-v;>; Abend-Ausgabe Nr. 68 B 32 50. Jahrg. SRetaftton und Verlag, Berlin SW 68, Lindenstr. 3 getnfpwelier A 7 Ami Dönhoff U2 blö 21? Telegrammabreff«, Sojlafttmotcal Borli» BERLINER VOLKS BLATT DONNERSTAG 9. Februar 1933 In Groß- Berlin 10 Pf. Auswärts..... 10 Pf. Bezugsbedingungen and Anzeigenpreis« siehe Morgenausgabe Aentealovsa« der Sozialdemokratischen Partei Neutschlands Ist Göring auch Außenminister? KaiastropKale Wirkung eines Telegramms Sofort! Sofort! Sie werden gleich bedient! Eine beliebte Figur des älteren Lustspiels war jener Kellner, der über die Bühne hetzt und, von einem hungrigen Gast angerufen, mit einem stereotypen„Sofort!" antwortet. Dann verschwindet er in der Kulisse und der hungrige Gast wartet weiter. Das wiederholt sich so drei-, viermal im Akt und erregt bei den Zuschauern steigendes Ver- gnügen. Deutschland erlebt jetzt eine ähnliche Szene, die aber den hungrigen Menschen gar kein Vergnügen bereitet. In hunderttausend Reden haben die Nazis der Bevölkerung angekündigt, was alles sofort nach ihrer Machtergreifung geschehen würde. In ihren Reden und Darbietungen strotzten sie form- lich vor Energie, so daß man meinte, diese müsse sich bei der ersten Gelegenheit knallend entladen. Ihr Drang zur Rettung des deut- fchen Volkes schien unbezähmbar, und immer wieder wurde versichert, daß nur die der- zeitigen„Machthaber" und das„System" gewaltsam an Betätigung hinderten. Es hat auch nicht an konkreten Einzeloer- sprechungen gefehlt.„2 4 Stunden nach unserer Machtergreifung sind die Popens chen Notverordnun- gen restlos aufgehoben", so hat Joseph Goebbels— noch gar nicht lange ist es her— im Sportpalast schwadroniert, „M illionen Schaufeln und Spa- ten setzen sich sofort in Bewe- gung, die Arbeitslosigkeit hört in kurzem auf!" Jetzt hat uns der Reichskanzler Hitler allerdings verraten, daß er in d i e s e r Ton- art nur als Parteiagitator, aber nicht als l e i t e n d e r S t a a t s m a n n sprechen könne. Bezeichnend ist, was man sich an Berliner Stammtischen zuraunte: Ganz Berlin sei von Flugzeugen aus photo- graphiert und man habe auf Plänen genau alle Stellen notiert, wo Durchbrüche, Straßenverbreiterungen usw. geboten seien. Es brauche nur auf den Knopf gedrückt zu werden, dann werde dieses Programm in Angriff genommen. Es mag ja nun Leute geben, die immer noch an ein solches. Programm glauben, dessen Durchführbarkeit aber nicht von Flug- zeugaufnahmen, sondern in erster Linie von vorhandenen Geldmitteln abhängen würde. Aber selbst sie müssen sich fragen: Warum mußten jetzt zehn wertvolle Tage nutzlos verstreichen, wenn ein solches Programm existierte? Warum mußten die Arbeitslosen diese zehn Tage weiter hungern, wenn nur auf den Knopf gedrückt zu werden brauchte? Darauf gibt es keine Antwort. Die Nationalsozialistische Partei steht jetzt wie vor einigen Dutzend Jahren jene franzö- fische Madame Humbert vor dem Kassen- schrank, der die geheimnisvolle Millionen- erbfchaft enthalten sollte. Nun ist der Augen- blick da, wo der Tresor vor den jahrelang vertrösteten, ungeduldig harrenden Gläubi- gern geöffnet werden muß, und jetzt wird sich zeigen, daß— wie im Fall der Madame Humbert— nichts darin ist. Unter den Leuten, die damals auf das Millionengerede der Madame Humbert und ihren leeren Geldschrank hereingefallen sind, waren erste Geschäftsleute, für klug gehaltene Bankiers. An die Versprechungen der Natio- nalsozialistischen Partei hat auch so mancher geglaubt, der sich für erfahren und Urteils- fähig hielt. Und nun die leere Schublade! Aber da unter ihnen eine Anzahl Bibel- feste fein werden, so wird ihnen vielleicht bei diesem Anblick das Wort der Schrift ein- fallen:„Sehet, Ihr seid nichts und Ihr habt nichts, und Euch zu wählen ist ein Greuel." Stockholm. 9. Februar. Wie schon gemeldet, hat der deutsche Reichs- minister G ö r i n g der Redaktion der„Götedorger Handels- und Seefahrts-Zeiwng" ein impulswes Telegramm geschickt, das auf die deutsch-schwedi- scheu Beziehungen höchst schädlich gewirkt hat. Der Wortlaut des unglücklichen Dokuments wird jetzt von der genannten Zeitung wiedergegeben. Da- nach handelt es sich um ein Staatstelegramm dieses Inhalts: „Zch protestiere auss schärfste gegen den in Ihrer Zeitung unter der Rubrik„heule" vom Z. Februar veröffentlichten Ausspruch über den deutschen Reichskanzler. Als aufrichtiger Freund des schwedischen Volkes erblicke ich in einer solchen schmutzigen Auslassung eine e r n st e Gesahr für die sreundschastlichen und herzlichen Beziehungen zwischen beiden Völkern. Ehe andere Rlaßnahmen ergriffen wer- den. erbitte ich Rlitteilung, inwiefern Ihre Re- daktion in Zukunft gegen solche Aeutzerungen ein- zuschreiten gedenkt,(gez.) Göring, Reichsminister." In welcher Art die Redaktion der angesehenen, übrigens ziemlich weit rechts stehenden Zeitung „einzuschreiten" gedenkt, zeigt ihre Antwort. Schon die Ueberschrist„Komik und Ernst" ist bezeichnend. Gormg, heißt es dann, scheine Schweden für«in Anhängsel Deutschlands zu halten und sich ein Herrenrecht über die schwedische Presse anzumaßen. Schweden gehöre aber glücklicherweise nicht zu Deutschland. Weiter ist von einer Verfinsterung Deutschlands die Rede, von einem Rückfall in die Barbarei, von einer Erniedrigung, aus der sich das deutsche Volk hoffentlich ohne allzu große Opfer wieder erheben werde. Der ungewöhnlich scharfe Artikel, der auch sehr kräftige Urteile über die augenblicklichen Be- Herrscher Deutschlands enthält, wird von dem größten Teil der schwedischen Presse zustimmend abgedruckt. ★ Nachdem die Affäre des„Morgenrot"-Films in England starkes Mißbehagen ausgelöst hat, nachdem die Drohungen der deutschnationalen Presse wegen der Zulassung Nöltings als Rund-- funkredner in Holland heftig oerstimmend ge- wirkt haben, ist nun durch ein unüberlegtes Tele- gramm auch in Schweden eine starke Aus- regung gegen Deutschland entstanden. Es ist ein ausgesprochenes Pech, daß es sich in allen drei Fällen um germanische Länder handelt, in denen der neue Kurs Deutschlands peinliche Ver- stimmungen schafft, und daß gerade dort dieser Kurs die schärfste Ablehnung findet. Im übrigen nehmen wir an, daß Herr von R e u r a t h sich noch heute mit Herrn Göring über die Frage unterhalten wird, wer eigentlich deutscher Außen- minister ist. Von zuständiger Seite wird zugegeben, daß der Gesandte von Rosenberg ohne Austrag Pari«. 9. Februar. Tn einem Artikel der ,Kre Rouvelle" über die ernste außenpolitische Lage schreibt H e r r i o l zu den Vorgängen in Preußen: „Das Reich will den Staat vernichten, der unter dem kräftigen Antrieb von Männern wie Braun ausrichtig versucht hat, ein demokratisches Programm durchzuführen. Bayern scheint sich mit Preußen, mit dem Recht und der Verfassung zu solidarisieren. Aber diese juristischen Diskussionen, in denen sich einige mutige Männer wie Adenauer herumschlagen, ähneln schrecklich B e- crdigungssormalitäten. Und die Machenschaften des Kronprinzen werden immer beunruhigender. Man kann für die deutsch« Sozialdemokratie alles befürchten. Ts wäre aber ungerecht, zu behaupten, daß die Sozialdemokratie nicht mehr in Deutschland existiert. Bei der Kundgebung der Eisernen Front im Lustgarten aus Berlin zu linden gegangen ist, um sich über die Haltung der Stockholmer Presse zu be- schweren. Jedoch wird behauptet, der stellvertre- tende Außenminister linden habe„Verständnis" gezeigt und versprochen, auf die Presse einzu- wirken. Bon einem solchen Verständnis und Versprechen ist nach unserer Unterrichtung in Stockholm nicht das geringste bekannt. Görings Telegramm nach Göteborg wird als „private Initiative" bezeichnet. Göring hat übri- zens gleichfalls aus privater Initiative M u s s o° [int antelegraphiert und eine begrüßende Ant- wort bekommen. Danach ist es vielleicht an der Zeit, daß Herr Göring der Ordnung halber das Auhenminifterium ganz übernimmt. Und wie denkt darüber Herr von Neurath? hat Wels eine mutige Rede gehalten, die eine ungeheure Menge zu billigen schien. Aber der Hillerismus sucht augenscheinlich seinen Gegnern einen Vorsprung abzugewinnen. Er sindet außerhalb Deutschlands Unterstützungen, an denen man nicht mehr zweifeln kann. Wir erhalten darüber seltsame 3n- s o r m a t i o n e n. Unsere südslawischen Freunde sind nicht weniger beunruhigt wie unsere polnischen Freunde." * Weiteren Meldungen aus Paris zufolge soll dieser Artikel Herriots nur die Gedankengänge wiedergeben, die er am heutigen Tag« im Aus- wältigen Ausschuß der französischen Kammer ent- wickelt hat. Dabei soll Herriot insbesondere auf die Wahrscheinlichkeit eines deutsch-italieni- sehen Geheimbündnisses hingewiesen haben, das sich innerlich gegen Polen wie gegen Jugoslawien und damit letzten Endes gegen Frankreich richte. An diese Ausführungen Herriots soll sich eine lebhafte Debatte geknüpft haben, wobei Herriot davon sprach, daß die Reichsregierung einen Kreuz- zug gegen das bolschewistische Rußland pro- pagiere. Die Vildung der Regierung Hitler werde jedoch insofern für Frankreich etwas Gutes be- wirken, als sich nunmehr Rußland Frank- reich nähern dürfte. Die Bescherung �ollerhöhung— einzige Leistung ReichserNährungsmlnisler hugenberg hat eine ganze Reihe Zoklerhöhungen für lebendes Vieh und Fleisch verordnet, da im Inland genug davon vorhanden und preise außerordentlich niedrig seien— nämlich im Zndex. Die Millionen Erwerbslosen und Vedürstigen, die Lohnabgebaulen usw. werden die Preise nicht so niedrig finden. Die Zollsähe pro Doppelzentner iverden ab 15. Februar erhöht: für lebendes Rindvieh auf 50, lebende Schafe auf 45, lebende Schweine auf 50, Frischfleisch aus 100, einfach zudercileles Fleisch aus 150, Fleisch zum