Morgen- Ausgabe Nr.59-63 A 30 50. Jahrg. Rebattion und Berlag: Berlin SW 68, Lindenstr. 3 Serniprecher 7 Amt Donhoff 292 bts 297 Telegrammabreffe: Sozialbemotrat Berlin Vorwärts BERLINER VOLKSBLATT DIENSTAG 7. Februar 1933 Jn Groß Berlin 10 Bf. Auswärts....... 15 Pf. Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise fiebe am Schluß des redaktionellen Teils Bentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Otto Wels spricht heute 6 Uhr im Lustgarten Stellplätze: Stadtbezirke Mitte, Wedding, Reinickendorf und die in den Bezirken liegenden Betriebe: Antreten Gustav- Meyer- Allee, Spitze Brunnenstr. Abmarsch 16,45 Uhr durch Brunnen-, Elsasser-, Artilleriestr., Am Kupfergraben, Museumstr., Lustgarten. Stadtbezirke Prenzlauer Berg, Weißensee ,, Pankow und die in den Bezirken liegenden Betriebe: Antreten Danziger Str., Spitze Lychener Str. Abmarsch 16,45 Uhr durch die Danziger Str., Schönhauser Allee, Hanke-, Kaiser- Wilhelm- Str., Lustgarten. Stadtbezirke Friedrichshain, Treptow, berg und die in den Bezirken liegenden Betriebe: Köpenick, LichtenAntreten Küstriner Platz, Abmarsch 16,45 Uhr durch Paul- Singer-, Blumen-, Schickler-, Stralauer-, Kloster-, Kaiser- Wilhelm- Str., Lustgarten. Stadtbezirke Kreuzberg, Neukölln und die in diesen Bezirken liegenden Betriebe: Antreten Hohenstaufenplatz, Abmarsch 16,45 Uhr durch Dieffenbach-, Graefestr., Kottbusser Brücke, Mariannen-, Oranien-, Dresdener-, Neue Roß-, Roß-, Breite Str., Schloßplatz, Schloßfreiheit, Lustgarten. Stadtbezirke Wilmersdorf, Zehlendorf, Schöneberg, Steglitz, Tempelhof und die in diesen Bezirken liegenden Betriebe: Antreten Hornstr., Spitze Yorckstr. Abmarsch 16,30 Uhr durch Yorck-, Gneisenau-, Zossener-, Alte Jacob-, Neuenburger-, Linden-, Markgrafen-, Französische-, Werderstr., An der. Stechbahn, Schloßfreiheit, Lustgarten. Angehörige der Firma Stock, Marienfelde. Antreten 15 Uhr, Großbeerenstr. Marsch durch Großbeeren-, Dorf-, Chaussee-, Friedrich- Karl-, Manteuffel-, Borussia-, Berliner-, Belle- Alliance-, Gneisenaustr. und weiter wie Stadtbezirk Wilmersdorf. Stadtbezirke Tiergarten, Charlottenburg und die in diesen Bezirken liegenden Betriebe: Antreten Kleiner Tiergarten. Abmarsch 16,30 Uhr durch Alt- Moabit, Invaliden-, Hessische-, Hannoversche-, Elsasser-, Artilleriestr., Am Kupfergraben, Museumstr., Lustgarten. Stadtbezirk Spandau: Antreten 16,20 Uhr Bahnhof Spandau West. Fahrt mit S- Bahn bis Lehrter Bahnhof. Antreten Wilhelmufer, Spitze Invalidenstr. Marsch durch Invalidenstr. und weiter wie Stadtbezirk Tiergarten. Hammerschaft Ullstein: Treffpunkt Charlotten- Ecke Kochstr. Dann Markgrafenstr., Anschluß an Zug 5. Berliner! Wer die Freiheit des Volkes will, marschiert trotz Regen und Sturm heute mit. 3eigt durch die Größe und die Würde eurer Rundgebung, daß Berlin rot bleibt und sich dem Hakenkreuz nicht beugt. Folgt den Anordnungen der Ordner und der Schußpolizei. Aufreizende" Rufe find nicht gestattet. Unser Ruf heißt ,, Freiheit!" Schußpolizei. ,, Aufreizende" Marschiert! Das rote Berlin kämpft für die Freiheit Ereignisse der letzten drei Tage: Der Vorwärts" wird wegen Hochverrats verboten. Eine Notverordnung gibt den Behörden das Recht, Tageszeitungen aus den verschiedensten Gründen für ein halbes Jahr zu verbieten. Der Landtag lehnt seine Auflösung ab. Das Drei- Männer- Kollegium BraunKerrl Adenauer bestätigt diesen Beschluß. Eine Notverordnung nimmt der Regierung Braun Severing das vom Staatsgerichtshof ihr zugebilligte Recht, Preußen im Landtag und im Reichsrat zu vertreten und setzt sie völlig ab. Papen tritt an Stelle Brauns in das Drei- Männer- Kollegium ein und beschließt mit Kerrl, dem Landtags= präsidenten, die Auflösung. Adenauer erflärt Absetzung und Auflösung für nicht rechtsgültig. Sämtliche Kommunalvertretun gen Preußens aufgelöst. Neuwahlen am 12. März. Mord und Totschlag in den verschiedensten Gegenden des Reichs. * geglaubt. Schlimmer ist, daß man noch nicht eine Spur von einer Richtung sieht, nach der wirtschaftlich regiert werden soll. Man ist bisher noch nicht einmal auf den billigen Einfall gekommen, da und dort den HungerGenoffe Kasten einen, Verbote und Drohungen gegen die anderen. Ob das den Wählern gefällt? Das Verbot des Vorwärts" wird natürlich vom Reichsgericht aufgehoben wer= den. Für die Zukunft wird die Sache weniger einfach sein, denn die neue Verordnung schafft neue Verbotsgründe. Nun, die Leser des Vorwärts" find hellhörig genug, den Vorwärts" auch dann zu verstehen, wenn er mit etwas gesenkter Stimme zu ihnen spricht. Und der Vorwärts" wird ihnen die Wahrheit sagen können, ohne geradeswegs in die Stacheldrähte der Notverordnung zu laufen. Auf alle Fälle wird er bemüht sein, verbotsfreudige Behörden ebenso offensichtlich ins Unrecht zu setzen, wie das beim letzten Verbot wegen angeblichen Hochverrats geschehen ist. Die Sozialdemokratie und die Eiserne Front stehen mit beiden Füßen auf dem Boden des Gesetzes und der Verfassung. Sie werden Gesetz und Verfassung mit allen Mitteln verteidigen, die ihnen das richtig ausgelegte Gesetz und die richtig angewandte Verfassung in die Hand geben. Und heute wird marschiert! Heute wird das freigesinnte, das rote Berlin zeigen, daß es tampfesfroh und zuversichtlich ist. Deutschland ist nicht Italien! Auf dem Weg, den unsere Gegner be= Schritten haben, liegen ungezählte Hindernisse. Schon die Wahlen vom 5. März werden ihnen eine Enttäuschung bringen. Vom 31. Juli bis 6. November v. J. haben sie zwei Millionen Stimmen verloren. Jetzt glauben Wahrscheinlich hat das Volf von der neuen Reichsregierung anderes erwartet, Maßnahmen, die geeignet sind, die furchtbare Not einigermaßen zu mildern. Von Zeitungsverboten und juristisch scharfsinnigen Begründungen, mit denen man höchst anfecht: Erschoffen in Staßfurt am 5. Pebruar sie in Hurrawahlen neu aufholen zu können. bare Maßnahmen begleitet, wird niemand fatt. Natürlich kann niemand im Ernst ermarten, daß die Parteien, die in diesem Augenblick die Alleinmacht besitzen, von heute auf morgen der Krise ein Ende sezen. Das hatten sie zwar vor den letzten Wahlen versprochen, aber sie haben das wohl selber nicht riemen des armen Michel ein wenig zu lodern, irgendwelche Verordnungshärten zu beseitigen, irgendwelche Unterstützungssäge zu erhöhen. Nichts als Siegesfeiern für die Ob sie sich nicht täuschen? Sie greifen nach den Sternen, aber sie stehen am Rande eines Abgrunds. Nicht ihnen gehört die Zukunft, sondern der Arbeiterklasse- wenn sie einig ist! Auf, zum Lustgarten! Marschiert! Marschiert! Bezirksvorstand der SPD. Berlin 3um, Vorwärts' Berbot Stimmen der Presse Es ist bemerkenswert, daß das Verbot des ,, Vorwärts" nicht nur Proteste der bürgerlichen Linkspresse herausgefordert hat, sondern daß auch ein Blatt wie die ,, Deutsche Allgemeine Zeitung", die um die Gunst der neuen Regierung wirbt, folgendes schreibt: Die Pressefreiheit aber ist ein Kapitel für sich. Den Vorwärts" zum Beispiel, außer bei unbedingter Notwendigkeit, zu verbieten, halten wir nicht für geistreich. Die gewerkschaftlich und politisch geschulten Arbeiter, die hinter diesem Blatte stehen, sind anders einzuschätzen, als das charakterlose Boulevardpublikum, das sich getrennte Kasse"- an den Animierinferaten anderer Druckerzeugnisse freut. Die Verbote sollen doch der Regierung nügen, nicht schaden, Viel schärfer äußerte sich das Organ der christlichen Gewerkschaften, der Deutsche". Dort las ,, Wenn die Harzburger Regierung glaubt, mit diesen Methoden etwas erreichen zu können, dann ist sie auf dem Holzweg." man u. a.: " Verboten! Köln, 6. Februar. Im Rheinland sind heute die Rheinische Warte" in Koblenz und die Volks wacht" in Trier auf drei Tage verboten worden. Das Verbot wird auch hier mit dem Abdruck des Aufrufs des Parteivorstandes be= gründet. Rüstringen, 6. Februar. Das sozialdemokratische ,, Volksblatt" wurde vom 6. bis 8. Februar einschließlich verboten, weil es den Aufruf der SPD. veröffentlicht hat. " Saalfeld, 6. Februar. Das sozialdemokratische Volksblatt" in Saalfeld ist vom thüringischen Innenministerium für die Zeit vom 6. bis 8. Februar verboten worden, meil es den sozialdemokratischen Parteiaufruf ab gedruckt hatte. Waldenburg, 6. Februar. Der Breslauer Regierungspräsident hat die ,, Schlesische Bergwacht" einschließlich ihrer Kopfblätter wegen Veröffentlichung des sozialdemo tratischen Wahlaufrufes für die Zeit vom 6. bis 8. Februar 1933 verboten. Die Nacht danach Nach dem Staatsbegräbnis für den SA.- Mann Am Sonntag wurde der SA.- Führer Maikowski gemeinsam mit dem Polizeioberwachtmeister Zaurig auf Staatskosten feierlich beigesetzt. Bei der Rundfunkübertragung des Staatsbegräbnisses rief der Ansager: ,, Hah, und jetzt kommt er, der gefürchtete Sturm 33, der sogenannte Mordsturm...". Unmittelbar nach dem Staatsbegräbnis überfielen in der Nacht zu Montag 16 Mann des SA.- Sturmes 6 ein Lotal in Friedenau und erschossen die Wirtin, die Witwe Röder, meuchlings. Vom gemeinsamen Aufmarsch mit der Schutzpolizei zum Bandenüberfall und Mord! Wir fragen: Wird die Witwe Röder ebenfalls auf Staatskosten beerdigt und im Dom aufgebahrt? In der Nacht zum Sonntag hat ein nationalfozialistischer Schüler einen feigen Meuchelmord an dem hochperdienten ersten Bürger ersten Bürger meister der Stadt Staßfurt verübt. Diese Tat ist eine Folge der nationalsozialistischen Mordhezze. Wir fragen: Wird Bürgermeister kasten von Staßfurt auf Staatstoften beerdigt werden? Der Ansager beim Staatsbegräbnis im Luftgarten jubelte: SA. und Polizei find eins!" Hugenbergs Telegraphenunion meldet aus Viersen: ,, Wie die Polizei mitteilt, gaben in der Nacht zum Montag in der Hauptstraße vier uniformierte SS.- Leute mehrere Schüsse auf die Schaufenster eines Möbelgeschäftes ab. Eine Polizeistreife, die auf die Täter zuging, um ihnen die Waffen abzunehmen, wurde beschossen. Einer der Beamten erhielt einen Kopfschuß, ein zweiter Beamter einen Bauch- und Oberschenkelschuß. Ihr Zustand ist ernst, doch besteht feine Lebensgefahr. Ein dritter Beamter, der seinen Kollegen zu Hilfe eilen wollte, wurde gleichfalls beschossen, aber nicht getroffen. Die Täter sind flüchtig, aber bekannt." Aber im Berliner Dom wurde der SA.- Führer Maitomiti neben dem Polizeioberwachtmeister Baurig feierlich aufgebahrt, und beide wurden auf Staatstoften bestattet. Verbot der KPD.? Erklärungen des Abg. Pieck In einer Pressekonferenz führte der kommu nistische Reichstagsabgeordnete Bied u. a. aus: Wir wissen, daß die Reichsregierung beabsichtigt, nach Ablauf der Einreichungsfrist für die Wahlvorschläge die KPD. zu verbieten und ihre Wahlvorschläge für ungültig zu erklären. Durch die Wahl dieses Zeitpunktes sollen wir verhindert merden, getarnte Wahllisten einzureichen. Die Regierung rechnet offenbar damit, daß ein Teil unferer Stimmen der SPD. zufällt, aber viele unserer Wähler nicht zur Wahl gehen. Die Behauptung, die KPD. hätte Morde or= ganisiert, ist ungeheuerlich. Wir haben uns stets bemüht, den Kampf unter Ar beitern zu verhindern; als politische Bartei haben wir das größte Interesse, die Aufmerksamkeit der Arbeiter auf ihre Klassenlage zu Tenfen. Wir haben Leute ausgeschlossen, die gegen diese Richtlinien gefündigt haben. Unser Massenfelbstschutz soll nicht Mordtaten begehen, sondern sie verhindern, den Terror abschrecken und die Werktätigen zur Abwehr erziehen. So der Abgeordnete Bied. Manche Blätter der Rechten bestreiten lebhaft die Absicht eines Berbols. Daß ein solches Verbot nur gegen die Verfassung erlassen werden könnte, macht ihnen feine Kopfschmerzen. Aber sie erklären, der ge= fährlichste Gegner sei doch die Sozialdemo.tratie, und die dürfe nicht noch gestärft werden. Der Reichswahlleiter Wieder Professor Wagemann Der Reichsminister des Innern hat zum Reichsmahlleiter den Präsidenten des Statistischen Reichsamts, Geheimen Regierungsrat Professor Dr. Wagemann, und zu seinem Stellvertreter den Direktor im Statistischen Reichsamt, Geheimen Regierungsrat Meisinger, ernannt. Für den Fall der Behinderung des Reichswahlleiters und feines Stellvertreters wird das Mitglied des Statistischen Reichsamts, Oberregierungsrat Dr. Busch, mit der Wahrnehmung der Geschäfte beauftragt. Ende: Furchtbarster 3usammenbruch! Warnende Stimmen aus dem deutschnationalen Lager In deutschnationalen Kreisen herrscht über die unerwartete Auflösung des Reichstags Bestürzung. Die Nationalsozialisten erhoffen von den Wahlen einen Gewinn, den sie sich naturgemäß nur durch einen Einbruch in die deutschnationale Wählerschaft holen fönnen. Der flehentliche Wunsch der Kreuzzeitung", man möge nationale Einheitslisten aufstellen, blieb ohne Gegenliebe. Dazu schreibt nun das genannte Blatt des Stahlhelms folgendes: Offensichtlich hat im Reichskabinett der Wille, der drei nationalsozialistischen Mitglieder obgefiegt über die acht anderen Mitglieder. Die Nationalsozialisten wollen Neuwahlen, weil sie von ihnen, unter der Gunst der ihnen jetzt zugefallenen Chance, eine erhebliche Steigerung ihrer par lamentarischen Machtposition erwarten und sogar die Erringung der 51 Prozent der Reichstags. mandate erhoffen. Es wäre falsch, zu verschweigen, daß durch die Art und Weise der Eröffnung des Wahlkampfes schon viel von der Gläubigkeit und dem Vertrauen, welche die Bildung der neuen Regierung in allen Kreisen des nationalen Deutschland geweckt hatte, wieder merklich zusammengefunken ist. Noch deutlicher drückt sich der deutschnationale ,, Reichsbote" aus. Er nennt Hugen= berg die furchtbarste Belastung, die sich berg ,, die furchtbarste Belastung, die sich Hitler überhaupt leisten fonnte" und warnt: Die Alleinherrschaft der NSDAP. nach Mussolinis Muster ist in Deutschland auf die Dauer nicht zu halten. Zu gefährlich ist die außenpolitische Lage, zu schwierig sind die Verhältnisse in der Wirtschaft, zu stark, zu gut organisiert sind die Gegner im Innern. Ein Konflikt innerhalb der nationalen Regierung kann darum immer nur einen Phyrrussieg der NSDAP. im Gefolge haben, dem der furchtbarste Zusammenbruch des deutschen Nationalismus folgen muß. Auf einer Stahlhelmtagung in Berlin sprach sich Düsterberg gleichfalls über die Wahlen scharf mißbilligend aus. Er sprach von der Sorge, daß„ Uebergriffe" erfolgen könnten und stöhnte: Reichskanzler und Minister werden herumreisen und Wahlreden halten, hier in Berlin werden wichtige Entscheidungen verzögert werden und sechs Wochen, und zwar die wichtigsten für das Jahr 1933, gehen teilweise verloren. Bon gewissen Partien der Regierungserklärung rückte Düsterberg entschieden ab Er erklärte: Wir im Stahlhelm wissen es und werden es nicht vergessen, daß auch in den marxistischen Parteien wie im Zentrum es Hunderttausende von alten Frontsoldaten gibt, die draußen vor dem Feinde in hervorragender Weise einst ihre Pflicht getan haben. Der Mord von Staßfurt Sozialdemokratischer Bürgermeister erschossen Eigener Bericht des ,, Vorwärts" Magdeburg, 6. Februar. Am Sonnabendabend kurz nach 10 Uhr wurde in Staßfurt der sozialdemokratische Bürgermeister und Landtagsabgeordnete Kasten von einem Sekundaner 17jährigen des Staßfurter Gymnasiums hinterrücks durch zwei Schüsse in den Rücken schwer verletzt. In der Nacht zum Sonntag ist Kasten nach einer Operation den schweren Verlegungen erlegen. Dem Verbrechen sind seit der HitlerRegierung allein in Staßfurt sechs Ueberfälle auf Reichsbannerleute und Kommunisten voraufgegangen. Die Nationalsozialisten veranstalteten am Sonnabendnachmittag mit anderen Klubs nationaler Couleur anläßlich der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler ein Freudenfest, in dessen Verlauf ein nationalsozialistischer Redner u. a. erklärte: „ Es wird Zeit, daß die dicen SPD.- Bouzen beseitigt werden." Die Kundgebung verlief ruhig. Es war etwa zwei Stunden nach ihrer Auflösung gegen 8 Uhr abends, als ein Arbeitersamariter, der fich zu einem Kino begeben wollte, wo er Wache hatte, von drei Nationalsozialisten, darunter de m schwer Dorbestraften Naziführer Dehmig, überfallen und niederge= schlagen wurde. Mit einer Kopfverlegung wurde der Arbeitersamariter, der auch dem Reichsbanner angehört, in ein Krankenhaus gebracht. Bürgermeister Kasten, dem bald von dem Ueberfall berichtet wurde, ordnete sofort die Verhaftung des Dehmig an, der aus einer Hochzeitsfeier heraus festgenommen wurde. Sofort alarmierten die Nationalsozialisten ihre Leute, die vor das Rathaus zogen, dort Niederrufe gegen den Bürgermeister ausstießen und die Freilassung des Dehmig forderten. Kasten verhandelte später mit zwei Naziführern über Dehmigs Freilassung und erklärte sich schließ lich mit Rücksicht auf die verhältnismäßig schwache und von den Demonstranten bedrohte Polizei zur Haftentlassung des Nazirom dys bereit. Die nationalsozialistischen Haufen lösten sich dann bald auf. Kurz nach 10 Uhr abends verließ auch Kasten das Rathaus, um in seine Dienstwohnung in der Parkstraße zurückzukehren. Auf dem Wege nach dort begegnete ihm der inzwischen freigelassene Dehmig, der sich in Begleitung eines Gymnasiasten mit einer roten Schulmüze befand. Als Kasten seine Wohnung erreicht hatte und gerade im Begriff stand, die Vorgartentür zu öffnen, sprang der Gymnasiaft auf ihn zu und streckte ihn durch zwei Schüsse in den Unterleib mit den Worten nieder:„ Du Schurke, jetzt kommt die Abrechnung." Kaffen hatte noch die Kraft, aus feiner Pistole fieben bis acht Schüsse auf den fliehenden Verbrecher abzugeben. Dann jant er zu Boden. Blutüberströmt und bewußtlos wurde er auf Veranlassung seiner Angehörigen, die durch die Schüsse alarmiert aus der Wohnung auf die Straße geeilt waren, ins Krankenhaus geschafft. Im Knappschaftslazarett erlangte Kasten bald nach seiner Einlieferung das Bewußtsein wieder. Einem Polizeibeamten, der bei seiner Ueber führung zugegen war, machte er trok feines geschwächten Zustandes sofort nähere Angaben über den Vorfall. Er erflärte u. a., daß er den Täter, wenn er ihm vorgeführt werde, sofort wiedererkennen würde und ersuchte den Beamten, dafür zu sorgen, daß eine Reihe dienstlicher und familiärer Angelegenheiten bald geregelt werden. Er fühlte, daß der Tod nahte. Um Mitternacht mußte fich Raften einer Operation unterziehen, aus der er gegen 2 Uhr wieder erwachte. Von jetzt ab meilte ein sozialdemokratischer Stadtrat der Staßfurter Gemeinde an Kastens Krankenbett. Der Schwächezustand des Patienten wurde Es ist peinlich, wenn ausgesprochene Drückeberger und Jugendliche, die wäh rend des Weltkrieges noch in den Windeln lagen oder die Schulbank drückten, aus. gerechnet über mangelnde Waterlands. liebe dieser Männer sich Urteile öffentlich erlauben. Wir behalten uns vor, den Stahlhelm an die Erklärungen seines Führers zu erinnern und ihn zu fragen, was er zu tun gedenkt, um alten Frontsoldaten ihre Staatsbürgerrechte zu sichern. Übergeschnappt! Ganz im Gegensatz zu den oben wiedergegebenen gemäßigten Ausführungen Düsterbergs steht eine Entschließung des Stahlhelm, in der für für Hello Don Gerlach die Todesstrafe gefordert wird, weil er den Vertrag von Versailles gepriesen hätte. Daß Herr von Gerlach den Vertrag von Versailles gepriesen hat, iſt ein blöder Schwindel. Es ist unverantwortlich und gewiffenlos in einer Zeit, in der Gymnasiasten Amok laufen, gegen einen deutschen Staatsbürger erlogene Beschuldigungen und unsinnige Strafforderungen zu erheben. Wenn solche Beschlüsse jezt schon bei dem verhältnismäßig maßvollen Stahlhelm möglich sind wie mag es dann erst in anderen Gehirnen aussehen! " Don Stunde zu Stunde größer, bis er um 6 Uhr morgens feinen schweren Verlegungen infolge innerer Verblutung erlag. Raftens letzte Worte waren: Das wollen freie Menschen sein. Wenn sie vor einem stehen, tönnen sie einem nicht einmal in die Augen sehen." Kasten stand im 48. Lebensjahr. Er hinterläßt eine Frau, zwei Söhne und eine Tochter. Als Mörder wurde bald nach dem Vorfall ein noch nicht 18jähriger Sekundaner festgestellt, dessen Vater im Kriege gefallen und dessen Mutter seit längerer Zeit verreist ist. Die Polizei versuchte zunächst den Burschen in seiner elterlichen Wohnung festzunehmen. Er war jedoch nicht anwesend, so daß die Beamtens den Naziführern mit Haussuchungen drohten Der Nazikreisleifer Winede erklärte sich darauf bereit, den Täter herbeizuholen. Eine Stunde später fehrte er mit seinem Motorrad zurüd: auf dem Soziussit jaß der jugendliche Verbrecher. Er zeigte über die schreckliche Tat nicht die geringste Reue. In der Nacht hat er fich in einem Hause in der Nähe der Staßfurter SA.- Kaserne versteckt gehalten. Er heißt Joachim Mathes und ist in Neu- Staßfurt zu Hause. Vorläufig hat er die Tat nicht geftanden. Dem gemordeten Freunde! Sonnabendvormittag in der Sitzung der sozialdemokratischen Fraktion des Landtags: auf der Tagesordnung steht die Stellungnahme zum nationalsozialistischen Antrag auf Auflösung des Preußenparlaments. Eine der wichtigsten Entscheidungen soll fallen. Otto Braun spricht und begründet die Ablehnung des Antrages. In der anschließenden Debatte meldet sich auch der Abgeordnete des Wahlkreises Magdeburg zum Wort, Hermann Kasten, der Kali- und Salzstadt Staßfurt Erster Bürgermeister. Kurz und bündig formuliert er in wenigen Säßen und vielleicht gerade darum eindrucksvoll seine Zustimmung. Die Entscheidung der Fraktion fällt, nur furze Zeit bleibt bis zur Plenarsizung. Auf dem Wege zum Plenarsaal spricht er mit uns über Teine Sorgen als Bürgermeister, denn Staßfurt ist eine Proletarierstadt, aber die Kali- und Salzschächte und chemischen Fabriken sind seit langem ſtillgelegt und im Verfall. Das Elend und die Not der Arbeitslosen sind schier grenzenlos. Verzweiflung, Heze und fanatischer politischer a werfen fich ihm entgegen. Er ist der bestgehaßte Mann der Stadt, aber feine Berleumdung, fein giftiger Sprizer heftet sich an seine Fersen. Er ist untadelhaft in Lebensführung und im Verkehr, unbeugfam in strenger Sachlichkeit und arbeitsam, Er ist vorbildlich in umfassender Kenntnis der Kommunalpolitik und seit acht Jahren im Vorstand des Reichsstädtebundes. Wie ist es möglich, einen Mann zu hassen, den man achten muß? Es ist möglich! Denn er ist vor allem Sozial demokrat, also ein Marrist, ein Proletarier, ein ganz gewöhnlicher Volksschüler, nur ein fimpler" Maler, der sich früh der Arbeiter bewegung anschloß. Der an sich selbst arbeitete, meil er wußte, daß man sich erst selbst erziehen muß, wenn man andere führen will. So wird er Abgeordneter, in Schönebeck ehrenamtlich Stadtrat und schließlich Bürgermeister in Staßfurt, der Stadt der ehemaligen Salzgrafen". Aber er bleibt Proletarier, der nur eine von ihm als selbst. verständlich empfundene Pflicht erfüllt, wenn er abends in Parteiversammlungen spricht. Gründe genug, ihn zu hassen. Da sigt er vor mir, in seinem schlichten Amtszimmer, im Oftober, furz vor der legten Reichs. tagswahl, bei der ich in feinem Wahlkreis agitierte. Eine langjährige Freundschaft verband uns miteinander. Und wie er über die Widerstände spricht, die sich ihm nicht nur in den Menschen, sondern in den Umständen entgegenwerfen und hindern, allen zu helfen, nein, es ist keine Schande, das hier niederzuschreiben, da stand der 48jährige, in Stürmen gereifte Mann auf und schritt zum Fenster, weil er nicht zeigen wollte, daß seine Augen naẞ werden. Er weiß zu gut, was es heißt, unver schuldet Not und Leid zu tragen. Denn in ihm mohnt ursprüngliche, unendliche Güte, die ihm gerade die armseligste gedrückte Kreatur im Menschen, die Tiere und die Pflanzen lieben heißt. Das ist vorbei! Nach der aufregenden, nerven. spannenden Sonnabendjigung des Landtages ruft brud, ein„ Auf Wiedersehen!" und ein Freiheit!" ihn sofort die Pflicht zurück. Wir tauschen Hände. und noch dieselbe Nacht streckten ihn feige Mör. derkugeln aus dem Hinterhalt vor seinem Häus. chen nieder. Ein siebzehnjähriger Gymnasiast, fast ein Knabe noch, unreif, aufgepeitscht, verheyt, vollbrachte die Schurkerei. Es ist über alle Maßen schändlich hin zufügen zu müssen, daß der Bube noch stolz ist, auf seine„ vaterländische" Tat. Aber trägt er wirklich die tiefste Schuld? Fürchterlich geht eine Blutsaat auf. Es ist Nacht geworden über Deutschland. Und Hermann Kasten schläft wie viele, die für die Freiheit fielen, dem Morgenrot entgegen. Doch seine Asche wird einst in freier Erde ruhen. Das sei dem Freunde, dem Sozialisten, dem Kämpfer gelobt! Otto Meier. ERSTE BEILAGE Vorwärts Gemeindewahlen in Sturmzeiten Berlins Stadtparlament auch aufgelöst- Neuwahl am 12. März Alle Kräfte angespannt! Die Kommissare des Reiches haben sämtliche kommunale Vertretungskörperschaften Provinziallandtage, Kommunallandtage und Stadtverordnetenversammlungen aufgelöst und die Neuwahl auf den 12. März angesetzt. Nach dem Großkampftag am 5. März, dem Tag der Reichstags- und Landtagswahl, werden also eine Woche später die Frauen und Männer noch einmal an die Wahlurne treten, um die Zukunft der deutschen Gemeinden zu bestimmen. Die Sozialdemokratie hat in der Kommunalpolitik in schwerster Nachkriegszeit gewaltige Werte für das Allgemeinwohl geschaffen. Wir fürchten deshalb die Entscheidung nicht. Auf die Bitte der Vorwärts"-Redaktion hat mit den nachstehenden Ausführungen der Vorsitzende der sozialdemokratischen Stadtverordnetenfraktion, Erich Flatau, die durch die Auflösung der Gemeindeparlamente geschaffene Situation umrissen. Der Preußische Landtag hatte am 23. September 1932 ein Initiativgesetz beschlossen, durch das alle kommunalen Parlamente, Provinziallandtage und Kommunallandtage aufgelöst und am 6. November( mit dem Reichstag) neu gewählt werden sollten. Der Preußische Staatsrat hatte gegen dieses Gesetz Einspruch erhoben. Es konnte deshalb damals nicht durchgeführt werden. zu denen, die Einspruch erhoben haben, gehörte auch die gesamte Fraktion der rechts gerichteten fogenannten ,, Arbeitsgemeinschaft", in der sich im Preußischen Staatsrat Deutschnationale und Deutsche Volksparteiler zusammengefunden haben. Auch Freiherr von Gayl und andere„ Stützen" der früheren Papen- und jetzigen Hitler- Regierung hatten sich der Auffassung angeschlossen, daß ein anderer Grund für die Auflösung der Gemeindeparlamente als der gesetzlich vorgesehene, ihre Arbeitsunfähigkeit, nicht anerkannt wer den könnte, und daß, weil dieser Grund nicht vorläge, der Einspruch eingelegt werden müßte. Die Vertrauensleute der Deutschnationalen in der jezigen Reichsregierung haben sich anscheinend auch in dieser Frage nun dem Diktat der nationalsozialistischen Kabinettsmitglieder gefügt. Alle preußischen Gemeindeparlamente und Provinziallandtage sind durch eine besondere Berordnung der kommissarischen Preußenregierung aufgelöst worden. Nach dem noch nicht vollkommen vorliegenden amtlichen Tert der Verordnung fann hervorgehoben werden, daß die Verordnung sich stützt vorzugsweise auf§ 79 der Städteordnung für die 6 östlichen Provinzen vom Mai 1853 in Verbindung mit Artikel 82 der jezigen Preußischen Verfassung. § 79 der erwähnten Städteordnung sah ursprünglich vor, daß durch Königliche Verordnung auf den Antrag des Staatsministeriums eine Stadtverordnetenverwaltung aufgelöst aufgelöst werden fann". Der Artikel 82 der Preußischen Verfassung bestimmt, daß die Befugnisse, die nach den früheren Gesetzen, Verordnungen und Verträgen dem König zustanden, auf das Staats. ministerium übergehen". Daß solche Rechte sogenannte Hoheits rechte find, dürfte für alle objektiv Urteilenden feststehen. Hoheitsrechte sollen nach dem für die jetzigen preußischen Verhältnisse geltenden Urteil des Staatsgerichtshofs ausgeübt werden durch die Regierung Braun, die durch die neue Verordnung des Reichspräsidenten an der Ausführung ihrer Pflichten gehindert ist. Die gegenwärtigen Sturmzeiten sind nicht bazu angetan, sich in längeren Ueberlegungen darüber zu verlieren, welche praktischen Wirkungen und Erschwerungen diese Auflösungsverordnung für die einzelnen Gemeindeparlamente hervor gerufen hat. Soweit Berlin hierfür in Betracht tommt, werden die Stadtverordneten und die sogenannten Bürgerdeputierten auch jetzt noch tätig werden müssen, vor allem in den Deputationen und Aufsichtsräten.