Abend- Ausgabe Nr. 74 B 35 50. Jahrg. Mebattlon and Verlag, Berlin SW 68, Lindenstr. 3 Semfpnd)«! 97«MI Dönhoss 592 bU 297 Selcgrammatrcffci eojlatbemotrol Berlw BERLINER VOLKS BLATT MONTAG 13. Februar 1933 In Groß• Berlin 10 Pf. Auswärts..... 10 Pf. Vezugsbedingungen und Anzeigenpreis« stehe Morgenausgabe Jeniralorgan der Sozialdemokratischen Oartei Deutschlands Annche Braunsehveig— LtaLkurt— Fialehsn Wir leben in der Zeit unerfüllter Ver- Heißungen. Wenn es vom vielenReden abhinge, so wären wir allerdings im Para- diese. Unser jetziger Reichskanzler reist ebenso- viel im Lande herum und hält ebensoviel markige Reden wie Wilhelm IL Leider haben Rundfunkreden den Nachteil, daß sie auf leere Mägen nicht sättigend wirken, so mancher Zuhörer bemerkt nur den Wider- spruch zwischen Verheißung und Wirklichkeit. Zu dem vielen, was uns versprochen wurde, dessen Erfüllung wir aber einweilen nicht bemerken, gehört auch die Versicherung: Nach der Machtergreifung Hitlers würden die Unruhen in Deutschland aufhören. Rein sachlich ist festzustellen, daß die bisherigen Sonntage unter dem neuen Regime zu den b l u t i g st e n zählen, die wir in Deutschland jemals hatten. Am vorvergangenen Sonntag wurde unser Genosse Landtagsabgeordneter Kasten in Staßfurt ermordet. In Breslau wurde ein Reichsbannermann durch Messer- stiche getötet, die Zahl der übrigen Opfer ist erheblich. Noch bis heute haben wir kein offizielles Wort des Abscheus oder des Bedauerns über den Staß- furter Meuchelmord vernommen. Die Regie- rung hat die Tat ignoriert. Zu denken geben auch die Bluttaten des gestrigen Sonntag. Eigentümlich war schon die Art, aus welchen Anlässen heute Opfer fallen. In Braunschweig, wo der Eisernen Front öffentliche Versamm- lungen verboten werden, darf die SA. auf der Straße demonstrieren, auch durch die ihr feindlich gesinnten Arbeiterviertel. Zu diesem Zweck ordnet die Polizei an, daß in der De- monstrationszeit jeder Verkehr von der Straße zu verschwinden hat und jedes Fenster geschlossen ist. Wie die Bewohner eines feindlichen eroberten Landes werden die Arbeiter, die schließlich auch Staatsbürger find, in ihre Wohnungen eingesperrt. Und dann... dann kommt das Unausdenkbare: Am hellichten Tage schießt die Polizei zwei alte Frauen an, weil sie ihre Fenster nicht rasch genug geschlossen haben. Ein Arbeiter wird niedergeschossen, weil er nicht rasch genug von der Straße verschwand. Wie sagen doch die National- sozialisten:„Volksgenossen.. E i s l e b e n ist ein Fall für sich. Wir be- richten über die Tatsachen ausführlich an anderer Stelle. Unbestreitbar und unbestritten ist, daß die Polizei dem SA.-Zug den Vor- beimarsch am kommunistischen Parteigebäude gestattet, ohne dieses in ausreichender Weise zu beschützen, ohne mit genügenden Kräften zur Stelle zu sein. Die Polizei hat weder verhindern können noch verhindert, daß die das Gebäude stürmende SA. eine Kinder- Veranstaltung auseinandersprengte und auch eine Anzahl kleiner Kinder verletzte. Das sind einige Illustrationen zu dem heute herrschenden Zustand von Ordnung. Ruhe uizd Sicherheit. Eines können wir den Ver- antwortlichen versichern: Snmpathie wird auf diese Weise für den neuen Kurs nicht erweckt. wohl aber ein anderes Gefühl. Erdbeben in China Nach einer im..Echo de Paris" ver- öffentlichten Agenturmeldung aus Pe- king sollen aus dem Landesinnern kom- mende Kamelreiter dort mitgeteUt haben. daß sich am 2«. Dezember im westlichen Teile der P r o v i n, K a n s u ein heftiges Erdbeben ereignet habe. Mehrere Ttädte seien zerstört worden. Man schätze, daß 7000V Menschen ums Leben ge- kommen seien. Die Wahrheit aber Eisleben SA. überfällt KPD.-Haus— Kein Mensch ist seines Lebens sicher! Eigener Beriefet des„Vorwärts Eisleben. 13. Februar. Die Rationalsoziali st eu hatten am Jonntag ZA.-Leute aus der ganzen Umgebung in Eisleben zusammengezogen. Etwa 300 uniformierte Nationalsozia- listen, die durchweg mit scharfgeschliffenen Zpaten, Stahlruten und Revolvern aus- gerüstet waren, terrorisierten seit dem Vormittag die Stadt. Leute, die das kommunistische Abzeichen oder das Abzeichen der Eisernen Front trugen, wurden verprügelt. Ein Anhänger der Eisernen Front wurde auf der Straße geschlagen, weil er die drei Pfeile trug. Als er in seine Wohnung flüchtete, setzten ihm die Rationalsozia- listen nach, drangen in seine Wohnung ein und zertrümmerten die ganze Einrichtung. Der Zug der Nationalsozialisten ging über den Breiten Weg an der kommunisti- scheu Buchhandlung und Filialt des „Klassenkampf" vorüber. Der Führer des Zuges, der KeeiSleiter der NSDAP, von Alvensleben, trat auf die Stufen und verlangte, daß die Tür geschlossen werde. Ein Kommunist erklärte:„Wir machen in unserm Hause, was wir wollen." Darauf fiel ein Schuß und nun stürmten die Nationalsoziali st en die kommuni- stische Buchhandlung. Sie wurde voll- ständig demoliert, die Rolladen wurden mit Beilpicken zer- schlagen, der gesamte Inhalt wurde auf die Straße geworfen, zum Teil zer- risien und verbrannt. Der Polizeiverwalter stand machtlos dabei! Hinter der kommunistischen Buchhand- lung befindet sich eine Turnhalle von Rotsport. Tort waren Kinder beim Turnen, gleichzettig wurde eine sehr schwach besuchte kommunistische Partei- Versammlung abgehalten. Auch in diese Turnhalle drangen die Nationalsozialisten ein. Sie schlugen auf die Kinder ein. Die wenigen Kommunisten— es waren in der Buchhandlung wie in der Turnhalle etwa 30 bis 40 Kommunisten, wurden mit Spaten jämmerlich zerschlagen. Sie wurden in den hinter der Turnhalle fließenden Bach geworfen und immer wieder hineingeworfen, wenn sie sich retten wollten. So erklärt es sich, daß die kommunistischen Toten keine Schußwunden haben. Zur Vervollständigung des Bildes erhalten wir noch folgende Einzelheiten: In der Luther-Stadt Eisloben kam es am Sonn- tagnachmitlag zu einem blutigen Straßen- kämpf zwischen Nationalsozialisten und Kom- munisten. Die Opfer sind zwei Tote und 17 Schwerverletzte. Der Vorfall ereignete sich während eines Um- zuges der SA. und der SS. Als der Zug das Gebäude der kommunistischen Buchhandlung am Breiten Weg in der Neustadt passierte, entwickelte sich eine wilde Schießerei. Passanten behaupten, daß der erste Schuß von einem Zug- t e i l n e h m e r abgegeben wurde, während die Nationalsozialisten erklären, aus dem KPD.-Haus beschossen worden zu sein. Jedenfalls war der Schuh das Signal zu einem Sturm der SA. auf das Gebäude. ver Führer der Stadtpollzei stellte sich mit gezogener Waffe schützend vor de» Eingang der Buchhandlung, wurde aber von den SA.- Leuten überrannl. In wenigen Minuten war die ganze Ladeneinrich- tung zertrümmert und auf die Straße geworfen. Dann drangen Hitlers Kameraden in die hinter dem Haus gelegene Turnhalle der kommu- nistischen Sportorganisation ein, wo zur gleichen Stunde eine schwach besuchte Mitgliederversamm- lung der KPD. stattfand. Wie die Bestien sielen die SA.-Leute über die Versammlungsbesucher her, mißhandelten sie und demolierten auch hier den Raum vollkommen. Wenige Minuten später wurde in einer angrenzenden Straße ein Mitglied der Sozialdemokratischen Partei mißhandelt und bis in seine Wohnung hinein verfolgt. Auch hier wurde alles demoliert und die halbe Einrichtung auf die Straße geworfen. Erst als«in starkes Ueberfallkommando aus Halle eintraf, konnte die Ruhe unter Anwendung der Schußwaffe wieder- hergestellt werden. Die Opfer dieser blutigen Schlacht sind ein aDr. Gratis Wbrich Der bisherige Generalintendant des National- theaters zu Weimar, Dr. Franz Ulbrich, wurde zum Intendanten des Staatlichen Schauspiel- Hauses Berlin ernannt. Nationalsozialist, der sofort getötet wurde, und«in Kommunist, der bald nach seiner Einlieserung ins Krankenhaus starb. Von den 17 Schwerverletzten, fast ausschließlich Kommu- nisten, befinden sich noch mehrere in Lebensgesahr. Es ist zu befürchten, daß noch vier sterben. In letzter Zeit ist es in Eisleben wiederholt zu Provokationen durch die Nationalsozia- listen gekommen, nachdem der Nazigauleiter Jor- dan aus Halle öffentlich aufgefordert hatte, den Marxisten die Abzeichen abzureißen. Am Donnerstag wurde ein Sozialdemokrat von Nationalsozialisten lebensgefährlrch verletzt, ohne daß die Polizei den Urheber der Tat, der ermittelt wurde, in Haft genommen hätte. Am Sonntagmittag sielen Nationalsozia- listen unter den Augen der Stadtpolizei u. a. auch den sozialdemokratischen Parteisekretär Keller ohne jeden Grund an. Haussuehungen! Hallesche Schutzpolizei hat alle Z u- gangsstraßen nach der Stadt Eisleben abgesperrt. In Eisleben selbst sind von Schutzpolizisten Haus- suchungen bei vielen Kommuni st en vorgenommen worden. Mehrere K om- munisten sind verhaftet worden. Bei diesen Haussuchungen zeigen sich auch uniformierte SA.- Leute! Als Lpftr der Vorgänge vom Sonntag sind ein Toter und 24 Schwerver- letzte festgestellt. Zwei der Schwer- verletzten werden wahrscheinlich nicht mit dem Leben davonkommen. Fast alle Schwerverletzten sind Kom- m u n i st e n. Tie haben zumeist Schädel- bräche durch Spatenhiebe und Stahlrntenschläge. Zwei Nächte vorher wurde der jüdische Kaufmann Helft von drei SA.-Leuten überfallen und schreck- lich zugerichtet. Die Täter sind bekannt und der Polizei namhaft gemacht worden. Eine Verhaftung ist nicht erfolgt. Tagegen wird der schwer- verletzte Kaufmann von der Polizei heftig bedrängt, weil am Tatort sein— Spa- z i e r st o ck gefunden wurde! SA. wültl überall! Dortmund. 13. Februar. 3n Dorlmund-Asseln wurde am Sonnkagmitlag ein Kommunist von einem SS.- Blann erstochen. Der Kommunist befand sich aus dem Wege zu einer Kundgebung seiner Partei in der Dortmunder Westsalcnhalle. Angeblich soll er den Nationalsozialisten beschimpft und beleidigt haben. Ein SS.- Zllann sprang ausdem Zuge und stach den Kommunisten nieder. Das Opfer starb bald nach dem Vorfall aus der Straße. Der Täter ist noch unbekannt. D a r m st a d t, 13. Februar. 3n Lensheim wurde nach einer schweren Schießerei zwischen Nationalsozialisten und Kommunisten ein unbeteiligter Passant von einem Reichenbacher SS.-Alann durch einen Brustschutz getötet. Im Anschluß an eine Kundgebung der Eisernen Front, an der sich auch zahlreiche Kommunisten beteiligten, entstand vor einem Lokal der NSDAP, in Auerbach eine Schlägerei zwischen Nationalsozialisten und Kommunisten. Die Kommunisten slüch- l e l e n schließlich. Aus dem Wege nach Bensheim begegneten ihnen mehrere Nationalsozialisten. die 30 bis 40 Schüsse aus sie abgaben. Ein unbeteiligter Passant und ein Kommunist wurden verletzk. Unterdessen hatte der Bensheimer SS.-Führcr die Reichenbacher SS. alarmiert, die zum Teil aus Fahrrädern herbeigeeilt kam. Aus einem freien Platz in Bensheim gab ein SS.-ZNann mehrere Schüsse ab. Ein aus dem Wege zur Post befindlicher ZZjähriger Mann siel den Schüssen zum Opfer. Als der Täter sah, was er angerichtet Halle, flüchtete er. Er konnte bisher nicht festgenommen werden. Braunschweig, 13. Februar. In Braunschweig wurden am Sonntag während eines Umzuges der Nationalsozia- listen, an dem sich auch der Stahlhelm be- teiligte, ein Arbeiter durch einen Oberschenkel- schuß und eine K2jährige Frau durch einen Ober- armschuß schwer verletzt. Außerdem mußte noch eine Frau mit einer Zlrmverletzung ins Krankenhaus geschafft werden. Veranlassung zu dem Umzug der Nazis bildete eine Kreistagung der NSDAP. Die Polizei „sicherte" den Zug durch drei große Auf- geböte mit Karabinern. An der Spitze und am Schluß des Zuges marschierte je ein Auf- gebot mit schutzfertiger Waffe unter dem Arm. Da der Zug durch die Arbeiterviertel geführt wurde, hatte die Polizei für bestimmte Ströhen Sonderbestimmungen herausgegeben, die aber dem größten Teil der Bevölkerung nicht bekannt war«». U. c. war verfügt worden, datz zu emer be- stimmten Zeit die Fenster und Türen zu schließen seien. Als dann der Zug durch den Nickelncul und den Klint zog, gab die Polizei mehrere Schüsse ab, weil den der Bevölkerung unbe- kannten Anordnungen nicht Folge geleistet war. Am Montagmorgen ist der am Sonntag von Polizeibeamten in Braunschweig im Verlauf der Nazidemonstration verletzte Arbeiter A l b e r! Wiese senen schweren Verletzungen erlegen. Wes« wurde durch einen Schuß schwer verletzt. als er der Aufforderung eines Polizeibeamten das Fenster zu chließen, nicht sofort nachkam. Eine für heute vorgesehen« Protestvcr- sammlung der Eisernen Front gegen die Zu- stände in Braurrschweig wurde„wegen Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung" v e r- boten! Merler8esclu>ssen! Köln, 13. Februar. Als heule morgen der ISjährige Sohn des Mlchhändlers Stork in dem Kölner Vorort Kalk mit der gesülllen Milchkanne den väterlichen Laden verlassen wollte, begegneten ihm auf der Straße mehrere gröhlende Aationalsozia- listen, die wie die Wilden aus der Straße herumschössen. Ein Schuh lras Stork so unglücklich in den Leib, daß er bereits nach wenigen Stunden starb. Der Vater des Storkgilt als Zenlrumswähler. Der Erschossene war in keiner Weise politisch tätig. �Veiters Opfer Münster. 