Abend- Ausgabe Nr. 72 B 34 50. Jahrg. Rebattion und Berlag, Berlin SW 68, Lindenstr. 3 Fernsprecher 7 Amt Dönhoff 292 bts 297 Telegrammabresses Sozialdemokrat Berlin SONNABEND 11. Februar 1933 Vorwärts= BERLINER VOLKSBLATT Jn Groß Berlin 10 Pf. Auswärts..... 10 Pf. Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise fiehe Morgenausgabe Bentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands 12= 0 Programm ohne Inhalt Als Wirkung der gestrigen Reichskanzlerrede im Rundfunk ist bestenfalls bei den politischen Anhängern der Regierung jener ,, sinnlose Taumel" festzustellen, für dessen Erzeugung Herr Joseph Goebbels Spezialist ist. Jeder ernsthafte Mensch, ganz gleich welcher Richtung, der gehofft hatte, etwas über die positiven Ziele der Regierung zu erfahren, mußte tief enttäuscht sein. Es war noch weniger als in der ersten Rundfunkrede. Zwar hat der Reichskanzler Hitler zwölf Punkte aufgestellt, aber diese 12 Punkte ermangeln jeden sachlichen Inhalts. Programmpunkte wie ,, wir wollen nicht lügen, wir wollen nicht schwindeln" sollten eigent lich eine Selbstverständlichkeit sein. Programmpunkt Nr. 2: Ich will Ihnen nicht versprechen, daß die Wiederauferstehung unseres Volkes von selbst tommt." Eine reine Verneinung, das hätte jede andere Regierung wohl auch sagen fönnen. Ebenso Punkt 3: ,, Glaube niemand an fremde Hilfe". Karl Marr hat das viel flarer gesagt: Die Befreiung der arbeitenden Klassen fann nur ein Werk der arbeitenden Klassen selber sein." Dann tommt ein vierter Punkt:„ Wir wollen den Aufbau dieses Volkes vornehmen nicht nach blassen Theorien, die irgendein fremdes Gehirn ersinnt, sondern nach den ewigen Gefeßen." Verzeihung, Herr Reichskanzler, und wer stellt die ewigen Geseze aus der Geschichte fest, wenn nicht der - Theoretiker?! am Weiter geht es in ähnlichen Abstraktionen: ,, Erhaltung dieses Volkes und dieses Bodens... Der deutsche Bauer als Grundpfeiler jedes völkischen Lebens... Wert der Einzelpersönlichkeit usw. usw. Das alles sind nach unserer Auffassung alles blasfeste Theorien! Darüber kann man Tische endlos diskutieren. Die einzige Frage, die zu stellen ist, nämlich die Frage: ,, Was foll praktisch geschehen?"- auf die erfolgte auch nicht die Andeutung einer Antwort. Nur noch einmal zum Schluß die flehendliche Bitte: Deutsches Bolt, gib uns vier Jahre Zeit." Aus dieser Rede gewinnt man den Eindruck eines Mannes, dessen Gedanken weit vom Handeln liegen. Man gewinnt den Eindruck einer Verlegenheit, die den Mangel eines wirklichen Programms durch Worte ersetzt. Die 12 Punkte entpuppten sich als reine Rhetorik. Kein Wort fiel von dem, was die Massen wirklich interessiert hätte; über die Beseitigung der Arbeitslosigkeit, die Inangriffnahme von Arbeiten und Reformen. Statt dessen wiederholt die Versicherung: ,, Ich habe sofortige Besserung und Hilfe ja nie versprochen." Was flang uns nur im Ohr. Kein Wort über die Erhöhung der Fleisch, Speck und Schmalzzölle, keine Begründung oder Rechtfertigung. Wen wundert es? Hat doch Hitlers Moniteur, der Bölkische Beobachter" die Tatsache dieser Zollerhöhung seinen Berliner Lesern nicht gemeldet! Die bedeutungsvolle Rede des gestrigen Tages hielt nicht der Reichskanzler, sondern der deutschnationale frischgebackene Staatssekretär Bang, der vor dem deutsch= nationalen Industriellenaus schuß flipp und flar erklärte: „ Es wird nicht experimentiert werden. Auf teinem Gebiete! Zwangsmäßige Schuldenftreichungen machen niemand reicher. Wer der Regierung unterstellt, sie wolle Zinsen und Renten rauben, der lügt." Weiß man nun, warum der Reichskanzler Hitler nur so ganz allgemein sprach?! Die Katastrophe von Neunkirchen Bisher 55 Tote geborgen, aber hunderte werden befürchtet Neunkirchen, 11. Februar. Bis 11 Uhr sind 55 Tote geborgen worden. Es ist anzunehmen, daß die Gesamtzahl der Toten hundert übersteigt. Die Rettungsarbeiten mußten in den Morgenstunden längere Zeit eingestellt werden, weil infolge der nachlassenden Helligkeit des Brandes ein sicheres Arbeiten bei Pechfackeln und künstlichem Licht nicht mehr möglich war. Immer noch brennt die Koksanlage und der Kondensator. Gegenwärtig werden fortgesett Tote aus den Trümmern hervorgeholt. Vor einer Stunde hat man eine ganze Familie von Vater, Mutter und zwei Kindern geborgen, ebenso eine andere Familie von fünf Personen. Eine Frau mit ihren zwei Kindern liegt tot im Hüttenlazarett. Eine Unmenge Schwerverletter, bei denen keine Rettung mehr möglich ist, ist in den umliegenden Orten untergebracht. Wie viele Personen noch unter den Trümmern liegen, weiß man noch nicht. Ursache des Unglücks im Dunkeln Ueber die Ursache und den Hergang der Erplosion läßt sich noch nichts mit Sicherheit sagen. Wie ein Wertmeister des Eisenwerts berichtet, be= fand sich 15 Meter von dem Gasometer entfernt eine Benzolverladestelle mit Tankeinrichtung. Dort soll das Benzol in Brand geraten fein. Das Feuer habe übergegriffen auf die Teerdichtung am Fuße des Gasometers. Man habe dann noch schnell versucht, das Gas aus dem Hofbehälter abzulassen, und dabei sei die große Explosion erfolgt. Die erste Explosion ereignete sich kurz vor 6 Uhr. Sämtliche Beamte des Werkes waren der Ansicht, daß es sich um eine minimale Detonation handele, die eventuell nur lokalen Charakter tragen könnte Fünf Minuten später ereignete sich die Haupterplo= sion. Die Explosion wurde zunächst im Hauptbüro des Werkes festgestellt, und zwar glaubte man daran, daß sich im Wert ein kleinerer Zwischenfall ereignet habe, mit dem man immer rechnen müßte. Jedenfalls war man der Ansicht, daß die Detonation nicht eine Katastrophe darstellte. Nach kurzer Zeit wurde von der Leitung des Werkes festgestellt, daß nicht nur die Einrichtungen der Hütte als solche zerstört waren, sondern daß darüber hinaus auch eine Explosion des Gasometers II stattgefunden hatte, und daß der Deckel dieses Gasometers fast einen Kilometer weit geschleudert worden war, und zwar bis zum Bahnhof. Mit furchtbarem Getöse sauste der Deckel des Gasometers auf die Bahnanlagen, so daß keine Züge ein- und ausfahren konnten. DieDetonation war so start, daß in den Nebeastraßen, ganz besonders in der Saarbrüder Straße, die Häuser vollkommen zerstört wurden. In den meisten Fällen wurden die Giebel und die ersten Stockwerke vollkommen eingeriffen. Bei kleineren Häusern wurden sogar die Grundstöde angegriffen. Die ganze Unterstadt meist Spuren der Detonation auf. So wurden in der Goethestraße und in der Bachstraße die Türfüllungen und die Fensterrahmen völlig zerstört. Kultusminister Becker gestorben Ganz unerwartet ist soeben der frühere preußische Kultusminister, Professor C. H. Becker im Alter von nicht ganz 57 Jahren an einer Lungenentzündung gestorben. Aus der Universitätslaufbahn hervorgegangen, wurde er während des Krieges als Vortragender Rat in die Hochschulabteilung des Kultusministe riums berufen, wo sich der außergewöhnlic tüchtige und welterfahrene Gelehrte rasch eine einflußreiche Stellung schuf. Zur vollen Auswirkung tam Beder aber erst, als er nach der Staatsumwälzung rasch in die leitenden Stellun= gen des Ministeriums einrückte: 1919 als Staatsjefretär, 1921 als Minister. In langen Jahren konnte er die seiner süd. entdeutsch demokratischen Herkunft sprechende freiheitliche Bildungspoli tif verwirklichen. Mit der neuen Lehrerbildung in den pädagogischen Akademien, die er als sein eigentlichstes Werk ansah, wird sein Name unlöslich verbunden bleiben. Aber auch das Universitätswesen sowie das höhere Schulwesen danken ihm viel. Becker, der weit über die Grenzen Deutschlands hinaus sich höchsten Ansehens erfreute als Bertreter deutschen Geisteslebens der Nachkriegszeit und als überlegener Organisator wissenschaftlicher Arbeit, hat eine seiner wichtigsten Aufgaben darin gesehen, die deutsche bürgerliche Intelligenz mit dem Weimarer Boltsstaatin Fühlung zu bringen und fie zur Mitarbeit an ihm zu veranlassen. Es war eine bittere Erfahrung seiner letzten Jahre, daß dieser Erfolg, der zur Zeit seiner ministeriellen Tätigkeit ihm bisweilen fast erreicht schien, durch die wilde Flut reaktionärer Tendenzen der Gegenwart zunächst überspült und ausgelöscht worden ist. In Becker ist einer der feinsten Köpfe der Nachfriegszeit dahingegangen. Bei aller Zurückhaltung, die wir manchen Maßnahmen und Grundsägen seiner im wahrsten Sinne bürgerlichen Bildungspolitik gegenüber zu üben hatten, werden wir ihm stets ein ehrenvolles Andenken bewahren. Ministerpräsident Braun hat der Gattin des Verstorbenen in folgendem Telegramm das Beileid der verfassungsmäßigen Staateregierung ausgesprochen: „ Mit Ihnen trauern die preußischen Staatsminister an der Bahre Ihres Mannes, dessen hellleuchtender Geist in schwersten Jahren die deutsche Kultur führend vertrat, und der als preußi scher Kultusminister fräftigen Er= neuerungsmillen mit dem Reichtum der Bildung aus deutscher Vergangenheit in seiner Person glücklich vereinigte." A Die Werksleitung ging sofort zur Absperrung über.sta Es handelt sich bei dieser Explosion um eine der größten, die je ein Werk be= troffen haben. In diesem Zusammenhang erinnert man sich der Explosionskatastrophe in der Ammoniaffabrik von Oppau im September 1921. Damals wurden dort 565 Menschen getötet und Fabrik und Stadt völlig zerstört. Gerade für das Saargebiet ist die Neunkirchener Katastrophe im Hinblick auf die Hüttenarbeiter außerordenlich be= dauerlich. Not und Hilfswerk Neunkirchen, 11. Februar. Die Not unter der schwer betroffenen Bevölkerung ist ungeheuer, aber anerkennenswert ist auch die Opferbereitschaft, die sich allenthalben zeigt. Die Leute riffen sich geradezu darum, die Verwundeten in ihre Wohnungen mitzunehmen, um ihnen eine vorläufige Unterkunft zu gewähren. Aerzte, Sanitäter und freiwilliges Hilfspersonal waren in fürzester Zeit zur Stelle. Die Stadt bietet ein furchtbares Bild der 3erstörung. Auf Schritt und Tritt stößt man auf Glasscherben, zerbrochene Mauerteile und fortgeschleuderte Eisenstüde. Licht- und Straßenbahnmasten ragen verbogen und zerknickt in die Luft. Zertrümmerte Fenster und Türen liegen auf der Straße. Das Fahrgestell eines Straßenbahnwagens steht an einer Stelle der Stadt ge= spensterhaft da, der Oberteil ist durch die Erplosion vollkommen abgerissen und fortgeschleudert worden. Die Insassen wurden zerrissen und ge= tötet; wie viele es waren, läßt sich nicht feststellen. Die Schwere des Unglüds wird erst erkennbar, wenn man bedenkt, daß die Katastrophe das ganze Neunkirchener Eisenwert, wie versichert wird, für ein volles Jahr zum Stilliegen bringt. Zu dem Schmerz und der Not der Bevölkerung kommt noch die vermehrte Arbeitslosigkeit. Der Reichspräsident hat in einem Beileidstelegramm für die Opfer der Katastrophe 100 000 Mart an die Stadtkasse Neunfirchen überweisen lassen. Sozialdemokratie fordert Reichshilfe Die sozialdemokratischen Ver treter im lieberwachungsausschus haben einen Antrag eingebracht, der die Reichsregierung auffordert, für die Opfer der Explosionskatastrophe im deutschen Saarland 10 Millionen Reichsmark zur Verfügung zu stellen. * Der Vorstand des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes hat folgendes Beileidstelegramm gefandi: Zu den schweren Folgen der Gaserplosion in Neunkirchen sprechen wir unsere herzlichste Anteilnahme aus. Wir bitten, den Hinterbliebenen der Opfer unser Beileid, den Verletzten beste Wünsche für baldige Genesung zu übermitteln." Ministerpräsident Otto Braun hat an den Bürgermeister von Neunkirchen folgendes Beileidstelegramm gesandt: " Zu dem schredlichen folgenschweren Unglüd, das Ihre Stadt heimgesucht hat, spreche ich namens der preußischen Staatsminister der schwerbetroffenen Einwohnerschaft unser tiefes Mitgefühl aus." Das Neunkirchener Wert Die Neunkirchener Eisenwerke A.