Morgen- Ausgabe Nr. 69 A 33 50. Jahrg. Rebattion und Berlag, Berlin SW 68, Lindenstr. 3 Serniprecher 7 Amt Dönhoff 292 bis 297 Telegrammabreffe: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts BERLINER VOLKSBLATT FREITAG 10. Februar 1933. Jn Groß Berlin 10 Pf. Auswärts....... 15 Pf. Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise fiehe am Schluß des redaktionellen Teils Bentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Schmalz um 20 Pfennig verteuert Die erste Tat der Hitler- Hugenberg- Regierung Rätselraten ist nicht mehr nötig. Die erste Tat der Hitler- Regierung ist eine empfindliche Verteuerung des Schmalzes und eine Verschlechterung der Volksernährung. Hugenberg hat als Reichsernährungsminister neben der Erhöhung der Vieh- und Fleischzölle ab 15. Februar die Erhöhung der Schmalzzölle von 10 bzw. 12,50 M. auf 50 M. und die Erhöhung der Speckzölle von 20 auf 36 M. je Doppelzentner angeordnet. Die Verantwortung für diese Maßnahme trägt neben ihm der Reichskanzler Hitler und die Nationalsozialistische Partei! Getroffen wird durch diese Zollerhöhungen die ärmste Schicht des Volkes. Eingeführt wird nämlich das billigste Schmalz, aus Amerita, Dänemart und Holland. Das Auslandsschmalz tostet heute etwa 47 Pfennig je Pfund. Die Zollerhöhung macht gegenüber dem bisherigen Zoll 20 Pfennig auf das Pfund. Da hier echter Einfuhrbedarf vorliegt, wird die Zollerhöhung sich auch im Preise auswirken. Die ärmsten Schichten des Volkes werden in Kürze 20 Pf. auf das Pfund Schmalz mehr zu bezahlen haben. Aehnliches gilt für Schweinesped. Die Hitler- Regierung hat die Zollteuerungspolitik da fortgesetzt, wo die Papen- Regierung im Juli stehen geblieben war. Im Juli hat Papen den Zwischenzoll von 6 Mark beseitigt und den deutsch- schwedischen Handelsvertrag, der weiteren Zollerhöhungen im Wege war, gekündigt. Am 15. Februar läuft der Vertrag ab. Die HitlerRegierung hat prompt nach dem Willen der Großagrarier die Zölle erhöht. Hugenberg hat es gewollt, Hitler gab seine Zustimmung. Das Volk zahlt die Zeche. Jeder Arbeitslose, jede Beschäftigte, jede Hausfrau, auch jeder SA.- Mann kann sich ausrechnen, was ihn diese erste Tat der Hitler- Regierung kostet. Im Arbeiterhaushalt werden monatlich etwa 6 Pfund Schmalz verbraucht. Die Verteuerung allein beim Schmalz wird monatlich 1,20 M. und jährlich fast 15 M. betragen. Und das bei den Unterstützungen und Hungerlöhnen, die heute gezahlt werden! Einschränkung des Fettverbrauchs, neuer Raubbau an der Gesundheit des Volkes wird die Folge sein! Die Begründung lautet, daß der Landwirtschaft geholfen werden soll. Aber was wird eintreten? Die Feme arbeitet! Wieder Ueberfall auf ein Verlagsbüro Nach dem Ueberfall auf das Verlagsbüro der nationalsozialistischen Opposition„ Der deutsche Weg" in der Chausseestraße ist gestern abermals ein ähnlicher Ueberfall auf die Büroräume des Verlags Auffenberg in der Haberlandstraße 7 verübt worden. Vier mit Pistolen bewaffnete Männer, die nach den bisherigen Feststellungen vermutlich zu einem Rollkommando der Nationalsozialistischen Partei gehören, drangen in das Büro ein und bedrohten die anwesenden Angestellten. Der„ Besuch" der bewaffneten Banditen galt dem Redakteur der„ Ente", einem in Berlin verbreiteten, start linfsorientierten politischen Witzblatt, und dem Inhaber des Berlages. Glücklicherweise waren die beiden Verfemten nicht anwesend, so daß die Täter unverrichteter Sache wieder abziehen mußten. Zu dem skandalösen Vorfall, der sich am hellen Tage in einer belebten Straße abspielte, erfahren wir folgende Einzelheiten: Für die., Ente" zeichnet Der Redakteur Hardy W. verantwortlich. Die Schreibweise des Blattes hatte die Nationalsozialisten langsam in Harnisch gebracht, und in den letzten 14 Tagen war der Redakteur W. stän= dig das Ziel schlimmster national= sozialistischer Drohungen. Durch den Fernsprecher wurde W. täglich mehrfach in der gemeinsten Weise beschimpft, und es wurde erklärt, daß man W. eines Tages schon fassen" werde. Bor etwa acht Tagen versuchten die politischen Gegner der Ente" den Redakteur W. aus der Wohnung fortzuloden. Es kam abends ein Anruf, bei dem eine fremde Stimme erklärte, daß Herr W. zu einer Besprechung ausländischer Rebatteure erwartet werde und ein Auto zu einer bestimmten Zeit vor der Wohnung des W. stehen würde. W. ging aber nicht in die sehr plump gestellte Falle. Da die Femebrüder ihrem Opfer und dem Verleger so nicht beikommen fonnten, versuchten sie es gestern mit dem Ueber fall. Offenbar vermuteten die Täter den Redakteur und den Verleger in ihren Büroräumen. Um 15 Uhr erschienen die vier Bewaffneten plötzlich in dem Verlag in der Haberlandstraße. Mit schußbereiten Revolvern bedrohten die Eindringlinge die Angestellten und durchsuchten die Räume Als sie weber W. noch den Verleger G. antrafen, entfernten sie sich wutentbrannt unter der Drohung, daß sie die Gesuchten schon noch in ihre Hände bekommen würden. Einer der Täter brachte noch einen Feuerwerks= törper, offenbar einen Kanonenschlag, zur Entzündung, um die Angestellten an der sofortigen Verfolgung zu hindern. Fluchtartig Deutsches Schmalz kostet 80 bis 85 Pfennig das Pfund. Ausländisches wird nach der Verteuerung 65 bis 70 Pfennig tosten. Vielleicht wird jetzt weniger Auslandsschmalz gegessen und noch mehr von der billigsten Margarine, was auf alle Fälle in der Ernährung eine Verschlechterung bedeutet. Kaum aber wird mehr von dem teuren Inlandsschmalz verzehrt werden. Die deutsche Landwirtschaft wird also kaum einen Vorteil von der Zollerhöhung haben. Wenn man aber daran denken wollte, den ganzen Bedarf in Deutschland selbst zu erzeugen, so wird ein Sturz der Schweine preise eintreten, daß den Bauern die Augen übergehen. Schmalz wächst nämlich nicht auf den Bäumen, sondern im Schwein. Autartie beim Schmalz heißt so viel Mehrerzeugung von Schweinen, daß das Schweine fleisch nur noch mit wachsenden Verlusten unterzubringen ist. Und die Sachverständigen in der Landwirtschaft wissen das ganz genau! Die Zollerhöhungen werden gemacht, weil man sie versprochen hat! Es ist nichts mehr zu raten und nichts mehr zu vertuschen. Die erste Tat der Hitler- Regierung und der Nazis ist ein Schlag gegen die Aermiten! Die Abrechnung wird kommen! verließen die Eindringlinge das Büro und stürm ten die Treppe hinunter. Ein Hausbewoh ner, dem das Verhalten der Burschen verdächtig vorgekommen war, eilte ihnen nach. Auf der Straße gaben die Flüchtlinge auf ihren Verfolger zwei scharfe Schüsse ab, ohne jedoch zu treffen. Alle vier sprangen dann in ein Privatauto und raften mit Vollgas davon. Die beiden leergeschossenen Patronen und ein Hut, den einer der Täter bei der Flucht verloren hatte, sind von der Polizei mit Beschlag belegt worden. Die Politische Polizei wird sich mit der weiteren Aufklärung befassen. ,, Sieben Provinzen" Verhaftungen auf der ,, Java" Amsterdam, 9. Februar. Die für das Vorgehen gegen die Meuterer an Bord der Zeven Provincien" bestimmten Kriegsschiffe haben furz nach Mitternacht mitteleuropäischer Zeit Tandjong Piot verlassen und Kurs auf die Sundastraße genommen, an deren westlicher Einfahrt sich aller Voraussicht nach heute abend mitteleuropäischer Zeit die Entscheidung abspielen wird. In Ergänzung der Meldungen, wonach wegen dieser Meuterei die eingeborene Be= sagung des verfolgenden Kreuzers Java" unter Bewachung gestellt worden sei, iſt noch zu berichten, daß nach Ankunft in Surabaja die eingeboreren Matrosen das Schiff verlassen mußten. worauf sie durch euro= päische Unteroffiziere und Matrosen ersetzt wurden. Auf der Reede von Tandjong Piot wurden vom Bord der Java" drei europäische Angehörige der Besazung von Bord geholt und nach Batavia ins Gefängnis geführt; fie sollen die wichtigsten Rädelsführer sein. Aus Batavia wird gemeldet, daß das Marinedepartement in Niederländisch- Indien beschlossen habe ,,, Sieben Provinzen" als meu= terndes Kriegsschiff zu behandeln und mit der Besatzung nicht zu verhandeln. Eine große Anzahl Kriegsfahrzeuge und 8 Flugzeuge seien mestlich der Sundastraße tonzentriert. Sie wollen Freitag früh 1 Uhr( westeuropäischer Zeit) zum Angriff übergehen. Das Verbot des sozialistischen„ Het Volk" für die Kasernen ist mit der Herausgabe eines Soldatenblattes Die sieben Provinzen" beantwortet worden. Revolverattentat auf den Genossen Siering GlückAuf die Wohnung des früheren, in einem Siedlungshaus bei Spandau wohnenden preußischen Handelsministers Siering ist in der Nacht zum Donnerstag ein Revolverattentat verübt worden. Die Täter feuerten mehrere Schüsse durch die Fensterscheiben in das Wohnzimmer Sierings. licherweise wurde niemand getroffen. Vor einigen Tagen wurden in der Wohnung Sierings, der Mitglied der Sozialdemo= kratischen Partei ist, sämtliche Fenster eingeschlagen. Unweit von der Wohnung Sierings wurde ein Handgranatenanschlag gegen die Wohnung eines Reichsbanner mannes verübt. Das Haus ist schwer Das Haus ist schwer beschädigt. Arbeiterfrau und Wahl Haben die Marxisten Deutschland ruiniert? Von Louise Schroeder Haben die Marristen Deutschland ruiniert? Die Frage ist uns wohl allen gekommen, als wir die Erklärung der Regierung HitlerHugenberg- Papen hörten. Zwei Säge sind es, die uns diese Frage geradezu aufdrängen: Der erste: Vierzehn Jahre Marrismus haben Deutschland ruiniert", und der zweite: ,, Die Aufgabe, die wir lösen müssen, ist die schwerste, die seit Menschengedenken deutschen Staatsmännern gestellt wurde". Sonderbar: eigenartige Bilder steigen auf bei dem Gedanken an die Zeit vor vierzehn Jahren, an die letzten Monate des Krieges: da starb ein lieber Mensch er mußte in Papierkleidung zur Ruhe bestattet werden. Aber schlimmer: es wurde ein Kind geboren Papierwindeln waren seine erste Ausstattung. Der Strumpf, das Hemd, der Rod, Mantel und Stiefel waren bis auf den letzten Fezen verbraucht nach langem Stehen und Umherrennen wurde endlich ein Bezugsschein erworben, aber von ihm bis zum ersehnten Kleidungsstück war oft noch ein Weg von Wochen. Und wenn der Hunger quälte: immer wieder stand auf dem Tisch das Dörrgemüse, der Rübenkaffee, das entsetzliche Brot aus allem möglichen Gemisch, nur nicht aus Mehl gebacken. Und wieviel schmerzlicher war das alles uns Frauen, als nun die Männer von der Front zurückkehrten, zehn Millionen Männer, förperlich, seelisch krank, als die Krüppel aus den Lazaretten nach Hause kamen, und wir konnten ihnen nichts bieten als unsere Not. Hunderttausende aber fehrten nicht zurück, waren dem Krieg zum Opfer gefallen! Und wir selbst? Wer von uns war nach den vier Hungerjahren, nach all der seelischen Not noch gesund? Wieviele waren für ihr ganzes Leben elend gemacht durch die viel zu schwere Arbeit, die sie bei Tag und bei Nacht in der Fabrik, auf der Eisenbahn, auf der Straßenbahn, in der Landwirtschaft verrichtet hatten! Waren an alledem die Marristen, die Sozialdemokraten schuld? Ach nein, diese und manche andere Not war die Folge des Krieges und der Maßnahmen der Kriegsregierungen, in denen fein einziger Sozialdemokrat, sondern die Freunde des Herrn von Papen und des Herrn Hugenberg faßen. Dieses Trümmerfeld aufzuräumen, dem deutschen Volke wieder Lebensmöglichkeiten zu schaffen, das war die ungeheure Aufgabe von vierzehn Jahren! Da aber die früheren Machthaber, die heute ihr Haupt wieder erheben, damals vor dieser Arbeit davongelaufen waren, so mußten die bösen Margisten versuchen, sie zu bewältigen. Sie hatten in der Tat die schwerste Aufgabe seit Menschengedenken zu lösen! Und da sie aus der Arbeiterschaft hervorgegangen waren, so empfanden sie es als ihre selbstverständliche Pflicht, in diesem neuen Deutschland der Arbeiterschaft bessere Lebensbedingungen zu schaffen als im alten faiserlichen Deutschland. Wer hätte davon nichts gemerkt unter unseren Leserinnen! Wenn du als Erwerbstätige dir deinen Lebensunterhalt verdienst, so weißt du, daß nicht nur der im Kriege aufgehobene Frauenschutz wieder hergestellt, sondern daß er erheblich ausgebaut wurde. Oder hast du die Beschränkung der Arbeitszeit, die Mitwirkung des Betriebsrats an der Gestaltung deiner Arbeitsbedingungen gedankenlos hingenommen? Diese Erleichterung an deiner ganz gewiß immer noch schweren Arbeit sind nicht vom Himmel gefallen; sie sind erst in der Republik durch die Sozialdemokratie erfämpft worden. Und wenn du Mutter bist: ist der Schuz der SchmanZeren und Wöchnerin, die dir die Republik für zwölf bis achtzehn Wochen vor und nach der Niederkunft zugestanden hat, gar nichts? Ist es nichts, daß heute zwei Drittel aller niederkommenden Frauen einen Rechtsanspruch auf Hebammen- und Arzt- Hilfe, auf Wochen- und Stillgeld haben? Auch davon war im alten Deutschland keine Rede.. Zehntausende von Frauen gingen deshalb im Wochenbett an Kindbettfieber zugrunde, Hunderttausende von Säuglingen starben in den ersten Lebenstagen. Durch den Ausbau der Mutterschutzgesetzgebung ist die Säug- lingssterblichkeit fast auf die Hälfte, die Muttersterblichkeit auf ein Mindestmaß ge- funken. Ich glaube, der Frau braucht nicht gesagt zu werden, was das bedeutet für Frauen- und Mutterschicksal! Run aber wissen wir alle: über der Frau des Arbeiters, des Angestellten hängen drohend wie ein Damokles-Schwert zwei Sorgen: Krankheit des Ernährers der Fa- milie oder gar feine frühzeitige Invalidität, Arbeitsunfähigkeit, Krankheit aber auch der Familienangehörigen, und— Arbeitslosigkeit! Wer von uns kennt nicht die Sorge des älter und weniger arbeitsfähig werdenden Menschen der Arbeiterklasse, nicht die Angst vor Verlust der Arbeitsstelle!! Wer nur seine Arbeitskraft hat, um leben zu können, dem ist diese Arbeitskraft und ihre Verwendung das höchste Gut. Schlecht hatte dafür das alte Deutschland gesorgt: nur der ärmste Arbeiter hatte Anspruch auf Kranken- Hilfe, auf Alters- und Invalidenverforgung, aber all das nur in allerbescheidenstem Um- fang. Ansprüche für den Fall der Arbeits- losigkeit gab es nicht, ebensowenig wie eine Familienkrankenhilfe. Für all diese Fälle war das Armenamt zuständig, das die Ar- beiterschaft soviel wie möglich mied, weil Armenunterstützung gleichbedeutend war mit Entziehung der politischen Rechte. Hat sich hierin nicht unendlich viel geändert? Immer weiter wurde in der Republik der Kreis der in die Versicherung Eingeschlossenen gezogen, bis über zwanzig Millionen Versicherte mit ihren Familien feste Ansprüche auf Hilfe hatten im Falle der Arbeitsunfähigkeit oder des Alters. Aber auch diese Hilfe selbst wurde von Jahr zu Jahr verbessert: Ein- schkuß der Familienkrankenhilfe. Gleich» stellung der Berufskrankheit mit dem Unfall in der Unfallversicherung, Erhöhung der durchschnittlichen Invalidenrente von 1S,K0 M. ich Monat in der Vorkriegszeit mtf 38 bis �'M. in der Nachkriegszeit. Gedankenlos hat das alles vielleicht nianche Leserin als selbst» verständlich hingenommen— und es ist auch ielbstverftändlich, daß dem arbeitenden Men- schen diese Hilfe gewährt wird— aber selbst- verständlich erst in der Republik. Oder wie wäre es sonst zu verstehen, daß durch diese Maßnahmen das durchschnittliche Lebens- alter innerhalb der letzten zwanzig Jahre um sechzehn Jahre gestiegen ist? Und wie es mit der Versorgung der Arbeitslosen ist, das hast du selbst er- fahren! Erst die Sozialdemokraten, die Marxisten haben die Arbeitslosenunter- stützung im November 1918 geschaffen und ihrem Drängen ist es zu verdanken, daß die Arbeitslosenversicherung im Jahre 1927 Gesetz wurde. Wieviel mehr wäre deine Familie durch die Arbeitslosigkeit verelendet ohne diese Maßnahmen? Nun freilich ist all das in Gefahr geraten durch die Weltwirtschaftskrise des Kapitalis- mus! Aber nicht nur durch sie! Der Un- v e r st and der Wähler, der die Kräfte des alten Deutschland, die Feudalherren und die Großindustrie wieder hat zur Macht kom- men lassen, hat die Erfolge der Revolution aufs schwerste gefährdet. Und nie waren sie mehr bedroht als durch die gegenwärtige Re- gierung. in der H i t l e r sich von Herrn von P a p e n, dem Gegner des„Wohlfahrts- staates", und Herrn Hugenberg, dem Vertreter der Großindustrie, hat in die Mitte nehmen lassen. Wollen wir Frauen da ruhig zusehen? Nein, wir wollen verteidigen, was uns und der Arbeiterschaft die Republik brachte, wollen es wieder aufbauen und wollen es aus bauen? denn unser höchstes Ziel ist der wahre Wohlfahrtsstaat, der Staat, in dem Männer, Frauen, Jugend und Kinder in Arbeit und Freude leben können. Trauerfeier»- oerboten! Inir die Opfer des SA.