Abend- Ausgabe Nr. 54 B 27 50. Jahrg. �Rebaftton und Verlag, Berlin SW 68. Lindenstr. 3 gttnfpwdjeti 37«ml Dönhoff 292 dt« 291 Sdegummafcctn«, esjtaOcmotrai Berlin BERLINER VOLKS BLATT MITTWOCH 1. Februar 1933 In Groß° Berlin 10 Pf. Auswärts 10 Pf. Bezugsbedingungen and Anzeigenpreis» flehe Morgenausgabe Jentvatoegan de« sozialdemokratischen Partei Deutschlands Auflösung! Neuwahlen! Hitler will den Landtag auflösen— Auch den Reichstag? Auch NeichStagsauflosung? preußenwablen Na�is wollen Landtagsauflösung Die Nationalsozialisten haben durch ihren Präsidenten K e r r l den ursprünglich auf den IS. Februar einberufenen Preußischen Landtag bereits zum Sonnabend, dem 4. Fe- bruar, einberufen, um über einen Antrag K u b e auf sofortige Landtagsauflösung zu beschließen. Nach Artikel 14 der preußischen Verfassung kann die Auflösung des Land- tages durch eigenen Beschluß erfolgen. Das weitere bestimmt der Artikel IS, der besagt: Nach Auflösung des Landtags muß die Neuwahl binnen S0 Tagen stattfinden. Eine Auflösung des Landtags ohne fol- gende Neuwahlen ist also verfassungsrechtlich nicht möglich, jede Abweichung von der zwin- genden Vorschrifl des Artikels 15 würde sich als Verfassungsbruch, als Staatsstreich charakterisieren. Unter den gegenwärtigen verworrenen Verhältnissen in Preußen könnte höchstens die Frage auftauchen, wer den T e r m i n für die Neuwahlen des Land- tages bestimmt, die rechtmäßige Landes- regierung oder die Reichskom- m i s s a r e. Aber diese Frage i st bereits geklärt. Ihre Beantwortung ist gegeben durch die Entscheidung des Staatsgerichts- Hofes vom 17. Oktober 1932 im Rechts- streit Preußen contra Reich, die hiermit wieder ihre grundlegende Bedeutung erweist Die Entscheidung sagt u. a. bekanntlich: Diese Ermächtigung(der Kommissare) durste sich aber nicht daraus erstrecken, dem preußischen Staatsministerium und seinen Mitgliedern die Vertretung des Landes Preußen im Reichstag. im Reichsrat oder sonst gegenüber dem Reich oder gegenüber dem Landtag, dem Staatsrat oder gegenüber anderen Ländern Zu entziehen. Nun steht die Ausschreibung der Neu- wählen zweifellos in engster Verbindung mit der Vertretung gegenüber dem Landtag.§ 6 des Landeswahlgesetzes lautet nämlich: Das Staatsmini st crium bestimmt i m Einvernehmen mit dem Ständigen Ausschuh des Landtages den Tag der Hauptwahl jWohltag). Nach dem klaren Wortlaut der Staats- gerichtsentscheidung kann das Einvernehmen mit dem Ständigen Ausschuß des Landtags nur von der Landesregierung, nicht von den Kommissaren, herbeigeführt werden. Daraus ergibt sich zwingend das Recht des Staatsministeriums zur Bestimmung des Wahltermins. Diese Feststellung ist nicht ohne politische Bedeutung. Wenn— wir betonen w e n n— es den Nationalsozialisten um Neuwahlen zu tun ist, so könnte die politische Absicht nur sein, den frischen Siegestaumel ihrer An- Hänger auszunutzen, ehe der unausbleibliche Katzenjammer sich einstellt. Ihr Wunsch dürfte also auf einen möglich st früh- ze i t i g e n Wahltermin gehen, damit die Regierungskunst Adolf Hitlers bei dieser Wahl nicht unter Beweis gestellt werden kann. Die weiteren Zwecke dieser Wahl sind aber noch recht undurchsichtig. Sollen die Preußen- Nocb für den heutigen T ag erwartet In den Mittagsstunden verbreitete sich das Gerücht, daß noch am heutigen Tage auch der Reichstag aufgelöst werden soll. Rapen und Hitler waren heute beim Reichspräsidenten. Später saß das Kabinett. Um 7 Uhr abends findet eine neue Kabinettssitzung statt, an der auch der deutschnationale Dr. Gürtner als wiederernannter Reichsjustizminister teilnehmen wird. Das Gerücht steht im Widerspruch zu der bestimmt abgegebenen Erklärung, daß Hitler am Dienstag vor den Reichstag treten werde. Man spricht davon, daß zwar Wahlen zur vorgeschriebenen Frist vorgesehen sind, daß aber zuvor die Kommunistische Partei verboten werden soll. Da zu dem Verbot einer Partei alle rechtlichen Handhaben fehlen, würde auch dies einen glatten Verfassungsbruch bedeuten. wählen Stimmungsbarometer für beabsich- tigte Reichstags Neuwahlen sein? Oder ist es den Nazis darum zu tun, die jetzigen Mehrheitsverhältnisse im Landtag zu ändern? Sie sitzen im Preußen- Parlament zur Zeit mit 40 Proz. der Man- date, die sie in der Zeit ihres Höchststandes von 1932 erobert haben, also relativ stärker berg in dieser Frage mit Hitler konform gehen, um den Versuch zu machen, in Preu- ßen eine Mehrheit derHarzburger Front aufzurichten. Nach einer anderen soll dagegen das Zentrum durch diese Wahl beweisen wollen, daß eine andere Mehrheit als zusammen mit dem Zentrum auch im Reich durch Neuwahlen nicht zu erzielen ist. Aller Wahrscheinlichkeit nach ist die Ein- berufung des Landtags auf den Sonnabend nur ein Teil einer größeren politischen Aktion, deren Züge bis Sonnabend wohl etwas klarer.hervortreten werden. Man muß heutzutage auf allerlei Möglichkeiten gefaßt sein. Eine davon ist ein neuer W a h l k a m p f im Reich und in Preußen, über dessen geschichtliche Bedeutung kaum noch viel gesagt werden müßte. Seiner Vorbereitung wird dann schon der neue Lu st gartenauf marsch dienen, den die Berliner Sozialdemokratie für den Sonntag angekündigt hat? Raub, bei dem das angewandte Mittel der Gewalt den Tod Steinickes herbeiführte, und zwar mit Wissen, Willen und festem vorsah der Täter. „So ober so" Was haben die Nazis in Preußen vor? lieber die Absichten der Nationalsozialisten in Preußen erfuhr man einiges durch die Tagung des Hauptausschusses des Preußischen Landtags. Der Ausschußvorsitzende, der Nationalsozialist Hink- ler, erklärte gleich zu Beginn der Sitzung, diese als überflüssig ausheben zu wollen, weil die als im Reichstag, wo sie nach dem 6. Nooem- der 1932 nur noch über 33 Proz. der Sitze verfügen. Trotzdem können sie auch im Land- tag mit den Deutschnationalen zusammen keine Mehrheit bilden; selbst unter Einbeziehung der Deutschen Volkspartei und der übrigen Rechtssplitter fehlen ihnen noch etwa zehn Mandate an der absoluten Majorität. Dagegen ist— im Gegensatz zum Reichstag— im Landtag eine sichere schwarzbraune Mehrheit von Zen- trum und Nationalsozialisten vorhanden. Auch die Frage, ob und von welchen anderen Parteien der Auflösungs- wünsch der Nationalsozialisten unterstützt wird, läßt sich im Augenblick noch nicht de- antworten. Nach einer Version soll Hugen- Todesstrafe beantragt Gegen die LA.-Räuber von Stettin Eigener Bericht des„Vormäris" Stettin, 1. Februar. 3m Prozeß gegen die Stettiner nationalsozialistischen Raubmörder ergriff heule früh der Oberstaatsanwalt das wort. Er plädierte aus Raub unter Mitsllhrung von Massen sowie Raub mit Todesersolg und beantragte gegen die Angeklagten Hermann Köhler. Friedrich Brauns und G u st a v Duchateau die Todes st rase unter dauernder Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte. Gegen den Angeklagten Schulze beantragte der Oberstaatsanwalt sechs 3ahre Zuchthaus und sechs 3ahre Ehrverlust, gegen die Frau des haupl- angeklagten Köhler drei 3ahre Zuchthaus und fünf Jahre Ehrverlust. Die abzuurteilende Tat sei so verabscheuungs- würdig, so abstoßend, daß die grausigen Einzelheilen schwerlich glaubhast erschieneu. Und doch hat die Verhandlung den unwiderleglichen Beweis dafür erbracht, daß sich die Raubtat im wesent- lichen so zugetragen hol. wie sie die Anklageschrift darstellt. Die Tat von Sireithos sei ein gemeiner •der bisherige Staalsfekrelär im SteichsarbeUsminiflerium Qriefe r ifi von Mugenberg- Seldle verahfehiedel norden Nationalsozialisten die Auslösung des Landtags beantragt haben. Die Mehrheit des Ausschusses verlangte jedoch Eintritt in die Tagesordnung. Es wurde ein Zentrumsantrag über das Rhein-Aache- ner Kanalprojekt beraten. Berichterstatter war der Deutschnationale vonWaldhausen. Nach ein- stündigem Vortrag beantragte er Absezung des Gegenstandes wegen der bevorstehenden Landtagsauflösung. Sozialdemokraten, Zen= trum und Kommunist en stellten sich auf den Standpunkt, daß die Arbeit so lange fortzusetzen sei, bis feststehe, daß der Landtag wirklich am Sonnabend seine Auflösung beschließen werde. Darauf erklärte der Vorsitzende Hinkler: so oder „ Der Landtag wird doch aufgelöst so! Wenn er nicht selber seine Auflösung beschließt, dann auf andere Weise." Mit diesen Worten erklärte Hinkler die Sizung des Hauptausschusses für aufgehoben und schloß sie gegen den Protest der Mehrheit von Sozialdemofraten, Zentrum und Kommunisten. Aus diesem Verlauf läßt sich einmal schließen, daß die treibenden Kräfte der Auflösung in der Harzburger Front zu suchen sind, sodann aber auch, daß die Harzburger Front, die im Landtag keine Mehrheit befigt, offenbar beabsichtigt, es bei einer etwaigen Ablehnung ihres Antrages nicht bewenden zu lassen. Nun kann nach Artikel 14 der preußischen Verfassung der Landtag außer durch eigenen Beschluß noch aufgelöst werden durch Volksentscheid oder durch den Beschluß eines aus dem Ministerpräsidenten, dem Präsidenten des Landtags und des Staatsrats bestehenden Ausschuß. Zu diesem Dreimännerkolle= gium stellt die Harzburger Front nur einen Mann, den Landtagspräsidenten Kerr I. Staatsratspräsident ist der Zentrumsmann Adenauer, als Ministerpräsident fungiert Genoffe Otto Braun, denn nach der Entscheidung des Staatsgerichtshofes besteht hier keine Zuständigkeit der Reichskommissare. Es ist also nicht zu ersehen, wie die Harzburger gegen den Widerstand der anderen Parteien auf nerfassungsmäßigem Wege die Auflösung des Landtags erzwingen können. Aus den Worten Hinklers muß man schließen, daß irgendein gegen die Verfassung gerichteter Streich geplant ist. Ueberfall in Tempelhof Jugendliche als Straßenräuber Bon jugendlichen Wegelagerern wurden in der vergangenen Nacht wieder an zwei Stellen, und zwar in Berlin N. und am Flughafen in Tempelhof Raubüberfälle verübt. Gegen Mitternacht wurde der 20 Jahre alte Handlungsgehilfe Helmut Heinrich, der sich auf dem Heimmeg nach seiner Wohnung in der Kopenhagener Straße im Norden Berlins befand, an der Ecke der Gaudy und Cantianstraße von drei Burschen überfallen, die ihm buchstäblich die Kleider vom Leibe rissen. Als der Ueberfallene laut um Hilfe rief ergriffen die Räuber die Flucht. Zwischen 12 und 1 Uhr erlitt ein Lieferauto in der Flughafenstraße in Tempelhof mitten auf dem Tempelhofer Feld eine Motorpanne. Is beiden Infaffen, der Kraftwagenführer Baldermann und der Schloffer De hn, gerade dabei waren, den Schaden zu reparieren, stürzten sich plöglich acht bis zehn junge Burschen auf sie und wollten ihnen die Geldtaschen entreißen. Die Ueberfallenen setzten sich jedoch so gut sie fonnten zur Wehr, und auf ihre Hilferufe eilten andere Leute herbei, so daß die Straßenräuber schließlich die Flucht ohne Beute ergreifen mußten und unerfannt entkamen. Begräbnis von Naziagitationslügen Der Haushaltsausschuß des Deutschen Reichstags trat heute zur weiteren Erledigung seiner Debatte über die finanzpolitischen und wirtschaftlichen Berhältnisse zusammen, der in seiner vorigen Sigung bei dem Abschnitt Arbeitsbeschaffung stehenge= blieben war. Für heute lag wegen der inzwischen eingetretenen politischen Verhältnisse eine gewisse Spannung über dem Ausschuß, denn jetzt hat Deutschland eine Regierung, hinter der die Nationalsozialisten und Deutschnationalen stehen. Die im Haushaltsausschuß vorliegenden Anträge gehen weit über die Arbeitsbeschaffungspläne des Reichskommissars Gerede hinaus und eine um= nationalsozialistische Führer hatte im Haushaltsausschuß umfassende Anträge vorgelegt und eingehend begründet, daß