13. Februar. In Münster i. Wests, wurde in der Industrie- straße ein Sozialdemokrat von einem Na- tionalsojiazisten durchzwei Schüsse schwer verletzt. Der Verletzte wurde in ein Kranken- Haus geschafft, wo er lebensgefährlich danieder- liegt. Der Täter ist flüchtig. Staßsurt, 13. Februar. In Mecklingen, das in der Nähe von Staßfurt auf anhaltischem Gebiet liegt, wurde ein Na- t i o n a l s o z i a l i st auf dem Heimweg von einer Kundgebung durch einen Kopfschuß ge- tötet. Unter dem Verdacht der Täterschaft wurden vier Kommunisten festgenommen. Der getötete Nationalsozialist Cieslik hat noch zwei Tage vor seiner Ermordung f ü r d i e K o m- munistische Partei Plakate gemalt und bis zu seinem Tod« dem Schießverein der Kommunistischen Partei angehört! Bas siebente Attentat auf sozialdemokratische Zeitung Schwerin, 13. Februar. Auf die Schweriner Geschäfts st elle des „Freien Wort", der sozialdemokratischen Zei- tung für West-M«ckl«nburg, wurde jetzt das siebente Attentat verübt. Das Schaufenster der Geschäftsstelle ging wiederum in Trümmer. Bor wenigen Tagen wurde erst dos Schaufenster der„Mecklenburgischen Volkszeitung" in Rostock eingeworfen. Die„aufbauwilligen Kräfte" sind auch in Mecklenburg oerstärkt bei der Arbeit. lleberfall in Wilmerödott Parteigenosse niedergeschossen 3n der Nacht zum Sonnlag wurde der 51 Zahre alle Bauarbeiter Karl A r r a s. ein Parteigenosse. aus der Augustaslr. 33 in Wilmersdorf von SA.- Leulenhinterrücksniedergeschossen. A. liegt im Gertraudlenkrankenhaus schwer da- nieder. Die Kugel hat die Lunge glatt durchschlagen, offenbar ist der Schuh aus einer groß- kalibrigen Pistole abgefeuert worden. Genosse Arras wollte in der Nacht zum Sonn- tag gegen 1 Uhr das Parteilokal an der Ecke Laubacher und Varziner Straße auf- suchen. A. ging zusammen mit einem Freund. Als er gerade im Begriff war, die Tür des Lokals zu öffnen, krachte plötzlich eine P i st o l e n f a l v e. Arras wurde von einer Kugel in den Rücken getroffen: der Schwerverletzte taumelte in das Lokal, wo er bewußtlos zusammenbrach. Der Begleiter des Genossen Arras hatte sich zu Boden geworfen, dadurch entging er den national- sozialistischen Kugeln. Auch im Lokal, in dem sich noch zahlreiche Gäste mit ihren Frauen befanden, hatte sich alles auf den Boden geworfen. Glück- licherweise ist auch dort niemand weiter verletzt worden. Durch den Fernsprecher war sofort das Ueberfall- kommando alarmiert worden. Als die Beamten an dem Tatort eintrafen, war von den Pistolen- schützen keine Spur mehr zu entdecken. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite und auf dem Fahrdamm wurden von den polizeibeamten elf leergeschossene Patronenhülsen verschiedener Kaliber aufgelesen. Damit ist gleichzeitig der Beweis er- bracht, daß mehrere SA.-Terroristen zur gleichen Zeit gefeuert haben. Es besteht kein Zweifel, daß es sich um einen vorbereiteten und planmäßigen Ueberfall handelt und daß die Schützen nur auf den Augenblick gewartet haben, wo sich ihnen ein Opfer bot. Im Anschluß an den schändlichen Ueberfall wurde von der Polizei das nächstgelegene S A.- L o k a l von Kopanke in der Hildegardstraße 25 nach Waffen durchsucht Bei einem Nationalsozialisten wurde eine geladene V-Pistole und mehrere Magazine gesunden. Ein anderer Nationalsozialist. bei dem die Leibesvisitation zunächst erfolglos ver- lief und der plötzlich eine auffallende Elle zeigte. Eiserne Front steht! Oer Fuhrerappell im Clou— Graßmann zeigt den Weg! Die Berliner Kampfleitung der Eiser- nen Front hielt gestern vormittag im„Elou" einen Führerappell ab. Etwa 5000 Funk- lionäre der Gewerkschaften, des Reichsbanners, der Partei und der Arbeilersportler nahmen daran teil. 3n dieser Kundgebung gab es keinen„sinnlosen Taumel", auch kein Rachegeschrei und keine Winisteransprochen. Der Führer der gewerkschafl- lich und politisch organisierten deutschen Arbeiter- schaft Peter Grahmann pruste die Festig- keit des Bandes der Solidarität und des Ver- lrooens, das Führung und Gefolgschaft in der deutschen Arbeiterbewegung umschlingt. Es zeigte sich, daß dieses Band fest ist und jeder Probe standhalten wird, ganz gleich, von welcher Seile sie in der nächsten Zeit gemacht werden sollte. Die gewaltige Kundgebung wurde eröffnet durch den Einmarsch der Banner der Eisernen Front, während die Schalmeienkapelle der Berliner Freien Gewerkschaftsjugend den Sozialistenmarsch intonierte. 5000 Arme reckten sich zum Gruß der roten Kampszeichen. Genosse Bredow, Borsitzender des Ortsaus- schufses des ADGB., gedachte in feiner Eröff- nungsanfprache zunächst der Opfer der Ex- plosion in Neunkirchen. Es herrscht eine Minute tiefes Schweigen. Er erinnert weiter an die Blutopfer, die in den letzten Wochen aus den Rechen der„Nooemberoerbrecher" gebracht worden sind. Die Arbeiterschaft wird für die Ideen dieser Opfer weiterkämpfen. Die Vergeltung für diese Mordtaten besteht darin, daß sie in unoer- brüchlicher Treue zu ihrer Führerschaft Halten wird, bis sie in dem gigantischen Kampf um die Freiheit den Sieg an ihre Fahnen geheftet hat. Mit brausenden Freiheitsrufen begrüßt, ergriff dann Genosse Peter Grahmann. Vorsitzender des Allgemeinen Deutschen Gewerk- schaftsbundes, das Wort: „Dem republikanischen und demokratischen Deutschland, besonders aber seinen arbeitenden Schichten, ist Krieg bis zur Vernichtung angesagt. Wir nehmen diesen Kampf aus, nicht geduckt wie das Bürgertum, auch nicht aus Angst um unsere Existenz und unser Leben. Die Arbeiterschaft geht in diesen Kampf mit der freu- digen Zuversicht, ihn zu gewinnen: sie ist in der Vergangenheit schon mit so manchem Gegner fertig geworden, der ausgezogen war, die Arbeiter- bewegung zu vernichten. Sie muß sich nur einig sein.(Beifall.) Das„nationale Konzentrations- kabinett", in dem die Gegensätze sonst abgrundtief klaffen, ist sich auch einig im Kampfe gegen die Rechte der Arbesterschaft. In diesem Zusammen- hang berührte der Redner die von vielen Rund- funkhörern aufgeworfene Frage, ob es nicht richtig sei, aus Protest gegen den polstischen Mißbrauch des Funks die Radioanlagen abzumelden. Graß- mann warnte vor übereilten Schritten, da ein vereinzeltes Vorgehen zwecklos wäre. Auch hier müsse die Parole abgewartet werden, geschlossen vorzugehen. Graßmann beschäftigte sich dann mit der Sport- palastrede Hitlers, besonders mit der Ankündi- gung des Kampfes gegen den Marxismus bis zu dessen Vernichtung. Graßmann erinnerte an die Einrichtungen und Männer, die sich berests in der Vorkriegszeit an der Ausrottung des damals noch nicht so tief ver- wurzelten Marxismus vergeblich versucht haben, an den sogenannten Reichslügenverband, der froh war, daß der Kriegsausbruch seine Existenz aus- löschte, oder den„eisernen" Kanzler, der nach zwölfjähriger Unterdrückung der Sozialdemokratie erledigt war, während der Marxismus bedeutend stärker dastand als vor dem Sozialistengesetz. Alle sind elend geschestert an der Ideenwelt und dem entschlossenen Willen der sozialdemokratischen Arbeiterschaft. Der neue Reichskanzler hat auch dem Klasse n- lampf schärf st e Fehde angesagt. Der Klassenkamps ist aber gar keine Erfindung der Sozialdemokratie und der freien Gewerkschaften, sondern als Tatsache durch den Kapitalismus ins Leben gerufen worden. Wenn man verlangt, die Arbeiterschaft solle den Klassenkampf aufgeben, dann komm« das der Forderung gleich, sie solle sich selbst ausgeben und in eine Zeit zurückwerfen lassen, die kein Kulturzustand war. Das wird die Arbeiterschaft nie und nimmer tun. (Brausender Beifall.) Hitler hat in seiner Sporl- palastrede den sozialdemokratischen Minister Hilferding für die Inflation verantwortlich gemacht. Die Mark hatte 1918, als die„November- Verbrecher" das Erb« der Hohenzollern über- nahmen, nur noch einen Wert von etwa 20 Pfennig. Zu der Zeit, als Hilferding Finanzminister wurde, galt sie bloß noch 7 bis 8 Pfennig. Männer wie Hugo Stinnes und andere sind es gewesen, die sich in der Inflation auf Kosten der deutschen Vermögenssubstanz, auf Kosten des deutschen Volkes industrielle Herzogtümer zusammengetragen haben. HUserding war es. der die Einführung der Goldmark verlangt und durchgesetzt hat. Der neue Reichskanzler hat jedenfalls der organisierten deutschen Arbeiterschaft Kampf angesagt. Sie wird nicht ins Mauseloch kriechen, sondern den Kampf aufnehmen in der festen Zuoersicht, ihn erfolgreich zu bestehen.(Stürmischer, langanhaltender Beifall.) Die deutsche Arbesterschaft würde diesen Kampf gegen die Reaktion viel leichter durchkämpfen, wenn sie einig wäre. Es ist aber das Furchtbare dieser Tage, daß von den unzähligen Lei- tungen der Kommunistischen Partei alles getan wird, die jetzt so dringend notwendige Ein- h e i t s f r o n t aller klassenbewußten Arbeiter und Angestellten nicht zustande kommen zu lassen. Die kommunistischen Führer und Parteiredakteure, die zwar viel von Einhestsfront reden und schreiben, sich aber nach wie vor in den wüstesten Beschimp- fungen ergehen gegen die Führer der in der So- zialdemokratie und den freien Gewerkschaften organisierten Arbeiter und Angestellten, ahnen offenbar nicht, daß die Bildung der Einheitsfront von unten herauf von Tag zu Tag gewaltige Fort- schritte macht. In der Stunde der höchsten Gefahr wird diese Einheitsfront von der gesamte» Arbeiterschaft geschlossen werden, und zwar über die Köpfe der koinmunistischen Führer hinweg, wenn diese die Zeichen der Zest nicht erkennen können.(Stürmischer, nicht endenwollender Bei- iall.) Die Einheitsfront ist heute berests für alle da, die guten Willens sind, nämlich in den Ge- werkschaften, in der Eisernen Front. Die deutsche Arbeiterschaft kann versichert sein, daß die sozialdemokratischen und gewerkschaftlichen Führer in Not und Gefahr zu ihr stehen werden. Sie rechnen aber auch damit, daß die Arbeiter- schaft ihnen vertraut.