- Terrors ver Polizeipräsident hol den von der KPD. beabsichligien Trauerzug für die drei von SA.» Leuten ermordeten Angehörigen der KPD. ver- boten. Für den erschossenen Nationalsozialisten Staats» begrobnis— für die von der SA. ermordeten Kommunisten nicht einmal eine Trauerfeier ihrer Parteifreund«! Wahlpropaganba, oder was sonst? Das Märchen von den zwei Millionen In der letzten Sitzung des Landtags hat ein nationalsozialistischer Abgeordneter völlig unbe- gründete Anschuldigungen gegen die Regierung Braun-Severing-Hirtsieser erhoben. Die preußische Regierung hat diese Anschuldigungen sofort zurück- gewiesen. Nichtsdestoweniger schrie die Nazipresse laut:„Betrug, Diebstahl, Unterschlagung". Der „Westdeutsche Beobachter", ein Blatt der Partei des Herrn Hitler, schrieb: „Braun und Severing des Diebstahls über- führt und aus den Aemtern gejagt." Gegen so ungeheuerliche Beschimpfungen regt sich unter dem neuen autoritären System nichts! Die Reichskommissare in Preußen haben gestern folgendes verlautbart: „Am 5. Februar hat das Kabinett Braun in der Presse eine Erklärung veröjfenllicht, in der die im Preußischen Landtag am 4. Februar 1933 von einem Abgeordneten aufgestellte Behaup- tung, das Kabinett Braun habe Staatsmittel für Parteizwecke zur Berfügung gestellt, als objektiv unrichtig bezeichnet wird. Die Kommissare des Reichs müssen demgegen- über feststellen,, daß die Mittel, die bis zum Betrage von 2 Millionen Mark durch einstim- migen Beschluß des Kabinetts Braun vom 6. April 1932 durch Ueberschreitung des Haus- Haltsfonds„Bekämpfung des Bsr- brechertums" gewonnen werden sollten, »ach den amtlichen Unterlagen nicht der Zweck- bestimmung des Fonds entsprechend, sondern fast ausschließlich für andere Zwecke, offenbar W a h l p r o p a g a n d a der damaligen Koal'tionsparteien bei der Landtagswahl 193 2, verwendet worden sind. Im übrigen wird über die Angelegenheit mit Beschleunigung ein Gut- achten der Oberrech nungskammer erbeten werden. Die Kommissare des Reiches behalten sich weitere Schritte vor, sobald dieses Gutachten erstattet ist" Gegen diese Berlautbarungi erklären die preu- ßischen Staatsminister des Kabinetts Otto Braun ganz eindeutig: „Diese Behaupkuag ist unrichtig. Die zur Verbrechensbekämpfung verbuchten vlittel find für diesen Zweck auch tatsäch- lich ausgegeben, wobei bemerkt wird, daß hochverräterische llnternehmun- gen. Spreng st ossattentate, Ge- walt toten, Terror und Staatsver- l e u m d u n g nach dem Strafgesetzbuch zu ahnende vergehen und Verbrechen sind. Die etatsrechtliche Zulässigkeit des Beschlusses hat das zuständige Fachressort vorher geprüft und bestätigt. 3m übrigen ist nur ein Bruchteil der genannten Summe verausgabt worden. Die preußische Regierung hat im Einvernehmen mit der Reichsregierung, zum Teil auf ihre Veranlassung, zum Schuhe des Staates und der Verfassung gehandelt, hätte sie anders gehandelt, so würde sie ihre ver- fassungsmäßigen Pflichten verletzt haben. Aehn- lich ist auch früher in Reich und Ländern ge- handelt worden. Das vom Reichskommiffar ein- geforderte Gutachten der Oberrechnungskammer kann nur diesen Sachverhalt bestätigen." Gegenüber dem Geschrei der nationalsozialistischen und deutschnationalen Presse muh ferner folgendes festgestellt werden: Diese angeblichen Enthüllungen gehen zurück aus ein Protokoll des Staatssekretärs N o b i s vom 39. Juli. Dieses Protokoll hat dem Staatsgerichts- Hof vorgelegen. Am 29. Oktober hat eine Unter- redung zwischen Otto Braun, Hindenburg und Papen vorgelegen. Bei dieser Unterredung er- klärte Papen, die Reichsregierung habe niemals die persönliche Integrität Otto Brauns und seiner Amtskollegen angezweifelt. Trotzdem werden heute dieselben Dinge, mit denen einst in der Oessentlichkeit und vor dem Staatsgerichtshof operiert worden ist, wieder her- vorgezogen, und die Nazipresse schreit: Diebstahl, Betrug, Unterschlagung! Diesen schmutzigen Verleumdungen in der Nazi- presse begegnet die Verachtung aller anständig denkenden Menschen. Sie führen höchstens zu Be- trachtungen über das merkwürdige Verhältnis von Presieknebelung hier und Schimpffreiheit dort, das heute in Deutschland besteht. Der Zweck des Geschreis in der Nazipresie und in der Hugenberg-Presie ist ja im übrigen ganz klar: die S ch a nde der O st Hilfejunker soll überschrien werden! Neue Abrliftungskrise Oezeinbereimxime in Frage gestellt In den neuen Beratungen des Hauptausschusses der Abrüstungskonferenz ist in den letzten zwei Tagen eine offensichtliche Versteifung einge- treten. Nachdem Paul Boncour seinen Plan unter stärkster Hervorhebung desjenigen Teils verteidigt hatte, der die französischen Sicherheitsforderungen enchält, ist dieser sran- zöstsche Plan Ziemlich einmütig von ven übrigen Delsgationen abgelehnt worden. Nun ist man dazu übergegangen, den englischen Plan zu beraten. Der deutsche Vertreter. Botschafter N a d o l n y, hotte Ausführungen gemocht, die in der Cr- klärung gipfelten, daß die Gleichberechtigungsfragc durch die Genfer Einigungsformel vom 11. Dezember grund- jählich und endgültig für die fünf beteiligten Großmächte geregelt fei. Demgegenüber bestritt Paul Boncour, daß dieses Problem endgültig geregelt sei, well über die T r a g w e i t e der Erklärung vom 11. De- zember verschiedene Auffassungen vorhanden seien. Außerdem müßten alle Länder Gelegen- heit haben, sich zu dieser Formel zu äußern und deshalb müßte die Debatte darüber eröffnet werden. Daß die Genfer Einigungsformel vom 11. De- zember zwar einen Fortschritt, aber noch lange nicht die Ueberwindung der großen Streitstagen auf der Abrüstungskonferenz bedeutet, ist hier von vornherein hervorgehoben worden. Es wurde gleich vorausgesagt, daß der große Streit um die Auslegung dieser Formel erst bevor- stehe. Auf deutscher Seite las man natürlich besonders die grundsätzliche Anerkennung der Gleichberechtigung für olle Länder heraus, während auf französischer Seite jene Stelle der Formel besonders hervorgehoben wurde, die ein Zugeständnis an die französische Sicherheit?- sorderung enthielt. Wenn aber nun der stanzösische Außenminister mit ziemlicher Schroffheit plötzlich die ganz« Einigungsformel vom 11. Dezember in Frage zu stellen scheint, so spielt dabei offenkundig der Rückschlag eine Roll«, der in den letzten Tagen in der französischen öffentlichen Meinung gegenüber Deutschland eingetreten ist....Di« Bildung der R egie x u.n g H i t l e r- P a p e n- Hugenberg und-die Ereignisse- seit, dem 39. Januar haben in Frankreich und übrigens in der ganzen Welt einen sehr starten Widerhall gefunden. Die neue Reichsregierung ist zwar sichtlich bemüht, aus außenpolitischem Gebiet den Grundsatz der Kontinuität in den Vorder- grund zu rücken und nirgends Anstoß zu erregen, ollein es scheint, daß die neue welle des Mißtrauens gegen Deutsch- laud dadurch bisher nicht gebrochen werden konnte. Es hat sogar den Anschein, als ob Frankreich, das gegenüber der Regierung Schleicher- Neurath grundsätzlich bereit war, Deutsch- land unter gewissen Voraussetzungen die Miliz zu gewähren, diese Zusage gegenüber der Re- gierung Hitler- Neurath schleunigst wieder rückgängig machen möchte. Klare Fragen an Japan Genf, 9. Februar. Der 19er Ausschuß der Völkerbundsvollvevsamm- lung hat am Donnerstag an Japan zwei deutliche Fragen gestellt. Die eine will eine klare Präzisierung der Haltung Japans zur Autonomie der Mandschurei unter ch i n e s i- scher Oberhoheit, wie sie im Lytton- Bericht als Lösung empfohlen ist. Ferner will das Komitee wisien, ob Japan seinen Angriff aus die Provinz Jehol endgültig einstellt. vapen an Frankreich Interviev mit einem Vertreter des„Temps" Vizekanzler von Papen schüttete gestern einem Vertreter des Pariser„Temps" sein Herz aus. Er versicherte, alle Parteien wünschten Enstpannung der deutsch-französischen Beziehun- gen. Nur dürfe Frankreich nichts fordern, was es selber, wäre es in derselben Lage wie Deutsch- land, verweigern würde. Die Wirstchaftskrise müsse bei allen Völkern den Wunsch auslösen. auf Gewaltauwendung zu verzichten und zu einer immer engeren Zusammenarbeit überzugehen. Bedeutend weniger pazifistisch äußerte sich der Vizekanzler über die innere Politik. Er ging dabei sehr weit aus sich heraus, wohl deshalb, weil er in dem Ausfrager, der T a r d i« u und der französischen Eisen- industri« nahesteht, eine verwandte Seele ver- mutete. Er hielt es darum auch für paffend, die von ihm beschworene Weimarer Verfassung vor dem Ausländer stark herunterzumachen. U. a. sagte er: ,Lie Weimarer Verfassung sei so eng umgrenzt, daß man zur Tatenlosigkeit ver- urteilt sei, wenn man sich an ihren Buchstaben halte." Also hält man sich nicht an den Buchstaben! Aber eine Verfassung, die diesen Herrn von Papen wirklich zur Tatenlosigkeit verurteilte, könnte man direkt liebgewinnen. Der Echwedenkrach Deutsch-offiziose Meldung wird dementiert Eigener Bericht des„Vorwärts" Stockholm, 9. Februar. Di« offiziös« deustche Erklärung, daß der stell- vertretende Außenminister U n d e n dem deustchen Gesandten gegenüber„volles Verständnis" für die Anregung gezeigt habe, auf die schwedische Vresse dahin einzuwirken, daß sie nicht gegen die Re- gierung Hitler-Papen-Hugenberg schreibe, und daß die schwedische Regierung eine solch« Einwirkung zugesagt hätte, ist hier mit größtem Er- staunen aufgenommen worden. Man weiß be- st i m m t. daß Minister Unben, genau dem schwedischen Rechtszustand enstprechend, geantwortet hat, in Schweden bestehe Pressefreiheit und er habe gar kein Recht zu einer derartigen Ein- Wirkung. Die gesamte schwedische Presse ohne Unterschied der Parteistellung, von ganz links bis ganz rechts, nimmt einmütig in der schärfsten Weise Stellung sowohl gegen das Eingreifen des deustchen Reichsministers G ö r i n g wie auch gegen die Intervention des deutschen Ge- sandten. Diese Schritte dürften aller Wahrschein- lichkeit nach nur zur Folge haben, daß die schwe- dische Presie. noch, schärfer al? bisher die politischen Zustände in Deutschland beobachtet und beurteilt. Wahlabkommen der Splitter Zwischen Zentrum und Harzburg Die Deutsche Volkspartei, der Christ- lichsoziale Voltsdienst und die Deutsche Bauernpartei haben ein tech- nischee Wahlabkonnnen getroffen. Alle drei Par- teien stellen einen gemeinsomeü Reichswahloor- schlag auf, an de» alle selbständigen Kreiswahl- vorschlage der drei Parteien angeschlossen werden. Die politische Selbständigkeit der beteiligten Parteigruppen soll von diesem Wahlabkommen nicht berührt werden. Arbeitsministerium Die Pläne Hugenbergs Von der Aufteilung des Ar» beits Ministeriums war es in de« letzten Tagen ziemlich ruhig geworden. Jetzt meldet die„51 ö l n i s ch e Z e i t u n g". daß die Entscheidung über die Auflösung bereits getroffen sei, mit der Bekanntgabe und Umgruppierung selbst jedoch erst nach den Wahlen zu rechnen wäre. Der Plan selbst sei nicht geändert. Das Reichsarbeitsmiuisterium werde künftig im wesentlichen nur die Fragen der V e r» forgung und des Arbeitsdieastes be- arbeiten. Das Arbeitsrecht, der Arbeits- schütz, die Lohnpolitik, das Tarifvertrags- und Schlichtungswesen, sowie die Arbeits- Vermittlung und die Arbeitslosenverstche- rung würden nicht mehr im Reichsarbeits- Ministerium behandelt werden. Man werde ste einem Kommissariat unter- stellen, dessen Oberleitung dem Wirt- schafts- uud Ernährungsminister H u g e«- berg zugedacht sei. Diese Nachricht der„Kölnischen Zeitung" ist nicht dementiert worden. Wir haben also guten Grund, ste als richtig zu betrachten. Werden diese Pläne durchgeführt, dann liegen alle für das soziale Dasein der erwerbstätigen und der erwerbslosen Menschen wichtigen Entscheidungen i n der Hand des Mannes, der nie ei» Hehl daraus gemacht hat, daß er ein Gegner des von der Staatsgewalt aus- geübte« sozialen Schutzes sei. ERSTE BEILAGE Vorwärts Ein ganzes Jahr Nazi- Terror Nach den Vorfällen, die sich in den letzten Tagen in Mahlsdorf abgespielt haben, muß man sich fragen, ob es sich hier um das zufällige zu. fammentreffen zweier politischer Handstreiche handelt oder ob etwa der äußerste Berliner Osten fich eines besonders ausgeprägten politischen Rowdytums erfreut. Die nachfolgende Chroni des vergangenen Jahres, die aber nur eine Ausmahl in vorgekommenen Fällen ist, spricht sehr für die lettere Annahme. Am 19. Januar 1932 wurden trotz Uniformverbot mehrere uniformierte Angehörige der SA. vor der Gärtnerei Golm in Kauls dorf vom Ueberfalltommando festgenommen; fie hatten vorübergehende Republikaner in übler Beise angeflegelt. Es stellte sich später heraus, daß sie an einer nationalsozialistischen Uebung in dem ausgedehnten Kaulsdorfer Laubengelände teil. genommen hatten. Ein Strafverfahren ist nicht durchgeführt worden. Am 1. Februar fand vor dem Schöffengeright in Lichtenberg ein Termin statt gegen ben nationalsozialistischen Studenten Obst aus Raulsdorf und den SA.- Mann Wan. drei aus Mahlsdorf. Obst hatte eines Nachts den Gewerkschaftssekretär Br. aus Kauls. dorf angerempelt. Im Laufe der Auseinanderfegungen gab Wandrei einen scharfen Schuß auf Br. ab, der aber sein Ziel verfehlte. Obst er. hielt 20 M. Geldstrafe, Wandrei 4 Wochen Gefängnis. In der Berufungsinstanz wurde Obst, auf den der Vorfall zurückzuführen war, sogar freigesprochen, die Strafe gegen Bandrei bagegen bestätigt. Am 13. März, morgens gegen 6 Uhr, murde in Baulsdorf in der Köpenicker Straße ein Reichsbannerfamerad von einer Gruppe SA.- Leute beschimpft und von dem Studenten Obst tät. Bürgerkrieg... So sieht es im äußeren Osten aus lich bedroht. Polizei verhütete weitere Zusammen stöße. Etwa eine Stunde später überfiel die gleiche SA.- Gruppe in der Birkenstraße in Kaulsdorf Süd einige Kommunisten, die zum Schutze ihrer Wahlplafate unterwegs waren. Es gab auf beiden Seiten blutige Köpfe. Die Polizei nahm zwei Nationalsozialisten und zwei Kommunisten fest. Von einem Strafverfahren gegen die SA.- Leute ist nichts bekannt. In der Nacht vom 14. zum 15. April wurden mehrere Angehörige der Eisernen Front von etwa 50 Nationalsozia listen in Rauledorf- Nord überfallen. Die Bo lizei war rechtzeitig zur Stelle und drängte die Nationalsozialisten in das Kaulsdorfer Schüzenhaus zurüd, wo die NSDAP. eine Versammlung hatte. Von einem Strafverfahren gegen die S2. Leute ist nichts bekannt. Am 22. April überfielen etwa 20 National fozialisten in der Siedlung Gartenheim in Mahlsdorf- Nord vier Kommunisten, die dort Flugblätter verteilten. Das Ueberfallkommando nahm 8 Nationalsozialisten fest. Ob gegen sie ein Strafverfahren durchgeführt wurde? Am 23. April fand im Lotal von Anders in Mahlsdorf eine SPD.- Versammlung ftatt. Die Polizei wies etwa 50 Nationalsozialisten aus dem Saal. Da bei einer Reihe dieser Leute Waffen gefunden wurden, mußten sie den Weg zur Wache antreten. Als sie von der Po lizei entlassen wurden, war der letzte Zug nach Berlin schon weg. Die Nationalsozialisten. ver. suchten mit Gewalt auf den Bahnsteig zu ge langen und verprügelten den Schließer, der ihnen den Zutritt verwehren wollte. Bon einem Strafverfahren gegen die Beteiligten ift nichts bekannt. Am 22. Juni wurde nachts gegen 23 Uhr vor dem Lokal von Gruhn in Mahlsdorf der 23jährige Milli 2öchler, Mitglied der SA, von der Pofie suchen nach Patronenhülsen und Einschüssen. In unmittelbarer Nähe, am Rande des BürgerEin nächtliches Erlebnissteiges und im Rinnstein werden acht PatronenSpät ist es geworden, 1 Uhr nachts ist schon vorbei. Am Knie verlassen wir den Autobus. Die Berliner Straße liegt friedlich in ihrer Borgartenverschlafenheit. Wenig Menschen, kaum eine Straßenbahn alle Lichter strahlen in der feuchten Luft einen milden Glanz. 17 es Da knallt's. Dann noch einmal, zweimal fnattert... Wallstraße?!" Das ist der nächste Gedanke. Gerade stehen wir vor der Wallstraße, die friedhofsstill ist. Wir starren und horchen. Aber es ist nichts. Kein Schreien, kein Laufen, feine Aufregung Also werden es wohl Fehlzündungen von Autos gewesen sein, die das Großstadtecho vervielfachte, verstärkte. Weiter zum Wilhelmplaz. Schupos besteigen einen mit Scheinwerfern ausgerüsteten Schnellwagen Aber das ist nichts Besonderes in dieser unruhigen Zeit. Die Berliner Straße hinunterda fommt ein ,, Flizer" um die Ecke. Die Tschafos der Polizisten blizen, im Halbdunkel sieht man zwei Zivilisten zwischen ihnen. Und da scheint doch jemand zu liegen? Ein Verwundeter? Ein Toter? An der Ede stehen Leute und sprechen gedämpft. Man sieht sofort, hier ist etwas los. Hinein in die Cauerstraße. An der nächsten Ecke halten zwei Schupoautos. Die Beamten sind abgefprungen, fragen und suchen. Unter denen, die etwas gesehen haben oder gesehen haben wollen, entsteht schnell eine lebhafte Diskussion. Die Beamten richten die Scheinwerfer auf die Straße; hülsen gefunden. Hier, noch nicht 100 Meter von der Berliner Straße, hat also die bewaffnete Gruppe gestanden und gefeuert. Die Gegner waren auf der anderen Straßenseite. Jemand erzählt: Zwei Verwundete hat's gegeben. Einer hatte einen Armschuß und einen Stedschuß im Rüden. Nicht weit vor mir gingen sechs Mann; auf der anderen Seite eine Gruppe von vier Mann. Plötzlich schossen sie wie die Wilden aufeinander los dann waren sie verschwunden. Die Polizei hat nachher noch drei gegriffen." Die Polizei findet im ganzen 40 leergeschossene Patronenhülsen und sechs volle Patronen. Die Polizei meldet, daß die beiden Schwerverletzten Kommunisten sind, daß sie keinen Schüßen ermitteln fonnte und daß sie nicht weiß, ob die Kommunisten auch geschossen haben, da alle Batronenhülfen auf einer Straßenseite gefunden wurden So enthüllt sich der Tatbestand. Sechs und jeder hat seine Naziburschen ,, Kanone" in der Tasche, die er rücksichtslos handhabt. Adolf Hitler stößt jeden aus seiner Bewegung, der bewaffnet. ist? Nur schade, daß er nicht jeden bemaffneten SA.