die Steuergutscheine abgeschafft werden und in Arbeits= wechsel umgewandelt werden müßten, daß weiter an Arbeitslose, Sozialrentner, Kriegsbeschädigte, Kriegshinterbliebene fassende Berteilung von Kleidungsgegenständen jeder Art vorgenommen werden müßte, weiter sollte aus der dann ein tretenden Ersparnis an Arbeitslosenunterstützung ein Abbau aller Steuern und Schulden in Gemeinden, Staat und Reich vorgenommen werden Weiter standen Forderungen der Nationalsozialisten auf völlige Abschaffung der Bürgersteuer auf der Tagesord nung weiter der deutschnationale Antrag auf Döllige Abschaffung der Hauszins steuer ohne Rücksicht darauf, daß bei dem der zeitigen Milliardendefizit der öffentlichen Haus halte damit eine weitere Erhöhung des Defizits um 900 Millionen Mark eintreten würde. Material zur entscheidenden Umgestaltung im Sinne der neuen Regierungsparteien lag also im Haushaltsausschuß ausreichend vor! Aber der Führer der Nationalsozialisten verlas als Leichenbitter seinen eigenen Agitationsanträgen die Beerdigungsurkunde. Die zur Beratung stehenden Bunfte verlangten die Anwesenheit der neuen Herren Minister. Aber diese seien noch nicht in der Lage, programmatische Erklärungen und bindende Zusicherungen abzugeben, deswegen möge man vertagen. Flucht vor den eigenen Anträgen! In der Zwischenzeit tönne man ja im ständigen Interausschuß und im Rechnungsunterausschuß arbeiten. Der Haushaltsvorsitzende Torgler stellte dazu fest, daß der ständige Unterausschuß zur Untersuchung der Osthilfefrage sowieso schon laufend über Aftenmaterial size. Für diese Arbeit brauche fein Raum geschafft zu merden. Torgler teilte meiter mit, daß der Reichskommissar Gerefe im Reichs= tage sei und zur Verfügung stehe, ihm aber gesagt habe, daß er fein politischer Minister sei und feine politischen Erklärungen abgeben könne. Selbstverständlich sei er bereit, fachlich dem Haushaltsausschuß auch weiter in der Debatte über Arbeitsbeschaffung von seinen Arbeiten zu berichten. Der deutschnationale Abgeordnete Harmony meinte, daß der Reichskommissar Gereke ja doch keine bindenden Erklärungen abgeben könne und man damit rechnen müsse, daß etma doch von ihm abgegebene Erklärungen vom Kabinett torrigiert würden.. Auch seine Partei sei jetzt für Bertagung des arbeitenden Haushaltsausschusses. Genosse Hilferding hing der Katze die Schelle um. Die Erklärung der Nationalsozialisten zeige doch nichts anderes, als daß sie jetzt einen neuen Standpunkt als Regierungspartei bezogen hätten. Sie verzichteten auf die Beratung ihrer grundlegenden Anträge, fie legten feinen Wert mehr darauf, jetzt ihren Einfluß als neue Regierungspartei im Sinne einer raschen Verwirtlichung ihrer Forderungen auszuüben. Man stehe vor der grundfählichen Aenderung der Auffassung der Nationalsozialisten, aber auch der Deutschnationalen, denn im besonderen Herr Hugenberg habe doch immer seinen Standpunkt bisher zum Beispiel in der Frage der Hauszinssteuer außerordentlich fest vertreten. Der Vertreter des Zentrums, Abgeordneter Ersing, meinte, das ginge seit 14 Jahren so, daß man einer neuen Regierung Zeit geben müsse, sich gewissermaßen einige Tage zu sammeln und über die Probleme nachzudenken. Deswegen merde seine Fraktion jetzt auch mit einer vor läufigen Bertagung einverstanden sein. Den gleichen Standpunkt nahm der Bertreter der Naziüberfall auf Abgeordneten Seber Durch einen Messerstich ins Gesicht verletzt Lübed, 1. Februar. Gestern abend wurde der Reichstagsabgeordnete Genosse eber von einer Bande von Nationalsozialisten überfallen und durch einen Messerstich am Auge verlegt. Leber ging abends in Begleitung von zwei Reichsbannerleuten vom Gemertschaftshaus nach Hause. Er wurde mehrere Male von National 3weiter Prozeß Hillges fozialisten angerempelt. Schließlich fiel eine Bande Die Unglücksehe eines Lehrers Bor dem Landgericht I steht zum zweitenmal der Lehrer Hillges von der 240. Gemeindeschule. Er hat am 2. Juli v. 3. im Bellevuepart in Gegenwart des vierjährigen Söhnchens feine Frau durch einen Kehlschnitt mit dem Rafiermeffer getötet. Die erste Verhandlung im Oktober v. 3. flog unmittelbar vor Schluß der Beweisaufnahme auf. Hillges war nach der Bertagung schwer ertranft; er hatte gehofft, bereits im Oktober aus der Ungewißheit der Untersuchungshaft endlich herauszu tommen. Bei Schülern, Eltern und seinen Kollegen erfreute sich Hillges der größten Achtung und Liebe. Seine Frau hingegen brachte ihm nicht das geringste Berständnis entgegen. Die Beziehungen zwischen den Eheleuten spizten sich durch das Zusammenwohnen mit der Schwiegermutter außerordentlich zu. Der Angeklagte war bereits nahe daran, sich von der Frau scheiden zu lassen, persöhnte sich aber wieder mit ihr, brachte große Geloopfer, um ihr einen Kuraufenthalt möglich zu machen und zog schließlich von ihr fort, als ein Zusammenleben unerträglich wurde. Der monatliche Unterhalt von 100 m. genügte der Frau nicht; sie flagte auf Erhöhung des Unterhalts. Hillges, dessen Nerven durch die ewigen 3wiftigkeiten bereits seit Monaten in höchstem Maße überreizt waren, verlor nun vollkommen das Gleichgewicht und beging, herausgefordert durch das Verhalten seiner Frau, das gräßliche Verbrechen im Bellevuepark. In der Verhandlung schilderte Hillges wieder sein Ehemartyrium. Seine Darstellungen wurden immer wieder durch Tränenergüsse unterbrochen. Er könne sich nicht erinnern, wie er die Tat begangen habe und schwöre, daß alles gegen seinen Willen geschehen sei. Das Bewußtsein müsse in dem furchtbaren Augenblid seine Kontrollfunktion nicht ausgeübt haben. Er habe während der langen Monate der Untersuchungshaft immer wieder versucht, sich Einzelheiten ins Gedächtnis zu rüdzurufen, es sei ihm jedoch unmöglich gewesen. von zwölf Nationalsozialisten über ihn und seine Begleiter her. Seber wurde durch einen Meffer stich ins Geficht terlegt. Einer der ihn begleiten. den Reichsbannerleute schlug einen der Angreifer so zu Boden, daß er in der Nacht noch st arb. Unruhe im Reich Todesopfer bei einem politischen Zusammenstoß Belbert i. Rhld., 31. Januar. Im Verlauf politischer Reibereien wurde heute der 22jährige Kommunist Schäffer von dem Schuhmachermeister Ballad, der der NSDAP. angehört, so schwer verletzt, daß er bald darauf starb. Nach Berichten von Augenzeugen sollen Kommunisten vor dem Haus des Schuhmachermeisters Ballack, der eine Hafenfreuzfahne gehißt hatte, demonstriert und die Schaufensterscheiben eingeschlagen haben. Ballad soll darauf dem Schäfer mit einem Schusterhammer auf den Kopf Schleicher dementiert Er hat nur vor Papen gewarnt Reichskanzler a. D. von Schleicher erflärt, daß an den Putschgerüchten, mit denen er in Zu sammenhang gebracht worden set, tein wahres Wort wäre. Er bezeichnet jene Behauptungen als völlig sinnlos und als boshafte Er findungen Berleumdungen. und Allerdings macht von Schleicher in seiner Erklärung fein Hehl daraus, daß er den Reichspräsidenten vor dem Rücktritt des Kabinetts Schleicher vor einer Wiederernennung des Herrn von Papen U geschlagen haben. Schäfer sei zusammengebrochen und bald darauf im Krankenhaus gestorben. In der Stadt war es bis in die späten Abendstunden sehr unruhig. Gegen 8 Uhr abends murde ein nationalsozialistisches Heim von Kommunisten beschossen. Gegnern, Hamburg, 1. Februar. Nationalsozialisten und Stahlhelmer veranstal teten am Dienstagabend in Harburg- Wilhelmsburg einen Umzug. Nach dessen Beendigung fam es zu einer Schlägeret 3mischen SS. Leuten und politischen wobei vier Berfonen perlegt wurden. Die Polizei stellte unter Gebrauch des Gummifnüppels die Ordnung wieder her. An einer anderen Stelle der Stadt murde gegen einen SA.- Mann ein Blumentopf geschleudert, durch den der A. Mann schwer verlegt wurde. In Wilhelmsburg murden heimkehrende Stahlhelmer von Kommunisten beschossen. Drei Stahlhelmer zmei mit Knieschüssen und einer mit einem Rüdenstedschuß mußten dem Kranfenhause zugeführt werden. Die polizeiliche Untersuchung iſt eingeleitet. = Pforzheim, 1. Februar. Aus Anlaß eines von der S2. und dem Stahlheim veranstalteten Fadelzuges, an dem etwa tausend Personen teilnahmen, kam es gestern abend in mehreren Stadtteilen zu blutigen Zusammenstoßen mit Kommunisten. Bis Mitternacht wurden in die Krankenhäuser acht Berlegte aller Parteirichtungen eingeliefert, darunter ein Schmerperletzter. Die Verlegungen rühren von hieb, Stich und Schußmaffen her. Das fommunistische Verkehrslokal am Theaterplatz murde von der Bolizei geräumt. gewarnt habe, denn eine derartige Regierung, die nur ein Zehntel des deutschen Volkes hinter fich hätte, wäre eine Kampfansage gegen das übrige deutsche Volk. Attienhauffe gestoppt Der Hausfetaumel, der am Dienstag infolge umfangreicher Käufe der Rheinisch- Westfälischen Schwerindustrie den Aftienmarkt be= herrschte, hat heute einer allgemeinen Ernüchterung Blaz gemacht. Einige führende Werte waren zwar nach wie vor fest, so IG.- Farben 108 Bayerischen Boltspartei ein, zumal nach feiner Auffassung in der Frage der Arbeitsbajchaffung ja jetzt doch von der neuen Regierung ganz andere Pläne entwickelt würden, als sie der Reichs kommissar Gereke bisher programmiert habe und die besonders von den Deutschnationalen befämpft worden seien. Der Haushaltsausschuß bejchloß mit den Stimmen der Deutschnationalen, der Nationalfozialisten, des Zentrums, der Bayerischen Volkspartei und der Deutschen Volkspartei die Vertagung. Der Wortführer der Nationalsozialisten meinte in seiner naiven Art und als neugebackene Regierungsmacht, daß sich damit der Haushaltsausschus an die von ihm verlesene Erklärung der Nationalsozialisten gebunden habe und erst wieder 3= menn das wolle, sammentreten Plenum getagt habe, ganz gleich, wann das etwa sein werde. Aber er täuschte sich. Abgeordneter Erfing( 3entrum) erklärte, daß er ganz selbstverständlich von jedem immer das Beste annehme und deswegen auch nicht daran henke, daß nächste Woche etwa feine Plenarsizung mit der Entgegennahme einer Regierungserklärung sein werde. Er halte es aber doch für richtig, daß der Haushaltsausschuß schon jet festlege, wieder zusammentreten mann er mürde. Diese Auffassung wurde auch von den Sozialdemokraten deutlich unterstrichen. So ergab sich bei einigem Erstaunen der zur Beerdigung ihrer eigenen Anträge vollständig erschienenen nationalsozialistischen Belegschaft im Haushaltsausschuß. daß dieser beschloß, seine nächste Sigung am nächsten Dienstag stattfinden zu lassen, wenn etwa aus irgendeinem heute noch nicht zu ersehenden Grunde die durch den Aeltestenausschuß für jenen Tag festgesette Plenarsizung aus fallen sollte. Für diesen Antrag stimmten die Sozial demokraten, die Kommunisten, das Zentrum und die Deutsche Volkspartei. Damit war die denkwürdige erste Sigung des Haushaltsausschusses mit der beiden neuen Regierungsparteien, Nationalsozialisten und Deutsch nationalen, in charakteristischer Form abgeschlossen. 192 gegen 107, Siemens infolge der 7prozentigen Dividendenerlärung mit 127 start gefragt, jedoch fonnte von einer allgemeinen Befestigung nicht mehr die Rede sein Einen auffallenden Kurseinbruch erlitt die AEG.