§ 13 des Groß- Berliner Geseges vom 27. April 1920 sieht vor, daß die infolge Ablauf der Wahlperiode oder infolge Auflösung der Stadtverordnetenversammlung aus den Deputationen ausscheidenden Stadtverordneten und stimmfähigen Bürger bis zum Amtsantritt der neu gewählten Stadtverordnetenversammlung in ihrer Tätigkeit bleiben. Im übrigen wird deren Arbeit nach erfolgter Auflösung erjeßt durch Entscheidungen des Bezirksausschusses. In dem kommunalen Neujahrsartikel des ,, Borwärts" war schon darauf verwiesen morden, daß das Jahr 1933 das kommunale Wahljahr ist. Die deutsche Sozialbemokratie ist auch für diesen Wahlkampf gerüstet, sie hat alle Vorbereitungen getroffen und wird auch rund ein halbes Jahr vor dem eigentlichen Ablauftermin die Kommunalwahlen wirksam und erfolgreich durchführen können! Es wird bei dieser Wahl nicht so sehr darauf ankommen fönnen, in Einzelheiten das besondere Wirken der sozialdemokratischen Vertreter für die Interessen der arbeitenden Bevölkerung zu zeigen, als vielmehr HEINRICH JACOBI darauf, in großem Rahmen zu beweisen, in welcher Art die intensive Arbeit fozialdemokratischer Stadtverordneten die bösartigsten Wirkungen der fatastrophalen Wirtschaftslage aufhielt, Wirkungen, die unter den politischen Ereignissen der letzten Monate doppelt fühlbar wurden. Wer auf dem Berliner Bezirtsparteitag am 4. Februar erlebte, wie die Mitteilung der gewaltsamen Auflösung der preußischen Gemeindeparlamente auf die Anwesenden keinerlei niederschmetternden Eindrud machte, sondern im Gegenteil den Kampfgeist steigerte, der wird die Gewißheit haben können, daß diese im Kreise der führenden Berliner Funktionäre zum Ausdruck ge= fommene Stimmung die gesamte Berliner Partei beherrscht. Man mag vielleicht unter normalen Umständen das zeitliche Zusammenfallen von großen politischen Wahlen und Gemeindewahlen nicht gutheißen, weil im allgemeinen hierdurch die speziellere Bezugnahme auf die besonderen Gemeindeaufgaben erschwert wird. In der gegenmärtigen Zeit muß aber noch mehr als früher auch für die Gemeinde alles vom Standpunkt der politischen Entscheidung aus gesehen werden. Die politischen Mächte, die wirksam werden gegen die Rechte des Volkes, machen nicht halt vor der Verletzung der Interessen des einzelnen Gemeindebürgers. Diese Erkenntnis muß die Wählerkreise durchdringen. Diesen muß klar werden, daß es sich auch bei den Gemeindewahlen um einen Kampf der Arbeitenden und Arbeitslofen gegen ihre Unterdrüder handelt. Dieser Kampf verlangt in Berücksichtigung der zeitlichen und praktischen Möglichkeiten eine be fondere vorbildliche Geschlossenheit der Partei nicht nur, sondern darüber hinaus die Einigkeit des gesamten Berliner Proletariats. Gerade im Gemeindewahlkampf darf diese Einigteitsformel nicht etwa nur eine Aeußerlichkeit darstellen, sondern sie muß zu der Ueberlegung führen, DIENSTAG, 7. FEBRUAR 1933 dem Tisch ein Paket zum Vorschein, und dahinter Tag ein junger Mann, der feinen Widerstand leistete. Die Kriminalpolizei nimmt natürlich an, daß dieser Bursche, der, ohne bemerkt zu werden, 14 bis 16 Stunden unter dem Auslagetisch zugebracht hat, an dem Einbruch beteiligt gewesen ist. Er selbst bestreitet jede Schuld, will vielmehr erst nach dem Einbruch über das Schutzgitter geklettert und in das Geschäft eingedrungen sein. daß die äußeren Formen dieſes Wahlkampfes für Grippewelle geht zurück das klassenbewußte Proletariat aller Gruppen und Schattierungen die Erkenntnis des einen Ziels nicht erschweren: Berlin, die Millionenstadt der Arbeiter, vor dem Einfluß des Klaffengegners zu bewahren. Dor Jm ,, Berliner Lokal- Anzeiger" vom 4. Februar 1933 schreibt einer der deutschnationalen kommunalen Fachleute", Dr. Ma rezki, Erlaß der Auflösungsverordnung über die kommenden kommunalen Neuwahlen. Er läßt hierbei im Schlußteil seiner Darlegungen erkennen, daß der Wunsch nach Auflösung vorzugsweise diktiert worden ist von dem Bemühen, den ,, roten Einfluß" in der Stadt Berlin nun endlich zu brechen. Es heißt dort, daß ,, besonders im Hinblick auf Berlin baldige kommunale Neuwahlen in der Tat notwendig seien". Mit seltener Offenheit wird zugegeben, daß die Auflösungsverordnung vor allem auch die Durchführung der Stadtratswahlen in der Zentrale und in den Bezirken Berlins verhindern sollte. Das proletarische Berlin wird die Zeichen der Zeit verstehen. Es muß erkennen, daß eine Berringerung des Einflusses der Sozialdemokratie im Berliner Rathaus sich in dem engeren Lebenstreife des einzelnen viel deutlicher zeigt als manche Maßnahmen, die im größeren Rahmen der allgemeinen Gesetzgebung getroffen werden. Die Berliner Parteileitung hat sich auf die schnelle Durchführung der Kommunalwahlen eingestellt. In erhöhtem Pflichteifer wird durchgeführt werden, was vorbereitet worden ist zur Erreichung des Hauptziels, das zugleich die Wahlparole umschließt: Berlin bleibt rot! Katastrophe im Autowerk Schweres Explosionsunglück bei Renault Paris, 6. Februar. In der bekannten französischen Automobilfabrik Renault ereignete sich am Montag, kurz nach 11 Uhr vormittags, in Elektrizitätszentrale eine schwere Explosion. Durch umherfliegende Eisenteile wurden mehrere Arbeiter schwer verlett, ferner wurden über 100 Arbeiter durch die einstürzenden Gebäudeteile getroffen. Die sofort herbeigeeilte Feuerwehr konnte über hundert Verletzte bergen; von denen eine ganze Reihe in Lebensgefahr schweben. Acht Arbeiter starben auf dem Wege in das Krankenhaus. Nachdem das Krachen der Explosion sich gelegt hatte, wurden herzzerreißende Schreie der Berlegten hörbar. Die Automobilfabrik Renault liegt an der Peripherie von Paris und beschäftigt gegen 30 000 Arbeiter. Sie ist erst in legter Zeit erheblich vergrößert worden und füllt fast den ganzen Vorort Billancourt aus. Sie versorgte nicht nur die französische Heeresverwaltung mit Kraftwagen, sondern arbeitet gelegentlich auch für ausländische Staaten, u. a. gegenwärtig für Japan. Das Unglück ist auf die Explosion eines großen Kessels zurückzuführen. Das Dach des Kesselhauses wurde durchschlagen und die Eisen- und Mauerteile stürzten auf ein danebenliegendes Fabrikgebäude, in dem einige hundert Arbeiter beschäftigt waren. Das Gebäude stürzte unter der Wucht der Sprengteile zufammen und begrub die Unglücklichen unter den Trümmern. Hausmarke N° 15 15 10% Riesenkessel geplatzt Die Feuerwehr und die gesamte Belegschaft arbeiten fieberhaft an der Beseitigung der Trümmer, aus denen heraus man das Stöhnen der Verwundeten hört. Die Unglücksstelle wird von einer nach Tausenden zählenden Menschenmenge umlagert, die in Ungewißheit über das Schicksal ihrer Angehörigen auf Nachrichten warten. Mütter und Väter, Frauen und Schwestern laufen besorgt umher. Fast die gesamte Pariser Sanitätskolonne befindet sich an der Unglücksstelle und immer wieder verlassen Rote- Kreuz- Wagen mit Verletzten das große Eingangstor. Krankenhäuser entlastet Der Höhepunkt der Grippewelle in Berlin scheint nunmehr überschriften zu sein. Die Einlieferungen von Grippekranken in die Berliner Krankenhäuser haben nämlich in den letzten 48 Stunden beträchtlich abgenommen. Am Sonnabend waren es noch 270, am Sonntag nur noch 162. Am gestrigen Montagvormittag standen 379 freie Betten zur Verfügung. Die Auffassung, daß die Grippe in Berlin ihren Höhepunkt überschritten habe, wird durch die Meldungen der Allgemeinen Ortskrankenkasse bestätigt, bei der noch in der Zeit von Freitag bis Sonnabendmittag allein 1055 Neuerkrankungen registriert worden waren, während in den 48 Stunden von Sonnabendmittag bis Montagmittag nur noch 938 neue Grippefälle gemeldet wurden. Auch die Zahl der Schulklassen= fchließungen ist zurückgegangen. In einigen Fällen machen sich allerdings auch Ausfälle an Lehrkräften bemerkbar, wie z. B. an der 3. Volksschule in Steglig, wo fünf Angehörige des Lehrkörpers an Grippe erkrankt sind. Rotters in Liechtenstein Vorsorglich eingebürgert Basel, 6. Februar. Die Liechtensteinsche Regierung bestätigt nun mehr, daß die Gebrüder Rotter sich seit einigen Tagen in der Hauptstadt des Fürstentums, in Vaduz, befinden. Es sei übrigens nicht richtig, daß die beiden jetzt erst die Liechtensteinsch e Staatsangehörigkeit erworben hätten. Dies sei vielmehr schon 1931 geschehen. Wegen Konkursvergehens liefere Liechtenstein niemanden aus. Ein offizielles Ersuchen der deutschen Polizei oder Regierung, gegen die Gebrüder Rotter irgendwie vorzugehen, liege bis jetzt auch bei der Liechtensteinschen Regierung nicht vor. * Man hat festgestellt, daß Frizz Rotter nach dem Zusammenbruch seines Konzerns und als die Staatsanwaltschaft schon nach ihm fahndete, mit dem Horch- Wagen eines Berliner Autoverleihers zunächst von Berlin nach Dresden gefahren ist. Von Dresden aus ist es dann Friz Rotter auf einem noch nicht ganz aufgeflärten Wege gelungen, die Tschechoslowakei zu erreichen. von wo aus er dann über Desterreich nach Liechtenstein gereist sein muß. Räuber im Butterladen Auf die Butterfiliale der Firma Nordstern in der Adolfstraße auf dem Wedding wurde gestern kurz vor Ladenschluß ein Raub überfall verübt. Als sich die beiden Verkäuferinnen allein im Geschäft befanden, stürmten drei Männer herein und riefen:„ Hände hoch die Kasse heraus!" Während einer der Banditen die Verkäuferinnen 14 Stunden unter dem Tisch mit einer Pistole in Schach hielt, plünderten die Einbrecher mit Ausdauer Ungewöhnliche Ausdauer zeigte ein Einbrecher, der es fertigbrachte, einen ganzen Tag über unbeweglich unter einem Auslagetisch zu liegen. In der Nacht war von mehreren Männern in das Radio- und Zigarrengeschäft von Sidow in der Elberfelder Straße 40 eingebrochen worden. Die Diebe waren über das Schutzgitter der Tür geklettert und hatten dann das Schloß aufgebrochen. Eine Polizeistreife, die verdächtiges Geräusch gehört hatte, war herbeigeeilt, die Einbrecher hatten aber bereits die Flucht ergriffen, und zwar mit solcher Eile, daß sie ihr Diebesgut, das in mehreren Paketen zusammengepact war, zurücklassen mußten. Der Geschäftsinhaber brachte seine Ware wieder in Ordnung. Als er am Abend nach Geschäftsschluß noch einmal gründlich aufräumen und auch die Auslagen im Schaufenster verändern wollte, zog er den flachen Rolltisch, auf dem die Auslagen aufgebaut waren, etwas zurück. Zu seinem nicht geringen Erstaunen tam unter ORIGINALGROSSE N° 10..... 10 Am grünen Band, wird sie erkannt! HEINRICH JACOBI Komplicen die Ladenkasse aus, in der sich etwa 100 Mart befanden. Mit der Beute gelang es den Tätern troß der fofort aufgenommenen Verfolgung zu entkommen. Für Freiheit, Volk und Sozialismus! Die vom Sozialistischen Kulturbund veranstaltete Massenfundgebung, die zum 15. Januar vorgesehen war, findet nunmehr am Sonntag, dem 19. Februar, vormittags 11% Uhr, im Volksbühnen- Theater statt. Die bereits verkauften Karten behalten ihre Gültigkeit. Karten zum Preise von 30 Pf. sind an den be fannten Stellen und in der Buchhandlung Diez, Lindenstraße 2, zu haben. Die Juristische Sprechstunde findet der Demon stration wegen heute nur von 15 bis 16 1hr statt. DAS HOCHWERTIGE ENDPRODUKT VON 100 Jahren Erfahrung FABRIKAT GEGR.1842 ORIGINAL HEINRICH JACOBI ZIGARREN FAGR1342 Erhältl. in ca. 4000 Berl. Zig.Läden u.i. allen U- Bahn hfn. Drei neue politische Morde Jn knapp 48 Stunden wurden in Berlin drei scheußliche Mordtaten verübt. Politische unbewaffnete Gegner, darunter eine 56 Jahre alte Frau, wurden das Opfer der Nationalsozialisten. In der Nacht zum Sonnabend wurden 3wei junge kommunisten erschossen und in den späten Abendstunden des Sonntags schossen S.- Ceute die Wirtin eines KPD.- Vertehrslokals über den Haufen. Das alles geschah, als die Borbereitungen für das inzwischen erfolgte ., Staatsbegräbnis" des Führers des Sturmes 33 getroffen wurden. Der Mord an der 56jährigen Restaurateurswitwe Anna Röder aus der Rubensstraße 47 in Friedenau hat selbst in den sogenannten bürgerlichen Kreisen helle Empörung ausgelöst. Frau Röder ist Inhaberin des Restaurants Papp= schachtel", das auf einem Gartengrundstück liegt. In der Hauptsache zählten kommunistische Arbeiter zu den Gästen des Lokals. Am Sonntag maren gegen 23.30 Uhr etwa 10 bis 12 Gäste anwesend. Plötzlich ertönten vor der Gastwirtschaft laute Rufe. Unmittelbar darauf wurden sämtliche Fensterscheiben eingeschlagen und über 20 SA.Leute drangen mit Pistolen, Dolchen, Messern und Buchenknüppeln bewaffnet durch die zer= trümmerten Fenster in das Innere ein. 10 Mann, die zum größten Teil Pistolen in den Händen hielten, riefen: ,, Hände hoch sonst wird ge= schossen!" Dann machten sich die Eindringlinge an die Durchsuchung der Gäste, während andere das Lokal demolierten. Als die Wirtin Frau Röder in die Küche gehen wollte, vielleicht um von dort einen Weg zur Flucht zu entdecken und die Polizei zu alarmieren, wurde sie von einem der Nationalsozialisten niedergeschossen. Die Kugel drang Frau R. in den Unterleib. Die Verletzungen waren so schwer, daß sie bereits auf dem Transport ins Krankenhaus starb. Inzwischen war ein Schupobeamter; der sich auf seiner Streife befand, auf den Ueberfall aufmerksam geworden. Während der Beamte die Täter ganz allein im In wenig Worten Es wird, was in Kreisen der Erwerbslosen und Wohlfahrtspfleglinge noch nicht allgemein bekannt ist, nochmals darauf verwiesen, daß auf die Reichsverbilligungsscheine für Lebensmittel monatlich 2 Pfund frischer Seefisch oder 1 Pfund Fischfilet bezogen werden können. Für den Seefischbezug gilt der Februar- Abschnitt 7. Nach einem Funkspruch aus Murmansk ist der russische Dampfer, Raila" gestrandet. Der Dampfer soll im Sinfen begriffen sein. Mehrere Dampfer eilen zur Hilfe. Man hofft, die Befagung retten zu können. Im vergangenen Herbst ereignete sich am Kurfürstendamm ein schwerer Verkehrsunfall, der den Tod von zwei Menschen zur Folge hatte. Der Lastwagenfahrer Bründel überquerte in der Joachimsthaler Straße den Kurfürstendamm, obwohl das Signal auf ,, Rot" stand. Die Strafkammer des Landgerichts III verurteilte den Angeflagten Bründel wegen fahrlässiger Tötung in zwei Fällen zu 9 Monaten Gefängnis. Eine vom Minister für die Handelsmarine in Paris eingesetzte technische Untersuchungsfommission iſt einstimmig zu dem Ergebnis ge= langt, daß die Bernichtung der Atlan= tique" auf Brandstiftung und nicht auf Kurzschluß zurückzuführen sei. Der Bericht der Kommission ist der Staatsanwaltschaft Bordeaux mit der Bitte übermittelt worden, fofort ein Strafverfahren gegen Unbekannt einzuleiten. Go wird geworben Augenblicksbilder aus unserer Propaganda Don Von 10 bis 12 Uhr ist die Flugblattverteilung angesetzt. Schon um 9 Uhr sind die ersten Genossen zur Stelle. Die sonst so stillen Straßen haben heute aber ein ganz fremdes Geficht. In der Nazikajerne Bonenstraße 12 ist ein ständiges Kommen und Gehen; alle sind in Parade= uniform". In der Scharnhorststraße das gleiche Inzwischen ist alles versammelt und 30 bis 35 Genossinnen und Genossen beteiligen sich an der gemeinsamen Verbreitung. Gespannt und aufmerksam beobachten die Bewohner der Vorderhäuser unser Beginnen. Wird es zu Zusammenstößen kommen? Sind doch erst in der letzten Woche mehrere Bewohner der Zahlreiche politische Zwischenfälle Schach hielt, wurde von anderer Seite das Ueberfallkommando alarmiert. Sechzehn Nationalsozialisten wurden festgenommen. Als man die Täter durchsuchte, wurde ein ganzes Waffenarsenal entdeckt. In den Taschen und auf dem Fußboden zerstreut fanden die Beamten: 10 Pistolen 2 Buchenknüppel( Reibekeulen) 1 Hackmesser 1 Stahlrute 1 Beilpicke 5 feststehende Messer zahlreiche scharfe Munition. Die Bande wurde festgenommen und der Politischen Polizei des Polizeipräsidiums übergeben. Ob sich der feige SA.- Schüße und Frauenmörder unter den Festgenommenen befindet, soll angeblich noch nicht festehen, weil offenbar ein Teil der Täter entkommen ist. Die Mordkommission ar= beitet an der Aufklärung dieses neuesten Verbrechens. Nachzutragen sind in diesem Zusammenhang die Morde an den beiden kommunistischen Arbeitern, die in der Nacht zum Sonnabend ihr Leben unter nationalsozialistischen Kugeln aushauchten. Nach Mitternacht kehrten vier jugendliche Kommunisten von einer Versammlung aus dem Moabiter Gesellschaftsfälen heim. Als die Gruppe die Kreuzung Emdener und Wiclefstraße erreicht hatte, tauchten vier Hakenkreuzler auf, die ohne jeden Anlaß, wie die Polizei einwandfrei festgestellt hat, pier Schüsse auf die Kommunisten abgaben und dann davontiefen. Die Kommunisten, vermutlich in der Meinung, daß es sich um Schüsse aus einer Schreckschußpistole gehandelt habe, eilten den Schützen nach, um ihre polizeiliche Feststellung zu erwirken. Plöglich feuerten die Hakenkreuzfer nochmals und der 19 Jahre alte Jungkommunist Alfred Kollaffch brach mit einem Brustschuß zusammen. Er starb wenige Minuten später. Die Boyenstraße angegriffen worden. Aber auch die Schupo hat ihre Streifen verdoppelt und alles verläuft programmäßig. Mit mehr Aufmerkſamfeit ist wohl noch kein Flugblatt verteilt und gelesen worden. Der Eifer der Verteilenden und das zufriedene Lächeln des Zahlabendleiters sind wohl der beste Beweis dafür, daß der Erfolg zufriedenstellend ist; überall vorwärts unter den drei Pfeilen mit Eifer an die Arbeit und der Erfolg wird unser sein! Das Staatsbegräbnis Am Sonntag hat im Dom das Staatsbegräbnis für den Führer des nationalsozialistischen Sturmes 33 Maikowski und den Polizeiober. wachtmeister 3aurig stattgefunden. Der Lo falanzeiger" berichtet über die Trauerfeier mit der Unterüberschrift: Hitler, Göring und der Kronprinz im Dom". Die Begrüßung zwischen den amtlichen Vertretern der deutschen Republik und dem früheren Kronprinz des Deutschen Reiches und von Preußen war von auffallender Zuvorkommenheit. Neben dem Reichskanzler der Republik Adolf Hitler, dem Reichsminister und stellvertretenden Kommissar für Preußen, Göring und dem früheren Kronprinzen des Deutschen Reiches und von Preußen sah man den kommissarischen Polizeipräsidenten der Hauptstadt der Republik, Herrn Melcher und den Kommandeur der Polizei der republikanischen Reichshauptstadt Berlin, Herrn von Poten. Der Sarg des nationalsozialistischen Sturmführers war mit der Hafenfreuzflagge, der des Polizeioberwachtmeisters mit den schwarzweißen preußischen Farben bedeckt. Die Farben des Reiches wurden nicht gesehen. Auf dem Platz vor dem Dom war die SA. unter Beteiligung von Zivilpublikum aufmarschiert. Nach der Trauerfeier im Dom fuhr der gegenwärtige Reichskanzler zur Reichskanzlei zurück, um sich im Laufe des Tages im Flugzeug nach München zu begeben. Auf dem Invalidenfriedhof in der Invalidenstraße sprach Goebbels. Für den toten Polizeibeamten hatten am Vor mittag in der Wallstraße zwei Arbeiter einen Kranz mit roter Schleife niedergelegt. Es wird behauptet, daß der Oberwachtmeister Zaurig überzeugter Republikaner war. Aufruf von BBG.- Sammelfarten. Die BVG. ruft die Sammelkarten der Ausgabe D( grüne Farbe) zum 28. Februar 1933 auf. vier Täter konnten durch die Energie der hinzueilenden Schupobeamten festgenommen werden. Die andere Bluttat spielte sich fast zur gleichen Zeit in der Fuldastraße in Neukölln ab. Dort wurden mehrere Kommunisten von SA.Leuten beschossen. Der 20 Jahre alte Untifamann Erwin Berner wurde durch einen Bauchschuß so schwer verletzt, daß er bald darauf starb. Der 57jährige Fräser Emil Sawinski, Mitglied der KPD., erlitt einen schweren Oberschenkelschuß. S. fand im Neuköllner Krankenhaus Aufnahme. Am Tatort wurden von den Polizeibeamten zahlreiche leergeschossene Patronenhülsen gefunden. Die Wenige Tage später, am 19. Januar, fam es gleichfalls in der Frankfurter Allee, zu einem Zu fammenstoß zwischen Nationalsozialisten und Kommunisten. Die letzteren erhielten von ihren Genossen Unterstützung. Es wurden auch einige Schüsse abgegeben, und ein Kommunist, der Arbeiter Hermann Klüd, zwangsgestellt. Ein 16jähriger Nationalsozialist wollte gesehen haben, wie Klüd einige Schreckschüsse abgegeben habe. Man fand bei ihm eine scharf geladene Pistole und einen Gummifnüppel, an dessen Ende ein Stüd Blei eingegossen war. Der Angeflagte bestritt zwar vor Gericht, geschossen zu haben, wurde aber wegen unbefugten Waffenbesizes zu 10 Monaten Gefängnis verurteilt. Klück ist einmal wegen Diebstahl und dreimal wegen unerlaubter Ueberschreitung der Grenze zwischen Danzig und Deutschland vorbestraft. Täter find in der Dunkelheit fämtlich entkommen. Tod des Frauenmörders Auch sozialdemokratische Zeitungsverkäufer und Propagandazettelverteiler wurden in mehreren Fällen von SA.- Leuten überfallen, mißhandelt und niedergeschlagen. Diese drei Mordtaten waren von dem national sozialistischen Angriff" ,, Angriff" in entstellter Form wiedergegeben. Von der Friedenauer Mordtat, die an Scheußlichkeit kaum noch zu überbieten ist, wird im Angriff" festgestellt, daß sich in der be= rüchtigten kommunistischen Kneipe Pappschachtel" lediglich eine Schlägerei(!) entwickelte, in deren Berlauf die Wirtin, Frau Röder, durch Bauchschuß verletzt wurde. Sie starb im Krankenhaus. Ueber die beiden Morde an den kommunistischen Jungarbeitern heißt es in demselben Blatt an versteckter Stelle: An zwei Stellen tam es nachts zu schweren, von Margisten provozierten Zusam menstößen mit Nationalsozialisten, bei denen, wie polizeilich festgestellt wurde, drei Kommunisten durch Schüsse schwer verletzt wurden. Zwei von ihnen sollen ihren Verlegungen erlegen fein." Das stand im Angriff" zu einer Zeit, als bereits viele Stunden zuvor Berliner bürgerliche Vormittagsblätter die Nachricht von dem Tod der beiden kommunistischen Jungarbeiter veröffentlichten. Das durften aber die Angriff"-Lefer am Sonnabend noch nicht erfahren, denn das„ Staatsbegräbnis" am Sonntag stand ja noch bevor! So werden nationalsozialistische Morde verheimlicht. Die verschluckte Zahnbürste Linz a. d. D., 6. Februar. Der vielfache Mörder Franz Leitgoeb, der Dor furzem zu lebenslänglichem Zuchthaus ver urteilt worden war, ist heute an den Folgen eines Selbstmordverfuchs gestorben. Leitgoeb hatte noch vor der Schwurgerichtsverhandlung eine Zahnbürste verschluckt, in der Hoffnung, dadurch ins Gerichtskrankenhaus zu kommen und von dort leicht entfliehen zu können. Er mußte jest operiert werden; sein Tod ist infolge Bauchfellentzündung eingetreten. Kalte Lauben Und ungeschützte Einsetzwagen Man schreibt uns: Nazi mit 16 Vorstrafen Rätte übte eine so furchtbare Wirkung aus, Ein miẞglücktes Zuberkunststück Das Schnellschöffengericht hatte sich gestern gleich mit zwei Waffenfachen zu befassen. Angeklagt waren ein S.-A.- Mann und ein Kommunist, der aber nicht organisiert ist. Am 14. Januar d. I. hielt gegen 3 Uhr nachts beim Wurst mage in der Frankfurter Allee ein Auto mit der Hafenkreuzfahne als Wimpel. Ein S.- A.- Mann entstieg dem Wagen. Im selben Augenblick fiel ein Gegenstand zu Boden. Der S.A.- Mann hob ihn schnell auf und warf ihn ins Auto. Ein Schupobeamter, der den Vorgang bemerkte, interessierte sich für den Gegenstand. Der S.A.- Mann zeigte dem Be amten einen Beutel. Dieses Zauberkunststück mißlang dem SA.- Mann aber gründlich, denn der Besonnenheit! An alle Teilnehmer unserer Kundgebung! Ungeheure Massen werden heute aufmarschieren, um für die Freiheit des Volkes zu demonstrieren. Kein Zwischenfall darf die gewaltige Kundgebung stören. Darum müssen Rufe, auf die hin die Polizei einzuschreiten gezwungen wäre, unter allen Umständen unterbleiben. Insbesondere sind Rufe, die mit dem Wort ,, nieder" beginnen oder mit dem Wort ,, verrecke" enden, zu vermeiden. Schupomann durchsuchte den Wagen und fand einen scharf geladenen Revolver und außerdem 10 Rahmen mit Munition. Bor Gericht erklärte der angeklagte SA.- Mann Hermann Hartneẞ, ein wegen verschiedener Delikte 16 mal vorbestraftes Individuum, er wisse nicht, wie die Munition und die Waffe in seinen Wagen gekommen seien, höchstwahrscheinlich habe ihm das eine wie das andere irgend ein Unbekannter in den Wagen verstaut. Das Gericht verurteilte den S.A.