Morgen- Ausgabe Nr. 75 A 36 50. Jahrg. Redaktion und Berlag, Berlin SW 68, Lindenstr. 3 Fernsprecher A7 Amr Dönhoff 292 bis 297 Telegrammabresse: Sozialbemotrat Berlin Vorwärts BERLINER VOLKSBLATT DIENSTAG 14. Februar 1933 Jn Groß Berlin 10 ẞf. Auswärts...... 15 Pf. Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise fiehe am Schluß des redaktionellen Teils Bentralorgan der Sozialdemokratischen Bartei Deutschlands Die Schmalzpreise steigen Die erste Tat der Hitler- Hugenberg- Regierung wirkt sich aus Die von der Hitler- Hugenberg- Regierung vertündete Erhöhung der Schmalzzölle foll erst am 15. Februar in Kraft treten. Schon jetzt aber sind die Preise gewaltig gestiegen, pro Pfund um 10 bis 11 Pfennig. Statt jeder Stellungnahme geben wir im folgenden einen Bericht vom Schmalzmarkt: Am deutschen Schmalzmarkt find die Großhandels- und auch die Kleinhandelspreise im Steigen begriffen. Der Großhandel weist darauf hin, daß die Bestände infolge der Ende des verflossenen Jahres eingetretenen Kontingentierung( Drosselung) der Schmalzeinfuhr äußerst gering sind und ihn die vorhandenen geringen Bestände vom Kleinhandel sozusagen aus den Händen gerissen werden. Auf dem Ber= liner Markt haben sich die Preise vom Donnerstag verflossener Woche bis zum Montag dieser Woche um 21 bis 22 Mart pro Doppelzentner erhöht. Die Berliner Großhandelsnotierung für Schmalz weist folgende Entwick lung auf: am 31. 12. 32, vor der Kontingentierung kostete 1 Zentner Schmalz 49-50 Mart, am 8. 2. 33, vor der Veröffentlichung der Schmalzerhöhung foftete 1 3enter Schmalz 46-47 Mart, am 11. 2. 33, nach der Veröffentlichung der Schmalzzollerhöhung kostete 1 Zentner Schmalz 57-58 Mark. In der Fachwelt zweifelt man nicht daran, daß sich die Schmalzzollerhöhung voll auf den Konsumenten abwälzt. Es wird darauf verwiesen, daß Amerika, der größte Schmalzlieferant, seine Mitte des Jahres 1932 immerhin beträchtlichen Bestände in Mittel- und Nordamerika und auch in europäischen Ländern z. B. in Spanien untergebracht hat. Andererseits haben sich die amerikanischen Schweinebestände verringert, so daß auf dem Weltmarkt in 3ukunft der Nachfrage ein verringertes Angebot gegenüberstehen muß, was sich auch in höheren Preisen auswirken wird. Nazis für Schmalzverteuerung Die erste Tat des Kabinetts Hitler war die Verteuerung des Schmalzes um 20 Pfennig. Was sagt der Angriff" des Herrn Goebbels dazu? Tobt er gegen diese Hunger- Notverordnung wie im vorigen Jahre gegen den jetzigen Bundesgenossen Papen? O nein, am 11. Februar ſtellt er sich bedingungslos hinter die Regierung. Er schimpft auf die„ Gazetten jüdischer und margistischer Prägung", und bringt Hitler- Hohenzollern- Korridor Ein miẞglücktes Interview Das erste persönliche Interview, das Adolf Hitler seit seiner Ernennung zum Reichskanzler einem ausländischen Journalisten gegeben hat, dürfte nicht geringe außenpolitische und vielleicht auch innerpolitische Weiterungen nach sich ziehen. Denn in diesem von einem englischen Oberst a. D. Etherton im Sunday Expreß" von gestern veröffentlichten Interviem stehen Säße, die bereits außerhalb Deutschlands, vor allem in Polen, die größte Aufregung verursacht haben, insbesondere die Stelle: „ Ich finde, daß mit Hinsicht auf die dort lebende deutsche Bevölkerung, ganz abgesehen von anderen Gründen, der polnische korridor uns zurüdgegeben zurüdgegeben werden muß." Innerpolitisch dürfte, namentlich bei den monarchistischen Roalitionspartnern Hugenberg und Bapen, folgende im ,, Sunday Expreß" abgedrudte Stelle nicht geringe Bestürzung hervorrufen: ,, Von einer Rüdkehr der Hohenzollern fann überhaupt nicht die Rede sein. Wenn wir Republik gegen Monarchie zur Entscheidung stellen würden, wäre dies ein neuer Grund zur Spaltung und zu ununterbrochenen Unruhen zu einer Zeit, in der es unumgänglich notwendig ist, daß wir ein geeintes Ganzes bleiben, bis wir wissen, wo wir stehen." Leider wird gerade diese sehr vernünftige Aeußerung Adolf Hitlers de mentiert und zwar deshalb, weil sie nicht in dem mit dem Obersten Etherton vereinbarten schriftlichen Text steht. Ob diese Aeußerung in der mündlichen Unterredung gefallen ist, das zu untersuchen verbietet uns selbstverständlich unser unbedingter Respekt vor amtlichen Dementis. Das Gleiche gilt für den Satz bezüglich des polnischen Korridors, der in Warschau bereits etwas reichlich aufgeregt als eine„ Kriegserklärung" bezeichnet wird. An zuständiger Stelle wird erklärt, daß die Unterredung zwischen Hitler und Etherton bereits am 7. Februar stattgefunden hat, und zwar für die„ Daily Mail" bezw. für die Blätter des Rothermere- Konzerns. Warum der Oberst Etherton mit seiner Sensation zur Konkurrenz = gegangen ist und das Interview in einem Blatt des Beaverbrook Ronzerns veröffentlicht hat, entzieht sich unserer Kenntnis, ist aber für die Beurteilung des Tatbestandes ziemlich nebenjächlich. Im übrigen wird man abwarten müssen, ob der Oberst a. D. Etherton etwas zu diesem amtlichen deutschen Dementi zu bemerken hat. Wir für unseren Teil haben einstweilen nur zu bemerken, daß der neue deutsche Regierungschef bisher keine sehr glückliche Hand mit seinen für die englische Bresse bestimmten Aeußerungen ge= zeigt hat, nachdem bereits in der vergangenen Woche seine angebliche in der„ Times" wiederge= gebene fritische Aeußerung gegen die antienglische Tendenz des Hugenbergschen U- Boot- Films Morgenrot" alsbald dementiert wurde. Hier liegt nun er zweite Fall nachträglich dementierter Aeußerungen vor. Und die Moral von der Geschichte: Kanzler schmälen ist nicht schwer, Kanzler sein dagegen sehr." Kriegsgeschrei in Polen Eigener Bericht des ,, Vorwärts" Warschau, 13. Februar. Die außenpolitischen Erklärungen Hitlers an ein englisches Sonntagsblatt haben die polnische Deffentlichkeit alarmiert. Die Rückgabe des polnischen Korridors wird in der gesamten polnischen Presse als„ 3ynische Provokation" bezeichnet und die polnische Regierung aufgefordert, unverzüglich Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Die nationalistische Presse malt bereits einen Krieg zwischen Polen und Deutschland an die Wand. Der„ Krakauer Juustrierte Kurier" dankt Hitler, daß er das wahre Antlitz Deutschlands enthüllt und auf diese Weise auf die Gefahr aufmerksam gemacht habe, die der Welt von feiten des grenzenlosen deutschen Imperialismus drohe". Das Abendblatt„ ABC" schreibt:„ Wir haben vom deutschen Kanzler anstatt seiner angekündigten Friedensdeklamation eine entschiedene Ankündigung des Krieges gehört. Diefe Provokation darf nicht unbeantwortet bleiben." Das gemäßigte Rechtsblatt ,, Kurjer Warszawski" erklärt, daß eine Durchführung der Hitlerschen Ankündigung nur den Krieg bedeuten könne. Das RegierungsStatistiken über Preise und Einfuhr, sogar zwei Schaubilder( und liefert zu einem einen falschen Tert!), um mit Emphase festzustellen:„ Das Reichskabinett unter der Führung von Adolf Hitler hat diesem Notstand wenige Tage nach der Machtübernahme ein Ende gemacht, indem die Einfuhr abgestoppt wird, der Binnenmarkt der Landwirtschaft gesichert und so dem Preisverfall Einhalt geboten wird." Das Wort Arbeitslose oder Arbeitslosigkeit tommt überhaupt nicht vor. Die Not der städtischen Massen existiert für den„ Angriff" nicht. Da tann er natürlich auch nicht wissen, daß die Kauffraft der Arbeiter allein über die Preise von Vieh und Fleisch entscheidet. Daß die deutschen Bauern Deutschland mit Schweinefleisch überschwemmen müßten, um die bisher eingeführten Schmalzmengen zu produzieren, wird unterschlagen. Aber das wird ja nicht eintreten, da kein Arbeitsloser statt des eingeführten Schmalzes zu 43 Pfennig Deutschlands Schmalz zu 85 Pfennig das Pfund faufen kann; er darf eben überhaupt kein Schmalz mehr essen. Wir stellen fest: Die Nationalsozialisten preisen die Schmalzverteuerung als ihre erste Tat. Sie lausen dem demagogischen Landbund nach; die Interessen der großstädtischen Arbeiter bevölkerung sind ihnen völlig gleichgültig. blatt„ Expreß Poranny" sieht in dem Interview einen innerpolitischen Ablentungsverfuch Hitlers, der angesichts seiner Unfähigkeit, den Massen Brot und Arbeit zu geben, diese mit dem Blockwort„ korridor" abfpeifen möchte. * Es bleibt nun abzuwarten, ob sich die Aufregung in Warschau legen wird, wenn man dort erfährt, daß inzwischen in Berlin die Stelle des Interviews über den Korridor amtlich dementiert worden ist, da sie nicht in dem schriftlich vereinbarten Text steht. Bedauerlich ist es allerdings, daß nichtsdestoweniger ein der Reichsregierung nahestehendes Blatt wie die ,, Kreuz- 3eitung", die befanntlich jetzt Organ des Stahlhelm ist, diese amtlichen Beschwichtigungsversuche durch kreuzt. Die amtliche Erklärung der Wilhelmstraße hat nämlich die Kreuz- Zeitung" nicht gehindert, in großer Aufmachung zu verkünden: Hitler fordert den Korridor zurück." Damit wird von einem Regierungsblatt den polnischen Kriegstreibern förmlich in die Hände gespielt und das Argument geliefert, das Dementi der Wilhelmstraße sei nicht aufrichtig oder nicht ernst gemeint. Die Regierung möge an diesem Beispiel ertennen, daß eine andere Aufgabe viel wichtiger ist, als in der Oppositionspresse nach etwaigen Berbotsgründen zu suchen, nämlich im eigenen. Presseladen nach dem Rechten zu sehen und dafür zu sorgen, daß die deutsche Außenpolitik nicht durch derartige Entgleisungen wie in der Kreuz- Zeitung" gefährdet wird. Für die Wahrheit! Der Blutsonntag in Eisleben Von Friedrich Stampfer Eisleben, 13. Februar. Was sich am letzten Sonntag in Eisleben ereignet hat, ist mehr als ein bloßes Lokalereignis. Denn das, was dort ge= schehen ist, kann jeden Tag wo anders in Deutschland auch passieren, zum mindesten in denjenigen Ländern, in denen die Nationalsozialisten in ausschlaggebende Machtpositionen eingerückt sind. Das Haus des kommunistischen Klassentamps" ist zerstört, feine Fensterscheibe ist ganz, das ganze Mobiliar in Stücke geschlagen. Die dahinterliegende Turnhalle der tommunistischen Sportorganisation bietet dasselbe Bild vandalischer Zerstörung. In den Krankenhäusern liegen zwei leichtverletzte Nationalsozialisten und 18 verlegte Kommunisten, davon vier schwer. Einer von ihnen ist der kommunistische Stadtverordnete Bernhard Koenen aus Halle, der eine schwere Kopf- und Augenverlegung davongetragen hat. Auch die anderen Schwerverletzten weisen Gehirnerschütterungen und Brüche der Schädelbasis auf, die von schweren Schlägen herrühren. Die Nachricht, daß sich unter den Schwerverletzten auch Kinder befinden, hat fich glücklicherweise nicht bestätigt. Ein Nationalsozialist ist seinen Verletzungen erlegen. Wie ist es zu diesem grauenhaften Vorfall gekommen? Die Nationalsozialisten behaupten, es sei aus dem Hause des ,, Klassenkampf" auffie geschossen worden. Diese Behauptung ist nachweislich unwahr. Sie ist erst nachträglich aufgestellt worden, um die eigene Schuld zu beBerlin bleibt cot! Unsere nächsten öffentlichen Partei- und Betriebs- Veranstaltungen: 7. Kreis Charlottenburg: Donnerstag, den 16. Februar, 20 Uhr, im Türkischen Zelt, Charlottenburg, Berliner Str. 53. Referent: Erich Lübbe, M. d. R. 10. Abt. Tiergarten: Freitag, den 17. Februar, 19.30 Uhr, Eiserne- Front- Versammlung im Schultheiß- Patzenhofer, Turmstr. 26. Referent: Kurt Heinig, M. d. R. 22. Abt. Wedding: Mittwoch, den 15. Februar, 19.30 Uhr, in der Hochschulbrauerei, Amrumer-, Ecke Seestr. Referent: Dr. Kurt Löwenstein, M. d. R. 23. Abt. Wedding: Mittwoch, den 15. Februar, 19.30 Uhr, im großen Saal der Hochschulbrauerei, See-, Ecke Amrumer Straße. Referent: Karl Litke, M. d. R. 124. Abt. Mahlsdorf: Dienstag, den 14. Februar, 19.30 Uhr, bei Anders, Mahlsdorf, Bahnhofstr. 35/37 ,,, Gegen Bürgerkrieg und Terror für ein freies, sozialistisches Deutschland". Referent: Dr. Kurt Mischler. Loewe Radio und Bewag: Dienstag, den 14, Februar, 16.15 Uhr, Belegschaftsversammlung der Eisernen Front im Viktoriagarten, Lankwitz, Siemens-, Ecke Viktoriastr. Referent: Karl Litke, M. d. R. 82. Abt. Steglitz: Donnerstag, den 16. Februar, 20 Uhr, Kundgebung in der Aula des Gymnasiums, Steglitz, Heesestr. 15. Referent: Dr. Richard Lohmann. Knorrbremse: Donnerstag, den 16. Februar, 15% Uhr, Fraktionsversammlung mit Sympathisierenden bei Fiedler, Lichtenberg, Sonntag- Ecke Ludwig- LehmannStraße. Referent: Max Heydemann, M. d. L. 85. Abt. Tempelhof: Sonnabend, den 18. Februar, 20 Uhr, in der Aula des Realgymnasiums, Tempelhof, Kaiserin- Augusta- Straße. Referent: Dr. Richard Lohmann. Bolz gegen die Nazis Line luraftixe Rede des württembergischen Staatspräsidenten manteln. Eine objektive Untersuchung kann gar kein anderes Ergebnis haben als das hier festgestellte. Wäre aus dem Hause, das übrigens kein massives Gebäude ist und ungefähr nur die Größe eines Berliner Siedlungshauses be- sitzt, geschossen worden, so hätten die National- sozialisten zu allererst die Pflicht gehabt, dies der Polizei mitzuteilen und sie um Schutz zu ersuchen. Statt dessen ging die SA. ohne weiteres zum Sturm gegen das Haus vor, worauf die im Hause anwesenden Kom- munisten sich zur Wehr fetzten, aber von den überlegenen Kräften der SA. zusammenge- schlagen wurden. Genau derselbe Vorgang spielte sich in der benachbarten Turnhalle ab. Die Turnhalle liegt an einer Straße, an der die SA planmäßig gar nicht vorbeimarschie- ren sollte. Dort war gerade eine Schar von Kindern mit ihren Müttern zu einem Kindernachmittag ver- sammelt, und von dort soll ein Kom- munist auf die SA. geschossen haben, die in der Stärke von 520 Mann vor dem Hause ausmarschiert war, während sich im Innern höchstens 20 bis 30 Erwachsene befanden? Der Mann, der diesen Schuß auf die SA. abgegeben haben soll, müßte ein Wahn- sinniger gewesen sein! Die Regierungspresse, der Hugenbergsche „Montag" voran, hat berichtet, die Kommu- nisten hätten sich hinter Kindergruppen ver- steckt und über diese hinweg geschossen- Be- kanntlich schützen selbst die schlimmsten Raub- ticre ihre Jungen. Man kann sich also ein Bild von der Verwerflichkeit der marxistischen Untermenschen machen, die kleine Kinder als Kugelfang benutzen! Selbst der dümmste Spießbürger müßte hier eigentlich bemerken, daß es sich um eine ausgesprochene Kriegs- greuellllge handelt. In Wirklichkeit hat sich die Geschichte in der Turnhalle so abgespielt. daß die SA. in die Halle ein- drang, die wenigen männlichen Erwachse- nen, die anwesend waren, niederschlug und die ganze Einrichtung zertrümmerte, wäh- rend Kinder und Frauen, in einer Ecke zu- sammengedrängt, zitternd und schreiend dem grauenhasten Schauspiel zusahen. Die Sache steht nun so, daß die National- iozialisten das Märchen von dem S ch u ß, der diesen Sturm veranlaßte, unter allen Umständen aufrechterhalten müssen. kommunistischen Sportorganisation bietet Denn wäre es nicht wahr, daß die National- sozialiften die Angegriffenen waren, dann mühten ja alle anständigen Menschen gegen sie als die brutalen Angreifer zusammenstehen, und in Eisleben könnte man nicht mit Haus- suchungen und Verhaftungen gegen die Kom» munisten vorgehen, sondern alle Schärfe der behördlichen Maßnahmen müßte sich g e g e n die SA. und ihren Führer, den Herrn v. Aloensleben, richten. Dies würde aber dem Lauf der Weltgeschichte, wie er jetzt von oben vorgeschrieben ist, wider« sprechen— und darum müssen die Kommu- nisten einen Feuerüberfall auf die SA. ver- anstaltet haben, und alles, was diese tat, darf nur ein Akt gerechter Notwehr ge- wesen sein. Und darin besteht die grundsätzliche Bedeutung des Ereignisses von Eis- leben. An jedem Tag kann in irgendeiner anderen Stadt eiil Gebäude, das sich im Be- sitz einer Arbeiterorganisation befindet, in ähnlicher Weise angegriffen werden, und immer wird für die Angreiser die Notwen- digkeit bestehen, zu behaupten, daß sie die Angegriffenen gewesen wären. Einen Schutz gegen diese Methode könnte nur eine Polizei bieten, die sich von allen Parteien ünab- hängig weiß und nach allen Seiten hin mit gleichmäßiger Gerechtigkeit mutig waltet. Das Kommando der städtischen Polizei von Eisleben hat bisher den besten Willen gezeigt, nach allen Seiten unparteiisch zu bleiben, wie es ja dem Wesen des jetzt ge- stürzten preußischen Regimes entsprochen hatte. Das Verhalten der Beamten am letzten Sonntag war auch, den Umständen angemessen, einigermaßen einwandfrei. In- zwischen ist aber der Kommandant beurlaubt worden, und die gesamte Po- lizei des Regierungsbezirks wird von oben her gründlich„g e r e i n i g t". Beurlaubt sind der Regierungsvizepräsident C o r n e e l in Merseburg, Polizeipräsident O e x l e in Halle, Polizeipräsident K r ü g e r in Weißen- fels und Oberregierungsrat Friedberg vom Polizeipräsidium in Halle. Die Unter- suchung liegt in den Händen der Staatsan- waltschaft- Unter einigermaßen normalen politischen Verhältnissen könnte man dem Ereignis dieser Untersuchung mit der größten Ruhe entgegensehen, denn der Tatbestand liegt vollkommen klar. Die Nationalsozialisten haben sich eines unprovozierten Angriffs auf Menschenleben und Eigentum schuldig ge- macht, und die Kommunisten haben in der Stuttgart. 13. Februar. Auf dem württembergifchen Parteitag des Zentrums in Ulm sprach Staats» Präsident Bolz über die durch den Re- gierungswechfel im Reich und die Auf- löfung des Reichstags geschaffene Poli- tische Lage. Er bezeichnete alle jetzt zu beobachtenden Massen- kundgebungen, Fackelzüge und dergleichen als einen„sinnlosen Taumel", als einen Rausch, aus dem es bald ein böses Er- wachen werde geben müssen. Das Volk ver- lange statt dieser Verhetzungen und maß- losen Aufpeitschungen Taten, es ver- lange, satt zu werden. Bei der stolzen Ankündi- gung eines Viersahresplans sei wohl manchenr Arbeiter und Bauern bange geworden, da es auch unter dieser„nationalen Volks- regierung" noch so lange dauern soll, bis er über das Elend hinweg ist. Wörtlich fuhr Staatspräsident Bolz fort: „Wenn man von einem Vierjahresplan redet, dann muß man auch einen haben! Wenn man zehn Jahre lang das Volk verhetzt und ihm alles Wohlergehen versprochen hat, dann muß man bei Uebernahme der Regierung auch wissen, was man will. Wenn sie sagen, daß sie einen Plan haben, so sag« ich Ihnen auf Grund un- F. St. 13. Februar. In der Augenklinik des Dr. Mücke liegt der Kaufmann Karl Helft,«in Mann, der im wirt- fchastlichen Leben der Stadt eine angesehene Stellung einnimmt, aber nichtsdestoweniger ein aufrechter Republikaner ist. Am letzten Don- ncrstagabend ging er allein über den Marktplatz, als etwa 30 Nationalsozialisten über ihn herfielen. Sie warfen ihn zu Boden und traten ihn mit den Slieselabsöhen ins Gesicht. Der ganze Körper ist mit Verlegungen dedecki. Di« schlimmste ist die am linken Auge: Riß der .Hornhaut. Der Arzt hofft jedoch die Sehkraft er- halten zu können. Draußen am Berg, am Rande der Stadt, steht ein kleines Proletarierhaus. Vor diesem Hause stand am Sonntagnachmittag der Arbeitersportler Erich S i e b« r t. Der Zug der SA., der später aus dem Breiten Weg vandalisch hauste, kom dort vorbei. Einige Leute sahen das Abzeichen des Arbeitersportlers, sprangen auf ihn zu und rissen es ihm ab. Der Mann flüchtete in das Haus und schloß di« Tür hinter sich zu. Im nächsten Augenblick war die Türfüllung eingeschlagen, dann klirrten die Fensler, Schüsse knallten und ein brauner Haufen stürmt« die Treppen hoch. Sie trafen nur zwei arme Proletarierfrauen, von denen die eine Spuren erlittener Mißhandlung im Gesicht trägt, und ein« Schar verängstigter Kinder. Ein Teil des Mobiliars ging in Trümmer. Der Sturm auf das Arbeiterhaus wurde nach- träglich damit motiviert, daß aus ihm ein Schuß gefallen fei. wo Nazis stürmen, muh immer ein Schuß gefallen fein. Auf dem Breiten Weg stehen Scharen Neu- gieriger und stecken die Köpfe zusammen. Poli- zisten aus Halle, mit Karabinern bewaffnet, stehen vor dem Haus, in dem die Filiale des Halleschen „Klassenkamps" untergebracht war. Das Haus ist abgesperrt und leer, niemand darf es betreten. Das zertrümmerte Schaufenster ist mit Brettern vernagelt, alle Scheiben sind zertrümmert. Vor der Notwehr gehandelt. Das wird die Regie- rungspresse aber nicht davon abhalten, den Vorfall von Eisleben als ein neues Ar- gument für das Verbot der Kom- munistifchen Partei zu gebrauchen. Und kommt man aus Berlin heraus, so merkt man alsbald, was den Stand der so- genannten öffentlichen Meinung betrifft, einen großen Unterschied. Alles, was sich hier bürgerliche Presse nennt, ist nationalsozialistisch oder, bestenfalls, deutsch- national. Die Bürgersleute von Eisleben werden es also nie anders erfahren, als daß die armen Nationalsozialisten von den Kom- munisten überfallen worden sind und daß die Kommunisten im Kampf ihre eigenen Kinder als Kugelfang benutzt haben. Glück- licherweife ist ja, wie schon gesagt, kein ein- ziges Kind ernstlich verletzt, dürfte dann auch nur ein Beweis für den„Edel- mut" der SA.