Abend- Ausgabe Nr. 50 B 25 50. Jahrg. Rebattton unb Berlag, Berlin SW 68, Lindenstr. 3 Fernsprecher 7 Amt Donhoff 292 bis 297 Telegrammabreffes Sozialbemotrat Berlie Vorwärts BERLINER VOLKSBLATT MONTAG 30. Januar 1933 In Groß Berlin 10 Pf. Auswärts 10 Pf. Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise fiehe Morgenausgabe Bentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Hitler- Papen- Kabinett ,, Feine Leute" und drei Nazis- Kabinett des Großkapitals Amtlich wird mitgeteilt: Der Reichspräsident hat Herrn Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt und auf dessen Vorschlag die Reichsregierung wie folgt neu gebildet: Reichskanzler a. D. von Papen zum Stellvertreter des Reichskanzlers und zum Reichskommissar für das Land Preußen, Freiherr von Neurath zum Minister des Auswärtigen, Staatsminister a. D., Md. R. Dr. Frid zum Reichsminister des Innern, Generalleutnant Freiherr von Blomberg zum Reichswehrminister, Graf von Schwerin- Krosigk zum Reichsminister der Finanzen, Geheimer Finanzrat M. d. R. Hugenberg zum Reichsminister der Wirtschaft und zum Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft, Franz Seldte zum Reichsarbeitsminister, 197 Freiherr E13 von Rübenach zum Reichspoftminister und zum Reichsverfehrsminister, den Reichstagspräsidenten Göring zum Reichsminister ohne Geschäftsbereich und gleichzeitig zum Reichskommissar für den Luftverkehr. Reichsminister Göring wurde mit der Wahrnehmung der Gejajäfte des preußischen Innenministeriums betraut. Reichskommissar für Arbeitsbeschaffung Gerede wird in seinem Amte bestätigt. Die Besetzung des Reichsjustizministeriums bleibt vorbehalten. Der Reichskanzler wird noch heute Berhandlungen mit dem Zentrum und der Bayerischen Volkspartei aufnehmen. Der Reichspräsident hat mit der Ecnennung dieser Regierung die furchtbarste Verantwortung übernommen, die jemals ein Staatsoberhaupt übernommen hat. Er steht dafür, daß diese Regierung den Boden der Verfassung nicht verläßt und daß sie sofort zurücktritt, wenn sie eine Mehrheit im Reichstag nicht erhält. Würde ein Versuch gemacht werden, diese Minderheitsregierung, deren Feindschaft gegen die Verfassung offenkundig ist, auch ohne Zustimmung des Reichstags im Amte zu halten, so wäre eine Situation gegeben, die vom arbeitenden Bolke die Einjehung letter und äußerster kräfte erfordert. Die Organisationen der Eisernen Front ftehen in engster Verbindung miteinander und verfolgen die Entwicklung mit äußerster Spannung. Sieg oder Untergang hängt von der Bereitschaft und der Geschlossenheit des arbeitenden Volkes in diesem, vielleicht für Jahrzehnte entscheidenden Augenblick ab. Jedes Borprellen einer einzelnen Arbeiterorganisation birgt die Gefahr in sich, daß sie das Gegenteil ihrer Abficht erreicht, und den schlimmsten Feinden der Arbeiterklasse zum Siege verhilft. Aeußerste Bereitschaft und voll- gen, ob die Eide auf die Verfassung, fommenste Einigkeit ist das Gebot der Stunde! Kapitalistische Reaktion Das neue Kabinett, die Schöpfung Franz von Papens, ist ein ausgesprochenes Rabinett der Harzburger Front. Es ist eine Verbindung von feudaler, großkapitalistischer und faschistischer Reaktion. AusgePrägung sind drei dabei: Hitler, Frick sprochene Faschisten nationalsozialistischer und Göring, wobei das besonders Gefährliche ist, daß Göring das preußische Innenministerium und damit die Polizei in die Hand bekommen hat. Bedeutsamer aber als diese nationalsozia listische Dreiheit ist die andere: Hitler, Papen, Hugenberg. Dieses Kabinett, an dessen Spitze der Führer einer angeblich sozialistischen Arbeiterpartei steht, ist bei dieser Besetzung ein hoch und groß tapitalistisches Kabinett, wie es in der Welt noch nirgends eristiert hat. Die Mächte des Großkapitals werden in dieser Regierung ausschlaggebend sein. Sie werden sich arbeiterfeindlich auswirken. Inwieweit sie faschistische Experi mente für vereinbar mit ihren Geschäften halten werden, muß die nächste Zukunft lehren. Die nächste Zukunft muß auch zeidie teils schon geleistet, teils noch zu leisten sind, auf dem Weg zum offenen Faschismus ein wirksames Hindernis darstellen. Bon besonderer Bedeutung wird unter den neuen Verhältnissen die Stellung Hin denburgs als Oberbefehlshaber der Wehrmacht und des neuen Reichswehrministers von Blomberg sein. Gegenüber dieser Regierung der Staatsstreichdrohung stellt sich die Sozialdemokratie und die ganze Eiserne Front mit beiden Füßen auf den Boden der Ver= fassung und der Geseßlichkeit. Sie wird den ersten Schritt von diesem Boden nicht tun. Sie wird vielmehr durch Ausnutzung aller verfassungsmäßi gen und gesetzlichen Mittel den allerschärfsten Kampf gegen diese Regierung führen. Sie überläßt die Verantwortung für den Ausbruch eines Ringens, das beiderseits nicht mehr mit den normalen Waffen des politischen Kampfes geführt werden sollte, ausschließlich ihren Gegnern. Der Reich stanzler Hitler mill, wie es heißt, heute nachmittag die Verhandlungen mit dem Zentrum aufnehmen. Nur das Zentrum fann ihm die Möglichkeit einer länger dauernden legalen Amtsführung gewähren. Verweigert es sie ihm und findet er im Reichstag feine Mehrheit, so muß er abtreten. Tut er das nicht, so ist der äußerste Konfliktsfall gegeben. Wie sich im Falle dieses äußersten Konfliktes die Streitkräfte verteilen würden, ift noch nicht zu übersehen. Aber es ist kaum wahrscheinlich, daß die Sozialdemokratie in einem solchen Fall isoliert kämpfen würde. Auf alle Fälle hat ein geschichtlicher Kampf um das Schicksal des deutschen Volkes be= gonnen. Die Situation ist voller Gefahren. Sie birgt aber auch die Möglichkeit einer überraschend schnellen günstigen Entwicklung in sich. Wir wissen, daß an ihrem Ende der Sieg der Arbeiterklasse, der Demo kratie und des Sozialismus steht. Er ist vielleicht näher, als mancher denkt! Kaltblütig, zuversichtlich und, wenn es die Sache der Freiheit fordert, zu letzten Opfern bereit, gehen wir der Zukunft entgegen, die unser sein wird trotz alle dem! Zentrum nicht befragt Bon seiten der Zentrumspartei wird parteiamtlich festgestellt, daß der Beauftragte des Herrn Reichspräsidenten, Herr von Papen, bisher in keiner Weise in Verhandlun gen eingetreten ist und daß zwischen den Nationalsozialisten und der Zentrumspartei keinerlei Berhandlungen wegen der nunmehrigen Regierungsbildung stattgefunden haben. Unsere Antwort! ,, Wer Pläne schmiedet gegen das Volk, wer seine Freiheit antasten, seine Rechte rauben will, der mag erzittern!" So stand es am 5. Juli 1932, nach dem Aufmarsch des roten Berlin zum Protest gegen das Verbot des„ Vorwärts", in unserem Spandauer Benderblatt. Unter dem gleichen Motto steht auch die riesige Kundgebung, die gestern das Berliner Prole. tariat im Lustgarten veranstaltete. Der Aufmarsch der Eisernen Front gegen die Staatsstreichgelüfte der Reaktion, gegen Vapen und Hitler und für Recht und Freiheit, mar erfüllt von einer diszipli nierten Kampfentschlossenheit, wie sie nur die organisierte Arbeiterschaft aufweist. Es war ein sonderbares Symbol, daß eine Stunde vor der Rundgebung des roten Berlin durch eine monarchistische Truppe am Denkmal Friedrich Wilhelms III. ein Kranz niedergelegt wurde. Da sah man Offiziersuniformen der alten Armee, Studenten in Wichs und Zivilisten in Wichstöppen, und seine Majestät der Kaiser und König hatte einen Generaladjutanten mit Bickelhaube und Halsorden entsandt, um seine getreuen Untertanen zu grüßen. Schon aber sammelten sich auf dem Platz die Berliner Arbeiter und vom alten Kaiserschloß herüber grüßte die Herren das Transparent: Berlin bleibt rot. Und dann marschierten die Massen auf: Bug auf Zug rückte heran: Hunderttausend stauten sich im Lustgarten, 3ehntausende auf der Schloßfreiheit und am Alten Museum. Aber beileibe nicht alle Züge fanden Plaz. Als nachher die Kundgebung schon beendet war, da hörte man noch immer die Kampfweisen der Reichsbanner- und SAJ.Kapellen und den Gesang der Arbeiterlieder von den entfernteren Straßen her, auf denen neue Kolonnen von Freiheitskämpfern heranrückten. Besonderen Beifall fanden die riesigen Transpa rente, die die Einigkeit der Arbeiter= Plasse verlangten, und außerordentlich herzlich war der Empfang der feldmarschmäßig aufrückenden, von einer Uebung in Tegel kommenden Reichsbannerfameraden. Und dann ist es ein Meer von Menschen und ein Meer von Fahnen. Von Fahnen der Partei, der Gewerkschaften, der Sportler, der Arbeiterjugend, des Reichsbanners. Hunderttausende im Zeichen der roten Fahnen mit den drei Pfeilen, Hunderttausende, die sich der Freiheit geloben und der Reaktion ein: Bis hierher und nicht weiter! zurufen. Als dann nach dem Eisernen- Front- Marsch Karl Litte die Rundgebung eröffnet, bricht nach der wohlverstandenen Mahnung, sich nicht provo zieren zu lassen, ein erster gewaltiger Entrüstungssturm los, als der Redner den Namen des Herrn von Papen nennt, der heute wieder auf seine Rückkehr hofft und über die Regierungsbildung verhandelt. Und zum zweiten Male macht sich die Empörung Luft, als der Redner auf den riesengroßen Osthilfestandal hinweist, der auf Kosten der Aermsten der Armen geht. Franz Künstlers Rede aber ist der Beifall besonders groß, als er die unbedingte Notwendigkeit der Einigkeit der Arbeiterklasse betont und ausruft: Wehe, wenn der Tag der Entscheidung eine uneinge Arbeiterschaft fände. Bei Die Reaktion mag sich gesagt sein lassen, daß die Eiserne Front auf der Wacht steht, fest und start und unerschütterlich, um das Volk zu schützen und die Volksfeinde zu bezwingen! Das bezeugten die Freiheitsrufe, die am Schluß dieser riesigen Kundgebung über den Platz bis meit in die Nebenstraßen hinein wie ein Orkan erbrausten. Mit dem alten Kampflied der Internationale Schloß die Rundgebung. Die Züge aus dem Osten Die Stellplätze der einzelnen Bezirke fahen schon riesengroße Demonstrationen, ehe der Abmarsch nach dem Lustgarten hin begonnen hatte. 