seinen Taselgebrauch aus 280 M. Zur Frage Einheitsfront Line Stimme aus Wen Die Wiener„Arbeiter-Zeitung" schreibt: „Ein Blick in die sozialdemokratische und in die kommunistische Presse Deutschlands zeigt deutlich «inen ganz unbestreitbaren Unterschied. D i e sozialdemokratischen Blätter, auch die- •Der leiste Weg des Wlordopfers Am Mittwoch wurde in Staßfurt unter Riesenbeteiligung dem von einem Nazijungen ermordeten sozialdemokratischen Bürgermeister und Landtagsabgeordneten Kasten eine würdige Trauerfeier veranstaltet.'Reichsbannerkameraden trugen den Sarg. Die Einäscherung sollte in Magdeburg erfolgen. Doch mußte sie in letzter Stunde abgesagt werden, weil nach dem preußischen Feuer- bestattungsgesetz Personen, die durch Verbrechen zu Tode gekommen sind, nicht eingeäschert werden dürsten. Aus diesem Grunde war die polizelliche Genehmigung versagt. Die Einäscherung erfolgte in dem anhaltischen Bernburg. Herriot Wer das Hitler-Regime Russisch-französische Annäherung im Gange? jenigen, die früher gegen die Kommunisten eine ungemein scharfe Sprache führten, bemühen sich sichtbar, die Notwendigkeiten der Stunde zu erkennen und dem Gedanken der Einigkeit der Arbeiterklasse Raum zu geben. Die fommunistischen Blätter verhalten sich ebenso unverkennbar noch immer schärfstens a b= lehnend. Noch immer haben die Kommunisten nichts andres im Sinn, als die Sozialdemokraten anzugreifen. Noch immer scheinen sie zu glauben, der drohende Faschismus sei eine Gelegenheit, auf Kosten der Sozialdemokratie Parteivorteile zu erringen. Noch immer handeln sie nach der verblendeten und verhängnisvollen Parole: die Sozialdemokratie ist der Hauptjeind! Und noch immer scheinen sie nicht zu verstehen, daß in Deutschland mehr auf dem Spiel steht als selbst das Schicksal der Kommunistischen Partei allein. Als 1919 die kommunistische Politik in Mitteleuropa zum Zusammenbruch der ungarischen Räteregierung, zur Unterwerfung der ungarischen Arbeiter unter den blutigen Terror der HorthyDiktatur geführt hatte, da bedeutete dies in Desterreich den politischen Zusammenbruch, die moralische Liquidierung der Kommunistischen Partei. Wenn morgen in Deutschland durch die Schuld der Kommunisten ein Schritt ungetan bleibt, um dem drohenden Faschismus den Weg zu versperren- dann wird die moralische und politische Verantwortung der Kommunisten für dieses Unheil noch ungleich größer sein." Wieder eine Terrornacht Nazi- Waffenlager in der Augustastraße entdeckt Die letzte Nacht ist wieder außerordentlich unruhig und blutig verlaufen. Die Pistolen faßen wieder sehr locker in den Taschen der Berliner SA. und fünfschwerverlette kommunisten find die Bilanz dieser Terrornacht! Die Schießerei am Brabanter Play in Wilmersdorf, über die der„ Vorwärts" bereits berichtete, hat sich nach den eingehenden polizeilichen Ermittlungen einwandfrei als ein regelrechter Feuer überfall der Nazis auf Kommunisten herausgestellt. Um 23 Uhr, als eine Gruppe Kommunisten nach einer Versamm lung in den Spichern sälen, die in Ruhe ver laufen war, ihren Wohnungen zustrebten, tamen aus der Parezzer Straße mehrere S.- Leute, die ohne jeden Anlaß auf die Kommunisten Pistolenfeuer eröffneten. Drei Kommunisten, eine 26 Jahre alte Frau Alice Radzey, ein 23 Jahre alter Georg Zimmermann und ein 24jähriger Albert Forberg wurden von den nationalsozialistischen Kugeln getroffen und schwer verletzt. Als das alarmierte Ueberfallkommando am Tatort anlangte, hatten die feigen SA.- Schützen bereits das Weite gesucht. An der Stelle, von der die Pistolensalve auf die Kommunisten abgegeben worden war, fanden Polizeibeamte noch 10 leergeschossene Ba tronenhülsen. Im Anschluß an den Feuerüberfall wurde das nationalsozialistische Ber Pehrslokal in der August a straße durchsucht. Dabei fanden die Schupobeamten in der Regelbahn versteckt folgende Mordwerkzeuge: 11 Pistolen verschiedenen Kalibers, eine Anzahl Pistolenmagazine und zahlreiche Munition. Ilm es vorweg zu nehmen: ein zweites Waffenager wurde in der Nazikneipe in der Neuen Bahnhofstraße in Lichtenberg entdeckt. Dort beschlagnahmten Polizeibeamte 3 Mehrladepiftolen, 2 Trommelrevolver und 1 Stahlrute! Das iſt lediglich das Resultat aus der Durchsuchung zweier Naziverkehrslokale was erst würde eine syste= matische Durchsuchung aller Berliner Nazikneipen und SA.- Kasernen zutage bringen? Eine weitere schwere nächtliche Schießerei spielte sich in der Cauerstraße Ede Berliner Straße in Charlottenburg ab. Gegen 12 Uhr trachten dorf minutenlang in unaufhörlicher Folge Pistolenschüsse. Als Polizeibeamte hinzueilten, fanden sie zwei Männer mit schweren Schußperlegungen blutüberströmt auf. Die Verletzten, der 21 Jahre alte Handlungsgehilfe Gerhard For aus der Rosinenstraße und der 22 Jahre alte Arbeiter Albert Staege aus der Rosinenstraße wurden mit Rücken- und Beinschüssen ins Westendkrankenhaus gebracht. Beide gehören der Kommunistischen Partei an. Die Schießerei hatte die ganze Gegend in hellen Aufruhr gebracht. Nach den bisherigen polizeilichen Feststellungen waren die Gegner der Straßenschlacht Nationalsozialisten und Kommunisten. Ob von den Kommunisten auch gefeuert wurde, steht noch nicht fest. Als die Polizei die Straße absuchte, wurden 40 feer geschossene Patronenhülsen gefunden. Von den Tätern, die die beiden Kommunisten niedergeschossen hatten, war keine Spur mehr zu entdecken. Im weiteren Verlauf der ereignisreichen Nacht kam es an mehreren Stellen der Stadt noch zu verschiedenen Zwischenfällen, die jedoch unblutig verlaufen sind. Hitlerleute sprengen sozialdemokratische Versammlungen Eigener Bericht des ,, Vorwärts" Braunschweig, 9. Februar. In Braunschweig wurde eine sozialdemokratische Bersammlung von der Polizei aufgelöst, well zwischen Reichsbannermitgliedern und 300 Nationalsozialisten, die den Saal vorher besetzt hatten, eine Schlägerei ausgebrochen war. Etwa 12 Personen wurden leicht und zwei Personen schwer verletzt. Die Polizei räumte den Saal mit dem Gummifnüppel und dem Säbel. Die Nazis wollten die Bersammlung unmöglich machen, weil sie die systematische Aufklärungsarbeit der Braunschweiger Sozialdemokratie fürchten. Sie hoffen, daß in Jufunft die Polizei alle fozialdemokratischen Berfammlungen verbieten wird. SA.- Sturm auf Landschulheim In der Nacht zum Mittwoch hat ein großer Trupp SA.- Leute aus Goslar und Umgegend das Landschulheim des weltlichen Elternbundes in Wolfshagen am Harz überfallen und fämtliche Fenster eingeschlagen. Die Landjägerei fonnte nicht zur Hilfe gerufen werden, weil die Angreifer die Telephonleitung durchschnitten hatten. In dem Schulheim find zur Zeil 100 Reichsbannerlegte des freiwilligen Arb dienstes untergebracht. am Ueberfall in Königsberg Königsberg, 9. Februar. In der Nähe des Gewerkschaftshauses wurden Mittwochabend Reichsbannerleute von Nationalsozialisten überfallen. Die Nazis hatten sich schwer bewaffnet verborgen gehalten und stürzten hinterrücks auf die ahnungslos heimkehrenden Reichsbannerleute. Drei von diesen wurden schwer, einer wurde leicht verletzt. Ein Nationalsozialist trug gleichfalls Berlegungen davon. Als das Ueberfallkommando eintraf, waren die Braunhemden verschwunden. Deutsche Preffe.Not ,, Verwarnung" in Karlsruhe Die badische Regierung hat dem sozialdemokratischen Boltsfreund" in Karlsruhe eine Berwarnung erteilt, weil er am Dienstag einen Artikel mit der Ueberschrift ,, Was Hitler nicht sagt" veröffentlicht hat, in dem eine bös= willige Verächtlichmachung der Reichsregierung erblickt wird. Von einem Verbot des „ Volksfreund" wurde nur abgesehen, weil die betreffende Nummer des Volksfreund" am Tage des Inkrafttretens der neuen Notverordnung erschienen sei und die zu beanstandenden Stellen wohl schon vorher verfaßt worden seien. Landkreise fordern Druck auf Hitler Der Landkreistag hat an den Reichsfanzler ein Schreiben gerichtet, in dem er darauf hinweist, daß die bisherige Organisation der Arbeitslosenfürsorge in Zukunft für die Fürjorgeverbände nicht mehr haltbar sei. Das fortdauernde Anwachsen der Wohlfahrtserwerbslosen bedrohe die Finanzlage der Landkreise auf das ernsteste. Die bisherige Dreiteilung der Arbeitslosenhilfe sei aus finanziellen, fürsorge- und ver= waltungspolitischen Gründen nicht mehr erträglich. Es müsse eine Zusammenfassung von Krisenfürsorge und Wohlfahrtserwerbslosenfürsorge finanziell und organisatorisch erfolgen. Wetter für Berlin: Ziemlich trübe und sehr mild, etwas Regen, auffrischende südwestliche Winde. Für Deutschland: Ueberall mild, meist bedecktes Wetter, vielfach leichte Regenfälle. Auch im Often Temperaturanstieg. Das Kabinett an der Arbeit. Am Freitag Kanzler- Rede, Sonnabend spricht Sugenberg. Ueberschriften aus einem Hugenberg- Blatt vom Mittwoch. Dazu Mitteilung der Reichsrundfunk Gesellschaft: Der Deutsche Rundfunt überträgt am Freitag von 8.30 bis 9.45 Uhr abends aus dem Sportpalast Berlin eine Rede des Herrn Reichskanzlers Hitler und am Sonnabend von 8.30 bis 9.45 Uhr abends eine Rede des Reichs= ministers Dr. Hugenberg. Am Sonnabend vormittags von 10 bis etwa 10.45 Uhr überträgt der Deutschlandsender die Eröffnung der Berliner Internationalen Autoausstellung mit einer Ansprache des Herrn Reichskanzlers Hitler. Angeschlossen sind die Berliner und Hamburger Sendegruppen. Die übrigen Sendegesellschaften bringen die Sendung im Laufe des Tages auf Wachs...! 