- Mann fennt! Die juristische Sprechffunde fällt des Umzugs wegen am Sonnabend, 11. Februar, aus. Vom Montag, 13. Februar, findet sie wieder Lindenstraße 3, erster Hof, 3. Aufgang, 1 Treppe, statt. JUD FREITAG, 10. FEBRUAR 1933 lizei festgenommen. Er führte Waffen und Munition bei sich. Wie die polizeilichen Er. mittlungen ergaben, war ein Ueberfall geplant. Am 28. Juni wurden einige Mitglieder der Kaulsdorfer Arbeiterjugend vor dem Kaulsdorfer Jugendheim von unifor. mierten SA.- Leuten überfallen. Die Polizei nahm mehrere Nationalsozialisten fest. In einem örtlichen Flugblatt der NSDAP. wurden dann die Vorfälle in einen Ueberfall auf einige unserer jüngsten Kameraden" umgelogen! Bon einem Strafverfahren hat man nichts gehört. Nachdem Hitler Reichskanzler wurde, fühlt sich das politische Strolchtum wieder. In Biesdorf schlugen zwei Nationalsozialisten vor den Schillersälen einen Kommunisten nieder. Als der Kom. munist sich zur Wehr setzte, flüchteten die Natio nalsozialisten zur Polizei und gaben an, sie seien von dem Kommunisten überfallen worden. In Raulsdorf sollten nach einer Mitgliederver. fammlung des Reichsbanners die nach Hause gehenden Teilnehmer überfallen werden. Der Alarm klappte aber nicht und die vom Lokal Brückner aus im Sturmschritt lossausenden SA.- Leute mußten unverrichteter Dinge wieder umfehren. In Mahlsdorf hat der Alarm mir berichten fonnten besser geklappt! mie Es hat sich herausgestellt, daß leider die Gerichte nicht mit erforderlicher Schärfe gegen die natio nalsozialistischen Rowdys vorgehen. Nur wenige Fälle der früheren Jahre sind zur Aburteilung gelangt, und fast immer fielen die Urteile sehr mild aus. Die Erregung unter der republikani. schen Bevölkerung im Berliner Often ist aufs höchste gestiegen. Vor allen Dingen müßte die Schußpolizei schleunigst verstärkt werden, damit den nationalistischen Strolchen das Handwerk gründlich gelegt werden kann. [ Et dibine 1988 Preisrätselvampyre Zehntausende betrogen Ein Konsortium von elf Angeklagten mit dem mehrfach einschlägig vorbestraften Rauf mann Foersterling an der Spike unter den Angeklagten befinden sich noch mehr einschlägig vorbestrafte Kaufleute, auch ein Fabrikant und ein Dr. jur. hat sich vor dem Landgericht I wegen unlauteren Wettbewerbs und Betruges in vielen tausend Fällen zu verant= worten. Die Verhandlung dürfte mehrere Wochen in Anspruch nehmen. Ausgangspunkt der Betrügereien war die Spekulation auf die Preisrätsellösungswut weitester Volksschichten, und es war richtig spekuliert worden: Hunderttausende von Mark wanderten aus den Taschen der RätselLöser in die Taschen der Angeklagten. Der Angeklagte, hervorragender Spezialist in Firmengründungen, eröffnete im Jahre 1931 die Werbezentrale für neuzeitliche Raumkunst"- obgleich er erst vor kurzem einen Offenbarungseid geleistet hatte und feinen Pfennig besaß. Die Firma erließ in einer großen Anzahl von Provinzzeitungen in Preisausschreiben, denen es u. a. hieß: Die Einsender der richtigen Lösung nehmen teil an der Verteilung der Preise im Gesamtwerte von 5000 Mart. Erster Preis: Motorrad, zweiter Preis: Zimmereinrichtung, es folgen Standuhr, Faltboot, komplette RadioNezanschlußgeräte ,. Staubsauger, Fahrräder, Photoapparate, 100 Gebrauchsgegenstände usw. Die Lösung des Preisrätsels war sehr leicht zu finden. Es erfolgten viele Einsendungen von rịch tigen Lösungen. Statt des versprochenen Preises erhielten aber die Einsender ein Schreiben, in dem mitgeteilt murde, daß sie bei Einsendung der Berpadungs- und Transporttosten von etwa Mart 9,50 eine Standuhr erhalten mürden oder bei Einsendung von 15 Marf einen Röhrenapparat. Die Standuhr entpuppte sich als einfacher hoher Holzfasten mit einem Becker, der Radioapparat als ganz veraltetes Zeug, mit dem nichts anzufangen war usw. usw. Drängten befonders wißbegierige Einsender darauf zu wissen, mer die ersten Preise erhalten habe, wurde Herrn Foersterling die Sache brenzlich, so verkaufte er schnell seine Firma an einen ebenso tüchtigen Monn wie er selbst es war. Die unter anderem Namen entstandene Firma verpflichtete sich zwar die Verpflichtungen der früheren Firma zu übernehmen, dachte aber gar nicht daran, dies zu tun, sondern begann mit demselben Schwindel von neuem, um im erforderlichen Augenblick die Firma meiter zu pertaufen. Bedenkt man, daß ein Teil der Angeklagten bereits wegen ganz ähnlicher Preisrätselschwinde leien vorbestraft iſt, ſo ſcheint es unper, ständlich, daß diesen Leuten nicht ein für allemat das Handwerk gelegt werden kann. Terror in Mahlsdorf ban Unsicherheit in den Straßen. In Mahlsdorf haben sich durch das Treiben der nationalsozialistischen Banden Zustände ent mideft, die nur noch als bürgerkriegsahnlich bezeichnet werden können. Es vergeht teine Nacht, ohne daß friedliche Passanten von national sozialistischen Trupps bedroht und angepöbelt werden. Nach Schluß einer Mitgliederversammlung maren gestern nacht auf dem Heimwege wiederum mehrfach Sozialdemokraten den Bedrohungen bewaffneter nationalsozialistischer Trupps ausgesetzt. Gegen 412 Uhr wurde hinter heimgehenden Berfammlungsteilnehmern in der Graudenzer Straße und in der Röntgenstraße scharf geschossen. Glücklicherweise wurde niemand verletzt. Leider gelang es aber auch nicht, einen der Täter zu faffen. In der Markgrafenstraße fah fich eine Gruppe von Sozialdemokraten plöglich einem Razitrupp gegenüber. Die Mehrzahl der Burschen zog plötzlich Pistolen. Die ent schloffene Haltung unserer Genossen hielt die Nazis von weiteren Gewalttätigkeiten ab. Beim Erscheinen des Ueberfallkommandos waren die Leute Unter des Dritten Reiches längst ausgeriffen. ihnen wurden jedoch die Gebrüder Großmann, zwei jüngere Naziburschen, genau erkannt. 1 Sozialistischer Wahlfieg An der Deutschen hochschule für Politik fanden soeben die Wahlen zum Hörerausschuß statt. Man durfte dieser Wahl mit besonderem Interesse entgegensehen, da es die ein zige Hochschule ist, an der Politik als Wissenschaft betrieben wird. Die Liste Sozialistische Front" erhielt 122 Stimmen und 2 Mandate, die kommunistische List e 54 Stimmen und Mandat, die Nationalsozialisten 42 Stimmen und 1 Mandat, die als überparteilich getarnte 3entrumsliste 47 Stimmen und 1 Mandat, die Deutschnationalen 20 Stimmen und 1 Mandat. Die Nationalsozialisten nerloren gegenüber der vorigen Wahl 20 Stimmen, die Sozialistische Front" dagegen gewann 20 Stimmen. Dieses Ergebnis, das den Claren Sieg der Sozialistischen Front" zeigt, kann uns nicht überraschen, aber es beweist die Richtigkeit unserer Ansicht: Ueberall da, wo man sich ernsthaft mit Politik beschäftigt, mendet man sich von der NSDA P. ab und entscheidet sich für die Sozialdemokratie. Zeppelin- Weltfahrten 264 echte Bromsilber- Fotos: Vom ersten Luftschiff bis zu den Reisen des LZ 127>> Graf Zeppelin. Diese neue und gegenwärtig interessanteste Bilder- Sammlung finden Sie in allen Packungen: Deutschlands weitaus CLUB beste 3% Pfg- Zigarette Die Tausch- Bedingungen der bisherigen Bromsilberbilder- Serie werden übermorgen veröffentlicht. Einbruch auf Bestellung Eine unglaublich törichte Filialleiterin Wie im Film", murmelte der Borsigende der Großen Straftammer des Landgerichts II vor sich hin, als die wegen Einbruchsdiebstahls Angeflagten auseinanderseiten, wie sie zu ihrer Tat einem Einbruch in die Filiale der Firma Etam, gekommen find. Die Leiterin dieser Filiale, Fräulein R., die schon seit mehr als zehn Jahren bei dieser Firma angestellt war, hatte in der letzten Zeit von der Geschäftsleitung viele Borwürfe hören müssen, da ihre Ladenkasse bei den Abrechnungen ein immer größeres Manto aufmies, bas schließlich auf einige hundert Mart angelaufen war. Fräulein R., die sich für dieses Manto nicht ver antwortlich fühlte, da sie glaubte, daß es durch Diebstähle pon Kunden entstanden war, flagte im vergangenen Herbst einmal einer Freundin ihr Leib. Dabei ließ fie auch eine unglaublich dumme und törichte Bemerkung fallen, daß fie fich einen Einbruch in ihre Filiale münsche, damit dieses unselige Manto endlich einmal verschwände. Von diesem Wunsch der Filialleiterin hörte ein Bekannter der Freundin, der schon oftmals megen 110 Bitte an alle! Schließt die Türen der S- Bahn und der U- Bahn Durch die automatische Schließung der Wagentüren bei der S- Bahn hat sich das Publikum abgewöhnt, felbst auf geschlossene Türen zu achten. Im Sommer mag bas angehen, während der falten Jahreszeit ist es jedoch für die Reifenden unangenehm und auch gesundheitsschädlich, auf jeber Station dem talten Luftzuge aus. gefegt zu sein. Der zuſteigende Reisende, der noch vom Gehen warm ist, empfindet die Kälte zunächst nicht, er denkt barum auch nicht daran, die Tür hinter sich zu schließen. Einige Stationen weiter ist auch er über die Rüdsichtslosigkeit der anderen Reifenden empört. Darum eine Bitte an alle: Bartet nicht, bis die Türen sich automatisch schließen, sondern macht sie selber zu! Neue Plakate mit entsprechendem Tegt, die die Reichsbahn jegt in den S- Bahnwagen anbringen läßt, merden die Reifenden stets an diese Mahnung erinnern. Auf der 1. bzw. Hochbahn zeigt sich ein anderer nicht minder unangenehmer Mißstand. Offenbar ist auf den Bahnhöfen zu wenig Per fonal, so daß manchmal zwei oder brei Wagen mit offenen Türen abfahren. Immer wieder fann man beobachten, daß sich besonders die Herrenwelt für zu gut hält, aufzustehen und die Tür zu schließen. Man überläßt das gaz nicht selten den Frauen, die, um nicht dem eisigen Zug ausgefeßt zu sein, sich während der Fahrt an die offene Tür begeben und diese schließen müffen. Das fönnte mit Hilfe der Männer im Publikum bald geändert werden. Kugeln und Handgranaten Zwei nächtliche Attentatsversuche Die Rolonie Fintenfrug bei Spanbau und die benachbarte Billenkolonie albheim" maren nachts der Schauplag zmeier aufregender Vorfälle. In der Wilmsstraße in Fintenkrug bewohnt der frühere Handelsminister, Genosse Siering, ein fleines Landhaus, Nachts wurden plöglich mehrere scharfe Schüsse gegen das Haus abgefeuert, Die Geschosse zertrümmerten mehrere Fensterscheiben und fielen im Innern des Gebäudes nieber. Die Täter flüchteten und entfamen. Der zweite lleber. fall wurde auf das Landhaus einer Witwe in der Kolonie Waldheim" verübt. Dort wohnt ber Führer der republikanischen Motorradstaffel, der SEJ " vin Einbruchsdiebstahls vorbestraft war, und der diesen Tip guten Bekannten weitergab. Fräulein R. ließ sich außerdem von einem ihr unbekannten Mann in einem Café über die Einrichtung des Geschäfts ausfragen, der sich auch noch die Ladenschlüssel zeigen ließ, von denen er Abdrücke nahm. Dieser Unbekannte veranlaßte dann, daß an einem Sonnbagmorgen, am 23. Oktober, zwei Einbrecher mit einer Freundin in die Filiale gingen und dort anfingen die Ware im Werte von 13 000 m. zufammenzupaden. Eine Polizeiftreife bemerfte einen Wagen auf der Straße und Leute im Baden, so daß die ganze Einbrecherbande bis auf jenen Unbekannten in flagranti ergriffen wurde. Das Gericht perurteilte die törichte Filialleiterin wegen Beihilfe zum schweren Diebstahl zu acht Monaten Gefängnis. eine junge Berkäuferin wegen derselben Straftat zu brei Monaten Gefängnis und den Mann, der den Lip aufge nommen und weitergegeben hatte, zu einem Jahr Gefängnis. Als Einbrecher wurben die schon häufig vorbestraften Angeklagten, der Fleischer Karl Proste und der Schlosser Gustav öne, zu je 2 Jahren 6 Monaten Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust verurteilt. zugleich Mitglied des Reichsbanners ist, zur Untermiete. Mehrere Täter schlichen sich in der Duntelheit an das Haus heran und legten bort mehrere Handgranaten nieder, die vermutlich durch einen Zeitzünder zur Explosion gebracht wurden. An dem Haus wurde schwerer Sachschaden angerichtet, der Reichsbannermann blieb glücklicherweise ungerichts III unter Borftz von Landgerichtsdirektor Bunge ein Beweisbeschluß verkündet. Ueber die Borgänge im September 1929 und bie Rolle, die der Beklagte Rosenthal dabei gespielt hat, sollen zunächst die Stadthankdirektoren Hoff= mann und Schröder als Zeugen vernommen werden. Das Gericht beschloß meiter, evil auch den früheren Stadtamtmann Hoge und den Stlaret Buchhalter Lehmonn sowie Leo Gtlaret selbst als Zeugen zu verrehmen Mit dem Ver treter der Stadt, R.-A. Fabian, erörterte das Gericht bereits heute die Modalitäten für eine Vernehmung Leo Stlarets, und zwar wurde angeregt, daß sich das Gericht zusammen mit den Berteidigern zweds Durchführung der Bernehmung nach dem Zuchthaus Ludau begibt, wo Leo Stlaret betanntlich seine Strafe gegenwärtig verbüßt. etwaige bere 50 Grad Kälte Sibirien in Amerika New York. 9. Februar. Die Don ben amerikanischen Weststaaten tommende Kältemelle hat nunmehr New York er reicht, wo ein eisiger Wind weht. Es erfolgte ein außerordentlicher Temperatursturz von plus 17 Grad Celsius am Mittwoch auf minus 11 Grad Celsius am Donnerstag. Im ganzen Lande find über 50 Berfonen erfroren. Die Nordweststaaten melben eine Temperatur von minus 50 Grad im Gebirge. Der Schnee liegt in einer noch nie dagewesenen Höhe von sechs Metern, so daß der Verkehr vollständig unterbrochen ist. Die Wetterwarten sagen zunehmende Kälte voraus. paßt aber diese Behauptung mit der Tatsache zusammen, daß die Firma Krupp 1912 berichtete, sie habe bereits 57 000 Kanonen hergestellt und davon mehr als die Hälfte, nämlich 27 000 an das Ausland, an 52 verschiedene„ Vaterländer", verkauft. Mit diesen deutschen Kanonen sind dann im Weltkrieg deutsche Soldaten getötet worden. Bemerkenswert gegenüber der Behauptung der ,, nationalen Belange" der Rüstungsindustrie iſt auch die Tatsache, daß Herr Kiupp von Na= poleon III. für Verdienste um das französische Heereswesen" den Orden der Ehrenlegion erhalten hat. In Deutschland betrugen die Ausgaben für das Konto Krieg" 1931 insgesamt 65 Proz. der Gesamteinnahmen des Reichs, in den Bereinigten Staaten sogar 72 Proz. In allen Ländern sind die Ausgaben für Rüstungen höher als die Ausgaben für Schule, Bildung und Wohlfahrt, d. h. höher als alle Ausgaben für die Kulturpolitit. Diese Wehrpolitif sichert" aber das Land auf keinen Fall, das beweisen die vielen Derlorenen Kriege. " Die beste Wehrpolitif ist die Erhöhung der Ausgaben für die Kultur, ist die gänzliche Abrüstung. Diese ist zweifellos möglich, denn auch die deutschen Länder tragen ihre„ böltischen Gegensäge" nicht mehr mit den Waffen aus. In wenig Worten Einem Spanbauer Häusermaller ist auf der Fahrt von Berlin nach Spandau seine Brieftasche mit einem Inhalt pon 16 000 m. in Scheinen gestohlen worden. * Auf dem Gelände der August Thyssen- Hütten am Hafen Welgern bei Hamborn wurden etwa 10 bis 12 Personen von Zechenwärtern beim Kohlendiebstahl überrascht. Einer der Diebe fonnte verlegt. Bei den Tätern handelt es sich zweifellos Wehrpolitik- Kulturpolitik festgehalten werden, während die anderen die um Rechtsradikale. Bon Beamten der Landeskriminalpolizei, die nach Fintenfrug entfandt wurden, ist inzwischen ein mutmaßlicher Täter festgenommen worden. Weitere Festnahmen sollen bevorstehen. In einer Rundgebung der Sozialistischen Studentenschaft sprach in der Deutschen Hochschule für Politit Genosse Lehmann Rußbülbt über das Thema Wehrpoliti! Rulturpolitit". Er führte aus: Behrhaftigkeit bedeutet im ursprünglichen Sinne des Wortes Organisierung der Abwehr. Aber was ist heute daraus geworden? Man sagt Wehr politit" und mein vielleicht Brofitpolitit" " Berlin gegen Rosenthal Die Brofitrate der Rüftungsinbu Gericht fährt nach Luckau In dem Schadensersaßprozeß, den die Stadt Berlin gegen den Kaufmann Moriz Rosenthal in seiner Eigenschaft als früheres Mitglied des Kreditausschusses der Berliner Stadtbant auf Zahlung von zunächst 100 000 mart angestrengt hat, wurde heute von der Biniltammer des Landstrie liegt nämlich 200 bis 300 Proz. über dem Normalpreis, d. h. die Erzeugnisse werden dreibis viermal über ihren Wert bezahlt. Die französische Waffenfabrit Hotchkiß hat jahrelang 90 Proz. Dividende ausgezahlt und bei allen anderen Firmen der Rüstungsindustrie ist es ähnlich. Es wird von zuständiger" Stelle immer darauf hingewiesen, daß die Rüftungsindustrie„ nationale Belange" vertrete. Wie Die einzige Konjunktur Hochbetrieb auf den Pfandleihen Der Ansturm der Notleidenden auf die Ber liner Pfandleihen ist gegenwärtig so groß, daß meber eine filberne Armbanduhr, noch ein seidenes Kleid, noch ein Grammophonapparat beliehen wird. Selbst auf wertvolle Schmudgegenstände mird nur noch ein Bruchteil des Wertes ausbezahlt. Denn die Zahl der angebotenen Pfänder ift zu groß. Das tommt auch in der Statisti der Pfandleihen start zum Ausbruck. So wurden in den Monaten Januar bis November 1932 nicht weniger als rund 290 000 Pfänder versezt. Das finb 20 000 Pfänder mehr als in der gleichen Zeit des Vorjahres. Aber trotzdem die Ziffer der versetzten Gegenstände erhellich stieg, fiel der Betrag der dafür von den Pfandleihen ausbezahlten Gelder. Wurden nämlich 1931 noch 3,69 milItonen Mark ausbezahlt, dann im Jahre 1932 nur noch 3,63 Millionen Mart. So bringt die stei gende Bersa Bziffer die immer weiter fort. fchreitende Berarmung des Boltes drastisch zum Ausdruck, und die Minderbewertung der Pfand Sozialistische Arbeiterjugend Groß- Berlin Cinfendungen für diefe Rubrik nur an das Jugendfekretariat Berlin SW. 68, Lindenstraße 2, porn 1 Treppe rechts. Proletarisches Orchester ber GA3.; Heute, pünktlich 19 Uhr, Generalprobe, Gleimstr. 