(ein. serer Besprechungen mit den National- sozialiften: sie haben nichts! Sie sind froh, für alles, was man ihnen offeriert, sie beißen an, wie die Fliegen am Honig!.. Man wollte den Aufruf der Reichsregie- rung an allen Plakatsäulen anschlagen und in den Schulen verteilen. Das letztere haben wir verhindert! Wir haben verboten, daß dieser Aufruf in den Schulen verteilt wird!(Sturmi- scher Beifall.) Wir hoben aber nichts dagegen, daß dieser Auf- ruf an den Plakatsäulen hängt. Wir haben den Glauben, daß die noch nicht ganz Berauschten sich fragen: Was soll mir das helfen? Das Aller- schlimmste aber ist die R e ch t s u n s i ch e r h e i t, für die der Fall Preußen ein Signal ist. Recht muß Recht und Verfassung muß Ver- fassung bleibe», auch wenn sie uns nicht gefallen. Es ist nicht wahr, daß in Preußen keine ver- fassungsniäßige Regierung zustande zu bringen war. Nationalsozialisten und Zentrum haben auch Personen dafür vorgeschlagen, aber Herr von P a p e n hat jedesmal erklärt: Die Nase paßt mir nicht, und wenn er gewählt wird, wird trotzdem das Reichskommissariat nicht aufgehoben! Dorum geht es in diesem Wahlkampf um das Recht. die Verfassung und die politische Freiheit! = Turnhalle, die hinter der„Klassenkamps"-Filiale in einer Nebengasse liegt, dasselbe Bild. Man darf sich die Situation nicht etwa so vor- stellen wie im Hamburger Gängeviertel. Das kommunistische Parteieigentum steht völlig isoliert zwischen soliden Bürgerhäusern. Uebrigens sollte nach dem Plan, der mit der Polizei verabredet war, die SA. dort gar nicht vorbeikommen. Ihr Führer, Herr von Aloensleben, hatte abcr den Plan eigenmächtig geändert und hatte seine Leute zum kommunistischen Parteihaus geführt, wo— nach der Darstellung der Regierungs- Nazi-Terror in Potsdam �ngntk auf das Potsdamer„Volksblatt" Zu ihrer ersten wahlkundgebung rief am Alan- tag die Sozialdemokraliiche Partei Potsdam auf. Sturm öder SA. war dazu ousersehen. die Versammlung im Konzerthaus zu sprengen. Die SlörungS' und Sprengungsversuche konnten jedoch vereitelt werden. Bei der Anfahrt Erich Kuttners zum Konzert- Haus ereignete sich der erste Ueberfall aus den Genossen kultner.der aber glimpflich ablies, da ausreichender Reichsbannerschuh da war. während der Versammlung und auch nach der Versammlung bis nach Mitlernacht stau- den Potsdams Straßen unter nationalfozialisti- fchem Terror. Besonders große Ansammlungen von Rational- sozialiften waren an der Ecke Brandenburger und waisenstraße, an der sich die G e s ch ö s t s st e l l e des sozialdemokratischen Pots- damer„Volksblalts" befindet. Die gro- ßen Schaufensterscheiben wurden durch Stein- würfe zertrümmert. Obwohl in der Bran- denburger Straße zwei Schupobeamte vor der Geschäftsstelle standen, wurden zwei scharfe Trotzdem— der Glaube an Recht und Gerechtigkeit ist in Deutschland nicht tot, und die Wahrheit wird sich durchsetzen! Line amtliche Darstellung Halle a. d. S.. 13. Februar. Das Polizeipräsidium Halle teilt mit: Die NSDAP, veranstaltete am 12. Februar nach- mittags einen Umzug in Eisleben vom Landbund- Haus aus. Um die öffentliche Sicherheit und Ordnung aufrechtzuerhalten und um den Umzug reibungslos zur Durchführung zu bringen, waren umfangreiche polizeiliche Sicherheitsmaßnahmen getroffen worden. In der Funkstraße kam es be- reits zu einem geringfügigen Zusammenstoß zwi- schen Kommunisten und Nationalsozialisten. In der Creisfelder Gaffe ertönten plötzlich Rufe aus der Menge, daß aus dem Grund- stück Nr. 74 geschossen worden sei. Nationalsozialisten drangen darauf in das Grund- stück ein, um nach den Tätern zu suchen. Di« den Seit einiger Zeit ist der Geist von Potsdam, der preußifch-militärischc Geist, wieder lebendig geworden. Das ist der Geist, der den Krieg bis zum Weißbluten geführt und uns in die fürchterliche Niederlage hineingeführt, der den Zusammenbruch verschuldet hat und in Wirklichkeit die Ursache unseres heutigen Elends ist. So war der Geist von Potsdam im Krieg unser Unglück und er scheint es auch im Frieden wer- den zu sollen. Das Zentrum— so schloß Staatspräsident Dr. Bolz— wäre bereit gewesen, mit den Nationalsozialisten und den Deutschnationalen sich zu verständigen. Nicht Hitler, sondern Hugenberg habe diese Möglichkeiten zerschlagen, um das Zentrum und damit den Katholizismus in Deutschland auszuschalten. Das sei aber eine ebenso schwere Gefahr für Deutschland, als wenn man unter dem Schlagwort des Kampfes gegen den Marxismus jene großen Teile der Arbeiter- massen, die eine positive Stellung zum Staat ge- fiiiiden und betätigt hätten, in den bolschewistischen Topf wirst und ihnen den Krieg erklärt. Eine solche Politik müsse sich in Rcvolutionsgefahrcn ausreifen! Um dies zu verhüten, müsse die Reichstagswahl zu einem Entschcidungskamps für die Rechte des Volkes werden. presse— die Kommunisten im Hinterhalt lagen. Die Kommunisten mußten also gewußt haben, daß Aloensleben feine Leute an ihnen vorbeiführen würde, sonst hätten sie sich doch gar nicht„in den Hinterhalt legen" können. Die Wahrheit ist, daß die Kommunisten, die zur selben Stunde einen kindernachmiliag veranstalteten, vom Sturm der SA. auf ihr Haus überrascht wurden und sich, sogut sie konnten, zu wehren verjuchlcn, wobei einer der Angreiser sein Leben verlor. Auf dem Marktplatz erklärte Herr von Aloensleben, der tote SA.-Mann sei für das Vaterland gefallen, und kündigte zehn- fach« Rache an. Die 18 Schwerverletzten im Slädtischen Krankenhaus sind ihm noch nicht genug! Schüsse in der Brandenburger Straße in die Schausensterscheiben gesandt. Festzustellen ist. daß trotz großen Polizeieinsatzes die Polizbi des Terrors nicht Herr geworden ist. Neue Verbote „öerlin am Morgen" auf 14 Tage verboten Der Polizeipräsident hat die kommunistische Zeitung„Berlin am Morgen" auf 14 Tage ver- boten. * Die kommunistische Reichstagssraltion hatte gestern ein Extrablatt herausgegeben, in dem die blutigen Borgänge in E i s l e b e n«ingehend behandelt wurde»..Sämtliche Verteiler dieses Extrablattes sind s« st genommen und die noch vorhandenen Exemplare des Extrablattes b«- s ch l a g n a h m t worden. Bis um 23 Uhr waren etwa 50 Verteiler in den verschiedenen Stadt- teilen von der Schi»po festgenommen worden. Zug begleitenden Polizeibeamten veranlaßten die Notionalsozialiste-i, das Haus wieder zu räumen, nachdem an Ort und Stelle festgestellt worden war, daß Waffen nicht vorhanden waren. Beim Eintressen des Zuges im Breiten Wege wurde eine größer« Anzahl von Kommunisten von der Polizei in das Grund st ück Breiter Weg 30(K l a s s e n k a m p s- G e-b ä u d e) ab- gedrängk Trotzdem kam es jedoch in dieser Straße zu Z u s a m m e n st ö ß e n. Bon KPD.- Seile sind mehrere Schüsse gefallen. Ein Nationalsozialist aus Halle, Paul Berg, wurde durch Brust- und Kopsschuß gelötet, ein anderer schwer verletzt. Weitere vier Nationalsozialisten erlitten leichtere Verletzungen. Von den Kom- munisten sind 24 verletzt, darunter zehn bis zwölf schwer. Einem dieser Berletzten, dem kommu- nistischen Parteisekretär Bernhard Koenen, mußte inzwischen die rechte Hand am- putiert werden. Bei drei der verletzten Kommunisten besteht Lebensgefahr. Die sofort auf- genommenen Ermittlungen zur Klärung der Schuldsrage sind noch nicht abgeschlossen. Aus dem braunsten Deutschland Faschistentreiben in Eisleben ERSTE BEILAGE Vorwärts „ Straßer?- nicht sehr wichtig!" Augenblicksbilder aus dem Hakenkreuzlager Von den vielen uns zugehenden Zuschriften, die sich mit Herrschaften des Dritten Reichs beschäftigen, den Führern und den von ihnen Geführten, veröffentlichen wir einige charakteristische. Betritt da dieser Tage ein blondes Mädel einen Naziladen im Süden Berlins. Der Verkäufer, in der Meinung eine echte Hitlerieke vor sich zu haben, beeilt sich, ihr alle Herrlichkeiten des Ladens zu zeigen. Es gibt da die gute Nazi- Schokolade( Für deutsche Arbeit! Gegen Trust und Konzern!"), Führer- Schallplatten, das echte NaziBriefpapier und- der Clou des Tages! SA.= Puppen mit Locken.( Wie sagte doch Röhm? ,, Man muß sich eben an meine Eigenart ge= wöhnen!") Aber das blonde Mädel hat andere Interessen:„ Haben Sie nicht eine Schall= platte von Straßer?" " von Straßer?" Ja, eine Schallplatte von Gregor Straßer?" Der Nazi bedauert.- ,, Na, dann haben Sie doch aber Bücher über ihn?" um= ständlich wird jetzt die gesamte Straßer- Literatur herbeigeschafft. Da gibt es einen Band gesammelter Reden, zwei Biographien, Broschüren und so fort. Aber statt seine Ware anzupreisen, wie er es bisher getan, meint gleichsam abwehrend der getreue Mameluf:„ Gregor Straßer der ist doch jetzt nicht mehr so wichtig." Wir wissen nicht, wie das Gespräch meitergegangen ist. Armer Gregor, wo blieb dein Ruhm? Ein Nazi- Student sagt die Wahrheit " 2 am Wenn die Berliner Nazi- Studenten sich in den letzten Semestern durch Universitätsframalle politisch betätigten, erfuhr man nächsten Tage im Angriff" oder„ Bölkischen Beobachter", daß nur die frechen Provokationen der Sozialdemokraten und Kommunisten" daran Schuld wären. Auch die Universitätsbehörden schienen zu glauben, daß die kleine Zahl sozialistischer Studenten, die früher- mehr als doppelt so große Zahl der Nazi- Studenten angegriffen hätte, und relegierten aus diesem Grunde mehrfach sozialistische Studenten. Die Schuldfrage wird in einem Aufsatz eines nationalsozialistischen Studentenführers in einer Nummer der jetzt auch verbotenen Schwarzen Front" eindeutig geklärt. In einem Auffah Hitler Partei hat weder den Mut zum liberalistischen Parlamentarismus, noch den zur revolutionären Bewegung" steht folgendes Bekenntnis: Während der letzten Zeit der Severing- Regierung in Preußen hatte ich die Nazis an der Berliner Universität zu führen und trieb vorher und nachher in meinem beschränkten Rahmen Politik. Nach besten Kräften( von hier an bis zum Schluß im Original gesperrt gedruckt) habe ich Krawalle gegen die Roten unter den Studenten. der preuBischen Regierung und Polizei inszeniert, Wahlen gemacht, geprügelt und prügeln lassen, bemußte Gemeinheiten auf den Gegner gehäuft und war unehrlich gegen Leute, die ich persönlich verehrte." Außer dem Rektor und Senat der Universität wird wohl niemand überrascht sein, daß diese erprobten nationalsozialistischen Kampfmethoden auch von den Nazi- Studenten gegen ihre Gegner angewandt werden. Wann also werden die Relegationen gegen die linken Studenten, die sich nur gegen diesen Nazi- Terror verteidigt haben, zurückge= nommen? H. K. Die Jungen schleifen die Alten Draußen, zwischen Kiefern und Sandbergen, übt die SA. jeden Sonntag. Stundenlang hört man nichts als Kommandieren und Schimpfen. Und wie sie das können, die ,, Herren Führer", die man weit eher als grüne Jungs bezeichnen könnte. Es macht ihnen ersichtlich Spaß, die alten Leute anzuschnauzen, wenn sie die Uebungen aus ihrer Schulzeit nicht mehr beherrschen. Grauhaarige machen da die einfachsten Marschübungen, als wenn sie Kinder wären. Ob sie es in ihrem Geiste noch sind oder...? Alles könnt ihr machen, bloß dämlich dürft ihr euch nicht be= nehmen" brüllt ein etwa 20jähriger ,, Unterführer" sie an. Lezteres ist aber offenbar eine Dauererscheinung. Hinlegen, friechen, Deckung suchen, auf, nieder- ach, und die neuen Uniformen. Also Bauch hochhalten. Schon schnauzt der Grünling, daß ein Sadist seine Freude daran haben fann. Dem Normalmenschen aber steigt die Schamröte ins Gesicht. Wann wird diesen Schindern das Handwerk gelegt werden? Uebrigens scheinen die Opfer selber schon nachdenklach zu merden. Bei niemandem ist ernsthaftes Bemühen zu sehen. Alle zeigen eine Schlaffheit, die geradezu gottvoll ist. Das grenzt schon an passiven Widerstand. Dämmert da schon etwas Einsicht oder sind sie so sehr geistesarm? Auf jeden Fall, ihr flassenbewußten Proletarier, wo ihr mit SALeuten, mit Nazis sprechen könnt, zeigt ihnen die DIENSTAG, 14. FEBRUAR 1933 Ausgangspunkt der Katastrophe gewesen sei, scheint nach Besichtigung der Dertlichkeit nicht zuzutreffen." Der deutsche Rundfunk überträgt am heutigen Dienstag von 2.50 bis 3.45 Uhr nachmittags die Beerdigungsfeierlichkeiten von Neunfirchen. Anschließend schweigen alle deutschen Sender bis 4 Uhr. Mit Rücksicht auf die Beisezung der Opfer der Katastrophe von Neunkirchen hat das Programm der Berliner Fun f= stunde bereits gestern eine Aenderung erfahren. Heute Dienstag wird folgende Aenderung eintreten: Die von 21 bis 22 Uhr vorgesehene Aufführung des heiteren Hörspiels: ,, Wie man Rennfahrer wird" wird auf Donnerstag den 16. Februar in die Zeit von 20 bis 21 Uhr verlegt. wahren Ziele des arbeiterfeindlichen National 5 Ueberfälle auf GPD.- Lokal sozialismus, flärt sie über den Mißbrauch auf, den diese Schnösel mit ihnen treiben wollen. Gebt ihnen vor allen Dingen unsere Presse, den ,, Vorwärts" und unsere Werbeschriften. Der Todesopfer letzte Fahrt 54 werden heute zur Ruhe geleitet Nach der amtlichen Verlust liste beträgt die Zahl der Todesopfer der Explosionstatastrophe in Neunkirchen bisher 54, darunter 24 Männer, 22 Frauen und 8 Kinder. Von den 24 Männern sind 21 Wertsangehörige, von den weiblichen Toten sind 13 Ehefrauen von Werksangehörigen. Die Zahl der Bermißten beträgt 14. Die Beiseßungsfeierlichteiten finden heute Dienstag nachmittag in Anwesenheit des Reichsvizefanzlers v. Papen, des Reichsarbeitsministers Seldte und des französischen Arbeitsministers statt. Um 3 Uhr nachmittags findet zunächst auf dem Marktplatz eine Trauerfeier verbunden mit der Einsegnung der Toten statt. Die Toten werden in einem gemeinfamen Grab beigesetzt. Die zuständigen Stellen sind eifrig bemüht, die Frage der Unterbringung der Obdach lofen einer möglichst raschen Lösung zuzuführen. Durch die Explosion sind über 100 Wohnun= gen verlorengegangen. Die Werksverwaltung sowie die Haus- und Grundbesizerorganifation fordern in einem Aufruf die Bereitstellung der erforderlichen Räume in leerstehenden Neubauwohnungen. Daneben werden im Laufe der nächsten Tage für ungefähr 69 Familien Ba= raden errichtet werden. Dabei handelt es sich natürlich nur um eine Notmaßnahme. Die zerstörten Häuser sollen noch im Laufe des Jahres aufgebaut werden. Die am meisten in Mitleidenschaft gezogene Saarbrücker Straße soll nicht wieder aufgebaut werden. Soweit die anliegenden Häuser nicht zerstört wurden, sind sie derart baufällig geworden, daß an eine Nußbarmachung nicht mehr zu denken ist. Geplant ist ferner, in den Steinwald wiesen im Anschluß an die dort bereits vorhandene Siedlung für die Hinterbliebenen der Explosionskatastrophe bauten zu errichten. Erschütternde Einzelheiten NeuAn weiteren Fällen von fast phantastischem Ge= schehen ist bemerkenswert: Eine Frau in der Saarbrücker Straße hatte ihr Haus mit ihren drei Kindern verlassen. Das kleinste trug sie auf dem Arm, das größere führte sie an der Hand, und ein etwa zwölf Jahre altes Mädchen ging ein bis zwei Meter vor ihr her, als die zweite Explosion erfolgte und das zwölfjährige Mädchen buchstäblich verschwand. Vermutlich war der Luftdruck so stark, daß er das Mädchen meterweit fortschleuderte. Bisher ist es nicht wieder gefunden worden. In einer Wohnung in Neunkirchen wurde am Freitagabend zur Stunde der Explosion gerade eine Geburtstagsfeier veranstaltet. Ein zwölfjähriger Knabe hielt ein anderthalbjähriges Kind auf dem Schoß. Als die Explosion erfolgte, stand das Fenster des Wohnraums offen. Nachdem sich die allgemeine Aufregung etwas gelegt hatte, stellte die Familie fest, daß das Kind, das auf dem Schoß des Knaben gesessen hatte, verschwunden war. Es muß durch den ungeheuren Luftdruck aus dem Fenster geschleudert worden sein. Auch in diesem Falle ist bis zur Zeit die Leiche des Kinders nicht gefunden worden. Aus den Einzelfällen ist zu erkennen, wie furchtbar die Explosion gewütet und welche Trauer sie über die Neunkirchener Bevölke= rung gebracht hat STC Vermutungen über die Ursaches Die Direktion der Neunkirchener Hütte veröffentlicht über die Ursache der Gasometertatastrophe einen längeren Bericht, dem wir folgendes entnehmen:„ Nach den bisherigen Berichten von Augenzeugen hat sich dicht am Behälter nach einer mittelschweren Detonation plötzlich eine etwa 70 Meter hohe Stichflamme entwickelt. Die weiteren Vorgänge lassen sich etwa so erklären, daß die Stichflamme einige Minuten lang eine ungeheure Ueberhizung eines schmalen Behälterstreifens hervorrief, an der überhitzten Stelle die Behältermandung sich dehnte und dadurch an der Scheibenführung eine Verklemmung eintrat und die Deldichtung auslief. Dadurch bildete sich über der Scheibe ein explosives Gemisch, das durch die glühende Wand des Behälters zur Entzündung gekommen sein dürfte. Oberhalb des explosiven Gemisches hat sich vielleicht noch ein zündunfähiges Luftkissen befunden; denn die vorgeschriebene leichte Bedachung des Behälters ist ganz in der Nähe niedergegangen und offensichtlich von der Gewalt der Explosion nicht sehr start beschädigt worden. Die mehrfach geäußerte Vermutung, daß ein Tankstellenbrand auf dem Weggelände der Der auf das Versammlungslokal unserer 72. Abteilung in Berlin- Wilmersdorf verübte Ueberfall ist der fünfte in einer ganzen Reihe. Er zeigt, wie planmäßig diese Ueberfälle von der SA. verübt werden. Am 12. Januar d. I. wurde zum ersten Male die Schaufensterscheibe des Lokals Zur Rosenau", Ede Barziner und Laubacher Straße, durch Ge= wichte zertrümmert. Die Täter flüchteten im Motorrad. Am 30. Januar erschienen zwei SA.