Privaikraslwaxen stieß auf einer Seinebrücke mit einem Lasikraslwagen zusammen und wurde über duz Geländer in den Fluß gestürzt. Drei Znsassen des Autos erkranken. Der Chauffeur konnte sich trotz einer schweren Wunde am Hals schwimmend retten. Der Schaden ist erheblich, zumal auch einige Woh- nungen durch hcrabdringende Waffe:mengen schwer in Mitleidenschaft gezogen worden sind. Die Entstehungsursache konnte bisher nicht ge- klärt werden. Das Feuer muß lange unbemerkt geschwell haben, denn beim Eintreffen der Wehren brannte nahezu der gesamte Dachstuht lichterloh. Der Schaden ist durch Versicherung gedeckt. Der Taxi-Slrelk Wien. 28. Januar. D:« Demonstrationsaussahrt der Autodroschken ist um 8 Uhr abends zu Ende gegangen. Bis dahin waren die wichtigsten Verkehrsviertel der Innsren Stadt völlig blockiert. Die Regierung hatte, um Kundgebungen vor dem Parlament und dem Rathause zu verhindern, die Straßenzllge dieses Teiles der Stadt durch Lastautomobile des Bundes- Heeres abgesperrt. In den Abendstunden wurden dann die Plätze der inneren Stadt für den nor- malen Berkehr wieder freigemacht. Die Stadt hat wieder ihr normales Aussehen. Auch die Taxi hallen die Personenbeförderung wieder ausgenommen. Eine Abordnung der Chauffeure war in der Zwischenzeit im Rationalrat von Beamten des Bundeskanzleramtes und des Fi» nanzministcriums empfangen worden, die Er- leichterungen des Gesetzes in Aussicht stellten. GrsAfeuer in Tegel Nächtlicher Vfohnhausbrand von einem schweren Schadenfeuer wurde in der letzten Nacht da» dreistöckige Wohnhaus in der Schlohstraße In Tegel betrofsem Kurz vor 3 Uhr wurden die Bewohner aus dem Schlaf geschreckt. Im Dachstnhl war Feuer ausgebrochen und als die Gefahr entdeckt wurde, hallen die Flammen bereits das Dachgeschoß in feinem ganzen Umfange ergriffen. Meterlange Flammengarben schlugen aus den Bodenluken und ein weithin sichtbarer Feuerschein alarmierte das nächtliche Tegel. Die Feuerwehr rückte auf den Alarm„Großfeuer" unter Lellung des Brand- direktors Tamm mll vier Löschzügen an die Brandstelle aus. Mehrere Schlauchlellungeu wurden in Tätigkeit gesetzt und nach längerem Waffer- geben tonnt« der Brandherd eingekreist werden. Ar»! verschwunden Kein? Spur seit 17 Tagen Das geheimnisvolle Verschwinden des Stettiner Facharztes Dr. Moriz Wolfs beschäftigt auch die Berliner Kriminalpolizei. Wolfs ist nach den Fest- stellungen der Stelliner Mordinspeklion wahr- scheinlich am Mittwoch, den 11. Januar, noch morgens vor sechs Uhr aus ssiner Wohnung in der Mönchenstraße 23 verschwunden. Am Telephon lag ein kleiner Zettel mit der Auffchrift:„W e g- gerufen". Trotz aller Fahndungen ist bisher — nach 17 Tagen— keine Spur des Arztes ge- funden worden. Cisenbahnbeamte, die in der Nacht auf dem Hauptbahnhof Dienst hatten, sind verhört worden. Sie glauben, nach«lnem LichGllde. Wolfs gesehen zu haben. Sie Wilsen aber nicht, welchen Zug er benutzt«, als er gegen 4 Uhr die Sperre durch- schrill. Ein Zug geht nach Berlin, ein anderer nach S t o l p Beide gehen kurz nach 4 Uhr ab. Wolfs hat seinen Auslandspaß zurückgelassen. Das dürste ihn aber kaum hindern, bei einer Aus- reist dt« Grenzen zu paffieren. Ueber sein Ber- Zu Tode gchuugert Dank vorn Nause Hohenzollern Die Friedhoftapelle von Klein-Glienicke war am Freitagnachmittag von Hunderten von Menschen gefüllt. Vor dem Altar stand ein schlich- ter Holzsarg, und in Ihm ruhte der Schloßdiener des Hohenzollernprinzen Friedrich Leopold, Gustav Gursch. Dieser Riese von Mann, den man jahrzehntelang in treuer Pflichterfüllung als Türhüter am Eingang zum Hohenzollernschloß Klein-Glienicke gesehen hat. ist seelisch und körper- lich zugrunde gegangen, nachdem ihm seit Monaten weder Gehalt noch Pension gezahlt worden sind. Seine letzten Worte, die er an seine alle Frau richtete, als er unterernährt in das St.-Joseph- Krankenhaus in Potsdam eingeliefert wurde, waren:„Hast du nicht wenigstens eine Schmalzstulle, Frau?" Die Frau war ohne Barmittel. Vier Wachen vorher hatte man einen anderen Schloßdiener begraben, auch er hat hungern müssen. Groß war das Erstaunen am Freitag- nachmittag, als kurz vor Beginn der Trauerfeier Prinz Friedrich Leopold Sohn in Be- gleitung eines Herrn Münchgesang erschien. Laieuspiel-Wettstreitabeud der Freien Gewerk- schaftsjugend heute abend im Gswerkschafiehaus, Engelufer 24. 2ü. Anfang 18X Uhr, Eintritt 10 Pfennig. erlin bleibt rot! Aufmarschplan zur Kundgebung am Sonntag, 14� Uhr, im Lustgarten: Kleine Konzertchronik Cortot, Rosenthal, Armhold, Etkin, Minghetti Cangfam, mU sich der Sternenhimmel dreht im Öaus des Jahres, ununterbrochen sich verändert und doch gleichzubleiben scheint, so ändert sich auch der über Berlin leuchtende Konzerthimmel mit all den wahlbekannten Fixsternen, den(freilich immer geringeren) Mengen von Planeten, die um jene kreisen, den ach so seltenen Kometen— und bleibt sich gleich im Grunde, einförmig und ermüdend gleich. Fertige Form ist das Konzert und ohne Zukunit, wir wissen es: doch wäre es ungerecht. zu übersehen, dah ihm noch manche schöne Stunde der Gegenwart gehört. Wenn Cortot Klavier spielt beispielsweise. Gewiß. Liszt's N-Moll- Sonate liegt ihm nicht, und Schumanns Karneval zerflattert für unsere von geprägter Form ver- wähnten Ohren—; wie aber spielt der Mann Chopin?! Alle Preludes(selbst von ihm freilich wäre uns eine Auswahl lieber, wäre weniger mehr gewesen), mit welcher Difserenzierungskunst aber, mit welch beherrschter Leidenschaft, franzö- sischer Anmut, ritterlicher Noblesse! Anläßlich seines 6l>jährigen Künstlerjubiläums war Moritz R o s e n t h a l zu hören. Eine große, ihm treu- gebliebene Gemeinde erfreute sich wieder seiner un- fehlbaren Sicherheit und ungeheuren Technik, de? oirtuosischen Elans und all der Tastenfeuerwerke, dl« er abzubrennen liebt. Nach den vertrauten Fixsternen nun noch einige Planeten: Da ist zuerst von Roza Etkin zu reden, einer durch den Chopinpreis ausxezeichn«- Keineke Papen und Isegrim Schleicher Anmarsch Stellplatz Dineiaplah: Steife: Mitte. Wedding, Pankow und(Rei- nickendorf): Spitze Brunnenftr. Abmarsch: 1 3. 1 S Uhr durch Brunnen», Elsäsier-. Artilleriestr., Am Kupfergraben, Museumstr., Lustgaren. Kreis Reinickendorf tritt 12.39 Uhr besonders in der Arosa-Alloe zwischen Haupt- und Genfer Straße an. Dann Marsch durch: Aroser Allee, Berner-, Residenz-, Schweden-, Bad-, Brunnenstraße, dann Anschluß an Zug Binetaplatz. Stellplatz Danziger Strohe: kreise: Prenzlauer Berg und(Weißensee); Spitze Weißenburger Straße. Abmarsch: 13.39 Uhr durch: Weißenburger Str., Schön- hauser Allee, Hanke-, Kä'ser-Wilhelm-Str., Lust- garten. Kreis Weiße nsee trüt besonders an Lehderstr.; Spitze Greisswalder Str. Abmarsch 13 Uhr durch: Greisswalder-, Danziger Straße. dann Anschluß an Zug Danziger Straße. Stellplatz Süstriner Platz: kreise: Friedrichshain, Treptow, Köpenick und (Lichtenberg). Abmarsch 13 ISUHr durch: Paul-Singer-, Blumen-, Schickler-, Stralauer-, Kloster-, Kaiser-Wilhelm-Str, Luftgarten. Kreis Lichtenberg tritt besonders an: Wühlischplatz. Abmarsch 13 Uhr durch: Wühlisch-, Kopernikus-, Torell-, Rüdersdorfer Straße, Küstriner Platz und dann Anschluß an Zug Küstriner Platz. Stellplatz hohenstaufenplah: kreise: Kreuzberg und(Neukölln) Abmarsch: 13.15 Uhr durch. Kottbusser Damm und Str., Dresdener-, Prinzen-, Neander-, Brücken-, Alexander-, Schickler-, Stralauer-, Kloster-, Kaiser-Wilhelm-Str., Lustgarten Kreis Neukölln tritt besonders an: Hertz- bergplatz. Abmarsch 12,39 Uhr durch: Kaiser- Friedrich-Str.. Kottbusser Damm, dann Anschluß an Zug Hohenstaufenplatz. Stellplatz hornstrahe: kreise: Wilmersdorf, Zehlendors, Schöneberg. Steglitz und(Tempelhos). Abmarsch 13 Uhr durch: Iorck-, Gneisenau-, Baerwald-, Prinzen-, Neander-, Brücken-, Alexander-, Schickler-, Stralauer-, Kloster-, Kaiser-Wilhelm-Straße, Lustgarten. Kreis Tempelhof tritt besonders an: Ullsteinstr.: Spitze Berliner Str. Abmarsch 12 Uhr durch: Berliner-, Friedrich-Karl-, Man- teuffel-, Borussia-, Berliner-, Belle-Alliance-, Gneisenaustr., dann Anschluß an Zug Horn- straße. Stellplatz kleiner Tiergarten: kreise: Tiergarten und Charlotrenburg. A b- marsch 13.15 Uhr durch: Alt Moabit. Invaliden-, Hessische-, Hannoversche-, Elsälser-, Artilleriestr.. Am Kupfergraben, Museumstr.. Lustgarten. Stellplatz Spandau-UZesi: Abfahrt 12.15 Uhr vom Bahnhof Spandau-West bis Putlitzstraße, von dort aus Anschluß an die Bezirke Tiergarten und Charlottenburg im Kleinen Tiergarten. Sozialistische Arbeiterjugend Groh-Lerlin. Stellplatz Neuer Ularkt: Abmarsch 13.45 Uhr durch: Kaiser-Wilhelm-Str. zum Lustgarren. Reichsbanner Schwarz-Rot-töold: Die Kameraden marschieren nach Schluß ihrer Uebung(etwa 12 Uhr) von Tegel kommend, durch: Berliner-, Seidel-, Scharnweber-, Müller-, Chaussee-, Friedrich-, Oranienburger-, Artillerie- straße, Am Kupfergraben. Eiserne Brücke, zum Lustgarten. Rückmarsch Kreise Mite, IBebMng; Marsch durch Schloß- froiheit, Schloßplatz, Breite-, Roß-, Neue Roß-. Neue Jakob-, Köpenicker-. Brücken-, Alexander-, Memhardt-, Münz- Weinmeister-, Rosenchaler-, Brunnen-, Stralsunder Str.. Binetaplatz. kreis Reinickendorf: wie Kreis Mitte usw. bis Brunnenftr., dann weiter wie Anmarsch. kreis Pankow: wie Kreis Mitte ufw bis Mem- hardtstr., dann Kaiser-W'lhelm-. Hankestraße, Schönhauser Wee, Berliner, Breite Str. kreis Prenzlauer Berg: wie Kreis Mitte usw. bis Memhardtstr., dann Kaiser-Wilhelm-, Hankestr., Schönhauser Allee, Weißenburger-, Danziger Straße. kreis weißensee: wie Kreis Prenzlauer Berg vis Danziger Str.. dann weiter wie Anmarsch. kreise Friedrichshain, Teptow und Köpenick: wie Kreis Mitte usw. bis Köp.emcker-, Ecke Brücken- straße. dann Köpenicker Str., Engeluser, An der Schillingsbrücke, Andreassir.. Paul-Singer-Str. bis Küstriner Platz. kreis Lichtenberg: wie Kreis Friedrichehain usw. bis Küstriner Platz, dann weiter wie Anmarsch. kreis Kreuzberg: durch Schloß'reiheil, Brüder-, Gertraudtenstr,, Spittelmarki-, Beuth-, Kom- Mandanten-, Oranien-, Dresdener-, Kottbusser Straße. Kottbusser Damm, Hohenstaufenplatz. kreis Reukölln: wie Kreis Kreuzberg bis Äott- busser Damm, dann weiter wie Anmarsch. kreise Tiergarten und Chaclottenburg: wie Kreis Mitte usw. bis Weinmeisterstr.. dann Gips-, August-, Kl. Hamburger-, Elsäsier-, Hanna- versche-, Hessische-, Jnvalidenstr.. Alt Moabit, Kl. Tiergarten. Sozialistische Arbeiterjugend Groh-Lerlin: Durch Schloßfreiheit. Schloßplatz. König-, Spandauer-, Bischofstr., Neuer Markt. Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold: Die Kamerad- schaften des Reichsbanners hängen sich beim Abmarsch an die Züge ihrer Kreise an. ..Friedrick) der Große" oder„Friedrich der Einzige" und gepriesen als treusorgender Landesvater und Förderer aller schönen Künste. Das seine Machtkämpfe um Schlesien das Volk bis auf# Blut aussaugten, daß seine Zeitgenossen Leising und Goethe bei ihm' keine Gnade fanden, da sie in deutscher und nicht in französischer Sprache dich- teten— solche Kleinigkeiten werden als über- flüssiger Geistesballast in diesen Unterrichtsstunden für Untertanen nicht erwähnt. Hier befleißigt man sich nur, alle Anekdoten zusammenzutragen und aus ihnen das strahlende Heldenbild zu er- richten, das von dem Bolke angebetet werden soll. Die Szenen, die in der Jugendstunde der Funk- stunde aus dem Schauspiel„B a t e r u n d S o h n" von Joachim von der Goltz aufgeführt wurden, dienten zweckmäßig der Bertiesung dieser Auel- doten-Kenntnisse. Bon einer menschlichen Aus- beutung des Konflikts zwischen dem brutalen, etn- fachen Vater und dem egoistischen verseinerten Sohn war nichts zu spüren. Bor dieser Sendung in der Bllcherstunde wurde eine Veröffentlichung über Friedrich II.— nein doch, über Friedrich den Großen!— besprochen, was sicher ein Zufall war, da die Büchersrunde und die Jugendstunde nicht >mter derselben Regie stehen. Die sonst meist sehr stumpfsiunig krächzende „Stimme zum Tag" hatte dagegen diesmal einen hellen Klang. Bor dem Mikrophon stand ein Junge, der durch sein vernünftiges und über- legtes Eingreifen zwei Menschen retten konnte, die beim Eislauf eingebrochen waren. Der Junge erzähste davon mit der sauberen Sclbstverständ- lichkeit, die ein gesundes Kind dem eigenen Tun gegenüber empfindet. Darum, weil dieses Jnter- nisw Tat und Wort im richtigen Verhältnis zu- einander zeigte, war es zu begrüßen.—-1z. Die �ugendgruppc» des Berliner BoUechor« zeigen (U'eilflg, 8 Uhr, In Spiel, SingbewegunaSchören, Songs und Orchestermusik neue Möglichkelten prole- tariicher Festgestaltung. Erstmalig werden die Märsche von Hanns E i s l e r, Ernstlothar von Knarr, Ottmar©erster vorgeführt, die auf Beranlasiuna des Sozialistischen Kulturbundes geschafsen wurden. Ter Klnderck-or des Bolkschorj bringt S t e m m l e s Lehrstück„Was sollen wir werden?" Die proletarische Tanzgruppe Otto Zimmermann gestaltet die Orchestcrtwischcnspiele zu Hendrik de Mans iozia- lifttjchem Festspiel„Wir". O-w ZimnrermaNli bringt Songs von Hanns Eisler und Tiesse». Karten zu CO Vs. OArbeitslose und Jngendliche zu 25 Vf.) beim Sozia- Ilstischcu Kulturbund, beim Bildungsausschuh, in der Dietz-Buchhandlung, in der Buchhandlung des ÄDGB., Jnselstr. 6a, und beim Arbeiter Sänger-Build, Wall- strahe öS. Im Eapitol zeig« Sonntag, vormittags ll.SO Uhr. Rene Elairs Bildtomverk„Sons les toits de Paris" sowie„La Zone" von Lacombe. Muscumssührunee». Sonntag.>0 Uhr, Dr. Boliach über„Italienische Kunst im Mittelalter" im Kaiser-Friedrich. Museum: 11.80 Ubr Dr. Eobn über chinelliche Töpserkunst in der Ostasiatischen Kunstabtellung(Prinz�llbrechi-Straße). Der Lesesaal der Staatlichen Kuustbibl-othck. Prinz. Albrccht-Slr. 7a, Ist vom I. Februar ab wieder bis 10 Uhr abends geöjsnet. Eeriiner Sezession und andere Ausstellungen „Auf und ab, so geht's in der Welt, so geht es uns beiden." Goethe Reineke Fuchs, 11. Gesang ten jungen Pianistin, t>i« alles, was an braven und fleißigen, manchmal sogar begabten jungen Mädchen das Podium bevölkert, weit hinter sich läßt und zu den größten Hoffnungen berechtigt. Sie verfügt über plastischen Ton und erstaunlich reife Technik, über ebenso Instinktsichere wie aus- gebilbetete und ausgeglichene musikalische Gestal- tungskrast. Ehopins F-Moll-Ballaöe z. B. spielt sie l-esier als die meisten ihrer berühmten Kalle- gen. Adelheid A r m h o l d, deren wundervolles Stimmaterial und außerordentlich nuancierte Ke- sangstechnik gelegentlich der Mitwirkung in großen Konzerten des Vorjahres sehr zu rühmen war, enttäuscht durch einen eigenen Abend, enttäuscht im Bortrog, der blaß und konventionell bleibt. Lisa Minghetti endlich ist eine junge talen- tierte Geigerin, die. mutig genug, ihr Debüt mit Hindemiths Sonate in v begann. Ihre Ton- gebung ist schön, wenn auch unausgeglichen und unsicher noch. Technik und musikalische Dispost- tionsfähigkeit lassen viel zu wünschen übrig: sie hat noch einen weiten Weg vor sich, sie hat aber zweifellos die Möglichkeit, das Ziel zu erreichen. A. W. lhealernotizen. Der Vertrag zwischen der neuen Direktion des Deutschen Thea- ters und Reinhardt ist letzt unterschrieben, nachdem«ine Einigung mit der Volksbühne er- zielt war. Die Direktion Achaz-Neft wird erst vom 1. März ab zu spielen beginne». Bis dahin soll das Schauspielerkollektiv den „Prinzen von Homburg" und eventuell noch ein neues" Stück geben.— Di« Verhandlungen im preußischen Kultusministerium über die Belegung des Jntendantenpostens für das Staat- liche Schauspielhaus haben wieder zu keinem Ergebnis geführt. Die drei Kandidaten. Klltsch-Kasiel. Jltz-Düsieldorf und der Erbprinz Reuß. sind unverrichteter Sache wieder abgezogen. Di« unllchere Stellung des kommisiarischen preußi- schen Kultusminister» icheint«ine schnelle Eni- scheidung auch weiter unmöglich zu machen. In der gegenwärtlgen Kollektivenschau der Berliner Sezession gibt e« zwei Erleb- nisie: eln pezisisch plastisches bei Milly Steger, und ein durchaus malerisches: eine Kollektion von Ge- mälden Karl Döbels. Der Eindruck bei diesen ist von sehr starker Geschlossenheit: einer dunklen, vehementen Farbenglut entspricht das Dämonische seiner Vision. Meer, Vögel und Bauteile ge- Winnen ein unheimliches, weil verborgenes starres Leben voller Größe und Magie. M i l l y Sie- g e r s Skulpturen geben fast durchweg den sungen weiblichen Körper: besten Süße und Herrlichkeit wird in lebhaften Gegenbewegungen der Glieder, ost im Hocken oder Schreiten, entfaltet und zu einem wundervollen lyrischen Klingen gebracht. Die Entwicklung dieser ausgezeichneten Künstlerin nähert sich augenscheinlich ihrem Reisepunkt: sie wird immer einfacher in den Mitteln, der Block immer geschlossener zusammengehalten. Sonst sieht man. außer den problemschweren. in dumpfer Stille beharrenden Bildern von Ernst Fr tisch, nur Aquarelle: am beweg- lichsten und sormvollsten die leuchtenden Land- schaften und Kopse Otto Herbigs: sehr ele- gant und sicher in der Wirkung, wie stets, die großen, farbenschönen Blätter von Philipp Frank. Max N e u m a n n ist zu einer sym- pathischen und fast anspruchslosen Ehrlichkeit gegenüber der Nalur zurückgekehrt, und die be° sangene Schwere von A. W. D r e ß l e r scheint sich in seinen Akten und Landschaften ein wenig zu lockern. * Unter den zahlreichen Sonderaus st ellun- gen heben sich die reichhaltige Darbietung von Werken des unvergeßlichen Heinrich Zille, zum Gedächtnis seines 7S. Geburtstags(im Be- zirksamtsbau Wedding, Müllerstraße) und die von verwandtem Geist ersüllten