49, U- Bahn Nordring. Benderauskunft heute von 17 bis 19 Uhr Heim Lindenstr. 4, p. I Referenten Schule morgen, Sonnabend, 18 Uhr, an bekannter Stelle. Manchen Helfen.Rurfus morgen, Sonnabend, 19 Uhr, an bekannter Stelle. 3. Musizierstunde des Proletarischen Orchesters der SAS. am Sonntag, 12. februar. Aus dem Programm: Konzert op. 6 Nr. 10( Giuseppe Torelli), Conzerts groffo in D- Moll( Georg Fr. Sändel, Don Quichatte Suite Duvertüre Don Quichottes Erwachen Sein Angriff auf bie Windmühlen Die Liebesseufzer nach der Prinzessin Aline Der geprellte Sancho Bansa Der Galopp der Rosinante und des Esels Sancho Panfas Don Quichottes Ruhe( Georg Ph. Telemann), Sinfonie G- Dur Bautenfchlag( Josef Haydn), Deutsche Tänze( Ludwig van Beethoven), Türkischer Marsch a. b. Muinen v. Athen op. 113 ( 2. v. Beethoven). Dirigent: Rudolf Barthel. 50 Mitwirtende. 1. Ronzert um 11 Uhr in der Aula der Karl- Marg- Schule, Neukölln, Raifer Friedrich- Str. 208-210, 2. Stonzert um 17 Uhr in der Wula der Heinrich Schliemann- Schule, Berlin N., Gleimstr. 49. Eintrittskarten zu 30 Pf. find im Sekretariat erhältlich. bildervortrag. Wanderleiterkonferenz Montag, 18. Februar, 191 Uhr, Lindenstr. 4. LichtSAJ.- Jungbuchbrucker beteiligen fich am Montag, 18. Februar, restlos an der Borbesprechung für die Lehrlingsversammlung um 17 Uhr im Jugendheim Lindenstr. 4. Mitgliederversammlung ber Gesamtorganisation am Dienstag, 14. Februar, 19% Uhr, im großen Saal des Lehrervereinshauses am Alexanderplag. Genoffe Rudolf Breitscheib, M. b. fpricht über Sitler zegiert was nun?" Ohne Mitgliedsbuch keinen Zutritt. Alle Gruppenver auftaltungen fallen aus. stücke zeigt auf, daß man in der äußersten Not auch die fleinsten Wertobjefte beleihen läßt. Die Menschen, die ihre letzte Habe auf die Pfandleihe tragen müssen, fönnen auch immer weniger die verseßten Pfandstücke wieder einlösen. Im Jahre 1931 tamen insgesamt 18 500 Pfandstücke zur Bersteigerung, dagegen famen im Jahre 1932 nicht weniger als 27 600 nicht abgeholte Pfänder unter den Hammer. Ueberhaupt fördert die Krise in einem ganz besonderen Maße das Bersteigerungsgewerbe. So hat die Forschungsstelle für den Handel unlängst das Bersteigerungsgewerbe in Berlin untersucht. Dabei wurde festgestellt, daß im Jahre 1930/31 aus Zeitungsanzeigen allein 1100 Versteigerungen festzustellen waren, und zwar Versteigerungen durch Auktionatoren. nicht durch Gerichtsvollzieher. Dabei befinden sich die Versteigerer in ganz eigenartiger Lage: selbst die Käufer sind wirtschaftlich so geschwächt, daß die Auktionatoren diesen weitgehende Kredite einräumen müssen. V. Kabarett- Matinee der Boltsbühne am Sonntag, 26. Februar, 11% Uhr. Karten zu 1 M. find im Getretariat erhältlich. Biertel II. Heute, Freitag, 20 Uhr: Flucht ergriffen und aus geringer Entfernung die Wächter beschoffen, die das Feuer erwiderten. Hierbei wurde ein 40jähriger Maurer er. fchoffen. Die anderen Personen fonnten ent fommen. Bei Gijon in Spanien stürzte ein vollbesetzter Autobus infolge Bersagens der Steuerung einen Abhang hinunter. Bier Insassen wurden getötet und sieben schwer verlegt. Auf der Strede Ca. ceres Merida( Spanien) stieß ein Personenzug mit einem Güterzug zusammen. Mehrere Wagen wurden zertrümmert. Bei dem Unglüc murden 13 Personen verlegt. Wie wird das Wetter? In Berlin: Uebergang zu fühlerem, unbestänbigem Wetter. Frische böige Winde aus West bis Nordwest. In Deutschland: In der füdlichen Reichshälfte noch teine wesentliche Aenderung. Im übrigen Deutschland von West nach Ost fortschreitende Abkühlung und Bewölkungsabnahme. Der Geift des deutschen Bürgertums und die Polifit. Unter diesem Thema findet der nächste Bortragsabend der Freien Sozialistischen Hochschule am Sonnabend, 11. februar, 19% Uhr, im Saale des ehemaligen Herrenhauses, Leipziger Str. 3, statt. Es spricht Genosse Prof. Dr. Ernst Karten zum Preise von Don After Gießen 50 Pf. an allen bekannten Stellen sowie an der Abendkasse. Für Erwerbslose und Studierende mur an der Abendkasse. In der Treptow- Sternwarte tönnen jest nach Einbau einer modernen Tonfilmanlage alle in Tonfaffung hergestellten Kultur und Naturfilme vorgeführt werden. Das Programm der nächsten Tage lautet: Sonnabend, den 11., um 8 Uhr, und Sonntag, den 12., um 4, 6 und 8 Uhr: " Congorilla", Die Wunderwelt des afrikanischen Urwaldes, Tonfilm. 15., 16. und 18. um 8 Uhr und Sonntag, den 19., um 4, 6 und 8 Uhr: Stürme über dem Montblanc", Tonfilm Am Dienstag, dem 14. Februar, abends 8 Uhr, spricht Direttor Archenhold über„ Der Lebenslauf der Sterne". " Werbebezirk Prenzlauer Berg: Borsigendentonferenz Schönlanter Str. 11. Werbebezirk Neukölln: Genossen, die sich an der. Beerdigung des ermordeten Kommunisten beteiligen, treffen sich 14 Uhr U- Bhf. Lichtenberg. Often? Freie Gewerffchafts- Jugend Berlin Arlonaplag: Einführung in die Kommunalpolitit, III.- Rosenthaler Bor Stadt: Unsere Mäbel haben das Wort. Bentrum: Heiterer Abend. Gewerk schaftshaus: Tagespolitit. Sanja: Die Aufgaben des Parteitages. Moabit I: Reichsturatorium. Moabit II: Wahlsysteme und Parlamente in Heute, Freitag, 10. Februar, tagen die Gruppen: Freiheit: Jugendheim Europa. Sportpalast: Leseabend. Waffertorstr. 4. Politische Tagesgespräche. Gesundbrunnen II: Das Recht des Charlottenburg: JugendJugendlichen, heim Spreestr. 30. Brettspielabend. Sumboldthain, Norden: Gute Mufit auf Schallplatten. Nordring: Jugendheim Schule Webbing RF.: Seimabend. Arnimplag: Bunter Abend. Arnswalder Sonnenburger Str. 20. Erste Hilfe auf Fahrt. Hermannplag: Jugendheim Play 1: Tagespolitit. Faltplay 1: 10- Minuten- Referate. Hohenschönhausen: Sanderstr. 11, Ecke Sobrechtstraße. Ein Marsch durch das Wattenmeer. Frank Amerita. Nordosten I: Lugemburg- Liebknecht Feier. furter Allee: Jugendheim Litauer Str. 18. Senefelderplag: Marg Die Zusammenarbeit zwischen und seine Lehre, L. Das Kommunistische Manifeft I. Bursche und Mädel in der Gruppe. Weißensee: Heimabend. Zeppelinplag: Jugendheim Turiner Ede Andreasplag I: Die Fürsorgeerziehung. Was jie fein foll und was aus ihr Seeftraße. Ein klassischer Abend mit Buch und Schallplatte. Reinickendorf gemacht wurde. Baltenplag: Der gute und flechte Film. Oft: Jugendheim Lindauer Straße( Baraden). Wie gestalten wir unsere Frankfurter Biertel: Rußland. Petersburger Biertel: Lefeabend. Stralauer Viertel: Gruppenabende aus? Ablershof: Jugendheim Adlershof, Bismardstr. 1. Was ist Margismus? I Leseabend. Barschauer Biertel: Elternabend mit Warschauer Herzbergplag: Jugendheim Treptower Str. 96 Warum Krieg im Sallesches Tor: Funktionärversammlung. Flughafen: Jugendheim Schule Mariendorfer Weg 69-70. FAD.. Quisenstadt: Bunter Abend. Reichenberger Viertel: ,, Sad London", Silfe für Erwerbslose? Friedenau: Bunter Abend. Prenzlauer Berg: Jugendheim Gleimstr. 35. Der blühende Kattus. Schöneberg 1: Bücherftunde. Schöneberg II: Wir fernen Kampflieder. Webbing: Jugendheim Willdenowftr. 5, 2 Tr. Die Frau Charlottenburg: Arbeitsgemeinschaft, II. Charlottenburg- Süd: Literarischer im Rampf. Schönhauser Sor: Jugendheim Zehdenider Str. 17. Persönliche Abend. Spandau: Lefeabend: Straßen ohne Ende". Lichterfelbe: MitErlebnisse in der französischen Fremdenlegion. gliederversammlung. Steglik II: Tagespolitit. Brig: Brettspielabend. Neukölln I: Wir hören den Reichstanaler. Neukölln: Seimabend mit den Noten Falten. Reutölln IV: Cine politifche Reife. Reufölln VI: Krieg im Fernen Often. Reuföln VIII: Konfumbewegung. Neukölln IX: Landfchaft und ich. Neukölln X: Stellung ber APD. Neukölln XI: Paul- Levi- Gedent feier. Rubow: Wir bauen was. Treptow: Film und Kunst im Dienste bes Proletariats. Baumschulenweg: Arbeitsgemeinschaft. Johannisthal Seruelle Fragen Ablershof: Was steht in der Arbeiter- Jugend". Bobns. Dorf, Faltenberg: Aufbau unserer Organisation. Röpenid I: Tagesvolitische Fragen. Köpenid II: Lefeabend, Friedrichsfelbe: Bedeutung des Konsums. Karlshorst: Erste Hilfe. Raulsdorf: Fahrtenaussprache. Lichtenberg Witte: Upton Sinclair. Neu- Lichtenberg: Heimabend. Lichtenberg- Nord: Die GPD. Lichtenberg- Nordwest: Lefeabend. Mahlsdorf: Seimabend. Hermsdorf: Was schreiben die Zeitungen? Bübars: Kampfliederabend. Reinidendorf- Oft: Literarischer Querschnitt. Tege! Freie Scholle" Frage. abenb. Reinickendorf- Weft: Heimabenb. Wittenau: Versailler Vertrag. Buchholz: 10- Minuten- Referate. Razow: Baden bei Abolf Roch. 1 " Ideal" Jugendaruppe des Rentralverbandes der Angestellten Seute, Freitag, finden folgende Veranstaltungen statt: Brig: Gemein fchaftshaus in der Hannemannstraße der Bau- und Spargenoffenfchaft Frig lehrt uns neue Lieder. Südwest: Jugendheim Nordstr. 11 ( 2. Sof, Quergebäude Aufgang II, 8immer 4). Ein Tag auf dem 80..Büro" ( ein Lehrreiches Stegreiffpiel). Leiter: Heilbrunn. Die Berliner Druderei und Berlagsgesellschaft m. b. S. tommt von 20 bis 22 Uhr im Verbandshaus, Hedemannstr. 12, aufammen. Die Photogruppe tagt ab 18 Uhr im Jugendheim Frankfurter Allee 307 Quergebäude II, Dunkeltammer Nr. 2. ,, Gemein. fchaft für moderne Festgestaltung": Uebungsabend von 20 bis 22 Uhr im Altersheim Danziger Str. 62( Berlin NO.). Brotfabrik Wittler. Sonnabend, 11. Februar, 20 Uhr, bei Scholz, Adol traße 12, Bersammlung der SPD.- Frattion. Freiheit oder Knechtschaft", Ste ferent Hans Marg. Herr Geldte, es gibt was zu tun! Löhne unter der Wohlfahrtsunterstützung In unserer Veröffentlichung über das Elend in der Aschafferburger heimindustrie der Herrenkonfettion wird uns vom Deutschen Be tleidungsarbeiterverband geschrieben, daß unsere Beröffentlichung in allen Buntten den Tatsachen entspricht Der Standal sei noch viel größer, weil er allgemein sei. Aus diesem Grunde haben die am Reichstarif der Herrenkonfektion beteiligten Gewerkschaften aller Richtungen am 28. Januar eine Eingabe an das Reichsarbeitsministerium gerichtet, die uns zur Beröffentlichung zur Verfügung gestellt wird. In dieser Eingabe heißt es u. a.: „ Das Ausmaß der tariflichen Unterbezahlung ist erschreckend groß und noch nie in der Weise zu verzeichnen gewejen wie gegenwärtig. Die gefeßlichen Organe die Fachausschüsse und die für die Lohnkontrolle vorhandenen Beamten Der Gewerbeaufsicht find absolut unzu reichend, um allen diesen Verfehlungen nachgehen zu fönnen. An einer möglichst geordneten Durchführung der Tarifverträge haben neben der Arbeiterschaft auch alle anständigen Arbeitgeber ein Interesse, weil die tarifliche Unterbezahlung Unordnung in die Konkurrenzverhältnisse bringt und zur Anarchie im Gewerbe führt. Banz besonders schlimm find die Zustände in der Heimarbeit in allen Branchen der Befleibungsindustrie und von diesen wieder am trassesten in der Herrentonfettion. Dieses hat seine Ursache einmal darin, daß in dieser Branche sehr viel Außenseiter sind. Diese Außenseiter sind eine besondere Art von Unternehmern, die zu einem erheblichen Teil aus Leuten bestehen, die Ausländer sind und sich erst seit einigen Jahren in Deutschland befinden. Bon diesen Leuten wird in brutaler Rüd. fichtslosigkeit eine Ausbeutung der Arbeitsträffe betrieben, die unbeschreiblich ist. Das hat die Rückwirkung, daß von den Firmen, die seit Jahrzehnten tariftreu waren um sich gegen die Schmugtonfurrenz zu behaupten, auch bazu übergegangen wird, ebenfalls untertariflich zu entlohnen Besonders unerträgliche Zustände haben sich da burch namentlich in maßgebenden Industrieplägen ber Ronfettion, wie Berlin, Breslau, Aschaffen burg, Stettin, Wuppertal usw. herausgebildet. Die Auswirkung dieser Zustände für die Arbeiterschaft ist so perheerenb. daß Tausende von Arbeitern dieser Branche bei zehn- und mehrstündiger Arbeitsgeit mit ihrem Berdienst unter den von den einzelnen Orten festgesetzten Wohl= fahrtsfäßen liegen. Bezeichnend dafür ist, daß vollbeschäftigte Arbeitnehmer zufählich Wohlfahrtsunterstützung, wie z. B. Mietbeihilfen, in Anspruch nehmen müffen. Die wirtschaftlichen Verhältnisse dieser Arbeiter sind heute tatsächlich schlimmer, als sie vor dem großen Konfektionsarbeiterstreit im Jahre 1896 Für Lifte 2 rüften! Pulver trocken halten Am 7. und 8. Februar tagte der Verbandsbeirat bes Zentralverbandes ber Hotel, Restaurant- und Caféangestellten. Der Borsitzende Frig Sa ar gab zunächst einen Ueberblid über die allgemeine, seit einigen Tagen pon neuem start politisch beeinflußte wirtschaftliche Lage. Eine Schilderung der allgemeinen Lage des Verbandes und der daraus zu ziehenden Konse. quenzen schloß er an. Rassierer Altermann berichtete über die Finanzlage des Verbandes, die gwar einige neue Sparmaßnahmen nötig mache, zur Beunruhigung aber feinen Anlaß gebe. Der tiefste Punkt sowohl in finanzieller Hinsicht als auch in bezug auf die Mitgliederbewegung tonne als überwunden gelten. Besonders günstig stehe die freie Sterbefaffe Bentral- Horesca", die im vergangenen Jahre ihr Vermögen noch um einige tausend Mark erhöhen konnte. In der Diskussion tam übereinstimmenb zum Ausdrud, daß die Arbeiterschaft trotz aller Brovokationen ihr Pulver troden halten müffe. Die neuen Sparvorschläge der Hauptverwaltung führten zu einer lebhaften Aussprache, fanden jedoch einstimmige Annahme, mit der Einschränkung, daß von einer Gehaltstürzung bei den Hilfs angestellten abgesehen werden foll. Ein einmaliger Kampffondbeitrag in Höhe eines Wochenbeitrages wird im Juni erhoben. Eine Entschließung hierzu besagt, daß in der gegenwärtigen Zeit durch rührige Agitation ber Organisation neue Mitglieder in großer Zahl zugeführt werden können. Von den in Arbeit stehenden Mitgliedern wie auch von denen, die Aushilfsarbeiten erhalten, muß verlangt werden, daß sie entsprechende Beiträge aufbringen. 3ur politischen Lage wurde eine EntSchließung angenommen, in der es heißt: ,, Die Reaktion geht mit jedem Tage brutaler gegen die arbeitende Bevölkerung vor, hemmungslos setzt sie sich über alle Rechtsgrundfäße hinweg und scheut vor feiner Gewalttat zurüd. Das bisherige Verhalten der KP D. hat die verhängnisvolle Spaltung der Arbeiterklasse verursacht und damit den Uebermut der Arbeiter. feinde gestärkt. Demgegenüber ist die Arbeiterschaft entschlossen und hält sich in äußerster Bereitschaft, ihre Grundrechte zu schügen. Sie weiß, daß ihr Dermehrtes Elend, schlimmste Unterbrüdung und Rechtlosigkeit droht. Unter Ablehnung der ständig wiederholten abgenugten Parolen hält sie eine ehrlich gemeinte und geführte Einheitsfront zur Abwehr der arbeiterfeindlichen Mächte für bringend notwendig Die Hauptverwaltung und der Beirat erwarten. daß auch die Mitglieder des Zentralver bandes der Hotel, Restaurant und Caféangestellten zu den schwersten Opfern be reit sind und daß fie alle Kräfte einfeßen werden, bei den bevorstehenden Wahlkämpfen ber Sozialdemokratischen Partei zum Siege zu verhelfen." Einheitsfront! Die KPD. will noch immer nicht! Zu gestern nachmittag war von der KPD. wieder einmal zum Sturm auf eine Gemertschaft geblasen worden. Es sollte die Leitung der größten Branche in der Berliner Ortsverwal tuung des Verbandes der Buchbinder und Papierverarbeiter, der Buchbinder- und Ga lanberiemarenbranche von der Opposition" er obert worden. Trog stärksten Aufgebots aller verfügbaren Reserven mißlang jedoch dieser Sturm. Die bisherigen reformistischen" Mitglieder der Bran chenleitung wie die gleichgesinnten Beisitzer zur Ortsverwaltung wurden mit einem großen Stimmen oorsprung gegenüber den„ oppofitionellen" Kandidaten wieder gewählt. Die oppofitionellen" Kandid 1 zur Ortsverwaltung pereinigten nur knapp 25 Broz. der abgegebenen Stimmen auf sich. Die Bersammlung war auch in politischer Be ziehung recht interessant. In der Debatte, die sich dem Jahresbericht des Branchenleiters Genossen waren, der ja erst die Aufmerksamkeit der Deffentlichkeit auf das Elend in der Heiminduſtrie ge lentt und die Unterstügung der höchsten Stelle gefunden hat Auch heute muß die Reichsregierung doch das größte Interesse daran haben, zu verhindern, daß Hunderttausende von Arbeitsfräften trog Beschäftigung der vollständigen Berelendung anheimfallen. Außerordentliche Notlagen erfordern außerordentliche Abhilfemittel und es ist deshalb im Interesse der Heimarbeiterschaft in der Herren fonfettion wie auch der gesamten Bekleidungs. industrie ein dringendes Erfordernis, daß gefe liche Bestimmungen und Borfehrungen ge troffen werden, die es ermöglichen, diese Zustände zu beheben" Herr Seldte, es gilt eine Tat zu vollführen! Ihr Vorgänger, ein ausgezeichneter Brattifer, hat Ihnen fir und fertig einen Gefeßentwurf hinterlassen. Es bleibt Ihnen nur noch übrig, die zuständigen Arbeitgeber- und Arbeitnehmerorgani fationen gutachtlich zu hören. Sie und Ihre Freunde, Herr Selbte, reden jetzt so viel von Staatsnotstand und von der Aus= Schaltung des Parlaments. Sie wollen nur noch Barole ihrer Partei oder der RGD., sogenannte ,, Einheitsliften" aufzustellen, und gaben zu ver stehen, daß sie nur ungern dem von ihrer Parteileitung ausgeübten Druck Folge leisten, auf diesen Einheitslisten zu tandidieren. Sie baten deshalb, man möge fie deswegen nicht aus der Organisation ausschließen In allen Betriebsversammlungen wurde gegen wenige Stimmen die von den freigemertschaftlichen Funktionären vorgeschlage nen Kandidaten nominiert. Selbst in dem„ revolu tionären" Gaswert Lichtenberg wurde mit 3 we i brittelmehrheit der frühere fommunistische Betriebsrat als freigemerkschaftlicher Randidat aufgestellt, der aus Anlaß des BBG.