-G., in deren Betrieb sich das furchtbare Explosionsunglück abgespielt hat, bildet den Kern und den Lebensnerv der kleinen jaarländischen Stadt Neunkirchen.. deren Einwohnerschaft von rund 40 000 Röpfen zum großen Teil direkt und indirekt von den Stahl- und Eisenwerken leben. Die Neunkirchener Eisenwerfe gehören neben Dem Röchling- Konzern zu den führenden schwer. industriellen Betrieben des Saargebietes. Nach der Herauslösung dieser Werke aus dem zu jammengebrochenen Stumm- Konzern sind die Betriebe bis zum Jahre 1930 völlig umgebaut und modernisiert worden, so daß sie es heute mit den leistungsfähigsten Werken an der Ruhr aufnehmen können. In Neunkirchen arbeiteten die Stahl- und Walzwerke sowie die Hochofenanlagen mit einer monatlichen Leistungsfähigkeit von 50 000 Tonnen Roheisen und 60 000 Tonnen Stahl. Die Verfofungsanlagen ware.t in der Rationalisierungsperiode zum größten Teil erneuert worden. Allein im Jahre 1930 wurden 80 neue Rofsofen- Batterien in Betrieb genommen Obwohl auch in den Betrieben der faarländischen Schwerindustrie im Berlauf der Krise sehr scharf abgebaut worden ist, überſtieg die Belegschaft der Neunkirchener Eisenwerte Ende vergangenen Jahres noch 4500 Mann. Da sich neben den Gasometern große Anlagen zur Herstellung von Nebenprodukten aus der Berfokung befinden, u. a. Anlagen zur Her stellung von Benzol und anderen feuergefährlichen Produkten, ist es durchaus denkbar, daß der Ursprung der Explosion nicht im Gasometer selbst, sondern in der Entstehung eines Brandes bei den Benzolanlagen zu suchen ist. Die Wahrheit über den Januschauer Die Osthilfeschande läßt sich nicht vertuschen! Durch die Auflösung des Reichstages ist das Kontrollrecht des Parlaments zerstört und die Untersuchung des Osthilfestandals unmöglich ge= macht worden. Der Ueberwachungsausschuß des Reichstages, der sich mit der eiligen und dringlichen Nachprüfung beschäftigen wollte und zu der Berausgabung der restlichen 500 Millionen Mart Osthilfemittel Stellung zu nehmen gehabt hätte, Ofthilfemittel Stellung zu nehmen gehabt hätte, ist gesprengt worden. Die Frage ist jetzt müßig, ob sie damit ihren deutschnationalen Freunden oder eigenen Anhängern aus den Reihen der Großgrundbefizer und der Leitung des Reichslandbundes einen Gefallen tun wollten. Im Augen blick hat nur die öffentliche Meinung die Möglichfeit, die Wahrheit zu suchen und zu finden. Deswegen sehen wir nunmehr auf diesem Wege unsere Feststellungen über den Osthilfestandal fort und ersuchen die zuständigen Be= hörden um Auskunft. ilbelm... 10 Wie bei Wilhelm.. SA. spielt Polizei am Funkturm Die offizielle Eröffnung der internationalen Autoschau heute vormittag in den Meffehallen bot ein wesentlich anderes Bild, als man es sonst von den Eröffnungsfeierlichkeiten am Funkturm gewohnt ist. Die Anwesenheit Hitlers hatte bazu geführt, daß Absperrungs- und Siche. rungsmaßnahmen getroffen wurden, wie in den herrlichen Zeiten, da Wilhelm II. irgendeine Ausstellung höchstpersönlich eröffnete. Nur einem ganz fleinen Teil von Ehrengästen war es gestattet worden, in der Nähe des Herrn Reichskanzlers der Eröffnung beizumohnen. Und diese hatten fich einer dreifachen Kontrolle zu unterziehen. Selbst das Personal wurde von Adolf Hitler fern gehalten. wurde von Ad Draußen bot die Gegend am Funkturm das Bild einer Parteiveranstaltung der Nationalsozialisten. Um 10 Uhr waren größere Abteilungen der SA. mit ihren Fahnen auf marschiert. Sie bildeten zu beiden Seiten des Einganges und auf der gegenüberliegenden Straßenfeite Spalier. Die anfangs sehr start aufgebotene Schußpolizei murde unter den Augen des Bolizeipräsidenten Dr. Melcher, der der Eröffnung felbst beiwohnte, später zurüdgezogen, und die SA. nahm die Abfperrungen allein vor! So murde der neue Reichskanzler vor der Liebe des Boltes geschützt. ,, Preffefreiheit" Eine Illustration zu Hitlers Worten Die Preffe ift durch eine Notverordnung schlimmster Art gefnebelt, die der Freiheit der Presse den Baraus gemacht hat. Reichstanzler Adolf Hit Ier hat dazu erflärt, eine Einschränkung der öf fentlichen Kritik und der Preffefreiheit sei nicht beabsichtigt, lediglich persönliche Injurien sollten unterdrückt werden. In der Pragis überschlägt sich die Presse des Reichskanzlers in den maßlosesten Injurien. Der ,, Westdeutsche Beobachter", herausge geben von dem Dr. Robert Ley, dem Reichs organisationsleiter der NSDAP., beschimpft unfere Barteiführer über die ganze erste Seite hinweg in den fettesten Lettern: ..Juden und Diebe- die Reichstagskandidaten der SPD.... Diebe und Korruptionsbonzen Amtsverbrecher und Millionendiebe Braun und Severing." Gegen diese hundsgemeinen Injurien wird nicht eingeschritten, während der Wahlaufruf des sozialdemokratischen Barteivorstandes zu 3eitungs. verboten geführt hat. Das ist die Illustration zur Pressefreiheit" in Deutschland wie zu Hitlers Worten! Bumte bei Hitler Ein- Höflichkeitsbesuch Antlich wird mitgeteilt: Seitens(!) der Reichsregierung und des Präsidenten des Reichsgerichts mird zu den Pressemeldungen über den Besuch des Präsidenten des Reichsgerichts bei dem Reichstanzler folgendes erflärt: Der Präsident des Reichsgerichts hat den Reichstanzler aufgesucht, weil dieser den Wunsch geäußert hatte, wie die anderen Spigen der Behörden auch ihn persönlich kennen zulernen. Bon dem Inhalt der Verordnung des Herrn Reichspräsidenten zur Herstellung geord neter Regierungsverhältnisse in Preußen vom 6. Februar d. 3. ist der Präsident des Reichs gerichts, meber bei seinem Besuch noch sonst vor Erlaß der Verordnung in Renntnis gefegt worden. Irgendein VerZur Zeit liegt uns ohne die sonitigen Beschwerden und Auflagen- Ma terial über 120 größere alle Fälle vor, die im Osten Deutschlands öffentlich diskutiert werden, in weiten Kreisen Empörung ausgelöst haben und gebieterisch Klarheit verlangen. Wir beginnen mit dem alten Belifan", der ,, auch mal ran" wollte und auch rangekommen ist, dem Kammerherrn v. Oldenburg- Januschau. Herr v. Oldenburg- Januschau hat in einem offenen Briefe erklärt, zu feinem Unglüd sei er nun mal seit vielen Jahren ein Pfahl, an dem sich die Schweine reiben. Wir erklären, daß uns der Kammerherr v. Oldenburg persönlich so menig interessiert wie ein Schweinepfahl. Wir haben ausschließlich fachliches Interesse daran, warum diefer Großgrundbesizer aus den öffentlichen Mitteln der Osthilfe zuerst saniert werden mußte, während 9800 feiner eigenen Befiz- und Klaffengenossen erst im Jahre 1933 barankommen sollen, aber 500 000 Bauern und bald 800 000 Kleinstlandwirte östlich der Elbe überhaupt nichts erhalten werden! Herr v. Oldenburg besaß bis 1929, soweit mir wissen, 17 000 Morgen Land( Januschau, Klein- und Groß- Stransen, Waldgut Zellnid, meiter zwei Güter in der Provinz Brandenburg, dabei Lichterfelde bei Eberswalde. Nicht ,, por vier Jahren" wie Herr v. Oldenburg wohl nur in einem Erinnerungsirrium in seinem offenen Brief angibt sondern im April 1929 taufte er zu seinem übrigen Befig für 317 000 Mart das Gut Biegen bei Jakobsdorf( zwischen Fürstenwalde und Frankfurt( Oder). Vom Kaufpreis zahlte er 150 000 Mart in bar, 167 000 art sollten am 1. April 1932 gezahlt werden. Anfang Januar 1932 ging aber Herr v. Oldenburg unter Sicherungsschutz und bean= tragte Entschuldung und Umschuldung aus der Ofthilfe. Die Landstelle Königsberg nahm die Not des Herrn v. Oldenburg so ernst, daß sie ihn außer ordentlich schnell auf Rosten seiner Gläubiger umschuldete. Die Gläubiger mußten dabei insgesamt träftig Haare laffen. Aus der Dring lichkeit der Umschuldung ist zu entnehmen, daß es Hunderttausende gewesen sind. Allein der Berfäufer von Gut Briegen sollte mit 83 500 Mark baran glauben! Des Sammerherrn jämtliche Schulden wurden entsprechend zusammengestrichen und ausgezahlt, dafür wurde sein Besit mit 621 000 Mart von der Bank für deutsche Industrieobligationen neu belastet. Nunmehr ist dieser Großgrundbesizer mit nicht viel mehr als 30 Mark Schulden per Morgen belastet! Sie sind mit nur 4 ProDer nichtverfolgte ,, Hochverrat" Die Regierung weicht unseren Fragen aus S e In seiner Donnerstag Morgenausgabe hatte der ,, Bormärts z met präzise Fragen an Herrn Göring gerichtet: Erstens, ob es wahr fei, daß furz nach Erlaß des ,, Borwärts"-Berbotes angeordnet worden sei, andere Blätter, die den gleichen Aufruf gebracht hätten, nicht zu ver= bieten, da das Verbot des Vormärts" genüge; meitens, ob ferner angeordnet worden sei, daß schon ergangene Verbote nicht zurückgenommen merden sollten. Die zuständigen Stellen haben unsere Angaben bisher nicht bestritten, meil sie sie so offenfundig nicht bestreiten können. Sie beschränken sich auf die Erklärung, daß alle diese Fragen im Zusammenhang mit dem Zivilprozeß zur Erörterung gelangen werden, den der ,, Borfuch, die Auffaffung des Präsidenten des Reichsgerichts über die Berfaffungsmäßigkeit von Maßnahmen der in der Berordnung getroffenen Art zu erfunden, ist selbstverständlich nicht unternommen worden. Na also! Die Fliegerbombe auf„ Sieben Provinzen" hat obschon eine leichtere Bombe von nur 50 Kilogramm nicht 18, sondern 23 Menschen getötet und 25 verwundet. Abendunterhaltung UNGEN VERSPRECHUNGEN VERSPRECHUNG Früher hatte man mehr." wärts" gegen die für das Verbot verantwortlichen Stellen angestrengt hat. " Wir fönnen einen solchen 3usammenhang überhaupt nicht erkennen. Was hat die Schadenersagtlage des Vorwärts" mit der rein politischen Frage zu tun, ob eine behördliche Anordnung ergangen fei, Blätter, die angeblich hochperrat begangen haben, nicht zu verbieten oder sonstwie zu ver= folgen? Die Auskunft der zuständigen Stellen stellt also ein offenfundiges Ausmeichen vor den ebenso präzisen wie peinlichen Fragen des ,, Borwärts" an den Reichsminister Göring dar. Dieses Ausweichen bedeutet aber zugleich eine Bes stätigung unserer Angaben, die, wenn sie unrichtig wären, zweifellos fofort und in kategorischer Form hätten dementiert werden müssen. WEB. mildert Hitler Wie zu Zeiten Wilhelm II Es ist bekannt, daß die impulsiven Reden Wilhelms II. für die offiziöse Berichterstattung eine Quelle ständiger Berlegenheit maren. Selten erfuhr das Bolt, was der taiserliche Großredner mirtlich gesagt hatte. Heute berühmt gewordene Worte wie: Wer sich mir entgegenstellt, den zerschmettere ich!" oder: Pardon wird nicht gegeben, Gefangene werden nicht gemacht" waren in den offiziellen Berichten nicht zu lesen und wurden erst später bekannt. " Gestern hat Hitler im Rundfunk gesprochen, jeder konnte ihn hören. Aber dennoch kann sich der offizielle WIB. Bericht nicht dazu entschließen, entscheidende Stellen der Rede richtig miederzugeben. So lieft man jegt bei WTB.: Um Gott und dem eigenen Gewissen Genüge zu tun, haben wir uns nun noch einmal an das deutsche Bolt gewendet. Es foll selbst nun mithelfen, es fall figh Telbst entfcheiden. Wir werden den Weg gehen, der nötig ist, daß Deutschland night verfommt. zent zu verzinsen und mit 1 Prozent zu tilgen. Es gibt in Deutschland heute nicht viel Landwirle, die jo geringe Schuldenlasten haben! Ueberdies ist sogar die durchschnittliche Belastung der umgeschuldeten Großgrundbesiker höher als die des Herrn v. Oldenburg! Nachdem die merkwürdig eilige und geschäftlich) außerordentlich günstige Umschuldung des Herrn v. Oldenburg bekannt geworden ist, wurde vom Reichskommissar für die Osthilfe erklärt, daß er seine Industriebankschulden durch Ab= siedlung des Gutes Lichterfelde bei Eberswalde allmählich abzudecken habe Kritische Nachprüfung hat ergeben, daß auch diese Behauptung ihre Mängel hat. Herr v. Oldenburg will nämlich 600 Mark für den Morgen Siedlungsland! Wohlgemerkt bei einer Gesamtschuldenbelastung von etwas über 30 Mart pro Morgen! Wir richten deswegen an den Reichskommissar für die Osthilfe die Frage, ob die landwirtschaftliche Not des Herrn v. Oldenburg- Januschau so brennend war, daß er vor millionen anderen bevorzugt wurde. Und warum wurde er so glänzend günstig umgeschuldet? Warum hat diefer alte Belifan", wenn er sich schon nicht das Herz aus dem Leibe riß, so doch wenigstens einige von seinen Gütern abgestoßen, wie das viele andere anständige Landwirte tun, um ihren Schuldverpflichtungen nach zukommen? Ist Herr v. Oldenburg- Januschau auf Grund bestimmter besonderer Empfehlun gen entgegen den Richtlinien der Osthilfe oder unter Ausweitung dieser Richtlinien umgeschuldet morden? Einige weitere Fragen an das Reichsfommissariat für die Osthilfe behalten wir uns noch vor! Sinnes dieser Worte flar bemußt, denn er gibt sie in Riesenbuchstaben wieder. " Warum darf man also zwar durch den Rundfunt und durch den Bölkischen Beobachter", aber nicht durch WTB. erfahren, daß Hitler auch dann Reichstanzler