- Aktie, die infolge der Sanierungsgerüchte von 29 bis auf 26 Broz. zu rüdging. Der Rentenmarkt war heute ruhiger, da sich bisher bei den Sparkassen noch feine Beunruhigung der Sparer ergeben hat. Die Tendenz für festverzinsliche Werte mar eher etmas freundlicher. Tödlicher Rodelunfall 22 jähriger zerschmettert Meiningen, 1. februar. Auf einer steilen Straße bei Meiningen hat fich ein schwerer Robelunfall ereignet. Als fünf junge Leute die Straße hinabfuhren, verlor ber Führer die Gewalt über den Schlitten, der in voller Fahrt gegen einen Kilometerstein raste. Der 22jährige Schreiner Karl Lindemann aus Dreißigader mar sofort to t. Ein anderer Mitfahrer erlitt lebensgefährliche Verlegungen, während die übrigen drei jungen Leute leichter verlegt wurden. Auto auf Bürgersteig Zwei Passanten verletzt Ein schwerer Autounfall ereignete sich heute mittag in der Straße Unter den Eichen in Lich terfelde, bei dem zwei Passanten erheblich verlegt wurden. Infolge Bruches der line ten Borderfeder verlor der Führer eines Brinatautos die Gemalt über die Steuerung und fuhr auf den Bürgersteig. Ein Radfahrer, der Malermeister Arthur Krüger aus Lichterfelde, und ein Passant, der 40 Jahre alte Kaufmann Heinz Ulstein aus Dahlem, murden von dem Wagen erfaßt und überfahren. Die Verunglückten wurden mit Kopfperlegungen und Beinbrüchen ins Krankenhaus übergeführt. Bluttat auf dem Bahnhof Harburg- Wilhelmsburg, 1. Februar. Am Mittwoch gegen 8 Uhr waren in dem Bahnmeistereigebäude im Stadtteil Wilhelmsburg zwei Eisenbahnbeamte beschäftigt, als plöhlich ein dritter Beamter beide durch Revolverschüffe niederstreckte. Einer von ihnen wurde getötet, der andere schwer verletzt. Der Täter brachte fich dann felbft einen Kopfschuß bei. Er wurde in hoffnungslosem Zustand ins Krankenhaus geschafft. Seit gestern mittag sitzen die Herren Hitler, von Papen, Freiherr von Neurath, F r i ck,.Freiherr von Blomberg, Graf von Schwerin- Krosigk, Geheimrat Hugenberg. Franz S e l d t e, Elz von Rübenach, Göring und G e r e k e im gleichen Kabinett. Wie die Herren im vergangenen Jahre, nach dem Zerfall der Harzburger Front, miteinander oerkehrt haben, wissen wir. Das Wort von Joseph Goebbels über das Kabinett der Barone, die aus dem breiten Rücken der Nationalsozialisten in die Amtlichkeit gestiegen seien, ist unvergessen! Auch denkt man zurück an die bluti- gen Saalschlachten, die in Berlin und im Reiche zwischen Nationalsozialisten, Deutschnationalen und Stahlhelmern stattgesunden haben, an die Klagen des Stahlhelm über viehische Mordtaten von SA,-Leuten an Stahlhelmen!! Frischen wir in aller trockenen Nüchternheit auch noch einige andere Erinnerungen aus: Kube gegen Hugenberg Am 7. Januar 1932 hielt der Vorsitzende der preußischen Landtagsfraktion der NSDAP,, Kube, im Münchener nationalsozialistischen Organ eine Abrechnung mit den Deutschnationalen, nach der erwiesen sei, daß das oft elbische Junker- tum Hugenbergscher Prägung un- belehrbar sei und nicht wisse, daß der Erbe preußischer Staats- und Machttradition Adolf Hitler und nicht Herr von Oldenburg sei. 1932 werde endlich auch der überheblichen Gesellschaft der vereinigten Reaktion das Handwerk gelegt werden. Das erleben wir heute: Hugenberg ist zusammen mit vier Mitgliedern des Herrenklubkabinetts Reichsminister im Kabinett Adolf Hitler! Leithe und Hitler Im Januar 1932 veröffentlichte der„Vorwärts" diesen nicht abgestrittenen Brief- Wechsel zwischen Seldte und Hitler über die Harzburger Tagung, In dem Brief Seldtes heißt es:„Wir haben es bereits in Harzburg als eine schwere Kränkung und einen Verstoß gegen beste soldatische Auffassung empfunden, daß Sie uns und die zum Vorbeimarsch angetretenen Kameraden erst 2S Minuten warten ließen, um dann vor dem Anmarsch des Stahlhelms den Paradepunkt zu verlassen, ohne sich mit uns in Verbindung zu setzen, und obwohl wir Ihren Fahnen und Warschiormationen alle Ehr« er- wiesen hatten." Der Stahlhelmführer Seldte verlangte eine klare Antwort, und Herr Hitler erteilte sie:„Sic beklagen sich nun. Herr Seldte. in Ihrem Brief über eine Ihnen zugefügte Behandlung, die sich der Stahlhelm nicht gefallen lassen will. Zu dieser Bemerkung haben nicht Sie, Herr Seldte. ein Recht, sondern ich und die nationalsozialistische Bewegung." Hitler führte dann das Verhalten des Stahlhelms in Thüringen an und fuhr fort: „Herr Seldte, es ist für uns eine ungeheure Ueber- Windung, überhaupt von Verbündeten zu reden, wenn ihr praktisches Verhalten sich so diametral zum geredeten verhält... Im übrigen bin ich in den letzten Monaten von der Presse meiner Verbündeten so konsequent und hinter- hältig verdächtigt und angegriffen worden, daß es wirklich nur der Beweis für meine grenzen- lose Loyalität ist, wenn ich diese kleinen heimtückischen Ehrabschneidungen nicht in der dafür zweckmäßigen drastischen Form zurückgewiesen habe." Herr Seldte ist heute Reichsorbeits- minister im Kabinett Hitler, Freimaurer Leldte „NSDAP Gnu Baden Karlsruhe, 26. Hortung, Wie sie sich lieben... „Wir in unserer nordisch schweren Art lehren nicht Worte machen, sondern Wort halte n." Heute sind die Stahlhelmsührer Seldte und der Antisozialist Hugenberg Reichsminister im Kabi- nett des Führers der sogenannten Nationalsozia- listischen Deutschen Arbeiterpartei, Adolf Hitler, bleber Hugenberg Am 15. August 1932 schrieb der Berliner Führer der NSDAP,, Goebbels, im„Angriff": „Eine Diktatur gegen das gesamte Volk aber ist auf die Dauer unmöglich, auch wenn man noch so viele Bajonette besitzt, und das g e h e i m r ä t- liche Bauch lein des Herrn Hugenberg allein'bietet auch noch keine Plattform für eine Regierung. Diese Grundlage wäre zu schwabbelig." Heute ist Herr Hugenberg Reichsminister im Kabinett des nationalsozialistischen Führers Adolf Hitler, Hitler und?epen Nach dem 13. August schrieb die Pressestelle der Reichsleitung der NSDAP.:„Hitlers Ablehnung der Bizekanzlerschaft unter der Herrschast von Popens war eine Tat!... Die Politik der Re- gierung von Papen, hinreichend gekennzeichnet durch die die Aermsten der Armen aufs schwerste belastende und für die NSDAP, untragbare Not- Verordnung, kann niemals die Politik der NSDAP, sein... Darauf konnte es für den Führer der NSDAP, nur eine Antwort geben, und zwar: nein!" Heute ist Herr von Papen Vizekanzler und Proußenkommissar im Kabinett Hitler. best heine Hugenberg-Blätter Im„Angriff" vom 24. September 1932 erläßt der Reichspropagandaleiter der NSDAP,, Goeb- bels, eine Verordnung, deren§ 1 lautet:„Die fo- genannten bürgerlich-nationalen Zeitungen werden von Nationalsozialisten in Zukunft weder gekauft, noch abonniert, noch gelesen. Von der Reichsleitung wird nochmals darauf hingewiesen, daß gleichzeitige Mitglied- s ch a s t beim Stahlhelm und bei der NSDAP, u ii s e r e r j e i t s nicht gestattet wird. Außerdem soll unter Ausschluß der Oeffcnllichkcit bekanntgegeben werden, dag der Stahlhelmsührer Seldte Freimaurer ist und daß die deutschen Logen ihren Mitgliedern ganz offen empfehlen, dem Stahlhelm beizu- treten____" Heute ist Herr S e l d t c Reichsminister im Kabinett Hitler, Hugenberg. Hitler, Ltepbeni Am 4. März 1932 sagte bei einer Kundgebung zur Reichspräsidentenwahl, bei der die Kandi- datur Duesterberg propagiert wurde. H u g e n- berg, er sei schlechtweg„gegen die Krankheit Sozialismus"(nicht Marxismus). Der Berliner Stahlhelmsührer von Stephani erklärte, der Nationalsozialismus sei etwas dem nordisch- preußischen Empfinden Wesensfremdes, Hitlers Glaube sei römisch, seine Staatsidee sei r ö m i s ch, sein Cäsarentum sei römisch, sein Unfehlbarkeitsdogma sei römisch. Tracht und Feldzeichen der NSDAP, seien römisch. Er sei auch nicht der entschlußstarke Mann, als der er hingestellt werde. Er sei abhängig von einer oberen Führerschicht, wie sich oft gezeigt habe. Heute sitzen Hugenberg und Hitler in einem Ka- binett, Ueber die Außenpolitik Am 19. September 1932 schrieb der„Angriff" über die Außenpolitik des Kabinetts von Papen: „Mit keiner Regierung wird das Ausland weniger geneigt sein, in Verhandlungen einzutreten, als mit der jetzigen, die allzu deutlich das G e- präge der Vorkriegszeit trägt," Außenminister der Regierung Hitler ist der Außenminister der Regierung von Papen, Frei- Herr von Neurach, Göring und Hugenberg Am 24. September 1932 sagte Reichstagspräsident Göring in Weimar, es fei schon möglich, daß Hunderttausende von Nationalsozialiften ab- schwenkten, daß sie aber zu Hugenberg gingen, sei völlig ausgeschlossen. Die Rolle, die Hugenberg heute spiele, beweise aufs deut- lichste, wie berechtigt das Mißtrauen der Nationalsozialisten gegen diesen Führer gewesen sei." Görino und Hugenberg sind heute Reichs- minister im Kabinett Hitler. Zum Thema Hugenberg Am 5. Oktober 1932 schrieb Herr Goebbels im „Angriff" in einer Polemik gegen Hugenberg: „Hier kann nur ein Vergleich sprechen: Stellt euch bitte«in Dutzend kräftiger Riesen vor, die mit weitausholenden Schritten in den Kampf stürmen, und stellt euch weiter einen kleinen lächer- lichen Zwerg vor, einen Hugen- zwerg, der den niederwalzenden Weg dieser Riesen nachzutrippeln versucht, und dann erklärt, er begrüße es mit Genugtuung, daß die Riesen sich ihm angeschlossen hätten," Hugenberg ist heute Minister im Reichskabinelt Hitler. Marianne mit dem Oelzweig Die Volksheldin als Symbol Frankreichs Frankreich hat eine neue Symbols igur erhellten. eine neue„Marianne", die die französische Republik in Zukunft repräsentieren soll. Die Büste der französischen Frau ist von dem Bildhauer Poisson entworfen. Sie unterscheidet sich von der bisherigen Marianne dadurch, daß ihr alle Ab- zeichen des Krieges fehlen. Dafür hat sie den Oelzweig des Friedens, zum öffentlichen Zeichen dafür, daß Frankreich gewillt ist, in Zukunft dem Frieden zu dienen. Hoffentlich bleibt es nicht nur bei der veränderten Gestaltung der Symbol- jigur. Jedenfalls ist Anweisung gegeben worden, daß in allen Amtsgebäuden Frankreichs die bis- herige kriegerische„Marianne" entfernt und dafür die neue friedfertige aufgestellt werden soll. Es sind bereits Aufträge für die Herstellung von 300 00(1 Porzellan- und Gipsbüsten der neuen Symbolfigur gegeben worden. Mit der alten Symbolfigur hat die neue das eine gemeinsam. daß sie auch die sogenannte„P h r y g i s ch c Mutz«" trägt, das Zeichen der Revolution, Wie ist nun diese meistgenannte Frau der Welt zu der Vertreterin der französischen Republik ge- morden? Alle'sprechen von der„französischen Marianne", und zwar so ost, daß das Wort Marianne geradezu als Bezeichnung der franzö- sischen Republik gilt. Keiner aber weiß, wieso die Figur entstanden ist und woher sie ihren Namen hat. Woher stammt die„Phrygische Mütze" ursprünglich? Der Name Marianne war vor hundert Jahren die Bezeichnung für«ine geheime poli- tische Gesellschaft Frankreichs, die zur Zeit der Reftauratioi, entstand und sozialistisch- republikanische Tendenzen hotte. Die Gesellschaft wurde damals eifrig von der Polizei verfolgt, Mar sie verstand es vorzüglich, sich allen Nach- stellungen und allen Rachsorschungen zu«nt- ziehen, Di« Polizei konnte niemals hinter das Rätsel dieser geheimen Bereinigung kommen. Seil dieser Zeit war der Name„Marianne" eine Art Kennzeichen für republikanisch-revolutionäre Bc- strebungen. Er lebte wieder neu auf, als im Jahre 1848 die französische Nationalversammlung am 21. Juni die Nationalwerkstätten auflöste und die Entser- nung der sozialistischen Arbeiter der Nationalwerk- stätten anbefahl. Die Arbeiterschaft lieh sich dieses Vorgehen nicht gefallen und erregte einen furchtbaren Aufstand, der zu der Junischlacht vom 24. bis 26. Juni führte. Der Kriegsminister Cavaignac unterdrückt« aber den Aufstand in blutigster Weise, Mehr als 10 000 Arbeiter wurden getötet. Bei diesem Ausstand tat sich eine fron- zösische Arbeiterin,«ine Frau aus dem Volk«, besonders hervor, die mit der Phry- gischen Mütze der Revolution angetan auf den Barrikaden stand, die