- Streits der KPD. den Rücken gefehrt und wieder Mitglied des Gesamtverbandes geworden war. Die in der Roten Fahne" angekündigte„ Einheitslifte", auf der angeblich 20 Freigewerkschafter und sogar organisierte Sozialbemotraten fandi dieren, ist der Belegschaften der einzelnen Betriebe der Städtischen Gaswerte bis jetzt noch nicht zu Gesicht gefommen. Die Berliner Gaswert arbeiter werden jedenfalls bei der bevorstehenden Betriebsratswahl zeigen, daß die praktische Einheitsfront der Arbeiter nur auf ge= mertschaftlicher Grundlage hergestellt werden fann und deshalb ihre Stimme abgeben für die Liste 1, die mit den Namen Simsch, Dasztiewicz, Benz beginnt. mit dem Artikel 48 regieren. Nun, wenn es einen Syrup wieder Präsident Notstand gibt, der mit dem Artikel 48 gemeint ist, hier ist er. Hier sind himmelschreiende Notstände. Und wenn jemals, hier werden Sie auch das Parlament auf Ihrer Seite haben. Mut, Herr Seldte! Her mit der Not= verordnung! Herzog anschloß, wurde weniger zu diesem Bericht als zur politischen Lage und vor allem zur Frage der Einheitsfront Stellung genommen. Ohne Unterschieb ihrer Barteizugehörigteit betonten alle Redner die Notwendigkeit bes einheitlichen 3ufam. menstehens der tommunistischen und sozial demokratischen Arbeiter in dem schweren AbwehrBampf gegen den Faschismus. Gegen 8 Stimmen, also fast einstimmig, wurde eine Entschließung angenommen, die den ADGB. um die Unterstügung zur Herbeiführung dieser Einheitsfront ersucht und als Auffassung der Verfammlung zum Ausdruck bringt, daß als er ster Schritt zur Einigung der Arbeiterklasse bie Einstellung der gegenseitigen Bekämpfung in Wort und Schrift erfolgen müsse. Bezeichnend war es, daß sich gerade die WortFührerin der Opposition", eine offizielle Ber treterin der KPD., mit verlogenen Rebensarten von einer angeblichen Tolerierungstafti? der Sozialdemokratie gegenüber der Hitler- Regierung gegen diese Einheitsentschließung wandte und auch gegen ihre Annahme stimmte. Was wäre auch die KPD. ohne Verleumbungskampagne gegen die SPD.? Die Rednerin blieb aber fast allein. Und mit ihr die KPD. In den Gaswerten Gewerkschaftliche Einheitsfront In allen neun Hauptabteilungen der Berliner. Städtischen Gaswerte haben die Beleg. schaften zu der Betriebsratswahl Stellung genommen, die am 28. Februar und 1. März stattfindet. Alle Versammlungen waren gut besucht. Bon den Gewerkschaftsvertretern wurde die Haltung der Spigenförperschaften der freien Gewerkschaften zu der Aufstellung der Kandidaten dar gelegt und von den bisherigen freigewerkschaftlichen Betriebsratsmitgliedern Bericht erstattet über ihre Tätigkeit in den letzten beiden Jahren. In den Versammlungen waren auch fommu nistische Belegschaftsmitglieder anwesend, die sich ebenfalls zur Aufstellung der Kandidatenlisten äußerten. Sie waren feineswegs begeistert von der Einstimmig vorgeschlagen Der Borstand der Reichsanstalt für Arbeitslosen versicherung trat am Donnerstag zu einer Sigung zusammen, um zu der Berufung des neuen Präfidenten der Reichsanstalt Stellung zu nehmen. Das Reichskabinett hat für diefes Amt den früheren Präsidenten Dr. Syrup vorgeschlagen. Die Ernennung erfolgt nach Anhörung des Vorstandes der Reichsanstalt und des Reichsrates durch den Reichspräsidenten. Der Borstand hat sich ein. stimmig für die Berufung Dr Syrups ausge sprochen. Der Reichsrat hat sich mit der Ange legenheit noch nicht befaßt. Erwerbslosenhilfe? Verschleierung der Tatsachen Hilfe für die Erwerbslosen" heißt eine Bor tragsreihe der Berliner Funtstunde. Mer aber wenn schon nicht Hilfe, so wenigstens Aufflärung über Maßnahmen zur Arbeitslosenhilfe erwartet, täuscht sich. Die Funkstunde ließ am Donnerstag die Forde rungen des Deutschen Städtetages, die gesamte Arbeitslosenbetreuung der Gemeinden zu überantworten, von Dr. Mulert in höchst einseitiger Weise vortragen. Dr Mulert schilderte die Lage so, als sei durch Uebertragung der gesamten Arbeitslosenbetreuung auf die Gemeinden eine Besserstellung für die Arbeitslosen zu er warten, in Wahrheit bezweckt die Forderung des Städtetages, den Bersicherungschar after der Arbeitslosenunterstützung völlig aufzuheben und sie in eine Wohlfahrtsmaßnahme umzuwandeln. Nur zahlen sollen die Arbeitenden ihre Beiträge wie bisher. Bor Dr. Mulert sprach zum Thema der Bürgermeister einer fleinen märfischen Industriegemeinde, in der heute 80 Pro der Einwohner erwerbslos find! Seine Darstellungen zeigten, daß die Gemeinden dem Elend völlig macht▾ los gegenüberstehen. Welchen Sinn tann es da haben, alle Arbeitslosen diesen notleidenden Gemeinden anzuvertrauen, wenn die Mittel, die das Reich den Gemeinden doch erst zuweisen muß, den Arbeitslosen ungeschmälert zufließen sollen? Die Darlegungen dieses in der Praxis stehenden Gemeindevorstehers waren der stärkste Gegenbemeis gegen die Forderungen, die Dr. Mulert vertrat. Es wäre auch notwendig gewesen, darauf hinzuweisen, daß heute die Arbeitslosenversicherung zum sehr großen Teil vom Reich für ganz andere 3wede beschlagnahmt ist, und daß ihre Freigabe genügen würde, das Lebenshaltungsniveau hun derttausender Arbeitsloser mejentlich aufzubeffern. KARSTADT Lebensmittel sind immer gut und helfen sparen Kaffee, frisch 1.90 BUTTER U. 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Nach besonderer Instruktion mußte der Neger ständig darauf achten, daß das perlangte majestätisch leutselige Gegrinse in seinem Gesicht weder nachließ, noch ausartete. Und manchmal wippte sein rechter Fuß, Baum merf lich, immer noch den Taft der Fahrt. Galy war nach seiner Ankunft in Hamburg von den Bedenken über seine Reise, die ihn zum ersten Male auf dem Schiff überfamen, derart bedrüc! worden, daß er sich fürchtete, meiter zu fahren. Immer und immer wieder hallte das Gelispel des alten Juden in ihm wider, auch nachts im Schlaf. Wenn er darüber aber ermachte und aufhorchte, mar es ſtille. Um der geheimnisvollen Beunruhigung zu entgehen, fuhr er einmal spät abends zum Bahnhof und löste sich eine Fahrkarte nach der in Aussicht genommenen Etappe Berlin. Er fuhr nicht ab. 3iellos manderte er durch die nachtdunklen Straßen. Einmal fragte ihn ein Bassant, mie spät es sei. Galy verwunderte sich über den Menschen, der nicht im Bilde über die Zeit war. Ein andermal fragte ihn in einer Nacht ein Chauffeur nach dem Wege zu einer Straße. Galn zuckte, statt zu ermidern, die Achseln, und dachte:„ Der ist sogar in seiner Heimat fremd." Manchmal glaubte der Reger zwischen all den Menschen, die ihm auf seinen Irrmegen begegneten, das Antlitz des alten Juden gesehen zu haben. Neger tamen an ihm vorbei ind schauten ihm ins Gesicht, daß es auf ihn mirtte, als sei es sein Spiegelbild. Galy litt an Heimweh. Gleichwohl sehnte er sich nicht zurüd. Tief in der Nacht flüchtete er in ein Tingeltangel. Da feilten sich Chinesen, Weiße, Mulatten und Schwarze. Hier war Amerika! Gain riß aus. Wochen hindurch irrte er herum. Denn er fühlte in der Fremde die große Fremde, der er durch seine Auswanderung zu entrinnen gedachte, erst recht. Nun aber, da er die Anstellung vor dem Kino hatte, bewunderten ihn die Leute und lächelten ihm zu. Er hörte eine Frau, die mit ihrer Freun din in seiner Nähe stehenblieb, sagen, er sei ein schöner Mann. Ja, die Beachtung, die er genoß besagte ihm, daß er in dem fremden Land den Weißen gefalle. Aber er ahnte nicht, daß sie nur über ihn lachten. 3wei Jahre lang stand Galy im Dienste des Kinos, in dem über die mannigfaltigen Nöte, unter denen die Menschen zu leiden hatten, nichts zu sehen war. Kein sinnvoller Ausmeg wurde gezeigt. Und dennoch pilgerten die Leute täglic in diese Welt des Scheins. Niemand beachtete mehr den Neger. Aber er verzagte nicht. Er hatte Deutsch gelernt und überließ sich nicht auf gut Glück irgendwelchen Wunschillusionen. Er pachtete vielmehr am Hafen eine geräumige Kneipe in einem alten, schmalen Hause und machte aus ihr ein Inter nationales Speisehaus". Die Tische, Stühle und den Fußboden schrubbte er täglich mit Sand. Zwei alte, ausrangierte Schiffstöche betrieben seine Küche. Und bald wurde das Speisehaus von den Schauerleuten, Schiffer- und Rollfuhrmännern, die sich bei ihm einnisteten, mit Vorliebe die schwarze Freßfneipe" genannt. Galy war jetzt der Herr im Hause, der Bas, der Wirt. Gleichmohl stand er immer, so gegen Abend, ganz versonnen hinter seinem Tresen und stierte durch die Fensterscheiben hinaus auf die Straße. Ueber ihm an der Wand fickte eine Uhr. Galy pfif dazu, und die Finger seiner linken Hand, mit der er sich auf die Kante des Tresens stüßte, flopften im eintönigen, durchdringenden Taft. Es hörte sich an, als tomme es aus Ungeduld, als tippe er auf die Sehnsucht an ,, als fönne er es nicht still erwarten, bis die Glückseligkeit über ihn komme. Denn seit er durch sein Besitztum zu Ansehen gekommen war, erwiderte ihm die zweiundzwanzigjährige Lene Timmemann seinen Drang nach Liebe. Sie tam zu ihm und sprach sich bei ihm über das Elend, in das sie durch ArbeitsTofigkeit gekommen war, aus. Sie sprachen aud) darüber, warum es so in der Welt sei, wie es ist, warum die Menschen, statt das Leid zu lin: dern, Leid schaffen. Und durch dererlei Gespräche fühlten sie, daß die innere Verbundenheit zireinander aus der Einsamkeit ihrer Seelen entstand. Galn lebte auf. Im Geiste arbeitete er hereits mir für sie. Und in der innigen Freude über sein Leben, strich er die Tür und die Rahmen seiner Fenster hell an. Lene blieb nunmehr auch abends bei ihn und half, so ganz von selbst, die Stühle auf die Lische zu stellen. Manchmal hörte fie plöglich auf zu arbeiten, um ihn zu streicheln und ihm das Wort Bäterchen zu sagen. Und er erwiderte ihr, indem sein schwarzes Gesicht vor Freude über sie erstrahlte. Monate vergingen.. Das Haus war sein Eigentum gemorden., Lene war ihm nun auch tagsüber zur Seite. In der Küche arbeiteten jegt vier. Manchmal Plopste er ihr, so während der Arbeit, auf die Schulter, als ob er ihr daburd) sagen wollte: ,, Bald, Lene! Bald heiraten wir ja. Und es kam die Zeit, in der er sich nachmittags plöglich entfernte und erst eine Stunde und dann zwei oder drei ausblieb. Heimlich kaufte er Win deln, gestrickte Schühchen und Jädchen, weiße Wollkäppchen, bunte feidene Schleifchen, eine Raffel, zwei Eisenbahnen, ein Schaukelpferd und zur Vorsicht auch eine Puppe. Und all den Stammgästen des Internationalen Speisehauses" teilte er in gewichtigem Getuschel mit: Lene und ich bekommen ein Kind." Er pfiff und twosteppte hinter dem Tresen und fragte alle nach dem schönsten Namen für das Kind. Er belebte das ganze Haus mit seiner Freude und übersah dabei, daß Lene, oft still bedrückt vor sich hinbrütete. Als er es zum ersten Male gewahrte, fragte er fie bestürzt: Was ist, was ist..?" Sie brach in Weinen aus. Und am Abend, da er versuchte, ihr Weinen zu ergründen und zu stillen, wehrte sie es ab, erst zaghaft, dann schroff. Galy horchie auf. Die Freude in seinem Gesicht ging unter. Besänftigend streichelte er ihren Arm. Da aber schrie sie weinend auf: Ich will fein schwarzes Kind! Ich will mich nicht vor den Leuten schämen! Ich trage es nicht aus! Ich will fein Kind von dir!" Er gloßzte ganz entgeistert, als sei ihm seine " eigene Tür vor der Nase zugeschlagen worden. Und er stand da, wieder ganz allein. Die Welt, in der er stand, wurde wieder öde und talt. Der Mensch ging und wußte nicht, wohin Es wurde Nacht. Im Hafen brüllten Dampfer. Er aber ging weiter, immer weiter. Auf einmal hörte er den schrillen Pfiff einer Lokomotive. Er sah das abgehärmte, uralte Gesicht des fremden Juden. Er hörte ihn lispeln, dann murmeln. Und die Sehnsucht, die ihn aus dem Gebet des Alten überkommen hatte, leitete ihn. Plötzlich spürte er den Taft der Fahrt, aber lebendiger, hastender, fliehend. Die Plätze in seinem Abbeil waren leer. In dem Dunkel vor seinem Fenster tauchten einsame Lichter auf, balo nah, bald fern. Ich will fein schwarzes Kind! Ich will tein Kind von dir!" echote es in ihm Dann hörte er die leeren Plätze, das Fenster, die Schilder, das Gepäcknez, den Wind, alles schrie auf ihn ein: Blad monky! Blad monky!..! Wankend hastete er aus dem Kupee und tastete sich an den Abteilen entlang. Es war sein legter Gang auf seiner Fahrt ins Paradies. 17 Und als der Tag graute und das Licht der Nacht im Waschraum erlosch, hing der Neger entseelt am Fenster und ein mattes Lächeln verklärte das schmarze Gesicht. Die Sirene Erzählung aus der französichen Provinz/ Von Leon Lafage Gémalou, der die Reihe jener etwas vagen Berufe, wie sie in den französischen fleinen Städten des Südens blühen, erschöpft hatte jener Berufe, die es ermöglichen, zu ernten, ohne zu säen wurde gewahr, daß, oh, dreifacher Hohn des Schicksals! seine guten Aussichten, sein Kredit und die Tage seines Lebens immer mehr abnahmen. Er wurde alt. Die Faulpelze, die ja soviel Kräfte sparen, sollten eigentlich dem allgemeinen Schicksal nicht unterworfen sein. Es war aber doch so: Sémalou mußte von seiner Höhe heruntersteigen. Sollte er, in dem Augenblic, da die anderen an Ruhe denken, gezwungen sein, zu arbeiten? Er hatte einen Gedanken. Sein kleines Haus am Ende des Städtchens war, wie man fagte, seine acht bis zehntausend Franken wert. Es war das einzige wirkliche Gut, das er besaß, obendrein war es eine Erbschaft von seinem Bater. Aber es gehörte ihm, war sein schuldenfreier Besiz, ein Häuschen mit Ziegeln und nicht mit Hypotheken auf dem Dach. Notare sind schlechte Dachdecker. Sémalou übernahm nun für ein paar Tage das Jäten in den benachbarten Gärten, verteilte Wahlzettel, ließ sich als Cla queur für Versammlungen anwerben und konnte bald einen Borschuß auf seine Versicherungspolice zahlen. Nachdem alles geordnet war, brach an einem Sonntag, als die Nachbarn ins Kino gegangen waren, in seiner Küche wie, war nicht festzuſtellen Feuer aus. Als Sémalou, ein bißchen erregt, gegen Mitternacht nach Hause zurückkehrt:, fand er sein Haus an seinem Play, verschlossen, friedlich schlummernd. Aber ein guter Nachbar - ein ehemaliger Kapitän wachte. ,, Unglücklicher!" rief er, du haft Kohlenglut auf deinem Fußboden liegen lassen, die Holzscheite hatten schon Feuer gefangen! Zum Glück habe ich, als ich meine Pfeife rauchte, durch dein Guckloch den Lichtschein bemerkt. Ich habe laut geschrien, aber alle waren zu dem neuen Film gegangen. Da habe ich mich trog meines lahmen Beines hinübergeschleppt, und habe mit Hilfe eines Hakens deine Tür geöffnet. Wie durch ein Wunder standen deine beiden Gießtannen gefüllt in der Nähe. Nichts zu danken! Andermal paß nur besser auf und lasse deine Glut hübsch im Ofen." Mach dir keine Sorgen, Kapitän, du haft mir das Leben gerettet! Immerhin, schweig lieber davon, denn es gibt böse Zungen.. Andermal" ließ Sémalou seine Gießkannen ohne Wasser stehen und verhing das geschmäßige Guckloch mit einem festen Sad. Er hatte für 50 Franken ein Sicherheitsschloß, neuestes Modell, gekauft. In der ganzen Stadt gab es nur noch ein einziges ein einziges- dieser Art. Man muß auch verstehen, ein Opfer zu bringen. Und wieder war es an einem Abend, an dem im Kino Programmwechsel war. Der Kapitän, der seit ein paar Tagen ganz furchtbar unter feiner Gicht litt, verließ seinen Lehnstuhl am Fenster nur noch, um an seinen Krücken bis an sein Bett zu hinfen. Seine Wirtschafterin war. weggegangen und er jaß allein mit seiner Tabakspfeife und seinen Erinnerungen an Uebersee. Als Sémalou gegen Mitternacht, in fröhlichem Beplauder mit seinen Nachbarinnen, zurüdfehrte, blieb er plötzlich an der Straßenede stehen. „ Was ist dir?" fragte man ihn( es mar Juftine). ei Dh, nichts... ich.. ich glaubte nur eben, da wäre jemand vor meiner Haustür." ,, Spaßvogel! Mit deinem Sicherheitsschloß!" Ja, freilich! Daran habe ich nicht gedacht!" Er war ganz verdugt, vor seinem Hause mirklich jemanden zu finden, der ihn erwartete. „ D, Sémalou!" rief der Kapitän, komm, trinf 4 eins mit mir, ehe du schlafen gehst! Weißt du," sagte er dann, sobald sie allein waren,„ beinahe hättest du wieder Feuer in deiner Bude gehabt!" ,, Nicht doch!" ,, Wenn ich es dir sage! Ich war beim Rauchen. am offenen Fenster. Plötzlich denke ich: Hm! Das riecht nicht nach gutem