zu bleiben beabsichtigt, wenn ihn das deutsche Bolt ablehnt? XS: Urteil gegen Meyenberg Das Landgericht II verurteilte den 47jährigen Arzt Dr. Albrecht Meŋenberg megen gewerbs= mäßiger Abtreibung in fünf Fällen, davon in zwei Fällen in Tateinheit mit fahrlässiger Tötung zu 5 Jahren 6 Monaten Gefängnis und 5 Jahren Ehrverlust. Ueberfall in Neukölln Gastwirt brutal niedergeschlagen Auf die Gastwirtschaft von Albert D. in der Erfstraße 8 in Neukölln wurde am Freitagabend ein hinterhältiger SA. Ueberfall verübt. Um% 8 Uhr hatten sich in einem großen Ver einszimmer etwa 60 bis 70 Funktionäre, darunter zahlreiche Frauen, auf eine Einladung des Betriebsrates des Bezirksamtes Reukölln eingefunden Plöglich wurde die Tür aufgerissen und eine Horde Nazis, die mit Schuß und Hiebmaffen ausgerüstet waren, stürmten in das Innere der Gastwirtschaft. Der Wirt, der sich den Eindringlingen entgegenstellte, wurde von den Hafenfreuzlern brutal niedergeschlagen und erheblich nerlegt. Nachdem die Täter noch einen Teil der Einrichtung demoliert und auf die Versammlungsteilnehmer eingeschlagen hatten, ergriffen sie die Flucht. Als das alarmierte Ueberfalltomando in der Erfstraße eintraf, waren die Nationalsozialisten bereits über alle Berge. Der Rädelsführer des nationalsozialistischen Rollfommandos ist einigen Ueberfallenen bekannt. Entsprechende Mitteilungen sind der Polizei bereits zugegangen. Es handelt sich um einen Mann, der zu einer Klique gehörte, die im Jahre 1918/19 als Spartatus! ente Versamm lungen in ähnlicher Weise sprengte. Jeder Hörer erinnerte fich, daß diese Stelle Freie Sozialistische Hochschule anders gelautet hat. Der Bölfische Beobachter" gibt sie auch richtig wieder. Dorf heißt es näm= lich fo: Um Gott und dem eigenen Gewissen Genüge zu tun, haben mir uns noch einmal an das deutsche Bolt gewandt. Es soll nun selbst ent fcheiden. Wenn dieses deutsche Bolt uns in dieser Stunde verläßt, jo möge uns der Himmel verzeihen: Wir werden den Weg gehen, der nötig ist, daß Deutschland nicht verfomint! Der Bölkische Beobachter" ist sich auch des Heute, Sonnabend, 19% Uhr, im Saal des ehem. Herrenhauses, Leipziger Straße 3, Vortrag des Genossen Prof.. Dr. Ernst v. Aster- Gießen über: ,, Der Geist des deutschen Bürgertums und die Politik" Karten zum Preise von 50 Pf. an den bekannten Stellen.( Karten ZU ermäßigten Preisen a. d. Abendkasse.) Damit Hitler redet werden Funkangestellte entlassen Die„ Vossische Zeitung" verzeichnet in ihren Bemerkungen zu Hitlers Rundfunfrede, daß man aus Sorge vor Funkstörungen furz vor Beginn der nationalsozia listischen Sportpalastfundgebung im Funthaus eine schwarze Liste hervorgezogen und verdiente Angestellte Knall und Fall aus Brot und Stellung gejagt hat: alles für die propagandistischen 3mede". Das Blatt bemerkt weiter: Bor Beginn der geftrigen Hitler- Rede im Sportpalast wandte sich der Reich sinnenminister Frid an die Reichsrundfunkgesellschaft mit der Forderung, daß auf der Stelle alle Funfangestellte, die linksradikaler Gesinnung verdächtig feien" fristlos entlassen werden müßten. Als die Reichsrundfunkgesellschaft antwortete, daß ihr die politische Einstellung ihrer Angestellten nicht bekannt fei, erschienen auf Beranlaffung des Innenministers im Haus in der Majurenallee Kriminalbeamte mit einer Cifte. Auf Grund dieser Liste wurden fünf Angestellte des technischen Betriebes unter Auszahlung ihres restlichen Gehaltes fofort entlassen und aus dem Hause entfernt. Unter denen, die durch diesen Eingriff des Innenministeriums ihre Eristenz verloren haben, befinden sich zwei außerordentlich verdiente, leitende Beamte der Reichsrundfunkgesellschaft, die sich ebenso wie die anderen Entlassenen niemals etwas haben zuschulden kommen lassen. Es handelt sich um Dr. Lubschinski, den stellvertretenden Chefingenieur der Reichsrundfunkgesellschaft, und Dr. Weigt, der eine verantwortungsvolle Stellung im Zentral. Laboratorium des Rundfunks befleidete. Diese Maßnahme des Innenministeriums wurde damit begründet, daß man eine Störung der Hitler Uebertragung durch linksradikale Elemente fürchte..." Gin Unterschied In England geriet der Rundfunk ins Stoden, meil alle Ansager an der Grippe erfrankt waren. In Deutschland mürde das nicht geschehen, da wüßte man sich zu helfen: man würde die Rede des Reichstanzlers eben ein paarmal öfter einTegen. Die Wahl an der Hochschule für Politik. Die Deutsch nationalen erhielten bei dieser Wahl fein Mandat( irrtümlich wurde mitge. teilt 1 Mandat). Es besteht also an der Hochschule für Politik eine sozialdemokratisch- kommunistische Mehrheit. Funde von größter Bedeutung in Persien. Senfationelle Berichte über ihre großen Entdeckungen fendet die Expedition der Un persität Chitago aus Persien an New- Yorker Blätter. Danach ist es nach zweijährigen Grabungsarbeiten, bei denen Schutt und Mauerwerk von etwa 9 Meter Liefe entfernt werden mußten, gelungen, die groß= artigen Ruinen der Paläste des Xerges und des Darius in der alten Haupt stadt Persiens Persepolis freizulegen. Man hält diesen Fund für einen der michtigsten, die jemals in der Geschichte der Archäologie gemacht morden sind. Die Fülle großartiger Skulpturen, die aus diesen beiben Palästen geborgen wurde, reicht zurüd bis in die Zeit von Cyrus; es sollen sich darunter nach dem Urteil des bekannten Orientalisten James Breasted die ältesten Kunstwerke befinden, die jemals in Asien entdeckt wurden. Die Technik dieser Werte ist von höchster Feinheit und wunderbarer Schönheit. Es befinden sich darunter Wandreliefs, die zusammengefeßt einen Fries von 1% bis 2 Meter Höhe und einer Ausdehnung von etwa 350 Meter barstellen würden. In den schwarzen polierten Stein geschnitten, stellen diese Bilder eine große Versammlung des persischen Hofes dar, mit dem Kaiser in der Mitte, der die Gaben von den Abgesandten der 21 unterworfenen Bölfer erwartet. Außerdem wurde eine etwa 6000 Jahre alte Siedlung der Steinzeit freigelegt, die an guter Erhaltung alles übertrifft und die frühesten Türen und Fenster enthält, die bisher gefunden murden. Sicherung des Magdeburger Stadttheaters. Der Magistrat der Stadt Magdeburg hat sich entschlossen, das Stadttheater auch in diesem Jahr in seiner bisherigen Form mit Oper, Operette und Schauspiel weiterzuführen und den Zuschuß von 550 000 Marf in der gleichen Höhe wie im Vorjahr zu gewähren. Im Vorjahr wurde der Zuschuß um 50 Proz. gekürzt. Durch eine kluge Spielplangestaltung, Ensemblebildung und Preis politik ist es der Intendanz gelungen, bei erniedrigten Preisen die Einnahmen des Theaters zu steigern und den Zuschußetat nicht zu überfchreiten. Die Vollsbühne bringt als nächste Premiere am 21. Februar die Uraufführung des Schauspiels ,, Dic Sardinenfischer von Elisabeth von Castonier. Ju der Deutschen Hochschule für Politik spricht Dienstag Theodor Beipart über Die Stellung Der Gemertichaften in Staat und Wirt schaft"( Sochschule für Politit, Schinkelplas 6) um 8.30 Uhr. Die Degeto beschließt Sonntag, 12. Februar, 11.30 Uhr vormittags, im& a pitol den 3yllus ,, Der Film der Welt" mit der Amerikanischen Tragödie". Film Festvorstellung. Dienstag, 8.15 Uhr, findet im Capitol die Festvorstellung des Metro- Goldwyn- MayerFilms Menschen im Sotel", ton E. Gouldwig, nach dem Roman pon Bidi Caum, zugunsten der Bühnengenossenschaft statt. Im Bühnenteil wirken mit: Mafalda Salvatini, Willi Domgraf- fraßbaender, Richard Lert, Ballet der Staatsoper, Staatsoper orchester. Keine Brechung der Binsknechtschaft Dr. Bang, der neue Staatssekretär in Hugenbergs Wirtschaftsministerium, hat vor dem Arbeitsausschuß deutsch nationaler Industrieller im Hotel ,, Kaiserhof" die Grundfäge entwidelt, nach denen er als Staatssekretär die Wirtschaftspolitit zu führen gedenkt. Freilich spricht er nachher immer von der Regierung. Wir zählen den Lesern die Grundsätze in der Reihenfolge, wie sie Bang entwickelte, auf. Wir sind unfähig, einen sinnvollen Zusammenhang zu entdecken; vielleicht können es die Leser. Bang verspricht, daß nicht experimentiert werden soll, sondern alle Aenderungen in organischer Entwicklung vollzogen werden müssen. Treu und Glauben sowie die staatliche Moral müssen wiederhergestellt werden. Die Regierung werde sich deshalb weder an Schuldnern noch an Gläubigern vergreifen. Von Schuldenhöhe und Zinshöhe fäme man nur noch los durch Kapitalneu= bildung. Wer der Regierung unterstelle, fie wolle Zinsen und Renten rauben, der lüge. Das felbe Urteil gilt von denen, die der Regierung unterstellen, fie plane in irgendeiner Form eine Antastung der Währung. Wer an die Heilung unserer Zustände durch offene oder perstedte Inflation glaubt, ist entweder ein Demagoge oder " Bang sichert Zins und Rente ein Schwachtopf." Bis hierher sind es starke Worte, aber sie haben immer noch einen gemissen Sinn, von dem zu hoffen ist, daß er durch die Tatfaden gerechtfertigt wird. Dann sagt Bang weiter, bisher sei die Wirtschaft verstaatlicht und der Staat Derwirtschaftet worden. Diese Entwidlung gelte es rückgängig zu machen. Der Rolletti= vismus, in den wir geraten seien, zerschlage den höchsten Wert, nämlich die Persönlich= feit. Jedes Kollektiv sowohl auf Wirtschaftswie auf Arbeitsseite hat den Trieb, seinen Mitgliedern für geringere Leistungen höhere Borteile zu verschaffen. Das ist ein System der gegen feitigen Beraubung." Natürlich meint hier Herr Bang in erster Linie die Gewerkschaf= ten. Aber vielleicht meint er auch die 40 000 landwirtschaftlichen Genossenschaften, die 800 deutschen Kartelle und die schwerindustriellen Monopole. Wir vermuten das, weil er sagt, daß po= litische Preis und Lohnbildung eine Todsünde seien mider den heiligen Geist der Wirtschaft, der bestraft wird mit dem Bankrott des ganzen Volkes. Die Parole müsse heißen: Leistungspreis und Leistungslohn. Die soziale Frage fann nach Bang nur auf dem Wagner und die Gegenwart Eine Umfrage unter Künstlern An eine Reihe führender Komponisten, Schrift steller, Mufitgelehrter und Dramaturgen hat sich Herbert Connor gewendet, um die Stellung der Gegenwart zu Wagner an seinem 50. Todestage zu ergründen, und veröffentlicht die wichtigsten Er gebnisse seiner Umfrage in der ,, Literarischen Welt". Die junge Generation ist dabei mit Ausnahme von Eduard Zuckmayer nicht ver= treten. Als Grund dafür wird angegeben:„ Wir hatten uns selbstverständlich auch an die Vertreter der jungen Generation gewandt. Doch ermies fich hier das Interesse an Wagner als so gering, daß wir auf die Wiedergabe von Aeußerungen verzichten mußten. Ganz offensichtlich hat ein großer Teil der heutigen Jugend zu Wagner so gut mie fein Berhältnis." Zwei hervorragende Musikschöpfer treten mit fehr gegenfäßlichen Anschauungen herpor. Arnold Schoenberg schreibt: Für mich ist Wagner eine ewige Erscheinung, ganz unabhängig davon, wie sich die Modeströmungen zu ihm stellen Das Publikum ist anscheinend burch schlechte Mufit so verdorben, daß es für gute Musik teine Ohren mehr hat. Allerdings gehört Wagners Kunst nicht dem Alltag, und es ist für den schwer um seine Existenz kämpfenden, modernen Menschen sicher nicht leicht, im Opernhaus seiner Stadt eine ungefürzte Wagner- Aufführung mit voller Aufmerksamkeit zu genießen. Dafür aber hat ja Wagner Bayreuth ins Leben gerufen, denn er mollte seine Werke, wie er sagte, dem Schlendrian" der Opernbühnen der Großstädte gar nicht preisgeben. Das hohe Ethos Wagners und der Ewigkeitsmert seiner Werke stehen für mich feft." Der berühmte ruffische Komponist Igor Stra minsti dagegen bekennt:" Für mich persönlich hat Wagner feine Bedeutung. Er ist die Berförperung der Romantik, die mir als in jeder Beziehung modern empfindenden Menschen vollständig fremd ist. Ein Mensch, der mit der Gegenwart fühlt, fann nach meiner Meinung, die ich niemanden aufdrängen will, unter feinen Umständen romantische Werte lieben. Auch das sog.