Arbeiter anfeuerte und die Verwundeten pflegt«. Begeistert nannten die Ar- Keiter sie ihr«„Marianne". Sie wurde bald«ine V o l k s h e l d i n. die in Liedern und in Theater- stücken gefeiert wurde. Auf zahlreichen Bühne» wurden Dramen aufgeführt, in denen Marianne die Hauptrolle spielte. Ueberall hatte sie als Zeichen ihrer Mission die„Phrygische Mütze" aus dem Kops. So entstand das Urbild des Symbols der französischen Republik. Dieses Bild d«r fran- zösischen Arbeiterstau wurde offizielles Sinnbild der Republik. In der Zeit nach dem zweiten Kaiserreich wurde Marianne nicht nur in ollen Amtszimmern als Büste aufgestellt, sondern ihr Bild wurde auch aus Briefmarken und auf zahl- reichen anderen amtlichen Dokumenten verewigt, l'onLilmIexencle Mozart-Saal Das Schicksal eines armen Dienstmädchens, das niemand auf der Welt hat, von ihrem Verführer verstoßen und von allen guten Bürgersamtlien abgewiesen wird, die schließlich menschliches Ver- ständnis allein in einem Bordell iindet, aber nun ihr Kind hergeben muß— das ist gewiß ebenso traurig, wie rührend. Aber Paul F e j o s, der ungarische Regisseur, der schon durch starte Talentsproben seine besondere Befähigung er- wiesen hat. gestallet aus diesem Stoff eine Legende, hebt ihn über die Trivialität des Alltags empor und gibt dem Marterweg des gequälten Geschöpfes eine himmlisch« Verklärung. Das gläubige Mädchen legt seine besten Kleider an und präsentiert ihr Kind vor allem Volk in der Kirche der Mutter Gottes, und als sie von allen verlassen ist, sqcht sie hier wieder Zuflucht. Der Sterbenden lächelt das himmlische Kind zu, und die Gestorbene fährt in den Himmel auf, wo sie wieder Dienst» allem singen sie keine Schlager und reden keinen Liebesunsinn, und es geht vorzüglich so. Di« Seele des Films ist Anna bello. Sie hat uns in den Filmen von Rene Elast, zuletzt noch im„14. Juli" schon fo oft entzückt, daß man kaum an eine Steigerung ihrer Wirkung denken konnte. Aber dieses feine, stille Mädchen, das so lautlos und selbstverständlich sein Schicksal er- leidet, ist eine neue und tiefe Offenbarung ihrer Kunst. Sie hat Momente des seeligen Lächelns und der süßen Hingabe an ihren erträumten Himmel, die ohnegleichen sind. So wird der Film, der auch rein bildmäßig wundervolle Passagen aufweist, zu einem vollen Triumph von Darstellung und Regie. Nur eines tut ihm etwas 'Abbruch: dieser himmlische Film mit seiner ein- fachen Handlung ohne Klamauk und Semätion hat auch eine himmlische Länge. D Autoritäre Objektivität Rundfunk ohne Maske Die Politische Zeitungs schau uiuex dem kritischen Auge der„Auftraggeber" war für den Hauptschriftteiker des drahtlosen Dienstes Hans F r i tz s ch« gestern sicher ein besonders schwieriges Stück. Man muß schon sagen, daß er sich— aus der Perspektive der Mstraggeber betrachtet— glänzend aus der Affäre zog. Zuerst verlas er mit möglichst wenig Kürzungen den Leitartikel des „Völkischen Beobachters", dann kamen— weniger ausführlich—„Lokal-Anzeiger" und„Kreuz-Zei- tung" heran. Damit war das Triumphirat Hit- Ier-Hugenb«rg-Seldte in wirkungsvoller Pose als Volkeretter ausgebaut und die Opposition konnte in vorsichtiger Auswahl einiger möglichst itngc- sährlicher Sätze zu„Worte kommen". Gespannt wartete der Hörer auf die Kritik der„DAZ". Doch Herr Fritzsche ließ kein Wort über ihre Sie! lungnahme zu dein Hiller-Papen-Kabinell über seine Lippen kommen. Dafür durste die„DAZ." ihre dekorative Schilderung des Nazi- und Stahl- Helmfackelzugs zu der Zestungsjchau beisteuern. Der Fackelzug wurde auch für das Programm der Berliner Funkstunde noch einmal ausge- ichlachtet. Man hatte«ine vollkommen neue Sen- dung zufamengestellt. In ihr triumphierte das Hakenkreuz hundertprozentig. Von Hindenburg und vom Stahlhelm war so gut wie überhaupt nicht die Rede. Göring hielt eine länger« destil- liert« Ansprach«, Natianalsozialisten, sogenanntes „Volk", wurde» vor das Mikrophon geholt. Und Goebbels rang sich ein paar Sätze ab, und sein Chauffeur durste auch ins Mikrophon sprechen, und die Helden des Raziputsches von 1923 wurden gerühmt und es war alles so leut- und redselig, als wäre Wilhelm als Hohe-Wonne-ganz zurück- gekehrt und gäbe feinen Untertanen ein Rund- funkvolksfest,— In mädchen ist in einer vom Sterneng tanz erfüllten Küche. Von dort aus überwacht sie das Schicksal ihrer Tochter und bewal,rt sie durch einen himm- lischen Regenguß, das Schicksal ihrer Mutter zu erleben. Di« himmlische Sphäre des Films ist gewiß eine Flucht aus der Wirklichkeit und damit auch ein Eingeständnis, daß es auf Erden zur Zell keine glückliche Lösung für dieses Problem gibt. Aber Fejos ist ein dichtender Regisseur, der aus der Seele des armen Geschöpfes heraus ihre Wunsch- träume gestaltet. Mll unendlich viel Zartheit, mit der tiefen Sehnsucht des Glückverlangens und mit all dem Glanz und dem Schimmer eines Himmels, » den sich zu kurz gekommene Kreatur hinein- träumt. Die irdische Seite kommt dabei nicht zu kurz: das ungarische Dorf ist mit allem Saft und Kraft geschildert und die Well der braven Leute in all ihrer Niedertracht wiedergegeben. Dabei kommt der Film fast ganz ohne Worte aus. um io reicher ist die Geräuschkulisse auKgebaut:man hört die Schreie der Kinder und Tiere, die Musikkapelle spielt, aber die Menschen bleiben stumm. Vor yroseffor Theodor Birt gestorben. Ms Marburg kommt die Nachricht, daß der dort im Ruhsstand lebende Professor der Philologie Theodor Birt an den Folgen eines Schlaganfalls im 81. Lebens- jähr gestorben ist Birt hat die Wissenschaft vvni klassischen Altertum zwar nicht durch tiefschürfende Forschungen bereichert, aber dank seiner dichterischen und künstlerischen Begabung durch seine gefälligen und unterhaltenden Popularisie- rungen in weiteren Kreisen populär gemacht. Seine Darstellung ist immer an hervorragende Persönlichkeiten gebunden, die er aber doch nur benutzt, um ein farbiges und lebendiges Kultur- bild zu entwerfen. So find feine„römischen Charaktertöpse", seine„Charakterbilder Spät- roms" sowie sein Buch„Aon Homer bis Sokrates" und zahlreiche andere auch für die, die auf einem anderen Boden der Geschichtsauffassung stehen. erfreuliche Gaben. Seine dichterische Begabung erwies Birt in Gedichten, Dramen und Crzählun- gen. Unter feinen rein wissenschaftlichen Schriften ragt das Werk über„Das antike Buchwesen" her- vor. Er bewies hierin, daß im klassischen Alter- tum die Literatur nur in der Form der Buchrollc vorkommt. Nicht vergessen sollen auch seine Reise- erinnerungen sein. Ein Thcalerzujammenschluß Essen- Duisburg- Hamborn wurde unter dem außerordentlichen Druck der Finanznot beschlossen. Kanadas wachsende Golderzeugnng. Kanada gewinnt immer mehr Bedeutung unter den gold- erzeugenden Ländern. Das zeigt der Ertrag für 1932, dessen Wert auf 63 Millionen Dollar be- rechnet ist und den von 1931 um 10 Millionen Dollar übersteigt. Diese Mehrerzeugung ist zum Teil dem wachsenden Abbau der Goldbergwerke in Ontario und Ouebec, zum Teil der Erschließung neusr Goldfelder zu verdanken. „Der Dunkle Punkt" sst im Zcntralthea- ter in den Spielplan aufgenommen worden. Kadetburgs und Presbers Lustspiel, das den Raffenhumbug zur Zielscheibe seines Spottes nimmt, fand dank der guten Darstellung eine sehr steundliche Aufnahme. Vorträge. Donnerstag, 8 Uhr, hält Dr. Sorge, der wissensck>aflliche Beirat der„SOS.-Eisderg-Filln Spedition auf Einladung der Geographischen Jacfilchaff in der Universität einen Vortrag über seine Erlebnisse. Tie Städtisch- Oper dereitet sür Richard Wag n c r s 5 0. Todestag am 13. Februar eine Festvor- stellung des„Fliegenden Holländer" vor. Zwiegespräch Driesch-Tcssoir. Jni Zvklus der Lessiyg- Hochschule„Für oder wider Okkultismu s" bandelt. Maria Jvogiin wird wieder drei Abende in der Städtischen Oper singen: Freitag, den 2. Fr bruar, die Marchs, Dienstag, den 7. Februar, die Mrmi und Tonnerstag, 3. Februar, die Gilda. GA- Terror im nächtlichen Berlin SPD.- Lokale überfallen Inhaber niedergemacht Auf das sozialdemokratische Ber tehrslokal in der Nonnendammallee in Siemensstadt wurde in der vergangenen Nacht ein hinterhälfiger S.- Ueberfall verübt. Kurz nach 2 Uhr, als sich der Wirt des Lokals gerade vor seinem Laden aufhielt, erschienen dort acht Nationalsozialisten, von denen sich drei in Uniform befanden. Die Braungardisten drangen auf den Lokalbesitzer ein und schlugen ihn brutal nieder. Dann zertrümmerten die Banditen fämfliche Schaufensterscheiben und flüchteten in Richfung des Bahnhofs Siemensstadt. Unmittelbar darauf wurden die Schaufensterscheiben des Parteilokals in der Siemensstraße in Siemensstadt durch SA.- Leute zertrümmert. Zweifellos handelte es sich um dieselbe Bande, die in der Nonnendammallee den Ueberfall ausgeführt hatte. Von denselben Tätern wurde noch am Rohrdamm der 27 Jahre alte Maschinenbauer Hermann Wurm aus der Bornstedter Straße in Spandau überfallen und niedergestochen. Die Bürgerkriegsbanditen stachen W. zweimal in den Rüden. Schwerverletzt wurde W. ins Westend- Krankenhaus überführt. In der Seestraße im Norden Berlins wurden furz vor Mitternacht drei Arbeiter von HakenDer isolierte Grüner Der merkwürdige Fall des Senatspräsi denten des Oberperwaltungsgerichts Grüner gelangte am Dienstag vor dem Hauptausschuß des Preußischen Landtags zur Erörterung. Anlaß dazu bot ein sozialdemokrati scher Antrag, der verlangt, daß Grüner auf seinen Geistes zustand untersucht und bei vorhandener Zurechnungsfähigkeit unter Anklage gestellt, andernfalls von seinem Bosten entfernt wird. Grüßner hat nämlich einen Rammergerichtsrat Fränkel ohne jeden positiven Grund der Rechtsbeugung in einer zivilen Streitfache bezichtigt, auf eingereichte Klage diesen Vorwurf de- und wehmütig zurückgenommen, um unmittelbar darauf gegen Fränkel Strafanzeige megen Rechtsbeugung zu erstatten. Die Staatsanwaltschaft hat ein Verfahren gegen Fränkel mangels jeglichen Anlasses abgelehnt. " Die Nationalsozialisten, die in einer Kleinen Anfrage ursprünglich verlangt hatten, daß den Anschuldigungen Grüßners gegen Fränkel nachgegangen werde, rückten zu Beginn der Aussprache von Grügner ab, indem sie durch ihren Abgeordneten Winkler erklären ließen, daß Grüner nicht ihr Parteimitglied sei. Der Berichterstatter Genosse Kuttner stellte demgegenüber fest, daß vor zwei Jahren der ,, Angriff“ in großer Aufmachung den U e bertritt Grüßners zur NSDA P. gemeldet hatte. Außer= dem hat die nationalsozialistische Presse bis in die jüngste Zeit von dem Pg. Grüner" ge= schrieben. Der Berichterstatter stellte weiter fest, daß die Anzeige Grüßners gegen den Kammergerichtsrat Fränkel wegen Rechtsbeugung einfach frivol sei. Einmal habe das Kammergericht genau so entschieden wie das Landgericht. Der Passus, der die Rechtsbeugung enthalten solle, stehe gar nicht im Urteil. Es handele sich um die Wiedergabe einer Auslaffung einer Partei, die die Anzeige fälschlich für eine Feststellung des Richters halte. Außerdem sei von dem ganzen Teil, auf den sich die Strafanzeige bezieht, eingangs im Urteil ausdrücklich bemerkt, daß er für die Entscheidung entbehrlich und nur hilfsweise als weitere Stüge der ohnehin schon feststehenden Entscheidung herangezogen sei. Die Vertreter der Regierung stellten fest, daß Grüner tatsächlich zu Protokoll die Anschuldigungen gegen Fränkel aus der Vergangenheit und Gegenwart zurüd genommen hat. Danach hat er erneut Strafanzeige gegen Fränkel erstattet. Grüßner behauptet zu seiner Verteidigung, er habe ,, aus patriotischen Gründen" seine Vorwürfe zurückgenommen. In Wirklichkeit hatte er es getan, um der Verurteilung zu entgehen. Das Ministerium hat er= neut gegen ihn Klage eingeleitet. Theater Lichtspiele usw Staats MA Theater Mittwoch, den 1. Februar Staatsoper Unter den Linden 20 Uhr freuzlern umzingelt. Es entspann sich eine Schlägerei, bei der auch das Messer eine Rolle spielte. Durch Messerstiche und Hiebe mit Schlag instrumenten wurden die drei Arbeiter erheblich verletzt. Auf der nächsten Rettungsstelle erhielten sie die erste Hilfe. In der Erdmannstraße in Schöneberg gerieten Kommunisten mit NatioDer Lohntarif ist monatlich fündbar, der Rahmentaris dagegen nur am 31. Mai oder 30. November, doch muß die Kündigungsabsicht drei Monate vorher ausgesprochen werden. Der Rahmentarif kann mithin Ende März gekündigt werden. Es ist immerhin bemerkenswert, daß die Schwerindustrie sich dem Vorgehen des Zechenverbandes nicht angeschlossen hat und es nicht so eilig mit der Lohnkündigung hat wie die Zechenherren. Heute 5- Pf.