800 10 Polizei- Tragödie Selbstmord eines Oberleutnants Vor feiner Wohnung in der Straße Am Fenn 1 in Steglih erschoß sich in der Nacht der Polizeioberleutnant Walter Berneite. Der Offizier war im vergangenen Jahre Stellvertreter des Reviervorstehers von 121 in der Spreestraße in Charlottenburg. Er leitete eines Tages tion. eine Erwerbslosendemonstra= Am Tage darauf kam es zu einem 3wischenfall, der ein Disziplinar= verfahren im Gefolge hatte. Auf einem Kontrollgang suchte B. in Begleitung eines Wachtmeisters ein Lokal in der Wilmersdorfer Straße auf. In dem Waschraum fielen mehrere Schüsse. Berneike gab seinerzeit an, daß er die Waffe des Wachtmeisters als dieser vor ihm die Toilette aufgesucht hatte an sich genommen hatte, um sie nicht unbeaufsichtigt am Kleiderständer hängen zu lassen. Als er später selbst in den Waschraum ging, lösten sich bei unvorsich tigem Hantieren mehrere Schüsse. Mit der Zeit hatten sich bei Berneike, der bereits 40 Jahre Paßfälscher gefaßt Razzia in der Dragonerstraße Bei einer überraschenden Ra 33ia gelang es heute früh der Fremdenpolizei, zusammen mit der Kriminalpolizei, im Hause Dragonerffr. 2 eine Paßfälscherwertffatt auszuheben. Der Leiter des Unternehmens und der Hersteller der Falsifikate ift der 35 Jahre alte Tischler Hans Wontorra. Er wurde festgenommen und ins Polizeipräsidium eingeliefert. Das Material, das mehrere Handtoffer füllte, ift ebenfalls beschlagnahmt worden und wird zur Zeit einer eingehenden Besichtigung unterzogen. Seine Helferin war ein junges Mädchen, die bei ihm wohnte. Auch jie wurde mit verhaftet. Außer ihr müssen aber Wonforra noch mehrere Komplicen als Schlepper gedient haben. Die Affion ist noch nicht beendet. Rövers Dant Maulkorb für Lehrer Der Nazi Regierung in Oldenburg ist es auf die Nerven gefallen, daß die von ihr mißhandelte Lehrerschaft sich des öfteren hilfesuchend an die Presse gewandt hat. Besonders ist es ihr unangenehm gewesen, daß die Lehrer Kenntnis gaben von der Vermeigerung einer ordnungsmäßigen Gehaltszahlung durch den Staat und von der Unfähigkeit zahlreicher Gemeinden, Gehaltsalt ist, nervöse Erscheinungen gezeigt. Er suchte deshalb das Staatstrantenhaus auf. Am Mittwoch wurde er von dort entlassen. In den Abendstunden verließ er seine Wohnung. Gegen 1 Uhr 45 Minuten fam er zurück und jagte sich vor seinem Hause eine Rugel in den Kopf, die sofort tödlich wirkte. Berneike hinterläßt eine Frau und ein 9 Jahre altes Töchterchen. * Am Bahnhof Gesundbrunnen spielte sich in den gestrigen späten Abendstunden ein aufregender Vorfall ab. Ein junges Mädchen erflomm plöglich das Geländer der Millionenbrücke und stürzte sich auf die Gleise der Vorortbahn hinab. Von Bahnbeamten wurde die Lebensmüde geborgen und schwerverletzt ins Birchowkrankenhaus gebracht. Das Befinden des Mädchens, es handelt sich um eine 15jährige Gertrud 3. aus Reinickendorf- Rosenthal, ist sehr ernst. Das Motiv zur Verzweiflungstat der Jugendlichen ist noch ungeklärt. Die Eltern des Kindes stehen vor einem Rätsel! zahlungen überhaupt zu leisten. Um den Lehrern einen Maulkorb anzulegen, haben jetzt die NaziMinister den Lehrern verboten, den 3eitungen Berichte über Versamm= lungen und Beranstaltungen sowie über Borkommnisse dienstlicher und außerdienstlicher Art zu übermitteln! Falsche Sparsamkeit. Geburtshilfe in Moabit muẞ bleiben! Nach einem Borschlag des Stadtmedizinalrates Dr. v. Drigalsti plant der Magistrat eine Sparmaßnahme, die den schärfften Protest der Moabiter arbeitenden Bevölkerung findet. Jm Moabiter Krankenhaus genießt die von Dr. Jojeph geleitete geburtshilfliche Abteilung mit Recht einen besonderen Ruf. Diese Abteilung, die besonders start von Arbeiterfrauen aufgesucht wird, soll aus„ Ersparnisgründen" aufgelöst werden. Die Betten sollen zum Teil auf das VirchowKrankenhaus und zum Teil auf das Krankenhaus in Westend verteilt werden. Das aber würde bedeuten, daß der dicht bewohnte Moabiter Stadtteil zukünftig überhaupt ohne eine geburtshilfliche Abteilung sein würde. Den beschwer lichen Weg nach Westend oder in das VirchowKrankenhaus werden die wenigsten Arbeiterfrauen machen können. Außerdem sieht man kaum eine Ersparnismöglichkeit, wenn die Abteilung lediglich auf andere Krankenhäuser verteilt wird. Die legte Sigung der Bezirksversammlung Tiergarten beschäftigte sich mit diesem Plan des Magistrats. Die Versammlung nahm einmütig gegen den Abbauplan Stellung. Im Moabiter Krankenhaus werden im Durchschnitt jeden Monat 1000 Kinder geboren. Die Gesundheitsdeputation hielt fürzlich im Rathaus eine Sigung ab. Es wurde bekanntgegeben, daß im Arbeitsbeschaf fungsplan der Stadt Berlin 400 000 m. für das Röntgen- Institut im Rudolf- VirchowKrankenhaus, 355 000 m. für das Rönt gen- Institut im Krankenhaus Friedrichs= hain und 800 000 m. für den Umbau der Heizungs- und Warmwasserbereitungsanlage in den Wittenauer heilstätten eingesetzt worden sind. Der Bau der Röntgen- Institute soll noch im Jahre 1933 fertiggestellt werden. Rotters fizzen sicher Liechtenstein liefert nicht aus Die Staatsanwaltschaft I hat jetzt über das Auswärtige Amt beim Fürstentum Liechtenstein den Antrag gestellt, die Gebrüder Rotter aus= zuliefern. Diesem Ersuchen wird vom Fürstentum Liechtenstein feinesfalls stattgegeben werden, da in Liechtenstein Staatsangehörige an andere Länder nicht ausgeliefert werden. Im Zusammenhang mit der weiteren Fahndungsaktion hat die Staatsanwaltschaft an die Schweiz und an Desterreich das Ersuchen gerichtet, die Rotters auf Grund des gegen sie erlassenen Haftbefehls und Stedbriefes bei einem etwaigen Ueberschreiten der Liechtensteiner Grenze unverzüglich festzunehmen. Milde für Nazis! Sprengstoffanschläge in Heidersdorf Vor dem Görliger Schwurgericht hatten sich am Dienstag fünf Nationalsozialisten, und zwar der Hilfsförster Schlieder aus Nieder- Linda, der Feinmechanifer Martin Rothe aus NiederLinda, der Waldarbeiter Franz Skoda aus Lauban, der Reichsbahnoberschaffner i. R. Küfter aus Lauban und der Melker Werner Krüger aus Linda wegen Sprengstoffverbrechens zu verantworten. Sie haben in der Nacht zum 9. August nach vorheriger Erfundigung über die Hausverhältnisse in den Laden des Kon= jumpereins in Heidersdorf( Kr. Lauban) eine Flasche Benzin und hinterher eine Handgranate geschleudert, die aber nicht explodierte. Die Tat ist auf Anordnung des flüchti gen Sturmbannerführers von Man= stein Nieder- Linda ausgeführt worden. Die Angeklagten waren im großen und ganzen geständig. Das Gericht sah nur bei den Ange= flagten Rothe und Skoda versuchtes Berbrechen gegen das Sprengstoffgesetz als vorliegend an und verurteilte diese Angeklagten zu neun bezw. sechs Monaten Gefängnis. Die übrigen Angeklagten wurden auf Kosten der Staatstaffe freigesprochen. Die Untersuchungshaft wurde bei den Verurteilten auf die Strafe an= gerechnet. Die Haftbefehle wurden aufgehoben. Prinzenwirtschaft Vor dem Amtsgericht Potsdam fand heute die Zuschlagserteilung für das prinzliche Rittergut Saarmund bei Potsdam statt, das vor einigen Wochen zwangsvollstreckt wurde. Den Zuschlag erhielt die Domag( Domänenverwaltung) Berlin mit 250 000 Mart. Die Domag hatte dem Prinzen Friedrich Leopold Vater seinerzeit 155 000 Mart auf das Rittergut geliehen. Rotes Land! Sozialdemokratischer Fortschritt in Bremen Eigener Bericht des„Vorwärts Bremen, 8. Zebruar. Das bremische Landgcbiei wählte Ende v. 2. die Gemeindevertretungen, wobei die Sozialdemokratie einen großen Wahlerfolg er- zielte. Diese Gemeindeausschüsse wählten nun dieser Tage den Kreistag. Bei dieser Wahl gewann die Sozialdemokratie einen neuen Sih, so daß jetzt 12 Sozialdemokraten sieben Bürgerlichen im Kreistag gegenüberstehen. Dieser Kreistag wählt den S r e i s a u s s ch u ß als die ausschlaggebende Bcrwaltungskörperschast des bre- mischen Landgebietes. Dieser Kreisausschuß seht sich nunmehr zusammen aus 4 Sozialdemokraten und 2 Bürgerlichen. Nazis und Kommunisten sind überhaupt nicht vertreten. Da auch der Landesherr jLandratj Sozialdemokrat und stimmberechtigt ist, ist nunmehr das Stimmver- hällnis im Kreisausschuh S Sozialdemokraten gegen 2 Bürgerliche. Die wandatszahl und der Einfluß der Sozialdemokratie im bremischen Land- gebiet war seit der Novemberrevolution noch nie so stark, wie jetzt unter der Kanzlerschaft Hitlers. Geheimnis des Ministerpräsidenten Die Reichsfinanzen (jesamtdekizit 1,34 Milliarden Mit dem jetzt veröffentlichten Dezemberergebnis läßt sich die Entwicklung der Reichsfinanzen in den ersten neun Monaten(April bis Dezember) des laufenden Finanzjahres 1932/33 gewinnen. Die Einnahmen im ordentlichen Etat find mit 5568.K Millionen um 609,5 Millionen Mark hinter dem veranschlagten Einnahmesoll zurückgeblieben: andererseits betrugen aber auch die Ausgaben nur 5738,9 Millionen, das sind 558,5 Mill. Mark weniger als im Voranschlag eingesetzt waren. Das Defizit aus dem laufen- den Finanzjahr beträgt somit 170,3 Millionen. Dazu kommt noch ein Fehlbetrag von 18,6 Mill. ?apier! Wchts als Papier! Mark im außerordentlichen Haushalt, so daß sich einschließlich der aus den Vorjahren über- nommenenFehlbeträgeein(Besamtdefizit von 1,34 Milliarden Mark ergibt. Ledenkkeier der Studenten Der Deutsche«tudentenverband, die«pigcn- organisation der republikanischen Studentenschait, hat zum Freitag zu einer Gedenkfeier auf den hegelplatz zu 11 Uhr ausgerufen. Die repu- blikanische Studentenschaft will in feierlichem Protest ihres in Breslau von Nationalsozialisten ermordeten Kameraden stuä. ing. Walter Stein- feld gedenken und zugleich ihren Kampfwillen fiir die Freiheit bekunden. „Frühlingestürme" ueubeseht. Im„Theater im Admiralspala st" bleibt Weinbergers neue Operette weiter auf dem Spielplan. Gestern fang sfatt der Noootna zum erstenmal Mary Loffeff die Lydia. Sie brachte einen leichteren Ton in die Opernschwere und beflügelte dadurch die ganze durch sorgsame Inszenierung und vor- treffliche Besetzung(Tauber, homolna, Arno) aus- gezeichnete Aufführung. Das Winterfeit der Buchgcmeinichast