Bilder und Zeichnun- gen des Müncheners Josef S ch a r l bei Nieren- dorf heraus. Scharl steht fest in der Munchener Maltradition, seine Zeichnungen unter dem Ein« fluß van Goghs: seine Liebe gehört eindeutig den Armen, und nur die ost etwas zu betonte Deutlichkeit seiner Tendenz läßt eine uneingeschränkte Zustimmung noch nicht aufkommen. Jnteresiante und oft abseitige Künstlerversuche sieht man stets in der Galerie Gurlitt. So die charmanten und geistreichen Zeichnungen und seit- sam hellen Bildnisse von Jeanne Mammen, die vom Simplizissimus her gut bekannt ist. und die metallisch schimmernde Holbexotik von Erich I s e n b u r g e r. der den frühen Kokoschka auf begabte Weise weiterführt, aber nicht ohne Gefahr. in Manier zu gerat»» Im Künstlerhaus(Bellevueltrahe) schaut es zwar bei einer ausdrücklich für Fremdenwerbung bestimmten Auswahl deutscher Land- fchaftsbilder durchaus nicht revolutionär aus: doch muß hier wenigstens die Absicht gelobt werden, tüchtigen Darstellern deutscher Land- schaftsschönheit ein Absatzgebiet bei Bädern, Kur- orten und Fremdenwerbung zu verschaffen. p. f. sch. Keaton im Tonfilm Marmorhaus Bislang zogen getreulich mit den Hundsragen die Lachwochen in die Lichtspieltheater. Darum ist es eine Neuheit, daß ausgerechnet jetzt das Marmorhau» mit einer L a ch w o ch e heraus- kommt und sein Glück mit dem Film„Wer an- dern keine Liebe gönnt..." versucht. Auster Keaton ist der Hauptdarsteller. Man muß ihm und dem Film mit gutem Willen eni- gegenkommen und auf echt amerikanischen Hum- bug eingestellt sein, um sich freuen zu könne». Ein Hochstapler steht zwischen zwei hysterischen Wer- bern und Buster wird als Liebhaber wider Willen als eine Art Prellbock benutzt. Dieses Zerrbild hätte eine gute Geselllchaflskritik abgeben können. wenn die deutschen Bearbeiter es gewollt hätten. Die ober bemühten sich bei der Snnchronisierung nur krampfhaft um eine rüde Ausdrucksweise. Trotzdem bleibt die Verhöhnung eines Duells grandios. Der Tonfilm bringt Buster Keaton ein gut Teil ilm seine Wirkung. Früher konnte er nur mit dem Körper soielen und durch sein stets gleich- bleibendes Gesicht die Lachmuskeln anregen. Jetzt muß er sprechen und wird dadurch zur Mimik gezwungen, die das Einmalige seiner Spielweise zerreißt. Vorweg lief eine Komödie„Horte E i e r und Nüsse" Hier läßt man den Hauptdar- steller. der sehr grickickt die Figur des Rsvrilon- 'August auf die Leinwand übertragt, vorsichts- halber und verständlicherweise recht wenig sprechen. Das kleine Konzert bringt etn Saxophon- Quartett. Den Künstlern dankte man für die Eigenart Ihrer Darbietung und dem Marmorhaus dafür, daß dem lebenden Menschen ein Platz im Programm eingeräumt wird. e. b. Der ewige Fridericus Zu den ergiebigsten Heroen unseres zeitgenössischen Rundfunks gehört der Preußenkönig Fried- rich II., vor dem Mikrophon abwechselnd betitelt Die Stillegung 5er Forö-Werke Ford verhandelt mit den Streikenden lÜHÜHl Die stillgelegten Ford-Werke in Detroit New Sott, 28. Zanuar. Der Abbruch des Streiks in dem Brix- Katosferiewerk in Detroit, durch den sämtliche Ford-Betriebe stillgelegt wurden, steht nach einem plöhlichen Besuche Fords bevor. Die Lohn- erhöhungen wurden bewilligt, während die Forderung der Einrichtung von Be- schwerdetommissioncn noch unentschieden ist. Die Ford-Werke in Kanada wurden gleichfalls ge- schlosseu: andere Autosabrikcn sind in Mitleiden- schaft gezogen. Die Erklärungen Fords, dag Konkurrenzneid und Finanzintrigen der Großbanken für die Stillegung verantwortlich seien, verursachen eine allgemeine Sensation. Die New- Jorker Bankiers b e st r e i t e n, daß sie die Absicht haben, die Kontrolle über die Ford-Unternehmen an sich zu reißeu. Ford, der ein ebenso großer Phantast wie Tech- niker ist, hat seine eigenen Erklärungen, daß die Streikenden keine Forderungen gestellt hätten, sehr schnell Lügen gestraft. Man muß also auch gegen- über seinen sonstigen Behauptungen schr vorsichtig sein. Im übrigen steht es mit der amerikanischen Automobilindustrie sehr schlecht. Mit Redens- a r t e n kann selbst ein Ford nicht gegen die kapi- talistische Krise, gegen den Rückgang der Massen- kaufkrast an. Das wird bestätigt durch eine andere Meldung, nach der zur Zeit nur noch eine der großen amerikanischen Autofirmen mit Gewinn arbeitet. Das ist Nash. Di« Nash Motor Company weist für das am 30. November 1932 beendete Geschäftsjahr einen weiter auf 1,03 Mill. Dollar gesunkenen Rein- gewinn aus gegen 4,81 Millionen Dollar im Vor- fahre, 7,6 Millionen 1930 und 18 Millionen im Geschäftsjahr 1929. Die Peerleß Motor Car Corpora- tion schließt ihr am 30. September 1932 abge- lausenes Geschäftsjahr mit einem neuen Verlust von 0,17 Millionen Dollar ab gegenüber einem solchen von 0,71 Millionen Dollar im Vorjahre, jedoch einem Reingewinn von 0,07 Millionen 1929/30 und von 2,16 Millionen im Geschäftsjahr 1928/29. Die General Motors Corporation hat, laut Mitteilung der Verwaltung, im Jahre 1932 nur 90 III Automobile an chändler im Aue- land abgefegt gegenüber einem Auslandsabsatz von 146 079 Wagen im Vorjahre, von 138 455 Stück 1930 und von 363 415 Automobilen 1929. Im ersten Halbjahr 1932 hatten General Motors noch einen Reingewinn von 15 Millionen Dollar ausgewiesen. Die Verluste des zweiten Halbjahres sollen aber den Reingewinn des ersten Halbjahres weit übertreffen. Chrysler hat in den ersten drei Viertel- jähren 1932 bereits 61� Millionen Dollar Verluste erlitten, nachdem das Jahr 1931 noch einen Rein- gewinn von 1,5 Mill. Dollar gebracht hatte. Die Studebaker Corporation, die das Jahr 1931 mit einem Gewinn von 0,83 Mill. Dollar abschloß, weist für die ersten drei Vierteljahre 1932 Verluste von 4,4 Mill. Dollar aus. Einheit im Arbeitsamt Frdriiekender Sieg des ZdA. Im Arbeitsamt Berlin-Mitte waren am Donnerstag zu Freitag Betriebsratswahlen. Hier hatten sich die Nazis, die vor einiger Zeit eine Betriebszelle aufgezogen haben, einen guten Erfolg ihrer Minierarbeiten versprochen. Die Situation schien auch insofern recht günstig für sie, als unter den Arbeitsamtsangestellten wegen der ungeheuren Ueberlastung mit Arbeit und der vielen kleinlichen Schikanen der Reichs- anstatt eine durchaus berechtigte st a r k e Er- b i t t e r u n g herrscht. Die Nazis haben aber ihre Rechnung ohne den gesunden Menschenverstand der Angestellten des Arbeitsamts Berlin-Mitte gemacht. Das zahlen- mäßige Ergebnis der Wahl ist folgendes: Von den 803 wahlberechtigten Zlngestellten(1931 906) sind 706(789) gültige Stimmen abgegeben worden. Davon entfallen auf den ZdA. 591(716), den GdA. 40(73), und die Nazis 75(—). Der Angestelltenrat, der infolge der Belegschaftsver- Minderung von 10 auf 9 Personen zurück- gegangen ist, setzt sich jetzt zusammen aus: 8 Frei- gewerkschaftern und einem Nazi. Bisher bestand er aus 9 Freigewerkschaftern und einem GdA.- Mitglied. Bei den Arbeitern erübrigte sich eine Wahl, weil nur eine freigewerkschaftliche L i st e eingereicht wurde. Der Arbeitcrrat besteht nach wie vor aus 6 Freigewerkschaftern. Im Be- triebsrat, der wieder 10 Köpfe zählt, haben die freien Gewerkschaften 9(10) Sitze inne und die Nazis 1(—> Sitz. Im übrigen finden wir, daß die 75 Nazistimmen noch zuviel sind. Was suchen diese Feinde der Arbeiterbewegung im Arbeits- amt? Um aber ihren an sich nicht gerade über- wältigenden Erfolg nach oben abzurunden, operiert die„Rote Fahne" mit falschen Zahlen. Sie behauptet, die Kommunistische Partei habe bei der letzten Wahl zum Angestelltenrat 979 Stimmen oder 21 Proz. erhalten, bei dieser Wahl 1014 und 25,7 Pro.z. In Wirklichkeit erhielt sie bei der letzten Wahl 1095 Stimmen und 22,92 Proz., diesmal 1014 und 24,98. Absolut hat die kommunistische Liste nicht 35 Stimmen ge- wonnen, sondern 81 Stimmen verloren: anteil- mäßig hat sie nicht 4,7 Proz., sondern 2,06 Proz. gewonnen. Ebenso falsch sind die Prozentzahlen, die das kommunistische Blatt für die sreigewerk- schaftlichen Angestelltenstimmen angibt. Die frei- gewerkschaftliche Liste hatte bei der letzetn Wahl nicht 52, sondern 50,6 Proz., diesmal 44,81 Proz. Aber wozu diese falschen Zahlen? Man braucht nur einen Blick in das Blatt zu tun, um sich über die ganze erbärmliche und feige Taktik der kommunistischen„Bonzokratie" klar zu sein. Papen, Hitler, die Sozialreaktion der Junker und ihrer Gewaltpläne existieren für das Blatt nicht. Die ungeheure Gefahr der Diktatur der Junker verschwindet. Wie die Gelben und die Nazis, sollen die kommunistischen Proleten einzig gegen die Wels, Stampser und Leipart„mobil" gemacht werden. Die Junker mögen ruhig das Volk ausplündern und entrechten. Wenn nur bei einer Betriebsratswahl ein„Sieg" — über Proletarier errungen wird. Zur Wahl bei Tietz Falsche