Tabak beim Nachbarn dort! Mußt doch mal nachschauen! Zum Glück, zum Glüd... hatte ich gesehen, wie Sarraillet vorgestern dein neues Schloß eingesetzt hat. Nun habe ich doch das gleiche. Nur wir beide in der ganzen Stadt haben ein solches. Ich greife also zu meinen Krücken und meinem Schlüssel: 15 tomme gerade im rechten Augenblick, um eine große, schon halb verbrannte Bettdecke hervorzuziehen und das Feuer zu erstiden. Du mußt dir den Schaden von der Feuerversicherungsgesellfchaft erjezzen lassen." Bah!" Wie du willst! Aber du mußt wissen, daß dein Fußboden schon zu brennen anfing! Ein ,, andermal" Hölle und Teufel.. ,, Dieser Esel wird mich ruinieren," dachte Sémalou, die anständigen Leute sind schädlicher ais Hagelschlag.... Und außerdem sind die Aerzte daran schuld: wenn die ihr Handwerk verstehen würden, könnte er ins Kino gehen wie die anderen. Inzwischen habe ich nicht mehr zehn Franken bares Geld im Hause." Er fluchte, was er nur fonnte, mährend er burch die engen Straßen schlenderte, wie die Pri. main in den steinernen Arügen auf den Fenster. simsen den Lenz verkündeten, Auf dem Marktplatz stieg ein Trompetenton geradenwegs zum Himmel auf. Und der Ges meindeherold, der öffentliche Ausrufer, tat fund: „ Achtung! Achtung! Der Herr Bürgermeister gibt öffentlich bekannt, daß heute nacht Versuche mit einer großen Sirene gemacht werden, weldje die alte Sturmglode erfeßen soll, die nicht mehr den Anforderungen einer modernen Stadt entspricht. Das Publikum wird deshalb ersucht, sich nicht unnötig aufzuregen und weder durch seine Anwesenheit, noch durch lautes Schreien die Ordmung in den Straßen und die Akustik zu stören." Die Sturmglode? Mittelalter! Die Sirene Fortschritt! Das muß ich dem Kapitän er zählen," entschied Sémalou. Der Kapitän hütete das Bett und verfluchte sein geschwollenes Bein bei allen Teufeln und Genossen. " Sémalou, der alsdann seine Promenade fort. fegte, begegnete ein paar Gevattern. Man verabredete sich für denselben Abend in einer jener Kneipen, die pünktlich zur Polizeistunde schließen. um ihre Kunden von da an desto besser bewirten zu können. Gläser auf dem Tisch, Karten in der Hand, wollte man über die Vorteile der Sirene urteilen. Und wirklich vernahm man in der nächtlichen Stille so gegen elf Uhr einen dumpfen Schrei. ,, Still... Ein Grammophon!" ,, Das Gas zischt so!" " Nicht doch! Das sind die Kazen!" „ Schweig doch! Das ist der Pariser Schnell zug!" ,, Und wenn das die Sirene wäre?" Es war die Sirene. Sie pfiff, heulte und schrie fich heiser-zmei Stunden lang. ,, Eigentlich", sagte der Weiseste von ihnen, sollte sie auch spufen können." Plöglich mischte sich die Sturmglode brein. ,, Dho, die Konkurrenz!" 11 Nicht doch man vergleicht!" ,, Db man, nicht doch ein bißchen zusehen geht?" ,, Ausdrückliches Berbot des Bürgermeisters," er flärte Sémalou, jeder hat zu Hause zu bleiben." Inzwischen dröhnte die Sturmglode jedoch lauter und lauter. Feuer! Feuer!" fchrie jemand auf der Straße. " Ah! Ah! Ein- guter Scherz!" Zwei Stunden später stedten die Kartenspieler aber doch ihre Nasen zum Fenster hinaus. Düfter, verschlossen, mit herabgelassenen Fensterläden schliefen alle Häuser längs der Straße. Einige schnarchten sogar hörbar, wenn man vor überging. ,, Meiner Treu!" rief einer der Gevattern plötzlich, mas sehe ich da hinten? Da ist ja ... da ist ja Feuer!" Großer Gott!" Schrie Sémalou, die Hände ringend, mein Haus, mein armes Haus ist ab gebrannt!" Und er lamentierte, reichlich für zwanzigtaufend. Franken. Die Versicherungsgesellschaft zahlte ihm trotzdem nur achttausend. Immerhin verior er nichts dabei. Der Bürgermeister übrigens, der allseitigen Borwürfe müde und von Gewissens bissen gefoltert, fand endlich die vollkommenste Lösung: Sémalou wurde zum Sirenenaufseher ernannt! ( Autorisierte Uebersezung aus dem Französischen von Lina Frender.) Wenn Matrofen meulern... Die Matrosen gelten als ein besonders aufruhrlustiges Volk. In der Enge des Schiffes, das ihre Welt darstellt, stoßen die Sachen und Köpfe hart zusammen, und die Erregung steigt rasch. Ein neuer Beweis für diese Erregbarkeit der Seemannsherzen sind die Aufstände auf dem hollän dischen Kreuzer Die fieben Provinzen". Ein Parallelfall war die Meuterei auf dem brafilianischen Dreadnought ,, Sao Paulo" im November 1924. Die beiden brasilianischen Hauptschiffe Sao Paulo" und Minas Geraes" lagen im Hafen von Rio de Janeiro vor Anker. Während der Abwesenheit der älteren Offiziere wiegelten fünf Unterleutnants die Mannschaft auf, hißten eine rote Flagge und erklärten, daß sie eine revo lutionäre Partei gebildet hätten. Die fünf Verschwörer, alle noch im jugendlichen Alter, sandten an die Mannschaft des ,, Minas Geraes" ein feierliches Ultimatum, in dem diese aufgefordert wurde, sich innerhalb 10 Minuten der Revolution anzuschließen. Als diese Aufforderung nicht beachtet murde, feuerten sie einige Schüsse auf die Forts der Stadt und stachen dann in See. Das Ende der Meuterei kam rasch, denn nach vier Tagen landete das Schiff in Montevideo; die Aufrührer gingen an Land und flüchteten, und die ,, Minas Geraes", die sie verfolgte, brachte das Schlachtschiff nach Rio zurück. 3 Die meisten Schiffsmeutereien entstehen wegen der Unzufriedenheit der Mannschaft über die Nahrung. Solche Zustände haben die berühmtesten Meutereien in der britischen Marinegeschichte her vorgerufen. Die von Spithead und am Nore, einer Sandbank an der Themsemündung Der Aufruhr von Spithead murde durch das Nachgeben der Vorgesezten beigelegt, der von Rore breitete sich über die ganze Flotte des Admirals Duncan aus, so daß die Themse eine Zeitlang von 26 meuternden Schiffen blockiert war. Als aber die Kanalflotte herbeieilte, streckte ein Schiff nach dem anderen die Waffen, und die Festnahme des Rädelsführers Richard Parker, der sich bereits zum Admiral gemacht hatte, beendete den Aufstand. " Bei einer englischen Schiffsmeuterei haben Frauen eine Rolle gespielt; es war der berühmte Fall des Schlachtschiffes Bounty" im Jahre 1789. Der Kapitän des Schiffes, William Bligh, wurde Brotfrucht- Bligh" genannt, weil er an geregt hatte, die Seeleute mit Brotfrucht zu er= nähren. Er wurde mit der Bounty" nach Tahiti gesandt, um dort Brotfruchtbäume auszugraben, die dann in Westindien angepflanzt werden sollten. Aber die Mannschaft fand den Flirt mit den einheimischen Schönen unter den Brotfruchtbäumen angenehmer als ihr Ausgraben, und so beschloß sie, als man bereits die Rückfahrt angetreten hatte, nach dem Inselparadies zurückzukehren. Der Kapitän Bligh wurde mit 19 treuen Matrosen in einem Heinen Boot ausgesetzt und erreichte nach einer gefährlichen Fahrt von 6000 Kilometer Timor. Die Meuterar fehrten nach Tahiti zurüc und gründeten dann mit ihren dunklen Liebsten die erste Kolonie auf den Bitvairn- Inseln. Andere Aufstände auf britischen Schiffen sind in früheren Zeiten häufig durch die grausame Behandlung, bei der die neunschwänzige Kaze die Hauptrolle spielte, hervorgerufen worden. Kampf gegen die Grippe! Togal- Tabletten sind ein hervorragend bewähr. tes Mittel gegen Grippe und Erkältungsfrankheiten. Togal ist starf harnsäurelösend und in hohem Maße batterientötend! Im Anfangsstadium genommen verhindert Togal den Ausbruch der Grippe. Erstaunliche Erfolge! Mehr als 6000 Ärzte- Gutachten! Ein Ver such überzeugt. In allen Apotheken. M. 1,25. 12,6 Lith., 0,46 Chin., 74,3 Acid, acet, salic. Karl G. Frohme Um 9. Februar, fünf Tage nach seinem 83. Geburtstag, den er noch in leidlicher Gefundheit im engen Freundeskreis verbrachte, verschied in Hamburg unser Veteran Karl Egon Frohme. Frohme verkörperte als einer der Aeltesten der Partei ein bedeutsames Stüd Parteigeschichte. In Hannover geboren, ursprünglich Schlosser von Beruf, vermehrte er durch eisernen Fleiß sein Wissen und wurde bald ein Agitator für den Sozialismus wie fein zweiter. Schon 1873 wirfte er im Allgemeinen deutschen Arbeiterverein für die Einigung mit der Eisenacher Richtung, die dann auch 1875 auf dem Einigungskongreß in Gotha zustande kam In Frankfurt( Main) war er schon in den siebziger Jahren Parteiredakteur. Sein Wirken als Agitator vor und während des Sozialistengesetzes trug Frohme die schärfsten Berfolgungen ein. Viele Monate saß er im Gefängnis. Neun Monate brachte ihm allein die Teilnahme am sogenannten Kopenhagener Geheimbundprozeß 1887, in den auch Auer und Bebel verwickelt waren. Die wüsteſten Verfolgungen mußte er über fich ergehen lassen; auch von der Ausweisung blieb er nicht verschont. Eine große Anzahl seiner Dichtungen und politischen Schriften wurde verboten. Als das Schandgesetz fiel, siedelte Frohme 1890 nach Hamburg in die Redaktion des„ Hamburger Echo" über, der er bis zum Beginn des Welffrieges angehörte. " 1 Bon seinen zahlreichen Schriften sind besonders zu erwähnen Politische Polizei und Justiz im monarchistischen Deutschland", Wehr und Waffen", Arbeit und Kultur" und" Monarchie oder Republik". Hervorragend war Frohme auch als Reichstagsabgeordneter tätig. Von 1881 bis 1884 vertrat er den Wahlkreis Hanau, von 1884 bis 1924, also volle 40 Jahre, den Wahlkreis Altona- Stormarn. Als Abgeordneter bewältigte Frohme eine Riesenarbeit. Als glänzender Rebner hatte er im Reichstag stets das Ohr des Hauses. Seine Gebiete waren vorwiegend die Sozial- und Justizreform. An der Schaffung des Bürgerlichen Gesetzbuches hat er hervorragend mitgewirkt. Karl Egon Frohmes Wirken und Kämpfen für die Sache des arbeitenden Boltes wird unvergessen bleiben! Wieder Naziverluste! In Aachen fanden an der Technischen Hoch schule Studentenwahlen statt, die für die Nationalsozialisten wieder schwere Niederlagen brachten. Sie erhielten nur noch 164 Stimmen gegenüber 194 int Februar D. J. Auch die natio nalistischen Korporationen gingen von 192 auf 176 Stimmen zurüd. Zum ersten Male fonnte da gegen die Einheitsliste der linten Stu. benten, die im Vorjahr gar nicht kandidiert hatten, einen Siz erringen. Ale Hochschulwahlen der letzten Zeit, in Braunschweig, Würzburg, Heidelberg, Rostoc, Bonn und anderen Orten zeigen einen fatastrophalen Zusammenbruch der Nazistudentenbewegung; am deutlichsten zeigen das die Wahlen, die nach Hitlers Machtergreifung" stattgefunden haben. Darüber vermögen auch die von den Hitler- Studenten inszenierten Hochschultrawalle nicht hinwegtäuschen. Die studentischen SA.- Gruppen sind zum großen Teil in voller Auflösung, der Reichsführer des Nazistudentenbundes ist zurückgetreten. Einzelne Nazi studenten erflären ganz offen, daß sie sich von Hitler- Hugenberg verraten sehen. Die linken Studenten werden mit aller Energie in ihrem Freiheitsfampf auf den Hochschulen weiter vorftoßen. Den 3ukunftsstaat bringt Adolf Hitler Das erste Wahlflugblatt der Nationalsozialisten Dom Februar 1933 enthält die Proflamation des sozialistischen Staates burch die Führung des Reichstanzlers Adolf Hitler! Börtlich heißt es in ihrer Flugschrift ,, Signal": Arbeiter in den Betrieben und Angestellte in den Büros!!! Stärkt die nationalsozialistische Front, damit der sozialistische Staat recht bald Wirklichkeit wird! Das deutsche arbeitende Bolt sieht in Adolf Hitler den Mann, der das vollbringen will und auch vollbringen wird, was bisher so viele andere nicht zu schaffen vermochten. Arbeiter der Stirn und der Faust!!! Es lebe Adolf Hitler, es. lebe unfere 3u. tunft!!!!!! Um den sozialistischen Staat recht bald wirklichfeit werden zu lassen, hat Herr Hitler sich die Herren von Papen und Hugenberg als engste Berater ins Kabinett genommen und dem legteren alle wirtschaftlichen Refforts überlassen. Deshalb hat er sich mit den Deutschnationalen verbündet, denen Herr Winterfeldt erst am Sonntag ausführte: ,, Wir hoffen, daß das Sozialistische im Nationalsozialismus immer mehr zurüd. treten und das Nationale in ihrem Gedankengut immer mehr hervortreten wird." Man sieht, die Aussichten für den sozialistischen Staat sind mit Hitlers Kanzlerschaft enorm gestiegen. Herr Hitler verkündet: in zehn Jahren gibt es in Deutschland feinen Margismus mehr die 13 Millionen marristische Wähler find wie weggeblasen aber der sozialistische Staat. ist inzwischen Wirklichkeit geworden. Alles ohne Hererei! Das eine für die Arbeiter, das andere für die Kapitalisten das ganze für die, die nicht alle werden. 3ur Erinnerung Wie es vor zwei Monaten war Reichstagsprotokoll der 2. Sigung des Reichstags vom 7. Dezember 1932. Aus der Rede des Abgeordneten Börger ( NSDAP.): " Ehe ich über die Notverordnung rede, möchte ich dem vergangenen Kanzler, Herrn von Papen, einige Worte widmen. Er ist nach Hause gekommen, nach Hause geritten, und hat müde das Baumzeug seinem Johann übergeben: Stell in den Stall die müde Rosinante, Den Herrensattel hänge auf dabei Und laß mich wieder sein der Unbekannte, Wie einst im Mai. Reich mir das Einglas, daß ins Aug' ich zwänge, Es ist das Zeichen feiner Herrenart ( Buruf von den Sozialdemokraten: Meinen Sie das von Herrn Epp?) Doch hat Verständnis nicht des Pöbels Menge Für das, was Art. Nun ist es aus, das große Rennen, Der Start mar gut, weit war jedoch das Ziel: Ich habe deshalb nicht gewonnen, Weil ich vom Pferde fiel! Meine deutschen Volksgenossen! Bom Pferd ge Erdbeben in Süddeutschland ,, Die Erde bebt, wenn wir Nazis regieren! Bedarf es da noch anderer Beweise unserer Kraft und unseres Könnens?" fallen ist Herr von Papen, aber er hat sich dabei nicht weh getan. Doch der Hunger, den er verord nete, geht weiter durch Wohnungen und Straßen. ( zurufe von den Kommunisten.) Es ist ja heute, weiß Gott, schwerer, Kraftwagenlenter zu sein als Reichstanzler. Wenn ein Kraftwagenlenter einen angefahren hat, tommt er ins Gefängnis. Läßt ein Rangler Millionen hungern, bekommt er, wenn er geht, das Vertrauensvotum des Reichspräsidenten Ein Betrug an der gesamten Wiener Presse war der Bericht über das Attentat auf Dr. Rose Meller. Sie hat gestanden, sich die Verlegun gen selbst beigebracht zu haben. 6014 000 Arbeitslose Von Arbeitsbeschaffung noch keine Spur Nach der starten Welle der Erwerbslosigkeit, die in der ersten Januarhälfte 193 000 Arbeiter und Angestellte aus den Betrieben spülte, hat sich die Zunahme der winterlichen Arbeitslosigkeit in der zweiten Hälfte des vergangenen Monats erheb= lich verlangsamt. Der Bericht der Reichsanstalt stellt fest, daß 48 000 neue Erwerbslose sich vom 15. bis 31. Januar bei den Arbeitsämtern meldeten. Damit ist die Gesamtzahl der von den Arbeitsämtern erfaßten Arbeitslosen auf 6014 000 Personen gestiegen. Daneben existiert noch, wie wir mehrfach bereits betonten, eine Armee von völlig verelendeten ,, unsichtbaren Erwerbslosen", deren Stärke sich auch nicht entfernt schäßen läßt. Unter diesen Umständen ist es fein Trost, daß die Vorjahrsziffern bei den Arbeitsämtern erstmalig unterschritten wurden. Nach den An= gaben der Reichsanstalt betrug die Zahl der Arbeitsuchenden: Millionen Erwerbsloje 1931/32 1932/33 5,35 30. November 15. Dezember 31. Dezember 15. Januar . • 5,06 • . • 5,35 5,60 5,66 5,77 •••• 5,96 5,96 31. Januar . • 6,04 6,01 Von den 6 Millionen wurden Ende Januar alles in allem noch 953 000(!!) Arbeitslose von der Arbeitslosenversicherung unterstüßt, 1,42 Millionen von der Krisenunterstützung und 2,42 Millionen von der Wohlfahrt. Immer trasser enthüllt sich die standalöse Tatsache, daß seit den Papenschen Notverordnungen die Arbeitnehmerbeiträge zur Versicherung nichts anderes darstellen als schwer belastende Sondersteuer, denn es wäre ein blutiger Hohn, unter den herrschenden Verhältnissen noch von Versicherung" zu reden. eine Wie das Landesarbeitsamt Brandenburg ( Berlin, Brandenburg, Grenzmark) berichtet, nahm die Zahl der Arbeitsuchenden in der Berichtszeit vom 15. bis 31. Januar um 519 Personen zu. In Berlin selbst ging die Zahl der Arbeitslosen von 670 451 auf 665 373 Personen zurück. Dieser Rückgang ist überwiegend auf das bereits einsetzende Frühjahrsgeschäft im Bekleidungsgewerbe zurückzuführen. In der Berliner Metallindustrie, die für Berlins Arbeiterschaft von entscheidender Bedeutung ist, hat die rückläufige Entwicklung noch nicht aufgehört. Hier machte nur die Stadt Brandenburg innerhalb des Bezirks eine Ausnahme, da bei Brennabor neue Arbeitskräfte eingestellt werden konnten. Auch in den übrigen Konjunkturgruppen ist eine spürbare Besserung noch in feinem Falle zu erkennen. Leberwachungs- Ausschuß neu einberufen " Abg. Löbe hat den Ueberwachungsausschuß des Reichstages auf Dienstag, den 14. Fe bruar, mittags 12 Uhr, mit der bisherigen Tagesordnung Sicherung der Wahlfreiheit" und ,, Weiterberatung der Osthilfe" einberufen. Brief des Reichstagspräsidenten Göring hat Genosse Löbe dahin beantwortet, daß ihm eine Auseinandersegung mit dem Abg. Frant II unmöglich erscheint. Zur Begründung dafür heißt es: ,, Sie werden sich in dem amtlichen Protokoll überzeugen, daß die Herren der Nationalfozialistischen Partei mich Judenknecht" und Landesverräter beschimpft, daß Herr Dr. Frant in seinem Brief selbst wieder mit Bezug auf mich als vom ,, margistischen Berleumder" spricht und die Mitglieder aller Parteien im Ausschuß sowie die dort an wesenden Reichstagsbeamten werden Ihnen be stätigen fönnen, daß noch viel rohere zurufe mie frecher Kerl", Schwein" und dergleichen erfolgt find. Nach alledem find die Beschimpfungen, die gegen mich gerichtet wurden, zehnmal so schwer, als der Ausdruck, der mir in völlig entstellter Form aus einer WählerverUnter diesen jammlung zugeschoben wird. Umständen hätten sich die Herren wohl bei mir zu entschuldigen, aber ich nicht bei ihnen. Ich habe nunmehr die Sigung des Ausschusses auf Dienstag, den 14. Februar, mittags 12 Uhr, angefeßt, da die Mitglieder mehrerer Parteien gebeten hatten, wegen ihrer Behinderung ihn nicht früher einzuberufen. Für diese Sigung wiederhole ich mein Ersuchen, da Herr Dr. Frank abermals angekündigt hat, daß er diese unmöglich machen will, solange ein margristischer Berleumder" den Vorsiz führt. Vielleicht überzeugen Sie sich durch Ihre Anwesenheit selbst davon, mit welchen Mitteln das herbeigeführt werden soll. In der letzten Sigung haben seine Fraktionsmitglieder jedenfalls verhindert, daß über den eigenen Antrag des Herrn Dr. Frant, der einen Wechsel des Vorsitzenden zum Ziele. hatte, beraten oder abgestimmt wurde." Im übrigen liegt auch ein Antrag vor, die geplante Stillegung der Zeche ,, Sachsen" im ersten Ausschuß zu behandeln. Gewerkschaftliches fiehe 1. Beilage. Hierzu 2 Beilagen Der Borwärts" erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Sllustrierte Sonntagsbeilage Bolt und Beit". Bezugspreise: Wöchentlich 75 Bf monatlich 3,25 M.