„ System des Mufitdramas" ist mir wenig verständlich. Ich schäze die alte Oper, aber ich will auch feineswegs Wagners Bedeutung ver Röntgen im Hörbild Eine lohnende Sendung Rund anderthalb Stunden war am Freitagabend das Mikrophon des gesamten deutschen Rundfunts für Hitler und feinen Propheten Goebbels beschlagnahmt. Heute wird es in gleichem Ausmaß von Hitlers Kompagnon Hugen berg in Anspruch genommen werden. Glücklicherweise gibt es genug lautstarfe Sender im Ausland, die zwischen 9 und 10 Uhr abends meist recht gute Musik senden. Der Hörer, ber in Deutschland seine 2 Mart Rundfunkgebühren im Monat zahlen muß, ist heute ja ohnehin vielfach fein Hörer des deutschen" Rundfunks mehr. Immerhin, eine Sende der Berliner Funkstunde lohnie am Freitag den Empfang. Das Hörbild Röntgen", zusammengestellt von B. Lamprecht, zeichnete in starter Anschaulichkeit den großen Phyfifer und seine Entdeckung. Der Verfaffer hatte Literaturstellen, Briefe, alte Zeitungsausschnitte aneinandergestellt. Dazu traten Men schen vor das Mikrophon, die Röntgen selber gut gefannt hatten. Die Gefahr, daß eine anekdotische Berherrlichung den Menschen und sein Wert der Wirklichkeit entrückte, wurde aufs glücklichste ver mieden; der Erfinder, der die Menschheit mit seinen Bunderstrahlen beichentte, zeigte sich den Sörern als ein einfacher, bescheidener Mann, der fleinern. Ich unterstreiche nur meine eigene Gleichgültigkeit seinen Werfen gegenüber." 4 " Boden der Wiedervereinigung der heute getrennten beiden Wirtschaftstypen gelöst werden: Arbeiter und Unternehmer. Die Lösung aller großen wirtschafts politischen Fragen hat sich organisch auf der Lösung der Agrarfrage aufzubauen. Auch ein gesunder Export ist ohne das Rüdgrat einer gesunden Binnenwirtschaft nicht möglich. Gleichzeitig ist Bang der Meinung, daß zurzeit alles zu geschehen habe, um mit holland, Schweden und Südslawien, deren Handelsverträge jetzt ablaufen, nicht in einen frisenhaften Zustand zu geraten. Herr Bang hat offenbar selbst gefühlt, daß er mit solchen Grundsägen feine Lösung für die Aufgaben der praktischen Wirtschaftspolitik gibt. Darum machte er mit seinem letzten Grundsatz noch schnell einen Sprung in die heute üblich ge= wordene politische Metaphyfit. Er meinte, es dürfe deshalb" weder Gewerkschaftspolitit noch landwirtschaftliche Verbandspolitif, sondern es müsse deutsche Wirtschaftspolitit" gemacht werden Wer daraus praktische Lösungen für die drän genden Fragen der deutschen Wirtschaftspolitik entnehmen kann, friegt einen Taler. des Weltkriegs jedoch von der Politif habe er feine Ahnung, wenn er auch nicht bestreiten molle, daß es Desterreicher geben tönne, die von der reichsdeutschen Politif etwas verstehen. Zarte Andeutungen zwischen den Zeilen, aber sie mur den auch so verstanden und mit Beifall in einem Falle auch durch Pfeifen quittiert. Das Programm bietet einige neue und reizende Buntte. Mar Adalbert als Mann mit den Röntgenaugen", Max Hansen, lustig, mit nicht immer ganz neuen Geschichten, Hans Kolischer mit sprudelndem Humor dazu als besondere artistische Beigaben prachtvolle Leistungen der beiden. Cimberleys und der Brüder Horsburgh. Nicht zu vergessen Darlene Wal= ders, eine Tänzerin aus USA. Das Reichsehrenmal Ausstellung der Entwürfe Was die ältere Generation Wagners Schaffen verdankt, das ist erst fürzlich von Anna Jacobsen in einer gelehrten Schrift Nachklang Richard Wagners im Roman" zusammengestellt worden. Darauf bezieht sich Thomas Mann. Er wiederholt sein häufig gemachte Mitteilung, ., daß das Werk Richard Wagners mir in ber Jugend einen gewaltigen und für immer nachwirkenden Eindruck gemacht hat." Auch ein. rich Mann meint: Seit langem ist jeder pon ihm beeinflußt wie von der Luft, die uns umgibt." Alfred Neumann hält den Einfluß Wagners auf das Deutschland der Gegenwart für außerordentlich start, ja so start wie noch nie, aber diese Einpirfung sei heute nicht mehr fünftlerisch, sondern politisch: Das Musikdrama Im Mai des vorigen Jahres tagte das PreisWagners emaniert sich heute als das Melodram gericht. für den Wettbewerb zum Reichsehrenmal co der Gefühlspolitit 3 ud mayer, der mit dem erstmalig. Bon ben insgesamt 1828 eingegange Pädagogen Luferte zusammen an der volksmusi nen Entwürfen wurden 20 in die engere Wahl falischen Erziehung der Gegenwart arbeitet, vergezogen. Diese 20 Entwürfe wurden dann nochtritt den Standpunkt, daß das junge Deutschland mals von den einzelnen Künstlern in teilweise mit dem zunehmenden zeitlichen Abstand von Wagners Erscheinung ein neues gereinigtes Berhältnis zu seinem Werf gewinnen wird.:,,Mit einer neuen fachlichen Ergriffenheit" vernehmen wir, was an dieser Musit einmalig, groß. überzeitlich, mas an der Konzeption des Gesamtfunstwerts" faszinierend ist; die Problematit des Stils zwingt immer wieder zur Auseinandersehung, trogdem oder gerade meil unser eigenes Schaffen und unser Bemühen um das musikalische Theater notwendig andere Richtung einschlagen muß und, soweit es an Bergangenem sich orien tiert, an frühere Epochen der Musitgeschichte an fnüpft... Die Frage fautet heute, wie man in Wahrheit dem Werte Wagners dienen fann. Und da heißt die Antwort: nicht durch falsche oder frampfhafte Popularisierung, sondern indem man an den Stellen, an die dieses Werf einzig gehört, nämlich an den Opernhäusern der großen Städte, es mit Sorgfalt und Berantwortungsbewußtsein erneuert und von aller traditionellen Schlamperei reinigt und indem man endlich den Besuch solcher Aufführung meiten Kreisen ermöglicht." so im Schatten seiner Entdeckung stand, daß er für die große Menge völlig dahinter perschwand. Amüsant war zu hören, wie die Deffentlichkeit auf die ersten Meldungen von der Entdeckung der Röntgenstrahlen reagierte. Die Dummheit, die Boreiligkeit und die Sensationslüfternheit feierten Orgien, und wahrscheinlich war es nicht nur eine Stimme, die das Verbot der Anwendung von Röntgenstrahlen forderte, weil es unfittlich sei, den menschlichen Körper zu durchleuchten. Doch solche Schilderungen dienten Lamprecht nicht zu billiger Beluftigung der Hörer; sie waren nur ein Teil des Hintergrundes, von dem das Bild des zweifelnden, ahnenden, zäh um feine Entdeckung -lz. ringenden Röntgen fich plastisch abhob. Kabarett der Komiker Interim Es gab einmal eine Zeit, da standen die Raba retts im Zeichen der politischen Bos= heiten. Aber seit sich der braune Mehltau über das deutsche Land gesenkt, find auch die Konferenciers zu behutsamer Borsicht verpflichtet. Es geht vielleicht schon bis an die Grenze des Notverordnet zulässigen, menn Paut Morgan zari andeutet, er habe als Desterreicher zwar während veränderter Form den Preisrichtern zur Begut achtung porgelegt. Nunmehr find fünf Entwürfe mit Preisen ausgezeichnet worden. Die Ausstellung der 20 in engere Wahl ge 30genen Entwürfe für das Reichsehrenmal bei Bad Berka, die der deutschen Deffentlichkeit Gelegenheit zu einer abschließenden Stellungnahme zu dem Ergebnis des Preisausschreibens geben soll, wurde Freitag im Chemischen Museum der Technischen Hochschule vor Bertretern der Bresse eröffnet und Don Reichstunstwart Dr. Redsiob eingehend erläutert. Die zahlreichen Zeichnungen, Modelle, Pläne und Aqua relle versuchen ein möglichst vielseitiges, naturgetreues Bild des Gesamteindrucks sowie der einzelnen wesentlichen Partien der vorgeschlagenen Anlage zu geben. Die Ausstellung enthält als meiteres Material eine vom Reichskunstmart ausgewählte Samm lung von Gefallenen Gedenkstätten, die in verschiedenen Teilen Deutschlands entstanden sind. Die Ausstellung wird voraussichtlich 3 Wochen dauern. Sie ist an Werktagen von vormittags 10 bis nachmittags 7 Uhr und an Sonntagen pon vormittags 10 bis nachmittags 2 Uhr geöffnet. Ein Eintrittsgeld wird nicht erhoben. * Mit der Frage der zweckmäßigsten Gestaltung eines Reichsehrenmals beschäftigt sich ein von Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens unterzeichneter Aufruf, in dem der Gedanke des Malers Ludwig Dettmann wieder aufgegriffen wird: als inneren Kern eines Reichsehrenmals„ Erde von allen Soldatengräbern draußen und in der Heimat zu nehmen und an feierlicher Stätte in deutscher Erde zu betten". Der Aufruf betont, daß ein Reichsehrenmal einer großen inneren Idee bedürfe, unabhängig von jeglicher Formung durch Architektur, Kunst- und Landschaftsgestal tung. Das Ergebnis des Wettbewerbs Reichs ehrenmal Berta" sei abzulehnen. Unter den 1800 eingesandten Entwürfen, entsprächen höchstens zwei bis drei der nicht preisgekrönten den An. forderungen, die man an ein Reichsehrenmal stellen müsse. 39 Die deutsche Architekturausstellung in Leningrad hat den größten Erfolg von allen ausländischen Ausstellungen gehabt, die in Leningrad stattgefunden haben. Während furzer Zeit ist die Ausstellung von über 10 000 Personen besucht worden. Sie wird besonders gern von Schulen und Angehörigen der Roten Armee besucht. Ludwig Hardt spricht heute im Tingel- Tangel. Idyllen, Anekdoten und Späße, Sonntag: Goethe und Dichter seiner Zeit. Beginn 8.15 Uhr. Geldte spricht über Geldte " Vom Standpunkt des Kompagnieführers Der Stahlhelm" hatte gestern einen Presseempfang. Daß der Vorwärts" dazu nicht ge= laden war. versteht sich von selbst. An diesem Stahlhelmempfang ist nur interessant, daß Herr Seldte, Bundesführer des Stahlhelm", auf diesem ungewöhnlichen Wege sich als Reichs= arbeitsminister vorstellte und seine Meinung über sich zum besten gab. Nach der Tele= graphen- Union sagte Herr Seldte: ,, Als ich mein Amt als Reichsarbeitsminister antrat, waren die wildesten Gerüchte über meine Auffassung und über organisatorische Aenderungen in meinem Ministerium im Umlauf Man wollte scheinbar übersehen, daß es für mich nicht nur um das Reichsarbeitsministerium ging, sondern auch um die Jugendertüchti gung und um den freiwilligen Arbeitsdienst. Man veröffentlicht von verschiedenen Seiten eine Serie von Plänen, wie sich die Reichsregierung Veränderungen bei den Ministerien denke. Ich kann Sie versichern, daß alle diese Veröffentlichungen bisher reine Kombinationen find. Weder das Reichskabinett noch ich selbst haben fich bisher mit derartigen Plänen abgegeben. Wer mich und meine Auffassung und meine Arbeit feit vierzehn Jahren fennt, weiß, daß ich fein Sozialreaktionär bin. Ich habe es immer, sowohl vom Standpunkt des Menschen, der im Fabrifleben groß geworden ist, sowie vom Standpunkt des Kompagnieführers, der mit seinen Männern jahrelang im Dred ge= legen hat, der also alle Berufsstände und besonders den Arbeiter tennt, aus dem Erlebnis des Friedens und des Krieges als die wichtigste soziale Aufgabe angesehen, diesen so wertvollen deutschen Arbeiter in Staat und Gesellschaft einzugliedern. Ich stehe hierbei auf dem Standpunkt der gegenseitigen Leistung. Infolgedessen kann die Lösung dieser sozialen Aufgabe nicht gelingen wenn man sich lediglich auf den Fürsorgestandpunkt der Unterstügung stellen will. Die heutige deutsche Sozialpolitik, namentlich vom nationalen Standpunkt aus, muß und wird weitergreifen. Sie muß den Arbeiter manche sagen Proletarier aus der Unsicherheit seiner Eristenz herausführen und ihm einen festen und gleichberechtigten Standort im Staate zuweifen. Widerspiels der Kräfte nach ihrem Eigenrecht lichtvoll beleuchtei. Wie aber steht es mit der Sozialpolitik? Was gedenkt der Herr Kompagnieführer 3. B. mit dem Gesezentwurf zu machen über den Lohnschuh in der Heimarbeit? Wie ist der Standpunkt flach oder plastisch gesehen des Herrn Kompagnieführers zum Schlichtungswesen, zur Sozialversicherung, zur Reichsarbeitslosenfürsorge, um nur einige der dringendsten Fragen herauszugreifen. Wir nehmen zur Kenntnis, daß sich das Kabinett bisher weder mit diesen noch mit anderen Plänen befaßt hat Daß es für Herrn Seldte nicht ,, nur" auf das Reichsarbeitsministerium, sondern auf den Wehrsport und den Arbeitsdienst antommt, Immerhin: der Herr Hauptmann kommandieren schon seit zwei Wochen dieses sogenannte Reichsarbeitsministerium. Wenn schon nicht Taten, einen einigermaßen erkennbaren Standpunkt" hätte man wohl erwarten dürfen. Zur Katastrophe in Neunkirchen: Die Stumm- Werke " Schallplatten. 15.00 Kinder spielen. 15.30 Rundfunk am Abend Sänger und Virtuosen, Schallplatten. 16.10 Sonnabend, 11. Februar Das kann nur gelingen, wenn man auch den Berlin: 16.05 Orchesterkonzert. 18.00 Arbeitnehmer für voll nimmt und ihm seine Rechte Einer von 80 Millionen. 18.15 Johannes gewährt. Nicht nur aus der Stellung des Reichs- Brahms, Klaviertrio C- Moll, op. 101. 18.45 arbeitsministers heraus. sondern aus meiner ganStimme zum Tag. 18.55 Funkstunde teilt mit. zen Lebenseinstellung unterstreiche ich noch einmal 19.00 Funkkarussell, bunter Abend. 