Zahlen Die Freude der„Roten Fahne" über den kommunistischen Erfolg bei der Betriebsratswahl im Tietz-Konzern wollen wir ihr gern gönnen. Da die Kommunisten jetzt im Arbeiterrat die Mehrheit haben, werden sie zeigen müssen, was sie zu leisten imstande sind. Unsere Genossen werden sie bei der Arbeit gewiß nicht stören. Erfolgreiche Abwehr Der StreikderBreslauerBauarbei- t e r, der Monate gedauert hat, endete mit ein-m vollen Erfolg der Gewerkschaften. Es wurde eine Vereinbarung getroffen, auf Grund der die alten Löhne, wie sie bis zum 31. Oktober 1932 tariflich in Geltung waren, weitergezahlt werden. Kriegsbericht der KpÄ. Bei der„Eroberung" der Ortsverwaltungen greift die KPD. mangels sichtbarer Erfolge auf die Methoden der Kriegsberichterstattung zurück. So meldete am Freitag die„Rote Fahne", daß in einem Moabiter Bezirk der Berliner Zahl� stelle des Zimmererverbandes mit großer Mehr- heit eine„oppositionelle" Bezirksleitung gewählt worden sei. Tatsächlich wurde die schon mehrere Jahre im Amt befindliche Bezirksleitung, deren Mehrheit mit der„Opposition" nicht das geringste zu tun hat, wiedergewählt. Von den drei Mit- gliedern der Bezirksleitung ist der Schriftführer Mitglied der SPD., der Kasiierer ein gegen die KPD. und ihren Spaltungskurs eingestellter Parteiloser und der Bezirksleiter selbst ein von der KPD. Ausgeschlossener. Die Arbeiislojigkeil in der Tschechoslowakei ist n Wirklichkeit viel größer, als die Zahlen der ilrbeitsvermittlungsäniter besagen. Letztere mel- beten im November 1931 eine Arbeitslosenzifser von 337 654: für den gleichen Monat des Jahres 1932 meldeten sie 601 438 Arbeitslose, tatsächlich dürfte die Zahl etwa eine Million betragen. IVetler für Berlin: Weiterer Temperaturanstieg bis in die Nähe des Gefrierpunktes. Meist trübe. mit Neigung zu etwas Schneefall und auffrischenden norowestlichen Winden.— Für Deutschland: In Südwestdeutschland Fortbestand des noch meist heiteren Froftwetters. Im übrigen Reiche trübe. mit weiterem Temperaturanstieg. Im Nordosten Deutschlands stark windig, mit Niederschlägen. Theater der Woche vom 29, Januar bis 6. Februar Volksbühne Theater am Dülomplah: Echinderhannes.!. Uhr. Konzert: Edwin Fischer. Staatslhealer Staatsoper Unter den Linden: 29. Meisterfinger. 30. Nacht in Venedig. 31., S. Liebcsverbot. I. Butterfl». 2. Rosenkavalier. 3. Boheme. 4. Sizilianischc Besper. 6. Othello. Städtische Oper, Eharlattenburg: 30. Madame Butter» ffcl. 31., 2. Salome. 1., 4. Die Prinzessin von Trapezunt. 3. Martha. 5. Aida. 6. Der Freischütz. Staatliches Schausvlelhans: 20., 1., 2., 3., 4., 6. Faust, n. Teil. 30.. ö. Faust, I. Teil. 3l. 100 000 Taler. Schiller-Theater: Die Männer find mal so. Thealer mit festem Programm Kurfürstendamm-Theater: Glückliche Reise.— Deutsches Theater: Prinz Friedrich von Homburg.— Die Komödie: Ein Mädel ohne Mann.— Deutsches Künstlertheater: Die Nacht zum 17. April.— Theater in der Stresemaunstraßc: Terzett. 2. Kuß vor dem Svicgel.— Komodienhans: Achtung, frisch gestrichen!— Metropol-Theatcr: Zareroitsch. — Theater des Westens: Komparserie.— Theater im Ad. miralspalast: Frühlingsstürme.— Komische Oper: Musik um Susi.— Großes Schauspielhaus: Bau im Savoy.— Theater am Nollendorfplatz: Ab 1. Die geschiedene Frau. — Fentral'Theater: Narren des Ruhms.— Theater am Schiffbauerdamm: Automatenbüfett. 5. 11 V2 Uhr. Die Räuber.— Berliner Tbeater: Auslandsreise. 1. und 2. ge. schlössen. 3. bis 6. Die Marneschlacht.— Die Tribüne: Was uns fehlt Arbeit.— Kleines Theater(Internationales Theater): Bis 1. Badendes Mädchen. 2., 3. geschlossen. Ab 4. Wer ist der Dümmste.— Renaissance. Theater: Mutter muß heiraten.— Rose.Tbeater: Die Zirkusprinzessin.— Easino.Tlieater: Bunte Bühne und Onkel Muz.— Theater in der Bebrenstraße: Bargeld lacht.— Schauspielhaus Steglitz: Mann mit den grauen Schläfen.— Pla?a: Bis 31. Katja, die Tänzerin. Ab 1. Boccaccio.— Skala, Winter. garten: Internationales Variete.— Rcichshallen-Theater: Stettiner Sänger.— Bendoms Bunte Bühne: Ne dolle Kiste. Nachmiktagsveranftaltungen Metropol-Thcater: 29, tzarewitsch.— Komische Oper: 29,, 3. Mufik»m Sufi.— Erotzes Schauspielhaus: 29., 5. Boll im Savot).— Theater am Schissbauordamm: 29,, 1„ 5. Komps der Tertia, 4. Kai aus der Kiste,— Rosc-Theatcr: 1. ITZi Uhr. Die Firkiisprinzessin, 5. 141«. Uhr, Die sieben Raben, 17sh Uhr, Die girkusprinzesstn,— Easino-Tlieater: 29., 5. Bunte Bühne und Onkel Muz.— Plaza: Bis 31. Katia, die Tänzerin. Ab 1, Boccaccio,— Skala: Inter- nationales Variete.— Wintergarten: 29„ 4,, 5. Internatio. nales Variete.— Reichshastcn-Theatcr: 29., 3. Stcttincr Sänger,— Bendoms Bunte Bühne: 29„ 5. Ne dolle Kiste, Erstaufführungen Mittwoch. Theater in der Stresemann» st r a fi e: Der Kufi vor dem Spiegel.— Theater am Nollendorfplatz: Die geschiedene Frau.— Freitag. Berliner Theater: Die Marneschlacht.— Sonnabend. KleinesTheater: Wer ist der dümmste? Rundfunk am Abend Sonnabend, 28. Januar Berlin: 16.05 Orchesterkonzert. ,18.00 Von deutscher Reitkunst. 18.20 Johannes Brahms. 18.55 Die Funkstunde teilt mit. 19.00 Stimme zum Tag. 19.10 Opernknnst und Opernunsinn. 19.30 Konzerl. 20.40 Ein Schwan wird gefüttert(Funkspielchen). 21.00 Konzert. 22.00 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Vom Presseball Tanzmusik. Königs Wusterhausen: 16.00 Das Arbeitslager als Stätte der Volksbildung. 16.30 Aus Hamburg: Nachmittagskonzert. (7.10 Wochenschau 17.55 Tägliches Hauskonzert. 18.30 Vom Rhythmus des Lebens. 18.53 Wetterbericht. 19.00 Religion und Leben. 19.30 Das Gedicht. 19.35 Franz Schubert. 20.00 Aus der Weimarhalle: Bunter Abend. 22.00 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. 22.45 Seewetterbericht. Fanz- musik. Sonst; Berliner Programm. Vollständiges Eu ropaprogramm im„Volks- funk", monatl. 96 Pf., durch alle„Vorwärts- Boten oder die Postanstalten. Sonntag, 29. Januar Be r 1 i n: 6.13 Gymnastik. 6.33 Aus Hamburg; Hafenkonzert. 8.00 Mitteilungen für den Landwirt. 8.53 Morgenfeier. 10.03 Wettervorhersage. 11.00 Dichtung der Lebenden. 11.30 Reichssendung. Aus Leipzig: Bach-Kantate. 12.00 Aus Flensburg: Mittagskonzert. 14.00 Andrer Leute Kinder. 15.00 Kabarett auf Schallplatten. 16.00 W. O. So- min: Eigene Kurzgeschichten. 16.20 Linter- haltungs- und Tanzmusik. 17.03 Die Schlacht um Piddel(Kindererlebnis) 17.35 Aufbau aus der Landschaft. 18.00 Aus Magdeburg: Magdeburger Musik des 18. Jahrhunderts. 18.40 Gang durch den Graben. 19.03 Sportnachrichten. 19.10 Vom Leben und Sterben. 20.00 Aus der Philharmonie: Orchesterkonzert. 21.00 Die Bedeutung von Staatssekretär Feyerabend für die deutsche Nachrichten- technik(Staatssekretär a. D. Dr. Bredow). 21.10 Ordiesterkonzert. 22.00 Wetter-, Tagesund Sportnachrichten. Tanzmusik. Königs Wusterhausen: 11.00 See- Wetterbericht. 11.15 F. Rostosky: Eigene Ge- dichte. 11.30 Aus Köln: Kundgebung des Katholischen Deutschen Frauenbundes. 12.20 Ans Flensburg; Mittagskonzert. 12.55 Nauener Zeitzeichen. 14.00 Soll ich mein Kind auf die höhere Schule schickeu? 14.30 Aus der Gedankenwelt großer Philosophen: Kant(Dr. G. Wyneken). 13.00 Schlager von heute (Schallplatten). 16.00 G. Kapp: Aus eigenen Werken. 17.00 Zeitgenössische Musik für Kinder. 17.50 Die Kunststätten und Kunstschätze der Nation. 18.15 Tägliches Hauskonzert. 18.45 Der Lebenskampf der Ostmark. 19.13 Kindheit und Alter. 19.30 Mozart-Serenade. 20.00 Aus Köln: Alles nebeneinander(Abendunterhaltuug). 22.10 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. 22.43 Seewetterbericht. Aus Köln: Tanzmusik. Sonst; Berliner Programm. Vollständiges Europaprogramm im„Volksfunk", monatl. 96 Pf., durch alle„Vorwärts"- Boten oder die Postanstalten. Veraniworllich für Politik: Rudolf Brendemübl; Wirtschaft: G. Klingelböser: Gewerllchaslsbe- wegung: I. Steiner: Feuilleton: Herbert Le- p e r e: Lokales und Sonstiges: Fritz Karftädt! Anzeigen: Otto Hengst: sämtlich in Berlin c Verlag: Lorwärts-Verlag G, m. b H.. Berlin. Druck: Vorwärts-Buchdruckerei u. Verlagsonstali Paul Singer u. Co., Berlin SW. 68, Lindenstr, 3./ Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise werden in jeder Morgen-Ausgabe des„Vorwärts" veröffentlicht. Hierzu 1 Beilage. «aal, Tttcmcr Sonnabend, den 28. Januar Staatsoper unter den Linden W, Uhr Die Zauberflöte staatliches Schauspielhaus 19 Uhr Faust II. Teil 8 Uhr Ii Flora 3434. Rauiiien erl. Oasion Palmer 20 uiienerinnen Konzertieren VOLKSBÜHNE Theater am Bdlewplat: riglidi 8 14 Uhr D I Norden 0*30 Schinderhannes vonmcaj|ru.ck" A. Hörbiger. C. Spira. Brausewetter, Almas, Dahlke, Dletfe'n.ann, Karchow CASINO-THEATER 8 Uhr. Lothringer Slratze 97 8 Uhr iiiiiiiii tili Ii 11 11 tiiiiiiiiimtiiii 111 im um iHiiiifiiiu im itm in in Hin Varietä, bunte BUhne, Kabarett Xnr noch bis 2. Februar Onkel Muz, der Ehestifter Freitag, 3. Februar: Premlere „Der Fürst von Pappenheim" Gutschein 1—4 Personen: Parkett nur 0.60, Fauteuil 0,75. Sessel 1,25 Sonntag 4 Uhr: Onkel Mn*. Kl. Preise. Stettiner Sänger ■ Reichshalien-Th., Dönhoffpl. 