Morgen- Ausgabe Nr. 71 A 34 50. Jahrg. 9?eboffton und Verlag, Verlin SW 68, Cinbenftr. 3 Semfpredwr- Cl 7<3mt vSphoff 292 blt 297 Seleatanunabtedei Soztald-moira, SSerlln BERLINER VOLKSBLATT SONNABEND 11. Februar 1933 In Groß- Verlin 1 0 Auswärts...... 15 Pf. VezugSbebingungen und«Anze'genpreise steh« am Schluß des redaktionellen Teils Zentvakovga« der Goziakdemokeatifche« Partei Deutschlands Exploflonskatastrophe im Saargebiet Hunderte von Toten und Verletzten in Neunkirchen Neunkirchen(Saargebiet), 10. Februar. Am Freitag um 18.10 Uhr ereignete sich hier ein außerordentlich schweres Explo- siousunglück. das sich in seiner ganzen Ausdehnung noch nicht übersehen läßt. Der größte Gasbehälter des Saar- gebietes, der ein Fassungsvermögen von 120 000 Kubikmetern besitzt, 80 Meter hoch ist. eine» Durchmesser von 4ä Metern hat und eine Grundfläche von läaO Q-uadratmetern besitzt, ist aus bisher»roch ungeklärter Ursache in die Luft ge- flogen. Der gewaltige Luftdruck hat große Teile der Stadt und selbst einige Dörfer in der näheren und weiteren Umgebung der Stadt in Mit- leidenschaft gezogen. Die Straße« sind mit Glasscherben und Dachziegeln dick übersät. Es gibt kaum eine Fensterscheibe in Neunkirchen, die nicht zerstört ist. Das Werkgelände ist von Polizei und Gendar- meriebeamten scharf abgesperrt, so daß es noch nicht möglich ist. das Unglück in seiner ganzen Tragweite zu übersehen. Vor allen Dingen fehlen noch nähere Angaben über die Zahl der Toten und Verwundeten. Soviel steht fest, daß die Hospitäler und Krankenhäuser der Stadt Neunkirchen bereits bis zur höchsten Leistungsfähigkeit in Anspruch genommen worden sind. Die Detonation wurde bis nach Mannheim, Karlsruhe, Landau und Heidelberg gehört. 50 Kote, 1000 Verletzte Die Telegraphen-Union erfährt aus Saarbrücken, daß in Neunkirchen bisher 50'Fote und 1000 Verletzte gezählt wurden. Das Bild der Stadt erinnert an eine schwere Beschießung während des Krieges. Zu den Toten und Schwerverletzten zählen nicht nur zahlreiche Arbester und An- gestellte der Belegschaft des Hüttenwerkes, sondern auch Frauen und Kinder aus den umliegenden Häusern. Sämtliche Lastkraftwagen aus Saarbrücken sind mit Tragbahren. Pechfackeln und sonstigen Gerätschaften eingesetzt worden. Samt- liche Krankenhäuser von Neunkirchen und der Umgebung bis nach Fricdrichsthal sind bereits mit Schwerverletzten überfüllt. * Durch die Explosion des großen Gasbehälters der Neunkirchener Eisenwerke sind im Werk selbst und in der Stadt Neuntirchen große Ver. wüstungen angerichtet worden. Mehrere in der Nähe des Gasometers liegende Häuser sind eingestürzt. In anderen Häusern sind die Decken eingestürzt und haben die Bewohner mit in die Tiefe gerissen. Zahlreiche Personen wurden aus den Straßen durch herunterstürzende Glasscheiben. Dachziegel und Steine schwer verlegt. Ganze Fensterrahmen wurden durch die furchtbare Gewalt der Explosion herausgerissen und durch die Luft geschleudert. Einige Straßen machen den Eindruck, als ob der Krieg gewütet habe In der Stadt herrscht ungeheure Erregung. Man kann sich noch nicht annähernd ein Bild von dem Ausmaß des Unglücks machen. Um 19.13 Uhr erfolgt« eine weitere kleinere Explosion, die in einem Umkreis von 20 bis 30 Kilometern um Neunkirchen noch vernommen wurde. Di« Zahl der Toten und Ver mundeten steht noch nicht annähernd fest, da selbst die Polizeiverwalmng noch keinen Ueberblick ge- Winnen tonnte. Es verlautet, daß zahlreiche Tote und Verwundete zu beklagen sind. Man spricht sogar von nahezu 100 Toten und Ver- mundeten; doch war hierfür noch keine amtliche Bestätigung zu erhalten. Die Hauptexplosion wurde einerseüs bis Köln, andererseits bis Basel vernommen. In Baden hatte man den Eindruck, daß ein neues schweres Erdbeben fattgefunden habe. Die halbe Stadt zerstört Ueunkircheu, 10. Februar. Man muß annehmen, daß viele Opfer der Katastrophe unter den Trümmern begraben liegen. Anscheinend hat dos Unglück Opfer nicht fo sehr unter den Hüttenarbeitern als unter den v e- Eigener Bericht des„Vonvärfs" Stuttgart. 10. Februar. Die moralische und intellektuelle Schuld der Nationalsozialistischen Partei an den zahllosen Greueltaten, von denen heute das politische Leben in Deutschland zur Schande des deutschen Volkes begleitet ist, trat in deutlichster Weise in der letzten Sitzung des Stuttgarter Stadtrats zutage, wo es darüber zu ganz unerhörten Tu- m u l t s z e n e n kam. Die Nationalsozialisten hatten die II« b e r- lassung städtischer Turnhallen an Sportorganisationen ihrer Partei beantragr, was den Vorsitzenden der sozialdemokratischen Stadt- ratsfraktion veranlagte, ihnen den blutigen Terror vorzuhalten, zu dem die Jugend in ihren Orga- nisationen erzögen würde. Er führte u. a. an, daß der Verwaltungsbeamtc der Stuttgarter Stadthalle vom Sekretär Neuss der Nationalsozialisten mit Erschießen bedroht worden sei, weil er die Stadt- Halle pflichtgemäß der Sozialdemokratischen Partei für den 4. März zugesagt Hütte, die sich zuerst für diesen Abend anmeldete, während die Na- tionalsozialisten später gekommen seien. Wörtlich Hobe Neust gesagt: „Wenn wir von Ihnen die Sladthalle nicht für den 4. März bekommen, dann werden Sie erschossen. Die Kugel ist für Sie schon gegossen!" And weiter habe er noch erklärt: Neichskommiflar für Hessen? Frlcll erkundigt sich Eigener Bericht des„Vormärts Darmstadl. 10. Februar. Amtlich wird mitgeteilt:„Der hessische Innen- minister empfing am Freitagvormittag in Ver- tretung des zur Zeit in Berlin weilenden Staats- Präsidenten den Obecregierungsrai Dr. M e d i c u s vom R e i ch s m i n i st e r i u m des Innern, der im Auftrage des Reichs- minister- Dr. F r i ck nach hesien en�indt worden ist, um sich an Ort und Stelle ein Bild von der Lage in Hessen zu machen. Die Entsendung beruht auf den verschiedenen Mitteilungen, die in den letzten Tagen seit dem Amtsantritt der Regierung Hitler nach Berlin ge- richtet worden sind und dort den Eindruck er- wecken mußten, als sei in Hessen die öffentlich« wohnern der angrenzenden Straßen gefordert. Alle Krankenhäuser sind überfüllt. Die Häuser der in der Umgebung der Hütte liegenden Straßen sind zerstört worden. Der Deckel des S3 Meler hohen Gasometers flog über dos etwa 800 Meler entfernte Bahnhofsgelände. Dieses ist derart mit Trümmern bedeckt, daß kein Zug ein- oder ausfahren kann. Die ganze neue Anlage der Hütte steht in hellen Flammen. Sie ist die modernste des ganzen Saargebietes. Die Neunkirchener Bevölkerung ist in furchtbarer Ausregung. Ganze Strahenzüge mußten geräumt werden. Dabei ist es zu milleiderregenden Szenen gekommen. da Kranke und Greise nur unter den größten Schwierigkeiten in Sicherheit gebracht werden. „wlr werden auch am 4. März unsere SS. und SA. in der Sladthalle aufmarschleren lassen und dem Redner die Knochen im Leib zusammenschlagen!" Im Zusammenhang mit dieser Mitteilung, die im Stadtratskollegium die größte Unnihe auslöste, erwähnte der Redner auch die Erschießung des Bürgermeisters von Staßsurt. worauf der nationalsozialistische Stadtrat Metz- g e r rief: „Der hat den Nichtigen getroffen!" Dieser Vorfall führte.zu einer ungeheuren Steige- rung des Tumulles. Der Vorsitzende Oberbürger- meister Dr. Lautenschlager sprach sein Be- dauern darüber aus, die unerhörte Bemerkung nur mit einem Ordnungsruf rügen zu können und forderte Metzger wiederholt auf, sie mit dem Aus- druck des Bedauerns zurückzunehmen. Nach langem Zögern verstand sich Metzger zu der Be- merkung, der Ausdruck„sei nicht so gemeint gewesen". Nunmehr erklärte ein Vertreter des Zentrums, daß seine Fraktion unter den obwaltenden Um- ständen nicht in derLage s e i, dem Antrag der Nationalsozialisten auf Ueberlassung städtischer Räume an ihre Organisationen zuzustimmen. So- zialdcmokraten, Kommunisten und Zentrumsver- treter verließen hierauf geschlossen die Sitzung, die dadurch beschlußunfähig wurde und abgebrochen werden mußte. Ruhe und Ordnung gefährdet und die hessische Regierung nicht Herr der Lage. Der hessische Innenminister hat im Namen der Regierung dem Vertreter des Reichsinnen- Ministeriums erklärt, daß die hessische Regierung nichts zu verbergen habe. Es sei in Hessen ruhiger als in irgendeinem anderen deutschen Land, und die öffentliche Sicherheit und Ordnung seien nicht im mindesten gefährdet. Bei den in Betracht kommenden Ausschreitungen handele es sich um Vorgänge geringfügiger Art, was schon daraus hervorgehe, daß es bei den politischen Auseinandersetzungen in Hessen seit dem Amtsantritt der neuen Reichsregierung weder einen Toten noch einen Schwerverletzten gegeben habe Der Vertreter der Reichsregierung bekam Gelegenheit, sich an Ort und Stelle von den wahren Totbeständen zu überzeugen. Mit seiner Rückreise nach Berlin ist im Laufe der Abendstunden zu rechnen." Einhettssront Ottener Brief an die kommunistischen Arbeiter Von Friedrich Stampfer Tagtäglich wendet sich die KPD. mit öffent- lichen Aufrufen an die kommunistischen Ar- beiter. Also mag hier auch einmal ein Sozial- demokrat zu kommunistischen Arbeitern sprechen. Ihr wollt die Einheitsfront aller Werk- tätigen gegen den Faschismus, und es gibt keinen unter uns Sozialdemokraten, der die Einheitsfront nicht will. Nur stellt sich leider heraus, daß diefenigen, die von der Einheitsfront reden, ganz verschiedene Dinge damit meinen- Wenn in den kommunistischen Aufrufen von der Einheitsfront die Rede ist, so ist da- mit eine Front gemeint, die v o n d e r K P D. befehligt wird, in der die kommunistischen und die sozialdemokratischen Arbeiter gemein- sam marschieren, die Führungen der Sozial- demokratie und der Gewerkschaften aber nichts zu sagen haben. Eine solche Einheitsfront verdient nicht ihren Namen, sie ist eine leere Illusion. Die Agitation für sie kann kein anderes Ergebnis haben, als daß die KPD. isoliert bleibt und sich höchstens durch ein paar Ueberläufer verstärkt. In euren Reihen ist das Mißtrauen gegen die Führung der Sozialdemokratie und des ADGB. groß. Bildet euch nicht ein, daß das Mißtrauen der sozialdemokratischen Arbeiter gegen die kommunistische Führung geringer ist! Nur ein Phantast kann glauben, die Mil- lionenmasse der sozialdemokratisch und ge- werkschaftlich geschulten Arbeiter werde eines Tages zur KPD. überlaufen! Wie lange wollt ihr, kommunistische Arbeiter, noch auf den Tag dieses Wunders warten? Wie lange soll noch im Arbeiterlager über alte Streitfragen diskutiert werden, während derFeind marschiert? Hand aufs Herz! Die„Einheitsfrontparole" eurer Führer war ja immer etwas ganz anderes, als was ihr Name sagt. Sie war eine Parole nicht der Einheit, sondern der Entzweiung, eine getarnte Kampfparole gegen die Sozialdemokratie und die Gewerkschaften. Unter dauernder Beschimpfung ihrer Führer wurden die sozialdemokratischen Arbeiter ausgefordert, ihre bisherige Ueberzeugung aufzugeben, das alte Vertrauensverhältnis zu lösen und sich der kommunistischen Führung anzuvertrauen. Bis zum heutigen Tage ist die„Rote Fahne" von oben bis unten ange- füllt mit unsinnigen Angriffen auf führende Sozialdemokraten und Gewerkschaftler. Das ist keine echte Einheitsfront! Das ist nur ein Einheitsfront manöver. Man spricht vom gemeinsamen Kampf. Gut, schaffen wir die Voraussetzungen für ihn! Truppen, die gemeinsam gegen einen gemeinsamen Feind kämpfen sollen, dürfen nicht aufeinander schießen. Solchen Erwägungen entsprang der Ge- danke des Nichtangriffspakts. Sow- jetrußland hat mit zahlreichen kapitalistischen Staaten Nichtangriffspakte geschloffen. Wir machen ihm daraus nicht den geringsten Vor- wurf— im Gegenteil! Wir meinen nur, dann müßte ebensogut auch ein Nichtangriffspakt zwischen Arbeiter Parteien möglich sein. Ein Nichtangriffspakt zwischen Arbeiter- Parteien, das braucht kein Vertrag zu sein mit Artikeln und Paragraphen und Unter- ichriften und Siegeln. Es genügt eine Ver- ständigung darüber— es kann sogar eine stillschweigende Verständigung sein— daß man bis auf weiteres alle gehässigen, zersetze ndenundorgairisations- schädigenden Kämpfe beider- f e i t s e i n st e l l t- Dabei kann jeder bleiben, Nazibekenntnis zum Mord Nationalsozialistischer Stadtrat billigt den Mord von Staßfurt Wer waren die Rovemberverbrecher? Nationalsozialistische Feststellungen zu Hitlers Rundfunkrccie Es waren die verkalkten schwarzweißroten Reaktionäre— Sensationelle Antwort cer Nationaisosiaüsten! .Iii« Zeit eines Metternich hat in Deutschland wieder ihren Einzug gehalten! Nach dem«turz des nachnovemberlichen Systems, das Deutschland in 14 Jahren in Grund und Boden regierte, ernannte der Reichspräsident von Hindenburg ein„Uebergangskabinett"„nationaler Konzentration". Er und die ihn umgebende (Clique vsrlrktllrter»cKwar��veiVroter Reaktionäre haben es abgelehnt, dem Willen des Volkes und d«m Sinne der Verfassung, auf die er vereidigt wurde, Rechnung zu tragen. Dieses Kabinett von Selbstherrlichkeits Gnaden wagt es heute mit Zwangsmaßnahmen, Notoerordnungen und Ausnahme- gesehen das arbeitende deutsche Volk zu knechten und zu knebeln, und findet in seinen unteren Beamtenorganen allzu willige Lakaien. Damals, im November 1918, konnten diese vornovemberlichen Vertreter eines überlebten Zeitalters gar nicht schnell genug verschwinden und sich in Sicherheit bringen. Damals haben die Herren, die sich heute anmaßen, das deutsche Volk regieren zu können, elend versagt und sich damit für alle Zeiten das Recht verwirkt, von diesem Volk als Führer anerkannt zu werden. Lie nennen sich heute in hohen Tönen„nationale Männer" und sind doch nur Männchen und Popanze. Dies Flugblatt erschien am 23. August 1932! Heute sitzt Hitler in e i n e m Kabinett mit Herrn von Popen, Baron Neurath. Gras Schwerin- Krosigk und Freiherr Eitz von Rübenach, den„Herren Baronen im Uebergangskabinett von Papen". Zu diesem Kabinett gehört außerdem noch Hugenberg! Heute unterzeichnen diese Männer, die Hitlers Partei am 23. August 1932„die wahren Schuldigen des 9. November 1918" nannte, den Regierungsaufruf gegen die„Novemberverbrecher"! Das Volk aber erwartet Arbeit, Freiheit und Brot! Das deutsche Volk lehnt sie ab. Vom deutschen Volt geht nach der Verfassung die Staatsgewalt aus! Aber was kümmert das diesen Klüngel! Einmal habt ihr Deutschland in Grund und Boden regiert! Ihr seid die wahren Schuldigen des 9, November 1918. Mit euch, mit eurer Gesellschaft, mit eurer li/clt, mit eurer Gesinnung verbindet uns nichts, gar nichts! Das Einzige, was wir für euch empiinden, ist Haß; Haß, der eines Tages zur Tat schreiten wird und euch hinwegfegen wird von euren Regicrungssesseln und fetten Pfründen. Wir lassen uns von euch nicht länger nasführen! Wir wollen Arbeit, wir wollen Freiheit, wir wollen Brot! Wir wollen ein sozialistisches Deutschland! Und weil wir dies wollen, deshalb wollen wir endlich einmal aufräumen mit dem ganzen Plunder vovnovemberlichen Byzantinismus, dessen aus» gezeichnetste Vertreter die Herren Barone im„Uebergangs- kabinet t" von Papen sind. , Kreisleitung Kiel der NSDAP. gez. Sunkel, M. d. L. wo er ist, keiner braucht auf seine Meinung zu verzichten, ja, es schadet auch nichts, wenn die Meinungen ausgetauscht werden— es muß nur in anständigen kameradschaftlichen Formen geschehen. Ihr sagt, der Nichtangriffspakt genügt uns nicht. Er ist nur etwas Negatives, wir brauchen aber etwas Positives: das g«- meinsame Handeln. Da habt ihr voll- kommen recht. Aber wenn es zu einem ge- meinsamen Handeln kommen soll, dann ist der Verzicht auf alle gehässigen, zersetzenden, organisationsschädigenden Kämpfe zwischen Arbeiterorganisationen die erste Voraus- setzung dafür. Wer sich weigert, sie zu er- füllen, trägt die Verantwortung für die Fort- dauer des Zustandes, dem der Klassenfeind alle seine Erfolge verdankt. Die„Rote Fahne" bringt lange Artikel- reihen, in denen sie zu beweisen versucht, daß die Sozialdemokratie an den Erfolgen des Faschismus schuld trage. Der„Vorwärts" könnte unter Hinweis auf den gemeinsamen Volksentscheid der KPD. mit Stahlhelm und Nazis, auf die unzähligen gemeinsamen Ab- stimmungen in den Parlamenten umgekehrt dartun, daß die Schuld an der KPD. liegt. Aber wir halten einen Streit über Gewese- nes heute für überflüssig und schädlich. Not- wendig ist die Erkenntnis, daß der Feind nur deshalb so stark werden konnte, weil die Arbeiterparteien, statt eine Linie des gemein- samen Kampfes gegen ihn zu finden, einen großen Teil ihrer Kräfte im Kampf gegen- einander verbrauchten. Diesen Zustand haben wir Sozialdemo- traten stets als höchst unheilvoll empfunden, und wir hegen den lebhaften Wunsch, daß er schleunigst beendet wird. Daher der Gedanke des Nichtangriffspakts. Kommunistische Arbeiter, warum stellen sich eure Führer zu dem Gedanken des Nichtan- griffspakts so unbedingt ablehnend? Wir sozialdemokratischen Führer sind Träger des Willens der sozialdemokratischen Arbeiter. Die Haltung des„V o r w ä r t s" in der Frage der Einheitsfront entspricht der Meinung unserer Genossen in den Betrieben und den Stempelstellen. Unsere Massen sind gewohnt, mit ihren Führern sehr deutlich zu reden. Kammunistische Arbeiter, wie steht es bei euch? Ist es eure Stimme, die in eurer Partei entscheidet? Wollt ihr nicht euren Führern sagen, daß der gehässige, zersetzende, organisationsschädigende Kampf gegen die Sozialdemokratie und die Gewerkschaften jetzt aufhören muß, damit die ganze Arbeiter- Hasse geeint ihre Lebensinteressen gegen ihre Feinde verteidigen kann? Jede Stunde ist Verlust. Aber es gibt keine Möglichkeit, auf dem Wege zu einer ehrlichen Einheitsfront auch nur einen Schritt weiterzukommen, so- lange ihr, kommunistische Arbeiter, nicht mit euren Führern gesprochen habt! Die Schwere einer großen Entscheidung über die Zukunft der Arbeiterklasse und des Sozialismus in Deutschland und in ganz Europa ruht bei euch, kommunistische Ar- beiter! Jeder Tag des Bruderkrieges zwischen Proletariern bedeutet eine Meile für den Vormarsch eurer und unserer Todfeinde. Kommunistische Arbeiter, entscheidet euch! Erregung im Sportpalast Es sprach ein Reichskanzler Hitlers gestrig« Rede im Rundfunk war eins große körperliche Leistung. Man hatte aber den Eindruck, daß der Reichskanzler seine ohnehin un- gewöhnlichen Stimmittel ohne Not überanstrengte. Diese Ueberanstrengung erklärt sich wiederum aus dem Erregungszustand, in den er sich beim Sprechen selber versetzt und den er als Fluidum«uf eine ihm geneigte Hörerschaft über- trögt. Je mehr sich dieser Erregungszustand stei- gert, desto mehr treten naturgemäß Hemmungen, die sich aus einer ruhigeren Ucberlcgung ergeben würden, zurück. So kann es z. B. kommen, daß die-Hörerschaft in einen rasenden Sturm des Beifalls ausbricht, mtnn Hitler vom deutschen Volke spricht,„dem man die Lebensmöglichkeiten nahm". Die Hörer wollen damit natürlich nicht ihre Freude über diesen Tatbestand ausdrücken, sondern sie re- agieren mechanisch auf den Ton der Stimme. Aber auch der Redner selbst wird vom Sturm seiner Erregung so sortgerissen, daß ihm die merk- würdigsten Dinge passieren. Wieder redet er van den 14 Jahren, in denen alles schlecht gemacht wurde, ohne zu bedenken, daß 8 von diesen 14 Jahren Hindenburg Reichspräsident war und daß verschieden« seiner Ministerkollegen für die Politik dieser 14 Jahre in hohem Maße die Mitverantwortung tragen. Den Marxismus will er natürlich wieder vernichten, weil er die Kultur zerstört. Weiß er nicht, daß es der Marxismus mar, der der deutschen Arbeiterklosse alle Güter der deutschen Kultur v e r ni i t t c l t hat? Oder er beschuldigt in rasender Erregung.H i l- j e r d i n g des Verbrechens, die Inflation ver- schuldet zu haben. Wird der Reichsfinanzminister Gras Schwerin-Krofigk den Herrn Reichskanzler darauf aufmerksam machen, daß Hilferdings In- flationsverbrechen nur in nationalsozialistischen Flugblättern existiert und daß die Inflation«in Geschenk der nationalsozialistischen C u n o- R e- g i e r u n g war? Den Höhepunkt der Erregung erreichte der Reichskanzler, als er den Satz ausstieß, wenn ihn das deutsche Volk an: ö. März verlasse, werde er dennoch seinen Weg weitergehen. Wir nehmen an, als Privatmann. Denn ein Reichskanzler, den das Volk verlassen hat, kann vom Reichsprä- sidenten nicht im Amte gehalten werden. Der Reichskanzler hat das deutsche Volk aus- gefordert, sich in demütiger Bewunderung vor seiner Geschichte zu verneigen. Wir folgen dieser Aufforderung und verneigen uns vor den großen historischen Figuren Friedrich Eberls und Her- mann Müllers. Noch nie!