- Leute in Zivil, aber mit Koppel, um angeblich zu telephonieren. Als der Wirt ihnen erklärte, er habe kein Telephon, rief einer der Leute aus einer benachbarten Telephonzelle nach Berstärkung, um das Lokal fertig zu machen". Diesmal verhinderte die alarmierte Polizei den Ueberfall, die beiden Urheber wurden festgenommen. Am 8. Februar wurden abermals die Schaufensterscheiben des Lokals eingeworfen, die Täter entfamen wieder. Am 9. Februar tamen etwa 12 SA.- Leute und zertrümmerten die Reklameschilder, da die heruntergelassenen Rolläden die Schaufenster bereits schützten. Ein Passant, der sich über die Ausschreitungen aufhielt, wurde verprügelt. Am 11. Februar geschah der letzte Ueberfall mit schlimmeren Folgen. Ein vor dem Lokal stehender Posten rief bei dem Herannahen einer Nazikolonne ,, Achtung, Nazis!". Er erhielt sofort einen Brustschuß, an dem er lebensgefährlich im Krankenhaus daniederliegt. Die herbeigerufene Polizei fand elf Patronenhülsen, drei Kugeln im Lokal, sechs vor der Tür. Sie konnte noch einen SS.- Bäckermeister festnehmen, der unter dem Hute zwanzig Schuß Munition trug. So geschehen seit Wochen Ueberfälle auf das Lofal das wegen seiner einsamen Lage neben einem geräuschvollen Eisenbahndamm günstige Gelegenheit zu Ueberfällen bietet. Während die Führer von ,, Kultur, Sitte, Sauberfeit und Disziplin" reden, verüben die Anhänger dauernd solche hinterhältigen Ueberfälle gegen Lokale, von denen aus niemals eine Provokation erfolgte, sondern von denen sie nur wissen, daß politische Gegner sich darin aufhalten. Es wäre dringend zu wünschen, daß der Herr Polizeipräsident, der vor einigen Tagen ein fommunistisches Lokal geschlossen hat, weil Ueberfälle von ihm ausgehen sollen, sich einmal die Kasernen und Lokale der Nazis in dieser Gegend genauer ansieht, in denen kein Mensch vor Naziüberfällen sicher ist. Erst kürzlich geschah bekanntlich dort ein Straßenüberfall auf kommunistische Baffanten mit schwersten Berlegungen. 6. Das Luftschiff„ Graf Zeppelin" nimmt am März seine regelmäßigen Südameritafahrten wieder auf. Alle Fahrten enden in Zukunft in Rio de Janeiro. ITAL TYPE AERO Nurmit wirtschaftlicher Bereifung CON kann ein Kraftwagen wirtschaftlich sein! Ontinental Type Aero paft- unter Berücksichtigung der Wagenkonstruktion auf die normale Felge, hat einen erheblich größeren Luffraum, ge= schmeidigere Wandungen und wird mit weniger Luftdruck gefahren. Der Kraft= wagen läuft auf diesem neuen Reifen viel weicher, viel ruhiger, viel leichter und weil Fahrzeug, Passagiere und Ladung außerordentlich geschont werdenviel wirtschaftlicher. Lieferung nur durch Handlar 11 Ontinental BERLINER AUTOMOBIL- AUSSTELLUNG: REIFEN: HALLE I, STAND 145. ZUBEHOR: HALLE II, STAND 435. REISEFÜHRER: HALLE I, STAND 17. Rettet das Arbeiterkind! �us„Ersparnisgründen" gehen die Kinder zugrunde Pauia K u r g a ß vom Bezirksausschuß für Arbeiterwohlsahrt schreibt dem„Vorwärts": „Aus Ersparnisgründen" lautet der Anfang aller amtlichen Verordnungen und Verfügungen, die dem kommunalen Aufbauwerk der Sozial- demokratie systematisch zu Leibe gehen. Renten, Unterstützungssätze, Heilverfahren werden a b g e- baut, Aber was etwa zum Ausgleich dieser starken Einschränkungen des materiellen Fürsorge- rechtes dienen könnte, Einrichtungen der Gesund- heitsfürsorge und Versorgung der Kinder und Jugendlichen, wird gleichfalls abgebaut oder ein- geschränkt. Aus„Ersparnisgründen" soll, wie wir im„Vorwärts" gelesen haben, die g e b u r t s- hilfltche Abteilung im Moabiter Kranken- Hause ausgelöst werden, aus Ersparnisgründen sind bereits Kindergärten und-horte„aus- gekämmt" von den Kindern, deren Mütter nicht tagsüber auf Arbeit gehen, aus denselben Grün- den steht die Erholungsvermittlung auf dem Spiel. Leider kann man dem arbeitslosen Proletarier nicht einfach ein Rezept an die Hand geben, wonach er sich aus Ersparnisgründen seinen Magen abschafft, hoffen wir, daß er wenigstens lernt, aus Ersparnisgründen auf Kinder zu verzichten! Für das proletarische Kind arbeitsloser Eltern ist ein Kindergarten oder Hort heute eine ebenso wichtige Einrichtung wie für das Kind einer arbeitenden Mutter. Die überfüllten, schlecht geheizten Arbeiterwohnungen, in denen die arbeitslosen Väter und Geschwister herumsitzen, sich streiten über Geringfügigkeiten, die vielleicht aber für ihre Verbitterung zu Zänkereien aus- reichender Anlaß sind, oder die sich unterhalten über Dinge, die das Kind nicht oder nur halb und daher entstellt versteht, sind nicht besser und keine günstigere Grundlage für seine häusliche Erziehung als die leere Stube, in die ein Kind einer arbeitenden Mutter nach der Schule heim- kehrt. Und weil wir nicht glauben, daß die Not der Kinder und ihrer Angehörigen mit diesem Winter vor- übergehen wird, weil wir nicht an einen momen- tanen Notstand nur glauben, sondern eine Rege- lung auf lange Sicht verlangen müssen, können wir nicht mit einer Bewahrung allein, wie Kinderwärmestuben,„Offene Türen" oder Spiel- stuben sie geben, zufrieden sein, die im Gegensatz zum planmäßig arbeitenden Kinderhort ohne Wahl und ohne Bestimmung einer gewissen Dauer Kinder aus- und eingehen lassen wie in einem Taubenhaus. Jede Kindergemeinschaft, auch wenn sie so zufällig zusammenkommt wie die in einer Wärmestube mit offener Tür, stellt uns in kurzer Zeit vor dieselben Problem«, vor denen wir am Anfang der Kindergarten- und Hortentwick- lung gestanden haben. Hygienische und pädagogische Forderungen verlangen Berücksichtigung, um so mehr, als Krankheitsgefahren und Gefahr der Berwahr- losung heute stärker drohen als je. Was heute unter einem ordentlichen Kindergarten oder Kinderhort verstanden wird, beruht auf jähr- zehntealten Erkenntnissen und Erfahrungen, es steht am Ende einer langen Reihe von Versuchen, die immer stärker auf Vollkommenheit und An- passung an die Bedürfnisse der Kinderumwelt, für die sie da sein müssen, ausgerichtet war. Wir stellen in der S t a d t g e m e i n d e Berlin be- stimmte Mindestforderungen an die gesundheitliche und erzieherische Versorgung von Kindern in Tagesstätten. Den vielfachen privaten Bestrebungen, Tagesstätten zu improvisieren, können wir einmal deshalb nicht zustimmen, weil wir nicht an die baldige Aufhebung der bestehen- den Notstände glauben, eher an ihre Verschärfung, und weil wir von Einrichtungen, die eben deshalb für die Dauer berechnet sein sollen, uns nichts oersprechen, wenn sie lediglich aus Bewahrung oder Speisung abgestellt sind und weder aus- reichend gesundheitlichen Schutz noch erzieherische Kontinuität garantieren können, noch ausreichende Betreuung durch genügende Erzieher. Diese Art Einrichtungen sind ein ebenso Zweifel- hafter Ersatz für einen guten Kinderhort wie etwa der Besuch eines Außenspielplatzes es für eine Kinderverschickung im Erholungs- heim sein würde. Es sind weite Wege notwendig, die Kinder zu befördern, es fehlt an geeignetem Aufenthalt an Regentagen. Und ein Kind, das nach dem heutigen Maßstab gesundheitlicher An- sprüche für eine Heimoerschickung„reif" ist, wird jedenfalls seine Erholung nicht auf diesen Ferien- spielplätzen in annähernd der gleichen Weise sin- den können, wie in den Kindererholungsheimen an der See oder im Gebirge. Wir wenden uns deshalb im Interesse aller der Arbeiterkinder, die es dringend nötig haben, auf städtische Kosten ein« Erholung in einem Kinderheim zu genießen, gegen die Pläne, die daraus ausgehen, die eingeschränkten finanziellen Mittel für die Er- holungsfürsorge nur oder sehr weitgehend in ort- lichen Erholungsmaßnahmen zu verbrauchen. Es ist sehr schwer, eine zweckmäßige erfolgreiche Er- holungsfürsorge innerhalb Berlins durchzuführen, weil hier günstige Voraussetzungen fehlen. Das Geld, das noch für Erholungsfürsorge ausgegeben werden darf, muß für schwache, blutarme und bis zur völligen Entkräftung unterernährte Kinder zur Heimverschickung verwendet werden. Das hieße wenigstens, den geringen Aufwand rationell ver- wenden„aus Ersparnisgründen". Kleine Frau, was nun? kiinkzelm Monate Gefängnis für den Mann Man wußte nicht, worüber man sich in der Verhandlung vor dem Schnellschöfsen- g c r i ch t mehr wundern sollte: über die Gleich- gültigkeit, mit der der A u t o k l u b v o n D e u t s ch- l a n d den bereits wegen Unterschlagung vorbe- straften Buchhalter M. ungenügend kontrolliert schalten und walten ließ, über diesen selben Buchhalter, der trotz eben erst im Gnadenwege erlassener Strafe sich wieder an den«hm an- vertrauten Zehntausenden von Mark vergriff, oder über die Frau, um deretwillen er dies alles getan hatte und die, ohne zu wissen, wieviel ihr Mann verdiente, ahnungslos sich jeden Wunsch erfüllen ließ und viele Hunderte monatlich verwirtschaftete. Kleine Frau, was nun? fragte sie der Vorsitzende. Und die kleine Frau erklärte tapser vor Gericht: „Ich halte zu meinem Mann, er hat es doch für mich getan." Und als er vom Gerichtssaal weg in die Untersuchungshast abgeführt wurde, oer- abschiedete sie sich von ihm unter Tränen. M. hatte erst 1927 als Oberbuchhalter einer großen Bank, um einem Freunde zu heffen, 18 090 M. unterschlagen. Er erhielt sechs Monate 'Gefängnis und wurde, seinem Vater zuliebe, der über 2S Jahre dem Autaklub von Deutschland treu gedient hatte, und auf Empfehlung eines bekannten Verlegers als Buchhalter im Autoklu-b eingestellt. Der vorstand wußte um seine Vorstrafe, der Büroleitung und dem Oberprüser wurde sie leider verschwiegen. Im November 1930 lernte M. in einem mondänen Cafe die Tochter eines erst vor kurzem verstorbenen bekannten Dresdener Arztes, Fräulein H., kennen; sie war in Berlin als ärzt- liche Assistentin tätig und zu jener Zeit stellungs- los. Aus der Bekanntschaft wurde Liebe. Die Mutter in Dresden forderte die Rückkehr der Twister. M. erbot sich, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Bei seinem Gehalt im Autoklub mache ihm das nichts aus. Er mietete ihr zwei Zimmer für 100 Mark, überschüttete sie mit Blumen, be- schenkte sie mit Konfekt, besuchte mit ihr Theater und Konzerte. Dann wurde geheiratet, eine Woh- nung gemietet. Die Möbel kosteten 8000 M., das Wirtschaftsgeld betrug Svv Mark monatlich. Jeder Wunsch wurde der jungen Frau erfüllt. Sie mußte einen Pelz haben, schöne Kleider, Sommeraufent- halt in Swinemünde. Fragte sie den Mann, wie- viel er verdiene, so hatte er nur ein Lächeln. Zu Weihnachten erklärte sie ihm aber: ich will nichts von dir haben, sage mir, wie hoch dein Gehalt ist. 21t. hatte aber damals bereits 36 000 2Nart unterschlagen. Die Schecks, die von den Mitgliedern eingingen, tauschte er in Bargeld ein. 12 000 Mark entnahm er der für arbeitslose Chauffeure bestimmten Stiftung, 5000 Mark ließ er sich auf Grund eines gefälschten Ueberweisungsschecks von der Handels- bank auszahlen. Wieso man zwei Jahre lang die Unterschlagung nicht bemerkt habe, wundert« sich der Vorsitzende. Es sei dies wohl auf einen Or- ganisationsfehler zurückzuftihren, sagte der Ober- prüfer des Klubs vor Gericht.(Man hatte ihm und der Büroleitung sagen müssen, daß es sich um einen bereits wegen Unterschlagung vorbestraften Menschen handelte, damit eine icweiUdcc Budcksvocsiatid Sitzung des erweiterten Bezirksvorstandes am Freitag, dem 17. Februar, pünktlich 18 Uhr, im Sitzungssaal des Bezirksverbandes Berlin, Lindenstr. 3, II. Hof, II fr. Alle Mitglieder müssen erscheinen. Der Bezirktvorstand. schärfere Kontrolle ausgeübt werde. Der Syn- dikus des Klubs meint« aber, es lieg« dem Klub nicht an einer Bestrafung des Angeklagten. Der Verleger, der ihn empfohlen habe, wolle für die Summe einstehen, und der Kriminalkommissar war der Ansicht, daß überhaupt kein« Strafanzeige erstattet worden wäre, wenn nicht ein Unbekannter sowohl die Polizei als auch die Zeitungen zu gleicher Zeit von der Unterschlagung in Kenntnis gesetzt hätte. Das war am vierten Tag der Re- vision.) Der Staatsanwalt beantragte wegen sortgesetzter Untreue und wegen Betruges in Tateinheit mit Urkundenfälschung zwei Jahre Gefängnis. Das Gericht verurteilt« M. zu ein Jahr drei Monaten Gefängnis und ordnete Ueberführung in« Unter- fuchungsgefängnis an. zwischen beantragt, das Verfahren wegen Körper- Verletzung nunmehr, nachdem Popper seine Un- interessiertheit an dieser Angelegenheit erklärt hat, gemäß Z 153 StPO. wegen Geringfügig- k e i t einzustellen. Das Gericht hat die Akten der Staatsanwaltschaft zur Stellungnahme zugehen lassen, die Entscheidung dürfte im Lauf« des Heu- tigen Dienstag fallen. ProzielA Brolat ungewiß Zu der Frage, ob am Donnerstag die vorge- sehene Verhandlung gegen Direktor Brolat wegen Mißhandlung des kommunistischen Gerichtsbe- richterstatters Popper stattfinden wird, ist noch zu bemerken, daß Popper nur den S t r a f a n- trag wegen Beleidigung zurück- genommen hat, während der Strafantrag wegen Körperverletzung nicht zurückgenommen werden kann. Brolats Verteidiger hat aber in- Gastod einer Einsamen Mit dem Toektercfien in den Tod In der Bahnstraße in Schöneberg spielte sich gestern eine Tragödie ab. In der Wohnung ihrer Mutter vergiftete sich dort die 24 Jahre alte Arbeiterin Herta Sch. mit ihrem vierjährigen Töchterchen Gerda durch Leuchtgas. Die Tragödie der Verzweifelten entrollt das Schicksal einer vom Unglück oerfolgten Frau. Mit ihrem vierjährigen Kinde wohnte Frau Sch., die von ihrein Manne getrennt lebt, bei ihrer Mutter in der Vahnftraße. Wie es heißt, soll Frau Sch. vor einiger Zeit einen Mann kennen gelernt haben, der für sie und das Kind sorgen wollte. Der Freund ließ dann aber nichts mehr von sich hören, und das dürfte in der Unglücklichen den Plan reifen lassen, freiwillig aus dem Leben zu scheiden und das Kind mit in den Tod zu nehmen. Am Montognachmittag weilte Frau Sch. mit dem kleinen Mädchen allein in der Wohnung. Die Abwesenheit ihrer Angehörigen benutzt« die Lebensmüde zur Ausführung der Tat und drehte die Gashähne in der Küche auf. Als die Mutter gegen 16.30 Uhr ahnungslos heimkehrte, entdeckte sie die Verzweiflungstat. Die alarmierte Feuerwehr bemühte sich längere Zejt um die Vergifteten. Alle Rettungsversuche blieben jedoch ohne Erfolg. 70000 Tote Line gan�e Provinz zerstört Ueber die nahezu unfaßbare Erdbebenkatastrophe in der Provinz kansu(China) bei der 70 000 INenschen ums Leben gekommen sein sollen, gehen natürlich nur langsam beslimmle Nachrichten ein. „Daily Expreß" meldet aus Peking folgende Einzelheiten über das Erdbeben im westlichen Teil der chinesischen Provinz Kansu: Das be- troffene Gebiet ist einer der abge- schlössen st«n Bezirke in der ganzen Welt. Es ist gebirgig und von einer armen chinesischen Bevölkerung dicht besiedelt. Eine Kamelkarawane mit Flüchtlingen hat nach einer Reise von 1500 Kilometern die erste Nachricht von der Katastrophe überbracht. Die Erdstöße zer- störten die Lehmhütten der Einwohner und ver- ursachten gewaltige Ueberschwemmungen, bei denen hunderte von Personen ertranken. Die bittere Winterkälte führte zu weiteren Verlusten an Menschenleben. Aus Peking werden weitere Mitteilungen über die Katastrophe bekannt. In der Umgebung der Stadt Koati sollen allein 40 Dörfer und Ort- schoflen zerstört sein. In einem Dorfe stürzten die Schulgebäude während des Unterrichts zusammen. 300 Schüler und 11 Lehrer wurden verschüttet. Die Chinesen versuchen mit allen Mitteln, die Provinz Kansu, in der das ganze Leben ruht, zu oerlassen. In wenig Worten Aus B a t a v i a wird gemeldet, daß die Zahl der auf der kleinen Insel Onrust bei Tandjonk Priok gefangenen Meuterer insgesamt 18 2 be- trägt, davon 32 Europäer und 15 0 Ein- geborene. Beim Anlandgehen waren von Europäern 28 und von den Eingeborenen 50 ge- fesselt. Die Insel ist vom Verkehr mit der Außen- weit völlig abgeschlossen. In der letzten Nacht geriet der Dampfer„H. O. Jppen XI" von der Ippenlinie in Stettin bei stürmischem Wetter infolge Ruderschadens vor dem D a r ß(zwischen Stralsund und Rostockl auf Strand. Das Schiff, das sich mit Stückgütern auf der Reise von Stettin nach Rostock befand, gilt als verloren. Die sieben Mann starke Be- satzung wurde durch ein Boot der Dampfer- rettungsstation in Sicherheit gebracht. In der Gegend von Tucuman in Argen- tinien ist ein heftiges Erdbeben verspürt worden. In Tucuman selbst wurden zahlreiche Häuser beschädigt. Unter der Bevölkerung ist eine Panik ausgebrochen. * Di« Zahl der Grippeopfer in Köln belief sich in der Zeit vom 19. Januar bis zum 4. Februar auf 65 Personen. * Bei Segelflugübungen am„Hasenkopf" bei Marburg ist der Student an der Marburger Uni- versität RobertSaymam Sonntagmittag aus etwa 10 Meter Höhe abgestürzt. Saym erlitt eine schwere Schädelverletzung, an der er in der Nacht zum Montag in der Chirurgischen Klinik starb. Aus noch unbekannter Ursache brach in der außerhalb der Stadt F o r ch h e i m gelegenen Dampfziegelei Forchheim A.-G. Feuer aus, das mit rasender Geschwindigkeit um sich griff und die gesamten Anlagen vollkommen ein- äscherte. Das Werk ist nur noch ein wüster Trümmerhaufen. Llebei-sall im Grunewald In der Charlottenbrunner Straße wurde in den gestrigen späten Abendstunden auf die 61 Jahre alte Frau Ella von Bremen ein verwegener Raubüberfall verübt. Die Frau, die ihrer Wohnung in der K ö n i g s a l l e e 3 4 zustrebte, wurde von einem jüngeren Menschen angefallen. Der Wegelagerer stürzte sich auf sein Opfer und entriß ihm die Handtasche. In dem Handgemenge hat die Uebersallcne leichte Ver- letzungen davongetragen. Mit seiner Beute, die aus 5 M. Bargeld und einem Brillantring im Werte von 300 M. bestand, flüchtete der Täter und entkam. Mieternot unerträglich Mietensenkung und Mieterschutz erforderlich Der Gesamtvorstand des Reichsbundcs Deutscher Mieter e. V.