8.15, Sonntags 3.30 zu prmilBlgten Preisen Das große Januarprogramm: .Die Hellen Erben Städl. Oper Charlottenbure Fraunhofer 0231 Sonnabend, 28. Jan 20 Uhr Turnus III Martha Pfahl, Zador, Lud wig, Andresen, Pechner Dirigent Lad wig Rose- Tlieaier Sni« Fruktmitr Stnli 132 Tit. Wiidiul E? 3422 8.15 Uhr Die Zirkusprinzessin B. B. B. Beodews Honte Bünne Kottbnsser Straße« Uhr Stgs. nachm.%4 U rse dolle Kiste rfismarckstr.(Knie) Steinpl.(Cl) 6715 Täglich 8V« Uhr Heote zum 25. Male Sonntag 4 Uhr Der Kollo-Schlager Die Männer sind mal so Sünelaiid, Heidemann M.mm Deutsches Theater Schumannstr. I3a Weidend. 52üi. Täglich 8 Uhr Inszenierang Mn Reiohardl Prinz von Homburg von H. v. Kleist Inimi). FiMmtr, fcitM. Kayüei, Wegstsr. SthürcDbcn MW.« ttipngj Resfaumnt Berlins Sonntag, den 29. Jannar nachm. 12 Va Uhr Wlnuamsmadn oesunueri» K|e|nen Anzeige« in der Oeaamt- Aatlaze Killio-f 1 das Vorwärts und trotzdem 4 SONNABEND, 28. JANUAR 1933 BEILAGE Gerhart 3£errmann Woffar: 9ch ermähle ein HHärchen „Hier ist Baoaria 6797." „Herr Herrmann Mostar, dort?" „Am Apparat." „Tja, Tach, Gerhart. Hier ist Hans. Hör mal, bist du heute abend frei? Ja? Ausgezeichnet. Also du mußt mir aus der Klemme helfen. Keine Angst, kein Pump. Sondern Großmutter ist doch verreist, nicht wahr? Und ich muß heute mit Anna ins Theater. Klopschen muß zu Haufe bleiben. Wir wissen aber durchaus nicht, wer sie »um Einschlafen bringen soll. Sonst besorgt das Großmutter, mit Märchenerzählen, weißt du. Ohne ihr Märchen schläft Klopsi nun mal nicht«in. Na, und da dachten wir an dich. Du bist doch früher mal Lehrer gewesen, nicht? Da verstehst du dich doch sicher aufs Märchenerzählen, nicht? Nicht...? Alles vergessen...? Unsinn. Du wirst doch noch einem Kinde was zum Einschlasen erzählen können! Also abgemacht. Wir müssen im Moment weg, es ist schon dreiviertel acht. Wenn du die Sieben benutzt, kannst du halb neun hier sein. Der Portier gibt dir den Schlüssel. Gut.— Augenblick! Anna will dich noch mal sprechen!" ,�Herr Mostar? Hier Anna. Es ist reizend van Ihnen, tja... nur noch eins. Unser Klops wird natürlich streng modern erzogen. Folgedessen fragt sie viel. Das Märchen muß der Umwelt des Kindes angepaßt sein, seiner heutigen Umwelt... Na, das wissen Sie ja als ehemaliger Lehrer, nicht wahr? Ist ja klar. Also danke schön! Jawohl, mit der Sieben. Schlüssel beim Portier. Klopsi geht gegen neun schlafen. Wie alt? Aber das wissen Sie doch! Neun Jahr natürlich!!" * Klops sieht mich aus halb zugeknisfenen Augen mißtrauisch an.„Kannst du denn überhaupt Märchen erzählen?" „Natürlich, Klopschen." „So schöne Märchen wie Großmutter?" Ich werde sehr unsicher und sage diplomatisch: „Das wirst du ja merken." „Na, schieß mal los!" gestattet sie vulgär, gnädig und mißtrauisch, legt sich im Bett zurecht, stützt dos Köpfchen auf die Hand und öffnet die Augen weit. Mir schlägt das Herz bis zum Hals. Also modern erzogen... Umwelt des Kindes... „Tja. Hm. Ja. Da war also mal«in kleines Mädchen, so all wie du. Das hieß Rotkäppchen. Rotkäppchen hatte eine Mutter und" „Rotkäppchen...? Ein ulkiger Name. Warum hieß sie denn Rotkäppchen?" „Die Leute nannten sie so, weil sie ein rotes Käppchen trug." „Aber alle Damen und alle kleinen Mädchen tragen doch rote Käppchen! Mama hat eins, und ich habe auch eins!" „Es war aber ein besonders hübsches rotes Käppchen!" „M». hm." Es ist zu hören, daß sie nur aus Höflichkeit zustimmt. „Also Rotkäppchen hatte eine Mutter und ein« Großmutter. Mit seiner Mutter wohnte es zu- sammen in der Stadt"—(halt, um Gottes willen, Umwelt des Kindes!!)—„in Berlin. Aber die Großmutter wohnte weit, weit draußen im Walde." „Im Grunewald?" „Natürlich, weit draußen im Grunewald, so bei Onkel Toms Hütte, aber nicht in der Siedlung, sondern ganz einsam in einem alleinstehenden Häuschen." „Fein!" „Jawohl, aber die arme Großmutter hatte nicht so recht was davon, denn sie war krank. Da sagte die Mutter zu Rotkäppchen:„Geh doch mal in den Wald zu Großmutter und wünsche ihr gute Besse- rung. Und nimm ihr hier dies Körbchen mit Obst und Kuchen mit." „Was hatte denn die arme Großmutter...?" „Bauchweh," „Und dann darf sie Obst und Kuchen essen?" „Du wirst ja schon noch hören, daß sie es gar nicht gegessen hat!"(Verdammt, höchst un- pädagogisch! Gleich wird sie fragen: Wenn sie's nun aber doch gegessen hätte? Aber Klops ist wieder höflich und fragt nicht.)„Jawohl, liebe Mutter", sagte das artige Rotkäppchen, frag nicht mehr viel(warte, kleine Range, da hast du's!) und ging in den Grunewald.— Wie? Nein, nicht zu Fuß natürlich. Rotkäppchen fuhr mit der 176 bis Hundekehle, und dann ging sie noch ein Stück. Wie sie nun da so geht auf einem Waldweg, ganz allein, denn es war ein Wochentag(wie fein ich mich durch die drohenden modernen Einwände winde!). Und mit einem Male begegnet ihr der Wolf! Kennst du den Wolf?" „Freilich. Aber wohnt denn der im Grüne- wald?" „Na, wo hast du ihn denn gesehen?" „Im Zoo." „Na siehst du! Nämlich der Wolf war aus dem Zoo ausgerissen. Er hatte die Eisenstäbe seines Zwingers durchgebissen, und dann war er über die Mauer gesprungen, und dann war er, genau so wie Rotkäppchen, in den Grunewald gekommen." „Ist er auch mit der 176 gefahren?" „Nein, mit dem Zweier-Autobus."(Der Deubel hole dies moderne Kind!)„Guten Tag, liebes Rotkäppchen!" sagt der Wolf. Sie kannten sich nämlich aus dem Zoo... tja.„Wo soll es denn Hingehn so in aller Frühe?"„Zur Großmutter, die ist krank."„Ach, wie bedauerlich! Wo wohnt denn deine Großmutter?"„Zweiter Seitenweg links!" sagt Rotkäppchen..." Und von nun ab geht alles gut. Ich habe aber auch gelernt, das muß ich mir lassen. Gelernt ist dach gelernt, uinsonft ist man schließlich nicht Päd- agoge gewesen. Ich modernisiere, was das Zeug hält, es macht mir ordentlich Spaß. Ich entwickle direkt Phantasie im Modernisieren. Ich lasse den Wolf nach Großmamas Telephonnummer frage», lasse ihn zunächst anläuten und erst zwei Fehl- Verbindungen kriegen und dann natürlich nicht klopfen, sondern dreimal klingeln. Ich lasse nicht den Jäger, fondern den Schupo kommen, und er ruft die Mordkommission herbei, und es steht in der Mittagspost, und die Rtutter liest es und eilt im Taxi in den Grunewald, und eine Belohnung lvird ausgesetzt, und der Wolf kommt ins tier- ärztliche Institut und wird seziert, und der Zoo- Bon Molle, dem Berliner Knirps, läßt sich am besten in Form der Anekdote erzählen. Aber vorher muß ich ihn euch vorstellen. Er ist klein und untersetzt, verfügt jedoch über erstaunliche Körperkraft. Dies gilt für alle die Lebensalter, in denen ich ihn hier schildere. Seine braunen Augen sind beides: gutherzig und schalkhast. Molle ist also die echte und typische Berliner Mischung aus Gutmütigkeit und Pfiffigkeit. Wenn ich jetzt noch hinzufüge, daß er ein wenig abstehende Ohren hat, mit denen er meisterhaft wackeln kann, daß ihm ferner das dunkelblonde Haar be- ständig in der Stirn hängt und daß er schließlich über ein Feldwebelorgan im Knabensormat ver- fügt, so dürfte seine Steckbriefskizze fertig sein. Jeder von euch wird ihn wiedererkennen. Ihr kennt ihn nämlich alle. In allen Straßen des alten und eigentlichen Berlins läuft er herum. Molle der Knirps. Und ihr werdet schon von selbst erraten haben, daß sein Vater Maschinen- schlosser oder Polier war und jetzt arbeitslos ist, daß seine Mutter Aufwartungen versieht und daß noch drei Geschwister, zwei ältere und ein jün- geres, mit Molle Stube und Küche teilen. Gut. Ich kann also zu seinen Aussprüchen und Taten übergehn. * Zunächst einmal: wie kam er zu dem Namen Molle? Auf seinem Geburtsschein heißt er näm- lich Moritz. Nun, als Moritz zweieinhalb Jahre Utax Siarlhel: £ied der Gemeinfchafl i. Immer stehen wir zusammen Grau und voller Müh, Immer gehen wir zusammen Morgens in der Früh, Wenn die Räder schlagen, Wenn der Hammer kracht, Und nun laßt euch sagen, Was uns fröhlich macht: Einer für Alle, Alle für Einen, Wir in der Arbeit und der Fabrik, Immer gemeinsam und niemals einsam; Einer für Alle! Alle für Einen! Vorwärts und nicht zurück! 2. Immer leben wir zusammen, Volk in Land und Stadt, Immer trifft es uns zusammen, Was zu treffen hall Wenn die Kinder zittern, Wenn die Frau verzagt, Wenn die Pläne splittern, Wenn uns Elend jagt: Einer für Alle, Alle für Einen, Wir Notkolonne und ohne Glück, Immer gemeinsam und niemals einsam; Einer für Alle! Alle für Einen! Vorwärts und nicht zurück! 