>atten wir so gut wie jetzt verstanden, was ihr« Sachlichkeit und Nüchternheit, ihr unbestechlicher Tat- s a ch e n s i n n und ihr tiefer Sinn für G e r e ch- t i g k e i t dem ganzen Volke bedeutet haben. Es wird sich bald im Volk eine tiefe Sehnsucht einstellen nach einem Regiment der Sachlich- k e i t und der Nüchternheit, wie es damals gewesen ist! Eigener Bericht des„Vormärit" Landsberg a. d. 338., 10. Februar. Auf das Betriebsgebäudc des Lands- berger Parteiblattes wurde Freitagabend gegen 10 Uhr ein Sprengstoffattentat ver- übt. Die Täter brachten vom Grundstück des benachbarten SA.-Lokals eine Spreng- stoffladung mittels Zündschnur zuring eingebracht und begründet. An die Stelle der schwankenden Roggenmark wurde die feste Gold» mark gefegt. Der Zeitpunkt der Stabilisierung war gegeben mit dem Zeitpunkt der Aufgabe des passiven Widerstandes, der zum Schluß mehrere hundert Goldmillionen monatlich k o st e t e! Die Nationalsozialisten und ihre Freunde ober wollten damals den Abbruch nicht, sie wollten ihn weiterführen, sie wollten ihn wciterfinanzieren mit der Notenpresse, mit der Jnflationssteuer auf Kosten der letzten Spar- groschen der Armen! Der Reichskanzler Adolf Hiller kann sich darüber die Akten der Reichskanzlei und des Reichsfinanzministeriums vorlegen lassen. Der Parteiführer Adolf Hitler von damals hat offenbar keine Zeit gehabt, die Zusammen- hänge zu studieren; denn er bereitete damals— den Bürgerbräukellerputsch vor!. Wohin fällt der Wahlspeck? Er soll nicht viel kosten In den Kreisen der Gnädigen, die dem darben- den Unterstützungsbezieher kurz vor den Wahlen eine milde Gabe zugedacht haben, ist man offenbar noch nicht einig, wohin diese Gabe fallen soll. Di« Hugenbergpresse nennt unter der Ueberschrist„Ren- tenkürzung soll gemildert werden" jetzt die Renten- bezieher, also nicht die Arbeitslosen als die Emp- fänger der Auflassung. Sie schreibt: Wie verlautet, ist in Kürze mit der W i e d e r- aufhebung eines Teils der seinerzeit er- folgten Rentenkllrzungen zu rechnen. In allen besonders krassen Fällen soll eine Milderung erfolgen. Wie hoch der hierfür be- reitzustellende Betrag sein wird, steht noch dahin. Jedenfalls dürfte angesichts der immer noch an- gespannten Finanzlage ein Betrag von 89 Mil- lionen, wfe das(teilweise) behauptet wurde, kaum in Frage kommen. „In allen ganz besonders krassen Fällen"— das ist ein bißchen wenig, um Enthusiasmus zu wecken. Und kosten soll es auch nichts? Das wird eine große Enttäuschung geben! Arbeitermord Vier Ntazis als Täter verhaftet Gladbach. Rheydt, 10. Februar. liebet den Forlgang der Untersuchung in der INordsache in Engelbleet, wo der ISjährige Arbeiter Esser aus der Straße er- schössen wurde, teilt die Polizei jetzt noch cinige Einzelheiten mit. Danach sind am Donner»- tag vier Leute verhastet worden, die Mitglieder der 11 S D« p. find. Sprengstoffanschlag auf Varleiblatt Sprengkörper gegen Rotationsmaschine ERSTE BEILAGE HurffWg Heute Autoausstellung Eröffnung in den Messehallen am Funkturm 3n den beiden großen Ausstellungshallen in Wihleben wird heule vormittag die große Unter- ualionale Automobil- und Motor- rad-Ausstellung crössnet. Räch zwei Jahren wagt sich die Automobilindustrie wieder mit einer groß angelegten Ausstellung an die Oessentlichkeit, nachdem sie während dieser Zeil- spanne insolge der Wirtschastskrise säst zum Erliegen kam. Das Automobil hat sich im Laufe der Zeit vom Luxusgegenstand zum Ge- brauchsgesährt entwickelt: es ist für viele Gewerbetreibende, aber auch für Handwerker. Aerzte, Künstler, kurz für große Devölkerungs- kreise ein Mittel zum Erwerb geworden. Dem trägt die Automobilindustrie in weit- gehendstem Maße Rechnung. Der teure, luxuriöse Wagen ist nur noch in sehr wenigen Exemplaren auf der Ausstellung zu finden, der kleine Wagen und der Kleinstwagen herrschen vor. Auf der letzten Ausstellung im Jahre 1931 war beispielsweise nur eine einzige Firma, die Goliathwerke, in der Lage, ein Dreirad- automobil mit wettersester Karosserie und sührerschein- sowie steuerfreiem Motor zu einem Preise anzubieten, der nicht höher als der für ein gutes Motorrad war. In der heute eröffneten Autoschau sind wohl ein Dutzend solcher drei- Zn der Rächt zum 4. Februar wurde an der Kreuzung Emdener und wiclefstraße der 19 Jahre alte Arbeiter Alfred K o l l a t s ch durch Rational- sozialisteu ermordet. Zur gleichen Stunde wurde m der Fuldastrahe in Reuköllu der 20 Jahre alte Arbeiter Erwin B e r n e r durch Rationalsozialisten ermordet, weiter wurde der Jungarbeiter Schulz in diesen Tagen von Rationalsoziotisten ermordet. Ihnen galt die T r a u e r k u n d g e b u n g, die gestern um IS Uhr auf dem F r i e d h o s in Friedrichsfelde stattfand. Die Polizei hatte das Trauergeleit für die Leichenwagen bis zum Friedhof und den Trauerzug vom Westen durch die Stadt bis nach Friedrichsfelde ebenso wie den geschlossenen Rückmarsch der Teilnehmer verboten. Trotzdem oder gerade deshalb gestaltete sich die Feier auf dem Friedhof in Friedrichsfelde zu einer ergreifenden Demonstration der Per- liner Arbeiterschaft. Der Nationalsozialist Mai- kowski hat ein Staatsbegräbnis bekommen, die Arbeiter Schulz, Kollatsch und Berner erhielten ein Volksbegr''bnis. Zehntausende erwiesen ihnen aus dem Friedhof die Ehre. Schon lange vor Beginn der Feier war schwer hindurchzukommen. Die drei Toten haben der Kommunistischen Partei ange- hört, aber unter den Leidtragenden sah man neben den offiziellen Deputationen der Berliner Sozial- demokratie, des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold, der Freien Gewerkschaftsjugend und der Sozia- listischen Arbeiterjugend unzählige Männer und Frauen, die das Abzeichen der drei Pfeile trugen, in Reichsbanneruniform waren oder die Hand zum Freiheitsgruß erhoben. Manche Kränze wiesen gemeinsame Inschriften von sozialistischen und kommunistischen Verbänden auf. Im Ehren« Hain waren die Särge und die Urne mit der Asche des ermordeten Schulz aufgebahrt. räderigen Kleinstwagen in allen möglichen Formen und Geschmacksrichtungen zu sehen; der Preis schwankt zwischen 1100 und 1600 Mark. Diese Wagen sind unzweifelhaft das gegebene Verkehrs- mittel etwa für den Arzt oder den Stadtreisenden. der schnell und unabhängig von den städtischen Verkehrsmitteln seinem Erwerb nachgehen muß. lihievstübzi den Freiheitskampf der Soxialdemo- kralle! Viel Geld ist nötig.— Jeder gebe so viel er kann! Postscheckkonto Berlin 141 57(Adolf Holz). Im übrigen geht die Tendenz im Automobilbau dahin, durch die Verringerung des Wagengewichts und die Ausstattung mit Schwingachsen, Stahl- rohrsitzen, leichteren, aber trotzdem festeren Karosserien und Fahrgestellen eine Wagentype zu schaffen, die dem früheren Besitzer mittlerer und großer Wagen dieselben Fahreigenschaften und denselben Komfort bieten, aber in Verbindung mit Als der Sarg mit der Leiche des Jungarbeiters Berner von Reichsbannerkameraden herbeigetragen wurde, erlitt die Mutter des Getöteten einen Nervenzusammenbruch und schrie immer wieder: „Gebt mir meinen Erwin zurück, gebt mir meinen Erwin zurück." In seiner Trauerrede wies der Reichstagsabgeordnete Pieck darauf hin, daß der Tod des Jungarbeiters Berner ein Symbol für die Notwendigkeit der Einheitsfront der Arbeiterschaft sei: er wurde ermordet, als er bedrohten Reichs- bannerkameraden zu Hilfe eilt«. Grippewelle sinkt weiter Der Höhepunkt der Grippewelle dürfte nun- mehr endgültig überwunden sein. Die Zahl der Neuerkrankungen nimmtweiterab, denn bei der Allgemeinen Ortskrankenkasie wurden von Donnerstag bis Freitag mittag 802 Personen ge- meldet, die neu an der Grippe erkrankt sind, gegen- über einer Zahl von 967 Neuerkrankten am Vor- tage. In den Berliner Krankenhäusern standen gestern vormittag 391 freie Betten zur Verfügung, und am Donnerstag wurden 200 Grippekranke in die Krankenanstalten eingeliefert. Die Zahl der Fabrikbrand in Berlin GW Von einem schweren Schadenfeuer wurde gestern, wie bereits kurz mitgeteilt, die Firma St r a u ß u. Co. in der R i t t e r st r. 77/78 heimgesucht. Im fünften Stockwerk hat die Firma ein großes Glas- und Porzellan- sowie Zellu- loidwarenlager. In einem dieser Räume einem kleineren Motor ihn steuerlich und Hinsicht- lich der Betriebskosten entlasten. Eine große Anzahl solcher Wagen werden angeboten und der Käufer wird bei der Wahl große Qual habe». llyzweifelhaft befinden sich noch viele dieser neuen Wagentypen in der Entwicklung, obschon nicht verkannt werden soll, daß in dezug aus die kon- struktive Durcharbeitung und die Herstellung eines gefälligen Aeußeren ganz Hervorragendes geleistet wurde. In der neuen AutoHalle sind die L a ft w a g e n untergebracht. Hielten sich auf der letzten Aus- ftellung die mit Benzin und mit Dieselmotoren betriebenen Fahrzeuge etwa noch die Wage, so ist jetzt kaum noch ein Lastwagen anzu- treffen, der nicht durch einen Dieselmotor ange- trieben ist. Die ungeheure Ersparnis, die der Verbrauch von Rohöl gegenüber den wahnwitzig hohen Benzinpreifen mit sich bringt, rechtfertigt einen höheren Anschaffungspreis für den Diesel In der Motorrad schau findet sich eben- ialls das Bestreben der Fabr.ksn in sonst kräftig konstruierten Motorrädern steuerfreie Motore ein- zubauen. Die Ausstellung bietet für den Auto- befitzer, für den in der Kraftverkehrswirtschaft Beschäftigten wie auch für den nur handwerklich interessierten Besucher eine Fülle der Anregungen und des Interessanten. brach Feuer aus, das wie rasend um sich griff. Die Flammen fanden an den zum Teil Versand- fertigen Lagerbeständen reiche Nahrung und griffen auf den Dachstuhl über. Wegen der starken Ver- qualmung mußten die Löschtrupps mit Rauch- jchutzgeräten versehen werden. Aus fünf Schlauchleitungen wurden große Wassermengen stundenlang in die Feuersglut geschleudert. Die Aufräumungsarbeiten waren erst in den späten Nachmittagsstunden beendet. Der Schaden ist sehr hoch. verbrecherischer Arzt 10 Jahre Zuchthaus beantragt Der Staatsanwalt beantragte gegen Dr. Meycn- berg unter Zreifpruch in zwei Fällen wegen Abtreibung in vier Fällen, einmal in Verbindung mit fahrlässiger Tötung, ein anderes Mal in Verbindung mit Totschlag 10 Jahre Zuchthaus und 10 Jahre Ehrverlust. Ein ähnlicher Strasantrag gegen einen Arzt wegen gewerbsmäßiger Abtreibung ist in Moabit noch nie gestellt worden. Mag sein, daß das Ge- richt auf eine Strafe in dieser Höhe nicht erkennen wird; schwer dürste aber das Urteil nach dem Gutachten des bekannten Gynäkologen Professor Liep- mann unter allen Umständen ausfallen. Es war weniger ein Gutachten als eine Anklagerede. Er sagte wörtlich: Wenn im Falle der F. nichts ge- schehen ist, so, weil nichts geschehen sollte. Wenn der Angeklagte nicht einen Chirurgen hinzugezogen hat, sondern einen bestimmten Arzt, so weil er nur einen Arzt hinzuziehen wollte, der ihm nicht gefährlich werden tonnte. Gerade wegen die- ser Sätze änderte der Staatsanwalt seine Anklage auf Totschlag. Es ist das Entsetzlichste, was mir je vorgekommen ist, sagte weiter Prof. Liepmann. Es ist das M a x i m u m a n F a h r l ä s s i g k e i t, das ich je erlebt habe. Dr. Meyenberg hat ein Buch geschrieben, das ihn als- einen ethisch hoch- stehenden Arzt erscheinen ließ, als«inen Arzt, der über ein so großes Wissen verfügt, daß auch ich SONNABEND, 11. FEBRUAR 1933 ihm unbedenklich meine Patienten anvertraut hätte. Im krassen Gegensatz zu diesem Buch steht aber seine vollkommene Unwissenheit und die unglaub- liche Art und Weise, in der er bei den Eingriffen vorgegangen ist. Ueber den G e i st e s z u st a n d des Angeklagten erstattete Dr. Dyrenfurth sein Gutachten. Die ivochenlange Beobachtung in einer Irrenanstalt habe nichts anderes ergeben, als daß es sich hier um einen Psychopathen handle mit Stimmungs- jchwankungen. Der Mord am Wedding 1999 Marh Belohnung ausgesetzt Der nächtliche Mord an dem 46 Jahre alten Metallarbeiter R i ch a r d P ö t i n g in der Luxemburger Straße auf dem Wedding konnte noch nicht weiter geklärt werden. Vom Polizeipräsidenten ist noch gestern für die Aufklärung des schändlichen Verbrechens eine B e- lohnung von 1000 Mark ausgesetzt war- den. Nach unseren Feststellungen stand der er- mordete Arbeiter der kommunistischen Partei nahe. In der Luxemburger Straße ist man allgemein fest davon überzeugt, daß Pöting dasOpferpoli- tischer Gegner geworden ist. Es hat den An- schein, daß die Mordkolonne, aus deren Mitte her- aus der tödliche Schuh auf den Arbeiter abge- feuert wurde, ihr Opfer unauffällig beobachtet hat und dann heimlich gefolgt ist. In der nachts lehr menschenleeren Luxemburger Straße war die Ge- legcnheit zur Ausführung des Verbrechens besonders günstig und kaltblütig schoß einer der Bau- diten den ahnungslos mit seinem Freund im Ge- spräch vertieften Mann nieder. Die Kugel drang oberhalb des rechten Auges in den Kopf ein. Die Verletzung führte den sofortigen Tod herbei. Geboren t8ZZ In einem wahren Blumenhain, flankiert von Zigarrenbergen, den Ehrenstuhl mit einer tannen- geflochtenen„100" bekränzt, sitzt guter Dinge das Geburtstagskind von anno 18 3 3.„Ist ein bißchen spät geworden, gestern abend," meint er und man erfährt, daß der alte Herr bis 1 Uhr nachts mitgefeiert hat und dann, nach dem Genuß von 12 bis IS Zigarren, erst fein Lager aufsuchte. „Ja, Zigarren sind für ihn die Hauptsache, das ist sein Erstes, wenn er aufsteht," erzählt einer aus der zahlreichen Verwandtschaft. Man kennt sich schon gar nicht mehr aus, die nette, kleine Wohnung kann sie kaum alle fassen: Urahne. Großmutter, Mutter und Kind samt männlichem Anhang. Das Geburtstagskind, der Schuh- machermeifter Liebefeller aus der K a d i n e r S t r. 7, hat seine Frau mit 84 Iahren begraben, an näherer Verwandtschast hat er nur eine Schwester. Sein ein und alles aber ist der achtjährige Helmut, sein Urenkel. Als man ihn fragt, ob es ihm denn auf der Welt noch gefällt, schüttelt er ganz energisch den Kopf und meint: „Nee, heut nicht mehr, bloß der Junge gefällt mir noch!" Die beiden sind die besten Spielkame- raden, im Sommer gehts nach der Laube, da ist Urgroßvater Kutscher und Helmut dos Pferd. Seit dem Jahre 18S0 lebt der Hundertjährige, ein ge- borener Glatzer, in Berlin. Erst hatte er eine Schuhmacherei mit mehreren Gesellen, später eine Schürzennäherei und schließlich eine Gärtnerei. Bis auf eine vor zwölf Jahren überftandene Operation hat ihm nie etwas gefehlt, er ist körper- lich und geistig vollkommen frisch, liest noch die Zeitung und da mit Vorliebe den Roman. Mit dem Gehör ist es ein wenig schlecht geworden ini Laufe der langen Zeit. Aussehen tut er wie«in Achtzigjähriger und er freut sich jetzt schon wieder aus den Sommer draußen in der Laube mit seinem Helmut... Gin Volksbegräbnis Die Beisetzung der drei Arbeiter rassig und von belebender Frische, stets anregend und begehrenswert ist die gute unentbehrliche Kameradin aller der Männer, die in einer Clgarette nur ihre Jnneren'Eigenschaften schätzen und deshalb die Beigabe von Uiertmarken, Gutscheinen oder Stickereien ablehnen. Juno möchte auch Jhne treue Freundin sein! Aus einem märkischen Klostergut Die(jenossensckakt der armen Brüder Die Genossenschaft der armen Brüder vom hl. Franziskus hatte dieser Tage einem kleinen Kreis von Pressevertretern Gelegen- heit gegeben, das Kl oft er gut Scaby in der Mark zu besichtigen. In tiefster Waldeinsamkeit, ungefähr halbwegs zwischen Erkner und Storkow, liegt das Gut Scaby. Wer von dort aus einen Eisenbahn- zug sehen wollte, müßte anderthalb Stunden durch den dichten Wald bis Friedersdorf wandern, dann käme er auch erst an eine Kleinbahn, jene von Königs-Wusterhausen nach Beeskow, und wer in anderer Richtung ginge, müßte fast zwei Stunden laufen, ehe er in Fangschleuse die Staats- bahn erreichte. So abgeschieden von der Well liegt das Gut Scaby. Bis vor einigen Jahren gehörte es dem sehr bekannten Direktor einer noch bekannteren Groß- bant, dann ging es in den Besitz der Genossen- schaft der armen Brüder vom hl. Franziskus über, einem t8-Z7 gegründeten Organisationsteil des Ordens der Franziskaner-Mönche. Dem Wanders- mann nun, der aus dem schier endlosen und schweigenden Wald in die Lichtung des Gutshofes tritt, bietet sich ein für ostelbische Berhältnisfe überraschendes Bild: statt des junkerlichen Guts- Herrn steht der Bruder Superior Bonifazius auf der Treppe zum Hause, und obwohl er Herr über 1000 Morgen Acker und