(Donnernder Beifall.) Der Appell der Führer des arbeitenden Berlin rst eine Stunde des helligen Gelöbnisses, nicht eher zu ruhen, bis der Feind niedergerungen, die Bahn frei gemacht ist zum Sozialismus. Graßmann schloß mit dem Kamps ruf der Eiser- nen Front, der von den Funktionären begeistert aufgenommen wurde. Genosse Flatau wies in einem kurzen, ker- nigen Schlußwort noch auf die Bedeutung der Berliner Kommunalwahlen hin, die von der klassenbewußten Arbeiterschaft unter der Losung geführt werden: Berlin bleibt rot! Die in der Eisernen Front zusammen- geschlossene Arbeiterschast führt chren Freihests- kämpf auf dem Boden der Demokratie und des Rechts. Deutschland ist nicht Italien, die organffierte Arbeiterschast Deutschlands nicht das zermürbte Proletariat Italiens! Unter dem Gesang der Jnteinationale durch- schritten die Bannerträger der Eisernen Front wieder den gewaltigen Raum. 5000 Männer und Frauen aus den Betrieben grüßten die Kampi- zeichen mst erhobener Fn- i � �-i-'rne Front steht bereit! Trauersonntag in Neunkirchen fassen pilgern zu der Stätte der Verwüstung Neunkirchen, 13. Februar. Am Sonntag war die Neunkirchener Unglücksstätte das Ziel von Taufen- den. Die Stadt, in der Glaser und Dach- decker um die Beseitigung der augem- fälligen Beschädigungen bemüht sind, war überfüllt, und selbst eine dreifach« Ab- sperrkette konnte nicht verhindern, daß auch in der teilweise zerstörten Saar- brücker Straße die Menschenmassen sich zusammendrängten. Die Ausräumnngs- arbeiten in den zerstörten Häusern gehen verhältnismäßig schnell vor sich. Der größte Teil der Toten dürste an dieser grauenhasten Stätte der Zerstörung be- retts geborgen sein. Schwieriger wird sich die Beseitigung des ungeheuren Trümmerhaufens in den Hütten- werke» stellen. Die im Gelände ver- streuten Stücke des Gastessels werde» jetzt mit Schweißbrennern zerlegt und fortgeschasst. An den Berg verbogener und zerknäulter Eisenträger, Rohren und Blechen, der sich an der Stelle des Gaso- Meters erhebt, wird man jedoch erst heran- kommen können, wenn die alte Grube erreicht ist. Borläufig müsse» die schwe- lenden Waschtürme der Benzolfabrik noch unter Wasser gehalten werden. Eine wettere Explosionsgefahr aber besteht nicht mehr. Die Zahl der Todesopfer schätzt man jetzt auf 8 v. In den Krankenhäusern liegen etwa 3»v Verletzte, darunter eine Reihe von Schwerverletzten, die kaum mit dem Leben davonkommen dürsten.— Die Beerdigung der Toten findet am Dienstag statt. Die Opfer der Katastrophe Unter den Opfern der Explosionskatastrophe sind nach der amtlichen Liste 2 4 männliche, 22 weibliche Personen und S Kinder. Bon den 24 Männern sind 21 Werksangehörige. Unter den 3 anderen ist der Kunstmaler Dletring aus Dortmund, der gerade in Reuakirchen zu Besuch weilte. Unter den weiblichen Toten sind l3 Frauen Werksaugehöriger. 6 unverheiratete, 2 Frauen von Beamten, die in der Näh« des Werkes wohnten, eine weibliche Leiche ist noch nicht identifiziert, vermißt werden noch 6 Männer und 3 Frauen, die möglicherweise durch die Gewalt der Explosion zerrissen worden sind oder sich aus dem eigentlichen Terrain des Werkes befanden. Es ist auch nicht ausgeschlossen, daß sie in Nachbarhäusern untergebracht und der Polizei noch nicht gemeldet sind oder aber noch in den benachbarten Wäldern umherirren. nischer Beamter„in Urlaub" geschickt oder zur Disposition gestellt. So die Regierung?- Präsidenten Dr. Friedensburg- Kassel und C h r l e r- Wiesbaden, die Regierungsvizepräfiden- ten Dr. Bier» Köln, C o r n e e l- Merseburg und M a s u r- Hannooer. Außerdem wurden ihres Amtes enthoben die Polizeipräsidenten Krüger- Merseburg. Dr. Meyer» Duisburg. Z ö r g i e b e l- Dortmund, Weyer- Oberhausen. S t e i n b e r g- Frankfurt a. M. und zahlreiche Landräte, die als Republikaner oder gar als Sozialdemokraten bekannt sind. „In zehn Jahren wird es keinen Marxismus mehr geben", sagte Hitter. Und er lieh beginnen, Marxisten aus den Aemtern zu entheben. Glaubt er wirklich, dadurch freie Bahn für Braunsacken zu schaffen? Und auf wie lange? das Lokal zu verlassen, wurde an der Tür noch- mals angehalten. Es war nämlich aufgefallen, daß der Nazi, ein Bäckermeister aus Wilmers- dorf, während der ganzen Zeit den Hut aufbe- hallen hatte. Als der Nazibäckermeister aufge- fordert wurde, den Hut abzunehmen, fielen eine geladene Mauserpistole und drei gefüllte Magazine auf die Erde. Die beiden bewaffneten Hakenkreuzler wurden wegen des Waffenbesitzes und des Verdachts, cm dem Fenerüberfall auf das. SPD.-Lokal aktiv beteiligt gewesen zu sein, der Politischen Polizei übergeben. Bahn frei! Die Braunen wollen heran! Seitdem der Reichspräsident sich entschlossen hat, die Hitler-Papen-Hugcnberg zur Reichsregierung zu ernennen, fühlen die braunen Heerscharen ihre Zeit gekommen. Der preußische Polizelkommissar Göring hat so- eben durch telegraphische oder telephonische An- Weisungen eine große Reihe republika- Gelbstmord bei Verhaftung Nach Unterschlagung von 100 000 M. 3n seiner Wohnung am hochjitzweg 51 in Zehlendors erschoß sich heute früh der 43 3ahre alte Registrator August kern. K. sollte aus Grund eines Haftbefehls fest- genommen werden. Schupos des Reviers 161 läuteten kurz nach sechs Uhr an der Tür und verlangten Einlaß. Es wurde auch geöffnet. K. leistete keinen Widerstand und tleidete sich an. Er ging dann noch einmal in sein Arbellszimmv mit dem Bemerken, daß er die Schlüssel seiner Frau übergeben müsse. Die Beamten folgten ihm. Er öffnete den Schreibtisch, riß eine Pistole heraus und jagte sich eine Kugel in den Kopf. Die Beamten brachten ihn sofort ins Stubenrauch-Krankenhaus. Bei der Einlieferung starb der Unglückliche. Kern war Registrator und Buchhalter beim Reichsverband der deutschen Luftfahrt-Jn- d u st r i e. Ende vergangenen Jahres wurden dort große Unterschlagungen aufgedeckt. Es handelte sich um Beträge in Höhe von 100 000 M. Kern wurde Mitte Dezember zu einem Jahr und einem Monat Gefängnis verurtellt. Er ver- suchte immer wieder, die Sttafverbüßung hinaus- zuschieben. Er erhielt aber letzlhin eine letztmalige Aufforderung, zum Sttasantritt zu erscheinen. Als er ihr nicht folgte, erhiell das zuständig« Revier den Auftrag, ihn zwangsweise vorzuführen. Die Bittsteller Dem Reichskanzler Hitler sind Tausende von orlvaten Eingaben und Gesuchen zupegangen Indem er stark darauf verweist, Daß er seit vierzehn Jahren fluche Dem schändlichen Novembergeist, Sdireibt jetzt der deutsche Mann Gesuche. Kein Mensch hat noch wie er gespürt. Wie teuflisch sich die Linken regen. Ein Jude hat sein Weib verführt. Marxisten stahlen sein Vermögen. Er war verfemt auf Schritt und Tritt. Nun sind die Dinge doch gediehen, Für dje er unaussprechlich litt Kann er jetzt nicht Gehalt beziehen? Vielleicht, daß ihn jetzt die Partei Mit einem Staatsamt will erfreuen. ...Doch würde in der Reichskanzlei Er gern auch den Abort betreuen. Hans Bauer. Kein Nichtangriffspakt Sagt Torgier Die komnumistijche Zeitung„Berlin am Morgen" veröffentlicht Aeußerungen de? kommunistischen Reichsiagsadgeordneten T o r g l e r über den „Offenen Brief" des Genossen Stampfer an die kommunistischen Arbeiter. Der Kern dieser Aeuste- rungen ist eine Ablehnung des Gedan- kens eines Nichtangriffspaktes zwischen der Sozialdemokratischen und Kommu- nistischen Partei. T orgle r sagt: „Ein Nichtangriffspakt, das ist etwas Negatives, etwas, was die kritische Be- leuchtung der Zustände innerhalb der Arbeiter- bewegung, die nach wie vor durchaus am Platze ist, verhindert, ohne der Praxis des Kampfes zu nutzen. Ein Nichtangriffspakt ist ein Still» stand. Wir aber wollen Bewegung, Fortschritt und Kamps. Wir wollen konkrete Kampfhandlungen und darum schlagen wir stall eines Nichtangriffspaktes«inen Angriffspakt gegen den Faschis- mus vor, über dessen positive Seit«, und allein darum geht es, zu diskutieren wir durchaus berell sind." „Daß sich die sozialdemokratischen Arbeller zu den Zielen der KPD. bekennen müßten, wenn sie in einer Einheitssort mit den Kommunisten kämpfen, ist nicht wahr. Die KPD. knüpft an die Bildung einer gemeinsamen Einhellsfront gegen den Faschismus keinerlei Bedingungen außer der einen einzigen, daß diejenigen Arbeiter»der diejenigen Organisationen, die die Einheitsfront herstellen, wirklich zum Kampf entschlossen sind und konkrete Kampfmaßnahmen mitmachen." Wenn auch die Sprache dieser Ausführungen sich sehr wesentlich von der bisherigen Tonart der „Noten Fahne" abhebt, so bleibt doch die Tatsache, daß der einfachste und selbstverständlichste Vorschlag eines Nichtangriffspaktes von Torgler abgelehnt wird. Brestprozeß 11 Urteil gegen Ehrenrechte Warschau, 13. Februar. 3m Brest-Lüowfker Berufungsprozeß wurde am Sonnabendnachmiltag der Spruch der ersten 3n- stanz auf GesSngnisstrasen von bis 3 Jahren nicht nur in vollem Umfange bestätigt, sondern die Strafe der einzelnen bis 5 Jahre verlängert und für alle Angeklagten noch verschärft. Den Sozialisten Dr. pragier. Dubais, wastek und dem Dauernführer putek wurden die Ehrenrechte für fünf Jahre, allen anderen Angeklagten, darunter die Sozialisten Dr. Liebermann. Drofeffor Bar- lihki und Eiolkofz, für drei Zahre abgesprochen. Der Prozeß wickelte sich in Abwesenheit der Verteidiger und der Angeklagten ab. Die Justiz- komödie dürfte vor dem obersten Gerichtshof ihr Ende finden. * Das Gericht hat sich für den Zl d 1 e h- nungsantrag dadurch gerächt, daß es die Märtyrer von Breft-Litowsk als ge- meine Verbrecher erklärte, wie das einer dieser„unbefangenen" Richter schon vor dem Prozeß getan hat. Die Oppositions- sichrer sollen nicht mehr wählen, iwch gewählt werden dürfen. Außerdem würde der Verlust der Bürgerrechte eine ganze Reche der An- geklagten chrer Existenz als Rechtsanwälte, Lehrer usw. berauben. Nach den Angaben des Justizministeriums haben die Standgerichte im Jahre 1932 insgesamt 61 Todesurteile vollstrecken lassen, die Mehr- zahl wegen Staatsoerrats und S v> o- nage. Wetter für verlin: Windiges und unbeständiges Weller mit Niederschlägen und wieder etwas kühler mit westlichen Winden.— Für Deutschland: Im größten Teile des Reichs unruhiges, meist trockenes, kühles Wetter mit Niederschlägen, nur im Südwesten schwach windig und noch meist trocken. Deutschland erwacht! I)!e Ltimme der nationalen Opposition gegen Rede-Inflation Aus die Wahlrundfunkrede Hitlers im Berliner Sportpalast antwortet der„Jung- deutsche Orden" mit einem Aufruf, dem wir folgendes entnehmen: „Mit Spannung haben Millionen der Rund- iunküberllagung der Rede des Reichskanzlers Hitler gelauscht. Millionen von Anhängern des Reichskanzlers mögen dabei nur von den Gefühlen geleitet gewesen sein, den Siegesrausch der letzten Tage fortzusetzen. Aber unzählige Men- schen haben danach gestrebt, ihr Urteil nod) einmal zu überprüfen. Sie waren bereit, den Die Wahrheit So sehr sie sich mühen, die Wahrheit zu übertünchen, sie schlägt immer wieder durch! Parteimann von gestern zu vergessen und in Adolf Hitler den Reichskanzler von heute Zu sehen. Das Urteil, das wir nun aber fällen müssen, ist vernichtend. Wir urteilen nach dem gewaltig tönenden Nichts, das vor uns aufgestanden ist. Die Stimme, die wir hörten, ist nicht die eines Kanzlers, der unserem unglücklichen deutschen Volke den Frieden bringen kann... Wir wollen nichts mehr hören von Vergangenheit, Vergeltung und Marxisten, die längst nicht mehr am Ruder sind. Uns ergreift innere Empörung, wenn heute, 14 Jahre nach dem Zusammenbruch von 1918, die Schuldfrage immer wieder in den Vordergrund gestellt werden soll. Wir wollen einer späteren Geschichte, die nüchterner urteilen kann, die Klärung dieser Frage überlassen. Ztus das allerschärfste aber protestieren wir gegen die Worte des Reichskanzlers, die er gegen die achtjährige Regierungszeit des Reichspräsidenten von hiudenburg geprägt hat. wir wollen wissen, was geschehen soll. Darüber aber haben wir nicht ein Wort gehört. Wo bleibt der öffentliche Widerruf der Kriegsschuld! üge? Wo bleibt die Ein- stellung der Reparationszahlungen? Wo bleiben alle uns verheißenen Maßnahmen gegen dos Finanzkapital, das nicht mehr in der Lage ist, die deutsche Arbeit zu finanzieren? Wo bleibt der Marsch zur Scholle? Wo bleiben die Versprechungen, die man uns gemacht Hot? Waren die Versprechungen, die man uns gc- geben hat, alle nur dazu da, um Stimmen zu sammeln? Glaubt man wirklich, daß der ganze deutsche Nationalismus durch den Fluch der Parteipropaganda schon so verdummt und entgeistigt ist, daß man ihm nicht zu jagen braucht, wo man ihn hinführen will? Der Reichskanzler fordert alle Ratio- nalistcn mis, ihm zu folgen. Wir Jungdeutschen werden nicht ablassen, die Reichsregierung unauf- hörlich zu fragen: Wohin soll der Weg gehen? Wir sind von tiefstem Mißtrauen erfüllt. Was soll aus Deutschland