3. Einmal kämpfen wir zusammen, Und das Ziel ist klar, Einmal siegen wir zusammen, Weils beschlossen war! Wenn die Fahnen schwingen, Wenn der Hornstoß gellt, Und dann laßt uns singen Der befreiten Welt; Einer für Alle, Alle für Einen, Unser die Macht und endlich das Glück, Immer gemeinsam und niemals einsam; Einer für Alle! Alle für Einen! Vorwärts, vorwärts und nicht zurück! direktor wird verhaftet wegen Vernachlässigung der Aufsichtspflicht, und-- -- und gegen halb zwölf Uhr stürzen Klopsis Eltern entsetzt ins Zimmer, und Klops liegt im Bett und schreit mörderisch, und ihr« Tränen laufen wie Swrzbäche, und ich versuche vor Verzweiflung die Wände zu erklettern, und Frau Anna fährt mich wütend an:„Was haben Sie mit meinem armen Kirch gemacht?!", und ich werfe stolz und beleidigt den Kopf in den Nacken und donnere: „Ich weiß auch nicht, was Ihr modernes Bams eigentlich hat, ich habe ihr nur das Märchen vorn Rotkäppchen erzählt, in streng modernem Gewände natürlich und der Umwell des Kindes angepaßt und überhaupt streng modernpädagogisch und Urr- dank ist der Welt Lohn und ich verbitte mir diesen Ton..." Und inzwischen streichelt die Mutter Klopsis Kopf und fragt:„Was hat dir der böse Mann denn Schlimmes getan, mein gutes Kind?", und das alt war, konnte er, gleich vielen Kindern, das r noch nicht richtig sprechen und machte gern ein l daraus. Und dann hörte er den Vater oft sagen — auffeufzend und bedauernd:„Nee, Mutter, ich muß doch noch mal gehen und che Molle tippen." Und die Mutter ärgerte sich oft dar- über und manchmal weinte sie auch. Den Moritz aber peinigte es sehr, die Mutter weinen zu sehn. Und da er das r ja sowieso nicht sprechen konnte. so rief er sich selbst eines Tages: Molle, und freute sich, daß der Vater sich darüber ärgerte. Allen Drohungen und Kotzsnköpsen zum Trotz krähte er unaufhörlich seinen neuen Nomen und sagte etwa:„Molle muß che Stulle essen— Molle wird jetzt Kinder kriegen"— und so fort, Die Folge war, daß der Vater fortan— und angeblich— nur noch„einen Becher kippen" ging. * Als Molle drei Jahre alt war, kam die kleine Schwester an. Am zweiten Tage erblickte Molle das winzige Menschenwesen zum ersten Mal, pflanzte sich breitbeinig vor der Margarinekiste auf. in die man den Säugling gebettet hatte, und sagte, mit den Händen in den Hosentaschen: „Mahlzeit. Ick bin Molle. Kennste mir?"— Die ältere Schwester kam hinzu und kragte den Jungen, wie ihm die kleine Schwester denn ge> fiele. Worauf Molle ungnädig und mit den Ohren wackelnd erwiderte:„Die is ja rot wie'n Krebs. Die müßta erstmal waschen. Früha kann ick mir dazu»ich äußern." * Molles ganze Liebe gehört Life, der betagten Stute des Gemüsehändlers, die am Hinterhof ihre Stallung hat. Immer hat der Junge etwas für sie stiebitzt und bringt es ihr in der Tasche seiner Joppe— eine Mohrrübe, ein paar Kohlblätter, ein Stück Brot oder Zucker. Wenn der Gemüse- Händler vom Markt heimkommt, laufen die Kin- der des Hauses herbei und wollen beim Ab- schirren Helsen. Molle, der vierjährige, der ihr Anführer ist, scheucht die zum Teil viel älteren Spielkameraden mit den Worten zurück:„Wech von die Life! Det mach ick! Ihr könnt vielleicht ne Katze kämmen. Aber zum Pferd habta noch keenen Vastand!" Und mit wenigen flinken Griffen spannt er Life aus und führt sie in den Stall. * Im fünften Jahre ging Molle eine Zeitlang in ein Tagesheim für hilfsbedürftige Kinder. Das Mittagessen wurde von allen gemeinsam an lan- gen Tischen aus Blechnäpfen gelöffelt. Einmal kam hoher Besuch, von der Heimleiterin gestührt: eine vornehme Dame im Pelzmantel. Molle klapperte zur Begrüßung mit feinem Lössel an den Blechnapf. Das taten dann auch alle anderen Kinder. War das ein Gerassel! Die Dame ging zwischen den Tischen entlang und lugte von oben in die Näpfe. Als sie hinter Molle vorbeikam, sprang der auf, ergriff sie an der Hand und zog sie gebieterisch neben sich aus die Bank, indem er artig meinte:„Kommense man, Fräulein. schenierense sich nicht!" Dann bot er der Dame mit seinem Löffel von dem Brühreis an. Die Dame lachte auf, machte„brirr" und drehte den Kopf fort. Worauf Molle ihr den Löffel einfach zwischen die Zähne schob und ohrenwackelnd er- klärte:„Hier wird nämlich allen? jeteilt!" Lischen mit den Schnurrezöpfen, die den beiden schräg gegenüber saß. gab mit Blicken und durch eine Bemerkung zu verstehen, daß die Dame doch zu ihr kommen sollte, bei ihr würde sie bestimmt nicht so garstig behandelt.„Nu hör mal, Lischen", verwies sie Molle,„erstens bist« nur ein Meechen gut« Kind wimmert herzbrechend:„Ihr habt ge- sagt, der Onkel soll mir fach schönes Märchen er- zählen wie Großmutter ihre Märchen, aber er hat mir eine ganz schreckliche Mordgeschichte erzählt und eine alle Frau ist aufgefressen worden und denn hat der Wolf ihren Pyjama angezogen und denn hat er noch ein Kind gefressen und denn haben sie allen dreien den Bauch ausgefchnitten und die Mordkommission und lauter so was und ich kann nicht schlafen und ich fürchte mich so und da in der Ecke steht doch der Wolf mit einem blutigen Messer und huhuhuhuhuhhh..:!!!" Und die Mutter sagt:„Na, dann will ich dir mal das schöne Märchen erzählen! Paß mal auf! Also da ist ein Land, das liegt ganz, ganz wen iveg von hi«r, so weit, daß die Leute da keine Graßstädte kennen und keine Straßenbahnen und keine Autos, da gibt's wir kleine Dörfer und große Wälder; es ist aber so weit, daß du da nie hinkommen wirst. Und da lebte ein Leines Mäd- che» und ein wilder Wolf---" „Au fein!" sagt Klops und hat große strahlende, erwartungsvolle A.ug«n,»nd die ganze alt« Rot- iä ppcheugeschichte findet sie himmlisch, und der Vater wendet sich stolz zu mir und spricht ver- zeihsnd: „Siehst du— so erzählt man modernen Kindern Märchen...!" und zwotens bifte drei Monate jünger. Also bin ick Kavalier zu die Dame." ★ In den meisten alten Berliner Mietshäusern und so auch in dem Block, in dem Molle wohnt. ist den Kindern das Spielen auf den Treppen und auf dem Hof verboten Molle lefftete dem Verwalter mit seiner Bande hartnäckigen Wider- stand, wurde jedoch immer wieder auf die Straße verttieben. Ja, dort dürften sie spielen. Der eben sechsjährige Molle inszemerte daraufhin die folgende Demonstration: zur belebten Abend- stunde und in einem Augenblick, da der Berkehr an beiden Straßenenden durch die roten Signale gestoppt worden war, besetzte er mit seiner Bande die Mitte der Straße und ermunterte sie zum Reifentrudeln, Murmeln und Himmel-und-Hölle. Jetzt kamen von beiden Seiten Straßenbalinen und Autos heran, bremsten, schellten und hupten. Und die Mütter vor den Türen und Läden wie in den Fenstern schrien und schimpften, und einige Väter, die gerade von der Arbeit kamen, gaben gleichfalls ihre Meinung laut zum besten. Von Molles navoleonischen Zurufen ermutigt, spielten die Kinder unbeirrt weiter. Jetzt steckte auch der Verwalter seine Nase aus dem Parterrefenster. Und im gleichen Augenblick erschien ein Schupo. „Wat hier los is?" wiederholte Molle die Frage des Beamten. Er wies auf den Verwalter und schrie:„Der da jagt uns immerzu vom Hof und sagt, daß wir nur aus der Straße spielen dürfen. Und nu spielen wir aus der Straße!" Die Be- wohner des Hauses stimmten dem Jungen kräftig zu. Seitdem wagte der Verwalter es nicht mehr. den Kindern die Höfe zu verbieten. Im ersten Schuljahr wurde Molle, der den Kopf vorgeneigt zwischen den aufgestemmten Fäusten hielt, von der Lehrerin ermahnt:„Moritz, schlaf nicht ein!" Molle blickte auf und erwiderte geistesgegenwärtig:„Ich schlaf ja nich. Ich denke nach." Ein anderes Mal gab er die gleiche Antwort. Aber diesmal hatte er wirklich nach- gedacht.„Worüber denn?" wollte der Lehrer wissen.