- Fahrschein Der neue Bus- Umsteiger Mit dem heutigen 1. Februar treten bei der Verkehrsgesellschaft die neuen Bestimmungen für das Umsteigen auf die Autobusse in Kraft, die für das Publikum eine Vereinfachung des bisherigen Systems bedeuten. Das Umsteigen von Straßenbahn bzw. von der U- Bahn auf die Autobusse war bisher nur mit Umsteigefahrscheinen zu 30 Pf. gestattet. Bon heute ab fann man auch mit dem gewöhnlichen, nalsozialiſten in ein Handgemenge. Die Polizei Der Weberstreit in Frankreich auf Straßenbahn oder U- Bahn ausgegebenen erschien rechtzeitig auf der Bildfläche und verhinderte blutige Auseinandersetzungen. Bei zwei Nationalsozialisten wurden scharfgeladene Pistolen gefunden. Die Burschen wurden der Politischen Polizei übergeben. Am Karl- August Play in Charlottenburg frachten gegen 3 Uhr früh zahlreiche Schüsse. Hinzueilende Schupobeamte fonnten noch zwei Nationalsozialisten festnehmen, die zwei gela= dene Mauser pistolen, 16 Schuß Munition und eine Startpistole in ihren Taschen hatten. Schließlich überfielen Nationalsozialisten noch in der Friedrichstraße vor dem Hause Mr. 140 einen harmlosen Passanten. Der Mann wurde von den Terrorhelden niedergeschlagen und am Kopf verlegt. Ein Täter wurde festgenommen. Der Verletzte mußte zur Rettungsstelle gebracht werden, wo er einen Notverband erhielt. Auf diese Feststellungen hin erklärten die Vertreter des Zentrums und der Kommunisten, dem sozialdemokratischen Antrag zuzustimmen. Die Nazis in gänzlicher Ratlosigkeit beteuerten, sich nicht für Grüner einsehen zu wollen. Aber sie verlangten aus nichtigen Gründen Vertagung. Ihr Antrag wurde jedoch abge= lehnt und der sozialdemokratische Antrag mit den Stimmen der Antragsteller, des Zentrums und der Kommunisten angenommen. Nordwestliche Gruppe Sie kündigt noch nicht Im Anschluß an die Kündigung der Tarife im Ruhrbergbau durch den Zechenverband hält man es für notwendig zu betonen, daß,„ entgegen den vor einigen Tagen von gewisser Seite gehegten Vermutungen(!)", die Nordwestliche Gruppe der Eisen- und Stahlindustriellen den Lohntarif am 31. Januar nicht gekündigt hat. H Streikende verlieren die Nerven Eigener Bericht des ,, Vorwärts" Paris, 1. Februar. In Armentières, IDO über 6000 Weber seit einem Monat streiten, iſt es am Dienstag zu ernsten Zwischenfällen ge= kommen. Eine Gruppe streifender Arbeiter griff u. a. einen Postunteroffizier der Mobilen Garde an, entriß ihm den Postsack und mißhandelte ihn. Der Unteroffizier konnte sich schließlich in ein Geschäft retten, das die Streikenden stürmen wollten. Die Fenster des Geschäfts wurden durch Steinwürfe zertrümmert. Eine Straßenpatrouille stellte die Ruhe wieder her. An einer anderen Stelle wurden Leinwandballen, die auf Lastkraftwagen verladen werden sollten, Don Streifenden auf die Straße geworfen. Angesichts dieser Zwischenfälle sind scharfe Sicherheitsmaß nahmen getroffen worden. Die Straßen wurden von berittener Polizei durchzogen, die alle Ansammlungen auseinandertreibt. Man befürchtet ernste Unruhen, wenn nicht bald eine Einigung zwischen Arbeitgebern und Streifenden zustande tommt. 9. Kreis Wilmersdorf. Der Kursus Dr. Otto Mänchen:„, China Indien" muß Japan heute wegen Erkrankung des Referenten aus= fallen. Nächster Kursusabend am Mittwoch, dem 8. Februar. 19. Kreis. Donnerstag, 2. Februar, 19% Uhr, Kreisvorstand, erster Abteilungsleiter und Bezirksparteitagsdelegierte im befannten Lokal. Wetter für Berlin: Meist bedeckt mit weiterer Milderung. Leichte Regenfälle, frische füdwestliche Winde. Für Deutschland: Im äußersten Süden des Reiches zeitweise heiter mit leichtem Nachtfrost. Im übrigen Reiche überwiegend bewölkt mit weiterem Temperaturanstieg, besonders in West- und Mitteldeutschland stark windig und Regenfälle. Nationalsozialisten gehen über den Bülorplatz Sie möchten es umgekehrt haben CASINO- THEATER Städt. Oper| Rose- Theater| Komödienhaus 8 Uhr. Lothringer Straße 37 8 Uhr Charlottenburg Fraunhofer 0231 Varieté, bunte Bühne, Kabarett Mittw., 1. Februar Nur noch bis 2. Februar Onkel Muz, der Ehestifter Freitag, 3. Februar: Premiere Sonntag 4 Uhr Turnus IV 20 Uhr ,, Der Fürst von Pappenheim" Frind, Braut, BurgGutschein 1-4 Personen: Parkett nur 0,60, Fauteuil 0,75, Sessel 1,25 Madame Butterfly Sonntag 4 Uhr: Onkel Muz. Kl. Preise Staatliches Schauspielhaus 19 Uhr Faust II. Teil Theater im Admiralspalast 8 Richard Tauber Jarmila Novotna VOLKSBUHNE Frühlingsstürme Theater am Bülowplatz Täglich 84 Uhr D 1 Norden 6536 Schinderhannes von C. Zuckmayer. A. Hörbiger, C. Spira, Brausewetter, Greid, Halden, Kurz, Marlow Operette von Weinberger und Beer Regie: Heinz Saltenburg Osfar Homolka Arno, Elfter, Hart, Schwannete u. a. Die Prinzessin Von Trapezunt Eisinger, Schuster. winkel, Gombert, Gronau, Kandl, Heyer. Dirig.: Breisach Kurfürstend.- Th. Kurfürstendamm 209 Tel. Bism. 1400 Täglich 84 Uhr Große Frankfurter Straße 132 Schiffbauerdamm 25 Stettiner Sänger Tel. Weichsel E7 3422 5.15, 8.30 Uhr Die ZirkusTel. 02 Weid. 6304-05 Täglich 84 Uhr Achtung, prinzessin frisch gestrichen Schiller Bismarckstr.( Knie) B. B. B. Steinpl.( C1) 6715 Bendows Bunte Bühne Täglich 84 Uhr Sonntag 4 Uhr Der Kollo- Schlager Kottbusser Straße 6 Oberbaum 3500 814 Uhr Die Männer Sonntag auch 1/24 U sind mal so Wilhelm Bendow Soneland, Heidemann Der scharfe Löwe Theater Alice Hechy Berliner Theater Deutsches Die beste Operette Charlottenstr. 90 Dönhoff 625 des Jahres Glückliche Reise Musik von Künneke Vorverkauf ununterbr. Preis 0.90 bis 9.-M. Heute geschlossen! Freitag 84 Uhr Die Theater Schumannstr. 13 a Weidend. 5201 Täglich 8 Uhr Inszenierung Max Reinhardt Marneschlacht Prinz von von Paul Joseph Cremers. Gastspiel des Mannheimer Nationaltheaters Homburg von H. v. Kleist Reichshallen- Th., Dönhoffpl. 8.15, Sonntags 3.30 zu ermäßigten Preisen Das große Februarprogramm: ,, Karneval" HAUS VATERLAND XURFURST 7460 Vergnügungs Restaurant Berlins BETRIEB KEMPINSKI 25- Pf. Fahrschein die zweite Fahrt auf einem Autobus gegen Nachzahlung von 5 Pf. antreten, wofür man einen roten 3usagschein erhält. Ebenso brauchen Fahrgäste, die im Besitz eines 25- Pf. Fahrscheins der Straßen- oder U- Bahn sind, bei Benugung von Nachtautobussen jetzt nur noch die Differenz von 25 Pf. nachzahlen, während früher für diese Nachtfahrten die ganze Nachttage in Höhe von 50 Pf. gezahlt werden mußte. Heute sind auch die angekündigten Abänderun= im Berliner Autobusverkehr in Kraft getreten. Die Autobuslinie A 5 ist über Stegliz hinaus bis Zehlendorf- Mitte( Potsdamer Straße) verlängert worden, daneben verkehren noch unter der Bezeichnung ,, A 5 E" zur Verkehrsverdichtung Einsegwagen bis Steglig. Die Autobuslinie 14 endet seit heute nicht mehr am Schöneberger Rathaus, sondern verkehrt über die Hauptstraße weiter bis nach Steglig, und schließlich hat heute die neue Autobuslinie 18 ihren Betrieb aufgenommen, die vom Steinplag über 300, Kaiserallee, Saar-, Bismard- und Mariendorfer Straße bis nach Lankwiz( Dreifaltigkeitsfirche) führt. Brauweiler Wie uns mitgeteilt wird, handelt es sich bei dem in Aussicht genommenen neuen Staatssekretär für das Arbeitsministerium nicht um den Arbeitgebersyndifus Brauweiler, sondern um den Dr. Heinz Brauweiler, der dem Stahlhelm nahesteht. Rundfunk am Abend Mittwoch, 1. Februar Berlin: 16.15 Wie erlebt man das Gewissen?( J. Schweickert). 16.30 Aus Hannover: Nachmittagskonzert. 17.30 Heimkehr aus der Oase( W. Tritsch, Ann v. Adlersfeld). 17.45 Die junge Generation. 18.05 Violinmusik. 18.30 Immer mit die Ruhe( H. v. Zwehl). 18.55 Die Funkstunde teilt mit. 19.00 Stimme zum Tag. 19.10 Hilfe für die Erwerbslosen. 19.40 Zum musikalischen Programm des Abends( Dr. H. Strobel). 19.50 Unterhaltungsmusik. 20.50 Aus der Welt des Gelehrten. 21.10 Sinfoniekonzert. 22.15 Wetter-, Tagesund Sportnachrichten. Tanzmusik. Königswusterhausen: 16.00 Christliches Aegypten.( Dr. Dora Zunth). 16.30 Aus Hamburg: Nachmittagskonzert. 17.10 Streifzüge durch das Straf- und Bürgerliche Gesetzbuch. 17.30 Urheimat und Rasse der Indogermanen. 18.00 Tägliches Hauskonzert. 18.30 Einheitskurzschrift für Fortgeschrittene. 18.55 Wetterbericht. 19.00 Französischer Sprachunterricht. 19.30 Das Gedicht. 19.35 Unterhaltungsmusik. 20.30 40 Jahre Arbeitersänger. 21.30 Gedanken zur Zeit. 22.10 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. 22.45 Seewetterbericht. Sonst: Berliner Programm. Vollständiges Europaprogramm im ,, Volksfunk, monatl. 96 Pf., durch alle ,, Vorwärts" Boten oder die Postanstalten. Verantwortlich für Politik: Rudolf Brendemühl; Wirtschaft: G. Klingelhöfer; Gewerkschaftsbe wegung: J. Steiner; Feuilleton: Herbert Lepère; Lotales und Sonstiges: Friz Karstädt; Anzeigen: Otto Hengst: sämtlich in Berlin Ver lag: Borwärts- Verlag G. m. b H., Berlin. Drud: Vorwärts- Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer u. Co., Berlin SW. 68, Lindenstr. 3. 