- Mann wegen unbefugten Waffenbesizes zu acht Monaten Gefängnis. Herr Hartnet verbüßt augenblicklich eine einjährige Gefängnisstrafe wegen Betruges. ,, Mit Interesse fas ich fürzlich ihre Ausführungen über die Kältehilfe Berlins. Es ist verständlich, wenn die Hilfsbedürftigen zunächst eine Beihilfe erhalten, die wegen ihrer schlechten Wohnverhältnisse besonders start unter dem Kälteeinbruch zu leiden haben. Sie weisen darauf hin, daß das in erster Linie auch die Bewohner von Lauben sein werden. Dem tann man nur zustimmen! Wer einmal in einer Laube überwintert hat, weiß, was die Laubenbewohner auszuhalten haben. Die letzte daß viele der Laubenleute schon in aller Morgenfrühe ihre meist armselige Ruhestätte Derlassen im Freien umherrennen mußten, eben weil sie es in der Laube vor Kälte nicht mehr aushalten fonnten. Man glaube nicht, daß der Winter schon zu Ende ist. 1929 staten wir um diese Zeit noch im tiefsten Frost. 1922 wollten die Eisbarren des Nordens bis in den Mai hinein nicht weichen und bliesen grimmige Kälte über unser Land. Genießen wir also dankbar das milde Wetter, aber wappnen wir uns für etwa noch tommende Kälte, d. h. sorgen wir dafür, daß unsere Mitmenschen in ihren jammervollen Elendsbehaufungen nicht zugrunde gehen. und Hier tut schnelle und gründliche Hilfe wirklich not!! Bei dieser Gelegenheit auch einige Worte an die Berliner Verkehrs- Gesellfchaft. Ich weiß, daß die überwiegende Mehrzahl der im Verkehr befindlichen Wagen einen sogenannten geschlossenen Führerstand haben. Der Führer ist hier gegen den schneidenden Windzug geschützt. Mehr als unverantwortlich ist es aber, in den Tagen bitterer Kälte Wagen fahren zu laffen, die nicht den geschlossenen Führerstand haben. Da verkehrt z. B. ein Einseher der Linie 47( Krankenhaus Neukölln- Hermannplay). Wenn ich in Briz am Buschkrug einsteige und infolge Ueberfüllung ein Plätzchen auf dem offenen Vorderperron beziehen muß, bin ich mirklich zufrieden, wenn ich nach etwa vier. minütiger Fahrzeit an der Grenzallee das Behifel verlassen und in die warme Untergrundbahn schlüpfen kann. Der wirklich bedauernswerte Führer aber muß sich weiter den falten Wind um die Nase blasen lassen. Dieser skandalöse Zustand verlangt schnellste Beseitigung. Es fann doch wirklich nicht alle Welt kosten, die offenen Wagen mit Windschutzscheiben versehen zu lassen. Der BVG. sei geraten, die bewußte lange Leitung" endlich etwas zu fürzen, zumal ihr ja diese Zustände in ihrem Wagenpart seit langem bekannt find." „ Iphigenie" im Deutschen Theater. Von Diens tag ab wird im Deutschen Theater Goethes Iphigenie auf Tauris" aufgeführt. Es wirken mit: Helene Thimig, Ewald Balser, Ferdinand Hart, Wolfgang Liebeneiner und Eduard von Winterstein. Ruf zur Heimkehr. Genosse Ernst J., um den seine Familie und seine Freunde wegen seines Berschwindens sich schwere Sorgen machen, wird dringend gebeten, wieder zurückzukehren, um seine Arbeit wieder wie früher als pflichtgetreuer So zialdemokrat aufzunehmen. ... einige Tropfen MAGGI Würze verbessern das einfachste Essen 1. Auch beim Nachfüllen erhalten Sie Gutscheine. Jugend von heute Die vier aus der Bar im Westen Der Raubüberfall ist das typische Verbrechen der Not. Jungen, in der Regel unbestraft, in Verbrechen unerfahren, verdorben durch Schundliteratur und Schundfilm, erfüllt von Abenteuerlust, ohne Arbeit und Taschengeld, immer halb hungrig, den Lockungen der Großstadt ausgesetzt, stellen es sich einfach vor, durch einen plöglichen bewaffneten Ueberfall zu Geld zu kommen. Die Bevölkerungsklassen leben aber nicht mehr wie im Mittelalter in strenger Abgeschlossenheit voneinander. Auswüchse sozialen Lebens springen von einer Bevölkerungsschicht auf die andere über, von den unbewachten Jungen aus den Prole= tariervierteln auf die wohlbehüteten Söhne be= güterter Familien. So erntet die bürgerliche Gesellschaft die Früchte jenes Systems, das Elend Freie Sozialistische Hochschule Sonnabend, 11. d. M., 19% Uhr, Saal des ehem. Herrenhauses, Leipziger Straße 3, Vortrag des Genossen Prof. Dr. Ernst v. Aster- Gießen über: ,, Der Geist des deutschen Bürgertums und die Politik" Karten zum Preise von 50 Pf. an den bekannten Stellen.( Karten zu ermäßigten Preisen a. d. Abendkasse.) und Gewalt zeigt. Diese freundliche Verzauberung wird von den Weintraub weitergeführt, einer Gruppe liebenswürdiger junger Musikanten, die in den drei Jahren ihrer Abwesenheit vieles hinzugelernt haben; sie treten den Beweis an, daß ein Kollektiv Großes leisten kann, so daß der Ruhm nicht nur einem einzelnen zufällt. Ihr Rhythmus und ihre vollendete Erzentrik überraschen und erfreuen. Sodann zeigt uns Dr. Her= mann Ostermaier einen Seidenschimmelhengst, wahrhaftig ein Pferd von seltener Schönheit, wie aus einem Märchen, der am langen Zügel seine besondere tänzerische Begabung be= weist. Rassana ist eine Neuheit am Sternenhimmel des Wintergartens, die es fertig be= kommt, den Kreuzschwung einarmig hundertmal auszuführen und damit fast den Rekord Lilian Leizels zu erreichen. Die vortrefflichen Akroba tinnen Bruna und Jolanda mit Höchst= leistungen, der überaus ulkige und amüsante Fransky, dem unsere wackere Lotte Werkmeister nichts nachgibt, die ausgezeichneten Leiterakrobaten Mario Medini, die hübschen und gern gesehenen Marionetten Leu bers tragen dazu bei, das hohe Niveau des neuen Programms zu wahren. Böß im Lettow- Prozeß Es geht nicht vorwärts Die Beweisaufnahme im Lettom- Prozeß schreitet trotz größter Bemühungen der Prozeßleitung und der Parteien nur sehr langsam vorwärts. Man befindet sich immer noch bei der Erneben Reichtum und Ueberfluß züchtet. Dafür örterung des ersten Kapitels und beschäftigt sich zwei Beispiele aus der allerletzten Zeit. Erst vor wenigen Wochen saßen vier junge Burschen aus gutfituierten, Bürgerhäusern auf der Anklagebant wegen Verabredung gegen das Leben eines Geldbrief trägers. Die pier Burschen ,, genossen" ihr Leben in den Wilhelmshallen und in der Canarisbar; sie brauchten Geld für ihre Freundinnen und so hatten sie den Raubüberfall ausgeheckt. Bald danach stellte es sich zur allge= meinen Ueberraschung und Verblüffung heraus, daß auch die vier Burschen, die den Ueberfall auf den Garderobenpächter des Delphi- Palastes in der Kantstraße, Otto Kröger, unweit des Untergrundbahnhofes Krumme Lanke in Zehlendorf verübt haben, gar feine abgefeimten Verbrecher sind, sondern aus guten Bürgerhäusern stammen. Sie verbrachten ihre Nächte in den Tanzlokalen des Westens, spielten die Kavaliere und brauchten dazu Geld, Geld und nochmals Geld. in der Hauptsache mit der Frage, ob der Angeklagte Lettow bei dem Ankauf der Bemag Attien durch die Vipa torreft gehandelt habe oder nicht. Gestern wurde der ehemalige Oberbürgermeister Böß vernommen, der seit Gründung der Bemag Borsitzender des Aufsichtsrats gewesen ist. Das einzige, was der Zeuge mit Bestimmtheit sagen konnte, war, daß Lettow, als äußerst tüch tiger, umsichtiger, tatkräftiger und fleißiger Mensch allgemeines Vertrauen besessen habe. Im übrigen konnte sich Oberbürgermeister Böß auf all das, worauf es dem Gericht ankam, nicht mehr er= innern. So blieben die Fragen des Vorsitzenden, Landgerichtsdirektor Neumann fast sämtlich unbeantwortet. Zu seiner Rechtfertigung erklärte Böß sehr Achtung! Alle Büros des Bezirksverbandes Berlin werden wegen der Demonstration um 5 Uhr geschlossen. Bezirksverband Berlin. glaubwürdig, daß er als Aufsichtsratsvorsitzender einer großen Anzahl städtischer Gesellschaften bei der Ueberlastung mit anderweitigen Verpflichtun gen sich unmöglich an all diese Einzelheiten entsinnen könne. Der Stadtfämmerer Karding würde wohl eher über all die Fragen Auskunft geben fönnen. Karding, wie auch der deutschnationale Stadtrat Wege, der in der LettomAngelegenheit eine ganz besondere Rolle spielt, werden morgen vernommen. Wie wird das Wetter? In Berlin: Zeitweise aufheiternd, keine Niederschläge von Bedeutung, am Tage wieder mild, südliche Winde. In Deutschland: In der östlichen Hälfte Besserung, in Ostpreußen Temperaturen um Null, sonst am Tage ziemlich mild, in der westlichen Reichshälfte meist bemölft, stellenweise leichte Regenfälle, Temperaturanstieg. beraus 15000 Baar Stiefel werden besohlt In die hochherrschaftlichen Grunewaldvillen nisten sich die kriminellen Bazillen aus den Elendsund Verbrechervierteln ein, und die eleganten Bars des Westens werden für die verwöhnten Bürgersöhne in gleicher Weise Ausgangspunkt wie die Kaschemmen im Norden für die bedauernswerten Fürsorgezöglinge. Wer sah Räuberauto? 3300 Mark Belohnung Die Suche der Beamten der Mordkommission des Berliner Polizeipräsidiums nach den Banditen, die am 1. Februar in der Granigstraße in Panfom den Malermeister Roch und dessen Begleiter Krüger auf offener Straße niederschossen und 12 550 M. raubten, ist bisher trotz umfang reicher Fahndungsmaßnahmen erfolglos geblieben. Die Belohnung ist gestern ganz erheblich und zwar auf insgesamt 3300 M. erhöht worden. Alle Mitteilungen werden streng vertraulich behandelt und sind an das Polizeipräsidium Zimmer 30, Hausanruf 433, zu richten. Die Kriminalpolizei weist nochmals darauf hin, daß die Täter, es waren vier Männer, zur Ausführung der Tat eine hellblaue Luruslimousine Typ Nürburg benugt haben. Der Wagen mar tags zuvor in der Stresemannstraße gestohlen worden. Die Er= fennungsnummer des Autos hatten die Verbrecher von 5984 in 5004 umgefälscht. 984 in 5 Wintergarten Einen wesentlichen Teil des Februarprogramms nehmen drei hervorragende Nummern ein. Zuerst das Gsovsky Ballett, das in Berlin nicht unbekannt ist, mit den vorzüglichen Solisten Brigitta Hartwig( einer erst Sechszehnjährigen) und Kurt Lenz, dem Partner Tamara Karsavinas. Dieses junge Tänzerpaar tritt besonders stark in Erscheinung in der neuen originellen Tanzfuite„ Das ewige Rarussell". Der Bühnentanz ist und bleibt ein Hymnus auf die Herrlichkeit des menschlichen Leibes und das ist auch der Eindruck, den man von diesen beiden prachtvollen Menschen mit nimmt. Das ganze Ballett verzaubert den Zu schauer: Ein Traum von Schönheit und Farbe in einer Welt, die einem täglich die Frage von Haß Weisse Waren Im Arbeitslager der Berliner Winterhilfe In der staderstraße 3/4, im früheren Arbeitsamt Prenzlauer Berg, haben 65 junge Menschen für 20 Wochen Bleibe, Essen und Arbeit gefunden. Träger des Dienstes ist die Berliner Winterhilfe im Verein mit dem sozialen Dienst. Wa ihm Rahmen der Berliner Winterhilfe an Schuhspenden eingegangen ist ein großes Schuhhaus hat allein 11 000 Paar Schuhe im Wege eines Gutscheinsystems zur Verfügung gestellt-, das wird hier für die schuharme Bevölkerung wieder instandgesetzt. Eine so schöne, helle und geräumige Schusterwerkstatt wird man wohl kaum noch einmal antreffen. Es ist ein Riesenraum, ursprünglich Turnhalle, mit großen Fenstern und dem nötigen Licht. Da fizzen die 65 im Alter von 18 bis 25 Jahren, es find auch einige Jüngere darunter, und bearbeiten nach besten Kräften und Wissen das Leder. Eine vielstimmige Klopf, Kraz- und Feilmethode er tönt, außerdem singt sich die frohe Gesellschaft ein luftig Lied. Ein Meister und 3 ausgebildete Behilfen lernen die Dungen an, die durchweg ungelernte Arbeiter sind und aus den verschieden ften Berufen, wie Tischler, Schlosser, Holzarbeiter usw., fommen. Daß aller Anfang schwer ist, kann der Meister unbedingt unterschreiben, aber mit der nötigen Geduld und Zeit lernen sie es schließlich doch. Das Leben im Heim Dieses Arbeitsdienstlager ist ein geschlossenes Lager, das heißt, daß die jungen Leute während 20 Wochen vollständig darin beheimatet sind; es ist in dieser Art das einzige Lager, das sich innerhalb der Stadt Berlin befindet. Es gibt Unterkunft, Essen, Kleidung, Wäsche und ein Taschengeld von 1,80 Mark die Woche. Täglich wird 6 Stunden gearbeitet; morgens wird, der Lichtersparnis wegen, um ein Viertel vor Acht aufgestanden, dann gibt es Gymnastik, bei gutem Wetter im Freien, sonst in der nahegelegenen Turnhalle Nach dem Frühstück, das abwechselnd aus Suppe oder Kaffee besteht, geht es dann an die Arbeit. Die Freizeit wird mit Sport, Spiel und geistiger Betätigung in Form von Lektüre and Vorträgen verbracht. Jeden Donnerstag ist Badetag. Dreimal wöchentlich und Sonntags gibt es Ausgang Gekocht wird ebenfalls im Lager, gut und genügend, der Speisezettel an der Küchenmand meift abwechslungsreiche, start mit Fleisch durchseyte Mahlzeiten auf. Jeder soll satt werden, dafür sorgt vor allem die tägliche Kartoffelration von 4 Zentner, die von der Schälmannschaft eben für morgen zurechtgemacht mird; für das heutige Essen, Bratwurf mit Rotkohl, wur den 36 Pfund Kohl verarbeitet. Die Kochfrau be streitet das Essen, ihre männliche Bedienungs mannschaft, die abwechselnd zum Küchen- und AbWeißer, dauniger Gänserupf Pfd. 295 WäschestoffHandtuchwaschdienst abkommandiert wird, geht ihr dabei zur Hand. Natürlich wird auch der Stubendienst abwechselnd ausgeführt, sauber glänzt der Fußboden überall, die Betten sind fein aufgebettet und die Waschbecken samt Zahnpuzglas für jeden einzelnen sind in bester Verfassung. Im größten Schlafraum schlafen 14, in den kleineren 5 bis 6. Jeder hat seinen eigenen verschließbaren Schrank. An Aussteuer erhält jeder Insasse 2 Unterhofen, 2 Hemden, 2 Paar Strümpfe, Arbeitshose und Arbeitskittel sowie ein Paar Stiefel, die er sich natürlich mit eigener Hand aus dem Reservoir der 15 000 zurechtschustern muß Alle diese Sachen gehen nach Lagerschluß ins Eigentum des Betreffenden über. Alles, was im Heim liegt und fteht, haben die jungen Leute mit eigener Hand zurechtgemacht. Ob es sich nun um die zum Teil etwas altersschwachen Bettstellen, die die Stadt aus dem Obdach gestiftet hat, um die sonstigen Zimmereinrichtungsgegenstände, um die Lichtleitung oder um das Werkstattinventar handelt. Alles ist zufrieden, denn: ein satter Magen, eine Bleibe und Arbeit, das ist für die jungen Menschen von heute schon sehr, sehr viel. Bei den Mädchen Nicht weit davon entfernt, in der Gleim. straße, im Hause des Bezirksamts Prenzlauer Berg, ist für 35 Mädchen eine Nähstube eingerichtet. Die Wohnräume sind hier kleiner und gedrängter, weshalb auch nur etwa die Hälfte im Heim schläft. Die anderen schlafen zu Hause oder auch in Schlafstelle; diese erhalten ein er= höhtes Wochengeld im Betrage von 5 bzw. 7,85 Mart. In diesen Nähstuben wird, zum Unterschied von der oben geschilderten Zentralschusteret, nur bezirkliche Arbeit geleistet. Es handelt sich um die Ausbesserung und Instandseßung der aus der Kleidersammlung stammenden Kleidungsstücke. Die Arbeitsräume sind hier ebenfalls groß und geräumig. Im ersten Raum werden die fleckigen und schmutzigen Stücke erstmals gewaschen oder entfleckt, dann wird alles zertrennt und nach dem Grundsatz: aus Alt mach Neu, mit möglichst viel Geschick zurechtgemacht. Die Proben weiblicher Kunstfertigkeit sind zahlreiche, an den Regalen hängende wunderhübsche, kunstvoll kombinierte Kleidungsstücke vom Kleinkinderfittelchen angefangen bis zum modernen Frauenkleid. Einige davon weisen ganze Stopfmotive auf, das sind die Gewebe, wo die Motter allzu fleißig vorgearbeitet haben. Hier rattern fleißig die Nähmaschinen, fommt einmal eine Wäschestofffpende, dann werden gleich Hemden fabriziert, ebenso Arbeitskittel für die männlichen Kollegen von drüben und für die Mädchen selbst. Sonst ist die Einteilung im Heim genau wie bei den jungen Leuten. Linon- Garnitur Jacquard- Handtuch 1 Oberbettbezug, 2 Kissen- 275 65 P bezüge, zusammen Reste Pf. Reinleinen, ca. 48 × 100 Metallbettstelle Bogenform, mit Zugfedermatratze, weiß, 80 x 185 950 und Abschnitte zu beispiellos billigen Preisen! Couchbettstelle 875 Seit 1886 Bettfedern Gustav Weiße Wertheim- Wochen preiswerter sofern billig, ganz Der Bleistift in der Hand des Preiskalkulators und die Materie in Händen phantasiebegabter Dekorateure haben die diesjährigen Weißen Wochen der Firma A. Wertheim zu einer sehenswerten Schau sowohl in künstlerischer wie auch in wirtschaftlicher Beziehung gestaltet. Um mit der realen Seite der Veranstaltung zu be= ginnen, so fauft man alles, was weiße Farbe trägt, zu wirklich staunenswert herabgesezten Preisen. Ob man am Lager der Leibwäsche oder der Küchentücher sich umsieht, ob man die zu hohen Pyramiden aufgestapelten Ballen Wäschestoffe betrachtet, man kann überall man eben überhaupt noch fann billig seinen Wäschebestand ergänzen. Ganz be= sonders hat sich der reduzierende Preisstift der haushälterischen Wäscheartikel angenommen, dann find Frauenhemden zu Spottpreisen zu haben, und des Mannes Sehnsucht nach hübschen Oberhemden geht ebenfalls feine unerfüllbaren Wege. All diese preiswerten Gelegenheiten präsentieren sich nun dem Publikum in einer ungemein wirkungsvollen Aufmachung. So hat das Haus Wertheim in der Leipziger Straße seinen Lichthof zum Baldachin in meiß- gelb gewandelt; schwungvolle Faltenwürfe ringsum, und die Decke erstrahlt in einem Meer von Licht, das durch riesige, sternförmige Beleuchtungskörper aus tausenden fleiner Glühbirnen nach unten auf all die ausgebreitete weiße Herrlichkeit fällt. Das Haus am Morigplay hat Nischen in die Wände eingelassen und diese geschmackvoll mit Weiß verkleidet, von der in Kassetten geteilten Decke hängen lange, weiß- gelbe Fransen, von unzähligen Glühbirnen durchleuchtet, nach unten. In der Königstraße schwebt ein Vogelflug schneeiger Schwäne über den Häuptern des Publikums, der einem schneebedeckten Riesenbassin zustrebt. In der Rosenthaler Straße schließ lich sind die großen, starken Tragepfeiler ganz in Weiß verkleidet; von diesem weißen Grund heben fich schmissige Relieffiguren ab, die vollständige, ihrem jeweiligen Charakter angepaßte Wäschegarnituren auf dem schlanken Leib tragen. 20 Jahre Verkäuferinnenschule Am 1. April kann die städtische Ver täuferinnenschule in der Hallesche Straße auf ein 20jähriges Bestehen zurückblicken. Diesen Anlaß hat die Firma Leiser, die in besonders enger Zusammenarbeit mit dieser Schule steht, benügt, um ihr gesamtes Personal sowie eine Reihe Interessierter im großen Saal der Verkaufsschule mit der Psyche der Verkaufskunst bekanntzumachen. Direktor Hempel von der Verfäuferinnenschule stizzierte zu Anfang in kurzen Worten nochmals Wesen und Aufbau dieses Lehrinstitutes. Die Schule zerfällt in drei Abteilungen. Die Berufsschule mit 53 Klassen, die von allen angehenden Verkäuferinnen in wöchentlich 8 Stunden besucht wird, dann die Abendschule für älteres Verkaufspersonal und die Einzelhandelsschule, die als Parallele zur faufmännischen Handelsschule den Schülerinnen eine vertiefte Verkaufsausbildung in einem zweijährigen Kurs gewährt. Wie wertvoll die Arbeit dieser Berufsschule ist, erhellt am besten die Tatsache, daß alle Absolventinnen Arbeit haben. Dem praktischen Verkaufskolleg fandte der Chef der Firma Leiser. Julius Klausner, einleitende Worte voraus. Er betonte, wie unendlich wichtig eine fachmännische Bedienung des Kunden sei, der ja im eigentlichen Sinne als Arbeitgeber des Verkäufers anzusprechen ist. Schließfich stieg ein Dialog' zwischen Verkäuferin und Käuferin, in dem die Leiser- Schülerinnen zeigen fonnten, wie weit sie in das Wesen ihres Berufes eingedrungen find. Sportliche Vorführungen der Leiser- Sportmannschaft beschlossen den instruktiven Vormittag. Die Firma Leiser darf das große soziale Verdienst für sich in Anspruch nehmen, daß sie ihrem Personal den Besuch der Berufsschule während der Geschäftszeit gestattet und sämtliche Schulgelder selbst bezahlt. ,, Wenn es noch keinen gäbe, müßte er schleunigst er. funden werden!" In vielen tausenden Gaststätten ist heute Kathreiner zu haben. Ob bei Kempinski oder in der Hochschulbrauerei ob im Strandbad Wannsee oder im Charlottenburger Sportklub, überall gibt's jetzt diesen berühmten Malztaffee, der ja vergleichsweise auch schon in jeder zweiten deutschen Familie getrunken wird. Der Kathreiner schmeckt sehr gut, wenn er richtig zubereitet wird; er hält gesund und er ist billig. Das ist heute wichtiger als je. Ein fluger Gastwirt hat neulich einmal gefagt: Wenn es heute noch keinen Kathreiner gäbe, dann müßte er schleunigst erfunden werden." Bunter Nachmittag im Cafe Baterland". Im Café Baterland wird täglich in der Zeit von 4 bis 8 Uhr bei freiem Eintritt ein Kabarettprogramm geboten, das sich aus Gesangs, Tanz-, Vortrags- und akrobatischen Nummern zusammensetzt. Naturgesez und Menschenwert. Im menschlichen Leben gibt es zwei Höhepunkte: Die Zeit zwischen dem 20. und 30. Lebensjahre bringt uns die förperliche Höchsttrart, während wir zwischen dem 35. und 50. Lebensjahr in Er. fahrung und allgemeiner Geltung, also auch geistig, den Höhepunkt erreichen. Dann aber weist die Natur meistens bald den Rückweg an. Ist das unabänderlich? Heute nicht mehr! Die Erforschung der Naturgesetze hat auch den Weg gezeigt, unsere Lebenskurve zu verbessern. Nachlaffen der Kräfte ist das Zeichen für rückläufige Drüsenfunktion, für Hormonausfall. Zufuhr neuer Hormone gibt neue Belebung. Go erklärt sich der Erfolg des Hormonpräparates Otasa. Eine Ofasa- Kur bedeutet also Berlängerung der Jugendzeit. Otasa ist in allen Apotheken zu haben. Das Generaldepot Radlauers Kronen- Apotheke, Berlin W. 61, Friedrichstr. 160, sendet gegen 25 Pf. für Porto Gratis- Probe und Literatur. Was wissen Sie von Ihren Großeltern? Frischen Sie nicht nur spärliche Kindheitserinnerungen auf. Denken Sie auch einmal nach, an welchen Beschwerden oder leib. lichen Fehlern ihre Boreltern litten! Das ist für Sie außerordentlich wichtig, denn viele Krankheiten sind ver. erblich, und Gie tönnten schon beizeiten danach leben und vorbeugen. Dazu werden Ihnen in recht hohem Maße die guten Zinffer- Hausmittel helfen können. Haben Sie beispielsweise noch nichts vom Zinsser- Rheumatis mus- Tee oder dem echten bulgarischen Zinsser- Knoblauchfaft gehört? Dann sollten Sie in der heutigen Zeitung einmal die Anzeige von Dr. Zinsser u. Co. in Leipzig lesen, die Ihnen wichtiges sagen wird. Fabrik Lustig Prinzenstr Eckesebastianst Wilmersdorferstr. Ecke Bismarckstr. FrankfurterAllee 304 da WAR Als wär's noch nie getragen KALT so hat das wundervolle Persil gewaschen! Weich und mollig ist alles, und die Farben sind leuchtend und frisch. Für alle farbenechte Wolle ist die schonende Persil- Kaltwäsche das zeitgemäße Erneuerungsbad. Farbige Wollsachen wäscht man kalt. Im schäumenden Persilbad das Stück wiederholtes Einrollen in saugfähige Tücher auspressen( dabei Armel leicht durch waschen, gleich danach gut spülen. Dem ersten Spülwasser gibt Innenteile und Taschen mit weißen Tüchern auslegen). Zum Schluß: Aus man zum Auffrischen der Farben etwas Küchenessig bei. Die Nässe durch breiten auf einem Tisch, niemals aufhängen! Sonne und Ofenhitze meiden P9/ 320 Persil wäscht Wolle wunderbar!! Das Ende der Pressefreiheit Die neue Notverordnung gegen Presse und Versammlungen Wir veröffentlichen im folgenden die neue Notverordnung, die wir allen unseren Lesern zu genauester Lektüre emp. fehlen. Sie erstreckt sich auf das Versammlungsleben, auf die Presse, auf Flugschriften, auf die persönliche Freiheit jedes einzelnen. Sie schränkt jedes freie Wort, jede freie Entfaltung demokratischer Kräfte unerträglich ein. Dies Dokument muß jeder fennen! Die Antwort darauf geben wir am 5. März! Berordnung des Reichspräsidenten zum Schuße des deutschen Boltes. Vom 4 Februar 1933. Auf Grund des Artikels 48 Abs. 2 der Reichs. verfassung wird folgendes verordnet: Versammlungen und Aufzüge § 1. 1 Deffentliche politische Versammlungen sowie alle Bersammlungen und Aufzüge unter freiem Himmel sind spätestens achtundvierzig Stunden vorher unter Angabe des Ortes, der Zeit und des Berhandlungsgegenstandes der Ortspolizeibehörde anzumelden. 2. Sie können im Einzel fall verboten werden, wenn nach den Umständen eine unmittelbare Gefahr für die öffentliche Sicherheit zu besorgen ist. Statt des Ver bots fann eine Genehmigung unter Auflagen aus. gesprochen werden. Zuständig sind, soweit die obersten Landesbehörden nichts anderes bestimmen, die Ortspolizeibehörden. 3. Ausgenommen sind Veranstaltungen nicht politischer Art. 4. Eine Anordnung nach Abs. 2 bann nach den Bestimmungen des Landesrechts angefochten werden. Die Beschwerde hat keine aufschiebende Wirkung. § 2. Deffentliche politische Versammlungen so wie Versammlungen und Aufzüge unter freiem Himmel können aufgelöst werden, 1. wenn in thnen zum Ungehorsam gegen Geseze oder rechtsgültige Verordnungen über die innerhalb ihrer Zuständigkeit getroffenen Anordnungen der verfassungsmäßigen Regierung oder der Behörden aufgefordert oder angereizt wird, oder 2. wenn in ihnen Organe, Einrichtungen, Behörden oder leitende Beamte des Staates beschimpft oder bösmillig verächtlich gemacht werden, oder 3. wenn in ihnen eine Religionsgesellschaft des öffentlichen Rechts, ihre Einrichtungen, Gebräuche oder Gegenstände ihrer religiösen Berehrung beschimpft oder böswillig verächtlich gemacht werden, oder 4. wenn in ihnen zu einer Gewalttat gegen eine bestimmte Person oder allgemein zu Gewalttätigteiten gegen Personen oder Sachen aufgefordert oder angereizt wird; 5. wenn sie nicht ange meldet oder wenn sie verboten sind oder wenn von den Angaben der Anmeldung absichtlich abgewichen oder wenn einer Auflage zumidergehandelt wird. § 3. 1. Die Polizeibehörde ist befugt, in jede öffentliche Versammlung Beauftragte zu entsenden. 2. Die Beauftragten haben sich unter Rundgebung ihrer Eigenschaft dem Leiter oder, solange dieser nicht bestellt ist, dem Veran stalter der Versammlung zu erkennen zu geben. 3. Den Beauftragten muß ein angemesse ner Play eingeräumt werden. 4. Wird die Zulassung der Beauftragten verweigert, so fann die Versammlung für aufgelöst erklärt merden. § 4. 1. Ist eine Versammlung für aufgelöst erflärt, so hat die Polizeibehörde dem Leiter oder Veranstalter der Versammlung die mit Tatsachen zu belegenden Gründe der Anordnung schriftlich mitzuteilen, falls er dies binnen drei Tagen beantragt. 2. Die Auflösung kann nach den Be stimmungen des Landesrechts angefochten werden. § 5. Der Reichsminister des Innern fann allgemein oder mit Einschränkungen für das ganze Reichsgebiet oder einzelne Teile Ver= fammlungen unter freiem Himmel und Aufzüge sowie das Tragen einheit licher Kleidung, die die Zugehörigkeit zu einer politischen Vereinigung fennzeichnet, ver. bieten und für Zuwiderhandlungen Gefängnis= strafe oder Geldstrafe allein oder nebeneinander androhen. § 6. 