Wiese ist, trägt er wie alle seine Ordensbrüder die lange, braune, bis auf die Fußknöchel fallende Mönchskutte, nur an den Hüften gehalten durch einen einfachen Strick, dessen drei Knoten zur Linken auf das Gelübde des Glaubens, der Armut und der Keuschheit deuten. Es ist hier manches anders geworden auf dem Gutshof und dem Felde: nirgends eine grüne Jacke oder ein kniehoher Schaftstiefel, über- all die Mönche in der Kutte und dem Käppi auf dem Schopf, gerade daß sie sich noch eine derbe blaue Bauernschürze vor den Bauch ge- banden haben. So stehen sie mit der Forke im Kuhstall oder mit der Säge in der Tischlerei. Dieser Gutsbetrieb ist die Grundlage eines F ü r s o r g e-I» st i t u t s für in der Rlehrzahl vorbe st raste Jugendliche. Der Gedanke ist folgender: Ein junger Mann ist bereits In der Nr. 32 der weit rechtsstehenden„Magde- burger Tageszeitung" vom 7. Februar 1933 lesen wir unter der Ueberschrift„K a c z m a r c k kämpft und siegt im Festsaal" den Bericht über einen Stahlhelm-Ball, der in der Magdeburger Stadthalle stattfand. Daß in diesem Ballbericht Ausdrücke wie„Gestellungs- besehl",„Sammelplatz",„Trommelfeuer",„Par- don wurde nicht gegeben",„Flammenwerfer", „Sieg auf der ganzen Linie",„Nachtgefecht" und selbst„Kriegskontribution" eine Rolle spielen, war zu erwarten. Daß alle diese ins Scherzhafte ver- kehrten Ausdrücke und Redewendungen, die für einen Ballbericht angewandt wurden, in anderer Zeit für Millionen von Deutschen Tod und Berletzungen, Not und Hunger be- deuteten, soll von uns aus nicht unerwähnt bleiben. Man sieht die Dinge weltanschaulich eben von ver- schiedenem Standpunkt aus. Wer war auf dem Ball? Wir zitieren die„Mag- deburger Tageszeitung": „Ein Sammelsurium von krummstiefeligen Muschkoten, Landsern, ja, Angehörigen aus all den Truppenteilen, bei denen die unvergäng- liche Knalltype eines Kaczmarek jemals seine Gastrolle gegeben und sämtliche Unteroffiziere und Feldwebel um den Schlaf ihrer sonst ruhigen Nächte gebracht hat." Ihrer sonst ruhigen Nächte? Den Frontsoldaten sind ihre„ruhigen Nächte" am allerwenigsten durch Kaczmarek gestört worden! Dann heißt es weiter- „Zunächst entwickelte sich ein leichtes Ge- plänkel mit der Kavallerie, die auf Papp- Pferden in den Saal gesprengt kam." Politische Gegner nennen manchmal den Stahl- Helm P a p p h e l m. Muß er das durch Papp- P s e r d e unterstreichen? Wir zitieren weiter: „Dann erschien der Korpsführer Franz S e l d t e, im bürgerlichen Beruf Reichs- arbeitsmini st er, diesmal als Feld- w e b e l im Saal und lenkte mit der unerschöpf- lichen und nicht unterzukriegenden Frische seines Wesens die Aktionen persönlich überall dort, wo Not am Mann war." Die deutsche Arbeitevschaft hat sich als Reichs- arbeitsminister niemals einen Feldwebel ge- wünscht. Sie hat eben vom Typ des Feldwebels im schlechten Sinne— nicht etwa von allen Feld- wedeln der alten Armee, denn es gab unter ihnen so manchen anständigen Menschen— ihre besondere Anschauung. Sie hat es bisher übrigens auch nicht erlebt, daß ein Reichsarbestsminister der Republik auf einem Maskenball als Feld- zwei Jahre in der Lehre, plötzlich stellt er etwas an, und wenn er deswegen nur einen Monat in Plötzensee sitzen müßte, er wäre für sein ganzes Leben so gut wie ruiniert: denn welcher Bäckermeister nimmt einen Lehrjungen wieder, der inzwischen in Plötzensee saß. Dies« jungen Männer aber nehmen die Franziskanermönche nach Scaby. Hier haben sie eine Tischlerei, ■füt fceiUeü,\/oik u. S&ziatCstnus! Der Sozialistische Kulturbund, dem alle großen Arbeiterorganisationen angeschlossen sind, ruft für Sonntag, den 19. Februar, 11 Vä Uhr, zu einer Massenkundgebung in der Volksbühne auf. P'-ogramm: Botschaft von Thomas Mann; Ansprachen von PeterGraßmann, Vorsitzender des ADGB., Kultusminister Grimme und Dr. Kurt Löwen- stein, M. d. R. Außerdem Rezitation und Gesang unter Mitwirkung des Neuköllner Sängerchors(Leitung Georg Oskar Schumann) und der Vortragskünstlerin Martha lohn. Einlaßkarten zum Preise von 30 Pf. sind in der Buchhandlung Dietz, Lindenstr. 2; Arbeiterbank, Wallstr. 65, und Volksbühne, Linienstr. 227, sowie an den bekannten Stellen zu haben. eine Schlosserei, eine Bäckerei, eine Schneiderei und eine Schusterei, richtiger gesagt, eine Schuhmacherwerkstatt. Dazu die ver- schiedensten Sparten des eigentlichen Landwirt- schaftsbetriebs: Imkerei mit 150 Bienenvölkern, Geflügelfarm mit jetzt 2000 Hennen, Kühe, Schweine, Wiesen, Aecker und der Gartenbau- betrieb. Nun kommt der Bäckerjunger, der etwas begangen hat, nach Scaby. und hier kann er sein noch fehlendes drittes Lehrjahr weiterbacken. Dann webel auftrat. Aber das ist Privat- und Ge- schmackfache. Sie möchte aber den Herrn Reichsarbcitsminister darauf aufmerksam machen, daß sich die deutsche Arbeiterschaft nicht aus„krummstiefeligen Müsch- koten" zusammensetzt. Er sieht sich einer politisch und gewerkschaftlich auss gründlichste vorgebildeten Gemeinschaft gegenüber! 700 dem Untergang geweiht IntseHzewotmer von Sturmflut bedroht S l. Jones(Neufundland), 10. Februar. (Ein Teil der Sandy-Point- Insel steht in Gefahr, von den Fluten verschlungen zu werden. Der Deich, der die Insel vor der See schuht, ist van riesigen Wogen zerstört worden. Die letzte Funkmeldung von der Insel besagt. daß die Fluten in nächster Nähe der aus dem niedrigen Teil der Insel liegenden Wohnungen angelangt sind. Seitdem sind keine Meldungen mehr eingetrossen. Die Telegraphenlinien sind vom Sturm zerstört worden Die 700 Bewohner der bedrohten Siedlung versuchen auf die hauplinsel zu entkommen, was angesichts der ringsum drohenden See unmöglich ist. Tödlicher Kameradenschuh Schupo freigesprochen Als der 24jährige Schupowachtmeister B. vor dem Schöffengericht Berlin-Schäne- b e r g schilderte, wie er seinen Kameraden, den Wachtmeister G., aus Versehen angeschossen hat, konnte er vor Schluchzen nicht weiter. Der Fall erscheint um so tragischer, denn G. war nicht nur sein Kamerad, er war sein Freund, und er wäre auch bestimmt am Leben geblieben, wenn sein Herz der geringfügigen Operation bei der Eni- sernung der Kugel standgehalten hätte. Wie war es aber zu dem tödlichen Schuß gekommen? Die beiden Wachtmeister hatten im Dezember vorigen Jahres in der Werkstatt der Kaserne Tischlerarbeiten auszuführen. G. erzählte, daß er sich eine Privatpistole anzuschaffen beabsichtige. B. meinte dazu, er habe sich bereits eine ange- schafft, sie sei aber kleinkalibrig und von sehr ge- geht er zur Gesellenprüfung und bekommt seinen Lehrbrief wie jeder seiner Kollegen, und die Plötzenseer Sache ist noch einmal vernarbt. Für den Fortbildungsschuluntetricht und ähnliche Dinge ist Scaby eingegliedert in die Organisation des Kreises Beeskow-Storkow. Oder anders gesehen, wer bisher zu einer sogenannten„wilden Clique" gehörte und straffällig wurde, aber noch nichts gelernt hatte, der lernt dann in Scaby ein Handwerk. Wie jedoch die gesamte sozialpolitische Arbeit schwer durch die Notverordnungspolitit gelitten hat, so natürlich auch Scaby. Das Institut ist«in- gerichtet für etwa 85 Zöglinge: durch die notverordnete unglückselige Entlassung der 19- bis 21jährigen Zöglinge sank die Belegschastszahl auf knapp 45: eine Halbierung, die schwere Störungen des gesamten Betriebs mit sich bringen muß. Für die Jungen das schlimmste ist aber, daß ihr Fuß- ballverein dadurch kaputt gegangen ist, wo sie doch so große Hoffnungen und bereits in zwölf hintereinander gewonnenen Spielen die Kreis- Meisterschaft erobert hatten. So müssen sie sich jetzt mit ihrer Musikkapelle begnügen, und Sonn- tags abends gehts dann vielleicht mal mit dem großen Eutslieferwagen nach Berlin in den Zir- kus. Uebrigens bekommen die Zöglinge die gleiche Kost wie die Mönche: außerdem stehen die Mönche um 5�5 Uhr morgens auf, die Zog- linge erst um%8 Uhr. Es ist überhaupt manches anders in Scaby. Geflügelfarmen sind zum Beispiel heikle, um- strittene Einrichtungen.„Gewiß", sagt der Bruder, der die Hennen betreut,„ist das Hühnerfutter viel zu teuer, aber trotzdem ist unsere Farm rentabel. Wir werden in der nächsten Zeit unseren Hennen- bestand von 2000 auf 7000 Stück bringen. Nur nicht so viel Experimente machen, wie Nacht- beleuchtung im Hühnerstall und so weiter." Die Bäckerei stellt jetzt ein besonderes Klosterbrot her, das auch in Berlin in den Handel kommen soll. „Und dennoch", sagte ein Bruder,„uns wird man keinen Pfennig aus der Osthilfe geben." Die nächste große Aufgabe ist die Melioration von etwa 700 Morgen Land, bei dem die Dahme- gewässer zurückgedrängt werden sollen. ringer Durchschlagskraft; G. sollte, wenn er sich schon eine Privatpistole anschaffe, eine solche mit größerer Durchschlagskraft kaufen. Um zu be- weisen, wie gering die Durchschlagskrast seiner Masse ist, stellte G. in der Werkstatt selbst Schieß- Übungen ay. Nach dem ersten Schuh steckt« er die Waffe in seine Tasche. Eben holte er sie heraus, um einen zweiten Schuß abzufeuern, als die Waffe von selbst losging. G. rief: Ich bin getroffen. B. meinte: Mensch, bereite mir doch keinen Aerger. G. erwiderte: Jetzt hast du aber richtig ausprobiert und brach zusammen. Im Krankenhaus wurde die Kugel entfernt: die Verletzung war unbedeutend, aber das Herz versagte. B. v e r st a r b kurze Zeit nach der Operation. Der Sachverständige erklärte vor Gericht, daß die Verletzung allein nicht als Todesursache zu betrachten sei: bei einem gesunden Herz wäre G. am Leben geblieben. Der Staatsanwalt erachtete den ur- sächlichen Zusammenhang zwischen Schuß und Tod trotzdem als gegeben und beantragte zwei Monate Gefängnis wegen fahrlässiger Tötung. Das Gericht sprach B. frei. Der„Hekscher" Bereits 48 Stunden nach dem Fackelzug stand die SA. wieder mit den Sammelbüchsen auf der Straße. Aber sie hatten plötzlich Zuzug bekam- men: neben der. SA. standen die Trabanten der Hellseher.„Sieg!" riefen die Schlag- zeilen derjenigen Blätter, die diesmal auf Hitler getippt hatten, und einer von dieser Gilde, der in letzter Zeit mehrfach die Gerichte beschäftigte, oerstieg sich sogar zu folgendem Hymnus: „Herr Reichskanzler! Die Fackeln des 30. Ja- nuar entzündeten endlich den Scheiterhaufen für Moekau und Versailles. Sie verbrannten und verglimmten die Schmach von 60 Millionen deut- scher Menschen bis aus die letzten Fetzen und Reste einer bestechlichen Sudelpresse. Entgeistert, entsetzt— aus den Wolken gefallen, starrt die Handvoll ungewaschener, haarschuppiger Sowjet- schmierer, die bisher einen Teil der öffentlichen Meinung vortäuschten in Ihr Gesicht, Herr Kanz- ler, das nichts Gutes verspricht..." Dann orakeln seitenlang die Soldschreiber des Herrn Steinschneider alias Hanusfen und zum Schluß erheben si« ihre Federhalter und drohen: „Die Partie ist verloren, aber nicht für Hanns» sen, sondern für die Bolschewistenblätter und für eine Journaille, die mit ihrem Treiben und Tun die ertragbare Grenze oft überschritten hat. Heute gibt es dafür ein endgültiges Halt! Die Jour- naille und ihre Brüder, die Bolfchewistenpresse. haben genug geschadet. Jetzt wird ein harter Griff die schmutzigen Federn zerbrechen und ein eiserner Besen das Preßgerümpel auskehren." Laßt man, wenn die Sternkieker erst wieder marxistische Horoskope anfertigen, um damii Ge- schäfte zu machen. Dieser Herr Steinschneider- H a n u s s e n ist im übrigen am 1. Januar 1928 im Tempel der israelitischen Kulturgemeinde Rum- bürg(Tschechoslowakei) vom Rabbiner Jgnaz Popper getraut worden. Gefährliche Straßen Es fehlt an Kies und Sand In der Cauerstraße in Charlottenburg ereignete sich kürzlich ein schwerer Verkehrsunfall. Ein hoch- beladener Kohlenwagen kam, von einem Trecker gezogen, in der etwas abschüssigen Straße ins Schleudern, so daß der Führer die Herrschast über den Trecker verlor. Er fuhr mit voller Gewalt gegen eine Häuserwand, wo der Trecker völlig demoliert wurde. Der Führer und der Begleiter des Wagens mußten in schwer verletztem Zustande ins Krankenhaus gebracht werden. Unzweifelhaft ist die Glätte der nassen Straße die Ursache des schweren Unfalls. Die Cauerstraße gehört zu den Hauptverbindungswegen von Char- lottenburg nach Moabit. Der Strahenbelag ist noch alter S t a m p f a s p h a l t, der bei Regen so glatt ist, daß die Automobilführer, wie man oft beobachten kann, nicht in der Lage sind, ihre Wagen ordnungsgemäß zu steuern. Gerade in ihrem oberen Teil, nach der Dovebrücke zu, bildet die ab- schüssige Cauerstraße eine ständige Gefahr. Es ist nicht zuviel verlangt, daß wenigstens die Straßenreinigung bei nassem schmierigem Asphalt dort tüchtig Kies und Sand streut, um die Straße wenigstens nach Möglichkeit griffig zu machen. Aber selbst diese einfache Maßnahme wird nicht ausgeführt. Besondere Schwierigkeiten haben die Trecker, die die hinter ihnen liegenden Lasten bei nassem Asphalt kaum fortzubewegen vermögen. Man sieht oft, wie sich die Wagen- sichrer selbst helfen, indem sie mitgebrachten Sand oder Kohlenasche selbst unter die Räder streuen. In dem vorliegenden Fall ist durch das Schleudern des Wagens der Mitfahrer sofort vom kufscherbock geworfen worden, so daß es ihm nicht möglich war. den schweren Anhänger zu bremsen. Die Bremsen des Treckers allein vermögen aber nicht einmal bei trockener Straßendecke den schweren Anhänger zu stoppen. So besteht bei Treckerfahrzeugen eine doppelte Gefahr, die wenigstens von der Straßenreinigung gemildert werden könnte. Die Einführung von Luftdruck- oder hydraulichen Bremsen an den An- Hangern, die vom Treckerführer zu betätigen wären, ist eine andere Frage, die die Techniker zu lösen haben. Kampf mit Wahnfinniger Sie wollte ihren düngen opfern Sfolp in Pommern, 10. Februar. Ein« im Hause Poitensteig 1a wohnende Witwe hat ihren 13jährigen Sohn vom Schulbesuch fern- gehalten und dem Rektor der Schule einen Brief geschrieben, in dem sie erklärt, sie würde aus Be- fehl Gottes ihren Jungen opfern. Der Rektor verständigte die Polizei, die, als ihr nicht geöffnet wurde, gewaltsam in die Wohnung eindrang. Die Frau hatte sich aber in einem Zimmer ver- barrrkadiert und bewarf jeden, der sich der Tür näherte, durch eine Scheibe mit Blumentöpfen, Tintenfässern usw. Ein Polizeibeamter erhielt eine Hand voll Glassplitter ins Gesicht und wurde erheblich verletzt. Darauf schoß die Polizei mit Tränengaspatronen, was die Frau aber nicht beirrte. Da Gefahr bestand, daß die Tobende im Falle eines Eindringens der Polizei aus dem Fenster springen könnte, wurde die Feuer- wehr gerufen, die ein Sprungtuch ausbreitete. Erst als mit einem Wasserschlauch vorgegangen wurde, konnte die Frau überwältigt werden. Wie festgestellt wurde, handelt es sich bei der Frau um einen A-nfall religiösen Wahnsinns. Der Sohn, der wahrscheinlich vor Schlimmem bewahrt worden ist, wurde dem Fürsorgeamt zugeführt. (Easino-Theafer:„Der Fürst von Pappenh�im." Im Casinv-Theatsr feierte die Operette„Der Fürst von Pappcnheim" fröhliche Auferstehung. Das lustige Geschehen einer knapp vor der Pleite stehende� Modefirma, die durch ihren Psiffikus, den Reiievertreter Egon Fürst, vor dem Schlimm- sten bewahrt wird, löste auch diesmal wieder viel Heiterkeit im Publikum aus. Es wimmelt da nur so von Prinzen, Fürsten und Grafen, und diesen Titelfimmel macht sich Egon Fürst, Vertreter der Firma Pappenheim, zunutze, um sich das Firmen- prädikot als Adelsbeiwerk beizulegen. Eine wasch- echte, ebenfalls arg im Dalles befindliche Prin- zeffin wird als Mannequin engagiert, und schließ- lich läßt sich alles in Wohlgefallen auf. Die Firma kommt wieder hoch, das Prinzeßlein gehl eine Liebes-Mesalliance ein, und alle Beteiligten kommen auf ihre Kosten. Gespielt wurde mit viel Laune und Humor, und eine Reihe bewährter Schlager, von der Kapelle Korolanyi mit Schmiß musikalisch illustriert, fanden Beifall und Dacapos. Im vorhergehenden artistischen Teil hörte man den Violinvirtuosen Gegna, der mit guter Technik die Humoreske von Dvorak spielte, die zwei Rigas boten einen gut durchtrainierten Kraftakt. Der Gtahlhelmball �rbeitsminister als Feldwebel auf dem Maskenfest Willtf Du nie erkättef sein- nimm /G ZWEITE BEILAGE Vorwärts Das weiße Tor Erzählung aus den Bergen/ Von Carry Brachvogel Drei Jahre lang hatten Hans Eckert und seine Frau die Gletschergruppe gemieden, in der sich damals das Schreckliche zugetragen hatte. Edert und sein Freund, der junge Architekt Genevius, waren auf dem Abstieg von der gefährlichen Eisthörlspige begriffen gewesen, als mit einem Male, vor den Augen Ederts, Genevius in einer Gletscherspalte verfant. Wie es geschehen war, geschehen konnte, blieb jedem rätselhaft. Ebenso wie Edert war Genevius ein geübter Hochtourist, dem Erstbesteigungen von Gipfeln gelungen waren, die bis dahin als unbezwinglich gegolten hatten. Zudem war der Gletscher an dieser Stelle aper, so daß Schrunden und Risse weithin fichtbar blieben. Niemand tonnte es begreifen, am wenigsten Edert, der wie ein Irrfinniger abwärts gerannt mar, um eine Hilfsexpedition zu alarmieren. Sie tam natürlich unverzüglich und bereit, das Aeußerste an Opfermut zu wagen, aber vom Erfolg war feiner überzeugt. Im Gegen= teil. Der Gletscher gab teinen mehr heraus, den er einmal eingeschluckt hatte Hans Edert hatte nach jenem Schreckenstag tagelang frant gelegen und hatte in Fieberphantasien immer wieder von dem furchtbaren Ereignis geredet. Allmählich war er dann wieder zu sich ge= tommen, gesund und ruhig geworden. Wie hätte es auch anders sein sollen? Das Leben geht seinen Gang weiter, auch über die blutigsten Katastrophen hinweg, und wenn Hans Edert offen gegen sich sein wollte, so mußte er sich sagen, daß mit Genevius eine große Gefahr für ihn und fein Eheglück verschwunden war. Eine große Gefahr? War Genevius wirklich solch große Gefahr gewesen? Hatte er Eugenie wirklich anders an= geblidt als mit den Augen harmloser Freundschaft? Hatten Eugenies Augen wirklich aufge= Teuchtet, wenn Genevius ins Zimmer trat? Immerfort hatte Hans Eckert sich mit diesen Fragen gequält sich und seine Frau. Er gehörte Ja zu den unglücklichen Menschen, denen eine böse Fee als Angebinde die Eifersucht auf den Weg gab. So lange er den en fonnte, war Hans Edert eifersüchtig gewesen. Als Kind hatte er mit den Geschwistern um die Zärtlichkeit der Eltern ge= eifert. Als Schuljunge um die Sympathie der Behrer, als junger Mensch um die Badfische der Tanzstunde und als er Eugenie fennenlernte und sich alsbald stürmisch in sie verliebte, hatte er in jedem Mann, der