3u Zehntausenden sammelten sich überall die Teilnehmer, Partei- und Gewerkschaftsmitglieder, die Jugend und andere Gruppen unserer Bewegung, die Arbeitersportler. Auf dem Küstriner Plaz, dort am Ostbahnhof, traten die Kreise Friedrichshain, Treptom und Röpenid an. Der gewiß nicht kleine Platz war schwarz von Menschen, in seiner ganzen Breite und hinauf bis an die Posener Straße stand die Menge, wohlgeordnet und einrangiert. Die Banner führten die einzelnen Abteilungen an, Musikkorps folgten, dann immer wieder rote Sturmfahnen, Fahnen mit den drei Pfeilen, Sportlerflaggen. Bereits um ein Viertel nach 1 Uhr war der Plaz überfüllt, so daß die noch Ankommenden von den Polizeibeamten, die sich übrigens sehr zuvorkommend und korrekt benahmen, in Nebenstraßen geschickt werden mußten, von wo sie sich dann dem Zug anschlossen. Noch ehe die Abmarschzeit herangekommen, traf ganz programmäßig der 3ug aus Lichtenberg ein, der den gleichen Marichweg hatte. Fast eine halbe Stunde dauerte der Borbeimarsch an den wartenden Friedrichshainern, dann aber gab der Leiter das Zeichen zum Antritt und mit einem flotten Marsch der Turnerkapelle ging es los. Viel Transparente sah man im Zuge. Wir notieren einige besonders martante: wir fordern " ,, Gegen den Osthilfestandal Rechenschaft!" Die Straße gehört uns!" Für die Einheit der Arbeiterklasse!" Berlin bleibt rot!" las man auf einer ganzen Anzahl Schilder. Dann wieder ein Vers, der überall, wo er gelesen wurde, stürmische Zustimmung fand: ,, Dem Großagrarier ging es schlecht, Osthilfe tam gerade recht. Am sonnigen Repierastrand hungert sichs gut fürs Baterland!" Unter Hochrufen auf die Partei und die Eiserne Front, unter brausenden Freiheitrufen, unter Musik und Gesang marschierten die Züge durch die belebten Straßen. Oft, sehr oft wurden vom Bürgersteig her oder aus den Fenstern die Freiheitsrufe erwidert; die Anwohner der volfreichen Ostenbezirke halten es eben mit der Eisernen Front und nicht mit den braunen Müllkutschern, die sich am vergangenen Sonntag durch diese Gegend nicht hindurch wagten Mit einem Riesenzug durch das Proletarierviertel, so marschierte der Osten nach dem Lustgarten. Der Marsch der Eisernen Front", durch die Lautsprecher übertragen, eröffnete die Kundgebung im Lustgarten. Ehe der Redner, Genosse Künstler, das Wort nahm, erklärte einleitend Genosse Litke: ,, Berlin ist unser," das schrie der Kleine Hitlerzwerg nach der Parade seiner braunen Privatarmee am vergangenen Sonntag. Unter dem Schutz der gesamten Echutzpolizei marschierte ein Haufen SA. Leute auf dem Bülowplaz auf heute sieht Berlin die nach Hunderttausenden zählende Demonstration der freiheitliebenden Be= völkerung, der Eisernen Front. Diese Hunderttaufende geben Herrn Hitler und seinen bezahlten Trabanten die Antwort, die sie zu bekommen haben: Freiheit, Freiheit, Freiheit! Genossen, fuhr Litte fort, laßt euch nicht provo zieren, folgt feiner anderen Barole, als der der Partei! Unerhörtes geschieht im Augenblick: der Mann, der auf den Krücken der SA. in die Amtlichkeit kletterte, Herr von Papen, ver handelt heute aufs neue wegen der Regierungsbildung( Stürmische Niederrufe!- Hoch die Freiheit!) Heute müssen die Junker und die Großagrarier, die sich am Gut des Volkes mästen( erneute Nieder- und Pfuirufe!) wissen, daß das Bolt die Demokratie, die Freiheit will! Arbeiter, seid einig! Dann nahm JOV Genosse Künstler, stürmisch mit Freiheitrufen empfangen, das Wort. Er führte aus: ,, Berlin bleibt rot!" Das ist die Parole der Sozialdemokratie für 1933. Die Berliner werftätigen Massen werden treu zu dieser Parole stehen und dafür sorgen, daß die Konterrevolution niemals von der Arbeiterschaft Berlins von der Hauptstadt der Deutschen Republik Besiz ergreift. Das geloben wir Arbeiter, Angestellten und Beamten auf diesem historischen Platz vor der ehemaligen Zwingburg der Hohenzollern mit unserem Kampfruf Freiheit!" Bor ungefähr einem halben Jahr schickte sich eine autoritäre Staatsführung an, Deutschland zu retten aus Not und Gefahr. Die Männer, die auszogen gegen die Demokratie und die Arbeitertlaffe, haben politisch und wirtschaftlich nur Scherbenhaufen aufgetürmt. Herr von Papen verkündete in einer programmatischen Erklärung im vergangenen Jahr: Weg mit dem Wohlfahrtsstaat! Aber was geschah? In schwerer Zeit machte Papen aus Deutschland einen Wohlfahrtsstaat für ostelbische Großgrundbesitzer. Die Osthilfe wurde zum größten Panama des Jahrhunderts.( Stürmische Pfuirufe.) Den Erwerbslosen, den Kranken, den Kriegsbeschädigten und Kriegerhinterbliebenen raubte man die Unterstügungen, um die reaktionären Junker, wie den ehemaligen Kammerherrn Oldenburg von Januschau und sogar die Familie Her mines, der Frau des Deserteurs in Doorn, zu füttern. Noch nie wurden die Gelder der deutschen Steuerzahler so verschwendet wie in den Monaten, da der Herrenreiter von Papen in Deutschland Reichskanzler war. Die Harzburger Front, die Kreise der autoritären Staatsführung haben in sechs Monaten vor aller Welt dokumentiert, daß ihre Unfähigteit nur noch zu überbieten ist durch ihre Dreiftigkeit. Und das will regieren, das will Deutschland retten und einer befferen Zukunft entgegenführen!? ( 3urufe: niemals, niemals!) Bleibt dieser politische Zirkus, dessen Direktor Adolf Hitler ist, auch nur weitere sechs Monate bestehen, so wird aus Deutschland eine einzige politische Brockenjammlung. Man droht mit dem Staatsstreich! Doch Papen, Hugenberg und Hitler seien an das Wort erinnert, daß man so variieren tann: Mit dem Staatsstreich kann jeder Esel regieren( Sehr richtig.) Wer den Rechts- und Verfassungsboden verläßt, muß sich darauf gefaßt machen, daß das Bolt seine Rechte mit allen Mitteln verteidigen wird.( Stürmischer Beifall.) Niemals tann in dem industriellen Deutschland das Rad der Geschichte so weit zurückgedreht wer den, daß der Absolutismus einer ganz fleinen Herrenschicht ein 62- Millionen- Bolt mit dem friderizianischen Kriegsstod regieren fönnte! Die Vorgänge, die sich am Sonnabend in der Wilhelmstraße abgespielt haben, sind für die Eiserne Front das Signal zur höchsten Alarmbereitschaft! Die Sozialdemokra tische Partei, die Gewerkschaften, die Arbeiter und Beamten, das Reichsbanner werden in alter und bewährter Kampfgemeinschaft ihre Vorbereitungen treffen. Es geht ums Lette! Es geht um die verfassungsmäßig gewährleisteten Staatsbürgerrechte des ganzen Boltes! Es geht um die sozialpolitische Gesetzgebung, um all die vielen Rechte, die sich das arbeitende Bolk erkämpft hat! Es geht gegen Willkür und Gewaltherrschaft einer dekadenten Ausbeuterklasse.( Stürmischer Beifall, Rufe: Nieber mit Bapen.) In diesen Kämpfen um Sein oder Nichtsein steht die Sozialdemokratie ein für alle wirtschaftlich ausgebeuteten und politisch unterdrückten Menschen. Im Kampf, aber nur im Kampf wird die Einheitsfront des Proletariats geboren. Wer wirklich revolutionär sein und wirken will der hat nicht Zeit zum Kampf von Arbeiter gegen Arbeiter. Benn Sowjetrußland mit Frankreich, Polen und Japan Nichtangriffspatte schließt, warum nicht auch mit den Arbeiterorganisationen der westeuropäischen Länder? Kommunistische Arbeiter, erkennt die Gefahr, erkennt vor allem aber auch eure Klaffenpflicht! Sagt euren Führern, daß derjenige Berrat an der Sache der Arbeiterklasse übt, der noch in dieser Stunde zwischen Arbeitern den Bruderstreit schürt. Es kann ein Tag tommen vielleicht ist er nicht mehr allzu fern-, an dem Berlin für ganz Deutschland entscheidet. Wehe der Arbeiterklasse, wenn dieser Tag sie nicht einig findet! Arbeiter, seid einig, dann werdet ihr die reaftionären Gewalten von heute ebenso im Sturm hinmegfegen wie im November 1918( Stürmischer Beifall.) Und dann wollen wir die Unterlassungssünden, die wir damals begingen, wieder gutmachen! Mit der Aufforderung an die Versammelten, in voller Disziplin wieder zurückzumarschieren und sich durch nichts provozieren zu lassen, schloß Künstler seine Ausführungen. Der von ihm ausgebrachte Freiheit- Ruf wurde von den Massen hunderttausendfach erwidert. Die Züge aus dem Westen und Süden Schon vor Mittag sammeln sich in den entfernteren Bezirken des Berliner Westens die Genossinnen und Genossen, um dann zu gewaltigen Marschsäulen zusammenzustreben und zum Lustgarten zu marschieren. Die Anmarschwege sind zum Teil sehr weit; das aber schiert die Kämpferinnen und Kämpfer der Arbeiterschaft nicht. Die vom Tiergarten und von Charlottenburg rücken, vereint mit den Spandauern, durch Alt Moabit. Die Kreuzberger, in mustergültiger Ordnung aufmarschiert, vereinen sich mit den Neuköllnern, die, wie immer, be= sonders zahlreich zur Stelle sind und im strammen Schritt einherrücken. Ein oder das andere Mal zeigten sich vor den SA.- Heimen Trupps von Mülltutschersoldaten, um durch unflätige Bemertungen zu provozieren. Aber die organisierte Berliner Arbeiterschaft läßt sich nicht provozieren; sie ist teine braune Privatarmee, die sich von rohen Instinkten leiten läßt, sondern sie ist die durch Jahrzehnte politisch geschulte Armee des Proletariats. Auch in den westlichen Bezirken überwiegen die freundlich begrüßenden Zurufe bei weitem. Das Bolt spürt, baß hier andere 3üge marschieren als die ST. Truppen, die am letzten Sonntag den Bülomplag ,, eroberten". Das meiß übrigens auch die Polizei. Sie braucht lange nicht in der Stärke zur Stelle zu sein wie am vergangenen Sonntag. Denn sie hat es nicht nötig, wenn die Eiserne Front aufmarschiert, jeden einzelnen Demonstranten durch einen besonderen Schupomann schüzen zu lassen! aufmarsches und selbst die Hakenkreuzler waren nirgends zu entdecken. Mehrere national= fozialistische Propofateure wurden von der Polizei festgenommen. Bei einem der Burschen wurde eine Drenjepistole gefunden. An dieser Stelle muß anerkannt werden, daß die Berliner Schupo ihren schweren und verant wortungsvollen Dienst mit der notwendigen Zu rückhaltung am gestrigen Sonntag ausgeübt hat. Leider haben sich wieder einige Offiziere veranlaßt gefühlt, kleinere Trupps sozialdemokratischer Manifestanten wegen., Singens perbotener Lieder" und Rufe ,, Hitler perrede" aufzu lösen. Wenn die SA. es brüllend durch die Etraßen schallend läßt: Wir scheißen auf die Freiheit, wir scheißen auf die Judenrepublik", dann haben die Herren Offiziere taube Ohren mehe aber, wenn Sozialdemokraten dasselbe oder ähn liches riskieren! Die SAJ. am Neuen Markt Die Gruppen der Sozialistischen Ar. beiter Jugend trafen sich auf dem Neuen Markt an der Kaiser- Wilhelm- Straße. Mit ihren vielen Fahnen und bunten Wimpeln füllten sie schon bald den Platz aus. Auf breiten Transvarenten aber standen die Kampfforderungen der arbeitenden Jugend: Jugendschutz und Jugendrecht gegen Imperialismus und Krieg". Für die Einheit der Arbeiterklasse" und Gegen Faschismus, für soziale Demokratie". Für diese Riele marschierten die prächtigen Jungen und Mädels in ihren blauen Kitteln und roten Tüchern. Hier steht eine fampfbereite Jugend gegen alle Erperimente reaktionärer Generäle! Kurz vor zwei Uhr trafen die ersten Züge aus den Bezirken mit Musikbegleitung ein. Reihe für Reihe marschierte in mustergültige Ordnung vorbei. Besonderes Aufsehen erregte eine Gruppe, die den Osthilfestandal bildlich dargestellt hatte. Junter mit Gamsbärten und„ notleidende" Gutsbesizer, die mit vollen Geldtoffern ins Aus land schlemmen gehen, zeigten auch den zahlreichen Bassanten am Wege den politischen Skandal dieser Tage. Eigentlich sollte sich die Jugend erst an all diese Parteigruppen anschließen. Aber nach über einer Stunde Warten, nachdem in der Zwischenzeit die schmucke Fanfarenkapelle frische Kampflieder ge spielt hatte, hielt es die jugendliche Ungeduld nicht mehr aus. Während die Vorbeimarschierenden immer stärker in die Freiheitsrufe und Protestsprechchöre: Berlin bleibt rot!" einstimmten, gruppierten sich die Jugendgruppen in Zweierreihen neben den Zug und marschierten eiligst zum Lustgarten. Unendliche Kolonnen Der Aufmarsch durch die Kaiser- WilhelmStraße aber dauerte ununterbrochen weiter an. Langsam nur konnten sich die Außenbezirke aus dem Norden und von Neukölln her durch die verstopften Etraßen heranfchieben. Teilweise waren diese Demonstranten schon seit 12 Ubr unterwegs. Um 4 Uhr fehrten die ersten schon wieder vom Lustgarten zurüd und noch immer tamer neue Kolonnen heran, die wenigstens noch den Platz vor dem Schloß erreichen wollten. An der Kloster-, Ecke Kaiser- Wilhelm- Straße fam es um diese Zeit zu starten nsammlungen, da die Straße für die beiden aneinander vorbeimarschierenden Züge faum genug Platz bot und zahlreiche Bassanten den Weg noch mehr ver. sperrten Nur auf dieser einen Zugangsstraße zum Lustgarten dauerte der Vorbeimarsch der protestierenden Männer und Frauen über drei Stunden! Reichsbanner in vorderster Front Große Geländeübung in Tegel So wie gestern die Berliner Sozialdemokraten hervorragend ihre Pflicht erfüllten und unter den roten Fahnen der Freiheit stundenlang durch die Straßen der