1. Versammlungen unter freiem Himmel und Aufzüge dürfen von den Landesbehörden wegen unmittelbarer Gefahr für die öffentliche Sicherheit verboten merden a) allgemein nur für bestimmt abgegrenzte Orts teile, b) im übrigen nur im Einzelfalle. Weitergehende allgemeine Verbote treten außer Kraft. 2. Hat der Reichsminister des Innern gegen ein Verbot nach Abs. 1 a Bedenken, so fann er die oberste Landesbehörde um Aenderung oder Aufhebung ersuchen. Entspricht die oberste Landesbehörde dem Ersuchen nicht, so kann er das Verbot aufheben. Druckschriften § 7. 1. Drudschriften, deren Inhalt geeignet ist, die öffentliche Sicherheit oder Ordnung zu gefährden, können polizeilich beschlag. nahmt und eingezogen werden. 2. Zuständig sind, soweit die obersten Landesbehörden nichts anderes bestimmen, die Ortspolizeibehörden. § 8. Die Vorschriften des Gesetzes über die Presse vom 7. Mai 1874( Reichsgesezblatt 1 Seite 65) über die Beschlagnahme von Druckschriften ohne richterliche Anordnung(§§ 23 ff. des Gesetzes) finden auf die in den§§ 81 bis 86, 92 Nr. 1 und 110 des Strafgesetzbuchs oder in den§§ 1 bis 4 des Gesezes gegen den Verrat militärischer Geheimnisse bezeichneten strafbaren Handlungen mit der Maßgabe Anwendung, daß dem Staatsanwalt gegen den Beschluß des Gerichts, der die vorläufige Beschlag( Reichsgesegblatt I Seite 29) zuwider jemand be= stellt oder benannt ist, der nicht oder nur mit besonderer Zustimmung oder Genehmigung strafrechtlich verfolgt werden kann. 2. Die Dauer des Berbots darf bei Tageszeitungen 4 Wochen, in anderen Fällen 6 Monate nicht überschreiten. Diese Beschränkung fällt fort, wenn eine periodische Druckschrift, die auf Grund der Vorschriften dieser Berordung bereits zweimal verbofen war, innerhalb dreier Monate nach dem ersten Verbot erneut verboten wird; in diesem Falle darf die Dauer des Verbots bei Tageszeitungen 6 Monate, in anderen Fällen 1 Jahr nicht überichreiten. 3. Ein auf Grund des Abs. 1 erlassenes Verbot umfaßt auch die in demselben Verlag er= scheinenden Kopfblätter der Zeitung sowie jede angeblich neue Druckschrift, die sich sachlich als die alte darstellt oder als ihr Ersag anzusehen ist. § 10. 1. 3uständig für das Verbot einer perioStaßfurt Große Zeit für Siebzehnjährige. nahme aufhebt, die sofortige Beschwerde mit aufschiebender Wirkung zusteht. Zeitungsverbote § 9. 1. Periodische Druckschriften können verboten merden, 1. wenn durch ihren Inhalt die Strafbarkeit einer der in den§§ 81 bis 86, 92 Nr. 1 des Strafgesetzbuchs oder in den§§ 1 bis 4 des Gesetzes gegen den Verrat militärischer Ge= heimnisse bezeichneten Handlungen begründet wird; 2. wenn in ihnen zum Ungehorsam gegen Gefeße oder rechtsgültige Berordnungen oder die innerhalb ihrer Zuständigkeit getroffenen Anordnungen der verfassungsmäßigen Regierung oder der Behörden aufgefordert oder angereizt wird; 3. wenn in ihnen zu Gewalttätigkeiten aufgefordert oder angereizt wird oder wenn in ihnen Gewalttätigkeiten, nachdem sie begangen worden sind, verherrlicht werden; 4. wenn in ihnen zu einem Generalstreit oder zu einem Streit in einem lebenswichtigen Betrieb aufgefordert oder angereizt wird; = 5. wenn in ihnen Organe, Einrichtun gen, Behörden oder leitende Bea mt e des Staates beschimpft oder böswillig verächtlich gemacht werden; 6. wenn in ihnen eine Religiponsgefell. schaft des öffentlichen Rechts, ihre Einrichtungen, Gebräuche oder Gegenstände ihrer religiösen Verehrung beschimpft oder böswillig verächtlich gemacht werden; 7. menn in ihnen offensichtlich unrich. tige Nachrichten enthalten sind, deren Verbreitung geeignet ist, lebenswichtige Interessen des Staates zu gefährden; 8. wenn als verantwortlicher Schriftleiter dem Verbot des Reichsgesetzes vom 4. März 1931 dischen Druckschrift sind die obersten Landesbehörden oder die von ihnen bestimmten Stellen. Gegen das Verbot ist binnen 2 Wochen vom Tage der Zustellung oder Veröffentlichung ab die Beschwerde an einen vom Präsidium zu bestimmenden Senat des Reichsgerichts gegeben. Die Beschwerde hat feine aufschiebende Wirkung. 2. Die Beschwerde ist bei der Stelle einzureichen, gegen deren Anordnung fie gerichtet ist. Diese hat sie unverzüg= lich der obersten Landesbehörde vorzulegen. Hilft diese der Beschwerde nicht ab, so hat sie sie unverzüglich an den Reichs. minister des Innern weiterzuleiten. Der Reichsminister des Innern kann der Beschwerde abhelfen; andernfalls hat er sie unverzüglich dem Senat des Reichsgerichts zur Entscheidung vorzulegen. Gegen eine Entscheidung des Reichsministers des Innern, die der Beschwerde abhilft, kann die oberste Landesbehörde die Entscheidung des Senats des Reichsgerichts anrufen. 3. Der Reichsminister des Innern fann die oberste Landesbehörde um das Verbot einer periodischen Druckschrift ersuchen. Glaubt die oberste Landesbehörde einem solchen Ersuchen nicht entprechen zu können, so teilt sie dies unverzüglich, spätestens aber am zweiten Tage nach Empfang des Ersuchens, dem Reichsminister des Innern mit und ruft innerhalb derselben Frist die Entscheidung des Senats des Reichsgerichts an. Erklärt dieser das Verbot für zulässig, so hat die oberste Landesbehörde dem Ersuchen sofort zu entsprechen. Einer Beschwerde gegen ein auf Ersuchen des Reichsministers des Innern angeordnetes Verbot kann die oberste Landesbehörde nicht abhelfen. Verbot von Ersatzblättern § 11. 1. Eine periodische Druckschrift, die unter Duldung des Berlegers den Beziehern einer verbotenen Druckschrift als deren Ersatz zur Abwendung der Folgen des Verbots zugestellt wird, fann für die im§ 9 Abs. 2 bestimmte Dauer verboten werden. 2. Zuständig für das Verbot ist die Stelle, die das erste Verbot angeordnet hat. Erscheint die als Ersaz zugestellte periodische Druckschrift in einem anderen Lande als die verbotene, so ist die zuständige Landesbehörde von der Stelle, die das erste Verbot angeordnet hat, um Anordmung des Verbots der als Ersatz zugestellten periodischen Druckschrift zu ersuchen. Will die ersuchte Behörde das Verbot nicht anordnen, so hat sie die Entscheidung des Reichsministers des Innern anzurufen; die Vorschriften des§ 10 Abs. 3 finden entsprechende Anwendung. 3. Gegen das Berbot ist die Beschwerde gemäß den Vorschriften des§ 10 Abs. 1, 2 zulässig. § 12. Ein Verbot einer periodischen Druckschrift muß ohne sachliche Nachprüfung sofort aufgehoben werden, wenn die Beschwerde nicht spätestens am 5. Tage nach ihrer Einlegung dem Reichsminister des Innern zugeleitet ist. § 13. Ist in einer periodischen Druckschrift, die nicht im Inland erscheint, eine Veröffentlichung der im§ 9 Abs. 1 Nr. 1 bis 7 bezeichneten Art enthalten, so fann der Reichsminister des Innern ihre Verbreitung im Inland bis zur Dauer von 6 Monaten verbieten. Gegen das Verbot ist tein Rechtsmittel zulässig. Sammlungen zu politischen Zwecken § 14. 1. Die obersten Landesbehörden oder die von ihnen bestimmten Stellen können verbieten, daß Geld- oder Sachspenden zu politischen Zwecken oder zur Verwendung durch politische Organisa. tionen von Haus zu Haus, auf Straßen oder Plägen, in Gast- oder Vergnügungsstätten oder an anderen öffentlichen Orten eingesammelt werden das Verbot kann auf einzelne Sammlungen oder die Sammlungen bestimmter Ver einigungen beschränkt werden. Samm= lungen, die in Bersammlungen oder im Zusammenhang mit ihnen am Versammlungsort stattfinden, sowie Sammlungen von Haus zu Haus, die sich auf Mitglieder der sammelnden Organi sation beschränken, sind zulässig. 2. Hat der Reichsminister des Innern gegen ein Verbot nach Abs. 1 Saz 2 Bedenken, so kann er die oberste Landesbehörde um Aenderung over Aufhebung ersuchen. Entspricht die oberste Landesbehörde dem Ersuchen nicht, so kann er das Verbot aufheben. Strafbestimmungen § 15. 1. Wer öffentlich zu einer Gewalttat gegen eine bestimmte Person oder allgemein zu Gewalttätigkeiten gegen Personen oder Sachen auffordert oder anreizt, wird, sofern nicht die Tat nach anderen Vorschriften mit einer höheren Strafe bedroht ist, mit Gefängnis nicht unter 3 Monaten bestraft. 2. Sind mildernde Umstände vorhanden, so ist auf Gefäng nis nicht unter 1 Monat zu erkennen. § 16. 1. Mit Gefängnis, neben dem auf Geldstrafe erkannt werden kann, wird bestraft, a) wer ohne die nach§ 1 erforderliche Anmeldung oder in absichtlicher Abweichung von den in der Anmeldung gemachten Angaben oder unter Zuwiderhandlung gegen eine Verbot oder eine Auflage eine Versammlung oder einen Aufzug veranstaltet oder leitet oder dabei als Redner auftritt; b) mer für eine Versammlung, die entgegen der Vorschrift des§ 1 nicht angemeldet oder die verboten ist, den Raum zur Verfügung stellt. 2. Die Vorschriften des Abs. 1 find nicht anzuwenden, wenn ein politischer 3med mit der Tat nicht verbunden war und eine Störung oder Ge fährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung nicht angetreten ist. § 17. Mit Geldstrafe bis zu 150 m. wird be= straft, 1. mer an einer Versammlung oder einem Aufzuge teilnimmt, die entgegen der Vorschrift des§ 1 nicht angemeldet oder die verboten sind; 2. wer als Veranstalter oder Leiter einer Versammlung den Beauftragten der Polizeibehörde die Einräumung eines ange= messenen Blazes verweigert(§ 3); 3. mer sich nach Erklärung der Auflösung einer Versammlung (§§ 2, 3 Abs. 4) nicht sofort entfernt. § 18. Wer eine auf Grund der§§ 9 oder 11 verbotene periodische Druckschrift heraus gibt, perleg t, druckt oder verbreitet, mird mit Gefängnis nicht unter 3 Mo. naten bestraft, neben dem auf Geldstrafe erkannt werden kann. Ebenso wird bestraft, mer im Inland eine periodische Druckschrift verbreitet, deren Verbreitung gemäß§ 13 verboten ist. §19. Mit Gefängnis bis zu 6 Monaten oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer einem auf Grund des§ 14 Abs. 1 Sat 1 erlassenen Verbot über Sammlungen vorfäßlich zuwiderhandelt. § 20. 1. Wer vorsätzlich oder fahrlässig Druc schriften politischen Inhalts her. stellt, verbreitet oder zum Zwecke der Verbrei 112112 Allein im Wannfeebad wurden im letzten Sommer 100000 Taffen Kathreiner getrunken- die Berliner wissen schon, was gut und doch billig ift... tung vorrätig hält, auf denen zur Berheimlichung des Ursprungs die in den§§ 6 und 7 des Reichs gefeges über die Presse vom 7. Mai 1874( Reichsgefeglatt S. 65) vorgeschriebenen Angaben über Drucker, Verleger, Verfasser, Herausgeber oder verantwortlichen Redakteur nicht enthalten oder unrichtig, unvollständig oder unleserlich sind, wird, soweit nicht die Tat nach anderen Vorschriften mit einer schwereren Strafe bedroht ist, mit Gefängnis bis zu einem Jahre bestraft, wenn durch die Schrift 1. das Verbrechen des Hochver rats(§§ 81 bis 86 des Strafgesetzbuchs) oder 2. ein Vergehen gegen die Vorschriften über verbotene Vereine(§ 5 der Verordnung des Reichspräsidenten zur Erhaltung des inneren Friedens vom 19. Dezember 1932( Reichsgesetzblatt I S. 548) oder über verbotene Druckschriften (§ 18 dieser Verordnung) oder 3. eine nach den §§ 110 bis 112 des Strafgesetzbuch s oder nach§ 15 dieser Verordnung strafbare Aufforderung oder Anreizung begründet wird. 2. Wer wegen einer vorsäglichen Zuwiderhandlung nach Absatz 1 bestraft worden ist, wird, wenn er abermals der Borschrift des Abs. 1 vorsäglich zuwiderhandelt, mit Gefängnis nicht unter drei Monaten bestraft.§ 245 des Strafgesetzbuchs findet entsprechende Anwendung. 3. Auf Gegenstände, die zur Begehung eines nach diesen Vorschriften strafbaren Vergehens ge= braucht oder bestimmt sind, findet§ 86 a des Strafgesetzbuchs entsprechende Anwendung. Anzeigepflicht § 21. 1. Wer von dem Vorhandensein eines Vorrats von Druckschriften, deren Inhalt den Tatbestand einer der im§ 20 20bs. 1 Nr. 1 bis 3 bezeichneten strafbaren Handlungen begründet, zu einem Zeitpunkt glaubhafte Kenntnis erhält, zu dem das Vorhandensein dieses Druckschriftenporrats der Behörde noch nicht befannt ist, ist verpflichtet, unverzüglich der Polizeibehörde Anzeige zu er= statten. Die in seinen Besitz oder Gewahrsam gelangten Stücke der Druckschrift hdt er underzüglich der Polizeibehörde abzuliefern. 2. Wer es unterläßt, die Anzeige oder Ablieferung rechtzeitig zu bewirken, wird mit Gefängnis bis zu 1 Jahr bestraft. 3. Straffrei ist, wer eine Anzeige unterläßt, die er gegen Verwandte auf und absteigender Linie, Ehegatten oder Geschwister erstatten müßte. Ein Geistlicher ist nicht verpflichtet, anzuzeigen, was ihm bei Ausübung der Seelsorge anvertraut worden ist. § 22. 1. Wer in dem dringenden Verdacht einer nach den§§ 81 bis 86, 92 Nr. 1 des Strafgesetzbuchs oder den§§ 1 bis 4 des Gesetzes gegen den Verrat militärischer Ge= heimnisse strafbaren Handlung oder eines Verbrechens oder Vergehens steht, das mittels einer Waffe begangen ist oder dessen Strafbarkeit durch unbefugtes Führen einer Waffe oder unbefugtes Erscheinen mit einer Waffe begründet wird, fann im Interesse der öffentlichen Sicherheit in polizeiliche Haft genommen werden. 2. Die polizeiliche Haft ist aufzuheben, wenn " und folange gegen den Berhafteten die gericht. liche Untersuchungshaft verhängt ist oder wenn 3 Monate seit der Inhaftnahme vergangen sind. 3. Gegen die Anordnung der polizeilichen Haft ist die Beschwerde im Dienstaufsichte wege zulässig. 4. Bestreitet der Verhaftete die Begehung der ihm zur Last gelegten Tat, so hat auf seinen Antrag über die Frage, ob dringender Tatverdacht vorliegt, der Amtsrichter des Bezirks zu entscheiden, in dem die Haft vollstreckt wird. Verneint der Amtsrichter einen dringenden Tatverdacht, so ist die polizeiliche Haft aufzuheben. Das gleiche gilt, wenn eine einen dringenden Tatverdacht verneinende gerichtliche Entscheidung in dem Strafverfahren ergeht, das wegen der Tat eingeleitet worden ist. Bejaht der Amtsrichter den dringenden Tatverdacht, so fann der Verhaftete eine neue Entscheidung des Amtsrichters nur auf Grund neuer Tatsachen oder Beweismittel bean= tragen. Schließung von Räumen § 23. 1. Räumlichkeiten, von denen aus eine Mehrheit von Personen aus politischen Beweggründen oder zu politischen Zwecken gemeinsam oder zusammen mit anderen Gewalttätigkeiten gegen Personen oder Sachen begangen hat, oder von denen nach den Umständen zu besorgen ist, daß sie von einer Mehrheit von Personen als Sammelstätten oder Stüßpunkte für Gewalttätigkeiten dieser Art benutzt werden, oder 2. in denen Schriften hergestellt oder zum Zwecke der Verbreitung vorrätig gehalten werden, deren Inhalt den Tatbestand einer der im§ 20 Abi. 1 Nr. 1 bis 3 bezeichneten strafbaren Handlungen begründet oder 3. in denen einer Mehrheit von Personen Aufenthalt oder Unterkunft gewährt wird, die in diefen Räumen eine nach§ 5 der Verordnung des Reichspräsidenten zur Erhaltung des inneren Friedens vom 19. Dezember 1932 ( Reichsgesekblatt I S. 548) verbotene Tätigkeit ausüben, können polizeilich geschlossen werden, wenn dies für die Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung. insbesondere zur Beseitigung der Gefahr der Wiederholung solcher Taten erforderlich ist. Die in solchen Räumlichkeiten befindlichen Waffen können volizeilich beschlagnahmt und eingezogen werden. 2. Das Berbot fann auf Räume eritrect merden. die mit den im Abs. 1 bezeichneten Räumlichkeiten zusammenhängen. 3. Handelt es sich um eine Gast- oder Schantmirtschaft, so fann die Erlaubnis zum Betriebe von der Ortspolizeibehörde bis zur Dauer von 1 Jahr entaoa en mer den. 4. Genen eine polizeiliche Maßnahme nach 21bf. 1 bis 3 ist nur die Beschmerde im Dienitaufsichtsmeae zulässig Der Reichsminister des Innern ist jederzeit berechtigt. die Aufhebung der Maßnahme anzuordnen. 5. Mer eine nach Abs. 1 his 3 polizeilich gefchloffene Räumlichkeit vor Aufhebung der Schließung benut oder anderen zur Benukuna überläkt mird mit Gefänanis nicht unter 3 Monaten bestraft. Bei Gaft- oder Schanfwirten, die wegen Zuwiderhandlung gegen diese Borschrift rechtswidrig verurteilt worden sind, fann die höhere Verwaltungsbehörde mit Wirtung für das Reichsgebiet aussprechen, daß sie für eine bestimmte Zeit oder für die Dauer nicht die Zuverlässigkeit im Sinne des§ 2 Abs. 1 Nr. 1 des Gaststättengesetzes vom 28. April 1930( Reichsgejegblatt I S. 146) besitzen. § 24. 1. Zur Aburteilung der in dieser Verordnung mit Strafe bedrohten Handlungen ist das Verfahren nach§ 212 der Strafprozeßordnung auch dann zulässig, wenn der Beschuldigte sich weber freiwillig stellt noch infolge einer vor läufigen Festnahme dem Gericht vorgeführt wird. 2. Dasselbe gilt für alle übrigen zur Zuständigkeit der Amtsgerichte gehörenden strafbaren Handlungen, die an öffentlichen Orten, in Versammlungen oder durch Verbreitung oder Anschlag von Schriften, Abbildungen oder Darstellungen be= gangen worden sind. Schlußvorschriften § 25. 1. Die zur Durchführung dieser Verord nung erforderlichen Rechts- und Verwaltungsvor schriften erläßt der Reichsminister des Innern, und zwar, fomelt es sich um Bor schriften über das Verfahren vor dem Senat des Reichsgerichts handelt, im Einvernehmen mit dem Reichsminister der Justiz. Er fann, soweit er es für erforderlich hält, Richtlinien für die Handhabung der Vorschriften dieser Verordnung erlaffen. 2. Der Kreis der leitenden Beamten im Sinne dieser Verordnung(§ 2 Nr. 2,§ 9 Abs. 1 Nr. 5) wird, soweit es sich um Reichsbeamte handelt, von dem Reichsminister des Innern, soweit es sich. um Landesbeamte handelt, von den Landesregierungen bestimmt. § 26. 1. Diese Verordnung fritt mit dem Tage nach ihrer Verfündung in Kraft. 2. Während ihrer Geltungsdauer sind die Vorschriften der§§ 2, 6 bis 8 der Verordnung des Reichspräsidenten zur Erhaltung des inneren Friedens vom 19. Dezember 1932( Reichsgesetzblatt I S. 548) nicht anzuwenden, Berlin, den 4. Februar 1933, Der Der Reichspräsident. gez. von Hindenburg. Der Reich fanzler gez. Adolf Hitler. Reichsminister des Innern. gez. Frid. Der Reichsminister der Justiz. gez. Dr. Gürtner. Protest der Preffe Warnung in letzter Stunde Der Reichsausschuß des Reichsverbandes der Deutschen Preffe hat am Sonntag in seiner Tagung in Berlin sich mit der neuen Pressenotverordnung beschäftigt und beschlossen, folgendes Telegramm an den Reichspräsidenfen zu senden: ,, Der Reichsverband der Deutschen Presse hatte die Aufhebung der wesentlichsten Beschränkungen der Pressefreiheit als einen Beginn zur Wiederherstellung jener Borausfehungen begrüßt, die für die Wirksamkeit einer verantwortungsbewußten, dem Staatswohl dienenden Presse lebensnotwendig sind. Die deutsche Presse hat mit Genugtuung davon Kenntnis genommen, daß auch der Herr Reichsinnenminister Dr. Frid sich vor den Vertretern der Presse zu diesen Grundsätzen der Pressefreiheit bekannt hat. Seit dieser Erklärung des Herrn Reichsinnenministers hat sich die Lage in feiner Weise geändert. Mit starkem Befremden hat deshalb der Reichsausschuß davon Kenntnis genommen, daß die Reichsregierung Ihnen, Herr Reichspräsident, eine neue Notverordnung vorschlagen, die die frühere Knebelung der Pressefreiheit wieder herstellen und anscheinend noch verschärfen will. Der Reichsverband der deutschen Presse, in dem Journalisten aus allen deutschen Gauen ohne Unterschied der politischen Parteirichtung zusammengeschlossen sind, erhebt seine warnende Stimme gegen einen solchen Versuch, der der Presse die Erfüllung ihrer den Staatsintereffen dienenden Aufgabe der Mitwirkung an der Bildung der öffentlichen Meinung unmöglich machen und nach allen Erfahrungen der letzten Jahre sein Ziel völlig verfehlen würde." dem Abschrift dieses Telegramms wurde Reichskanzler, dem Reichsinnenminister und dem Reichsjustizminiffer zugeleitet. Die Antwort auf die Warnung aus berufenen Pressekreisen war die Veröffentlichung der obigen Verordnung! Gewerkschaftliches siehe 2. Beilage. Hierzu 3 Beilagen Der Vorwärts" eticheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal Illustrierte Sonntagsbeilage Boll und 8eit". Bezugsprette: Wöchentlich 75 Bt., monatlich 3,25 M.( davon 87 Pt monatlich für 8ustellung ins Haus) im voraus zahlbar. Postbezug 3,97 m einschließlich 60 Pf. Postzeitung und 72 Pf. Poftbestellgebühren. Auslandsabonnement 5,65 M. pro Monat; für Länder mit ermäßigtem Drucksachenporto 465 M. Bei A. sfall der Lieferung wegen Wort 10 Pf Rabatt laut Tarif. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Millimeterzeile 25 Pf. Familienanzeigen Millimeterzeile 16 Pf. Anzeigenannahme im Hauptgefchäit Lindenstr. 3, wochentäglich Don 8 bis 17 Uhr. Der Verlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor./ Berantwortlich für Politit: Rudolf Brendemühl; Wirtschaft: 6. Klingelhöfer; Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: Serbert Lepère; Lokales und Sonstiges: Frig Karstädt; Anzeigen: Otto Hengst; sämtlich in Berlin./ Verlag: Vorwärts- Verlag G. m. b. S., Berlin. Druck: Borwärts- Buchdruckerei und Berlagsanstalt Paul Singer u. Co.. Berlin SW. 68. Lindenstr. 3. höherer Gemalt besteht ein Anspruch ber Abonnenten auf Grab. I neige more to inputtige illimeterseile 30 Ben 10 feine Anzeigen" bas fetgebrudte Bort 20 Bf. febes weitere Besuchen Sie unsere WERTHEIM wundervollen Ausstellungen Weisse Riesige Auswahl Woche Dauer dieser Veranstaltung v. 30. 1. bis 11. 2. Wäschestoffe -.28 Wäschestoff Renforcé, feinfädig, ca. 80 cm breit, Meter, Wäschestoff Kretonne, starkfädig, für Herrenhemden, Meter-.39 Mako für feine Damenwäsche, 49 aus ägyptischer Baumwolle, Meter Streifsatin Band-, Zehnerstreif. 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Steingut 1 Posten Teewärmer... 0.95 Teegeschirr moderne Form, 15 Teile 8.75 Brotkasten groß, bunt mit Buchenholz 8.75 Wasserkrüge einzeln, weiß.... 0.48 Waschbecken einzeln, weiß... an ..an 0.60 Waschgarnitur 5 Teile mit Gold, 3.50 feines Blumenmuster 5 Teile. 5 Teile. Teile 3.50 4.90 Frühstückservice fabrikat Thomas, 3.50 Kaffeeservice Blumendekore, Kaffeeservice verschied. Formen u. Dekore, 9 Teile.. Glas Teebecher leicht geschliffen..... 0.15 Bierbecher leicht geschliffen... 0.15 Bierservice geschl., Kanne m. 6 Gläsern 2.45 Kompottschale farbig...... 0.55 1 Posten Rotweingläseru. Likörschalen Kelch und Stiel geschliffen, Stück ( nur Leipziger Straße) 0.38 ZWEITE BEILAGE DIENSTAG, 7. FEBRUAR 1933 Mit geschultertem Spaten Das große Geheimnis Hitlers zur Rettung Deutschlands und ganz besonders zur Rettung der deutschen Arbeilerschaft aus dem Elend der Arbeitslosigkeit besteht also in der Arbeits- d i e n st p f l i ch t. Diese„Idee" stammt jedoch nicht von Herrn Hitler selbst, sondern von seinen Parteianhängern S ch ö p k e und H i e r l. Hierl, Oberst a. D., M. d. R. und Reichsleiter der NSDAP, für den Arbeitsdienst, dürfte also der berufene Ausleger dieser Idee sein. Er hat am Donnerstag, dem g Juni 1932, in einer Stund- gebung der nationalsozialistischen deutschen Stu- dentenschast an der Technischen Hochschule in Charlottenburg über„Sinn und Gestaltung der allgemeinen Arbeitsdienstpflicht" gesprochen.„Die Arbeitzdienstpflicht", so erklärte Herr Hierl wörtlich,„soll der Staotsleitung ein Arbeilsheer schaffen zum Einsah im wirt- schafllichen Kampf um unser Leben und um die Wiedergewinnung unserer volkswirtschaftlichen Selbständigkeit." Dunkel ist der Rede Sinn. Wir werden aber noch sehen, wie Herr Hierl sich das Arbeitsheer „als staatliches Machtmittel zum Einsatz im wirtschaftlichen Kampf" vorstellr. Jeder Deutsche, ob arbeitslos oder nicht, müsse zwischen dem 17. und 39. Lebensjahr zwei Jahre Ar- b e i t s d i e n st leisten. Dann sagte Herr Hierl: „Die arbeitsrechtlichen Bestimmungen über Tarif, Arbeitszeit usw. finden bei dem Arbeits- dienst natürlich keine Verwendung... Der Arbeitspflichtige erhält keinen Lohn, sondern Unterkunst, volle Verpflegung, Kleidung, Wäsche und ein tägliches Tafchengeld von Zt> bis 50 Pfennig." Im Anschluß an die zweijährige Arbeits- dienstpflicht soll dann der Dien st im Heer, die allgemeine Wehrpflicht, folgen Herr Hierl sagte zwar nicht, wie lange die Militärdienstzeit bemessen sein soll, aber da er, wie sein oberster Chef, für die Wiederherstellung der guten alten Zeit vor dem 9. November 1918 ist, so wird man wohl nicht fehl gehen, wenn man auch hier eine zweijährige Dienstzeit annimmt. Mit anderen Worten: Zeder Deutsche hat in dem zu errichtenden Dritten Reich eine vierjährige Dienstzeit zu leisten. Fiftlers Lösung der sozialen Fragen Damit dem Deutschen der Uebergang von der Arbeitskaserne in die militärische Kaserne nicht zu schwer fällt, soll nach dem Obersten Hierl der Auf- bau der Arbeitsarmee dem Heere n a ch g e- bildet werden. Der unterste Arbeitsverband ist die Arbeitsabteilung. Sie besteht aus einem Führer, einem Stellvertreter, einem Verwalter, einem Quartlermeister, einem Zeugmeister, einem Sportwart, einem Heilgehilfen, 13 Truppführern, 29 Vormännern, 4 Spielleuten und 179 Reichs- arbeitern. Also auf 170 Arbeiter kommen in der Arbeits- armee des Dritten Reiches 42 Offiziere und Unteroffiziere, d. h. auf je 4 Gemeine ein Dorgefehler, auf je 4 Arbeiter ein Aufpasser und Antreiber. 19 bis 15 Arbeitsabteilungen bilden eine Arbeits- gruppe unter einem Kommandeur. So ein Kommandeur erhält natürlich auch einen Stab. 19 bis 15 solcher„Arbeitsgruppen" bilden eine Inspektion.(Man könnte auch sagen, ein Armeekorps.) Selbstverständlich werden die Ar- beitssoldaten uniformiert. Und dann schilderte Herr Hierl begeistert den Arbeitsprozeß. Morgens geht es aus den Baracken mit geschultertem Spaten an die Arbeitsstätten." „Mit Stolz," rief Herr Hierl aus,„sollen die deutschen Mädchen die Arbeitssoldaten begleiten." Ungefähr wie beim Aufzug der Wachtparade. Die Kommandeure und das sogenannte Stamm- personal sollen aus den Reihen der Wehrmacht, der Versorgungsanwärter der Reichswehr(nicht aber etwa der Schupo, der Herr Hierl nicht den nötigen militärischen Schneid zutraut), entnommen werden. Wer zweifelt wohl an ihrer Eignung zur Leitung eines wirtschaftlichen Betriebes? Immerhin will Herr Hierl ihnen auch ehemalige Beamte für die niederen Schreibarbeiten und— man höre und staune!