ihr in die Nähe kam, einen begünstigten Nebenbuhler erbliden wollen. Auf Genevius mar er eifersüchtiger gemesen als auf alle anderen, und nur im Rausch der ersten Ehezeit hatte die verhängnisvolle Leidenschaft geschwiegen. Mit Genevius' Tod war dies alles zu Ende, fchien mit jenem auch Ederts Eifersucht in die Gletscherfpalte gestürzt zu sein. Jahre waren seit jenem Unglücstag vergangen- doch nie mehr hatte er seine Frau mit Eifersucht verdächtigt und gepeinigt Es war, als ob die unsichtbare Hand, die jenen in die Gletscherspalte gezogen, Hans Edert die Ruhe seines Glüdes hätte zurückgeben wollen. Welche Hand? Welche unsichtbare hand? Hier verwirrte sich Eckerts Sinn. Hier wandte er den Kopf weg. wie ein Schwindeliger auf dem Felsgrat vor unheimlich brauendem Nebel War's wirklich eine unsichtbare Hand gewesen, oder-?" ,, Nein, nein", schrie er auf ,,, eine unsichtbare Hand war es. muß es gewesen sei..." Und er wollte nicht mehr in den unheimlich brauenden. Nebel seiner Berwirrung hineinschauen, nicht vernehmen, was sich bekennend in seiner Brust regte. Wahnsinn! Wahnsinn! Die Schrecken jenes Tages hatten die Klarheit seiner Gedanken gestört.... hatten Fiebervorstellungen in ihm zurückgelassen.. Er durfte ihnen nicht nachgeben. Er wußte ja nicht mehr genau wie damals alles zugegangen war... Eugenie zuckte ein wenig zusammen, als ihr Mann ihr mitteilte, daß er in diesem Jahr wieder die Eisthörlgruppe aufsuchen und zum anderen Mal den Aufstieg machen wollte, den er damals mit Genevius unternommen hatte. Ihr war der Gedanke schrecklich daß ihr Mann diesen Todesmeg abermals und zwar allein gehen wolle, aber fie sagte nichts, denn hier handelte es sich ja meit mehr um seine Gefühle als um die ihren. So nahmen sie in dem kleinen Dorfe Quartier, das der Ausgangspunkt für die Hochtouren dieser Gebirgs- und Gletschergruppe war und Eugenie be= gleitete ihren Mann bis zur Echuzhütte, die meit unterhalb des gefahrvollen Aufstiegs lag. Dort wimmelte es schon von erprobten Hochtouriſten und Führern und auch von befcheidenen BergSteigern, denen der Weg zur Schuhhütte schon genügte Aber alle faben ein menia besorgt zum Himmel. der eine feltfame milchine Färbung zeigte. Die Bernflöhe". d. h. die bescheidenen Touristen. beeilten sich. wieder heim zu fommen, aber die Pühnen und dabei erprobten Hochtouristen ließen fich nicht schrecken, benn die metterfundinen Führer fagten übereinstimmend. daß das Wetter bis gegen Abend halten würde, und bis dahin fei lang zurüd mer zu früber Ftunde den Aufstien machte Rüstia schritt Hans Edert voran... Allein... phne Führer und Gefährten. Wie beschwingt ging fein Fuß, immer leichter je höher er stieg. Es mar, als ob die mühselige Eismanberuna mit ihren verborgenen Schrecken und Todesgefahren für ihn ein Spazieraang wäre. Fröhlichen Gefichtes überholte er Truppen anderer Touristen, die früher als er aufgebrochen waren. Zugleich suchte sein Auge im aperen Gletschergrund die Stelle, wo damals Doch selbstverständ lich fand er sie nicht. Solch eine Gletscherflanke hat mehr denn einen Spalt.. Er blickte zurüď. Weit drunten bewegten sich schwarze Pünktchen, Menschen, die heute noch den weißen Riesen bezwingen wollten. Da trachtete er noch rascher vorwärts zu kommen. Er wollte allein sein, allein in gewaltiger Einsamkeit fann es schöneres geben? Aber war er denn allein? Tauchte nicht aus vereiſtem Spalt ein blaffes Haupt empor, richtete es erloschene Augen auf ihn? Schwang sich nicht eine Gestalt über den Rand des Spaltes, lief auf gespenstischen Sohlen hinter ihm her, eine Gestalt, die feinen Schatten warf und deren Nähe er doch deutlich spürte? Er blieb stehen, trocknete sich den Schmeiß von der Stirne. Er war entschlossen, umzukehren, wenn diese Wahnvorstellung länger dauern würde. Dann hatte er sich eben zuviel zugemutet. Mit beschmertem Gemüt darf man folchen Aufstieg nicht wagen, oder es gibt ein Unglück, wie damals. Warum nur die Gruppe, die er vorhin tief unten sah. ihm nicht nachkommt? Sie müßten doch längst ein Stüd höher sein, denn er hatte fich auf der letzten Strecke arg verzögert, wegen... ja, weswegen? Er hatte sich jählings nicht mehr wohlgefühlt. war stehen geblieben.. hatte den Schritt verlangsamt... 3aghaft leise gestand er sich's ein: er hatte jezt Angst vor der Einsamkeit. Er wollte Menschen um sich spüren, Menschenwärme... Aber die anderen tamen nicht... blieben unsichtbar. Er sah nach dem Gipfel, der sein Ziel war. Nein, er würde ihn heute nicht erreichen. Seine Nerven waren offenbar in schlechtem Zustand. Der Himmel sah jetzt auch ganz weiß aus... bleiig... Wenn man so langsam vorwärts fam wie er jetzt, dann war an Rückkehr vor dem WitterungsumSchlag nicht zu denken... Umfehren! Beschämendes Wort für einen Hochtouristen, aber eben weil er die Berge und ihre Gefahren fannte, rief er sich's zu und folgte ihm. Was eigentlich mit ihm war, wußte er nicht, wollte er nicht wissen.. wollte er sich nicht gestehen. Nur dies wußte er, aestand er sich: er mußte umtehren, weil ein Mensch in solcher Verfassung nicht imstande ist, einen Eisriesen zu bezwingen. Als er sich absteigend wieder dem Gletscherabbruch näherte, stukte er. Da wogte eine Anzahl von Gestalten durcheinander, die, er konnte es trog der Entfernung unterscheiden, aufgeregt miteinander sprachen, auf etwas wiesen... Der Seligeim Paradies SONNABEND, 11. FEBRUAR 1933 Er beschleunigte den Schritt, so gut er tonnte. Was konnte da sein? War da am Ende wieder einmal ein Unglüd passiert, wie damals--? Nun stand er nur mehr 100 oder 200 Meter vom meißen Gletscherrande entfernt, den die Menschen schwarz umfäumten. Er vernahm ihr Gemurmel, fonnte aber fein Wort unterscheiden. Er durchbrach ihre Reihen, stand... starrte... meinte, einen entseglichen Traum zu träumen.. Genevius Leiche lag vor ihm... Drei Jahre hatte der Gletscher gebraucht, um sie von der Unglücksstelle bis zum weißen Gletschertor zu wälzen, durch das sie nun die milchweißen Wellen mit Sand und Geröll zu den Menschen hintrugen.. Unversehrt schien der Entseelte, die mörderische Kälte seines Eisfarges hatte die Zerstörungen des Todes von ihm ferngehalten Morgen schon würde sein Antlig grausam verändert sein, heute aber schien es noch einem Schlummernden zu gehören, die Stirne umdämmert von der heiligen Hilflosigkeit des Schlafs. Edert stand reglos. Fragte nicht, sprach nicht, starrte nur in dieses Antlig, das er nie mehr zu fehen gemeint hatte. Es sprach zu ihm, was noch teiner zu ihm gesprochen. Mit stummen Lippen sprach es das Wort, vor dem Edert den Kopf abgewandt hatte wie ein Schwindeliger vor brauendem Nebel auf felfigem Grat. Ein Zittern überlief ihn. Er sank in die Knie. Und im Angesicht dieses Toten, den der Gletscher nicht behalten wollte legte ein Mensch vor be= stürzten und erschütterten Hörern das Geständnis unseliger Leidenschaft und lang verschwiegener Blutschuld ab.... zu den posthumen Werken der Dichter greifen, die sie im Paradies selber von sich gegeben hatten... Und der Nektar war natürlich alkoholfrei. Oft machten wir Ausflüge( im wahren Sinne des Wortes), die Flügel waren ja eine wahre Nach seinen Tagebuchblättern veröffentlicht von Egidius Greul Bracht! Und da sahen wir, wie andere Selige im Es scheint ein Wunder, aber ich habe Autoritäten als Zeugen, beispielsweise den Schriftsteller G. H. M., daß der Selige eines Tages auf unserer profanen Erde wieder auftauchte Vielleicht gibt der genannte Herr einmal einen authentischen Bericht Don diesem nicht alltäglichen Geschehnis. Ich fühle mich außerstande dazu. Ich kann nichts, als ein paar Tagebuchblätter veröffentlichen, die mir der Selige zum beliebigen Gebrauch zur Verfügung stellte. Hier sind sie. E. G. Auf der Erde denkt man sich das Paradies weit irgendwo im All. Auf den bewohnten Sternen der Milchstraße oder noch weiter draußen wird man es sich gerade so im All denten. Theoretisch spricht nichts dagegen, daß also das Paradies auch auf der Erde aufgeschlagen sein könnte. Praktisch hingegen nun, reden wir nicht davon... * Der schmale Weg, der zum Leben führt, war nichts weniger als mühelos. Ich hatte heftig zu schnaufen dabei und vergoß manchen bitteren Schweißtropfen. Aber anderen ging's nicht besser: Drei wohlbeleibte Herren, die vor mir fletterten, hatten die Röde ausgezogen und trugen sie an ihren Stöcken über der Schulter. Die Hüte hingen ihnen an Haten vorn auf der Brust, und ihre ab= nehmbaren Manschetten baumelten, auf die Uhrfette gezogen, über ihren stattlichen Bäuchen. Hinter mir stöhnte ein altes Weibchen: ,, Benn man doch schon mal die ewige Ruhe hätte!" Aber endlich langten wir doch an der Himmelspforte an, die unaufhörlich flappte, und als ich zurüdblidte, sah ich auf einen unabsehbaren Strom von Nachfolgenden hinter mir. Wenn das immer so geht, dachte ich mit Bangen lieber Gott, was wird das ein Gedränge in der ewigen Seligfeit sein! Und unwillkürlich fiel mir der Lunapart an schönen Sommersonntagnachmittagen bei volkstümlichen Preisen ein. Wie hatte ich mich geirrt. Hinter der Himmelspfarte, an der man übrigens weder nach Paß noch sonstigen Papieren gefragt wurde, trat man sogleich in die Unendlichkeit ein, und der Strom der Ankommenden verrann mie Rauch im Sommerwind. ,, Wohin millst du?" fragte mich eine Stimme. Und ich sagte: 3u Elisabeth!" Flieg zu!" sagte die Stimme. und ich fühlte mit Staunen, wie meine irdischen Kleider sich von meinem Leibe lösten und zu Nichts zerfielen, während ein paar Flügel aus meinen Schultern wuchsen, auf denen ich jetzt mühelos dahinschwebte. Ohne besonderes dazu zu tun, landete ich nach furzem Flug in einem Garten, der im blanten Sonnenschein( ich weiß nicht genau. ob es die Sonne war, es tann auch ein anderer Firstern gewesen sein, der seine warmen Strahlen herabfluten ließ) blühte und duftete. Alles trug gleichzeitig Blüten und Früchte und die Kirschen, die ich mir aus dem Blütenschnee herauspflückte, waren von solch föstlichem Aroma. daß ich immer und immer wieder davon zu naschen mich nicht enthalten fonnte Um das gleich hier zu sagen: man ißt und trintt im Baradies nicht zu leiblicher Nahrung und Notdurft denn es gibt weder Hunger noch Durst, aber man tann essen und trinken, etwa mie man auf Erden riechen fann, was einem gefällt. Während ich also noch mit meinen Kirschen be fchäftigt war, trat Elisabeth aus dem Haus. Sie mar gleich mir ohne Kleider( verhülle dein Haupt, Herr Bracht!), doch auch mit einem stattlichen Flügelpaar angetan ,, Da bist du endlich", sagte sie. Ich erwartete dich." Und sie füßte mich sanft. Wir schritten den Garten entlang und traten in das Haus Elisabeth fredenzte mir Nettar in einem tristallenen Botal. ,, Verträgt es sich mit Kirschen?" fragte ich bedenklich. Elisabeth lächelte. Im Paradies verträgt fich alles." Und sie trank mir zu, und ich tat ihr Bescheid. Wir lebten sehr glücklich in unserem Haus im Paradies, wie das ja nicht anders zu denken ist. Wir hatten eine gewaltige Bibliothet, Nettar die Fülle und, so oft wir wollten, Sphärenmusik im Radio Mit den Büchern war es jetzt so: da standen wohl auch der Faust" und der Grüne Heinrich" und der Ulenspiegel" und überhaupt alles, was uns auf Erden lieb und wert gewesen war, jedoch wenn man nun drin blätterte, lächelte man ein wenig. Das tam einem in der himmlischen Perspektive so vor, wie menn man auf der Erde als Erwachsener mal wieder Karl Man in die Hand genommen hatte Da mußte man schon " Paradies lebten. Einmal zum Beispiel besuchten wir die alte Frau, die hinter mir gefeucht und sich nach der ewigen Ruhe gesehnt hatte. Die lag jegt in einem himmlischen Federbett, hatte neben fich auf dem Nachtschränfchen eine Tasse Schokolade stehen, die nie leer und nie talt wurde, und tnabberte Bistuits dazu. Sie sagte: Nein, anders hätte sie sich das Paradies nie gewünscht, und fie mollte nur, es bliebe in alle Ewigkeit so. Gut. Die drei Herren, die por mir geklettert waren und ihre Röde am Stock über der Schulter getragen hatten, fanden wir bei einem Dauerstat, und den Nektar tranten sie aus Biertrügen, aber fie nannten ihn Braujelimonade So hatte jeder seine Seligkeit, wie er sie sich wünschte, gefunden Natürlich gab's auch welche, die Hosianna sangen und Musik dazu machten," aber es waren verhältnismäßig menig. ,, Und wenn's ihnen einens Tages doch anfängt langweilig zu werden?" äußerte ich zweifelnd zu Elisabeth. ,, Dann kommt man in den zweiten Himmel und ist dann schon etwas abgeflärter mit seinen Bünschen. Nachher in den dritten und so fort bis in den siebenten Im siebenten Himmel sind alle munschlos geworden. Aber wie's da zugeht, weiß ich natürlich auch nicht, es wird streng geheim gehalten", erzählte sie mir. Einmal flatterten wir in unserem Garten herum, Es gibt eine Wissenschaft vom Kaffee Sie unterscheidet: 1. Die Wirkungen der aromatischen Stoffe, d.h. der Röstprodukte. Sie bedingen Geschmack und Aroma und hängen ab von der Wahl der Kaffeequalitäten. 2.Die Wirkungen auf das Zentralnervensystem, das Here und die Nieren. Sie werden hervorgerufen durch das Coffein, sie werden ausgeschaltet, wenn das Coffein entzogen wird. Kaffee Hag bietet doppelte Gewähr: 1. Für beste Qualität, vollendeten Geschmack und feines Aroma, 2. für tatsächliche Entziehung des Coffeins auf Grund 26 jähriger Erfahrung. Würde Kaffee Hag in 39 Ländern der Welt von millionen Menfchen getrunken werden, wenn er nicht so gut wäre? Hätten 30 000 Arzte fich lobend über Kaffee Hag fchriftlich geäußert, wenn er nicht fo gefund wäre? Die Willenfchaft vom Kaffee spricht für Kaffee Hag. Spielten Bersted, aßen Eierpflaumen und spudten die Kerne ins Au, da zupfte mich plötzlich Elisa beth an meiner äußersten Schwungfeder. Majestät tommt!" flüsterte sie. Ich sah nach der Pforte, da stand wahrhaftig. der liebe Gott, wie ich ihn aus den Bilderbüchern meiner Jugend fannte. Er war nicht nacht wie mir, fondern trug einen himmelblauen, meitwallenden Mantel mit goldenen Sternen bestickt, hatte einen großen weißen Wattebart, einen Strahlen franz um den Kopf und rauchte aus einer langen Pfeife. Jezt nahm er die Pfeife aus dem Mund, fam zur Pforte herein und sagte: ,, Run, wie gefällt's euch denn bei mir?" ,, Wie im Paradies, Majestät", lächelte Elisabeth Da lachte der liebe Gott so herzlich, daß er lauter fleine Fallchen um die Augen friegte, und tätfchelte ihr freundlich, die Wangen. Nein, in's Haus wollte er nicht kommen, aber unter dem Kirschbaum sehten wir uns zu dritt ins Gras und sprachen dies und das, sogar auch mal non der Erde. Aber das Thema war dem lieben Gott offenbar nicht sehr angenehm. ,, Eine prächtige Gefährtin haft du", sagte er zum Abschied zu mir. Ich hatte schon lange ge= merkt, daß ihm die Elisabeth gefiel. ,, Darf ich ihr wohl mal einen Ruß geben?" Immer los, Majeftät!" fagte ich. Cifersucht tennen wir ja im Paradies nicht mehr." Und der liebe Gott drückte richtig seinen Batte bart in Elisabeths blühendes Gesicht. Ihre Augen wurden starr. " Erstklassiger franzöfifcher Dreiftern!" fagte fic dann sachkundig. Da wurde der Gebe Gott rot bis hinter die Ohren.„ Pscht! Bscht!" machte er ganz verdattert. Was denn? Was denn?" Aber Elisabeth licß nicht loder, bis der liebe Gott aus seinem faltigen Mantel eine richtige irdische Kongnafflasche samt einem Gläschen zum Borschein brachte und uns jedem eine Probe gab. Doch er machte ein sorgenvolles Gesicht dazu Daß es bloß der Gabriel nicht mertt", meint. er.„ Er hat seine Augen überall." Elisabeth brachte ihn doch dahin, daß er ver sprach, uns jede Woche ein paar Flaschen 311tommen zu lajfen von der Sendung. Die er regelmäßig von geheimen Kurierengein besorgen ließ. Dann entschwebte er mit der leeren Flasche. henn bei dem einen Gläschen für jeden mar's natürlich nicht geblieben. Eine Zeitlang triegten wir auch regelmäßig unser Deputat und der liebe Gott brachte es uns der Sicherheit halber immer persönlich. Aber dann blieb er eine Woche aus, statt dessen form die Ausmeifung von Gabriel felber unterzeichnet. So mußten wir nochmal auf die Erde zurüd. Und da haben wir uns natürlich getrennt, denn was im Himmel zusammen war, tann es unmög lich auf der Erde beieinander aushalten. Historische Miniaturen Oper und Wirklichkeit. In der Gegend von Intri erwischte man vor 100 Jahren Alfonso Battesta, einen vielgesuchten Langfinger und Beutelabschneider. Man brachte den Schelm nach Reapel, mo damals gerade die Oper eines Franzosen aufgeführt wurde, Bor dem Theater, an dem man ihn gefeifelt norbeiführte, jah der Galgenvogel ein Blakat: Fra Diavolo, Große Oper von Auber Bruder Teufel", das war vor 30 Jahren ein Räuberhauptmann gemesen, der in der Gegend von Intri noch unvergeilen war. Ehe man Alfonso Battesta vom Leben zum Lode beförderte, durfte er sich nach neapolttanischem Recht die Erfüllung eines letzten Wunsches ausbitten. Der Berbrecher äußerte den Bunsch, die Oper Fra Diavolo" zu sehen. Die Bitte murde ihm gewährt. Bon einer Selfenloge aus, die ein Stadtjofdat mit aufgepflanztem Ba jonett bewachte, folgte der Berurteilte mit angehaltenem Atem den Vorgängen auf der Bühne, bie ihm die Taten des größten Räubers aller Zeiten darstellen sollten. Alfonso Battesta murde ins Gefängnis zurüd gebracht.„ Na, mie war's?" fragte ihn der Gefängniswärter. „ Die Musik mag ja ganz richtig sein", antwortete er, aber Fra Diavolo hat nicht so viel gesungen". Memo. Kleine Bosheilen großer Leute Gerhart Hauptmann. Ein junger Dichter sandte einmal an Gerhart Hauptmann ein Heit Gedichte und schrieb unter anderem, daß er die feste Absicht habe, die Be dichte erst nach seinem Tode erscheinen zu lassen. Hauptmann las die Erzeugnisse des Dilettanten und schrieb zurüd: Im Interesse der Literatur und der Allgemeinheit wünsche ich Ihnen ein recht langes Leben." Parteinachrichten Einsendungen für Oteje Rubrik find Berlin GB 68. Sindenstraße 3. für Groß- Berlin ftets au bas Bezirkssekretariat 2. Set. 2 Treppen rechts, zu richtes Beginn aller Veranstaltungen 19% Uhr, jofern feine bejvadere Zeitangabe! 7. und 8. Sreis. Sente von 17 bis 18 Uhr Juristische Sprechstunde im Jugendheim Rosinenft. 4. Gelegenheit zum Rirchenaustrift. 24a. Abt. Sonnabend, 11. Februar, Funktionärsgung an bekannter Stelle. 28. Abt. Bezirksführer holen sofort Sammellisten von Danschte ab. 46. bt. Zur Bildung einer Mufitvereinigung werden alle Genoffen, bie ein Sustrument spielen, ersucht, sich am Sonntag, 19. Februar, 10 Uhr, im Seim beim Genossen Fechtner zu melden. 