(Sitz Berlin) hat am 12. d. M. zur m i e t e r p o l« t i s ch e n Lage Stellung genommen und an den R e i ch s p r ä s i- d e n t e n, den Reichskanzler, den Reichsarbeits- minister und den Reichsjustizminister solgendes Telegramm gesandt: „M illionen deutscher Mieter sind i n g r ö ß t e r N o t. Die gegen die Vorkriegszeit erheblich überhöhten Mieten sind vielen uner- schwinglich. Hunderttausenden Familien droht die Exmission. Weitere Senkung der Mieten und wirksamer Vollstreckungsschutz sind unaufschiebbar. Reichsmietengesetz, Mieterschutzgesetz und Wohnungs- mangelgesetz müssen unbedingt in Kraft bleiben, um Verzweiflung zu verhüten. Wohnung und Gewerberaum, die Grundlagen der Existenz des deutschen Volkes, müssen von der Reichsregierung unverzüglich durch Notmaßnahmen gesichert werden." "Reiche Abwechslung in der täglichen Suppe bieten MAG(5IS Suppen ZWEITE BEILAGE 3>ie ffiotfchafi des Unbekannten Erzählung/ Von Qünlher ffiirkenfeld Das Miechaus Am Bergs Nummer sieben steht grau und schmal über der schieferschwarzen Stadt Die eisernen Balkons gleichen in der Abendröte müden Vögeln die in regloser Schwebe hoch über dem Tal hängen. Einer dieser Vögel trägt Elsbeth die Frau Auf das Balkongitter vorge- stützt schaut sie tn den Abend. Mag sein, daß sie einmal eine Haarsträhne aus der Stirn streift Die Bewegung des Arms ist müde vom Geschosse des Tages. Di« Sirenen der Werke und Hurten verstummen. Dafür beginnen die Glocken der drei Kirchen ihr erzenes Geläut. Drunten an der Sieg wird noch auf Eisen gehämmert— der helle Klingklang prallt von der Hauswand zurück— eine Lokomotive heult— irgendwo bellt hungrig ein Hund. Und auch Herbertchen, aus der Tiefe der Stube, klagt über„Bauchbrummen". „Vater wird gleich da sein", tröstet ihn die Mutter und blickt aus die vielen groben Rauch- faulen der Schlote— auf die..Zlbendpiep" der Stadt, wie Herbert das nennt. Der Qualm ver- dichtet sich zu stumpfblauen Balken, die sich quer über das Tal senken. Und bald wird da nur noch eine einzige undurchdringliche Dunstmauer sein— grau und schwefelgelb und violett—, aus der unvermittelt die Nacht wächst. Jetzt aber rasten noch rosafarbene Wolkenschisfe über dem Qualm— die Schwalben tragen ihr Spielgeschrei zu ihnen hinaus. Und im Labyrinth der blühendei» Kastanie, darin die Sperlinge ihr abendliches Gezänk führen, tropft das Goldblut der Sonne. Soeben rückt sie hinter die Zacken der lavagrauen Halde. Die Frau blickt zurück in die Stube. Die brennt im tiefen Feuer. Das Klavier, die getürmte Anrichte und Tisch und Stühle gleichen glühenden Schiffen in diesem Feuermeer Und Herbertchen, der im ovalen Rosettenornament des grünen Teppichs hockt, könnte ein kleiner Märchenwald sein mit seinem flammenden Blondschops. Und Märchenhelden lassen sich nicht stören, in nichts und gar nichts, auch wenn sie nur Kistchen und Hölzer emsig auf- einander schichten Liebkosend fährt die Mutter über sein Haar. „Na. Botze was baust du denn da?" „Na, wat woll� Dat Jollioswerk!" „Aber das sollst du doch nicht! Wenn Dater das sieht! Schnell, pack weg!" Dann schaltet die Frau im Grunde des Zimmers den Radiokasten em und setzt sich mit dem Nähkorb an den runden Tisch. Die Sorge des Alltags löst sich in ihren Zügen und weicht einer stillen Be- sinnlichkeit. Die Stimme eines Tenors kommt aus dem Lautsprecher und verschmilzt mit dem Brummen der Glocken und mit dem Klingklang des fernen Gehämmers. Elsbech summt die Melodie mit. Und der Botze auf dem Teppich ist vergessen und kann bedächtig sein Jollioswerk vollenden. „N' abend", sagt Karl, der Mann, und drückt hari die Tür hinter sich zu. Die Frau zuckt zu- sammen. legt die Handarbeit fort und nickt nur. „Schnell Essen!" wünscht der Mann, drückt sich in die Sofaecke und schließt für ein kurze» die Augen. Der Junge, der sein Jollioswerk nicht mehr rechtzeitig mit dem Fuße zerstören konnte, verharrt, scheu auf den Vater blickend, im Rahmen der Balkontür Die Mutter stellt den Lautsprecher ab und möchte dann durch die Stube gehen, um den Bau wie von ungefähr auseinanderzustoßen. „Ja, bist du denn noch nicht in der Küche?" fragt der Man barsch und fährt dann brummelnd fort:„War heut mal wieder ein Afienbetrieb! Am Wagen fasel nicht anhören!" springt auf und stellt den Apparat ab. Die Frau wird es nicht gleich gewahr. Ihr Herz, nein, ihr ganzer Körper ist noch gänzlich das Echo jener Worte von der„nächtlichen Leer« von dir zu mir". Ja, ja, nächtliche Leere! Von Karl zu mir, von Qualen vorgezeigt wurden, sich ebenso systematisch mit der Menchenkenntnis befassen müßte, als sich unsere exakte Wissenschaft mit der Kenntnis der Dinge befaßt. Di« Teusel haben eine von der menschlichen Psychoanalyse sehr stark abweichende Unter- suchungsmechode und zeigten mir an der Hand von Retorten, daß das einmal Einzige des mensch- lichen Individuums(sowie der völkischen Einheit) in der spezifischen Mischung der urewig gleichen Elemente besreht, die ganz anders reagieren als sich's unsere in das„Typische" verrannten Psychoanalytiker träumen lassen. Die sich ähnelnden Mischungen(bei verwandten Men- schen oder Völkern) reagieren auf minimale Unterschiede(die gebührend berücksichtigt und nicht in einen psychoanalytischen Tops geworfen werden wollen) ungemein stark, während Naturen von weit auseinander liegenden, ins Auge sprin- genden Unterschiedlichkeiten viel Sinn für das trotzdem Gemeinsame herauskehren... um mit meinem Bruder gut auszukommen, muß ich vor allem dem Jndividualitätsunterschied gerecht werden, einem Zulukafsern gegenüber muß ich das uns verbindende allgemein Menschliche her- auskehren. Die in unserer Praktik herrschende Verwirrung läßt uns als Menschenkenner die nur die Resul- täte kennenden Führer und Verführer der Massen bezeichnen, welche die Individualität im einzelnen oft gar nicht respektieren und große Menschenverächter sind. Die Teufel zeigten mir, daß auch jene anderen, Don Juans genannten, Verführer ihr fast immer gelingendes Kunststück nicht durch Kenntnis der Individualität, die gerade von ihnen beiseite geschoben wird, sondern durch das genaue Auskalkulieren des allgemeinen, unausbleiblichen Reagierens in bestimmter Hin- ficht fertigbringen. Diese Gruppe von Kennern versteht die Menschen nicht so sehr, als sie sie bloß richtig zu behandeln weiß— während(das sah ich dann zu meinem Schmerz) die großen Ver- steher wiederum passive Naturen sind und nicht mit Menschen umzugehen wissen. Die Teufel illustrierten mir durch silmische Ein- ficht in eine große Zahl menschlicher Gemein- schasten, hauptsächlich Ehegememschasten, daß wir auf dieser Erde entweder richtig oerstanden und falsch behandelt oder richtig behandelt und unoer- standen sind. Unzählige Frauen, die ihre Männer zu kennen vorgeben, kennen nur ihre Schwächen, womit sie sie allerdings beherrschen Männer wiederum, die ihr« Frauen(als Liebhaber) instinktiv richtig behandeln und daher genau zu kennen glauben, wissen mit deren In- dividualität nichts anzufangen, wodurch der Typ der unoerstandenen Frau entsteht oder sie sind große Psychologen und schlechte Diplomaten. Der irdische Friede würde dadurch hergestellt, daß man zwischen dem Kennen und Behandelnkönnen die ausbanlancierende Formel in Anwendung bringt. „Teufel, Teufel, Teufel" schrie ich(gierig diese Zauberformel zu kennen, denn ich hotte, mich als Anpassungsfaxe durch die Welt schlagend, diese niemals beim Schlafittchen zu packen verstanden) ... aber über meinem Schreien erhoben sich alle 500 Teusel gegen mich. Ich schoß wie ein ge- jagter Hase durch die Hölle, mich vergebens an der schönen Teuselin haltend, die sich abwandte (als ich sie einen Engel des Himmels nannte), begann zu strampeln und um mich zu schlagen... „Er hat schon wieder Fieberphantasien", sagte die Krankenwärterin, und steckte mir das Thermo- meter in den Mund... €rna 9Süfing: SKatsee und Silberpapier Mieze ist«in reizendes Kätzchen. Kein Mensch ist glücklicher Besitzer ihres Geburtsscheins, aber da man allgemein sagt, Maikotzen geraten so be- sonders gut, muh Mieze unbedingt eine Maikatze sein. Mieze ist stets spielfreudig, waschlustig, mause- gierig. Sie hält Haus und Hof rein von lästigen Nagern, tut also, vom menschlichen Nützlichkeit?- standpunkt aus betrachtet, ihre Pslicht. Körperlich ist sie untadelig sauber Im Charakter ist sie selbst- bewußt und außerordentlich selbständig, doch da sie diese Selbständigkeit dem ruhigen Betrieb des Hauswesens einordnet, wird chre stark betonte Eigen-Tierlichkeit nicht als störend empsunden. Sie spielt für ihr Leben gern. Da die Menschen diesen Spieltrieb als steten Anreiz des Mäuse- iangs betrachten, wird er freundlich als gegebene Tatsache hingenommen. Doch neulich hatte Mieze abscheuliches Pech. Auf dem Teppich fand sie Silberpapier, das zu einer kleinen Kugel gedreht war. Sofort pfötelte sie und spielte kullernderweise Ball. Sie lag aus der Lauer, sie folgte dem rollenden Ball und trieb ihn durch ein paar Hiebe zu neuer kullernder Be- wegung an. Dabei geriet sie zwischen die, nur einen Spalt breit geöffnete Tür. Die schlug zu und klemmte der armen Mieze die Schwanzspitze ab. Mieze schrie entsetzlich und ihr lautes Jammern setzte sich als übertragenes menschliches Wehklagen im ganzen Hause fort. Jeder wollte helfen und keiner getraute sich die fast abgetrennt« Schwanz- spitze anzufassen. Bis der Herr des Hauses Schwanz und Schwanzsitze nahm und sie beide mit Heftpflaster aneinanderklebte Doch die Natur kennt keinen Heilungsprozeß mittels Heftpflaster. Mieze scheuerte das Heftpflaster ab und wurde so die Schwanzspitze los. Trogdem ist Mieze wieder voll lustiger Streiche und unentwegt guten Mnies Keß turnt sie auf dem Büfett zwischen den hauchdünnen chinesischen Teetassen und wirst keine entzwei, regungslos sitzt sie stundenlang vor einem Mauleloch, um Beute zu machen, und Regenwürmer holt sie sich aus den Pfützen, da sie nicht einmal wasserscheu ist. Nichts imponiert ihr, nicht» erschrickt sie, nur das kleinste Stück Silberpapier bringt sie außer Rand und Band. Sie zittert vor Wut sie kann sich weder selbst noch läßt sie sich beruhigen und sie schilt in ihrer scheußlich fauchenden Katzenart: das Silberpapier, ja. das Silberpapier ist schuld an der verlorenen Schwanzspitzel Ich sehe die Katze in ihrem furchtbaren Ver- nichtungswillen und ich denke darüber nach, ob den Menschen auch wohl so ähnliche Verwechse- lungen wie der Katze mit dem Selberpapier unterlausen? DIENSTAG, 14. FEBRUAR 1933 mir zu Karl!... So ist es!... Aber woher weiß dieser Dichter das?— Ach, er soll mehr und noch vieles zu ihr sprechen, vielleicht auch einen Trost! Aber wie denn? Er ist verstummt? Mit überspringender Stimme ruft die Frau gegen die Zeitung:„Ich lasse mir das bißchen Feierabend nicht nehmen! Auch von dir nicht, Karl!" Sie schaltet den Lautsprecher wieder ein. Der Mann stellt sich vor sie hin, kalkig und mit bösen Augen. Er hebt die Hand. Elsbeth mißt ihn stumm und reglos. Dann fragt sie:„Nun?" Mit einem erbitterten Auslachen, das die schwache Stimme des Dichters erstickt, kehrt der Mann sich ab und geht auf den Balkon. Die Tür reißt er hinter sich zu. Worte, viele Worte strömen weiterhin durch die Stube. Doch die Frau, die weinend auf dem Sofa sitzt, ist jetzt taub für ihre Melodik und blind für ihre Schönheit. Sie wähnt schwarz, ja, ganz schwarz zu sein, innen und außen— wie eine Trauernde. Erst sehr viel später horcht sie wieder auf, die Handflächen vom Gesicht lösend.„Kastanienbaum in der Nacht", sagt der Dichter und spricht: Dämmern seine Blütenkegel vor der Blätter dunklem Schlafen nicht wie sanft gewölbte Segel vor dem mitternächt'gen Hafen? Brennen sie nicht auf wie Kerzen in der Krypta kühlem Schweigen? Oder...: wie durch blinde Schmerzen einer Hoffnung Lichtersteigen? Elsbeths Augen suchen die Kastanie draußen vor dem Balkon. Ja, da sind sie, die sanft gewölbten Segel, die Kerzen! Und soll man nun glauben, daß da auch eine Hoffnung.? (Fortsetzung folgt.) J£einrich Stemmer: 9)ie Schule der Silenichenkenner Arbeiterbewegung und Mittelstand Der Sozialismus ist kein Tyrann, sondern ein Befreier/ Von Erik Nölting Während frühere Arijen der Hauptsache nach nur die beiden Flügelgruppen der kapitalistischen Gesellschaft durcheinander schüttelten, werden dies. mal von dem tnöchernen Zugriff auch jene Boltsteile erfaßt, die sonst jenseits der Sturmzone in umfriedeter Hafenstille ein relativ ge fichertes Dasein führten. Die imperialistische Aera ist im großen gesehen zum Abschluß gekommen, mas in Asien gegenwärtig aufzucht, ist ein Nach gemitter, unter dessen Donnerschlägen die Kolonisationsepoche übergeht in den Prozeß der GegenPolonisation Weil er seine Dynamit nicht mehr in der gewohnten Weise an den Außenfronten zur Entladung bringen tann, muß der zurückgeworfene Kapitalismus die Bucht feines Konkurrenzstoßes jezt wieder stärker an, der inneren Front ausrafen, moburch für den Mittelstand alten und neuen Gepräges schwere Zeiten heraufziehen. Ein in seiner äußeren Bewegungsfreiheit gefeffelter Monopolfapitalismus perengt ihm zusehends den Lebensraum. Damit wird auch für jene Gruppen, die ihre soziale Lagerung zur Rechten des handarbeitenden Proletariats fanden, der Rapitalismus immer mehr eine ,, unmögliche Ordnung", gegen die eine nielfach noch sehr tonfus und ziellos anmutende Rebellion langfam in Gang fommt. Der Fladerbrand fozialer Unruhe ergreift den Kleinbürger, damit beginnt ein neues und folgenschweres Kapitel der Politif. Der Kleinbürger setzt sich in Marich, durchbricht das Gehäuse der alfen Ordnungsparteien nach welchem Rhythmus wird er marschieren? Seinem Aufbruch geigte der Rationalsozia lismus ein mides Sturmlieb, bei dem Joseph Goebbels den Taftstod führte. Aber die tolle 3igeunermufit verfliegt in den Büften und mill mit dem Manichtoft nicht recht übereinstimmen. Wird man nun Tritt faffen nach den Taffen der Arbeiter- Marseillaise? Die Arbeiterbewegungerschaute die die Belt mit einer grandiosen Bereinfachung. Hier das Brofetariat, laminenhaft 017schmellend, ein grauer Elendsstrom, in dessen reißendem Bogengang auch die Mittelschichten verschlungen werden; drüben die Bourgeoisie, hinschwindend und sich felber dezimierend in einem felbstmörderischen Bernichtungsfampf. So ordnen sich die Fronten, die dann im Endkampf, dessen Ausgang von vornherein feststeht, aufeinanderprallen. Während die Arbeiterklasse alle übrigen Volks teile einſtampft, fie sozial in das Proletariat, ökonomisch in den Großbetrieb, pinchologisch in revolutionäres Alaffenbewußtsein einbezieht, bleibt auf der anderen Seite mur die berühmte, and= Doll Bourgeois" übrig, ein hoffnungsloser Trupp, über den die Geschichte hinwegschreitet, ihn mit der Expropriation der Expropriateure aus löschend. Proletarier, schließt die Reihen! diefem jauchzenden Rhythmus zieht man in die legte heilige Schlacht. mit Da äußere Bild scheint die grandiose Endvision zu bestätigen. Der Mittelstand wurde in die Le benslage des Proletariats hinabgebrüdt, someit er nicht in noch größe ter Elendstiefe versant. Es gibt in dieser Krise mehr arbeitslose Angestellte, als man in früheren Krisen beschäftigtungslose Handarbeiter zählte. Die noch nicht aus dem Produktionsprozeß abgedrängt wurden, leben in der gleichen Eristenzunsicherheit wie der Arbeiter, die Einkommensbezüge liegen kaum noch höher als die Arbeiterföhne. Ueber zahllosen Bauernhöfen kreist der Pleitegeier. Durch Stellenverlust und fortgesetzten Gehälterabbau sind auch große Teile des Beamtenheeres in foziale Tuchfühlung mit dem Arbeiter geraten. Den fleinen Sparern und Rent: nern wurde eine Lebensführung aufgezwungen, die in vielen Föllen unter dem proletarischen Bebensstandard liegt. Was märe bei einer solchen Situation natürlicher, als daß sich unter Führung der alien Kerniruppe Arbeiterproletariat die große revolutionäre Einheitsfront gegen den kapitalismus formierte? Man hat geglaubt, beschleunigend auf das Tempo der erwarteten Entwidung dadurch einmirten zu können, daß man in der Literatur und bei der Agitation die grausame nerbittlich feit und absolute Zwangsläufigkeit eines solchen Geschehens dramatisch unterstrich. Damit hoffte man die längst als überjährig empfundenen Stehkragen hemmungen am besten ausräumen zu fönnen. Benn trotz aller leberredungstünste der Mittelstand nicht über die Schmelle treten wollte, so hotte er eben ein der Tatsächlichkeit seiner ökono mischen Situation nicht entsprechendes falsches Benußtsein", über das man, um es zu forrigieren, die Schmale feines Hohnes ergoß. Wer noch vor dem Kopfsprung in den Ozean des Proletariats zurüdschreckte, wurde als Reiche auf Urlaub" verhöhnt, und der allgemeinen Lächerlichkeit preisgegeben. Daß einer mit solch massiven Mitteln arbeitenden Agitation der praktische Erfolg versagt blieb, ist taum verwunderlich. In Wirklichkeit versteifte man damit nur die inneren Widerstände und Bewußtseinshemmungen jener Schichten, die . man doch gewinnen wollte. Der Herrschafts anspruch des Proletariats, den man deflarierte, murde als diftatorische Anmaßung empfunden, Ser man sich mit erbitterter Zähigkeit midersezte. Die als Beglüder zu fommen vermeinten, empfand der Mittelstand vielfach als Tyrann. Das Evangelium, das fie verfündeten, stieß auf Ablehnung und medte fein Edha Soll man die Mission einstellen, die Hoffnungen begraben und nun zur Zuchtrute greifen, weil die gütliche Zurede fein Gehör fand? Soll man die mit 3mangsmethoden einstampfen, die sich einer freiwilligen Bundesgenossenschaft versagten? Aber das handwerkliche Arbeiterproletariat ist nicht der zahlenmäßig beherrschende Boltsteil, geschmeige denn die übergroße Mehrheit", von der man einst so gerne sprach, und im rationalisierten Kapitalismus vor allem feine wachsende Gesellschaftsschicht mehr. Neben dem eigentlichen Proletariat entstehen, es im Wachstempo überflügeind, im heutigen Kapitalismus Maffenschichten, die nicht handarbeitende Schichten find. Dem Arbeiterproletariat steht ein städtisch- ländlicher Mittelstand von gleicher Stärke gegenüber, den man nicht einfach mit einem Handstreich überwältigen kann, denn auch er ist öfonomisch und sozial durchorganisiert und feines megs ein ohne weiteres zu überrennender formLofer Haufe. Die Zuchtrute wäre auch hier ein menig geeignetes pädagogisches Mittel. Mas also soll man fun? Die richtige Laffit anwenden! Das aber bedeutet, daß man den sich dem Kapitalismus entmindenden Schichten Raum läßt. ihre Emanzipation in den ihnen gemäßen Formen 31 vollziehen. Der Anhänger der materialistischen Geschichtsauffassung darf am allermenigsten ver geffen: politische Ideologien formen sich nach der zugrundeliegenden öfonomisch- fozialen Lebenslage. Diese aber ist beim Proletariat und beim Kleinbürgertum nicht ohne meiteres identisch Benorrechtetes, auf Unterdrüdung anderer beruhendes Leben kann der Sozialismus niemals einräumen. Das Profitrecht des Großbürgertums tann er unmöglich zugestehen, hier gibt es nur fämpferische Auseinandersetzung. Mehrwert fann nur bezogen werden, wenn an dem anderen Pole der Gesellschaft Minderwert hingenommen werden muß. Sozialismus aber will den Strom arbeitslosen Einkommens zum Versiegen bringen. Kapitalistisches Großeigentum, das aus der Unterdrüfung abhängiger Arbeits frait seine Tribute einzieht, har feinen Platz in der sozialistischen Borstellungsmelt. Aber vom bourgeoijen Raubeigentum ist mit aller Deuflichkeit zu scheiden das Arbeitseigentum, das nicht Ausbeutungs-, sondern Arbeitszweden dient. Das Land des Bauern, das Werkzeug des Handwerkers, der Laden des fleinen Händlers find Arbeitseigentum und daher außerhalb der Zone der Sozialisierung. Wo das Eigentum zinslos ist, da ist die Sodie So. zialisierung zmedlos. Das Proletariat wird aus seiner Eigentumslosigkeit heraus zwangsläufig zur Soziali fierung getrieben. Den proletarischen Massen ist der Wunsch nach Gemeinwirtschaft ein geboren, denn nur die Bergesellschaftung des Broduktionsapparates vermag jene Trennung des Arbeitenden von seinem Arbeitsmittel zu be feitigen, aus der fich die Klaffenfpaltung der Gesellschaft ergibt. Wo aber diese Loslösung der Arbeitskraft von ihren Produktionsgrundlagen gar nicht vorliegt, stößt die Sozialisierung ins Leere. Hier fäme der Sozialismus nicht als Bec freier, sondern als Unterdrücker. Das sozialistische Programm aber enthält die Beseitigung jeder Unterdrudung. Sozialisieren wir die Kommandohöhen der Wirtschaft, aus dem Hofe des Bauern schneidet man feine Coupons! Räumen wir durch Sozialifierung des fapitalistischen Großeigentums den ständigen krisenherd aus, damit vermögen wir auch dem Mittelstand zu geben, was ihm gebührt: Krisenfestigkeit und selbständige Sicherheit im Rahmen einer planwirtschaftlich geleiteten Gefamtordnung. Ju unserem Sozialismus muß ein jeder, der durch seine Ansprüche das Leben der anderen nicht schmälert und das der Gesamtheit nicht gefährdet, Cebensraum finden. Wenn wir Profitrecht nicht fonzedieren fönnen, jo doch Lebensrecht. Demokratischer Sozialismus fann im Gegenteil zum