20:30 ein Bekenntnis zu dem gewordenen sozialen Recht Auflagesendung der Reichsregierung: Rede des Arbeitnehmers. Damit bin ich auch feinberg, Uebertragung aus dem Sportpalast des Reichsministers Geheimrat Dr. Hugen Feind des Arbeits- und Tarifrechts. dem Sportpalast Ich will mich aber nicht einseitig festlegen und will auch damit nicht sagen, daß ich alle bisher begangenen Wege für richtig halte. Ich will aber versuchen, neue Wege finden zu hel= fen, wo es wiederum gilt, den wirtschaftlich Schwachen zu helfen. Wenn ich diese Auffassung ausspreche dahingehend, daß die Sozialpolitik ihre Aufgabe hat, bei der Neuordnung unserer Gesellschaft in Deutschland zu helfen, so wird man mir glauben, daß ich diese wichtige Sozialpolitik nicht nur als einen Anhängsel des deutschen Wirtschaftslebens ansehe Die deutsche Sozialpolitik hat ihren Eigenwert. Von diesem Standpunkt aus hatte es schon feinen tieferen Sinn und seine Berechtigung, wenn man die sozialen Fragen im Reichsarbeitsministerium zusammengefaßt hat. Man wird sehr sorgfältig überlegen müssen, ob und was man etma herausnimmt. Auf keinen Fall darf der organische Zusammenhang auch auf diesem Gebiete zerstört werden. Selbstverständlicherweise ist eine gute Sozialpolitik nur eine solche, die Rücksicht nimmt auf die Erfordernisse und Notwendigkeit der Wirtschaft. Wenn man Wirtschaft und Sozialpolitik flach sehen will, so schneiden sie sich in vielen Punkten für manchen Menschen. Für mich ist das nicht der Fall. Ich sehe nicht Kampf zwischen Wirtschaft und Sozialpolitik, sondern Polarität. Für mich entwickelt sich aus dem Spiel der Kräfte oder aus dem Widerspiel des sozialen und des wirtschaftlichen Standpunktes erst das Heraus= fristallisieren des Edelsteines, das ich als deutsches Leben bezeichne." Wir gestehen, nicht über die bilderreiche Beredfamkeit des Kompagnieführers Seldte zu verfügen. Es liegt also wohl nur an uns, wenn wir uns nichts darunter vorstellen können, daß sich für den Kompagnieführer Seldte das Herauskristallisieren des Edelsteins deutsches Leben entwickelt. Wir fürchten, daß es dem Arbeiter ,,, manche sagen Proletarier", ebenso geht. Es ist ja sehr nett von dem Herrn Kompagnieführer, daß er se freundlich mit den Leuten spricht, fogar ,, vom Standpunkt des Menschen". Mehr fann man von einem Kompagnieführer eigentlich nicht verlangen. Er will ihnen ,, einen festen und gleichberechtigten Standort" anweisen und bricht überhaupt manche warme Lanze für den ,, wertvollen deutschen Arbeiter". Der Kriegsberichterstatter Wippchen aus Bernau seligen Angedenfens hätte seine Freude an dieser Rede gehabt, die, von Standpunkten durchsetzt, die soziale Frage nicht einseitig festlegt, sondern die Polarität des Berlin. 21.45 Nachrichten. 22.00 Funkkarussell, zweiter Teil. 23.00 Tanzmusik. Königswusterhausen: 16.00 Führertum im Arbeitsdienst. 16.30 Konzert aus Hamburg. 17.10 Wochenschau. 18.00 Tägl. Hauskonzert. 18.30 Programm und Inhalt in der Musik. 18.55 Wetter, Kurzbericht. 19.00,, Die Eifel", Hörbericht aus Frankfurt. 20.00 Funkkarussell, Uebertragung aus Berlin. 22.00 Wetter, Nachrichten, Sport. 22.45 Seewetter. 23.00 Der volkstümliche Schubert. Sonst Berliner Programm. Sonntag, 12. Februar Berlin: 6.15 Gymnastik. 6.35 Hamburger Hafenkonzert. 8.00 Für den Landwirt. 8.10 Ist die Bodensäure noch aktuell? 8.35 Rückblick der Woche. 8.55 Morgenfeier. 10.05 Wetter. 11.00 Dichtung der Zeit. 11.30 Kantate von J. S. Bach: Nimm, was dein ist und geh' hin.( Aus Leipzig.) 12.00 RichardWagner- Gedächtnisfeier.( Aus Leipzig.) 13.05 Konzert. 14.00 Wer fürchtet sich ,.schwarzen Mann( L. v. Recklinghausen, eine Kinderärztin, eine Mutter.) 14.30 Von den FIS- Wettkämpfen in Innsbruck und der Zackelfall- Bobbahn, Oberschreiberhau, Staats 陶 Theater Sonnabend, den 11. Februar Staatsoper Unter den Linden 20 Uhr vorm 19.15 Feier der Wiederkehr des Tages der Papst17.30 krönung. 16.50 Schubert- Beethoven. Die Last der freien Zeit.( W. Maschke und arbeitslose Jugendführer.) 18.00 AltBerliner Stadtklatsch. 18.55 Hexensabbat des Films.( Dr. R. Kümmerlen.) Unterhaltungsmusik. 19.50 Nachrichten. 20.90 Gedenkstunde für R. Wagner im Hause Wahnfried, Reichssendung aus Bayreuth. 20.45 Konzert, 21.15 Richard Wagner.( Fünf Gedichte von Math. Wesendonk, Siegfried Idyll.) 22.00 Nachrichten. Danach bis 24.00 Tanzmusik. Königswusterhausen: 6.15 Gymnastik. 6.35 Hamburger Hafenkonzert. 8.00 Stunde des Landwirts. 8.55 Morgenfeier aus Berlin. 10.05 Wetter. 11.00 Seewetter. 11.30 Reichsendung aus Leipzig: Kantate von J. S. Bach: Nimm was dein ist' und geh hin." 12.00 Reichssendung aus Leipzig. RichardWagner- Gedächtnisfeier. 12.55 Zeitzeichen. 13.00 Konzert. 14.00 Elternstunde. 14.30 Das Werk Andreas Schlüters. 15.00 Militärkonzert aus Innsbruck. 15.25 Zeitgenössische Musik für Kinder( III). 16.10 Feier der Wiederkehr des Tages der Papstkrönung( Berlin). 16.50 Menschen im Beruf. 17.15 Zehn Minuten Lyrik von H. Burte. 17.30 Lebenskampf der Ostmark. 17.55 Tägl. Hauskonzert. 18.35 Worte zur Winterhilfe. 19.00 Junge Generation spricht. 19.40 Bericht von den FISWettkämpfen in Innsbruck. 20.00 Reichssendung aus Bayreuth: Genio huius loci. 20.05 Richard- Wagner- Abend. 22.00 Wetter, Nachrichten, Sport. 22.45 Seewetter. Sonst Berliner Programm. Vollständiges Europaprogramm im ,, Volksfunk", monatl. 96 Pf., durch alle ,, Vorwärts" Boten oder die Postanstalten. VOLKSBUHNE Theater am Bülowplatz Täglich 84 Uhr D 1 Norden 6536 Schinderhannes von C. Zuckmayer. A. Hörbiger, C. Spira, Brausewetter, Greid, Halden, Kurz, Marlow La Traviata Städt. Oper Schiller Staatliches Schauspielhaus 19 Uhr Faust II. Teil HAUS VATERLAND Im Palmensaal Tank- Tee ven Add Rheinterrasse Familien Raffer mit Künstler Konzert BETRIEB KEMPINSKI Charlottenburg Fraunhofer 0231 Bismarckstr.( Knie) Steinpl.( C1) 6715 Sonnabend, 11. Febr. Täglich 84 Uhr 20 Uhr Turnus Tosca Cavaram, Reinmar Kandl, Heyer, Steier, Maucher, Spering, Hedlund Dirig: Ladwig Deutsches Theater Schumannstr. 13 a Weidend. 5201 Täglich 8 Uhr Der Kollo- Schlager Die Männer sind mal so Musik von Walter Kollo Söneland, Heidemann Theater Kurfürstend.- Th. Winter Garten 8 Uhr 15. Flora 3434. Rauchen erl. Gsovsky- Ballett Medini- Trio Rassana Lotte Werkmeister Die lustigen Weintraubs usw. Sonnabend und Sonntag auch naom. 4 Uhr zu kleinen Preis. TELA Theater der Woche vom 12. bis 20. Februar Volksbühne Theater am Bülowplay: Schinderhannes. Staatstheater Staatsoper Unter den Linden: 12., 17. Tannhäuser. 13. Das Rheingold. 14. Zauberflöte. 15. Eine Nacht in Venedig. 16 Das Liebesverbot. 18. Madame Butterfly. 19. Der Troubadour. 20. Sizilianische Vesper. Städtische Oper, Charlottenburg: 12. Martha. 13. Der fliegende Holländer. 14. Undine. 15. Die Entführung aus dem Gerail. 16. Der fliegende Holländer. 17. Das Rheingold. 18. Ein Mastenball. 19. Die Walküre. 20. Tiefland. Staatliches Schauspielhaus: Faust, II. Teil. 19. Die endlose Straße. Schiller- Theater: Die Männer sind mal so. Theater mit festem Programm Kurfürstendammtheater: Glückliche Reise. Deutsches Theater: Iphignenie. Die Komödie: Fingerabdrücke. Deutsches Künstlertheater: Automatenbüfett. Theater in der Behrenstraße: Bargeld lacht. Komödienhaus: Achtung, frisch gestrichen! Metropol- Theater: Bis 14. Ein Walzertraum. Ab 15. Eine Frau, die weiß was sie will! Theater des Westens: Komparserie. Theater im Admiralspalaft: Frühlingsstürme. Komische Oper: Musik um Sufi. Großes Schauspielhaus: Ball im Savon. Nollendorfplay: Die geschiedene Frau. Zentral- Theater: Bis 13. Der dunkle Punkt. Ab 14. Glück unterm Dach. Berliner Theater: Die MarneKleines 1 schlacht. Die Tribüne: Damen auf Tage. Theater: Gastspieltruppe 1931: Wer ist der Dümmste? Stenaissance- Theater: Mutter muß heiraten. RoseTheater: Der Hasenfellhändler. Casino- Theater: Der Fürst von Pappenheim. Weibsteufel. Faschingsfee. Bariete. Schauspielhaus Steglik: Der Plaza: Bis 15. Boccaccio. Ab 16. Die Stala, Wintergarten: Internationales Reichshallen Theater: Stettiner Sänger. Nachmittagsveranstaltungen Boltsbühne. Theater am Bülowplag: 19. Schinderhannes. Deutsches Künstlertheater: 18. Die Räuber. 15. und 19. Kampf der Tertia. Theater in der Behrenstraße: 18., 19. Englisches Theater. Plaza: Bis 15. Boccaccio. Ab 16. Faschingsfee. Stala: Internationales Variete. Wintergarten: 12., 18., 19. InterReichshallen Theater: 12., 19. nationales Varieté. Stettiner Sänger. Erstaufführungen Montag. TriSonntag. Staatsoper: Tannhäuser. Rose Theater: Der Hasenfellhändler. büne: Damen auf Tage. Dienstag. 8entralTheater: Glück unterm Dach. Oper: Mein Friseur. Freitag. Romische Die Freie Schulgesellschaft Tempelhof macht darauf aufmerksam, daß für die 8., 7., 6., 5. und ganz besonders für die 4. Klasse der weltlichen Schule( Manteuffelstraße) noch Schüler und Schülerinnen aufgenommen werden können. Durch den Uebergang von der Grundschule zur höheren Schule und durch neue Erhöhung der durchschnittlichen Schülerzahl werden wahrscheinlich an allen Schulen Klassen zusammengelegt werden müssen. Die Freie Schulgesellschaft Tempelhof hält es für selbstverständliche Pflicht aller frei denkenden Menschen, ihre Kinder in die Freie weltliche Schule zu schicken. Anmeldungen fönnen auch abends erfolgen: bei den Schulfreunden Frau ziedrich, Tempelhof, Werderstr. 10, Aufgang 3, 3 Trp., und Frau Krusta, Mariendorf, Kurfürstenstr. 46, vorn 1 Trp. Es ist dringend erwünscht, die Anmeldungen der Kinder möglichst sofort vorzunehmen, muss Freie Schulgesellschaft Neukölln. Filmveranstaltung„ Die hölzernen Kreuze" mußte wegen der beabsichtigten Demonstration vom Sonntag, 5. Fe= bruar, auf Sonntag, 12. Februar, ver schoben werden. Anfang 11% im Erzelsior, Kaiser- Friedrich- Straße. Karten zu 40 und 20 Bf. bei den Funktionären der Schulgruppen. Wetter für Berlin. Meist heiter, nachts Frost, Tagestemperaturen über Null liegend, mäßige nördliche bis nordöstliche Winde. Für Deutschland. Im äußersten Süden noch bedeckt mit Regen oder Schneefällen, sonst allgemein woltig bis heiter, nachts verbreitete Fröste, nirgends Niederschläge von Bedeutung. Verantwortlich für Politik: Rudolf Brendemühl; Wirtschaft: G. Klingelhöfer; Gewerkschaftsbe wegung: J. Steiner; Feuilleton: Herbert Le père; Lokales und Sonstiges: rib arstädt; Anzeigen: Otto Hengst: sämtlich in Berlin Verlag: Vorwärts- Verlag G. m. 6 H., Berlin. Drud: Vorwärts- Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer u. Co., Berlin SW. 68, Lindenstr 3 Bezugs bedingungen und Anzeigenpreise werden in jeder Morgen- Ausgabe des Vorwärts" veröffentlicht. 17 Hierzu 1 Beilage. B. B. B. CASINO- THEATER Bendows Bunte Bühne 84 Uhr. Lothringer Str. 37 Kottbusser Straße 6 Oberbaum 3500 814 Uhr Sonntag auch 1/24 U Sonntags auch 4 Uhr Buntes Theater: 814 Uhr. Wilhelm Bendow..Der Fürst von Pappenheim" Der scharfe Löwe Dazu erstklassiges Programm! Alice Hechy Gutschein 1-4 Personen: Parkett 0,60, Fauteuil 0,75, Sessel 1,25 Rose- Theater Große Frankfurter Straße 132 Tel. Weichsel E7 3422 8.15 Uhr Die Zirkusprinzessin DER UNZERSTORBARE NEUZEITL. FASERSTOFF Das Theater ohne SCHAFFT GESUNDE, BEHAGLICHE Bon- Wirtschaft WOHNRAUME IM KLEINSIEDLUNGS. U.LAUBENBAU DURCH ISOLIEREN DER Kurfürstendamm 209 Bism. 1400 814 Uhr Iphigen'e auf Tauris Glückliche DACHER, FUSSBODEN MITTELA von Wolfgang von Goethe Hach rer Inszenierun von Richard Beer- Hofmann Helene Thimig. Hart, Balser, Lie eneiner. v. Winterstein Reise Operette von Künneke ANFRAGEN U. UNTERLAGEN BEREITWILLIGST DURCH Preise von 0.60 bis EMIL ZORN A.G.23, BERLIN- HEINERSTORF 6.- M. Stettiner Sänger Reichshallen- Th., Dönhoffpl. 