findet Sonn abend im Zoo zugunsten der Bübnengenossenschafl statt. Zahlreiche Künstler werden anwesend sein. Kant-tLesellschast. An Stelle des erkrankten Pros. Karl Mannheim, der Sonnabend, 8 Uhr, in der Uni- dersität einen Vortrag halten sollte, wird Pros. Arthur Lieber« über„Die Wendung in der gegenwärtigen Philosophie" sprechen. „Astrologie und Horoslopie" heißt das Thema des Portragsabcnde,- den die 2 e s s i n g- H o ch s ch u l c Freitag, 7.30 Uhr, Nikolsbnrger Platz ö, veranstaltet. Anhänger und Kritiker diskutieren. IV. Tanzmatiuee der Volksbühne. Lotte Goslar und Erika Lindner tanzen Sonntag, vorm. 11.30 Uhr, im Theater am Bülowplatz. Platzkarten 1,50, 2,— und 2,50 M. bei Tietz, Wertheim, Karstadt, Bote u. Bock, nn kdB. und m der Theaterkasse(10—3 Uhr>. Paris. Anfang Februar. „Das Linkskartell ist endgültig zusammengebrochen", jubelten am Mor- gen nach dem Sturz Paul-Boncours die groß- kapitalistischen und klerikal-chauvinisti- scheu Blätter, die seit Tagen gegen das Kabinett Boncour und seine Linksmehrheit einen von geradezu berserkerhafter Wut beseelten Feld- zug geführt hatten. Auch im sozialistischen Lager gab es führende Genossen, wie Pierre Renaudel, die h e r r i o t ganz offen beschuldigten, der Links- Mehrheit einen tödlichen Stoß versetzt zu haben. Im Palais des Präsidenten der Republik wurde man sich jedoch rasch klar darüber, daß den Um- ständen zum Trotz, unter denen das Kabinett Boncour gestürzt worden war, keine M ö g- l i ch k e i t bestand, etwa einen zur Rechten oder zum Zentrum gehörenden Politiker mit der Bil- dung des neuen Kabinetts zu beauftragen. So wie die Parteikräfte in der gegenwärtigen Kam- mer verteilt sind, könnte sich nur dann eine auch die Rechte umfassende Mehrheit ergeben, wenn ein Teil der von cherriot geführten Radikal- sozialisten bereit wäre, an einer sogenannten „nationalen Einigreits"-Regierung teilzunehmen. Gewisse Führer der früheren Rechtsmehrheit, wie Andre Tardieu und F l a n d i n, haben die Hoffnung nicht aufgegeben, dieses Ziel noch zu erreichen: daß die„Situation dafür noch nicht reif ist", geben sie selber zu. Und so haben denn all die vielen Parteiführer, Kommissionsvorsitzenden, ehemaligen Minister- Präsidenten, Techniker und sonstigen Ratgeber, die der Präsident der Republik, den Traditionen ent- sprechend, auch diesmal wieder hörte, ehe er feine Wahl traf, geraten, einen Radikalen zu be- rufen. Daß die Wahl schließlich aus Edouard D a l a d i e r fiel, überraschte niemanden. Daladicr gilt als einer der Führer des linken Flügels der Herriot-Partei: als solcher war er auch im Herbst 1929 zum Vorsitzenden der Partei gewählt worden. Jedermann wußte, daß Daladier der sozialistischen Partei die Beteiligung an seinem Kabinett anbieten würde Hatte er doch das- selbe Angebot an die Sozialisten schon 1929 ge- macht und damals auf die Bildung der Regierung verzichtet, als der sozialistische Kongreß mit etwa 1500 gegen 1400 Stimmen die Regierungsbetei- ligung ablehnte. Daladier und die Sozialisten Der erst« Kontakt allerdings, den die D c l c- gation der sozialistischen Kammer- f r a k t i o n— Leon Blum, Bracke, Compcre- Morel, Frossard, Morizet, Vincent-Auriol und Renaudel— mit Daladier hatte, muhte den Ein- druck entstehen lassen, daß es diesem ernsthaft darum zu tun wäre, die sozialistische Beteiligung zu erlangen. „Ich habe die Absicht, der sozialistischen Partei das Vizepräsidium und fünf Minister- Posten anzubieten, erklärte er. Die Lage ist schwer. Wjr müssen uns auf harte Kämpfe gefaßt machen. Das Land macht eine moralische und ökonomische Krise durch. Die Republik wird in schamloser weise angegriffen: wir müssen sie schützen. Die Reaktion veranstaltet überall Kundgebungen. In einzelnen Departements haben agrarische Ele- mente versucht, die Präfettur zu stürmen. Wir sind in die Zeiten der Dreyfus-Affäre zurückver- setzt. Um die Gefahren zu bekämpfen, fordere ich euch auf, mit mir in die Regierung einzutreten." Das klang alles sehr energisch. So daß die so- zialistische Kammergruppe, als ihr über die erste Unterredung mit Daladier berichtet worden war, nach einer längeren Diskussion mit 64 gegen 17 Stimmen beschloß, das Angebot Daladiers anzunehmen, unter der Vor- ausfctzung, daß man sich mit ihm über das innerpolikische Programm noch näher verständigen könne. Die Fraktion war vor eine äußerst schwere Frage gestellt worden: denn auf Grund der Kon- greßbeschlüsse kann sie die Entscheidung in einem solchen Fall nicht allein treffen, sondern muß eine Ermächtigung durch den N a t i o n a l r a t (dem erweiterten Parteiausschuß gleichzustellen) erhalten. Daladier hatte jedoch kategorisch erklärt, daß so wie die Dinge lagen, er beim besten Willen nicht mehrere Tage auf die Antwort der Sozia- listen warten könne, sondern sie spätestens bis Montagabend haben müsse. Nicht nur Renaudel, sondern auch ein Genosse wie Compere-Morel, der bisher zu den Gegnern der Regierungsbeteili- gung gehörte, traten, unter Hinweis auf die außerordentliche internationale und nationale Lage, dafür ein, Daladier eine bejahende und sofortige Antwort zu geben, indem sie beide die Hoffnung ausdrückten, daß der Nationalrat der Partei, der fowiesc statuten- gemäß am Sonntag, dem 5. Februar, in Paris zusammentritt, der Fraktion nachträglich seine Zu- stiinmung nicht oersagen würde. Trotzdem Leon Blum sich für eine sofortige Ablehnung des Daladierfchen Angebotes ohne Anrufung des Nationlrates aussprach, gelangte schließlich eine von dem jungen Abgeordneten D e a t eingebrachte Resolution zur Annahme, die im P r i n z i p der Rcgierungsbeteiligung zustimmte, die Unmöglich- keit, den Nationalrat abzuwerten betonte, jedoch eine neue Verhandlung mit Daladier für notwendig erklärte zur Präzisierung des Pro- gramms. Infolgedessen begab sich die Delegation aufs neue zu Daladier. Und da stellte sich nun heraus, daß Daladier im Laufe des Tages die in der Frühe zum Ausdruck gebrachte Kampfeslust gegen die Reaktion vertauscht hatte gegen den Wunsch, äußerst behutsam vorzugehen und die großen Wirtschaftskräfte ja njcht durch irgendwelche kühnen Reformvorschläge, wie Ver- skaattichung gewisser Monopole, zu reizen. Ueber die Ursachen, welche zu diesem Stimmungs- und Stellungswechsel Daladiers sührten, werden die verschiedenartigsten Gerüchte verbreitet. Zur Beurteilung des Verhaltens der sozialistischen Fraktion genügt es, zu wissen, daß die Delegation der Fraktion absolut einstimmig war, um zu erklären, daß sie lütter den gegebenen Umständen keinerlei Möglichkeit sehe, in das Kabinett Daladicr einzutreten. Es war einer der Hauptbefürworter des Prin- zips der Regierungs-beteiligung, Genosse Pierre Renaudsl, der Daladier, bei der letzten Zusammen- kunft unumwunden erklärte, daß die Sozialisten sich nur danit beteiligen würden, wenn sie die Garantie hätten, daß die Regierung zu posi» tiver Reformaktion und zum offenen Kampf gegen die Reaktion bereit sei. Die Ein stimm ig keil, mit der die sozia- listische Fraktion die Ablehnung gut hieß, bildet den Beweis dafür, daß es sich n i ch t u m eine Flucht vor der Verantwortung handelt, sondern um den festen Entschluß der französischen Sozialisten, die Beteiligung an einer Regierung nicht als eine dekorative Angelegenheit zu be- trachten, sondern als«in Mittel, uni für die Interessen der Arbeiterklasse, des Sozialismus und der Demokratie zu kämpfen. 8. Grumbach. Das Murgtal-Beben Der oberrheinische Erdbebenherd Die Erderschütterung vom 8. Februar 1933, die weit über ihr mittelbadisches Zentrum hinaus im ganzen Oberrheingebiet bis tief ins Elsaß und nach Württemberg hinein mehr oder weniger stark verspürt worden ist, kann als das stärkste Beben registrert werden, das seit dem 16. Novemberlöll innerhalb Mitteleuropas vorgekommen ist. Man weiß zwar, daß in vielen Teilen Deutschlands und der Schweiz Erdbeben keine Seltenheit sind, und daß in den von ihnen betroffenen sogenannten Schüttergebieten alle paar Jahre Beben auftreten, ohne nennens- werte Schäden anzurichten. Erst vor zweieinhalb Monaten, am 21. November 1932, war der Mittel- und Niederrhein Schauplatz eines Erdstoßes ge- wefen, und das ihm vorangegangene letzte größere Erdbeben aus deutschem Boden hatte am 8. Oktober 1930� wieder das obere Rheintal be- troffen. Sowohl diese letzten wie die srüheren Erschütterungen waren verhältnismäßig unbedeu- tend: leicht und ungesährlich pflegen auch die so- genannten vogtländischen Erdbebenschwärme zu oerlaufen, die sich in Abständen von mehreren Iahren in Mitteldeutschland einstellen und in Form schwacher, mehrfach wiederholter Erschütte- rungen sich manchmal wochenlang hinziehen. Man hat sich so in den mitteleuropäischen Schüttergebieten gewöhnt, die Erdbeben als zwar unheimliche, aber uirgesährliche Naturereignisse zu betrachten, weil die letzten Generationen wirtlich schlimme Erdstöße in ihren Heimalgebieten nicht erlebt haben. Das Beben vom 8. Februar- 1933, von dem die Stadt Rastatt augenscheinlich am stärksten betroffen worden ist, und dessen Herd demgemäß im Murgtal, einem Seitental des Schwarzwaldes, zu suchen ist, muh aber gleich einem Warnzeichen gewertet werden. Die keines- wegs geringen Schäden, die es angerichtet Hot, zeigen uns, daß auch auf deutschem oder schweize- tischem Boden die Möglichkeit zerstörender Erd- beben nicht von der Hand gewiesen werden kann, mögen auch Jahrhunderte vergehen, bis sich eine solche Katastrophe wieder einmal einstellt. Denn die letzten zerstörenden Erdstöße �in Mitteleuropa liegen keineswegs in unendlicher Fern«. Mehrfack find, noch im späten Mittelalter, in Oberdeutschland solche Katastrophen vorgekommen So erlebt« die Stadt München am 4. De- zember 