Diktaturfozialismus die Plattform bilden, auf der sich grundsätzlich eine Sammlung aller nom Rapitalismus bedrückten Schichten vollziehen kann. Sozialismus foll jedem in der für ihn gemäßen Form die Scholle unter die Füße zurückgeben, die im Kapitalismus zerbrödelte. Benn wir heute die Mittelschichten rufen, damit sie als Bundesgenossen zu uns stoßen und gemeinsam mit uns die antikapitalistische Mehrheitsfront formieren, so geschieht das nicht, um sie in das tapitalistische Proletarierelend zurüdzustoßen, sondern um sie teilhaftig werden zu lassen unserer großen Zukunftshoffnung, die ihre und unsere Entproletarisierung bedeutet. Dollarkredit der Reichsbank verlängert Der Verwaltungsrat der Biz, Bant für internationalen Zahlungsausgleich in Basel, stimmte in seiner Sizung am Montag der Berlänge= rung der in der Zeit der Bankenfatastrophe an die Reichsbank gegebenen Dollar kredite um drei Monate zu. Dieser Kredit erreichte ursprünglich 100 Millionen Dollar, von denen inzwischen Zwei vom Reichslandbund Der Schwindel mit den Kosten in der Landwirtschaft Am. 28. Januar brachte die„ ,, Deutsche Tageszeitung" einen Artikel von Lüninds, des Leiters des Rheinischen Landbundes und der Rheinischen Bauernvereine. Aus dem Artikel intereffiert uns nur die Behauptung, die Preisschere zwischen Agrarprodukten und Produktionsmitteln habe sich, so sagt v. Lünind, nicht verringert, sondern zuungunsten der Landwirte von 32 auf 34 Punkte noch weiter vergrößert. Bei der Viehwirtschaft sei die Spanne fogar auf etwa 45 Punkte gestiegen. Daraus entsteht der Eindrud, daß die Kosten für die Produktionsmittel, nachdem die agrarischen Produttenpreise gefunten find, die landwirtschaftliche Rentabilität zerstörten. In der 10. Sigung des Haushaltsausschusses des Reichstags vom 18. Januar 1933 hat nun der damalige Reichswirtschaftsminister Dr. Warmbold den Agrariern einige Binsenmahrheiten gesagt, die ihnen nicht angenehm in den Ohren geflungen haben. Darauf mußte das Präfidialmitglied des Reichslandbundes von Sybel erklären: ,, Er( Sybel) dente nor allen Dingen an die Brobuftionsmittel, also Industriegiter, die bie Landwirtschaft gebrauche Die Frage fet, mel den Anteil die Ausgaben für diese Produktionsmittel am Gesamtausgabenetat der Landwirtschaft habe. Nach einem Gutachten von Rörner und Russig, erstattet für die Friedrich- List- Gesellschaft, betrage dieser Anteil nur 33 Proz. im Gesamtaufwand der Landwirtschaft im Reichsdurchschnitt. In Ostpreußen sei von 650 Betrieben festgestellt, daß nur 24 Pro z. der Gesamtausgaben auf diesen Bosten entfielen. An Hond dieser Untersuchungen sei festgestellt, daß, menn man bei den Produktionsmitteln eine 10 prozentige Senfung vornehme, sich dann nur eine Entlastung der Landwirtschaft um 2,2 Prozent ergebe." " 1 So schwagen zwei Landbündler gegeneinander in den Tag hinein. Je nachdem, wie es trifft, werden die Argumente vorgetragen. Jedenfalls mußte hier Herr von Sybel den Herrn von Lünind entlarven. Es ist nämlich ein großer Bluff, wenn die Agrarier dem Gesamtinder der Produktionsmittel den Gesamtinder der Agrarftoffe gegenüberstellen. Allgemein gerechnet, entfällt nur ein Viertel des Produktionsaufwandes auf Industriestoffe. Selbstverständlich sind in den letzten Jahren auch die Preise für Herstellung und Unterhaltung der Gebäude gesunken, gegen 1926 schon bis 1931 um 10 Broz. Im landwirtschaftlichen Betrieb betragen ferner die Ausgaben für Löhne etwa 35 Broz. und die Ausgaben für Saatgut, Düngemittel und Futtermittel etwa 30 Proz. 7 Geht man nach der üblichen VerhältnisdarstelLung 1926= 100, so betrugen die baren Lohnaufwendungen an Fremdarbeiter im Jahre 1931 111 Pro3. Seit 1931 wurden durch Notverordnungen die Löhne aber erheblich gesenkt und die Löhne sind heute unter dem Stand von 1926 angelangt. Bei Saatgut betragen die Verhältniszahlen 1926= 100 und 1931 nur 88 Broz. Bei Düngemitteln 1926 100 und 1931 nur 95 Proz, wie überhaupt in dem verflossenen Jahrzehnt der tünstliche Dünger niemals teurer war als in der Borkriegszeit. Auders liegt es mur bei den Futtermit tein Die Preise stiegen von 1926= 100 bis 1928 auf 180 Broz, fielen 1930 auf 168 Proz. und standen 1931 noch bei 122 Broz. Die Ausgaben für Futtermittel betragen je nach der Betriebsgröße und Viehhaltung zwischen 10 und 15 Prozent der gesamten Betriebsausgaben. Gerade die Verteuerung der Futtermittel hat der Reichsfandbund durch seine unvernünftige Zollpolitik bemußt jelbst herbeigeführt. Abschließend sei ausbrüdlich bemerkt, daß die genannten Verhältniszahlen über die Produktionsfoften einer Veröffentlichung des Deutschen 2andwirtschaftsrats entnommen sind, ber in einem fiebenjährigen Durchschnitt bis Mitte 1931 die Buchführungsergebnisse aus mehr als 2600 Betrieben in Deutschland geschildert hat. Die Landbündler widerlegen den ständig wiederholten Bluff mit der Preisschere also selbst und mit eigenem Material. Dennoch wird die Wahrheit in der Landbunddemagogie bemußt unterschlagen. 14 Mill. Dollar zurückgezahlt wurden. Die an dem Kredit beteiligten Notenbanken Englands, Frank. reichs und der USA werden sich bis zum 4. März noch über die weiteren Teilrüdzahlungen der Reichsbank zu entscheiden haben. Die Präfidenten dieser Banten haben im Hinblid auf Deutschlands gebesjerte Devisenlage 20 Mill. Dollar Rückzahlung gefordert, während Dr. Luther er flärte, nur eine Tilgung von 10 Mill. Dollar am 4. März zugestehen zu fönnen. Handelskrieg beendet Deutschland und Argentinien Der deutsch- argentinische Handelstrieg st jezt durch das Einlenten Argentiniens been det worden. Der Konflikt wurde dadurch ausgelöst, daß Ende vergangenen Jahres Argentinien unter Bruch des bestehenden Meistbegünstigungsver trages deutsche Waren zolltechnisch schlechter stellte als Importe anderer Länder. Die deutsche Regierung hatte darauf mit Kampfzöllen unter Einschaltung des Obertarifes auf argentinische Waren( bis zu 100 Broz. erhöhte Zölle) geantwortet. Das schnelle Einlenten Argentiniens spricht da für, daß in der Regierung fich der wirtschaftspolitisch sehr vernünftige Standpunkt durchgesezt hat, ein Zollfrieg mit Deutschland müsse dem Lande teurer zu stehen tommen, als durch eine Erschmerung deutscher Einfuhr zu ge minnen wäre. Von der gegenwärtigen deut schen Regierung wird man bei den handelspol tischen Konflikten, die sich mit Schweden, Holland und Dänemark bereits am Horizont abzeichnen, eine so vernünftige Einstellung allerdings nicht erwarten Bönnen. Der Handelsfrieg ist damit liquidiert worden, daß deutsche Waren wieder die volle Meist= begünstigung genießen und für argentinische Waren mit rüdwirtender Kraft vom 9. Februar die Strafzölle des Obertarifes megfallen. Hausbesitzer- Reaktion Gegen jedes soziale Mietrecht Die Hausbesitzer gehen nach dem Regierungsantritt Hitlers und Hugenbergs aufs Ganze. Ein Delegiertenversammlung der Hausbesitzer organisationen forderte von der Regierung die fofortige Aufhebung der gesamten Boh mungszwangswirtschaft. Daß das nicht vor Umgestaltung des Mietsrechts nach sozialen Gesichts punkten geschehen dürfe und werde, darüber haben bisher alle Regierungen bindende Versprechungen abgegeben. Den Hausbesig interessiert das nicht das soziale Mietrecht jei ,, überflüffig" unb ,, für die Wohnwirtschaft schädlich". Die Herren Hausbefizer mögen fich gesagt sein laffen: für die Mieter ist ein soziales Mietrecht feineswegs überflüssig, sondern sehr not. wendig, besonders unter den neuesten Regie rungsverhältniffen. Die breiten Maffen verzichten nicht auf ein soziales Mietrecht. Im übrigen wurde Herrn Bopit, auch heute noch Reichskommiffar für die preußischen Finanzen, ,, marristisches und staatssozialistisches Denken" vorgeworfen! Gegen dessen inzwischen angeblich erledigten Plan, die Hauszinssteuer zu verrenten, wurde heftig protestiert, obwohl er den Hausbefizern sofortige Erleichterung unb feinerlei neue Lasten bringen sollte. Die Mitarbeit des Hansabundes sollten sich für die Zukunft Wigblätter fichern. Der Hansabund ließ nämlich als neueste Weisheit erklären, daß in Deutschland massenhaft vagabundierende Spargelder vorhanden seien, die teine Anlage finden und den Geldmarkt überschwemmen, weil es die Hauszinssteuer gäbe! Deshalb habe auch die Reichsbank die Herrschaft über den Geldmarkt verloren! Hier hat sich die reaktionäre Gesinnung eine Narrentappe aufgefeßt. Ein Notschrei der Mieter Der Gesamtvorstand des Reichsbundes Deutscher Mieter e. V.( Siz Berlin) hat zur Lage Stellung genommen und an den Reichspräsidenten, den Reichskanzler, den Reichsarbeitsminister und den Reichsjustizminister folgendes Telegramm gesandt: „ Millionen deutscher Mieter sind in größter Not Die gegen die Borkriegszeit erheblich überhöhten Miefen find vielen unerschwinglich. Hun derttausenden Famillen droht die Egmission Weitere Senfung der Mieten und wirksamer Bollstredungsschuh find unaufschiebbar. Reichemieten. gefeß, Mieterschuhgefeh und Wohnungsmangel. gefeh müssen unbedingt in kraft bleiben, um Berzweiflung zu verhüten. Wohnung und Gewerberaum, die Grundlagen der Egiffenz des deutschen Volkes, müssen von der Reichsregierung unverzüglich durch Notmaßnahmen gesichert werden." 16 Proz. Dividende zahlt die Stridgarn fabrit Gebrüder Feistborn 2.-G. in Gera ihren Aktionären auf das Aftienkapital pon 2 Millionen Mart. Im Vorjahre wurden ebenfalls 16 Proz. gezahlt. Eine Senfung der Telephon- und Drucksacheugebühren hat der Postausschuß des Reichsver bandes der Deutschen Industrie unter Würdigung der Finanzlage der Reichspost und der Brivatwirtschaft als vordringlich bezeichnet. Weiße Zähne: Chlorodont Die Arbeit der Fredika Was eine internationale Organisation schafft Im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung der Freunde der internationalen Kleinarbeit( Fredika) sprach fürzlich der internationale Sekretär der ,, Fredika" Genosse W. Floerke über das Thema ,, Neue Wege zur Förderung des internationalen Gedankens". Als die ,, Fredika" vor etwa acht Jahren ins Leben gerufen wurde, ahnte niemand, daß sie schon nach kurzer Zeit international so festen Fuß fassen würde. In 216. Städten von 28 Län= dern der Erde finden wir jetzt aktive Gruppen der ,, Fredika", die ihre Arbeit der Völfer= verständigung widmen. Ein überaus wertvolles Hilfsmittel bei dieser Verständigungsarbeit ist das Beherrschen einer Fremdsprache! Die Fredita" ging an die Einrichtung von Fremdsprachenabenden in Englisch, Französisch und Spanisch, deren Erfolge bald bekannt wurden. Auf Grund der Sprachenkenntnisse begann dann der Korrespondenzaustausch mit ausländischen Gesinnungsfreunden. Austauschreisen folgten. Und so wurde und wird praktische und wertvolle Friedensarbeit geleistet. In der Erkenntnis, daß Verständigung heute mehr denn je notwendig ist, ruft die ,, Fredika" erneut zur Unterstügung ihrer Bestrebungen auf. Nach Beendigung des Vortrags erklärten viele Anwesende ihren Beitritt zur Fredika" und vollzogen ihre Anmeldung zu den demnächst beginnenden Sprachkursen. Wer in der Fredika" mitschaffen will, mende sich auch wenn er erwerbs= los ist sofort an die Geschäftsstelle Berlin SW 19, Kurstr. 32, Tel. Merfur 2196( W. Floerke). Kinderfilme Die Kinderfreunde des Kreises Reinickendorf traten mit einer Film- Matinee in Tegel im Filmtheater Kosmos vor die Elternschaft. Ein frohes Kampflied leitete die Veranstaltung ein. Der heitere Tonfilm ,, Lebertran" zeigte, daß der von Kindern oft gehegte Wunsch, Eltern oder Vorgefeßte zu spielen, doch mit allerhand Schwierigfeiten verbunden ist und daß es doch besser ist, wenn den Eltern die Sorge und Verantwortung bleibt Danach veranschaulichte ein Werbefilm der ,, Lindcar" Werke die Herstellung eines guten Fahrrades. Es folgte dann der Film ,, Kinderrepublik Seekamp", der den Aufbau eines Zeltlagers, die Freude des Lagerlebens, aber auch die Verantwortung zeigte, die die Selbstverwaltung mit sich bringt, und die hervorragende Solidarität, die hieraus erwächst. Die Roten Falken brachten dann den Sprechchor Alle spüren die schwere Zeit zum Vortrag, worin die Kinder zum Ausdruck brachten, daß sie ihre Eltern in dieser schweren Zeit schon verstehen und deshalb fest zu ihnen halten. Das Kameradschaftslied" beschloß die gelungene Veranstaltung, für die das vollbesetzte Haus mit starkem Beifall dankte.. Vom Traktor tot gefahren Auf dem Hofe des Grundstücks Wilhelm= straße 55 ereignete sich ein schwerer Unglüdsfall. Der Motor eines Traktors, der dort rangierte, fegte plöglich aus. Während der Führer der Zugmaschine neben dem Fahrzeug stand, verfuchte der Begleiter des Anhängers, die Maschine mieder in Gang zu bringen. Er warf den Motor nach einigen vergeblichen Versuchen wieder an. Im selben Augenblid setzte sich auch die Zugmaschine in Bewegung und der Führer, ein 41 Jahre alter Wilhelm Mielom aus der Stavanger Straße 1 im Norden Berlins, geriet unter die Räder des eigenen Fahrzeuges. Der Mann hatte vergessen, den Schalthebel auf Leerlauf zu stellen. Mielow wurde auf der Stelle getötet. 65000 Besucher Massen auf der Autoschau Die Automobilausstellung in den Messehallen am Funkturm ist das Ereignis dieser Tage. War schon der Besuch am Sonnabend, dem Eröffnungstage, sehr start, so übertraf er am Sonntag alle Erwartungen. Bis zum Schluß um 20 Uhr hatten 65 000 Besucher die Kontrollen passiert. Und das, obwohl der Eintritt zwei Mark kostete. Eine große Anzahl von auswärtigen Besuchern war per Achse, also mit dem Auto, nach Berlin gekommen, um die Autoausstellung zu besichtigen. Man sah Wagen aus den Provinzen Brandenburg und Sachsen, ferner aus Lübeck, Anhalt, Hannover Stadt und Provinz, Chemnitz, Zwickau, Dresden, Leipzig, Braunschweig, Hamburg, Pommern, Hessen. Bis aus Oberschlesien, aus den Rheinlanden und Posen- Westpreußen waren Autos und Omnibusse mit Besuchern gekommen. Die Ausstellung scheint ein großer Erfolg der Industrie zu werden. Eine Menge nationalsozialistischer Bettler belästigen in unerhörter Weise die Gäste. Bom Dienstag, dem 14. Februar, verkehren während der Ausstellung täglich von 9 Uhr an viertelstündlich Sonderomnibusse von Unter den Linden( Zeughaus) über Brandenburger Tor, Großer Stern, Lügowplay, Wittenbergplay, Bahnhof Zoo, Joachimsthaler Str., Kantstr. bis zu den Ausstellungshallen am Kaiserdamm. Von der Ausstellung zurück( Haltestelle gegenüber dem Funkhaus) verkehren die Wagen ebenfalls viertelstündlich. Der legte Wagen von Unter den Linden fährt um 19 Uhr und von den Ausstellungshallen um 20,30 Uhr. Fahrpreis: Einzelfahrt 0,25 M., Umsteigefahrschein 0,30 m. Fehlender Polizeiſchuh Klagen aus der Ebert- Siedlung. Von einem ,, Vorwärts"-Leser aus der Afrikanischen Straße wird uns geschrieben: Bereits in der letzten Reichstagswahl find in der Ebert Siedlung in den Wohnungen von etma 60 Sozialdemokraten Fensterscheiben eingeworfen worden. Die Anreißerin zu diesen Handlungen ist nachträglich zu unserer Kenntnis ge= tommen. Aber auch nach den Wahlen hatte dies nicht aufgehört. Bei einem unserer Genossen wurden abermals Fensterscheiben eingeworfen. In der Nacht vom 7. bis 8. Februar tobten zwei Nazis im stärksten Alkoholrausch in den Straßen der Siedlung. Auch hier sind in der Zeit zwischen 3 und 4 Uhr morgens die Fensterscheiben von Parteigenossen das Ziel ihrer geschwollenen Kraft gewesen. Mit faustgroßen Steinen, die in der Wohnung noch liegen, wurden abermals Fenster eingeworfen. Was wäre passiert, wenn dieser Stein auf schlafende Kinder gefallen wäre? E wäre doch angebracht, daß die Polizeibehörde nicht nur direkt zur Wahl, sondern ständig dort Patrouillen gehen läßt, damit diese solche Krakeeler beobachten kann und Sachbeschädigungen verhütet. Es ist überhaupt ein eigenartiger Zustand, daß für den ganzen nördlich der Seestraße gelegenen Teil des Wedding nur eine Polizeiwache besteht, die sich noch dazu nahe der Seestraße befindet, so daß diese Einwohnerschaft, die vom Wedding nördlich der Seestraße doch über 50 000 bereits beträgt, fast schutzlos Vandalen und sonstigen Elementen ausgesetzt ist. Staat und Gegenstaat In der vorigen Woche sprach der ehemalige ungarische Minister Dr. Szende bei den sozialdemokratischen Juristen über das Thema: Staat und Gegenstaat. Genosse Szende gebrauchte in seinen grunolegenden Ausführungen eine neue Erklärung, die Hellseherei ade! Hannussen will sich auf andere Geschäfte legen Herr Hannussen, oder wie er richtig heißt, Herschmann Steinschneider, der Hofhellseher des Nationalsozialismus, wird allmählich in Moabit ständiger Gast allerdings nur als Kläger: böse Leute wollen ihm an die Ehre, natürlich darunter auch. Neider seines Erfolges. Am Montag stand. Steinschneider feinem Konfurrenten im Hellsehen, Herrn Mode, gegenüber. Im Hellsehen? Nein, durchaus nicht. Herr Möcke stellte sich als Parapsychologe vor, das heißt als Mensch, der das Wissen um Erscheinungen beherrscht, von denen die Schulpsychologie nichts wissen will. Er beabsichtigte sogar, in der allernächsten Zeit mit einer Arbeit über Parapsychologie zum Doktor zu promovieren. Herr Hannussen erklärte vor Gericht: Ich be= zeichne mich jetzt als Buchdruckereibefizer und Verleger, nicht aber als Hellseher. Sie waren aber doch Hellseher? fragt der Richter. Uebrigens, was ist das Hellsehen? Ich bin natürlich im Bilde, aber die Herren Schöffen müssen das auch wissen. Hellsehen, meint Hannussen, ist die Fähigkeit, auf Grund der Kenntnis der Vergangenheit und der Gegenwart durch innere Schau die Zukunft vorauszusagen. Ich komme aber von dem Beruf des Hellsehers immer mehr ab, ich bin jeẞt Berleger. Also, worum handelte es sich diesmal? Herr Möcke hatte Hannussen in einem Briefe einen Scharlatan" genannt; Hanmussen hatte darauf eine Strajanzeige wegen Beleidigung erstattet, und zwar unter dem Namen annussen". Im Sühnetermin trat er unter Hannussen- Steinschneider auf; auf HannussenSteinschneider lautete auch der Eröffnungsbeschluß. Das Amtsgericht hatte aber das Verfahren gegen Möcke eingestellt, da die Strafanzeige bloß unter dem Namen Hannussen erstattet worden sei und die Identität Hannussen- Steinschneider nicht fest= stehe. Das Landgericht war gestern anderer Ansicht. Die Identität stünde fest, erklärte es, die Sache sei an die erste Instanz zurückzuverweisen. Also werden die beiden Rivalen, der Para= psychologe Möcke und der Verleger und Hellseher a. D. Hannussen alias Herschmann Steinschneider, Hitlers Lobsänger, noch einmal vor dem Amtsgericht einander gegenüberstehen. man populärer etwa so ausdrücken kann: der Staat ist der Machtapparat der herrschenden Klasse. Nach dem Weltkrieg konnte in fast allen Ländern die Arbeiterschaft eine Reihe von Gesezen Surchbringen, die sich gegen ihre Klassengegner richteten. Diese Gesetze, die nach Szendes Meinung formal ausreichen könnten um den ge= samten Besitz zu enteignen, wurden aber durch die Bürokratie niemals voll= stred t. Genosse Szende nennt das den Gegensta a t", der in den Personen oft mit den gesetzgebenden ober ausführenden Körperschaften iden tisch ist und trotzdem die Vollstreckung der Gesetze boykottiert. An Beispielen seiner ungarischen Heimat und aus Desterreich( Pfrimer- Putsch) konnte der Vortragende nachweisen, daß gerade der Faschismus meist diese Kräfte des Gegenstaates in sich vereinigt, zumal er grundsäglich die allge= meine