8.15, Sonntags 3.30 zu ermäßigten Preisen Das große Februarprogramm: ,, Karneval" Komödienhaus Schiffbauerdamm 25 Tel. 02 Weid. 6304-05, Täglich 84 Uhr Achtung, frisch gestrichen Garow's Lachbühne Weinbergsweg 20 Tel. D2,2174 Beginn 7% BEILAGE linier£öwen und Sine 3ahrl durch Südafrikas größtes Itildreferral/ Ton 3>eier Skarcrau Es gab keinen Schutz vor dem kalten Südwind. der über das kahle Veld und quer durch unsere offenen Autos fegte. Wir hatten die dicken Decken bis an den Hals heraufgezogen und wollene Schals um unsere Ohren geschlungen. „Fühlen Sie sich nicht ganz wie zu Hause?" fragte ein Afrikaner neben mir mit boshaftem Lächeln. „Danke," antwortete ich und bildete mir ein, daß es in Deutschland doch noch wärmer wäre, als an diesem Wintermorgen im südlichen Afrika. Mit Kl) Meilen Geschwindigkeit rasten die Wagen durch das öde Hochoeld bei W i t b a n k. Und doch schien es, als ob wir nicht von der Stelle kämen. Nach Stunden noch immer dieselbe Umgebung. Kein Baum, kein Strauch. Kahles, winterdürres Veld. Hier und da schwarz von einem Steppen- brand. Langgezogene Täler und Berge, die un- merklich aus ihnen hervorwuchsen, bis sie am Hori- zont in das wunderliche Blau des weiten asrika- nischen Himmels tauchten. Middelburg, Belfa st, Machadadorp. Meilen und Meilen immer dasselbe. In der Nacht knatterte die Leinwand unserer Zelte. Wir konnten nicht schlafen vor Kälte. „Wissen Sie, Doktor, stöhnte mein Nachbar jetzt in tiefem Ernst: Deutschland mag ja sehr schön und interessant sein, aber ein halbes Jahr lang solche Kälte?!— Ich habe schon von einer Nacht genug." Am Stande des SCodtreldes Am nächsten Morgen hielten wir früh am Rande des Hochveldes. Wie ein unübersehbarer Strom lag das Tiefland vor uns. Undeutlich wie ferne Dunstwolken blauten die L e b o m b o- Berge vom jenseitigen User herüber. Und mitten in dem breiten Strom schwammen die niedrigen Hügel vom Bushbuck-Ridge. Jenseits des breiten Urwaldgürtels, der sich zu unseren Füßen in sanfter Biegung dem Steilsturz des Hochlandes entgegenwarf, waren keine Einzelheiten mehr zu erkennen. Ei» warmer Wind grüßte aus dem sonnenfrohen Tal herauf und mit jeder Minute, die wir ihm näher kamen, nahm die Wärme zu. Diese Nacht am K a v y n' s Paß war wie ein warmes Bad nach einem langen Marsch durch Schnee und Eis. Viele Meilen führte unser Weg nun an dem gewaltigen Drakensbergmassiv entlang. Wie die mächtige Burg urweltlicher Riesen wuchte- ten die Bergmassen aus der ungestörten Ruhe der Täler. Wohlabgezirkelte Bergbastionen schoben uns ihre Schuttkegel in gleichmäßigen Abständen ent- gegen. Aber unser einsamer Weg zog sich wie eine sorgfältig geebnete Autostraße ungestört durch die Wildnis. Erst die Berge des Bushbuck- R i d g e zwangen ihn für kurze Zeit in die Höhe. Dunkelslockig von dichten Buschmassen, weglos und tot lag nun das fast IVO Kilometer breite Tal um uns. Lockend durch seine geheimnisvolle Weite und dem hellen Sonnenglanz, der darüber lag. Irgend jemand fing von den ersten Prospek- toren zu erzählen an, die nur mit einem alten Hinterlader bewaffnet das unbekannte Land nach Mineralien und Gold durchsuchten. Wir sahen im hohen Elefantengras, den Blick an der fernen Ebene festgesogen, und wanderten mit dem Erzähler durch die unerforschten Gebiete vor uns. Kämpften mit Eingeborenen und Leo- parden und wanderten, wanderten, wanderten. Es gab kein morgen und kein übermorgen. Wir lebten. Wunschlos, glücklich und kämpfend.— Wie wir die alten Prospektoren um ihr hartes Leben beneideten! Hinter uns warteten die Auws und in 14 Tagen mußten wir wieder in der Stadt bei der Arbeit sein. Also: Tempo. 9m Aeferraf Rabalias, der Eingang zum Reservat und die Gewehrkontrclle lag hinter uns. Wir fuhren durch dichten und hohen Busch auf S a t a r a zu.— Wir fuhren durch Märchenland. Große Herden blauer Wildebeeste und Zebras weideten unbe- kümmert auf beiden Seiten des Weges. Kaum hoben sie neugierig die Köpfe. Waren sie nahe am Wege, so bogen sie in schlankem Galopp ab. Unwillig warfen sie im Lauf die Köpfe zurück. Impalaböcke mit elegant geschwungenen Hörnern stolzierten elegant um ihre graziösen Familien, kämpften spielerisch»m ihre Frauen und schnellten in plötzlichen Sprüngen davon. Jmpalas! Zu Tausenden sind wir ihnen be- gegnet in diesen Tagen. Aber wir haben uns nie an ihnen satt gesehen. Die schmalen Glieder, die Feinheit der Zeichnung, das tiefe Rotbraun ihrer Rllckendecke, die zierliche Form ihres Kopfes, die Weichheit ihrer großen Ohren. Ich wüßte nicht, was man mehr an ihnen bewundern sollte. Dann sahen wir Säbelantilopen in der Ferne weiden. Mächtige Gemsböcke mit gefähr- lichem, säbelförmig gebogenem, starkem Gehörn. Herden erregter Paviane stoben kreischend und mit possierlichen Sprüngen den nächsten Bäumen zu. Ungemein gravitätisch und in vollem Bewußt- sein chrer Wichtigkeit beobachten uns häßliche Du schsch weine. Hinter Satara auf dem Weg nach Tschok» w a n e sahen wir die ersten K u d u s. Wahrhaft königliche Tiere mit majestätisch aufgewirbeltem Geweih. Im gewaltigen Sprung setzten sie über unseren Weg. Wasserböcke. Roananti- l o p e n, E l a n d, T s e s s e b e. Es ist beinahe unmöglich, alles aufzuzählen, was wir bereits in den ersten Stunden zu sehen bekamen. Begegnung mit JCönen Wir glühten vor Erregung und der Kopf schmerzte. Aber Löwen.— Wir wollten Löwen sehen.— Zeichen vom vorfahrenden Auto: Vor- ficht! Langsam nachkommen! Löwen!— Und dann sauste mit in der Luft wirbelnder Schwanz- quaste ein Buschschwein davon. Langsam senkte sich die Dämmerung herab. Aber noch war alles deutlich zu erkennen. Wir hatten unsere Freunde im zweiten Wagen etwas hinter uns gelassen. Eile tat not. Wir mußten vor Dunkelheit im Kamp sein. Alles blickte der schnellen Fahrt wegen nach vorn. Plötzlich quietschten die Bremsen. Der Wagen hielt. Seillich vor uns, frei auf einer niedrigen und buschfreien Erhöhung stand unbeweglich eine Löwin und fixierte unseren nur zehn Schritte entfernten Wagen. Auch wir starrten wortlos aufwärts. Der Motor surrte leise. Erregte Worte wurden flüsternd ausgestoßen:„Herrliches Tier! Brutal! Welche Kraft!" Die Löwin blickte horchend in die Richtung, in der der zweite Wagen kommen mußte. Dann trabte sie gleichmütig in das Dickicht. Es wurde schnell dunkel. Unsere Lichter geisterten über den Weg. Rechts und links drohte schwarzer Busch. Der Pfad schien ins Endlose zu führen. Wir mußten längst im Kamp sein. Ob wir uns verfahren hatten?— Plötzlich ein großes phosphoreszierendes Auge vor uns.— Verlangsamte Fahrt. Eine Gestalt ließ sich aus dem dunklen Hintergrund nicht erkennen. Also langsam auf das Auge los. Eine kleine Nachtschwalbe flatterte erschreckt davon. „Damned." Peterchen, der Page der Papageien-Bar, ist der Liebling aller Gäste. Sie lächeln wohlwollend über den kleinen Burschen mit dem sauber ge- scheitelten Haar und den schalkhaften Augen— und alle hetzen sie ihn nach Bequemen. Niemand verspürt in der kreiselnden Ausgelassenheit, wie feucht die kindliche Hand ist, die das Trinkgeld empfängt und wie blaß und hohl das Gesicht. In den wenigen Minuten der Ruhe flüchtet Peterchen zu dem Zigarettenmädchen Lolli in die Garderobe und drückt sich schlafsüchtig in eine Ecke. Aber die Lider öffnen sich bald wieder von Ueber- müdung. Lolli bereitet Kaffee in ihrem elek- irischen Kocher. Der Junge liebt das sanfte dunkle Mädchen mit der ganzen Hingabe und Bewunde- rung des Kindes, das früh mutterlos wurde und das von niemand sonst gegen die Herzlosigkeiten des Lebens in Schutz genommen wird. Und er sehnt den Augenblick herbei, in dem er sich seiner- seits als ihr ritterlicher Beschützer zeigen darf. Seine Knabenphantasie beschwört die schrecklichsten Gefahren, aus denen man Lolli klug und kühn be- freien kann. Und wenn man auch reichlich viel Prügel dabei bezieht, ja oft sogar angeschossen wird, so finden doch alle diese erträumten Händel ihr gutes Ende. Kurz vor Schluß der Bar kommt Willi, der Freund des Zigarettenmädchens. Er malt in einem ungeheizten Atelier Bild um Bild und träumt sich mit Lolli aus der Not der Gegenwart in eine großartige gemeinsame Zukunft. Er ist der einzige, auf den Peterchen nicht eifersüchtig ist, der einzige, der von ihm aus mit seiner Lolli glücklich werden darf". Ja, Peterchen ist der kleine Gönner der Liebenden. Immer hat er für Willi einige Zigaretten und Gebäck stiebitz. Und Lolli läßt er niemals ohne eine Rose fortgehen, die er von einem der Tische gemaust hat. Bleibt Willi aus, so ge- leitet Peterchen das Mädchen heim— mag der jeweilige Verehrer aus der Bar, der das Zigarettenmädchen„unbedingt noch sprechen muß", auch noch soviel mit den Augen zwinkern und den Pagen mit einem anständigen Trinkgeld abzufinden bemüht sein. Bestellt der unabweisliche Verehrer einen Wagen, so hockt Peterchen auch schon, schmupvs! auf dem Rücksitz. Und Lolli erklärt mit gut gesnieltem Unwillen:„Ach ja, das ist mein kleiner Bruder. Den müssen wir schon mitnehmen." Dann grinst Peterchen in die Finsternis, dieweil der Herr die Handschuhe zwischen die Knie hängt und erbost zum Fenster hinausblickt. Später zottelt Peterchen heim durch die rauhe Winternacht— die Fäuste in die Taschen des viel zu kurzen Mantels aebohrt und qreisenhaft vor sich hinnickend. Um sieben rasselt schon wieder der Wecker Dann muß für das kleine Brüderchen die Milch besorgt werden und für Vater der Kaffee. Und um acht ist es höchste Zeit, zur Schule zu Wieder surrte der Motor und wieder muhten wir verlangsamen. Ein Jmpalabock starrte regungslos in die Richtung, in der wir fuhren. Das Kreischen der Bremsen lieh ihn herumfahren. Er blickte direkt in unsere Lampen. Verstört gab er den Weg frei. Sobald er aus unserem Lichtkegel heraus war, erfaßte er die Situation und mit einem Satz verschwand er im dunklen Busch. Wir wurden immer unsicherer. Waren wir aus dem rechten Weg? Der Pfad senkte sich. Wir fuhren durch eine Schlucht und hielten vor einem breiten Strom. Das jenseitige Ufer war nicht zu sehen. Baumstämme lagen, lose mit Draht zu- sammengehalten, im Wasser. Wir mußten es ver- suchen. Der Wagen versank bis über die Achsen. Langsam und rüttelnd ging es vorwärts. Dunkel tauchte das jenseitige Ufer auf. Wieder eine tiefe Schlucht. Dann sahen wir Lichter und hörten Stimmen. Wir waren am Reserve-Kamp. Auf primi- tiver Fähre wurden wir über den Sabi-Fluß ge- zogen. An den offenen Feuern vor unseren stroh- gedeckten Hütten sahen wir beisammen und hörten fern das Brüllen der Löwen. In der Nacht— die Tür der Hütte stand offen— klang es nah und drohend. Ua— uff— uff— uff. Die Luft schien zu dröhnen und die Erde zu zittern. * Früh am Morgen— wir hatten das Kamp kaum hinter uns— tauchte ein Gepard aus dem Dunst vor uns auf, kam im weichen Lauf bis an unseren Wagen und bog erschreckt und mit katzen- hafter Bewegung ins Dickicht zurück. Ein Morgen- spuk. Ein andermal streiften wir die Wasser- Plätze des Sabi-Flusses ergebnislos ab. Enttäuscht bogen wir nach Tschokwane ab, um über Satara den Elefantenfluß zu erreichen.— Die Sonne stand schon hoch. laufen. Wenn die Schulglocke zum dritten Male klirrt, ist der atemlos rennende Junge zumeist erst an der Ecke Greifswalder Straße. In der Rechen- stunde spätestens übermannt ihn die bleierne Müdigkeit. Rektor Siebert hat den Jungen schon zweimal wegen seiner steten Schläfrigkeit väterlich zur Rede gestellt. Und einen Brief hat der Rektor an Vater geschrieben. Peterchen hat den Brief ab- gefangen und vernichtet. Es hätte nur Prügel ge- fetzt— nichts sonst. Die Nachbarsfrau wollte ein- mal für den mutterlosen Jungen ein gutes Wort einlegen und hielt dem Vater vor, daß Nachtdienst für Schulkinder doch verboten sei.„So? Aber zu verrecken ist nicht verboten? Was?" Das war Vaters Antwort.— Peterchen ist von Müdigkeit oft so krank und matt, daß er sich sehnlich den Tod wünscht. Nur der Gedanken an Lolli, auf die er acht geben muß, ist es, was ihn immer von neuem antreibt und aufrüttelt. Dann kam jene Nacht— der Neumond hing wie ein krummes Messer über allen Köpfen und der Nordsturm wütete gegen die starren Häuser- fronten. Zornig prellte er die Mäntel und Pelze in der Garderobe der„Papageien-Bar", als Herr Czeczeny die Tür von draußen aufriß und dem Pagen wie einem Börsenfreunde die Hand drückte. Dann stülpte er dem Peterchen seinen Zylinder über und schlug mit den Handschuhen den Takt des Tanzes darauf, den man drinnen spielte. Ja, er war schon wieder reichlich in Stimmung, der allgewaltige Herr Czeczeny, Diktator über Gummi und Kokosfette— man sah es an seinem see- kranken Schritt, mit dem er jetzt, von der Kapelle durch einen Tusch begrüßt, die Bar durchquerte, Czeczeny dankte mit einem braunen Schein. Dem Zigarettenmädchen Lolli war er bereit, noch sehr viel mehr zu schenken.