— sogar Techniker unterordnen. Mit diesem Arbeitsheer will Herr Hierl Siedlungen bauen, Meliorationen, Wege- bauten, Eisenbahnstrecken usw. ausführen. Herr Hierl fürchtet offenbar, daß sich das deutsche Volk für diese Einrichtung nicht restlos begeistern würde. Und so sieht er eine Reche von„Schutz- bestimmungen" vor. Mit Gefängnis und Zuchlhaus soll die„Verächtlichmachung" dieses Arbeitsheeres oder die„Aufreizung zum Wider- stand" bestraft werden. In dieser riesigen Streik- brucharmee würde nicht nur eine ungeheure Ge- fahr liegen für die noch in Lohki und Brot stehen- den freien Arbeiter. Die kleinen Malermeister könnten ihren Pinsel an den Nagel hängen und sich dazu, die Bauunternehmer könnten stempeln gehen, wenn es noch Arbeitsämter g.eben würde, die kleinen Handwerksmeister, die sich heute noch für Hitler begeistern, denen würden, wie die „DAZ." dem SA.-Mann prophezeite, die Augen übergehen. Run stelle man sich vor, wie dieses Heer von Dienstpflichtigen, die keine Rechte und keinen Lohn haben werden, auf die Lohn- und Arbeilsbedin- gungen der gesamten Arbeiter, Angestellten und Beamten wirken muß, ein Heer, das nach Herrn hierl dem Staat„zum Einsah im wirtschaftlichen Kamps" unbedingt zur Verfügung steht. Neben den 799 999 Arbeitssoldaten, die zwei Jahre lang als willenlose Heloten zu schuften hätten, würden nach Herrn Hierl 179999 Kom- mandeure, Stabschefs, Trupp- führer, Vormänner usw. zu unterhalten sein. Es bedarf wohl keiner näheren Erklärung darüber, daß diese 179 999 Aufpasser und An- treiber sich nicht mit einem Taschengeld von 39 bis 59 Pfennig zu begnügen hätten. Wenn wir hier die Durchschnittskosten auf 299 Mark im Monat berechnen, so würde das allein für das sogenannte Stammpersonal die runde Summe von 420 Millionen im 3ahr ausmachen. Eine ähnlich hohe Summe wäre erforderlich zur Unterhaltung des Arbeitsdienst- Heeres. Rechnet man hinzu die Ausgaben für die Unterbringung dieses Heeres, für seine Bekleidung und schließlich für die technische Ausrüstung, dann wird man annähernd auf eine jährliche Ausgabe von 1)4 Milliarden kommen. Daß für 179 999 Anwärter aus der SA. damit die Arbeitslosigkeit beseitigt wäre, ist klar. Für die anderen 7 Millionen Arbeitslosen und für alle, die noch in Lohn und Brot stehen, würde ein derartiges Arbeitsdienstheer nicht die Rettung, sondern nur vergrößertes Elend bedeuten. Blutsauger am Werk! NocKmLtls: Sirups Hinterlassenschaft Aus der Afchaffenburger Heimindustrie wird uns geschrieben: Die A u f l ö s u n g des Reichstags hat die Verabschiedung des vom früheren Reichsarbeits- minister S y r u p vorgelegten Entwurfes eines Ge- setzes über Lohnschutz in der Heimarbeit leider unmöglich gemacht. Nicht nur die Hoffnung der Heimarbeiter ist wieder vernichtet worden. Auch der seriöse Kaufmann, der in dem neu zu schaffenden Gesetz die Möglichkeit sah, seinen Be- trieb zu erhalten, ist betrogen worden: er weiß nicht ein noch aus. Gewissenlose Kaufleute suchen durch unlautersten Wettbewerb Geschäfte zu machen, indem sie unter unglaublichem Lohndruck die Waren zu einem der- artigen Schleuderpreis(gut aufgemachte, geringste Qualität) auf den Markt bringen, daß die Existenz anständiger Kaufleute, die ein solches Ge- schäftsgebahren nicht mitmachen wollen, vernichtet wird. Die jetzigen Lohnoerhältnisse in der Heimarbeit sind schlimmer als sie 1896 waren. Die Tariflöhne und die durch Fachausschüsse für Heim- arbeit amtlich festgesetzten Mindestlöhne für Heim- arbeiter stehen meistens nur noch auf dem Papier: die Löhne bleiben oft unter der Hälfte der tariflichen Vereinbarungen oder Festsetzungen. Am schlimmsten sind die Verhältnisse in der Herren- und St nabenkonfektion. Das Eldorado der Lohndrücker ist A s ch a f f c n b u r g. Während in anderen Gegenden Deutschlands viele Kleiderfabriken ihre Betriebe einstellen mußten, hat sich im Aschafsenburger Bezirk ihre Zahl be- deutend erhöht. Vor dem Kriege 30. jetzt 150. Aus allen Gegenden ziehen Gewerbetreibende nach hierher, weil die Lohnverhältnisse„besonders günstig" sind. d. h. es zahlt jeder Gewerbetreibende nur soviel Lohn, wie er will. Genau so gewissenlos gehen übrigens in Berlin sogenannte„Galizianer" vor. Dadurch werden ehrlich zahlende Firmen kaputt gemacht. Diese Verhältnisse konnten nur einreißen, weil der§ 37 des Hausarbeitsgcsetzes in seiner jetzigen Fassung unklar ist. Er wird von den Gewerbe- treibenden niedrigster Gesinnung benutzt, um die Heimarbeiter durch Hungerlöhne und die an- ständigen Kaufleute durch allerschmutzigste Konkurrenz vollständig zu ruinieren. Die Fachausschüsse für Hausarbeit sind durch die unklare Fassung des§ 37 in der Verfolgung dieser Blutsauger stark gehemmt. Das im Ent- wurf vorliegende Gesetz über Lohnschutz in der Heimarbeit will Heimarbeiter und Gewerbe- treibende durch einheitliches durchgreifendes Ver- fahren der Fachausschüsse gegen Lohnraub und Schmutzkonkurrenz schützen. Wenn irgendwo, so wäre hier der sofortige Erlaß einer Notverordnung am Platze._ Ammer noch Lohnabbau! Im BnchclnichAewerhe Im Buchdruckgewerbe sind die Reichs- t a r i f e für Gehilfen und Hilfspersonal zu Ende April gekündigt worden. Die Verhandlungen zur Neuregelung der Tarife werden im Laufe des Monats März einsetzen. Für die Sparten der Drucker und M a- schinensetzer haben am Montag Verhand- lungen über die Sonderbe st immungen begonnen. Bei den Druckern steht in erster Linie die Frage der Besetzung der Maschinen und der Verantwortung an den Maschinen zur Erörterung, bei den Setzern die Frage der Leistungserhöhung, in beiden Fällen also Dinge, die auch arbeits- marktpolitisch von Bedeutung sind. In den Vorverhandlungen über die Ortszu- schlüge stellt es sich heraus, daß die Buch- druckunternehmer wieder einmal einen Lohnabbau auf der ganzen Linie anstreben. In Ostpreußen sollen, mit Ausnahme von Königs- berg, alle Ortszuschläge überhaupt fortfallen: in Rheinland-Westfalen möchte man für etwa 259 Druckorte Lohnkürzungen bis zu 15 Proz. durch- setzen. Die Gehilfen denken nicht daran, in einen neuen Lohnabbau einzuwilligen. Endlich Einigkeit! Brnderstreit begraben Die politische Hochspannung beherrschte auch die Generalversammlung der Berliner Fabrikarbeiter am Sonntag im Gewerkschaftshaus. Der Bevoll- mächtigte, Genosse R ü ck e r t, ließ in seinem Rechenschaftsbericht die wichtigsten Ereignisse des Vorjahres kurz Revue passieren. Auch die Fabrikarbeiter wurden im Vorjahr hart bedrängt: sie hatten anzukämpfen gegen Not- Verordnungen, Lohndruck und die übrigen Krisen- erscheinungen. Ihr« Organisation bot alles auf, um den arbeitenden und erwerbslosen Mitgliedern die Existenzbasis zu erhalten. Trotz des Rück- gangs der Zahl der Mitglieder blieb die Kampf- kraft der Organisation ungebrochen. Das kam mit aller Deutlichkeit in der D i s- k u s f i o n zum Ausdruck. Hier wurde lebhaft Klage geführt über das diktatorische Gebaren der Firma K ü b l e r gegenüber der Belegschaft und vor allem der gesetzlichen Betriebsvertretung. Der Versuch, der Belegschaft einen neuen Lohn- a b b a u durch Diktat aufzuzwingen, wird aller Voraussicht nach noch in dieser Woche einen schweren Arbeitskampf auslösen, bei dem die Arbeiterschaft von Kübler wie ein Mann zu- sammen stehen wird. Genosse Rückert hatte die kommunistischen Mit- glieder und Funktionäre aufgefordert, endlich in die Bruderhand einzuschlagen, die ihnen von den nichtkommunistischen Verbandskollegen schon so oft ehrlich entgegengestreckt worden ist. Der bevor- stehende General st urm der Reaktion auf die Bastionen der klassenbewußten Arbeiter- schaft müsse die sozialdemokratischen und kommu- nistischen Arbeiter als eine einige Klasse vorfinden. In der Aussprache über den Geschäftsbericht er- klärten sich besonders die kommunistisch gesinnten Delegierten mit aller Entschiedenheit gegen alle Zersplitterungsversuche und forderten wenigstens für die Zeit bis zur lieber- Windung der Reaktionsperiode die Einstellung des gehässigen Bruderkampfes. Eine Wells der Brüderlichkeit flutete durch die Versammlung. Bei der Neuwahl der engeren Ortsoer- waltung gab es keine Veränderungen. Die Kommunisten hatten auf eigene Vorschläge verzichtet. Emil Girbig ist tot. Ein vorbildlicher Arbeiterführer und ein prachtvoller Mensch ist mit ihm dahingegangen. Girbig, der am Montag im 67. Lebensjahr verschied, war früher viele Jahre Vorsitzender des Glasarbeiterverbandes. Er war der treue Freund der Glasarbeiter, und überall, wo Glashütten stehen, wird die Kunde von seinem Tod eine schmerzvolle Kunde sein. Schon vor der Gründung des Glasarbeiterver- bandes trat er in Wort und Schrift für die Jnter- essen seiner Berufsangehörigen ein. Im Jahre 1892 kam er zum Glasarbeiieroerband, und 1897 wurde Girbig zum ersten Vorsitzenden des Ver- bandes gewählt. Ein Fllhrertalent stand an der Spitze. Rasch gelang es Girbig, der auch mit großer Rednergabe ausgestattet war, die damals sehr daniederliegende Organisation zu festige». Unter unendlichen Schwierigkeiten, aber mit nie ermüdender Kraft und Ausdauer hat Girbig Jahrzehnte für die Glasarbeiter gewirkt und sich, nicht zuletzt auch durch seine gütige menschliche Art, die Liebe und Freundschaft von vielen Tau- senden seiner Berufskollegen gewonnen. Auch in der internationalen Glas- arbeiterbewegung hatte Girbigs Name einen guten Klang. Bis zum Kriegsausbruch war er internationaler Sekretär, und als das Sekretariat nach Paris verlegt wurde, bekam Girbig das Ehrenamt des Präsidenten der Internationale, das er bis zum Tode innehatte. Auch auf politischem Gebiet hat Girbig seinen Mann gestanden. In unzähligen Versammlun- gen hat er für die Sozialdemokratie gekämpft, und das Vertrauen der Wühler sandte ihn in die Nationalversammlung und später in den Reichstag, dem er mit kurzen Unter- brechungen bis zum Jahre 1928 angehörte. Wilhelm IL beim Arbeitsgericht verklagt Die Hansawerft klagt gegen die T e r� raingesellschaft Wildpark-West und den Exkaiser Wilhelm. In Wirklichkeit ist der Kläger der Geschäftsführer der beklagten Ge- sellschaft, der eine Gehalts- und Provi- sionsforderung von 6299 M. an die Hansawerft zediert hat, damit er nicht persönlich als Kläger gegen„seinen König" aufzutreten braucht. Statt seiner begründet der Vertreter der Hansawerft die Klage gegen den Exkaiser damit, daß die Terraingesellschaft der Form nach zwar eine G. m. b. H. sei, die aber nur aus 6 bis 8 Strohmänner bestehe, während der Exkaiser— er wurde vor Gericht nur als der Beklagte zu zwei bezeichnet— der alleinige Besitzer des Unternehmens und alleiniger Arbeitgeber des Geschäftsführers der G. m. b. H. sei. Der Exkaiser habe einen Teil des ihm seinerzeit als persönliches Eigentum zuge- sprochenen Wildparks bei Potsdam parzelliert, um es als Bauland zu ver- kaufen. Damit er nicht nötig habe, nach außen hin als Terrainspekulant aufzutreten, sei die G. m. b. H., die als bloße S ch e i n g r ü n- d u n g angesehen werden müsse, ins Leben ge- rufen. Da die Zuständigkeit des Arbeitsgerichts umstritten ist, weil ja die Hansawerft, die Klä- gerin, nicht als Arbeitnehmer gelten kann und im Gütetermin eine Verständigung durch den Ver- treter der Beklagten abgelehnt wurde, wird die Angelegenheit demnächst in einem Kammertermin verhandelt werden. Idumav-Veioui'-Tspplcks Ssttummndvnyen Q'' S � rn Ha 0 rqa IT"! ITI 0 d 0 rn 0 M U S 1*0"" �' /ä na, I! 1 � � in/lnohhran haHmrl/t«likÄk nlnthn namnch Ja. i 20o2Q Io/l/L goCC 30071 i&ö." BOOjO: 330 fO>m 350 30»" 400 T Ö. ca. •160' 240� Smyrna, schwere mechan.GualUäs 1 Läufer ca?5'350' u. 2 Bettvorlagen ca?5«155m.Franse. indanthren bedruckt, aiHOcm u.ca 130cm brt HM lirär.,glotl'aq ca 100 cm c Auslegbware Boucle, reines Haarqomr rnodskordiqca�cmdrttlte I Verkauf nur Berlin C 2,Spandauer Strasse 3, Neuwahlen in Breußen Eine Notverordnung gegen Landtagsmehrheit und Hoheitsregierung Am Sonnabend hat der Preußische Landfag die Auflösung des Landtags mit 214 gegen 196 Stimmen abgelehnt. Das Dreimännerfollegium, bestehend Ministerpräsident Offo Braun, Staatsratspräsident Adenauer und Landfagspräsident Kerri hat gleichfalls die Auflösung des Landtags abgelehnt. Um Montagmittag ist eine neue Notverordnung gegen das Land Preußen erschienen. Sie entfeht die preußische Hoheitsregierung der Funktionen, die ihr im Leipziger Urteil zugesprochen waren. Mit Hilfe diefer Nolverordnung ist im Dreimännerfollegium Otto Braun durch Herrn von Papen ersetzt worden. In dieser geänderten Zusammensetzung hat das Dreimännerfollegium am Montagnachmittag befchloffen, den Preußischen Landtag für aufgelöst zu erklären. Die preußische Hoheitsregierung ruft gegen die neue Notverordnung den Staatsgerichtshof an. Die neue Verordnung gegen das Land Preußen hat folgenden Wortlaut: Berordnung zur Herstellung geordneter Regierangsverhältnisse in Preußen. Auf Grund des Art. 48 Abs. 1 der Reichsver wahrscheinlich ist, dem Vorschlag des Staatsfassung verordne ich folgendes: § 1. Durch das Verhalten des Landes Preußen gegenüber dem Urteil des Staatsgerichtshofs für das Deutsche Reich vom 25. Oftober 1932 ist eine Verwirrung im Staatsleben eingetreten, die das Staatsleben gefährdet. Ich übertrage deshalb bis auf weiteres dem Reichskommissar für das Land Preußen und seinen Beauftragten die Befugnisse, die nach dem erwähnten Urteil dem preußischen Staatsministerium und feinen Mitgliedern zustehen. §2. Mit der Durchführung dieser Verordnung beauftrage ich den Reichskommissar für das Land Preußen. ministeriums nicht zustimmen, so rechnet man in parlamentarischen Kreisen damit, daß das kommissarische Staatsministerium den Wahltermin auf den 5. März durch eine auf der Die= tramszeller Notverordnung des Reichspräsidenten festlegen wird. beruhenden Verfügung Bayern entrüstet München, 6. Februar. Zu der neuen Verordnung des Reichspräsidenten über die Regelung der Verhält= nisse in Preußen bemerkt die Bayerische § 3. Diese Verordnung tritt mit dem Tage ihrer Volkspartei- Korrenspondenz u. a.: Verkündung in Kraft. * Nazi- Präsident Kerri hat den Ständigen Ausschuß des Preußenparlaments für Dienstag abend 8 Uhr zu einer Sizung einberufen, um dem Ausschuß Gelegenheit zu geben, zum Ter= min der Neuwahl des Preußischen Landtags Stellung zu nehmen. Nach dem preußischen Landeswahlgesetz wird der Tag der Neuwahl im Einvernehmen mit dem Ständigen Ausschuß bestimmt. Das fommissarische Staatsministerium wird dem Ausschuß als Termin den 5. März vorschlagen. Sollte die Mehrheit des Ausschusses, was nach Ablehnung des nationalsozialistischen Auflösungsantrages im Landtag Wenn es in einem Staat soweit gefommen sei, daß die von den jeweiligen politischen Machthabern immer leicht zu findenden Gründe einer angeblichen Staatsraison eine höhere Geltung haben als geschriebenes Recht und gesehliche Berfaffung, dann erhebt sich die Frage, wozu man überhaupt einen Staatsgerichtshof brauche. Reichsreform preußischen Stils mit dem Dittaturparagraphen der Reichs verfassung, das sei der Hintergrund, auf dem sich auch der neue Akt des von der Reichsregierung inszenierten Schauspiels auf preußischem Boden abspiele. Dieser Schritt sei unternommen worden, ohne daß dem Standpuntt Bayerns irgendwie Rechnung getragen wurde. Man müsse daraus ben Schluß ziehen, daß die Regierung Hitler. Bapen- Hugenberg von einer praktischen föderalistischen Politik ebensowenig missen wolle wie die Re gierung Papen. Durch die neue Notverordnung merde der Reichsrat vollständig aus den Angein feiner verfassungsmäßigen Konstruktion gehoben. Unter diesen Umständen sei es verständlich, daß Staatsrat Schäffer in der Besprechung, die er am vergangenen Montag mit dem Bizekanzler von Papen auf dessen Wunsch hatte, ihm ausdrücklich erklären mußte, daß seine Darlegungen vom Standpunkt der Länder und vom Standpunkt des Rechts vollkommen unbefrie digend seien. Bersammlung aufgelöst Erste Probe der Notverordnung Am Montagabend wurde im Lehrervereinshaus eine von der Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit in Gemeinschaft mit der Aufklärungsstelle für Gas- und Luftschuß, der Liga für Menschenrechte veranstaltete öffentliche Rundgebung auf Grund der neuen Notverordnung polizeilich geschlossen. Zum Thema„ Gasfrieg droht-tut Luftschutz not?" sprach Frau Magda Hoppstod Suth aus Hamburg. Im Verlaufe ihrer Ausführungen erwähnte sie einen Borfall in der französischen Stadt Reims, wo fürzlich Arbeiter durch ihre Weigerung, an einer amtlich angeordneten Luftschutzübung teilzunehmen, deren Abhaltung unmöglich gemacht hätten. Als die Rednerin weitere Ausführungen zu diesem Thema machte, erfolgte die Auflösung. Parteinachrichten Einsendungen für bieje Rubrik sind Berlin G 68. Lindenstraße 3. für Groß- Berlin stets an bas Bezirkssekretariat 2. Hof. 2 Treppen rechts, zu richten Achtung, Stadtverordnetenfraffion! In der kommenden Woche findet weder eine Fraktionssigung noch eine Plenarversammlung statt. Arbeiter- Bildungsschule. * Sämtliche Kurse falle heute aus. Beranstaltungen für Erwerbslose, die erst nach 16( 4) Uhr beginnen, fallen heute aus, Beginn aller Veranstaltungen 19% Uhr, sofern feine besondere Zeitangabe! Heute, Dienstag, 7. Februar. 4. Kreis. Abt. 28 bis 31. 17 Uhr Erwerbslosenzusammenkunft an bekannter Stelle. Lichtbildervortrag des Genossen Kurt Biging ,, Eine Reise durch Lappland." 5. Kreis, Arbeiterwohlfahrt. 15 Uhr Erwerbslofenzusammenkunft an bekannter Stelle. Referent Gottlieb Reese. Musikalische Unterhaltung. Blaue Kon trollfacten. 4. Abt. Nach der Demonstration an bekannter Stelle Funktionärsigung, 6. Abt. Heute Funktionärsigung. 8. Abt. Die heutige Funktionärsigung fällt mit Rücksicht auf die Kundgebung aus. Treffpunkt zur Demonstration Yorck- Ecke Hornstraße. 9. Abt. Funktionärsizung an bekannter Stelle. Funktionärausweise mitbringen. 13. Abt. 20 Uhr Funktionärsißung an befanitter Stelle. Bezirksführer 19% Uhr. 38. Abt. Heute 20 Uhr nach der Demonstration an mitgeteilter Stelle Funktio= närkonferenz. Anschließend Borstandsfizung. 74a. Abt. Die Genossen treffen sich 15 Uhr am Bahnhof Zehlendorf- Mitte zum gemeinsamen Abmarsch. Nachzügler Hornstraße. 107. Abt. Mitgliederversammlung an bekannter Stelle. Aufgaben des Reichs. parteitages." Referent Paul Becker M. d. B. Morgen, Mittwoch, 8. Februar. Mitgliederversammlungen und zahlabende nachstehender Abteilungen an ben bekannten Stellen mit dem Thema: Freiheitsfront gegen Harzburger Front fofern kein besonderes Thema verlangt wurde, Mitgliederversammlungen: Abt. 1, 2, 3, 4, 5, 9, 10, 11, 12, 13, 28( Funktionäre 1 Stunde früher), 29, 33 ( vorher 18 Uhr Sigung des Abteilungsvorstandes), 37, 39, 40, 44, 52, 54, 58, 61, 63, 68, 73( 18 Uhr Funktionäre ebenda), 79a, 80, 84, 87, 94, 97, 98 bereits 19 Uhr), 100, 104, 110, 111, 114, 116, 121, 122, 122a, 123, 127, 131, 132, 133, 140, 143( 7.15 Uhr Vorstandssizung ebenda).. 24a. Abt. Gruppenversammlungen bei Wenzte und im ,, Hermannsheim". Zahlabende: Abt. 6 7, 8, 14, 16, 17, 18, 19, 20, 21, 22, 23, 25, 32, 38( Bezirk 189b tagt erst am 9. 2.), 43, 45, 46( mir tagen am 8., 9. und 14. 2.), 47, 51, 53, 57, 77, 82, 86, 89, 93, 95, 96, 99, 99a, 101( 3. Bez. tagt am 9. 2.), 108a, 117( am 8. 2. Siewert, Brunn, Klose, am 9. 2. Dauga, Klugmann) 118, 119, 128, 129, 134, 136, 139. 39a bt. Zahlmorgen 5 Uhr früh an bekannter Stelle. Die Referenten werden in den Versammlungen bekanntgegeben. 5. Kreis, Arbeiterwohlfahrt. 15 Uhr Erwerbslosenzusammenkunft an bekannter Stelle. Referent Alfred Martwiz. Unterhaltungsteil Genossin Schinz. Rote Kontrollkarten. 14. Streis. 15 Uhr Erwerbslosenzusammenkunft an bekannter Stelle. Muka. lische Unterhaltung. 106. Abt. Die Mitgliederversammlung findet erst am 15. Februar statt. Donnerstag, 9. Februar. 5. Kreis. Arbeiterbildungsschule, Kursus Tietgens an bekannter Stelle. ,, Der deutsche Lebensraum." 20. Kreis. 20 Uhr Fraktionsfigung der Kleingärtner bei Ballentin, ResidenzEde Raschdorffstraße. 105. Abt. Mitgliederversammlung an bekannter Stelle. Arbeitshilfe- Arbeitsdienst." Referent Dr. Mendelsohn. Eichwalde. Mittwoch, 8. Februar. Der Zahlabend findet diesen Monat erst Donnerstag, 9. Februar, 20 Uhr, bei Witte, Kaiser- Friedrich- Str. 1, statt. Genosse Kurt Heinig, M. d. R., spricht über das Thema: Die wirtschaftliche und politische Zukunft Deutschlands. Kein Mitglied darf fehlen. Frauenveranstaltungen: Für den Bortrag der Freien Sozialistischen Hochschule von Prof. Dr. Ernst v. After- Gießen am Sonnabend, dem 11. Februar, 19 Uhr, im Plenersaal des chem. Herrenhauses, Leipziger Str. 3, find Karten zum Preise von 50 Pf. einschl. Garderobe im Zimmer 2 des Bezirksverbandes zu haben. * Das Frauensekretariat. 3. Kreis. Die geplante Besichtigung des Frauenkundeinuseums mußte auf acht Tage verschoben werben. 11. Kreis. Seute nach der Demonstration bestimmt Abteilungsleiterinnenſizung an vereinbarter Stelle. 20. Kreis. Heute, Dienstag, den 7. Februar, 20 Uhr, Funktionärinnenfigung an bekannter Stelle. 99a. Abt. Die Genossinnen treffen sich zur Besichtigung des Waisenhauses Rummelsburg am Mittwoch, dem 8. 2., 14 Uhr, am Buschkrug. 109. Abt. Donnerstag, 9. Februar, an bekannter Stelle Fortseßung der Arbeitsgemeinschaft ,, Wie diskutiere ich mit meinen politischen Gegnern". Refe= rentin Nora Henke. 123a. Abt. Heute, Dienstag, 7. Februar, an bekannter Stelle. Tagesordnung wird im Frauenabend bekanntgegeben. 136. Abt. Donnerstag, 9. Februar, Helferinnensizung an bekannter Stelle. Seminar für Wohlfahrtspflege. Freitag, 10. Februar, pünktlich 16 Uhr, Besichtigung des Krüppelmuseums im Ostar- Selene- Heim, Dahlem, Kronprinzenallee 171-173. Treffpunkt 15% Uhr vor dem Heim. Bezirksausschuß für Arbeiterwohlfahrt. 4. Kreis Prenzlauer Berg. Donnerstag, 9. Februar, 20 Uhr, Zimmer 4 des Bezirksamtes, Sigung der Fachgruppe Soziale Gerichtshilfe". 20. Kreis Reinidendorf. Donnerstag, 9. Februar, 19 Uhr, Reinickendorf- Oft, Ropenhagener Str. 64-70, Nähe Bahnhof Reinidendorf- Rosenthal, in ber Gemeinschaftstiche, engere, datan. anschließend um 20 Uhr erweiterte. Kreisporstandssigung. Alle Abteilungen müssen vertreten sein, eventuell Bertretung schicken. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde. Das neue Elternblatt Kreisen abgeholt. Freundschaft" ist noch nicht von allen Kreuzberg: Die für heute angefeßte Faltenratssigung muß wegen der Demonstration verschoben werden. Neuer Termin wird noch bekanntgegeben. Tiergarten: Legter Ausgabetag für die Rarten zur Voltsbühne ist Mittwoch im Jugendheim Bremer Straße. Charlottenburg: Heute, 16% Uhr, Stenographiekursus im Jugendheim Rosinenstr. 4. Alle Teilnehmer müssen erscheinen. Kreis Steglig: Kreissingestunde am Freitag wird verschoben. Treffahrt für Rote und Jungfalken der Abteilungen Albrechtstraße, Friesenstraße, Lichterfelde und Lantwit am nächsten Sonntag, 10 Uhr, am Großen Fenster. Rein Fahrgeld. Albrechtstraße: Donnerstag Gesellschaftsspiele, Freitag Lesen. Friesenstraße: Mittwoch ,, Schüleraustausch". Lichterfelde: Freitag: Wir singen neue Lieder. Lantwig: Dienstag Brettspiele, Donnerstag Basteln. Neukölln: Alle Selfer beteiligen sich an der Demonstration. Abteilungen 3, 5 und 7 morgen, Mittwoch, 17% Uhr, Turnen in der Schule Donaustraße. Turnzeug mitbringen. Abt. Lichtkämpfer: Zur Ausgestaltung der Parteiverfammlung treffen wir uns Mittwoch, 1912 Uhr, in Falkenkleidung Hohenzollernplag. Kreis Beißenfee. Zusammenkunft der Helferarbeitsgemeinschaft am 9. Februar, 19% Uhr, im Bastelfeller, Hohenschönhausen, Hauptstr. 44( Kleisterpapiere). Gruppe Weißenfee. Wir tommen vorläufig regelmäßig Dienstags im Jugendheim Cafeler Str. 2 zusammen( 7. Februar). Eine Fahrt in die Rote Kinderrepublit mit Lichtbild und Schallplatten. Gruppe Hohenschönhausen. Mittwoch, 8. Februar, Jungfalten von 17% bis 19 Uhr im Bastelteller, Hauptstraße, Singestunde. Donnerstag, 9. Februar, Rote Falten von 17% bis 19% Uhr im Jugendheim, Hauptstraße, Filmnachmittag. Jungfalten und Restfalten sind eingeladen. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 33. Abt. Unser Genoffe er mann Gries, Stralau, Krachtstr. 11, ist plöglich verstorben. Ehre seinem Andenken! Einäscherung Dienstag, 7. Fe bruar, 17% Uhr, im Krematorium Baumschulenweg. Um recht rege Beteiligung wird gebeten. 38. Abt. Unsere treue und opferwillige Genossin Christine Deussen, Große Frankfurter Str. 46, ist im Alter von 46 Jahren verstorben. Ehre ihrem Andenken! Die Einäscherung hat am Montag, 6. Februar, stattgefunden. 45. Abt. Unsere liebe Genoffin Sophie Teste, Reichenberger Str. 122, ist am Donnerstag, 2. Februar, nach langem schweren Leiden verschieden. Einäscherungsfeier Dienstag, 7. Februar, 18% Uhr, im Krematorium Baumschulen weg. Ehre ihrem Andenken! 77. Abt. Unfer Genosse B au! Rauschte, Nollendorfstr. 166, ist ver. storben. Ehre seinem Andenken! Einäscherung Dienstag, 7. Februar, 11 im Krematorium Wilmersdorf. Uhr, Berbebezirk Often: Der 2. Abend des Funktionärkursus fällt heute aus. Werbebezirk Tempelhof: Treffpunkt zur Demonstration 16% Uhr Bahnhof Tempelhof. Freie Gewerkschafts- Jugend Berlin Heute um 19 Uhr: Moabit: Jugendheim Bremer Str. 69-70. Die Frau in Italien". Spandau- Wilhelmstadt: Jugendheim Sportplat Seeburger Straße. Heimabend. Treptow: Jugendheim Elsenstr. 3. Heimbesprechung. Liederabend. Schöneweibe: Jugendheim Niederschöneweide, Berliner Str. 31( Mädchenschule im Keller). Fremdenlegion." Adlershof: Jugendheim Bismardstr. 1. Sport und Körperpflege." Pankow: Jugendheim Kissingenstr. 48, 8immer 5. Heimbesprechung. Liederabend. Artonaplaz: Jugendheim Schule Elisabethkirchstr. 19. Heimbesprechung. Verbandsbuchtontrolle. Gingabend. Reu- Lichtenberg: Jugendheim Gunterstr. 44. Heimbesprechung. Frankfurter Allee: Jugendheim Litauer Str. 18. Bunter Abend. Oftende: Jugendheim Karlshorst, Trestowallee 44( Rantschule). Heimbesprechung. Verbandsbuchkontrolle. Osthafen: Jugendheim Goßlerstr. 61 ( Rotes Zimmer). Heimbesprechung. Heimausweis- und Verbandsbuchkontrolle. Lichtenberg: Jugendheim Dosseftr. 22. Die Frau im Gefängnis." Landsberger Play: Jugendheim Diestelmeŋerstr. 5. Wir diskutieren über Artikel in der Gewerkschaftspresse. Jugendgruppe des Zentralverbandes der Angestellten Heute, Dienstag, finden folgende Veranstaltungen statt: Lichtenberg II ( früher Lichtenberg): Jugendheim Gunterstr. 