werden, wenn dieser Wahn zerreißt? Wir, die wir unseren kühlen Verstand in dem sinnlosen Taumel einer fanatischen Parteipro- paganda erhalten haben, erkennen unsere große Ausgabe darin, alles vorzubereiten, um den Nationalismus vor einer furchtbaren Nie- d e r l a g e zu bewahren. Nicht Phrasen, Wahlen und Haßpropaganda, sondern einzig und allein r e st l o s e Klarheit ist das Gebot der Stunde!" Das„große Erwachen" scheint zu kommen... Beruhigungspulver Zur Rettung Görings bestellt Ein skandinavischer Mitarbeiler des„Völkischen Beobachters" hat dem rechtsstehenden schwedischen Reichstagsabgeordneten Konsul Otto Wallen über die in der Tagcspresse erwähnten Aus- lassungen der„Göteborg Handels- und Sjöfartftid- ningen" über die neue Reichsregierung befragt. Konsul Wallen gab in dieser Unterhaltung„seinem Erstaunen" darüber Ausdruck, daß Zeitungen eines Landes, das mit Deutschland seit Jahrhunderten in freundschaftlichsten Beziehungen stehe, und dessen Vorfahren zusammen mit Deutschland für ein ge- meinsames Ideal ihr Blut vergossen hätten, es fertigbrächten, Artikel zu veröffenllichten, die als eine Beleidigung des nationalen Deutschlands aufgefaßt werden könnten. Er möchte unter allen Umständen betonen, daß das schwedische Volk sich in keiner Weise mit solchen Blättern identifiziere, denn dazu sei das schwedische Volk viel zu gesund und aufgeklärt. Herr Wallen feiert die Nationalsozialisten als Bolschewistentöter und wird, nach Schweden zu- rückgekehrt, eine deutliche Antwort bekommen, denn in der Zurückweisung des Göring-Tele- gramms ist sich die ganze schwedische Presse einig. W agner-Ehrungen Anläßlich seines 50. Todestages Die Stadt Leipzig, in der Richard Wagner geboren wurde, veranstaltete anr Sonntag aus An- laß seines Ajährigen Todestages im Gewandhaus eine Gedächtnisfeier, die als Reichssendung auf sämtlich« deutschen Sender übertragen wurde. Oberbürgermeister Dr. Goerdeler hielt die Begrüßungsansprache, die Gedächtnisrede hielt M a x v o n S ch i l l i n g s. Die Reichsregierung war bei der Feier vertreten. Der Stadtrat von Bayreuth beschloß anläß- lich des A. Todestages Richard Wagners die neuen Anlagen am Festspielhügel als Richard- Wagner-Park zu bezeichnen und die Wege und Plätze dieses Parkes nach Persönlichkesten zu benennen, die Wagner und seinem Kreise nahe- standen. Die Auffahrtsstraße zum Festspielhaus erhält den Namen Siegfried-Wagner- Alle«. Der neue„'Eannhäuser" Lindenoper In der Bühnengestaltung nimmt Jürgen Feh- lings Neuinszenierung(die Gesamtausstattung stammt von Oskar Strand) auf Wagners Vorschriften wenig Rücksicht: was theoretisch sehr leicht zu begründen wäre. In der Praxis aber zeigt es sich, wie meist, daß es sehr schwer und gefährlich ist, die Theaterphantasien des alten Zauberer- durch„zestgemäßere" zu ersetzen: denn das Thea- ter ist ihm nicht nur mehr oder weniger wichtiger Hondlungshintergrund(Hintergrund einer Handlung, die in den Stimmen verliefe), sondern oft genug unentbehrlicher und unveränderlicher Handlungsfaktor. Was nützt uns ober eine Bühnen- gestaltung, die besser zu uns. schlechter aber zu der Partstur paßt, die sie interpretiert? Daß ein Inszenator unserer Tag« vor den lauschigen Wasserfällen und wollüstig üppigen Grotten des Venusberges ein« hellige Scheu hat, ist verständ- lich, Frau Venus darum aber nun in den abstrak- ten Raum zu legen(in unglücklichster Anordnung ihrer Glieder noch dazu), das ist auch keine Lösung des Problems. Wer verstünde nicht die Sehnsucht, der konventionellen.Hall«.zu entgehen — kann man diese Halle aber ganz entbehren, kann man sie durch einen gedrängten Ausschnitt ersetzen? Ist nicht der ganze Akt— der Gästeeinzug, der Sängerkrieg, das Finale— nur in der Halle möglich? Bezaubernd ist das Vorfrühlings- bild mit dem reizenden Hirtenknaben(keine Sou- brette, der Himmel sei gepriesen!), es war und blieb aber das einzige Landschastsbild, denn der letzte Akt spiest nicht in freier Gegend, wie er sollte, sondern unter den lvtauern der Burg. So eindrucksvoll und geschlossen dieses Bild auch war— bedarf dies« Oper, diese musikalische Legende nich: gerade der Landschaft, ist die für das Eigenlliche dieser Musik nicht so wichtig und wichtiger als die ganz« Aktion? War das nicht Schauspielregie im Grunde, was Fehling da betrieb? Pilinsky bot als Tannhäuser eine nicht sehr gleichmäßige, aber noble und anständige, zum Schluß klug ge- steigerte Leistung: Franzi von Dobay(Elisa- beth) hat ein schönes, aber nicht immer und nicht genügend beherrschtes Material einzusetzen. Außer. ordentlich kultiviert ferner der Wolfram Juni- sen s, ausgezeichnet der Landgraf Lists. Die Venus Mose F o r b a ch s(sie fang schr gut) war in Aussehen und in der Darstellung ein bedauern.-- wertes Opfer der Regie. Die musikalische Direk- tion hatte Klemperer, der stürmisch und mit Recht gefeiert wurde— schon die Overtüre war ein Wunder an Präzision und delikatem Orchester- klang. A. W. 3. Reich in Mannheim Stinkbomhenkampf gegen Moissi und Shaw Aus Mannheim wird uns geschrieben: Am Freitagabend gastierte im Mannheimer National- theater Alexander Moissi mst dem Berliner En- semble„Zu wahr, um schön zu sein" von Ber- nard Shaw. Die Nationalsozialisten hatten gegen das Gastspiel des„Juden" Moissi und gegen das Stück des„Juden" Shaw polemisiert und geschrie- den. daß„sie Moissi einen würdigen Empfang in Mannheim bereiten würden". Bereits im ersten Akt begann völlig grundlos ein Pfuirufen, Pfei- fen, Knallerbsenwerfen, auch Stinkbomen wurden vom vierten Rang geworfen. Darauf spielte man bei hellerleuchtetem Zuschauerraum unter stärk- stem Beifall des Publikums, das lebhaft gegen die nationalsozialistischen Siörer protestierte, den ersten Akt zu Ende. Während des zweiten Aktes fielen die unflätig- sten Beschimpfungen und Zwischenrufe, wieder wurden Knallerbsen und Stinkbomben geworfen. so daß Polizei und Kriminalbeamte eingreifen mußten. Nachdem etwa 19 Minuten lang das Wellerspielen unterbrochen worden war, um die Ruhestörer auf Anweisung des Spiellellers aus dem Hause zu verweisen, konnte der zweite Akt ungestört mll stärkstem Beifall auf offener Szene zu Ende gespiest werden. Beifall der Gesinnung und Zustimmung gab es auch bei den tapferen Worten, die Moissi gegen den Krieg sprach, während des drllten Aktes. Der Satz„Wir haben 191S nicht die richtigen umge- bracht" und ähnliche Sätze lösten minutenlangen Beifall aus. In den Beifall, der der künstlerischen Leistung und der Gesinnung des Stückes galt, mischten sich schrille Pfiffe. Nationalsozialistische Horden zogen während der Borstellung und nach- her am Theater umher, sie wurden von der Polizei mit dem Gummiknüppel aufgelöst. Der Weihstenfel Karl Schönherr im Steglitzer Schauspielhaus Erinnerungen an die Jahre vor dem Kriege steigen auf. Damals war der„Werbsteufel" dos große Erfolgsstück der deutschen Bühnen. Das Publikum ließ sich von dem starken und mll Hand- fester Theaterroutine präsentierten Stoff packen und die Direktoren, vor allem die ambulanten. waren begeistert von dem niedrigen Etat, den das Dreipersonenstück erforderte. Die Verlockungen des niedrigen Etats sind geblieben und die Reize des Stückes sind, wie der sehr kräftige Beifall bewies, ebenfalls noch vor- Händen. Um ein wenig Renovation und Modern.'- sierung hätte sich die Regie trotzdem bemühen können: die umständlichen Selbstgespräche, wie sie Schönherr vor zwei Jahrzehnten schrieb, wirken in einem naturalistisch nngelegten Stück heute etwas komisch. Gespiell wird mll dicken Unterstreichungen. Der Gr«nzjäger, dargestellt von Hans Walbert Schle- tow, hat an strotzender Kraft und an ragender Größe noch zugenommen und das„Saugflaschen- manderl" Hans Fliesers ist weller verfallen und noch kränklicher und jammerlappiger geworden als es vor 29 Iahren war. Julia Serda machte durch ausgezeichnetes Spiel einigermaßen weit, was ihr, das muß zu sagen erlaubt sein, an jener natür- lichcn Jugendlichkeit und knusperigen Drallheit fehll, die man sich als leibliche Merkmale des Weibsteufels vorstellt. II, E. Bei neuen Ausgrabungen in Tell el Amarna wurde u. a. ein Kopf der Königin Nefre- tete in Lebensgröße gefunden. Es handelt sich um ein wundervolles in Quarzstein ausgearbeitetes Werk, das angeblich an Schönheit dem Nefreteie- Kopf im Alten Museum in Berlin gleichkommen soll. Außerdem wurde ein sehr gut erhaltener Kopf des Königs Amenophis IV. gefunden. TragödieimWohlfahptsamt Drei Schwerverletzte Auf der Treppe des Wohlfahrtsamts in der Petersburger Str. 77 spielte sich heute mittag eine blutige Tragödie ab. Der SS Zahre alte Maschinist Justus Braun aus der Zorndorfer Straße stach feine von ihm getrennt lebende 45 Zahre alte Frau und feine Stieftochter mit einem Messer nieder. Unmittelbar darauf versuchte lich Braun durch vier Stiche in die Herzgegend zu töten. Brau» ist dreißig Jahre laug zur See gefahren und hat erst sehr spät geheiratet. Seine Frau brachte eine erwachsene Tochter mit in die Ehe. Als B. feine Arbeit verlor, kam er mit seiner Frau häufig in Strell. Das Zerwürfnis ging schließlich so well, daß Frau B. mit ihrer Tochter ihren Mann oerließ und nach der.Thaerstraße zog. Gegen 12 Ulzr hatte Braun auf dem Wohlfahris- amt zu tun. Er war bereits abgefertigt, als er von einem Fenster des ersten Stockwerks seine Frau und die Stieftochter über den Hos kommen sah. Als die beiden Frauen die Treppe heraufkamen, fiel Braun mit einem Messer über sie her. Nach dem Attentat flüchtete er auf den hos. wo er sich das Messer viermal in die Brust sagte! Die drei Schwerverletzten wurden durch Pollzeibeamte in das.Krankenhaus am Friedrichshain gebracht. Deutsches Recht Nicht russisches Recht Bei all den Klagen von Arbeitern und Angestellten, die bisher entweder von russischen Staats- angehörigen in Deutschland oder von deutschen Staatsangehörigen, die in Sowjetrußland beschä- tigt waren, erhoben worden sind, bestritten die Beklagten ihre Haftbarkeit oder die Zuständigkeit der deutschen Arbeitsgerichte. Die sowjetrussische Handelsvertretung wollte entweder nicht als Arbeitgeber gelten oder sie suchte den Gerichts- stand ihres Landes geltend zu machen. Im Gegensatz zu den weniger klar liegenden Fällen ist ohne weiteres klar, daß für deutsche Arbeitnehmer, die bei deutschen Firmen in Sowjetrußland gearbeitet haben, die deutsche Gerichtsbarkeit gilt. Allein das Reichs- arbeitsgericht mußte dies erst besonders feststellen. Der Kläger M. war von einer deutschen Firma in Moskau beschäftigt worden. Er wurde als leitender Angestellter gegen festes Monatsgehalt eingestellt. Die Arbeits- und Ge- Haltsbedingungen waren vertraglich geregelt. Da die beklagte Firma in Moskau den Abschluß eines Bertages bestritt und ihm ein niedrigeres Geholt bezahlte, als das vereinbart war, kehrte er nach Deutschland zurück. Er hat die Firma verklagt und macht Gehalts- und Schadenersatz- anspruch geltend Die beklagte Firma(deren Namen leider nicht genannt ist) bestreitet, daß für sie deutsches Recht und deutsche Gerichtsbarkeit Anwendung finde. Das Landesarbeitsgericht Berlin hat sich der Ansicht der Beklagten nicht angeschlossen und zugunsten des Klägers entschie- den. Um in diesem Rechtsstreit eine g r u n d s ä tz- liche Entscheidung herbeizuführen, legte die Beklagte, die von dem kommunistischen Rechts- anwalt und Reichstagsabgeordneten Dr. Löwen- t h a l- Berlin vertreten wurde, Revision ein. Die Revisionsinstanz hatte zu prüfen, ob in diesem Falle russisches oder deutsches Recht Anwendung findet, ob die Beklagte der deutschen Gerichtsbarkeit untersteht. Das Reichs arbeitsgericht verwarf die Revision der Beklagten und stellte fest, daß für den Kläger deutsches Recht und deutsche Gerichtsbarkeit gilt. Bemerkenswert ist, daß für deutsche Arbeit- nehmer das deutsche Arbeitsrecht besser ist als das russische.(RAG. 318/32.) 3)ie SEerfWrung in Weunkirchen Einheitsfront RGO.