„Da nimm Brief- tasche ganzes, schwarzes Luderchen du!" rief er asthmatisch und zerrte an dem Zigarettenkasten, der ihn zu stören schien, wie ein ungezogener Junge. Dies begab sich gegen halb drei in einem leeren Zimmer am hinteren Korridor. Lolli wehrte sich kaum noch. Sie liebte ihren Willi. Schon recht. Aber Willi hungerte und fror und jetzt war er auch noch krank. Und hier lag Geld, viel Geld— genug, um Willi für einige Monate zu retten und um auch noch für Peterchen einen Wintermantel zu kaufen. Ja, Peterchen! Wenn er doch nur da wäre! Dann wäre ja alles mit einem Male entschieden! Aber jetzt läßt auch er mich im Stich, der kleinen Prahlhanz! Peterchen hockt in der Garderobe, fährt empor aus einem kurzen Nickerchen und horcht auf. Nirgends ist Lollis weiche Stimme zu hören: „Zigarren, Zigaretten, Schokoladen, Konfitüren." Geschmeidig windet er sich durch die tanzenden Paare. Im Hinteren Korridor steht Luise, die SONNABEND, 11. FEBRUAR 1933 Da bewegte sich etwas weit vor uns auf dem Weg. Wir fuhren vorsichtig näher. Löwen. Ein zerrissenes Wildebeest lag mitten aus dem Weg. Wir kamen langsam näher. Rechts und links von uns Schakale, 2, 3, 10, nein 30, 40. Wir waren mitten in einem Ring von diesen kleinen, pfiffigen Füchsen, die gierig auf den Rest der Mahlzeit warteten. Die Löwen hörten unsere Motore und erhoben sich widerwillig. Sie starrten uns böse an. Ent- schlössen sich, zu gehen: kamen wieder: zögerten und trollten sich schließlich doch. Der eine links, zwei rechts vom Weg. Wie auf ein Kommando stürzten sich jetzt die Schakale auf das Aas, um ebenso schnell wieder auseinanderzustieben. Für einen Augenblick hatte der Hunger die Angst vor dem fremden Autotier überwunden. Nun lauerten sie wieder hinter niederem Gebüsch. Kamen einzeln hervor. Zerrten hastig an den Flanken des Gnus, sicherten, zerrten wieder, suchten Deckung, zerrten wieder, bis sie ihre blutige Beute im Maul davontragen konnten. „Wir müssen Aufnahmen von den Löwen machen," begeisterte sich meine Frau und bereitete erregt die Kamera vor. An den flüchten- den Schakalen und dem völlig zerrissenen Aas vor- bei, hielten wir auf den ersten Löwen zu, der uns mit gesenktem Kopf finster anstarrte Borsichtig wurde die Kamera aus dem Fenster geschoben. Der Finger suchte den Auslöser. „Rechts hinter uns liegen die beiden anderen Löwen," stellte einer sachlich fest. Erschrocken fuhr meine Frau zurück, stieß mit der Hand gegen die Fensterrahmung und ihre Kamera rollte auf den Weg. Ohne sich zu besinnen, sprang unser afrikanischer Freund aus dem Wagen, packte die Kamera und war wieder bei uns. Die Löwen hatten sich im Sprung zurückgeworfen und flohen. ★ Tagelang noch ging's durch dichten Dornbusch, freie Steppe, phantastische Haine giftgrüner Fieberbäume, Wälder, herbstbunter M o p a n i s und winterdürrer S y r i n g e n. Mehr als hundert trockene Flußläufe wurden durchquert, deren sandige und felsige Betten von niedrigem Palm- dickicht umsäumt waren. Immer wechselte die Landschaft und immer sahen wir Wild, Löwen, Giraffen, Antilopen, bis wir hinter Letaba das Reservat wieder verließen. Toilettenfrau, Sie führt den. Zeigefinger vor den Mund und deutet mit dem Graukops— die Lippen darin sind auf häßliche Weise verkniffen— gegen das leere Zimmer. Der Junge erbleicht, reißk die Tür auf. schnellt an Czeczeny hoch und schlägt ihm mit der Wucht des im Sprunge sich werfenden Körpers die Hand ins Gesicht. Einmal, zweimal, noch einmal. Czeczeny lacht. Die Hängebacken, das Doppelkinn, die Bauchtrommel, alles das hüpft nur so von Gelächter. Gemächlich packt er den roten Kragen des kleinen Pagen, der da drohend wie ein Weltenrichter zu ihm aufblickt, brummelt gemütlich„Ganz dummes Kind, du!" und trägt, das Zigarettenmädchen mit einem sanften Stoß zurückweisend, den reglos hängenden Jungen in das Direktionszimmer zu Herrn Oelke. Mit würdiger Gelasienhett spricht Czeczeny nur wenige Worte, Herr Oelke beschränkt sich in Gegen- wart des hochnotierten Stammgastes gleichfalls auf das Notwendigste und Peterchen oerharrt in schweigender Verachtung. Er weiß: jetzt ist alle- vorbei! Herr Oelke jagt mich fort und Vater darf ich ohne Stellung nicht vor die Augen kommen. Und freudevoll denkt der Junge: nun werde ich endlich Ruhe haben!— Das Zigarettenmädchen Lolli, die sich in das Direktionszimmer gedrängt hat, ist die einzige, die sich zu einem überzähligen Wort hinreißen läßt. Herr Oelke bedeutet ihr, daß niemand sie daran hindere, mit ihrem Liebling ihrer Wege zu gehen. Und Peterchens Blick fleht sie an: sei still, Lolli! Denk du an Willi! Untröstlich schaut sie den Jungen nach, der da, die Fäuste in die Tachen des viel zu kurzen Mantels gebohrt und barhaupt— die Pagenkappe blieb ja im Schrank des Herrn Oelke— in die brausende Winternacht hinübergeht. Finster ist es und entfesselter heult der Sturm. Er stößt in den Rücken des Jungen wie in ein schlaffes Segel. Fort! Nur weit fort! denkt Peterchen unaufhörlich. Ach, wenn ich doch schon irgendwo hinfiele und nie wieder ausstehen müßte, nie mehr vom Wecker aus dem Schlaf geschreckt würde! Nun rennt Peterchen mit dem Nordsturm um die Wette... ist schneller als er... und rennt atemlos weiter und weiter, als hörte er die Schul- glocke zum dritten Male klirren und ist doch erst an der Ecke Greifswalder Straße.— Dann hält er inne, keucht:„Muttchen, Muttchen!" streckt die Arme ins Leere und läßt die Füße nur noch über- einanderfallen. Schritt um Schritt. Irgendwo muß sie doch stehen, die Mutter, und aus ihn warten. Und:„Mein Schnuckelchen!" wird sie dann sagen. So sprach sie immer des Abends, wenn sie an seine Schlafkiste trat und das Bett zurechtklopfte und leicht die Hand durch sein Haar gleiten ließ: „Schnuckelchen, mein Schnuckelchen— nu schlaf du man, hörst du?" Zwei Tage später fanden Waldarbeiter die arm- selige Leiche eines Jungen am Ufer des Grüne- waldsees. Die Froststarre hatte die letzte Gebärde seiner Züge bewahrt: das dankbare Lächeln».it dem Kinder müde und im Vewußffein treuer Hut entschlummern. Qünlher ffiirkenfeld: berliner Skissen ä)er&age Was bringt die Autoausstellung? Die Klein- und Kleinstwagen beherrschen das Feld In den Messehallen am Funkturm findet vom 11. bis 23. Februar die Internationale Automobilund Motorradausstellung statt. Sie ist jeden Tag von 10 bis 20 Uhr geöffnet. Der deutsche Automobilbau befindet sich in einer Zwickmühle. Die Steuergesetzgebung zwingt die Fabriken, kleine Motoren mit großen Leistungen zu bauen, weil der Hubraum des Motors besteuert wird, ohne Rücksicht darauf, in welchem Umfange das Fahrzeug benutzt wird. Die Wirtschaftskrise, die viele Fahrzeughalter zur Aufgabe ihres Autos, mindestens aber zur Herabsetzung der Unterhaltskosten, das heißt also, zur Veräußerung des mittleren und großen Wagens und zur An fchaffung eines Kleinautos zwingt, veranlaßt das Streben der Fabriken. Auf der anderen Seite missen selbstverständlich die Konstrukteure sehr genau, daß die aus einem Motor herauszuholende Kraftleistung beschränkt ist. Jedes künstliche Hochtreiben der Leistung über ein durch die natürlichen Verhältnisse bedingtes Maß hinaus, ge= schieht auf Kosten des Verschleißes, also der Lebensdauer der Maschine. Wer das Auto nicht als Zurusgegenstand, sondern zur Erfüllung seiner Berufs- und Geschäftspflichten benutzt, knüpft an den neuen Kleinwagen die gleichen Erwartungen, die er früher von seinem größeren Wagen erfüllt sah. Die Industrie muß dem entgegenkommen. Sie schraubt die Motorenleistung durch Erhöhung der Motorenleistung hoch, verringert aber gleichzeitig das Wagengewicht, so daß schließlich eine Wagentomposition entsteht, die wirtschaftlich und[ D= meit es irgend geht auch konstruktiv tragbar und zu verantworten ist. Die durch die frühere Größe des Wagens bedingte Sicherheit beim Fahren, die gute Straßen= lage, der erschütterungsfreie Lauf, kurz, die Bequemlichkeit wird jetzt erreicht durch Verwendung von Schwingachsen, von einzeln aufgehängten Rädern, durch noch weiteres Herabziehen des Chassis auf den Boden, durch den Vorderradantrieb, Luftkühlung der Motoren, durch Stromlinienfarosserien und durch dergleichen Kunstkniffe mehr. Aus diesem Wust von Neuanwendung schon vorhandener oder neu erfundener Wagena heile wird sich in der Zukunft ein Wagen herausfristallisieren, der der Gebrauchswagen werden wird. Borerst wird es einem etwas schwindlig im Kopf, beim Anblick all des Neuen, Ungewohnten, Nochnichterprobten, früher schon einmal Abgelehnten. Fachleute haben errechnet, daß bei einer vernünftigen steuerlichen Belastung die heimische Autoindustrie und die Kraftverkehrswirtschaft zu dem porhandenen einen neu zu erreichenben Jahresumsat von etwa 10 milliar= den( nicht Millionen) Mart erreichen fönnte. Um ein Schlagwort zu gebrauchen: die Gesamtkraftverkehrswirtschaft Deutschlands fönnte um 10 Milliarden angefurbelt werden. Das gäbe Arbeit, Verdienst, Brot, gäbe Belebung der Wirtschaft, hieße Beseitigung der Krise zu einem erheblichen Teil. Automobilfabriken, Zubehörteilfabriken, Groß- und Kleinindustrie fönnten arbeiten lassen. Tausende Fabriken, hunderttausende Arbeiter hängen, wie bei der Bauwirtschaft, an der Kraftverkehrswirtschaft. Wer aber heute bei gefuntenem Umsatz und Lebensstandard seinen Wagen noch ebenso hoch versteuern soll wie früher, als er ihn voll ausnuzte, wer heute noch beim Einkauf von Benzin dem Staat unerhörte Sondersteuern leisten muß, nur weil er eben Benzin zur Fortbewegung bei der Arbeit braucht und nicht Lederstiefel, der stellt den Autobetrieb ein oder er setzt Anschaffungs-, Unterhaltungs- und Betriebskosten auf das Möglichste herab. Das ist die Situation in der deutschen Kraftverkehrswirtschaft! In diesen Zeichen findet die diesjährige Automobilausstellung statt! Die Dreiradwagen Bor zwei Jahren erregte ein dreirädriger kleiner Rupeewagen mit einem 200- RubikzentimeterZweitaftmotor großes Aufsehen. Ungläubig standen die Besucher vor diesem Gefährt, von Zweifeln befangen, ob man es hier mit einem Witz der Konstrukteure oder mit dem Anfang einer Entwicklung zu tun habe. Dieser Klein st wagen foftete teine Steuern, man brauchte feinen Führerschein, er nahm mit der kleinsten Garage vorlieb; er kostete 1400 M., also soviel, wie ein anständiges Motorrad, und doch saß man trocken, der lästige Fahrwind fiel weg und das Mägelchen leistete geradezu bewundernswertes im Stadtverkehr und auch bei größeren und fleineren Landfahrten. Gewiß, den mittleren und großen Wagen ersetzte er hinsicht lich, Schnelligkeit, Komfort, Fahrsicherheit auf der Straße nicht. Aber er genügte doch den durch die Wirtschaftsnot herabgesetzten Ansprüchen. Solcher Wagen gibt es auf der diesjährigen Ausstellung eine ganze Anzahl. Die Preise bewegen fich zwischen 1100 und 1600 Mart. Die Goliath. werte sind wieder damit vertreten, Rollfig baut ihn, ferner Taschner, Theiß und Framo. Einige sind dabei geblieben, das Einzelrad vorn und den Motor direkt auf dieses Rad wirken zu lassen. Andere wieder haben an die Borderfront zwei Räder gesezt, haben dazwischen einen ganz modern profilierten Kühler gebaut. haben der Karosserie Stromlinienform gegeben und auch sonst alles Erdentliche getan, um einen größeren Wagen, ein richtiges Automobil, vorzutäuschen. Das sind lebertreibungen eines ge sunden Konstruktionsgedankens, der auf Kosten von Material, Motor und Qualität gehen muß. Der Wagen ohne Kühler Die Sensation der Ausstellung dürfte der luftgefühlte 1½- Liter- Motor der NA G.