Rechtsgleichheit des Liberalismus ablehnt. Keine Diktatur, sei es eine bolschewistische oder faschistische, kann aber ihre Rechtsordnung stabilisieren, sondern in ihr entwickelt sich auch wieder ein Gegenstaat. Die Ausführungen ergaben eine lebhafte DisPussion, in der auch an deutschen Beispielen diese Entwicklung dargelegt wurde. Wie wird das Wetter? In Berlin: Veränderlich bei böigen, nordwestlichen Winden, einzelne Schauer, sinkende Temperaturen. In Mitteldeutschland: Im Westen und Süden ruhiges und ziemlich heiteres Wetter mit Nachtfrösten, in Mittel- und Ostdeutschland veränderlich und windig, einzelne Schauer, Temperaturrückgang. Jm Richard- Wagner- Jahr hat die außerordentlich rührige Reichsbahnzentrale für den Deutschen Reiseverkehr eine Werbeschrift zusammengestellt, die in prachtvollen Bildern die wichtigsten deutschen Wagnerstätten zusammenfaßt. Motta- Efti am Tiergarten. Das Haus am Tiergarten hat neue Besizer erhalten. Nach einigen notwendigen baulichen Veränderungen unter anderem wurde im Parterre eine Ladenstraße geschaffen, die es ermöglicht, den Konzertraum vor störendem Durchgang zu bewahren murde das Haus neu eröffnet. In den ParterreKonzerträumen hat das bekannte Mokka- Efti mit seinen billigen Preisen sein Hauptquartier; man fann hier bereits von morgens 10 Uhr ab mit Mufitbegleitung frühstücken. Im 1. Stock ist der Motta Efti Tanzpavillon, bestehend aus brei großen Sälen, deren mittlerer die eigentliche Tanzfläche bildet, links flankiert von dem schönen Borzellansaal, rechts vom Alabastersaal mit einer fleinen Bar. Frifierräume, Schreibmaschinenzimmer, bestausgebauter Telephondienst lassen über dem Vergnügen die Arbeit nicht ganz vergessen. Unten im Parterre ist eine echte orientalische Bar, die Pildis Bar, eingerichtet, mit ostasiatischen Skulpturen, Stimmungsvoller Beleuchtung und einer von dem Pianistinnen- Duo Birkhoven- Popp ausgeführten Musik. = Eine Fülle von Verwendungsmöglichkeiten bieten der Hausfrau Maggis Fleischbrühwürfel. Das stundenlange Austochen des Fleisches der Brühe wegen ist nicht mehr nötig, denn Maggis Fleischbrühwürfel geben nur durch Auflösen in kochendem Wasser augenblicklich beste Fleischbrühe. Diese tann man als Trinkbouillon ohne oder mit Ei verwenden sowie zur Herstellung von Fleischbrühsuppen mit Einlage wie Reis, Grieß, Nudeln, desgleichen zum Kochen von Gemüsen und Hülsenfrüchten. Auch zur Bereitung pon Soßen aller Art, zum Verlängern vorhandener Suppe oder Fleischbrühe sind sie sehr zu empfehlen. Die bekannte Firma Kaisers Kaffeegeschäft, die auch im Saargebiet und Neunkirchen selbst Filialen unterhält, hat anläßlich des großen Unglücks zur Linderung der ersten Not sofort 30 000 französische Franken gestiftet. Parteinachrichten Einsendungen für diese Rubrik find Berlin SW 68. Lindenstraße 3. für Groß: Berlin stets an das Bezirkssekretariat 2. Sof, 2 Treppen rechts, zu richten Betriebsvertrauensleute, Gewerkschaftsfunktionäre! Zur Finanzierung des Freiheitstampfes hat die Partei Sammellisten herausgegeben. Wir bitten die Betriebsvertrauensleute sich Listen von den zuständigen Abteilungstaffierern zu holen und in den Betrieben in Umlauf zu segen. Das Betriebssekretariat. Beginn aller Veranstaltungen 19% Uhr, sofern feine besondere Zeitangabe! 1. Kreis. Freitag, 17. Februar, 20 Uhr, Bildungsausschußfizung an betannter Stelle. 4. Kreis. Abt. 28 bis 31. Heute, 17 Uhr, Erwerbslosenzusammenkunft an bekannter Stelle. Vortrag des Genossen Friedrich Elchlepp. Die für Sonntag, 26. Februar, vorgesehene Filmmatinee findet schon am Sonntag, dem 19. Februar, 11 Uhr, im Elysium, Danziger Straße Ecke PrenzIauer Allee, statt. Karten zu 50 Pf. bei allen Bezirksführern, in den Ronfumperkaufsstellen. Es läuft der Film: ,, Der Rebell". 6. Kreis. Heute, 20 Uhr, Kreisdelegiertenversammlung an bekannter Stelle. 18 Uhr erweiterter Kreisvorstand. 6. Kreis. Achtung, Rursusteilnehmer Dr. Schlesinger! Heute Fortsegung des Kursus an bekannter Stelle. 11. Kreis. Heute, 20 Uhr, Kreisvertreterversammlung an bekannter Stelle. Achtung, Engerer Borstand bereits 18 Uhr bei Schmidt! 12. Kreis. Donnerstag, 16. Februar, 15% Uhr, Erwerbslosenzusammenkunft an bekannter Stelle. Vortrag des Genossen Gottlieb Reese: Berlin bleibt rot!" 16. Kreis. Heute, 20% Uhr, Kreisvertretertag an bekannter Stelle. Borher, um 19 Uhr, Kreisvorstandsfizung. 20. Kreis. Donnerstag, 16. Februar, Erwerbslosenzusammenkünfte an den bekannten Stellen. 15 Uhr Reinickendorf- Ost. Referent: Paul Bernstein. 15 Uhr Reinickendorf- West. Referent: Dr. G. Eberlein. 16 Uhr Wittenau. Referent: Dr. M. Schömann. 15 Uhr Tegel, Referent: Hans Marg. 8. Abt. Funktionärsigung heute bei Rückert Bezirksführerbuch mitbringen. 21. Abt. Jüngerenzusammenkunft erst am 22. Februar. 24. Abt. Mittwoch, 15. Februar, Jüngerengruppe an bekannter Stelle. Heiterer Radioabend 37. Abt. Mittwoch, 15. Februar, Zahlabende in den bekannten Lokalen. 45. und 46. Abt. Mittwoch, 15. Februar, Jüngerenzusammenkunft im Heim. 97. Abt. Wegen des Kreisvertretertages findet die Jüngerenzusammenkunft erst am 20. Februar statt. Nähere Mitteilungen folgen. 99a. Abt. Mittwoch, 15. Februar, 20 Uhr, Susammenkunft jüngerer Parteimitglieder an bekannter Stelle. Schallplattenabend über russische Mufit. Referent: Genosse Decker. 104. Abt. Mittwoch, 15 Februar, ausnahmsweise 15% Uhr, an bekannter Stelle Erwerbslosenzusammenkunft. Lichtbildervortrag des Genossen Kurt Biging: Durch die Wildnis Lapplands". 108a. Abt. Mittwoch, 15. Februar, Mitgliederversammlung an bekannter Stelle. 129. Abt. Freitag, 17. Februar, 15 Uhr, Erwerbslosenzusammenkunft an be= tannter Stelle Vortragende: Friedel Hall. 181. Abt. Mittwoch, 15. Februar, 20 Uhr. Busammenkunft jüngerer Parteimitglieder an bekannter Stelle. Referent: Hans Marg. Frauenveranstaltungen. 68. Abt. Der Frauenabend vom 16. muß auf den 21. Februar verschoben werden. 125. Abt. Donnerstag, 16. Februar, 19 Uhr, wichtige Helferinnensizung an bekannter Stelle. Bezirksausschuß für Arbeiterwohlfahrt. 108. unb 108a. Abt. Köpenid. Erwerbslose Mitglieder holen sich in der Schloßstr. 27 Käse ab. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde. Mitte. Abt. Matteotti. Jungfalten: Liederabend. Rote, Falten: Bub und Mädel. Neukölln. Vollversammlung der Roten Falken heute, 17% Uhr, im Heim Kanner Straße. Thema: Sozialistische oder kommunistische Kinderarbeit? Abt. Lichtkämpfer. Jungfalten, wir beteiligen uns heute an der Vollversammlung der Roten Falten um 17½ Uhr in der Kanner Straße. Bankow. 18 Uhr die Obleute aller Gruppen im Heim Kissingenstraße. 20 Uhr Jahreshauptversammlung ebenda. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 1. Abt. Unser Genosse Wilhelm Larz, Johannisstr. 12, ist verstorben. Ehre seinem Andenken! Einäscherung Mittwoch, 15. Februar, 154 Uhr, im Krematorium Gerichtstraße( kleine Halle). Um rege Beteiligung wird gebeten. 79. Abt. Unser Genosse Karl Meißner, Herbertstr. 1, ist am 10. Februar verstorben. Ehre seinem Andenken! Einäscherung Mittwoch, 15. Februar, 12 Uhr, im Krematorium Wilmersdorf. Um rege Beteiligung wird gebeten. 99. Abt. Unser Genosse Richard Wolf, Buckow, Stadtrandsiedlung, Budow West, ist verstorben. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung hat bereits stattgefunden. SET Sozialistische Arbeiterjugend Groß- Berlin Einsendungen für diese Rubrit nur an das Jugendsekretariat Berlin SW. 68. Lindenstraße 2. vorn 1 Treppe rechts. Beschluß des BA.: Aus vielen Gründen hat heute auf der Mitgliederversammlung ohne Mitgliedsbuch kein Genosse Zutritt! Mitgliederversammlung der Gesamtorganisation heute, 19% Uhr, im großen Saal bes Lehrervereinshauses, Alexanderplaz. Genosse Rudolf Breitscheid spricht über Hitler regiert was nun?" Alle Gruppenveranstaltungen fallen aus. Ede. Treffpunkte zur Mitgliederversammlung: Brunnenplag: 18.15 Uhr Nettelbedplay. Humboldthain: 18.30 Uhr AS.. Hallesches Tor: 18 Uhr Rote Ede. Köpenider Biertel: 18.15 Uhr Roter Treff. Prinzenallee. Friedrichsfelde: 18.30 Uhr U- Bahnhof Lichtenberg, Eingang Reichenberger Viertel: 18.30 Uhr Falken- Ecde. Brig: 19 Uhr Jahn- Ecke Rudower Straße. Werbebezirk Often: 19 Uhr Weberwiese( Normaluhr). Werbebezirk Schöneberg: 18.30 Uhr Kaiser- Wilhelm- Plak. Werbebezirk Tempelhof: 18.15 Uhr Bahnhof Tempelhof. * In 46 Gruppen müssen die Mitglieder die Gruppenleiter veranlassen, sofort die Delegierten zur Generalversammlung anzumelden. Die Fermentation ( Gärung) des Tabaks Die Qualität des guten Weines verbessert sich durch die Lagerung. Genau so ist es mit den feinen Uebersee- Tabaken, die für den VilligerStumpen verwendet werden. Die jährlich im Frühling und Sommer wiederkehrende Fermentation( Gärung) verfeinert das Aroma. Die 1930 er Qualitätstabake haben wir erst unlängst nach bald zweijähriger Lagerung in Arbeit genommen. So ist der Tabak im Villiger- Stumpen aufs Beste gelagert, doppelt und dreifach fermentiert. Villiger- Stumpen sind etwas Besonderes! Preislagen 8, 10 und 15 Pfg. Fabrik- Lager Hedemannstr. 22. Bergm. 2370 Die Tragik des Bergarbeiters Die Bergwerksbesitzer des Ruhrgebiets haben, wie bereits gemeldet, den Rahmentarif= vertrag zum 31. März gekündigt. Zum gleichen Tage haben sie auch die bestehende Lohnordnung gekündigt, und zwar, damit die Arbeiter sich keine Illusionen machen, wie es wörtlich in dem Kündigungsschreiben heißt, Jum 3wed der Aufloderung der bestehenden Lohnordnung." Auflockerung? Ein nicht mehr neues Wort für beabsichtigte o hnjentung. Geniert man sich angesichts des niedrigen Bergarbeitereinkommens, seine Absicht klar auszudrücken? Und dann: Am 5. März ist Reichstagswahl. Da ist es gut, seine Absicht in Worte zu kleiden, die man zunächst drehen und deuteln kann. Aber auch die Bergarbeiter haben Auflockerungswünsche. Sie wünschen, daß die Dauer der Arbeitszeit aufgelockert", d. h. ver= fürzt wird. Das ist besonders im Ruhrbergbau notwendig und tragbar. Der Ruhrbergbau hatte 1929 die höchste noch nie zuvor erzielte Kohlenförderung. Im ar= beitstäglichen Durchschnitt wurden 407 200 Tonnen Steinkohle zu Tage gefördert. Die Jahresförderung erreichte die Höhe von 123,6 Millionen Tonnen. Diese Rekordförderung war begünstigt von der damals noch guten Konjunktur und dem überaus strengen Winter in 1928/29. Sie wurde mit 354 577 Bergarbeitern, die im Jahresdurchschnitt angelegt waren, erzielt. Nicht einbezogen sind die in den bergbaulichen Nebenbetrieben beschäftigten Arbeiter. Sie haben mit der Kohlengewinnung und förderung nichts zu tun. 3m Jahre 1929 befrug der Fördereffekt 1271 Kilo je Mann und Schicht. Zellt man die arbeitstägliche Förderung von 407 200 Tonnen 407 200 000 Kilo durch den Fördereffekt von 1271 Kilo, dann ergibt sich, daß im arbeitetäglichen Durchschnitt 320 377 Arbeiter beschäftigt waren, um diese Produktion zu ge= winnen. Die Differenz zwischen der angelegten und der im arbeitstäglichen Durchschnitt beschäftigten Belegschaft beträgt 34 200 10,67 Proz. Sie feierten, waren frank oder beurlaubt. Zum Vergleich sei nun auf das Jahr 1913 zurückgegriffen. Aus der Arbeit hinausgearbeitet 1913 stellte sich der Fördereffekt auf 943 kilo je Mann und Schicht. Um die arbeitstägliche Förderung des Jahres 1929 von 407 200 Tonnen zu erzielen, hätten 431 813 Bergarbeiter arbeitstäglich beschäftigt und bei etma 10 Proz. Feiernden, Kranken und Beurlaub= ten 470 000 Mann angelegt sein müssen. Da aber der Fördereffekt von 943 Kilo in 1913 auf 1271 Kilo in 1929 gestiegen war, brauchten nur 320 377 Mann, also 111 436 34,7 Proz., weniger im arbeitstäglichen Durchschnitt beschäftigt zu werden, um die Fördermenge von 407 200 Tonnen je Arbeitstag zu erzielen. So wirkte sich die Erhöhung des Fördereffektes aus. Die Arbeitsintensität blieb aber nicht stehen, sondern stieg weiter und weiter. 1932 betrug der Fördereffekt 1623 kilo je mann und Schicht. Bei diesem Fördereffekt würde die Fördermenge von 407 200 Tonnen mit 250 893 im arbeitstäglichen Durchschnitt beschäftigten Bergarbeitern erzielt werden können, während 1929 hierfür 320 377 benötigt wurden. Die an= gelegte bergmännische Belegschaft hätte nur 275 000 zu betragen brauchen, während sie 1929 im Jahresdurchschnitt 354 577 Mann betrug. Selbst bei allerbester Konjunktur, wie sie 1929 der Ruhrbergbau zu verzeichnen hatte, würde die Belegschaft um mindestens 80 000 abgebaut werden müssen, weil der Fördereffekt in so ungemein starker Weise angestiegen ist. Er betrug am Jahresende 1932 fogar 1680 Kilo je Mann und Schicht, während in vorstehenden Berechnungen der Jahresdurchschnittseffekt von 1623 Kilo zugrunde gelegt murde. Unter dem Druck der Wirtschaftskrise ist die arbeitstägliche Fördermenge des Ruhrbergbaus auf 240 130 Tonnen in 1932 gesunken. Der Rückgang gegen 1929 beträgt 167 070 Tonnen 40,7 Proz. Die Belegschaft sank in derselben Zeit von 354 577 Mann auf 190 580 46,2 Pro3. Damit ist die Tragik der Ruhrbergarbeiterschaft aber noch nicht erschöpft. Es wurden 1932 auch noch über 9 Millionen Feierschichten zu je 8 Stunden eingelegt. Wären die Feierschichten ausgeschaltet worden, dann hätte die bergmännische Belegschaft sogar auf 160 000 Mann herabgedrückt werden können. Diese Zahl hätte genügt, um die arEinheitsfront oder nur Manöver? Ein Angebot der RGO. Die RGO. hat durch ihre Bezirksgruppe für Berlin- Brandenburg- Laufiz- Grenzmark an den Ortsausschuß des ADGB. Berlin ein Schreiben gerichtet, in dem eine Reihe von Aktionen ,, als ersten Schritt zur Verständigung" vorgeschlagen wird und auch sonst die einzuschlagende Tattit vorweg genommen wird. Der Ortsausschuß des ADGB. hat darauf mit folgendem Schreiben geantwortet: ,, Daß wir stets für eine Einheit der Arbeiterschaft waren, brauchen wir nicht nochmals zu betonen, da sie selbstverständ= lich ist. Dertliche Verhandlungen in dieser Frage sind jedoch wertlos, da nur zentrale Verhandlungen zu einem Ziele führen können. Eure zentrale Körperschaft muß sich daher mit der unferigen in dieser Frage in Verbindung setzen." " Die kommunistische Welt am Abend" bemerkt zu dem Schreiben der RGO., es schiebe die Einheitsfront auf das Hauptgeleise". Das fommunistische Blatt fährt fort: ,, Mit dieser Feststellung ist auch schon die Antwort auf die Erklärungen und offenen Briefe" gegeben, welche in den letzten Tagen verschiedene fozialdemokratische Führer an die kommunistischen Arbeiter gerichtet haben. Stampfer( im Vorwärts") und Breitscheid( in der Berliner Volkszeitung") schieben die Frage, um die es geht, auf ein Nebengeleise, auf das Nebengeleiſe eines Nichtangriffspattes" gegen die SPD.- Führer. Die Einheitsfront, die sie meinen, ist im Grunde nur eine Einheitsfront gegen die Kritik an der SPD.- Führung, eine Einheitsfront zur Vertuschung der Tatsache, daß " die Politik der letzten vierzehn Jahre, die gerade das Gegenteil margiftischer Politik gewesen ist, die Reaktion und den Faschismus in Deutschland erst aufgezüchtet hat. Was soll die Richtschnur der neuen Einheitsfront sein? Soll es die Richtschnur sein, die Ebert schon während des Januarstreits 1918 befolgt hat und die, wie er später selbst zugab, gelautet hat: Wir stellen uns an die Spize der Kampfbewegung der Arbeiter, um sie abzumürgen." Mit dieser niederträchtigen Berleumdung unseres verstorbenen Genossen Ebert beginnt also die ,, Einheitsfront". Die von dem kommunistischen Blatt in Fettdrud hervorgehobene Wiederholung der kom= munistischen Agitationsphrase, die Politik der Sozialdemokratie während der letzten vierzehn Jahre wäre das Gegenteil einer margistischen Politik ge= wesen, soll wohl die„ Ehrlichkeit" des Angebots hervorheben. An dem Tag, an dem die RGO. ihr Schreiben verfaßte, veröffentlichte die ,, Rote Fahne" zu dem Vorschlag eines Nichtangriffspafts in Fettdrud folgenden Satz: ,, Schweigen zur Politik der Gewerkschaftsbürokratie, Zurüdweichen vor ihren diktatorischen Manövern, das bedeutet in der gegenwärtigen Situation die kämpfende Einheitsfront verhindern, die Kapitulationspolitik und damit dem Faschismus Borschub leisten." Und die ,, Welt am Abend" bemerkt abschließend: ,, Wenn die eine Truppe vorwärts marschieren will, die andere Truppe aber zum Rückzug ge= blasen wird, ist es da möglich, eine vereinte Front zu bilden?" " Danach stellt man sich in der Leitung der KPD. die Einheitsfront" so vor, daß die Sozialdemofratie gegen die Agitationslüge ,, 14 Jahre Marrismus" zu Felde zieht, während ihre ,, Verbündeten" im Rücken in anderer Form mit derselben Agitationslüge gegen fie fämpfen. ,, Schweigen zur Politik der Gewerkschaftsbürofratie" würde allerdings bedeuten, daß die kom= munistischen Agitatoren statt in der Eifernen Front, im Faschismus den Hauptfeind sehen müßten. Das ist ihnen unmöglich. Wollen fie ,, Einheitsfundgebungen" mit Sprechchören mie ehemals: ,, Wer hat uns verraten? Die Sozialdemokraten!" Wobei die Nazis sich vor Lachen den Bauch halten? In dem Schreiben der RGO. wird u. a. die Behauptung aufgestellt, der Faschismus könne nicht durch den Parlamentarismus geschlagen werden. Im letzten Reichstag saßen 196 Nationalsozialisten und 221 Sozialdemokraten und Kommunisten. Hätte dort eine proletarische Einheitsfront auf parlamentarisch- demokratischer Grundlage bestanden, dann wäre Hitler nie Reichstanzler geworden. beitstägliche Fördermenge von 240 130 Tonnen zu gewinnen. Es ist nicht anzunehmen, daß in den nächster: Jahren eine Konjunktur zu erwarten ist, die den Ruhrbergbau verpflichtet, arbeitstäglich 407 200 Tonnen Steinkohle zu gewinnen, um den Bedari zu decken. Wenn einmal wieder 350 000 Tonnen arbeitstäglich gewonnen werden, dann wird man von einer guten Konjunktur sprechen. Wenn feine Feierschichten mehr eingelegt werden, dann kann die arbeitstägliche Förderung schon ungefähr auf 280 000 Tonnen an steigen, ohne die Belegschaft auch nur um einen Mann zu erhöhen. Vorauszusehen ist, daß der Fördereffekt auf der Höhe von 1623 Kilo stehen bleibt. Das fönnte zu bestreiten versucht werden. Dem sei jedoch entgegengehalten, daß er am Jahresschluß 1932 schon 1680 Kilo betragen hat, so daß vorstehend schon ein gewisser Rückgang einfaffuliert ist. Wenn die Belegschaft des Ruhrbergbaues auf 240 000 Mann ansteigt, dann wird bei dem Fördereffekt von 1623 Kilo die arbeitstägliche Förderung von 350 000 Tonnen auch dann erreicht werden, wenn ungefähr 10 Proz. feiern, frank oder beurlaubt sind. Aus diesen Berechnungen und Ueberlegungen ergibt sich unwiderleglich, daß, wenn der Beschäftigungsgrad der Ruhrbergarbeiter wesentlich gehoben und die Arbeitslosigkeit fühlbar gebannt werden soll, die Arbeitszeit verkürzt werden muß. Es ist unerträglich, zu sehen, daß die Förderleistung je Mann und Schicht seit 1925 pon Monat zu Monat ansteigt und die Arbeitslosig= feit nicht nur durch die Wirtschaftskrise, sondern auch durch den Aufstieg der Förderleistung im= mer größer wird und selbst in Zeiten einer guten Konjunktur nicht gebannt werden könnte, wenn die gegenwärtige Arbeitszeit aufrechterhalten bleibt. Darum muß die Arbeitszeit ganz besonders im Ruhrbergbau, jei es durch die Rück fehr zur Siebenstundenschicht, sei es, indem die Vierzigstundenwoche eingeführt wird, verkürzt werden. Das ist die Forderung, die die Bergarbeiterorganisationen den Tarifauflockerungswünschen der Unternehmer entgegenhalten und an die