44. Wir besuchen die Versammlung des Werbebezirks. Nordwest: Jugendheim Lehrter Str. 18-19. Neuigkeiten aus aller Welt. Often: Wir befuchen die Versammlung des Werbebezirks. Berliner Gewerkschaftsschule. Für Betriebsräte heute, Dienstag, im Saal 3 bzw. Gaal 5 des Gemertschaftshauses, Engelufer 24-25, Arbeitsrechtlicher Informationsabend. Infolge der Demonstration der Eisernen Front im Lustgarten beginnt der Informationsabend um 20 Uhr. Leiter des Abends ist der Genosse Dr. Ollendorf. Zutritt haben alle freigewerkschaftlich organisierten Kolleginnen und RolTegen. Hörergebühr wird nicht erhoben. AEG.- Treptow. Mittwoch, 8. Februar, 16% Uhr, bei George, am Bahnhof Treptow, Fraktionsversammlung. Freiheit oder Knechtschaft", Referent Sieg fried Leo. SPD. Betriebsfraktion des Bezirksamts Reinidendorf. Donnerstag, 9. Februar, 19 Uhr, Frattionsversammlung bei Marks, Reinickendorf- West, Berliner Straße 70. Freiheitsfront gegen Harzburger Front", Referent Gottlieb Reese. SPD.- Frattion BBG.- Hauptwerkstatt Treptow. Dienstag, 7. Februar, 16 Uhr, bei George, Rennbahn Treptow, Fraktionsversammlung. Parteibuch legitimiert. 136. Abt. Am 3. Februar verstarb unfer langjähriges Mitglied, berat. Borträge, Vereine und Versammlungen wirt Genosse Rarl Riehne, Residenzstr. 8. Ehre seinem Andenken! Trauerfeier Dienstag, 7. Februar, 19 Uhr, im Krematorium Gerichtstraße. Rege Beteiligung wird erwartet. SAJ Reichsbanner„ Schwarz- Rot- Gold". Sozialistische Arbeiterjugend Groß- Berlin Kameraben treten um 16 Uhr im Luftgarten wie folgt an: Areis Weften: Einfendungen für diese Rubrit nur an das Jugendsekretaria Berlin SW 68. Lindenstraße 2. vorn 1 Treppe rechts. Heute Demonstration im Lustgarten! Alle Genoffen treten auf den nächstgelegenen Treffpunkten der Partei an. * Achtung, Abteilungsleiter! Die für heute angeforderten Referenten werden wegen der Rundgebung nicht vermittelt. Gebt das März- Programm ab. Mitgliederversammlung der Gesamtorganisation am Dienstag, 14. Februar, 1912 Uhr, im großen Gaal des Lehrervereins. hauses am Aleranderplaz. Genosse Dr. Rudolf Breitscheid, M. d. R., spricht über ,, Sitler regiert was nun?" Ohne Mitgliedsbuch keinen Zutritt. Alle Gruppenveranstaltungen fallen aus. heute, Dienstag, 20 Uhr: Abteilungsmitgliederversammlungen, Rosenthaler Vorstadt: Zehdenider Str. 17. Zentrum: Köpenicker Str. 92. Brunnenplay: Schule Bank- Ecke Wiesenstraße. Gesundbrunnen I: Gotenburger Str. 8-12 Schillerpark: Schöningstr. 17. Webbing: Willdenow. straße 5. Wedding- Nord: Turiner Ede Geestraße. Sasenheide: Waffertorstraße 4.- Köpenider Viertel: Manteuffelstr. 7. Schöneberg II: Hauptstraße 15. Schöneberg III: Hauptstr. 15. Charlottenburg- Nord: KaiserinAugusta- Allee 97b.- Siemensstadt: Neue Schule, Jungfernheideweg. Steglig I: Albrechtstr. 47. Zehlendorf- Dahlem: Zinnowwaldschule. Reiniden dorf- Oft: Lindauer Straße. Arkonaplag: Elisabethkirchstr. 19: Heimabend. Gesundbrunnen II: Ro Ioniestr. 22: Heimabend. Humboldthain: Putbusser Str. 22: Sozialismus in der Familie.. Norben: Putbusser Str. 22: Heimabend. Arnimplag: Sonnenburger Str. 20: Heimabend. Arnswalder Play I: Schönlanter Str. 11: Rationalisierung und Fehlrationalisierung, I. Nordosten 1: Danziger Str. 62, Barade III: Liederabend. Senefelberplag: Rastanienallee 82: Heimabend. Weißensee: Cafeler Str. 2: Heimabend. Frankfurter Viertel: Frankfurter Allee 307: Die Putsche der Nachkriegszeit. Südwest: Lindenstr. 4: Funktionäre erzählen. Reichenberger Biertel: 15% Uhr Treffen Falkenede. Guppenabend findet statt. Friedenau: Offenbacher Str. 5a: Heimabend. Schöneberg I: Sauptstr. 15: Tagespolitik. Charlottenburg( Bebel): Turnen. Neu- Tempel bof: Heimabend fällt aus. Briz: Hannemannstr. 41: Heimabend. Neutölln I: Gander. Ecke Hobrechtstraße: Heimabend. Neukölln III: 8iethenstr. 58: Seimabend. Reukölln IV: Ranner Ede Böhmische Straße: Heimabend. Neukölln VI: Treptower Str. 95: Tagespolitit. Neukölln VIII: Rütlistraße: Bunter Abend. Neukölln IX: Mariendorfer Weg: Was ist Margismus? Neukölln X: Bergstr. 29: Diskussion mit dem Gegner. Neukölln X, Aeltere: Bergstr. 29: Diskussion mit dem Gegner. Neukölln XI: Flughafenftr. 68: Arbeitsgemeinschaft. Treptow: Elfenstr. 3: Musik und Gesellschaftsspiele. Röpenid I: Grünauer Str. 5: Heimabend. Röpenick II: Dahlwiger Str. 15: Seimabend. Lichtenberg- Nordwest: Doffefte. 22: Heimabend. Hermsdorf: Roonstraße: Seimabend. Lübars: Technische Rundschau, II. ReinickendorfBest: Bahlabend der Partet. Wittenau: Hauptstr. 18: Heimabend. Karow: Frundsbergstr. 9: Tagespolitit. Geschäftsstelle: Berlin G 14. Sebastianstr. 37-38 Sof 2 Tr. Gaudorstan b. Zur Rundgebung der Eisernen Front am Dienstag, 7. Februar, 17% Uhr, im Luftgarten. Alle arbeitsfreien Kupfergraben, Kreis Often: Rednertribüne, Kreis Süden: Eglokfreiheit, Kreis Norden: Dom. Alle übrigen Kameraden marschieren in den Zügen ihrer Betriebe oder Parteitreise mit. Kreuzberg( Ortsverein): Dienstag, 7. Februar, Bug 1: Mitgliederversammlung im Anschluß an die Demonstration bei Geehat, Willibald Aleris- Str. 5.- Pantow( Ortsverein): Die für Dienstag, 7. Februar, angefeßten Kameradschaftsversammlungen fallen aus und finden erst am 14. Februar statt. Reinickendorf( Ortsverein): Die Einäscherung unseres verstorbenen Kameraden Karl Kiene findet am Dienstag, 7. Februar, um 19 Uhr, im Krematorium Gerichtstraße statt. ASB 1 Arbeiter- Samariter- Bund e. V., Kolonne Berlin. Geschäftsstelle: NO. 43. Softystr. 4. Telephon: E 3 Königstabt 5440. Dienstag, 7. Februar. Wilmersdorf: Lotal Mefed, Gasteiner Straße 28.- Donnerstag, 9. Februar. Wedding: Lokal Himmel, Gottschedtstr. 5. Friedrichshain: Lokal Bauer, Tilsiter Str. 27. CharTottenburg: Jugendheim Rosinenstr. 4. Bankow: Jugendheim Riffingenstr. 48. Freitag, 10. Februar. Tiergarten: Lokal Malloned, Lübecker Str. 5. Kreuzberg: Lokal Krepp, Blanufer 75-76. Steglig: Lokal Rohde, Lichterfelde, Roonstr. 39. Adlershof: Sanitätsbarade, Friedländerftr. 148. Lichtenberg: Lokal Seipke, Kronprinzenstr. 47. Schöneweide: Sanitätsbaracke Adlershof. Montag, 13. Februar. Neuköln: Lokal Sauer, Pannier straße 54. Rövenid: Lokal Krüger, Schönerlinder Str. 5. Weißenfee: Lotal Bohacer, Wilhelmstr. 29. Dienstag, 14. Februar. Schöneberg: Lokal Gehrke, Ebersstr. 66. Donnerstag, 16. Februar. Tempelhof: Lokal Lindisch, Mariendorf, Rönigstr. 44. Reinidendorf: Lotal Matter, Eichbornstr. 94. Freitag, 17. Februar. Mitte: Schule Gipsstr. 23á. Sonnabend, 18. Februar. Brenzlauer Berg: Lokal Hoffmann, Lychener Str. 8. Otrent, Bahnhofstraße. Hermsdorf: Lokal Deutscher Arbeiter- Sängerbund, Gau Berlin. Geschäftsstelle: P. Schneider, Berlin NO. 55, Hufelandstr. 31. 9. Bezirk. Sonnabend, 11. Februar, 20 Uhr, Bezirksgeneralver. DIGIF fammlung in Neukölln, Weichselstr. 8, im Ideal- Rafino. Se 15 Mitglieder entfenden einen Delegierten mit schriftlichem Mandat. Anträge bis 10. Februar an den Bezirksvorsitzenden. Zentralverband der Arbeitsinvaliden und Witwen Deutschlands. Am Mittwoch, 8. Februar, finden nachstehende Versammlungen statt, zu denen Gäste eingeführt werden können: Gruppe Charlottenburg: 19 Uhr im Lokal 800Klause, Budapester Str. 98. Gruppe Schöneberg: 17 Uhr im Lotal WannseeHütte, Kaiser- Friedrich- Str. 9. Gruppe Reinickendorf- West: 18 Uhr im Lokal Boltshaus, Scharnweberstr. 115. Verein Freie Sammler Berlin. Dienstag, 7. Februar, 19% Uhr, Tauschabend im Lokal Schumacher, Wallstr. 32-33( Nähe Spittelmarkt). Gesinnungsfreunde stets willkommen. Verband ehemaliger Polizeibeamten Preußen e. V.( BePP.), Ortsgruppe Berlin. Mitgliederversammlung am Dienstag, 7. Februar, 20 Uhr, Berlin, Bodbrauerei, Fidicinstr. 2-3. Sturmvogel", Flugverband der Werftätigen, Ortsgruppe Ost. Gizung am 7. Februar, 20 Uhr, im Restaurant Bum Krug", Weichselstr. 27. Reichsbund zum Schuge geschiedener Frauen, Linffte. 29. Sprechstunden ab 1. Februar nicht mehr wie bisher Dormittags, fondern täglich außer Sonnabend, von 17 bis 18 Uhr. Dienstag und Freitag juristische Beratung. DRITTE BEILAGE DIENSTAG, 7. FEBRUAR 1933 Amm erkennt ihr Schickial Sine Hausangestellten Ski/ Von Alfred Prügel Als Anna das zweite Jahr in der Stadt diente, brach wieder jene Zeit für sie an, in der sie sich einbildete, daß ihr die Zimmer der Herrschast bei allem Vertrautsein von Tag zu Tag fremder würdein daß sie'von einer Fremdheit waren, die feindselig auf sie eindrang, und sie immer Unglück- licher und krank vor Heimweh machte. Sie glaubte, das beste wäre es schon, wenn sie den Dienst auf- kündigte und wieder in das kleine Dorf im Ge- birge zurückkehrte. Aber sofort mußte sie daran denken, daß es doch zu Hause keinen Platz mehr für sie gab, und daß ihr deshalb nichts anderes übrig blieb, als sich den törichten Gedanken der Rückkehr aus dem jiopf zu schlagen und weiter von einem Tag in den anderen zu leben. Bis zu ihrem sechzehnten Jahre war Anna zu Hause bei den Eltern geblieben. Nie dachte sie daran, einmal von dem Tisch aufzustehen, an dem sie alle aßen und den Tag über Spielzeug schnitzten und bemalten. Nie, glaubte sie damals, würde sie in einem andern Bett schlafen können, als in dem groben, breiten, in dem sie mit der Schwester zusammen in der Kammer lag. Dann aber war doch alles sehr schnell gekommen. Die Arbeit wurde immer weniger. Die Eltern be- gannen das Geld in den Händen zu drehen, seufzten und konnten schon gar nicht mehr rechnen. Dann kamen sie eines Tages nach G., in die Fabrikstadt, die am Fuße des Gebirges lag: da waren die Tore geschlossen, die Fabrik stillgelegt. t>ie kehrten mit leeren Händen wieder um. Weil es nichts anderes gab, ging der Vater mit dem Bruder zur Arbeit in den Forst, und sobald sie sort waren, rief die Mutter die Mädchen. Zu- sammen setzten sie sich dann an die Klöppelrahme» und arbeiteten stumm und ohne aufzusehen den ganzen Tag hindurch, bis alles an ihnen wehtat und schmerzte. Trotzdem wurden die Gesichter der sünf immer spitzer. Immer enger drängten sie sich um den Tisch. Immer gieriger schöpften sie aus der Schüssel das Dünne, Dampfende, das nicht mehr sättigte. Da hatte Anna heimlich jeden Tag auf das Wort gewartet, daß über sie ausgesprochen werden mußte. Sie sollte nicht aus dem Dorfe fortgehen, aber eines Tages war es doch soweit, daß sie in die Stadt fahren mußte. Viele Mädchen hatten es schon vor ihr tun müsse». Wenige waren zurückgekehrt, um zu erzählen von den langen Straßen, den vielen Lichtern am Abend, den Eisenbahnen unter der Erde, und von dem. was sie sonst noch erlebt hatten. An einem Junimorgen verließ Anna das Dorf. Als die letzten Häuser des Dorfes nicht mehr zu sehen waren, wartete Anna, in eine Ecke des Wagens gedrückt und zitterte, daß nun gleich das Fremde an sie herantreten und sie langsam ersticken würde. Dann aber war doch das Neue ganz anders gekommen, als man es voraus- sehen konnte. Eine Verwandte der Mutter hatte sie am Bahnhof erwartet und sie durch die Stadt geführt. Sie waren lange mit der Straßenbahn gefahren. Allein hätte Anna wohl kein Wort her- vorbringen und keinen Schritt über die breiten, glatten Fahrdümme tun können: so verwirrt war sie, so betäubt von dem Lärm der Stadt. Zuletzt hatte ein großes Haus vor ihnen gestanden. Grau, mit vielen Schnörkeln und einem kühlen Hausflur, in dem ein Geruch lag, dem Anna noch nie be- gegnet war. Sie mußten durch den Hos, den das Haus von allen Seiten umstellt hatte. In einer Ecke fand sich ein kleiner Zugang, dessen Tür offen stand. Anna konnte zunächst nur einen dunklen Raum erkennen. Aber dann kam bald eine Treppe hinzu und sie stiegen die hölzernen Stiegen bis ins dritte Stockwerk hinauf, wobei Anna vor sich nur immer den breiten Rücken der Frau sah. Sie klingelten an einer Tür, es wurde geöffnet, und zuletzt an diesem Tage kam eine schmale Kammer, in die führte die Gnädige Anna, auf deren strenges Gesicht jemand zum Spaß ein Lächeln getupft hatte. Mit einer Stimme, die Anna übernatürlich hell und scharf erschien, sagte sie:„Das ist nun Ihre Kammer. Heute gebe ich Ihnen frei, damit Sie sich einrichten können. Das andere besprechen wir morgen..." Damit begann Annas Dienst bei dem Kauf- mann Fritfch, der mit Altprodukten handelte. Später erzählte ihr ein Mädchen im Haufe, daß für ihn Kinder und Frauen Tag für Tag und bei jedem Wetter die Schuttberge vor der Stadt nach Papier, Lumpen und altem Eisen durchwühlten. Anna wollte es nicht glauben, denn niemals hatte der Herr am Abend den Geruch von Lumpen und alten Sachen mit nach Hause gebracht. Aber sie konnte sich auch keine Gedanken darüber machen. Sie stand, ein Dorfmädchen, unbeholfen und furcht- sam in einer fremden Welt, die man wohl sehen und riechen, aber nicht verstehen konnte. Sie fühlte es wieder und wieder, wurde davon mullos und gewöhnte sich nur schwer an die neue Arbeit, zu der man sie anhielt. An die Stimme der Frau, die scheltend oder ermahnend hinter ihr herging. An die breiten Straßen mit ihrem Lärm, der in die Zimmer hereinfloß und sie mit Uuruhe erfüllte. Es gab da so viele Dinge, die sich mit ihrem früheren Leben nicht vereinbaren ließen. Zu Hause hatten sie alle um einen Tisch gesessen, um eine Schüssel. Hier hatte jeder seinen Teller für sich. Hier brauchte das Licht nicht trübe und düster zu brennen, und die Wände der Zimmer gingen von selber auseinander und wurden immer größer. Man mußte sie mit Bildern und Teppichen, mit schweren dunklen Möbeln zusammenhalten. Zu Hause zwang ein eiserner unsichtbarer Druck die wenigen Häuser des Dorfes zu einer schweig- samen Masse. Seine Menschen, arme Leute, die in die Fabrik gingen oder zu Hause mit ihren Frauen und Kindern arbeiteten, hatten einer zum andern gesehen, hatten dabei über jeden geredet, im Guten wie im Bösen, und alles gewußt. In der Stadt war Anna zu ihrem Erstaunen eine Straße entlang gegangen und hatte plötzlich unter fremden Menschen gestanden. Mitten auf einem unbekannten, niegesehenen Platz. Da spielten die Kinder ruhiger und leiser als auf dem Dorfe, ein Springbrunnen stieg und siel, eine Straßen- bahn bog vorsichtig um die Ecke. Nur die .Großen liefen hastig ihren Weg weiter. Mit abweisenden Gesichtern sahen sie stirn- runzelnd an Anna vorbei, als sollte ihnen niemand zu nahe treten. Anna wurde froh, als sie hinterher wieder über den Hof gehen konnte und die knarrenden Stufen der Hintertreppe hin- auf. Sie dachte manchmal ganz oerzweifelt: Ich will nicht in der Stadt bleiben. Und sie begann viele Monate lang auf etwas zu warten, das kommen sollte, sie wieder heimzuschicken. Aber es blieb aus. Sie erinnert« sich dann der kleinen Tiere, die ihre Kinderfinger einmal bemalt hatte». Eltern und Kinder hatten dabei um den Tisch einen Kreis gebildet und leise vor sich hin ge- sungen, damit die Arbeit besser von der Hand ginge. Unter ihren Fingern waren dann wirklich immer mehr Pferde und Kühe, auch Soldaten und Häuser; immer mehr Braunes und Weißes entstanden. Das war jetzt alles wohl schon längst von fremden und glücklicheren Kinderhänden ver- spielt und verdorben. Anstatt weiter am Tische zu sitzen, mußte sie nun viele Male am Tage die Hintertreppe auf und ab steigen. Bald war sie das Knarren der Stufen gewöhnt. Die Namen der Türschilder prägten sich ihr ein und nach und nach auch die Gesichter der Menschen, die zu ihnen gehörten. Die anderen Mädchen, die mit Anna im Hause dienten, sahen sie und fanden sie unansehnlich genug.„Die ist eben vom Lande gekommen. Man sieht es ihr auch an", erzählten sie sich untereinander. Anna selber hatte Mühe, sich ihre Gesichter und Namen zu behalten. Nur selten kam sie dazu, mit ihnen zu reden. Sie arbeitete vom frühen Morgen, wen» man sie weckte, bis in den Abend hinein, bis der letzte Handgriff getan war, die Frau noch einmal in die Küche kam und sie ins Bett schickte. Sie saß noch«ine Weile auf dem Betttand mit schweren Beinen, mit einem todmüden Gesicht. Manchmal muhte sie auch vor Heimweh weinen. Dann begann regelmäßig ein Grammophon irgendwo zu singen. Eine fremde Männerstimme mal, dann wieder ein Saxophon, das ölig, traurig durch den Hof trudelte. Darüber schlief sie ein. Zäh liefen dabei die Tage durch das Haus. Wenn es regnete, sackte der Himmel grau durch den Hof. Die Hintertreppe roch modrig. Langsain kam das Nasse herausgekrochen. Unten beim Portier gab es an solchen Tagen immer Kroch. Eine Frauenstimme zeterte, dann jammerte etwas Dumpfes, Unbeholfenes vor sich hin— der Mann. Es hörte sich oben an, als wären da unten welche, denen das Wetter auch nicht paßte, oder vielleicht auch das ganze Leben, ohne daß sich jemand darum kümmerte. Anna stand in der Küche, putzte Gläser, schmirgelte die Messer und rieb die Kasse- rollen blank. Erst gegen Abend kam die Frau mit einem gleichgültigen Gesicht aus ihrem Zimmer in die Küche. Sie gab ihre Anweisungen, manch- mal tadelte sie auch das Mädchen, daß es nicht fertig werde. Anna sah sie verwundert an, sie war in ihre Gedanken und Bilder verstrickt: sie hörte auf den Regen und dachte: Jetzt werden sie zu Hause endlich die Lampe anstecken. Kam der Herr nach Hause, fielen drinnen im Zimmer oft scharfe Worte. Schweigend saß die Herrschaft bei Tisch, ohne sich anzusehen, als könnte sie nur noch das Licht der bunten Lampe zusammenhalten. Anna ging müde und gleichgültig durch das Zimmer. Manchmal spürte sie auch, daß in der Luft etwas Beklemmendes lag, Was gibt es Sin tßtick in die&orfchung Seit 1928 versucht Hermann S ö r g e l für sein Projekt, diesen seltsamsten, aber vielleicht reiz- vollsten Zukunftstraum der Gegenwart, zu werben. Er hat jetzt in einem mit schönen Bildern und anschaulichen Tabellen geschmückten Buch „A t l a n t r o p a"(Piloty u. Loehle, München) seine Idee zusammengefaßt: Völker Europas ver- einigt euch, sonst geht ihr unter, schafft die Wirt- schaftseinheit: Europa plus Afrika gleich Atlant- ropa! Den Weg dazu weist die Technik: Errich- tung von gewaltigen Staudämmen und Kraft- werken bei Gibraltar und an den Dardanellen, dadurch Senkung des Mittelmeerspiegels, wodurch neue weite Ländermassen aus dem Meere empor- steigen werden, und außerdem Bewässerung Afrikas. Die Technik soll Europa und Afrika zur wirtschaftlichen, dann zur politischen Einheit zu- sammenschmieden. Sörgel hat jeden Zug dieses phantastischen Schachspiels berechnet, die geophysikalischen und technischen Probleme zahlenmäßig gelöst, er hat nichts vergessen: vom Ertrag des Kraftwerks bei Gibraltar bis zur Verlegung der großen Hafen- städte, die durch Senkung des Mittelmeeres trockengelegt werden. Und doch vergaß er, daß in einer kapitalistisch orientierten Welt auch dieser gigantische Plan noch nicht das große Los be- deutet. Es führt jedenfalls zur falschen und ein- fettigen„Techno kr atie", wenn er sagt:„Die Technik bestimmt die Wirtschast und diese die Politik." Nein, dieser Gott ist die Technik nicht, sondern immer nur das Instrument, das in einem sozialen Gefüge zum größten Segen der Mensch- heit, aber als Werkzeug kapitalistischer Aus- beutung zu einem Fluche wird, an dem wir lang- sam, aber sicher ersticken. „Atlantropa" ist ein herrliches Projekt, mehr als eine Utopie, weil technisch durchführbar, aber eine Rechnung ohne den Menschen, dessen Hände dieses Wunderwerk errichten sollen. Mit Ar- b e i t s s k l a v e n, mit gedemütigten, gehetzten Handlangern läßt sich kein„Altantropa" schaffen! Und der Arbeitsgemeinschaft der Völker, die Sörgel herbeisehnt, muß eine Arbeitsgemeinschaft unter den Menschen, ohne die heutigen Klassengegensätze, vorausgehen. Genug— wenden wir uns Gebieten zu, wo die friedliche Luft objektiver Forschung weht. Seit Newton zerbrachen sich die Physiker den Kopf, was eigentlich die Schwerkraft sei, bis sie in der Relativitätstheorie �um Pfeiler wurde, auf dem Einstein sein neues, leider noch so unpopu- läres Weltgebäude errichtete. Er sagt, um es kurz zu erwähnen, daß die Schwerkraft der Krümmung in Raum und Zeit entspricht. Ja, nach der modernen Physik müßte die Genesis eigentlich beginnen:„Am Anfang war die Schwerkraft.. Dieser Schwerkraft verdanken wir, daß sich unse� Globus in korrekter Bahn um die Sonne bewegt, daß wir selbst und alle Gegenstände nicht in der Luft umherwirbeln, sondern hübsch auf dem Boden der Tatsachen bleiben. Aber man glaube nicht, daß Newtons Apfel überall auf der Erd- oberfläche gleich schnell zu Boden falle. Er denkt gar nicht daran. Die Schwerkraft ändert sich mit jedem Breitengrad, mit jeder geolo- gischen Struktur und, wie Prof. T o m a s ch e k von der Marburger Universität kürzlich erklärte, auch mit der M o n d st e l l u n g, also zeitlich. Sie nimmt ab, wenn der Mond über uns steht! fDa- nach wiegen wir in einer schönen Vollmondnacht weniger als am Tage.) Und der Mond ist es auch, der nicht nur die Flutbewegungen der das bitter und unglücklich machen mußte. Sie wagte sich nicht einmal umzusehen, als könnte hinter ihrem Rücken gleich em unversöhnlicher Streit losbrechen. Von diesen Abenden merkte sie sich viele. Darüber verlor ihr Gesicht langsam die Farbe, die sie aus dem Dorfe mit in die Stadt gebracht hatte. Ihr Gesicht wurde so, wie alle Gesichter in der Stadt schon immer waren. Sie konnte waschen und reiben, es blieb auf der Stirn, auf den Wangen etwas Graues sitzen. Als sie sich endlich mit der Arbeit und dem Leben in der Stadt abgefunden hatte, wurde das Heimweh dünn und blaß. Im Frühjahr konnten ja auch in der Stadt die Bäume grün werden. Aber sie nahmen bald den Geruch der Straßen an. Sie hatten keinen eigenen Duft. Die kleinen, jungen Blätter hingen verstaub! und schlaff an den Zweigen. Am Abend drang manchmal die milde Luft aus dem Hof in die Küche. Anna wollte nach Haufe schreiben. Sie legte sich auch Papier und Feder zurecht. Aber dann kam sie nicht über die ersten Worte hinaus. Sie saß da und konnte sich schon nicht mehr den Tisch vor- stellen, um den alle gesessen hatten. Auch nicht die Bank vor dem Hause und den Geruch der Ziegen im Stall: die Gesichter der Geschwister, wie sie am Bahnhof gestanden und immer wieder mit ihren Tüchern gewinkt hatten. Es war ihr, als hätten sie zu Hause alle die Tür aufgemacht und sie gehen geheißen. Da waren zwar noch ein paar Fäden, die sich vom Dorf in die Stadt zu spannen versuchten. Aber sie wurden immer dünner, immer unsichtbarer. Zuletzt, so fühlte sie, würde sie ganz in der Luft hängen und zwischen fremden Menschen leben, die über sie herrschten, die befahlen, ihr Essen und Arbeit zu- maßen, und doch nichts mit ihr teilen wollten, weder Freude noch Kummer Und sie erkannte, obgleich sie noch jung war und das Leben in der Unerschöpflichkeit seiner Bilder, Gedanken und Taten noch vor ihr lag, sie erkannte und fühlte, daß dies alles, was jetzt um sie stand, ihr Schicksal sein würde. Ihr Schicksal, das sie in die Stadt geführt hätte und sie Wege gehen ließ, die ihr fremd waren, und die ewig durch die fremden Zimmer fremder Menschen führen würden. Und doch glaubte sie durch das Trübe und Graue, das sie umgab wie eine Mauer einen hellen Schein zu gewahren: eine leise, unbestimmte Hoffnung auf ein besseres Dasein, in das vielleicht die fremden Wege ihrer Jugend einmünden würden. Und während sie jetzt am Fenster stand und der letzte Schein des Abends auf ihr Gesicht fiel und es blank und rund machte, erwärmte sie sich an dieser Hofsnirng, wie ein Frierender, der seine Hände über ein Kohlenbecken streckt. Ozeane durch die Gezeitenkrafte verursacht, son- dern auch Veränderungen auf der festen Erd- oberfläche hervorruft. Die Erdrinde schwankt durch den Mondeinfluß täglich fast um einen halben Meter. Also alles, unsere Städte und Häuser, senken und heben sich wie ein Schiff auf dem Meer. Diese Untersuchungen zeigen, daß die Bewegungen der Erdoberfläche noch viel kompli- zierter sind, als wir bisher annahmen, und daß selbst unsere starre Erdkruste den Gewalten der Schwerkraft nicht gewachsen ist. Von neuen Forderungen über den Mondeinfluß auf den geologischen und biologischen Werdegang unseres Erdballs wurde hier schon berichtet. Dieses Problem liegt gerade noch an der Grenze exakter Forschung, und ein Schritt genügt, und die geistige Unterwelt okkulter Spekulationen öffnet ihren Abgrund. Selbst wenn man diesen frag- würdigen Gebilden ein Mäntelchen umhängt, und etwa von„Kosmobiologie" spricht, gehören sie doch zu jenem Gedankengut, das von allen Gütern heute noch am reichlichsten vertreten ist: zur Flucht in die Mystik. Da erschien kürzlich eine Schrift mit dem anspruchsvollen Titel„Die Welt- krise und ihre Lösung". Diese Lösung besteht darin, daß die Planeten in den ver- schiedenen Tierkreiszeichen bestimmte Kraftfelder erzeugen sollen, deren Wirkung wir positiv oder negativ zu spüren bekommen. Danach haben wir 1933 und 1934 eine gewisse Erleichterung zu er- warten, dann gehts wieder durch die gewohnten Kümmernisse, aber 1937 in steiler Kurve herrlichen Zeiten entgegen. Wozu das alles!? Hat der Kosmobiologe recht, dann brauchten wir nur die Daumen zu drehen, denn glücklich ist, wer ver- gißt, was— nach dem Spruch astraler Kraft- felder— doch nicht zu ändern ist. Können wir aber selbst etwas dazu tun, die Karre vor 1937 aus dem Dreck zu schieben, dann hat die ganze Kosmobiologie nicht mehr Sinn als ein Zeitver- treib für jene, die nicht alle werden. F a t a l i s- mus oder S e l b st b e s i n n u n g. ist die Frage, die sich jeder selbst beantworten muß. Zur Herstellung der herrlich erfrischend schmeckenden Chlorodont-Zahnpaste werden nur die anerkannt besten Rohstoffe verarbeitet. Chlorodont, morgens und vor allem abends benutzt: beseitigt häßlichen Zahnbelag und üblen Mundgeruch ist sparsam im Verbrauch und daher preiswert. ,, Die Marneschlacht" Gastspiel der Mannheimer In diesen Tagen, da die Geschichtslüge wieder einmal schäumt, kann es nur gut tun, daran erinnert zu werden, daß Deutschland den großen Krieg bereits im September des ersten Jahres verloren hatte. Die Marneschlacht war die Entscheidung. Wir hören deren eherne Sprache, wir erleben deren zermalmende Unaufhaltsamkeit, neu und überzeugend, wenn wir( im Berliner Theater) dem Gastspiel des Mannheimer Nationaltheaters beiwohnen. Paul Joseph Cremers hat das Ergebnis der geschichtlichen Forschung in fieben Frestorepor tagen zusammengefaßt. Wir erleben die Siegeszuversicht der Obersten Heeresleitung und das Reimen des Zweifels, ob der glorreiche Vormarsch nicht ein Rennen in die Niederlage werden könnte. Wir erleben das Entstehen der verhängnisvollen Lücke zwischen den Armeen Klucks und Bülows, das unaufhaltsame Wachsen der Lücke, die, wenn die Front nicht tödlich zerrissen werden soll, den allgemeinen Rückzug fordert. Wir erleben, wie die Generalstäbler verschiedener Meinung sind, und wie die Führer der einzelnen Armeen weder den Befehlen der Obersten Heeresleitung folgen, noch miteinander den lebensnotwendigen Zu fammenhang wahren. Wir erleben ein Verbrechen der Führung inmitten einer ungeheuren Leistung der Truppen. Mögen nun dieser dialogisierten Nachbildung geschichtlicher Vorgänge auch Fehler unterlaufen, mag es z. B. falsch sein, daß der Oberstleutnant Hentsch, der gegenüber den Führern der einzelnen Armeen, die sich fiegreich fühlten, den Befehl zum Rückzug erzwang, den ihm gewordenen Auftrag überschritten hat. Das alles fümmert uns nicht: wir halten uns an die Zwangsläufigkeit der Katastrophe, die elementar sich zusammenballt und sich in einer vernichtenden Explosion entlädt. Das alles erleben wir, von der Darstellung dieser weltgeschichtlichen Szenen, die wahrhaft zum Tribunal werden, sofort erfaßt und nicht mehr losgelassen. Gewiß, was Herbert Maisch hier mit einer vortrefflichen Gemeinschaft hervorragender Schau spieler klar gliedert, spannend steigert und einprägsam hämmert, gehorcht dem Gesetz der Bühne; gerade darum ist es in höherem Sinne die Wahrheit. Denn Wahrheit ist nicht in den Akten, sondern im unentrennbaren Zusammenhang des Schicksals. R. Br. Brauner Rundfunk Goebbels und der Kronprinz Im Rundfunk geht es zur Zeit hoch her. Die Nazis und die feinen Leute" stehen an der Rampe. Zuvor waren freilich die feinen Leute" die Stars und die Nazis die Statisten, heute ist es umgekehrt. Die Stahlhelmleute fönnen froh sein, wenn sie irgendwann einmal genannt werden. Geheimrat Hugenberg erhält eine Gratisreklame für seinen neuesten Film Morgen: rot", in der fein irgend verwendbarec Superlativ ausfällt. Im übrigen ist der Rundfunk zum Hakenkreuztheater geworden, in dem, wenn auch als stummer Gast, so doch im Glanz der blendensten Scheinwerferbeleuchtung der Kron prinz vor das Publikum tritt. Der Kronprinz" wurde mit devoter Berbeugung vorgestellt gemeinsam mit den Regierungsvertretern als Gaft auf der ,, Grünen Woche". Diese Reportage war überhaupt so recht etwas für die deutsche Seele, der ja leider die Erbauung durch echte Schlacht feldgeräusche, wie sie den japanischen Rundfunkhörern zuteil wurde, noch fehlt. Glanzvoller aber noch wurde der Kronprinz" herausgestellt bei der Beerdigung des SA. Mannes, die als Auflagefendung über alle deutschen Sender ging; der Berichterstatter zeigte ihn - da staunst du?