( davon 87 Pf. monatlich für Zustellung ins Haus) im voraus zahlbar. Bojtbezug 3,97 m. einschließlich 60 Bf. Boftzeitung und 72 Pf. Poftbeftellgebühren. Auslandsabonnement 5,65 M. pro Monat; für Länder mit ermäßigtem Drucksachenporto 4.65 M. Bei Ausfall der Lieferung wegen höherer Gewalt besteht tein Anspruch der Abonnenten auf Erfaz. Anzeigenpreise: Die einfpaltige Millimeterzeile 30 Bf., Reflamezeile 1,50.leine Anzeigen" das fettgebrudte Wort 20 Bt.. fedes weitere Bort 10 Bf. Rabatt laut Tarif. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmartt Millimeterzeile 25 Bf. Familienanzeigen Millimeterzeile 16 Bf. Anzeigenannahme im Sauptgeschäft. Lindenstr. 3, wochentäglich von 8 bis 17 Uhr. Der Verlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor. Berantwortlich für Politit: Rudolf Brendemühl; Birt schaft: G. Klingelhöfer; Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: Serbert Lepère; Sofales und Sonstiges: Frig Karstadt; Anzeigen: Otto Sengft; fämtlich in Berlin./ Berlag: Vorwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts.Buchdruckerei und Berlagsanstalt Paul Ginger u. Co., Berlin G. 68. Lindenstr. 3. + + Auf der ganzen Welt wird Kathreiner getrunken, der berühmte Kneipp- Malzkaffee, felbft in Amerika, wo der Bohnenkaffee fo billig ist. WERTHEIM Billige Lebensmittel Kalbsbrust u. Rücken, Pfund Kalbskotelett Pfund Frisches Fleisch, Fische 42. Kalbskeule o 68PL. Schweinekamm 64p. u. Schuft, Pfund Ostseedorsch Seelachs Kabeljau Schellfisch Pfund ganze F., Pfd. on 5 PL. 11 PL. 9 Kalbskeule o. Haxe, Pfd. 0.54 Ochsensuppenfleisch 0.46 Ochsenschmorfleisch 0.68 Lammvorderfleisch Pfd. 0.54 Lammrücken...... Pfd. 0.68 Schweinebauch, Schult. 0.58 Kaßler frisch geräuch. Pfd. 0.64 Fr. Zunge 0.68 Gehackt. 0.48 Fr. Blut- u. Leberw. Pfd. 0.48 Wurstwaren .Pfd. 0.65 Westfäl. Rotwurst..Pfd. 0,48 Dampfwurst.. 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Weißkohl Pfd. 0.05 Möhren gewaschen... Pfd. 0.05 Bayr. Rettiche.... Stück 0.05 Teltow. Rübchen..Pfd. 0.10 Malta- Kartoffeln 2 Pfd. 0.35 1/1 Puten Dose Pfund an 0.39 Hasen .. 0.46 0,50 gestr. u. ausgew. Junge Schnittbohnen Junge Brechbohnen Gemüseerbsen........ 58PL Gemischtes Gemüse V 0.60 Wolgahühn. 64. Pilaumen 0.48 Mirabellen 0.85 Kolonialwaren Tafelreis.......... Pfd. 0.11 Weiße Bohnen.... Pfd. 0.11 Viktoria- Erbsen... Pfd. 0.18 Weizenmehl....... Pfd. 0.18 gefror., Pfd. an Blutorangen ( Messina) Kiste 144 St.7.20 Gemischt. Backobst Pfd. 0.32 Bücklinge 16PL. Gebr. Kaffee 1.90 2.20 2,40 Wein Flasche 31 ohne Glas Obermoseler........ 0.70 30 Niersteiner... Weißwein Ltr. 0.80 5 Ltr. 3.90 0.95 Pfund von an Konfitüre Erdbeer, Kirsch, Aprik., Himbeer 1 Eimer 98Pl. Weisse Woche Freitag u. Sonnabend Dauer dieser Veranstaltung vom 30. Januar bis 11. Februar die letzten Verkaufstage! Ortskrankenkasse Laden mit Wohnung der Gürtler zu Berlin Berliner Zimmer, Küche, Rammer Gesamtgröße 71 qm, in Berlin N31, Wattstr. 9. umständehalber sofort günstig zu vermieten. Anfragen erbeten an Bekanntmachung! Die vom Vorstand und Ausschuß der Raffe beschlossene fünfte Abänderung der Sagung, betreffend den§ 36, ist vom Oberversicherungsamt Berlin unter dem Aenderung tritt mit dem 1. Januar 1933 Kraft. ab Druckegemplare find Vorwärts- Verlag GmbH. 31. Januar 1933 genehmigt worden. Die SW 68, Lindenstr. 3 in Fernsprecher A. 7, Dönhoff 292, Apparat 27. 13. Februar 1933 im Raffenlotal erhältlich. Berlin, den 10. Februar 1933. Der Vorstand. Ab. Rösener, Borsigender. wirksam sind dhe Besonders Kleinen Anzeiges In der Gesamt. Auflage billig! des Vorwärts und trotzdem Parteinachrichten Einsendungen für viele Rubrik sind Berlin G 68. Lindenstraße 3. Otto Bierwirth, Schriftführer. für Groß- Berlin stets an das Bezirkssekretartat 2. Sof. 2 Treppen rechts. zu richten Beginn aller Veranstaltungen 19% Uhr, sofern feine besondere Zeitangabe! 1. Kreis. Montag, 13. Februar, Sigung des erweiterten Kreisvorstandes. Dienstag, 14. Februar, Kreisvertretertag. 12. Kreis. Sonnabend, 11. Februar, Fraktionsfigung im Rathaus. 15. Areis. Sonnabend, 11. Februar, 17 Uhr, Kreisvorstand mit den Abteilungsleitern an bekannter Stelle. Dienstag, 14. Februar, Kreisver tretertag. Die Kreisvertreter erhalten Einladungen zugestellt. 18. Areis. Freitag, 10. Februar, 18 Uhr, Kreisvorstandssigung an bekannter Stelle. 23. Abt. Freitag, 10 Februar, Funktionärsigung an bekannter Stelle 26. Abt. Sonnabend, 11. Februar, 20 Uhr, Funktionärsigung an bekannter Stelle. 119. Abt. Sonnabend, 11. Februar, Funktionärsizung mit den Kreisdelegierten. Frauenveranstaltungen: Achtung, Abteilungsleiterinnen! Wegen der auf Montag, 27. Februar, vorverlegten Marg- Gebent- Feier im Sportpalast müssen die für diefen Tag vor gesehenen Frauenabende ausfallen. Nene Termine sind der Referentenzentrale umgehend zu melden. Das Frauensekretariat. * 3. Areis. Sonntag, 12. Februar, Besichtigung des Frauenkundemuseums. Treffpunkt 10 Uhr vor dem Gebäude, Charlottenburg, Berliner Str. 137. Anschließend Vortrag des Genossen Dr. Asrican. 115. Abt. Sonntag, 12. Februar, Besichtigung des Reichstages in der Zeit von 10 bis 12 Uhr unter Führung der Genoffin Marie Kunert, M. d. R. Treffpunkt 9 Uhr Stralau- Rummelsburg, Eingang Sonntagstraße. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde. Mitte, Abt. Matteotti: Me Falten anwesend sein. Boller Turn. betrieb. Tiergarten: Abmarsch für die Besucher der Voltsbühne am Sonn. abend um 144 Uhr kleiner Tiergarten. Abt. Auguft Bebel: Rote und Fungfalten: Sonntag Besichtigung des Postmuseums. Treffpunkt 9% Uhr Kleiner Tiergarten. Kein Fahrgeld. Abt. Rotes Jungvolt, Rote Falten: Sonntag Fahrt ins Blaue. Treffpuntt 9 Uhr Beuffel- Bahnhof. Fahrgeld 15 Pf. Charlottenburg: Gonnabend, 16 Uhr, Rosinenstr. 4, Gingestunde. Alle Falten und Helfer müssen erscheinen. Treptow, Abt. Schöneweide Rote Wacht: Sonntag, 12. Februar, 16 Uhr, Jugendheim Oberschöneweide, Laufener Str. 2, Kasperletheater. Unkosten 20 Pf. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 51. Abt. Genoffe Serbert Freesdorf, Knobelsdorffstr. 55, ist im blühenden Alter von 24 Jahren verstorben. Ehre seinem Andenten! Die Trauerfeier hat bereits stattgefunden. 52. Abt. Am 2. Februar verstarb unser Genosse u d mig 8ielte Raiserin- Augufta- Allee 78, im Alter von 56 Jahren. Ehre seinem Andenten! Die Einässerung hat bereits stattgefunden. 108. Abt. Unsere alte Genoffin Anna Schust, Müggelheimer Str. 39, ift am 7. Februar im Alter von 71 Jahren verstorben. Ehre ihrem An. denten! Einäfcherung Sonnabend, 11. Februar, 15% Uhr, Arematorium Baumschulenweg. Wir bitten um rege Beteiligung. 115. Abt. Am 5. Februar ist unser alter Rämpfer Wilhelm Jung. nidel verstorben. Ehre seinem Andenken! Einäscherung 10. Februar, 13 Uhr, Rrematorium Baumschulenweg. 129. Abt. Im Alter von 26 Jahren verschieb unser Parteigenoffe Serbert Bobdeutsch. Ehre seinem Andenken! Wir verlieren in ihm einen treuen Mitkämpfer. Beerdigung Freitag, 14 Uhr, Friedhof Pantom. Schönholzer Seide. Um rege Beteiligung bittet der Abteilungsvorstand. Vorträge, Vereine und Versammlungen Reichsbanner„ Schwarz- Rot- Gold". Geschäftsstelle: Berlin G 14. Sebastianstr. 37-38, Sof 2 Tr. Mitte, 5. Kameradschaft: Freitag, 10. Februar, 20 Uhr, Versammlung im AGB.- Heim, Softystr. 4. Tiergarten( Jungba): Freitag, 10. Februar, 20% Uhr, Wiclefftr. 17. Referent: Herbert Dewald. Pankow ( Ortsverein): Gonntag, 12. Februar, 6% Uhr, Antreten aller Kameraden in Bundeskleidung Marktplag Pankow. Besondere Einladung beachten. Spiel. mannszug mit Instrumenten. Tiergarten, 3. Kameradschaft: Freitag, 10. Februar, 20 Uhr, Rameradschaftsversammlung bei Rickert, Steinmegstr. 36a. ASB Arbeiter- Samariter- Bund e. B., Kolonne Berlin. Geschäftsstelle: NO. 13. Joftystr. 4. Telephon: E 3 Königstadt 5440. Achtung, Jugendliche! Am Sonntag, 12. Februar, findet eine Be fichtigung des Betriebes der Konsum- Genossenschaft Berlin und Umgegend statt. Treffpunkt 9% Uhr Berlin- Lichtenberg, Rittergutstr. 16-30, Haupteingang. Gäste willkommen. Bither- Club 1897 Neukölln.( Dirigent: Adolf Wollenschläger.) Jeden Freitag Uebungsstunde im Restaurant Meißner, Kaiser- Friedrich- Ede AnzengruberStraße. Beginn 20% Uhr. 8itherspieler und Gäste herzlich willkommen. Typographisches Orchester. Dirigent: Erich Gutzeit. Uebungsstunden jeden Freitag, 20% bis 22 Uhr, im Ideal- Rasino, Neukölln, Weichselstr. 8. Bläser und Streicher willkommen. Sozialistisch- Zionistische Vereinigung Poale gion. Eröffnungssigung der erften Landestonferenz der Sozialistisch- Zionistischen Vereinigung Sonnabend, 11. Februar, 20% Uhr, im Logenhaus, Joachimsthaler Str. 13. Es sprechen: Genosse B. Locker, London, über Die Lage im Zionismus und in Palästina" und Genoffe Dr. Frig Löwenstein über Der Weg des sozialistischen Zionismus". Die Eröffnungsansprache hält Genosse Dr. G. Landauer. Eintrittstarten in der B8B., Meinetestr. 10. Aus vollem Schaffen heraus verstarb plötzlich und unerwartet heute früh unser langjähriges Vorstandsmitglied Herr Brauereidirektor Arthur Göhler Der Verstorbene war seit dem 1. Juli 1903 als Leiter unseres technischen Betriebes auf das engste mit uns verbunden. Er hat, gestützt auf seine langjährigen Erfahrungen, in nie versagender unermüdlicher Arbeit unserem Unternehmen unvergängliche Dienste geleistet. Schmerzerfüllt stehen wir, die wir durch jahrelange Zusammenarbeit Gelegenheit hatten, die seltenen Gaben seines Geistes und seines Herzens zu beurteilen, an der Bahre dieses um Unternehmen hochverdienten Mannes. Sein Andenken wird immerdar bei uns in hohen Ehren gehalten werden. unser Berlin- Friedrichshagen, den 8. Februar 1933. Aufsichtsrat und Vorstand is gider Berliner Bürgerbräu E. G. m. b. H. Die Beerdigung findet am Sonnabend, dem 11. Februar 1933, nachm. 4 Uhr, von der Friedhofshalle des Kirchhofs Friedrichshagen, Schulstraße, aus statt. Heute in früher Morgenstunde wurde unser hochverehrter Chef Herr Direktor Arthur Göhler durch einen plötzlich eingetretenen Tod in seinem 65. Lebensjahre aus einem arbeitsreichen Leben in die Ewigkeit abberufen. Trauernd stehen wir an der Bahre dieses hochbegabten Mannes, welcher uns nicht nur in schaffensfreudiger Arbeit ein leuchtendes Vorbild treuer Pflichterfüllung war, sondern auch in seiner Eigenschaft als Chef immer Gerechtigkeit und großes soziales Verständnis bewies. Wir werden seiner stets in hoher Verehrung gedenken. Berlin, den 8. Februar 1933. Die kaufmännischen und technischen Angestellten der Berliner Bürgerbräu E. G. m. b. H. Abt. Friedrichshagen Abt. Stralau Ganz plötzlich verschied heute früh unser hochverehrter Chef Herr Direktor Arthur Göhler In aufrichtiger Trauer stehen wir an der Bahre eines gütigen und gerechten Chefs, den ein warmes soziales Empfinden auszeichnete. Wir werden ihm immer ein ehrendes Angedenken bewahren. Berlin, den 8. Februar 1933. Das gewerbliche Personal Berliner Bürgerbräu E. G. m. b. H. Abt. Stralau Abt. Friedrichshagen Für die mir anläßlich des Ablebens meines Sozius und Schwagers, Herrn Sally Rehfisch in so herzlichen und trostreichen Worten erwiesene Teilnahme spreche ich hiermit meinen tiefgefühltesten Dank aus. Am 8. Februar Hermann Joseph in Firma H. Joseph& Co. Berlin- Neukölln. entschief nach langem Leiden meine liebe, herzensgute Frau Auguste Schäfer geb. Moldenhauer im 67 Lebensjahre. Im Namen der Hinterbliebenen Hermann Schäfer Berlin N., Kastanienallee 21, Die Einäscherung findet am Montag, dem 13. Februar, um 19 Uhr im Krematorium Gerichtstraße statt. Nach langem schweren Leiden verschied am 8. Februar meine liebe Frau, unsere herzensgute Mutter, Großmutter und Schwiegermutter, Frau Lieschen Borngräber geb. Witte, im Alter von 55 Jahren. Die trauernden Hinterbliebenen Fritz Borngräber, Luzie Borngräber, Anni Borngräber I und Paul Bachran als Schwiegersohn. Die Trauerfeier findet am Montag, dem 13. Februar, 1814 Uhr, im Krematorium Gerichtstraße statt. Deutscher Metallarbeiter- Verbanc Verwaltungsstelle Berlin Todesanzeigen Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Kupferschmied Kurt Birk am 8. Februar im Alter von 48 Jahren gestorben ist. Die Beerdigung findet am Montag, dem 13. Februar, nachmittags 31/ Uhr, von der Leichenhalle des ElisabethKirchhofes in Pankow, Wollankstr. 66 aus statt. Am 6. Februar verstarb unser Kollege, der Dreher Felix Kastor im Alter von 52 Jahren. Die Einäscherung findet am Dienstag, dem 14. Februar, abends 8 Uhr, im Krematorium Gerichtstraße statt. Ehre ihrem Andenken! Rege Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung Danksagung Für die mir in so überaus reichem Maße bewiesene Teilnahme beim Heimgang meines geliebten Mannes Hermann Gries sage ich allen Kollegen, Freunden und Bekannten, sowie dem Redner des Deutschen Freidenker- Verbandes Herrn Oberüber für seine trostreichen Abschiedsworte auf diesem Wege meinen herzlichsten Dank. Emma Gries nebst Angehörigen KLEINE ANZEIGEN Jedes Wort 10 Pf. Fettgedrucktes Wort 20 Pfg.( zulässig 2 fettgedruckte Worte ( Worte mit mehr als 15 Buchstaben zählen für 2 Worte) Verkäufe ginoleum Szillat, Rolonie Straße 9. Annahme durch den Ver ag, Lindenstr. 3 ( 29-> Uhr) sämtl Vorwärts"-Filialen u.-Ausgabestellen, sowie alle Annoncen- Expeditionen Werfen Sie das Bett aus dent Wohnzimmer. Wundervolle Schlaf. couches. Klubschlaffeffel, Klubschlaf fofas schaffen Blag, von 43,50 an. Nofter, Prinzen Kleidungsstücke, ftraße 73. Wäsche usw. 