1690 einen Erdstoß, der nur der Aus- läufer eines größeren Bebens in den Alpen war, und bei dein nicht wenige Häuser von oben nach unten klaffende Risse davontrugen, zahlreiche Schornsteine einstürzten, die Kirchtürme schwankten und die Glocken von selbst zu läuten begannen. Sin« schwere Katastrophe suchte auch am 18. Oktober 1356 die Stadt Basel heim. Fast die ganze Stadt wurde bei diesem Erdbeben völlig zerstört; in Trümmer sanken außerdem noch 34 Dörfer und Burgen in der weiteren Umgebung der Stadt. Innerhalb des Schüttergehietss zwischen Aachen und Köln wiederholten sich in der Zeit zwischen Dezember 1755 und Sep- tember 1757 starke Erdstöße so häufig, daß Hun- dertc von Gebäuden zerstört wurden. Diese letzten zerstörenden mitteleuropäischen Beben traten im Gefolg« des furchtbaren Erdbebens von Lissas von am 1. November 1755 auf, das sich nicht nur in ganz West- und Südetlropa, sondern sogar bis in die sonst erschütterungsfreie norddeutsche Tiesebene bemerkbar machte und sehr weit- reichende Umlagerungen im Erdinnern hervor- gerufen haben muß. Alle diese Erderschütterungen waren, ebenso das Murgtal-Beben vom 8. Februar, sogenannte t e k- tonische Beben, Begleiterscheinungen von Brüchen oder Verschiebungen in der E r d k r u st e. Ihnen gehören mehr als neun Zehntel aller Erd- beben an: ihr Herd liegt stets in bedeutender Tiefe, Vol�sdilchmx Durch Reportage und Drama Neben dem Alfred Braun gibt es in der Bor- liner Funkstunde noch einen Dr. Harald Braun. Glaubt dieser Herr, daß der Name „Braun" schon den Reporter macht? Er ver- suchte sich jedenfalls als solcher, gemeinsam mit Margret Naval und'H. Pauly, in einem Hör- bericht„Die nicht im Programm st e h e n". Man hatte zusammengesucht, was man irgend für die Hörer interessant glaubte, »nd was, bei besserer Berichterstattung, auch interessant hätte sein können. Aber was der Hörer vorgesetzt bekam, war trostlos wäsiriges Geschwätz. Frau Naval hört sich, das haben wir ühon öfter erfahren, so brennend gern reden daß überhaupt nur sie zu Wort kommt und die Tnterpiewten höchstens die ihnen suggerierten Meinungen zu bestätigen haben. Die Berichte ihrer männlichen Kollegen waren �zwar von diesem Fehler frei, aber sie wurden auch nur trockene, gestaltlose Beschreibungen. Allerdings hatte Dr. Braun den guten Willen, durch naive Fragen anschauliche Antworten auszulösen. Aber er ist offenbar lein Augenmensch, er vermag das Eharakteristtsche nicht zu sehen. und Zwar innerhalb der Zone, die sich etwa 15 bis 50 Kilometer unterhalb der Erdoberfläche befindet. Deshalb ist es auch völlig abwegig, die Ursache des letzten oberrheinischen Bebens etwa, wie es be- reits geschehen ist, in der raschen Zunahme des Wasserstandes des Rheins oder gar in der Durch- tränkung des Erdreichs mit Schmelz- und Regen- wasfer nach der langen Trockenperiode dieses Winters zu suchen. Den» die Tiefe, bis in die das Regenwasser einzudringen vermag, ist ver- schwindend gering im Verhältnis zur Tiefe der Erdbebenherde, die sich auf Grund der feismo- graphischen Messungen recht genau berechnen lassen. Wohl könnten unter Umständen große Aewichtsverschiebungen an der Erd- oberfläche vielleicht bereits vorhanden gewesene Spannungen im Erdinnern zur Aus- löfung bringen, und man hatte ja auch für das letzte Erdbeben am Nicderrhein die Gewichtsver- schiebung durch die Trockenlegung der Z u i d e r s e e als auslösende Ursache genannt. Denkbar wäre das: ein exakter Nachweis dafür läßt sich natürlich nicht erbringen, und es handelt sich dabei lediglich um eine Hypothese. So viel ist aber sicher, daß das Anschwellen der Rhejjt- fluten ein viel zu unbedeutender Vorgang ist, um sich tektonisch irgendwie auswirken zu können. Es wäre dasselbe, als wenn eine umgegossene Kaffeetasse die Standfestigkeit eines massive» Tisches beeinträchtigen würde. A. Köllner. Auch ein anderes Interview, das— ebenfalls im Programm der Funkstunde— von Hedda Westenberger mit rheinischen Puppen- s p i e l e r n geführt wurde, war, trotz der aktiven Mitwirkung der Puppenspieler, nur«in ge- quälter, nichtssagender Bericht. Der Deutschlandsendcr bewies seine professoralc Berufung durch eine Aufführung von Shake- speares Drama„C o r i o l a n", das sich seihst auf der Bühne schwer übersichtlich gestalten läßt. Als Häraufführung wurde es ein heilloses Stimmendurcheinander, das trotz der höchst zeit- gemäßen Textanpassung schwerlich Interesse bei den Hörern fand. Dr. Pleisterer, der Regie führte, hatte sich alle Mühe gegeben, den„Corio- lan" sozusagen volksbildend zu gestalten, indem er das Volk in vollendeter Trottelhaftigkeit dar- Üellen ließ und den gefährlichen Charakter �iolans in makelloses Heldentum umdeutete. — Iz. Satljc kollwilz' Figuren sür den deutschen Kriegerfriedhof in Eessen in Flandern, die dort im vorigen Jahre ihren Platz erhielten, sind im großen Originalmodell jegt im mittleren Stock- werk des ehemaligen Kronprinzenpalais dauernd aufgestellt worden. + Geschäfts- Anzeiger Ormen und Grabdenkmäler Genossen: Unterstützt Eure eigenen Betriebe? Deckt Euren Bedarf a.Urnen u.Grabdenkmälern nur in d. Gemeinnützige G. m. b. H., Baumschulenweg, Steinmetzhütte, Kiefholzstr., gegenüber dem Krematorium. Tel.: F3, Oberspree 1685. Lieferung nach allen Friedhöfen in Groß- Berlin. Bitte auf die Firma achten. Sonntags geöffnet. Gerichtstr. 46, gegenüber Kremat. Malerhütte Foto Zentral- Markthalle am Ringbahnhof Berlin G.m.b.H. 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SPD. f s e 51 rale S 7 st pl 53 in en od BEILAGE Vorwärts Freund Hein und die Kinder Ein winterlicher Kindertotentanz Von Friedrich Wolf Erfroren. Alarm. In Wileika Olsa. Januar 1918. frachend kalter Winternacht mußten wir hinaus: Vormarsch auf Dünaburg. In Wileika Aufbruch. Geschütze und Gerätewagen auf Kufen, wir selbst auf den niederen Banjeschlitten, so sausten wir auf dem Eis der Düna dahin, eine Division, zwei Divisionen, drei, bier... eine ganze Heeresgruppe. Und vor uns und neben uns flüchtende Russen, Letten, Polen, eine Völkerwanderung auf Schlitten, 12 Stunden, 24 Stunden, 36 Stunden. Wir leben, knien, hocken, liegen, schlafen, essen, pielen Karten und kochen auf Hartspiritus auf der niederen, breiten tagelang dahinfegenden Schlittenpritsche. Destlich von uns Plänkelei unserer Kavallerie mit den Menschewiken, Bolschewiken oder Weißkosaken. Und neben uns die mit uns dahingleitende Völkerwanderung... Mitten in der Nacht stößt man mich hoch: Banje Lekarsch, Panje Doktor.. Kind sehr krank! Schnell kommen!" Ueber die ununterbrochen dahingleitende Schlange der Schlitten, der Zivilfahrzeuge und Militärwagen rutschen wir zu dem Schlitten des kranken Kindes. ,, Biest!" Ein großer wolliger Schäferhund hat mich durch Mantel und Ledergamaschen gepackt„ Bascholl!" Unter dem Hund liegt das kranke Kind; der Hund ist die wärmende Decke. Das Kind atmet faum noch; ein etwa acht bis zehnjähriges Mädchen, seltsam hellhaarig, mit ganz zarten dünnen Aermchen; es hat kein Fieber, eher Untertemperatur; ich stede ihm zwei Stückchen Zucker in den Mund; es sieht mich an, erst erschrocken, schaut dann zur Mutter. dann wieder zu mir, und jetzt lutscht es ar dem Zucker, ganz matt, und lächelt, ganz wenig, mit seinen hellgrauen Augen; sein Puls ist kaum zu fühlen. ,, Warmes!" ,, Seit drei Tagen nig Warmes, Banje Doktor!" ,, Warten!" Ich arbeite mich zurück, um durch meinen Sanitätsgefreiten heißen Kaffee zu beschaffen. Das Kind ist einfach verhungert, erfroren total erschöpft in dieser Nacht, bei minus 25 Grad! Schwierig der Rückweg zwischen den hunderten gleitenden Schlitten in der Nacht. Nach einer halben Stunde habe ich endlich mein Gefährt: is, Merkel! Aufmachen, Mensch! Kaffee machen!" ., Rach wieder einer halben Stunde schiebe ich mich mit Merkel und einem Kochgeschirr heißen Kaffees. mit Brot und einer Speckrinde nach born. Nach einer weiteren halben Stunde haben wir den Schlitten und schwenken triumphierend unser Geschirr mit dem heißen Kaffee: Hussa, Matuschka! Trinken, heiß trinken!" Die Frau liegt auf dem Bauch und sieht mit grauen hellen Augen, genau wie ich sie in dem Kindergesicht sah, nach vern. Auch der Hund liegt langgestreckt auf dem Bauch, reglos. Jetzt nimmt die Frau unsere Hände und zieht uns auf den Schlitten; sie faßt das heiße Kochgeschirr, sieht mich mit ihren großen grauen Augensternen ganz nahe an, unheimlich nahe, fast Nase bei Nase:„ Gutes Mensch!" und dann ganz leise:„ Töchterchen tot; ist gut tot." Sie kniet hoch, der Hund setzt sich auf: Da liegt jetzt das Mädchen und richtet die geschlossenen Augenhöhlen zur schwarzblauen Nachtkuppel empor. Der Schlitten gleitet fast lautlos, hunderte Schlitten gleiten auf dem Eis der Düna. Der Sanitätsgefreite, der Arzt, die Frau knien auf dem Stroh des Schlittens, der große wollige Hund sitzt daneben und das tote Kind in dem riesigen gleitenden Flüchtlingszug liegt ausgestreckt und still. Das Reh. Epidemie der spinalen Kinderlähmung 1925. Von 100 franken Kindern starben 50, 30 blieben am Leben mit Lähmungen, 20 wurden wieder gesund. Deshalb wohl rief der Fabrikdirektor mich und nicht den Medizinalrat. ,, Wenden Sie alles an, Herr Doktor, alles!" Ich gebe nochmals genaue Anweisungen:„ Und dann offenes Fenster, aber abdunkeln! Nur das Notwendigste sprechen, jede Erregung fernhalten; auch das Reh, natürlich!" ,, Selbstver= ständlich!" Der Direktor geleitet mich hinunter. In der Halle des Hauses, die mit Geweihen, Jagdtrophäen, Gewehren, Hirschfängern und Jagdmessern geschmüdt ist, fragt er mich: Ist der Junge zu retten, Herr Doktor?" ,, Ich werde alles versuchen." Er hilft mir in den Mantel. Gegenüber hängt das bekannte Bild ,, St. Hubertus", riesig, ein Delbild: der Jäger, der vor dem Tier kniet. Und um dies Bild herum die Schädelknochen mit den Geweihen. das In derselben Nacht werde ich gerufen Kind ersticke. Der Direktor, wie ein Vulkan, mit DONNERSTAG, 9. FEBRUAR 1933 Halsadern wie Seile: Die Frau habe das Reh herausgelassen! Aber Rolf habe so geweint, bis das Tier oben gewesen sei.