Regierung zu stellen haben. Die wirtschaftlichen Boraussetzungen find im Ruhrbergbau gegeben, um diese Forderung zu erfüllen. Darum vorwärts zur Tat! merfungen gegenüber den fühnen Behauptungen der KPD. Solange sich deren Führer eine Einheitsfront nur so vorstellen können, daß die ,, Verbündeten" aufeinander schimpfen und aufeinander schlagen, solange wird es für jeden Arbeiter klar sein, daß die KPD. nicht die Einheits= front, sondern nur ein Einheitsfrontmanöver will. Last der Freizeit Auf der Flucht vor dem Müẞiggang Die Kleinigkeit, die dem Arbeitsmann immer zum Glücklichsein fehlte, war Zeit, nur Zeit". Heute haben sieben und eine halbe Million deutscher Arbeiter viel, viel zu viel Zeit; nur Arbeit fehlt ihnen, und Brot, und Obdach, und das Recht auf Leben. Die Last der freien Zeit ruht schwer auf ihnen, am schwersten vielleicht auf den jungen Menschen. Die Familie, die meist selber bittere Not leidet, muß den rüstigen, arbeitslosen Jugendlichen ernähren und beherbergen, und der gemeinsame Hunger und der gemeinsame beengte Wohnraum machen dieses Zusammenleben vielfach auf die Dauer so bitter, daß der Arbeitslose nur einen Ausweg sieht: Flucht. Flucht auf die Landstraße oder sogar Flucht in den Tod. Eine Unterredung, die Walter Maschke, der Jugendsekretär des ADGB., vor dem Mikrophon der Berliner Funkstunde mit drei Schülern der Bundesschule des AD G B. in Bernau, drei jugendlichen Erwerbslosen hatte, machte dieses Elend deutlich. Mancher Jugendliche floh aus seinem heimatlichen Elend in den freiwilligen Arbeitsdienst. Hier ist es wenigstens ein paar Wochen ihm entzogen oder der Not der Obdachlosigkeit. Der Werkstudent, der keine Arbeit mehr findet und deshalb sein Studium abbrechen muß, schiebt die Versorgung im Arbeitsdienst als Atempauſe vor seine hoffnungslose Zukunft. Der Jugendliche, den der Hunger auf der Landstraße stehlen lehrte, läßt sich vom Jugendpfleger hierher überweisen. Der Milch austräger, der mit Vater, Mutter und neun Geschwistern, davon zwei schulpflichtig und fünf arbeitslos, in Stube, Kammer und Küche hausen mußte, fommt ins Arbeitslager. Niemand sucht etwas anderes als Schutz vor dem bittersten Elend. Alle wissen, daß nach Ablauf der Arbeitsdienstzeit das alte Elend auf Wir beschränken uns auf diese wenigen Be- fie wartet. Einige Hilfe für die erwerbslose Jugend läßt sich nur dadurch bieten, daß man ihr eine da u= ernde Gemeinschaft öffnet: den Kreis der Gewerkschaftsjugend oder der sozialistischen Arbeiterjugend. Die drei Gesprächsteilnehmer stammten aus den verschiedensten Teilen des Reiches, aus Berlin, Ostpreußen, Bayern. Sie alle sind in der Jugendbewegung tätig. Ihre Berichte zeigten, was am dringendsten notwendig ist, um die arbeitslose Jugend vor dem Zerbrechen zu bewahren: Gemeinschaft, Essen, Arbeit. Körperliche Arbeit, sinnvolle Arbeit ist für die arbeitslose Jugend ein Geschenk, nach dem sie sich drängt. Zur geistigen Arbeit muß fie vielfach erst in der Gemeinschaft erzogen werden; denn längere Arbeitslosigkeit läßt auch den geistig Interessierten, der die ersten Wochen und Monate seiner unfreiwilligen Freizeit durchaus sinnvoll auszufüllen verstand, meist erschlaffen. Wirkliche Hilfe jedoch in diese Feststellung flang die Unterhaltung aus- fann nur in der Schaffung von normalen Arbeits- und Einfom= mensverhältnissen den werftätigen Menschen, der werktätigen Jugend zuteil werden. BVG.- Kündgebung der Eisernen Front! Am Donnerstag, dem 16. Februar 1933, 19.30 Uhr, in den Gesamträumen der Kammersäle, Teltower Str. 1-4. Paul Löbe spricht über das Thema: Herrenrecht oder Volksrecht? Es wirkt mit der Männergesangverein der BVG. Betriebssekretariat. Achtung, Schuhmacher! Heute, Dienstag, findet im Gewerkschaftshaus die Jahresgeneralversammlung des Zentralverbandes der Schuhmacher statt. Die Mitglieder werden ersucht, diese sehr wichtige Versammlung zu besuchen. Angestelltenräte! Einheitsfrontmanöver der KPD. Daß die Mitglieder der Betriebsvertretungen sich in ihrer überwiegenden Mehrheit als Funktionäre der freien Gewerkschaften fühlen, ist der KPD. ein Dorn im Auge. Der Eindruck der wuchtigen und geschlossenen Kundgebung der Betriebsräte auf der Betriebsrätekonferenz im Januar soll möglichst verwischt werden. Ein Herr Hellige aus Berlin- Frohnau hat unter wilden Beschimpfungen der freien Ge werkschaften für den 14. Februar eine„ Konferenz der Berliner Angestelltenräte" nach dem Reichstag einberufen. Ein Herr Bohnenstengel foll dort den Angestelltenräten kommunistische Kampftattik beibringen, die darin besteht. zuerst einmal die vorhandenen Kampforganisationen zu schwächen, wenn möglich, zu zer= schlagen. In dem Aufruf wird von einer„ Konferenz" gesprochen, auf den Eintrittskarten ist nur noch von einer ,, Besprechung" der Vertreter verschiedener Betriebe mit dem kommunistischen Reichstagsabgeordneten Torgler die Rede. Freige werfschaftliche Angestelltenrats mitglieder nehmen ihr Amt zu ernst, um sich gegenwärtig mit Herrn Bohnenstengel und ähnlichen Strategen herumzuschlagen. Da die Herrschaften ohnehin enttäuscht wären, wenn ihrer Einladung wirkliche Angestelltenvertreter folgen würden, wollen wir sie auch ruhig unter sich laffen. Zentralverband der Angestellten. Nicht so hizig! Auf Antrag der Unternehmer sollte gestern vor dem Schlichtungsausschuß über den Neuabschluß des Lohn- und Manteltarifvertrages für die Berliner Möbeltransportarbeiter verhandelt werden. Zu diesen Schlichtungsverhandlungen ist es aber nicht gekommen. Die Unternehmer hatten beim Schlichtungsausschuß die Tarifhilfe beantragt, ohne vorher mit dem Gesamtverband direkte Berhandlungen geführt zu haben. Dieses übereilte Vorgehen war von ihnen mit der Behauptung begründet worden, der Gesamtverband fuche die direkten Verhandlungen zu verschleppen, um in die Umzugszeit hineinzugelangen und dann die Unternehmer unter Drud sezen zu können. ,, Unter Druck setzen" dürfen natürlich nur die Unternehmer ihre Arbeiter. Aus dem Briefwechsel mit den Unternehmerorganisationen fonnten die Vertreter des Gesamtverbandes aber nachweisen, daß sie sich für Mitte Februar zu weiteren Verhandlungen bereit erklärt hatten. Da Lohn und Manteltarif noch bis zum 28. Februar Geltung haben, standen noch 14 Tage zur Verfügung, um zu einer Verständigung zu kommen. Der Vorsitzende des Schlichtungsausschusses lehnte es daher auch ab, einzugreifen, bevor nicht direkte Verhandlungen geführt worden sind. Diese finden nunmehr am Mittwoch statt. Der Vorwärts" erscheint wochentäglich zweimal. Sonntags und Montags einmal Illustrierte Sonntagsbetlage Bolt und Zeit". Bezugsprette: Wöchentlich 75 Pt, monatlich) 3,25 M.( davon 87 Bt monatlich für Buſtellung ins Haus) im voraus zahlbar. Bostbezug 3,97 Meinschließlich 60 Bt. Postzeitung und 72 Pf. Boftbestellgebühren. Auslandsabonnement 5,65 M. pro Monat; für Länder mit ermäßigtem Drucksachenporto 465 M. Bei Asfall der Lieferung wegen höherer Gewalt besteht fein Anspruch der Abonnenten auf Ersaz. Anzeigenpreife: Die einipaltige Millimeterzeile 30 Bf., Reklamezeile 1,50 M. Kleine Anzeigen" das fettgedruckte Bort 20 t.. jedes weitere Wort 10 Bf Rabatt laut Tarif. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmartt Millimeterzeile 25 Pf. Familienanzeigen Willimeterzeile 16 Bf. Anzeigenannahme im Hauptgeschätt Lindenstr. 3, wochentäglich Don 8 bis 17 Uhr. Der Verlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor. Berantwortlich für Politit: Rudolf Brendemühl; Wirtschaft: G. Klingelhöfer; Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: Herbert Menere: Sofales und Sonstiges: Friz Karstadt: Anzeigen: Otto Senaft; fämtlich in Berlin./ Berlag: Borwärts- Verlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckerei und Verlaasanstalt Paul Singer u. Co., Berlin SW. 68, Lindenstr. 3. Hilferöing und die Inflation Zur Richtigstellung einer Geschichtslüge— Von Alexander Knoll Solange sich die Wahlpropaganda der gegen» wärtigen Reichsregierung— und etwa gleich- gesinnter Nachfolger derselben— daraus be- schränkt, die Äntimentalität und politische Un- kcnntnis eines Teiles des deutschen Volkes für ihre reaktionären Zwecke durch allerlei rein ge> fühlsmäßige Redensarten und Gemeinplätze aus» ?unutzen, ist dagegen mit Vernunftgründen und reiner Tatsachendarstellung im allgemeinen nur schwer anzukommen, da diese sich nicht an das Gefühl, sondern an den kühlen Verstand und die politische Vernunft wenden, also gerade an diejenigen Eigenschaften, die dem nationalistischen Stimmvieh im allgemeinen abgehen, In den Fällen jedoch, wo diese Propaganda sich auf den Boden der Tatsachen begibt und versucht, diese im Sinne ihrer Propaganda um- zubiegen, da soll man ihr klar und scharf ent- gegentreten. Ein solcher Fall— es ist nicht der einzige, aber ein äußerst bedeutsamer— liegt vor in der Kanzlerrede vom 10. Februar d. I, Da- nach soll Hilferding die Inflation verschuldet haben. Eine gröbere Vergewaltigung der ge- schichtlichen Wahrheit als diese Behauptung dürfte schlechterdings kaum möglich sein. Es soll hier nicht ein« Geschichte der Inflation geschrieben werden. Aber es ist vielleicht nicht unangebracht zu betonen, daß, als Hilferding da- mals Finanzminister wurde, die Inflation schon längst im Gange war. Gewiß hat sie unter seiner Ministerschaft den Höhepunkt erreicht, aber wie das gekommen ist, darüber kann vielleicht am besten der ehemalige Staatssekretär des damaligen Reichskanzlers Cuno, Dr, Hamm, der spätere Reichswirtschaftsminister, Auskunft geben. Unter Hilferdings Ministerschaft hat aber die Inflation nicht nur ihren Höhepunkt, sondern auch ihr Ende erreicht. Und aus diesen Tagen möchte ich hier eine Episode schildern, die ich als Teilnehmer miterlebt habe und die am besten geeignet sein dürfte, zu beweisen, daß der gegen Hilferding erhobene Vorwurf nicht nur unwahr, sondern geradezu unsinnig ist. Es war in den Tagen des Abbruchs des R u h r- k a m p f e s. Hunderttausende von Arbeitern und Angestellten im besetzten Gebiet, die sich bis dahin notdürftig von den Unterstützungen aus völlig ent- wertetem Papiergeld über Wasser gehalten hatten, logen auf der Straße, Sie, die den schweren und mit ungeheuren Opfern verknüpsten Kampf gegen die oftmals raffinierten Schikanen und Grausam- keiten der Besatzungsarmee geführt hatten— ge- führt hatten mit Wunsch und Willen der deutschnationalen Regierung Eunv, allerdings nicht dieser zu Gefallen, sondern um des deutschen Reiches und Volkes willen—, sie hatten gehofft, daß die Regierung ihnen nun auch noch über die nächsten Wochen hinweghelfen würde! Diese Hosfnung wurde grausam zerstört! Das Reichsfinanzministerium verweigerte jede weitere Unterftühung, und an der Spitze des Ministeriums— stand Hilferding! Wir vom ADGB,, d. h. G r a ß m a n n und ich (irre ich nicht, war auch Heinrich Meyer- Düsseldorf, unser Bezirkssekretär, dabei), gingen daraufhin zu Hilferding persönlich, um für die ausgebluteten Kampftruppen wenigstens etwas herauszuholen: Auch unseren eindringlichen Vor- stellungen setzte Hilferding ein starres„Nein!" entgegen. Er begründete es damit, daß er sagte (dem Sinne nach): „Zahlen wir nur noch eine Woche Unter- ftüfcung, dann fällt auch die Rentenmark ins Wasser!" Wir sind damals mit tiefem Groll im Herzen aus dem Finanzministerium fortgegangen Nicht nur, weil wir wußten, daß sich nunmehr die ganze Empörung und Enttäuschung der im Stich ge- lassenen Kämpfer auf die Gewerkschaften abladen würde, sondern auch weil wir darin ein tatfäch- liches Unrecht gegen die Arbeiter erblickt haben, Wir sind mit der Zeit darüber hinweggekom- men. Aber man stelle sich vor: Der Minister Hilferding, um die neue Mäh- rung unter allen Umständen zu sichern, schreck« selbst vor einem Akt scheinbarer Grausamkeit gegen eine Arbeiterschaft nicht zurück, die in einem geradezu heroischen Kamps Volk und Vaterland vor dem Zusammenbruch gerettet hat. eine Arbeiterschaft, die ihm zum großen Teil politisch nahesteht— und einen solchen Minister wagt man öffentlich zu beschuldigen, daß er die 3n- slation verschuldet habe i * Aus unserer Kenntnis der Dinge fügen wir noch folgendes hinzu: Genosse Hilferding erhielt als Reichs- finanzminister Einblick in die Kosten des Ruhrkampfes, feine Finanzierung und über den wahren Stand der Reichs- f i n a n z e n am Ende des Ruhrkampfes. Er hat in einer tapferen Rede im Reichstag den Schleier von diesen Dingen gezogen, e r hat dem Volke die ungeschminkte Wahrheit gesagt! Die Konsequenz feiner Haltung war der unerbittliche Wille zum Wider- stand gegen alle Bestrebungen, die Noten- � presse weiter arbeiten zu lassen. H i l f e r- ding wurde nicht nur von den Gewerk- schaften bestürmt sondern in e r st e r Linie von den Ruhrindustriellen und von weitesten Kreisen des Mittel- standes, die damals nur noch von der Notenpresse lebten! Trotz dieses gewaltigen Drucks hat Hilferding mit aller Energie an der Stabilisierung festge- halten. Die Legende, daß er die Inflation gemacht habe, ist eine ungeheuerliche Ver- drehung der Tatsachen. R.ede»Inklation >* fei m, MAB 'ichk IWSprfdfe'ßi; Nicht Was sagt HMer? Nazis gegen Verstaatlichung der Großbanken Vor einiger Zeit hatten die Nazis im Bayer!- s ch e n Landtag— wie auch im Reichstag und in anderen Parlamenten— einen Antrag auf Ver- staatlich u ng der Großbanken eingebracht, Während sie aber im Reichstag durch Auflösung um eine Abstimmung herumkamen, passierte ihnen im Bayerischen Landtag das Unglück, daß dieser Antrag ausgerechnet wenige Tage nach der Machtergreifung Hitlers zur Ab- st i m m» n g g e st e l l t wurde, Nun war guter Rat teuer. Dafür konnten sie nicht gut stimmen, denn dann hätten Hugen- birg und Papen im Reichskabinett«inen Heiden- krach geschlagen. Dagegen konnten sie noch weniger stimmen, denn ein jo offensichtliches Preisgeben einer ihrer Hauptparoien im ent- scheidenden Augenblick wäre auch den eigenen Anhängern aufgefallen. Was taten sie also? Sie änderten ihren Antrag ab, so daß er nicht mehr die Verstaatlichung der Großbanken ver- langte, sondern nur noch ihre Unterstellung unter „Staatsaufsicht". In dieser harmlosen Fassung wurde der Antrag mit den Stimmen der Nationalsozialisten und der Sozialdemokraten an- genommen. Aber auch dieser Beschluß des Bayerischen Landtags ist den großkapitalistischen Bundes- genossen Hitlers noch sehr unbequem. Die schwer- industrielle„Deutsche Allgemeine Zeitung" führt bewegliche Klage darüber, daß sich die Wirtschaft nicht erholen könne, solange»och Zweifel über den wirtjchastspolitischen Kurs bestehen, den die Rc- gicrung steuern will. Es lägen ausdrückliche Zusagen Adolf Hitlers vor, wonach er an keinerlei „Reden, Reden, nicbts als Reden. Davon werden wir auch nicht satt." Verstaatlichung des Bankwesens, besonders auch nicht der Großbanken denke. Dann dürften sich aber auch die Nazis in Bayern nicht solche Extra- touren leisten. Es sei notwendig, daß der Reichs- kanzler seine überragende Autorität in der Partei einsetzt, um in der bayerischen Landtagsfraktion nach dem Rechten zu sehen, Wir zweifeln nicht daran, daß Herr Hitler dieser freundlichen Aufforderung ungesäumt nachkommen wird, Der neue Beamtenschub Die Uste wächst— Bürgerliche Proteste Die Liste der von Goring zwangsbeur- la übten Beamten in der inneren Berwal- tung und in der Polizei ist weiter gewachsen, Wir tragen nach: Regierungspräsident S t i e l e r- Aachen, Polizeipräsident Barth- Hannover, Po- lizeipräsident Wende- Waldenburg, Polizeipräsi- dent M a i e r- Stettin, Polizeipräsident T h a i ß- Breslau, Polizeioberstleutnant Mayer- Walden- bürg, Polizeioberst Harlinghausen- Bochum, Landjägereimajor Schäfer- Wiesbaden, Polizei- niajor o. S e i d l i tz- Wiesbaden, Es handelt sich zum Teil um unpolitisch« Beamte, zum Teil um Angehörige der Staats- parte!, der Sozialdemokraten, des Zentrums und der Deutschen Volkspartei. Dies Vorgehen hat selbst bei der„Deutschen Allgemeinen Zeitung" Entsetzen hervor- gerufen, Sie schreibt: „Schon die Frage der Aemterbesetzung kann doch mit der Methode des Massen- mordes allein nicht gelöst werden. Um ein kleines Beispiel zu nennen: Der Tennismeister Froitzheim, seines Zeichens Polizeipräsident von Wiesbaden, sicher ein gut nationaler Mann, soll abgesägt werden, weil er in der Vergangenheit gelegentlich nationalsozialistische Aufmärsche nicht zugelassen hat. Oder: Die Funkzeitung des Stahl- Helms fordert die Ersetzung des Intendanten des Deutschlandsenders Professor Dr. S ch ub o tz durch den Propagandachef des Bundes der Frontsoldaten Dr. Hans Hübotter. Und das im Zeichen der aufsehenerregenden Rede des zweiten Bundes- führers D u e st e r b e r g, der sich mit so kräftigen Worten gegen die Postenjägerei ge- wendet hat. Wäre es nicht möglich und ange- bracht, diese Denunziationen, die gewiß nicht im Sinne der wirklichen Führer der Reichs- regierung liegen, einzuschränken oder beiseite zu schieben? Ein Landrat, der mit einem örtlichen SA,-Führer Krach gehabt hat, kann unter Um- ständen trotzdem ein höchst brauchbarer und tüch- tiger Beamter sein. Bei den Stellenbesetzungen, die manchmal die tragikomischsten Hintergründe haben,— aber ebenso in den großen wirtschafts- politischen Entscheidungen wäre die Mitwirkung und Berücksichtigung der gemäßigten Rechten im Staatsinteresse nützlich und erwünscht. Der Sturm auf die Schreibtische der Amtsstuben hat beängstigende Formen ange- nommen, und wenn wir der östlichen Landwirt- schaft auch alles erdenklich? Gute wünschen, kann doch nicht übersehen werden, daß es im weiten Deutschen Reiche auch noch einige andere Berufe und Gegenden gibt, die der Lehre von der Gleichheit des Staatsbürger» vor dem Gesetz zugetan sind," Gm Artikel 130 der Verfassung Eigener Bericht des„Vormärls Arcmksurt o. vi.. 13. Februar, Unter der Ueberschrist„P a r t e i r e g i m e» t" schreibt die„Frankfurter Zeitung" über die Amtsenthebungen der Preuhenkommissare: „Der Artikel 1 3 0 d e r V e r f a s s u» g, der die Meinungs- und Vereinigungsfreiheit der Be- amten gewährleistet, scheint angesichts der prat- tischen Personalpolitik des Herrn Göring langsam zu einer deutschen Sage zu werden. Auch die Provinz Hessen-Nasscm ist mit der besonderen Aufmerksamkeit der neuen Herren im preußischen Innenministerium beglückt worden. Innerhalb weniger Stunden sind zwangsweise beurlaubr worden die beiden Regierungspräsidenten der Pro- vinz, der Polizeipräsident von Frankfurt a, M, und der Landrat des Main-Taunus-Kreises, Das find jene Beamte, die zu den tüchtig- sten überhaupt gehörten. Wir sind nicht in den Vereinigten Staaten, wo mit jedem Regierungswechsel ein ganzer Troß von Beamten gehen muß, um den Günst- lingen eines neuen Kurses Platz zu machen. Wir haben in Deutschland ein Berufs- beamtentum mit verfassungsmäßig gesicherten Rechten. Wenn es dem Nationalsozialismus ein- fallen sollte, diese Rechte einfach zu verschlucken, so würde er sich wohl bald wundern, was er an diesen Bissen zu würgen hätte, Zichauf hat man verdiente Männer von ihren Aemtern entfernt, Ueberall waren es die gleichen Methoden und die gleichen Motive. 