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ZWEITE BEILAGE Vorwärts Hitlers Kapitulation vor Hugenberg Der Nationalsozialismus hat vor dem Nationalkapitalismus die Flagge gestrichen In Deutschland herrscht jetzt eine Regierung der nationalen Erhebung. Aber auf der Bühne biefer Regierung wird vor und hinter den Kulissen regiert. Auf der offenen Szene wird noch die Einheitsfront egerziert, hinter den Kulissen toben die erbittersten Kämpfe um die Posten. Vor der Szene bestimmt der Reichskanzler Hitler die Richtlinien der Politik Hinter der Szene ist Hugenberg der fast unumschränkte Regisseur und Papen der Inspizient. Noch immer hat das deutsche Bolt kaum eine Borstellung davon, wie sehr die nationalsozialiffifche Bewegung in dieser nationalen Erhebung Afrappe, der Nationalfapitalismus Hugenbergs aber Trumpf ift. Die eine Riefenenttäuschung, daß Hitler kein Programm, sondern nur Versprechungen für Bierjahrespläne hat, ist schon da. Hitler hat aber auch überall da, wo es für die Lebensinteressen des Volkes wichtig ist, feine Macht. Allmächtig ist auf allen diesen Gebieten nur Hugenberg, und die Richtlinien jener Politik, die das Bolf in Stadt und Land interessieren, merden auf Hugenberg- Papier in HugenbergKanzleien für Hugenberg- 3wede festgelegt. Hugenberg ist heute der Diktator des wirtschaftlichen und sozialen Lebens in Deutschland schlechthin. Er ist heute in einer Person zugleich Reichsernährungsminister, Reichswirtschaftsminister, preußischer Landwirtschaftsminister, preußischer Handelsminister, Osthilfekommissar und lenkt durch Herrn Seldte auch das Reichsarbeitsministerium. Sehen wir zu, was das heißt und auf welche Weise dem Reichskanzler Hitler noch übrig bleibt, ,, die Richtlinien der Politik zu bestimmen". Hugenberg ist Reichsernährungsminister. Die Nazis haben darauf verzichten müssen, in der Person Willekens vom Reichslandbund den Staatssekretär zu stellen. Was die Nazis versprochen haben, ist Schwindel. Billiger wird nichts. Denn die Politik der Zölle wird durch den großagrarischer Kurs Hugenbergs bestimmt. Die Getreideabteilung des Reichsernährungsministeriums. in der alle Politik gegen die Bauern gemacht wird, wird dominieren. Neben der allgemeinen Abteilung und der Getreideab teilung steht die Siedlungsabteilung. Sie wird unter Hugenberg beweisen, daß Land zur Besiedlung aus den Sicherungsverfahren nicht zur Verfügung gestellt werden kann. Hugenberg unterstehen hier auch die wichtigsten Subventionstöpfchen, um die agrarischen Interessenten an der Stange zu halten. Der Marktforschung, wo sie junkerlichen Zielen abträglich ist, fann die Luft endgültig abgedreht werden. Getreidehandelsgesellschaft ,,, Preußen" faffe, Rentenbanffreditanstalt, Siedlungsbank find weitere Machtinstrumente. Hugenberg ist auch Offhilfekommissar. Als Osthilfekommissar wird die Besizsiche. rung der Junker neue Triumphe feiern. Ueber die Enthüllungen des Haushaltsausschusses ist nicht umsonst der Mantel der Nächstenliebe gebreitet worden. Der Vorhang ist zugezogen, und da der Osthilfekommissar auch über den Beamtenkörper der Landstellen herrscht, wird dafür gesorgt werden, daß der nötige Rückhalt bei der Regierung für alle erforderlichen Besitzsicherungsmaßnahmen vorhanden ist. Die Nazis haben auch hier nichts zu bestimmen. Hugenberg ist als Kommissar auch preußischer Landwirtschaftsminister. Hier steht ihm ein riesiger Be a mtenförper mit riesigen Verwaltungsbefugnissen zur Verfügung. Im landwirtschaftlichen Bildungswesen kann die autoritäre Parole der Sparsamkeit der Aufklärung und Schulung der Bauern den willkommenen Riegel vorschieben. In der Bewirtschaftung der preußischen Domänen fann Plaz gemacht werden für eine die konservative Gesinnung fördernde Bevorzugung der Großpächter, hinter denen die Zehntausende von Kleinpächtern zurücktreten dürfen. Bei der Förderung der landwirt. schaftlichen Produktion durch das preußische Landwirtschaftsministerium kann in Zusammenarbeit mit der Getreide- und Zollabteilung des Reichsernährungsministeriums der Veredelungswirtschaft ,, die nötige Hilfe" durch weitere Bevorzugung der junkerlichen Getreideinteressen gewährt werden. Die Landeskulturver waltung und die Kulturämter endlich werden unter Hugenberg mit der Siedlungsabteilung des Reichsernährungsministeriums gemeinsam den Beweis führen wie wenig Siedlungsland bereit. zustellen und wie unzweckmäßig eine Siedlung in größerem Maßstabe ist. Dann ist Hugenberg Reichswirtschaftsminister. Und Hugenberg untersteht auch das preußische Handelsminifterium, das heute Ministerium für Wirtschaft und Arbeit heißt, nachdem das Wohlfahrtsministerium aufgelöst worden ist. Hier bestimmt Hugenberg über eine Bergabteilung, d. h. Ueberwachung der Bergwerke in ganz Preußen; er bestimmt über die preußischen Elettrointeressen, über das Bank- und Börsenwesen, führt die Aufficht über Hypothekenbanken und Sparkassen, über die Industrie- und Handelskammern und über die gesamte von Preußen zu betreuende Mittelstandspolitif! Wo Preußen Subventionen zu gewähren hat( Mansfeld usw.), wird Hugenberg bestimmen. Das Ferngasinteresse der Ruhrzechen wird auch Hugenbergs Interesse sein. Hugenberg unterstehen sämtliche preußischen Gewerbe= aufsichtsämter! Auch die die Berufsschulung ist größtenteils in seine Hand gelegt. Dazu kommt die Aufsicht über die großen Berg= bau und Elektrizitätsunterneh= mungen des preußischen Staates. Aber die Machtvollkommenheit Hugenbergs ist damit nicht erschöpft. Durch Seldte verfügt Hugenberg auch über das Reichsarbeitsministerium. Das heißt, das Tarif- und Schlichtungswesen, die Sozialpolitik und die Bersorgung der Kriegsbeschädigten und Sozialrentner, die Sozialversicherung das Die dänische Krise Die Wirtschaftskrise in Dänemark, der schon in den letzten beiden Jahren mehrere führende Banken zum Opfer gefallen waren, hat jetzt zum Zusammenbruch des größten Industrieunternehmens, der Schiffswerft und Maschinenfabrik Burmeister u. Wain in Kopenhagen, geführt. FREITAG, 10. FEBRUAR 1933 Arbeitsrecht und die Arbeitsgerichte, das Wohnungswesen und die Mietgesezgebung, ferner die Kontrolle über die Wohnungsgesellschaften. Ganz selbstverständlich, daß bei solch ungeheuerlicher Machtvollkommenheit Hugenberg auch den stärksten Einfluß auf alle Fragen der Arbeitsbeschaffung und des Arbeitsdienstes ausübt. Es braucht kein Schaden zu sein, daß Herr Seldte sich speziell den Arbeitsdienst vorbehalten will und ihn dem Obersten Hierl von den Nazis streitig macht. Aber nicht einmal für diese einzige positive Forderung des Hitler- Aufrufes haben die Nazis einen Mann in Stellung bringen fönnen. Lohnt es sich zu fragen, was gegenüber einer so ungeheuerlichen Machtvollkommenheit des Nationalfapitalisten Hugenberg die Positionen bedeuten, die die Herren Frid, Göring und Rust im Auftrage des Führers Hifler in den Polizeiministerien und im Kultusminifterium bezogen haben? Diese Positionen mögen wichtig für die Wahl am 5. März sein. Für die Wahrnehmung der Volksinteressen bedeuten sie nichts. Bei der ,, Wahrnehmung" der Boltsinteressen ist heute einzig und allein Hugenberg maßgebend, d. h. der Nationalsozialismus hat dem Nationalfapitalismus die Wahrnehmung der Wolfsinteressen aus. geliefert! Er hat die Bolksinteressen den Sonderinteressen des Schwertapitals und der Junker untergeordnet und geopfert! Hätten die Nationalsozialisten das nicht gewollt, dann hätten fie nicht in diese Regierung gehen dürfen. Wenn am 5. März gewählt wird, dann werden die Massen des deutschen Volkes nicht über Worte, sondern über Taten entscheiden. Die Taten aber bezeugen, daß in Deutschland der Nationalsozialismus Dor dem Nationalfapitalismus auch offiziell die Flagge gestrichen hat. politif des Unternehmens, das noch im Frühjahr 1932 fast 320 000 Kronen als Jahres= tantieme an Direktorium und Aufsichtsrat ausschüttete. Die Belegschaft bestand zum Jahresende trotz der Auftragsschrumpfung noch aus 3000 Mann. während in Konjunkturjahren über 6000 Kopenhagener Werftarbeiter eingestellt maren. Im Reichswirtschaftsministerium wird die gesamte deutsche Handelspolitik ,, betreut". Hier sind die Aufsicht über die Kartelle und die Versicherungsgesellschaften sowie die Preisgefaßt." Hugenberg wird hier seiner schwerüberwachung für Kohle und Kali zusammenIndustriellen Gesinnung die Treue beweisen, Dem Reichswirtschaftsministerium angegliedert ist die zuſquie Regierung dem Unternehmen erhebliche Der Reichsbankausweis Funktion des Preiskommissars. In Hugenbergs Hand ist das Schicksal der Bantenkontrolle und aller Subventionsfragen gegeben. Als Reichswirtschaftsminister verfügt Hugenberg über das Statistisch e Reichsamt und verwaltet mit dem Reichsfinanzministerium sämtliche großen Beteili gungen des Reichs, d. h. alle Bank, Industrie- und Elektrointeressen. Im Reichswirtschaftsministerium hat Hugenberg auch zu entscheiden über das Schicksal von Gelsenkirchen und das des Stahlvereins. Der FlotomBericht ist in noch besserer Hand als vorher. Da Zuschüsse geleistet hat und bei dem Zusammenbruch entsprechende Verluste erleidet, ist eine Untersuchungskommission eingesetzt worden. Die Erflärungen des Handelsministers über die bisherigen Ergebnisse sind sehr pessimistisch gehalten. Das gesamte Kapitel von 30 Millionen Kronen sowie die Reserven in Höhe von 19 Millionen sind verloren. Die Banken sind mit 9 Millionen Krediten an der Pleite beteiligt. Großes Aufsehen haben die Mitteilungen erregt, daß bei der Vergebung der Exportsubventionen Korruptionen vorgekommen sind, mit denen sich der Staatsanwalt noch befassen wird. Scharf kritisiert wird auch die Tantieme und Gehalts In der ersten Februarwoche ist die Rüd= zahlung der zum Ultimo in Anspruch ge= nommenen Kredite etwas langsamer als in früheren Monaten erfolgt. Handelswechsel nahmen um 66,2 auf 2392,8, Reichsschazwechsel um 26,1 auf 18,0, Lombarddarlehen um 13,1 auf 79,4 Millionen ab. Die Girogelder verringerten sich um 29,4 auf 315,6 Millionen Mark. Der Notenumlauf ging um 95,6 auf 3242,2 Millionen Mark zurück. Die Devisenbilanz war diesmal etwas ungünstiger. Goldbestände nahmen um 0,4 auf 822,3 Millionen zu. die Devisenbestände dagegen um 2,7 auf 97,9 Millionen ab. PRIMUS 1,5 Liter 6/30 PS TRUMPF 1,5 Liter 6/30 PS ADLER RADITION QUALITA NOISIZZ PRAZIS FAVORIT 2 Liter 8/40 PS STANDARD 63 Ltr. 12/60 PS STANDARD 84 Ltr. 15/80 PS ADLER baut fortschrittlichste Automobile! Wiegend in Gummi aufgehängter Motor. Tiefbett- und Kastenrahmen. Achslos aufgehängte Räder. Einzelradlenkung. Viergang- und Aphongetriebe mit abstellbarem Freilauf. Höchste Motorleistung. Einzigartige Verwendung von Gummi zur Vermeidung von Geräuschen und Vibrationen, das sind in zweckmäßiger, jeder Type besonders angepaẞter Kombination die fortschrittlichsten Konstruktionselemente der neuen ADLER PRIMUS, TRUMPF, FAVORIT und STANDARD Schön in der Form, klar in den Linien, langgestreckt und niedrig mit schräggestellter Halbspitzkühlerverklei dung und großen Kofferkasten zeigen sich alle Adlerwagen in ihrer neuen Form als letzte Modeschöpfungen. 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Ptd. 0,98 Speck fett........... Pfd. 0,74 Speck mager.. Nußschinken...... Heringssalat, Italien. Salat, Mayonnaise Pra Weisse Bohnen 0,58 0,11 Pfd. von Linsen Pfd. von 6000 0,68 0,48 Grüne Heringe SPfd.v. Norwegische Bücklinge d von 0,25 0,16 Schweizer 0,76 vollfett... Pfd. von Molkerei 1,02 butter..Pid. von Margarine 0,72 3 Pfd. Zervelat oder Salami Ptd. Von Gekochter * 0,98 0,14 Schinken 0,28 Pfd. von fren Pfd. von 0,64 Preise nur Freitag u. Sonnabend. Lebensmittelzusend. v. 5 M. an. Mengenabgabe vorbehalt. Verkauf soweit Vorrat Fische und Räucherwaren Kabliau o.K.i.G., Pfd.v. 0, 11| Leb. Karpfen Ptd. von 0,58| Rotbars ger...Pfa. 0,42 Leb. Schleie Pta. von 0,45 Fleckheringe ger., Ptd. 0,35 Schellfisch ger., Ptd. 0,24 Rogen............ Ptd. 0,40 Seelachs ger. Pfd. 0,25 Heringe i. Tom., 2 Ds. 0,65 Seeaal abgez., ger., Pid. 0,42 Oelsardinen 3 Dosen 0,88 Makrelen ger. Pfd 0,34 Delik.- Gurken Spez.-Ds. 0,68 Schellfisch mit Kopf, i. G., Pfd. von 0.11 Seelachso.K.i.G., Pfd.v. 0,11 Rotbars o.K., i.G., Pfd.v. 0,20 Kabliaufilet..... Pfa. 0,20 Käse und Fette Harzer Pfd. von 0,24 Allgäuer 20%...... Pfd. 0,36 Allgäuer 40%.. ...... Pfd. 0,58 Tils. Blockkäse 20%, Pfd. 0,44 Briekäse vollfett... Pfd. 0,56 848 Weine u. Spirituos. Obst und Gemüse Preise ohne Flasche, FL. 10 FL. Zitronen....... Dtz. von 0,28 Cider süss. Apfelwein 0,65 6,00 Koch- u. Essäpfel pra. 0,20 31 er Oberh.Maikammer. 0,75 7,00 Tafeläpfel....... 2 Pfd. 0,45 Montagna span. Rotw. 0.95 9.00 Mandarinen Insel Samos süss..... 1,20 11,50 Steinbuscher vollt., Ptd. 0,68 31 er Ellenzer Riesling 1,10 10,50 Jaffa- Apfelsin. 3 Pfa. 0,58 Apfelsinen. Allerfeinste Pfd. 0,18 .3 Pfd. 0,44 Pfd. 0,25 .Pfd. 0,05 ..Pid. 0,05 .Pfd. 0,04 Dän.Schweizer 30%, Pfd. 0,56 26er Graves supérieur 1.60 15,00 Tilsiter vollfett..... Ptd. 0,68 Weinbrand- Verschn.** 2,75 26,00 Erdnüsse Edam., Holländ.40%, Ptd. 0,68 Rum- Verschnitt 38%.. 2,75 26,00 Rotkohl., Ltr. 5 Ltr. Weisskohl Molkereibutter.... Pfd. 1,12 Roter Johannisbeerwein 0,68 3.25 Kohlrüben.... Markenbutter..... Pfd, 1.18 Dürkheimer Feuerberg 0,85 4,00 Möhren gewaschen, Pfd. 0,05 Kokosfett....... 3 Pid. 0,88 Deutscher Wermut.... 0,95 4,50 Sellerie. .2 Pid. 0,15 Rohschmalz Ptd. 0,46 Jam.- Rum- Verschn, 40% 3,60 17,50 Blumenkohl... Kopf von 0,16 Bratenschmalz.... Ptd. 0,46 Deutscher Weinbrand 4,00 19,00 Kartoffeln....... 10 Pfd. 0,26 Carte Blanche oder Cabinet Fruchtschaumwein ( mit Steuer u. Flasche) FL Puten 10 Fl. Spezial- Liköre 1,10 10,50 Cherry Brandy, Halb u. Halb, Curaçao( mit Flasche), Fl. Wild und Geflügel 10 Fl. 2,45 24,00 .Pfd. von 0,58| Hirschblätter...... Pfd. von 0,54 Suppenhühner frisch, Pfd. v. 0,68 Hirschrücken...... Pfd. von 0,78 Wildragout....... Pfd. von 0,28 Hirschkeule.... Freitag und Sonnabend Schlusstage unserer ..Pfd. von 0.90 WEISSEN WOCHEN Rohnessel ca. 140 cm breit, kräftige Qualität, Meter 0,32 Frottierhandtücher echtfarbig, schwere Qualität... 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Buntes Theater: ,, Der Fürst von Pappenheim" Kandl, Spering, Hedlund, Feher Dirigent: Müller Bettlaken kräftiger Dowlas, Grösse 130/210 cm, Stück 1,25 Gummiplattenschürzen Damen, warm vulkanisiert, 1,00 für ca. 60/90 cm Winter Garten 8 Uhr 15. Flora 3434. Rauchen erl. Gsovsky Ballett Medini- Trio Rassana Lotte Werkmeister Die lustigen Weintraubs usw. Sonnabend und Sonntag audi namm. 4 Uhr zu kleinen Preis. Stück Taghemden für Damen, mit Stickerei, gute 0,95 Qualität COPEPRE Hüfthalter Stück für Damen, Brochée, mit 2 Gummi: 1,95 Berliner Theater Rose- Theater Charlottenstr. 90 Dönhoff 625 8 Uhr Die Marneschlacht teilen. Große Frankfurter Straße 132] Tel. Weichsel E7 3422 8.15 Uhr von Paul Joseph Cremers. Die ZirkusGastspiel des Mannheimer prinzessin Nationaltheaters B. B. B. 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E 7 Weichsel 4031 Boccaccio Kurfürstend.- Th. Das Theater ohne Bon- Wirtschaft Kurfürstendamm 209 Bism. 1400 8 Uhr Glückliche Reise Operette von Künneke Preise von 0.60 bis 6. M. Schiller Bismarckstr.( Knie) Steinpl.( C1) 6715 Täglich 8 Uhr Der Kollo- Schlager Die Männer sind mal so Musik von Walter Kollo Söneland, Heidemann Theater Fauteuil 0,75, Sessel 1,25 VATERLAND erwartet fiel Immer ein vergnilgter Abend BETRIEB KEMPINSKI Stettiner Sänger Reichshallen- Th., Dönhoffpl. 8.15, Sonntags 3.30. zu ermäßigten Preisen Das große Februarprogramm: ,, Karneval" NEUE WELT Arnold Scholz- U- Bahn Hermannpl.- Hasenheide 108/14 Gr.Bockbierfest Elniaß 7 Uhr Humor, Stimmung: Sonnabends und Sonntags Großer Automobil Motorrad. Ausstellung BERLIN 1933 11 23. FEBRUAR ARPKE A Geöffnet morgen, Sonnabend, 12-20 Uhr; ab Sonntag Alpenball tagl. 10-20 Uhr. Eintritt am 11. u. 12. Febr. 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Februar 1933 In der heutigen Vormittagsziehung wurden Gewinne über 400 m. gezogen 12 Gewinne au 10000. 31115 50813 61626 97110 185492 279933 4 Gewinne zu 5000. 104717 138705 20 Gewinne zu 3000 m. 46503 87280 94752 146772 148024 204176 211669 225472 274420 365749 80 Gewinne zu 2000 m. 2290 14974 34532 38736 47345 55242 57479 59407 65322 96325 120553 124787 153308 170688 184924 192276 212060 213033 226350 231069 234486 244261 247427 259880 266542 278104 281120 292014 292102 303559 318475 355384 363076 371667 377443 378271 380284 383628 395877 398517 124 Gewinne au 1000 m. 9655 12526 25204 35153 40145 40633 43947 47018 47419 54647 56885 62112 68312 70408 21786 75139 85909 87080 95135 97915 100054 105906 111466 118445 118561 126282 150512 153160 158382 168519 194613 203260 215133 219374 224057 230823 233413 242390 261725 267244 267945 278046 282533 290737 292262 294077 295249 307631 319395 320214 321795 338266 346241 352979 356529 357882 358120 372990 373866 374647 377896 385187 180 Gewinne au 500 m. 3821 5264 5427 11699 24259 27631 32595 36742 41983 42742 47056 48657 49860 51206 66835 67702 80310 88044 90375 90519 90894 92220 92341 93244 97134 111720 119026 120265 124686 128847 130048 132076 133922 138107 141345 145620 148818 149077 151342 157345 159994 161984 162283 163825 171311 171538 183243 199719 200067 203188 208505 210769 213706 224571 251472 254238 257655 257826 262016 262363 263374 265459 266159 271031 280305 280497 287696 291672 292204 295638 296601 297176 307082 311756 343785 345830 349052 352214 352339 353967 356256 359722 371783 375554 381737 385689 388366 390766 391649 397250 In der heutigen Nachmittagsziehung wurden Gewinne über 400 m. gezogen 2 Gewinne zu 25000 m. 206791 8 Gewinne zu 5000. 276543 299816 301278 372393 20 Gewinne au 3000. 6442 111668 132335 159024 180910 265948 294059 328930 366977 375086 44 Gewinne zu 2000, 37546 57264 58481 64066 69688 94139 105799 115858 133923 176194 177089 210630 226426 274116 276034 277540 282311 296021 337537 351976 360351 370783 114 Gewinne su 1000 m. 393 16792 25283 49387 54622 58402 70807 76726 89457 98353 101672 107784 109054 111387 113024 133078 135384 136654 137751 138591 141867 147094 148788 154556 157015 159220 167049 177072 183591 185093 212151 215763 216872 220535 229621 259377 264865 273656 282359 287324 288456 305777 306044 312127 313320 318438 319506 322305 331483 335277 341725 352847 370421 387196 387212 388203 398054 160 Gewinne aut 500 m. 16193 21734 22272 23132 28158 49563 53093 66296 68233 68556 72693 75348 79607 80773 81812 82383 82446 82698 105946 107603 107799 115005 118256 126088 132133 140594 143602 147587 157494 160585 168069 173086 177066 177993 183041 183475 186357 193650 195183 198981 213683 220049 220177 220227 220456 223995 224678 230835 230944 233112 233993 259769 276937 277411 290561 301305 302607 313303 314732 321419 324315 328694 333559 335989 336199 344384 349487 351017 351919 360252 366542 370670 370756 375121 376444 382994 385284 386061 387695 399508 Im Gewinnrade verblieben: 2 Prämien zu je 500000, 2 Gewinne zu je 500000, 2 zu je 200000, 4 Gewinne zu je 100000, 6 zu je 75000, 12 zu je 5000), 28 zu je 25000, 184 zu je 10000, 468 zu je 50 0, 926 zu je 8000, 2772 zu je 2000, 5554 zu je 1000, 9290 zu je 500, 27700 zit je 400, und 100 Schlußprämien