- Jetzt habe man die Folgen! Rolf liegt im Bett; er hält mit beiden Armen den Hals des Rehs umflammert, die Tierbacke an der Jungensbacke Die Augen sind groß und starr; der Mund steht offen; der Atem des Kindes ist weg. Das Tier atmet ruhig. Ich rufe nach Effig, massiere das Herz, Coffeinspritze umsonst Die Mutter kniet nieder. Der Direktor hat das Reh aus dem Zimmer gezerrt. Ich presse noch die Brust den Jungen: Künstliche Atmung. Umsonst. Drunten im Garten ein Schuß. Was ist?!" ,, Das Reh, dies verfluchte Reh!" ruft verzweifelt weinend der Direktor herauf. Wie Starb Stella Blackborn? Vorspiel. Kriminalstudie/ Von Jack Schmuhl Wie starb Stella Blackborn? Ja, wie starb Stella Blackborn? Du ahnst es nicht! Aber um chronologisch vorzugehen: Also an einem strahlenden Sommermorgen wird die ( selbstverständlich berückend schöne) Tochter des ( Zeichen der Zeit!) bankrotten Industriellen Blackborn am Strande von Long Beach, dem Badeort von New York, tot aufgefunden. Natürlich( wie fönnte ein Kriminalschmöker anders anfangen!) weiß zunächst niemand, wer die schöne Tote ist. Wissen wir Lebenden denn letzten Endes, wer wir sind? Alles ist Schein, alles ist undurchfichtig und der Selbstsicherste gerade merkt, wenn ihn das Schicksal auf die Probe stellt, daß er ein ganz anderer ist, als der zu sein er glaubte! Aber die findige Polizei vermag alsbald, die Tote zu identifizieren. Wie starb sie? Das ist hier die Hamlet- Frage. Nicht minder tiefgründig wie Shakespeares dänischer Königssohn verfährt der mit der Untersuchung beauftragte Kriminalist, indem er zu den Eltern der Toten fährt und sie verhört: beide haben den Tod der Tochter geahnt und die Schwester der toten Stella, Maud Blackborn, nimmt an, daß ihre Schwester Selbstmord begangen hat. 8-1990s do Aber das ist eine Annahme, nichts Genaues weiß er nicht und ehe er das nicht weiß, tappt unser braver Kriminalist im Dunkeln seines düsteren Berufs. ,, Sein oder nicht sein!" ruft der Kühne und... 3wischenspiele. Inzwischen nimmt sich die amerikanische Deffentlichkeit des Falles an; die Zeitungen wetteifern mit fnalligen Balken: ,, Die Ermordung der Stella Blackborn! Bildschöne Erbin, in Abendtoilette gekleidet, ermordet aufgefunden am Strande von Long Beach." Handelt es sich wirklich um Mord? Die medizi nischen Sachverständigen geben voneinander abweichende Gutachten ab; der eine nimmt Selbstmord an: Stella Blackborn habe sich aus einem fahrenden Dampfer ins Meer gestürzt, deren Strömung sie dann westwärts zum Strand von Long Beach getrieben habe; der andere Sachver= ständige findet Sandspuren in den Lungen und schließt auf Ertränkung in seichtem Wasser... Wer hat recht? Bei einer nochmaligen Vernehmung der Schwester ergibt sich, daß Stella Blackborn schon vor einem Jahr auf einer Bergnügungsreise einen Selbstmordversuch gemacht hatte. Der Schiffsarzt Dr. Charly Parr habe eingegriffen und die fast tödliche Wirkung des Versuches aufgehoben... Es meiden sich neue Zeugen. Der Sohn eines Multimillionärs hat Stella Blackborn einige Male auf die Jagd begleitet mit einsamer Jagdhütte und so... Ein bekannter Unterweltshäuptling hat die junge Dame mit New Yorks Apachenkellern bekanntgemacht, der große Filmschauspieler hat mit Stella eine viertägige Dampferpartie unternommen: ,, Sie wollte es so gern und man ist ja auch schließlich nicht unerbittlich." Ein Filmdiverich und unerbittlich? Nee, das gibt's wirflich nicht! Eine Spur? Dies alles führt die untersuchende Behörde nicht weiter. Die Untersuchung droht auf den toten Bunft zu kommen. Aber das darf nicht sein! Um Gottes willen, in einem Kriminalschmöker darf das nicht sein! Deshalb teilt ein Kabeltelegramm aus London mit, daß in veinem Londoner Hotel Tagebücher des jungen Mädchens gefunden Mädchens gefunden wurden, die von großer Wichtigkeit seien. Diese Tagebücher wurden in einem Koffer aufgefunden, den die Tote in einem Londoner Hotel zurücklassen mußte, da sie ihre Rechnung nicht zahlen konnte. ( Kommt vor bei Töchtern von Millionären. Gerade bei denen! Gewöhnliche Sterbliche wie du und ich kommen ja sowieso in solche Lokale nicht herein. Tut dirs leid? Mir nicht! Habe was Besseres zu tun. Oder vielmehr, ich denke, wir haben was Besseres zu tun! Warte nur balde...) Der Hotelbesitzer bekundet der Londoner Polizei über diese Tagebücher:„ Ich bin im Hotelgeschäft alt geworden und habe alles Mögliche und Unmögliche erlebt.( Wie sollte er nicht, der Gute. Das Unmögliche ist das Alltägliche in diesen Kreisen. Wenigstens wenn man nach den Bekundungen unserer verehrten Herren Schmöker- Fabrifanten gehen soll.) Aber nie in meinem ganzen Leben habe ich solche Einzelheiten erlebt wie in den Tagebüchern dieser jungen Dame Sie erzählt von Trinforgien und den Beziehungen, die sich) aus solchen ergaben. Die Feste fanden statt in New York, an Bord von Lurusdampfern und Jachten, sowie in Städten rund um den größten Teil der Welt. Wie ein roter Faden zieht sich durch das Tagebuch eine anscheinend hoffnungslose Leidenschaft für einen Schiffsarzt, der nur mit seinem Vornamen Charly genannt wird." Ich werde als Arzt in das Haus des Direktors Gerhart Herrmann Mostar: Balladen der Zeit einer süddeutscher: Weberei gerufen. Die Frau des Haufes empfängt mich, sehr reserviert, vielleicht auch sehr beklommen. Ich folle gleich zu ihrem fleinen Sohn Rolf hinein. Der vierjährige kräftige Junge liegt im elterlichen Schlafgemach; ein Saal, mit eingebauten Spiegelschränken Am Bett steht der Vater, ein großer Mann mit einem Kopf wie ein Globus; neben ihm, einen breiten Lederriemen um den Hals, ein Reh, ein zahmes Reh. Das Tier sieht auf den kranken Jungen, der wohl gerade noch mit ihm sprach. Wie wir eintreten, macht es einen Satz und springt erregt im Zimmer umher. Rolf will aus dem Bett, um es zu halten; er richtet fich auf, ruft, schreit... der Schrei bricht ab, geht über in einen Krampf: ganz starr liegt der Junge jetzt im Bett, mit kurzen klonischen Zuckungen, den Kopf rückwärts in die Kissen gebohrt, fast ohne Atmung, nur das Weiße des Augapfels sichtbar. Vater und Mutter stürzen hinzu:„ Rolf! Schazele, hörst du nicht, Rolf!?" Ich nehme den Unterkiefer vor, die Atmung setzt wieder ein, der Krampf löst sich sehr langsam. Kein Zweifel: dieselbe scheußliche Erkrankung, fogar mit Hirnreizung. Ich verordne Schmitzpackung, Bäder, Einläufe, meine homöopathischen Mittel. Ich hatte damals gerade während dieser Epidemie bei Kindern besonders gute Erfolge. Der Tyrann und die Erbse Sie buddelten Tutanchamon, den Zwingherrn, aus seiner Gruft. Sie zerrten schwitzend den goldenen Sarg an die Luft. Eine Erbse fand einer im Grab und trug sie nach Haus. Er zeigte sie seinen Kindern. Die säten sie aus. Tutanchamons Gold wog nach Tonnen. Ziselierungen schimmerten matt. Die Erbse wog dreiviertel Gramm und war schmucklos, rund und glatt. Tutanchamons Gold zeugte Tod. Sie sagten: Das Grab ist verflucht. Aber die Erbse zeugete Leben, Keim, Pflanze und Frucht. Sie säten die Früchte als Samen, und wiederum wurde es wah Verwunderte Menschen kamen und zählten: Dreitausend Jahr! Sie machten ein Festmahl aus Erbsen. Die Presse schrieb. Eine kleine Notiz. Eine große Weisheit blieb: Tutanchamon, der Zwingherr, wollte unsterblich sein. Sklaven in glutender Sonne schleppten ihm Stein zu Stein. Die Menschen fielen wie Fliegen. Die Grabkammer wuchs. Dreitausend Jahr, ein Tyrann, eine Erbse... Die Erbse ertrugs. Die Spur persönlich. Ahnst du jetzt was, lieber Leser? Erinnerst du dich an einen gewissen Schiffsarzt Dr. Charly Parr? Ha, falsch geraten! Gewiß, der Schiffsarzt ist derselbe Dr. Parr, von dem wir schon gehört haben. Aber auch die Vernehmung von Dr. Parr bringt kein Licht in die ganze Angelegenheit. Die Briefe Stellas, die Parr der Polizei zur Verfügung stellt, lassen erkennen, daß die Liebe, die Stella für den jungen Arzt empfand, von diesem mit ruhiger Freundschaft erwidert wurde. Wiederum steht die Untersuchung des Falls Stella Blackborn auf einem toten Punkt. Ein älterer Herr taucht auf. Da meldet sich der Taxichauffeur, der Stella am Tage ihres Verschwindens gefahren hat. Er be= kundet, daß er die junge Dame in Begleitung eines älteren Herren gesehen habe, der ihm ebenso wie Stella Blackborn schon von früher her bekannt gewesen sei. Vor vier Jahren habe er die beiden durch Südfrankreich chauffiert. Der ältere Herr wird als entfernter Verwandter enthüllt, der in Boston eine hohe Staatsstellung bekleidet und als ebenso reicher wie einflußreicher Mann gilt. Eine neue Vernehmung in Stellas Elternhaus fördert im Schreibtisch der Schwester ein Tagebuch der Toten zutage, aus dem hervorgeht, daß sich dieser Verwandte an der jugendlichen Stella vergangen hat; Stellas Vater wußte um die intimen Beziehungen seiner Tochter zu dem Bostoner Herrn und hatte sich durch große Summen sein Schweigen erkaufen lassen. Vor der Untersuchungsbehörde erklärt der Bostoner Herr die Tagebuchaufzeichnungen für unwahr. Die Polizei tappt erneut im Dunkeln. Und Dr. Parr zu Stellas Schwester Maud; während sich beide ihre heiße Liebe gestehen, stürzt die Mutter der Verstorbenen ins Zimmer und beschuldigt den jungen Arzt des Mordes. Verwirrt verläßt der junge Mann das Haus und überdenkt in seiner Wohnung die neue Lage, als Maud zu ihm hereinstürzt. Die beiden Liebenden sind zum erstenmal allein Ein Maler bringt