14 Jahre lang haben die Nationalsozialisten gegen da- Parteiregiment der Republik gestritten und ge- wettert in Ausdrücken, deren öffentliche Wieder- gäbe heute alsbald zur Unterdrückung jeder Zei- tung, die das nachdrucken würde, führen müßte Jetzt sind sie selbst an der Macht. Jetzt könnten sie zeigen, wie man es„ehrlicher",„sauberer", „unparteiischer" macht als die schlimmen Republi- kaner. Und dies also sind ihre ersten Taten? Wir möchten wissen, was Herrn Severing miderfahren wäre, wenn er jemals gewagt hätte höhere Polizeioffiziere zum Abschied zu drängen, mit der Begründung, der Adressat„besitze nicht mehr das Vertrauen des Ministers". Lebhaft stellen wir uns den Entrüstungssturm im natio- nalsozialistischen Blätterwald vor, den dies ent- facht hätte. Es ist damals nicht geschehen. Jetzt geschieht es! In der Tat, nationalsozialistische Minister können es besser: nämlich das Parteiregimentl" KominternundEinhettöfront l�PD.»Kompromiß erlaubt An Stelle des zuerst angekündigten Chefredak- teurs der„Jstwestja" hat im Moskauer Rundfunk als Vertreter der Komintern ein Lehrer vom Marx- Engels-Jnftitut über das heutige Deutschland ge- sprochen. Zunächst zjtiertc er Ansprachen sozial- demokratischer Führer in Deutschland. Besonder« ausführlich den Vorschlag eines„N i ch t» A n- griffspaktes" zwischen Kommunisten und Sozialdemokraten, Dann führte der Redner aus: Die Einheitsfront sei in Deutschland eine Frage zunächst einmal der lieber Windung gegenseitigen Mißtrauens. Nun fragte der Redner, ob Kompromisse im ollgemeinen mit der kommunistischen Ideologie zu oereinharen seien: im Grunde genommen nein. Denn niemals könne der Kommunismus denselben Weg gehest wie die Sozialdemokratte und niemals können die politischen Linien der beiden Parteien dieselben sein. Aber talsächlich sei die Lage, in Deutschland augenblicklich so, daß man von einem Sonder zustand spreche» könne, der besondere Gesetze schasse. Italien sei das abschreckende Beispiel. und wenn die A k t i o n sf ö h i g k e i t der Ar beiter im entscheidenden Augenblick gehoben wer- den könne, dann seien selbst K o m p r o m i s s e rein aktueller Art und auf bestimmt« Zeit beschränkt— eine dringende N o t w e n d i g- keil Die Lage in Deutschland fei eben heute so, daß für die KPD. vielleicht auch besondere Be- stimmungen, die für kommunistische Theoretiker anderer Länder nicht zutreffen, gelten könnten. Daß die Einheitsfront geschaffen werden ni ü s f e, sei klar. Es frage sich nur, welcher Weg dazu der beste und vor allen Dingen der s ch n e l l st e sei. Ausmarsch in Leipzig Bürgertum keiert>Vagner— die Eiserne Front den Kampf Eigener Beridü des„Vorwärts" Leipzig, 13. Februar. Zur selben Stunde, als Hitler neben Win- fried Wagner an der Richard-Wagner-Feier im Leipziger Gewandhaus teilnahm, marschiert« die Leipziger Arbeiterschaft von zahlreichen Sammelplätzen in imposanten Zügen nach dem M e ß p l a tz. Mindestens 30 000 Männer und Frauen demonstrierten hier ihren Kamps- willen gegen Unterdrückung und Reaktion, Die gewaltige Menge legte ein be- geistertes Bekenntnis zur Sozialdemokratischen Partei ab und gelobte, alle Kraft für ihren Sieg einzusetzen. Reichstagsabgeordneter Franz Künstler- Berlin erklärte in seiner Ansprache u. a., so wenig Bismarck und Wilhelm II. mit der Sozialdemokratie fertig geworden find, so wenig werde Adolf Hitler sie überwinden: es werde der Tag kommen, wo auch er vor der Sozialdemokratie kapitulieren muß! In diszipliniertem, stramm geordnetem Rück- marsch zogen die Demonstranten nach den Be- zirken und Vororten, überall von dichten Zu- schauerspalieren auf das herzlichste begrüßt, Vor der deutschen Botschaft in Madrid demon- strierten Linksradikale gegen die jetzige deutsche Regierung, Es wurden Steine geschleudert, die Zivilgarde griff ein, zwei Schüsse sielen zwei Verhaftungen wurden vorgenommen. Aehnlich war es In Lima(Peru). Suppen Hühner SuppenH R TIETZ MA N N hühner frisch, Pfd. von Groffer LEBENSMITTEL Verkauf 0,68. Salami oder Zervelat Pfd. 0.98. an Molkereibutter Pfd. 0,98. Lebensmittelzusendung von 5 Mark an. Preise nur Dienstag und Mittwoch. Fische u.Räucherw. Wurstwaren Grüne Heringe 3 Pfd.v. 0,28 Kabliau gross, o. K., i. g., Pfd. 0,12 0,10 Seelachs Speckwurst Dampfwurst Frisches Fleisch Mengenabgabe vorbehalten. Kolonialwaren gefroren, Pfd. von 0,64 Verkauf soweit Vorrat. an 32 Obst und Gemüse 3 Pfd. 0,44 Pfd. 0,65 Roastbeef m. Kn., Pfd. v. 0,58 Backobst....... Pfd. von 0,32 Apfelsinen Pfd. 0,65 Rindergulasch Pfd. v. 0,58 Pflaumen.......Pfd. von 0,22 Jaffa- Orangen 3 Pfd. 0,58 Hammelvorderfl. Pfd y 0,58 Pfirsiche.Pfd. von 0,42 Tafeläpfel Kalbskamm o. B., Pfd. v. 0,46 Kakao stark entölt, Pfd.v. 0,50 Zitronen Bratwurst Berl. Art, Pfd. 0,68 Rinderherzen Jagdwurst Pid. 0,76 Landleberwurst.. Pid. 0,80 Mettwurst Braunschw.Art, Pfd. 0,80 ff. Leberwurst.... Ptd. 0,96 Käse und Fette Margarine gross, o. K., i. g., Pfd. 0,12 0,10 Rotbars.Pfd. von 0,24 Filet v.Kabliau Pfd. von 0,28 Bücklinge...... Pfd. von 0,18 Schellfisch ger..... Pfd. 0,28 Seelachs geräuchert, Pfd. 0,32 Fleckheringe ger., Pfd. 0,38 Lachsheringe ger., St. 0,15 Fischmarinaden-Ltrd. 0,22 Kokosfett Pfd. 0,24 Pfd. 0,42 Konserven Rinderbacken.... Pid. 0,36 Karotten geschn.. Euter......... Pfd. 0,18 Haushaltmischung Allg.Stangenk.20% Pta. 0,36 Tafelreis Harzer.. Pfd. 0,24 Pfd. 0,68 Tilsiter vollfett Schweizer vollfett, Pfd. 0,76 3 Pfd. 0,88 Freie Gewerkschafts- Jugend Berlin Seute, Dienstag, 14. Februar, tagen folgende Gruppen um 19 Uhr: Moabit: Jugendheim Bremer Str. 69-70. Theo Maret liest aus: ,, Alaffe im Rampf" und ,, Streit". Spandau- Wilhelmstadt: Jugendheim, Sportplaz Seeburger Straße. Die Frau in der Politik. Treptow: Jugendheim Elsenstr. 3. Wie diskutiere ich mit meinem Gegner? Schöneweide: Jugendheim Niederschöneweide, Berliner Str. 31( Mädchenschule, im Keller). Die Jugendarbeit anderer Organisationen. Ablershof: Jugendheim Bismardstr. 1. Die Frau in Sowjetrußland. Pantow: Jugendheim Rissingenstr. 48, 3. 5. Entwicklung der freien Gewerkschaften. Arkonaplaz: Jugendheim, Schule Elisabethkirchstr. 19. Bub und Mädel in der Jugendbewegung. Neu- Lichten berg: Jugendheim Gunterstr. 44. Wie verhalten wir uns vor Polizei und vor Gericht? Frankfurter Allee: Jugendheim Litauer Str. 18. Die Grundlagen des Marrismus. Oftende: Jugendheim Karlshorst, Trestomallee 44( RantSchule). Ausspracheabend. Osthafen: Jugendheim Goßlerstr. 61( Rotes Zimmer). Bub und Mädel in der Gruppe. Lichtenberg: Jugendheim Doffe. straße 22. Bunter Abend. Landsberger Plag: Jugendheim DiestelmeyerStraße 5. Bunter Abend. Südostkreis: Jugendheim des Gesamtverbandes, Zimmer 5, Engelufer 24-25. Areistursus: Wir bauen eine neue Welt. Nordoftkreis: Jugendheim Sonnenburger Str. 20. Fortsegung unserer Arbeits gemeinschaft. Thema: Kampf und Aufstieg. Pfd. von 0,11 Linsen Pfd. von Erdnüsse 11 Dose Rotkohl von 0,26 Weisskohl 0,39 a. getrock. Erbsen hergest., Pfd. v. 0,34 Schnittbohnen Brechbohnen Apfelmus.. 0,14 Reineclauden. Erdbeeren.. CASPRO Winter Stettiner Sänger Garten 8 Uhr 15. Flora 3434. Rauchen erl. Gsovsky- Ballett Medini- Trio Rassana Lotte Werkmeister Die lustigen Weintraubs usw. Reichshallen- Th., Dönhoffpl. 8.15, Sonntags 3.30 zu ermäßigten Preisen ***** TERSY Pfd. 0,25 Dtz. v. 0,28 Pfd. 0,25 Pfd. 0,05 Pfd. 0,05 Pfd. 0,05 Kohlrüben........ Möhren gewaschen, Pfd. 0,05 0.46 Sellerie 0,46 Zwiebeln 2 Pfd. 0,15 2 Pfd. 0,15 0,85 Blumenkohl.. Kopf von 0,18 0,90 Kartoffeln 10 Pfd. von 0,26 fleisch Pfd. von 0,48 an Schweinebauch ohne Beilage, Pfd. 0,62 Gewinnauszug Weisse Bohnen Pfd. von 0,12 5. Klasse 40. Preußisch- Süddeutsche Staats- Lotterie. an Ohne Gewähr Nachdrud verboten Auf jede gezogene Nummer sind zwei gleich hohe Gewinne gefallen, und zwar je einer auf die Lose gleicher Nummer in den beiden Abteilungen I und II Das große Februarprogramm: 5. Ziehungstag ,, Karneval“ Deutscher Metallarbeiter- Verband Branchen- Versammlung der Metall- und Revolverdreher sowie Dreherinnen Jugendaruppe des Zentralverbandes der Angestellten Rose- Theater Deutsches Donnerstag, den 16. Februar 1933. Heute, Dienstag, finden folgende Veranstaltungen statt: Lichtenberg II: Jugendheim Gunterstr. 44. Traven sin Dichter des Proletariats. Bortragende: Friedel Hall. Nordwest: Jugendheim Lehrter Str. 18-19. Die Arbeit in der Kunst. Leiterin: Hanni Moosdorf. Arbeitskreis Gesund. brunnen: Jugendheim Schönstedtstr. 1. Ausspracheabend. Ausspracheabend aller Uebungsfirmen- Mitarbeiter um 20 Uhr im Verbandshaus. Kollege Stadermann spricht über: ,, Das Recht des Kaufmanns". Große Frankfurter Straße 137 Tel. Weichsel E7 3422 8.15 Uhr Der Hasenfellhändler Vorträge, Vereine und Versammlungen Kurfürstend. Th. Reichsbanner ,, Schwarz- Rot- Gold". Geschäftsstelle: Berlin G 14, Sebastianfte. 37-38,$ of 2 Tr. Prenzlauer Berg. Alle Sportler gehen heute zum Jungba- Heimabend Der Turnabend fällt dafür aus. Pankow. Die Kame radschaftsversammlung der Außenbezirke findet nicht Donnerstag, sondern be. reits heute, Dienstagabend, statt. Arbeiter Radio- Bund. Die für Freitag, 17. Februar, angefegte Mitgliederversammlung findet am Donnerstag, dem 16. Februar, im Lotal Eisner, Köpenid, Raiser- Wilhelm- Str. 3, statt. Mitgliederneuaufnahmen finden dafelbst statt. Die Fredika, Geschäftsstelle: W. Floerte, Berlin SW. 19, Rurstr. 32, Telephon: Merkur 2196, unterhäft laufend Fremdsprachen- Abende im Rölln. Gymnasium, Insel- Ecke Wallstraße. Montags: Englisch Mittel: 20-22; Dienstags: Französisch begonnene Anfänger 18-20; Französisch Mittel 20-22; English vorgeschrittene Anfänger 20-22; Donnerstags: Englisch Fortgeschrittene 20 bis 22; Französisch Fortgeschrittene 20-22; Freitags: Englisch begonnene Anfänger 20-22 Uhr. Neue Anfängerklassen beginnen wieder, auch für Er. werbslose! Reichsbund jüdischer Frontsoldaten, Bezirk Moabit, Dienstag, 14. Februar, 20% Uhr, im Bazenhofer, Turmstr. 25, Vortrag des Bundesvorsitzenden Dr. Löwenstein. Sozialistischer Esperanto- Bund, Gruppe Zentrum. Jeden Dienstag von 191 bis 21 Uhr im Metallarbeiterhaus, Elfäffer Str. 86-88. Gruppe Reinidendorf. Jeden Donnerstag von 20 bis 22 Uhr in Berlin- ReinidendorfOft, Lindauer Str. 1( Barade). Reichsbund der Kriegsbeschädigten, Ariegsteilnehmer, und Kriegerhinter. bliebenen. Dienstag, 14. Februar, 20 Uhr, Emest Gesellschaftshaus, Große Frankfurter Str. 30. Referent: Kamerad Lorenz. Ortsgruppe Norden 14. Donnerstag, 16. Februar, 20 Uhr, Mitgliederversammlung in den CasinoFestfälen, Pappelallee 15. Referent: Ramerad Lorenz. Thema: Notruf der Ariegsopfer! Longfellow English Debating Club, Bülowstr. 104. Mittwoch, den 15. rebruar, 84 Uhr, abends, spricht Mr. W. P. Jones über das Thema:„ To be continued." Gäste willkommen. Theater, Lichtspiele usw. www Staats Theater Dienstag, den 14. Februar Staatsoper Unter den Linden 19 Uhr Die Zauberflöte Staatliches Schauspielhaus 191 Uhr Faust II. Teil SCALA PLAZA Tägl.5 0.8% U. Barb.9256 LA TERESINA FELIX BRESSART Fred. SANBORN a. 816, Stgs. 2, 5, 815 0. Nur noch 2 Tage! Boccaccio VOLKSBUHNE Theater am Bülowplatz Das Theater ohne Bon- Wirtschaft Kurfürstendamm 209 Bism. 1400 8 Uhr Theater Schumannstr. 13 a Weidend. 5201 Täglich 8 Uhr Iphigenie auf Tauris von Wolfgang von Goethe Nach der Inszenierung von Richard Beer- Hofmann Helene Thimig. Hart, Baiser, Liebeneiner. v. Winterstein abends 5 Uhr, im Cofal von Reinte, Grünauer Straße 17. Tagesordnung: 1. ,, Der DMB. im Kampf gegen die Krise." Referent Kollege Leo vom Hauptvorstand. 2. Distussion. 3. Branchenangelegenheiten. Mitgliedsbuch legitimiert! Zahlreiches Erscheinen wird erwartet. Achtung! Achtung! Branchenversammlung der Gold- u. Silberschmiede Glückliche Künstlertheater abends 5 Uhr, im Dresdener Garten, Donnerstag. den 16. Februar Reise Operette von Künneke Preise von 0.60 bis 6.- M. Komödienhaus Schiffbauerdamm 25 Tel. D2 Weid. 6304-05 Täglich 814 Uhr Achtung, Deutsches Th. d.Schauspieler Barbarossa 0403 Täglich 8% Uhr AutomatenBüfeif Straub, Körber, Heilinger, Trenk- Trebitsch, Malkowsky Mittwoch, 4 Uhr Kampf der Tertia frisch gestrichen 8 Kleines Th. Schiller Bismarckstr.( Knie) Unter d. Linden 44 Merkur 1624 Truppe 1931 Steinpl.( C1) 6715 Wer ist der? Dümmste Täglich 8% Uhr Paul Heidemann in Die Männer sind mal se Preis 75Pf. b. 4.-M. Sonntag nachm. 31/ Kleine Preise Theater B. B. B. Carow's Lachbühne Weinbergsweg 20 Tel. D 2, 2174 Beginn 7% Bendows Bunte Bühne Kottbusser Straße 6 Oberbaum 3500 84 Uhr Sonntag auch 1/24 U Wilhelm Bendow Der scharfe Löwe Alice Hechy räglich 84 Uhr DI Norden 6536 Theater im Admiralspalast 8 Schinderhannes von C. Zuckmayer. A. Hörbiger, C. Spira, Brausewetter, Greld, Halden, Kurz, Marlow HAUS VATERLAND Im Palmensaal Tank Tee Auf& Rheinterrasse Familien Raffer mit Künstler Konzert KEMPINSKI BETRIEB CASS, MACK Städt. Oper NEUE WELT & OWEN usw. Charlottenburg Fraunhofer 0231 Berliner Theater Dienstag, 14. Febr. Charlottenstr. 90 Dönhoff 625 844 Uhr 192 Uhr Turnus II Zum letzen Male: Undine Die Nettesheim, Marneschlacht Schirach, Maucher. von Paul Joseph Cremers. Cavaram. Hüsch, Gombert, Kandl, Gastspiel des Mannheimer Baumann, Pechner. Nationaltheaters Dirig: Breisachl Arnold Scholz- U- Bahn Hermannpl.- Hasenheide 108/14 Gr.Bockbierfest Schweinebraterei u. Prämiierung der schwersten Dame bis 30 Jahre ( Ausweis) 4 Geldpreise: 40, 30, 20, 10 RM. 6 Kapellen Einlaß 7 Uhr Ribar Zauber Richard Frühlingsstürme in Operette von Weinberger und Beer Regie: Heinz Saltenburg Mary Loffeff, Arno, Elster. Dresdener Straße 45 Tagesordnung: 1. Bortrag 2 Branchenangelegenheiten. 3. Berschiedenes. Es ist Pflicht eines jeden Kollegen, in dieser Versammlung zu erscheinen. Achtung! Klempner! Allgemeine Klempner- Versammlung Donnerstag, den 16. Februar. abends 7 Uhr, im Rosenthaler Hof, Rosenthaler Straße 11-12 Tagesordnung: 1. Vortrag des Kollegen Johannsen über: Politische und wirtschaftliche Tagesfragen." 2. Jahresbericht der Branchenleitung. Ohne Mitgliedsbuch tein Zutritt. Die Branchenkonferenz im Februar fällt aus. Für zahlreichen Besuch dieser Verfammilung ist zu werben. Die Ortsverwaltung. Deutscher Metallarbeiter- Verband Verwaltungsstelle Berlin Todesanzeige Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Dreber Gustav Barnick am 10. Februar im Alter von 63 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Einäscherung findet am Mittwoch, dem 15. Februar, 1734 Uhr, im Krematorium Gerichtstraße statt. Rege Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung Danksagung Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme beim Heimgang meines lieben Mannes CASINO- THEATER Franz Beiersdorf 814 Uhr. Lothringer Str. 37 Sonntags auch 4 Uhr 8 Uhr Buntes Theater: ..Der Fürst von Pappenheim" Dazu erstklassiges Programm! Gutschein 1-4 Personen: Parkett 0,60, Fauteuil 0,75, Sessel 1,25 8 Großes Schauspielhaus us. I Ball im Savon Mufit von Baul Abraham Gitta Alpar Nosy Barsony Ostar Denes und das große Starensemble. Stg. nachm. 3% halbe Preise sage ich allen Verwandten und Bekannten. den lieben Stammgästen, den Mietern des Hauses, sowie dem Verein der Gastwirte und den Parteigenossen meinen aufrichtigen Dank. Frau Cäcilie Beiersdorf Littauer Str. 14 Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme beim Hinscheiden meines lieben Mannes und Vaters. 13. Februar 1933 In der heutigen Vormittagsziehung wurden Gewinne über 400 M. 4 Gewinne au 10000 14 Gewinne zu 5000 255184 16 Gewinne zu 3000 m. 310746 333653 gezogen . 61866 200597 . 51162 54706 90638 127828 138137 247275 40782 69951 118234 259805 283567 297728 62 Gewinne au 2000 m. 12531 22126 23031 55359 61054 76077 108590 110851 118894 130082 156230 173847 182721 198596 199154 200381 216706 239484 247494 258885 263399 284053 285816 294220 309481 330483 331624 343623 352340 353515 369645 112 Gewinne au 1000 m. 6958 11836 18583 35548 57776 58720 60823 65704 66244 87239 95155 95558 120724 125967 138303 139151 140866 142271 148038 153136 157746 162139 163717 168324 176596 177921 186951 190189 204094 215131 227899 231040 235653 251879 259244 263905 264778 270491 274018 284584 288887 295186 296364 302444 309885 314745 318026 325874 347098 349633 364810 365930 367772 376598 385086 396371 174 Gewinne au 500 m. 807 2457 4033 4268 8825 8874 10380 14294 15863 20183 24241 27010 27060 36695 36738 37080 37614 40513 43859 45486 47108 53087 53372 61189 61433 61979 65366 66811 72481 74298 76968 77005 77371 78360 87786 90463 93825 100718 109113 109524 111165 115349 117283 119726 122315 124317 135771 145680 152688 153096 153314 153732 158241 179179 182365 190723 191646 212267 229978 236368 247292 247465 248558 256400 267826 275714 276912 284303 286868 289049 290249 309056 315885 325359 328409 335369 340709 342033 352243 352983 361637 364630 366004 367554 384509 390157 390751 In der heutigen Nachmittagsziehung wurden Gewinne über 400 m. 6 Gewinne zu 10000 12 Gewinne au 5000 14 Gewinne an 3000 354687 gezogen . 50415 117431 178439 . 81955 91754 114193 122624 254128 320504 . 50451 70873 137402 210340 312408 322791 46 Gewinne ut 2000 m. 1596 22171 23815 47776 67635 71194 73524 94141 159217 162036 182852 190324 221772 235456 240391 242064 271273 294198 306304 333693 335900 373709 381056 94 Gewinne au 1000 m. 14211 17374 29852 49342 51490 57149 59206 92974 95853 101253 105094 107819 130391 135178 138103 146117 151139 151937 157682 163459 168865 170926 173228 189062 189678 215935 216132 219194 222133 225682 230685 237779 247927 249659 266018 267516 281710 289308 296079 305971 342326 354590 361130 367118 373352 374883 382185 160 Gewinne au 500 m. 849 6798 13925 15268 18844 31704 32808 34465 36310 37396 39198 43409 46438 47244 52689 57607 59532 63720 65477 67302 68268 73175 84238 85272 92715 94262 95585 108131 110382 110651 115667 118785 126762 139146 155482 156727 160838 161812 164139 167106 172647 177791 190158 200477 212185 214466 220247 226890 227723 233101 238482 238823 246853 251305 266438 274143 279748 285739 288926 289375 291063 294026 298322 308062 311820 332659 338800 339839 342388 359700 361159 361938 363084 372306 377759 379322 388890 389943 398089 399149 Jm Gewinnrade verblieben: 2 Prämien zu je 500000. 2 Gewinne zu je 500000, 2 zu je 200000, 4 Geminne zu je 100000, 6 zu je 75000, 10 zu je 50000, 26 zu je 25000, 158 zu je 10000, 416 zu je 50 0, 824 zu je 3000, 2464 zu je 2000, 4930 zu je 1000, 8216 zu je 500, 24364 zu je 4 0, und 100 Schlußprämien zu 3000 Mart. Bad Mergentheim Totalausverkauf wegen Geschäftsaufgabe. Großer Radio Zwei Villen, modern ausgestattet, bieten Bosten Schlafzim Radioanlagen, käuflich oder pachtweise Fachleuten oder mer, Speisezimmer, alle Marken, gegen pensionierten Beamten guten Verdienst. Herrenzimmer, fa- lleinste Monats. Offerten unter L. 0.4272 durch britneue Qualitäts-| raten. Vorführung Rudolf Mosse, Leipzig. ware, verschiedene tostenlos. Oftfunt Neander Größen und Holz- Szilasi. KLEINE ANZEIGEN Überschriftswort 20 Pf., Textwort 10 Pf. Wiederholungsrabatt: 5 mal 5%. 8 mal 7%, 12 mal 10%, oder 1000 Worte Abschluß 10%, 2000 Worte 15% 4000 Worte 20%. Annahme durch den Verlag, Lindenstraße 3( 129 bis 5 Uhr). sämtliche Vorwärts- Filialen u.-Ausgabestellen sowie alle Annoncen- Expeditionen Verkäufe Tapeten Szillat. Kolonie ftraße 9 Rindledersofas 135, Rindleder sessel 75,- Bolster. feffel 12,-, Ruhebetten 25,-, Couches 35,-, BetttastenTelephon arten, zu Schleuder- straße 16. Etagenpreisen. 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