1 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise werden in jeder Morgen- Ausgabe des Vorwärts" veröffentlicht. " Hierzu 1 Beilage. " Reſt BLUMENSTR, 10 Die R FONTANEN ZAUBER größte Wasser Feerie der Welt Kapelle ROHRBECK Waschmaschinen Bis zu 18 Monats Raten Raddatz Berlin w8 Leipziger Str. 122-123 BEILAGE -- G- Sin fflimle der fflohensBollern SEum 200. Todestag Jluguft des Starken/ Ton Oiermann Wendel Wenn dank einer anderen geschichtlichen Entwicklung die W e t t i n e r im achtzehnten und neunzehnten Jahrhundert die Rolle gespielt hätten, die in Wahrheit die H o h e n z o l l e r n spielten, ein Fürst wie Friedrich August I. von Sachsen, mit dem Beinamen„der Starke", wäre in allen deutschen Schullesebüchern als Aus- bund erhabener cherrschertugeniden gefeiert morden. Aber die sächsische Dynastie geriet historisch ins Hintertreffen und stand zweimal aus der „falschen" Seite, in der Rheinbundzeit hinter Napoleon, 1866 bei den Habsburgern, und da die Geschichte der Besiegten immer noch von den Siegern geschrieben wird, kam jener Wetliner, der am 1. Februar 1733 dseiundsechzigjährig zu Warschau starb, sehr schlecht weg. Zwar wurde um die Mitte des vorigen Jahrhunderts sogar der kühne Versuch gemacht, seinen Uebertritt zum Katholizismus, ohne den sich seinem sächsischen Kurhut nimmer die polnische Königskrone gesellt hätte, auf innere Ueberzeugung zurückzuführen, und immer wieder wagt sich ab und zu eine „Ehrenretlung" des Vielgeschmähten ans Tages- licht, aber das Konzert der Urteile über ihn be- herrscht doch der Generalbaß der preußischen Verdammung: ein verschwenderiscber, pflichtvergessener, sein Volk aussaugender Monarch! In der Tat verwandelt sich Friedrich A u g u st, der in der Blübe seines Specks 260 Pfund wog und so ausgesprochen sächselte wie sein von Hans R e i m a n n verewigter Nachfahr, auch vor wohlwollenden Blicken in keine L i ch t g e st a l t. Die Millionen warf er mit vollen Händen zum Fenster hinaus, schwelgte in Luxus und Lustbarkeiten, bewährte sich mit der stattlichen Reihe seiner Kebsen als überzeugter Verächter der Einehe, war oft einem guten Trunk mehr gewogen als langweiligen Regierungs- geschäften, und was die Äussaugung seines Vol- kes angeht, gehörte schon die ganze lakaienhafte Unterwürfigkeit des damaligen Bürgertums dazu, wenn 1727 bei einem Besuch des Angestammten in Leipzig ein Carmen ihn also lobpries: Ein andrer preßt sein Land, beraubt den Untertan. Nimmt Wolle nicht allein, läßt auch das Fell .i>d durchschneiden, Da muß der Bürger Not, der Bauer Hunger leiden, Da sieht das Volt sein Haupt mit blut'gen Tränen an. Wir wissen nichts von diesem Mordgesellen, Die Untertanen sind hier selbst des Königs Schätze— Die Untertanen, aus denen der Despot das Geld für seine kostspieligen Launen wie für seine kostspielige Politik gnadenlos her- auskelterte. Die 1700 eingeführte General-Kon- sumtions-Akzise trieb die Lebensmittelpreise um ein Drittel hinauf, die 28 Duatember von 1704, die Kopf-, Rang- und Vermögenssteuer von 1705, die Belastung der Gewerbe, die Gehaltskürzungen der Beamten waren auch kein Kinderspiel, und nicht mit Unrecht tut T r e i t s ch k e dar, wie die armen Weber und Spitzenklöppler des Erzgebirges zugunsten der Maitressenwirtschast und Prunksucht ihres Landesherrn bis aufs Blut aus- gesogen wurden. Aber so sehr seine Persönlichkeit individuelle Züge aufwies, so sehr war Friedrich August I. von Sachsen eine typische Erscheinung: wie Friedrich Wilhelm I. von Preußen, der in vielem wie sein Gegenpol wirkt, der k l a s- fische Vertreter des fürstlichen Ab- s o lu t i s m u s. dessen historische Aufgabe die Bändigung der Feudalanarckie und die Begründung des modernen zentralijlischen Staates war. 1704 gab der sächsische Kammerherr v. Wolfs- t a m s d o r f f unter dem Titel„Porträt des Hofs von Polen" eine Art Programm dieses fürstlichen Absolutismus heraus: er empfahl, die Macht des eingesessenen schmarotzenden Adels zu brechen, die Mitregierung der Stände auszu- schalten, für eine unbestechliche Justiz und eine saubere Beamtenschaft zu sorgen, Duldsamkeit in Glaubensdingen zu verkünden, Fabriken zu för- dern und was immer sich aus der gleichen Linie hielt. Soweit es an ihm lag, war der ehrgeizige junge Kurfürst durchaus bereit, diese Ratschläge zu befolgen, aber seine Versuche, aus Kosten der Stände sein S e l b st h e r r s cb e r t u m zu errichten, stießen aus den erbitterten Widerstand der Junker, 1718 trachteten sich die Stände gar durch Einsetzung einer Landschaftsdeputation in Permanenz zu erklären und warben um die llnterstützung des Corpus EvanRelicorürn, der evangelischen Reichsstände gegen die eigene Dynastie:„alles", vermeldete ein zeitgenössischer Bericht,„konspirierte aus eine R-e o o l u t i o n hin". So hatte es schon 1607 gegen den neuen Herrn gegärt, als er eine Generalrevision der gesamten Verwaltung durch den früheren Kammerpräsidenten v. H o y m anord- nete. Damals klebte am Dresdner Rat- haus die unverhüllte Aüsforderung zur Re- volte:„Aus Ihr Bürger, wie auch Handwercks Gelellen und Lebrjungen und alles, mas man den Pöbel nennt, zerreißet den verfluchten Ge- heymbten räch Frey-Herrn von Häm, den Er hat rath gegeben mit unerträglichen Lasten zu beschweren. Ehe wird den Leuthen nicht besser, als das man solche räthe allezeith anfället und zu Todt schlägt aufs dem Land oder in Städten, und der gantz Pöbel soll vor einen Mann stehen" Aber dieser Aufruf stammte nicht, wie es scheinen könnte, aus der Schicht der Unterdrückten, der Handwerksgesellen, des„Pö- bels" oder Proletariats, sondern aus dem kleinen Kreis der Privilegierten, die von der General- revision das Ende der von ihnen seit Jahrzehnten ausgeübten Mißbräuche befürchteten. Gegen diese A d e l s k l i q u e hatte August der Starke bis an den Schluß seiner Tage den Kampf zu führen: noch seinen Sohn ermahnte er, die einheimische Aristokratie zu ducken und um ihren Landbesitz zu bringen. Wenn sich der sürstliche Absolutismus außer auf eine geschulte Bureaukratie auf ein diszipli- viertes Heer stützte, wetteiferte der Wettiner auch auf diesem Felde mit den Hohenzollern. Ver- mehrung, Neugliederung, Umformung der Armee lagen ihm um so mehr am Herzen, als er sie für seine ausschweifenden außenpoliti- scheu Pläne brauchte. Kann auch nur die vollkommene historische Einsichtslosigkeit seiner Politik deutsche Beweggründe unterschieben, da sie wie die all seiner gekrönten Zeitgenossen einzig vom dynastischen Interesse geleitet wurde, so träumte er doch davon, die Wettiner Hausmacht In der stürmischen Not, wenn der Blizzard mit teuflischer Wildheit über die Nordländer wettert und die Kälte, 30 Grad unter dem Nullpunkt, durch die dicken Felle dringt, mit einer schneidenden Schärfe, als wollte sie die Knochen zum Gefrieren bringen, wenn der dichte Schnee unermüdlich fällt, zu kleinen Bergen wächst und längst jede Spur und jeden Weg zum Verlöschen brachte, und wenn der Mensch die ewige Hossnung verliert und das letzte Körnlein Mut wie Schneeflocken zergeht, dann übernehmen die Huskies, die Polarhunde, die Führung. Wir haben sie gesehen, droben im Norden von Kanada, und es war mehr als Bewunderung, die wir fühlten: wir dachten an die Gefahren und unbeschreiblichen Mühen, zwischen denen das Ab«,!- teuer zu einer wundervollen Leistung geistiger und körperlicher Kräfte wird, wir dachten an die Ar- beit der Polforscher und es wurde uns klar, daß diese Huskies, diese Hunde, einen der größten Anteile hatten an der Entdeckung nördlicher Erd- teile. Ebenso wie das Canoe der Indianer im Norden Amerikas. * Unvergeßlich wird uns jener Tag bleiben, da uns diese Huskies, zu sieben geschirrt, auf einem schmolkufigen Holzschlitten zogen. Ein Indianer führte den Zug: er hatte eine dünne, lange Peitsche aus einem Büffelfell, die er niemals gegen seine Hunde geschwungen hatte. Die Musik der silbernen Glocken konnte man weithin durch das breite Tal hören, wundervoller aber als dieses silberne Spiel war die Art, wie Wabska, der Führerhund, ine Huskies in Ordnung hielt und blitzartig jede geringste Abweichung vom richtigen Wege korrigierte. Er findet jede Spur nach vielen Jahren zurück, erzählte der Indianer, und zahlreich sind seine Er- innerungen an kühne und unglaubliche Leistungen. verirrte Trapper droben am Pukon auf den rich- tigen Weg geführt zu haben. Er hat über Schnee- stürme gesiegt und zwischen einsamen Dörfern die Verbindung hergestellt. Er hat drei Jahre bei der Royal Canadian Mounted Police gedient und ist ein Wunderwerk an Mut, Ausdauer, Disziplin und Denken. Wabska ist ein Malamut, der Sohn eines Pu- konhundes und eines Wolfes. Cr wiegt kaum 80 Pfund. Sein Fell ist silbergrau. Seitdem er die Führerschaft erobert hat, ist es keinem Hund gelungen, ihn zu verdrängen. Und während wir in rascher pausenloser Fahrt aber die Felder jagen, erzählt uns der Indianer die Geschichte von den nächtlichen Kämpfen Wabs- kas mit einem Wolf, der zu seiner Nachfolge be stimmt wurde. ★ Es war von Anfang an eine Abneigung gegen Pukon, den gezähmten Wolf der nördlichen In- dianer, zweimal überfiel er ihn und stellte ihn au! freiem Feld zum Kampf, aber immer wieder konnte er von seinem Feind getrennt werden. Einige Jahre später aber, als sich das Team im Dorfe seines Stammes befand, es war in einer klaren Sommernacht, holte Wabska seinen Gegner zu einem Zweikampf aus dem Zwinger. Wir hatten, wie ich mich erinnere, wohl manchmal das Ge- räusch eines Kampfes zwischen starken Tieren ge- hört, aber Wölfe gab es in unserer Nachbarschaft, auf feste Quadern zu gründen. Daß er 1607 seine Wahl zum König von Polen durch- setzte, sollte ihm zu einer Machtpolitik größten Stils die Tür öffnen, 1699 unterhandelte er mit Ludwig XIV. von Frankreich über ein Bünd- nis gegen die Habsburger, das den Zweck hatte, ihn selber zum Herrn von Mitteleuropa, vielleicht zum deutschen Kaiser zu machen:. eine Um- und Neugestaltung der Landkarte von gewaltigen Dimensionen", urteilt ein neuerer Biograph Augusts des Starken, Paul H a a k e, über diese Pläne,„von schlechthin revolutionärem Charakter! Des Großen Kurfürsten Aspira- tionen 1668 bei einer künftigen Aufteilung der habsburgischen Monarchie, Friedrichs des Großen Eroberung Schlesiens 1740 erscheinen dagegen fast winzig, zahm, wie matte Surrogate". Als dieses Unternehmen im Entwurf stecken blieb, verbündete sich der Kurfürst-König mit dem Russenzaren Peter I. gegen Schweden, um durch die Einverleibung Livlands den Grund zu einer nordischen Großmacht unter dem Szepter der Wettiner zu legen, aber dieser Krieg endete katastrophal mit der ein Jahr währenden Besetzung Sachsens durch die Soldateska Karls Xll. Wenn dem Wettiner nicht glückte, was nicht viel später einem Hohenzollern gelang, so gewiß nicht, weil Friedrich II. von Preußen den sächsischen Friedrich August an geistigen wie es Pumas auf den Bäumen gab. Stunden- lang mußten beide um die Führerschaft gerungen haben. Aber am nächsten Morgen lag Pukon besiegt hinter den Gebüschen des Lagers. Wabska behielt die Führerschaft, obwohl sein Zllter groß genug war, mit der Arbeit Schluß zu machen. Der Indianer schwieg und zeigte mit dem Peitschenstiel auf den Führerhund, der wundervoll in Haltung und Form dem Zug vorauslief. Es mußten unerhörte Kräfte in diesem Körper stecken: -denn Wabska war kleiner als die übrigen Hus- kies: seine Beine waren fast die einer Gazelle, aber seine Augen, und der Blick, mit dem er mit uns sprach, war unvergeßlich. Cr zog durch seine Zlrt zu arbeiten immer wieder unsere Aufmerk- samkeit auf sich. Und die Gefühle zu beschreiben. die wir hatten, während der Schlitten weiter- jagte, würden verblassen gegen die Wirklichkeit. Niemand sah einen Weg vor sich. Schnee war gefallen und überall war die weiße Fläche gleich und unberührt. Wälder standen hoch und einsam an den Randern der Täler, und eine grünschim- mernde Eiswand hing vor uns in die Tiefe. Klein? Seen und Flüsse kreuzten unseren Weg, wir be- merkten sie nicht. Von Zeit zu Zeit befahl der Führerhund ein« kurze Rast. Es war unbeschreiblich, wie der Führer hinter uns auf den Kufen stand, die Bremse zu bedienen, ohne mit den Zügeln jemals«ine Wegrichtung zu zeigen. Wabska arbeitete allein. Ich bin vor acht Jahren durch dieses Tal ge- fahren, erklärte der Indianer: am untersten Ende liegt ein kleines Dorf: ich kenne wohl die Spitzen der Berge, ich kenne dieses Tal bei seinem Namen, ich kenne dieses kleine Dorf: aber niemals würde ich den Weg wieder erkennen, die kleinen Flüise, über die wir fahren, und die kleinen Seen, die unter dem Schnee gefroren sind. * Man begreift langsam die Verbindung dieser beiden Dinge mit der Entdeckung und Erforschung dieser nördlichen Gebiete, man könnte ein Buch mit wundervollen'Abenteuern schreiben, über die Mit- arbeit der Huskies an der Erschließung Kanadas, Alaskas und den Gegenden der Eisregionen. Was das Eanoe auf den Gewässern den Forschern be- deutete, das war in unglaublich erhöhtem Maße die Huskierasse für alle, die in diese endlosen, fremden, kalten, eisigen und schneedurchstürmten Länder vordrangen. Huskie, dieses Wort allein heißt hier oben Dank und Bewunderung und Liebe. Es sind