- im Gespräch mit dem kleinen Goebbels Für dieses Staatsbegräbnis war eine wilde Rundfunkreklame entfacht worden. Mit einer endlosen Reportage, dickflüssiger Musik und einer Uebertragung des Schauspiels Marneschlacht", das als Rundfunksendung formlos zerrinnt, wurde der Hauptteil des Sonntags. programms der Berliner Funkstunde ausgefüllt. Im übrigen scheint der Hakenkreuz- Kulturgeist auch sonst im Programm der Funkstunde gewaltet zu haben. Peter Martin Lampel wurde leise in die Versenkung gerollt, obgleich das Hörspiel ,, Freikorps der Arbeit" nicht einmal von ihm selber, sondern nur nach seinem Buch verfaßt worden war. -lz. Prof. Karl Woermann gefforben. In Dres. den starb am Sonnabend im Alter von fast 89 Jahren Prof. Karl Woermann. Er stammte aus der bekannten Hamburger Reederfamilie. 1882 übernahm er die Leitung der Dresdener Gemäldegalerie die er ausbaute und neu ordnete. Seine mannigfachen Studien und Reisen befähigten ihn, nicht nur eine umfassende Ge= schichte der Malerei" zusammen mit Woltmann zu schreiben, sondern sich auch an eine Gesamtgeschichte der Kunst zu wagen. Seine ,, Geschichte der Kunst aller Bölter und Zeiten erschien in neuer Auflage 1914 bis 1922; es ist ein Werk bewundernswerten Fleißes und erstaunlicher Vielseitigkeit eines da mals bereits Hochbetagten. Woermann hat seinen eigenen Lebenslauf in den„ Erinnerungen eines Achtzigjährigen" beschrieben. 3mmer noch fein Intendant des Staatstheaters. Nachdem die bisherigen Kandidaten für die Leitung des Staatstheaters feine Gnade gefunden hatten, wurde als neuer Name Hans Johst ge= Generalintendant Tietjen dementierte freilich alsbald das Gerücht. Da aber der neue nationalsozialistische tommissarische Kultusminister nannt. noch nicht im Amte war, will das nichts bejagen. Herr Johst, einst ein pazifistischer Wirklichkeitsdichter, hat sich längst zum Hitlerianer gemausert und ist im ,, Kampfbunde für deutsche Kultur" tätig. Er hatte also allen Anspruch darauf, das preußische Staatstheater seinen neuen Aufgaben entgegenzuführen. Ilse Bois, die eben im Kabarett der Romiker" mit einer neuen Parodie gestartet war, beging Freitagabend vor Beginn der Vorstellung infolge eines Nervenzusammenbruches einen Selbstmordversuch. Die Aerzte hoffen sie bald wieder herstellen zu können. An ihrer Stelle gastiert Mag Hansen in seinem Repertoire. Das übrige Februarprogramm geht unverändert in Szene. Jeßner flagt. Der frühere Generalintendant des preußischen Staatstheaters, Professor Leopold Jeßner, hat den preußischen Staat verklagt, um seine vertraglich zugesicherte, jetzt vorenthaltene Stellung zu sichern. Jeßner war, nachdem sein Vertrag als Generalintendant in einen Regievertrag umgewandelt wurde, für eine bestimmte Zahl Inszenierungen verpflichtet. Diese Zahl der Insze nierungen wurde ihm dauernd von der jetzigen Leitung verkürzt. Reichs- Kredit- Gesellschaft AKTIENGESELLSCHAFT BERLIN Bericht des Vorstandes über das Geschäftsjahr 1932 Die erste Hälfte des abgelaufenen Geschäftsjahres stand noch unter dem Eindruck der schweren Erschütterung, die im Jahre zuvor durch die politischen Spannungen und die großen Abziehungen von Auslandsgeldern herbeigeführt worden war. Die industrielle Beschäftigung war, soweit von den saisonmäßigen Schwankungen abgesehen wird, in der ersten Jahreshälfte noch im Rückgang begriffen, eine Verlangsamung dieser Bewegung hatte sich jedoch bereits angebahnt. Insolvenzen waren noch sehr zahlreich, die Kreditsicherheit besserte sich jedoch von Monat zu Monat. Im Februar kam mit den ausländischen Banken ein Uebereinkommen über eine, zunächst auf ein Jahr berechnete Stillhaltung der kurzfristigen Auslandsschulden, unter gleichzeitiger Abzahlung eines Teiles dieser Schulden, zustande. Die außerordentlich hohen Zinesätze auf diese Verpflichtungen konnten im Laufe des Jahree durch Verhandlungen mit den Gläubigern ein wenig herabgesetzt werden. Um die Jahresmitte führte die Ungewißheit über den Verlauf der Reparationsverhandlungen erneut zu einer allgemeinen Zurückhaltung und Geschäftsminderung. Im zweiten Halbjahr trat unmittelbar nach den Lausanner Vereinbarungen auf fast allen Gebieten eine Besserung ein, die teilweise die Rückgänge des ersten Halbjahres wettgemacht hat. Im Durchschnitt des ganzen Jahres lag jedoch der Umfang der deutschen Beschäftigung erheblich unter dem des Vorjahres. Dieser allgemeinen Entwicklung entsprach die Geschäftsentwickang bei den Banken. Die Einräumung von Krediten ging, dem Rückgange im Werte der Umsätze folgend, zunächst weiter zurück. Das Emissionsgeschäft ruhte nahezu völlig. Der Effektenhandel war, nachdem die Börse am 12. April wieder eröffnet worden war, anfänglich stark eingeschränkt, nahm aber in der zweiten Jahreshälfte mehr und mehr zu. Insbesondere zeigte sich eine wachsende Nachfrage nach festverzinslichen Werten. Die Dienste der Banken bef der Beschaffung ausländischer Zahlungsmittel wurden infolge der Beschränkung im Auslandsverkehr und der Stillhaltung nur wenig in Anspruch genommen. Gleichzeitig hat die Elastizität der Banken, wenn man dabei den Rückgang der Indossamentsverbindlichkeiten mit in Betracht zieht, eine Besserung erfahren. Die größere Bewegungsfreiheit, die sich die Reichsbank im abgelaufenen Geschäftsjahr geschaffen hat, gibt den Banken wieder einen starken Rückhalt. Eine regere Nachfrage nach bankgeschäftlichen Vermittlungen, die einer Belebung der Wirtschaft entspringt, dürfte daher verhältnismäßig leicht befriedigt werden können. Dagegen wird die Gewährung von Krediten, die für Investitionen benötigt werden, noch so lange unmöglich sein, wie eine Ablösung solcher Kredite durch mittel- und langfristige Emissionen nicht erfolgen kann. Aus diesem Grunde ist die sorgfältige Pflege des Kapitalmarktes, insbesondere die Wiederherstellung des Vertrauens zur Sicherheit getroffener Abmachungen, von größter Wichtigkeit. Das Geschäft unseres Instituts hat sich im abgelaufenen Jahr befriedigend entwickelt. Die Zahl unserer Kunden stieg von 6231 auf 7807, die der bei uns geführten Konten von 8400 auf 10 875. Im Juli traten wir der Vereinigung Berliner Banken und Bankiers( Stempelvereinigung) bei. Eine besondere Ausdehnung hat unsere Abteilung für Privatkunden Vermögensverwaltung" erfahren. Hierzu trug die Uebernahme der Geschäfte des Berliner Bankhauses von Goldschmidt- Rothschild& Co. bei. Auf Grund freundschaftlicher Vereinbarung hat diese Firma ihre bankgeschäftliche Tätigkeit im Juli vorigen Jahres aufgegeben und die Betreuung ihrer Kundschaft uns übertragen. In der Pflege unserer Beziehungen zu den deutschen Provinzbanken haben wir nach wie vor eine besonders wichtige Aufgabe gesehen. Angesichts der verschiedenen Struktur der deutschen Wirtschaftsbezirke sind selbständige Provinzbanken nicht zu entbehren, die durch örtliche und persönliche Verbundenheit den Geschäftsverkehr mit ihren Kunden übersehen können und die Geschäfte unter eigener Verantwortlichkeit durchführen. Ihre Erhaltung und Förderung ist dringend notwendig. Unser Geschäftsverkehr mit den Provinzbanken hat im Berichtsjahr wieder eine beachtlicne Steigerung erfahren. Den mit uns im Geschäftsverkehr stehenden Handels- und Industriefirmen konnten wir in weiter steigendem Maße unsere Dienste zur Verfügung stellen. Im Zusammenhang mit der Uebernahme der Geschäfte der Firma von Goldschmidt- Rothschild& Co. erwarben wir deren kommanditistische Beteiligung an dem Bankhause Max Marcus Nachf. in Potsdam. Das Geschäft dieser Firma hat sich im abgelaufenen Jahre günstig entwickelt. Der auf unsere Beteiligung entfallende Gewinn kommt erst im laufenden Jahr zur Verrechnung. Die Geschäfte der Deutsche Versicherungs- Bank Aktiengesellschaft in Berlin und der zu ihr gehörenden Deutsche Industrie- Versicherungsstelle G. m. b. H. in Berlin sind normal verlaufen. Für das Jahr 1931 hat die Deutsche Versicherungs- Bank Aktiengesellschaft eine Dividende nicht ausgeschüttet. Die erzielten Ueberschüsse wurden zu Abschreibungen der Wertpapierbestände auf die Freiverkehrskurse vom 81. Dezember 1981 verwendet. Für das Jahr 1932 liegt der Abschluß noch nicht ver. Zu der vorliegenden Bilans, die nach den Vorschriften der Verordnung vom 20. Dezember 1932 aufgestellt ist, bemerken wir: Unser Bestand an Schecks, Wechseln und unverzinslichen Schatzanweisungen, der gegenüber dem Vorjahr eine weitere Steigerung erfahren hat, gliedert sich in RM 115 204,22 Schecks, RM 136 646 096,70 Wechsel und RM 50 576 649,23 unverzinsliche Schatzanweisungen des Reiches und der Länder. Die Nostroguthaben bei Banken und Bankiers enthalten nur an erste Bank firmen geliehene Gelder, die täglich fällig waren. Der Posten Reports und Lombards gegen börsenmäßige Wertpapiere bestand am Bilanzstichtage ausschließlich aus Lombardvorschüssen. Die Zunahme der Vorschüsse auf verfrachtete oder eingelagerte Waren ist vornehmlich darauf zurückzuführen, daß wir befreundeten Provinzbankfirmen uns offenstehende Rembourskredite zur Verfügung stellten. Den Bestand an eigenen Wertpapieren konnten wir im Berichtsjahr erheblich vermindern. Die Bewertung der eigenen Wertpapiere sowie der Konsortialbeteiligungen hält sich unter den Kursen vom 31. Dezember 1982. Zu den dauernden Beteiligungen bei anderen Banken und Bankfirmen, die gleichfalls vorsichtig bewertet sind, kam die erwähnte kommanditistische Beteiligung an der Firma Max Marcus Nachf., Potsdam, hinzu. In unserem Bankgebäude haben wir durch den Ausbau des nach der Französischen Straße gelegenen Teiles neue Arbeiteräume geschaffen. In Höhe der Umbaukosten haben wir eine Abschreibung vorgenommen, so daß die Grundstücke und Gebäude Behrenstraße 21-22 und Französische Straße 50-56 nach wie vor mit RM 3 000 000 zu Buabe stehen. Das Konto Sonstige Immobilien" erhöhte eich durch Uebernahme des an unser Bankgebäude angrenzenden Hauses Fried richstraße 169, des Bankgebäudes der Firma Max Marcus Nachf., Potsdam, und einiger anderer Grundstücke und Gebäude. Wir haben auf das Konto RM 254 722,87 abgeschrieben. Die Summe unserer Kreditoren ist im Berichtsjahr von RM 482 348 956,68 auf RM 513 238 951,19 gestiegen. Unter Sonstige Kreditoren" befinden sich Beträge in Höhe von RM 32 718 000,-, die unter das Stillhalteabkommen fallen. Übertrag: Vorschüsse auf verfrachtete oder eingelagerte Waren: a) Rembourskredite 1. sichergestellt durch Frachtoder Lagerscheine. 2. sichergestellt durch sonstige Sicherheiten 8. ohne dingliche Sicherstellung. b) sonstige kurzfristige Kredite gegen Verpfändung bestimmt bezeichneter marktgängiger Waren Eigene Wertpapiere Konsortialbeteiligungen . • . Dauernde Beteiligungen bei anderen Banken und Bankfirmen. Debitoren in laufender Rechnung davon entfallen auf Kredite Banken, Bankfirmen, Sparkassen und sonstige Kreditinstitute Von der Gesamtsumme sind gedeckt: a) durch börsengängige Wertpapiere b) durch sonstige Sicherheiten Bankgebäude davon: Zugang Abschreibung Sonstige Immobilien davon: Zugang Abschreibung. Mobilien davon: Zugang • Abschreibung. Transitorische Posten Aval- und Bürgschaftsdebitoren Der Umlauf unserer eigenen Akzepte ist weiter zurückgegangen. Aktienkapital. Unsere Reserven Indossamentsverpflichtungen betrugen RM 57 583 692,02. Darunter befanden sich in Höhe von RM 46 467 613,97 Giroverpflichtungen für vom Reich garantierte Russenwechsel. Verpfändungen von Wechseln, Wertpapieren oder anderen Aktiven bestanden nicht. Außer den ausgewiesenen Abschreibungen auf Bankgebäude, sonstige Immobilien und Mobilien haben wir, wie in den vergangenen Jahren, einen Teil der Zinserträgnisse und die Einnahmen aus Gemeinschaftsgeschäften, die Beteiligungserträge und Sondereinnahmen dazu verwandt, um Abschreibungen vorzunehmen und Rückstellungen zu bilden. Danach ergibt die Gewinn- und Verlustrechnung für das abgelaufene Jahr einen Ertrag von RM 10 714 725,97, zu dem der Gewinnvortrag aus 1931 mit RM 1389 025,48 hinzukommt. Nach Abzug der Handlungsunkosten, Steuern und Abschreibungen verbleibt dann ein Gewinn von RM 3 642 175,85. Wir schlagen vor, von diesem Betrage für Zuwendung an den Angestellten- Unterstützungsfonds . . für pCt. Dividende auf das Aktienkapital zusammen zu verwenden und den nach Auszahlung des Gewinnanteils des Aufsichtsrates verbleibenden Restb von auf neue Rechfrang vorzutragen. R.M " 200 000, 2 000 000, RM 2 200 000, RM 1 397 731,40 Bilanz zum 31. Dezember 1932 Aktiva Kasse fremde Geldsorten und fällige Zins- und Dividendenscheine Guthaben bei Noten- und Abrechnungs( Clearing-) Banken Schecks, Wechsel und unverzinsliche Schatzanweisungen a) Schecks und Wechsel b) unverzinsliche Schatzanweisungen und Schatzwechsel des Reiches und der Länder sowie Steuergutscheine davon bei der Reichsbank rediskontabel RM 22 797 956,59 Nostroguthaben bei Banken und Bankfirmen davon innerhalb 7 Tagen fällig Reports und Lombards gegen börsengängige Wertpapiere Debertrag RM RM 5 782 485.25 136 761 300,92 Kreditoren; Passiva . • RM RM 266 339 494,90 12 918 727,71 58 423 521,88 19 447 590,63 90 789 840,17 2 410 575, 93 200 415,17 2 800 000, • 4200 000, 3 000 000, 10 000 000, 217 220 861,71 an 86 911 188,72 . 18 876 221,60 155 724 404,10 807 592,60 307 592,60 504 721,87 254 722,87 8 000 000 250 000, 83 688,48 83 688,48 800 465,18 8 573 780,96 RM 590 811 237,96 RM 40 000 000, a) seitens der Kundschaft bef Dritten benutzte Kredite b) Deutsche Banken, Bankfirmen, Sparkassen und sonstige deutsche Kreditinstitute c) Sonstige Kreditoren Von der Gesamtsumme der Kreditoren( mit Ausschluß von a) waren: 1. innerhalb 7 Tagen fällig 2. darüber hinaus bis zu 3 Monaten fällig . 3. nach mehr als 3 Monaten fällig Akzepte Angestellten- Unterstützungsfonds Transitorische Posten Aval- und Bürgschaftskreditoren Eigene Indossamentsverbindlichkeiten: a) aus weitergegeb. Bankakzepten RM b) aus sonst. Rediskontierungen Von der Gesamtsumme waren in spätestens 14 Tagen fällig. Gewinn: Vortrag aus 1931 Reingewinn.. . 95 219 848,90 20 000 000, 101 897 317,51 316 121 784,78 513 238 951,19 187 528 010,93 139 667 201,80 90 823 889,56 10 845 712, 3 573 780,96 1 800 000, 1 284 398,9% 57 583 692,02 " 12 904 740,32 1 889 025.48 • MMM 2 253 150,37 8 642 175.85 590 811 237.96 Aufwand 35 640 968,87 Gewinn- und Verlustrechnung zum 31. Dezember 1932 Handlungsunkosten Steuern Abschreibungen auf Immobilien und Mobilien Gewinn: Vortrag aus 1931 Reingewinn RM 5 898 677,74 1916 893.91 646 003,95 50 576 649,23 187 337 950,15 32 469 305.63 32 469 305,63 5 158 785.266 889 494,90 • • . . 1 389 025,48 • 2 253 150,37 3 642 175,85 Ertrag Vortrag aus 1931 Zinsen, Devisen und Sorten Provisionen 12 103 751,45 RM 1 389 025,48 6 719 354.93 8 995 371,04 12 108 751,4 Wo bleibt die Wirtschaftsrettung? Immer wieder: Wann folgen den Worten die Taten? Eine Woche ist schon vergangen, seit Hitler an der Macht ist. Was hat die Regierung der Rettung Deutschlands in dieser Woche zur wirtschaftlichen Errettung dieses Landes geleistet, mas hat sie begonnen? Die Nazis haben doch die Wunderwär ver= breitet, wenn sie zur Macht fämen, dann würde Deutschland mit einem Schlage gerettet, alle Arbeitslosen fänden wieder Arbeit, der gewerbliche Mittelstand sein Brot, der Bauer würde von der Zinsknechtschaft befreit, kurz, allen würde geholfen. Noch in den letzten Monaten und Wochen, als der Kampf Hitlers um die Reichskanzlerschaft im vollen Gange war, haben die Nazis immer wieder auf das Rettungsprogramm gepocht, das in der Schreibtischlade Hitlers läge und für den Fall der Ernennung Hitlers sofort in Kraft gefeßt würde. Wenn jemand ein Rettungsprogramm schon in der Tasche hat, dann müßte eine Woche ge= nügen, um das Programm bekanntzugeben und mit seiner Durchführung zu beginnen. Was aber ist geschehen? Die Regierung hat einen Aufruf erlassen. Bielleicht gab sie sich wirklich der Hoffnung hin, er würde von den auf die Erlösung wartenden Anhängern als ein Rettungsprogramm empfunden werden. Aber die Verblüffung und Enttäuschung darüber waren allgemein, daß eine Regierung, die mit den flingendsten Versprechungen angefündigt worden war, dem Volte nichts anderes anzubieten hatte als einen Wechsel auf vier Jahre. Wie enttäuschend die Wirkung dieses Aufrufes war, ging übrigens schon daraus hervor, daß die Regierung innerhalb von 24 Stunden zur Beschwichtigung der Deffentlichkeit die Verficherung abgeben mußte, ihr Aufruf habe das eigentliche Programm der Regierung noch gar nicht enthalten! Wann wird es nun nachgeliefert? So wenig tröstlich das Versprechen ist, daß die deutschen Arbeiter und Bauern erst einmal vier Jahre warten müßten, bis sie gerettet werden in diesem Zeitraum dürfte sich die kapitalistische Wirtschaftstrise ja schon längst von selbst gemildert haben, so ist es doch nicht ganz uninteressant festzustellen, was in dem Aufruf nicht drin steht. Was nicht drin steht, ist das, was die großen Massen der Nazianhänger sehnsüchtig erwartet haben, weil man es ihnen jahrelang versprochen hat: Enteignung der Bant und Börsenfürsten( laut nationalsozialistischem Reichstags= antrag vom Oktober 1930, unterzeichnet von den beiden jezigen Reichsministern Frid und Göring), Brechung der 3instnechtschaft( Herzstück des Nationalsozialismus laut offiziösem Kommentar zum Nationalsozialistischen Programm), Verstaatlichung der Trust s Konzerne( Punkt 13 des unabänderlichen nationalsozialistischen Parteiprogramms). Von alledem enthält der Aufruf teine Spur einer Andeutung. und Wir erinnern uns bei dieser Gelegenheit der Rundfunkreden, die nach dem Antritt der Regierung Papen der damalige Reichswehrminister Schleicher und Papen felb ft gehalten haben. Darin war die Rede von überalterten Befigverhältnissen, die nicht tonserviert werden sollen. Natürlich war das nur eine tostenlose Berbeugung vor der antikapitalistischen Sehnsucht, tung der kapitalistischen Wirtschaftsordnung ein Ding der Unmöglichkeit ist. Tatsächlich ist der Aufruf auch vorsichtig genug, nichts davon zu verraten, welches Rezept für die endgültige Ueberwindung der Arbeitslosigkeit angewendet werden soll Bom Feder- Geld bis zur produktiven Kreditschöpfung Gregor Straßers und den Arbeitswechseln des nationalsozialistischen Reichstagsantrags vom September 1932 find alle bisherigen Nazirezepte durch das Bersprechen des Regierungsaufrufs, daß jedes Experiment der Gefährdung unserer Währung" unterbleiben joll, hinfällig geworden. Oder foll die Arbeitsdienstpflicht als Rezept gegen die Arbeitslosigkeit gemeint sein? Heute wäre die Arbeitsdienstpflicht ein absolutes sicheres Mittel zur Ver. mehrung der Arbeitslosigkeit. Denn fie würde unweigerlich nahezu ebensovielen Arbeitern die Arbeitsgelegenheit wegnehmen, als Arbeitsdienstpflichtige beschäftigt würden, und brächte den Reichsfinanzen den endgültigen Bankerott. Nun spricht der Aufruf freilich noch von der Siedlung. Gewiß darf man sich über die Entlastung des Arbeitsmarktes durch eine noch so weitgehende Förderung der Siedlung keinen Illufionen hingeben. Jedenfalls ist aber die Aufteilung des Großgrundbesizes an Arbeiter und Bauern eine ungeheuer wichtige wirtschaftspolitische Aufgabe. Davon ist zwar im Wahlaufruf der Sozialdemokratie, nicht aber im Regierungsaufruf die Rede. Das Rezept, wie man den Pelz waschen kann, ohne ihn naß zu machen, wie man siedeln kann, ohne mit der künstlichen Besitzerhaltung des überschuldeten Großgrundbesizes Schluß zu machen, wurde im Regierungsaufruf ebensowenig verraten wie das andere Rezept, wie man die Arbeitslosigfeit endgültig überwinden kann, ohne die Wirtschaft im sozialistischen Sinn umzubauen. Eine Woche Hitler- Regiment ist vorüber. Von Taten zur Wirtschaftsrettung sehen wir noch nichts, noch gar nichts. Es ist sogar stille, ganz stille von allen großen Worten der Vergangenheit. Im Volk sind schon viele nüch= tern geworden, die einst trunken waren. Sorgen wir dafür, daß bis zum 5. März die politische Nüchternheit eine Epidemie geworden ist. 900 Siemens in der Krise die nach dem Zeugnis Gregor Straßers auch die Anhängerschaft der Nazis erfüllt. Heute aber, mo die Nazis selbst zur Macht gekommen sind, halten sie selbst eine solche unverbindliche Verbeugung für überflüssig. Die überalterten Besizverhältnisse" sollen also tonferviert, der Rapitalismus mit all seinem wirtschaftlichen Widerfinn, mit allem Elend, das er über Millionen und Abermillionen von Arbeitern, Bauern und Gewerbetreibenden bringt, soll voll und ganz unangetastet bleiben. Wahlaufrufe, die die Enteignung der Schwerindustrie, der Großbanken und der Großgrundbesiher im Rahmen der Verfassung fordern, werden beanstandet. Und das Positive des Hitler Aufrufs? Da ist die endgültige(!) Ueberwindung der Arbeitslosigkeit. Aber jeder Mensch weiß, daß eine endgültige Ueberwindung der Arbeitslosigkeit unter Aufrechterhal Aufwärts oder abwärts? Die Wirtschaftstatsachen einer Woche Für die deutsche Wirtschaft war die erste Woche der neuen Reichsregierung feine Woche der Zuversicht, der Beruhigung und der Besserung. Im Gegenteil. Die Unsicherheit, die Bedenken hinsichtlich der weiteren innerpolitischen Entwidlung haben fogar zu einer weitgehenden Lähmung des Wirtschaftslebens geführt. Unternehmer und Banken stehen mit Gewehr bei Fuß und sichern die Kassen. Dabei wird lauter und lauter von einer Verschärfung der wirtschaftspolitischen Gegensäge im Kabinett gesprochen. Sehen wir die Tatsachen an. Am deutlichsten tommt die Unsicherheit auf den Börsen zum Ausdrud. Die festverzinslichen Werte haben einen für eine einzige Woche unerhörten Kurssturz erlitten. Im Gegensatz zu den Aktien hat dieser Kurssturz vom 30. Januar, dem Tage der Regierungsbildung, bis zum Ende der Woche ununterbrochen angehalten, obwohl zeitweilig zur Kurs stützung getauft wurde, und, wie die " Frankfurter Zeitung" sagt ,,, aus fozial- und geschäftspolitisch sympathisierenden Bezirken demonstrative Käufe durchgeführt wurden". Die 7prozentige Reichsanleihe fiel von 95% auf 90% Reichsschuldbuchforderungen Gold Silber aus eb ich icht, tann's auch gut gebrauchen Dieses schone Lied ruft Erinnerungen an die jugendzeit wäch und drückt in seinen Versen das Sehnen nach ewiger Jugend Das heutige Leben packt jeden hart an, und es gehört wirklich jugendliche Frische dazu, den Lebenskampf zu be stehen Aber die Wissenschaft hat mit der Erforschung der Hormone den Weg gezeigt. Schwächen zu beseitigen und unsere Lebenskräfte zu erneuern. Den besten Beweis dafür erbringt das in der ganzen Welt bewährte Hormon- Präparat OKASA SILBER für den Mann* GOLD für die Frau Okasa, nach Geh- Rat Dr med Lahusen, enthalt standardi sierte Hypophysen- und Keimdrüsen- Hormone, sowie nervenstärkende und potenzsteigernde Stoffe Es ist das wissenschaftlich erprobte, überragende Mittel gegen geistige und körperliche Erschlaffung, Nervenschwäche, sexuelle Neurasthenie, vorzeitiges Altern. 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Bei RWE., Berliner Licht und Kraft und allen anderen führenden Werten war es anders. Selbst Reichsbahnvorzugsaktien stiegen von 92% auf 93% und ging auf 92% zurüd. 