Stadt zogen, zeigte sich wieder einmal, wie auch unsere Reichsbannertameraden stets bereit sind, ihre ganze Tattraft und ihre volle Persönlichkeit für die Sache des sozialen Boltsstaates einzusehen. Seit langem war von dem Reichsbanner- Gauvorstand für den gestrigen Sonntag eine große Gelände= übung auf dem ehemaligen Tegeler Schießplat angefekt worden. Es handelt sich hier um die Durchführung des Wehrsports im Reichsbanner, dessen Grundzüge auf der Bremer Bundesgeneralversammlung beschlossen worden sind. So kam es, daß gestern die Reichsbannerleute von früh 6 Uhr an bis nachmittag 5 Uhr im Dienst ihrer Organisation auf den Beinen waren. Seit langem mag auf dem großen Tegeler Schießplay, der im Sommer als Außenspielplat der Stadt Berlin dient, nicht so viel junges, frisches Leben sich getummelt haben. Der weite Platz, angefüllt von 5000 in strammer Disziplin zusammengefaßten Reichsbannerleuten atmet etwas vor Manöverleben. Hier werden jedoch nicht, wie in feliaen Borfriegszeiten. Muschtoten mit allen ineffen gedrillt, sondern die republikanischen Männer und Jünglinge haben sich freiwillig in die Marschkolonnen der remubfifanischen Schuhtruppe eingereiht, um am Aufbau eines neuen wahrer Boltsstaates mitzuhelfen. Nach der großen Uebung im Gelände, die Gesamtleitung der Veranstaltung lag in den Händen des Gauvorsitzenden Neithardt, ging es an das Effenfaffen Die Gulaichtanone spendete die traditionelle Erbsenfuvve für die der qute Koch mehr Sped als Erbsen aufgemandt hatte. Die tadellose Ausführung fchmieriafter Mehrsportübungen das mehrfache Ueberflettern bis zu pier Meter hoher Holzwände. durch Reichsbannerleute in voller Uniform zeigten die intensive und - Der Marsch zum Lustgarten systematische Arbeit, die im Berliner Reichsbanner in letzter Zeit geleistet worden ist. Norden begrüßt das Reichsbanner 3war mit verschmutzten Stiefeln, aber munter und mit frischen Gesichtern, wurde nach der ,, Arbeit" des Essenfassens zu einem Abschlußappell angetreten. Dann formierten sich die Marsch kolonnen der einzelnen Kreise zu einem außer ordentlich eindrucksvollen geschlossenen Demon strationszug, der durch den Norden zum Lustgarten marschierte. Der mehr als 15 Kilometer lange Anmarsch ging durch die Scharnweber, Müller, Chauffee-, Oranienburger und Artilleriestraße zum Kupfergraben und von dort hinüber zum Lustgarten. Obwohl ein Teil der Echufo und auch der Stafogruppen schon frühzeitig hatten im Lustgarten verbleiben müssen, waren es rund 5000 entschlossene Manner. die Sturmriemen herunter, in mustergültiger Disziplin durch die Straßen marschierten. Der gefchloffene Aufmarsch perfehlte feinen Eindrud nicht. Ueberall standen die Menschen in dichtgedrängten Gruppen und viel fache Freiheitsrufe begrüßten die Marschierenden. Sieben Spielmannszüge waren im Zuge verteilt und zu ihren Seiten marschierten Tausende von Männern und Frauen mit. Besondere Enmpathiefundgebungen betam der Reichsbonnerführer Mag Wölfel, der jeht nach dem schändlichen Naziüberfall wieder pöffig gefundet in after Treue an der Snige seines Kreises mie früher stramm mitmarschierte unter seinen Kameraden in Reib und Glied fah man auch Mar Rothe den die Amnestie dem Ruchthaus entriffen hat, als treven Mitkämpfer der renublikanischen Seche. An vielen Häufern mehten schwarzrotgoldene und rote Frei heitsfahren Der Abmarsch Die technische Musterleistung, die ein gut funktionierender Aufmarsch im Lustgarten tar Märsche im Reiche stellt, zeigte sich auch beim Abmarsch der Menschenmasien, Nachdem die Klänge der feierlich von allen gesungenen„Internationale" verklungen waren, begann das(Beschlossene der riesenhaften Massenversammlung sich überall zu bewegen. Sozialistische Arbeiterjugend und die Reichsbanner- kolonnen rückten mit als erste ab. Immer wieder stellt man mit Erstaunen fest, in welch kurzer Zell der große Platz sich wieder entvölkert. Obwohl von allen Seiten noch gewaltige Züge im Anmarsch waren, die den Lustgarten zu rechter Zeit nicht mehr erreicht hatten, vollzog sich der Rückmarsch der Masten reibungslos und mit der bei sozial- demokratischen Veranstaltungen gewohnten Ord- nung und Disziplin. ?aii�cwer PoÜzei nervös Bis aus einige Ausnahmen kann festgestellt werden, daß die Berliner Schutzpolizeibeam«en sich außerordentlich korrekt bei dem Massenaufmarsch benommen haben Die Schupos wissen selbst sehr gut. zwischen dem Menschenmaterial einer sonal- demokratische» Demonstration und einem Auf- marsch der SA.-Truvps zu unterscheiden. Ein un- liebsamer Zwischenfall wird uns jedoch aus Pankow berichtet. Die Pankower Polizei hat schon mehrfach in der Oefsentlichkeit unliebsames Aufsehen erregt Bon dem Polizeihauntmann R a p h weiß jedes Kind in Pankow, daß er es liebt, seine Vorliebe kür die Nazis zu zeigen. Das scheint nickt ohne Wirkung auf die ihm unter- stellten Polizeibeomtcn geblieben zu sein. Aus einem nichtigen Vorfall heraus wäre es ohne das besonnene Auftreten der sozialdemokratischen Führer noch zu schweren Zusammenstößen kurz vor Auflösung des Zuges gekommen. Die Beamten hatten bereits die(Bummiknüvvel oezückt und mehr- fache Aeußerungen zeiaten. daß sie von dem Geist einer modernen republikanischen Volkspolizei noch nicht berührt worden sind. Erkolxlose Störungsversuche Im großen und ganzen ist der An- und Ab- marsch der weit über 100 000 sozialdemokratischen Demonstranten in vollster Ruhe verlaufen. Immer- hin erstaunlich war die auffallende Zurückhaltung der Kommunisten. Noch am Freitag und Sonn- abend hoste die„Rote Fabne" zu großen Aktionen ausgeiordert. Als aber Polizeipräsident Welcher alle kommunistischen Kundgebungen am Sonntag verbieten ließ, wurde von der kommunistischen Zentrale abgeblasen.Wenn cherr Me'cher schon verbietet, so könne er doch nicht verhindern, daß kommunistische Arbeiter mit SPD.-Arbeitern bis- kutierten". so schrieb das Zentralorgan der Berliner Kommunisten. Aber selbst den Abge- sandten Moskaus blieb die Svucke weg, als sie die sozialdemokrastkchen Massen im Lustgarten s�ben, die unanfhärlich gleich einem endlosen cheerbann heranströmten. Da verging den Leuten die Lust zum Diskutieren und wo sie es dennoch bestheiben und schüchtern waoten. stießen sie auf koste Ab- lehnung und überzeugenden Widerknruch. Immer- hin konnten e« sich einige kommunistische �Störunas- trim-'s nicht verkneifen, die von ihnen' aenred'at« „Einbeitsfront" durch beschämende Zwischenfälle besonders zu unterstreichen. An der B e r n g u e r Straße im Norden Berlins, an der W« i ß e n- b u r g e r und?? r a n s e ck n st r o ß e und an der Kreu»ung Dresdener und Prin-enst'-aße hosten sich Kommunismen in größerer Zahl eingefunden, um SchmZbruse ouf die vorüberziehenden sozigsdemo- kratischen Masten die eiserne Dis-mstn hielten, ous'ubrinaen Schzmo sorgt« dafür, dgß die Ärokeeler entfernt und ernstere Zwischenfälle ver- hsimet wurden. Di- gon'e Stadt stand gestern unier d-m s�in- druck des gewaltigen sozialdemokratischen Massen- Wa'-fenräudzr! Ue',:erkscII auf Schießstand Der Schießstand de» Kleinkaliber- Schützen-Verein«„Republik", verlin- Osten am stpstalweg in Arledrichsfelde- Karlshorst. war am gestriaen Sonntag das Ziel einer Raubkolonne. die vermuklich der SA. ano-hörk. Die vandi'en drangen mit vorgehal'enen V'istol-n in das R-skaurationsg:bände ein und e r- brachen die Schränke, in denen sich die kUcinkaliberbüchsen und die dazu gehör'ge Mu- uition befanden. Die Dassen wurden von den Räubern gestohlen und mit der veute rasten sie in einem Isto'orrad mit veiwagm davon. Zu dem frechen Raubüberfall werden uns folgende Einzelheiten mitgeteilt: Auf dem Schieß- platz, der sowohl von den verschiedenen Abtei- lungen der Arbeiterschützen und auch vom Reichs- banner zu Schießübungen benutzt wird, befindet sich ein halbmassioes Gebäude mit einem anqe- gliederten Restaimationsbetrieb. Gegen 18,30 Uhr befand sich der Verwalter des Platzes. Erich R.. mit seiner Frau allein im Hause. Plötzlich wurde die Tür aufgerissen und drei vermummte Burschen drangen mit schußbereiten P I st o l c n in das Innere. Der Verwalter R.. der an einer Grippe leidet, konnte sich den Bur- schen nicht entgegenstellen. Unter der Aufforde- rung, sich ruhig zu verhalten, verlangten die Bur- schen die Herausgabe der Schlüssel zu den Waffen- schränken. R. weigerte sich, dem Verlangen der Räuber nachzukommen Da ergriff einer der Täter «inen Feuerhaken und erbrach damit die Schränke. In einen mitgebrachten Sack wurden l 0 Klein- k a l i b e r b ll ch s e n, zwei Lustbüchsen, Munition und mehrere Schießbücher von Reichs- bannsrleuten verstaut. Dann ergrisfen die Ban- diten die Flucht. Sie bestiegen ein in der Nähe bereitstehendes Motorrad mit Beimagen und rosten davon. Eigener Bericht des„Vorwärts" Innerhalb zweier Stunden hatte das Reichs- banner am Sonntag die Eiserne Front in Braun- schweig zu einer wuchtigen Massenkundgebung alarmiert. Die organisierte Arbeiterschaft war zur Stelle, um Protest gegen die Hochvcrratspläne und Diktaturgelüste der Paper, und Hitler zu erheben. Nach einem Referat des Genossen Bartels nahm die Versammlung eine Resolution an. in der es heißt: „Einem Staatsstreich wird sich die Arbeiterschaft in der Verteidiaung der freiheitlichen Verfassung mitallenzuGebotestehendenMitteln widersetzen. Wir sind fest entschlossen, alle An- griffe auf die Rechte der arbeitenden Bevölkerung abzuwehren und rufen die Arbeiterichaft auf. in der Stunde der Gefahr einheitlich und g e- schlössen zusammenzustehen." Anschließend bildete sich ein gewaltiger D e m o n- strationszuq, der durch die Innenstadt ging. Er dürste den Klogges usw. bewiesen haben, daß auch in Braunschwcig die Massen der Eisernen Front mobilisiert sind und nur auf den Rus ihrer Führung warten. In Köln sprach in einer gewalligen Kund- gebung der Sozialdemokrotie und der Eisernen Front in der Rheinlandhalle Da das Restaurant keinen Telephonanschluß hat, was den Räubern osfenbar bekannt gewesen sein muß. verging kostbare Zeit, ehe von einem Fern- spreche? in der Nachbarschaft die Polizei alarmiert werden konnte. Die Nachforschungen des Ueber- fallkommandos verlieien leider ergebnislos. Die Politische Polizei des Poli'eivräfidiums befaßt sich mit der Aufklärung des Verbrechens. Mehrere Tote und Verletzte Saitowitz, 30. Januar. Am Monkagmorgen gegen 9 Uhr explodierte in der Kokerei der wolsgang- Frau Rosa Valetti spielt einen Trampel, eine Perle. Sechsundzwanzig Jahre hat sie dem Klein- stadtarzt, einem Quacksalber ohne Patienten, einem Ehemann mit einem Kreuz, das selbst unseren Feinden niemand wünschen soll, einem Papa mit zwei hübschen, heiratslüsternen, aber verdammt spinösen Töchterchen, gedient. Da hat die brave, dumme Ursula vor soundsoviel Jahren einen Patienten von dem Doktor, einen Maler, einen Hungerleider, gepflegt. Und er malte das Dienst- mädchen Ursula, und sie verliebte sich in das Bild und in den Farbenkleckser und ging wie ein Engel mit ihm um. Und als er an dem einzigen starb, was er hatte, nämlich am Hunger, da betete Ursula, anstatt zum lieben Gott, zu den Bildern de« Seeligen. Und da der Seelige diese Güte nicht mehr genießen kann, weil ja im Himmel die steuerfreie Demokratie ohne Staatsnotstand und Standesunterschied regiert, wird der Künstler hier auf Erden eine berühmte Verkaufsnummer. Eine halbe Million, keine Angst, Franzosenfranken nur, wird selbst für einen Zwergschinken des Malers geboten, wie der Kunstkritiker und der Kunst- Wucherer bezeugen. Kurz. Ursula hat einige von den Meisterwerken, die verbrannt, zerrissen, oder als Mausrflicken verwendet werden sollten, ge> rette. Es ist nur natürlich, daß Ursula von ihrer Dienstherrschaft begaunert werden soll. Das Mädchen erweist sich jedoch als Perle des Herzens und der Klugheit. Sie verschachert ihre Jugendliebe nicht. Weil das Stück ein Lustspiel ist, schluckt die Gaunerfamilie eigentlich ganz un- verdient einen hübschen Batzen Geld durch die Verschacherung des plötzlich entdeckten BUder- schätze». Aus dieser Dienstmädchenrolle macht Rosa Valetti ein kostbares Kabinettstück, ganz Ein- sachheit, ganz Borniertheit, ganz taklvolle Seelen- Pfiffigkeit, das liebenswürdigste Geschöpf mit Schwielenhänden und erschlasstem Leib. Sehn- süchtig wartet man aus die Momente, da Ursula es den seinen Haustyrannen gibt. Frau Valetti ist eine ganz hervorragende Künstlerin, und keine Sekunde übertreibt oder versüßt sie ihren Rollen- charakter. Das Lustspiel ist in seinen drei Akten nur während eines Drittels gut. Sonst krankt es an zu gewaltsamen Zuspitzungen und Wieder- yolungen. Käthe Porada und Hans Feist übersetzen aus dem Dialekt, der eher Marseille als Paris ist, was von den Verdeutschern selten beachtet wurde. Darum klang das meiste zu glatt und gebildet Aber Eugen K l ö p k e r spielt den Kleinstadt- doktor. Schon einmal hat er solche französische Burlesketype. den Dr. Knock gespielt. Der pracht- volle,»robschläcdtioe. 