-Leute dagegen In den Bezirksoersammlungen des Metall- arbeiterverbandes in Leipzig stand folgende Resolution zur Debate: „Die versammelten Mitglieder der Branchen und der Bezirke des Deutschen Metallarbeiterver- bandes, Verwaltungsstelle Leipzig, fordern, daß in Anbetracht der die gesamte Arbeiterbewegung bedrohenden Gefahren der gegenseitige Bruder- kämpf eingestellt wird. Die Vorstände der Arbeiterparteien müssen schnellstens VerHand- lungen einleiten und den gemeinsamen Kampf gegen die faschistische Reaktion aufnehmen." Gegen diese Resolution stimmten die KPD.- Funktionäre und offenbarten damit, daß sie das Gebot der Stunde noch immer nicht begreisen wollen. Sie wurden richtig eingeschätzt, indem sie— wir bereits mitgeteilt— von 61 Mandaten ein einziges„errungen" haben. Wieviel Millionen? .Arbeitslose in Amerika Rem Jork, 13. Februar. Die Arbeitslosenstatistik des amerikanischen Gewerkschaftsbundes weist für Januar 12 Millionen, Arbeitslose aus, das sind rund 266660 mehr als im Dezember. Die Gewerk- schaften fordern zur Behebung der von Tag zu Tag anwachsenden Krise die 30-Stunden-Ivoche. Ihre Einführung würde annähernd sieben Mil- lionen Arbeitslosen die Möglichkeit zur Arbeit geben. Ueber ein Viertel der Angehörigen des amerikanischen Gewerkschaftsbundes ist zur Zeit voll arbeitslos. * Nach der Schätzung der Vereinigung zur Er- sorschung des Arbeitsmarktes gibt es 17 Millionen Arbeitslose, ein Drittel aller Beschäftigten. Es gibt weder eine amtliche Zählung, noch staatliche Unterstützung in den Vereinigten Staaten. Ob die Gewerkschaftsstatistk alle Unorganisierten er- saht, ist fraglich. S. kreis. Arbeiterbildungsschule. Der Kursus Auerbach muß heute wegen Erkrankung des Refe- renten ausfallen. 168 Abl. Heute, 26 Uhr, Sitzung aller Funktio- näre und Kreisvertreter bei Jablonski, Kaiser- Wilhelm-Str. 69 Marschiert die Sozialisierung. Ueber dieses Thema spricht heute, Montag, 13. Februar, 26.36 Uhr, im Rahmen eines wissenschaftlichen Klubabends der Deutschen Liga für Menschenrechte Staatsbonkpräsident a. D. Walter L o e b und der ehemalige ungarische Finanzminister Paul S z e n d e aus Wien. Die Veranstaltung findet im Herrenhaus, Leipziger Str. 3(Festsaal) statt. Vor- sitz Dr. Robert Kuczynski. Blick auf die vollkommen zerstörte und dem Erdboden gleichgemachte Häuserreihe gegenüber dem explodierten Gasometer. Rundfunk der Woche Was geht vor? Darüber kann es heute keinen Zweifel mehr geben: der Reichskanzler Hitler schlägt seinen Amtsoorgänger P a p e n— mit Hilfe der Wachs- platte. In oierundzwanzig Stunden viermal vor dem Mikrophon, das hat'selbst der mit wilhelmi- nischer Redesreudigkeit begabte Herr von Papen seinerzeit nicht geschafft. Und auf die historisch kolorierte Schlagzeile„Aufruf an das deutsche Volk" ist er auch nicht verfallen. Es hat auch nicht den Anschein, als wollte Hitler Herrn von Papen und seinen Freunden und Mitregenten H u g e n- b e r g und S e l d t e Gelegenheit geben, es ihm vor dem Mikrophon gleichzutun. Zwar folgte der Auflagesendung der Naziveranstaltung aus dem Sportpalast eine ebenfalls anderthalbstündige Regierungsauflage für den gesamten deutschen Rundfunk von der schwarzweißroten Kundgebung, die einen Tag darauf an der gleichen Stelle stattfand. Aver prompt wurde dann am Sonntagvormittag die Naziveranstaltung von Wachsplatten wiederholt, und am Nachmittag lief noch einmal Hitlers Rede, die am Sonnabend- vormittag den Hörern von der Automobilaus- stellung zugeleitet worden war. „Der Rundfunk", heißt es in den amtlichen Richtlinien,„stellt die Hörer in sachlicher Weise vor die gesamte politische Wirklichkeit... Der Rund- funk dient keiner Partei. Politische Gegenstände sind sachlich zu behandeln. Werbung für Parteien und Bekämpfung von Parteien sind nicht zuge- lassen." Der Reichsrundfunkkommissar Dr. Eon- r a d, der Amtsnachfolger von Erich Scholz, hat diese Sätze der Richtlinien kürzlich in einem Inter- view, das er einem Mitglied der Freien Funk- zentrale gewährte, ihrer Bedeutung gemäß her- ausgestellt. Er erklärte dabei, die Richtlinien gingen davon aus, daß im Volke eine Fülle von Spannungen vorhanden wäre, die zu berück- sichtigen seien.„Es wäre lächerlich." sagte Dr. Eon- rad,„wenn der Rundfunk an dieser Tatsache vor- übergehen wollte." Nun wird Dr. Conrad einwenden, daß er und alle anderen für den Rundfunk verantwortlichen Kräfte auf die Auflagesendungen der Reichsregie- rung keinen Einfluß hätten. Das ist unbestreitbar richtig. Aber es handelt sich anscheinend bei der Mehrzahl dieser Darbietungen nicht um Auslage- sendungen. Weder die Wiederholungen der ersten Hitler-Ansprache, noch die drei jedesmal neu durch- gesehenen und revidierten Fackelzugreportagen, noch die Wiederholungen von der Sportpalast-Ver- anstaltung und der Ausstellungseröffnung waren als„Auflagen" gekennzeichnet. Hier also kann der Hörer fordern, daß der Reichsrundfunkkommissar die Rundfunkintendanten aus die sinngemäße Befolgung der Richt- l i n i e n hinweist und sie auffordert, den anderen Parteien nicht vorzuenthalten, was sie den Regie- rungsparteien so sreigiebig gewähren: das Recht auf politische Reden vor dem Mikrophon. Depn� daß es sich bei den Sportpalast-Kundgebungen nicht um Ansprachen von Regierungsvertretern. sondern um ausgesprochene Parteiveran- st a l t u n g e n handelte, steht außer jeder Dis- kussion. Als Dr. Goebbels in der Reportage aus dem Sportpalast sagte, daß nach seiner Schätzung rund 26 Millionen Deutsche dieser Veranstaltung bei- wohnten, zitierte er eine Vermutung, die bereits im September 1931 in einem der zahlreichen In- ftruktionsschreiben über Rundsunksragen an die nationalsozialistischen Gauleiter enthalten ist. In diesem Schreiben, das als„streng vertraulich" ge- kennzeichnet ist, wird den Nazigruppen die Her- anbildung eines„organisierten und technisch gebildeten Korps" zwecks Machtergreifung im Rundfunk zur Pflicht gemacht,„denn fünf Millionen Flugblätter bedeuten nichts gegenüber der eindringlichen Wir- kung einer viertelstündigen Rundfunkrede." Die Furcht, daß der„legal" eroberte Rundfunk von politisch Andersdenkenden gestört werden könnte, hat ja angeblich jetzt die fünf Funkangestellten, die „linksradikaler Gesinnung verdächtig sind", aus dem Funkhaus geworfen: sie spukt schon in dem hier zitierten Rundschreiben. Diese fristlose Entlassung verdienter technischer Angestellter auf Befehl von Herrn F r i ck macht auch den bereits erfolgten Rücktritt des t e ch- nischen Rundfunkkommissars Dr. Bredow voll verständlich: er wollte die Maß- nahmen der Regierung nicht mit seinem Namen decken müssen. Dr. D u s k e, der provisorische Intendant desBerlinerSenders, hat sich beurlauben lassen. Es scheint, daß trotz der offiziellen Zu- sicherung„unantastbarer Selbständigkeit", von der Dr. Duske kurz nach seinem Amtsantritt der Oeffentlichkeit Mitteilung machte, er alles andere als ein freier Mann im Funkhaus gewesen ist. Der Nazi- K o l b war ihm von vornherein auf die Finger gesetzt worden, sowohl als Kontroll- instanz für die Programme als auch als unmittel- barer Leiter der Abteilung„Literatur", in der fein geistesverwandter Gehilfe Bronnen ist. Die Vortragsabteilung verwaltet der frei- herrentreue Harald Braun, unterstützt von seinem Hugenberg-Kollegen, dem anerkannt unbe- gabten Reporter L a u k i s ch: den„Z e i t f u n k" melkt der Schutthaufen- Ma r i a u x. Selbstoer- ständlich haben alle Abteilungen ihre gesinnungs- gemäßen Hilfskräfte, die teils aus der braunen Armee, teils aus dem Lager des„Stahlhelm" rekrutiert wurden. Unmittelbar Dr. Duske unter, stellt war nur die Abteilung„M u s i k". Ietz» vertritt der Nazi Kolb Dr. Duske als Inten- danten. Die Berliner Funkstunde ist zur Zeit also genau so regiert wie die deutsche Republik, und bei der Mehrzahl der deutschen Sender sieht es wohl nicht anders aus Tes. Rundfunk am Abend Montag, 13. Februar Berlin: 16.13 Deutsche Personenwagen auf der Internationalen Automobilausstellung (L. Jonafi). 16.30 Violinmusik. 17.15 Alte Musik(Aus dem Schallarchiv). 17.30 Tapferkeit im täglichen Leben(Tim Klein). 17.50 Sportjugendstunde. 18.10 Unterhaltungs- und Tanzmusik. 18.30 H. M. Ken: Eigene Prosa. 18.53 Die Funkstnnde teilt mit. 19.00 Stimme zum Tag. 19.15 Zehn Minuten für den Musikhörer. 19.25 Unterhaltungs- und Tanzmusik. 20.00 Personenverzeichnis zu der nachfolgenden Uebertragung. 20.03 Aus der Städtischen Oper:„Der fliegende Holländer", Oper von Richard Wagner. Anschließend: Wetter-, Tages- und Sportnachrichten, Tanzmusik. 21.00 Wiederholung: Reichssendung. Aus Bayreuth. Gedenkstunde für Richard Wagner. Königs Wusterhausen; 16.00 Pädagogischer Funk. 1740. Die indischen. Frauen (A. Quensel). 17.30 Tägliches Hauskonzert.' 18.00 Stunde des Beamten. 18.30 Musizieren mit unsichtbaren Partnern(Dr. H. Just)-,� 18.55 Wetterbericht. 19.00 Englischer Sprach- Unterricht. 19.30 Das Gedicht. 19.35 Einführung zu„Tristan und Isolde". 19.45 Aus Leipzig:„Tristan und Isolde", Oper von Richard Wagner. 22.23 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. 22.45 Seewetterbericht. 23.00 Nachtmusik. Sonst; Berliner Programm. Vollständiges Europaprogramm im„Volks-. funk", monatl.% Pf. durch alle„Vorwärts"» Boten oder die Postanstalten. Verantwortlich für Politck: Rudolf Brendemühl; Wirtschaft: G. Klingelhöfer: Gewerkschastsbe- wegung: I. Steiner: Feuilleton: Herbert Le- pere: Lokales und Sonstiges: Fr i tz Karstadt: Anzeigen: Otto Hengst: sämtlich in Berlin' Verlag: Vorwärts-Berlag G. m. b H., Berlin. Druck: Borwärts-Buchdruckerei u. Berlagsanstalt Paul Singer u. Co., Berlin SW. 68, Lindenstt 8< Bezugs- bedingungen und Anzeigenpreise werden w jeder Morgen-Ausgabe des„Vorwärts" veröffentlicht. Hierzu 1 Beilage. NC/ f taats Thcaicr Montag, den 13. Februar Staatsoper unter den Linden 20 Uhr Das Rheingold staatliches Schauspielhaus 19 Uhr Faust II. Teil VOLKSBUHNE Theater am BOIewoiatz räglicfa Uhr D I Norden 6536 Schinderhannes vonmayer!ck A. Hörbiger, C. Splra, Brausewetter, Greid, Halden, Kurz, Marlow Komödlenhaus Schiffbauerdamm 2: Tel. 02 Weil 6304-0: Täglich 8% Uh Achtung, frisch gestrichen �iTarf» V Garten V 8 Uhr 1 5. Flora 3434. Rauchen srl. Gsovsky- Ballett) Medini-Trio Rassana Lotte Werkmeister Die lustigen Weintraubs usw. C ASINO-TH E AT ER 8*4 Uhr. Lothringer Sir, 37 8V« Uhr iiiiiiiiiiiiimii m iiiiiiiiMiiiiiiiiii im iiiiiiiniiitiiiiiiiiiiiiiiii iii iiiiii Sonntags auch 4 Uhr Buntes Theater: „Der Fürst von Pappenheim" Dazu erstklassiges Programm! Gutschein 1— 4 Personen: Parkett 0.60 Fauteuil 0.75. Sessel 1.25 8 Uhr i Ball im Savoy Muftt von Paul Abraham Gitta Mvav :Rosy Barsouy Oskar TeneS und das arogr Stareniemble. Sitz, nachm. 5lA halbe Prelle SlädLOper Chariotfenbure Fraunhofer 0231 Montag, 13. Februar 20 Uhr Außer Turnus Festvontellnng 50. Todestag von Richard Wagner Der fliegende Holländer Nemeth, Zador, Rode. Andiesen, Burgwinkel. Ludwig Diritenl Stiedry Rurfürstßnö.-in. DasTheater ohne Bon-Wirtschaft Kurfürstendamm 200 Bism. 1400 SV* Uhr Glückliche Reise Operette von Künneke Preis« von O.SO bis 6.- M. Inserieren bringt Erfolg! Schiller Blsmarckstr.(Knie) Steinpl.(C 1) 6715 Täglich 8Vi Uhr Der Kollo-Scbliger Die Männer sind mal so Mnsik von Weiter Kollo SioilnL Heidenuan B. B. B. Bendows Bunte Bühne Kottbusser Strafte 6 Oberbaom 3500 8% Uhr Sonntag auch �4 U Wilhelm Bendow Der scharfe Löwe Allee Herhy Berliner Tbeater DurlotHnstr. 90 Mahoff 625 SV« Uhr Nur noch 2 Mal Die Marneschlacht von Pnl Joseph steinen. Gastspiel lies Mannhiimet Nationaltbeatns Ladentisch gebraucht, ca. 5— ö m, cu kaulen �esuchi Preiaangebotc unter N. 281 an die Haaptexpeditioo de»»Vorwart»«. Stettiner Sänger Reichshallen-Th., Dönhoffpl. 8.15, Sonntags 3.30 zu ermäßigten Preisen Das große Februarprogramm; „Karneval" Rose-Ttiealer OreJe fmkfgrtn Straß« 132 TiL Wtidnil 11 3122 8.15 Uhr Premiere Der Hasenfellhändler Deutsches Theater Schumannstr. 13a Weidend. 