„Von unserm Nachbar das Lottchen is krepiert", entgegnete Molle düster,„weil die nischt mehr zu fressen hatten. Und bei den Krauses, wo meine Mutter wäscht, da lassense das Essen siehn, wenn's ihnen nich schmeckt. Und darüber denk ich nu nach." .Wi. aber gut... Der Witz von der Gelehrsamkeit Gelehrte haben es schmer, sie müssen präzis und gründlich sein. Sie dürfen nicht einfach behaupten: Die dümmsten Bauern haben die gropten Kartojfein, sondern sie müssen sagen: Die Intelligenz des kullioier enden Oekonomen steht im reziproken Verhältnis zur Extension der kultivierten Knollenfrüchte...) Auch der alte Ploetz war ein Gelehrter. Sie kennen den Namen des alten Ploetz? Er ist Generationen von Gymnasiasten, Lyzeumsschüle- rinnen und Mittelschülerinnen bekannt durch sein Lehrbuch der französischen Sprache. Als dieser alte Ploetz zu Görlitz in Schlesien anno 1881 ans Sterben kam. sank er zusammen und seufzte mit verlöschender Stimme: „je meure..." Und dann mit dem letzten Atemzug, verhauchend: „Man kann auch sagen: Je me meure." Und war verschieden. Yorik. Günther ffiirkenfeld: berliner Skistseen Wolle, der Jinirm Sport am Sonntag Das große Hallensportfest der Arbeitersportler im Sportpalast Mutter Krone erzählt 25 Jahre Schöneberger Frauenturnen Ein gutgelungenes Äubiläumsfest feierte gestern die Frauenabteilung des Arbeiter- sportvereins S ch ö n e b e r g- F r i e d e- n a u. ZS Jahre Frauenturnen. SS Jahre Kamp? gegen Muckertum und Vorurteile, 25 Jahre Aui schwung und Aufstieg auf der ganzen Linie. Wenn man so die über 70 Jahre alte M» t t e r K r o n e. die einzige noch lebende und mitwirkende Mil begründerin der Frauenabteilung, erzählen hör! dann kommt es einem letzt etwas unverständlick vor, daß es so etwas gegeben hat: Als sich unsere Männer einen Turnverein gründeten, plaudert sie, wollten wir Frauen natürlich nicht zurückstehen. Wir hatten unsere Rechnung aber ohne die Poli- zei und die Mucker gemacht. An den Turnabenden durften wir nicht teilnehmen und Mitglieder des Vereins durften wir auch nicht werden. Da grün- deten wir uns eben selbst einen Verein zur Förde- rung des Frauenturnens, blieben nach außen hin selbständig, waren aber innerlich mit unseren Männern fest verbunden. Und das geschah am 27. Januar 1908, sust an dem Tage, an dem unser teurer Landesvater seinen Geburtstag feierte. Es war für uns auch ein Feiertag, an dem wir uns gelobten, treu zur Fahne des Arbeiter-Turner- bundes zu halten. Und wir haben unser Wort ge- halten. Leider bin ich nur noch allein von den alten Frauen übriggeblieben, meine anderen Mit- begründerinnen wohnen zum Teil nicht mehr hier, zum anderen Teil haben wir sie längst begraben müssen! Mutter Krone ist auch heute noch dabei. Immer noch, wenn die Frauenabtcüung ihren Turnabend hat, ist sie eine der ersten aui der Halle i unter ihren jüngeren Genossinnen fühlt sie sich immer wieder jung.„Schade, daß meine alte Turnhose hinüber ist. Ich hätte sie dann heute angezogen und hätte den jüngeren gezeigt, wie man uns vor 2S Jahren zwang, keine Luft, nicht Licht noch Sonne an unseren Körper zu lasten" Während Mutter Krone so erzählt, wickelt sich in der Halle das Festprogramm ab. Spiele der Kinder wech- selten ab mit den Uebungen der Frauen und Jung- mädchen; Ballstaffeln, Tänze, Geräteturnen und ein Bewegungschor vervollständigen das Pro- gramm. Der Arbeitergefangverein.Freundschaft" erfreute die zahlreichen Zuschauer mit seinen Vor- trägen. LF 04 schlägt Nordost In der K-Klasse der bundestreuen Arbeiterringer wurden gestern die Vorrundenkärnpf« um den ersten Platz auf der Tabelle fortgesetzt. Es standen sich hier die Vereine„Lichtenberg-Friedrichs- selbe 04* und die Abteilung„Nordost* des Kreis- meistervereins„Alt-Wedding* gegenüber. Die ehrgeizigen Lichtenberger konnten mit 8: 6 Punkten den Sieg nach Hause nehmen. Der Fl!egeilg»wichtler Aöll.L. hegt: lamvfloz;' im Bantaoizewicht kennt« Iännicke-L. b«r«it> nach ize Mi- nuten zwei weitere Punkte erringen. Muller-NO. doli« sich Wer H. Linder. L. nach k,17 Minuten einen Schulter. lieg. Der stärkere W. Binder-L. warf NIua.NO. nach 2 Minuten Kampfzeit. P. Binder-L. und Saft.NÜ. konnten trotz größter Anstrengungen zu keinem Resultat kommen und trennten stch unentschieden. Auch in der flotten Fort. segung der Kämpfe Schulz-L. gegen den größeren Schiller. NO. gab«z keine Klärung, Resultat: Unentschieden, dm Schlugkampf stegte dann der routinierte Nagel-NO. Uber den Lichtenberger Roloff in der 2. Minute. Steuern und Zölle Gegen die Erdrosselung der Kraftverkehrswirtschaft Die im Reichsausschuß der Krastverkehrswirl- fchaft vereinigten Automobilorganisationen wen- den sich in einer umfangreichen Denkschrift in aller Ausführlichkeit gegen die hohe steuerliche Be- lastung des Kraftfahrwesens. Die Denkschrift, die vor allem auch Vorschläge zur Entlastung der Krastverkehrswirtschaft enthält, wurde gestern der Preste übergeben. Es wird zunächst die Herabsetzung der K r a s t f a h r z e u g st e u e r um die Hälfte gc- gefordert. Gegenwärtig müssen Autobesitzer, zu denen in diesem Sinne auch die gewerblichen Fuhrhalter zählen, bei einer Steuerratenzahlung Aufschläge auf die als Jahressteuer zu zahlenden Beträge entrichten. Die Denkschrift fordert, daß in Zukunft die monatliche Zahlung die Norm bildet und daß bei Zahlung der ganzen Jahres- steizer ein Rabatt von 20 Proz., und für ein halbes Jahr ein solcher von IS Proz. gewährt wird. Das letztere soll sich insbesondere aus das Winterhalbjahr beziehen, um den erschreckend hohen Winterabmeldungen der Kraftfahrzeuge ent- gcgenzuwirken. Für die T r e i b st o f f b e l a st u n g wird vor- geschlagen, daß die Benzinpreise baldigst durch eine Ermäßigung der jetzigen fiskalischen Vor- belastung(Zölle) gesenkt werden. Zur Zeit ruhen auf den Treibstoffen Abgaben, die rund 340 Proz. des Einfuhrpreises betrogen. Für konzessionierte Unternehmen(Droschken, Omnibuste, Gütersern- oerkehr) soll eine Rückvergütung von 6 Pfennig Das hauptin»eresse des Sonntags konzentrier! sich aus das 9. A r b e i t e r- h a l l e n s p o r t f e st im S p o r t p a l a st. Die besten Sportler Deutschlands tragen in den bekanntesten Sportarten lvettkämpfc aus. Auf dem Programm flehen ferner die beliebten gymnastischen Vkassei'- vorsührungea nach Musik. Die Veranstaltung verspricht das qualitativ beste hallenfest des Winters zu werden. Numerierte Plätze für ö000 Bejuchzr von 50 Pf. bis 1,50 Mark. Vorkämpf' 15.30 Uhr. hauptkämpfe 19 Uhr. während des ganzen Festes ist Konzert. Verlins Eiserne Front wird von den Arbeitersportlern erwartet. Segelslugzeug„Friedrichshain*. Endlich ist es auch der Ortsgruppe Friedrichshain des„Sturm- oogel* gelungen, trog Wirtschaftskrise, trog Ar- beitslosigkeit ein Segelflugzeug zu bauen. Die Weihe des Flugzeugs findet morgen in den Residenz-Feftsälen, Landsberger Straße öl, um 16 Uhr statt, zu der die Ortsgruppe alle Repu- blikaner und Freimde de? Segelflugs einladet. Arbeiterschach. Morgen besteht wegen der Kund- gebung der Eisernen Front Spielverbot. Im Anschluß an die Kundgebung treffen sich alle Mit- glieder und Schachfreunde der Partei-, Gewert- schafts- und Jugendbewegung zum freien Schach- verkehr im Gewertschaftshaus. Die Bezirke Norden und Osten des republikanischen Freien Keglerbnndes tragen morgen ihr erstes Stechen zur Klubmeisterschaft aus. Der Bezirk Norden geht in der Sporthalle Wilhelms- aue an den Start. SKK. Olympia. Marathon, Freiweg und Heros werden sich einen harten Kampf um den ersten Platz liefern. Blau-Wciß, Artus. Fraternitas und BVG. werden sich die nächste Leistungsklasse streitig machen. Gleichzeitig starten die Frauenklubs Freyfa und Neukölln gegeneinander.— Der Bezirk Osten bringt in der Sporthalle Schneider-Vritz den Bundesmeister- kluh Aha an den Start, dem als stärkster Gegner Merkur 04 gegenübersteht. Spannende Äämofe find zu erwarten zwischen Derby, Osten 22, Bo- russia, gleichfalls zwischen Dopplum, Titania. Mariendorf und Erpetal. Startbeginn 10 Uhr vormittags. pro Liter stattfinden. Die Beimischung von Sprit. die jetzt ein« Liebesgabe an einen sehr geringen Teil der spriterzeuqenden Landwirtschaft bedeutet, soll nur dann möglich sein, wenn die entgegen- stehenden motortechnischen Bedenken zerstreut werden können und die Beimischung keine Ver- teuerung des Benzinpreises nach sich zieht Den Wegeunterhaltungspflichtigen sollen aus den Treibstoffzöllen Mittel in der Höhe zur Verfügung gestellt werden, daß sie in der Lage sind, die arge Vernachlässigung des Wegenetzes zu beheben. In der Denkschrift wird schließlich sestgeftellt, daß in den vergangenen Jahren die Belastungen des Kraftverkehrs planlos in der Weis« erfolgt sind, daß bei eintretendem Geldbedarf des Reiches immer wieder eine neue Belastung des. jeweils am zweckmäßigsten erscheinenden Produktes er- folgte. Man ist auf diese Weise zu einer Sondcrbesteuerung der Kraftver- kehrswirtschast gekommen, d'e diese als Glied der allgemeinen Wirtschaft nicht mehr er- tragen kann. Es wird infolgedessen ein Rahmengesetz für die Belastung des Kraft- Verkehrs gefordert. Der Spichemring Gestern war der Spichernring nur mäßig besucht. Im Hauptkampf standen sich der schwedisch« Weltergewichtsmeister A n d e r s s o n und der Berliner Boguhn gegenüber. Es war ein blasser Kampf ohne viel boxerische Momente. Boguhn, der sehr zahm war, hatte dem Schweden soviel Achtung— im voraus allerdings— beigebracht, daß der das Treffen recht tragisch nahm. Das war unnötig, denn ein Punktsieg des Schweden genügt«. Biel flotter kämpften Sudler heute um 20 Uhr beginnt im Berliner Sportpalast die zweite auf sechs Wochen berechnete Winterradrennsaison. Folgende elf Paare bestreiten ein 100-Ailometer-Mannschaftsrennen: De- pauw-van Nevele(Belgien), Jan van Kempen- Braspenninr(Holland), Schön-Buschenhagen (Deutschland), Rausch-Hürtgen(Deutschland!, Tietz-Maczynski(Deutschland), Ehmer-Rieger (Deutschland), Lehmann-Wisse!