1 � Braunschweig, Köln, Mannheim Paul Lobe. Er führte u. a. aus, daß wieder ein autoriläres Kabinest gestürzt sei, daß es in dieser Regierungs- krise aber anscheinend nur darum gehe, ein noch freiheitsfeindlicheres Kabinett zu bilden, wobei es keinen wesentlichen Unterschied be- deute, ob dieses von Hitler oder Papen ge- führt werde. Die parlamentarischen Regierungen Müller und Brüning haben doch eine wesentlich längere Regierungszeit gehabt als die beiden. bisherigen„autoritären" Regierungen, von denen die erste fünf Monate, die zweite nur zwei Monate am Ruder gewesen ist. Das Ganze ist eben keine Krise der volitilcben Slaakssorm. sondern der kapikalistiscßen wirlsckaf'skorm, die nun auch den Diklelstand und das Dauerntum an den Ruin gebracht habe. Den Kommunisten machte Löbe den Vorwurf, daß sie die S v a l t u n g in die Arbeiterschaft getragen hätten. Die Sozialisten seien in den Staat einge- drunqen, um die Lage der Arbeiterschaft zu ver- bessern. Alles, was sie errungen haben, wird jet-t wieder aufs S p i e s gesetzt, besonders der Lobnschutz. die Crwerbslosenunterstützunq und die Siedlung. Die sozialistische Ordnung kann wohl noch oebemmt werden, aber kommen wird sie doch. Anläßlich der vierten Generalversammlung des Gaues Baden des Reichsbanners wurde im Rosen- Grube in Ruda ein Ammoniakbehälter. Durch die Explosion wurde das Rlcschincnhaus, das sich in unmiiteibarer Röhe des Bchälkers befindet, vollkommen zerstört. Unter den Trümmern sollen sich Tote und verwundete befinden. Da die Unglücksställe einen einzigen Trümmerhaufen bildet, war es bisher nicht möglich, an die verunglückten heranzukommen. Die Rettungsbereitschaftcn der umliegenden Gruben sind zur Hilfeleistung herbeigeholt worden. Räch einer späteren Meldung sollen nur drei Personen durchweg leichte Verletzungen davongetragen haben. Das Maschinenhaus ist zerstört. Der Betrieb der Grube kann erst In drei bis vier Tagen wieder aufgenommen werden. ein samoser Polterer Es amüsiert ein routi- niertes von Barnowsky hopp hopp eingeübtes Komödienpersonal: Olga Limburg, Käthe Haack, wohlbekannt und glänzend und gut gelaunt, Paula Denk, sehr glücklich herausgestellt, die Herren Kaiser, Berghos, Behal und Horwitz. �l. H. Matinee der Volksbühne Humor in ernster Zeit An diesem Sonntag hinderte keine Polizei am Betreten der Volksbühne, und so fand die Matinee vor fast ausverkauftem Hause statt. Frank Günther als Conferencier hatte manchen glücklichen Moment, seine Anspielungen auf die neuesten Regierungsschiebereien fanden verständnisinnigen Beifall. Daß die Brüder Rotter in einer zeitgemäßen Conference nicht zu kurz kommen, versteht sich. Ein bedauerlicher Miß- griff des Ansagers war es dagegen, den Namen Brolat mit„Unterschleifen" in Verbindung zu bringen, die selbst der nationalsozialistische Ober- staatsanwalt nicht zu behaupten wagt! Das Programm entwickelte sich aus bescheidenen Anfängen zu immer größeren Zugnummern, bis es in einem Beifallorkan für die Comedian Har- monists endete. Das Tänzerinnenpaar Margot und Hedi Höpfncr erfreute in einem Strauß- schen Walzer durch Bilder jugendlicher Anmut. Recht gut gefiel Ellen Frank als moderne Di- seuse, vor allem aber Edith Züge als famose und witzige Opernparodistin. Es ist erfreulich, daß die Volksbühne diese in Berlin bisher unbekannte Künstlerin hiermit bei uns eingeführt hat. Daß bekannte Namen, wie Hans R e i m a n n und Genia N i k o l a j e w a, das Publikum nicht eM- täuschten, sei als selbstverständlich erwähnt. Dem lieben Hans— ei. ei. du kleiner Schäker, was macht denn die Reise um die Welt?— soll nur geraten werden, in einem so großen Raum nicht allzu stark sein kultiviertes Pianifsimo anzuwen- den. So manche tiefere Bedeutung wurde auf diese Weise nur den vorderen Reihen verständlich. Den zweiten Teil des Programms bestritten ganz allein die fünf Comedian Harmo- n i st s, die den Jazz sozusagen aus dem Instru- mentalen ins Gesangliche übertragen. Man mag zur Schlagermusik stehen, wie man will, aber diese parodistische und doch stark künstlerische Verulkung ist einfach hinreißend Sie enthält ein echtes Stück Zeitempfinden, sie spiegelt die heimliche Sehnsucht einer an die Prola gefesielten Generation nach iNnstiMien. eine Sebnsucbt. die in, t>-i»»!-»e garten zu Mannheim eine Kundgebung ver- anstaltet, on der T a u s e n d e teilnahmen. Reichs- tagsabgeordneter Höltermann bezeichnete es als einen unerträglichen Zustand, daß niemand weiß, welche Kräfte das Volk regieren oder die Regierung bestimmten. Die Methode Papens hat mit der Rolle eines ehrlichen Maklers nichts zu tun. Wei Adolf Hitler zum Reichskanzler machen will, treibt mit dem Schicksal des deutschen Volkes ein geiätzrliches Spiel. Wir haben Hindenburg aewählt als Garanten für eine stetige und ruhige Regierungsführung, aber stindenbura hak kein ZNandak, einen Adolf Hilter zum Kanzler zu machen. Wenn man keine andere Lösung sieht, muß zuvor das Volk b e s r a g i werden. Es wird zweck- mäßig sein, gleichzeitig auch den P r e u ß i s cb e n Landtag aufzulösen und die Frage des 20. Juli zugleich mit der Frage, ob Hitler Reichskgn-'er werden solle, dem deutschen Volke vorzulegen. Wir verwahren uns auch dagegen, das heimliche Krälte im Reichsvräsidentenbaus sich anm-,ben. maßgebend in die Geschicke des deistschen Bal'es einzugreifen. Der Sohn des Reichsvräsidenten hat be! d-m S'urz Brüninas. Groeners und jetzt auch Schleichers mitgewirkt. Niemand im deutschen Volk hat Oskar von Hindenburg mit solchen Aufgaben betraut. Sentimentalen stecken bleibt und, weil sie es weiß, sich selbst verspottet. Das Publikum ging begeistert mit. Auch nach der Vorstellung war es schön. Als man nämlich heraustrat, zog unter klingendem Spiel der D e m o n st r a t i o n s z u g de» Kreises Prenzlauer Berg vorbei, und viele hundert Be- sucher nutzten die Gelegenheit, sich anzuschließen. K. Rund um die Reaktion Die Funkstunde spart Der Deutschlandsender hatte in seinem Sonn- abendprogramm 7 r o v. n s„Brücke im Dschungel" angesetzt und dafür— IS Minuten zur Verfügung gestellt Da von dieser Zeit noch die Spieldauer einer Schallplatie abg-ng, blieben Joseph B u n z l für seine Vorlesung aus dem Werk rund zehn Minuten. Woraus hervorgeht. wie der neue Reichssender besonders wertvolle zeitgenössische Werke und gute Rezitatoren zu schätzen weiß. Ein Anonymus„P i x" wurde am Sonnabend im Abendprogramm den Hörern der Funkstunde vorgestellt mit einem„Fnnkspielchen", betitelt „Ein Schwan wird gesütter t". Der Autor und die verantwortlichen Herren im Funk- haus werden gewußt haben, daß in diesem Fall wieder einmal Anonymität ein notwendiger Schutzwall war. Der Herr„Pix" muß wohl über sehr gute Verbindungen zu den derzeitigen Funk- gewaltigen verfügen! Am Sonntag erging sich wieder Hans K y f e r weit über eine halbe Stunde im Pro- gramm des Deutschlandsenders. Dieser Reaktionär und Nazisreund ist bekanntlich bereits aus den Zeiten der Deutschen Welle Dauergast vor dem Mikrophon. Mit bösartig zusammengestoppeltem Material vollführt er hier einen Kamps für die Reaktion, gegen die freiheitlich Gesinnten aller Epochen. Die Funkstunde brachte von der Ausstellung „Die Front" eine Reportage, bei der zwei sehr ungleichwertige Berichterstatler mitwirkten. Die eindringlichen, plastischen Bemerkungen Dr. Wil» heim N o w a ck s stachen erfreulich ab von den schneidig gekrähten, farblosen Aufzählungen Albert B e n a r y s. Geradezu katastrophal aber war ein Gesprächspartner, den die Funkstunde den Hörern in der Sendung„Anderer Leute Kinder" zumutete.—\z. Der Film entdeckt den Lumpensammler. Die Degeto macht es sich zur Ausgabe, uns mit be» deutenden Filmen der Welt bekanntzumachcn. Zu ihnen gehört sicher ein kleiner französischer Film „La Z o n e", der Sonntag im„C a p i t o l" ge- zeigt wurde. Diese Zone befindet sich innerhalb des alten Festungsgürtels von Paris, in dem die Lumpensammler ihr Leben führen. Und dieses Leben ist für uns photo- graphiert, wurde uns so mitgeteilt, daß wir es nie wieder werden vergessen können. So also leben in dieser glänzenden, reichen Millionenstadt d i e Menschen, denen eine ungerechte Wirtfchasts- ordnung ein Schattendasein bestimmte. Aber was das Erfreuliche bei dem düsteren Film ist, L a c o m b e, dieser eigenwillige Re- gisseur, gehört der so viel versprechenden sranzö» fischen Avantgarde an. D>e fühlt künstlerische Verantwortung dem Film gegenüber und arbeitet außerhalb der Spekulationsgrenzen und der Ver- kitschungsabsichten der Industrie. Darum wurde auch dieser Film mit ganz bescheidenen eigenen Mitteln geschaffen. Das arbeitende Volk hüben und drüben kommt durch solche Filme einander näher, und wenn Lacombe sich selber treu bleibt, werden weite Kreise in Deutschland ihn stets ver» Fauchois:„Achtung, frisch gestrichen" Lustspiel im Komödienhaus Das Recht als politische Waffe Mahnwort in ernster Stunde Die Bereinigung Sozialdemokratischer Juristen veranstaltete im ehemaligen Herrenhaus eine öffentliche Kundgebung mit dem Thema:„ Das Recht als politische Waffe." Der Vorsitzende R.-A. Franz Neumann mies darauf hin, daß die Idee des Rechtsstaats heute hohl und leer scheine und das Wort Gerech tigkeit oft nur ein hohnlächeln hervorrufe. Für uns hat der Kampf ums Recht den konkreten Künstler spricht Inhalt, den Aufstieg der arbeitenden Klasse zu fördern. Wir wissen, daß dafür die politische Freiheit und damit das Recht die einzige wahre Kampfgrundlage ist. Die Bürokratie hat die politische Freiheit und das Recht aus= gehöhlt, und ein funktionsunfähiges Parlament hat ihr dabei geholfen.