3m Ausland erfuhren deutsche Anleihen nach einem glanzvollen Aufffieg einen plötzlichen Sturz. In New York erlitten die 7prozentigen deutschen Anleihen Kurseinbußen von rund 10 Proz und 6% prozentige Anleihen Kurseinbußen von fogar 12 Pro 3. ihres Marktwertes. Auf der anderen Seite ist die Getreide. Belegschaftsabbau dauert an- 410 Millionen Umsatz Im dritten Krisenjahr hat sich die Umsatz Schrumpfung bei Siemens in erheblichem Maße fortgesetzt. Auch die Schwach stromgruppe des Konzerns Siemens u. Halske, die in den ersten beiden Krisenjahren eine sehr starke Widerstandsfähigkeit aufgewiesen hatte, hat seit dem Herbst 1931 ganz erhebliche Umsatzperlufte einstecken müssen. In dem am 30. September beendeten Geschäftsjahr 1931/32 ging der Gesamtumfah des Konzerns von 631 auf 410 millionen Mark zurüd, und zwar sant er bei Siemens u. Halske von 285 auf 186 Mill. und bei den SiemensSchuckert Werten von 346 auf 224 Mill. M. Für die besondere Krisenempfindlichkeit der Startstrominduſtrie, die fast ausschließlich Produktionsmittel herstellt, ist bezeichnend, daß seit dem besten Konjunkturjahr 1928/29 in dem der Gefamtumsatz bei Siemens 850 Mill. M. erreicht hatte, die Umsätze bei den Siemens- SchuckertWerken um 60 Proz.(!), bei der Siemens u. Halste A.-G. dagegen nur um 38 Proz. gefunten ist. Ganz trostlos haben sich die Verhältnisse bei der Siemens- Belegschaft im vergangenen Jahr ent wickelt. Die Gesamtbelegschaft bei Siemens hatte am 30. September 1932 einen Tiefstand erreicht, der mit nur noch 75 000 Mann um 37 000 Köpfe unter den Ziffern des außerordentlich schlechten Betriebsjahres 1924 liegt. Während der Export sich bis 1931 als eine der wichtigsten Stügen für die hohen SiemensUmsätze erwiesen hat, ist er im Berichtsjahr erſtmalig in dem gleichen Tempo, nämlich von 305,8 auf 203 Millionen zurückgegangen. Die Siemens- Berwaltung nennt hier die Dinge auch einmal beim richtigen Namen. Ausdrücklich wurde in einer Pressekonferenz auf eine entsprechende Frage erklärt, daß nicht nur in den skandinavischen Ländern, sondern auch in Holland und in anderen Staaten den ausländischen Bertretern von Siemens Aufträge mit dem Hinweis auf die deutsche Handelspolitik verweigert wurden. Vielleicht läßt sich der neue Wirtschafts- und Agrarminister Hugenberg über die„ Erfolge" dieser [ petutation weiter in die Halme geschoffen. Deutscher Metallarbeiter- Verband Auf der Berliner Produktenbörse stieg der Tonnenpreis für Weizen in acht Tagen um 7 M., für lange Sichten sogar um 12 M.; der Tonnenpreis für Roggen um 5 M., für lange Sichten um 8 M. Die Preise für Weizen- und Roggenmehl, die sehr lange nach unten zeigten, gehen ziemlich rasch nach oben Obwohl es unmöglich ist, mit eingesperrten Borräten auf lange Sicht hohe Getreidepreise aufrechtzuerhalten, richtet sich die Spekulation auf hohe Preise und auf eine Brot. teuerung ein. Die Erklärung der Reichsregierung, daß keine mährungspolitischen Experimente und auch keine Zinserperimente zu erwarten seien, hat die Beruhigung nicht gebracht. Man fürchtet, daß die Regierung auch anders könne. Dazu tragen Gerüchte bei, daß an den wichtigsten Stellen, zu denen die Wirtschaft noch einiges Vertrauen hat, auch Aenderungen eintreten sollen. Wir wissen nicht ob es wahr ist, daß Finanzrat Bang einen hohen Posten im Reichswirtschaftsministerium, Dr. Qua ag einen hohen Posten im Reichsfinanzministerium einnehmen sollen. Jedenfalls spricht man schon von dem möglichen Rücktritt des Finanzministers Schmerin von Krosigk und tnüpft beunruhigende Kombinationen daran. Schlechte Aussichten also auch für die zweite Hugenberg- Hitler- Woche. Achtung! Büromaschinen- Mechaniker, Reparateure und Reiniger Mittwoch, den 8. Februar, nachm. 5 Uhr, im Lokal Klement, Sophienstraße 5/6 außerordentliche Gruppenversammlung. Tagesordnung: Endgültige Stellungnahme zur Urlaubsänderung Es ift Pflicht aller Kollegen, die Versammlung zu besuchen. Donnerstag, den 9. Februar, abends 7 Uhr, BezirksMitglieder- Versammlung des 1. Bezirks im Lokal Gallas, Lehder Straße 122. Tagesordnung: Betriebsrätewahlen 1938 Referent: Kollege Paul Edert. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Jn Anetracht der wichtigen Tagesordnung ist bollzähliges Erscheinen notwendig. Achtung! Modellschlosser. Die Gruppenversammlungen der Mosellich offer.Formenbauer und Modell staatlichen Arbeitsabschaffungspolitik noch etwas eingehender unterrichten. Ueberraschend für die Deffentlichkeit ist die von uns bereits mitgeteilte Ausschüttung einer 7prozentigen Dividende bei Siemens u. Halste. Nach dem vorjährigen Verlustabschluß bei SiemensSchuckert fällt nämlich für die Gewinnrechnung bei Halske zum erstenmal in der Krise die Dividende bei Schuckert in Höhe von 4,5 mill. M. aus. Durch Einsparungen, die besonders auf dem Zinsenkonto für die amerikanischen Anleihen von 1930 zu Buche schlugen, sowie durch beträchtliche Senkung des Lohnanteils am Produkt infolge der vorgenommenen Lohnabbaumaßnahmen gelang es Siemens u. Halske, noch einen Reingewinn von knapp 7 gegen 8,6 Millionen auszuweisen. Schuckert hat wieder mit Verlust gearbeitet, der aber, wie im Vorjahr, durch Auflösung stiller Reserven voll abgedeckt wird. Die Bilanz sowie Gewinn- und Verlustrechnung sind zum erstenmal nach den Vorschriften des neuen Aktienrechts aufgemacht. Danach erreichen die offenen Reserven von Siemens u. Halste fast 177 Millionen(!), bei einem Stammkapital von nur rund 100 Mill. M. Finanziell haben sich beide Konzerngruppen außerordentlich flüffig ge= halten. Bei über 85 Mill. M. Bankguthaben sind furzfristige Bankschulden so gut wie gar nicht vorhanden. Der Großhandelsindeg ist in der Woche zum 1. Februar weiter von 90,8 auf 90,7 Proz. ge= funten. Henschel u. Sohn in Kassel haben von der Reichsbahn 10 Rangierlokomotiven mit Lastwagenmotoren als Antriebsmaschine in Auftrag erhalten. Die größte englische Kraftanlage mit einem Kostenaufwand von 2½ Millionen Pfund Sterling und einer Gesamtmaschinenleistung von 300 000 Kilowatt ist am Montag in Dunston am Tyne eröffnet worden. Das englische Pfund Sterling ist seit vierzehn Tagen ständig auf dem Werte von 3,40 Dollar ge= halten worden und die Financial News nehmen an, daß eine Vorstabilisierung des englischen Pfundes versuchsweise durchgeführt wird. Wieviele Tabaksorten sind in einem Villiger- Stumpen? Je nach der Preislage sind es ein halbes bis ein volles Dutzend lauter Ueberseer. Wichtig ist die Verteilung. Eine Stumpenmischung ist wie ein Männerchor. Die Stimmen müssen richtig verteilt sein, wenn das Lied harmonisch klingen soll. Der Raucher schätzt die feine, ausgeglichene Harmonie des Villiger- Stumpens. Villiger- Stumpen Dreher finden von jeßt ab jeben zweiten sind sind etwas Besonderes! Donnerstag im Monat, abends 7 Uhr, im Berbandshaus, Bintenstraße 83/85. Eingang B, Elsässerstraße 86/88, statt. Die Orisverwaltung Preislagen 8, 10 und 15 Pfg. Fabrik- Lager Hedemannstr. 22. Bergm. 2370 Die Organisation steht bereit öe�irKsparteitaA der Berliner Sozialdemokratie Am letzten Sonnabend tagte der Bezirks- Parteitag der Berliner Sozialdemo- k r a t i e. Die letzten politischen Ereignisse drücken ihm den Stempel auf und so erklärte denn auch der Vorsitzende Genosse Künstler in seiner Er- öffnungsrede, datz durch die Kanzlerschaft Hitlers endlich einmal die verwaschenen politischen Verhältnisse geklärt seien, so datz sich ein klares Kampsfeld ergebe. Der Fackelzug für Hitler ähnele dem Begeisterungstaumel vom Aug» st 1314— dieser Hurrastimmung sei ober schliehlich der Vovember ISIS gefolgt. Sorgen wir dafür, daß das Erwachen recht bald kommt und dah dann die Zeit besser genützt wird als damals. Begeistert sangen die Delegierten die erste Strophe des S o z i a l i st c n m a r s ch e s, der immer noch beginnt:„Auf S o z i a l i st e n. schlicht die Reihen!" AJs Marxisten im Kampfe! Das politische Referat des Abends hatte Parteivorsitzender Arthur Erispien übernommen, der es ganz auf die augenblicklichen politischen Verhältnisse zuschnitt. Crispien betonte zunächst, daß der Parteitag der Sozialdemokratie in Frankfurt a. M. im Zeichen des SV. Todestages von Karl Marx stände. Der Marxis- mus ist international fundiert in der Sozial- demokratie, er bedeutet den Bruch mit allen bis- herigen Geschichtsauffassungen! er ist die Ge- schichtsauffassung der Sozialdemokratie. Der Marxismus hat die Arbeiter zur Erkenntnis ihrer Klassenlagc gebracht und die Triebkräfte des Kapitalismus klargelegt. Nur eine Klasse in der heutigen Gesellschaftsordnung sei wirklich und aus wissenschaftlicher Ueberzung revolutionär, nämlich die Arbeiterklasse. Das gibt der Sozialdemokratie die Stärke gegenüber allen reaktionären Zwischen- spielen und natürlich auch gegenüber dem Faschis- mus. Die letzten Jahre sind gute Lehrmeister für uns gewesen. Die wahre Demokratie ist in einer Klassengesellschaft nicht zu verwirklichen, doch in ihr brauchen wir Demokratie, um unsere Tages- forderungen vertreten und durchsetzen zu können, wir brauchen sie. um die Arbeiterklasse für den Sozialismus reif und fähig zu machen. In Deutschland wurde Demokratie erschüttert durch laue Anhänger, durch Feinde im Arbeiterlager selbst und durch die Rcchtsreaktionäre aller Schattierungen. Daß eine hauchdünne Oberschicht des Volkes nicht regieren kann, bewies Papen: erst auf Hitlers braune Schoren gestützt, konnten sich Junker und Herren an die Macht bringen. Sie bedienten sich dieser Auch- Arbeiterpartei, um ihre eigene Gefolgschaft größer erscheinen zu lassen. Die Nationalsozialisten forderten„Ware fürs Geld", sie haben die Ware geliefert in ihren braunen Privattruppen, die Gegenleistung erhielten sie in Form der Regie- rungsbeteiligung. Hitler ist nicht an der Spitze seiner Truppen siegreich in Berlin einmarschiert, sondern er hat in Verhandlungen hinter verschlossenen Türen sein „Geld für die Ware" eingehandelt. Schon ist klar erkennbar, daß die Hitler-Papen- Hugenberg-Regierung nicht in der Lage ist, ein einheitliches Programm aufzustellen! die wirtschaftlichen und politischen Kräfte in ihr streben zu sehr auseinander. Man hofft deshalb in einem mit allen Mitteln des Terrors und der erlaubten und unerlaubten Beeinflussung be- triebencn Wahlkampf eine Mehrheit zustandezu- bringen. Hitler hat selbst am Freitagabend durch den Rundfunk seine jetzige Position feststellen lassen: Er wollte seine erste Rundfunkrede als Reichskanzler so aufgefaßt wissen, daß er seine Bemerkung über den Vierjahresplan nur als Reichskanzler gemacht habe; als Parteiführer hätte er anders gesprochen! Unter dem Beifall des Bezirksparteitages er- klärte Genosse Crispien: Hitler kennt Deutschland und seine Arbeiterschaft nicht, er hat keine Ahnung von Land und Boll. Die Arbeiterschaft ist ihm ein« unverständlich« Masse, den Marxismus hat er nie begriffen.(Wiederholter Bei- fall.) Wie ist ein Mann zu bewerten, der heute noch behauptet, der Marxismus hätte die Wirt- fchaftskrise in Deutschland verursacht? Jeder Wald- und Wiesenagitator weiß, daß wir eine Welt- Wirtschaftskrise haben, und daß die Krise auch in den Ländern besteht, in denen kein „Marxismus herrscht". Die Entwicklung im Maschinenzeitalter führt zur Umstellung aller Arbeitsverhältnisse. Leute, die sich Technokraten nennen, haben er- rechnet, daß 1ö Stunden Arbeit in der Woche, ge- leistet von den Menschen im Aller von 25 bis 45 Jahren, beim heutigen Stande der Maschinen- technik genügt, um genug Güter für alle Menschen der Erde zu erzeugen, heute haben wir junge Menschen genug, die noch nie in einen sozialen Gedankenaustausch mit ihren Arbeitskollegen in der Fabrik getreten sind, weil sie noch nie Arbeit hotten. Ihnen fehlt das soziale Bewußtsein, das der Arbeiter in der Gemeinschaft der Fabrik er- wirbt. Den Produktionsapparat den Verbrauchsverhält- nisten anzupassen, ist die Aufgabe von internatio- naler Bedeutung, vor die die Sozialisten jetzt ge- stellt sind. Die Staaten sind zu klein geworden. Eine Vereinigung der Staaten Europas, den Zu- sammenschluß der Kontinente zu schaffen, wird nötiger denn je, die international funktionierende Produktion erfordert es. Wir brauchen Frei- zügigkeit für die Rohstoffe, für die Güter, für die Menschen. Was tun demgegen- über die autoritären Regierungen unter Papen und Hitler? Sie erlassen Einfuhrverbote, richten Zollschranken auf, verordnen Devisenzwangsbestimmungen, die Methoden des Weltkrieges werden in der Wirt- fchaftsführung wieder angewandt. Die Kapitaliste» haben alles ruiniert, was die Nachkriegswelt an Vernünftigem schuf. Der an sich gesunde Gedanke des Völkerbundes ist totgeschlagen, ein Zusammen- arbeiten der Völker unmöglich gemacht. Erhebt sich da nicht von selbst die Forderung nach der Einigkeit der Arbeiterschaft? Noch ist für die Bolschewisten die Sozialdemokratie der Hauptfeind. Aber das hindert nicht, daß die Sozialdemokratie von der ganzen Reaktion gefürchtet wird. Seien wir uns klar über die Situation, in der wir stehen: Sie mögen uns des Hochverrats anklagen, sie mögen einzelne von ihren Posten in der Ar- beiterbewegung entfernen können, aber eins können sie nicht: den Sozialismus in den Hirnen der Menschen auslöschen.(Stürmischer Beifall.> Arbeitermasten zu leiden haben, deren Ernäh- rungsstandard noch mehr herabgesetzt würde. Nach einer längeren Diskussion nahn, außerhalb der Tagesordnung Genasse Siegfried Aufhäuser das Wort zum„V o r w ä r t s"- V e r b o t. Er reichte eine Entschließung ein, in der sich der Parteitag einmütig zu seinem K a m p f b 1 a t t, dem ,,V o r- wärt s", bekennt und die Rechts- Widrigkeit des Verbots betont. Der An- trag fand unter starken Veifallskund- gedungen einstimmige Annahme. Nach einem Schlußwort von Arthur Crispien wurde eine Reihe von Entschließungen gefaßt. Die bisherigen Kandidatenlifte» zum Reichstag und Landtag wurden bestätigt. Varteitag Brandenburg In den Räumen des Preußischen Landtags lagte am Sonnlag der B e z i r k s p a r t e i l a g der Sozialdemokratischen Partei für Branden- burg-Grenzmark. Auf ihm hielt der vor- sitzende der sozialdemokratischen Reichstagsfraklion, Genosse Dr. B r e i t s ch e i d, ein sehr bemerkeus- wertes Referat über die politische Lage, wie sie sich seit dem Zustandekommen der Regierung Adolf Hitlers ergeben hat. Die kommende Zeit wird für die Arbeiterschaft schwer und opferreich werden. Herr hugenberg hat zwar einen Ausgleich zwifchen den ver- fchiedenen Jnterestentenhaufen versprochen, doch wird dieser Ausgleich nur auf dem Rücken des Proletariats möglich fein. Wenn das Massenelend vergrößert, wenn die Kaufkraft verringert ist, was nützt dann der Ausgleich? Wie wird dann die Stimmung der hakenkreuzler werden? Genosse Breitscheid charakterisierte dann einzelne Mitglieder des Kabinetts. Der Außenminister von Neurath, seit über 30 Jahren Berufsdiplomat, hätte es nicht als eine Schande einpfun- den sich vom„M a r x i st e n" E b e r t als Bot- schafter berufen zu lassen. Der Finanzminister von Schwerin- Krosigk war lange Jahre Beamter im Finanzministerium! der„Marxist" h i l f e r d i n g machte ihn zum Ministerialdirektor — von Schwerin-Krosigk fand nichts dabei. Herr von Papen war lange Jahre Mitglied und Abgeordneter einer in i t de»„M a r x i st e n" koalierten Partei! Das ist eine hübsche Sammlung von Charakteren in der autoritären Regierung. Wenn es ein Ber- brechen war, daß die Marxisten Ruhe und Ordnung im Lande sicherten, wenn sie den Arbeitern, Angestellten und Beamten das Koalitionsrecht gaben, wenn sie den Staat zu unerhörten sozialpolitischen Leistungen fähig machten, dann sind wir allerdings stolzdarauf, Novemberverbrecher zu sein. Unterschiede zwischen den Regierungserklärungen Papens, Schleichers und Hitlers im Rundfunk bestanden kaum, nur daß Hitler aufgeregter und bom- bastischer redete. Er fand kein Wort für den notleidenden Mittelstand, ja, er wandte sich nicht einmal gegen die Juden! Er sagte nichts über die Enteignung der Bank- und Börsenfür st en, und er ließ die Brechung der Zinsknechtschaft völlig aus seiner Rederei heraus. Hitler nennt alles Marxismus, was er nicht begreift. und er wettert gegen den Marxismus, ohne ihn zu verstehen. Es wird ein opferreicher Wahlkampf werden, in dem der Gegner feine ganze Brutalität, die ganze Mordlust seiner entfesselten Gefolgschaft spielen lasten wird. Unter solchen Umständen wird die Sozialdemokratie mehr noch als bisher die Werbung von Mund zu Mund betreiben. Jeder Sozialdemokrat wird ein Agitator fein, ein Kämpfer und ein Redner für die Freiheit, für die Demokratie und den Sozialismus.(Großer, zu- stimmender Beifall.) ie Den Geschäftsbericht für das abgelaufene Jahr gab Parteisekretär Genosse Wilhelm Krüger, der feststellte, daß die Organisation durch die Krise nur sehr schwach betroffen sei. Sie sei aber inner- lich geschlossen, organisatorisch hervorragend fest, so daß sie auch den kommenden Wahlkamps sieg- reich bestehen wird. Die Delegierten stellten dann die K a n d i d a t e n l i st e n für die Pro- v i n z i a l l a n d t a g e. für die Kommunalver- tretungen und für die Reichstags- und Landtagswahlen auf. Mit der Erledigung einer großen Anzahl von Anträgen schloß die arbeitsreiche Tagung. Das Verbot des„Vorwärts" Im Anschluß hieran sprach Chefredakteur Ge- nosse Stampfer zum Verbot cies„Vorwärts" Er dankte zunächst allen Genossen und Betriebs- delegationen, die telephonisch oder persönlich der Redaktion ihre Entrüstung über das unHalt- bare Verbot des„Vorwärts" und ihre Sympathie bekundet haben. Stampfer dehnte diesen Dank auch auf diejenigen aus, die sonst nicht unter unseren Fahnen marschieren, die ober trotzdem gegen die Unterdrückung der Presse- f r e i h e i t protestiert haben. Dabei erneuerte er das Bekenntnis von früher, nämlich daß er und die gesamte Redaktion sich verbunden fühlen mit allen Arbeitern und allen Notleidenden.(Leb- hafter Beifall.) Noch nie ist der„Vorwärts" so interessant gewesen, erklärte der Redner, wie am Sonnabendmorgen. Viele gute Mitarbeiter habe das Blatt, aber der interessanteste ist doch der Polizeipräsident in Berlin. Herr Welcher führt den juristischen Doktortitel, aber er hat es fertig be- kommen, den„Voi�värts" zu verbieten, weil dieser ein Verbrechen gegen§§ 81 bis 85 des Strafgesetzbuches begangen habe. Das heißt Hochoerrat, der mit lebenslänglichem Zuchthaus bestraft wer- den kann! Das ist unser Verbrechen! Herr Dr. jur. Melcher war auch so freundlich, aller Welt mitzuteilen, wodurch wir dieses Ver- brechen des Hochverrats begangen haben. (Stampfer verliest die in dem Verbotsschreiben zitierten Absätze des vom„Vorwärts" veröffent- lichten Aufruf des Parteivorstandes.) Als die Delegierten in stürmische Beifallskundgebungen ausbrechen, meint Stampfer, die Delegierten sollten diese Kundgebung unterlassen, sonst begingen sie auch noch Hochverrat!(Große Heiterkeit.) Das Verbot des„Vorwärts" war nur möglich, wenn die Sätze des Aufrufs aus dem Zusammenhang gerissen wurden. Der Parteivorstand fordert auf, den Kamps für die Verfassung zu führen, den Kampf zu führen für einen Reichstag, in dem nach der Reichsverfassung eine Enteignung der Schwer- industrie und des Großgrundbesitzes möglich ist. Eine solche Enteignung kann niemals Hochverrat sein. Wenn die zusammengeschobenen Güter der ehemaligen Dynastien und der Junker nicht ent- eignet werden können, dann hat der ganze Artikel 153 der Verfassung keinen Sinn. Solange das Reichsgericht noch von Richtern besetzt ist, glaube ich nicht, daß die Berechtigung des Verbots anerkannt wird. Sollte sich aber dennoch ein Senat finden, der es tut, so sage ich: Bitte, be- dient euch, hier steht der Hochverräter!(Stür- Mischer Beifall.) Ich werde dann in Leipzig den Herren sagen. was Hochverrat und was Verfassungstreue ist. Und Ich bin überzeugt, daß mit mir Millionen ausstehen werden und sich auch als solche„Hochverräter" bekennen werden, wie wir Sozialdemokraten sind. Das eine sei Hitler heute schon gesagt: Nie- m a l s wird Deutschland römisch werden, weder mit noch ohne h!(Stürmischer Beifall.) Und wenn Hitler uns italienisch kommen sollte, dann wird er die Antwort auf deutsch bekommen! (Wiederholter stürmischer Beifall.) Ein Wort noch, Genossen, zum Thema Einig- k c i t. Wir haben über Einigkeit in der Arbeiter- schaft keine Meinungsverschiedenheit! es gibt keinen Sozialdemokraten, der die Einigkeit nicht sehnlichst herbeiwünscht. Wir erkennen seit Jahren die große Gefahr, die in der dauernden Spaltung liegt. Deshalb gehöre ich zu denen, die bereit sind, einen Strich unter die Vergangenheit zu setzen, natürlich unter der Voraussetzung, daß die anderen es auch tun. Warum sollen wir nicht in einen Meinung?- austausch eintreten, so wie wir Sozialdemokraten unter uns auch diskutieren! aber es muß in an- ständiger Form geschehen. Man muß aufhören, die sozialdemokratischen Führer als Ärbeiterver- räter zu beschimpfen und man muß aufhören mit unaufrichtigen Cinheitsfrontmanövern zu spiele». Meinungsverschiedenheiten werden bleiben, und wir werden nie aufhören uns zum d e m o k r a- tischen Sozialismus zu bekennen. Was unterbleiben muß, ist die böswillige, persönlich gehässige organisationsschädigende Polemik. Biel- leicht haben wir in der Vergangenheit auch Fehler gemacht, aber die Kvmmunisten haben überhaupt nichts anderes als Fehler gemacht. Es war ein verhängnisvoller Fehler, Millionen von Arbeitern zu der Ausfostung zu bringen, die Demokratie be- deute für sie nichts. was es heißt, politische Freiheiten zu verlieren. müssen alle Arbeiter jetzt empfinden: darum kämpfen wir für die Allarbeiterpartei, die unter sozialistischen und demokratischen Fahnen marschiert und deren Donnerwort alle Feinde hinwegfegt.(Stürmischer Beifall.) Nachdem Genosse Otto Meier einen ausführ- lichen Bericht über die Sitzung des Land- tags am Sonnabend gegeben hatte, sprach in der Diskussion Genosse h e i n i g zu dem Skandal der O st Hilfe. Es läge uns nicht daran, eine Hetze gegen die Landwirtschaft schlecht- hin zu inszenieren, wenn wir das Osthilfepanama aufdecken. Unsere Kritik ist ein Akt der Solidarität mit den Millionen aus der Landbevölkerung, die mit Ingrimm zusehen, wie eine dünne Oberschicht sich auf Kosten des ganzen Volkes saniert, während die große Masse der Kleinbauern keinen Pfennig aus der Osthilfe erhält. Von 18 000 RiLerguts- besitzern sind 12 000 östlich der Elbe ansässig und von diesen befinden sich wiederum 10 000 im Siche- rungsverfahren und beanspruchen die Unter- stützung des Reiches Einer der ersten unter ihnen war Herr von Oldenburg-Januschau. Der Sinn der Osthilfe, die eine Reform der Landwirtschaft bringen sollte, ist völlig verkehrt worden, sie ist zu einer Vermögenssicherung einer kleinen Schar von Rittergutsbesitzern geworden. Der Kampf gegen den Osthilfeskandal ist ein Stück des Kampfes gegen die Reaktion. Genossin Wurm sprach über die Außenhandels- Politik der Regierungen Papen und Hitler. Unter dem Handelskrieg würden vor allem wieder die .■"$* BERUH SW19 MXRKISCHES UFER 32 WALLSTRASSE«2, C5 OEPOSITENKASSEi BERLIN SW 68, LINDENSTRASSE 3 FILIALEN U. ZAHLSTELLEN IN ALLEN STSDTEN BANK DER ARBEITER» ANGESTELLTEN UND BEAMTEN, S Grippe? Nach Gebrauch Ihres Grippe Tees Nr. 18 ist meine Mutter wieder völlig gesund geworden. Jda Braun, Kretlam. 43342 Mit Ihrem Grippe- Tee bin ich sehr zufrieden. 56020 Herta Thieß, Pinneberg. Ihr Grippe- Tee Nr. 18 hat mir gute Dienste geleistet. 53497 Olga Nack, Stettin. 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Erscheinen ist Pflicht. Der Borstand. Am 3. Februar starb plötzlich nach kurzem schwerem Leiden mein lieber Mann, der Gastwirt Karl Kiehne im 56. Lebensjahre. Im Namen der Hinterbliebenen Louise Kiehne geb. Riemer. Reinickendorf- Ost, Residenzstr. 9. Die Trauerfeier findet am Dienstag, dem 7. Februar, 19 Uhr, im Krematorium Gerichtstraße statt. Danksagung Für die überaus zahlreichen Beweise herzlicher Teilnahme beim Heimgange meines lieben Mannes aus. Max Kaufmann spreche ich hiermit allen Beteiligten meinen besten Dank Insbesondere danke ich der Abordnung des Reichsbanners Schwarz- Rot- Gold, Abt. Adlershof, der SPD., 105. Abt., sowie dem Redner des Deutschen FreidenkerVerbandes Herrn Lenze für seine überaus trostreichen Abschiedsworte. Rosa Kaufmann und Angehörige. In bester zentraler Lage am Belle Alliance- Platz 7-8 3 Zimmer u. Küche 6½ 8 99 Deutscher Metallarbeiter- Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todesanzeige Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Kollege, der Werkzeugmacher Max Sahm 52 Jahre alt, am 4. Februar gestorben ist. Die Einäscherung findet am Mittwoch, dem 8. Februar, 141/2 Uhr, im Krematorium Baumschulenweg statt. Rege Beteiligung wird erwartet. Nachruf Am 1. Februar verstarb im Alter von 71 Jahren unser Kollege, der Töpfer Gustav Krüger Die Einäscherung hat bereits stattgefunden. Ehre ihrem Andenken! Die Ortsverwaltung. Für die mir in so überaus reichem Maße bewiesene Teilnahme beim Heimgang meines geliebten Mannes Kurt Göldner sage ich allen Kollegen, Freunden und Bekannten auf diesem Wege herzlichen Dank. Anny Göldner, geb. Hoffmann. Danksagung Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme beim Heimgange unseres lieben Sohnes Heinz Woidke sagen wir hiermit allen Beteiligten unseren aufrichtigen Dank! Wilhelm Woidke und Frau. Allgemeine Ortstrantentasse Berlin- Wilmersdorf. Bekanntmachung. Die am 29. November 1932 vom Aus schuß der Allgemeinen Ortskrantentaffe Berlin- Wilmersdorf beschlossene Wahlordnung ist am 13. Januar 1933 vom mit Zubehör Oberversicherungsamt Berlin genehmigt " 99 99 sofort preiswert zu vermieten, evtl. auch als Büroräume. Anfragen erbeten an die LINDENHAUS A.-G., Hausverwaltung Berlin SW 68, Lindenstr. 3 Fernsprecher: A 7, Dönhoff 5190-95 Kleine Anzeigen worden und tritt sofort in Kraft. Die am 22. November 1927 genehmigte Wahlordnung ist somit außer Kraft gesetzt. Ferner machen wir bekannt, daß der 7. Nachtrag zur Kassensazung mit Ausnahme des§ 19 vom Oberversicherungsamt Berlin ab 1. Februar 1933 genehmigt ist. Druckegemplare sind im Kaffenlotal erhältlich. Berlin- Wilmersdorf, 3. Februar 1933. Der Vorstand: M. Engelhardt Vorsitzender wirkungsvoll und billig Uberschriftswort 20 Pf., Textwort 10 Pt. Wiederholungsrabatt: 5mal 5%, 8 mal 7%%, 12 mal 10%; 1000 Worte Abschluß 10%, 2000 Worte 15%, 4000 Worte 20%, 10000 Worte 25%. 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