84. Abt. Seute, 19 Uhr, Gigung fämtlicher Funktionäre und der Delegierten zur Streisvertreterversammlung an bekannter Stelle. 86. Aht. Die file Sonnabend angesezte Zusammenkunft wird auf Sonntag 8 Uhr verlegt. 91. Abt. Sonntag, 12. Februar, Bunter Abend der jüngeren Parteimitglieder an bekannter Stelle. Rarten zu 25 Bf. und 50 B. an der Staffe 108. Abt. Seute. 20 Uhr, Sahlabend des Bezirks Müggelheim. Die Zufammen tunft jüngerer Parteimitglieder für Montag muß umständehalber ausfallen. Barteineteranen Unserem treuen, norbildlichen Funktionär und Hermann Dittmann. Söpenid, Dorotheenstr. 10, zu seinem 70. Gc burtstage die herzlichsten Glückwünsche. Wir wünschen ihm fernerhin die jcgige Rustigkeit, um an allen Rämpfen der Arbeiterklasse wie bisher attin Anteil nehmen zu können. 117. Abt. Sonntag, 12. Februar. 10 Uhr, Besichtigung des Großkraftwerkes Klingenberg und der Gewächshäufer. Treffpunkt vor dem Eingang zum Kraftwerf. 139. Abt. Sonnabend, 11. Februar, außerordentliche Funktionärsihung on be fannter Stelle. Den Parteimitgliedern zur Kenntnis, daß die Afche des Genossen Frizz Areienbring am Montag, 18. Februar, 16 Uhr, auf dem Tegeler Gemeindefriedhof beigefegt wird. 143. Abt. Sonntag, 11 Uhr, michtige Funktionärsigung an befannter Stelle. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde. Mitte, Abt. Matteotti: Heute, 20 Uhr, Elternversammlung, Elisabethtirchstr. 19. Alle Eltern müssen erscheinen, de wichtige Tagesordmung. in der Arbeitsstunde erfolgen. Berichtsbogen ebenfalls Montag abgeben. RoteFalten- Helfer: Arbeitsbesprechung Montag, 13. Februar, 17 Uhr, im Areisheim. Abt. Lichtkämpfer: Sonntag Treffen zur Fahrt 8 Uhr Bhf. Neukölln. 30 Bf. mitbringen. Bantom, Abt. Rarom: Elternabend heute bel Jadermann 19½ Uhr. Reinickendorf: Gründung einer Jungfaffengruppe im Jugendheim Schöne berger Str. 3, 16 Uhr. Programm: Lustige Filme. Gemütliches Beisammensein. Areis Prenzlauer Berg: Die Kreistreffahrt muß wegen Abwesenheit zweier Abteilungen und Helferausfall durch Krankheit auf vorläufig 19. Februar verschoben merden. Mittmom, Dienstag, 20 Uhr, im Sort Helfersizung. 18 Uhr, ebendori Faltenparlament. Areis Köpenid: Montag, 13. Februar, Gruppenleitersigung in Grünau bei Lotte Wiebed, Röpenider Str. 97. Straßenbahn 86, Station Rattunfabrik. Anfang 20 Uhr. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 31. Abt. Unseren Mitgliedern zur Kenntnis, daß Genosse Richard Meißner, Gastwirt, Schivelbeiner Str. 34, verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Einäscherung hat bereits stattgefunden. SEJ Sozialistische Arbeiterjugend Groß- Berlin Einsendungen für diese Rubrik nur an das Jugendfekretariat Berlin S. 68, Lindenstraße 2, vorn 1 Treppe rechts. Referentenschute heute, 18 Uhr, an bekannter Stelle. Manchen- Selfen- Aurins heute, 19 Uhr, an belaunter Stelle. 3. Musizierstunde des Proletarischen Orchesters ber SAJ. morgen, Sonntag. 1. Aonzert um 11 Uhr in der Aula der Karl- Marg- Schule, Neukölln, Raiser- Friedrich- Str., 208-210. 2. Konzert um 17 Uhr in der Aula der Heinrich- Schliemann- Schule, Berlin N., Gleimstr. 49.. Eintrittstarten zu 30 Pf. find im Gefretariat und an der Raise ethältlich. Wanderleiterfonferenz Montag, 13. Februar, 1914 Uhr, Lindenstr. 4. Licht. bildervortrag. Rieuzberg, ht. Reichenberger Biertel: Die Helferüigung findet heute, 19 Uhr, an bekannter Stelle statt. Alle Jung und Rote Falten treffen sich morgen zur Fahrt nach den Müggelbergen 9 Uhr Faltenede. 30 Bf. mitbringen. Reukölln: Die Bezahlung und Bestellung für die Faltenhemden muß Montag i 19% Uhr, im großen Saal des Sehrervereinshauses am leganderplay. Genosse SA- Buchdruder beteiligen sich am Montag, 13. Februar, restlos an der Borbesprechung für die Lehrlingsversammlung um 17 Uhr im Jugendheim Lindenstr. 4. Gewinnauszug 5. Klasse 40. Preußisch- Süddeutsche Staats- Lotterie. Ohne Gewähr Nachdruck verboten Auf jede gezogene Nummer sind zwei gleich bobe Gewinne gefallen, und zwar je einer auf die Lose gleicher Nummer in den beiden Abteilungen I und II Mitgliederversammlung der Gesamtorganisation am Dienstag, 14. Februar, Theater, Lichtspiele usw. Staats MA 10. Februar 1933 3. Ziehungstag In der heutigen Vormittagsziehung wurden Gewinné über 400 M. gezogen 10 Gewinne au 10000 QR. 30407 43301 95172 209198 337275 4 Gewinne zu 5000 m. 295279 346680 10 Gewinne su 3000. 47647 155329 193509 381453 391175 54 Gewinne au 2000 m. 942 10943 19729 25843 42969 62842 95982 99945 104197 111834 114067 161935 181441 184846 216454 225082 248795 249555 259521 294695 305663 308428 308828 310526 328235 360036 384687 106 Gewinne au 1000. 4581 8272 16693 18408 27648 31935 37137 38201 47279 47713 54460 70905 84413 92742 108417 112685 116210 119865 125084 136926 141330 145482 148633 157025 168248 175966 176298 185444 188138 201521 206507 210892 221628 230289 232173 236141 238329 272046 275440 304033 304261 306503 313105 313482 313837 315363 331905 332932 348545 354288 361511 373117 377119 188 Gewinne au 500 m. 10085 16659 24666 26504 33508 34549 46418 51557 55576 56732 59940 61431 61815 68603 72902 74295 77767 82684 84270 85391 85603 87095 89578 97835 98254 103446 106891 120966 122517 124936 128790 138938 141997 143281 146191 146917 151376 153650 154097 154923 156256 156655 165910 165951 172859 179918 187263 188612 188657 195120 195403 196142 210679 210721 213483 316770 226112 237346 244081 250558 256943 260269 262510 263786 264747 265207 265339 268337 270260 273800 277697 283308 287676 288128 288702 293290 296642 311062 312444 317949 322144 326030 337587 337785 352949 354929 357622 357826 358369 369516 371303 373642 386870 395477 In der heutigen Nachmittagsziehung wurden Gewinne über 400 Mr. gezogen 2 Geminue zu 25000 9 318106 2 Gewinne an 10000 m. 31151 6 Gaminne u 5000 m. 22897 117201 140229 12 Gemiune in 3000 m. 2756 14058 138677 164584 295579 301089 42 Gewinne an 2000. 14978 40732 64926 79930 122786 167677 196708 197073 206824 213959 254078 271760 275543 276762 285348 313432 318207 336422 343400 365194 399071 102 Gewinne au 1000 9, 1309 5006 12056 15347 16189 30907 41441 51335 56183 64437 75710 82709 98409 99582 110734 135761 141822 162708 153909 167364 179962 182420 183599 189076 191779 196628 197040 220764 221935 240557 247431 251473 259142 275394 280843 286210 294367 296027 296090 304594 308147 821598 331839 334401 338714 340042 346718 350577 350948 398003 398121 182 Seminne zu 500. 323 15623 21931 23635 24970 25179 30884 44410 47669 55991 61759 67811 68945 69420 78990 7990681442 Theater Sonnabend, den 11. Februar Staatsoper Unter den Linden 20 Uhr La Traviata Staatliches Schauspielhaus 19 Uhr Faust II. Teil VOLKSBUHNE Winter Garten 3 Uhr 15. Flora 3434. Rauchen erl. Gsovsky- Ballett Medini- Trio Rassana Lotte Werkmeister Die lustigen Weintraubs usw. Sonnabend und Sonntag auch nadno. 4 Uhr zu kleinen Preis. was nun?" Rudolf Breitscheid, M. d. R., spricht über Sitlez regiert Alle Gruppenveranstaltungen fallen aus. Beschluß des Bezirksausschusses: Wer ohne Mitgliedsbuch erscheint, hat feinen Zutritt. V. Rabarett- Matince ber Bollsbühne am Sonntag, 26. Februar, 11% Uhr. Karten zu 1 M. find im Sekretariat erhältlich. 49 Gruppen verzichten nech immer auf ihr Stimmrecht auf der General versammlung, denn sonst hätten sie uns längst die Delegierten gemeldet! Heute, Sonnabend: Köpenider Viertel: Morgen Fahrt. Treffpunkt 7 Uhr Schlesischer Bahnhof. Werbebezirf Wedding: Baden Gerichtstraße 19 Uhr. Danach Spieltruppe im Ledigenheim. Funktionärschulungsturjus morgen, Sonntag, 8 Uhr. Freie Gewerffchafts- Jugend Berlin Heute, Sonnabend, 11. Februar, finden folgende Beranstaltungen start: Norbireis und Südkreis: Besichtigung der Vorwärts- Buchdruckerei Treffen um 16 Uhr im Vorwärts, Lindenstr. 3. Die nächste Zufammenkunft der Teilnehmer am Phototurfus findet am Montag, 20. Februar, 19% Uhr, im Zimmer 3, Jugendheim Gewerkschaftshaus, statt. 1 Juaendarupve des Zentralverbandes der Angestellten Heute, Sonnabend: Singe mit! Unfer Gingefreis übt son 20 bis 22 Uhr im Jugendheim Eilfiter Str. 4. SBD.- Fraktion beim Bezirksamt Prenzlauer Berg. Montag, 13. Februar, 16% Uhr im Dufeland- Hospital, Fröbelstr. 16-17, Jahresmitgliederversamme lung. Freiheit oder Anechtschaft", Referent Karl Dreffel. Dhne Bartelbuch tein Zutritt Vorträge, Vereine und Versammlungen Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Geschäftsstelle: Betlin G 14. Sebastianftr. 37-38, Hof 2 r. Brenzlauer Berg( Bartrupp): Sonntag, 12. Februar, 9 Uhr, Treff punkt beider Scharen in Tracht am Humannplag. Tiel Tegel Zurüd 14 Uhr. Neukölln- Brig( Ortsverein): Sonntag, 12. Februar, tedjuische Uebung in Tegel. Antreten aller Rameraden um 7% Uhr Bhi. Neuköln. Bundeskleidung mit Tornister oder gerollter Dede. Brotheutel. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, 11 Uhr, Bappelallee 15, Bortrag des Herrn D. Ürhan: Mensch und Gesellschaft von der modernen Biologie ous gefehen". Gäfte willkommen. 8 ubr Großes Schauspielhaus NEUE WELT Ball im Savon Mufit von Baul Abraham Gitta Alpar Rosy Barsong Ostar Deues und das große Starenjemble. Sig. nachm. 3% halbe Preise Stettiner Sänger Reichshallen- Th., Dönhoffpl. 8.15, Sonntags 3.30 zu ermäßigten Preisen Das große Februarprogramm: „ Karneval" CASINO- THEATER Kurtürstend- To. Schiller Theater am Bülowplatz 84 Uhr. Lothringer Str. 37 Täglich 84 Uhr D.1 Norden 6536 mint Schinderhannes von C. Zack- Sonntags auch 4 Uhr mayer. A. Hörbiger, C. Spira, Brausewetter, Greid, Halden, Kurz, Marlow SCALA Tagl.5.8%. Barb- 9266 Stadt. Oper LA TERESINA FELIX BRESSART Fred. SANBORN CASS, MACK & OWEN usw. Charlottenburg Fraunhofer 0231 Sonnabend, 11.Febr. 20 Uhr Turnus! Tosca Cavaram, Reinmar. 83317 83322 90613 97348 101205 105433, 107170 108762 108816 P PLAZA Kandi, Hever, 112743 116083 116182 118383 121799 122236 131939 132031 136374 137718 138718 138998 146676 156504 158995 160992 169697 172094 174297 181974 185592 187022 187365 188030 194217 211941 218158 219718 222104 225072 229626 239763 243232 247962 248509 249362 253475 273512 275970 279778 279877 288925 290488 291102 292535 298439 303768 314025 314602 317501 318837 319959 321296 326531 335649 337224 340008 340260 344075 348897 361281 361906 379275 386887 388757 Jm Gewinnrade verblieben: 2 Bräinien zu je 500000, 2 Gewinne zu je 500000, 2 zu je 200000, 4 Gemfine zuz je 100000, 6 zu je 75000, 12 zu je 50000, 26; je 25000, 172 zu je 10000, 458 312 je 50 0, 901 zu je 3000, 2676 zu je 2000, 53 16 zu je 1000, 8920 zu je 500, 26586 zu je 40, und 100 Schlußprämien zu 3000 Mart. Großgarage Nordbahnhof Maximilian Janischewski 1 BERLIN N. 58, Eberswalder Str. 14-15 Minute vom Oderberger Straße 19 Nordbahnhof Garagen:: Tankstellen:: Werkstatt Tag und Nacht geöffnet Telephon: 0. 4, Humboldt 2887 Nähe Schles. Bhf. ia. 81, Stgs. 2, 5, 818 U E 7 Weichsel 4031 Boccaccio Steler, Maucher, Spering, Hedlund Dirig: Ladwig HAUS VATERIAND Im Palmensaal Tank Lee DION Auf& Rheinterrasse Familien Raffer mit Künstler Konzert BETRIEB KEMPINSKI 8% Uhr Buntes Theater: „ Der Fürst von Pappenheim" Dazu erstklassiges Programm! Gutschein 1-4 Personen: Parkett 0,60. Fauteuil 0,75. Sessel 1,25 Theater im Admiralspalast 8 Nigar Zauber in Das Theater ohne Bon- Wirtschaft Kurfürstendamm 209 Bism. 1400 814 Uhr Glückliche Reise Operette von Künneke Preise von 0.60 bis 6.- M. Denisches Künstlertheater Th.d.Schauspieler Barbarossa 0403 Täglich 8 Uhr Frühlingsstücme AutomatenOperette von Weinberger und Beer Regie: Heins Saltenburg Mary Loffeff, Arno, Elster. Bütcit Straub, Körber, Heilinger, Trank- Trebiisch, Malkowsky Bismarckstr.( Knie) Steinpl.( C1) 6715 Täglich 84 Uhr Der Kollo- Schlager Die Männer sind mal so Musik von Walter Kollo Someland, Heidemann Theate Garow's Lachbühne Walnbergsweg 20 Tel. D 2, 2174 Beginn 7% Arnold Scholz- U- Bahn Hermannpl.-Hasenheide 108/14 Gr. Bockbierfest und Großer Alpenball 6 Kapellen Einlaß 7 Uhr Humor, Stimmung Beitrags Marken CONRAD MÜLLER SCHKEUDITZ LEIPZIG SEGR.1885 FERNRUF: 535 Erfinder Vorwärtsstrebende Auch heute noch Über Nacht z.Reicht. Kostenlose Aufklär sof. fordern von F.Erdmann& Co. Berlin SW. 11. Am 8. Februar verschied nach kurzem aber schwerem Leiden unser lieber Kellege Hans Wisdalski Lange Jahre, bis zuletzt, gehörte er dem Betriebsrat unserer Firma an. Wir werden allzeit seiner ehrend gedenken. Das technische Personal der Stempelfabrik P. H. Schultze, Berlin Verkäufe Batentmatrages Brimissima"" Auf legematragen etollbetten Chaises Longues. 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Oberbaum 3500 8 Uhr Iphigenie auf Tauris Sonntag auch 4 U von Wolfgang von Goethe Nach rer Inszenierony won Richard Bear- Hofmann Helene Thimig. Hart, Balser, Lie eneiner. v, Winterstein Wilhelm Bendow Der scharfe Löwe Alice Hechy Möbel Serrenzimmer 50-730, Alubgarmi turen 165, Radio. tische 18.-, Schreibfchränke 45.-. Di. plomaten 56, Schreibfeffel 19,50 Ladentisch Boffterſtühle 7,50. gebraucht, ca. 5-6 m, zu kaufen gesucht. Preisangebote unter N. 281 an die Hauptexpedition des> Vorwärtse Fahrräder Opelballonräder Dürtoppballon, Dic atantballon, Wane Dererballon, Bittlerballon, Monatszahe Lung 10,-, Spezial ballon 32,-. 45,-. Schlawe, Wein meifterstraße Diet.* Garten, Laube und Balkon Möbelgroßlager Dauerwohulaube, Ramerling, Rasta- tomfortabel, maffio, nienallee 56( Ede Dertauft fofort Fehrbellinerstraße). Adam, Brig, Späthe Caffavertauf, au ſtraße 154, Teilzahlung, Busattug Leid und Jammer im Alter Schneidermeister in schwerer Not Da wohnt in Charlottenburg ein alter Schnei dermeister, dem es bitter schlecht geht. So schlecht, daß er auf ein Haar obdachlos auf der Straße stand, wenn nicht im legten Moment fich das Wohlfahrtsamt seiner angenommen und einen Teil der eingeklagten Mieteschulden übernommen hätte. ,, 65 Jahre ist man geworden, hatte ein gutgehendes Geschäft mit ein paar Gehilfen, hatte etwas für die alten Tage gespart und nun ist alles, alles weg, vor allem die Kundschaft, und man ist ein Bettler", erzählt der Mann. Da fizt er mutterseelenallein in seiner Werkstatt, kalt ist der Ofen, kalt die Plätte und kalt die Kochmaschine. Ja, wenn man keine Arbeit hat, kann man sich auch nichts kochen," meint er. Aber da hängen ja überall Maßproben verschiedener Kleidungsstücke herum, also arbeitet der Mann doch? D, da hab ich noch viel mehr davon, der größte Teil ist schon seit Jahren eingemottet" berichtet er mit trauriger Miene. ,, Nicht mal die Aufbügelarbeit kann sich so manch einer abholen," ergänzt er feinen tragischen Bericht. Da kommt einer ,,, Meister, ganz bestimmt bis zum Sonnabend muß ich den mehr. Zu all dem wirtschaftlichen Jammer ge= sellte sich auch noch menschliches Leid; Frau und Kinder sind ihm gestorben, nun steht er allein im tiefsten Elend. 50 Mark soll ich noch aufbringen, als weitere Abzahlung auf meine Schuld beim Hauswirt, Herr Gott, woher soll ich bloß das Geld nehmen? Mehr als hungern fann ich doch nicht!" So schwebt das Damotlesschwert der Ermittierung immer noch über seinem Kopf. Nun reiht auch er sich ein in die Legion der öffentlichen Almosenempfänger; seine alten Beine müssen allerhand Bittgänge laufen, sein alter Kopf muß sich zermartern, wie er sein bißchen elendes Dasein überhaupt zu Ende führen soll. Seit 40 Jahren hält er treu zur Partei, trotzdem ihm dies viele übel nehmen, trotzdem ihm dies schon so manchen Kunden gekostet hat... Auch eine Kindergeschichte Anzug haben, das war am Donnerstag; da kam Erpressung an einem Siebzigjährigen der Sonnabend und der Montag, da verging die zweite und die dritte Woche und der eilige Anzug hängt immer noch. Verschleudern kann der Mann die Sachen auch nicht, wo der Stoff oft das Meter noch 22 Mart gekostet hat, er kriegte sie noch nicht für ein Butterbrot los. Einmal passen sie nicht einem jeden, vor allem nicht dem, der vielleicht etwas Geld hätte und dann: wer hat heute schon Geld für einen Anzug? Einmal im Jahr, wenns hoch kommt, läßt man sich den Anzug aufplätten, damit ist die Garderobenfrage gelöst; das heißt, das gilt auch nur mehr für diejenigen, die noch in Lohn und Brot stehen. Und was die Wirtschaftskrise nicht taputt gemacht hat, das besorgt die billige Konfektion, mit deren Preisen naturgemäß der fleine Handwerker nicht Schritt halten tann. 3mei Nähmaschinen stehen noch verlaffen da, was der Mann an Stoffmaterial besaß, hat er verschleudert. Schon die ganzen legten Jahre ging es rapide bergab mit dem Geschäft, aber seit einem Jahr ist es überhaupt gänzlich alle. Auch die wenige Rundschaft verlief sich, alle sind sie bettelarm geworden und brauchen längst feinen Schneider Die Leipziger Straße im Hochsommer 1924. Es ist ein schöner Tag. Der 62jährige Portier eines großen Hauses blickt sich nach einem Abenteuer um. Es nähert sich ihm in der Person des 21jährigen Straßenmädchens S. Sie bittet um eine Zigarette. Der 62jährige faßt sie galant um, er ist noch ein ganzer Mann, eine halbe Stunde später entläßt er sie, das Schäferstündchen kostete 2 Mart. Seitdem wird es allwöchentlich wiederholt. Aber eines Tages erscheint die Freundin des 62jährigen, weist auf ihren Körper und sagt: das ist die Folge. Der Alte ist wie vom Donner ge= troffen, fleht, fag es um Gotteswillen nur nicht meiner Frau und befindet sich von nun an in den Händen der S. Sie zieht von ihm Geld soviel sie kann. Ein Kind kommt zur Welt, er muß zahlen. Sie braucht einen Kindermagen, er zahlt dafür. Das Kind braucht Wäsche und wieder rüdt er mit Geld heraus. Eines Tages schreibt sie ihm: Nun ist das Kind dreiviertel Jahr alt, es ist sehr lieb, die Aehnlichkeit mit dir kommt erst jezt so richtig zum Vorschein, ich wundere mich, daß du gar feine Sehnsucht nach der Kleinen haft. Mein Mann ist arbeitslos, es fehlt an allem, wenn du mir fein Geld schickst, schicke ich dir das Kind. Der 62jährige schickt natürlich Geld. Dann wieder erhält er eines Tages einen Totem= schein, von einem Arzt ausgestellt, und wieder muß er mit Geld herausrücken; ein Grabstein soll für das Kind gesezt werden, und wieder zahlt er. So geht es neun Jahre lang, der Portier zählt jetzt 71 Jahre und ist an die 4000 m. losgeworden. Jetzt weiht er seinen Sohn in die Sache ein, dieser erstattet Anzeige. Die S. hatte meder ein Kind gehabt, noch einen Mann alles mar erlogen, und der immer wieder Erpreßte hat es gewußt. Das gab er vor dem Schnellschöffengericht zu. Weshalb hat er aber das Geld hingegeben? Aus Furcht, die Frau fönnte alles erfahren. Denn damit drohte die S. ständig. Meine Frau ist aber herztrant, sagte der Alte, und wenn so etwas vorkommt... anscheinend tam so etwas öfter vor. Und das mit dem Kinde war alles erfunden: zuerst war es gestorben, dann lebte es wieder, dann war es wieder gestorben und dann lebte es wieder. Und an den Totenschein hat er auch nicht geglaubt; so schreibt kein Arzt. Sie aber hatte. gesagt: der Schein ist von einem Arzt und da hat er es eben geglaubt. Und ob sie wirklich in anderen Umständen von ihm gewesen ist, weiß er auch nicht, viel= leicht hatte sie sich nur was vorgebunden. Es war eine seltsame Verhandlung und in ihrem Schlußwort sagte die Angeklagte: Der Mann hat mich neun Jahre ausgenutzt, ich wiege jetzt nur 75 Pfund, und was habe ich früher gewogen? Das laß ich mir nicht gefallen, ich verklage ihn auf Schadenersatz. Während der Beratungspause meinte sie untröstlich, nur das Urteil 6 Mo= nate Gefängnis wegen fortgesetzter Erpressung schien sie einigermaßen zu trösten. Scala im Februar Im Februarprogramm der Scala. treten zmei Programmnummern besonders hervor. Die eine: Fred Samborn, ein tomisch- exzentrischer Xylophonist, der sein Instrument mit virtuoser Meisterschaft beherrscht. Er steppt und tanzt mährend des Spiels; sein Körper ist ein einziger musi falischer Aufruhr. Und die andere heißt Teresina. Teresina ist eine junge spanische Tänzerin, die in historischen, äußerst geschmackvollen Kostümen spanische Tänze zeigt. Diese Tänze haben nichts zu tun mit den bisher zum Ueberdruß ge= jehenen akrobatischen Tänzen, sondern bringen durch Generationen fultivierten spanischen Tanzstil zum Ausdruck; Teresina ist die geeignetste Interpretin, die man sich denken fann. 4 nette Girls, 4 Buds, tanzende Kolleginnen der Teresina, steppen mit Eraktheit. Ein lustiges Kleeblatt, zwei Männer und eine Frau, sind Caß, Mack und Owen, drei Akrobaten, die alles auf den Kopf stellen, sogar ihre Partnerin. An komischen Einfällen können sie sich nicht genug tun, alles geht drunter und drüber und ihre wirklich bewunderungswürdigen Kraftleistungen werden bei all der Buntheit beinahe hintangestellt. 