( Lebhafte Zustimmung.) n Friedrich Stampfer meinte einleitend, daß er in einer Zeit, da politische Spannungen fich explosiv entladen, rechtsphilosophische Allgemeinheiten meiden zu dürfen glaube. Das aktuelle Thema verlange die größte Aufmerksamfeit. Ruhigeren Stunden sei es vorbehalten zu prüfen, was in den letzten acht Monaten vom Staatsrecht des Reiches und Preußens übriggeblieben ist. Heute fragen wir: Was wird vom Staatsrecht der deutschen Republik übrig geblieben sein, wenn die Dinge weiter ihren bedrohlichen Lauf nehmen? Der wichtigste Punkt iſt der: Was wird der Reichspräsident tun? Die Funktionsunfähigkeit des Parlaments hat alle Macht dem Reichspräsidenten gegeben. Bei ihm ruht alle Verantwortung. Der Reichspräsident hat seinen Eid auf die Reichsverfassung in religiöser Form geleistet. Und dies ist wohl der einzige Rechtsaft, der mit religiöser Weihe bei Gott geleistet worden ist. Wie wird das Rechtsbewußtsein des Reichspräsidenten auf die Zumutung einer Eidesverletzung antworten und wie würde hierauf das Rechtsbewußtsein des Volkes antworten? Die Presse der Rechten will durch eine rabulistische nJterpretation die Verlegung des Eides als erlaubt hinstellen. Was die Rechte will, würde einen eklatanten Bruch des Eides darstellen. ( Lebhafte Zustimmung.) Nach 1848 hat die ,, Kreuz- 3tg." den Verfassungseid des Königs von Gottes Gnaden als Privatangelegenheit zwischen Gott und ihm hingestellt. So theologisch verfährt man heute nicht mehr. Deshalb entstand der Begriff des Staatsnotstandes, der in der geltenden Verfassung keine Grundlage hat. Man hält sich da an den Wortlaut des Eides selbst, nach dem der Reichspräsident zwar die Verfassung zu schützen, aber das Wohl des Reiches zu mehren und Schaden abzuwenden habe. Diese zweite Pflicht will man logisch vorangehen lassen und als ein Versprechen darstellen, den Eid ,, nötigenfalls" auch zu verletzen. Auch der Laie erkennt die Nichtwürdigkeit dieser Verdrehungskünfte. Die Frage ist: Wird der Reichspräsident den Einflüsterungen folgen? Bis jetzt läßt eine seiner Handlungen darauf schließen. Der Auftrag an von Papen, als homo regius zu fungieren, hat zwar in der Arbeiterschaft größte Beunruhigung hervorgerufen, verstößt aber nicht gegen die Verfassung. Auch efine Berufung als parlamentarischer Kanzler wäre keine Verfassungsverlegung, aber sie würde die schwere Gefahr einer Verfassungsverlegung durch die vom Reichspräsidenten eingesezte Regierung hervorrufen. Stampfer tam dann auf die Gefahren des Verhaltens der KPD. für die Entwicklung zu sprechen. Wenn Deutschnationale oder Nationalsozialisten sich Dom Rechtsempfinden ab= wenden, dann handeln sie im Interesse ihrer Klasse als Minderheit, weil eine auf den Bolfsrechten begründete Regierung ihnen gefährlich ist. Wenn die Kommunisten das Rechtsbewußtsein durch Gruppen egoismus er setzen, dann wirken sie konterrevolutio= n& r. Reiner Zeit tat eine Stärkung des Rechtsbewußtseins so not wie der unseren. Das Rechtsbewußtsein des Boltes ist eine politische und physische Macht. Ohne die Sonne der sittlichen Idee der Menschenrechte verliert der innere Sozialismus seine Berechtigung. Stampfer schloß mit dem eindringlichen Appell, diesen Kampf für das Recht durchzuführen. Rechtsanwalt Löwenfeld stellte der Bestialität die Humanität, dem Sonderinteresse das Gesamtinteresse, der Knechtung die Freiheit entgegen. Er behandelte dann in sehr gründlichen Ausführungen den Abbau des Rechtes durch die weitgehende Ueberspannung des Notver= ordnungsrechtes. Die ,, DA3." hat seinerzeit den Aufbruch von Brüning und Treviranus zu neuen Ufern einen fapitalistischen Vorstoß genannt! Löwenfeld behandelte dann die Folgen dieses Rechtsabbaues in strafrechtlicher Hinsicht. Noch einmal entrollte er die Fehlurteile der bayerischen Boltsgerichte und diejenigen, die nach der Beseitigung der Schwurgerichte nicht zum geringsten durch die gemein same Beratung von Berufs- und Laienrichtern hervorgerufen worden sind. Gründlich erörterte er dann den unhaltbaren Zustand, daß nach rechts und links mit zweierlei Maß gemessen wird. Die Gleichheit aller Deutschen vor dem Gesetz ist heute ein Scherz wort geworden. Ministerialdirektor Dr. Menzel schilderte, wie die republikanischen Regierungen des Reiches und Preußens bei aller Freiheitsfreudigkeit gegenüber Argumenten roher Gewalt, gegen die Republik und ihre Verfassung nicht untätig bleiben konnten. Man fonnte nicht immer mit dem Florett gegen eine Mistgabel anfämpfen, vielleicht aber ist man in der Handhabung der Waffen oft zu ab= stinent gewesen.( Stürmische Zustimmung.) Der Anschauungsuiterricht von heute soll uns eine Lehre sein. Grundlage unseres Handelns aber bleibt: Wir führen das Recht als poli= tische Waffe, unfere politische Waffe sei das Recht! Berlin bleibt rot Beschwerde Brolats abgelehnt Der Erste Straffenat des Kammergerichts hat die von dem Verteidiger Brolats eingelegte Haftbeschwerde zurückgewiesen. Die Beschwerde richtete sich gegen den Beschluß der Strafkammer des Landgerichts III, durch den der gegen Brolat erlassene Haftbefehl aufrechterhalten wurde. 96. Abt. Frauenabend heute abend 20 Uhr in der Lesehalle Elsestraße Ecke Nogadstraße. Vortrag der Genoffin Becker über die Konsumgenossenschaft. 15. Kreis Niederschöneweide. Der Kursus Schlesinger muß heute ausfallen, da der Genosse er= frankt ist. Nächster Kursusabend am Montag, den 6. Februar. Loibls Nachfolger. An Stelle des verstorbenen Reichstagsabgeordneten Martin Loibl tritt der Arbeiterfekretär und Stadtrat Hans Adlhoch Augsburg( Bayerische Volkspartei) in den Reichstag ein. Wetter für Berlin: Bewölkungszunahme und leichte Milderung. Stellenweise Neigung zu Niederschlägen. Für Südöstliche Winde. Deutschland: Im Nordosten stellenweise heiter, sonst bedeckt, mäßiger Frost. Im Südosten bedeckt, verbreitete Schneefälle. Im Westen Temperatur über Null, vielfach Regen, im Süden bedeckt und noch fälter, im Alpenvorland Schneefälle. Rundfunk am Abend Montag, 30. Januar Berlin 16.15 Ein Freund der., P. o. W." ( O. Goehling). 16.30 Orchesterkonzert. 17.30 Wird es im Jahre 2000 noch Museen geben? 17.50 Sportjugendstunde. 18.10 Streichquartett. 18.45 Zehn Minuten für den Musikhörer. 18.55 Die Funkstunde teilt mit. 19.00 Stimme zum Tag. 19.10 Gas, Benzol, Teer und Parfüm alles aus Kohle. 19.35 Carmen" ( Oper von Bizet)[ Ausschnitt auf Schallpl.]. 20.25 Violinkonzert. 21.00 Tages- und Sportnachrichten. 21.15 Aus der Singakademie. 22.00 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Tanzmusik. 24.00 Aufnahme der Oper " Juana" von M. Ettinger. Königswusterhausen: 16.00 Pädagogischer Funk. 17.10 Das Ausstellungsjahr 1933. 17.30 Tägliches Hauskonzert. 18.00 Stunde des Beamten. 18.30 Musizieren mit unsichtbaren Partnern. 18.55 Wetterbericht. 19.00 Englisch. 19.30 Das Gedicht. 19.35 Unterhaltungskonzert. 20.10 Heitere Stunde. 21.10 Joh.- Brahms- Stunde. 22.00 Wetter-, Tagesund Sportnachrichten. 22.45 Seewetterbericht. Sonst: Berliner Programm. DHUY S190 m Vollständiges Europaprogramm im ,, Volksfunk, monatl. 96 Pf., durch alle ,, Vorwärts" Boten oder die Postanstalten. Verantwortlich für Politik: Rudolf Brendemühl; Wirtschaft: G. Klingelhöfer; Gewerkschaftsbe wegung: J. Steiner; Feuilleton: Herbert Le père; Lotales und Sonstiges: Fris Karstadt;. Anzeigen: Otto Hengst: sämtlich in Berlin Verlag: Vorwärts- Verlag G. m. b H., Berlin. Drud: Vorwärts- Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer u. Co., Berlin SW. 68, Lindenstr. 3. Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise werden in jeder Morgen- Ausgabe des Vorwärts" veröffentlicht. Hierzu 1 Beilage. wwwwww Theater, Lichtspiele usw. Staats Theater Montag, den 30. Januar Staatsoper Unter den Linden 20 Uhr Eine Nacht In Venedig Staatliches Schauspielhaus 19 Uhr Faust I. Teil Winter Garten 8 Uhr 15. Flora 3434. Rauchen erl. Gaston Palmer 20 Wienerinnen konzertieren Fuss Heuser Weiser Winclairs Walkmirs # usw. Deutsches Theater Schumannstr. 13 a Weidend. 5201 Täglich 8 Uhr Inszenierung Max Reinhardt Prinz von Homburg von H. v. Kleist Thimig, Fehdmer, Fröhlich, Kayler, Wegener, Schürenber B. B. B. Bendows Bunte Bühne Kottbusser Straße 6 Oberbaum 3500 814 Uhr Massen vor dem Schloß Ref BLUMENG Die Deutscher Metallarbeiter- Berband Achtung, Generalversammlung! Unsere ordentliche Generalversammlung für das 4. Quartal findet am 20. März 1933 statt. Anträge dazu müssen bis spätestens den 11. Februar, 13 Uhr, im Besize der Ortsverwaltung sein. Die Wahl. förper verfammlungen werden in der Zeit vom 27. Februar bis 11 März abgehalten. Etwaige Neumeldungen von Delegierten müssen bis 13. März 1933 erledigt werden. Die Ortsverwaltung. Rose- Theater Komödienhaus Th.d. Schauspieler Berliner Theater Große Frankfurter Straße 132 Schiffbauerdamm 25 Tel. Weichsel E 7 3422 Tel. 02 Weid. 6304-05 8.15 Uhr FONTANEN Die ZirkusTheater am Schiffbauerdamm Weidendamm 3300 Charlottenstr. 90 Dönhoff$ 25 Täglich 8 Uhr Letzte 2 Vorstellungen Täglich 84 Uhr Automatenbüfett Täglich 8% Uhr Achtung, -Straub, Körber. Hei- Auslandsreise ZAUBER prinzessin frisch gestrichen linger, Trenk- Tre- mit Felix Bressart Me dolle Kiste größte Wasser Féerie der Welt- Kapelle ROHRBECK 8 Städt. Oper Schiller VOLKSBUHNE Großes Schauspielhaus CASINO- THEATER uhr Charlottenburg Fraunhofer 0231 Bismarckstr.( Knie) Steinpl.( C1) 6715 Montag, 30. Januar Täglich 8 Uhr Sonntag 4 Uhr Der Kollo- Schlager 20 Uhr Volksvorstellung Madame Butterfly Boerner a. G., Müller, Maucher, Gura, Fleischer. Fidesser, Gonszar, Theater am Bülowplatz Täglich 84 Uhr D 1 Norden 6536 Schinderhannes von C. Zuckmayer. A. Hörbiger, C. Spira, Brausewetter, Die Männer Almas, Dahlke, Diegelmann, Karchow sind mai so Soneland, Heidemann Theater Steier, Kandi Heyer, Kurfürstend.- T. Baumann, Spering Kurfürstendamm 209 Dirig.: Teichmann Tel. Bism. 1400 Täglich 84 Uhr PLAZA Glückliche 1.814, Stgs. 2, 5, 815 U. Nur noch 2 Tage! KATJA, die Tänzerin Reise Operette von Künneke in der Premierenbesetzung HAUS expartet Siel Immer in vergnigter Abend BETRIEB KEMPINSKI 8 Uhr. Lothringer Straße 37 8 Uhr. Ball im Savon Varieté, bunte Bühne, Kabarett Mufit von Paul Abraham Sitta Alpae Rosy Barsony Ostar Denes und das große Starensemble. Sig. nachm. 3½ halbe Preise Theater im Admiraispalast 8/ Richard Tauber Jarmila Novotna in Frühlingsstürme Operette von Weinberger Ostar Homolka Arno, Elster, Hart, Schwannete na Nur noch bis 2. Februar Onkel Muz, der Ehestifter Freitag, 3. Februar: Premiere ,, Der Fürst von Pappenheim" Gutschein 1-4 Personen: Parkett nur 0,60, Fauteuil 0,75. Sessel 1,25 Sonntag 4 Uhr: Onkel Muz. Kl. Preise Stettiner Sänger Reichshallen- Th., Dönhoffpl. 8.15, Sonntags 3.30 zu ermäßigten Preisen Das große Januarprogramm: Die lieben Erben bitsch, Weirre WOCNE Gardinen gut und billig bei Bernhard Maria Paudler Oscar Sabo, Löns, Verkäufe Patentmatragen Primissima" Auflegematragen. Metallbetten Chaise longues. Walter, Stargarder Straße achtzehn. Spezial gefchäft. Gleifer, Alexanderplat. Möbelkatalog Nr. 33 aratis Kaufgesuche Bahngebiffe, Platinabfälle, Quecksilber. metalle. Binn Gilber fchmelze.Goldschmel gerei. Chriftionat, 30 Berlin Wallstr. 