Hunde aus dem Vorgeschlecht von Wölfen, Hunde der nördlichen Indianer, wie man sie überall droben am Bukon schon, bis hinunter nach Quebec finden kann: jede Art kaum einen Schatten anders. Der Neugrönland-Cskimohund ist heute noch nichts anderes als zivilisierter Wolf,- der asiatische Samoyd und der herrliche Hund aus dem Makenzie River Delta, der Pukonhuskie, der Neu- fundländer und Schafherdenhund, bis zur letzten Abart unseres Spitzhundes. Aber immer sind sie schön gebaut, ihr Fell ist silbergrau, weiß bis zum heftigsten Schwarz, ihr Gesicht hat jene verlockende Süß«, die uns zur Liebe zwingt. Ihr Leben ist voll von Ereignissen, die nicht weniger zu dem ewigen Bestand der Volkeerzählungen gehören: wir hören sie in jeder Hütte und in jedem Haus, und oftmals sind es Dinge, die uns um nichts WmvocH. I.FEBRUAR 1933 und sittlichen Eigenschaften turmhoch überragt hätte. Vielmehr trug die andere Lage Sachsens die Schuld: vor allem erwies sich Polen weit mehr als Quell der Schwäche denn der Stärke. Dann aber war Sachsen trotz allem wirtschaftlich und kulturell zu entwickelt: um so unbedingt zur Kaserne und zum Exerzierplatz zu veröden wie jenes Preußen, das als„des Heiligen Römischen Reiches Streusandbüchse" oerspottet wurde. Hatte in Berlin die Barbarei ihre Stätte, so in Dres- den die Bildung. So erleuchtete Geister dieser Zeit wie Leibniz, Pufendorf und T h o- m a s i u z waren geborene Sachsen, und ein W i n k e l m a n n flüchtete entsetzt aus dem Preußen, in dem noch immer der Krückstock Friedrich Wilhelms I. aus dem Rücken der Untertanen tanzte, in das Sachsen, in dem noch die von Kommißmuff freie Ueberlieferung Augusts des Starken lebte. Mochte es auch geschehen, um seinem Selbstherrschertum einen schimmernden Rahmen zu schaffen, so tat dieser Fürst doch viel, um Dresden zu einer Stätte ver- feinerter Gesittung, zu einem„deutschen Florenz" zu machen: seine Bauten und seine Kunstsamm- lungen sprechen noch heute beredt von seinem sinnenfreudigen Mäzenentum, Sicher war es naiv, wenn die Untertanen den Glanz dieses vergoldeten Barock anstaunten, weil er das ihnen abgezapfte Geld„roulieren" lasse, das war: unter die Leute bringe, aber ebenso sicher steckt das Wesentliche dessen, was auf der Plusseite A u g u st s des Starken zu buchen ist, in Franz Mehrings nachdenklicher Bemerkung:„Viel- leicht ist die Dresdner Gemäldegalerie ein ebenso wirksamer Hebel deutscher Kultur gewesen wie der Stock, mit dem die preußischen Friedriche ihre Soldaten drillten." weniger erschüttern und packen als menschliche Ge- schehnisse. Wir hörten von Mountie uno dessen unbeschreiblichem Pflichteifer, wie wir von dem Spiel Rintintins hörten: sie gehören zu den Be- rühmten. Sie halten ihren Platz in der Geschichte dieser Urwälder und arktischen Gegenden am Nord- ende Kanadas und Alaskas, durch unermüdliche neue Arbeit und durch neue Heldenstücke aufrecht: denn viel ist noch wild und unbewohnt im Norden Amerikas; viel ist fremd und namenlos. ★ Es ist nicht einfach, ein Huskieteam zu führen: es gehört viel Kenntnis in der Bespannung dazu, im Geschirren und vor allem im Verkehr mit den Hunden. Jeder von ihnen hat sein eigenes Leben, seinen eigenen Charakter und jeder von ihnen be- sitzt oen Ehrgeiz, an die erste Stelle zu kommen. Zuneigung und Abneigung herrschen unter ihnen ebenso wie bei den Menschen, und äußerst span- nend, heftig und gefährlich sind die Kämpfe, die zwischen den Huskies und den Wölfen ausgetragen werden. Es ist eine Arbeit und«in Leben, die immer Neues bieten und zahlreich sind die un- erwarteten Vorkommnisse, die mitunter scharf an das Abenteuerliche grenzen. ic Das Spiel Der silbernen Glocken vor uns, nach dreimaliger kurzer Rast, haben wir bald das kleine Dorf am Ende des Tales erreicht. Rascher als wir dachten, hatten die Huskies die hundert Meilen durchlaufen: nun standen sie kurz bellend um ihren Führer, der jeden einzelnen von ihnen genau prüfte und reinigte. Auf einigen weichen Fellen schliefen sie in einem Viereck beisammen, nach sorg- fältigem Mahl, zur Nacht. Wir aber hörten noch immer das silberne Glockenspiel und sahen die weißen Landschaften vorübergleiten, und sahen das Prüfen des Weges durch den Leiter der Hunde, und die rätselhafte, sichere Art Wabskas, die etwas ganz wunderbar Geheimnisvolles hatte, und wir hörten das zeitweilige„mush, mush" des Indianers, das die Huskies mit einem raschen, klaren Geläut beantworteten, fröhlich in ihrem Beruf. Bis sich das Ganze zu einem einzigen Ereignis zusammenfügte und als eine eigenartige, seltsame Fahrt unvergeßlich in der Erinnerung einen Be- stand eroberte. A. W, .9?i(iifl um das 9ileinaulo Zusammenstoß. Traurig kehrt das Kinderfräulein mit Baby und Kinderwagen nach Hause zurück. „Was ist los?" fragt die Mutter des Babys. „Weshalb sind Sie betrübt?" „Wir hatten einen Zusammenstoß mit einem Auto an der Gedächtniskirche!" „Um Gotteswillen!" ruft die Mama. „Baby ist unverletzt. Dem Kinderwagen ist auch nichts passiert. Und auch ich bin heil davon- gekommen," erwidert die Kinderschwester. „Gott sei Dank! Aber warum sind Sie denn so traurig?" „Weil ein strenger Schupo mich aufschrieb." „???" „Das Auto, mit dem wir den Zusammenstoß hotten, war ein Kleinauto und ist ganz zertrüm, mert worden.. Wabska, der führerhund Sine Qefchichle aus dem nördlichen 9ianada Der Schnelläufer aus Stahl und Eisen Wo Arbeit geleistet wird, wird Kraft verbraucht; wo Kraft verbraucht wird, findet eine Abnutzung statt. Je schneller das Arbeitstempo ist, um so schneller wird die Kraft verbraucht und um so größer ist auch die Abnutzung. Dagegen gibts kein Wenn und Aber, das ist ein feststehendes physikalisches Gesetz. Das ist bei der Kraftmaschine, die wir Mensch nennen so wie bei anderen Maschinen. Auch bei Automobilmotoren! Aus Amerika tommt die Kunde, daß man dort die Automobilmotoren wieder einmal auf höhere Touren konstruiert hat, weil dadurch kleinere Maschinen mehr leisten. Die niedrigste Tourenzahl ist dort brüben 2800 pro Minute, also so, wie die meisten deutschen Motoren laufen, wenn sie ihre volle, in PS angegebene Kraft hergeben sollen. Einige deutsche Fabriken bleiben noch unter dieser Zahl. Doch in Amerika geht man bis auf 3400, 3600, ja bis 3800 Umdrehungen in der Minute. Das sind sehr hohe Touren. Man bedenke bitte, daß ebenso oft die Kolben in den Zylindern auf und abgehen. Ein Punkt am Umfang des Schwungrades, einem Durchmesser von etwa 35 Zentimeter vorausgesetzt, legt also in einer Minute einen Weg von 3800 Meter zurück, das ist eine Stundengeschwindigkeit von 228 Kilometer. Bei 10 Zentimeter Kolbenhub macht der Kolben in einer Minute einen Weg von 760 Meter oder in der Stunde 45 600 Meter. Diele Riesenstrecke legt er reibend an der Zylinderwand zurück. Kreistag der Arbeiter- Athleten Die starken Männer meistern die Krise Am Sonntag fand der diesjährige Kreistag der bundestreuen Arbeiter Athleten für Berlin und Brandenburg statt. Die Delegierten ließen es sich nicht nehmen, geschlossen an der Demonstration der Eisernen Front im Lustgarten teilzunehmen; danach wurde die Tagung fortgesetzt. Den Geschäftsbericht für das vergangene, außerordentlich arbeitsreiche Jahr gab wieder Kreisvorsitzender Heinrich. Der Rückgang an Mitgliedern ist in dieser Notzeit nur gering. Mit größtem Fleiß und Ausdauer ist an dem Ausbau der Organisation weiter gearbeitet worden, drei Vereine sind als Mitstreiter neu in die Reihen eingetreten. Der Sportbetrieb mar in allen Sparten sehr rege und bei der hohen technischen Entwicklung des Sportes haben sich nur zwei Un fälle ereignet. Neben den Serien-, Mannschaftsund Freundschaftskämpfen sind wieder größere sportliche Veranstaltungen geplant, in erster Linie gilt es hier, den Nachwuchs zu fördern. Auch im Bundesgebiet herrscht ein reger Sportverkehr; in internationalen Kämpfen steht der ArbeiterAthleten- Bund weitaus an erster Stelle. Der Kreistechniker Brüller berichtete dann im einzelnen über die Artisten-, Heber- und Ringersparten und über das neue Arbeitsprogramm. Im Reich haben die Berliner Athleten stets recht gut abgeschnitten. Der Bundesmeister im Heben, Lichtenberg- Friedrichsfelde 04, hat diesmal gegen Augsburg den Titel zu verteidigen. Der Borwart Mehlbaum fonnte ebenfalls über gute Fortschritte in seiner Sparte berichten, die 6 Bogabteilungen haben 20 Veranstaltungen durchgeführt und im Reich sich immer gut behauptet; über die Arbeit in der Jiu- Jitsu- Sparte in neun Bereinen sprach Kunz. Die Erhaltung des Bundes und der Bundesschule verlangt wichtige Entscheidungen, deshalb murde einstimmig ein Antrag angenommen, der die Einberufung eines Bundestages fordert; einstimmig wurde ferner die Einführung des Sportabzeichens der 3. abgelehnt. Zum 1. Vorsitzenden wurde wieder Heinrich gewählt, 2. Vorsitzender Deutschmann, Kassierer Frohne und Hippe, Schriftführer Henze und Schulz, Technischer Leiter Brüller, Presse Mischke, Borwart Munter, JiuJitsu Kunz, Jugendleiter wurde Schulz. Es leuchtet ein, daß das ein ungeheurer Ber- Die Reichskanzlerpartei Schlafwagen 2. Klaffe beanspruchte, aber in einem schleiß sein muß. Er wird natürlich durch Del, durch eine genau geregelte Explosion des Benzins, durch Präzisionsarbeit gemilbert, aber er ist da. Sollte man da nicht den Schnelläufer etwas be= sänftigen und ihn besser langsamer laufen lassen? Zweierlei scheint dagegen zu sprechen. In Deutschland wird die Kraftwagensteuer nach dem Zylinderinhalt des Motors berechnet. Je größer die Löppe", um so höher ist die Steuer. Auch menn ich jeden Tag nur 10 Kilometer fahre. Folglich baut die Industrie Motoren mit kleinen Zylindern und holt, was sie dabei an Kraftleistung meniger erhält, durch hohe Touren heraus. Zum zweiten ist ein schnell laufender Motor ,, elastischer" als ein langsamer; er ist ,, weicher" in der Hand des Fahrers, er ,, töppert" nicht. Aber das geschieht alles auf Kosten der Lebensdauer der Maschine. Gewiß, ein Benzinmotor ist keine Dampfmaschine, die mit ihrem Riesenschwungrad würdevoll und gemessen ihre Umdrehungen macht. Ein Benzinmotor ist von Natur ein Schnelläufer. Aber zu schnell soll man ihn auch nicht laufen lassen, ſonſt siehe den ersten Absatz dieses Artikels! ,, Friedrichshain III" Ein Spätling beim Sturmvogel Diesen Namen gab der Verbandsvorsitzende des ,, Sturmvogels", Dr. Staudinger, gestern dem Segelflugzeug der Ortsgruppe Friedrichshain. In seiner Taufrede führte er aus, daß das neuerbaute Segelflugzeug ein Ausdruck der Kameradschaftlichkeit sei. Und an dieser Kameradschaftlichkeit wird auch jede gegenpolitische Strömung zerschellen. Wissen ist Macht, Wissen ist notwendig, aber noch notwendiger als Wissen sei Vertrauen zur Persönlichkeit. So möge auch dieser Apparat ein Mittel im Kampf der Arbeiterschaft sein. Das neue Flugzeug, ein Falke- Typ, wurde unter großen ideellen und materiellen Opfern von den Mitgliedern der Gruppe Friedrichshain im freimilfigen Arbeitslosenfurfus erbaut. Auf der Ausstellung ,, Licht, Luft und Sonne" sowie auf der ,, Dela" propagierte die Maschine bereits den Sturmvogel- Segelflug. Nachdem die ,, Dela" be= endet mar, murde die Maschine von den Mitgliedern abgeholt. Dabei stellte es sich heraus, daß Bubenhände das Höhensteuerseil halb durchgefniffen hatten, die Tragflächen zierte ein großes Hafenfreuz. Hier zeigten diese Herrschaften ihre aufbauvillige Tätigkeit im richtigen Licht. Troßdem ließen sich die Sturmvogelleute den Mut nicht nehmen; in den letzten Abend- und Morgenstunden wurde der Apparat wieder gebrauchsfähig gemacht. Die