10 Asgards, eine Springertruppe, find vorzüglich aufeinander eingestellt und einer bringt es fertig, als vierter Mann mittels Sprungbrett auf drei Untermännern zu stehen. Chartons Marionetten ergößen durch ihre Drolligkeit. Es gibt Sänger und eine imitierte Claire Waldoff, jodelnde Senner und tanzende Elefanten. In einem Stetsch Morgen sterb' ich sowieso" sieht man Felir Bressart, den Schlemihl, der plötzlich Mut be= tommt. Diese Groteske von Johann Vaszary ist Bressart auf den Leib geschrieben, und das Publifum brüllt vor Vergnügen. Die einzelnen Nummern tonferiert wieder einmal Werner Find mit Harald- Lloyd- Lächeln und beißendem. Spott Seine aktuellen Witze sind neu und voller Pointen und seine ganze Ansage sprüht von Humor. " Wie wird das Wetter? In Berlin: Bei abflauenden Winden aus nördlichen Richtungen teils heiter, teils wolfig; Temperaturen um Null schwankend. In Deutschland: Im Süden und Südosten noch vielfach bewölkt und namentlich im Alpenvorland noch Niederschläge. Im übrigen Reich leicht veränderliches Wetter ohne erhebliche Niederschläge. Temperaturen noch etwas sinkend. „ Der Kampf gegen die Geschlechtskrankheiten." Am 13. und 14. Februar findet im KaiserinAuguste- Victoria- Haus, Charlottenburg 5, Frantstraße 3, ein Lehrgang über„ Der Kampf gegen die Geschlechtskrankheiten" statt. Die Vorträge werden von namhaften Fachvertretern gehalten. Beginn: Montag, den 13 Februar, vormittags 9 Uhr. Veranstalter: Deutsche Gesundheitsfürforgeschule und Deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten. Anfragen und Anmeldungen an die Deutsche Gesundheitsfürsorgeschule, Charlottenburg 5, Frankstr. 3 ( Fernprecher C0 Fraunhofer 0211) erbeten. EIN ZIEL für Konstruktion, Fabrikation und Kundendienst- IHRE DAUERNDE ZUFRIEDENHEIT. Das neue Automobil einer der wichtigsten Entschlüsse im ganzen Jahr! Wählen Sie nur einen Wagen, der zu IHREM Vorteil gebaut wurde. OPEL Auf der Internationalen AutomobilAusstellung, Berlin, Halle I, Stand 86 Treu der traditionellen Verantwortung für die Weiterentwicklung und Ausdehnung des Automobilverkehrs bietet Deutschlands größte Automobilfabrik 1933: 1. Niedrigere Preise! Jeder soll seinen eigenen Wagen fahren. Nur Opel kann- dank der großen Produktion und des ständig steigenden Exports- mit seinen seit Generationen dem Werk verbundenen Facharbeitern bei Verwendung höchstwertigen deutschen Qualitätsmaterials so hohen Wert zu so kleinen Preisen bieten. Wer seinen Vorteil zu wahren weiß, fährt Opel. 2. Zur Vollendung fortentwickelte Konstruktionen, millionenfach bewährt, immer wieder erprobt, ohne jedes Risiko für den Käufer! Die Fahreigenschaften der Opel- Wagen sind unübertroffen und bieten ein Höchstmaß an Sicherheit. Wer sich die weltweiten Erfahrungen verantwortungsbewußter Konstrukteure sichern will, wer einen unbedingt zuverlässigen, fortschrittlichen Wagen fahren will, fährt Opel. 3. Geräumigere Karosserien, neue rassige Formen, fliessende Linien. In den mit kultiviertem Geschmack und großem Komfort ausgestatteten 1933 er Modellen findet jeder seine Bequemlichkeit. Wer Behaglichkeit schätzt und auf unaufdringlich vornehme Erscheinung Wert legt, fährt Opel. 4. Die Wahl unter 17 Personenwagen- Modellen, die sich auf drei Stärkeklassen verteilen. Wer den Wagen fahren will, den er wirklich braucht, wählt Opel. 5. Höchste Leistung bei niedrigsten Kosten. Die Konstruktion der Opel- Wagen ist eine Garantie für zeitgemäße Wirtschaftlichkeit. Wer mit ungetrübter Freude seinen Wagen fahren will, fährt Opel. 6. Opel Kundendienst überall. Vorbildlich mit modernsten, zeitsparenden Maschinen eingerichtete KundendienstStationen, mit Fach- Monteuren, die im Werk hierfür besonders ausgebildet wurden, betreuen jeden Opelwagen, wo immer er ist. Für Opel sprechen alle Erfahrungen der Praxis, für Opel spricht der Vergleich zwischen Wert und Preis. NEUE 1,2 LITER 4 ZYLINDER- MODELLE VON RM 2190.- AN NEUE 1,8 LITER 6 ZYLINDER- MODELLE VON RM 2695.- AN REGENT MODELLE. VON RM 2890.- AN Preise ab Werk. Adam Opel A. G., Rüsselsheim am Main Epochemachender Fortschritt! Opel bietet als neueste Type einen 1 Ltr. 4 Zylinder von höchster Leistung und aufsehenerregender Wirtschaftlichkeit! Als erster und einziger Qualitätswagen dieser Art kostet die schöne, geräumige, elegante LIMOUSINE nur RM ab 1990 WERK General- Vertretung EDUARD WINTER A.G Kurfürstendamm 207/8 Unter den Linden 66 J1 Bismarck 5014, 5819, 6621 A 1 Jäger 5055, 5056 Die Arbeiterbank steht fest Ueberraschend günstige Entwicklung im Krisen jähr 1932 Di« Bank der Arbeiter, Angestellten und Be- ainten 11.--®. hat der Oeffentlichkeit ihren B e- r> ch t v o» 1 9 3 2 zur Verfügung gestellt. Die Arbeiterbank zahlt ihren Aktionären, das sind die großen Verbände der freien Gewerkschaften, aus das Kapital von 12 Millionen Mark eine D i v i- dende von S Proz., ohne damit ihre lieber- schösse zu erschöpfen. Im vorigen Jahre waren sämtliche Gewinne zur Stärkung der inneren Re- serven verwandt worden. Für die meisten großen Aktien- und Privat- banken hat das Jahr 1932 eine zweimalige Stützungsaktion erfordert! im Februar durch verlorene Zuschüsse, Kredite und Aktienüber- nähme durch das Reich, am Ende des Jahres durch die Gründung der Deutschen Finanzierungs- institut A.-G. und der Tilgungskasse, um ein- getretene Verluste in späteren Jahren tilgen zu können. Die Arbeiterbank war bei keiner dieser Aktionen materiell beteiligt. Sie hat, nachdem schon im schwersten Krisenjahre 1931 durch sorgfältige Verwaltung die Kunden der Arbeiterbank ruhig schlafen konnten, im Jahre 1932. neue Beweise ihrer Gesundheit und An- ziehungskrafl geliefert. Die organisierte Arbeiterschaft hat allen Grund, aus ihr Bankinstitut stolz zu sein. Der Umfang der Geschäfte hat sich gegenüber dem Vorjahr nicht nur gehalten, son- dern noch leicht erhöht. Die Bilanzsumme stieg von 1S1,9 auf lS1,8 Millionen. Der Umsatz vermehrte sich von 3,97 auf 3,15 Milliarden Mark. Der gesamte Einlagenbestand ist von 135,1 aus 135,5 Milliarden noch gewachsen. Seit der I a h r c s m i t t e ist deni vorhergehenden kon- junkturellen Abfluß ein Z u g a n g n e u e r E i n- lagen gefolgt, der durch ein nicht unerheb- liches Neugeschäst noch erweitert wurde: ein Be- weis des der Bank entgegengebrachten Vertrauens. In der Anlage der Gelder wurde für eine noch erheblich größere Flüssigkeit und Zahlungsbereit- schast Sorge getragen. Die liquiden Konten Kasse, Bankguthaben, Schecks, Wechsel und Schatz- anweisungen sind von 49,23 aus 65,17 Millionen Mark erhöht, so daß fast die Hälfte der gesamten Einlagen sofort griffbereit ist. Die Bankguthaben von rund 56 Mil- lionen Mark befinden sich zu 8 6 P r o z. bei öfsentlichen Banken und zu 14 Proz. bei Großbanken und ersten Privatbanken, insgesamt bei 291 Banken, so daß die denkbar größte Risiko- Verteilung auch bei der Flüssighaltung sichergestellt ist. Auch im Jahre 1932 hatte die Arbeiterbank nicht nötig, zur Erfüllung ihrer Berpflich- tungen gegenüber ihren Kunden das eigene Akzept zu verwenden. Die eigenen Wertpapiere(7,13 Mil- lionen). die Konsortialbsteiligungen(2,12 Mil- lionen) und die dauernden Beteiligungen der an- deren Banken<3L Millionen) sind in der Bilanz von 16,96 auf 13,15 Millionen verringert, in erster Linie durch Abschreibungen zum Zwecke stiller Reservenbildung. Die Bewertung ist besonders vorsichtig erfolgt. Unter den Beteiligungen befindet sich der unveränderte Aktienbesitz an der hannoverschen Bodenkreditbank, die auch für 1932 wieder eine Dividende verteilen wird. Bei den Ausleihungen in laufender Rechnung (Debitoren) sind Rückzahlungen von 86,74 auf 73,49 Millionen Mark erfolgt: angesichts des starken Einfrierens von Bankforderungcn bei an- deren Instituten ein recht günstiges Verhältnis. Gerade die gewerkschaftlichen Baugenossenschaften und Bauhütten sind ihren Verpflichtungen in er- freulicher Weise nachgekommen. Bon den gewährten Krediten kommen aus össentlich-rechlliche Znstitute 41,02 gegen 39,8 Proz. im Vorjahr, aus Betriebe und Organisationen der Arbeiterschaft 42,45 gegen 52,81 Proz. im Vorjahr und aus sonstige Kreditnehmer 7,39 gegen 6,36 Proz. im Vorjahr. Durch die Entwicklung aus dem Baumarkt und die Drosselung des Wohnungsbaues durch die staatliche Gesetzgebung ist die Gewährung von Zwischenkrediten von neuem stark zurückgegangen. Es konnten 1932 nur noch rund 1999 Wohnungen finanziert werden gegen noch 2999 im Jahre 1931 und rund 19999 im Jahre 1939. Die Gewinnrechnung zeigt eine Vermehrung der Gesamteinnahmen von 3,46 aus 3,77 Millionen Mark. Das Beziehen des neuen Gebäudes am Märkischen Ufer hat die h a n d l u n g s u n k o st e n von 2,24 auf 2,47 Millionen steigen lassen: der Anteil der sachlichen Kosten ist zugleich von 43 Die Oldenburger Sozialisierung Oder die Nazis als Unruhestifter Der Schlag, den die O l d e n b u r g e r Nazi- regierung gegen die Sparkassen ge- führt hat, hat in Sparkassenkreisen höchste Be- unruhigung hervorgerufen. Selbst Blätter, die so stürmisch die Regierungsbeteiligung der Nazis ge- fordert hatten, wie die„Berliner Börsenzeitung" und die„Deutsche Allgemeine Zeitung", sind über die Heldentat der Oldenburger Naziregierung e n t- setzt und fragen besorgt, ob diese„Verstaat- lichung" der kommunalen Sparkassen nicht mit den Finanzbedürsnissen des oldenburgi- schen Staates zusammenhängt. In der Tat sind ja auch, seit die Nazis in Olden- bürg das Dritte Reich eingeführt haben, die Finanzen dieses Landes schwer bedroht und man kann es verstehe», daß die Naziregierung sich nach Melkkühen umsieht, die sie möglichst bequem abmelken kann. Schließlich sind 6 9 Millionen Mark— so hoch stellen sich ungefähr die Spar- einlagen bei den jetzt„sozialisierten" kommunalen Sparkassen Oldenburgs— für ein kleines Land kein Pappenstiel. Die andere Frage ist nun, wie sich die Sparer mit dieser höchst sonderbaren Methode der Verstaatlichung abfinden werden. Als im Sommer 1931 die Kreditkrise ausbrach, wurden vom Reich für alle kommunalen Spar- kassen strenge Anlagevorschristen er- lassen, um die Sicherheit der Spareinlagen absolut zu gewährleisten. Gleichzeitig wurde den Spar- kassen verboten, den Komniunen auch nur die kleinsten Kredite zu gewähren. Dieses Verbot ist heute sicher nicht mehr berechtigt und die sozial- demokratische Reichstagsfraktion beantragt deshalb auch seine Aushebung. Aber als dieser Antrag vor kurzem im Haus- Haltsausschuß zur Beratung stand, sprach sich der Reichsfinanzminister Krosigk-Schwerin da- gegen aus mit der Begründung, daß die Auf- Hebung dieses Verbots Beunruhigung unter die Sparer tragen würde! Die Oldenburger Raziregierung hat entschieden weniger Skrupel als der Finanzminister Hitlers. Sie verstaatlicht die Sparkassen und entzieht sie damit den Anlageoorschriften des Reichs mit dem durchsichtigen Zweck, die wankenden Staatsfmanzen zu stützen. Wir haben also jetzt folgende eigenartige Situation! Der Finanzminister der Hitler- Regierung lehnt die Kreditgewährung der Spar- kassen an die Kommunen— auch in dem engen Rahmen, den die Anlagevorschristen des Reiches offen lasten— ab. weil sie Beunruhigung unter den Sparern schaffen würde. Aber die Oldenburger Naziregierung raubt die Sparkassen den Kom- munen, um sie schrankenlos dem Kredit dieses kleinen Ländchens dienstbar zu machen, daß ja auch nicht mehr Einwohner und Steuerkraft hat als eine größere Kommune. Die Hitler-Regierung hat ihre Verordnung gegen die Presse vor allem damit begründet daß b e u n- ruhigende Gerüchte verbreitet wurden. Es gibt aber viel Schlimmeres als die Verbreitung beunruhigender Gerüchte: die Vornahme beun- ruhigender Handlungen. Wir dürfen daher annehmen, daß, da die Regierung Hitler zum Unterschied von uns, keine Hemmungen gegen die Einsetzung von Kommissaren zu haben scheint, sie auch in Oldenburg durch einen Reichs- kom m issarfürdie Wiederher st ellung von Ruhe und Ordnung sorgen wird, die dort— zunr Unterschied von Preußen— durch d i e Landcsregie- rung wirklich bedroht zu fein scheint. LtoQseufzer der Unternehmerpresse Die„Deutsche Allgemeine Zeitung" jammert Stein und Bein über die Vorgänge in Oldenburg. Sie tut es aber besonders deshalb, weil sie in dem Vorgehen der oldenburgischen Naziregierung«ine Parallele zu dem von den Nationalsozialisten im Bayerischen Landtag ange- nommenen Antrag zur V e r st o a t l i ch u n g d e r Großbanken erblickt, ein Autrag, von dem sich die bayerischen Nazis nicht mehr drücken konnten, weil die bayerische Sozialdemokratie die Nazis auf ihren früher gestellten Antrag fest- nagelte. Die„DAZ." beschwört nun Hitler, doch um Gotteswillen seine Bayern und seine Olden- burqer zur Räson zu bringen. Hitler denke doch vermutlich über die sogenannte Brechung der Zinsknechtschaft recht skeptisch. Es fei notwendig, so meint die„DAZ.", daß der Reichskanzler Hitler seine überragende Autorität in der Partei einsetze, um sowohl in der bayerischen tandtagssraktion wie in Oldenburg nach dem Rechten zu sehen Wir zweifeln nicht, daß die„DAZ." Hitlers Einstellung richtig einschätzt. So greifbar der Un- iug in Oldenburg ist, so erwarte doch auch die „DAZ." von Hitler, daß er grundsätzlich nur noch das Nationale in den Vordergrund stellt und das Sozialistische aus der Firma seiner Partei mehr und mehr oerschwinden läßt, so wie es in edler Offenherzigkeit auch andere Kapstalisten- blätter schon verlangt haben. aus 52 Proz. gestiegen, während die persönlichen Unkosten entsprechend von 57 auf 48 Proz. zurück- gingen. Die an den Vo r st a n d gezahlte Gesamt- Vergütung betrug 1932 nur noch 72 999 Mark gegenüber 119 999 im Jahre vorher: der ehren- amtlich tätige Aussichtsrot, dem nur die Kosten erstattet und kleine Sitzungsgelder ge- zahlt werden, veranlaßte Kosten im Betrage von 6367,92 M. gegen 9961,62 M im Vorjahre. Als Reingewinn werden 1,99 Millionen gegen 9,58 Millionen Mark im Borjahr aus- gewiesen. Daraus werden 299 999 Mark der Spezialreserve zugeführt, weitere rund 299 999 Mark vorgetragen und 699 999 Mark für die fünf- prozcntige Dividende verwendet. Die t a t s ä ch- lichen Gewinne waren erheblich größer als die ausgewiesenen: der Mehrbetrog wurde vor- weg zur Stärkung der inneren Re- serven zurückgestellt Das laufende Zahr zeigt eine weiter a u f- wärts steigende Tendenz der Geschäfte. Die organisierte Arbeiterschaft hat mehr als je Anlaß, ihre eigene Lank zu stärken. Zeder einzelne tut das zu seinem eigenen persönlichen Vorteil, wie die Entwicklung der Bank es beweist. Er tut es aber auch gleichzeitig zur Stärkung der Schlagkraft und zur Erhöhung des Ansehens der Arbeiterschaft sowie der Gewerkschaften. Auto und Volkswirtschaft Einige Anmerkungen zur Automobilausstellung heute eröffnete die deutsche Autoindustrie ihre große Zl u s st e l l u n g, an die sie einige hoff- nungen für das weitere Geschäft knüpft. Diese Hoffnungen werden bestärkt durch die Tatsache, daß der Autoabsatz im letzten Vierteljahr 1932 endlich wieder etwas höher war als in der Vergleichszeit des Vorjahres. Aber bei niehr als 6 Millionen Zlrbeitslosen, bei fortdauernder Schrumpfungstendenz aller Einkommen eine durchgreifende Absagbelebung? Die Jahre von 1924 bis 1929 waren eine Zeit beispiellosen Ausschwungs iür die Autoindustrie. Der Gesamtwert ihrer Produktion, der 1913 etwas mehr als 299 Mil- lionen Mark betragen hotte, stieg auf fast 1199 Millionen Mark im Jahre 1928. Das war die Folge einer einmaligen Strukturwandlung, einer Motorisierungswelle, die damals die deutsche Wirtschaft(später als andere Länder) erfaßte. Freilich mußte dieser Erfolg zum Teil gegen die Autoindustrie selbst erzwungen werden. nämlich durch einen— wütend bekämpften— Abbau der A u t o z ö l l e, der zu einer ent- sprechenden Preissenkung führte. Diese Preis- fenkung ermöglichte erst die Ausbreitung des Autos in Deutschland: die löste schließlich auch das Problem der Ein- und Ausfuhr zugunsten der deutschen Industrie. Wenn in den Jahren 1925 bis 1928 die Auto- Produktion sehr viel stärker als die Produktion anderer Industrien anstieg, so war auch der Rück- schlag in der Krise um so heftiger. Wäh- rend von 1928 bis 1932 die Produktion von Ver- brauchsgütern um 25 Proz., die von Produktions- gütern um 54 Proz. zurückging, siel die Kraft- fahrzeugproduktion uni 74 Proz. Ihr Wert belief sich im Jahre 1932 nur noch auf etwa 399 Millionen Mark. Die Bedeutung des Kraftverkehrs für d i e nicht