9 Spitalmarkt Balteftelle Scope 5.W niderbrüde). MONTAG, 30. JANUAR 1933 WlTör!» - 0- 3>er Itarr und die Harren Skimme/ Ton ffledmig Srnft Er war wirklich ein Hohn auf die.Krone der Schöpfung", kleiner, verbuckelter noch, als man sonst Mißwachfene sah, dazu lahmte er, und sem knochiges Gesicht verunstalteten große Blatter- narben. Unter merkwürdig buschigen Augen- brauen blickten ein paar tiefe, ungleich gefärbte Lichter in die Welt, mit einem Ausdruck, wie ihn mißhandelte Tiere haben. Die Arme schlenkerten über die Maßen lang und dürr wie gelenklos in den Schultern. Die gleiche Beweglichkeit besaßen die häßlichen Hände, deren ebensalls überlange Finger ständig herum- komikcrten, daß es selbst für einen ernsthaften Menschen oft nicht leicht war. mit Lachen zurück- zuhalten. Und er war ein witziger und schlag- fertiger Zwerg und unterhaltsam, was ihn nicht, wie sonst Häßliche, zu den Gemiedenen, im Gegen- teil, zu den Gesuchten machte. Dieses im Grunde erschütternd traurige, ge- wisse narrhaft Unterhaltsame wußten besonders ein paar Herren zu schätzen deren fast ausschließ- liche Lebenssorge es war, dafür zu sorgen, wie die Tage auf eine vor allem geistig nicht anstren- gende Weise möglichst anregend ausgefüllt werden konnten. Eines Tages hatte der eine von ihnen, ein Hüne, ein Germane der Urzeit in körperlicher Hinsicht und im übrigen„Haupt-Mann" der erlesenen Gesellschaft, diesen amüsanten kleinen buckligen Narren„entdeckt". Sein Auto hatte einen Reifenschaden erlitten, und er war gezwungen gewesen, in das nahe Gasthaus einzukehren und dort die Reparatur abzuwarten. Dieses Gasthaus war zufällig so etwas wie Stammlokal des Buckligen, der einen guten Tropfen Sonntags nicht oerschmähte. Auch heute witzelte und koboldete er herum.(Man ließ ihm keinen Frieden, bis er es tat.) Und dies Wesen gefiel dem Herrn derart, daß er den Buckligen kurzerhand ins Auto packte und seinem Kreise zuführte. Und in dieser Nacht gingen die Herren in einer so angeregten und ungeniert belustigten Stim- mung aus dem Extrazimmer ihres Gasthauses nach Hause, daß sich da und dort Fenster öffneten und Gepalten durch die morgendliche Dämme- rung�Äusschau hielten, die dann jedoch rasch wieder zurücktraten, wie der KleiNstadtschutzmann in den Schatten der Häuser. Traurig aber und müde bis in den letzten Winkel seiner Seele schlich sich der kleine Buck- lige, der mit diesem Tage gewissermaßen Hof- narr geworden war, durch die Gassen. War man Mensch? War man ein Teil Gottes? Ihm graute es. Bor den Dingen, vor sich selber, am meisten jedoch vor den Menschen. So graut« «s ihm, daß er fror. An allen Gliedern zitternd. trat er endlich ins Haus. Da war seine alle, ehrsame Mutter. Die alte Frau sprach nicht und fragte nicht, schloß auf, schloß zu. Doch in dem Blick, mit dem sie chren Sohn ansah, und in dem förmlichen Zerkrampsen ihrer zerarbeiteten Hände lag namenloser, unerhörter, entsetzlicher Schmerz. Ja, er war nun tatsächlich so etwas wie Hof- rarr geworden. Abend für Abend, wenn die Herren besonders erheitert zu sein wünschten, zollen sie ihn. Sie behandelten ihn„gut". Er Surfte ihnen eine Zeche machen, so hoch er wollte. Sie zwangen ihm selber die feinsten Liköre und den Sekt nur so hinein. Angetrunken gab er sich noch weit witziger, der Narr, und wirkte er un- widerstehlicher. Der Bucklige war nun durchaus kein Possen- reißer von Beruf und hatte auch die Kinderschuhe längst ausgezogen. Er lief tags arbeiten in die Fabrik, ordentlich wie ungezählte andere, und stand knapp vor der Vollendung eines halben Jahrhunderts. Was ihn der Lächerlichkeit preisgab, war nichts anderes als seine unglückselige Körperlichkeit. So grauenhaft roh das auch seine Mitmenschen charakterisierte, er war wahrhastig nur zu ihrer Unterhaltung auf der Welt. Das merkt« der Bucklige sehr wohl, das hatte er schon vor vielen Jahren gesühlt, er, der alle schöngewachsenen Menschen mit Neid und sehnsüchtiger Bewunde- rung angesehen hatte. Jetzt haßte er sie zuweilen. Wer den armen Buckligen genauer ansah, wer auch nur eine Weile mit ihm zusammen war, mußte erkennen, daß dieser Mensch eine bedeu- tende Intelligenz besaß, aber für die große Masse und für diejenigen, di« diese lebendige Satire auf die menschliche Schönheit nur von der witzelnden Seite betrachteten, war diese Klugheit unmöglich. So wurden auch seine klugen Bemerkungen und die manchmal tiefernsten Scherze zumeist mit wieherndem Gelächter ausgenommen. So kam es, daß nach und nach auch die Seele des körperlich Verwachsenen verkrüppelte. Er sah ein, daß es nutzlos sei, den Menschen zu beweisen, daß er nicht das war, als was man den arm- seligen Buckligen ansah. Niemand außer seiner Mutter verstand ihn, bestenfalls ließ man ihn laufen und lächelte hinterher. Aber all das merkte der arm« Mensch doch. Seine Verachtung für die Menschheit wuchs und wuchs. Was hatten sie ihm zu bieten, die llchristen- menschen und die Bürger der Stadt? Hörten sie wenigstens einmal auf die kleinen Regungen seiner ins tiefste verwundeten Seele, gab es auch nur einen, der mit ihm kameradschaftlich ver- kehrte, so wie er es wünschte? Er hörte mit seinen feinen Sinnen überall das Gelächter hinter sich her schallen. Und so riß er dann Witze, unter- hielt er alle, wenn er in Stimmung war— um sich zu betäuben... Im stillen verachtete, haßte er sie doch alle, und er hätte alles dafür gegeben, wenn er seinen Pei- nigern, alles, was sie ihm bewußt oder unbewußt angetan hatten, hundert- und tausendfältig hätte zurückzahlen können.„Oh, wie herrlich, einmal srüh aufzuwachen als gerader, junger, gesunder Mensch und dann alle in die Schranken zu for- dern, alle zu zwingen, daß sie ihm Achtung ent- gegenbrächten, von Mädchen umschwärmt zu werden und dann als schöner, kluger, junger Mensch einen Platz an der Sonne zu erobern." Das war sein Traum in vielen Jahren, aber da er nun älter wurde, hatte er sich alle diese schönen Träume abgewöhnt, sein Mut war gesunken, Bitternis, Verbitterung, Haß waren das einzige, von dem er noch zehrte. Manchmal wollte er ein« große Tat begehen, um sich zu rächen für all die Unbill, aber alle Pläne dazu verwarf er wieder, bis endlich nach langen, durchwachten Nächten ein Gedanke heraufkam, der ihn nicht wieder losließ, und in den er sich geradezu hinein- fraß und dessen Verwirklichung ihm so groß und bedeutend erschien, daß er beschloß, ihn in die Tat umzusttzen... Nun wurde er fünfzig Jahre alt. Solche Feste feiert man. Auch dieses sollte geseieri werden. War sogar als ein Glanz- und Ehrentag für den Narren gedacht und natürlich in erster Linie für die edlen Herren. Das Lokolblättchen brachte so- gar eine betreffend« Notiz. Es sollte an keiner Würdigkeit fehlen. Die Herren sorgten selbst im Extrazimmer herum, wie eben robuste Gewissen und massive Gemüter für eigenes Vergnügen zu sorgen be- lieben. Und dann erwartete man, aufs ange- nehmst« angeregt, den Abend. Mit durchdringendem Dreiklang meldete sich ein blumengeschmücktes Auto vor dem Hause des Buckligen, kaum daß der Arbeitstag zu Ende. Der Haupt-Mann jener gewählten Herrengesellschaft stieg aus, trug sodann mit dem Wagensührer einen großen Korb, voll bis zum Rande mit deli- katesten Dingen und Weinen, die gerade noch den verwöhntesten Gaumen reizen, in das Haus� das Fest- und Ehrentagsgeschenk. Denn man war ein Herr und konnte das. Die Tür stand offen. Doch nicht der kleine Bucklige, der amüsante, koboldige Narr, empfing den Herrn, sondern seine ehrsame alte Mutter. Zurückgekehrt war heute ihr Sohn von der Arbeit, trauriger, verzweifelter noch als sonst. Man wollte aber durchaus ihren Sohn sprechen, und der Haupt-Mann trat schließlich auf die Tür zu unid riß sie auf. Im gleichen Moment jedoch prallte er weit mit einem Schreckensruf zurück, ohne den Drücker der Tür. wie im Krampf. loszulassen. Klein, häßlich, ein unförmiger Klum- pen. hing am Fensterkreuz, ohne ein geringstes Zeichen von Leben— der Narr. Auch jetzt sprach die Mutter, kein Wort; sprach nicht, fragte nicht, regte sich nicht, wie grauenhast der Tote auch aussah. Nur in dem Blicke, mit dem sie sich ihrem zerhetzten Sohne zuwandte, lag ein so namenloser, unerhörter und entsetz- licher Schmerz: Maria stand wohl so vor dem ihren, den sie gekreuzigt... Die Qlüchspfole JivimhmlnoveUe/ Ton O. blander Stephan war seines Zeichens ein biederer Ber- liner Droschkenchauffeur. Sein wagen war zwar nicht der neueste und nicht der schönste, der sich vor dem großen Fernbahnhof auszustellen pflegte, aber bei dem Strom von Reisenden, der sich täglich aus den großen Hallen ergoß, kam er allemal auf seine Kosten. Der Wagen gehörte zudem ihm persönlich. war bezahlt und konnte nach manches Jahr laufen und seinen Besitzer nähren. An einem regnerischen Abend war gerade der l)-Zug aus Amsterdam an- gekommen und Stephan kurbelte wie alle anderen seinen Motor an, um bereit zu sein. Ein hoher, schlanker Herr, sichtlich angelsächsischen Gepräges, lotste mit seinem Gepäck auf Stephan zu, der be- flissen heraussprang und die Tür öffnete. Der Fremde nannte ein Hotel und Stephan fuhr los. Die Taxe zeigte, nachdem sie am Ziel angekommen waren, 2.50 Mark und der Fremde angelte mit der linken Hand verzweifelt in seinen Taschen herum, während er die rechte krampfhaft in der Manteltasche geballt hielt. Stephan sah dem ver- zweifelten Bemühen des Fremden verwundert zu. „Können Sie Ihre rechte Hand nicht ge- brauchen?" fragte er teilnahmsvoll. „Ich kann sie nicht herausziehen", erklärte der Fremde gebrochen Deutsch,„denn ich halte in der Tasche eine wundertätige Hasenpfote, die ich nicht verlieren mächte." „Eine Hasenpfote?" wiederholte Stephan ver- wundert und belustigt. „Eine echte Hasenpfote, die mir ein sterbender Nigger vermacht hat Sie glauben wohl an so etwas nicht?" Stephan schüttelte lachend den Kopf. Sowas Verrücktes! Eine Hafenpfote! „Ich werde Sie rasch betehren, mein Lieber. Morgen habe ich noch eine größere Fahrt vor. Gibt was für Sie zu verdienen. Kommen Sie um 9 Uhr wieder hierher Nehmen Sie diese Hasen- pfote und behalten Sie sie bis morgen. Ich wette tausend zu eins, daß Sie dann bekehrt sind. Ein- verstanden? Hier nehmen Sie die Pfote und geben Sie sie mir morgen zurück. Aul wiedersehen!" Stephan sah etwas verdutzt auf das vertrocknete, Fraktur oder Antiqua EinheitUchkeil tut not! Von all den Gärungen und Kämpfen, die das Merkmal unstrer bewegten Zeit find, ist auch das Gebiet des Schriftwesens nicht oerschont geblieben. Maßgebende Kreise kämpfen für eine allgemeine und offizielle Einführung der alten lateinischen Schrift in Deutschland, der A n t i q u a als Haupt- schrift für das öfsentliche Leben, während andere wieder, und zwar in erster Linie die„nationalen" Schichten, die sogenannte deutsche Schrift, die Fraktur, unter allen Umständen beibehalten wollen. Die bei jeder Gelegenheit ihr Deutschtum betonenden Volksgenossen vergessen in diesem Falle nur leider, daß es eine„deutsche" Schrift eigentlich gar nicht gibt. Die F ra k t u r s ch r i f t, die als deutsche Schrift bezeichnet wird, ist aus der alten lateinischen Schrift her- vorgegangen. Zu jener Zeit, als die Klöster der hauptsächlichste Sitz deutschen Schriftwerkes waren, wurde die Fraktur, die Bruchschrift, ge- boren. Die Mönche, die alte Werke durch Ab- schriften vervielfältigten, versuchten nach und nach. die schlichte lateinische Schrift durch Schnörkel und Ecken zu verzieren. Dadurch entstand die Fraktur, die sich dann zu einem ganzen Alphabet der Bruchschrist entwickelte. Das war natürlich auch in anderen Ländern, wo in Klöstern die Mönche als fleißige Abschreiber tätig waren jvie in England, Frankreich, Italien usw. der Fall. Da nun früher der Unterricht m Deutschland hauptsächlich in den Händen von Geistlichen lag, so wurde diese Schriftart in den Schulen gelehrt und drang als sogenannte„deutsche" Schrift ins Volk, obwohl sie schwerer zu erlernen ist als die einfache lateinische Antiqua. Da jedoch die Antiqua heute wegen des Weltverkehrs nicht mehr zu ent- behren ist, so werden heute in den Schulen beide Schriftarten gelehrt. Diese unnütz« Belastung des Schulunterrichts mit der