die Lösung. Hier ist aber unser Roman natürlich feineswegs. zu Ende. Gewiß, die Polizei hat versagt. Gewiß, ein Liebespaar ist glücklich geworden, aber schließlich müssen wir doch erfahren, wie Stella Blackborn starb. Alles wäre im Dunkeln geblieben, menn sich nicht der Maler Mac Lean, der nach einem Atelierfest morgens die Leiche der schönen Stella entdeckt hatte, der Aufklärung des Falles angenommen hätte. Er hat selbstredend die besten Beziehungen zur Unterwelt, mit Hilfe deren er herausfindet, daß Stella Blackborn an ihrem letzten Lebensabend mit einem berüchtigten Verbrecher ausgegangen war, der sie nach durchzechter Nacht in den Palast seines Onkels des Alkoholfönigs Barratta gebracht hatte. Dort war am Morgen eine junge Dame erschienen, mit der Stella sehr bald in einen Wortwechsel geraten sei. Der Streit sei um Charly Parr gegangen, den Stella heiraten wollte. Du sollst ihn nicht haben, denn du bist zu schlecht für ihn," sagte die andere; sprachs, stößt die wütend aufspringende Stella vor die Brust: Stella fällt in ein Marmor= bassin undertrinkt. Die Mörderin war( natürlich) ihre Schwester. Der tüchtige Verbrecherneffe hat dann die Leiche auf sein Schiff gebracht und sie von dort aus ins Meer geworfen. Aber weder er noch Maud konnten der Strafe der irdischen Gerechtigkeit zuTeführt werden: Maud suchte in den Wellen des Meeres den Tod und der Herr Neffe wurde von Barratta aus dem Weg geräumt: er hatte Alkohol lager an die Polizei verraten. So, und nun ist die Geschichte wirklich aus und wenn ihr sie noch einmal und ausführlich lesen mollt, müßt ihr zu Marie Madeleines Roman Wie starb Stella Blackborn" ( Berlag Wilhelm Schäfer, Berlin und Leipzig) greifen. " Der gestählte Arm Die ,, Deutsche Turnerschaft" ist 1933 so wie 1860! Zum Deutschen Turnfest, das die„ Deutsche Turnerschaft" im Sommer in Stuttgart abhalten wird, läßt der Generalsekretär des Deutschen Reichsausschusses für Leibesübungen, Karl Diem, durch eine Sportkorrespondenz einen Aufruf ver= breiten, den wir den Mitgliedern der Deutschen Turnerschaft, die zwar proletarischer Herkunft sind, aber den Weg zur Arbeitersportbewegung noch nicht gefunden haben, nicht vorenthalten wollen. Herr Diem enthält sich vorsichtigerweise eigener Aeußerungen über das Deutsche Turnfest. Er läßt andere Leute reden, zitiert dabei aber Aussprüche bekannter deutscher Turner von früher her, die sicher auch ihm aus dem Herzen gesprochen sind, denn sonst würde er sie in seinem Aufruf nicht verwenden. " Die Gestalt der Wettkämpfe auf den Deutschen Turnfesten wechsle jedesmal, so daß die Turnfeste ein Spiegel der Geschichte der Turnkunst und ein Spiegel der Geschichte Deutschlands sind, denn sie sind aus der Sehnsucht nach dem ,, einigen, so schönen und herrlichen Vaterland" entstanden. Das hat Georgii 1860 auf dem Turnfest gesagt, und Diem hält es für zeitgemäß, es jetzt wieder zu zitieren. Wo der Staat noch zaudert, ein notwendiges Gesetz zu geben, mo er(!) die Ehre der allgemeinen Wehr= pflicht dem Volke vorenthält, da treten freiwillig die Männer zusammen, da scharen sich die Schüßen und unsere fröhliche Turnerschaft und lehren der Jugend die ersten Tugenden des Kriegers(!), Manneszucht und die Herrschaft über den gestählten Arm(!) und festen Mut, das Vaterland zu schirmen mit dem eigenen Leib." Auch das sagt nicht Herr Diem, sondern Heinrich von Treitschke. Hohenzollernscher Ge= schichtsprofessor aus Beruf und Neigung. Es kennzeichnet den Geist, den Herr Diem in der Deutschen Turnerschaft vorhanden weiß, daß er ,, den gestählten Arm mit der Herrschaft über die Manneszucht" noch immer das Vaterland schirmen läßt. Wenn dazu noch die ,, Wacht am Rhein" gesungen wird, dann kann allerdings das deutsche Vaterland nicht ruhig sein. Dann wird es achten müssen auf die Deutsche Turnerschaft und ihre Führer, die ihre ganze Kraft ziehen aus der deutschen Not"! Wenn Diem es in seinem Aufruf so darstellt, als hätte die Deutsche Turnerschaft ein Verdienst daran, daß die Rheinlande von der fremden Besagung befreit wurden, so gestatten wir uns daran zu erinnern, daß es ,, marristische" Regierungen waren, die immer wieder, zwar nicht mit gestähltem Arm, mohl aber mit der ganzen Liebe zu einem freiheitlichen Deutschland dafür gesorgt haben, daß deutsches Land frei von fremden Truppen wurde. Politische Kannegießerei am Stammtisch ist immer die Stärfe echten teutschen Turnergeistes gewesen; menn diese Spießbürger in den gegenmärtigen politischen Verhältnissen die Morgenröte einer Zeit erblicken, die sie im Innern ihres Herzens stets herbeisehnten, so mögen fie das tun. Sie geben sich damit aber auch in aller Deffentlichkeit als Leute zu erkennen, deren politisches Sinnen und Trachten in der bismarckschen Zeit stehen blieb! 25 Jahre Berliner Naturfreunde Die entdeckte Streusandbüchse Mark Brandenburg Wieder feiert eine Arbeitersportorganisation in Berlin ein wichtiges Jubiläum. Vor einem Vierteljahrhundert war es, als vom Süden her der Naturfreundegedanke in der Hauptstadt des Reiches festen Fuß faßte. Schwer war hier die Arbeitsgrundlage. Die damals in ihren Naturschönheiten fast noch unbekannte„ Streusandbüchse" Mark Brandenburg dem Arbeiterwanderer zu erschließen, schien beinahe ein vergebliches Unterfangen. Dennoch fand sich schon damals eine für die gegebenen Berhältnisse erfleckliche Anzahl zur Gründung der ersten Naturfreunde- Ortsgruppe zusammen. Aber die enge Verbindung mit der Mutter organisation war nicht so schnell herzustellen. Politische und persönliche Beweggründe führten bald zur Spaltung und zur Sonderbildung des Arbeiter Wanderbundes, des sogenannten„, roten N". Dieser erlangte bald im Arbeiterwandern größere Bedeutung, doch marschierten beide Gruppen bis in die Nachkriegszeit hinein getrennt. Selbst die beim Touristenverein schon 1909 vorAm Sonntag: Auf zum Arbeiter- Wasserballturnier Die Berliner Arbeiter Wasserballspieler tragen am kommenden Sonntag mit zehn A- Klasse- Mannschaften im Wellenbad des Lunaparkes ab 20 Uhr ein Turnier aus, das einen interessanten Aufschluß über die gegenwär= tige Spielstärke der Beteiligten geben wird. Man hat zunächst fünf Spielpaarungen aus gelost, die wie folgt zusammengesetzt sind: 1. Union gegen Potsdam; 2. Hellas gegen Neutölln; 3. Berlin 12 gegen Spandau; 4. Charlottenburg gegen Freiheit; 5. Möme gegen Weißensee. Die Verlierer der Spiele scheiden aus, so daß sich nach Beendigung dieser ersten Spielrunde noch fünf Mannschaften für weitere Ausscheidungen qualifizieren. Nach Erledigung dieser Ausscheidungen schließt sich zunächst eine allgemeine Badepause von halbstündiger Dauer an, und am Schluß der Veranstaltung bestreiten die zwei in die Entscheidung gelangten Mann= schaften das Endspiel um den Sieg des Abends. Da die Spielzeit verkürzt wird, werden die Spieler gleich von Beginn an stark aus sich herausgehen müssen, um zu Erfolgen zu kommen. Technik und Schnelligkeit merden die Kämpfe entscheiden. Es ist übrigens fraglich, ob es dem derzeitigen Kreismeister Hellas gelingen wird, seine Vorrangstellung zu behaupten. Die Eigenart der Kurzspiele des Turniers schließt die größten Ueberraschungen nicht aus, zumal sich das technische Können aller Mannschaften auf guter Stufe hält. Die Gewißheit, einen Wasserball- Kampfabend von seltener Qualität zu erleben, sollte ihre Anziehungskraft auf die sportliebende Berliner Arbeiterschaft nicht verfehlen. Auf 50 Pf. ist der Eintrittspreis festgesetzt, der gleichzeitig zum Mitbaden in der Pause berechtigt. Eine Wassersportausstellung. Der Wassersport, Industrie- und Handelsverband veranstaltet in Gemeinschaft mit dem Ausstellungs-, Messe- und Fremdenverkehrsamt der Stadt Berlin DOM 30. März bis zum 9. April eine WassersportUnions- Rennen im Sportpalast ausstellung in der Halle II am Kaiserdamm. Die Im Berliner Sportpalast war am Mittwochabend die Ortsgruppe Berlin der Deutschen Radfahrer Union Gastgeber. Das gut besuchte Haus betam auch diesmal ein reichhaltiges Programm zu sehen, in dessen Mittelpunkt die Meisterschaftseinschlägige Industrie hat bereits drei Viertel der Riesenhalle belegt, so daß mit einer umfangreichen Schau der Wassersportindustrie zu rechnen ist. revanche der Flieger und ein Zweistunden- Arbeiter- Lichtbildner- Matinee mannschaftsfahren standen. Die Meisterschaftsrevanche gewann Giel- Berlin gegen den vorjährigen Meister Cronjäger- Bremen. Das Zweistunden- Mannschaftsfahren verlief fehr ab= mechslungsreich; Sieger Blieben Brezfe- König mit Rundenvorsprung vor Tallmann- Jaenice, Gruhn- Wiener, Kaluka- Münzer und CronjägerDubaschny. Staats Theater Donnerstag, den 9. Februar Staatsoper Unter den Linden 20 Uhr Salome Staatliches Schauspielhaus 19 Uhr Faust II. Teil HAUS VATERLAND KURFURST 60 ergmigungs Restaurant Berlins BETRIEB KEMPINSKI Der Arbeiter- Lichtbild Bund veranstaltet Sonntag, 12. Februar, 12 Uhr, im Mozart- Saal am Nollendorfplatz eine Filmmatinee. Zur Aufführung gelangen der südamerikanische Kulturfilm ,, Ozean" und das große Wert des französischen Avantgardisten Paul Féjos ,, Marie" mit Annabella in der Hauptrolle. Im Kabaretteil konferiert Karl genommene Schwester gründung in Köpenick fonnte in der Vorkriegszeit die Einheitlichkeit nicht besonders fördern. Erst die Spaltungstätigkeit der Kommunisten brachte auch hier die Besinnung und die Abkehr von engherziger parteipolitischer Einstellung. 