Volkswirtschaft ist damit aber erschöpft. Das konjunkturinstitut veranschlagt die Umsähe der Kraftverkehrswirlschasl für dos Zohr 1931 aus etwa 2Jä bis 2,8 Milliarden Mark. In dieser Summe sind enthalten: Absatz von Kraftfahrzeugen und Reifen mit den händlerver- diensten, Umsätze der Reparaturwerkstätten und Garagen(je 259 Millionen Mark!), Treibstoff- absatz, Löhne der Chaufseure und Kraftfohrzeug- steuer. Beschäftigt waren im Jahre 1931 vielleicht 299 999 Chauffeure und 49 999 Beifahrer, die an Löhnen rund 499 Millionen Mark bezogen. Im Kraftfahrzeugbau waren 47 999, in der Reifen- industrie 8999 Personen beschäftigt. Dazu müssen aber die Beschästigten der Autozubehör- i n d u st r i e n gerechnet werden, deren Zahl sich auf 59 999 schätzen läßt. Im Fahrzeug- und Reisenhandel und in den Reparaturbetrieben sollen 39 999 Selbständige und 69 999 Angestellte beschäftigt sein. Dazu kommen vielleicht 49 900 in der Treibstoffwirtschaft beschäftigte Personen, so daß direkt und indirekt im Jahre 1931 mehr a l s 4 5 9 9 9 9 M e n s ch e n ihr Brot in der Kraft- Verkehrswirtschaft fanden. Und die Aussichten der Autoindu- st r i c? Wenn ini Jahre 1931 in Deutschland auf 94 Einwohner, in Dänemark aber auf 39 und in Frankreich auf 25 Einwohner ein'Auto kam. so läßt das den Schluß zu, daß mit einer weiteren Verbreitung des Autos in Deutschland durchaus zu rechnen ist. Aber daß das bald geschieht, er- scheint ausgeschlossen. Von der Nachsrageseite ist bei sinkenden Einkommen keine Belebung zu erwarten. Bleibt die Angebotsseite. Von größter Wirkung könnte eine Senkung der chal- tungskostc» sein, die bei einem Kleinwagen sogar höher als die Ausgaben für Zinsen und Amortisation des Kapitals sind. Daß Steuern und Zölle irgendwie nennenswert gesenkt werden. ist bei der heutigen Finanznot ausgeschlossen. Eine Beseitigung der unsinnigen und nutzlosen Sprit- abgäbe ist von dieser Regierung nicht zu' erwarten. Die Autoindustrie wird auf der Ausstellung eine Reihe billiger steuer- und sührerscheinfreier Kleinwagen zeigen. Aber wie zu so vielen Maßnahmen der deutschen Autoindustrie kann man auch hierzu nur sagen:„Zu spät!" Das„Volksauto" hätte schon v o r I a h r e n, als die Facharbeiter noch soviel verdienten, daß sie Motorräder kaufen konnten, herauskommen müssen Heute sind die Schichten, für die solche Kleinwagen(dreirädrige) hauptsächlich geeignet sind, nicht in der Lage zu kaufen. Im ganzen muß man also die Aussichten der Autoindustrie recht skeptisch beurteilen. i£oI!eebo aus Dänemark Stürmische Entrüstung in der gesamten Presse Die neuen Zollmaßnahmen Hilgenbergs haben in der dänischen Presse allgemeine Entrüstung ausgelöst. Mehrfach wird daraus hingewiesen, daß Deutschlands Handelspolitik auf einen Han- d e l s k r i e g nicht nur mit Dänemark, sondern mit Skandinavien überhaupt hinsteuere. Die deutsche Exportindustrie hätte für diese Art von Handelspolitik zu büßen, denn womit. so fragt das große Kopenhagener Blatt„Dagens Nyheter", solle Dänemark die Devisen für die Bezahlung deutscher Exporte aufbrmgen? Die neuen Zölle, so erklärt„P o l i t i k e n", drosseln Dänemarks Vieh- und Fettausfuhr um 26 Millionen Kronen, die Dänemark bisher zu Einkäufen in Deutschland zur Verfügung hatte. Nach diesem Vorgeschmack, den man aus dem Echo der dänischen Presse erhalten Hot, ist ohne weiteres anzunehmen, daß die erste Tat Hugenbergscher Wirtschaftspolitik in Holland und den skandina- vischen Ländern um nichts freundlicher aufgenom- men wird. Nur so weiter! Daten zur Konjunktur Die Lage im Ruhrbezirk Die Abteilung„Westen" des Konjunkturinstituts veröffentlicht über die Lage des rheinisch- westfälischen Jndustriebezirks am Jahresende einen reichlich optimistischen Bericht. Man muß allerdings beachten, daß diese Abtei- lung der Leitung des Berliner Instituts(Prof. Wagemann) nicht untersteht und von der In- dustrie des Ruhrbezirks finanizert wird. Von August bis November ist die P r o d u k- t i o n in diesem Bezirk um 12 Proz. gestiegen. Für den Rückschlag im Dezember werden keine genauen Angaben gemacht. Obwohl sich die Ge- samt.zahl der Arbeitsuchenden von August bis November von 1,97 aus 1,94 Millionen ermäßigte. sind die Einzelhandelsumsätze noch weiter gesunken. Die Belebung hatte ihren Hauptgrund darin. daß die Produktion unter den lausenden Bedarf gesunken war. Daneben waren Sonder» Ursachen wirksam. Russen- und Reichsbahn- auftrüge, Auswirkungen des Arbeitsbeschaffungs- Programms. Rückschlag in der Schwerindustrie Daß der oben angeführte Konjunkturbericht die Lage des Ruhrbezirks tatsächlich zu günstig dar- stellt, wird in der Zeitschrift„Stahl und Eise n" bestätigt. Im Laufe des Januar war zunächst eine Geschästsbelebung festzustellen: aber in der zweiten Hälfte des Monats trat ein dem- licher Rückschlag ein. Als einzig erfreullches Ereignis ist die Erteilung eines Russenauftrages über 79 999 Tonnen Stahlröhren zu verzeichnen. Ronsumgenossenschaftliche Preise Die Ermittlungen des Zentraloerbandes deutscher Konsumvereine über die Preise von 23 Be» darssgütern in 33 Städten ergaben für den 21. Dezember 1932 folgendes Bild: Preis bei den Konsumgenossenschaften 21,36 M.. Preis im gesamten Einzelhandel nach den Ermittlungen des Statistischen Reichsamts 22,47 M.; die Konsumgenossenschaften waren also um 1,11 M. billiger. Gegenüber dem Vormonat ist eine Ermäßigung der Preise um rund 39 Pf. eingetreten. Eine Schweinezwischenzählung hat der Reichs» ernährungsminister im Einvernehmen mit den Ländern zum 3. März angeordnet. Märtyrer Indonesiens Schmalz verteuert Die Niederwerfung der Meuterei Eigener Bericht des Vorwärts" Amsterdam, 10. Februar. Das fozialdemokratische Het Bolk" schreibt, man habe dadurch, daß den Marinebehörden in Indonesien zur Unterdrückung der Meuterei auf „ Sieben Provinzen" freie hand gelassen wurde, der indonesischen Unabhängigkeitsbewegung ihre Märtyrer geschenkt. Die Befreiung der Unterdrückten von Indonesien sei durch diese Meuterei vielleicht um ein Jahrzehnt ihrer Verwirklichung nähergerüdt. Kriegsgericht in Batavia Abtransport der Bombenopfer Batavia, 10. Februar. Der Torpedobootsjäger ,, Piet Hein" ist hier als erstes der Kriegsschiffe von der Strafexpedition gegen die Sieben Provinzen" eingetroffen. An Bord ist u. a. der einzige Offizier, der bei dem bau zu mehr als 90 Pro 3. fertiggestellt ist, für dessen endgültige Erledigung aber nach den neuen Grundsägen der Gelderverteilung Peine Mittel zur Verfügung gestellt werden. Dabei wäre gerade die Fertigstellung des Universitätsneubaues durchaus wirtschaftlich, da die alte Universität zur Zeit noch in 18 Gebäuden unterge bracht ist. Bleichzeitig veröffentlicht das Blatt eine Zuschrift von fommunaler Seite, in der festgestellt wird, daß von dem 500- Millionen- Programm Gerefes höch= stens 200 Millionen für die Arbeitsbeschaffung, an der die Städte teilnehmen, übrig bleiben. In diese fleine Summe müssen sich aber Reich, Staat, Kommunen und gemischtwirtschaftliche Unternehmen teilen. In der Zuschrift wird des weiteren am Beispiel der Stadt Köln nachgewiesen, daß auch der allerbringendste Bau- und Erneuerungsbedarf der großen Kommunen nur zu einem ver. schwindenden Bruchteil berücksichtigt werden kann. Das sind schöne Aussichten! Bombenabwurf auf das Meutererschiff verwundet Monarchie in 10 Jahren wurde. Die übrigen Offiziere, die auf dem Schiff waren, sind nicht zu Schaden gekommen. Nach dem Einschlag des Volltreffers auf der Sieben Provinzen" traf dort der funkentelegraphische Befehl des Kommandanten der Regierungsflotte ein, daß die Meuterer unverzüglich ohne Waffen in die Boote zu gehen hätten. Die Meuterer, die stark unter dem Eindruck des Bombeneinschlages standen, fügten sich sofort diesem Befehl. Nach ihrer Gefangennahme wurden die Rädelsführer von den übrigen Mannschaften getrennt und unter besonders strenger Bewachung gestellt. Mehrere Schiffe setzten Marineabteilungen mit Sanitätspersonal bei der Sieben Provinzen" ab, worauf den Verwundeten erste Hilfe zuteil wurde. 11 Auf dem Meutererschiff waren 16 Offiziere, 9 europäische Unteroffiziere, 3 eingeborene Unteroffiziere, 44 europäische Rorporale und Mann schaften sowie 184 eingeborene Korporale und Mannschaften. Von ihnen dürften sich nur die Offiziere und die europäischen Unteroffiziere gefchloffen der Meuterei widerjeht haben. In der Stadt sowie im Borhafen Tandjong Triot find alle Polizeimachen verstärkt, größere Patrouillen der Militärpolizei bewachen alle militärischen Gebäude scharf. Den Marineangehörigen ist untersagt worden, die Stadt zu perlaffen. Der Kriegsgerichtsprozeß gegen die Meuterer wird vorbereitet. Das Totenschiff Batavia, 10. Februar. Der Torpedobootszerstörer Evertson" ist mit den Tobesopfern an der Insel Onrust ein. getroffen, wo die Beifegung erfolgt. Ein anderer Torpedobootszerstörer ist mit den Vermundeten, darunter neun Schwerverletzte, nach Tanjot Priok unterwegs. Der Kommandant enthoben Batavia, 10. Februar. Wie verlautet, wird der Kommandant der ,, Sieben Provinzen", Rapitänleutnant Eiten. boom, seines Postens enthoben werden. Ihm wird zum Vorwurf gemacht, daß er den ihm wiederholt übermittelten Warnungen wegen einer aufrührerischen Stimmung unter der Besagung seines Schiffes teine Beachtung ge= schenkt habe. Eine dieser Warnungen ging dem Kapitän fogar von dem kommandierenden Admiral der niederländisch- indischen Flotte zu. Weiße mitbeschuldigt Batavia, 10 Februar. In der Sigung des Volksraads erklärte der Oberbefehlshaber. niederländischen Seeftreitkräfte in Ostindien, daß auch Weiße sich an der Meuterei auf dem Panzerschiff ,, De Zeven Provincien" beteiligt hätten. Die Meuterer hätten die Absicht gehabt, sich zwangsweise Lebens= mittel und Brennstoff von ihnen be= gegnenden Handelsschiffen zu verschaffen, falls ihre eigenen Vorräte ausgingen. ,, Rürzer treten!" Wie die Arbeitsbeschaffung in Wirklichkeit aussieht Unter der Schlagzeile Kürzer treten" ver öffentlicht die volksparteiliche ,, Kölnische Zei tung" Einzelheiten über die beabsichtigte Keine Aussicht für Kronprinzen Zu den großen Diplomaten, die das Ausland über die Entwicklung in Deutschland beruhigen, hat sich jetzt auch als besonders berufen Graf Helldorf, seines Zeichens SA- Führer in Berlin, gesellt. Er gewährte dem Berliner Korrespondent des Pariser Petit Journal" eine Unterredung, in der es heißt: ,, Wir wollen Herr in unserem eigenen Hause sein, ohne die Einmischung irgendeiner Art, und wir wünschen, mit aller Welt in Frieden zu leben. Die Frage der Monarchie ist nicht aktuell. Der Nationalsozialismus werde weder den Er= kaiser, noch den Erfronprinzen, noch sonst einen Prinzen auf den Thron berufen. Deutschland könne sich in zehn Jahren vielleicht einmal fragen, ob Monarchie oder Diktatur besser sei." Wir finden das etwas herzlos gegen den Prinzen Aumi, der doch immer so wader mitgemacht hat UC Papen bas Salz Kifler Bas Schmalz C ZÖLLEL.x UNC SCHMALZ Das ,, Dritte Reich" aber es reicht nun nicht mehr! im Lager des Hakenkreuzes. Bauern und Arbeiter sollen vier Jahre warten, die Monarchisten zehn Jahre und die Prinzen kommen gar nicht dranwird das eine Enttäuschung geben! Die Deutsche Tageszeitung" spricht jetzt schon eine freundliche Mahnung aus, die Papen und Göring möchten doch dem Minister Neurath nicht in die Außenpolitik hineinmedern was soll sie erst zu dem jungen Grafen sagen? Schuster, bleib... Gute Wahl- im 3rat. Die Parlaments. mahl im Jrat ergab 60 Regierungs. anhänger und 28 Oppofitionelle! Wir Hochverräter! 28 sozialdemokratische Zeitungen verboten Wegen des Abbruds des Wahlaufrufs des Parteivorstands der Sozialdemokra tischen Partei Deutschlands sind 28 unserer Parteizeitungen verboten worden, 25 davon auf drei Tage, drei- in NaziThüringen auf 7, 10 und 14 Tage! Berboten wurden: Borwärts- Berlin, Das Volk- Jena, VolksblattSaalfeld, Oftthüringer Tribüne- Gera, Ostthüringer Volkszeitung- Altenburg, Volkswacht- Breslau, Oberpost- Guhrau, Volkszeitung- Brieg, VolksfreundTrebnik, Oberschlesischer Volksbote- Oppeln, Schlesische Bergwacht- Waldenburg, Volkszeitung- Hirschberg, Neue Volksstimme- Neurode, VolkszeitungStriegau, Der Proletarier aus dem EulengebirgeLangenbielau, Eisenacher Volkszeitung- Eisenacy, Werra- Wacht- Meiningen, Liebensteiner BoltsblattLiebenstein, Reußische Volkszeitung- Greiz, Rheinische Warte- Koblenz, Mayener Volksblatt- Mayen, Delmenhorster Volksblatt- Delmenhorst, Mecklenburgische Volkszeitung- Rostock, Das freie WortSchwerin, Rheinische Zeitung- Köln, VolksblattRüstringen, Volksblatt- Trier, Volkszeitung- Brake. Beschlagnahmt wurden: Vorwärts- Berlin, Volkswacht- Breslau, Bolkswille- Hannover, Der Sonntag- Dresden. Hochverrat? Kein Hochverrat Das Amtsgericht Breslau hat die Beschlagnahme der„ Volkswacht" in Breslau aufgehoben und festgestellt, daß kein Hochverrat vorliege. tes und des Boltes wirken fann, oberstes Gesetz. Sie erkennt jedoch in der heutigen Zeit schwerster politischer und wirtschaftlicher Erschütterungen das Recht und auch die Pflicht der Regierung an, Bolt und Staat gegen offensichtlichen Mißbrauch der Pressefreiheit zu schützen.se bot Der Inhalt der neuen Pressenotverordnung richtet sich aber nicht nur gegen den Mißbrauch der Pressefreiheit, sondern bietet auch die Handhabe, die pflichtbewußte Presse bei ihrer aktiven Mitarbeit an der Ueberwindung politischer und wirtschaftlicher Nöte zu hindern. Die Reichsarbeitsgemeinschaft der deutschen Presse erwartet von der Reichsregierung vorsorgliche Maßnahmen, die verhüten, daß je nach subjektivem Ermessen Eingriffe in die Pressefreiheit vorgenommen werden, die weder in der Absicht der Staatsführung liegen tönnen, noch den wohlverstandenen Interessen des Volksganzen entsprechen. Zu einer Mitarbeit an der Abstellung von Mißbräuchen der Pressefreiheit steht die Reichsarbeitsgemeinschaft der deutschen Presse wie bisher so auch jeht der Reichsregierung zur Verfügung." Die Not der Presse Beschlagnahme! Verbot Oldenburg, 10. Februar. Auf Grund der Reichsnotverordnung zum Schutze des deutschen Volkes vom 4. Februar hat das oldenburgische Innenministerium die ,, Tageszeitung für den Amtsbezirk Friesoythes" mit sofortiger Wirkung bis zum 14. Februar einschließlich, also insgesamt auf sechs Tage, verboten. Das Verbot erfolgte wegen der Veröffentlichung des Wahlaufrufs des Landesvorstandes der olden= burgischen Zentrumspartet, und zwar insbesondere wegen gewisser Stellen, in denen das oldenburgische Innenministerium eine Verächtlichmachung des Reichskanzlers Hitler, außerdem Berbreitung unrichtiger Nachrichten entsprechend den sieht. hierzu Das Amtsgericht Hannover hat die Beschlag nahme des Bolts mille" bestätigt und ein Hochverratsverfahren gegen den verantwortlichen Redakteur Raloff eingeleitet. Eine Entscheidung des Reichsgerichts steht noch aus. Arbeitsbeschaffung in der Rheinproving, bie Nochmals Preffeprotest noch erfährt, wären auch die anderen 3endas Sofortprogramm zur Arbeitsbeschaffung in feiner ganzen Dürftigkeit enthüllen. Dem Blatt zufolge sollen aus dem Gerefe- Plan für die ganze Rheinprovinz nur 25 Millionen(!) zur Berfügung gestellt werden. Für den Regierungsbezirk Köln einschließlich der Großstadt Köln mit ihren 1½ Millionen Einwohnern sind ganze 2 Millionen Mart an Aufträgen vorgesehen. Dabei belief sich das Programm der Stadtverwaltung ursprünglich auf 24 Millionen Marf, von denen zunächst 5 Millionen Mart beantragt worden find. Zu welchen Zuständen diese Drosselung führt, zeigt der Fall der Kölner Universität, deren NeuGegen die Abschaffung der Pressefreiheit Die Reichsarbeitsgemeinschaft der deutschen Presse, gebildet von den Spizenorganisationen der Verleger und Redakteure, hat dem Reichsinnenminister folgende Entschließung gegen die Preffe verordnung der Hitler- Regierung übermittelt: Für die Reichsarbeitsgemeinschaft der deutschen Presse ist die Erhaltung der Pressefreiheit, ohne die teine Preise als verantwortungsbewußter politifcher und kultureller Faftor im Dienfte des Staatrumszeitungen Oldenburgs von dem Verbot betroffen worden, wenn nicht nach der Rechtslage die Veröffentlichung zu einem Zeitpunkt. erfolgt wäre, wo eine Anwendung der neuen Notverordnung nicht in Frage fam. Die von dem Berbot betroffene Zeitung hat den Wahlaufruf am 7. Februar, die übrigen Zeitungen dagegen bereits am 6. Februar veröffentlicht. Auf Grund der Notverordnung vom 4. Februar 1933 wurde die Nummer vom 10. Februar des tommunistischen Thüringer Bolts blatts" in Erfurt beschlagnahmt. Wachsendes Reichsdefizit Drei Milliarden Gesamtfehlbetrag in Reich, Ländern und Gemeinden Der amtliche Ausweis über den Stand der Reichsfinanzen am Jahresende zeigt ein außer ordentlich rasches Anwachsen des Fehlbetrags im Reichshaushalt. Während die Reichskasse bis Ende November erst ein Defizit von 73 Millionen hatte, ist allein im Monat Des zember ein neuer Fehlbetrag von 97 Millionen hinzugekommen. Der Gesamtfehlbetrag des Reiches ist damit bis zum Jahresende auf 1479 Millionen angeschwollen. Fast 1,5 milliarden beträgt also allein das Defizit des Reiches. Dazu kommen aber noch wie der Reichsfinanzminister fürzlich im Haushaltsausschuß des Reichstags ausführte meitere 1,5 milliarden bei Ländern und Gemeinden. Reich, Länder und Gemeinden zusammen haben also rund drei Milliarden ungedeckte Fehlbeträge nicht gerechnet das Defizit der Sozialversicherung, das eben falls mehrere hundert Millionen erreicht. Das Reich hilft sich notdürftig durch Ausgabe von Schah wechseln und Schazanwei sungen, also durch Aufnahme von furzfristigen Krediten, die schon die Summe von faft 2 Milliarden erreicht haben. Viel schlimmer aber sieht es bei den Ländern und vor allem bei den Gemeinden aus. Das Reich hat ihnen ge= waltig steigende Arbeitslosenlasten aufgebürdet und verweigert ihnen noch immer ausreichende finanzielle Unterstügung. Es will die Gemeinden auf diese Weise zur Sparsamkeit, d. h. zum Abbau der Wohlfahrtssätze, der Schulausgaben usw. zwingen. Viele Gemeinden stehen in den nächsten Wochen vor der Gefahr, teine Kohlen für ihre Schulen und Krankenhäuser mehr kaufen zu können. Andere bezahlen schon seit Monaten teine Rechnungen mehr, und die Stadtkämmerer wissen oft am Tage vor her nicht, woher sie das Geld für die Unterstützungen und Löhne nehmen sollen. Noste geht. Oberpräsident Noste tritt voraussichtlich Mitte nächster Woche einen längeren Urlaub an, der sich voraussichtlich bis zur Erreichung der Altersgrenze des Oberpräsidenten am 1. Oktober erstrecken dürfte. Noske hat ein dementsprechendes Gesuch in Berlin eingereicht. Die Geschäfte wird den Bizepräsidenten Dr. Lehmann abgeben. Ob für die Zwischenzeit ein fommissarischer Oberpräsident ernannt werden wird, steht noch nicht fest. er an Demonstrationsverbot für die KPD. in Lippe. Die nationalsozialistische neue Landesregierung hat am Freitagvormittag eine Verordnung er lassen, wonach Demonstrationszüge und öffent< liche Versammlungen der Kommunistischen Partei unter freiem Himmel mit sofortiger Wirkung ver boten sind. Wehrpflicht in China. Der politische Zentral. rat in Schanghai hat sich grundsäglich für die militärische Ausbildung aller Staatsbürger ausgesprochen. Alle jungen Leute zwischen 20 und 30 Jahren sollen für drei Jahre unter die Fahnen berufen werden. Jagd hinter Schriften. Ein von Hanau fommender Schnellastwagen, der mehrere tausend fommunistische 3erfegungsschriften nach Frankfurt bringen sollte, ist gestern gestellt worden. Schon auf der Fahrt murde vielfach) versucht, den Wagen anzuhalten, was aber nicht gelang, obwohl er auch beschossen wurde. Die beiden Begleiter des Wagens find entkommen; auch der Fahrer versuchte die Flucht zu ergreifen, wurde aber in Frankfurt festgenommen. „Nationale" Kommunalpolitik Die BVG- hat in ihrem Betrieb große S. a- p i t a l t e n investiert, die es zu verzinsen gilt. Nicht unerhebliche Summen stecken in den eigenen W e r k st ä t t e n, die mit ihren modernen Maschinen und qualifizierten Facharbeitern jeden Wettbewerb mit gleichartigen Betrieben der Prioatindustne aushalten. Aber was erlebte man in den letzten Wochen? Von der„narional" gesinnten Direktion der Berliner Verkehrs-A.