Frakturschrist ist aber noch nicht das schlimmste. Viel bedauerlicher ist es, daß durch diese Eigenbrötelei im deutschen Buchwesen die Verbreitung deutschen Schrifttums im Auslände erschwert wird. Selbst in den urgermanischen Ländern Skandinaviens(merkwürdigerweise aber nicht in Finnland) wird diese Schrift abgelehnt und nur die Antiqua angewandt. Wie wichtig für den internationalen Berkehr eine einheitliche Schrift ist. erkennt nian daran, daß die Typen der meisten Schreibmaschinen in Deutschland aus la- teinischen Buchstaben bestehen. Was nützt es auch einem Schweden, einem Dänen, einem Franzosen, einem Amerikaner, wenn er die deutsche Sprache beherrscht, aber nicht zugle'ch die Frakturschrist lesen kann! Der größte Teil der deutschen Bücher und Zeitschriften ist jenen Ausländern dadurch nicht zugänglich. Es wirkt fast wie ein Witz, wenn man sich etwa unsere Straßen- und Bahn- Hofsschilder in„deutscher" Schrift ausgeführt denkt. Dieser Versuch sollte, nebenbei bemerkt, wirklich schon einmal gemacht werden. Glücklicherweise hat man diese in einem Ueberdeutschtum wurzelnde Eselei schon wegen der Fremden, deren Besuch deutscher Messeausstellungen usw. für uns sehr wichtig ist, wieder fallen lassen. Die Wichtigkeit einer einheitlichen internationalen Schrift, wie es ja die Antiqua eigentlich schon ist. wird heute in allen Ländern erkanm. In der Türkei, die ja ganz andere Schriftzeichen hat, ist die Antiqua ebenfalls schon als Unterrichtsfach eingeführt wor- den, und auch in Rußland, das ja auch noch an die griechischen Luchstaben sich anlehnende Zeichen hat, wird sie in so vielen Schulen gelehrt. daß die meisten Russen die Antiqua vollkommen beherrschen. Kürzlich hat auch das japanische Unter- richtsministerium beschlossen, die lateinische Schrift in allen Schulen als Pflichtfach lehren zu lassen. Die Regierung ist in Zusammenarbeit mit allen Bildungseinrichtungen bemüht, die lateinische Schrift immer mehr im öffentlichen Leben Japans zur Geltung zu bringen Selbstverständlich ist diese Verordnung von den nationalistischen Kreisen Japans als unnational und die Würde des japani- schen Volkes verletzend stark angegriffen worden. Die Regierung hat jedoch erklärt, daß Japan es seiner Stellung als Großmacht und seinem wachsenden Einfluß auf allen Gebieten des inter- nationalen Verkehrs schuldig sei, m jeder Be- Ziehung im Konzert der Weltmächte gleichberechtigt mitzuwirken Die latemische Schrift sei nun ein- inal Weltschrist, und vor dieser Tatsache müßten die sapanischen Belange, di« nationalen Eigen- Helten zurücktreten. Also auch Japan hat schon aus einer wertvollen Erkenntnis di« notwendigen Konseguenzen gezogen. Und Deutschland? braune Ding in seiner Hand, das ihm Glück brin- gen sollte. Er wollte eigentlich dem Mann nach- eilen und ihm diesen Mumpitz gleich wieder zurück- geben, aber der Fremde war schon verschwunden. „Na scheen", dachte Stephan und steckte es in seinen Lederrock.„So'n Quatsch." Es begaben sich nun eine Reihe höchst sonder- barer und erstaunlicher Dinge. Einige Stunden später fuhr Stephan einen Fahrgast nach dem Westen. Die Taxameteruhr zeigte vier Mark Der Fremde zog einen Hundertmarkschein aus der Tasche und reichte ihn Stephan. „Nee, soviel kann ich nicht wechseln." „Wechseln?" wiederholte der seine Herr sichtlich indigniert.„Ich pflege mir auf hundert Mark nie Rest geben zu lassen." Spruchs, verschwand und ließ einen seelisch schwer erschütterten Droschken- chausfeur zurück. Er wollte gerade wieder an- kurbeln, als ihn eine Dame anrief, die nach dem Zentrum zurückwollte. Das Resultat war ein wei- terer Hundertmarkschein, denn auch die Dame ge- hörte selbstverständlich zu den Menschen, die sich auf hundert Mark nicht Rest aeben lassen. Stephan schlief in dieser Nacht einen unruhigen Schlaf. Früh schon machte er sich wieder auf den Weg. Er wollte jede Sekunde von der Zeit aus- nutzen, die die Hasenpfote bei ihm blieb. Im stillen und uneingestanden schmiedete er schon Pläne, wie er sich um die Zurückgabe überhaupt drücken könne. Fester und fester schloß sich seine Hand um die Hasenpfote, als zu den gestern verdienten noch zwei weitere Hundertmarkscheine kamen. Er schwor sich, koste es, was es wolle, im Besitz dieser wundertätigen Pfote zu bleiben. Es durchfuhr ihn daher ein gehöriger Schrecken, als ihn um die Mittagsstunde jemand leise auf die Schulter klopfte. „Nun?", sagte der fremde Herr, der eigentliche Besitzer der Hasenpfote und lächelte auf eine ebenso ausmunternde wie maliziöse Art. „Wieviel wollen Sie für die Hasenpfote?" fragte Stephan nach längerem Nachdenken. „Die Hasenpfote ist mir unverkäuflich", lächelte der Fremde „Ich gebe Ihnen zwanzig Mark niehr ist so'n Ding doch nicht wert." „20 Mark ist etwas wenig, finden Sie nicht?" „Schön. Also 49 Mark." Sie einigten sich auf S9 Mark, Stephan bezahlte bar, ihm schwindelte beinahe, daß die wunder- tätige Hasenpfote wirklich so billig zu erstehen sein sollte. Der Mann mußte ja keine Ahnung von ihrem wirklichen Wert haben. Als sich der Fremde entfernt hatte, griff er unwillkürlich in die Tasche. Die Hasenpfote war noch da! „Geben Sie mir die Hasenpiote". sagte plötzlich jemand hinter ihm. Und der Mann, der dies sagte, den kannte Stephan von mancher Fahrt. Es war .Kriminalkommissar Tesch. Es war ein Mann, der -sehr viel Spaß verstand, außer wenn er keinen verstand. Und er sah jetzt ganz so aus, als ob er keinen verstehe. Stephan gab ihm deshalb zögernd die Hasenpfote. „Und jetzt, mein lieber Stephan", fuhr Tesch fort,„möchte ich noch die Hundeitmarkscheine haben, die sich in Ihrer Brusttasche befinden." „Was geht Sie mein Geld an?" fuhr Stephan ihn an. „Mich nichts. Wer die Faifchgeldabteilung interessiert sich dafür." Wie im Traum nahm Stephan die Scheine her- aus und sah sie an. Jedes Kmd konnte sehen, daß sie falsch waren. „Ja, ja, lieber Stephan, das kommt alles von der Hasenpfote. Kommen Sie übrigens morgen vormittag zu mir. Sie können sich dann bei dem Herrn, dem Sie 50 Mark für dieses wundertätig« Amulett gaben, noch persönlich verabschieden. Die Hasenpfote wird er in Moabit bitter nötig haben." Das 9. Hallensportfest Arbeiter- Leichtathleten im Sportpalast Die Berliner Arbeitersportler begingen gestern ein Hallenfest mit der größten Teilnehmerzahl aller bisherigen Veranstaltungen. Von Jahr zu Jahr ging es zahlenmäßig aufwärts; gestern im Sportpalast war ein solcher Andrang, so daß sich die Leitung nur mit allergrößter Mühe burchsetzen tonnte. Leider wurde dadurch der Besamteindrud verwischt. Der Besuch war infolge der gewaltigen Kundgebung im Lustgarten hinter den Erwartungen zurückgeblieben zwei Großveranstaltungen an einem Tage sind eben des Guten zu viel. Die Vorkämpfe brachten mit dem 1500- Meter- Lauf gleich ein Massenfeld auf die Beine, wofür die Hallenbahn nicht ausreicht. Drei Stunden lang wurde in spannenden Kämpfen gefiebt, um die Besten für die Endkämpfe zu ermitteln. Die Kinder schlossen das Borprogramm ab. Der erhebendste moment im Hauptprogramm war der Einmarsch der 3000. Die Freie Sport- und Musikvereinigung führte zunächst die Auswärtigen und die Fahnengruppen über die Bahn. Auf ein Zeichen erhoben sich dann die auf der Radrennbahn zusammengezo genen Teilnehmer. Wenige Augenblicke, und der Innenraum war mit Sportlern und Sportlerinnen in ihrem leuchtenden Dreß gefüllt. Nach furzer Begrüßungsansprache des Kreisvorsitzenden Reichert ging der Abmarsch ebenso schnell von ftatten. Die folgenden Endkämpfe = jegten mit einem Massenstart im 1500- meterHauptlaufen ein. Hume ASC. siegte vor Steube- Helmstedt und Birkholz- Stettin. Die 50- Meter- Läufe brachten durchweg gute Zeiten. Grothusen- Nordring schlug als Außenseiter vor Pflanze- Luckenwalde in 6,3 Sekunden alle Hallenfpezialisten. Erwähnenswert sind ferner die eindrucksvollen Läufe bei der Jugend und bei den Sportlerinnen. Hanisch Süd- Ost und Handtte Rot- Weiß waren die Glücklichen. Die Rundenstafetten der unteren Klassen brachten durchweg die erwarteten Kämpfe. Brust an Brust ging es oftmals über die Bahn. Leider sind eben Hallenbahnen nicht die geeigneten Bläge, um einwandfreie Entscheidungen zu erzielen; es fonnte jedoch bei den Läufen gute Hallentechnik fonstatiert werden. Die eingeladenen Hochspringer zeigten sehr gute Leistungen. So erreichten die männliche Jugend 1,53 Meter und die Sportle= rinnen 1.40 Meter. Die Sportler erreichten nur 1,60 Meter. Der Kampf um den Stafettenstab in der Pendelstafette mag für manchen Verein eine Enttäuschung gewesen sein; dennoch sah man bei vielen gute Fertigkeit. Ostring holte sich überraschend den Sieg in der A- Klasse nur brustbreit por Sparta. Eiche- Köpenick lief bei den Sportlerinnen fehlerlos als erster ein. Hervorzuheben wären noch die Kämpfe in den 3- mal- 1000- meterStafetten und der 20- mal- 2- Runden- Stafette. Lange lagen in beiden die A- Vereine beieinander. Bei den ersteren waren es hauptsächlich ASC., Ostring und Sparta, während in der letzteren anfangs Wedding, Ostring, Sparta und ASC. die porn Kämpfenden waren. ASC. blieb in beiden Fällen erwartungsgemäß Sieger. Die untenstehenden Resultate geben einen näheren Einblick in den Ausgang der Kämpfe. Abwechslung und Beruhigung brachten die Sondervorführungen. Schönebergs Frauen und Jungmädchen zeigten eine gut wirkende Gymnastik am großen Ring. Wie immer zeigten die Turnerinnen und Turner am Barren große Kunst. Dadurch, daß abwechselnd geturnt wurde, tamen die einzelnen Uebungen voll zur Geltung. Die Neuköllner, USB. und Boltssport brachten wiederum ihre Namen in den Gymnastitübungen zur Geltung. Boltssport wartete dann noch mit der großen Schlußaufführung 1500 Teilnehmer kämpfen fast vier Stunden lang ..Die Sportinternationale" auf, die im Endeffekt in der Internationale" alles begeisterte. Die alten Handballrivalen FIGB Süden und Volkssport- Wedding trafen sich in einem Spiel. Auf dem kleinen Feld wäre die Mannschaftsstärte mit nur 5 Spielern glücklicher gewählt gewesen. Das Spiel wirkte etwas hart auf seiten der Süden- Leute. Süden gewann mit etwas Glüd 5: 1( 2: 1). Die Ergebnisse Sportler 50 Meter. Sportler B: Krause( Moabit) 6,4 Get.; 2. Müller( Rotweiß). Sportler A: Grothusen ( Nordring) 6,3 Set.; 2. Pflanze( Luckenwalde). Alters Sportler 1897 und älter: 1. Schulze( Rathenow) 6,8 Get.; 2. Heller( Wildau) 6,8 Set. Alterssportler 1898 bis 1902: 1. Wasseroth( Brandenburg) 6,7 Get.; 2. güdemann( Brandenburg) 6,8 Set. Jugend 17/18: 1. Friesecke( Boltssport Wedding) 6,9 Set.; 2. Prochnow 7 Set. Jugend 15/16: 1. Hanisch( Südost) 6,7 Get.; 2. Schillbach 6,7 Set. Sportlerinnen 1907 und älter: 1. Friedrich( Boltssport Wedding) 7,7 Sef.; 2. Mener( ASC.) 7,8 Get. Sportlerinnen 1908/1914: 1. Handtte( Rotweiß) 7,1 Set.; 2. Siebert( Boltssport Neutölln) 7.3 Set. Sportlerinnen 1915 und jünger: 1. Fraede ( Moabit) 7,5 Get.; 2. Roggom( Moabit) 7,8 Set. 1500 Meter Sportler, Lauf B: 1. Rratesch( Teltow) 4:43 Min.; 2. Reifer ( Brandenburg) 4: 43,2 min. Lauf A: 1. Huwe( ASC.) 4: 29,9 min.; 2. Steube( Helmstedt) 4:32 Min. Hochsprung, Einladung, Sportler: 1. Clups( ASC. Wedding); 2. Cordts( Brandenburg) und Bnerwald( Ebers. walde), Wehn( Gnarta), Schriwagen( Reinickendorf) je 1.59 Meter. Sportlerinnen: 1. Storgenbura( ASV. Neu föln) 1,40 Meter; 2. Bleul( Often) und Weitlich( ASC.) je 1,35 Meter. Jugend: 1. Meisel- Schönom 1,58 Meter; 2. Rudolf( Reinickendorf- W.) 1,53 Meter. Stafetten, Sportler: 3 × 1000 Meter, Lauf C: 1. ASC. II 8: 53,4 Min.; 2. Boltssport Neukölln 9: 07,7 Min. Lauf B: 1. Schöneberg 8: 52,8; 2. Boltssport Neukölln 9: 04,1. Lauf A: 1. ASC. 8:34 Min.; 2. Oftring 8: 36,1 Min. 20 × 2 Runden: 1. AGC. 12: 58,2 min.; 2. Oftring 13: 03,1. 