5201. Täglich 8 Uhr Iphigenie auflanris »on Wolfgtng m üntbe Haiti tu Insaniining von Riiturd Bcn-Hotnann Htltni Tkimig. Hirt, ihlsii, Linmiinir.«. ViDhntiis uernauie St.... Tauber in JzühiUiqsstücme Operette von Weinberger und Beer Regie: Heinz Tallenburg Zllary loffeff, Arno, Äster. Patenimatragcn .Primissima" Aus. lcgcmatratzen. M«. talibetten Chaise. longues. Walter, Stargarder Straß» '»r. Svezial. achtzehn gefchSst. Stabioanlflgcn, alle Marten, gegen kleinste Monats. raten. Borfllbrnna kostenlos. OftfunI vzilafi. Reander. straße 16 Etagen. '»schifft Telephon annowitz 0135.» BEILAGE VsmNs MONTAG, 13. FEBRUAR 1933 Wagner und wir SEu feinem 50. Todestag am 13. Februar/ Ton 3)r. Arnold Waller Fünfzig Jahre ist es her, daß Wagners Leben in den schimmernden Sälen des Palazzo Vendra- min-Calergi in Venedig erlosch.— Die fünf Jahr- zehnte aber, lang genug, das Angesicht der Erde entscheidend zu verändern, sie waren zu kurz, um seinem Werk die merkwürdige und charakteristische Wirkung zu nehmen, die es heute so ausübt wie damals: leidenschaftliches Bejahen oder noch leiden- schaftlichere Ablehnung hervorzurufen, auf Liebe oder Haß angewiesen zu sein. Was dafür oder dagegen gesagt werden kann, es ist persönlich und sachlich, albern und klug, primitiv und hochphilo- sophisch unzählige Male formuliert, es ist auf alle nur denkbaren Arten bewiesen und wieder ent- kräftet worden... was aber liegt an Worten, an Beweisen, an den rationalen Verhüllungen instinktiver Reaktionen? Sein Werk lebt, lebt als Hauptstütze freilich eines Repertoiretheaters, das es überwinden sollte; und ist immer noch vieldeutig, faszinierend, wider- spruchsooll in sich: Revolutionäre und Reaktionäre in der Kunst wie im Leben zitieren es, so wie in früheren Jahrhunderten sämtliche einander die Schädel spaltende Teile der Christenheit die Bibel gleicherweise zu zitieren und für sich in Anspruch zu nehmen pflegten. Bon Riesenorchestern gespielt, donnerte der Trauermarsch der Götterdämmerung am Roten Platz über den Sarg Lenins, des Zer- brechers„alter Verträge"— auf der anderen Seite dann ist Wagner Schirmherr der helligen deutschen Kunst, Schutzheiliger der politischen Romantik und Patron der NSDAP.(Die es im übrigen nicht stört, was Nietzsche, ihr anderer Patron, über jenen dem deutschen Volk mitzuteilen für gut befand.) Di« Musiker endlich stehen immer noch in unbe- wußter Abhängigkeit oder bewußter und über- triebener Opposition zu seinem Werk, das ihnen so lange den Weg ins Freie versperrt hatte. Das alles ist nur möglich und notwendig, weil Wagner eine Art Resümee des neunzehnten Jahr- Hunderts darstellt, dessen Ströme alle, gleichzeitig oder nacheinander, in ihn Eingang fanden: auf einer anderen Ebene aber als der der Realität. Mag er vom jungen Europa begeistert fein, mag er mit Vakuum auf den Barrikaden stehen, mag er vom deutschen Volk schwärmen und der heiligen deutschen Kunst— immer fließen ihm Traum und Wachen durcheinander, immer meint er, erlebt er anderes als all die anderen: immer sich selbst, seine Ideen, seine Träume, sein Werk. Legendär ist der Egoismus seines Lebens, die Monomanie seines Schaffens. Er ist Romantiker im höchsten Sinn; hat die Verbindung mit der Wirk- lichkeit(die er weder durchschaut noch durchschauen will) völlig gelöst, lebt in striktem Gegensatz zur banalen Bürgerlichkeit, deren Bor- handensein, Herrschaft und liberale Ideologie ihm freilich erst die romantische Komplementärhaltung gestattet. Er meint im Grunde niemals die Dinge, von denen er schreibt, die Künste, deren er sich be- dient, sondern die Ideen der Dinge und Künste, wie sie in ihm sind. Daher ist er auch für nichts je Kronzeuge gewesen als für sich selbst. Er schwärmt von Fürsten, wie er sich denkt, daß Fürsten sein müßten. Er spricht vom Volk und meint damit die idealistische Konstruktion jener durch all dies in ein Verhältnis zum Leben ge- bracht, das sie in unserer Zeit nicht mehr haben kann. Denn in all dem Aufgezählten stehen die fort- schrittlichen Schichten unserer Tage gegen das neunzehnte Jahrhundert. Sie haben keinen Raum für kontemplative Haltung und religionsähnliche Stellung zur Kunst, für Pathos und heroisierendes Leben; für rigorosen Individualismus, für den Kult des Unbewußten und pessimistische Lethargie — jede Ablehnung wird von hier aus verständlich. Die Schichten der politischen Romantik andererseits wiederholen(oder erleben jetzt erst) iene Haltung; tragen das neunzehnte Jahrhundert noch unüber- wunden in sich nud verehren in Wagner ganz zu Recht den größten Meister auf dem Boden ihrer Ideologie. Das heißt im ganzen also, daß Wagner so sehr umstriten ist wie einst, wenn auch zum Teil aus anderen Gründen; und daß in diesen Rela- tionen viel des Herrlichen und Absoluten, das in ihm steckt, verloren geht. Das aber wird erst dann zu Ende sein, wenn das neunzehnte Jahrhundert keine lebendige Gewalt mehr fein wird, gegen die wir— zum Teil äußerlich, zum Teil noch in uns selbst— kämpfen müssen, sondern eine über- wundene versunkene Epoche. Dann wird uns die Ideologie der Werke Wagners soviel oder so wenig interessant, soviel oder so wenig gleichgültig sein wie die der griechischen Tragiker oder einer Kom- Position von Palestrina: dann erst wird ihre kristallene Gestalt aus dem Dunkel der Zeiten leuchten und sich bewähren. Wenn man freilich Historischem dann noch geneigt sein wird. Slfe Vlöhtis: -Die Stimme der WlwUer Eine Plakette Zum 50. Todestag Richard W agner shat die Staatliche Porzellan- Manufaktur Meißen eine Wagner-Plakette herausgegeben, die von Prof. Paul Börner geschaffen wurde. idealen Einheit von Volk und Kunst, die er im Athen der großen Tragiker zu finden glaubt. Er redet von„Kunst und Nevolntwn". dnbei ober interessiert ihn nichts als das Theater, wie er es versteht, als Schauplatz etwa einer„Geburt der Tragödie aus dem Geist der Musik". Sogar die Musik selbst ist ihm mehr Idee als selbstverständ- liche Voraussetzung, als primäres Element. Er ist der extremste Individualist, der glänzendste Psycho- löge, den man sich denken kann, sehnsüchtig nach allem Unbewußten, nach allen Schattenreichen der Seele: notwendiger Gegensatz und Ergänzungstyp einer durchweg rationalen Zeit, der das Rationale haßt und gegen diese Zeit zum Mythos zurück will. Kunst und Leben werden seltsam verschränkt: das Leben aufs äußerste heroisiert, im Rausch übersteigert, im Denken verneint— die Kunst wird Vor kurzem ereignete sich im Direktionszimmer eines großen Berliner Fernsprechamtes ein sen- satiynelles Geschehnis, das in der Oeffentlichkeit kaum bekannt geworden ist. Ein kleiner Kreis Menschen hatte die Erlaubnis erhalten, einem Telephongespräch beiwohnen zu dürfen, das in der Geschichte der Berliner Post einzig dasteht: Eine Frau, eine Mutter wollte zum ersten Male eine Verbindung zwischen Berlin und der Arktis herstellen. Ihr Gesprächspartner war ihr ein- ziger Sohn, der weitab von jeder Zivilisation in der tödlichen Einsamkeit der weißen Polar- wüste als Geophysiker und Meteorologe arbeitete. Die Stimmung in dem so nüchtern anmuten- den Raum war erregt und ergriffen. Jeder der Anwesenden fühlte die ungeheure Spannung der Minuten, die bange Erwartung, ob das Experi- ment glücken werde, spürte auch, wie es in der Frau aussehen mußte, die mühsam beherrscht in ihrer Mitte stand und den entscheidenden Augen- blick herbeisehnte. Ein Telegramm, die letzte Nachricht des deutschen Forschers Dr. Joachim Scholz aus Franz-Jol'efs-Land, nicht weit vom Nordpol eritsernt, an seine Mutter, ging von Hand zu Hand. Es enthielt nur wenige knappe Worte, die Versicherung, daß«r sich wohl be- finde, aber mit der Einschränkung, daß er seine wissenschaftlichen Arbeiten nur unter sehr schwie- rigen Umständen durchführen könne. Jeder Leser wußte, was ungeschrieben zwischen diesen wenigen Zeilen stand: Der tägliche, nerven- zerrüttende Kamps mit den Gefahre» des Eises und der Kälte, die tausend Zufälligkeiten eines Lebens, das jeden Fußbreit Erfolg den Dämonen der Polarnacht abtrotzen mußte. Viele Meilen trennten Dr. Scholz von seinem deutschen Freunde Dr. Kurt Woelcken, der ebenfalls wissenschaftliche Arbeiten ausführte und als begeisterter Teil- nehmer des Internationalen Polarjahres auf seinem Spezialgebiet Geologie arbeitete. Tausende Slurm auf dem ZPlallenfee Sine&ahrljkimste/ Ton Augufl Wlallhey Der Zug durchschneidet die ungarische Tiefebene. die sich in einem großzügigen Rhythmus im fernen Dunste verliert. Die Pußt* liegt vor mir mit ihren unendlichen Pappelalleen, die von irgend- woher kommen und irgendwohin gehen Plötzlich glänzt im Osten ein schimmernder Streifen auf, der sich immer mehr vergrößert, um mich schließ- lich ungeheuer selbstherrlich mit seinen unergründlichen, grünlich funkelnden Sphinxaugen anzu- starren. In Balaton-Bereny, einem kleinen, unschein- baren Ort an der Südwestecke des 9l) Kilometer langen Sees, steige ich aus Die Sonne, die jetzt hinter der Wolkendecke hervorbricht verwandelt das Grau des Sees in einen leuchtenden Gold- spiegel. Große Wasservögel fliegen mit schweren Flügelschlägen dem Sonnenbrände, der langsam verlöscht, entgegen. Ein wenig später ist nur noch die glühende Wolkenasche da, die vom Horizont langsam in den Abendh'mmel hineinwächst. Vom andern Ufer grüßt mit einer unheimlichen Leben- digkeit die Silhouette der kegelförmigen Wein- berge her. Nach lange sitze ich bei meinem Zelt und sehe die Nebelschleier langsam aus dem Silber des Sees wachsen und sich tastend aus der Pußra aus- breiten. Am nächsten Morgen sieht der See grau und unwirtlich aus Eine starke Dünung mit weiß- grauen Schaumkronen läuft gegen das User Bald ist das Kajak zusammengestellt»"d, da der Wind in der Richtung zum andern User hin bläßt, fahre ich gleich los Zuerst funktioniert alles vorzüglich. Das Boot macht rasche Fahrt. Nur ein leichtes Nebelreißen setzt ein und verwischt die Konturen des schon schon ziemlich entfernten Ufers Im Osten verschwimmt der See mit den dunklen Wolkenballen, die wie Untiere aus ihre Beute zu lauern scheinen, D'e Wellen, d'e der Wind mit seiner unbarmherzigen Geißel immer höher treibt, lausen nicht mehr so regelmäßig wie am Anfang der Fahrt dem Boot entgegen. Stärker und stärker legt sich der Sturm in das Segel, das mich mit seinem geblähten Bauch wie ein bösartiges Tier angrinst. Mein nächster Gedanke ist: herunter da- mit; doch da es sich irgendwo verhakt ha«, schneide ich die Segelleine einfach durch Ein Knall, und wie ein kokettes Weib winkt mir der Wind mit dem Segel zu. Erleichert spähe ich nach dem User aus. Aber ich kann nichts sehen. Alles ist grau in grau. Der See selbst hat sich in ein wildes Tier verwandelt, das nach dem Takte des heulen- den Sturmes mit Schaum vor dem Munde tanzt, faucht und brüllt. Von allen Seiten wird das Boot gepackt, gestoßen und herumgeschleudert. Zischend stürzt sich das Wasser auf die Spritzdecke und droht, sie einzudrücken was gle-chbedeutend mit Kentern wäre. Bekränzt von geiben Algen schwankt das Boot aui dem Waft-r. als wolle es der Sturm diesem brüllenden.Satan vermählen Verzweifelt und mit angespannten Muskeln ba- lanciere ich in diesem Strudel. Unregelmäßige Wellenberge, von weißer Gischt gekrönt, heben mich in die Höhe, um mich sofort wieder in die Tiefe schießen zu lassen. Ueber meine Schultern hinweg pfeift der eiskalte Wmd. der mit den Paukenschlägen des Donners die entfesselte Sym- phonie der Natur spielt Blitzgarben umzittern diesen Spuk und werfen grelle Streifen auf diesen tollen Tanz. Kaum vermag ich das Grauen, das irgendwo herausgekrochen ist. zu unterdrücken, denn immer wilder tobt es in diesem Hexenkessel. Da plötzlich sehe ich, vom Kamm einer Woge emporgehoben, dicht vor mir eine graue Wand. und im nächsten Augenblick wird das Boot in das 2 bis 3 Meter hohe Schilf geschleudert Kaum wage ich zu hassen, daß ich gerettet bin, und ich fühle mich für einen Augenblick sogar schon ge- rettet. Aber welch ein Hohn: die Bootshaut hat einen Riß bekommen, und die Aussicht, aus diesem Dickicht herauszukommen, ist gerng Verzweifelt stoß« ich mich in diesem Schilfurwald vorwärts, Ganz erschöpft und durchnäßt lange ich endlich mit dem schon halb vollen Boot am Ufer an und wate dann in diesem Krötenidyll- voll inneren Mißbehagens bis nach einem halbwegs brauch- baren Lagerplatz. Diese Nacht, die Gott sei Dank auch einmal ihr Ende hatte, löst ein düsteres Morgenrot ab, das die ganze Landschaft erfüllt. Wie dunkle Stiere sagen Wolken an das rote Tuch des Ostens zu, um schließlich davon umhüllt zu werden Mein Boot äfft mir einen Fisch vor, der seinen roten Bauch mir entgegenstreckt. Mit vollem Herzen und leerem Magen erreiche ich endlich die Bahnstation, die sich ziemlich nahe dem Ufer bei der Halbinsel Tihany befindet. Langsam verschwindet dieser für mich so unHeim- liche See. Noch ein letztes Aufblitzen, und hinter den Weinbergen von Balatonfüred saust der Zug in das gelbe Eichenlaub des Vakony-Waldes. von Kilometern trennten ihn von Berlin, von der Mutter. Nur Telegramme konnten eine Ver- bindung ermöglichen. Die Antwort aber, die er auf seine letzte Nach- richt an die Mutter erhalten hatte, iibertras alle Erwartungen und Wünsche.