-G- werden die eigenen Betriebe systematisch zur Strecke gebracht. Die bisher in eigener Regie ausgesührten Arbeiten werden mehr und mehr der privat- industrie zugeschanzt. Wie das gemocht wird, dafür nur einige Beispiele. Der von der BVG. aus Prioathand übernommene Weichenbaubetrieb Grengel in Wittenau liegt seit dem Berkehrsstreik völlig st i II. Mehr als 80 Mann, die dort beschäftigt waren, g e h e n j e tz t st e m p e l n. Die Arbeite» werden seit der Stillegung von der privaten Elektrofirma Thermit ausgeführt. In der H a u p t w e r k st a t t des Omni« busbstriebes in Treptow, die einen hoch- modernen Maschinenpark hat, wurden in eigener Regie drei Stahlkarosserien hergestellt und in der Konstruktion solange verbessert, bis sie den höchsten Anforderungen genügten. Zeht, wo man mit der lausenden fjerstellung der Stahlkarosserien beginnen könnte, wird die Anfertigung von etwa 60 Stahlkarosserien einer privaten Firma übertragen. Ein großer Teil der Facharbeiter in der Direktoren der BVG. gegen BVG. .Hauptwerkstatt des Omnibusbetriebes ist in die Gruppe der angelernten Arbeiter versetzt und damit auch in eine niedrigere Lohn- g r u p p e übergeführt worden. Im U-Bahn-Betrieb hat man die Arbeiten, die auf den Bahnhöfen außerhalb der Sperren liegen, an private Handwerks- meifter(Malermeister, Schloffermeister, Tischler- meister usw,) vergeben. Früher wurden sie von den eigenen Handwerkern ausgeführt. Die Folge davon ist, daß drei Vorhandwerker zu Hand- werkern und 15 Handwerker zu Angelernten ge- macht und geringer entlohnt wurden. Man trägt sich weiter mit dem Gedanken, die Reinigungsarbeiten an den Eingängen der U-Bahnhöfe Privatunternehmern zu übertragen, weil diese Frauen beschäftigen und deswegen die Arbeiten billiger als die BVG. aus- führen können. Die Männer können dann zu Hause kochen— und stempeln gehen. In der ho u pt w e r k st ä tt e der U-Bahn in Grunewald fängt man bereits zu sparen an, und zwar auf Kosten der Betriebssicherheit. Man hat bei der Aufsichtsbehörde erwirkt, daß die Wagen nur noch nach 150 000 Fahrkilometern einer Hauptrevision unterzogen werden brauchen, während die Höchstgrenze bis jetzt bei 75 000 Kilo- meiern lag. Die Folge ist natürlich ebenfalls ein Rückgang der Belegschaft und die teilweife Brach- legang des Maschinenparks. Außerdem übergibt man auch hier noch Arbeiten der Privatindustrie. Die„nationalen" Herren in der Direktion der BVG. stellen offenbar ihre Parteipolitik über die Interessen, die ihnen anvertraut sind. Der ver- antwortliche technische Direktor h o n r o t h hat sich u. a. den Ausspruch geleistet: „Regiebetriebe haben politisch wie wirtschaftlich keine Existenzberechtigung." Die Stadt kann zahlen: Die hohen Direktoren- gehälter, gegen die mir dann etwas einzuwenden ist, wenn ein Sozialdemokrat sie bezieht: die Wohlfahrtsunterstützung der entlassenen Arbeiter; schließlich die Verzinsung des Kapitals der tech- nischen Einrichtungen, die man zum Schrotthausen entwertet.„Nationale" Kommunalpolitik! Auch darüber werden die Wähler lZ. März entscheiden. am In einer Versammlung des technischen und Ver- kehrspersonals der BVG. wurde zu diesem Skan- dal Stellung genommen und in einer e i n st i m- m i g angenommenen Entschließung dagegen pro- testiert. In der Entschließung heißt es u. a.: „Die Einwände der Betriebsleitung, daß die zu verrichtenden Arbeiten durch höhere Löhne und Soziallasten wesentlich höhere Betriebskosten ver- Ursachen, sind unzutreffend. Notwendig ist eine Verringerung der viel zu hohen Ver- w a l t u r» g s k o st e n, die bei der Kalkulation die tatsächlichen Produktionskosten der BBG- Eigenbetriebe wesentlich erhöhen. Die Versam- melten können sich dem Eindruck nicht verschließen, daß innerhalb des Perwaltungskörpers der BVG. Interessenten am Werk« sind, die dahin arbeiten, die bei gesunder Kalkulation durchaus wirtschaftlich arbeitenden Eigenbetriebc der BVG. dem Privatkapitalismus auszu- l i e f e r n." Sitzler über Seldte Ein vorsichtiges Lob Auf einer Kundgebung des Gewerkschaftsrings sprach Ministerialdirektor Dr. S i tz l e r über dos Arbeitsrecht im Jahre 1S3Z. Am Schluß seiner Ausführungen trat er auch für seinen neuen Herrn ein, Herrn Fabrikanten, Stahlhelmführer und Reichsarbeitsminister Seldte. Die Telegraphen- Union berichtet darüber: „\Jum Schluß nahm Dr. Sitzler noch kurz zu den Gerüchten Stellung, daß Arbeitsrecht und T a r i f r e ch t durch die gegenwärtige Regie- rung bedroht seien. Er sührte dabei aus, daß er keinen Grund zu übertriebenen Besorg- nissen sehe. Sozialpolitik und Arbeitsrecht könn- ten in Deutschland nicht untergehen. Der neue Reichsarbeitsminister habe weitgehendes Verständnis für die berechtigten Wün- s ch e und Bestrebungen der Arbeitnehmer. Nichts liege ihm ferner, als die Zerstörung des Tarisgedankens." Herr Seldte will also den„Tarifgedanken" nicht zerstören. Zumal Gedanken sich überhaupt nicht zerstören lassen. Wie aber steht es mit dem T a r i f r e ch t? Und wie steht es mit der Abtrennung der Tarif- abteilung vom Reichsarbeitsministenum? Und was sind„berechtigte Wünsche" und„übertriebene Be- sorgnisse"? Auf diese Fragen hat Herr Sitzler nicht geant- wartet. Er hat sich daraus beschränkt, Seldte zu loben. Allerdings nur sehr vorsichtig. Und auch dies war sehr vorsichtig. vierzehn Tage vor dem Ablauf der Tarifverträge liegt, michin für die Unternehmer die Möglichkeit bestand, bei einem Scheitern der Verhandlungen noch den Schlichtungsapparat in Bewegung zu setzen, haben sie die Zeit nicht abwarten können und gegen alle Gepflogenheiten beim Schlichtungs- ausschuß die Einlei'ung eines Verfahrens erwirkt, ohne vorher den gering st en Ver- st ä n d i g u n g s o e r s u ch zu machen. Im übrigen haben damit die Unternehmer zu erkennen gegeben, worauf sie hinauswollen. Sie halten sich selbst offenbar für sehr schlau und die Arbeiter für sehr dumm. Wie immer der Schlichtungsaus- fchuß entscheiden mag, wenn er den unverschämten Forderungen der Unternehmer auch nur im geringsten entgegenkommen sollte, so könnten die Unternehmer sehr leicht große Enttäuschungen er- leben. Verdächtige Eile Im Möbeltransportgewerbe Im Tarifstreit zwischen dem G e s a m i v e r- band und den Organisationen der Berliner Möbelspediteure hat der Schlichtungsaus- fchuß auf Antrag der Unternehmer die Parteien für Montag vormittag zur Verhandlungen ge- laden. Der Tarifstreit ist, wie im„Vorwärts" mitge- teilt, von den Unternehmern heraufbeschworen worden, die den Lohn- und Manteliaris der Möbeltransportarbeiter zum 28. Februar ge- kündigt haben. Die Unternehmer oerlangen einen Abbau der seit ihrem Höchststand schon um 33(4 Proz. gekürzten Löhne um abermals 32 bis 40 Proz. sowie erhebliche Verschlechte- rungen des Manteliarifs. So soll in Zukunft z. B. kein bezahlter Urlaub mehr gewährt und für Transporte von Geldschränken. Flügeln und ahn- Uchen besonders schweren Gegenständen kein Sonderzuschlag mehr gezahlt werden. Von den Unternehmern wird durch die ihnen nahestehende Presse die Behauptung verbreitet, der Gesamtverband habe die direkten Tarifver- Handlungen nerschlepPt, um so an den Um- zugstermin heranzukommen und die Unternehmer dann unter Druck setzen zu können. Diese Behauptung ist eine grobe Irreführung der Oeffentlichkeit Der Gesamtverband hat den Möbelspediteuren für Mitte Februar direkte Ver- Handlungen angeboten Obwohl dieser Termin Der AHB. ist zufrieden Und seine Mitglieder? Jin„Deutschen", dessen hervorragendster Geld- geber er ist, bemüht sich der Vorstand des Deutsch- nationalen Handlungsgehilfenoerbandes, seine re- bellierenden Mitglieder zu beruhigen. Er macht dos so: Zunächst zitiert er zwei getrennte Sätze unseres Kommentars, als stünden sie nebenein- ander. Dann zitiert er den„Tag" Hugenbergs und bemerkt dazu,„daß der Deutschnationale Handlungsgehilfenverband" mit der Wirkung dieses gegen seinenWillen oerösfent- lichten Schreibens durchaus zufrieden sein kann." Kann er das?— Und wie steht es mit der Zufriedenheit seiner Mitglieder? Wir behaupten nicht, der Vorstand des DHV. hat feine Mitglieder an Hitler verkauft. Er hat sie.gratis geliefert. Die Frage ist nur, ob die Mitglieder des DHV. sich damit abfinden werden. Wir werden bald sehen, ob der Vorstand des DHV. noch lange mit der Wirkung seines Schrei- bens zufrieden sein wird. Ivv-Stunden-Woche! Eine Unternehmer»,, Idee" Der Reichsverband für das Deutsche Kraftdroschkenwesen hat sich mit einer Eingabe an das Reichsverkehrsministerium ge- wandt und darin verlangt, daß die Bestimmungen über die maximale l2-Stunden-Schicht aus den örtlichen Droschkenordnungen ver- schwinden sollen. Das RVM. soll die Polizei- Verwaltungen veranlassen,„daß dem Fahrer einer Kroftdroichke nachgelassen wird, länger als zwölf Stunden in Verkehr zu bleiben". Dieser Wunsch des Reichsverbondes wird be- gründet mit der Notlage, in der sich das Kraft- droschkengewerbe zur Zeit befinde. Die Benutzung von Kraftdroschken sei durchschnittlich auf 40 Proz. der Vorjahre gesunken, die tägliche Einnahme einer Kraftdroschke belaufe sich auf 3 bis 5 M., der aktive Fahrdienst einer Kraftdroschke betrage im Durchschnitt nur eine Zeit von höchstens drei Stunden. Heber die Richtigkeit dieser Angaben wollen wir hier nicht streits», obwohl es leicht wäre, den Be- weis dafür zu erbringen, daß der Reichsverband die u n g ü n st i g st e n Verhältnisse, die er viel- leicht vorgefunden hat, einfach auf das ganze Reich übertrug. Aber die Begründung der Eingabe enthält das wirksamste Material gegen ihre Verwirklichung. Wenn die Benutzung der Kroftvroschken auf 40 Proz. der Vorjahre gesunken ist, so kann sie bestimmt nicht dadurch wieder erhöht werden, indem man an Stelle der 12-Stunden-Schicht etwa eine 15- bis 16-Stunlten-Lchicht setzt. Dann vermehren sich höchstens die Wartezeiten. der Leerlauf und andere Dinge, die das Unkostenkonto erhöhen. Auf diesem Wege kann dem notleidenden Kraftdroschkenge- werbe bestimmt nicht geholfen werden. Würde dem Ersuchen der Unternehmer stattge- geben, dann verlängerie sich die 12stündige Schicht von Zehniausenden von Krastdroschkenführern um mehrere Stunde», ohne daß, im Wochendurch- schnitt berechnet, auch nur ein Groschen Mehr- einnähme zu erzielen sein würde. Dagegen würden jedoch einige tausend Fahrer mehr arbeitslos werden. In Genf beschloß man durch Verkürzung der Arbeitszeit die Krise zu bekämpfen. Der Reichsverband für das Deutsche Kraftdroschken- gewerbe will statt der in Genf vorgeschlagenen 40-Stunden-Woche die ISO-Slunden-Moche ein- führen Das würde, in die Praxis übersetzt, be- deuten, daß die Kraftdroschkensührer sich nicht mehr zu Hause ausschlafen könnten, sondern das auf der Straße, im Verkehr, tun müßten. Das würde die Gefahren des öffentlichen Verkehrs ungeheuer oermehren. FAD. nimmt Arbeit Dem Deutschen Landarbeiterverband ist dieser Tage ein sehr bemerkenswerter Bericht eines Gruppenführers im Arbeitsdienst bei der Stadt Berlin zugegangen. Die in dem Bericht mit- geteilten Vorgange spielen in L a n k e bei Bernau, wo Wiesenmeliorationen durchgeführt werden. Träger der Arbeit ist die Berliner S t a d t g ü t e r- G. m. b. H. Der Gewährsmann des Deutschen Landarbeiterverbandes schreibt unter anderem: „Seit zwei Tagen herrscht Frost. Kartoffel- mieten sind einzudecken. Acht Frauen, die in Akkord bezahlt werden, sind für diese Arbeit eingestellt. 30 Arbeitsdienst- willige sind dazugekommen. Eine Land- arbeiterin arbeitet soviel, wie zweieinhalb Arbeits- willige. Die Arbeitsleistung durch den Freiwilligen Arbeitsdienst hat 30 mal 1,80 M. gleich 54 M. gekostet. Bon diesem Betrag hätten 10 Landarbeiterinnen tariflich bezahlt werden können. Mit der Arbeitsleistung der Arbeitsdienst- willigen ist es überhaupt so eine eigene Sache. Die Arbeitsleistung bei Meliorationsarbeiten wird auf 70 Proz. der eines Tarifarbeiters geschätzt. Dabei wird aber gewöhnlich noch außer acht gelassen, daß 10 Proz. der Arbeitsfreiwilligen für die Arbeitsleistung nicht gerechnet werden können, da sie für die„Hauswirtschaft des Lagers" oerwendet werden. Kärioffelmieten. zudecken soll„zusätzliche" Ar- beit und durch den Notstand(Frostwetter) be- gründet sein. Herrlicher Notstand in einem Dorfe wie Lonke, das zum größten Teil Erwerbs- lose beherbergt! Futter abladen, Hühnerställe säubern, beim Dreschen helfen und den Hos säubern sind niemals zusätzliche Arbeiten. Erst recht nicht, wenn man erfährt, daß vor der An- kunst der Arbeitswilligen zwei Gutsarbeiter(nicht Saisonarbeiter) entlassen wurden." Soweit der Bericht. Die Auswüchse des Frei- willigen Arbeitsdienstes müssen beseitigt werden. Noch entschiedener als bisher muß darauf geachtet werden, daß er zu keiner Bedrohung von Arbeiter- existenzen führt. Erfolgreiche Gewerkschaftsarbeit bleuer IQimmereiarbeitertarik für 16 000 StreU bei Ford Zum zeitenmal binnen 14 Tagen hat Amerika einen großen Automobil streik. Am Diens- tag traten in der Fabrik Hudfon-Motor Co. in Detroit 3000 Arbeiter, die ausschließlich' Fahrzeuggestelle herstellen, in den Streik. Da- durch wurden in der gleichen Fabrik weitere 3000 Mann, die Motoren und die übrigen Auto- mobilteile anfertigen, zum Feiern gezwungen. Die Ausständigen oerlangen Lohnerhöhungen von 20 bis 30 Proz., den A ch t st u li d e n- arbeitstag, die Fünftagearbeits- wache und bessere Arbeitsbedingungen. Die Werksleitung erklärt, der Ausstand gehe auf die gleichen kommunistischen Anstifter zurück, die kürz- lich alle Ford-Fabriken zum Stillstand brachten. Schon die Forderungen der Streikenden zeigen, daß diese Ausrede hinfällig ist. Die Krise hat dazu gesührt, daß die von Ford mit großer Re- klame gepredigten Grundsätze hoher Löhne bei kurzer Arbeitszeit vollständig preisgegeben wurden. Die Verhandlungen über den Neuabschluß des M o n t e l t a r i s e s für die Berliner städtischen Arbeiter, die sagenannten Kömmereiarbeiier, sind nach mehrmonatiger Dauer zum Abschluß gekommen. Die Verhandlungen wurden bereits im September aufgenommen, nach- dem der Reichstarif für die städtischen Arbeiter abgeschlossen war. Der Bezirkstaris für die Ber- liner Kämmereiarbeiter übernimmt zum größten Teil die Bestimmungen des Reichstarisverirages und weicht nur in einigen Punkten aus bezirks- wirtschaftlichen Gründen von ihm ab. Der Abschluß des Bezirkstarifes für die Berliner Kämmereiarbeiter hat noch nie so große Schwierig- leiten gemacht wie diesmal. Pom Kommunal- arbeitgeberverband Berlin war die Herausnahme des Haus- und Kächenpersonals der städtischen Anstalten, der Reinigungsfrauen in allen ftädti- scheu Betrieben, des Personals der Bedürfnis- anstalten und der Hafenbahnbeiriebe gefordert worden. Für diese Gruppen verlangte der Magistrat S o n d e r v e r t r ä g e, die z. B. für das Haus- und Küchenpersonal der Kranken- anstalten einen gewaltigen Schritt zurück zur Gesindeordnung bedeutet hätten. t In den Parteiverhandlungen gelang es dem Gesamtverband, alle diese Forderungen zu Fall zu bringen mit Ausnahme der Forderung des Magistrats auf Abschluß eines Sondertarifes für das Haus- und Küchenpersonal der Kranken- anstalten. Ein Streit über die Bezahlung der Wochenseiertage konnte durch die Partei- Verhandlungen ebenfalls nicht beigelegt werden. Diese beiden Streitfragen wurden der tariflichen Schiedsstelle unterbreitet, die sie in einem Schieds- spruch zugunsten der Arbeiter entschied. Die vom kommunalen Arbeitgeberverband Berlin gegen den Schiedsspruch eingelegte Berufung wurde von der Reichsschiedsstelle verworfen. Als der Magistrat trotzdem den Spruch nicht an- erkennne wollte, erwirkte der Gesamtverband dessen Verbindlichkeitserklärung. Der neue Tarif, der für rund 16 0 00 Arbeiter und Arbeite- rinnen gilt, kann erstmalig zum 31. Dezember 1033 gekündigt werden. Dieser Tarifabschluß ist ein Beweis dafür, daß nur die freien Gewerkschaften in der Loge find, wirksam die Interessen der Arbeiterschaft zu vertreten. Vom Gesamtverband ist dieser Er- folg in monatelanger, mühevoller, aber zielklarer Arbeit erreicht worden. Die Ortsverwaltung und die Sektionsleitung der Kämmereiarbeiter machen darob nicht halb soviel Geschrei wie die RGO. bei der geringsten Aktion, auch wenn dabei nichts herausgekommen ist. Die Kämmereiarbeiter, auch die kommunistisch gesinnten, wissen auch ohne Ge- schrei den Erfolg ihrer Organisations- und Sektionsleitung zu schätzen. Hierzu 2 Beilagen Der„üonBttcts" eNchcinl wochenlijglich zweimal. Sannlag, and Montags ernmal. Illustrierte Sonntagsbeilage..Volk und Zeit", i Bezugsprelte: Wochen! Nch Üt PI., monatlich it.e.'i M(bnoon 87 Pt monatlich tüi Zustellung ins Saual im voraus zahlbar. Postbezug 3.S)7 M einschließlich 60 Pf. Postzeilung. und 72 Pf. Postbestellgebllhren. 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