10x2 Runden, Rlaffe B: 1. Boltssport Neukölln 6:37 Min.; 2. Schöneberg 4: 40,9 min. 10 × 2 Runden, 2. bis 4. Mann schaften: 1. ASV. Neukölln II 6: 50,6 Min.; 2. Rotweiß 6: 55,7. 10x50- Meter- Pendelstafetten, Turner: 1. Oberspree 1: 13,1 Min.; 2. Often 1: 13,5 Min. 10 × 50 Meter, Sportler B: 1. Rotweiß 1: 08,8 Min.; 2. Eiche- Röpenick 1: 10.5 min. 10 × 50 Meter, Sportler A, 3. bis 5. Mannschaften: 1. ASC. III 1: 05,2 Min.; 2. Oftring III. Endlauf, 2. Mann schaften: 1. ASC. II 1: 07,2 min.; 2. Ostring 2. Endlauf, 1. Mannschaften: 1. Oftring 1: 06,3 in.; 2. Sparta 32: 10,4 Min. 10x1 Runde: 1. Nordring 3: 12,1 min.; 2. TennisRot 3: 15,1 Min. 4 × 1 Runde, Altersfoortler: 1. Brondenburg 1: 18,3 Min.; 2. ASC. 1: 19,6 Min. 10 × 12 Runde, Knaben, Lauf C: 1. Luckenwalde 2: 18,7 Min.; 2. Pankow. Lauf B: 1. Friesen( Fürstenwalde); 2. Pankow i. End= lauf A: 1. Boltssport Neukölln 1: 48,5 Min.; 2. AGC. 10x Runde, Mädchen, Lauf B: 1. Luckenwalde 1: 54,6 Min.; 2. ASB. Neukölln. Endlauf A: 1. Boltssport Wedding 1: 53,7 Min.; 2. ASC. Sportlerinnen 10 × 50 Meter Bendelstafetten: Endlauf, 3. und 4. Mannschaften: 1. AGC. 1:25 Min.; 2. Schöneberg. 10 × 50 Meter: 1. Eiche- Köpenid 1: 19,8 Min.: 2. Schö nom 1:23 Min. Kleine Schmedenstafette, Endlauf, 3. und 4. Mannschaften: 1. Rotweiß III 1:25 Min.; 2. Schöneberg III. Endlauf. 2. Mannschaften, Lauf P: 1. Schönow 1: 19.4 Min. 2. Schöneberg II. 2. Mannschaften, EndTauf A: 1. ASC. 1: 19.9 Min.; 2. Rotweiß. Kleine Schwedenstafette, 1. Mannschaften: 1. Rotweiß 1: 19,1 min.: 2. Lichtenberg 1:21 Min. 5 × 1 Runde. Jugend. Endlauf, 2. und 3. Mannschaften: 1. GR. Wedding II 1:43 Min.; 2. R- Its. sport Wedding 1: 45,4 min. 1. Mannschaften; 1. Schöneberg 1: 37,9 Min.; 2. Rathenow 1: 39.9 Min. Dinmnische Stafette: 1. Rathenow 4: 24,4 min.; 2. Schöneberg 4:29 Min. Um die Fußballmeisterschaft Hertha schlägt Normannia 2: 0 in der Vorrunde Das letzte Borrundenspiel um die Fußballmeisterschaft des 1. Kreises im ArbeiterTurn- und Sportbund, das gestern zwischen Normannia und Hertha Luckenwalde in Teltow ausgetragen wurde, endete mit einem Sieg 2: 0 ( 0: 0) der Luckenwalder. a Das Spiel war bis auf die legten Minuten, als Normannia sich endgültig geschlagen gab, äußerst schnell und ziemlich offen. In der ersten Spielhälfte haben die Lichtenberger etwas mehr vom Spiel, aber Herthas weitmaschiges Spiel bringt schon jetzt die Verteidigung in Verlegenheit. In der 11. Minute fann ein fast sicheres Tor für Hertha nur dadurch verhindert werden, daß der Verteidiger den Ball mit der Hand auf der Torlinie hält. Der folgende Elfmeter wird verschossen. Normannia hat mehrfach Gelegenheit, die Füh rung zu übernehmen, aber die Außenstürmer halten nicht Plaz, und die Innenstürmer fönnen die Flanten nicht verwerten. Der Mittelstürmer ver. fucht immer wieder vergeblich, die Luckenwalder zu umspielen und wagt selbst furz vor dem Torraum feinen Schuß. Die gefürchteten Schüsse der Halb stürmer Ileiben ganz aus. Auf der anderen Seite zermürbt das meite Spiel Herthas die gegnerische Läuferreihe. Nach dem Wechsel übertreibt Normannias Verteidigung die Vorsicht und zieht sich so dicht ans eigene Tor heran, daß die Luckenwalder in dem frei mercenden Raum immer wieder gut durch achte Angriffe ansehen können. Ein solcher führt faft ungemollt bei einem Deckungsfehler zum Führungstreffer. Eine letzte Anspanmung aller Kräfte bringt zwar das Hertha- Tor wiederholt in Gefahr, aber wenn ein Torwächter gut ist, hat er meist auch noch reichlich Glück. Bei einem an sich harmlosen Gepläntel erzwingt Hertha dann eine Ede, die glänzend getreten, noch glänzender eingeföpft wird. Damit stehen die Gegner für das Endspiel um die Meisterschaft am 19. Februar fest: Hertha muß gegen Adler 08 fämpfen. Vor dem Hauptspiel zeigte der Nachwuchs sein können. Teltows Jugend war gegen Fite zunächst überTegen, aber Fichte tam langsam auf und tonnte breimal zu einem Torerfolg tommen. Ebenso technisch hochstehend mie dieses Spiel war das Spiel der Schüler von Wil. mersdorf und Vorwärts 31. Bei verteiltem Feld. spiel entschieden die Verteidigungen das Spiel. Die pon W. war gut, die von B. erzielte eigentlich beide Tore des Gegners. Weitere Spiele. Spielvereinigung Ost gegen BSV. 31 2: 2( 1: 0). Butab gegen Rathenow 4: 2( 2: 0). Nowawes 94 gegen Brig 88 6: 2( 4: 1). Boltssport Weißensee gegen Nord 4: 1( 1: 1). Schöneberg gegen Brieselang 6: 3( 2: 1). Achtung, Spielverbot! Das Endspiel um die Kreismeisterschaft findet am 19. Februar 14.30 Uhr in der Christianiastraße statt. Ab 12 Uhr besteht Spielverbot für alle Vereine. Kreisfußballeitung. Rausch- Hürtgen! Ihr glänzender Sieg im Sportpalast Ein Publikumserfolg war der Beginn der zmeiten dieswinterlichen Radsportjaison am Sonnabend im Berliner Sportpalast bestimmt nicht: der weite Raum war nur mittelmäßig besetzt. Um so mehr war ein sportlicher Erfolg zu verzeichnen. Rausch Hürtgen, die am Sonnabend zum legten Male gemeinsam starteten die bewährte Mannschaft trennt sich, und man möchte hoffen, daß sie sich recht bald wieder zusammenfindet fuhren in dem 100- Kilometer- Wettbewerb ein bravouröses, ein überragendes Rennen! In der zweiten Hälfte der 100 Kilometer gingen sie über sich selbst heraus und sicherten sich durch Runden, Gewinn den Sieg! Das„ Omnium Deutschland- Ausland" sah im Gesamtergebnis die Deutschen in Front. Resultate: Omnium Deutschland- Ausland: 1. 1000Meter- Fahren: 1. Buschenhagen; 2. Rausch; 3. Bunſſe; 4. Depaum 2. 1000- Meter- Fahren: 1. Jan van Rempen; 2. Hürtgen; 3. Schön; 4. van Nevele. Rundenzeitfahren: 1. Rausch und 3. van Kempen je 10,5 Get.; 3. Buschenhagen 10,8; 4. Depaum 11,2 Get. Berfolgungsrennen: Bunffe; 2. Schön; 3. Hürtgen; 4 van Nevele. Gefamtergebnis: Deutschland fiegt mit 24: 20 Bunt ten.- Borgabefahren: 1 Maczynsti( 60 Meter); 2. Wissel ( 35 Meter); 3. Ehmer( Mal); 4. Ostar Tieg( 20 Meter Borgabe). Ausscheidungsfahren: 1. Rieger; 2. Knudsen; 3. Funde; 4. Maczynfti.- 100- Kilometer Mannschaftsrennen: 1. Rausch- Hürtgen 2: 13,03, 23 P.; eine Runde zu rid: 2 Ehmer- Rieger 41 B.; 3. Jan van Rempen- Bunsse 33 P.; 4. O. Tiez- Maczynsti 23 P.; 3. Lehmann- Wissel 11 B.; brei Runden aurid: 6. Schön- Buschen hagen 26 B.; 7. Wolte- Resiger 17 P.; fechs Runden urid: 8. Ahlers- Beder 13 P. Müller- Schönrath verlegt Für die Borkämpfe am 31. Januar im Berliner Sportpalast war, wie gemeldet, die Begegnung zwischen den Schwergewichtlern Hein Müller- Köln und Hans Schönrath- Krefeld als Hauptkampf vorgesehen. Der Kampf tann aber nicht stattfinden, da der Krefelder plötzlich an Grippe erfrankt ist. Die Veranstalter haben nun den Kampftag für den 31. Januar abgesagt und als neuen Termin den 17. Februar in Aussicht genommen. Reit- und Fahrturnier Vom billigsten Steh bis zum teuersten Logenplatz ist das Turnier- Tag für Tag ausverkauft. Rechnet man nun noch die pielen aktiven Teilneh mer hinzu, kann man tatsächlich von einem überfüllten Hause sprechen. Am Sonnabend nachmittag fiel die erste Abteilung des Preises vom Erlenhof an Irland; denn es siegte Comet o'Dwyer auf Limerick Lace. In der zweiten Abteilung siegte nach einem Stechen ein Deutscher, und zwar der Direktor des Münchener Tattersalls Lange auf Molla von Steveling. Damit fam mal einer der Kleineren" zum wohlverdienten Siege. Der Tag mar an Unglüdsfällen reich. Stürzten doch bei den Vorprüfungen der bekannte Dressurreiter Wätjen, der sich eine Knöchelverlegung und einen Schlüsselbeinbruch zuzog, und Frau Hedmann, die sich das Nasenbein brach. Am Nachmittag landete ein Obergefreiter vom Train beim Sprung mit feinem Pferd auf der Estrade, wo der Baul noch gut dreißig Meter meiter lief, um dann wieder in die Manege abzuspringen. So wurde, dank des Geschicks des Reiters, dieser Borfall nur zur fomis schen Nummer. Im gleichen Springen tat der norwegische Rittmeister Quist mit seinem Pferd Mecklenburg einen sehr gefährlich aussehenden Sturz. Der Reiter schlug sich das Gesicht auf. Am Sonntagnachmittag aber war er, den Kopf start verpflastert und verbunden, wieder dabei. Der Preis der deutschen Republik blieb im Lande. Er wurde von Zivil" gerettet. denn Frau v. Opel auf Nanuk und v. Sycow auf Bajazzo teilten sich bei gleichen Leistungen den Preis. Reichsfanzler Schleicher hatte für diesen wichtigen Entscheidungstag sein Erscheinen zugesagt. Da er inzwischen auch stürzte, dachte man, es fämen viel leicht Herr v. Papen und Herr General v. Schleicher gemeinsam. Daraus wurde aber nichts, dafür aber wurde mit großer Geschäftigkeit eine gran diose Schaunummer vorbereitet: durch den Reichs tagspräsidenten Göring wurde Herrn Hitlers Erscheinen zugesagt, sofort nachdem er Ranzler geworden sei! Die Nazis, die man sonst nur als Bettler, die Sammelbüchsen schwingend, vor den Messehallen sieht, bildeten jetzt Stundenlang Spalier, um des großen Führers erste Amtshandlung mitzuerleben. Sie warteten ver gebens, obwohl Herr Hauptmann Göring et mar für alle Fälle gerüstet und trug den Militärmantel über dem Zivilanzug sehr geschäftig war und sogar einmal Herrn Staatssekretär Meiß ner aus seiner Loge holte. Am Montag läuft nun Herrn Reichskanzler a. D. Schleichers Pferd und das trägt treffenderweise den Namen„ Abschied". Schweres Bobunglück im Oberhof Auf der Bobbahn Oberhof ereignete sich am Sonntag ein Unfall, der von schweren Folgen für die Beteiligten ausging. Ein Leipziger Bob nahm die schwere Kronprinzenfurve zu schnell und wurde in hohem Bogen über die Böschung hinausgetragen. Am ärgsten war der Mitfahrer Rudolf Gerloff zu= gerichtet, der einen komplizierten Schädelbruch, einen Oberschenkel- und einen Armbruch davon trug. Sein Bruder Karl. der an der Bremse saß erlitt einen Oberschenkelbruch, der Führer Ott Schuchardt einen Armbruch. AGRO- Briz. Kartenausgabe zum Wochenendfeft"( 4. Fe bruar im Lindenpark), Turnhalle Chausseestraße: Montag, Mittwoch 18 bis 22 Uhr, Donnerstag, Freitag 18 bis 20 Uhr. Mädchenabteilung: Dienstag, 31. Januar, Eisbahnabend. Treff 18% Uhr Eingang Kirchte ich. Bezirkskartell Kreuzberg. Donnerstag, 2. Februar, 20 Uhr, Delegiertenfigung, Jugendheim Nordstr. 11. Notschrei des Berliner Kohlenhandels In letzter Stunde fordert der gesamte Berliner Kohlenhandel Recht und Gerechtigkeit im Kampf gegen Betrüger, unzuverlässige Elemente und wilde Hausierer. Der Kohlenhandel verlangt von den Behörden die endliche Berücksichtigung seiner elementarsten Wünsche im Kampf um seine äußerst bedrohte Existenz und damit um die Erhaltung einer ordunungsgemässen Versorgung der Berliner Bevölkerung mit Brenumaterial Bevor der Berliner Kohlenhandel durch Eingriffe der Gesetzgebung, Verwaltung und Rechtsprechung dem völligen Wirtschaftsruin verfällt, laden die unterzeichneten Verbände und Vereine des Berliner Kohlen- Groß-, Platz- und Kleinhandels zu einer Kundgebung ein, welche am Mittwoch, den 1. Februar 1933, abends 8 Uhr im Kriegervereinshaus, Berlin U, Chausseesh. 94 stattfindet. Vertreter des Kohlenhandels werden den Ernst der augenblicklichen Lage schildern und jedem Interessenten die Möglichkeit geben, sich ein eigenes Bild über die unerträglich gewordenen Zustände zu machen. Sämtliche Verbände und Vereine des Berliner Kohlen- Groß-, Platz- und Kleinhandels LA. gez. Dawid ZEHBE