- Werke sein. In dem Bestreben, den Herstellungspreis unter allen zu verantwortenden Umständen her. abzudrücken, ist man auf den luftgefühlten Motor, den bisher fast ausschließlich die Phänomenmerte bauten, zurückgekommen, der den teuren Stühler, die Kühlwasserleitungen, die Rühlmäntel an den Zylindern und Armaturen überflüssig macht. Der 6/30 PS starte Motor hat gegenüberliegende 3ylinder und wirkt als Vorderantrieb auf die Führungsräder. Auch Röhr bietet eine solche Maschine. Die Kleinwagen Kleinere Wagen mit Motoren zwischen 0,8 und 1,2- Liter- Motoren zeigen BMW., Opel, Brennabor, DKW., Hanomag. Die Verringerung des Wagengewichts gab die Möglichkeit, Motoren zu verwenden, die bei kleinerem Hubvolumen geSport am Sonntag Das Wasserball- Turnier Wir verweisen noch einmal auf das morgen, Sonntag, 20 bis 23 Uhr, stattfindende Turnier der Arbeiter- Wasserballspieler, das im Wellenbad am Lunapart ausgetragen wird. Zehn ausgezeichnete Spitzenmannschaften stehen im Kampf, und das Interesse für dieses seltene Sportereignis dürfte über den Kreis der Schwimmsportanhänger hinausgehen. Für 50 Pf. Eintrittsgeld ist der Zuschauer zugleich berechtigt, in einer besonderen Badepause Mitbadender zu sein. Die beste Fahrverbindung zum Wellenbad ist die mit der S- Bahn bis Bahnhof Halensee, oder mit den Straßenbahnen 76, 78, 91, 176, und den Omnibussen 1, 2, 7. Der Arbeiter- Fußballverein Hanja 31 spielt mit allen seinen Mannschaften morgen Sonntag auf dem Plaz in der Christianiastraße. Spieltermine: 9.30 Uhr: Hansa Schüler gegen Wilmersdorf Schüler; 10,30 Uhr: Hansa Jugend gegen Minerva 28 Jugend; 11,30 Uhr: Hansa II Mannschaft gegen Butab II Mannschaft; 13 Uhr: Hansa I Mannschaft gegen Butab I Mannschaft. Minerva Neukölln fucht für Sonntag, 12. Februar, für zwei Mannschaften Spiele auf Gegners Plaz. Anrufe heute, Sonabend, unter F 2 1988 Don 18 bis 19 Uhr. ,, Bon klein bis Groß" betitelt sich die diesjährige Werbeveranstaltung der Freien Turnerschaft Groß- Berlin, Bezirk Reinidendorf- Ost. Die Veranstaltung beginnt um 17 Uhr in der Turnhalle des Realgymnasiums Bernerstraße. Der Eintritt ist frei. Der junge Bezirk der FTGB. hat es fertig gebracht, sich in furzer Zeit die Sympathien der Arbeiterbevölkerung zu erwerben. Das reichhaltige, gute Programm bietet für jeden etwas. Zum ersten Mal sieht man ein Saalhockeyspiel, sowie das lebhafte Bückeballspiel" der Handballer. Der Sprech, Sing- und Bewegungschor gibt dem Ganzen zum Schluß den Ausflang, das Bekenntnis zum Sozialismus. Arbeiterschach. Am Sonntag, von 9% bis 13% Uhr, steigt die fiebente Runde um die diesjährige Abteilungsmeisterschaft der Freien Arbeiter- Schachvereinigung Groß- Berlin in der B- Klasse. Hier die Begegnungen: Norden I hat die starken Westender zu Gast, Lokal Weiß, Bornholmer Str. 1; Friedrichsfelde gegen Treptow II im Lokal Tem= pel, Gudrunstr. 7; Wedding II gegen Humboldthain II im Lokal Herms, Müllerstr. 26; Moabit gegen Norden II im Lokal Schmidt, Wicleffstr. 17. Ab 15 Uhr für alle Schachfreunde im Gewertschaftshaus, Engelufer, freier Schachverkehr. Gäfte überall gern gesehen. Zum zweiten Male Steher im Sportpalaft. Der Sportpalast hat sich die Erfahrungen vom ersten Steherrenntag zunuze gemacht. Er wird am Sonntag nicht nur drei, sondern vier Dauerfahrer die drei Läufe des Großen Steherpreises bestreiten lassen. So werden sich spannende Kämpfe entwickeln können, wobei diejenigen die Oberhand behalten dürften, die über die größte Zähigkeit verfügen und deren Schrittmacher am geschichtesten führen. Alle vier Schrittmacher: Salbow, Ge damke, Meinhold jr. und Przyrembel beherrschen die kleine Holzbahn ausgezeichnet. Ein weiterer erfahrener Führer steht in Bajorath zur Verfügung. Deutschlands vier beste Winterbahnfahrer, Möller, Mege, Sawall und der junge 2ohmann, werden ihre Kräfte messen. ringere Steuern fosten, aber infolge höherer Berdichtung schneller laufen und daher mehr leisten. Allgemein setzt sich die geteilte Achse durch, sowohl bei Border wie bei Hinterrädern. Als Schwingachsen ausgebildet, wird durch sie das Chassis und die Karosserie, also der ganze Wagen beim Ueberfahren von Bodenunebenheiten geschont, meil jedes Rad gesondert ausweichen kann. Adler bringt die bekannten Typen Favorit, Stan dard, Primus und Trumpf in verbesserter Auflage heraus. Auch hier Schwingachsen, Tief= rahmen, größtmöglicher Komfort, beste Straßenlage. Die DK W. hat die Zweizylinder- 3meitaftmotoren beibehalten, aber die Chassis und Karosserien ausgebaut, modernisiert. Stromlinienform ist Trumpf, ob mit oder ohne Berechtigung ist Nebensache. Was über 100 Kilometer Ge= schwindigkeit sein soll, rechtfertigt den verbesserten Abfluß der Luft an der Stromlinienbarosserie: wenn aber fleine Wagen mit etwa 40 Kilometern nur in der Stadt oder bei Ausflügen zu fahren haben, so wirft die Stromlinie etwas komisch. Es ist so ein bißchen Vorspiegelung falscher Tatsachen. Einen nur mit 770- Rubikzentimeter- Zweitaktmotor ausgerüsteten Wagen 4000 Mart tosten zu lassen, weil die Karosserie aluminiumbronzen in der Sonne funkelt, ist wirtschaftlicher Unsinn. Für den Preis erhält man heute einen mittleren Reisewagen mit 1½- Liter- Viertaftmotor. BM B. hat Vierzylinder- Viertaktmotoren von 0,8 bis 1,2 Liter Hubvolumen, also in einer niedrigen Steuerstufe, gibt aber sehr viel auf Eleganz der Karosserien und ist deshalb nicht gerade billig. DaimlerBenz ist bei seinen bewährten Typen geblieben. d. h. hat nicht gerade Kleinwagen gebaut, aber dem modernen Geschmack hinsichtlich Kühler- und Kotflügelform Rechnung getragen. Hanomag hat in seine sehr geräumige Wagen einen 900Kubitzentimeter- Motor eingebaut und erreicht mit diesen an der Bremse 18 PS. Opel baut seine Kleinwagen mit allem Chassiskomfort, aber ohne Schwingachsen, geht aber dafür im Preise auch bis auf 2100 Mark für den Viersizer herunter. Was die anderen Fabriken für niedrigste Preise bieten, ist bewundernemert. Die Wagen verraten, soweit die äußere Aufmachung in Frage steht nichts von einer bandmäßigen Herstellung und erinnern in Karosserieform, Lackierung und Ausstattung an die teuersten Wagen aus handwerksmäßiger Anfertigung. Der Maybach- Tank Die Maybach werte, bekannt durch die Herstellung nur großer, repräsentabler und entsprechend teurer Wagen, haben den Clou der Ausstellung: einen Maybach, Typ 3eppelin, mit 8 Lifer, 200 PS, 12-3ylinder- Motor, der dem Wagen eine Geschwindigkeit von 185 Kilometern pro Stunde gibt. Hier ist die Stromlinienform der Karosserie angebracht: die Form beim Zeppelin ist so extravagant, daß der ganze Wagen in einer großen Linie verläuft. So schön er aussieht auf der Landstraße muß man Angst vor ihm haben. Er ist erst in zmei Exemplaren gebaut und fostet die Kleinigkeit von 43 000 Mart. Ueber die Motorräder und die Lastwagen werden mir später berichten. M. J. Die Autoausstellung wurde heute vormittag offiziell eröffnet. Drei routinierte Sturztappenfahrer hat Lohmann, der durch ein siegreiches Steherdebut in Dortmund großes Aufsehen verursacht hat, bei seinem ersten Berliner Berufsfahrerstart zu Gegnern. Der Westfale tritt hinter Brzyrembel zunächst gegen den von Gedamke geführten Sawall an. Ueber 5 Kilometer geht dieser erste Verfolgungslauf. Noch offener ist der zweite Berfolgungslauf zwischen Mege( Saldow) und Möller( Meinhold). Sieger und Unterlegene bestreiten zwei weitere Ber folgungsrennen. Ueber dreimal 20 Kilometer führt der Hauptwettbewerb des Abends. Zwischendurch bestreiten einige zwanzig der in Berlin ansässigen Berufsflieger drei Wettbewerbe, so daß auch die Freunde der Kurzftredenrennen auf ihre Kosten tommen. Winter- Trabrennen zu Ruhleben. Das intereffante Programm der Trabrennen zu Ruhleben am Sonntag ist dem Gestüt Elten gewidmet und die einzelnen Konkurrenzen tragen die Namen berühmter Pferde der bekannten rheinischen Traberzuchtstätte. Im Mittelpunkt steht der Preis von Elten, eine über 2400 Meter führende Prüfung für die internationale Klasse. Zwei gut gelungene Ausgleichfonkurrenzen sowie die gewohnten beiden Die Rennen beginnen wieder um 12,30 Uhr. schönen, einwandfreien Bahnen war sehr hart. Trotzdem darf gesagt werden, daß die Resultate nicht den Erwartungen entsprachen. Es wird Aufgabe der einzelnen Sportwarts sein, an den Trainingsabenden sich mehr um den einzelnen Regler zu kümmern. Aus dem ersten Kampf ging als bester der Klub Vorwärts- Berlin hervor. Ihm folgen der Reihe nach: Freie Schwimmer Spandau, Frei weg- Brandenburg, Frei Holz Spandau, Rührige Mannschaft, Knorte, Borwärts Brandenburg, Zu spiß. Frei weg Berlin( nicht gewertet, da nur mit 4 Mann angetreten). Bester Einzeltegler des Tages mar Neubauer von Vorwärts Brandenburg Die Startzeiten für den zweiten Kampf, der wahrscheinlich am 26. Februar stattfindet, werden den Klubs rechtzeitig bekanntgegeben. U F P Freistil- Ringkämpfe Das Interesse ist sehr gering Nach einer längeren Bause wurde gestern wieder einmal der Versuch unternommen, dem freien Ringkampf auch in Deutschland ein Betätigungsfeld zu verschaffen. Der Veranstalter war die neugegründete Ringer- Union". Bermag auch dieser recht harte Kampfsport in Amerifa Tausende von Anhängern zu gewinnen, so wird die Popularisierung in Deutschland bestimmt nicht in Kürze zu erreichen sein. Der sportliche Wert des griechisch- römischen Ringkampfes ist weitaus größer und wird bestimmt dem catch as catch can vorgezogen werden müssen. Die beiden gezeigten Kämpfe dieser äußerst derben Kampfart es auch bei uns eine etwas gemilderte Form sein soll konnten gestern nicht restlos befriedigen; ob es an den etwas ungleichen Paarungen lag oder an dem vorerst noch sehr geringen Interesse der Ringsportanhänger mag dahingestellt bleiben, jedenfalls war der große Saal des Saalbau Friedrichshain nur sehr schwach besetzt. * menn Im ersten Kampf rang Favre- Schweiz gegen Amerikas beliebtesten Fristilringer Shermann, der sich als der trickreichere und gewandtere erwies, der auch geschickt die Beine verwandte. F. mußte viel an den Amerikaner abgeben und wurde durch die eisernen Umklammerungen, Scheren und Hebelgriffe arg bedrängt, erst im letzten Gang tonnte der Schweizer etwas aufholen und ein schmeichelhaftes Unentschieden erreichen. Eine große Enttäuschung war der Hauptkampf Kley gegen den Engländer Brooks. Der Engländer, wesentlich leichter, war nicht der richtige Gegner für den meitaus besseren Berliner. K. schonte den Gegner sichtlich etwas lange und erst in der 18. Minute flog der Engländer, nachdem er dreimal mit aller Kraft zu Boden geschleudert murde, für die Zeit glatt auf die Schultern. In den sportlich wesent lich schöneren griechisch römischen Ring fämpfen siegte Banat in ber 12. Minute über Rau durch einen Ueberwurf und Berg fonnte Böttcher in der 18. Minute mit einem Untergriff von hinten bezwingen. Chmura Bolen verjuchte es erstmalig im Ringen gegen Stuve, leider renkte er sich nach einem guten Beginn in der ersten Runde den Arm aus und mußte aufgeben. So ist's richtig! m. Wie uns die Freie Sport und Schützenvereini gung, die den Kleinkaliberschießsport betreibt, mitteilt, hat die Polizei am 2. Februar die Waffen und die Munitionsporräte, die auf dem eigenen Schießstand der Vereinigung in der Michaelkirchstraße lagerten, beschlagnahmt. Seit 1930 betreibt die Vereinigung mit polizeilicher Genehmigung den Schießstand und erst noch am 30. Januar 1933 ist ihr von der Polizei das Lagern von Waffen und Munition genehmigt worden. Eine Begründung für die Beschlagnahme gab es nicht, der gleiche Dezernent im Polizeipräsidium, der die Genehmigung erteilte, zog sich bei der persönlichen Rücksprache des Vereinsvertreters hinter Ausflüchte zurück. Selbst der Vereinsschrank wurde versiegelt, so daß es dem Verein unmöglich ist, seinen Betrieb ordnungs mäßig durchzuführen. Schwarzes Brett Berein für Körperkultur Proles. Heute, Sonnabend, 19% Uhr, in der Kreisgeschäftsstelle, Elfäffer Str. 86, Jahresgeneralversammlung. Die Fauftballmannschaften, 1. und 2. Ortsgruppe, treten Sonntag, 9½ Uhr, im Stadion Lichtenberg, die Mannschaft der Weddinggruppe um 9% Uhr auf Play Rehberge zum Rundenspiel an. Freie Kann- Union Groß- Berlin. Sonntag, 9 Uhr, Arbeitsdienst im Bootshaus Köpenid. Herrenfahren versprechen weiteren guten Sport. 3. Musizierstunde ,, Frei Holz" Von den Arbeiterkeglern Der Deutsche Arbeiterfeglerbund, Gau Berlin Brandenburg, eröffnete seine Kämpfe um die Gaumeisterschaft im Reglerheim Neu- Babelsberg. Trotz der bei den Arbeiterfeglern herrschenden großen Arbeitslosigkeit waren alle Vereine angetreten. Der Kampf auf den des Proletarischen Orchesters der Sozialistischen Arbeiterjugend. morgen, Sonntag: 1. Konzert um 11 Uhr in der Aula der Karl- Marx- Schule, Neukölln, KaiserFriedrich- Straße 208-210 2 Konzertum 17 Uhr in der Aula der Heinrich- Schliemann- Schule, Berlin N. Gleimstraße 49. ( Neukölln U- Bhf. Rathaus, Straßenbahnlinien 12. 95, 98, 148. Gleimstraße: U- Bhf. Nordring, Stadtbahnhof Schönhauser Allee, Straßenbahnlinien 47, 49, 51, 57.) Eintritt 30 Pf. 50 Mitwirkende. Dirigent: Rud. Barthel.