1922 wurde das Werk getan, das zur Vereinheitlichung und Aufwärtsentwicklung der Naturfreundearbeit in Berlin und im Gau Brandenburg führte. Heute bringen die Berliner Naturfreunde vielseitige Naturfreundearbeit. Naturkunde und Bhotoarbeit, Jugendwandern und Festkultur, Faltbootsport und Winterwandern sowie die Heimfultur in den Naturfreundehäusern zeugen im besten Sinne davon. Vorträge, Filmweranstaltun= gen und Ausstellungen brachten in den letzten Jahren auch einem weiteren Kreise der Arbeiterschaft die Gedankenwelt praktischer Naturfreundearbeit nahe. Alle Gebiete der Naturfreundetätigfeit sollen bei den Jubiläumsveranstaltungen ausgiebig zur Geltung kommen. Schnog; es wirken mit Erni Einschutz( Arien), Julia Markus( Tänze), Ly Holms( 3eitsatiren), Franz Grothe( Schlager) und Lissy Arna( ZilleTypen). Eintrittskarten 60 Pfennig im Vorverkauf in der Diez- Buchhandlung( Lindenstr. 2) und Sonntag an der Kasse des Mozart- Saals. Wir berichten Runde den Kampf aufgeben, Röfing unterlag nach Punkten. Der neue Kreismeister Stiller siegte nach Punkten; Gaulfe erreichte ein Un entschieden; Koch wurde guter Punktsieger; Becker gab in der zweiten Runde den Kampf auf und im Schlußkampf erreichte der Berliner Hederich ein Unentschieden. Die A- Ringermannschaft des Kraftturnvereins Sparta Neukölln schlug in Luckenwalde die erste Ringerstaffel des dortigen Vereins mit 18% 9% Punkten. Kulturbund Schwarzes Brett der Ab. Achtung, Kartellfunktionäre! Die vom Sozialistischen inth den in ihm zusammengeschlossenen Spizenorganisationen der Arbeiter, Angestellten und Beamten am 15. Januar vorgesehene Massenfundgebung in der Volksbühne findet nunmehr Sonntag, 19. bruar, vorm. 11.30 Uhr, statt. Das Programm und die ausgegebenen Karten haben Gültigkeit. Die noch in den Händen der Kartellfunktionäre befindlichen, von Kartellgeschäftsstelle ihnen zugesandten Eintrittskarten für diese Beranstaltung, sind hierfür zu verwenden. gerechnet werden diese Karten nicht, da sie zu Lasten des Hauptkartells gehen. Robert Dehlschläger, Geschäftsführer. ,, Solidarität", Kraftfahrer. Touren Sonntag, 12. Fe bruar. Abt. Friedrichshain. Treffpunkt 10 Uhr Lands berger Plaz. Spaziergang an der Havel. Abt. Mitte. Treffpunkt 10 Uhr Gleisdreied. Fußtour Krumme Lante Abt. Norden. 161 Uhr im Vereinslokal. Alle Kraft fahrer stellen sich ihren Bezirken zur Wahlagitation u Verfügung. Radfahrer. Touren Sonntag, 12. Se bruar. Abt. Friedrichshain. Fußtour durch den Osten Treffpunkt 10 Uhr S- Bahn Warschauer Straße. Kreuzberg. Summt Stolpe. Start: 10 Uhr Dieffenbach straße 36a. Abt. Wedding. Streifzüge durch den Grune wald. Start: 10 Uhr Nettelbedplay( Tankstelle). Abt. Reukölln. Ziel am Start. Start: 13 Uhr Hohenzollernplak. Jugend. Kummersdorf. Start: 8 Uhr Hohenzollernples Abt. Prenzlauer Berg. Ziel am Start. Start: 10 ht Oderberger Str. 31. Achtung, Fahrmarte! Dienstag, 14. Februar, 20 Uhr, Fahrmartesizung bei Lohann, Brüderstr. 16. Albt. Touristenverein ,, Die Naturfreunde". Freitag, 10. bruar. Photoarbeitsgemeinschaft Franke: Johannisstr. 15. Photoarbeitsgemeinschaft Neukölln. Bergstr. 29. Photoarbeitsgemeinschaft Osten: Frankfurter Allee 307. Faltbootabteilung: Johannisstr. 15. Südost: Man teuffelstr. 7. Harzwanderung. Charlottenburg: Sprec straße 30. Vortrag: Frauenfürsorge. Treptow: Elfen straße 3. Astronomisches. Briz: Festsaal der Ideal Siedlung Hannemannstraße. Mufitarbeitsgemeinschaft, 1. Abt., Friedrichshain: Bei Schönrot, Paul- SingerDie Generalversammlung der Straße 50, I. Bereinigung Musitarbeitsgemeinschaft, 2. Abt., Hum boldthain: Jugendheim Lorking. Ede Graunstraße. Lichtenberger Faustfämpfer beschloß auf Antrag Sonntag, 12. Februar. Führersektion: Führung durch des Vorstandes, die Sparten Artistif, Boren, Alt- Berlin. Treffpunkt um 9 Uhr Waisenbrüde. Montag, 13. Februar. Malgemeinschaft: Manteuffelstr. 7. Ringen, Heben und Gymnastik neuerdings im Photostammabteilung: Johannisstr. 15. Bildwett bewerb: Verein zu betreiben. Der Verein heißt jezt Das Porträt". Gesundbrunnen: Spiel gemeinschaft Gotenburger Straße, Rote Schule. ,, Atlas", Verein für Leibesübungen und ist dem Tennis- Rot Groß- Berlin, Abt. Neukölln. Heute, 20 Uhr, Arbeiter- Athletenbund angeschlossen. Heute, Don= Verfammlung im Cafe Reinhardt, Sasenheide 57. Abt. Lichtenberg. Heute, Donnerstag, 19 Uhr, Hallentraining nerstag, 20 Uhr, bringt die Bogabteilung des Lütftr. 61-63. Lester Uebungsabend für unsere Ber Vereins in der Turnhalle Bromberger Straße 14 anstaltung am Sonnabend. ihren ersten Werbeabend im Bogen. Neuaufnahmen und Kursusteilnehmer können ihre Meldung dort abgeben. Cartonnets neue Weltrekorde. Der französische Weltrekordschwimmer Cartonnet unternahm am Mittwoch im Pariser Lidobad seine angekündigten Weltrekordversuche und hatte Erfolg. Im 100Meter Brustschwimmen verbesserte er seinen im Mai vorigen Jahres mit 1: 13,6 aufgestellten Weltrekord auf 1:13 und über 200 Meter fam er auf die glänzende Zeit von 2: 42,6, womit er den Weltrekord des Amerikaners W. Spence von 2: 44,6 um rund zwei Sekunden unterbot. Schmeling- Baer in Chicago. Der frühere Borweltmeister Jack Dempsey, seit einiger Zeit als Veranstalter tätig, verhandelt gegenwärtig mit der Leitung der Chikagoer Weltausstellung, um im Rahmen dieser Schau den Kampf zwischen Schmeling und Baer zur Durchführung zu bringen. Dempsey verspricht sich davon ein besonders Geschäft, denn die Weltausstellung zieht sicher hunderttausende nach Chitago, von denen sich ein großer Teil die Gelegenheit nicht entgehen lassen wird, den interessanten Schwergewichtstampf anzusehen. Berliner Sportausstellung. Unter der Schirmherrschaft des Groß- Berliner Aerztebundes findet vom 21. April bis 8. Mai im Berliner Sportpalast die 1. Groß- Berliner Gesundheits-, Sportund Hygiene- Ausstellung statt, die hochinteressantes Material aus dem Gebiete des Sports, der Hygiene im Haushalt, der Körperpflege, der Säuglings und Kinderpflege, des gesunden und zwedmäßigen Wohnens und Bauens sowie der ge= sunden Ernährung und Bekleidung bringen wird. Bon Ring und Matte. Der neue Kreismeister im Mannschaftsbogen im 4. Kreis des Arbeiter= Athletenbundes, der Berliner Bogflub 1932, startete in Leipzig gegen den Borklub Sophia. Der Kampf endete mit einem 8: 6- Punttsiege der Leipziger. Der Berliner Kloß mußte bereits nach der ersten Städt. Oper VOLKSBUHNE Winte Charlottenburg Theater am Bülowplatz Fraunhofer 0231 Täglich 84 Uhr D 1 Norden 6536 Donnerstag, 9. Febr. Schinderhannes von C. Zuck20 Uhr Turnus! Rigoletto Ivogün, Müller, mayer. A. Hörbiger, C. Spira, Brausewetter, Greid, Halden, Kurz, Marlow Maucher, Gura, Stettiner Sänger Reichshallen- Th., Dönhoffpl. 8.15, Sonntags 3.30 zu ermäßigten Preisen Fleischer. Reinmar, Cavara, Baumann, Gonszar, Heyer, Steier, Spering, Noval Dirig: Ladwig Berliner Theater Charlottenstr. 90 Dönhoff 625 84 Uhr Die Marneschlacht von Paul Joseph Cremers. Das große Februarprogramm: ,, Karneval" Gastspiel des Mannheimer CASINO- THEATER Nationaltheaters Rose- Theater Große Frankfurter Straße 132 Tel. Weichsel E7 3422 8.15 Uhr 814 Uhr. Lothringer Str. 37 814 Uhr. Sonntags auch 4 Uhr Buntes Theater: ..Der Fürst von Pappenheim" Die Zirkus- Dazu erstklassiges Programm! prinzessin Gutschein 1-4 Personen: Parkett 0,60. Fauteuil 0,75, Sessel 1,25 Garten 8 Uhr 15. Flora 3434. Rauchen erl. Gsovsky- Ballett Medini- Trio Rassana Lotte Werkmeister Die lustigen Weintraubs usw. 2. Grosser Komödienhaus Schiller Schiffbauerdamm 25 Bismarckstr.( Kuie) Tel. 02 Weid. 6304-05 Steinpl.( C1) 6715 Täglich 814 Uhr Täglich 8 Uhr Achtung, Der Kollo- Schlager Die Männer Rundfunk am Abend Donnerstag, 9. Februar Berlin 16.15 Muß Oberflächlichkeit ein Fehler sein?( H. Hartmann). 16.30 Unterhaltungsmusik. 17.30 Rechtsfragen des Tages 17.50 Kinderkalender Februar. 18.10 Klaviermusik. 18.30 Hilfe für die Erwerbslosen. 19.00 Funkstunde teilt mit. 19.05 Stimme zum Tag. 19.15 Unterhaltungsmusik. 20.15 Schall platten Aus Opern", 21.00 Unter der E katenflagge", Hörbild. Th. Loos spricht Ge dichte von Dehmel. Anschl. Nachrichten. Tanzmusik. 24.00 Richard Strauß( Schallplatten). Für Königswusterhausen: 16.00 die Landfrau. 16.30 Konzert aus Berlin. 17.10 Eine Viertelstunde Funktechnik. 17.30 Tägliches Hauskonzert. 18.00 Gott und Welt in der deutschen Dichtung des Mittelalters( I). 18.30 Musikalischer Zeitspiegel 18.55 Wetter. Kurzbericht. 19.00 Deutsch für Deutsche ( Dr. J. Günther). 19.30 Das Gedicht. 19.35 Stunde des Landwirts. 20.00 Lebende Schallplatten. Hörspielerei aus Köln. 22.00 Wetter, Nachrichten, Sport. 22.45 Seewetter. Sonst Berliner Programm. Vollständiges Europaprogramm im ,, Volks funk", monatl. 96 Pf., durch alle..Vorwärts" Boten oder die Postanstalten. Verantwortlich für Politik: Rudolf Brendemühl: Wirtschaft: G. Klingelhöfer; Gewerkschaftsbe wegung: Steiner; Feuilleton: Herbert 2e' père; Lofales und Sonstiges: Fri Karstadt: Anzeigen: Otto Sengst; fämtlich in Berlin Ber lag: Vorwärts- Verlag G. m. b S., Berlin. Drud: Vorwärts- Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer 11. Co., Berlin S. 68, Lindenstr. 3 1 Bezugs bedingungen und Anzeigenpreise werden in jeder Morgen- Ausgabe des Borwärts" veröffentlicht. Deutsches Theater Schumannstr. 13 a Weidend. 5201 Täglich 8 Uhr " Hierzu 1 Beilage. Mikosch- Klause Inhaber Leo Roller Freigewerkschaftl. Verkehrslokal Vereinszimmer frisch gestrichen sind mal so Iphigenie auf Tauris Friedrichstraße 246 vis- à- vis vom Carow's Lachbühne Musik von Walter Kollo Söneland, Heidemann von Wolfgang von Goethe Nach der Inszenierung von Richard Beer- Hofmann TheaterHelene Thimig. Hart, Balser, Liebeneiner. v. Winterstein Weinbergsweg 20 Kurfürstend.- Th. RESI Tel. D2, 2174 Beginn Maskenball Primierung den drei schönstesken durch Geldpreise SONNABEND den 11. FEBR. Das Theater ohne Bon- Wirtschaft B. B. B. Kurfürstendamm 209 Bism. 1400 814 Uhr Glückliche Reise Operette von Künneke Preise von 0.60 bis 6. M. 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