„8.2S abends Kopf- Hörer anlegen", so lautete die Botschaft, die Dr. Scholz mit seinem Funkgerät empfangen hatte. „Mutter wird sprechen!" Und während irgend- wo im ewigen Eise ein Mensch, ersllllt von Zweisel und Glück, die Kopfhörer seines Zlppa- rates an die Ohren preßte, gab der Präsident der Internationalen Kommission zur Erforschung der freien Atmosphäre, Dr. Hergesell, in einem Berliner Fernamt der neben ihm stehenden Mutter das Zeichen:„Die Verbindung ist her- gestellt. Sie können sprechen!" Und während die Anwesenden gebannt und wortlos standen, tönte die Stimme der Mutter über Gebirge und Meer, über Ebenen und Polareis. Telephonleiwng, Kabel und Radio- sender Leningrad trugen sie auf geheimnisvollen Wellen und Schwingungen zu ibrem Sohne. „Mein lieber Jung«," sagte di« Stimme,-„ich habe Dein Telegramm erhalten. Es geht mir gut, ich bin gesund, Du kannst ganz unbesorgt sein. Ich denke Tag und Nacht an Dich, das weißt Du, mein Kind, und sehne den Augenblick herbei, da ich Dich wiedersehen darf. Ich bin so glücklich, daß Du mich jetzt hören wirst und daß wir für einige Minuten uns so nahe sein können! Wir wünschen Dir alle Erfolg für Deine Arbeit! Bleibe gesund, mein lieber Junge, und tele- graphiere sofort, ob Du mich hören konntest. Auf Wiedersehen, auf Wiedersehen..." Mit feuchten Augen trat sie zurück, während die Umstehende'.- ihr die Hände entgegenstreckten. „Ob er mich wirelnh gehört hat?", fragte sie leise. „Wir wollen es hoffen", erwiderte Dr. Her- gesell,„und vielleicht haben Sie schon in kurzer Zeit ein Telegramm, das Ihr Gespräch bestätigt! Aber jetzt komme ich an die Reihe! Dr. Woelcken soll nicht denken, daß er ein Stiefkind sei!" Wieder arbeitete das Telephon, wieder jagten Elektronenströme durch den Weltraum. Der Prä- sident der Internationalen Kommission zur Er- forschung der freien Atmosphäre stand am Fern- sprecher und grüßte den deutschen Forscher Dr. Woelcken, wünschte ihm Glück für seine Arbeit und fügte einige sachliche Mitteilungen hinzu. Kurz danach hielt die Mutter das Telegramm ihres Sohnes in Händen, das Dank und Freude über die Sendung aussprach. Auch Dr. Woelcken telegraphierte, welche Freude er beim Klang dieses kaum erhofften Grußes aus der Heimat empfunden habe. Dann ging das Leben des Alltags und der nüchternen, zähen Arbeit wieder seinen Gang, als sei nichts geschehen. Die Mutter trat wieder zurück in die Häuslichkeit ihres stillen Lebens, aus der sie für einige wenige Minuten aufgetaucht war, um als erste Frau, als erster Sprecher überhaupt, von Berlin aus die Polarwüste mit der Hauptstadt der deutschen Republik zu ver- binden. Ihr Sohn, Dr. Scholz, arbeitete weiter aus seinem Hauptgebiet, der Messung der Clektri- zität der Luft. Aber diese wenigen Minuten an jenem Winterabend im Fernsprechamt konnten nicht mehr wesenlos gemacht werden. Für die Mutter wie für den Sohn, aber auch für alle Teilnehmer waren die Worte, die zum ersten Male zwischen Berlin und der Arktis ausgesprochen wurden, mehr noch als eine wissenschaftliche An- sangsleistung. Gewiß, die technischen Schwierig- leiten waren viel zu groß und zu kompliziert, um ein solches Gespräch in absehbarer Zeit wiederholen zu können. Aber die Post wollte der Mutter doch einen Beweis geben, daß sie dieses Ereignis nicht nur von nüchternes, sachlichen Gesichtspunkten betrachtete, sondern daß sie auch die seelischen Mmnepte zu würdigen wußte. Und so empfing die Frau wenige Tage später ein Schreiben, das sie ermächtigte, von jetzt ab monatlich bis zu hundert Worte unentgeltlich an ihren Sohn telegraphieren zu dürjen. Arbeiter-Fußball, Handball, Hockey Die neue Fußballserie Vorwärts-Trebbin gegen Luckenwalde Z. Zlbl. 5: 2(2: 2). Als erstes Serienspiel im neuen Spiel- jähr recht ansprechend, wenn auch nicht zu ver- kennen war, daß beide Mannschaften unter Krank- heitsersatz litten. Die Zuschauer wurden zusrieden- gestellt. Vorwärts ZI gegen Brih 88 2: l sl: 0). Das Spiel ist sehr ausgeglichen und wird durch das besiere Zusammenspiel des Vorwärts-Sturms knapp aber verdient von Vorwärts gewonnen. ASv Neukölln gegen Wilmersdorf 1:0<0: 0>. Wie immer bei den ersten Serienspielen kommt Wilmersdors schwer im Gong. Der Sturm über- treibt das Zuspiel. Kurz vor dem Abpfiff kann Neukölln nach einem Durchbruch das einzige Tor des Tages erzielen. Die Börfenspiele brachten folgende Er- gebnisse: BSV. 81 gegen ASV. Schöneberg 4: V(1:0), Spandau 25 gegen Teltow 3:2(2:0), Blau-Kelb gegen Äick-rs» 31 8: 1(2: 1), Adler 0» gegen Z!ord 32 12; 1 (6; 1), Vorwärts-Weddinq gegen Lichtenberg 5:2(0:1), Alemannia 2 gegen Rot-Weig Neukölln 2: 0<2: 0), Hansa gegen Butab 3:1(2:0), Werlsee gegen Pankow 3: 3 >3: 1), Nowawes 94 gegen Rormannia 4: l<1: 1). Spiele der Jugend: Lichtenberg gegen Wilmersdors 2: 1, Nowawes gegen Normannia 3: 0(1: 0), Minerva 23 gegen Hansa 3:0(2:0), Normannia gegen Vorwärts 31 4: 0 (2: 0). Pankow 2 gegen Elstal I 1: 0(0: 9. Schüler: Vorwärts. Wcdding gegen Pankow 1 5:1 (0: 0). Hansa gegen Wilmersdors 0:0(0:0). Die neue Freiheit tt Am Wochenende hat sich ein neuer Fuß- b a l l v e r e i n in der Arbeitersportbewegung ge- gründet Um den neuen Leuten alsbald die Mög- lichkeit zu geben, ihren Sport auszuüben, wurde bereits am Sonntag gespielt. Zum Gegner hatte man sich die Fußballmannschaft des Kanuvcreins Schweifsterne verpflichtet Gewöhnlich ist es ja so, daß der neue Verein das erste Spiel verliert, da ja die Mannschaft nicht eingespielt ist. Wie groß war aber das Erstaunen der Schweifsterne, als sie einer geschlostenen Mannschaft, einer Mannschaft, die wußte, was sie wollte, gegenüberstanden. Und die neuen Leute, die sich unter dem Namen „Freier Fußballoerein Freiheit" zu- sammenfanden, rechtfertigten das Erstaunen voll- kommen. Bereits in der ersten Minute mutzte der Torwart der Schweifsterne den Ball zur Mitte geben. Zug um Zug ging Freiheit weiter in Angriff. In gleichmäßigen Abständen setzte der Sturm noch dreimal den Ball ins Netz, erst dann gelang es Schweifsterne, den Ehrentrefser zu buchen. Zwei Minuten vor der Paule stellte Frei- heit das Resultat auf 5:1. Die zweite chalbzeit stand wieder voll im Zeichen des neuen Vereins. Immer von fünf zu füni Minuten wurde ein Tor erzielt Schweissterne blieb diesmal ohne Ersolge, so daß das Endergebnis 9:1 für Freiheit lautete. Ein vielversprechender Anfang Die Handballserie Süden gegen Neukölln 2:2 Bei den Handballspielern sollte gestern in der Abteilung U der ersten Klasse die Entscheidung fallen. Im zweiten Rundenspiel standen sich die Spitzenreiter Volkssport Neukölln und FTGB.-Süden gegenüber. Nach den Leistun- gen im ersten Spiel zu urteilen, gab man den Neuköllnern wenig Hoffnung aus einen Sieg. Der Spielverlauf schien auch diese Erwartungen zu rechtfertigen. Die Südenmannschaft lag fast immer im Vorteil, der Sturm war aber nicht imstande, den Ball über die Torgrenze zu befördern. Eni- weder stellte sich der Torwart der Neuköllner als unllberwindbares Hindernis entgegen, oder der Ball wurde über die Latle oder über die Pfosten geworfen. Der Neuköllner Sturm setzte seine Hofs- nungen auf einige sehr gefährliche Durchbrüche. Aus einem solchen heraus fiel dann auch in der 23. Minute der erste Treffer Der Halblinke hatte sich sehr gut freigespielt und bevor der Torwart Südens zum Eingreifen kam. war das Tor ge- fallen. Südens Sturm griff weiter an, machte aber den großen Fehler, immer wieder in der Mitte zu spielen, anstatt das Feld vor dem Tor auseinander zu ziehen. So war es der Hinter- Mannschaft Neukölln stets möglich, in letzter Minute rettend einzugreifen Die zweite Halbzeit wäre den Neuköllner beinahe zum Verhängnis geworden. In der 7 Minute warf der Linksaußen Südens den Ball hoch aufs Tor. Der etwas kleine Tor- wart sprang nach dem Ball, fing ihn auch, aber erst hinter der Torlinie. Dadurch kamen die Süden- Leute zu einem billigen Ausgleichstreffer. Nun rissen sich die Neuköllner zusammen. Schnelle und weite Vorlagen bekamen die Außen- stürmer, die dann Im flotten Laus dem gegnerischen Tor zuspielten Abei immer wieder konnte Südens Hintermannschaft oftmals in der letzten Sekunde die Angrifie abwehren. In der 19. Minute ging Südens Halbrechter allein durch und mit ge- waltigem Wurf fegte der Ball ins Tor. Das Spiel stand 2:1 für Süden. Schon glaubte alles, Süden hätte das Spiel gewonnen. Da war es der Mittel- stürmer Neuköllns, der eine augenblickliche Unapf- merksamkeit der Süden-Hintermannschaft geschickt auszunutzen verstand, und ehe sich Südens Tor- wart versah, war der Ausgleich hergestellt. Wenn das Resultat auch dem Spielverlauf nach nicht ganz entspricht, so haben die Neuköllner jedoch ihrem großen Eifer das unentschiedene Ergebnis zu verdanken. Ebenfalls Unentschieden endete das Treffen Stralau gegen Velten. Schöneberg 3 spielte gegen Berlin XU 3 11:2. Beide Spiele fanden auf spielunfähigem Platz statt, so daß die Resultate nicht maßgebend für die Spielstarke der Mann- schaften sind. Süden 2 mußte sich von Nordost mit 13:2 schlagen lasten ASE. i gegen Kanksdort I 18: 1(7: 1), AEC. II gegen Baumichulenweg II 0:2(2: 2), Baumschxkenweg I gegen Lickitenberg II 2: in(0: 7), Klein-Vekien I gegen Groß» Besten I 4: 0(N: g), Undine? geoen(sTGB.-Agnu 12:4 W: 3), RR I gegen TTKB.