gestrige Weihe fand unter starker Beteiligung der Berliner Ortsgruppen statt. Zwei Filme, hergestellt von Mitgliedern des Sturmvogel demonstrierten die Arbeiten und die Feierstunden in den Segelfluglagern des Verbandes. Humoristische Borträge und musikalische Darbietungen erfreuten noch lange die Erschienenen. Nazis zerstören Sprungschanze der Arbeitersportler Als Chemnizer Nazis einen Ausmarsch nach der Gegend von Euba hatten, ist das 12 Meter lange und 4% Meter hohe Anlaufgerüst der Sprungschanze des Arbeiter Turnvereins Euba aus seinen Grundfesten gerissen und umgestürzt worden. Dadurch ist es zum Teil zerstört worden. Die Empörung unter der Arbeiterschaft Eubas über diesen Schandstreich ist groß. Das Gerüst stand auf Saatacker. Durch die Zerstörung des Gerüstes ist auch dem Landwirt beträchtlicher Schaden zugefügt worden. So geben die Mannen Hitlers auch der Landwirtschaft praktische Proben ihres aufbauenden" Willens. Die Sprungschanze wird selbstverständlich wieder hergerichtet. Nobel muß die Welt... Unsere kommunistischen Sportler sind wachechte Broleten, ohne Zweifel. Darum sind sie ja gerade aus den ,, reformistischen Verbänden" ausgetreten, um echt proletarisch und lassengemäß leben zu tönnen. So hört und liest man es; aber es will mit den Tatsachen nicht recht übereinstimmen. Hatte doch neulich Rotsport sich eine Hodenmannschaft aus Wien verschrieben bürgerliche Leute, denn in Wien gibt es keine RotsportDereineund die hat die Kleinigkeit von 2500 Mark gekostet. Die Herrschaften mußten natürlich) 2. Klasse Schlafwagen fahren. Wir kennen diese Allüren noch von den russischen Fußballspielern, die auch immer in den feinsten Hotels wohnen mußten. Auch unsere hiesigen Rotsportler sollen in ihren Ansprüchen wenig bescheiden sein, ohne aber die Moral der reinen Weste dabei streng zu beachten. So wird erzählt, daß eine MannKreuzworträtsel 21 3 5 7 8 9 10 11 12 14 16 17 19 F.S. 15 13 15 18 20 schaft, die in Dresden starten sollte, ebenfalls gewöhnlichen Personenzug reiste und die ersparten Gelder als Spesen verbrauchte! In Rotsporttreifen soll darüber nicht geringe Unruhe entstan den sein, und es soll etliche Leute geben, die zwischen der Reinheit der Lehre und dem Schmuz der Praris eine unüberbrückbare Kluft entdeckt haben. Wir wundern uns darüber nicht, denn nach unseren Erfahrungen fallen solche Dinge im Rotsportlager gar nicht mehr auf, man ist also in diefer Beziehung genügend abgehärtet. aber ein ,, reformistischer Bonze" Schlafwagen 2. Klasse fahren würde, da solltet ihr einmal das höllische Gekläff der kommunistischen Zerberusse hören! Vereinigte Kegler Wenn Der Berliner Berliner Sportkeglerklub, Sportfeglerflub, der Freie Reglerbund Deutschlands, Gau Berlin, der Reglerverband Oberspree und die Vereinigung Berliner Damenkegelflubs haben eine Arbeitsgemeinschaft gebildet, um gemeinsam die sportlichen und wirtschaftlichen Interessen ihrer Mitglieder zu vertreten. Hierdurch find 2000 organisierte Sportfegler und Sportfeglerinnen Groß- Berlins zusammengeschlossen. Geschäftsstelle Mar Miste, Berlin- Reinidendorf- West, General- Woyna- Str. 7, Telephon D 9 Reinidendorf 0338( 9 bis 17 Uhr: C 5 Hansa 7595-97). Wir berichten Bezirksmeisterschaften des F& BD. Bei den Klubmeisterschaften auf Bohle des Bezirks Norden in der Sporthalle Wilhelmsaue sicherte sich der SKK. Marathon die Spizze mit 3620 Holz bei Fünferwertung je 100 Rugeln vor Heros 3595, Olympia 3572, Blau- Weiß 3566, Artus 3537, Fraternitas 3526, Freimeg 3516 Holz. Im Bezirk Often wurde der Bundesmeisterklub Aha von SKK. Merkur in der Sporthalle Schneider- Briz ge= schlagen. Merfur 3624 Holz, Aha 3577, Derby 3567, Borussia 3555 Holz. Im Bezirk Westen gewann die Scherenklubmeisterschaft SKK. Gemütlicher Stamm mit 1686 Holz vor Bundestreue 1683, Corso 1645, Scharfe Kante 1617. Die Asphaltklubmeisterschaft holte sich SKK. Pallas mit 1278 Holz vor Bundestreue 1270, Gemütlicher Stamm 1269, Scharfe Kante 1266, Corso 1260 Holz. Bezirkseinzelmeister auf Schere Köhler 353 Holz. Bezirkseinzelmeister auf Asphalt Irrgang 283 Holz. Die Eiskunstlauf- Europameisterschaften, Schäfer vor Baier. Der Londoner Eisklub begann am Montagabend mit der Abwicklung der Europameisterschaften im Eiskunstlaufen für Herren, Damen und Paare. In der Europameisterschaft für Herren war erwartungsgemäß der Wiener Weltmeister Karl Schäfer eine Klasse für sich, einstimmig erkannten ihm die Preisrichter wieder den Europatitel zu. Von den übrigen Konkurrenten machte der deutsche Meister Ernst Baier die beste Figur, er erhielt ebenso einstimmig wie Schäfer den zweiten Platz zuerkannt. Im Kunstlaufen der Damen siegte Sonja Henie. In das Skiparadies Kitzhübel geht eine 15tägige Skifahrt des Touristenvereins Die Naturfreunde". Beginn der Fahrt Sonnabend, 18. Februar, abends. Das Standquartier liegt in 1600 Meter Höhe. Teilnehmerkosten 131 M. Darin sind enthalten: Eisenbahnfahrt, Ski- und Gepäctransport, Stifurs, lebernachten in Betten und volle Verpflegung. Auch in das Riesen= gebirge wird zur gleichen Zeit eine 15tägige Stifahrt unternommen. Der Preis für diese Fahrt beträgt 69 M. Anmeldeschluß für beide Fahrten 8. Februar. Meldungen an das Reisebüro des Touristenvereins„ Die Naturfreunde", Berlin N. 24, Johannisstraße 14/15. Fernruf D 1, 4177. Schwarzes Brett ,, Solidarität", Radfahrer. Sigungen: Abt. Kreuzberg: Freitag, 3. Februar, Planufer 75-76. Abt. Wedding: Mittwoch, 1 Februar, Reinidendorfer Str. 42. Abf. Prenzlauer Berg: Donnerstag, 2. Februar, Oderberger Straße 31. Abt. Neukölln: Donnerstag, 2. Februar, Saaleftr. 5.- Abt. Mitte: Mittwoch, 1. Februar, Forster Straße 9. Abt. Tiergarten: Freitag, 3. Februar, Steinmetstr. 36a. Abt. Oberschöneweide: Freitag, 3. Februar, Wilhelminenhofstr. 64. Abt. Charlottenburg: Abt. Freitag, 3. Februar, Wilmersdorfer Str. 21. Reinidendorf: Mittwoch, 1. Februar, Holländer Str. 23. Beginn überall 20 Uhr. RKS. Neukölln. Jeden Sonntag, 9% Uhr, im Neuköllner Schügenhaus, Naumburger Straße, Schießen. Bau- und Erwerbsgenossenschaft Vorwärts". General versammlung Sonntag, 5. Februar, 16 Uhr, im Bootshause. Kartellbezirke Webbing und Reinickendorf. Sportlerhundertschaften: Uebungsabend Donnerstag, 2. Februar, 20 Uhr, Turnhalle Müller- Ede Triftstraße. Reichsbanner- Wassersportabteilung, Zug Köpenid. Don nerstag, 2. Februar, 21 Uhr, Kastenrudern, Bahnhof Tiergarten, Stadtbahnbogen. Sonntag, 5. Februar, 17 Uhr, Filmvortrag: Faltbootfahren im Lappland". Gäste will. fommen. Freie Faltbootfahrer Berlin. Donnerstag, 2. Februar, 20 Uhr, alle Gruppen im ASB."- Heim, Softyftr. 4. Funktionärversammlung Montag, 6. Februar, 20 Uhr, Linde, Uferstr. 18. Tennis- Rot Prenzlauer Berg. Donnerstag, 2. Februar, 20 Uhr, Abteilungsversammlung bei Hoffmann, Enchener Straße 8. Abt. Neukölln. Heute, Mittwoch, 19% Uhr, Hallentraining, Rütliftr. 41-42. ATSB., 1. Kreis. Für alle Uebungsleiter, Turnwarte und Kinderturnwarte wird auf die Veranstaltung des Berliner Voltschors hingewiesen: Freitag, 3. Februar, 20 Uhr, Gaalbau Friedrichshain. Anschauung und Lehrabend für alle Interessenten. Genosse Zimmermann- Leipzig hat die Bewegungsregie. Wassersportverein Fraternitas. Gigung Freitag, 3. Fe bruar, 20 Uhr, im Faltensteiner. Borstand eine Stunde früher. Mitglieder mit und ohne Boot werden aufgenom men, tein Eintrittsgeld. Motore im Sportpalast Nach der nunmehr erfolgten behördlichen Genehmigung und der Anbringung der von der Bolizei verlangten Sicherungen erfolgt am Sonntag, 5. Februar, die Premiere der Hallendauerrennen im Berliner Sportpalall. Sechs Fahrer, darunter Sawall, Rr. Wolke, Mezze und Wißbroecker, wird man hinter den Schrittmachern Gedamke, Saldom und Meinhold jr. um die Bahn jagen sehen. Das Programm des Steherkampfes fieht zunächst zwei Borläufe über je 15 Kilometer vor, deren Sieger mit dem schnellsten Zweiten den Endlauf über 20 Kilometer bestreiten, während die restlichen drei Fahrer ebenfalls in einem 20- KilometerRennen starten Borher gibt es noch drei Zweierverfolgungsrennen über je 5 Kilometer und den Amateuren bietet sich in einem Stundenmannschaftsrennen Gelegenheit zur Betätigung. RÄTSELECKE Waagerecht: 1. griech. Seherin; 6. Tonfigur; 9. chem. Grundstoff; 11. Ort in der Nähe des Tsadfees; 12. bedrückender Traumzustand; 13. Berneinung; 14. jap. Staatsmann; 18. OstseeSentrecht: bad; 20. griech. Tragiker. 1. Rippenstück; 2. Hilferuf aus Seenot; 3. Getränf; 4. Nebenfluß der Barthe; 5. alte Burg Athens; 7. Farbmittel; 8. Osteuropäer; 10. Straße ( franz.); 11. Monat; 15. Kanton; 16. Borgebirge; 17. Ruinenstadt in russ. Armenien; 19. Abkürzung für 3. Verfügung. Silbenrätsel a al bal berg burg by char ei erz et ge gen i in fla fo fos licht lon lot luft ma me nat nu re rol rom sad sat sel sen spi stand te te ten ter ters tri va vi ze. Aus obigen Silben find 14 Wörter zu bilden, deren Anfangs- und Endbuchstaben, beide von oben nach unten gelesen, ein Sprichwort ergeben( ch1 Buchstabe a== ae). Bedeutung der einzelnen Wörter: 1. Berg bei Weimar; 2. Herrenanzug; 3. geograph. Begriff; 4. grammat. Bezeichnung; 5. Stadt in Medlenburg; 6. Belztier; 7. altgriech. Dichter; 8. Bezirk Groß- Berlins; 9. Schußmaffe; 10. männl. Figur aus bem ,, Barbier von Sevilla"; 11. neuzeitliches Werbemittel; 12. Kinderbelustigung; 13. Mineral; 14. Gemüse. Zitatenproblem kk. 1. Dem verblendeten Stolz fehlt es nie an Worten. Lichtenberg, Schriften. 2. Hart ist des Tages Arbeit. Platen, Die Nacht. 3. Die Bosheit sucht feine Gründe, nur Ursachen. Goethe, Göz von Berlichingen. 4. Mann der Arbeit, aufgewacht! Herwegh, Bundeslied. 5. Der Gott, der Eisen wachsen ließ... Arndt, Lieder. 6. Rundum der Kampf aufs Messer. Freiligrath, Merkspruch. 7. Schelten können nur die Toren. Bodenstedt, Sprüche.. Jedem der vorstehenden Zitate ist ein Wort zu entnehmen. Aneinandergereiht ergeben diese sieben Wörter einen Ausspruch von Ernst Orilepp. 3 3 R. Bl. Magische Figur Die Buchstaben: a addeeeeeee hiinnnnnrr ssssssttuu w w sind in die nebenstehende Figur so einzutragen, daß die waagerechten Reihen und die entsprechenden sentrechten Reihen Wörter folgender Bedeutung ergeben: 1. Teil der Zeitung; 2. Robbenart; 3. Gemässer bei Berlin. H. S. Umstellaufgabe Durch Umstellung der Buchstaben in den Wörtern: Traum, Drake, Ossanwert, Salerno, Bergheer, Lore, Girlanden und Heizung erhalten die Wörter folgende Bedeutung: 1. bedrängte Lage; 2. ehemaliger russischer Politifer; 3. russischer Dichter; 4. Stadt in Frankreich; 5. Unterkunft; 6. russisches Gouvernement; 7. Stadt in der Sowjetunion; 8. Lotterievorgang. Die Anfangsbuchstaben der gefundenen Wörter nennen einen deutschen Dichter. R. Bl. Auflösungen der letzten Rätselecke Kreuzworträtsel. Waagerecht: 1. Martt; 4. Panne; 9. Aare; 11. Hiob; 12. Toni; 14. Rulm; 15. Tag; 16. Eber; 17. Es; 19. Elul; 21. Most; 26. As; 28. Eris; 30. Art; 31. Thor; 32. Klee; 33. Thea; 35. Krug; 37. 3arge; 38. ehern. Senfrecht: 1. Motte; 2. Rang; 3. Kai; 5. Ahle; 6. Nimbus; 7. NO.; 8. Ebert; 10. Efrü; 13. Dase; 18. Au; 20. Leiter; 22. Ob; 23. Tare; 24. Zeitz; 25. Wert; 27. Stern; 29. Shag; 30. Alge; 32. Ruh: 34. Ha.; 36. Re. Zahlenrätsel: Karneval; Allee; Rennen; Nenner; Enkel; Varel; Arena; Lanner. Berstedter Einbrecher. Waagerecht: 1. Gote; 4. Kant; 7. Anfer; 8. Ring; 9. Note; 11. Erifa; 16. Ade; 19. Kastanien; 20. See; Senkrecht: 1. Garn; 2. Tanne; 3. Eng; 21. Hut. 4. Ken; 5. Arosa; 6. Teer; 10. Lida; 12. Ratte; 13. Reneh; 14. Aft; 15. Daus; 17. Cent; 18. Jnn. Geldschranktnader. 3itatenrätsel: In Freiheit leben heißt erst leben.