(Deutschland), Wolke-Rcsiger(Deutschland), Knudsen-Manthey (Dänemark-Deutschland), Gebrüder Nickel(Deutsch- land), Ahlers-Becker(Deutschland). Berliner Eissport. Bei der am Sonntagvor- mittag um 9 Uhr auf dem Plötzensee zur Enrscbei- dung gelangenden Brandenburgischen Schnellauf- Meisterschaft über SOO Meter, 1500 Meter und 5000 Meter werden u. a. der Titelverteidiger Barwa, Seelicke(BEB.), Loetsch und Sames (BSchlC) den Kampf aufnehmen. Die Trabrennen in Ruhleben beginnen am Sonntag eine halbe Stunde später als bislang, also um 12.30 Uhr. Als Hauptnummer des wieder aus neun Konkurrenzen bestehenden Programms gelangt wieder eine Prüfung für internationale Klasse, der Grunewald-Preis über 2000 Meter, zur Entscheidung. Wasserball-Vorschau Bei den Serienspielen der Arbeiter-Wasserballer gibt es in dieser Woche Begegnungen, bei denen Ueberraschungen ziemlich ausgeschlossen sind. Der in der letzten Zeit in Form gekommenen Neu- köllner.,Möwe*-Manrrschoft sollte ein sicherer Sieg gegen die zweite Mannschaft der Freien Schwim- mer Eharlottenburg ei'ensogut möglich sein, wie auch die im Südosten Berlins beheimatete Mann- scherst der Berliner Schwimm-Union gegen die „Zweite* des Weddinger Arbeiter-Schwimmoereins Hellas keinen schweren Stand haben dürste. Das erstgenannt« Treffen findet Sonnabend, 21 Uhr. statt und hat den Spandauer Massow zum Un- parteiischen, das zweite Spiel wirb Sonntag, 19 Uhr, unter Leitung des Neuköllners Frohn ausgetragen. und Schiller. Nach oft unerhört schnellem Schlag- Wechsel brachte Seidler einen Punktsieg nach Hause, der viel beklatscht wurde. Anfangs trenn- ten sich Czirfon und Stegemann ohne Ent- scheidung; das End« des Abends machten Scholz und Sabottla unter sich aus, wobei Sabottka den Kürzeren zog. Aufregend war die Sache also wirklich nicht. Vielleicht gibt es Anfang Februar >m Sportpalast und in der bockbierseligen Neuen Welt wieder einmal etwas zu sehen. A rbeiter-Eishockey Die Serienspiele der Arbeilereishockeyspieler stehen in der zweiten Runde. Gestern abend spielte ASV.-Neukölln gegen Volkssport Neukölln 2:0. Nächste Serienspiele: 28. Januar Ostring I gegen Freie Schwimmer Neukölln; 30 Januar Naturfreunde Gesundbrunnen gegen Freie Schwim- mer Neukölln; 31. Januar FTGB. Osten gegen ASV. Neukölln; am 1. Februar Naturfreunde Humboldt gegen Naturfreunde Gesundbrunnen: 2. Februar Ostring II gegen ASV. Neukölln: 3.Februar Freie Schwimmer Neukölln gegen Naturfreunde Humboldt; 4. Februar Ostring I gegen Naturfreunde Gesundbrunnen. Reit- und Fahrtumier Bei einer fast beängstigenden Zahl von akliven Teilnehmern nahm das Reit- und Fahrturnier in der Kaiserdammhalle am Freitagnachmittag seinen Anfang. In der ersten Abteilung des Preises der Grünen Woche blieb, trotz der schweren ausländi- scheu Konkurrenz Frau v. Opel Sieger auf ihrem Schimmel„Arnim".— Da für das Turnier ein großes Interesse im In- und Auslande vorhanden ist. arbeiten selbstverständlich die Photographen außerordentlich fleißig. Dennoch dürfen sie nicht so rücksichtslos vorgehen, wie am erste» Nachmittag einem Oberwachtmeister gegenüber, wo sie gerade mit Blitzlicht photographierten, als sein Pferd zum Sprung ansetzte. Das Tier wurde geblendet und mußte scheuen. Es wurde dadurch in seinen Erfolgsaussichten stark behindert. Würde sich das bei einem international bekannten Reiter er- eignet haben, hätte es sicher Proteste gehagelt. Das Dreibein Das Volksauto kommt zu spät Jahrelang rief die Welt nach dem Kleinauto, das sie gebrauchen und bezahlen konnte. Autos gab es genug, große, ganz große und auch mitt- lere und kleine. Aber das waren richtige Auto- mobile, keine Autos. Das ist ein Unter- schied, etwa so wie zwischen Lieschen und Elisa- beth! Das Automobil fährt der Mann der Geld hat, der sich einen Chauffeur halten kann. dem es nicht darauf ankommt, ob er für den Wagen hundert Mark Steuern mehr zahlt oder nicht. Ein Automobil ist ein Repräsentations- wagen: Hochglanz schwarz lackiert, mit Riesen- scheinwerfern, siebensitzig und recht langer Motor- Haube. Und unter dieser Haube muß eine ent- sprechende Maschine montiert sein, hundertpferdig, wenn es geht mit Kompresser(der pustet noch Zusatzkraft in die Zylinder!) Vom Auto verlangt man das alles nicht. Man sehnt sich wohl danach, auch groß zu sein, aber man kann es nicht. Deshalb ist das Auto kleiner. hat nicht den letzten Komfort, es ist einfacher aus- gestattet, hat weniger Plätze. Nur eins hat es bestimmt: eine große Motorhaube! Das ist zwar eine Vorspiegelung falscher Tatsachen, denn unter dieser großen Haube steckt nur ein kleiner, schwacher Motor Aber es macht doch was her! Also Autos fehlten. Ganz kleine billige Dinger, die man als Straßenbahnersatz benutzen konnte und die dem Stadtreisenden oder dem eiligen Mann nicht viel mehr kosteten, als eben die Straßenbahn. Vor zwei Jahren brachten die Goliath-Werke so einen kleinen, zweisitzigen Fort- bewegungsapparat heraus; der kostete nicht mehr als ein anständiges Motorrad, war dreirädrig, hatte einen steuerfreien Motor, man konnte ihn fast in der Badestube unterstellen und eine kost- spielige Ausbildung brauchte man auch nicht. Das war was. Die kleinen Kupras sieht man heute in Massen durch die Straßen fahren, sie sind die gewünschten Autos! Die bald kommende Automobilausstellung wird nunmehr eine ganze Anzahl neukonsiruierter Dreiradwage» bringen. Direkt graziöse Karosserien hat man auf die Drei- räder gebaut und es scheint, daß man nun gleich wieder in das andere Extrem fällt. Indem man nämlich für die Ausstattung der Karosserie soviel aufwendet, daß für das ander« nicht mehr viel übrig bleibt. Gewiß, gut soll die Karosserie sein. damit sie nicht schon nach einem Vierteljahr in allen Fugen klappert, aber sie braucht nicht gleich ultramoderne Stromlinienform zu haben. Das ist bei einem Auio mit so geringer Geschwindigkeit Unsinn. Und einen großen Wagen wird sie auch nicht vortäuschen können, denn Dreirad � bleibt Dreirad und ein steuerfreier 200-Kubikzentimeter- Zweitakt-Einzylindermotor klingt am Auspuff doch bescheidener als ein Achtzylinder. Die Fabriken haben es also endlich begriffen, was not tut. Aber leider zu spät: Es t a t not — jetzt können sich die Leute auch kein Dreibein mehr kaufen. Oder höchstens die, die stüher den Revräsentationswagen fuhren. Aber die schämen stch! Ziu-Zitsu-Kursus in Tegel. Die Frei« Sport- Vereinigung Tegel beginnt in den nächsten Tagen mst einem neuen Kursus im Jiu-Jitsu für Jugend- liche, Männer und Frauen. Reichsbannerkame- raden, Gewerkschafrler, Parteigenossen und-ge- nossinnen werden gern aufgenommen. Uebungs- abende Dienstags und Freitags. 20 Uhr, in der Humboldt-Hochichule. Graf-Rvedern-Korso. Bciirlsiartcll Wcddinii. Die öportlerhundertschast tritt morgen zum Tragen der Sturmfadnen an. Treffpunkt >2 Uhr Brunnenstraßc Ecke Vinctapiatz. Im Anslblug an die Kundgebung gemeinsamer Marsch zum Sportpalast. Tennia-Rot. Treffpunkt nach der D-monstratian IZ't Uhr vor dem Sportpalast. Teilnehmer mllssen unbedingt der Karten wegen da sein Kartellbezirk Schöneberg-Friedeaau. Treffpunkt zur De- moustration 12 Uhr Horn. Ecke Porckstrahe. Pstichtveran- staltung fstr Soortlerhunderlschast. � reani«>Rot Sroh-Berli», Sockcnabteilung. Training>ällt aus. Älles hetciligt sich am Aufmarsch und am Hallen sportfest. Zr-ie Sportnercinigung Pautaw. Heut«, Sonnabend, 2S. Januar, 20 Uhr, Hauptversammlung im Mstbleneck, U-Babnhos Binetastrahe. Mitgliedsbuch als Ausweis. Volkssport Weddinq. Heute, Sonnabend, 20 Uhr, Haupt- iakiresversainmlung bei Dornbusch, Seestraße. Badeabend iiillt au«. ATÄV., Bezirk Eharlottenburg. Montag, so. Januar, beginnt wieder der 2. Turnabend. T-unie-Ro> Srob-Bcrli», Abteilung Westen. Monat»- Versammlung l. Februar, 20 Uhr, bei Margot Lew, Schöneberg, Meraner Str. 6, Die Naturfreunde. Sonntaa, 29. Januar. Naturkundliche Abteilung: 8|e» Uhr Bahnhof Grunewald lSchildborns.— Montag, 3«. Januar. Molgemeinlchast: Manteufselstr. 7. — Photostammabteilung: Iohannisstr. 15.— Friedrichs- hain: Frankfurter Allee S07. HUicfyZH: UaUeMpodfed Zwei Massenveranstaltungen sieht Berlins Arbeiterschaft morgen: Die DernonstrationderEisernenFront im Lustgarten und das 9. Hallensportfastderbun- destreuenArbeitersportlorim Sportpalast Wenn der Aufmarsch im Lustgarten beendet ist, trifft sich alles utn 19 UUc Un auf Befreiung von der Mitgliedschaft Plllchtkrankenkesse(151 7RVO.) durch Ubertritt sur Kranken- u. Sterbekasse für das Deutsche Reich ■■ 1•'-r" (Lichterfelder Ersaukasse für sämtliche ßerufszweige V. a. G.) Auskunft und Prospekte kostenlos und unverbindlich durch die Hauptverwaltung: Berlin N 24, Oranienburger Straße 67