-Rnderer, 3:1 13: 1), Wilmersdorf II gegen EOden II 4:0(2:3). Wildau I Jugend gegen VS. Jugend I 2:2(1:3), AEE(prguen gegen Südost Frauen 1: 2(0: 2). Hockey Union siegt im Wasserhalltumier Eine gelungene Veranstaltung der Arbeiter-Schwimmer Was man erwartet hatte, traf ein— nämlich eine Ueberraschung beim Turnierabend der Arbeiter-Wasserballspieler, der am gestrigen Sonntagabend im Lunabad stattfand. Der Mannschaft der Berliner Schwimm- Union gelang es schon in der Vorentscheidung, gegen den Kreismcister Hellas zwar knapp, aber doch verdient zu siegen. Sie bestätigte ihre aus- gezeichnete Tagesform im entscheidenden Spiel gegen die gleichfalls überraschend ins Schlußspiel gelangte Sieben des Volkssports Weißensee. Die Veranstaltung, die sich ohne große Umstände unmittelbar an den öffentlichen Badebetrieb des Wellenbades um 2(1 Uhr anschloß, wurde mit einer kurzen Ansprache des neuen Leiters der Berlin- Brandenburger Schwimmersparte Adolf B u ck ein- geleitet, die in einem begeistert aufgenommenen Freiheitsrus ausklang. Aus zehn beteiligten Mannschaften galt es dann den Besten des Abends zu ermitteln. Im ersten Kamps des Abends traten sich Union und Potsdam gegenüber. Ueberlegenheit in der Ballbehandlung verschasfte Union schließlich den Sieg von 3:1. Das nächste Spiel sah Hellas und Neukölln als Spielpartner. Hellas kanterte seinen schlecht zu- sammenspielenden Gegner bei ausgezeichneten Stürmerleistungen mit 6: 0 nieder. Das dritte Spiel bestritten Berlin 12 und Spandau. Die 12er zeigten sich im Angriffsspiel geschickter und er- zielten, in der zweiten Hälfte noch durch die Her- ausstellung eines Spandauers begünstigt, einen 5: l)-Sieg. Im folgenden Treffen trafen die Teams von Freiheit und Charlottenburg zu- sammen. Die Charlottenburger, die mit dem größeren Teil ihrer ersten Mannschaft eine aus- wärtige Startverpslichtung zu erfüllen hatten, schickten eine Kombination der ersten und zweiten Mannschaft in den Kampf, die sich zu keiner über- zeugenden Leistung zusammenfinden konnte und gegen die Freiheitleute mit 3:2 in der Verlänge- rung geschlagen wurde. Das letzte Spiel der Vor- runde wurde zwischen Weißensee und Möwe aus- getragen. Hier gab es die erste große Ueber- raschung. Zur Halbzeit noch mit 2:0 verdient führend, wurde Möwe im zweiten Spielabschnitt derart planlos im Angriffsspiel, daß die Weißen- seer mit viel Geschick im Stellungswechsel ihr schwimmerisches Minus ausglichen und schließlich noch mit 3: 2 Sieger wurden. Unmittelbar nach Erledigung dieser Voraus- scheidungen wurde die nächste Spielrunde in An- griff genommen. Das Los bestimmte, daß Berlin 12 in dieser Runde spielfrei blieb. Es spielten nun zunächst Union und Kreismeister Hellas 3: 2. Weihensee spielte dann gegen Frei- heit und ließ diese 4: 2 hinter sich. Eine weitere Auslosung bestimmte für die Vorentscheidung die Spielansetzung Weißensees gegen Berlin 12. Diese Begegnung, die nach der Publikums-Badepause ausgetragen wurde, fand Weißensee mit 4:2 Toren siegreich. Für das S ch l u ß s p, e I standen nun die Mannschaften von Union und W e i ß e n s e e fest. Weißensee lieferte der Unionmannschaft eine völlig ebenbürtige Partie. Zunächst war zwar Union mit hervorragendem Zupasser bester und führte auch zum Seitenwechsel bereits 2: 1. Nach regulärer Spielzeit stand es 2: 2. Kaum nach An- pfiff der Verlängerung überrumpelte Union dann den gegnerischen Torhüter mit einer guter Kombi- nation und ein 4: 3-Sieg genügte für Union. um den T u r n i e r s i e g zu erringen. Der Gesamteindruck der Veranstaltung war ein überaus guter. Sieger wie Unterlegene demon- strierten anschaulich, daß dos Wasserballspiel im Arbeitersport eine ausgezeichnete Pflegcstätte ge- funden hat. knapp gegen seinen zur Zeit stärksten Widersacher, den Sportverein Moabit, mit 2: 1. Die Freie Sportvereinigung Pankow siegte gegen Tennis- Rot 3 mit 3: 1 Die Sportlerinnen von TennisRot gewannen gegen die Pankower Sportlerinnen 2: 9. FTGB.-Tempelhof 2 und Sportverein Moabit 3 trennten sich 4: d Das Pflichtspiel zwischen Tennis-Rot und dem Verein für Leibesübungen Ostring endete 4:1 für die Tennisspieler. Metze guter Sieger bei den Steherrennen im Sportpalast Etwas besser als die Premiere vor acht Tagen waren die D a u e r r e n n e n im Sportpalast gestern besucht. Die Rennen hinter kleinen Mo- toren, i» denen diesmal vier Fahrer gleichzeitig starteten, brachten spannende Kämpfe und meist knappe Entscheidungen Gesamtsieger im Großen Preis vom S p o r t p a l a st, der in drei 2(1-Kilometer-Läufen ausgetragen wurde. blieb der Dortmunder Metze vor Möller, Sawall und Lohmann. In einem der einleitenden Zweier- Verfolgungsrennen tat der Dortmunder Lohmann. der feine Maschine verissen hatte, einen recht ge- fährlich aussehenden Sturz, ohne jedoch ernstlich Schaden zu nehmen Umrahmt wurden die Dauer- rcnnen von einigen Fliegerwettbewerben, die von Berliner Professionals bestritten wurden. Berliner in Landsberg a. W. Am Sonntag weilten die Gruppen Lichten- b e r g und S i e m e n s st a d t der Freien Schwini- mer Groß-Berlin und die Freien Schwimmer Charl Ottenburg mit starken Wettkampf- Mannschaften beim ersten Hallenschwimmfest in Landsberg a. d. W. Die sportliche Ausbeute war bedeutend. Unter anderem gelang es den Eharlottenburger Brüdern Ernst und Franz Grühn, die Lundesbesileistungen über?00 Meter Kraul und 100 Meter Brust erheblich zu verbessern. Erpst Grühn schwamm 200 Meter Kraul in 2,26,6 Min. und Franz Grühn drückte den Rekord im 100-Meter-Brustschwimmen auf 1,20,9 Min. herunter. Große Kämpfe gab es in den Staffeln, in denen aber jedesmal die Ber- liner das Ende für sich entschieden. Ein 109° Meter-Kraulen der �.-Klasse machten drei Char- lottenburger unter sich aus. Grühn, Brauer und Albrecht erreichten das Ziel in dieser Reihenfolge mit den vorzüglichen Zeiten 1,06,3, 1,07 und 1,07,1. In den Wasserballspielen siegte die Iugendmannschaft von Groß-Berlin über die Männer von Frankfurt 2: 0, und Charlottenburgs Jugend war gegen Landsbergs Männer 7:5 er- solgreich. Die erste Vertretung von Charlotten- bürg und eine kombinierte Berliner Mannschaft trennten sich mit dem Resultat von 13: 6 für Char- lottenburg. Bezirkskarlell Pankow und befreundete Organi- sationen. Es ist gelungen, die Hauptversammlung des Ortsausschusses zu oertagen. Damit nun alle unsere Vereine und Ortsgruppen in den Besitz ihres Stimmrechtes kommen, ist es unbedingt not- wendig, das Rundschreiben, das ihnen bis Dienstag noch zugehen wird, umgehend zu beantworten und an den Kartellvorsitzenden Abschrift zu geben. Be- kanntlich haben die Vereine erst Stimmrecht, wenn sie 25 Mitglieder gemeldet haben. Die Hauptver- sammlung am Dienstag findet nicht statt. Näheres auf der Kartellsitzung Montag, 6. März, im Jugendheim. Kissingenstraße. I. A.: Kronfeld N. 113, Wisbyer Str. 13. Ein„Provisorischer Ausschuß zum Kamps für die Interessen der Krastsahrzeugbesiher". hinter dem sich offenbar kommunistische Organisationen verstecken, versendet an Kraftfahrverbände die Aufforderung, an einer Protestkundgebung teilzu- nehmen. Der Arbeiter-Rad- und Kraftsahrerbund Solidarität und andere Organisationen bitten uns mitzuteilen, daß sie ihre Mitglieder vor dem Be- juch der Kundgebung auf das eindringlichste warnen. 10 Minuten Motorenkunde Dem Laien zum besseren Verständnis der Autoausstellung In Spandau mußte der dortige Freie Hockeyklub auch im Rückspiel eine Niederlage vom Achletik- Sport-Club mit 0-1 hinnehmen. Es wurde ein ausgeglichenes Spiel gezeigt, in dem die durch Er- satz geschwächten Spandauer dem knappen Sieger einen ebenbürtigen Gegner stellten. Der Arbeiter- sportverein Rot-Weiß konnte Tennis-Rot 2 mit 2: 0 schlagen. Tennis-Rot 2 war erfreulicherweise auf allen Posten stark verbessert, so daß sie die Rot-Weißen zur Hergabe ihres besten Könnens zwangen. Der Volkssport Neukölln-Britz siegte Diese kleine Geschichte ist nicht ganz unbekannt. Großmutter zeigt dem fünfjährigen Enkel auf der Straße ein Auto:„Sieh mal, da kommt ein Töst Töfs!" Woraus der Kleine entrüstet antwortet: „Aber Ohma, das ist doch ein Achtzylinder-Mer- cedes-Kompressor-Kabriolett mit Schwingachse und Sonnendach!"— Die Jugend wird eben mit dem Auto groß, die Großen müssen sich da erst hinein und heraus- finden. In den Berichten über die I n t e r n a t i o n a l e Automobilausstellung in Wigleben wird viel mit technischen Bezeichnungen gearbeitet, die dem Aulolaien nicht ohne weiteres verständlich sind. Da sind zunächst die Biertakl- und die Zweilakkmoloren. Kennst du, lieber Leser den Unterschied? Run beim Biertaktmotor ist der Arbeitsvorgang so: Niedergang des Kolbens Ansaugen des Benzin- luftgeniifches: Hochgang des Kolbens— Verdichten dieses Gemisches: beim höchsten Stand des Kol- bens— Explosion durch den Funken der Zünd- kerze, dadurch Herabschleudern des Kolbens— Arbeitsleistung; Hochgang des Kolbens— Ausstoßen des verbrannten Gemisches ins Auspuffrohr. Der Kolben beim Viertaktmotor leistet also immer nur bei jeder zweiten Umdrehung der Schwungfcheibe Arbeit. Darum baut man Viertoktautomobil- niotore mit möglichst vielen Zylindern, uni ein stoßweises Arbeiten zu vermeiden. Ein Achtzylinder arbeitet weicher, elastischer als ein Ein- Zylinder. Der Gasein- und-austritt in die Zylinder wird durch zwangsläufig gesteuerte Ventile geregelt. Der Zweitaktmotor leistet bei jedem Niedergang des Kolbens Arbeit. Der Kolben saugt aber nur bis zu seinem halben Wege Gas- gemifch an, dann tritt dieses Gas in Umlauf- kanälen über den Kolben, wird beim Hochgang verdichtet(wobei der Kolben wieder bis zum halben Wege das verbrannte Gas ausstößt) und oben angelangt, empfängt der Kolben vom explodierenden Gas den Druck nach unten. Aus dem halben Wege wird dabei schon wieder der Umlauskanal geöffnet, der das Ansaugen des frischen Gases ermöglicht. Das Fehlen der Ventile und der zwangsweifen Steuerung macht die Zweitaktmotoren einfacher. deshalb ihre vielseitige Verwendung in kleineren Krafträdern. Viertakter arbeiten zuverlässiger, der Zweitakter setzt, besonders bei niedrigen Tourenzahlen, öfter mal aus. ..Durch hohe Berdich'ung erreicht man größere Leistungen!" Was heißt das? Im hoch verdichtenden Motor wird das Gasgemisch vom Kolben mehr verdichtet, als beim normal oerdichtenden. Der Raum ober- halb des höchsten Punktes des Kolbens ist kleiner gehalten. Es ist klar, daß übermäßig stark zu- fammengepreßtes Gas bei der Explosion eine größere Gewalt ausübt Allerdings geht das nur bis zu einer gewissen Grenz«, bei deren Ueber- schreitung Lager, Kolben, Zylinderwände durch die überheftigen Explosionen zu stark beansprucht werden In diesen Zusainmenhang paßt ein Wort über die Automobilsteuer. Ihre Höhe richtet sich nach dem Hubraum. Das ist wieder so ein technischer Ausdruck. Unter Hub- räum versteht man den Rauminhalt im Zylinder, den die Kolben beim Hoch- und Niedergehen frei- lassen. In einem Zwei-Liter-Vi«rzylinder-Motor läßt also jeder Kolben einen halben Liter Inhalt (Volumen) frei. Je mehr Hubraum der Motor hat, um so höher ist die Steuer. Die Industrie kommt dem steuerzahlenden Autofahrer nun da- durch entgegen, daß sie„hochverdichtende"(hier kommt der Ausdruck wieder) Motoren baut, die bei möglichst geringem Hubraum die gröhtmög- lichfte Arbeit leisten. Die Kraftverkehrswirtschaft, zu der Automobilinduftrie und Automobilbetrieb gehören, fordert, daß die sehr hohe Steuer um die Hälfte herabgesetzt wird, damit die stillgelegten Wagen wieder in Be- trieb genommen werden können. So würde ein Steuerausfall nicht entstehen und viele Leute fänden wieder Arbeit. Wenn die letzten Re- gierungen diese Forderung— und auch die nach einer herabsehung der Benzinzölle noch v o r der Automobilausstellung erfüllt hätten, dann könnten bestimmt mehr Autos verkaust werden. Wenn man will, kann man das Arbeits- b e s ch a f f u n g nennen! was ist ein Dieselmotor? Er ist der Motor für den Lastwagen. Wenn er die Unkosten für Brennstoffe dadurch, daß er das billige Rohöl oerarbeitet, auf etwa ein Viertel gegenüber den Venzinpreisen herabsetzt, dann greift natürlich besonders der Großgüterverkehr zu dieser Maschine. Profestor Junkers in Dessau hat die offenbar vollkommcndste Lösung des von Rudolf Diesel(gestorben 1913) fast geklärten Problems gefunden. Die Junkers- motoren haben sehr lange Zylinder: in diesen bewegen sich zwei Kolben, einer nach oben einer nach unten. Sie oerdichten angesaugte Frischluft so stark— aus über 45 Atmosphären—, daß sie außerordentlich heiß w.rd. In diese hochverdichtete, heiße Luft zerstäuben Brennstosfpumpen das Oel, das dann sofori explodiert und die Kolben aus- einandertreibt Junkers arbeitet ohne jeden Zünd- apparat. während die Diesel anderer Konstruk- tionen für das Ingangsetzen eine Behelfszündung haben, die außer Funktion tritt, wenn die Touren- zahlen und die Luftoerdichtung hoch genug sind. Die Schwingachse. Eine nicht mehr neue i«tzt aber sehr viel an- gewandte Achsenkonstruktion. Bei ihr sind die Achsen in der Mitte geteilt und dort drehbar. So braucht beim Ueberfahren eines Hindernisses nur ein Rad auszuweichen, während bei der starren Achse der Wagen doppelt so stark schwingt. Das sind die jetzt angewandten Konftruktions- Prinzipien bei Wagen und Motoren. Zck. I.